juan antonio samaranch

#London2012 (XVII): Der (Drecks)Boden der Olympischen Charta und andere vielfältige Lebenssachverhalte

[Ich beginne mal mit einem Nachtrag, notiert am Sonntag, dem 5. August, 16.41 Uhr.

Denn gerade hat die Deutsche Presse-Agentur ein Interview mit Nadja Drygalla veröffentlicht, das ich eben auf tagesspiegel.de gelesen habe. Darin äußert sie sich zum ersten Mal zu dieser Geschichte, die seit der Nacht zum vergangenen Freitag Schlagzeilen macht:

Ende des Nachtrags. Es geht weiter mit meinem Originaleintrag vom 3. August.]

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LONDON. Moin, moin. Schon wieder im Deutschen Haus. Zum dritten Mal binnen 24 Stunden. Soll keine Gewohnheit werden. Schreibe gerade die Reaktionen auf die Heimreise der Ruderin Nadja Drygalla auf. Auslöser war diese Geschichte von vorgestern:

Erstaunlich, dass in einigen Medien aus Nadja Drygalla, einer Ruderin aus dem Achter, die kaum jemand kannte, plötzlich ein „Ruder-Star“ wird.

#London2012 (III): Das Vermächtnis des Jacques Rogge

LONDON. Ich habe kürzlich für die Badische Zeitung einen Versuch unternommen, die Bilanz des IOC-Präsidenten Jacques Rogge zu ziehen und ein paar Worte zu seiner Nachfolge zu verlieren. In der Rohfassung stelle ich diesen Text hier zur Verfügung. Nennen wir es: Arbeitstext. Denn einige Thesen müssen immer wieder belegt werden. Wie etwa die Frage der Rogge-Nachfolge. Schon lange sage ich, Thomas Bach sei der aussichtsreichste Kandidat, seine Karriere – von den Anfängen beim Adidas-Boss und ISL-Gründer Horst Dassler bis heute – ist darauf designt, dereins IOC-Präsident wu werden. Allerdings nimmt die Diskussion jetzt erst Fahrt auf, worüber während der London-Spiele zu reden sein wird.

Ich habe einige Jahre lang große Hoffnungen in Rogge gesetzt, die im Prinzip nicht erfüllt wurden. Beispiele nenne ich im Text, viel mehr Beispiele habe ich schon genannt, seit vielen Jahren. Seinem Stab erschien die Kritik meist überzogen, eine erhitzte Diskussion haben wir mal nach der IOC-Session in Guatemala an einem Abend in Antigua geführt, kurz nach der Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotschi. Es ging um Putins Einfluss und die Machtlosigkeit des IOC bzw die Aufgabe gewisser Grundprinzipien, für die Rogge stand. Der IOC-Präsident machte klar, dass er nie von diesen Prinzipien abrücken werde. Ich erlaubte mir die Bemerkung, dass er es dann aber auch besser verkaufen und der Öffentlichkeit klarmachen müsse. Seither spricht er nicht mehr mit mir.

Voilà, ein Angebot zur Diskussion (die gewohnten Links kann ich jetzt leider nicht setzen, bitte mal unten unter „verwandte Artikel“ suchen, denn natürlich gibt es zu den meisten Aussagen hier im Blog etliche Beiträge und Dokumente, die meine Einschätzungen untermauern, ob es sich nun um die olympische „Programmreform“, die Youth Olympic Games, das ISL-Bestechungssystem, den olympischen Gigantismus oder anderes handelt):

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Es sind die sechsten und letzten Olympischen Spiele unter dem Patronat des Belgiers Jacques Rogge. Im Juli 2001 wurde Rogge, damals 59 Jahre alt, in Moskau zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt. 2009 bestätigte man ihn für weitere vier Jahre als Chef des Milliardenkonzerns. Im September 2013 übergibt Rogge, dann 71, auf der Vollversammlung in Buenos Aires das Amt an seinen Nachfolger.

Ein Storify dazu, in dem Rogge ausführlichst zu Wort kommt:

† Anwar Chowdhry

Anwar Chowdhry

Kleine Nachtlektüre. Einer der korruptesten olympischen Sportfunktionäre aller Zeiten, das will schon was heißen, ist verstorben.

Anwar Chowdhry aus Pakistan, einst Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (neben John Boulter, Jean-Marie Weber, Thomas Bach und anderen), wurde 88 Jahre alt.

Er war ein enger Kampfgefährte des kürzlich ebenfalls verblichenen IOC-Supremo Juan Antonio Samaranch, wurde 1986 von Adidas auf den AIBA-Thron gehievt, in einer sagenumwobenen Wahlschlacht in Bangkok, mit Sex und Huren und Geld und allem – blendend dokumentiert sind die Vorgänge übrigens in Stasi-Akten.

Ich habe in den vergangenen Jahren viel berichtet über Chowdhrys Machenschaften, u.a. in diesem Buch. Eine Reportage von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney fasst seine Ära ganz gut zusammen, glaube ich. Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten zu Anwar Chowdhry, der sich gern als „höchstdekorierten Sportführer der Welt“ bezeichnet hat. Ich finde es außerordentlich schade, dass ich damals noch nicht fotografiert habe. Dieses Gespräch mit ihm in den Katakomben der olympischen Box-Arena hätte ich auch ganz gern auf Video aufgenommen.

† Juan Antonio Samaranch

Er hat ein stolzes Alter erreicht. Er war der prägende olympische Sportfunktionär der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Neben dem IOC-Gründer Pierre de Coubertin war Juan Antonio Samaranch, der heute in seiner Heimatstadt Barcelona verstarb, sicher der wichtigste aller bisherigen acht IOC-Präsidenten. Der treue Diener des Caudillo, der überzeugte Franquist.

[caption id="attachment_28741" align="aligncenter" width="530"]Juan Antonio Samaranch, Francisco Franco Juan Antonio Samaranch, Francisco Franco (c) democracyanddignityinsport.cat[/caption]

Friedensnobelpreis für das IOC? Willi wills wissen

VANCOUVER. Achtung, Phrasen: Es läuft noch nicht rund. Ich muss meinen Rhythmus finden. Insofern kommt mir die neuerliche inhaltliche Nullnummer des Willi ‚Wichtig‘ Lemke ganz gelegen. Darauf bin ich gestern schon kurz eingegangen. Zum Sachverhalt:

Andreas Schirmer von der Deutschen Presseagentur (dpa) sagt dem UN-Sonderbeauftragten für Sport in einem Interview:

Das IOC war immer mal wieder im Gespräch für den Friedensnobelpreis? Hätte es diese Auszeichnung verdient?

Lemke nimmt die Verbalvorlage auf:

Ich würde das nachdrücklich unterstützen. Der Sport trägt zur Entwicklung von Frieden bei, deshalb wäre ich für eine Nominierung des IOC. Es wäre auch ein positives Signal im Kampf gegen die Auswüchse des Sports.

Was vom Tage übrig bleibt (48): Südafrika, Soccerex, DOSB-Ethikpreis, The Fastest Couple

Soccerex 2010

Moin. Melde mich heute aus Sandton, Johannesburg. Unten auf dem Nelson Mandela Square gewinnt gerade Holland nach drei Toren von Pierre van Hoijdonk das „World Cup legends tournament“ im Finale gegen England. Ja, es geht in den nächsten Tagen um Fußball. Es gibt ein Wiedersehen mit Sepp’n Jack, Ricardo & Franz & Chuck und all den anderen.

Nach der Messe Soccerex hier im Sandton Convention Centre bin ich noch einige Tage in Kapstadt, u.a. am Donnerstag bei der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees auf Robben Island (Friedensnobelpreis, ick hör Dir trapsen) und natürlich bei der WM-Gruppenauslosung am Freitag, die ich sicher live mitbloggen werde. Ich hoffe, wir werden etwas Spaß haben.

KGB-gate: Samaranch, more Russian olympic secret agents, IOC, FIFA and the Opus Dei

[caption id="attachment_5747" align="aligncenter" width="301"]Russisches Buchcover "Der KGB spielt Schach" Die russische Ausgabe, Juri Felschtinski et al.: „KGB igrajet w schachmatui“[/caption]

Die Geschichte von Juan Antonio Samaranch und dem KGB zieht ihre Kreise. „KGB plays chess“ ist derzeit das sportpolitische Top-Thema zwischen Vancouver, Madrid, Lausanne, London – und natürlich Moskau. Doch wenn ich es recht verstehe, muss Samaranch nicht viel befürchten, und die IOC-Führung kann sich weiter blöd stellen, das Prinzip der drei Affen vervollkommnen und die Öffentlichkeit für dumm verkaufen. Alles nur Gerüchte, wie mir IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams mitteilte?

Nothing but rumors? Not at all.

IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB

JAS, Guatemala 2007

IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch hat einst dem Diktator Franco im Range eines Sport-Staatssekretärs gedient. Erst jüngst wurde in Spanien wieder über Fotos debattiert, die den 89-Jährigen mit erhobenem Arm zeigen – beim Faschistengruß. Nun behaupten russische Autoren, Samaranch sei Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen.

„Der KGB spielt Schach“ heißt ein auf Russisch frisch erschienenes Buch. Darin geht es vor allem um den Einfluss des Geheimdienstes auf die Schach-Elite der Sowjetunion, um atemraubende Machenschaften bis hin zu Mordkomplotten. Neben dem Historiker Juri Felschtinski zählen die Schach-Großmeister Wiktor Kortschnoi und Boris Gulko zu den Autoren – sowie Wladimir Popow, ehemals ranghoher KGB-Führungsoffizier. Popow hat einst hunderte Quellen und Agenten im Sportbusiness geführt und bearbeitet. Er behauptet: KGB-Sportagent war nicht nur der langjährige Schach-Weltmeister Anatoli Karpow (Deckname Raul), sondern auch Juan Antonio Samaranch, IOC-Präsident von 1980 bis 2001.

Akklamation? Nein. Jacques Rogge lässt sich zum IOC-Präsidenten wählen

[caption id="attachment_5542" align="aligncenter" width="549"]IOC-Präsidentenwahl 2009, Thomas Bach beim Stimmen zählen Thomas Bach (2. von links, natürlich) schreibt seinen Namen… (Screenshot IOC-TV)[/caption]

Ich denke mal, in diese Lage wird das UDIOCM (FDP) nie wieder kommen. Thomas Bach hat gerade dieses Wahlprotokoll unterschrieben, obgleich es doch viel spannender gewesen wäre, wenn einer – er zum Beispiel – gegen den Alleinkandidaten angetreten wäre: