[ Schlagwort iaaf3]

From Russia with love (I): Panikattacken des Präsidentschaftsfavoriten?

 •  • 8 Comments

MOSKAU. Endlich wieder im Kreise meiner zweiten Familie. Ich habe sie sehr vermisst in den vergangenen vier Wochen, die Olympic Family. Habe für vier Tage Stellung bezogen im legendären Hotel Ukraina, das jetzt Radisson Royal heißt, und beobachte das Treiben der IOC-Präsidentschaftskandidaten, habe die Olympiabewerbung 2020 und Putins Sportbattalione im Blick, so gut es eben geht.

Das Ukraina hat es mir übrigens angetan, wie die anderen sechs stalinschen Wolkenkratzer, die Seven Sisters. Sie üben eine merkwürdige Faszination auf mich aus. Das muss der russische Teil meiner Seele sein, oder der stalinsche? Jedenfalls, ich habe jetzt alle mal kurz besichtigt. Aber das ist eine andere Geschichte. Blöderweise ist das Ukraina so hoch und breit, dass ich es aus der Nähe einfach nicht aufs Bild kriege, habe es mit drei Kameras versucht, aber gerade keine Zeit, auf die andere Seite der Moskwa zu wandern und von dort aus abzudrücken. Deshalb, Fremdquelle (und aus dem Winter, war gerade nichts anderes greifbar), ein eigenes Foto wird nachgetragen:

Hotel Ukraina/Radisson Royal (c) Wikimedia

Hotel Ukraina/Radisson Royal, ©Rudolf Simon (cc-by-sa)

Momentaufnahme drinnen: Aus dem Aufzug kam eben Jacques Rogge mit Anne – die Blaulichter draußen warten schon, es geht zum Dinner. An der Bar, fünf Meter hinter mir, sitzen Juan Antonio Samaranch Junior, Craig Reedie und Richard Carrión; Alex Gilady ist gerade gegangen. Daneben am Tischlein haben die Amerikaner um Jim Scherr und Doug Arnot (beide ehemals USOC) Platz genommen, die für Aserbaidschans Diktator Ilham Äliyev und EOC-Präsident Pat Hickey 2015 die ersten European Games organisieren. Sie haben auch gerade einige IAAF-Funktionäre bearbeitet, etwa den Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des europäischen Verbandes. Denn die Leichtathleten machen bisher nicht mit bei den Europaspielen, von denen niemand weiß, warum Europa die braucht. Außer natürlich Äliyev und Hickey, die wissen, dass sie sie brauchen.

Read the Full Story

Dopinglügen im kalten Licht der Statistik: der WADA-Testreport 2012

 •  • 8 Comments

tl;dr: Nach dem Pound-Report hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nun einen detaillierten Bericht über die weltweiten Dopingkontrollen 2012 vorgelegt, der seinesgleichen sucht. So viele Details wurden noch nie veröffentlicht – und dokumentieren die Wirkungslosigkeit des Kontrollsystems. Pflichtlektüre! Grit Hartmann hat den Bericht studiert und entlarvt einige Wahrheitsbeugungen von DOSB und deutscher NADA.

Bedarf es noch eines Nachweises, um den Dopingkontrollen des Sports weitgehende Wirkungslosigkeit zu attestieren? Die Welt-Antidoping-Agentur hat ihn geliefert.

Dabei trägt der aktuelle WADA-Report einen nüchternen Titel: „2012 Anti-Doping Testing Figures Report“. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei den 156 Seiten um ein Misstrauensvotum erster Güte, auch an die eigene Adresse.

Die neue Statistik, sie basiert auf von den Analyse-Laboren gelieferten Kontrollergebnissen, beschert nämlich zuerst diese desaströse Erkenntnis: Doper haben weniger denn je zu befürchten in einem Testsystem, das ihnen angeblich immer dichter auf die Fersen rückt.

Zwar wurden 2012 im olympischen Sport rund 185.000 Proben genommen und damit mehr als im Vorjahr, die Zahl der Funde aber sank: Nur in 2.894 Proben (1,56 Prozent) detektierten die Labore Dopingmittel oder auffällige Werte, die auf Manipulation deuten. 2011 lag die Quote bei 1,91 Prozent.

Und selbst dieser Minianteil zeichnet noch weich: Er enthält auch Ergebnisse, die keine Dopingverstöße waren, weil Athleten medizinische Ausnahmegenehmigungen vorlegen konnten.

1,56 Prozent – das widerspricht krass den Fakten, die professionelle Ermittler zutage fördern, wenn sie sich wie derzeit in Australien oder Italien das Milliardenbusiness Spitzensport mal vorknöpfen. Fürs sportinterne Kontrollnetz gilt das Übliche: In ihm verfangen sich vor allem die Dummen. Die Hälfte aller positiven Proben fiel mit Anabolika auf, 15 Prozent mit Stimulanzien, gefolgt von Cannabis und Diuretika – mühelos nachweisbare Stoffe.

Eher als Unfälle dürften auch die 45 Epo-Funde (bei 25.000 Kontrollen auf den Blutverdicker) einzustufen sein. Warum? Minidosen, längst die probate Spritzmethode, sind nicht zu detektieren. Der Nachfolger heißt Aicar, wirkt angeblich besser – und es gibt kein Testverfahren. Kaum fündig würden die Analytiker bei der Suche nach Wachstumshormon (vier Fälle) und nach den so genannten HBOCs, hämoglobin-basierenden künstlichen Sauerstoffträgern (kein Fall).

Die Statistik illustriert auch, was von Kontrollen in den Händen der Weltverbände zu halten ist – solange der WADA-Code von ihnen nicht mehr verlangt als Tests, gleichgültig wie oft und worauf. Spitzenreiter nach Zahlen sind Radsport (8940 Tests) und Leichtathletik (5817), mit großem Abstand zu den 33 anderen olympischen Föderationen. Sepp Blatters Fußball-Weltverband FIFA zum Beispiel beließ es bei 696 Kontrollen. Am Ende der Tabelle stehen acht Verbände mit weniger als 100 Tests.

Read the Full Story

Was vom Tage übrig bleibt (80): der älteste olympische Leichtathletik-Weltrekord von Jarmila Kratochvilova

 •  • 1 Comment
screenshot www.iaaf.org

screenshot www.iaaf.org

Das waren noch Zeiten. Im Sommer 1983. Kurz nach dem Abitur. Als Jarmila Kratochvilova („Das beste Doping ist Training“) über die Tartanbahnen pflügte und heute vor 30 Jahren in München Weltrekord über 800 Meter stampfte. Es ist der älteste Weltrekord. Und er kann gut noch einige Jahre (oder Jahrzehnte) bestehen.

Lesebefehl, zweieinhalb Jahre alt aber zeitlos gut:

Read the Full Story

Was vom Tage übrig bleibt (77): WADA-Report by Richard Pound „Lack of effectiveness of testing programs“

 •  • 14 Comments

Als Ergänzung zu einem Aufreger dieser Woche, den Dopingfällen Asafa Powell, Tyson Gay et al, muss ich eine Pflichtlektüre unbedingt nachtragen. Den Bericht der von Richard Pound geleiteten WADA-Arbeitsgruppe zum weltweiten Dopingkontrollsystem.

Lesen! Bitte!

Vieles, was dieser Tage geschrieben und gesendet worden ist, wäre besser geworden, wäre kompetenter geworden, hätten die Autoren die Pound-Studie gelesen. Die Erläuterungen und die 90 Empfehlungen an die WADA, die Sport-Weltverbände (IF), die Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA), die Sportler und Betreuer, für das Testprogramm, die Labore, die Organisatoren von Wettbewerben und den Welt-Sportgerichtshof (CAS) fassen den derzeitigen Stand der heißen Diskussion wunderbar zusammen.

Im Prinzip reichen zwei Zitate, um einen Grundsatzstreit zu umreißen, der derzeit ausgetragen und mit der Inthronisierung des neuen WADA-Präsidenten Craig Reedie (GBR, IOC) im November in Johannesburg vorentschieden oder gar entschieden wird.

WADA is an independent, international, regulatory body concerned with doping in sport; it is not a “service” organization

… schrieb Richard Pound im Mai.

Die WADA muss eine Serviceeinrichtung für die Verbände sein …

… sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter wenige Tage später in Lausanne, als er aus dem IOC-Hauptquartier eilte (nach einem Krisengipfel des Sports zur WADA, der offiziell kein Krisengipfel sein sollte).

Read the Full Story

Masters of the IOC universe: Putin, Gazprom, oligarchs and sheikhs

 •  • 25 Comments

The so-called Olympic movement has showed a surprisingly strong interest in the first part of the report on the presidential race in the International Olympic Committee (IOC). The acronym ABB seems to have electrified people. It stands for “Anyone But Bach” – referring to the clear favorite among the six contenders for the IOC Presidency, the German Thomas Bach.

want to read more?

Visit my bookshop!

Buy the ebook:

mmm

On April 21st this year, most senior IOC officials met in Tianjin, northern part of China. On this day, the „Juan Antonio Samaranch Memorial Museum“ was opened, planned by the architect Ching-Kuo Wuo (Taiwan), another one of the six presidential candidates. At this occasion a conspiratorial-sounding abbreviation was used for the first time. ABT: „Anything but Thomas“. Sometime in May it changed to ABB.

Of course, the five challengers of Thomas Bach discreetly promote the ABB story among their peers. But one of them, Ser Miang Ng from Singapore, currently thought to be number two or three in the presidential race, now argues more offensively with a historical fact:

There have been eight presidents in IOC history. Seven from Europe, one from the U.S. – but none from the biggest and most populous continent. None from Asia.

So perhaps the ABB will be replaced by an ABE: From anywhere but Europe?

Read the Full Story

#London2012 (XXIII): Warum Olympiawettbewerbe acht oder gar zwölf Jahre dauern

 •  • 89 Comments

LONDON. Ein Kleinod meiner Dichtkunst. Ließe sich ausbauen, verlinken, mit Fakten, Dokumenten und herrlichen Episoden noch viel viel besser beschreiben. Dazu fehlt aber leider die Zeit. Habe in den Katakomben des Olympiastadions die schweren Jungs gesehen, die den Hammer werfen. Da fiel mir dann dies ein: Es gibt olympische Wettbewerbe, die etwas länger dauern als […]

Read the Full Story

#London2012 (VII): Die ISL-Bestechungsmillionen, ein mysteriöser Scheich, der OCA, die IOC-Präsidentschaft und andere vielfältige Lebenssachverhalte

 •  • 8 Comments

LONDON. Es war zuletzt weltweit ja viel über das ISL-Korruptionssystem zu lesen. Die Sache ist noch nicht geklärt, denn die Empfänger eines Großteils der (mindestens) 142 Millionen Franken Schmiergeld bleiben ja unbekannt. Mann sucht sie noch, sie verbergen sich hinter ominösen Stiftungen, werden von Dienstboten in Anwaltskanzleien geschützt, die teilweise selbst Barabhebungen getätigt und Geldkoffer über Grenzen getragen habe. Die Empfänger sitzen in der FIFA, im IOC und in etlichen anderen Weltverbänden, mit denen die ISL Geschäfte gemacht hat.

Nach den Olympischen Spielen werden wir erstmals die komplette, bisher unveröffentlichte Liste der ISL-Schmiergelder zur Verfügung stellen und schauen, ob die Weisheit der Massen (Crowdsourcing) das, was Staatsanwälte und Journalisten zusammengetragen haben, ergänzen kann. Einige Namen finden sich ja doch auf der Liste, und einer, Ahmed Muttaleb, langjähriger Generalsekretär des asiatischen Olympia-Councils OCA und einst wichtigster Mann (keine Ahnung, ob er ihm noch immer dient) des kuwaitischen OCA-Präsidenten, IOC-Exekutivmitglieds und gewesenen OPEC-Präsidenten Scheich Ahmed Al-Sabah, hat gemäß Anklageschrift zum ISL-Prozess mehr als 5,1 Millionen CHF kassiert.

Die Zahlungen sind in der Anklageschrift einzeln dokumentiert, zusammenfassend heißt es:

Read the Full Story

#London2012 Offener Brief zur Streichung der Dopingrekorde von Andreas Krieger

 •  • 11 Comments

(Es ist mittlerweile bereits der fünfte Offene Brief, den eine Gruppe deutscher Dopinggegner geschrieben hat. Kurz vor Olympia, im Wortlaut:) Es reicht. Seit Jahrzehnten beißen konsequente Doping-Gegner bei Sportorganisationen und nationalen Regierungen auf Granit. Weil es dort um den nationalen Erfolg im internationalen Kräftemessen geht, gilt unausweichlich: Das System duldet Doping, aber keinen Dopingfall. Wir […]

Read the Full Story

Muss das denn sein? Die Hall of Fame der IAAF.

 •  • 15 Comments

Ach Gott, jetzt leistet sich der Kleinganove Lamine Diack in seiner IAAF auch noch eine Hall of Shame Fame. Muss das denn sein? Offenbar muss das so sein. Die Trottel wollen das so. Also dann, damit Herbert und Walter und einige andere nicht wieder falsch behaupten, hier würde nur über Ostdeutsche und die lächerlich-absurd-feige Hall […]

Read the Full Story

Jacques Rogge sagt: „reports are confidential“ und „a warning is not a sanction“

 •  • 15 Comments

LAUSANNE. In zwei Jahrzehnten als IOC-Berichterstatter habe ich gewiss schon viele absurde, deprimierende Momente erlebt. Die gerade beendete, äußerst bizarre Pressekonferenz mit einem geradezu leblos argumentierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge gehört sicher dazu – irgendwo in den Top 20. Das muss Mann erst mal verdauen. Jedenfalls, Rogge, einst als Erneuerer angetreten [und von mir auch als […]

Read the Full Story

Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens.

 •  • 34 Comments

ZÜRICH. Die Bilanz des Grauens ist (vorerst) neunstellig, wenn Mann die Ziffern hinter dem Komma mal großzügig beiseite lässt. Die Schmiergelder der ISL-Gruppe an höchste Sportfunktionäre, die sich gern mit Millionen freikaufen, in der Übersicht:

ISL Schmiergeldbilanz, 1989 - 2001: knapp 141 Mio. Franken

Gerichtlich dokumentierte Schmiergeldbilanz der ISL

Es geht also weiter in der ISL-Saga. Die Abkassierer sind ja schließlich auch noch im Amt und werden protektiert. Neue Fakten zum größten Korruptionsskandal der Sportgeschichte liegen vor, pünktlich zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag durch das FIFA-Exekutivkomitee. Ich hatte es gestern bereits angedeutet.

Read the Full Story

New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers

 •  • leave a comment

ZÜRICH. Zwischendurch mal in meinem broken English: New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers Three days before the election of the hosts of the 2018 and 2022 football World Cups, new documents have appeared that present heavy charges against football officials. At least three current members of the executive committee of football’s world governing […]

Read the Full Story