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Update: Der Dopingkontrollfall Hoffenheim

Zunächst drei Zitate zum Fall Ibertsberger / Janker / Hoffenheim / DFB-Dopingkontrollsystem.

(1) Und es sagt Dietmar Hopp (gemäß dpa):

Da fällt mir aber eben ein Stein vom Herzen, dass die Jungs da nicht etwas ausbaden müssen.

Nachdem sich auf der Homepage der TSG Hoffenheim bis heute Nachmittag kein Hinweis auf den Dopingkontrollfall fand, der Deutschland bewegte, ist jetzt ein winziges Textlein eingestellt (Stand 16.22 Uhr).

(2) Und es sagt Manager Jan Schindelmeiser:

Wir waren von Anfang an von der Unschuld unserer Spieler überzeugt und sind natürlich erleichtert, das auch der DFB-Kontrollausschuss dies so sieht. Die öffentliche Diskussion über eine mögliche Sperre war insbesondere für die beiden Spieler eine große Belastung. Es ist nicht extra zu betonen, dass die Einhaltung der Anti-Doping-Richtlinien für uns von höchster Bedeutung ist.

Wir haben die zu dem Missverständnis beigetragenen Umstände intern akribisch aufgearbeitet und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, einen solchen Vorfall zukünftig auszuschließen.

Ein Missverständnis. Dann ist ja gut.

Was vom Tage übrig bleibt (21): der Dopingkontrollfall Hoffenheim

Um den Blick mal über Sinsheim hinaus zu weiten. Hat doch Uefa-Präsident Michael Platini kürzlich einen Urlaub von Dopingtests gefordert, hat doch Fifa-Medizinchef und Exekutivmitglied Michel D’Hooghe das Whereabout-System mit der Inquisition verglichen. Ach Gottchen, ob er weiß, wovon er redet? Jedenfalls, Wada-Präsident John Fahey sagte gestern auf dem alljährlichen Medien-Symposium im Olympischen Museum zu Lausanne:

You cannot have a time when you are clean and a time when you are not. It has to be a case of clean the whole time. If we want to have an effective test, you’ve got to have the ability to test anybody at any time.

I cannot see how you can say you only have to comply by the code for a particular period of the year and it’s a free-kick in a certain period called holidays.

Recht hat er: „Wada steps up fight with football“.

Es geht ums Prinzip. Im Großen wie im Kleinen. Wobei man trefflich darüber streiten könnte, ob die TSG Hoffenheim noch zu den Kleinen zählt. Soweit ich es überschaue, finden sich die besten Zusammenfassungen in diesen Blogs:

Was vom Tage übrig bleibt (15)

Neue Lesebefehle. Zunächst die Nachzügler, die ich beim letzten Mal vergessen oder übersehen hatte:

  • Michael Reinsch in der FAZ mit einer Betrachtung zum Ethos des Sports/der Sportler: „Der Keim der Sumpfblüten“. Das Problem dabei: Als ich mich eingelesen hatte in die spannenden Überlegungen, war der Text leider zu Ende. Das Thema hätte die doppelte Länge verdient:

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, heißt es im Alten Testament. Nicht einmal im Sport kann davon noch generell die Rede sein. Wer in unserer Gesellschaft beackert, bitte schön – anders als in den Hallen des chinesischen Sportapparats, in den Laufgruppen Afrikas und den Krafträumen osteuropäischer Olympiakader –, noch den sprichwörtlichen Ackerboden, auf dem Dornen und Disteln wachsen? Unsere Athleten haben, wie es sich gehört, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, verbunden mit Studium, Berufsausbildung und Zahlung in die Rentenkasse. Sie treiben nicht Hunger und Verzweiflung. Sie lockt die Aussicht auf bescheidenen Ruhm und einen Lebensstil, der sie ihre Arbeit in Trainingslagern am Mittelmeer und in den Rocky Mountains tun lässt.

In der ausdifferenzierten Hierarchie des Hochleistungssports trägt diese Stufe der Gesellschaft ihre Vorsilben wie eine hoffnungslose Prognose: Mittelschicht, Mittelmaß. Vielleicht ist Ernüchterung am Platze. Doch das Fehlen von Extremen, der Umstand, dass in einer freien Gesellschaft Athleten weder metaphorisch noch existentiell um ihr Leben kämpfen, ist gewiss auch ein Grund zur Erleichterung.

  • Enno Aljets bietet auf Welt Hertha Linke ein Dossier zur Berichterstattung über Doping im Fußball. Unbedingt pflegen!

Und nun aktuellere Texte:

Game of control: Organized Crime Plays Football

Lang erwartet, nun ist es endlich fertig (bzw. kann fortgeschrieben werden): Ein sensationelles journalistisches Internetprojekt über den Einfluss der Mafia im osteuropäischen Fußball, mitfinanziert von den Vereinten Nationen (UN Democracy Fund) im Rahmen des Organized Crime and Corruption Reporting Projects (OCCRP) von Paul Radu und Drew Sullivan. (btw ist das ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Journalismus im Internet auch finanziert werden kann: über internationale Organisationen, Stiftungen und Projekte)

Voila: Organized Crime Plays Football. Ein wenig zu diesem Thema findet man ja auch hier im Blog, etwa die Geschichte über Alimsan Tochtachunow inklusive der Reaktion aus Zürich.

Jack Warner

Jack the Ripper oder: Fußballfunktionäre und der Umgang mit der Wahrheit

Vorab zur Einstimmung: Das sind Fußball-WM-Tickets, die Jack Warner & Konsorten, die seit vielen Jahren mit Tickets in großem Stil dealen (Fußball-WM, Fußball-EM, Cricket-WM, Olympia) und fantastische Geschäfte und Millionen machen, mal nicht abgesetzt haben. Es sind, natürlich, Originale.

In der Mitte ist der Name eines Ticketdealers vermerkt: Paul „Chet“ Greene, ein Fifa-Freund, ein Warner-Buddy, inzwischen NOK-Präsident von Antigua, aber das ist mal eine andere Geschichte…

4 Tickets für die WM '98, mit besten Grüßen von Mr Chet Greene

Denn: Es gibt Neues von einem meiner Lieblingsfunktionäre.

Der Ball rollt: „Alles andere wird sich geben“

Ein Freund meinte: „Mensch, stell doch mal was anderes rein in Dein Blog, damit der Kommentar von Jürgen Roth nach unten rutscht.“

Okay, wird sonst vielleicht monothematisch. Andererseits, mir ist nicht nach Schreiben. Doch er ist ein Freund. Was tun? Zum Glück gibt es mein Archiv. Ich habe im Sommer eine Geschichte über einen neunzehnjährigen Anhaltiner geschrieben, der in der zweiten Mannschaft von Real Madrid spielt. Vergangene Woche gab es nun etliche (deutsche) Agenturmeldungen, wonach Reals Trainer Bernd Schuster, der nun doch nicht entlassen wurde, angeblich plant, diesen Christopher Schorch demnächst in der ersten Mannschaft einzusetzen. Ein anderer Freund allerdings, der in Madrid lebt und schon ein Buch über die Primera División geschrieben hat, klärte mich auf: „Schorch ist hier kein Thema, Schuster ist noch nicht einmal beim B-Team aufgetaucht, auch das werfen sie ihm vor.“

Okay, sagen wir es so, mit einem Spruch aus der Praxis: Wenn es deutsche Nachrichtenagenturen melden, wird es schon ein Thema sein. Schließlich haben viele deutsche Medien die Meldungen übernommen. Hier also das Geschichtlein über Christopher Schorch. Nur eins noch, blöderweise: Auch zwischen ihm und dem DFB bzw. den DFB-Trainern gab es die eine oder andere Reiberei. Er gehört in jene Truppe, die im Sommer die Europameisterschaft gewann, fehlte aber bei dem Turnier. Er sagt: Ordnungsgemäß abgemeldet beim DFB und beim Coach Hrubesch wegen Krankheit. Ich habe auch anderes gehört, das aber nicht bis ins letzte Detail überprüft, es schien mir nicht entscheidend für diesen Beitrag zu sein. Seine Auseinandersetzung mit Hertha BSC habe ich allerdings so gut es ging überprüft, zumindest kommen alle Beteiligten zu Wort.

Okay, hier also, … etwas anderes. Und vielleicht habe ich irgendwann mal Muße, Links zu setzen:

Don Julio verpflichtet Maradona

Julio Humberto Grondona, der Pate des argentinischen Fußballs, trägt einen schweren, goldenen Siegelring. „Todo pasa“ steht drauf. Es ist das Motto des 77-jährigen Senior Vice President des Fußball-Weltverbandes Fifa und argentinischen Verbandspräsidenten (quasi auf Lebenszeit). Alles geht vorbei, ich mach das schon.

Fifa-Boss Blatter, Fifa-Vize Grondona - Zürich, Mai 2007

Mein Lieblingsfoto von Sepp und Don Julio: auf der Krönungsmesse 2007 in Zürich

Don Julio, dicker Kumpel vom Fifa-Sepp (wie man auf dem Foto sehen kann) und seit vielen Jahren auch Chef der Fifa-Finanzkommission (sic!), hat bislang alle Klippen umschifft. Sein jüngster Coup: um seinen Posten zu retten, verpflichtete er kurzerhand das Drogen-Wrack Diego Armando Maradona als Nationaltrainer. Und stellte ihm Carlos Bilardo als Teammanager zur Seite. Todo pasa.

Über Diego ist anderswo viel zu lesen. Ich will hier auch nicht mit der Geschichte einer Sünde langweilen, denn ich habe mir im vergangenen Jahrhundert, damals spielte Diego für den SSC Neapel, mal in Leipzig ein Autogramm von der Hand Gottes zeichnen lassen.

Was ich vielmehr zur aktuellen Diskussion beisteuern kann, ist ein Kapitel meines argentinischen Freundes Ezequiel Fernandez Moores aus unserem gemeinsamen Buch „Korruption im Sport“. Der wunderbare Ezequiel kennt sie alle: Diego, Don Julio und noch ein paar andere Spitzbuben. Okay, der Text ist zwei Jahre alt, doch egal, man muss ihn gelesen haben, um ein bisschen was von Don Julio zu verstehen.

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The Godfather Don Julio

The Argentine dictator behind Fifa President Joseph Blatter

Julio Humberto Grondona, FIFA’s Senior Vice President, the great Godfather of South American football and President of the Argentine Football Association (AFA) since 1979, proudly remembers when his mandate began: Almost together with Woytila’s papacy and Diego Armando Maradona’s successful international career. But Maradona left the field in 1997 and John Paul the Second died in 2005.

In his twenty-seven-year mandate (nun sind es schon 29 Jahre), Grondona did not only survive John Paul the Second and the sporting Maradona, but also four de facto Presidents and eight democratic Presidents in Argentina. He also survived eighty-one supporters who died as victims of the endless violence that rules football in Argentina. He survived almost forty-three cases of doping, eight strikes by players and three strikes by referees. Grondona also survived about fifty legal raids on his own offices, the AFA offices and those of his partners.

Grondona is now seventy-four years old (jetzt 77). His age is not an obstacle. Grondona has already warned that in 2007 he will begin his eighth mandate which will last until 2011; by then he will be thirty-two years at the head of the AFA. Thirty-two years with Don Julio. He likes people to call him that way. Don Julio could mean respect. But who would forget the wonderful Don Vito Corleone interpreted by Marlon Brando? In fact, the other nickname given to Grondona in Argentina is „The Godfather“.

Notizen vom Sportausschuss (1): WM 2010 in Südafrika

Ich sitze gerade in der 59. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Eigentlich bin ich wegen der Beratungen zum Sporthaushalt und der Diskussion über eine Sperre von Fördermitteln an den Bund Deutscher Radfahrer gekommen. Nun reden sie aber erst über die WM 2010 und über Willi Lemkes Rolle bei den Vereinten Nationen.

Die zarte Debatte habe ich mal stenografiert, um einen Eindruck zu geben von der Arbeit im Sportausschuss hier im Sitzungssaal 4.800 des Paul-Löbe-Hauses. (Links folgen später am Abend.) Ich wollte den Sportausschuss ohnehin regelmäßig im Blog begleiten, also fange ich einfach mal an.

Zu Beginn weist Ausschuss-Chef Peter Danckert (SPD) darauf hin:

Liebe Kollegen, bei aller Bedeutung des Sports sind die Dinge, die derzeit die ganze Welt betreffen, eine ganze Menge wichtiger.

Deshalb fehlen auch einige Abgeordnete, weil sie in anderen Ausschüssen werkeln. Der ehemalige Schiedsrichter Bernd Heynemann (CDU) fehlt auch, aus anderen Gründen.

Zugegen ist dafür Gerhard Böhm, Sportberater der Kanzlerin. Und natürlich: Horst R. Schmidt, Willi Lemke und Ralph Arend, Botschaftsrat der Botschaft der Republik Südafrika in Berlin.

Grüße von der Russenmafia: Alimsan Tochtachunow

Angestachelt von der Frage, ob das Uefa-Pokalspiel Zenit gegen Bayern verschoben worden sein könnte, habe ich mich ein wenig umgesehen. Und da sind mir diese Fotos aufgefallen, die sicher überhaupt nicht in einem Zusammenhang stehen zu den Meldungen dieser Tage, die aber verwirren. Vier Fußballfreunde: Joseph Blatter, der tadellose Fifa-Präsident; Wjatscheslaw Koloskow, Exekutivmitglied des Fußball-Weltverbandes Fifa; und Alimsan Tochtachunow, ein – tut mir echt leid, das so formulieren zu müssen – mutmaßlicher Schwerverbrecher. Ebenfalls zugegen: Michel Platini, Fifa-Exekutivler und seit 2007 Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Ein Screenshot der Fotos der Zeitung Kommersant:

kommersant-screenshot

Ich weiß nicht, ob Joseph Blatter genau wusste, mit wem er da das Glas erhob. Ich werde ihn mal fragen. Es muss ein spaßiger Abend gewesen sein, im Januar 2005 im China Club an der Uliza Krasina 21 in Moskau. Der China Club wirbt übrigens so:

The restaurant, decorated in Truggelmann style instantly became a symbol of classic luxury. And a place with a high concentration of enormous wealth and unlimited power. Deals worth millions were concluded there and destinies were ruled. The restaurant’s story would suffice for a novel, historical or culinary.

Blatter, Platini und Koloskow sind als Fifa-Funktionäre gewissermaßen Stammgäste in diesem Blog. Alimsan Tochtachunow, ehemals Kicker bei Pachtakor Taschkent und heute Präsident der Russian Soccer Foundation, habe ich bislang noch nicht erwähnt, obwohl er doch, nun ja, zu meinen Lieblingsmafiosi zählt. Er sieht gut erholt aus auf den Fotos der russischen Zeitung Kommersant. Auf dem Fahndungsfoto von Interpol, das ist eine jener blöden Behörden, mit denen Fußballfunktionäre nichts zu tun haben möchten, ist er nicht so gut getroffen. Aber das liegt vielleicht in der Natur der Sache:

interpol-steckbrief

Das FBI brachte Alik, wie Tochtachunow von seinen Freunden genannt wird, mit zahlreichen Verbechen in Verbindung – und mit strammen Syndikaten der Russenmafia. Nur ein kleiner Ausschnitt von mehreren Seiten Fahndungsmaterial:

Manipulationsverdacht beim Spiel des FC Bayern

Huch, was kommt denn da für eine Meldung aus Spanien:

elpais-zenit-bayern

Ein Europapokalspiel des FC Bayern München manipuliert? Die spanische Staatsanwaltschaft ermittelt. Gerade bekam ich einen Anruf eines Radiosenders, der aufgeregte Kollege wollte wissen, welches Interesse der FC Bayern an einem verschobenen Spiel gehabt haben könnte, die hätten doch genug Geld. Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Ich weiß es nicht. Gar kein Interesse. So weit ich es verstehe, sind meist einzelne Spieler und/oder der Schiedsrichter an Spielmanipulationen beteiligt.“ Die Antwort stellte den Anrufer nicht zufrieden. Er kam auch nicht damit klar, dass ich wenig aufgeregt reagierte.

Erstaunlicher Weise habe ich auf www.kicker.de bis jetzt keinen Hinweis auf die Geschichte gefunden, wogegen die Konkurrenz von www.sportbild.de schon titelt: „War Zenits Sieg über Bayern manipuliert?“ Tja, das ist die Frage.