blogschau

Was vom Tage übrig bleibt (15)

Neue Lesebefehle. Zunächst die Nachzügler, die ich beim letzten Mal vergessen oder übersehen hatte:

  • Michael Reinsch in der FAZ mit einer Betrachtung zum Ethos des Sports/der Sportler: „Der Keim der Sumpfblüten“. Das Problem dabei: Als ich mich eingelesen hatte in die spannenden Überlegungen, war der Text leider zu Ende. Das Thema hätte die doppelte Länge verdient:

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, heißt es im Alten Testament. Nicht einmal im Sport kann davon noch generell die Rede sein. Wer in unserer Gesellschaft beackert, bitte schön – anders als in den Hallen des chinesischen Sportapparats, in den Laufgruppen Afrikas und den Krafträumen osteuropäischer Olympiakader –, noch den sprichwörtlichen Ackerboden, auf dem Dornen und Disteln wachsen? Unsere Athleten haben, wie es sich gehört, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, verbunden mit Studium, Berufsausbildung und Zahlung in die Rentenkasse. Sie treiben nicht Hunger und Verzweiflung. Sie lockt die Aussicht auf bescheidenen Ruhm und einen Lebensstil, der sie ihre Arbeit in Trainingslagern am Mittelmeer und in den Rocky Mountains tun lässt.

In der ausdifferenzierten Hierarchie des Hochleistungssports trägt diese Stufe der Gesellschaft ihre Vorsilben wie eine hoffnungslose Prognose: Mittelschicht, Mittelmaß. Vielleicht ist Ernüchterung am Platze. Doch das Fehlen von Extremen, der Umstand, dass in einer freien Gesellschaft Athleten weder metaphorisch noch existentiell um ihr Leben kämpfen, ist gewiss auch ein Grund zur Erleichterung.

  • Enno Aljets bietet auf Welt Hertha Linke ein Dossier zur Berichterstattung über Doping im Fußball. Unbedingt pflegen!

Und nun aktuellere Texte:

Was vom Tage übrig bleibt (10)

Zackzack, einige Lesebefehle:

  • Das Heidelberger Zentrum für Dopingprävention um den Spiritus Rector Gerhard Treutlein hat einen neuen Internet-Auftritt: www.contra-doping.de
  • Schon ein paar Tage alt, dennoch gut und amüsant und passend für diese Rubrik: Johannes Kopp spricht in der taz mit Berend Breitenstein, Präsident von German Natural Bodybuilder, über den Einsatz von Lügendetektoren bei der, nun ja, Dopingbekämpfung: „Urintests reichen nicht mehr“.
  • In der Frankfurter Rundschau erörtert Frank Hellmann einige interessante Fragen nach dem Marathon-Sieg des angeblich 20 Jahre alten Kenianers Kiprono Cheruiyot: „Wenn der Zweifel mitläuft“.

Neues vom UDIOCM: In der Siemens-Affäre hat es hier bereits die eine oder andere Meldung gegeben. Ein Autoren-Trio (Klaus Ott, Thomas Kistner und Uwe Ritzer) berichtet in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe vom 25. Oktober, nicht online verfügbar) über ein gewisses „Desinteresse“ der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Schelsky-Prozesses:

Peking, Tag 13

09.26: Im Wasserwürfel. Werde zur Feier des Tages, der 10. und 11. Goldmedaille von Big M, mal den Live Blog probieren. Aber wahrscheinlich schläft in Deutschland noch jeder. Ist ja auch nicht mehr ganz so spannend bei den Schwimmern: Jedes Rennen ein Weltrekord. Wo ist da das Überraschende?

09.32: Kleiner Rückblick auf die Busfahrt ins MPC. Erstaunlich, dass ich nicht ständig Unfälle sehe. Denn rote Ampeln sind in China kein Hindernis. Selbst an größten Kreuzungen, wo sich fünfspurige Autobahnen begegnen, fährt man erst mal in die Mitte vor, um bei Rot zu schauen, was noch geht. Manche drehen auch mitten auf der Kreuzung um und kommen einem entgegen – nicht nur Fahrradfahrer. Aber sie kommen offenbar damit klar, die Chinesen. Undenkbar in Deutschland.

09.43: Aktualisierung von gestern – eine Liste bloggender Olympiareporter:

Peking, Tag 12

10.07: Da isser wieder. Noch ein paar Minuten Zeit bis zum neunten Olympiasieg. Die Mädels lassen es heute langsam angehen. Noch kein Weltrekord.

10.09: Habe den Statistik-Blackout von gestern noch in den Knochen. Schwer geschockt heute gleich mal verschlafen. Gewaltmarsch vom MPC zum Water Cube, schon sind die Klamotten durchfeuchtet. Aber was soll’s, es war ein Protokoll dieser Spiele versprochen worden mit allen Irrungen und Wirrungen.

10.14: Phelps im Wasser …

10.14: … 50 Meter – 14 Hundertstel unter WR …

10.15: … 100 Meter – 71 Hundertstel unter WR …

10.15: … 150 Meter – 89 Hundertstel drunter, zwei Längen Vorsprung …

10.16: … dass er Erster ist, muss man nicht erwähnen, oder? Die Zeit: 1:42,96. Weltrekord. Neunter Olympiasieg. 23. Weltrekord, aber ich übernehme für Statistik kein Gewähr mehr. Zähle gleich nochmal durch. Phelps muss sich sputen, denn er hat ja gleich ein Halbfinale. Er wird doch nicht wohl …