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Dopingtrainer: Das Gutachten von Martin Nolte

Nachtrag zur Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch und zur Propaganda des Sportpolitikkartells (DOSB, DLV, BMI et al.): Die Stellungnahme des derzeit im Sport allgegenwärtigen und auf vielen Seiten tätigen Privatdozenten Martin Nolte.

Ich betrachte das Papier eher als Meinungsäußerung. Ich finde dennoch, dass es sich lohnt sich, die Zeilen zu studieren. Wenn das Kartell damit argumentiert und beispielsweise behauptet, die Überprüfung der Steuermittel für Doper sei kompliziert und Rückforderungen rechtlich kaum möglich, ist das ein Witz. Dies zum einen, zu einem leider in den Medien immer noch unterbelichteten Thema. Denn es geht ja bei der Entschuldungspauschale für Doper und dem Umgang mit Opfern (die es laut Sportausschuss-Chef, SPD-Mann und Reitsportfunktionär Danckert ohnehin kaum gibt) nicht nur um moralische Fragen. Ach Gott. Es geht, knallhart, um die rechtmäßige Verwendung von hunderten Millionen Steuermitteln seit 1991 und um die Verantwortung von BMI, Bundestag (Kontrollfunktion) und Verbänden.

Dieser verwaltungsrechtliche Aspekt bleibt weiter völlig unklar. Aus meiner Sicht ist Nolte bemüht, das Problem maximal zu reduzieren, indem er es zur Frage von Verfassungsrecht, Sportrecht aufbauscht – und das Verwaltungsrecht außer Acht lässt. Das ist eben kein Juristen-Gutachten zur Kontrollmöglichkeit über Zuwendungsbescheide, über die Zulässigkeit der Rückforderung von Fördermitteln. „Fördern und Fordern“, wie etwa diese Passage zeigt:

Der Staat ist allerdings Hauptförderer des Sports. Die Förderung muss mit inhaltlichen Zwecksetzungen (Forderungen) verbunden werden. Dies verlangt  das Haushaltsrecht.

Untersucht wird das nicht näher.

Andere interessante Passagen: 

Diese Prüfung (durch Verbände) muss schließlich eine kontrollierbare Abwägungsentscheidung sein. Denn nur so erfolgt eine Rückbindung an den fördernden Staat. Die Kontrolle hat aber wiederum die Eigenverantwortung der Verbände zu wahren. Aus alledem ergibt sich ein reduzierter Kontrollmaßstab.

Was heißt das? Die Abwägung hat es nachvollziehbar nicht gegeben?

Oder dies:

Belastbare Falschaussagen zur eigenen Dopingvergangenheit wirken negativ, persönliche Entschuldigungen bei Opfern positiv. Wichtig ist ferner die aktive Mitwirkung von Trainern an der Aufklärung von Dopingpraktiken im Allgemeinen, wie dies beispielsweise im Rahmen von Kronzeugenregelungen bei der Dopingbekämpfung nach dem WADC und dem NADC praktiziert wird. Auch die Tatsache, ob der Trainer aus eigenem Antrieb oder durch Andere zur Aussage über seine Verstrickungen gelangt, ist wichtig.

Hier nun der komplette Text: 

Sportausschuss
Ausschussdrucksache Nr. 217
vert. am: 19.06.2009

PRIVATDOZENT DR. MARTIN NOLTE
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Olshausenstraße 75
24098 Kiel

Umgang mit ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern

Notizen vom Sportausschuss (11): „eine besondere Art Mensch“

(Die Notizen von Robert Kempe, der freundlicherweise die Berichterstattung über die Umfaller und Sportlobbyisten aus dem Bundestag übernommen hat, sind jetzt komplett online. Vielen Dank noch einmal an Robert! Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, Aussagen der kenntnisreichen und aufrechten Volksvertreter mitunter zu kommentieren und habe das kenntlich gemacht.)

Zuvor noch der Beitrag von Herbert Fischer-Solms im Deutschlandfunk:

:

Hier der Bericht:

von Robert Kempe

Ein straffes Programm gibt die 77. Sitzung des Sportausschuss heute vor, 15 Punkte gilt es abzuhandeln. Als sicher am interessantesten zu beurteilen sind die Tagesordnungspunkte:

The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world

As promised the other day: The extended and overworked version of my presentation at Play the Game conference last week in Coventry – with important backgrounds about the new „associate member“ of the Olympic Journalists Association:

The ISL bribery system: 138 million CHF for high-ranking officials in the Olympic world

A few weeks ago I had several discussions with IHF-President Hassan Moustafa. He told me:

We are a Handball-family. If anybody has a problem, we have to find a solution within our family – not outside the family.

I have heard quotes like this before. My old friend Joseph Blatter once said:

We don’t go to strangers. If we do have problems in our family, we use to solve the problems in the family. What happens in our family is not a topic for a jurisdiction outside our family. Regular courts are not a part of our family.

In this picture we can see Joseph Blatter with his longtime friend Jean-Marie Weber. They are members of the family, both the FIFA-President, also a member of the IOC, and the man who has paid an unbelievable amount on bribes to other family members. They are longtime friends.

Open letter to the Olympic Journalists Association

Ich habe seit Ewigkeiten vor, dieses Blog auch auf Englisch zu führen, weil ich denke, dass es vergleichbare Angebote, die nicht von Sponsoren der so genannten Olympischen Bewegung oder gar von Sportfunktionären finanziert werden, kaum gibt. Nun beginne ich damit. Die Geschichte, die ich gestern erlebt habe, ist Anlass genug: Denn ich habe ja mit Jean-Marie Weber einen neuen Journalisten-Kollegen in der Olympic Journalists Association (OJA). Ab heute wird es regelmäßig englische und deutsche Beiträge in diesem Blog geben. Ich denke, das ist auf Dauer spannender und erweitert unseren Horizont.

In der Causa Weber habe ich soeben diesen offenen Brief an alle Mitglieder der OJA und einige andere interessierte Kollegen, Funktionäre und das IOC Press Office gesendet. Let’s talk about it. Have your say!

Von: Jens Weinreich
Gesendet: Sonntag, 14. Juni 2009 13:30
Betreff: open letter to members of the Olympic Journalists Association

Dear colleagues,

I have had a shock. My head is spinning. My legs are weak, my brain spins. I grip the edge of my desk and croak for a glass of water.

Coming back from Coventry, England, where I attended the stimulating Play the Game conference I was greeted by the new directory of the Olympic Journalists Association (OJA). I do thank Alain Lunzenfichter, Steve Wilson and Adrian Warner, Wakako Yuki, Karolos Grohmann and Pirate Irwin for their honorary work in the OJA Executive Committee.

But something in it leaves me trembling.

In the new directory I found my name alongside a new „associate member“ of the OJA. His name? Jean-Marie Weber. In a moment, I’ll tell you more about Mr Weber.

But first, I am curious to know, who has elected Jean-Marie Weber? He has never been a journalist. But he does have one special role in the Olympic movement.

He paid the bribes. Huge bribes. Bribes for maybe 30 years to high ranking sports officials. Is this now a qualification for membership of the Olympic Journalists Association?

I can’t afford this membership fee. My children must be fed first.

Apparently he was elected in 2009. The Constitution of OJA says an „associate member“ can be nominated by the Executive Committee. The definition of an „associate member“ like Jean-Marie Weber is the following:

„This will be offered to any individual, newspaper, federation, television network, sponsor, association, promoter etc. … whom the Committee considers has made a contribution to the Association or whose professional duties impact on Olympics.“

Oh yes! Mr Weber’s activities have impacted on Olympic sport big time. Massively. He’s the man who bought sport with big bags of banknotes.

How about 138 million CHF in bribes? Or financing dreary publications like „sport intern“ since the rest of us were babies?

Post vom Anwalt: „private and confidential“

AJ beim Vortrag

Andrew Jennings bekam gerade Post vom Anwalt Peter Hargitays, eines langjährigen Beraters von Joseph Blatter und Mohammed Bin Hammam.

In diesem Brief (9 Seiten pdf), als „private and confidential“ deklariert, geht es scharf zur Sache. Wer die weltumspannende Fifa-Branche und die Arbeit von Journalisten, die sich um Aufdeckung gewisser Vorgänge bemühen, besser verstehen will, sollte sich die Mühe machen, die Unterlagen zu studieren.

Also: Lesebefehl!

Notizen vom Sportausschuss (10): Doping im Freizeit- und Breitensport

Die hochinteressante 76. öffentliche Sitzung des Bundestags-Sportausschusses beginnt in einigen Minuten. Thema:

Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport

Ich kann heute nicht live bloggen, veröffentliche aber hier als Lektüre schon mal die wichtigsten Stellungnahmen der Sachverständigen, zu denen auch Seyfu gehört:

https://www.youtube.com/watch?v=FQZ385CPuvc&hl=de&fs=1&rel=0&border=1

Zunächst die Frageliste der MdB’s:

Ein Protokoll aus dem Reich des Pharao: Zahlungen des DHB

Ein kleines Leckerli, Lektüre fürs Wochenende: Das Protokoll der Councilsitzung des Handball-Weltverbandes IHF Ende Januar in Zagreb.

Es geht natürlich einmal mehr um die Reisekosten, die der schwer familiär veranlagte Pharao Hassan Moustafa („Wir sind ein sauberer Sport!“) einfach nicht mit Quittungen belegen mag. Es geht aber auch – in diesem Kreise abschließend – um die Zahlungen des Deutschen Handball-Bundes einst an den russischen Verband, die der DHB-Präsident Ulrich Strombach, ein Jurist, und die auch das UDIOCM Thomas Bach, ebenfalls Jurist, als völlig normal und sauber ansehen. Strombach ist jener Top-Funktionär, der kürzlich gemäß Andreas Lesch (BLZ: „Der Witz mit dem Geldkoffer“) auf die Frage, wie er die Korruptionsverstrickungen von Hassan Moustafa bewerte, dem fragenden Journalisten entgegnet hat:

Andreas Klöden lässt sagen …

Fundstelle: Webseite von Andreas Klöden (Danke an Trebor, der in den Kommentaren darauf hinwies). Anmerkung: Klödens Anwälte lieben Gänsefüßchen.

Zum sogenannten Abschlussbericht der „Expertenkommission zur Aufklärung von Dopingvorwürfen gegenüber Ärzten der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg“ nehmen wir für unseren Mandanten wie folgt Stellung.

1) Wir haben uns bisher erfolglos um eine Akteneinsicht in die in dem Bericht zitierten Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Freiburg und um eine Überlassung von Abschriften der angeblichen Beurteilungsunterlagen und Testergebnisse der eingesetzten „Expertenkommission“ bemüht.

„Die Expertenkommission“ selbst entzieht damit die Grundlagen ihrer Beurteilung jeder sachlichen Prüfung.

2) Die gegen unseren Mandanten erhobenen Vorwürfe beruhen auf bisher schon bekannten Anschuldigungen.

Dabei  vergisst „die Expertenkommission“ auf folgende wesentliche Punkte hinzuweisen:

Notizen vom Sportausschuss (9) oder: “Berlino ist ein Klasse-Sympathieträger”

Wie immer, live aus dem Sportausschuss des Bundestages, heute die 74. Sitzung. Auch diesmal gilt: Ich versuche, mich mit Kommentaren zurückzuhalten und derartige Anmerkungen brav kursiv zu kennzeichnen.

Die Geplänkel zu Anträgen von Linken und FDP (Thema Prävention als Gesundheitsvorsorge) leiten das Meeting ein. Zu Beginn funktioniert die Technik nicht, aber glücklicherweise läuft das im Bundestag so: Jemand ruft einen Techniker an, der Mann kommt sofort und beseitigt das Problem – wie im richtigen Leben. Über einen Grünen-Antrag („Alle Formen von Diskriminierungen thematisieren – Bürgerrechte von Fußballfans stärken – Für einen friedlichen und integrativen Fußballsport“) wird ebenfalls debattiert. Martin Gerster (SPD/Präsident des Sportakrobatik-Bundes) signalisiert Zustimmung „für die Zielrichtung“ des Antrages, lehnt den Antrag wegen wichtiger Details (u.a. wollen die Grünen die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen auch den profitorientierten Profivereinen aufbürden) allerdings für seine Fraktion ab. Grünen-Sportsprecher Winfried Hermann möchte die zwölf Punkte des Antrages später noch einmal diskutieren, sagt aber auch:

„Wenn die Mehrheit weiß, dass sie es sowieso ablehnt, egal wie, dann kann man das heute vollstrecken.“

Peter Danckert (SPD) entgegnet leicht verärgert: „Also von Vollstreckung reden wir nicht, wir handeln nach der Geschäftsordnung.“ Klar, dass nun der Koalitionspartner dran ist: Also redet Klaus Riegert (CDU/Vizepräsident des Schwäbischen Turnerbundes) „von einer ganzen Reihe von Selbstverständlichkeiten und Banalitäten“, es handele sich „um einen Schauantrag“. Er beantragt deshalb Vollstreckung Ablehnung.

Der (interessante und wichtige) Antrag, BT-Drucksache 16/12115, wird zügig abgelehnt mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP gegen Grüne und Linke. 

Schwerpunkte aus meiner Sicht: die Berichterstattung zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin (nicht zum ersten Mal im Ausschuss) und vor allem zur Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 (zum ersten Mal im Ausschuss). Zum Thema der Finanzierung – weitgehend öffentlicher Finanzierung – habe ich mich etliche Male geäußert (und oft genug angekündigt, dass es weitere Beiträge geben wird). Der Olympia-Aufsichtsrat aus dem Sportausschuss, Stephan Mayer (CSU), ist eine halbe Stunde nach Sitzungsbeginn noch nicht eingetroffen.

Richtig los geht’s mit der Leichtathletik-WM.

Michael Mronz (OK Leichtathletik-WM)
Gratuliert zunächst den Abgeordneten, die am Dienstag im Olympiastadion Sport trieben, zur „Absolvierung des Sportabzeichens“. (Foto, Screenshot DOSB: Bundespräsident/vorn/lange Hose – Sportausschuss-Chef Danckert/weiße Hose, 2. v.r.) 

Innerhalb der nächsten zehn, vierzehn Tage soll der vierte Sponsoren-Partner („ebenfalls ein Dax-Unternehmen“) vorgestellt werden. Gespräche mit dem fünften Partner laufen. „Wir gehen davon aus, dass wir unser Ziel erzielen werden, wie es in dem Haushaltsplan vorgesehen ist.“ Derzeit sind 220.000 Tickets verkauft – er nennt wie schon beim letzten Besuch des BOC Vergleichszahlen zu Paris 2003 und Osaka 2007. Erläutert Details seiner peinlichen „Roadshow“ durch Deutschland.

„Das Maskottchen ist umfangreich unterwegs. Umfangreich ist Berlino im Einsatz. Das ist ein Klasse-Sympathieträger!“

(Berlino heißt hier im Blog nach demokratischer Abstimmung: Problembär.) Mronz sagt natürlich noch: „Wir alle können uns freuen auf eine good time in Berlin im August.“