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Die Doppelmoral-Falle des Helmut Digel

Helmut Digel galt einst als ein Vordenker des deutschen Sports. Als Ruheständler blickt er gewissermaßen auf die Trümmer seiner Funktionärslaufbahn: Den Makel der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem kriminellen Diack-Clan wird er nicht los. Das schmerzt. In wirren Elaboraten, die seine Universität Wissenschaft nennt, wettert Digel gegen Sportler, Politiker, Funktionäre, Journalisten – und fordert „Solidarität mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach“. Faktentreue muss sich der Freizeitturner dabei nicht nachsagen lassen. Aus Anlass des Prozesses gegen Lamine Diack et al. in Paris: Eine Textkritik – ein aktualisierter Beitrag aus dem Magazin Sport & Politics.

Thomas Bach: Lebenssachverhalte im nationalen Interesse (III). UDIOCM sagt dem Sportausschuss ab

Hoppala, und schon folgt der Nachtrag zu den vielfältigen Lebenssachverhalten.

Am Tag des Besuches beim Bundesinnenminister fand der deutsche IOC-Präsidentschaftskandidaten-noch-Favorit die Zeit, seinen Besuch am Montag bei der Sondersitzung (ausnahmsweise öffentlich, heißt es) des zahn- und meist auch willenlosen Sportausschusses des Bundestages abzusagen. Dort soll das Forschungsprojekt Doping besprochen werden.

Hier sein Schreiben an die DLV-Vizepräsidentin Dagmar Freitag (SPD):

[caption id="attachment_17691" align="aligncenter" width="724"]Seite 1 Seite 1[/caption]

#London2012 (XXI): live-Blog vom Witzbolt, Umfrage zum DSV-Bundestrainer

LONDON. Um das mal klarzustellen: Ich hasse meine Stammkundschaft, wenn sie mir derartige Qualen auferlegt und mich wochenlang nicht schlafen lässt. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich derartigen unmenschlichen Forderungen dennoch nachkomme. Ab geht es also in die Kammer des Schreckens.

Coming soon:

Und damit widmen wir uns den wirklich wichtigen Dingen des olympischen Lebens. Ich bin auf dem Weg ins Olympiastadion und werde in Kürze den ganzen Abend live bloggen. Denn es tritt auf: der Witzbolt.

Außerdem wird es eine hübsche Umfrage zum Thema geben: Wer soll neuer Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes werden? Aus den vielen sachdienlichen Hinweisen werde ich eine Liste destillieren. Wer noch nichts dazu beigetragen hat, kann das schnell nachholen.

18.25: Block 212/213, Row 73, Seat 313. Ich bin all hier! Oberste Reihe, es ist sehr windig, das Feuer kann ich nicht sehen, aber ich habe Platz und mich ja schon zwei Tage am Flämmchen gewärmt. Muss noch ein wenig arbeiten, dann folgt die Umfrage zum DSV.

#London2012 (XVI): Niederlage für den sportpolitischen Komplex DOSB/BMI und Gold für Erfurter Blutbestrahlung

Witz des Tages:

Ich glaube natürlich, unsere Entscheidungen sind transparent. Wir sind gegenüber dem Sportausschuss ja auch offen in unserer Informationspolitik.

— Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)

[caption id="attachment_12722" align="aligncenter" width="1024"]Sportminister, umzingelt von Medaillengewinnern, proudly presented by DOSB Medaillengewinner, CSU-Sportminister Friedrich (lachend), Trimmies (lachend) — Deutsches Haus, London, 2. August 2012[/caption]

LONDON. Bin schon wieder fünf Stunden unterwegs in Zügen, Bussen und Pressekonferenzen, ohne eine Zeile produziert zu haben.

[Über Twitter aber melde ich mich immer von unterwegs. Siehe Sidebar rechts.]

Also wieder unter Druck, denn der erste Redaktionsschluss der Zeitungen naht. Kurz vorm Burgerschlingen und Artikelschreiben schnell der Hinweis auf den juristischen Erfolg, den das WAZ-Rechercheblog – namentlich Daniel Drepper – vor dem Verwaltungsgericht Berlin gegen DOSB und BMI errungen hat:

Notizen von den Jugendspielen (II)

SINGAPUR. Was Sergej Bubka und Jelena Isinbajewa der Jugend so zu sagen haben:

[youtube CaRyED0REhk nolink]

Ich komme doch weniger zu den Jugendspielen, als ich ohnehin befürchtet habe. Von Hotellobbys aus beobachtet sich das Treiben in den Stadien nicht ganz so gut. Aber Mann muss sich für bestimmte Themen entscheiden. Und wenn man so will, siegt bei mir die langfristige Recherche doch immer wieder über das Tagesgeschäft der schnellen Text-Produktion.

Was mich schon etwas nervt und worauf ich in den nächsten Tagen gern eingehen will, sind die Medaillenlisten dieser YOG, die ja nun doch von etlichen Medien geführt werden, etwa hier vor Ort täglich in der Singapore Strait Times (zumindest in der gedruckten Ausgabe, online habe ich das auf die Schnelle nicht gefunden), oder hier bei Wikipedia oder hier beim so genannten Insiderdienst Around the Rings.

Interessant war ein kurzer Besuch und die Diskussion im Workcamp der Deutschen Sportjugend im YMCA Singapur, gerade weil da da gewissermaßen Kulturen aufeinander prallten. Ich hoffe, dass ich die Jung-Kader und Jung-Reporter nicht zu sehr verschreckt habe :)

Im Programm des Workcamps, dessen Teilnehmer man in der Mannschaftsbroschüre findet, heißt es übrigens:

Im Rahmen der Workshopsessionen in den Kleingruppen werden die Teilnehmer je nach Zugehörigkeit zu den Bereichen junge Sportjournalisten, Nachwuchstrainer, Nachwuchsschiedsrichter und junge Führungskräfte der Sportverbände aufgeteilt und durchlaufen ein zielgruppengerechtes Programm. Die aufgeführten Themen Doping, Olympische Werte etc. werden mit allen Teilnehmern behandelt.

Im Einzelnen wird sich die Gruppe der Kampf- und Schiedsrichter mit den Themen Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung, Stressbewältigung sowie dem Konfliktmanagement Trainer/Athlet/Medien auch anhand besuchter YOG-Sportveranstaltungen beschäftigen.

Die Gruppe der Sportjournalisten wird sich mit Olympia und den daraus erwachsenden Zusammenhängen für den Journalismus beschäftigen. Hierbei wird u.a. die Geschichte und die Organisation der Sportgroßveranstaltung betrachtet. Ferner werden die Netzwerke des Sports (Zuschauer/Sportler/Funktionäre) aus Sicht des Journalismus, Sport als Ort des Betrugs und der konkrete Umgang damit sowie eine begleitete aktive Sportberichterstattung vor Ort er- und bearbeitet.

Die jungen Führungskräfte beschäftigen sich mit Verhandlungsführung, Kommunikation sowie Teamentwicklung. Praktisch soll anhand der Organisation der Spiele über die eigene Tätigkeit im Sport reflektiert werden sowie Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung aufgezeigt werden.

Die Nachwuchstrainer werden sich mit den Beziehungen zwischen Trainern, Schiedsrichtern und Athleten auseinandersetzen. Ferner werden sich die Teilnehmer u.a. mit den Themen „von der Mannschaft zum Team“ sowie der Rolle des Trainers im Gesamtsystem Sport, insbesondere der Anerkennung, Stellung und Stile der Trainer – praktisch anhand besuchter Sportveranstaltungen – beschäftigen.

Einige Eindrücke dazu:

Da das hier gewissermaßen auch mein Privatarchiv ist, erlaube ich mir weiterhin, Texte zu hinterlegen, die ich für andere Medien produziert habe, etwa diesen, für Zeit Online („Ein bisschen Leistung soll schon sein“):

Begeisterung sieht anders auch – und hört sich anders an. „Na ja“, sagt also Shanice Craft (17), und es ist ein sehr lang gezogenes „na ja“. Bei den Olympischen Jugendspielen sei „die Konkurrenz nicht so groß, dafür geht es mehr ums Feeling und so“. Shanice Craft ist Diskuswerferin mit großen Ambitionen. Sie war im vergangenen Jahr Dritte bei der Weltmeisterschaft der unter Achtzehnjährigen – da ging es weniger “ums Feeling?, da stimmte die Konkurrenz. In der Mannschaftsbroschüre der deutschen Delegation wird die Frage gestellt „Was willst Du beruflich mal erreichen?“ Shanice Craft antwortete: „Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen und eine Medaille holen.“

Gerade hat sie im Bishan Stadium unter den brennenden Strahlen der äquatorialen Sonne und vor einigen tausend Besuchern, zumeist Schulklassen aus Singapur, mit sechs Metern Vorsprung die Qualifikation gewonnen. Sechs Meter. Shanice Craft wird also am Sonnabend mit ziemlicher Sicherheit Jugend-Olympiasiegerin. Sie will eine Bestleistung aufstellen. Eines der vielen Kultur- und Bildungsseminare, die bei diesen ersten Youth Olympic Games angeboten werden, hat sie noch nicht gebucht. „Unsere Betreuer haben aber gesagt, es wäre schön, wenn wir da mal vorbei schauen könnten.“ Shanice Craft nimmt ihren Wettkampf sehr ernst. „Das machen doch alle hier, oder“, fragt sie. Die meisten schon.

Zumindest jene, die sich bei den europäischen Trials in Moskau für Singapur qualifizieren mussten. 33 Jugendliche durfte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nach Moskau schicken. Sechzehn sind nun in Singapur. Die Hochspringerin Melina Brenner (17) aus Wipperfürth zählt auch dazu. Sie macht einen neugierigeren, verträumteren Eindruck, wirkt noch nicht so professionell-fixiert wie Shanice Craft. Aber sie spricht sehr reflektiert.

„Doping“, sagt sie zum Beispiel, „ist für mich ein absolutes No-Go!“

Es ist erst ihr dritter Wettkampf im Ausland. Im Frühjahr gab es einen Länderkampf in Italien, die Ausscheidungen für die Jugendspiele in Moskau – und nun Singapur. Das sei alles sehr aufregend, sagt Melina Brenner, die Eröffnungsfeier, das Olympische Dorf, die vielen Nationen, die Stadt, Asien und überhaupt.

Es fällt nicht leicht, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Zumal, anders als sonst, wenn der DLV so genannte Disziplintrainer oder sogar die Heimtrainer mit auf Reisen schickt, die sechzehn Leichtathleten diesmal nur von drei Trainern betreut werden. „Damit muss ich klar kommen“, sagt Melina Brenner. Sie ist froh darüber, dass auch ihre Eltern im Urlaub in Singapur sind. Die Ablenkung ist groß. Die Neugier ebenfalls.

Wie DOSB und BMI den Bundestags-Sportausschuss narren

Nachklapp zur Schein-Debatte im Bundestags-Sportausschuss, zum sportpolitischen Komplex und dem so genannten Antidopingbericht 2008. Zum Reinhören: Gerade hat Astrid Rawohl im Deutschlandfunk ein ausführliches Interview mit der DLV-Vizepräsidentin und Sportausschuss-Chefin im Bundestag geführt, mit Dagmar Freitag (SPD). Es ist in gewisser Weise ein Dokument der Hilflosigkeit, Frau Freitag muss mehrfach schwer schlucken. Wer aufmerksam zuhört, dürfte die These der Überschrift bestätigt finden:

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Ich finde ja, demnächst sollte man sich mehr um jene kümmern, die imho ein bisschen Demokratie aushebeln – wie auch Dagmar Freitag eindrücklich beschrieben hat: Allen voran der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner (CDU/SV Halle), die BMI-Sportabteilung, die FDP-Bundestagssportler um Joachim Günther und die CDU/CSU-Clique um Klaus Riegert (Schwäbischer Turnerbund) und Eberhard Gienger (DOSB-Vizepräsident) und natürlich DOSB-General Michael Vesper von den Bündnisgrünen.

Einige Informationen mehr zur traurigen Posse um den Antidopingbericht 2008 von Grit Hartmann im DLF:

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Und hier jener Brief, den DOSB-General Vesper am 4. März an betroffene Verbände geschickt hat.

Der sportpolitische Komplex oder: Dopingmängel bei den Goldverbänden BSD und DESG

Moin, moin. Bin noch auf der anderen Seite des Atlantiks – gerade von Seattle in Chicago gelandet, über München geht’s in die Heimat – und kann deshalb nicht die Sportausschuss-Sitzung heute in Berlin verfolgen (und kann in diesem Beitrag auch nicht gewohnt oft verlinken). Ich sage das so ausführlich, damit mir Klaus Riegert (CDU/Schwäbischer Turnerbund) nicht Falsches behauptet.

Schade eigentlich, dass ich nicht im Bundestag sein kann, denn ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, den Damen und Herren Volksvertretern auf die Finger zu schauen – und natürlich den Sport-Ministerialen des BMI.

Die Meldung des Tages gibt es allerdings hier schon vorab, sie lautet:

Zu jenen Sportfachverbänden, die gemäß dem Antidopingbericht 2008 einen Teil ihrer Fördermittel (Steuermittel) zurückzahlen müssen, zählen zwei der gerade in Vancouver erfolgreichen Verbände:

  • Der von Andreas Trautvetter (CDU) – ehemals thüringischer Landesminister und Hobbysänger, inzwischen mit einem gut dotierten Posten versorgt – geleitete Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).
  • Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), geführt von Funktionären wie Gerd Heinze, die im Fall Pechstein die Unwahrheit gesagt und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt haben.

Was vom Tage übrig bleibt (52): Gesine Tettenborn lässt ihren Doping-Weltrekord streichen

Aus dem aktuellen Spiegel: Gesine Tettenborn, geb. Walther, ließ ihren Namen aus der Rekordliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes streichen. Frau Tettenborn rannte gemeinsam mit Marita Koch, Sabine Busch und Dagmar Rübsam im Juni 1984 in Erfurt einen „Weltrekord“ in der Rundenstaffel. Nachdem vor einigen Jahren bereits Ines Geipel ihren Namen aus der Rekordliste der Klub-Sprintstaffel tilgen ließ, stehen nun zwei Sternchen in den Annalen:

Dazu zwei Hörbefehle, zwei Interviews von Astrid Rawohl gestern im Deutschlandfunk:

  • Interview mit Spiegel-Autor Udo Ludwig:

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  • Interview mit Gesine Tettenborn:

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Ergänzend eines meiner Lieblingsdokumente aus dem DDR-Dopingfundus, ein Treffbericht von Manfred Höppner alias IM Technik.

Was vom Tage übrig bleibt (49): Lokalsport, Journalismus, Technologiefeindlichkeit

Ich hatte auf einem elend langen Flug viel Zeit zum Schmökern. Einiges gebe ich flink mal als Lesebefehl weiter:

Überragend:

Außerdem, hochinteressant: