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live aus Lausanne: Olympia 2022, Baku 2015, koffertragende Prinzen, der DFB-Brief und andere Merkwürdigkeiten #FIFA

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Aktuelles zuerst:

LAUSANNE, 7.58 Uhr: Prinz Frederik bringt gerade seine Koffer zum Concierge. Ja, er bringt sie selbst. Darauf besteht er, obwohl er zwei Bodyguards dabei hat. Pál Schmitt, gewesener ungarischer Staatspräsident, wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit aus dem Amt gejagt, kommt vom Frühstück. Walter Gagg, Sepp Blatters treuer Diener, der hier auf Issa Hayatou aufpasst und ihm zur Seite steht, schlürft verschwitzt vom Gym durch die Lobby zum Fahrstuhl. WADA-Präsident Sir Craig Reedie spaziert entspannt umher, als hätte er keine Sorgen. Ein alter Fahrensmann von Horst Dassler aus der ISL-Crew eilt mit seinen neuen Geschäftspartnern aus Kasachstan zum Showroom des Olympiabewerbers 2022.

Chef dieser Almaty-Combo ist übrigens ein guter alter Bekannter, ein treuer Diener des Scheichs Al-Sabah, der gelegentlich den Bodyguard spielt – einer der Scheich-Trottel, die mich vor zwei Jahren in Buenos Aires unsanft abführten und die Kamera entwendeten.

Hoppla, wo bin ich hier? Natürlich im Lausanne Palace.

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Was vom Tage übrig bleibt (88): wann räumt Blatter das Home of FIFA als Boss der Racketeer Influenced and Corrupt Organization?

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In spektakulären Unterlagen und Vernehmungsprotokollen, die von der US-Justiz bislang freigegeben wurden, wird die Fédération Internationale de Football Association als so genannte RICO geführt. Die Akronym RICO steht für: Racketeer Influenced and Corrupt Organization – eine von Gangstern dominierte korrupte Organisation. Als RICO wurde in den USA ursprünglich die Mafiagruppe Cosa Nostra bezeichnet. Die FIFA, deren Präsident sich selbst gern „Godfather“ nennt, also Pate, fällt in dieselbe Kategorie.

1) Zunächst das Video der Talkrunde im Schweizer Fernsehen SRF vom Dienstag, unmittelbar nach Blatters angekündigtem Rücktritt, der ja längst nicht vollzogen ist. Im Gegenteil: Sepp treibt weiter sein Unwesen in Home of FIFA. Einige offene Punkte und juristische Fragen werden in der Sendung behandelt, die über das täglich Verhandelte hinaus gehen. Gäste: Daniel Jositsch (Strafrechtler und SP-Nationalrat), Roland Büchel (SVP-Nationalrat), Guido Tognoni, ein gewisser JW – die Diskussion leitete Karin Frei.

2) Wenn ich es recht übersehe, dann war wohl diese Geschichte von Sky am Freitagabend die wichtigste des Tages – oder?

Die Story ist deshalb so wichtig, weil sie einen weiteren Beleg dafür liefert, dass Joseph Blatter nicht nur von einer ISL-Million an Havelange, sondern von vielen anderen Vorgängen wusste, diese Vorgänge zumindest geduldet hat, weil sie ihm ins Konzept passten. Er hat sich die Stimmen von den korrupten Ganoven liefern lassen, er hat sein Wissen politisch ausgeschlachtet etc pp. Again: Er ist einer der Architekten des globalen Korruptionssystems. Unerheblich, dass ihm noch nicht nachgewiesen wurde, illegal Millionen kassiert zu haben. Er ist der Kopf der Familie. Der Pate. Der Politisch Verantwortliche. Der Nutznießer. Hier die Abschrift der Diskussion in der so genannten FIFA-Ethikkommission 2011, das Sky bereitstellte:

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BamS klaut und kämpft für Franz gegen die FIFA-Russenmafia

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Deutschlands Fußball-Ikone Franz Beckenbauer wurde am Freitag von der so genannten Ethikkommission des Weltverbandes FIFA aus guten Gründen für 90 Tage suspendiert. Also mussten seine Geschäftspartner von Axel Springer, von Bild und Bild am Sonntag, handeln und ihrem Franz assistieren. So wie sie ihn seit Jahrzehnten stützen, gerade erst wieder nach den Berichten in der Sunday Times und im SPIEGEL über Beckenbauers Kontakte nach Katar.

Bild kämpft für Franz.

Heraus kam eine spannende Geschichte. Eine Titelgeschichte.

„Der FIFA-Boss und die Russen-Mafia“.

Das Werk von fünf Autoren. Und ein sechster Autor kommentierte.

bamscover

In der Online-Ausgabe erhielt die Enthüllungsgeschichte das Label Bild+ der zahlungspflichtigen Inhalte.

Denn Journalismus muss bezahlt werden.

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Beckenbauer, Bin Hammam, Chung: Investoren, Schiffstaufen und andere FIFA-Kontakte

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Es lohnt sich natürlich auch diese Woche, die zahlreichen Enthüllungsgeschichten der Sunday Times-Reporter Heidi Blake und Jonathan Calvert zu lesen. Und es ist sogar sehr billig, denn ein Probe-Abo kann man bereits für 1 Pfund abschließen, habe ich vergangenen Sonntag getan.

Diesmal taucht also der Name des Heiligen Franz auf, Kaiser des Deutschen Fußballreiches, Partner von Sky, Axel Springer und anderen Medien (dpa wird vom Beckenbauer-Management noch immer als Partner des Camp Beckenbauer geführt). Erste Details dazu wurden gestern bereits in einer Geschichte des SPIEGEL erwähnt. Hier weitere Hintergründe, wie gewohnt, ein überarbeiteter, erweiterter und mit Links und anderem angereicherter Text meiner Version, die auf Spiegel Online erschien (Fährt ein Kaiser zum Emir).

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Es bleibt alles in der FIFA-Familie (1): die Platinis

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tl;dr: Der Sohn von UEFA-Präsident Michel Platini arbeitet für Katar. Platinis Schwiegersohn, der Musikproduzent Yohann Zveig, erhält Aufträge von der UEFA, der FIFA und vom DFB. Die Verbände finden das völlig in Ordnung. Allerdings gibt es einige Widersprüche in den Argumentationen. Die UEFA behauptet während meiner Recherche gar falsch, Zveig sei nicht mehr Platinis Schwiegersohn.

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Das Nein für München 2022 und andere demokratische Regungen: die Parallelgesellschaft Sport kann die Signale nicht deuten

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Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurden die Bürger vor einer Olympiabewerbung befragt: Soll sich München mit den Partnern Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land für die Winterspiele 2022 bewerben? Mehr als 53 Prozent der Bürger, die am Sonntag in den oberbayerischen Kommunen abstimmten, beantworteten die Frage mit: „Nein!“ Sie beerdigten damit die Olympiapläne. 4:0 gegen München 2022. Dieses Votum ist historisch.

Denn im Vergleich zu allen anderen olympischen Abenteuern, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Allianz aus Sport und Politik ohne Bürgerbefragungen durchgedrückt wurden, war Münchens Offerte darstellbar, auch finanziell – selbst wenn man davon ausgehen darf, dass die Kosten erheblich gestiegen wären. Im Vergleich zu den vergangenen deutschen Bewerbungen Berchtesgaden 1992, Berlin 2000, Leipzig 2012 und München 2018 ist sogar, ganz vorsichtig, von einer gewissen Transparenz sprechen und von nachhaltigen Planungen. Dennoch hat der Souverän dieses Mammutprojekt gestoppt.

Das ist zunächst ein wunderbares Zeichen der Demokratie, denn plebiszitäre Elemente sind Deutschland noch immer fremd. Das Votum reiht sich ein in überwältigende Akte des Protestes gegen Mega-Events und Sportkonzerne in diesem Jahr: Im März entschieden sich die Bürger des Schweizer Kantons Graubünden gegen eine Olympiabewerbung für 2022. Dann gab es ein Nein in Wien gegen Olympiapläne für 2028. Im Juni demonstrierten Millionen Brasilianer auch gegen den Investitionswahnsinn Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 in ihrem Land.

Sport als Opium für aufgeklärte Bürger? Die Droge wirkt nicht mehr flächendeckend. Es ist ein Unterschied, ob man Fernsehsport konsumiert, Weltcup-Wettbewerbe ausrichtet, wie es Schönau am Königssee (Bob und Rodeln), Inzell (Eisschnelllauf), Ruhpolding (Biathlon) und Garmisch-Partenkirchen (Ski Alpin) im kommenden Winter selbstverständlich wieder tun, oder ob man sich auf ein viele Milliarden Euro verschlingendes Abenteuer einlässt.

Und es ist keinesfalls ein Widerspruch zu dieser These, dass sich die Einwohner der norwegischen Hauptstadt Oslo kürzlich mehrheitlich für eine Olympiabewerbung 2022 ausgesprochen haben. Der Souverän wurde befragt – der Souverän hat entschieden. Oslo ist nun Favorit für die Winterspiele 2022, für die am Donnerstag, 14. November, Meldeschluss ist. Neben Oslo werden Lwiw (Ukraine), Peking mit Zhangjiakou, Almaty (Kasachstan) und eventuell Krakau (Polen) mit Poprad (Slowakei) ins Rennen gehen. Am Dienstag wird in Schwedens Hauptstadt Stockholm über eine Bewerbung befunden – ohne Bürgerentscheid.

Das Abstimmungsergebnis in Bayern ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Olympiaskeptiker wegen der zuletzt flächendeckenden Propaganda der Befürworter aus Sport und Politik (mit Ausnahme der bayerischen Grünen) einen unfairen, ungleichen Wettbewerb beklagt hatten. Vor allem aber sollte dem Sport, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), zu denken geben, dass in den oberbayerischen Landkreisen und Gemeinden Fachleute Nein gesagt haben. Dieses Nein basiert keinesfalls auf „Vorurteilen und Falschbehauptungen“, wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Sonntagabend weinerlich behauptete. Vesper kann als langjähriger NRW-Minister in seinem fürstlich bezahlten Job als DOSB-General wohlfeil fabulieren. Diejenigen, die am Sonntag abstimmen durften, wissen allerdings besser als er über die Probleme und Segnungen von derlei Sport-Parties Bescheid. Tourismus, inklusive sportlicher Höhepunkte wie Weltcups oder Weltmeisterschaften, ist in Oberbayern ein Wirtschaftsfaktor. Den Bayern muss niemand etwas über Großereignisse erzählen. Sie wussten genau, was sie wollten.

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IOC-Countdown (11 Tage): Kandidat mit Säbel oder: Bach lässt Anwalt Schertz schreiben (II)

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tl;dr: Summary for the rapidly growing international audience on this independent journalistic website devoted to transparency in sport, the fight against corruption in sport, investigative journalism and the so-called Olympic movement:

Thomas Bach, widely seen as the favorite in IOC’s presidential race, which will be decided in Buenos Aires, September 10th, but losing ground in several polls, continues to get nervousobviously.

He has hired Berlin-based lawyer Christian Schertz, who continues to send emails and letters with threatening content to journalists for doing their job – which means: they investigated, they asked questions. […]

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Thomas Bach, Angela Merkel

Foto: Regierung Online/Grabowsky

Vor zwei Wochen habe ich erwähnt, wie der so genannte Prominentenanwalt Christian Schertz in Namen des IOC-Präsidentschaftsfavoriten Thomas Bach (FDP) die freie Journalistin Grit Hartmann unter Druck setzt. Auf einfachste, höflich und fachgerecht formulierte Fragen zu Bachs Vergangenheit als Fechter in Tauberbischofsheim (und seiner medizinischen Betreuung) gab es keine inhaltliche Antwort.

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#2 Sitzen Sie bequem, … Theo Zwanziger?

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Der Worte sind genug gewechselt. Mein zweiter Gast im wöchentlichen sportpolitischen Hintergrundgespräch „Sitzen Sie bequem …“ heißt Theo Zwanziger. Wir haben einst einige Schlagzeilen gemacht. Nun reden wir ein bisschen darüber, über den Demagogenstreit also, vor allem aber über die FIFA, über Korruption, die WM-Vergaben an Deutschland, Russland und Katar, über das Internet, iPads, Bild […]

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#crowdsourcing, Programmhinweis: „Sitzen Sie bequem, … Theo Zwanziger?“

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Auch der zweite Gast meiner Interview-Reihe „Sitzen Sie bequem …?“ hat spontan zugesagt: es ist Theo Zwanziger, kein Unbekannter hier im Blog, langjähriger DFB-Präsident, derzeit Mitglied der Exekutivkomitees von UEFA und FIFA. Wir werden am Donnerstag gegen Mittag telefonieren (womit schon einiges zur technischen Qualität gesagt ist). Bis Donnerstagmorgen können mir hier im Blog, auch per […]

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An die Arbeit, Michael Garcia!

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(Ich will die kleine Chronik fortsetzen und rein kopieren, was ich gestern auf die Schnelle – und aus der Ferne – zum FIFA-Treffen in Zürich fabuliert habe. Zuvor hatte ich im Schweizer Radio schnell noch Andrew Jennings als FIFA-Ethikchef vorgeschlagen, gemäß unserer volldemokratischen Abstimmung von vor einigen Jahren. Auch diesmal aus Zeitnot leider keine Links, aber dafür gibt es ja Tags und verwandte Artikel da unten.)

Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Joseph Blatter, der Hauptverantwortliche für das allumfassende Korruptionssystem im Fußball-Weltverband (FIFA), der mit jeder beleidigten Äußerung ganze Fußballnationen in Aufruhr versetzt, etwa als er über mögliche Korruption bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland plauderte, wird in deutschsprachigen Boulevardmedien plötzlich als der Held gefeiert.

Die Bild-Zeitung, die am Dienstag einen offenen Entschuldigungsbrief des 76 Jahre alten Schweizer Patriarchen veröffentlichte, legte online mit einer Home-Story nach. Und der Blick, bei dem Blatters Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio einige Jahre Sportchef war, titelt nach der FIFA-Exekutivsitzung ebenfalls online:

Blatter siegt an allen Fronten – Weg frei für mehr Transparenz bei der FIFA.

Was war passiert?

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Milliardenverträge im Original, Korruptions-Gespenster aus Deutschland und andere FIFA-Notizen

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(Nachtlektüre für Hartgesottene, nicht nur für die FIFA-Propagandisten und deren Rechtsabteilung.

Anbei die Rohfassung jener Texte, die ich heute für verschiedene Medien fabuliert habe – ergänzt um einige einleitende Bemerkungen, die für sich betrachtet schon ziemlich lang geraten sind. Ich hätte gern noch etwas gründlicher gearbeitet, aber Mann soll nicht klagen, wenn es mal Aufträge gibt. Ginge es immer so wie heute, ließe sich sogar dauerhaft Recherchejournalismus finanzieren.

Aber nun genug der selbstreferenziellen Spitzen. Anbei meine Machwerke, leider aus Zeitgründen wieder weitgehend unverlinkt, wer mehr lesen will, klickt unten einfach auf die Zeile „verwandte Artikel“, dann kommen sie zum Vorschein, die feinziselierten, scharfzüngigen Analysen :)

* * *

Beginnen wir mit dem Aktuellen: Inzwischen hat sich der Blatter Sepp, ich hätte es mir denken können, in der Bild-Zeitung gemeldet und wohl einen offenen Brief geschrieben. Guido Tognoni hatte bereits angekündigt, dass Sepps Drohgebärden nicht Ernst zu nehmen seien.

Friede, Freude, Eierkuchen also zwischen Deutschen und der FIFA. Auch Fedor Radmann hält zum Sepp, wie ich immer gesagt habe. Gestern wurde Radmann schon im Berliner Tagesspiegel als Kronzeuge aufgerufen. Unfassbar, nachdem dieselbe Zeitung bereits falsch behauptet hatte:

In dieser Woche wurden der größten Sportorganisation der Welt Schmiergeldzahlungen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro nachgewiesen.

Falsch, und zwar doppelt:

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Mr. 100 Prozent

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Wirklich nur ein Zwischenruf im Deutschlandfunk zum DFB und seinem neuen Präsidenten Wolfgang Niersbach, der es manchmal mit der Wahrheit nicht so genau nimmt: : Es gab also auf dem DFB-Konvent hundertprozentige Zustimmung für Wolfgang Niersbach. Bravo! Um derlei „Wahl“-Ergebnisse zu basteln, mussten einst Erich Honecker und Kim Il Sung gehörig kämpfen. Im Sport aber, dieser […]

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