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Was vom Tage übrig bleibt (97): Erklärung europäischer Sportminister, gekürzter McLaren-Bericht, Tokio 2020, Isinbajewa #IOC, Bildungs-Zensur

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Einige Notizen und Leseempfehlungen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Statement from European Sports Ministers relating to the fight against doping in sport

1) Sportminister aus 19 europäischen Nationen haben eine Erklärung verabschiedet, in der sie die strikte Einhaltung der UNESCO-Konvention und der WADA-Regeln zum Doping fordern. Russland wird darin nicht genannt, das IOC auch nicht. Interessant für mich auf den ersten Blick: Deutschland ist natürlich wieder nicht dabei. Hallo, BMI, halle Herr de Maizière? Mal wieder etwas verpasst?

Klar doch.

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The story behind the story of Russia, Doping, WADA and the IOC

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Meine Kollegen Martha Kelner und Nick Harris haben im Juli 2013 in der „Mail on Sunday“ erstmals über die großflächige russische Doping-Verschwörung berichtet. Sie hatten die Aussagen von einem Dutzend russischer Whistleblower zusammen getragen. Doch bis zur ersten ARD-Dokumentation im Dezember 2014 passierte: nichts. IAAF? Totenstille. WADA? Totenstille. IOC? Büro-Mikado. Ich hatte eigentlich vor, die Geschichte dieser Enthüllung selbst aufzuschreiben, nun ist mir Nick zuvor gekommen, umso besser. Hier sein Beitrag:

Mail on Sunday, Juli 2013

Mail on Sunday, Juli 2013

The International Olympic Committee (IOC) was aware Russia ran a state-sponsored doping programme in which the head of that nation’s WADA-accredited lab was a central figure as long ago as the first week of July 2013.

I know this because I told them.

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Thomas Bach: die vielfältigen Lebenssachverhalte des unpolitischsten deutschen IOC-Präsidenten

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Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Wer ist dieser Mann, der die bislang mutigste und wichtigste Whistleblowerin in der Geschichte des olympischen Sports nicht zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro zulässt, weil Stepanowa, die ihr Leben aufs Spiel setzte, angeblich nicht „die ethischen Anforderungen“ erfülle, „um an den Olympischen Spielen teilzunehmen“?

Wer ist dieser Mann, der Entscheidungen organisiert, die in weiten Teilen des Planeten blankes Entsetzen auslösen? (Außer in Russland, China, Aserbaidschan, Turkmenistan, Weißrussland, Katar und anderen olympischen, spezialdemokratischen Mächten.)

Wer ist dieser Mann, der Wladimir Putins nachweislich totalkorrupten Propagandaspiele in Sotschi als großen Erfolg und als „Spiele der Athleten“ bezeichnete?

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Von Opdi & Scholli und anderen vergebenen Möglichkeiten

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Eine kleine TV-Kritik zur Euro 2016 war vorbereitet, da kommt der von der ARD fürstlich entlohnte Mehmet Scholl daher und macht endlich mal das, wofür er seit Jahren bezahlt wird. Scholl, dem viele in diesem Internet aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen den Fußball-Sachverstand absprechen (darauf muss man erstmal kommen), kritisierte also die Taktik des Bundes-Jogi gegen Italien – nach einem nervenzehrenden Duell mit grotesk-spannendem Elfmeterschießen, das sich würdig einreihte in die Chronik deutsch-italienischer Auseinandersetzungen bei großen Turnieren.

screenshot ARD

Screenshot ARD

Die Sache ist, wie vieles im Fußball, zu einem kleinen Politikum geworden, der Boulevard hat sich des Themas angenommen, La-Mannschaft-Chefvermarkter Oliver Bierhoff findet die Kritik „unmöglich“, „unglaublich“ und sieht den „gesamten Trainerstab“ angegriffen.

All that jazz.

Dreier- oder Viererkette? Defensive zu Ungunsten der Offensive stärken? Mit breiter Weltmeister-Brust den Italienern seinen Stil aufzwingen, statt auf die Stärken des Gegners mit Systemanpassungen zu reagieren? Das sind so Fragen, die seit gestern Abend gegen Mitternacht mit Verve diskutiert werden. (Einen Teil der Ausführungen Scholls hat die ARD auf Youtube veröffentlicht, eine Einbindung dieser Sequenz ist nicht möglich. In der Mediathek findet sich womöglich das komplette Stück.)

Mag sein, dass die öffentliche Diskussion um sein öffentlich-rechtliches Jahressalär (ein sogenannter Branchendienst spekulierte über bis zu 1,6 Millionen Euro) das Unterbewusstsein des ARD-Experten Mehmet Scholl stimulierte, ein Mal während der EM etwas mehr von sich zu geben, als nur ein oder zwei Sätze auf jene Stichpunkte hin, die ihm sein Partner Matthias Opdenhövel darbietet. Vielleicht war es aber auch Berechnung: Wollte er ausgerechnet in jenen Minuten, da das Ergebnis doch alle Mittel heiligt (nicht meine Sicht aber wohl zweifellos die Sicht der Mehrheit), beweisen, dass er das ARD-Honorar wert ist? Antworten darauf kann nur Mehmet Scholl geben.

Vielleicht nicht mal er.

Was mich an dieser Episode mehr beschäftigt als die inhaltliche Frage, sich mit der von Joachim Löw gewählten Taktik auseinander zu setzen (wenn er sie denn gewählt hat, denn Scholl insinuierte mit dem Verweis auf die WM 2014 ja auch, dass die Spieler damals in der entscheidenden Phase die Taktik festgelegt hätten), ist der, sagen wir, im weitesten Sinne: journalistische Aspekt des Ganzen.

Aber vielleicht hat es auch nichts mit Journalismus zu tun, wenn ich nun auf Scholls Kompagnon Matthias Opdenhövel zu sprechen komme, den ARD-Presenter aus den EM-Stadien.

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Vor dem Olympic Summit: einigt sich IOC-Bach mit seinem Kumpel Wladimir Putin?

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joint-venture

Zwei Zeugnisse meiner Dichtkunst nach dem IAAF-Entscheid in Sachen Russland, der uns weiter beschäftigen wird. Im ersten Text, einem (leicht erweiterten) Kommentar, den ich am Freitagabend nach diesen ausführlichen Blogbeiträgen auf Spiegel Online veröffentlicht habe, konzentriere ich mich noch auf das IAAF-Papier und die Mitschuld/Verantwortung hoher internationaler Sportfürsten (Coe, Reedie et al). Im zweiten (wie immer ebenfalls erweiterten) Text („Gesamtes russisches Olympiateam soll auf den Prüfstand“), veröffentlicht am Samstag, stelle ich einige Fakten und Überlegungen zur Diskussion, wie es wohl weiter geht – schon am Dienstag beim so genannten Olympic Summit in Lausanne. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gigantisch größer, dass UDIOCP Thomas Bach wieder routiniert Doppelpass mit seinem Sportkameraden Wladimir Putin spielt und Russland keine weiteren Olympia-Sanktionen fürchten muss, als dass Russlands NOK eventuell komplett oder weitere große Kontingente für Rio gesperrt werden. Doch ausschließen möchte ich letzteres nicht.

Die Story wird fortgeschrieben. (Ich versuche am Ende dieses Blogbeitrags im Laufe des Tages noch einige Lektüre-Empfehlungen zu geben.)

Im Grunde kann man beide Texte wunderbar hintereinander stellen und lesen.

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Was vom Tage übrig bleibt (95): Infantino-Tapes, Whistleblower und ein Rüpel-Interview

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Der Zürcher Tages-Anzeiger hat freundlicher Weise einen Mitschnitt der FIFA-Councilsitzung vom Mai 2016 in Mexiko veröffentlicht. Über den Komplott gegen den einstigen FIFA-Chefaufseher Domenico Scala ist ausführlich berichtet worden. Wenn ich die jüngsten Reaktionen meines Twitter-Streams richtig deute, steigt weltweit die Empörung über den Reformgegner Gianni Infantino – ist halt immer ein Unterschied, ob man (nur) Zitate liest oder ihnen auch lauschen darf.

Trauen Sie bitte Ihren Ohren (wenngleich ich nicht weiß, was und wie geschnitten wurde).

Hans-Joachim Seppelt und einige andere Journalisten haben gestern eine Webseite freigeschaltet, die potenziellen Whistleblowern eine gesicherte Anlaufstelle bieten soll. Erreichbar ist der Briefkasten unter sportsleaks.com und dopingleaks.com. Und da gibt es nicht nur was für die Ohren, sondern auch für die Augen:

Eine feine Initiative. An anderen wichtigen Initiativen wird anderswo fleißig gearbeitet.

Und noch ein Video mit Hajo Seppelt, das seit ein paar Tagen heiß diskutiert wird und natürlich vielen Trollen Nahrung gibt. Seppelt hat offenbar ziemlich unvorbereitet und ohne Begleitperson russische TV-Reporter in ein für ihn angemietetes Apartment gelassen und anschließend die Contenance verloren. In deutschen Medien ist mittlerweile von einem „Überfall“ die Rede. Das scheint mir in der Verkürzung kaum überzeugender als die Berichterstattung eines russischen Propagandasenders.

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Black Monday (II): WADA-Bericht zu den kriminellen Aktivitäten der Diack-Familie und zum russischen Staatsdoping

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Auch das wird ein live-Blog (neben den DFB-Notizen). 15.00 Uhr geht es los in Genf. Und da sage noch einer, harte journalistische Arbeit habe im Sport keine Folgen:

Die Vorgeschichte (1):
Auch das wird ein live-Blog (neben den DFB-Notizen). 15.00 Uhr geht es los in Genf. Und da sage noch einer, harte journalistische Arbeit habe im Sport keine Folgen:

Die Vorgeschichte (1):

Die Vorgeschichte (2):

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Black Monday (I): Präsidiumssitzung des DFB #WM2006, Rücktritt von Wolfgang Niersbach

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Das hier wird ein live-Blog. Derzeit tagt in Frankfurt am Main das DFB-Präsidium.

Natürlich geht es um die SPIEGELEnthüllungen.

(C) DER SPIEGEL 46/2015

(C) DER SPIEGEL 46/2015

Zunächst eine nette kleine Geschichte zu Niersbachs Kumpel Michel Platini hat die NZZ veröffentlicht. Der suspendierte FIFA-Vize und UEFA-Boss (den Niersbach bis vor ein paar Wochen noch hätte antreten sollen) wollte die Einsicht in seine Konten verhindern.

Dazu der Beschluss der Beschwerdekammer des Schweizer Bundesstrafgerichts:

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The place to be: Play the Game, Aarhus, 25.-29. Oktober #PTG2015

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Play the Game ist für mich schlicht die beste Sportkonferenz der Welt. Das sage ich seit fünfzehn Jahren und wiederhole es nicht deshalb so oft und eindringlich, weil ich seit langem im Programmkomitee mitarbeite und versuche, meine Freunde in Dänemark um den grandiosen Netzwerker Jens Sejer Andersen und Henrik Brandt ein wenig zu unterstützen.

Nein, das sage ich, weil das Wissen, die Begeisterung, das Netzwerk, die Lust an der Aufklärung, die Play the Game vermittelt und wofür Play the Game steht, nicht nur mein journalistisches Leben bereichert hat.

Punkt.

Ich kann jedem, der sich für Fragestellungen interessiert, die unter dem Begriff Sportpolitik eingepfercht werden, nur heiß empfehlen, ein Konferenz-Ticket zu buchen. Play the Game findet in diesem Jahr wieder im Marselis Hotel in Aarhus statt – vom 25. bis 29. Oktober 2015.

Hier das vorläufige Programm, an dem natürlich noch während der Konferenz gefeilt wird und das selbstverständlich die journalistischen (und manch andere) Protagonisten all der derzeit heiß debattierten Geschichten präsentiert:

  • #IAAFdoping (Julia Stepanowa, Witali Stepanow, Hajo Seppelt, Richard Pound & Co)
  • #FIFAcrime (Lasana Liburd, Bonita Mersiades, Andrew Jennings & Co)
  • #UCIdoping (Peter Nicholson & Co)
  • #Agenda2020, #MegaEvents, #Rio2016 (Chris Gaffney & Co)
  • #Ethics, #GoodGovernance (Pâquerette Girard Zappelli/IOC, Sarah Lewis/FIS, Bob Munro, Christer Ahl & Co)
  • #MatchFixing (Declan Hill & Co)

20150803_Preliminaryprogramme_PTG2015

PTG ist einzigartig, meist boykottiert von den großen Sportverbänden, mitunter gar juristisch bedroht, gar nicht sonderlich groß (gemessen an der Zahl der Teilnehmer) und doch über mittlerweile fast zwei Jahrzehnte durchaus wirkungsvoll. Wirkungsvoller jedenfalls, als es die Propagandisten der Sportkonzerne behaupten. Play the Game war immer ein Stachel in deren Fleisch.

Wer sich an Play the Game beteiligte und Kontakte zu großartigen Journalisten von allen Kontinenten, zu Sportfunktionären, Wissenschaftlern und Whistleblowern knüpfte, wer seine Erkenntnisse teilte und für grenzüberschreitende Kooperationen offen war und ist, wurde und wird stets reich belohnt. Mit Wissen, mit Ideen, mit Kontakten, mit Freundschaften, mit beeindruckenden Erlebnissen – und mit neuem Mut.

Einige Namen, manche tauchen oben schon auf, die mir aus verschiedenen Gründen besonders wichtig sind im Zusammenhang mit Play the Game, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Mario Goijman (Argentinien), Ian Magic Hughes (Antigua), Ezequiel Fernández Moores, Pablo Vignone (beide Argentinien), Lasana Liburd (Trinidad & Tobago), Kelly White (USA), Richard W. Pound (Kanada), Bob Munro (Kanada/Kenia), Jérôme Champagne (Frankreich), Christer Ahl (Schweden/USA), Jörg Jaksche, Andrew Jennings (UK), David Walsh (UK/Irland), James Corbett (UK), Sandro Donati (Italien), Christopher Gaffney (USA/Brasilien/Schweiz), Declan Hill (Kanada), Lars Werge (Dänemark), James Dorsey (USA/Singapur/Arab World), Laura Robinson (Kanada), Jaimie Fuller (Australien), Lars Jørgensen, Niels Nygaard (beide Dänemark), Gerhard Treutlein, Richard McLaren (Kanada) sowie Maria, Stine, Kirsten, Søren, Jens, Henrik u.v.a.m.

Nicht zögern: Auf nach Aarhus!

Sehr spannend im Zusammenschnitt von anderthalb Jahrzehnten sind die Magazine der bisherigen Konferenzen:

Play the Game 2013 in Aarhus:

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Michel Platini als FIFA-Präsident? Ein Nachfolger aus dem eigenen Stall #UEFADFBFIFA

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KUALA LUMPUR. Ich beginne doch nochmal einen extra Artikel. Wie erwartet hat Michel Platini gerade seine Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft bekanntgegeben. Die mit vielen Millionen aufgepeppte Propaganda-Abteilung der UEFA (unter anderem arbeiten Pedro Pinto und der Spindoktor Mike Lee für Platini) dröhnt die Welt großflächig mit Jubelmeldungen und Heldengeschichten über Platini zu.

Dabei ist oder wäre Michel Platini, der von Joseph Blatter sportpolitisch ausgebildet wurde, zunächst nur eins: Ein Nachfolger aus dem eigenen Stall.

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