leichtathletik

IAAF olympic statistics #Rio2016

Und nochmal was anderes, ein wirklich wunderbares IAAF-Produkt, wie ich finde. Gerade hat der Leichtathletik-Weltverband das neue olympische Statistik-Handbuch bereitgestellt. Ein Nachschlagewerk nicht nur für Nerds der Olympiageschichte und/oder der Leichtathletik, inzwischen auch für all jene, die dem Zirkus nicht mehr trauen und mehr am verbundenen Dopingthema interessiert sind. Dieses Kompendium umfasst also nicht nur Hochdopingdisziplinen, sondern auch längst vergessene Olympiawettbewerbe wie Hochsprung aus dem Stand, Weitsprung aus dem Stand, Dreisprung aus dem Stand, 200 Meter Hürden, Diskuswerfen mit beiden Armen, 3.500 Meter Gehen, 60 Meter und allerlei andere Leibesübungen. Dazu kommen hunderte Statistiken wie Länderwertungen in Disziplinen und bei allen Spielen undsoweiterundsofort. Mit all den Randnotizen und Ergänzungen, eben auch den nachträglich aberkannten Medaillen, und einem Länder-Index ergibt sich ein fantastischer Überblick auf 420 Seiten. Für Berichterstatter von Olympischen Spielen unentbehrlich – für viele andere Beobachter gewiss auch.

Dass Olympische Spiele – wie ich seit Ewigkeiten erkläre – ja nicht nur 19 Wettkampftage dauern (in Rio beginnen die ersten Wettbewerbe zwei Tage vor der Eröffnungsfeier), sondern mindestens acht oder gar zwölf Jahre, müssen natürlich auch in diesem Büchlein einige Kapitel bzw. Ergebnislisten umgeschrieben werden. Und da das IOC sich mit den Disziplinarmaßnahmen zu den positiven Nachtests der Peking-Spiele 2008 und der London-Spiele 2012 viel Zeit lässt, konnten einige Doper noch nicht als solche markiert werden und stehen weiter auf Medaillen- und anderen Rängen. Die Autoren notieren dazu:

As this book’s deadline is reached, there are numerous unconfirmed and ongoing cases such as the mass IOC re-tests from Beijing 2008 and London 2012. These pages contain the ranking changes resulting from cases closed by the IAAF as at June 10, 2016. In some events the IOC have yet to confirm the resultant re-allocation of medals. On May 17, 2016 the IOC reported that they are also re- testing the samples of those athletes who could be awarded medals following the disqualification of others.“

Das Statistik-Werk:

Was vom Tage übrig bleibt (96): Infantino, Samoura, Stepanowa, DOSB und unethische Olympialasten

[caption id="attachment_25847" align="aligncenter" width="674"]Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016 Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016[/caption]

Damit es nicht untergeht im Euro-Rauschen, einige Links, Docs und Lektüre-Hinweise.

1) Am Wochenende veröffentlichten Tages-Anzeiger/Sonntagzeitung ein internes Schriftstück aus der FIFA, aus dem seit Ende Mai zitiert wird (etwa in der FAZ) – und in dem Gianni Infantino so einiges vorgeworfen wird. „Wer den FIFA-Chef kritisiert, fliegt raus“, titelt Arthur Rutishauser. Es geht, wie seit etlichen Wochen debattiert, um die Kosten für Flüge (Alischer Usmanow zeigt sich sehr spendabel), Matratzen, Fitnessgeräte, Blumen, Luxus-Limousinen, teure Berater (u.a. Luís Figo), Reinigungen und andere Spesen – und natürlich um Infantinos Millionen-Gehalt, das er als „beleidigend“ empfindet.

Hier das Papier:

Dazu gab es bereits einige Beiträge mit weiterführenden Links und dem Mitschnitt der FIFA-Councilsitzung im Mai:

:

Im Übrigen nimmt die von Infantino betriebene Säuberungswelle in der FIFA-Administration kein Ende, die nächsten beiden Manager wurden gefeuert: Severin Podolak, Chef der FIFA Travel GmbH, und Christoph Schmidt, Bürochef des Generalsekretariats, das bis vor kurzem von Markus Kattner geführt wurde, der ja nun auch gefeuert wurde. Dabei ist Infantino nach den neuen FIFA-Statuten doch gar nicht mehr fürs Tagesgeschäft verantwortlich, sondern quasi außenpolitisch tätig. Doch halt, hat er nicht in einem seiner vielen Alleingänge als CEO und Generalsekretärin die Senegalesin Fatma Samoura, installiert, die gerade bei Elfmeterschießen gegen Italien in Bordeaux dem CDU-DFB-Präsidenten Reinhard Grindel um den Hals gefallen ist?

Na klar.

Vor dem Olympic Summit: einigt sich IOC-Bach mit seinem Kumpel Wladimir Putin?

joint-venture

Zwei Zeugnisse meiner Dichtkunst nach dem IAAF-Entscheid in Sachen Russland, der uns weiter beschäftigen wird. Im ersten Text, einem (leicht erweiterten) Kommentar, den ich am Freitagabend nach diesen ausführlichen Blogbeiträgen auf Spiegel Online veröffentlicht habe, konzentriere ich mich noch auf das IAAF-Papier und die Mitschuld/Verantwortung hoher internationaler Sportfürsten (Coe, Reedie et al). Im zweiten (wie immer ebenfalls erweiterten) Text („Gesamtes russisches Olympiateam soll auf den Prüfstand“), veröffentlicht am Samstag, stelle ich einige Fakten und Überlegungen zur Diskussion, wie es wohl weiter geht – schon am Dienstag beim so genannten Olympic Summit in Lausanne. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gigantisch größer, dass UDIOCP Thomas Bach wieder routiniert Doppelpass mit seinem Sportkameraden Wladimir Putin spielt und Russland keine weiteren Olympia-Sanktionen fürchten muss, als dass Russlands NOK eventuell komplett oder weitere große Kontingente für Rio gesperrt werden. Doch ausschließen möchte ich letzteres nicht.

Die Story wird fortgeschrieben. (Ich versuche am Ende dieses Blogbeitrags im Laufe des Tages noch einige Lektüre-Empfehlungen zu geben.)

Im Grunde kann man beide Texte wunderbar hintereinander stellen und lesen.

„Bad mantra“: die IAAF, die WADA, das IOC und das russische Staatsdoping

Heute Nachmittag entscheidet das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Wien nun also, ob der russische Verband ARAF/RUSAF wegen des staatlich organisierten Dopings weiter suspendiert bleibt – oder ob plötzlich alles in Ordnung ist und russische Athleten ab sofort wieder starten dürfen. Die Pressekonferenz der IAAF wird ab 17.00 Uhr live übertragen. Man kann das auch hier schauen, dazu eröffne ich später einen neuen Beitrag (und binde das Video der Live-Übertragung ein), in dem wir über die Entscheidung diskutieren und die interessantesten Reaktionen aus aller Welt sammeln können.

Für den 21. Juni hat IOC-Präsident Thomas Bach in Lausanne zum sogenannten Olympic Summit geladen. Russland taucht in der Einladung nicht auf, aber jeder weiß, worum es geht, und Alexander Schukow, IOC-Mitglied und Russlands NOK-Präsident von Wladimir Putins Gnaden, wird bei diesem Summit gewiss dabei sein, wie bei allen anderen Gipfeltreffen zuvor.

Die Entscheidung über eine Olympiateilnahme aller/keiner/einiger Russen wird gewiss später das IOC-Exekutivkomitee fällen. Im Juli steht ja noch ein Untersuchungsbericht der WADA an.

Für alle, die sich die Zeit bis zur IAAF-Verkündung sinnvoll vertreiben möchten, habe ich einige der wichtigsten Veröffentlichungen dieser Tage gebündelt. Mit dabei: BBC Panorama, Grit Hartmann, New York Times, Guardian und andere der üblichen Verdächtigen. Sie alle tragen wichtige Details zum spannenden Komplex Doping/WADA/Russland/IOC bei.

Zunächst die halbstündige Panorama-Sendung gestern in der BBC – von Mark Daly und meinem Freund James Oliver, der auch sämtliche wunderbare Panorama-Sendungen mit Andrew Jennings zur FIFA produziert hat. Die SMS-Sammlung von IAAF-Präsident Sebastian Coe (dessen IOC-Träume womöglich für alle Zeiten ausgeträumt sind), seinem inzwischen suspendierten Bürochef Nick Davies und dem von Interpol gesuchten Ganoven ist einfach nur köstlich.

Ich schaue mir die komplette Sendung auch erst an, kann die Datei leider nicht zur Verfügung stellen. Mit dem BBC iPlayer geht es auch nicht, weil dieser die IP-Adressen erkennt und nur in UK ausliefert – auch mit einem VPN funktioniert es nicht. Auf Youtube derzeit verfügbar:

Dazu einige Links:

Über den ehrenwerten Lord, der zwischen Ehrenamt und Privatgeschäften nicht immer zu trennen weiß, wird noch viel zu reden sein. Tendenz: Seine Zeit als IAAF-Boss könnte schneller vorbei sein, als er denkt.

Bleiben wir noch kurz bei der heutigen Entscheidung des IAAF-Vorstandes. Dazu drei Übersichten (die pdf-Einbindung der Dokumente funktioniert gerade nicht, das hole ich nach):

From Russia with love (II): Bolts Hebel, Putins Wille

MOSKAU. Damit das schnell geklärt ist:

Heute Abend bisschen live-Bloggen aus dem Luschniki-Stadion von der Leichtathletik-WM und der kurzen Eröffnungsfeier mit dem Welt-Olympia-Boss Wladimir Putin.

Morgen, am Sonntag, dann abends live-Blog zum 100-Meter-Rennen mit dem Witzbolt, wie 2008, 2009 und 2012.

Meine Frage gestern hatte ein erbärmliches Echo: zwei Kommentare und eine Email. Oh Gott, muss ich mir Sorgen machen? Wollte eigentlich zur IOC-Session eine Million PIs täglich erreichen.

An den Vorhängen in seinem Instagram (auf den Link im folgenden Tweet klicken) erkenne ich übrigens, dass der Witzbolt in meinem Hotel wohnt bzw ich in seinem. Dann also gewiss in meiner Nähe, denn rund um mich herum kommen stets nur jamaikanische WM-Teilnehmer aus den Zimmern.

Mal sehen, was hier abgeht in der Nacht zum Montag.

(Auch) zum Bolt gab es übrigens am Donnerstag ein interessantes Interview mit dem Weitspringer Christian Reif. Ist immer gut, wenn ein toller Journalist (Thomas Hahn) auf einen klug reflektierenden Sportler (Christian Reif) trifft – davon hätte ich gern sogar noch mehr gelesen. Online ist das Gespräch leider nicht verfügbar (aber vielleicht habe ich das nur übersehen.)

Was vom Tage übrig bleibt (80): der älteste olympische Leichtathletik-Weltrekord von Jarmila Kratochvilova

[caption id="attachment_17047" align="aligncenter" width="600"]screenshot www.iaaf.org screenshot www.iaaf.org[/caption]

Das waren noch Zeiten. Im Sommer 1983. Kurz nach dem Abitur. Als Jarmila Kratochvilova („Das beste Doping ist Training“) über die Tartanbahnen pflügte und heute vor 30 Jahren in München Weltrekord über 800 Meter stampfte. Es ist der älteste Weltrekord. Und er kann gut noch einige Jahre (oder Jahrzehnte) bestehen.

Lesebefehl, zweieinhalb Jahre alt aber zeitlos gut:

Was vom Tage übrig bleibt (77): WADA-Report by Richard Pound „Lack of effectiveness of testing programs“

Als Ergänzung zu einem Aufreger dieser Woche, den Dopingfällen Asafa Powell, Tyson Gay et al, muss ich eine Pflichtlektüre unbedingt nachtragen. Den Bericht der von Richard Pound geleiteten WADA-Arbeitsgruppe zum weltweiten Dopingkontrollsystem.

Lesen! Bitte!

Vieles, was dieser Tage geschrieben und gesendet worden ist, wäre besser geworden, wäre kompetenter geworden, hätten die Autoren die Pound-Studie gelesen. Die Erläuterungen und die 90 Empfehlungen an die WADA, die Sport-Weltverbände (IF), die Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA), die Sportler und Betreuer, für das Testprogramm, die Labore, die Organisatoren von Wettbewerben und den Welt-Sportgerichtshof (CAS) fassen den derzeitigen Stand der heißen Diskussion wunderbar zusammen.

Im Prinzip reichen zwei Zitate, um einen Grundsatzstreit zu umreißen, der derzeit ausgetragen und mit der Inthronisierung des neuen WADA-Präsidenten Craig Reedie (GBR, IOC) im November in Johannesburg vorentschieden oder gar entschieden wird.

WADA is an independent, international, regulatory body concerned with doping in sport; it is not a “service” organization

… schrieb Richard Pound im Mai.

Die WADA muss eine Serviceeinrichtung für die Verbände sein …

… sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter wenige Tage später in Lausanne, als er aus dem IOC-Hauptquartier eilte (nach einem Krisengipfel des Sports zur WADA, der offiziell kein Krisengipfel sein sollte).

#London2012 (XXXIV): Wenn das Feuer verlischt, gehts weiter

LONDON. Beckie Scott könnte ein Buch über die Frage schreiben, wie lange Olympische Spiele dauern und wie oft Ergebnisse noch Jahre später revidiert werden müssen. Die 38jährige Kanadierin ist eine der Athletenvertreter im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Sie war Skilangläuferin und gewann 2002 in Salt Lake City eine Bronzemedaille im Verfolgungsrennen. Dachte sie. Es gab eine Siegerehrung, Gold und Silber gingen an die Russinnen Olga Danilowa und Larissa Lasutina. Einige Tage später wurden diese beiden als Blutdoper enttarnt.

Dann waren die Winterspiele beendet. Danilowa und Lasutina zogen vor den Sport-Weltgerichtshof CAS. Erst unterlag Danilowa – und Scott hatte eine Silbermedaille. Dann unterlag Lasutina – und Scott gab die silberne Plakette wieder ab, um im Juni 2004, 28 Monate nach den Spielen, eine Goldmedaille in Empfang zu nehmen.

So kann das gehen.

#London2012 (XXXI): THE LEGEND @UsainBolt

The Times, cover vom 10. August 2012. So etwas habe ich in einer deutschen Zeitung noch nicht gesehen. Die haben es durchaus drauf, diese Briten.

LONDON. Olympic Stadium, Block 213/214, Row 67, Seat 312. Leichtathletik, letzter Tag. Einige Entscheidungen noch, mit dabei natürlich der Witzbolt The Legend Usain Bolt. Das Double Triple steht an. Anyone with me? Schauen noch Leute zu, da draußen am Fernsehen. Wenn ja, dann verbringen wir die nächsten zwei Stunden gemeinsam. (Parallel dazu trage ich weitere Notizen von der Abschluss PK des DOSB nach.)

Zur Einstimmung, meine Dichtung von gestern Nachmittag, erschienen u.a. in der Berliner Zeitung, über jenen Mann, den wir hier seit Peking Witzbolt nannten – und nun umtaufen müssen. „Excellent for our sport“, sei der Witzbolt, hat IAAF-Präsident Lamine Diack unten im Stadion gerade gesagt.

* * *

LONDON. „I am a legend!“ Wie oft hat Usain Bolt diesen Satz ausgesprochen?

Tausendmal?

Zehntausendmal?

„Schreibt das alle auf“, rief er den Journalisten zu, nachdem er als erster Sprinter die 100 und 200 Meter bei zwei Olympischen Spielen gewonnen hatte. Das Double Double wie die Engländer sagen. Das doppelte Doppel, aus dem in der Sprintstaffel am Wochenende schnell ein doppeltes Triple werden soll – und in vier Jahren in Rio de Janeiro vielleicht ein dreifaches Triple.

Ich bin eine Legende“, diktierte er also. „Wenn ihr das nicht aufschreibt, geben ich euch keine Interviews mehr, Jungs.“

Dann verließ er nach einem zwei Stunden währenden Interview in der Nacht zum Freitag den Pressesaal in den Katakomben des Olympiastadions.

Es war lustig mit Usain Bolt (26) und seinen ungleichen Gefährten Yohan Blake (22) und Warren Weit (22), denen der Dreifachsieg über 200 Meter gelungen war. Die meisten Journalisten waren freundlich drauf und wollten sich mit den Jamaikanern freuen.

„Im Name von hundert Millionen Indern“, gratulierte einer. Es wurde über seine Cricket- und Fußballkünste geredet. Darüber, ob er der perfekte Partner für Wayne Rooney bei Manchester United wäre. Einer fragte nach, ob Bolt, sorry: die Legende, oder Bob Marley der berühmteste Jamaikaner aller Zeiten sei. Marley, Muhammad Ali, Michael Phelps, Carl Lewis? „Ich bin der Größte meines Sports! Ich bin in dieser Kategorie! Ich bin eine Legende!“

Klar doch.

Eine Italienerin wollte schließlich wissen, wie die Frau an der Seite der Legende beschaffen sein müsse: „Eine berühmte Schauspielerin, eine Königin, eine Sängerin oder das schnellste Mädchen der Welt?“

Sag schon, Legende: „Welche Frau kann diesen Status bekommen?“

#London2012 (XXVII): @Witzbolt, Jogging-Gate VI

LONDON. Wie viele Weltrekorde des Witzboltes habe ich schon live erlebt? Ich glaube … alle. [Nein, nicht den ersten in NYC.]

Also mache ich flink mal rüber ins Olympic Stadium. Bis gleich in diesem Theater.

Ach, was sage ich da. Bekomme gerade Post aus Dänemark, einem dieser merkwürdig transparenten Demokratien, also keine Bananenrepublik wie Deutschland.

Mein Freund Henrik Brandt schreibt zu diesem Beitrag von vorhin:

Hilfe für Salz in die Wunde:

Alles Öffentlich nach der Öffentlichkeitsgesetz:

unter jeder Verband findest du die sogenannte Disziplinanalysen wo die Stärken und  Schwächen jeder Verband analysiert werden. Auf dieser Grundlage beschliesst der Aufsichtsrat (nach Einstellung von Team Danmarks Vorstand) die genaue finanzielle Unerstützung jeder Verband für die kommenden Jahren.

Ob das alles von der Presse kritisch benutzt (oder gelesen) werde? Kaum.

Ob das alles ein Problem ist in internationaler Konkurrenz? Ich glaube nicht, es geht ganz gut. Noch nie war Team DK so Erfolgreich (beste Ergebnis – auch in der Tiefe seit 1948)

20.15 Uhr: Stimmt das etwa, habe ich auf dem Weg hierher einen Weltrekord verpasst? Rudisha, 800?

Gerade die Slomo gesehen. Herausragende Hebelverhältnisse. Hat der geatmet? Gekeucht? @RudishaDavid

Obwohl, viel hätte ich nicht gesehen, am Platz. Denn ist ist doch wieder sehr voll, wenn der Witzbolt angekündigt ist:

Ihr sagt mir bitte, was da unten passiert, okay?

20.23: Vollprofi, der ich bin, habe ich heute, am viertletzten Tag, auch mitbekommen, dass die 180 Pfund, die ich für das Internetpackage bezahlt habe, auch einen Online-Zugang zum kompletten Infosystem beinhalten. Der funktioniert sogar.

#London2012 (XXV): Wenn chicken legs über die Bahn schweben #mb

LONDON. Olympic Stadium, Block 212/213, Row 71, Seat 313. Halbfinale 200 Meter.

Im ersten HF Blake vs Lemaitre vs Spearmon.

Keine Gegnerschaft für Blake, der die letzten 40 Meter spazieren geht und nicht mal nach Luft schnappt. 20,01. Natürlich muss Yohan Blake ein bisschen bluffen, gehört zu seinem Spielchen. Nur: schaut man sich ihn an und Lemaitre, der ja keine Pfeife ist, gerade 20,03 rannte und schon mal 19,80 gelaufen ist, sieht man also, wie Lemaitre pumpt … Ach Gott. Ich sage lieber nichts.

20.16: Der Witzbolt.

ENDLICH mal Ruhe im Stadion.

Keine Aussage zu treffen nach diesem Spaziergang. Hatte aber den Eindruck, als ob er danach atmete.

Grit Hartmann und ich haben heute für verschiedene Zeitungen dieses Textlein gedichtet:

Es geht Schlag auf Schlag mit den Meldungen zu Dopingfällen während dieser Londoner Spiele: Beinahe täglich wird ein neuer Erfolg verkündet. Von der ukrainischen Turnerin über marokkanische, französische, spanische Mittelstreckler, türkische Gewichtheber, den Italiener Alex Schwazer, Olympiasieger 2008 über 50 km Gehen, bis zur Sprinterin aus St. Kitts und Nevis. Ein reichliches Dutzend Fälle gaben das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Sport-Weltverbände oder nationale Sportfunktionäre seit Beginn der Spiele bekannt. In London sei es schwierig wie nie zuvor, zu dopen und nicht erwischt zu werden, sagte John Fahey vor zwei Wochen, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). „Aber ich wäre dumm, würde ich behaupten, bei diesen Spielen würde niemand betrügen.“

Selbst Skeptiker können sich dem Sog der Pharmabilanz, die Olympias Propagandamaschine in die Welt hinaus bläst, nicht entziehen.

„Angenehm überrascht“ sei er über die vorolympische Teststatistik, sagt Perikles Simon, Professor an der Universität Mainz. Vor allem, weil „knallhartes Doping“ auffliege: „Testosteronfälle, Diuretika, Epo – das sind keine Wischiwaschi-Fälle wie so oft. Sondern schon Anhaltspunkte dafür, dass Kontrollen etwas ausrichten können, wenn sie richtig gesetzt werden.“

Simon schaut daheim viel Leichtathletik. Bei den Mittel- und Langstreckenläufen hat der Gendoping-Spezialist „Indizien“ fürs  verbesserte Kontrollregime ausgemacht:

„Man hat einige Kenianer aus dem Verkehr gezogen. Und nun erleben wir, dass die These von der angeblichen genetischen Überlegenheit der Schwarzafrikaner doch nicht so haltbar ist. Es gibt wieder Weiße, die durchaus mitlaufen können – bei Zeiten, die nicht mehr so extrem sind wie noch vor vier Jahren.“

Dafür, dass vor London intelligente Zielkontrollen zum Einsatz kamen, spricht auch der jüngste Fahndungserfolg im Falle Alex Schwazer. Der Olympiasieger wurde Ende Juli positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet – die Kontrolleure schauten vorbei, weil Italiens Nationalheld auffällig häufig in St. Moritz trainierte. Dort praktiziert der berüchtigte Arzt Michele Ferrari, auf dessen Kundenliste Schwazer stand. Der Tipp, so vermeldete die „Gazetta dello Sport“, kam von Interpol. Die Behörde koordiniert die Ermittlungen gegen „Dottore Epo“. Interpol hat auch einen Kooperationsvertrag mit der WADA unterzeichnet.

Andererseits vernebeln derlei Fälle den Blick für die Realitäten: die Direktbilanz der in London vom IOC verantworteten Kontrollen ist dürftig – mit einem Cannabis-Fall des US-Judokas Nicholoas Delpopolo. 3949 Proben wurden bis Dienstag genommen, verkündete IOC-Sprecher Mark Adams. Man wird am Ende weit über den angekündigten 5000 Tests liegen.

„Natürlich machen in einigen Disziplinen die Leistungsdimensionen stutzig“, sagt Perikles Simon, „zumal, wenn sie plötzlich in großer Breite erbracht werden.“ Er bezweifelt, „dass sich der Genpool der Menschheit derart verbessert hat, um die Zeiten zum Beispiel der Sprintfinals zu erklären“. Auch hat der Sportmediziner keine entsprechenden Fortschritte in der Trainings- oder Ernährungswissenschaft detektiert.

Wobei: Das Thema Nahrung liegt ja nun wieder im Trend, seit der Jamaikaner Yohan Blake sein 16-Bananen-Tagesmenü verriet. Simon bringt das eher zum Lachen: „Man wird ja auch veräppelt.“ Bananen und Yams-Wurzeln? Simon glaubt eher an eine Verlagerung des Betrugsgeschehens. „Da wird kaum noch mit Steroiden gearbeitet. Wachstumsfaktoren können eine Rolle spielen und wahrscheinlich Präparate mit Einfluss auf die Muskelkontraktion.“

Diskus Männer, Endergebnis

#London2012 (XXIV): @derHarting holt Gold

LONDON. Bin auf dem Weg ins Olympiastadion, wo ich @derHarting/Shaggy/Den Harting live verfolge. Er sagt:

Bis zum Diskuswerfen ein Lesebefehl, ich hatte mich schon drauf gefreut:

Und natürlich unsere Abstimmung über den neuen Schwimm-Bundestrainer: