dlv

Der neue Sportausschuss …

… des Bundestages hat sich etwas verändert. Ein Fußball-Schiedsrichter, ein Reiter, ein Fußballer, ein UDIOCM-Fan fehlen diesmal – dafür kommen ein Teppichhändler und Handballer (Steffel), eine Leichtathletin (von Cramon-Taubadel), eine ehemalige Drogenbeauftragte (Bätzing) und einige andere Abgeordnete hinzu, deren Wirken hier weiter aufmerksam verfolgt und dokumentiert wird. Allerdings nur, wenn der Ausschuss auch in der 17. Wahlperiode grundsätzlich öffentlich tagen sollte, wonach es derzeit doch wieder aussieht. Wir werden sehen.

Die Übersicht derzeit, etliche Stellvertreter müssen noch zugeordnet werde. Rechts im Vergleich dazu die alte Besetzung in der vergangenen Wahlperiode.

Leichtathletik-WM: eine Bilanz

Es folgen – mit der gebührenden Verspätung – etliche Statistiken, wie es sich für die Leichtathletik gehört.

Einige Anmerkungen zur deutschen Bilanz und zur Präsentation der zumeist jungen Athleten bei der WM habe ich bereits für SpOn gedichtet. Einige Worte mehr werde ich hier in Kürze (ich wiederhole für gua, cf und andere: in Kürze) verlieren.

Zunächst einige Zahlen, über die man, wie ich finde, auch trefflich debattieren kann. Leider sagen diese Statistiken relativ wenig aus über den Para­digmen­wechsel (manchen Verantwortlichen nehme ich das ab) im DLV, über den Generationswechsel und über Dopingpraktiken. Einiges lässt sich allerdings ablesen. Ich werde die Bilanzen des DLV später noch auf Disziplinen aufschlüsseln. Anschließend in etlichen Tabellen und einfachen Grafiken (hoffentlich zu erkennen) auch eine internationale Einordnung.

Teil zwei der Bilanz folgt.

Leichtathletik-WM, Tag 9: „Veranstaltung abgewickelt“

15.39 Uhr: Moin. Wird etwas weniger umfangreich heute. Ich denke, dass ich morgen eine Nachbetrachtung mit hunderten Links liefern werde.

Ich schneide die Abschluss-Pressekonferenz des Organisationskomitees mit, während ich im Stadion sitze und einen letzten Beitrag dichte. Wer mag, kann sich während der TV-Übertragung mit der kompletten Selbstdarstellung des BOC berieseln lassen. Prokop spricht „aus Sicht des nationalen DLV-Präsidenten“ und sagt, Deutschland habe „wieder einmal mit hoher Perfektion eine Veranstaltung abgewickelt“, fabuliert über den Schwarzhandel mit dem WM-Maskottchen, das „in der Berichterstattung ausländischer Fernsehsender einen breiten Raum eingenommen“ habe. O-Ton Prokop:

Zusammengefasst denke ich, kann man sagen, dass diese Weltmeisterschaft in Berlin nur Gewinner hatte.

Leichtathletik-WM, Tag 8: „pseudosakrale Passionswege“

Start Marathon Männer, Screenshot ZDF

11.46 Uhr: Start zum Marathon der Männer. Ich habe meinen ungesunden Wohlstands-Marathon (Auto fahren, Kaffee trinken, Croissant verschlingen) längst hinter mir, seit acht Uhr. Im DLV-Team ist der Vizepräsident Eike Emrich, Professor an der Universität des Saarlandes, für die bildungsbürgerlichen Momente zuständig. Er füllt diese Rolle leidenschaftlich aus, zitierte heute auf der täglichen PK beim Ausrüster Nike aus der Ilias. Das gefällt ihm. „50 Kilometer Gehen und Marathon“, sagte Emrich, „sind für mich pseudosakrale Passionswege. Am Ende winken Glück und Erlösung.“ Nun denn.

Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer

7.58 Uhr: Ich glaube, ich bin schon wach. Weiß es aber nicht genau. Während ich noch recherchiere, ob ich tatsächlich wach bin und, sollte ich herausgefunden habe, dass ich wach bin, dann sicherlich den kürzesten Weg ins Olympiastadion ins Parkverbot ansteuere, spreche ich mal flink einen Lesebefehl aus:

  • Die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung bastelt während der WM vom Hotel Sylter Hof aus am Blog: Mehr als Laufen

Ich war vergangenen Freitag zu einer Diskussion dort zu Gast und schwer beeindruckt von Engagement und Technik. Dumm nur, dass die Verhanldungen mit dem BOC, um den Kollegen für das Projekt Akkreditierungen ausstellen wollte, nach rund einem Jahr traurig endeten: Es gibt keine Akkreditierungen. Dabei ist doch so viel Platz im Stadion.

9.51 Uhr: Was ich gestern vergessen hatte. Am Nachmittag bekam ich einen Anruf von der Berliner Polizei. Dachte zunächst, irgendein Anwalt habe mich verklagt oder es sei bereits ein Haftbefehl ausgesprochen worden. Mein zweiter Gedanke war: die haben dein Auto abgeschleppt. Der Mann erkundigte sich aber nur freundlich nach der Demonstration, die ich vor dem Olympiastadion plane, ob ich denn die Verteilung von 20.000 Doping-Schutzmasken angemeldet habe. Er hatte davon in diesem Internetdingens gelesen. Ooops.

Wie die Leichtathletik-WM nach Berlin kam

[caption id="attachment_4652" align="aligncenter" width="544"]Jubel bei Schily, Wowi & Co. Happy End in Helsinki, Dezember 2004 — WM-Sieg für Berlin![/caption]

So war das damals, am 4. Dezember 2004, als das IAAF-Council die Leichtathletik-WM 2009 an Berlin vergab. Da freuten sich Otto Schily, Clemens Prokop, Klaus Wowereit, Klaus Böger, Dagmar Freitag und einige andere der üblichen Verdächtigen.

Der Weg zur WM war steinig und lang. Er war, nicht nur gelegentlich, kurios. Und oft genug auch aufregend. Ich habe mal eine kleine Chronik zusammengestellt, wie Berlin an diese WM kam. Es ist wirklich nur eine Andeutung der vielen Geschichten. Aus Zeitgründen kann ich kaum etwas verlinken. Ich habe selbst viel dazu in der Berliner Zeitung geschrieben, etliche Textpassagen finden sich in der Chronik.

Dopingkontrollen in der Leichtathletik

Es folgt der nächste Teil des Transparenztests „Dopingkontrollen in einer olympischen Kernsportart“. Analog zu den Beiträgen:

in denen ich die Angaben der WADA, der NADA, des Weltverbandes FINA und des nationalen Verbandes DSV ausgewertet habe, folgt nun die Auswertung des Zahlenwerks der WADA, der NADA, des Weltverbandes IAAF und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu Dopingkontrollen in der Leichtathletik.

Es gelten dieselben Einschränkungen zum Datenmaterial (inklusive der Bemerkungen zur Qualität von Dopingkontrollen) wie bei den Schwimm-Tabellen auch. Zudem ist einmal mehr anzumerken: Der Zeitraum der Olympischen Sommerspiele, wenn das IOC die Dopingkontrollen verantwortet, taucht in diesen Tabellen nicht auf. Erstaunlicherweise (oder vielleicht doch eher: logischerweise) werden in diesen Zeiträumen mehr Doper erwischt als in der Verantwortung der IAAF über ganze Jahre.

Also bitte: Der Vergleich mit den Schwimm-Tabellen lohnt sich, finde ich.

Was mir vor allem auffällt: Bedenkt man, dass die Leichtathletik die einzig wirklich globale von 33 olympischen Sportarten ist und folglich (mit Ausnahme einiger Spielsportarten) auch die meisten Athleten stellt, sind die Dopingtests noch immer unterentwickelt – in jeder Beziehung. Allein schon die Quantität: Es kann einfach nicht sein, es ist absolut verdächtig, dass die Schwimmer zahlenmäßig besser dastehen.

Zum deutschen Aspekt und damit einmal mehr der Vergleich Schwimmen – Leichtathletik: Der DLV macht was die online-Präsenz seines Antidoping-Ressorts angeht, einen besseren Eindruck als der DSV. Schaut man genauer hin, werden allerdings auch keine Zahlen geliefert. International macht die FINA belastbarere Angaben als die IAAF – eindeutig. Interessant auch hier: Beide Weltverbände nennen Namen der im Training getesteten Athleten – die deutschen Verbände weder Zahlen noch Namen. Dass die IAAF überhaupt Angaben macht, ist wiederum einer Initiative des DLV aus dem Jahr 2005 zu verdanken, wenigstens einige der groben „Mängel im Schattenreich“ zu beheben – nur hält sich der DLV selbst zurück.

Ein letztes Mal: Es lohnt sich, Schwimm- und Leichtathletik-Tabellen zu vergleichen.

  • Tabelle 1: IAAF-Testprogramm 1990 bis 2007
Total IAAF Testing Program
 Year    In-competition  Out-of-competition total
 1990   740   80   820  
 1991   828   80   908  
 1992   632   208   840  
 1993   846   476   1322  
 1994   618   902   1520  
 1995   983   1294   2277  
 1996   851   1755   2606  
 1997   1248   1510   2758  
 1998   833   1755   2588  
 1999   1301   1787   3088  
 2000   848   2062   2910  
 2001   1104   1811   2915  
 2002   951   2067   3018  
 2003   1246   2147   3393  
 2004   997   2001   2998  
 2005   1277   2127   3404  
 2006   1258   1656   2914  
 2007   1426   1851   3277  

 

  • Tabelle 2: IAAF-Testprogramm 2008
IAAF Annual Doping Control Programme 2008
   Pre-Competition    In-Competition    Out-Of-Competition    Total  
 Standard Urine    0    655    1118    1773  
 Standard Urine + EPO    74    935    705    1714  
 TOTAL TESTS    74    1590    1823    3487  
         
 Blood Screens    656    0    0    656  
 Blood (hGH)    0    0    41    41  

 

  • Tabelle 3: WADA-Tests in der Leichtathletik
Out-Of-Competition-Tests der WADA in der Leichtathletik
  Urinests Epo Bluttests Analyse Bluttransfusion Blutanalyse hGH HBOC Analyse
2008 53 16 0 0 0 0
2007 122 35 0 0 0 0
2006 189 91 6 0 6 6
2005 240 222 0 45 0 32
2004 124 59 10 0 0 0
2003 266 0 99 0 0 0
2002 256 0 40 0 0 0
2001 278 0 0 0 0 0
2000 217 0 0 0 0 0

 

  • Tabelle 4: IAAF-Tests bei Weltmeisterschaften
Doping Control During IAAF World Athletics
 City    Year    Tests    Positive  
 Helsinki   1983   214   0 
 Rome   1987   196   1 
 Tokyo   1991   216   2 
 Stuttgart   1993   218   4 
 Goteborg   1995   275   0 
 Athens   1997   378   5 
 Seville   1999   298   4 
 Edmonton   2001   390   9 
 Paris   2003   405   5 
 Helsinki   2005   885   2 
 Osaka   2007   1132   0 
Berlin 2009 1500 Plan  

Robert Harting macht sich Gedanken …

Komme gerade vom Workshop der NADA, sitze noch in Köln auf dem Flughafen, da lese ich, dass Robert „Shaggy“ Harting, Diskuswerfer und Kampfrichter aus dem WM-Werbe-Video, in einem Interview mit Christian Rotter vom Mannheimer Morgen laut nachgedacht hat. Die Passage, die derzeit Schlagzeilen macht:

Sie haben Ihre eigene Homepage zur „dopingfreien“ Zone erklärt – wie wichtig ist Ihnen der offene Umgang mit diesem heiklen Thema?

Harting: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Sport und Doping gehören leider so zusammen wie Henne und Ei. Wenn gedopt wird, stellt das den Sport in den Hintergrund – und zwar zurecht. Man darf zwar keinen Generalverdacht aussprechen. Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn für ihre ehrliche Arbeit gebracht werden.

Verzweifeln Sie manchmal?

Harting: Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen. In der Formel 1 wird auch getunt, um die Boliden weiterzuentwickeln und die Zeiten zu verbessern – und dort ist das erlaubt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das auch anhören mag. Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.

Copy and paste im Bundestag: die Olympiabewerbungen von Leipzig und München

Komme gerade aus dem Reichstag, wo der Sportausschuss des Bundestages in einer eher kleinen Runde seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, den er offiziell zwar erst im November begeht, aber man kann ja nie wissen. Im September sind Wahlen, und danach kann alles anders sein. Zur Feierstunde vielleicht später noch einige Details, zumindest einige interessante Zitate. Vorweg dies, Peter Danckert (SPD/Pferdesportverband Berlin-Brandenburg/Nada-Kuratorium):

„Wir sind eine große Familie. Aber in dieser Familie kann nicht immer mit einer Stimme gesprochen werden.“

Immerhin, das unterscheidet sich schon mal von anderen Familienpatriarchen.

In einer kurzen Sitzung haben die Abgeordneten um 13 Uhr noch ihre bedingungslose Unterstützung für die Olympiabewerbung von München bekräftigt (bei Enthaltungen von Bündnis 90/Die Grünen und den Linken), obgleich keine Finanzierungskonzepte und transparente Kalkulationen im Umgang mit Steuermitteln vorliegen. Es gab, nicht zum ersten Mal, eine durchaus muntere engagierte Diskussion über eine gewisse Berichterstattung, wie mir berichtet wurde. Dagmar Freitag (SPD/DLV-Vizepräsidentin) wedelte mit der Kopie eines Zeitungsartikels „Politiker im Olympiarausch“, der ihr nicht gefallen hat.

Als Nachtrag zum gestrigen Beitrag „Bundestag zu München 2018: ‚demokratiewidriger Striptease?“ habe ich mal flink die Resolutionen des Bundestages aus dem Dezember 2003 (Olympiabewerbung 2012 Leipzig) und die morgen im Parlament zu verabschiedende Resolution (Olympiabewerbung 2018 München) verglichen. Es geht um die vermeintlichen Segnungen Olympias (Fairplay?! Arbeitsplätze ?! etc. pp?!) und solche Sachen. Und um Steuermittel in beträchtlicher Höhe. Für Leipzig 2012 waren in den Arbeitsgruppen des BMI und der Sächsischen Staatskanzlei intern 9 bis 14 Milliarden Europ kalkuliert – eine Zahl, die von Politik und Sport nie öffentlich gemacht werden sollte. Da waren sich die Herrschaften einig.

Hier die acht Punkte der Bundestags-Resolutionen zu Leipzig (2003) und München (2009). Mehr als ein copy-paste-Verfahren? Wer Unterschiede feststellt: Bitte melden und in der Kommentarspalte festhalten.

Der Deutsche Bundestag wolle beschließen:

Erstens

2003: Der Deutsche Bundestag begrüßt und unterstützt nachhaltig die Bewerbung der Stadt Leipzig mit dem Segelstandort Rostock um die Ausrichtung der XXX. Olympischen Sommerspiele und der XIV. Paralympics 2012. Er sieht die Bewerbung und die angestrebte Ausrichtung der Spiele als nationale Aufgabe an.

2009: Der Deutsche Bundestag begrüßt und unterstützt nachdrücklich die beabsichtigte Bewerbung der Landeshauptstadt München zusammen mit der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und dem Landkreis Berchtesgadener Land zur Ausrichtung der XXIII. Olympischen und XII. Paralympischen Winterspiele 2018. Er sieht die Bewerbung und die angestrebte Ausrichtung der Spiele als nationale Aufgabe an.

Zweitens

2003: Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die Olympiabewerbung weiterhin tatkräftig zu fördern. Die Mitwirkung der Bundesregierung im Aufsichtsrat der Bewerbungskomitee Leipzig 2012 GmbH wird begrüßt.

2009: Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die Olympiabewerbung weiterhin zu fördern und zu unterstützen.

Drittens

2003: Der Deutsche Bundestag begrüßt das zwischen Bundesregierung, Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig einvernehmlich verabschiedete Programm für Sofortmaßnahmen, um die deutsche Bewerbung international wettbewerbsfähig aufzustellen. Er appelliert an alle Beteiligten, in diesem Geiste die Bewerbung weiter erfolgreich voranzubringen.

2009: Der Deutsche Bundestag begrüßt die Mitwirkung der Bundesregierung im Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH sowie die Tatsache, dass auch ein Vertreter des Deutschen Bundestages Sitz und Stimme hat.