michel platini

Es bleibt alles in der FIFA-Familie (1): die Platinis

tl;dr: Der Sohn von UEFA-Präsident Michel Platini arbeitet für Katar. Platinis Schwiegersohn, der Musikproduzent Yohann Zveig, erhält Aufträge von der UEFA, der FIFA und vom DFB. Die Verbände finden das völlig in Ordnung. Allerdings gibt es einige Widersprüche in den Argumentationen. Die UEFA behauptet während meiner Recherche gar falsch, Zveig sei nicht mehr Platinis Schwiegersohn.

Jérôme Champagne will FIFA-Präsident und Nachfolger seines langjährigen Chefs Joseph Blatter werden

[caption id="attachment_18348" align="aligncenter" width="748"]Erster Unterstützer: Pelé Erster Unterstützer: Pelé. Foto: www.jeromechampagne2015.com[/caption]

Wie erwartet hat Jérôme Champagne soeben auf einer Pressekonferenz in London seine Kandidatur für die Präsidentschaft in der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) bekannt gegeben.

Seine offenen Briefe und Programme an die sehr spezielle FIFA-Familie wurden in den vergangenen Jahren hier veröffentlicht.

Ich werde im Laufe des Nachmittages einiges notieren.

13.42 Uhr: Seine Webseite ist online.

Das Bewerbungsschreiben.

17.43 Uhr: Mein stark erweiterter Diskussionsbeitrag (gegenüber der Kurzvariante auf Spiegel Online):

* * *

Der 55 Jahre alte Franzose Jérôme Champagne will 2015 Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA werden. High Noon, um zwölf Uhr mittags, gab Champagne in London wie erwartet seine Kandidatur bekannt und präsentierte auf seiner Webseite, seit 13.30 Uhr MEZ online, den ersten prominenten Unterstützer: die Fußball-Legende Pelé. „Dieser Wettbewerb ist wie eine Weltmeisterschaft“, sagte Pelé. Er wünsche Champagne dafür alles Glück. Champagne sei der richtige Mann, um die FIFA zu führen.

Serienlügner Jérôme Valcke sagt: die Fußball-WM 2022 in Katar wird in den Winter verschoben. Einen Beschluss dazu gibt es nicht.

Tja, da muss die Arbeit am Buch leider wieder unterbrochen werden.

Die Fußball-WM 2022 in Katar wird verschoben – in den Winter. Sagt FIFA-Generalsekretär und Serienlügner Jérôme Valcke in einem Radiointerview.

Dafür gibt es, bisher, noch keinen Beschluss des FIFA-Exekutivkomitees. Es widerspricht auch den Versprechen von Blatter & Co aus den vergangenen Monaten. Wollte man nicht „Ermittlungen“ des fürstlich bezahlten Ethik-Ermittlers Michael Garcia zu vermeintlicher Katar-Korruption abwarten?

Ein weiteres Manöver.

Eine Unwahrheit mehr?

Nach dem Interview von Valcke glühen nun die Telefondrähte. Denke mal, es wird in Kürze eine FIFA-Erklärung geben. Valcke ist gewiss in Absprache mit Blatter vorgeprescht. Für beide steht viel auf dem Spiel.

(Zunächst dachte ich: Hoax.)

Absurd.

Stay tuned.

Die FIFA unter @SeppBlatter: Personenkult, Korruptionsmaschinen, Ethiksimulation und Propaganda

[caption id="attachment_62" align="aligncenter" width="600"]Mein Lieblingsfoto von Sepp und Don Julio: von der Krönungsmesse 2007 in Zürich Mein Lieblingsfoto von Sepp und Don Julio: von der Krönungsmesse 2007 in Zürich[/caption]

Gerade tagt das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA in Zürich (die Tagesordnung). Bin heute nicht vor Ort, werde die anschließende Pressekonferenz aber online verfolgen und live ein bisschen bloggen. Also bitte immer wieder ans Ende des Beitrags scrollen. Auch die beiden folgenden Texte werden ergänzt und verlinkt.

Es ist noch ein bisschen Zeit. Um was es heute ging/geht, habe ich in den vergangenen Tagen u.a. für die Berliner Zeitung und Spiegel Online aufgeschrieben:

* * *

19. März. Die Propagandaabteilung der FIFA arbeitet hochtourig. Am Tag vor dem Treffen des Exekutivkomitees in Zürich veröffentlichte der Fußball-Weltverband Details aus einem „persönlichen Schreiben“ des Katholiken Joseph Blatter an Pontifex Franziskus. „Ohne den Glauben an Gott mit dem Glauben an den Fußball auf eine Stufe stellen zu wollen, möchte ich anmerken, dass beide gemeinsame Werte haben“, schrieb Blatter. Warum so bescheiden? Blatter betrachtet sich und sein Fußballgeschäft doch allen Ernstes als einzig globale Religion:

Fußball ist mehr als eine einzelne Religion“, hat er einmal gedichtet: „Also nur zu sagen, mehr als die katholische Kirche, das wäre für mich zu wenig.“

[box title="DOKUMENTE"]

Zur Orientierung:

[/box]

Der Fußballpapst konferiert mit seinen Kardinälen aus dem Exekutivkomitee ab Mittwoch im Home of FIFA auf dem Zürichberg, um so genannte Reformmaßnahmen abzusegnen. Ein kastriertes Programm, das seit dem FIFA-Kongress 2011, als Blatter zum vierten Mal gekrönt wurde, exakt jenem Fahrplan folgt, den er und seine fürstlich entlohnten Paladine, PR-Leute und Lobbyisten, ausgeheckt haben. In deren Diktion heißt es, die „Reformen“ werden beim FIFA-Kongress im Mai auf Mauritius abgeschlossen. Von Blatter Angeheuerte wie der Compliance-Experte Mark Pieth aus Basel, die als Teil der Inszenierung lange Zeit still hielten, geben neuerdings Interviews und drohen mit Abbruch der fragwürdigen Geschäftsbeziehungen zur FIFA.

Pieth legte mit dem Unabhängigen Governance-Komitee (IGC) im Februar den zweiten Bericht und sieben als „unverzichtbar“ bezeichnete Forderungen vor. Dazu zählen die Amtszeitbeschränkung für den FIFA-Präsidenten und die Exekutive sowie ein unabhängiger Integritätscheck von Top-Funktionären. Beides wird so nicht kommen. Pieth müsste dann sein Versprechen wahr machen und als Kommissionschef zurücktreten. Letztlich dürfte er für Blatter, der ihn persönlich ausgesucht hat, den Clown gespielt und der Propagandanummer „Reform“ eine Art Autorität verliehen haben. In der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte die Kanadierin Alexandra Wrage aus dem Pieth-Komitee nun, es gäbe nur „kosmetische Verbesserungen ohne echte Veränderungen “. Es würden „nur die Liegestühle auf der Titanic umgruppiert“.

Die sieben „unverzichtbaren“ Forderungen des IGC:

The IGC however, reminds the Members of the ExCo that the revision of the Statutes foreseen for Congress 2013 is fundamental: as highlighted in its First Report of March 2012, the IGC stresses the need to introduce transparency and accountability throughout FIFA.

Therefore it is indispensable:

  1. That the President and all Members of the ExCo as well as the standing Committees of FIFA undergo an integrity check performed by an independent body within FIFA centrally prior to their (re-) election.
  2. In order to underline their role and responsibility as Members of the FIFA’s Executive Body the Members of the ExCo should be confirmed by Congress upon their appointment or reappointment by the Confederations.
  3. In order to guarantee transparency and accountability two independent Members should attend the meetings of the ExCo.
  4. Both, the President and the Members of ExCo should be subjected to limited terms of office.
  5. The IGC supports the redesign of the bidding and decision process for hosting decisions, as well as for the governance of development projects, marketing and procurement activities. The corresponding policies need to be reviewed by the IGC.
  6. The IGC welcomes any steps to make the IFAB more democratic and transparent.
  7. The IGC would like to stress the importance of transparency in the area of compensation and benefits. The establishment of an expert subcommittee to the Audit and Compliance Committee is an important step. However, the decisions of the sub-committee need to be made public, to the same degree as in not-for-profit organizations and other international organizations.

Das war von Blatter nie anders geplant. Der Große Vorsitzende hat gerade in mehreren Interviews deutlich gemacht, was er von derlei Interviews hält: Nichts. Pieth habe sich nur intern zu äußern, dürfe Vorschläge machen, über die das Exekutivkomitee entscheide. „Ich habe mit ihm gesprochen“, sagte Blatter, „er hat akzeptiert, dass er sich nicht mehr öffentlich äußert, wenn ich es ihm nicht erlaubt habe.“

Die Heilige Fußballfamilie: Bin Hammams Anfängerfehler

Hier sitzen die Ritter der Tafelrunde. Wer einen Platz im Fifa-Exekutivkomitee erstreiten kann, bestimmt über die Geschicke des Weltfußballs mit. Nur wer dem Exekutivkomitee angehört, hat eine Chance, irgendwann – in diesem oder im nächsten Jahrtausend – den Großen Vorsitzenden Joseph Blatter zu beerben. Nur darum geht es im feurigen und schmutzigen Kampf, der derzeit im größten und bevölkerungsreichsten Kontinent tobt.

[caption id="attachment_3740" align="aligncenter" width="538"]FIFA-ExKo Sitzungssaal Sitzungssaal des Fifa-Exekutivkomitees im Fifa-Hauptquartier in Zürich[/caption]

Dies ist die bizarre Geschichte eines der bislang mächtigsten Fußballfunktionäre der Welt. Eines Mannes, der Stammgast ist hier im Blog, und der als Kronprinz des Fifa-Präsidenten galt. Der Blatter bei zwei von Korruptionsvorwürfen überschatteten Wahlen – 1998 und 2002 – in Afrika und Asien mit Petro-Dollars Stimmen beschaffte. Der für Blatter Drecksarbeit verrichtete, bis heute das berüchtigte Fifa-Entwicklungshilfeprogramm („Goal“) leitet, das Insider auch als Stimmenbeschaffungsprogramm betrachten. Der seine Schuldigkeit getan hat, zu gefährlich wurde und deshalb fallen gelassen wird von Blatter: Mohamed Bin Hammam aus Katar.

Grüße von der Russenmafia: Alimsan Tochtachunow

Angestachelt von der Frage, ob das Uefa-Pokalspiel Zenit gegen Bayern verschoben worden sein könnte, habe ich mich ein wenig umgesehen. Und da sind mir diese Fotos aufgefallen, die sicher überhaupt nicht in einem Zusammenhang stehen zu den Meldungen dieser Tage, die aber verwirren. Vier Fußballfreunde: Joseph Blatter, der tadellose Fifa-Präsident; Wjatscheslaw Koloskow, Exekutivmitglied des Fußball-Weltverbandes Fifa; und Alimsan Tochtachunow, ein – tut mir echt leid, das so formulieren zu müssen – mutmaßlicher Schwerverbrecher. Ebenfalls zugegen: Michel Platini, Fifa-Exekutivler und seit 2007 Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Ein Screenshot der Fotos der Zeitung Kommersant:

kommersant-screenshot

Ich weiß nicht, ob Joseph Blatter genau wusste, mit wem er da das Glas erhob. Ich werde ihn mal fragen. Es muss ein spaßiger Abend gewesen sein, im Januar 2005 im China Club an der Uliza Krasina 21 in Moskau. Der China Club wirbt übrigens so:

The restaurant, decorated in Truggelmann style instantly became a symbol of classic luxury. And a place with a high concentration of enormous wealth and unlimited power. Deals worth millions were concluded there and destinies were ruled. The restaurant’s story would suffice for a novel, historical or culinary.

Blatter, Platini und Koloskow sind als Fifa-Funktionäre gewissermaßen Stammgäste in diesem Blog. Alimsan Tochtachunow, ehemals Kicker bei Pachtakor Taschkent und heute Präsident der Russian Soccer Foundation, habe ich bislang noch nicht erwähnt, obwohl er doch, nun ja, zu meinen Lieblingsmafiosi zählt. Er sieht gut erholt aus auf den Fotos der russischen Zeitung Kommersant. Auf dem Fahndungsfoto von Interpol, das ist eine jener blöden Behörden, mit denen Fußballfunktionäre nichts zu tun haben möchten, ist er nicht so gut getroffen. Aber das liegt vielleicht in der Natur der Sache:

interpol-steckbrief

Das FBI brachte Alik, wie Tochtachunow von seinen Freunden genannt wird, mit zahlreichen Verbechen in Verbindung – und mit strammen Syndikaten der Russenmafia. Nur ein kleiner Ausschnitt von mehreren Seiten Fahndungsmaterial: