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Medwedew, Sotschi 2014 und das Vancouver-Nachbeben

Kleiner Nachtrag zum russischen Sport und den Reaktionen auf das Vancouver-Desaster: Einer meiner Lieblings-Websites verdanke ich einmal mehr unterhaltsame Lektüre. Also ich finde diesen Vortrag des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew vom vergangenen Freitag vor Russlands Sportführung in Sotschi höchst interessant und aus vielerlei Gründen einen Lesebefehl wert. Nachdem er den Sportbossen die Leviten gelesen hatte, fuhr er mit Putin Ski.

In diesem Text suche ich allerdings jene Passagen vergeblich, aus denen etwa die Moscow Times ihren Beitrag strickt. Demnach hat Medwedew der Korruption im russischen Sport und unter den Sportfunktionären den Kampf angesagt und Maßnahmen angedroht. Das wird noch interessant.

Kleinigkeit am Rande, falls es untergegangen sein sollte: Gemäß Sportminister und FIFA-Exekutivmitglied Witali Mutko sind zwischen 2006 und 2009 insgesamt 343 russische Athleten des Dopings überführt worden. Alles Einzelfälle.

Nachtrag am 1. April (kein Witz) mit Dank an Nosch: Im Video wird ab ca. 9:00 über Doping gesprochen, da sagt Mutko tatsächlich, soviel Russisch verstehe ich schon noch: 343 Athleten!

[Update:] mittlerweile nicht mehr (online verfügbar)

Mutko, kürzlich erst als Präsident des russischen Fußballverbandes von Medwedew rasiert, steht scheinbar vor seinem Rücktritt. Heute musste er sich im Parlament verteidigen.

Hier nun Medwedews Rede, wie sie der Kreml dokumentiert:

Opening Remarks at Meeting of the Council for the Development of Physical Culture and Sport, Excellence in Sports, Preparation and Organisation of the 2014 Sochi XXII Winter Olympics and XI Paralympics and the 2013 XXVII World Student Games in Kazan

March 26, 2010, Sochi

PRESIDENT OF RUSSIA DMITRY MEDVEDEV: Colleagues, A month has gone by since the Vancouver Olympics came to a close. This is enough time for us to have analysed our national team’s performance, drawn our conclusions, and responded with practical measures that will ensure our team’s success at the 2014 Olympics in Sochi.

As far as the conclusions go, eleventh place in the overall team ranking is obviously a bad result which has its roots in causes that reach back quite a way now. Indeed, our teams have shown worsening results in terms of the numbers of medals won over the years from 2006 to 2010. Even in winter sports in which our athletes have traditionally been victorious we all see that over these last years we have been steadily lagging behind our main competitors.

Yet at the same time, we have been investing just as much in training our athletes as have other countries. Indeed, to be absolutely frank, in a number of cases we have even invested more than other countries. The problem today is not so much in a lack of [financial] resources as in their ineffective use, and that is the first point I want to make. I will not name the figures as you all know them well, but however we look at it, we have invested tenfold more than in earlier years.

The second point is that this situation has shown up the shortcomings in our entire athletes training system. As it has been said before, this system must be centred above all on the athletes themselves. In all of the world’s sports powers training programmes and methods take into account each future Olympic competitor’s specific individual particularities, so as to ensure they take their places at the starting line in top shape.

The level of medical, biological and scientific support for the teams plays a crucial part in this respect but we only began using this comprehensive approach in our team’s training last year, and we may as well not hide the fact that it is not yet implemented in full. The task therefore is to dramatically change this situation drawing on the most advanced international experience in this area.

„Play the Game“ im Juni in Coventry

Ich habe gelegentlich auf die einzigartige Konferenz Play the Game hingewiesen, die im Juni 2009 in Coventry stattfindet – nach bisherigen Stationen in Kopenhagen und Reykjavik. Hier noch einmal die unbedingt lesenswerten Rückblicke auf vergangene Konferenzen:

ptg2009-titleEigentlich sollte ich heute in Kopenhagen sein, um mit dem Programmkomitee weiter über Themen, Workshops und die Rednerliste für Coventry zu diskutieren. Das ließ sich wegen anderer Verpflichtungen leider nicht einrichten, habe meinen Senf deshalb schriftlich dazu gegeben. Schwerpunktmäßig werde ich mich wieder um Korruptions- und Ethikthemen kümmern.

Details über Buchungsmöglichkeiten, den Call for Papers und den Stand der Vorbereitungen finden sich auf Play the Game 2009. Stammgäste wie Richard Pound, Alessandro Donati, Andrew Jennings, Mario Goijman, Declan Hill und Wada-Generaldirektor David Howman haben natürlich längst ihre Teilnahme zugesagt. Ich bin gespannt, ob es gelingt, außer Pound noch andere IOC-Mitglieder nach Coventry zu lotsen. Play the Game und das IOC bzw. Play the Game und Blatters Fifa, das sind Probleme für sich. Die Kommunikationsherrscher mögen es nicht, wenn ihnen jemand dazwischen pfuscht. Sie schicken mitunter ihre Agenten (der Fifa-Abgesandte, der 2002 im Saal saß, wird mir diese Bezeichnung sicher nicht übel nehmen), verweigern sich sonst aber einigermaßen rigoros.

Die 8 Schwerpunktthemen für Coventry:

Was vom Tage übrig bleibt (5)

Leseempfehlungen von gestern und heute:

  • Stefan Behr in der Frankfurter Rundschau über den Emig-Korruptionsprozess, wo der ehemalige Revisor des Hessischen Rundfunks ausgesagt hat, der gerne zum Skilaufen fährt und lange an die seriöse Kompetenz des Sportchefs glaubt.
  • Ich kann Dogfood auch nicht beim Kurieren der Krankheit helfen, sich Erstrundenspiele im Uefa-Pokal reinzuziehen. Aber wenn er es denn tut und sich beim Kick zwischen Hertha BSC und St. Patrick noch solche Notizen zum Kommentator Thomas Herrmann macht, dann ist es okay.
  • Und nochmal die FR: Der ehemalige Schach-Weltmeister Garri Kasparow über „Eine Chance, Geschichte zu schreiben“. Pflichtlektüre zum Kaukasus-Konflikt, wobei die olympische Bewegung, in der Wladimir Putin ja ebenfalls sein Unwesen treibt, nicht außen vor bleibt. Kasparow schwingt die historische Keule:

Als ich mit meinem Sohn Wadim zusammen die Olympischen Spiele in Peking anschaute, erzählte ich ihm von einem Läufer, der zu seiner Zeit ebenso erfolgreich war wie heute Usain Bolt: Jesse Owens. Ich wurde an ihn erinnert, als ich vor kurzem Leni Riefenstahls bemerkenswerten Dokumentarfilm über die Berliner Olympiade von 1936 sah, „Olympia: Fest der Völker“. Die Bilder des Naziregimes drücken ganz offensichtlich Deutschlands Selbstbewusstsein, Stärke und bis zu einem gewissen Grad auch Aggression aus. Der Film vermittelt jedoch keine bedrohliche oder kriegstreiberische Atmosphäre. Deutschland war lange vor dem restlichen Europa und den USA aus der Depression herausgekommen. Waren die fröhlich jubelnden Stadionbesucher begierig, in einen Krieg zu ziehen?

Was vom Tage übrig bleibt (4)

Ein wenig Lektüre:

Lewis: I’m still working with the fact that he dropped from 10-flat to 9.6 in one year. I think there are some issues. I’m proud of America right now because we have the best random and most comprehensive drug testing program. Countries like Jamaica do not have a random program, so they can go months without being tested. I’m not saying anyone is on anything, but everyone needs to be on a level playing field.