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Sieg der Ewiggestrigen: FINA-Wahlkongress in Budapest

BUDAPEST. Das war etwas Besonderes heute im Hotel Intercontinental. Einerseits brauche ich solche Erlebnisse nicht mehr. Vor allem kann ich auf Drohgebärden, nonverbale und teils auch verbale, aus dem arabisch-kuwaitischen Raum gut verzichten.

Anyway, es gibt auch ein andererseits: Derlei fragwürdige Erlebnisse wecken den Ehrgeiz, den Job besser zu machen. Manchmal fehlen einem die Worte, aber vielleicht bin ich nach all den Jahren in diesem Business, nach mehr als 25 IOC-Sessionen und vielen Dutzend Weltkongressen von FIFA, IAAF, FINA und anderen … einfach nur dämlich, es nicht besser zu wissen und mitunter von positiven Entwicklungen zu halluzinieren. Das sollte man eher nicht in dieser olympischen Parallelgesellschaft.

Die Restauration hat gesiegt. Hätte nur noch gefehlt, der leibhaftige Samaranch wäre in den Saal marschiert.

Habe für Spiegel Online eine Summary gedichtet, auf dem Weg zum Flughafen, nachdem mich meine heutigen Quasi-Leibwächter (vielen Dank auch dafür) aus dem Hotel eskortiert hatten. Hier vorerst nur der FINA-Kongress in Tweets – ist auch mal ganz nett. Viel mehr Fotos und Videos konnte und durfte ich gar nicht machen, sonst wären mir Al-Musallams Knechte und andere Security-Leute ins Gesicht gesprungen und hätten mich abgeführt.

Stay tuned, es geht weiter in diesem FINA-Theater.

Tweets zum Dopingfall im deutschen Olympiateam #Sochi2014

Evi Sachenbacher-Stehle also? Allgemein bekannt seit ihrer so genannten Schutzsperre bei den Olympischen Winterspielen 2006. Der DOSB will sich gleich dazu äußern.

Work in progress – bis Sendeschluss heute.

Es folgt (sehr wahrscheinlich) noch ein Olympic Poem zum Doping.

Alle Fakten bitte in die Kommentare packen.

#London2012 (XXXIII): It’s show time, folks! live-Blog von der Schlussfeier

Olympic Stadium, London, 12. August 2012, 17.42: Die Ruhe vor dem Sturm

LONDON. So sieht’s aus – gern auch auf das Foto klicken (zweimal klicken, dann kommt es relativ cool).

It’s showtime, folks.

Es hat eben bei der Probe schon ziemlich gerockt, ich denke, das wird ähnlich unterhaltsam wie vor sechzehn Tagen. In knapp zwei Stunden beginnt das Vorprogramm, in etwas mehr als drei Stunden die Party. Was genau läuft, darf ich noch nicht verraten, obgleich das Programm (mit Sperrfrist versehen) in meinem Rucksack lauert.

Rechtzeitiges Erscheinen sichert feine Plätze. Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben irgendwo pünktlich. Heute drei Stunden … zuvor? Das muss für die Nachwelt festgehalten werden, schließlich habe ich ein rasendes Ego. Manche Leute verstehen es halt noch nicht, wie das ist mit dem Bloggen und dem Journalismus und gewissen Prinzipien und manchen Zusammenhängen. Anyway.

Natürlich wird es heute hier nicht so voll werden wie bei der wunderbaren Eröffnungsfeier oder am Freitag, doch wir werden uns gewiss vergnügen und nebenbei ein bisschen bilden. Das kann ja nicht schaden.

Deshalb, als nächstes, eine Pflichtlektüre, auch wenn es thematisch nicht zu passen scheint, angesichts der Überschrift dieses Beitrages. Verbinden wir also in feiner Tradition das Vergnügen mit den Mühen des Alltages. One moment, please, dann erscheint hier eine Zielvereinbarung, die nicht mehr Zielvereinbarung heißen soll, sondern Potenzialförderrealismusproblemlösungsvereinbarung.

18.15 Uhr: Okay, gewiss habe ich mal wieder schlecht recherchiert und es gibt gar keine Sperrfrist, wie ich da oben wichtigtuerisch schrieb.

Hier also, das Lineup, einigen von denen rennt man hier über den Weg. Wirklich.

[Habe es mal sicherheitshalber wieder entfernt. Denn die Embargozeile habe ich nun gefunden: 21.00 BST. Nicht dass hier noch die IOC-Sittenwächter vorbei schauen.]

18.51: Ich glaube, die haben jetzt erst die Stadiontore geöffnet. Es füllt sich.

18.54: Ooops, ich kann es nicht unterdrücken: Bitte mal darauf achten, ob schon heute Abend manch Gedanke/Formulierung/Fakt/wasauchsonst kurze Zeit später in Moderationen und/oder Gesprächen im DLF-Sport verbraten werden. Passiert regelmäßig. Kommentare werden auch gern genommen. Ohne Quellenangabe, versteht sich. #LSR

19.07: So, das lineup musste ich wieder löschen. Embargo: 21.00 British Summer Time.

19.12: Boris Johnson wieder. Er ist einfach herrlich. Tweet von PA (die Einbindung funktioniert aus mir unerfindlichen Gründen leider gerade nicht):

Boris Johnson brings laughter from British medal winners after telling them the UK should celebrate their achievements with „an orgy“

19.15: Kein Witz bzw doch einer oder nur die traurige Wahrheit: Der Chinese, der neben mir sitzt, hat auf seinem Laptop ein Foto als Bildschirmschoner, dass ihn beim Bückling zeigt, als ihm KP- und Staatschef Hu Jintao die Hand gibt.

Ich bin begeistert. Denn, das werden nicht alle wissen und oder es schon vergessen haben: Hu Jintao ist der Namenspatron dieses Blogs.

Don’t mix politics with games …

haben wir einst kollektiv von Hu Jintao geklaut.

19.35: So siehts jetzt aus (einmal klicken, dann noch einmal und vergrößern):

Olympic Stadium, London, 12. August 2012, 19.37: Die Ruhe vor dem Sturm II

19.46: Eine Stunde Zeit noch zum lesen. Hier mal drei Zielvereinbarungen im Original. Ich werde das die Tage mal etwas übersichtlicher auf einer Seite zusammenstellen, wie ich überhaupt – Hallo, cf! – dafür sorgen muss, dass all die Dokumente, die über die Jahre hochgeladen und verlinkt wurden, etwas besser zur Geltung kommen. Haben mich in London einige Kollegen drauf angesprochen, nicht aufs Ego, sondern auf Dokumente, die man besser finden sollte.

Also. Noch einmal die Mutter aller Zielvereinbarungen Potenzialförderrealismusproblemlösungsvereinbarung: BMI – DOSB:

Die Potenzialförderrealismusproblemlösungsvereinbarung des Deutschen Skiverbandes für Sotschi 2014

Diskus Männer, Endergebnis

#London2012 (XXIV): @derHarting holt Gold

LONDON. Bin auf dem Weg ins Olympiastadion, wo ich @derHarting/Shaggy/Den Harting live verfolge. Er sagt:

Bis zum Diskuswerfen ein Lesebefehl, ich hatte mich schon drauf gefreut:

Und natürlich unsere Abstimmung über den neuen Schwimm-Bundestrainer:

#London2012 (XXII)

LONDON. Bin noch etwas außer Gefecht. Ist wieder sehr spät geworden gestern. Es wird immer spät nach Sprint-Finals und der Show des Witzboltes, über den ich nun dichten muss.

Derweil sollte die volldemokratische Wahl des künftigen Schwimm-Bundestrainers Fahrt aufnehmen. Nur zu, jeder darf abstimmen – Jung und Alt, Nichtschwimmer und Meisterschwimmer, Trainer und Couch Potatoes.

[poll id=“23″]

Die Stellenausschreibung des DSV (ohne Arbeitsplatzbeschreibung) kopiere ich auch nochmal hinein:

#London2012 (XXI): live-Blog vom Witzbolt, Umfrage zum DSV-Bundestrainer

LONDON. Um das mal klarzustellen: Ich hasse meine Stammkundschaft, wenn sie mir derartige Qualen auferlegt und mich wochenlang nicht schlafen lässt. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich derartigen unmenschlichen Forderungen dennoch nachkomme. Ab geht es also in die Kammer des Schreckens.

Coming soon:

Und damit widmen wir uns den wirklich wichtigen Dingen des olympischen Lebens. Ich bin auf dem Weg ins Olympiastadion und werde in Kürze den ganzen Abend live bloggen. Denn es tritt auf: der Witzbolt.

Außerdem wird es eine hübsche Umfrage zum Thema geben: Wer soll neuer Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes werden? Aus den vielen sachdienlichen Hinweisen werde ich eine Liste destillieren. Wer noch nichts dazu beigetragen hat, kann das schnell nachholen.

18.25: Block 212/213, Row 73, Seat 313. Ich bin all hier! Oberste Reihe, es ist sehr windig, das Feuer kann ich nicht sehen, aber ich habe Platz und mich ja schon zwei Tage am Flämmchen gewärmt. Muss noch ein wenig arbeiten, dann folgt die Umfrage zum DSV.

#London2012 (XX): crowdsourcing, Schwimm-Bundestrainer gesucht. Oder: wenn aus Karpfen Soldaten werden sollen

LONDON. Hat jemand Lust? Möchte sich jemand als Schwimm-Bundestrainer bewerben?

Die ARD-Schwimmexpertin Franziska „Ich als Expertin“ van Almsick hat gerade im Expertengespräch die Expertise angeboten, der neue Bundestrainer müsse sich auskennen.

Worin?

Die Stellenausschreibung des Deutschen Schwimmverbandes (DSV):

[caption id="attachment_29090" align="aligncenter" width="723"]Stellenausschreibung - Der DSV e.V. sucht zum 01.12.2012 für die Funktion des Chef-/Bundestrainers Schwimmen eine/n engagierte/n Mitarbeiter/in „Eine langfristige Anstellung wird angestrebt“ — Der DSV sucht Chef- und Bundestrainer im Schwimmen. Gefunden von Berni auf allesaussersport.de[/caption]

#London2012 (XVI): Niederlage für den sportpolitischen Komplex DOSB/BMI und Gold für Erfurter Blutbestrahlung

Witz des Tages:

Ich glaube natürlich, unsere Entscheidungen sind transparent. Wir sind gegenüber dem Sportausschuss ja auch offen in unserer Informationspolitik.

— Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)

[caption id="attachment_12722" align="aligncenter" width="1024"]Sportminister, umzingelt von Medaillengewinnern, proudly presented by DOSB Medaillengewinner, CSU-Sportminister Friedrich (lachend), Trimmies (lachend) — Deutsches Haus, London, 2. August 2012[/caption]

LONDON. Bin schon wieder fünf Stunden unterwegs in Zügen, Bussen und Pressekonferenzen, ohne eine Zeile produziert zu haben.

[Über Twitter aber melde ich mich immer von unterwegs. Siehe Sidebar rechts.]

Also wieder unter Druck, denn der erste Redaktionsschluss der Zeitungen naht. Kurz vorm Burgerschlingen und Artikelschreiben schnell der Hinweis auf den juristischen Erfolg, den das WAZ-Rechercheblog – namentlich Daniel Drepper – vor dem Verwaltungsgericht Berlin gegen DOSB und BMI errungen hat:

Dopingkontrollen in der Leichtathletik

Es folgt der nächste Teil des Transparenztests „Dopingkontrollen in einer olympischen Kernsportart“. Analog zu den Beiträgen:

in denen ich die Angaben der WADA, der NADA, des Weltverbandes FINA und des nationalen Verbandes DSV ausgewertet habe, folgt nun die Auswertung des Zahlenwerks der WADA, der NADA, des Weltverbandes IAAF und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu Dopingkontrollen in der Leichtathletik.

Es gelten dieselben Einschränkungen zum Datenmaterial (inklusive der Bemerkungen zur Qualität von Dopingkontrollen) wie bei den Schwimm-Tabellen auch. Zudem ist einmal mehr anzumerken: Der Zeitraum der Olympischen Sommerspiele, wenn das IOC die Dopingkontrollen verantwortet, taucht in diesen Tabellen nicht auf. Erstaunlicherweise (oder vielleicht doch eher: logischerweise) werden in diesen Zeiträumen mehr Doper erwischt als in der Verantwortung der IAAF über ganze Jahre.

Also bitte: Der Vergleich mit den Schwimm-Tabellen lohnt sich, finde ich.

Was mir vor allem auffällt: Bedenkt man, dass die Leichtathletik die einzig wirklich globale von 33 olympischen Sportarten ist und folglich (mit Ausnahme einiger Spielsportarten) auch die meisten Athleten stellt, sind die Dopingtests noch immer unterentwickelt – in jeder Beziehung. Allein schon die Quantität: Es kann einfach nicht sein, es ist absolut verdächtig, dass die Schwimmer zahlenmäßig besser dastehen.

Zum deutschen Aspekt und damit einmal mehr der Vergleich Schwimmen – Leichtathletik: Der DLV macht was die online-Präsenz seines Antidoping-Ressorts angeht, einen besseren Eindruck als der DSV. Schaut man genauer hin, werden allerdings auch keine Zahlen geliefert. International macht die FINA belastbarere Angaben als die IAAF – eindeutig. Interessant auch hier: Beide Weltverbände nennen Namen der im Training getesteten Athleten – die deutschen Verbände weder Zahlen noch Namen. Dass die IAAF überhaupt Angaben macht, ist wiederum einer Initiative des DLV aus dem Jahr 2005 zu verdanken, wenigstens einige der groben „Mängel im Schattenreich“ zu beheben – nur hält sich der DLV selbst zurück.

Ein letztes Mal: Es lohnt sich, Schwimm- und Leichtathletik-Tabellen zu vergleichen.

  • Tabelle 1: IAAF-Testprogramm 1990 bis 2007
Total IAAF Testing Program
 Year    In-competition  Out-of-competition total
 1990   740   80   820  
 1991   828   80   908  
 1992   632   208   840  
 1993   846   476   1322  
 1994   618   902   1520  
 1995   983   1294   2277  
 1996   851   1755   2606  
 1997   1248   1510   2758  
 1998   833   1755   2588  
 1999   1301   1787   3088  
 2000   848   2062   2910  
 2001   1104   1811   2915  
 2002   951   2067   3018  
 2003   1246   2147   3393  
 2004   997   2001   2998  
 2005   1277   2127   3404  
 2006   1258   1656   2914  
 2007   1426   1851   3277  

 

  • Tabelle 2: IAAF-Testprogramm 2008
IAAF Annual Doping Control Programme 2008
   Pre-Competition    In-Competition    Out-Of-Competition    Total  
 Standard Urine    0    655    1118    1773  
 Standard Urine + EPO    74    935    705    1714  
 TOTAL TESTS    74    1590    1823    3487  
         
 Blood Screens    656    0    0    656  
 Blood (hGH)    0    0    41    41  

 

  • Tabelle 3: WADA-Tests in der Leichtathletik
Out-Of-Competition-Tests der WADA in der Leichtathletik
  Urinests Epo Bluttests Analyse Bluttransfusion Blutanalyse hGH HBOC Analyse
2008 53 16 0 0 0 0
2007 122 35 0 0 0 0
2006 189 91 6 0 6 6
2005 240 222 0 45 0 32
2004 124 59 10 0 0 0
2003 266 0 99 0 0 0
2002 256 0 40 0 0 0
2001 278 0 0 0 0 0
2000 217 0 0 0 0 0

 

  • Tabelle 4: IAAF-Tests bei Weltmeisterschaften
Doping Control During IAAF World Athletics
 City    Year    Tests    Positive  
 Helsinki   1983   214   0 
 Rome   1987   196   1 
 Tokyo   1991   216   2 
 Stuttgart   1993   218   4 
 Goteborg   1995   275   0 
 Athens   1997   378   5 
 Seville   1999   298   4 
 Edmonton   2001   390   9 
 Paris   2003   405   5 
 Helsinki   2005   885   2 
 Osaka   2007   1132   0 
Berlin 2009 1500 Plan  

Dopingkontrollen bei deutschen Schwimmern

The sport of swimming is to be revived from January 1, 2010

… sagt Craig Lord, einer der profiliertesten Schwimm-Berichterstatter. Er bezeichnet die WM in Rom als SHAMPIONSHIPS und bezieht das vor allem auf die Rennanzüge der Athleten, wozu er auf swimnews.com hübsche Übersichten erstellt, die ich unter Quellenangabe zusammenfasse.

(Bei der BBC gibt es die Weltrekord-Auflistung mit Anzugsmarke. Dank für den Hinweis an Skeptiker.)

Suit Wars: Shiny Medals Table (no relays)
Gold Silber Bronze # WR
arena X-Glide
(u.a. Paul Biedermann)
14 12 10 13
Jaked01
(Federica Pellegrini)
9 12 16 13
Speedo LZR
(Michael Phelps)
6 2 7 5
adidas Hydrofoil
(Britta Steffen)
4 6 1 5
Descente Aquaforce 1 2 1 0

Craig Lord, dessen Berichterstattung ich bereits empfohlen habe, hat allerdings immer auch das Thema Doping im Fokus, das wegen der absurden Anzugs-Debatte leider in deutschsprachigen Medien kaum beleuchtet wird. Warum berichtet eigentlich kaum einer der deutschen Reporter in der „Fabrik der ungetrübten Träume“ (NZZ) über andere mögliche, durchaus nahe liegende Gründe von Leistungsexplosionen?