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Sepp, mitten in Afrika

(Achtung, gua: Am Ende dieses Beitrags ist ein Voting-Tool eingebaut. Die Abstimmung ist diesmal nur 24 Stunden möglich.)

Wo treibt sich eigentlich der Friedensnobelpreisanwärter herum?

Der Fifa-Präsident war gerade in Nigeria auf dem Kongress der Confédération Africaine de Football (Caf). In Afrika liegen die sportpolitischen Wurzeln des Joseph Blatter. Dort hat er seit 1975, als er als Direktor für Entwicklungs­pro­gramme bei der Fifa begann (und damals zeitweise von Adidas, der Firma seines Kumpels und ISL-Gründers Horst Dassler, bezahlt wurde), stets nur das Beste bewirkt. Er hat zum Beispiel jene Stimmen generiert, die ihn 1998 in Paris nach legendären Wahlnächten im Meridien Montparnasse Hotel zum Fifa-Präsidenten aufsteigen ließen.

2018? Warner gives England the Mexican Wave Goodbye

Oh ja, ich glaube nicht, dass ich zu viel versprochen habe: Der putzige Doppelwettbewerb um die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022, erdacht von Sepp dem Unfehlbaren, wird uns noch viel Freude bereiten. Ein Gastbeitrag von Andrew Jennings, der an Sepps Hofe seit sechs Jahren nicht mehr geduldet wird, der also keine Akkreditierungen für Fifa-Events erhält. AJ konzentriert sich einmal mehr auf Jack the Ripper:

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„How the World Cup will be won“ / Grafik: Screenshot vom Sunday Herald

By Andrew Jennings

Jack Warner must have his World Cup. FIFA’s serial kleptomaniac, now 65, knows that 2018 is his last chance to acquire the world’s most lucrative sports event and, with his greedy family, loot it. Where does he want it? Mexico.

If anything goes awry, the USA is the fallback. Both countries are captive members of Concacaf, the regional FIFA franchise controlled from Trinidad by Warner.

It’s unthinkable that the Warners would let a World Cup and the once in a lifetime chance to skim TV rights, marketing and hotel packages slip through their fingers. And of course they are well-practiced as the biggest ticket racketeers ever.

When they staged FIFA’s Under-17 championship in Trinidad in 2001, I was there to see them snaffle fast food and beverage contracts in the stadiums, security, hotels, the IT business and, with the personal approval of FIFA president Blatter, their travel agency got all 15 teams‘ flight tickets. The construction contracts came earlier.

In 2007 Warner told the BBC that his franchise must host 2018 saying, ‘There are moves to give it to England. I must fight that. I really don’t believe that we should lay down and play dead to anyone who wants to take the World Cup from Concacaf.‘ Only two countries in Warner’s franchise could stage the championship: Mexico and America.

„Play the Game“ im Juni in Coventry

Ich habe gelegentlich auf die einzigartige Konferenz Play the Game hingewiesen, die im Juni 2009 in Coventry stattfindet – nach bisherigen Stationen in Kopenhagen und Reykjavik. Hier noch einmal die unbedingt lesenswerten Rückblicke auf vergangene Konferenzen:

ptg2009-titleEigentlich sollte ich heute in Kopenhagen sein, um mit dem Programmkomitee weiter über Themen, Workshops und die Rednerliste für Coventry zu diskutieren. Das ließ sich wegen anderer Verpflichtungen leider nicht einrichten, habe meinen Senf deshalb schriftlich dazu gegeben. Schwerpunktmäßig werde ich mich wieder um Korruptions- und Ethikthemen kümmern.

Details über Buchungsmöglichkeiten, den Call for Papers und den Stand der Vorbereitungen finden sich auf Play the Game 2009. Stammgäste wie Richard Pound, Alessandro Donati, Andrew Jennings, Mario Goijman, Declan Hill und Wada-Generaldirektor David Howman haben natürlich längst ihre Teilnahme zugesagt. Ich bin gespannt, ob es gelingt, außer Pound noch andere IOC-Mitglieder nach Coventry zu lotsen. Play the Game und das IOC bzw. Play the Game und Blatters Fifa, das sind Probleme für sich. Die Kommunikationsherrscher mögen es nicht, wenn ihnen jemand dazwischen pfuscht. Sie schicken mitunter ihre Agenten (der Fifa-Abgesandte, der 2002 im Saal saß, wird mir diese Bezeichnung sicher nicht übel nehmen), verweigern sich sonst aber einigermaßen rigoros.

Die 8 Schwerpunktthemen für Coventry:

Kommunikationsherrscher als Leserbriefschreiber: die Fifa

Zum schriftlichen Urteil im ISL-Prozess, das ich auch für die Neue Zürcher Zeitung ausgewertet habe („138 Millionen Franken Schmiergeld“) und in dem die Fifa nicht sehr gut wegkommt („täuschendes Verhalten“, „verwirrliche“ Argumentation), hat der Fußball-Weltverband einen Leserbrief geschrieben. Das Textlein ist heute in der NZZ zu lesen. Immerhin geht man nicht rechtlich gegen mich vor, würde ja auch schwerfallen, denn aus Gerichtsakten und Urteilen zu zitieren, ist (noch) nicht strafbar, weder in Deutschland noch in der Schweiz. Also versucht man, die Kommunikationsherrschaft mittels eines Leserbriefes zu retten. Interessant:

Eine Zuschrift
Das Zuger Strafurteil aus der Sicht der Fifa

Entgegnung zum ISL-Korruptionsprozess

Das Strafgericht Zug hat im Sommer 2008 die Verantwortlichen der ISL/ISMM-Gruppe, ehemals die Nummer 1 im weltweiten Sportmarketing, weitgehend freigesprochen (NZZ 24. 11. 08). Auslöser dieses umfangreichen Strafverfahrens bildete der Konkurs der Gruppe im Mai 2001.

Lausanne im Regen

Tja, aufregender sieht der Eingangsbereich des IOC-Hauptquartiers um diese Jahreszeit nicht aus. Rechts der neue Pavillon mit Cafeteria, der auch als Übergang zum alten Chateau de Vidy dient, wo IOC-Präsident Jacques Rogge sein Büro hat.

Eingang IOC-HQ

Gericht rügt Fifa: „täuschendes Verhalten“

„Im Rechtsstaat“, sagte einst Marc Siegwart, „gibt es keine Moraljustiz.“ Siegwart ist Richter am Strafgericht des Kantons Zug. Und er hat im Frühjahr dieses Jahres fast ein wenig bedauert, dass es keine Moraljustiz gibt; jedenfalls klingt seine Aussage bis heute in meinen Ohren so nach. Man wird doch mal träumen dürfen.

Ich habe den größten Korruptionsprozess der Sportgeschichte hier im Blog recht ausführlich dokumentiert. Es geht um Schmiergeldzahlungen von bestätigten 138 Millionen Franken an höchste Sportfunktionäre aus jenen Verbänden, mit denen der einstige Weltmarktführer ISL/ISMM Milliardengeschäfte machte.

Ach ja, das hier unten links ist übrigens Jean-Marie Weber, der Geldbriefträger und Geldkofferträger, der als einziger die Namen aller Schmiergeldempfänger kennt. Der Herr daneben, Joseph Blatter, ist ein alter Kampfgefährte und Vertrauter des ISL-Barons Weber, auch er ist Stammgast in diesem Blog. Jean-Marie war einmal der große Impressario des Weltsports. Er konnte alles.

[caption id="attachment_2074" align="aligncenter" width="538"]jmw-sepp Stammgäste: Jean-Marie & Joseph[/caption]

Don Julio verpflichtet Maradona

Julio Humberto Grondona, der Pate des argentinischen Fußballs, trägt einen schweren, goldenen Siegelring. „Todo pasa“ steht drauf. Es ist das Motto des 77-jährigen Senior Vice President des Fußball-Weltverbandes Fifa und argentinischen Verbandspräsidenten (quasi auf Lebenszeit). Alles geht vorbei, ich mach das schon.

Fifa-Boss Blatter, Fifa-Vize Grondona - Zürich, Mai 2007

Mein Lieblingsfoto von Sepp und Don Julio: auf der Krönungsmesse 2007 in Zürich

Don Julio, dicker Kumpel vom Fifa-Sepp (wie man auf dem Foto sehen kann) und seit vielen Jahren auch Chef der Fifa-Finanzkommission (sic!), hat bislang alle Klippen umschifft. Sein jüngster Coup: um seinen Posten zu retten, verpflichtete er kurzerhand das Drogen-Wrack Diego Armando Maradona als Nationaltrainer. Und stellte ihm Carlos Bilardo als Teammanager zur Seite. Todo pasa.

Über Diego ist anderswo viel zu lesen. Ich will hier auch nicht mit der Geschichte einer Sünde langweilen, denn ich habe mir im vergangenen Jahrhundert, damals spielte Diego für den SSC Neapel, mal in Leipzig ein Autogramm von der Hand Gottes zeichnen lassen.

Was ich vielmehr zur aktuellen Diskussion beisteuern kann, ist ein Kapitel meines argentinischen Freundes Ezequiel Fernandez Moores aus unserem gemeinsamen Buch „Korruption im Sport“. Der wunderbare Ezequiel kennt sie alle: Diego, Don Julio und noch ein paar andere Spitzbuben. Okay, der Text ist zwei Jahre alt, doch egal, man muss ihn gelesen haben, um ein bisschen was von Don Julio zu verstehen.

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The Godfather Don Julio

The Argentine dictator behind Fifa President Joseph Blatter

Julio Humberto Grondona, FIFA’s Senior Vice President, the great Godfather of South American football and President of the Argentine Football Association (AFA) since 1979, proudly remembers when his mandate began: Almost together with Woytila’s papacy and Diego Armando Maradona’s successful international career. But Maradona left the field in 1997 and John Paul the Second died in 2005.

In his twenty-seven-year mandate (nun sind es schon 29 Jahre), Grondona did not only survive John Paul the Second and the sporting Maradona, but also four de facto Presidents and eight democratic Presidents in Argentina. He also survived eighty-one supporters who died as victims of the endless violence that rules football in Argentina. He survived almost forty-three cases of doping, eight strikes by players and three strikes by referees. Grondona also survived about fifty legal raids on his own offices, the AFA offices and those of his partners.

Grondona is now seventy-four years old (jetzt 77). His age is not an obstacle. Grondona has already warned that in 2007 he will begin his eighth mandate which will last until 2011; by then he will be thirty-two years at the head of the AFA. Thirty-two years with Don Julio. He likes people to call him that way. Don Julio could mean respect. But who would forget the wonderful Don Vito Corleone interpreted by Marlon Brando? In fact, the other nickname given to Grondona in Argentina is „The Godfather“.