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„Blatter drängt auf Fairplay“

[caption id="attachment_3616" align="aligncenter" width="536"] Mohamed Bin Hammam (l.) und Joseph Blatter (r.) in Doha 2003[/caption]

Es gilt wieder einmal einiges aufzuarbeiten in diesem Theater. Habe etliches verpasst in den vergangenen Wochen. Fangen wir also an mit dieser wunderbaren Pressemitteilung der Fifa vom 15. April, in dem unser aller Freund Sepp Blatter (rechts; die Rückendeckung gibt, natürlich, Peter Hargitay), der Verkehrsrowdy, seinen langjährigen Wahlhelfer Mohamed Bin Hammam (links im Bild) und dessen Widersacher in der asiatischen Konföderation AFC auffordert, sich zu benehmen. Entzückend, ein Stück Fifa-Prosa, ganz große Kunst:

„Zero to Hero“: der Altruist Jack Austin Warner

screenshot homepage jack austin warner

Zum Abend noch ein Stückchen fürs Herz. Über den Sportkameraden Jack Austin Warner, der in der Szene auch Jack the Ripper genannt wird, ist schon viel geschrieben worden. Ich gestehe, dass ich die wunderbare Webseite des ehrenwerten Fifa-Vizepräsidenten, der darauf sogar als Godfather bezeichnet wird, erst jetzt entdeckt habe. Ich möchte diese Entdeckung gern teilen und spreche einen Lesebefehl aus: Auf www.jackwarnertt.com kann man endlich die Wahrheit erfahren über den unvergleichlichen Altruisten aus dem Fifa-Reich, der seine Biografie „Zero to Hero“ genannt hat.

Voting für Sepp Blatter: Wer soll die Fifa-Ethikkommission leiten?

Ich habe mir echt Sorgen gemacht, als ich vorhin den Beitrag über Lord Coe gepostet habe. Immerhin ist die Fifa-Ethikkommission derzeit ohne Boss. Was soll nur werden? Übernimmt jetzt Petrus Damaseb aus Namibia den Vorsitz, der nominelle Stellvertreter? Oder jemand anderes aus dem ehrwürdigen Gremium?

Ich denke, wir/Sie/also die Leser dieses Blogs sollten Joseph Blatter Hilfestellung leisten. Am Freitag, 10 Uhr, tagt die Ethik-Kommission im Fifa-Hauptquartier in Zürich. Ich habe aus den Mitgliedern der Ethik-Kommission und einigen illustren Vertretern aus dem Fifa- und Fußballbusiness, die mir auf die Schnelle einfielen, mal eine Liste gebastelt, über die abgestimmt werden kann. Das Voting endet am Freitag, 20. Februar, 8 Uhr, so dass ich noch vor der Sitzung eine Email mit unserem/Ihrem Favoriten nach Zürich schicken kann. Geht das in Ordnung?

AFC: Revolution gegen Bin Hammam

Eigentlich wollte Mohamed Bin Hammam am 8. Mai 2009 gemeinsam mit der asiatischen Fußballfamilie Geburtstag feiern. 60 wird er an diesem Tag, an dem der Kongress der Asian Football Confederation (AFC) tagt, als deren Präsident der Katari fungiert.

bin-hammam-port

Doch so schnell kann’s gehen in Sepps Welt: Offenbar wird Bin Hammam an der Fifa-Spitze nicht mehr gebraucht. Er hat genug Stimmen besorgt für Joseph Blatter, in den schmutzigen Wahlkämpfen 1998 und 2002, als es nötig war, um den rüstigen Rentner auf den Fifa-Thron zu hieven bzw. darauf zu belassen. Danach hat Bin Hammam mir gesagt (Video), dass es keinen Sinn macht, gegen Blatter anzutreten:

I don’t think myself about contesting to Fifa. And I don’t advise anybody to think about it. Nobody can compete with him.

„Nobody can compete with him.“ Bin Hammam, seit 1996 Exekutivmitglied der Fifa, galt eine Zeitlang als potenzieller Nachfolger des Fifa-Präsidenten und merkt nun, dass dies ein Traum bleiben wird. Ich meine, er hat Blatter sogar beeindruckt. Der Fifa-Vorsteher sagte mir mal an einem Abend in Bin Hammams Residenz in Doha: „Ich muss Ihnen ehrlich sagen, meine Wohnung in Zürich ist kleiner als das Vorzimmer in diesem Gästehaus.“ Ja, aber Quadratmeter haben noch nie über eine Fifa-Präsidentschaft entschieden.

Bin Hammam hat so viel Geld in das Fußballgeschäft gesteckt, sein Verein heuerte ja einst auch Basler („Verschwitzt ins Ritz“) und Hierro an, Bin Hammam lancierte die vielen Millionen katarischer Petro-Dollars und ungezählte Deals mit afrikanischen und asiatischen Nationalverbänden, die Projekte des Fifa-Goal-Programms, die einzigartige Fußball-Akademie Aspire und etliches mehr wie kleinere Zuarbeiten zu den Asienspielen 2006 und zur Olympiabewerbung von Doha für 2016 – und nicht zu vergessen: die Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

Trotz des Einsatzes wird Bin Hammams internationale Karriere wohl bald enden, sie wird jedenfalls nicht nach ganz oben führen. Schade eigentlich, denn ich habe ihn gemocht, Bin Hammam ist im privaten Umgang ein höflicher, netter Kerl, hat oft zwei seiner Töchter mit auf Fifa-Terminen, die Kataris sehen das nicht so verbissen. Doch gerade läuft in Asien ein Aufstand gegen Bin Hammam, den Präsidenten der asiatischen Konföderation AFC.

Ausgerechnet ein Kollege aus dem benachbarten Königreich Bahrain sagt ihm den Kampf an. Einerseits klingt das schräg, wenn hier Vertreter aus winzigen Fürstentümern um die Macht ringen, andererseits liegt darin eine Logik: Die Petro-Milliarden sprudeln immer noch, und die Kameraden dort unten haben den Sport längst als Spielzeug für sich entdeckt. Nur mal zur Sicherheit: Wer glaubt, dies sei ein exotischer Machtkampf, der irrt sich und sollte nur mal die Perspektive ändern: Dafür interessiert sich die halbe Welt.

Südafrika 2010: „The kingdom of Fifa“

Kleiner selbstreferenzieller Nachtrag meiner Reise nach Südafrika. Es gab die eine oder andere Veröffentlichung, etwa dieses Interview auf „Project 2010“. Bei einer Diskussion im Radiosender SAfm über journalistische Verantwortung und WM-Berichterstattung hatte ich eine ordentliche kleine verbale Auseinandersetzung mit Derek Carstens, Chief Marketing and Commercial Officer des lokalen WM-Organisationskomitees. Wir haben Argumente ausgetauscht. Einen längeren Beitrag hat Colleen Dardagan, eine sehr kundige Kollegin, die sich seit Jahren mit der WM 2010 befasst, über mein Seminar in Durban geschrieben. Und siehe, kaum war der Text in The Mercury veröffentlicht, hat sie auch schon ein Interviewangebot von der Fifa bekommen: Sie spricht nun mit Hans „Grüezi“ Klaus, dem immer noch neuen Kommunikationsdirektor der Fifa. Manchmal schreibt die Fifa Leserbriefe, manchmal werden Interviews arrangiert. Was der Herr Klaus der Kollegin wohl erzählen will?

The Mercury, 4 February 2009 

Keeping a critical eye on Fifa and the World Cup

by Colleen Dardagan

Sepp, mitten in Afrika

(Achtung, gua: Am Ende dieses Beitrags ist ein Voting-Tool eingebaut. Die Abstimmung ist diesmal nur 24 Stunden möglich.)

Wo treibt sich eigentlich der Friedensnobelpreisanwärter herum?

Der Fifa-Präsident war gerade in Nigeria auf dem Kongress der Confédération Africaine de Football (Caf). In Afrika liegen die sportpolitischen Wurzeln des Joseph Blatter. Dort hat er seit 1975, als er als Direktor für Entwicklungs­pro­gramme bei der Fifa begann (und damals zeitweise von Adidas, der Firma seines Kumpels und ISL-Gründers Horst Dassler, bezahlt wurde), stets nur das Beste bewirkt. Er hat zum Beispiel jene Stimmen generiert, die ihn 1998 in Paris nach legendären Wahlnächten im Meridien Montparnasse Hotel zum Fifa-Präsidenten aufsteigen ließen.

Geldstrafe für Joseph Blatter

Die Frontal-Kollision des Fifa-Präsidenten vom Oktober 2008 ist aufgeklärt, der Fall abgeschlossen. Joseph Blatter, der gemäß Polizeiangaben nicht alkoholisiert war, zahlt eine Geldbuße von 600 Schweizer Franken nebst einer Gebühr von 250 Franken. Das macht er lässig, ist es doch nur etwas mehr als ein Tagessatz, den hohe Fifa-Funktionäre im Dienst erhalten. „Sollte der 72-jährige Fifa-Präsident die Busse nicht bezahlen, muss er sechs Tage ins Gefängnis“, berichtet Jean François Tanda in der Zürcher Sonntagszeitung.

2018? Warner gives England the Mexican Wave Goodbye

Oh ja, ich glaube nicht, dass ich zu viel versprochen habe: Der putzige Doppelwettbewerb um die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022, erdacht von Sepp dem Unfehlbaren, wird uns noch viel Freude bereiten. Ein Gastbeitrag von Andrew Jennings, der an Sepps Hofe seit sechs Jahren nicht mehr geduldet wird, der also keine Akkreditierungen für Fifa-Events erhält. AJ konzentriert sich einmal mehr auf Jack the Ripper:

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„How the World Cup will be won“ / Grafik: Screenshot vom Sunday Herald

By Andrew Jennings

Jack Warner must have his World Cup. FIFA’s serial kleptomaniac, now 65, knows that 2018 is his last chance to acquire the world’s most lucrative sports event and, with his greedy family, loot it. Where does he want it? Mexico.

If anything goes awry, the USA is the fallback. Both countries are captive members of Concacaf, the regional FIFA franchise controlled from Trinidad by Warner.

It’s unthinkable that the Warners would let a World Cup and the once in a lifetime chance to skim TV rights, marketing and hotel packages slip through their fingers. And of course they are well-practiced as the biggest ticket racketeers ever.

When they staged FIFA’s Under-17 championship in Trinidad in 2001, I was there to see them snaffle fast food and beverage contracts in the stadiums, security, hotels, the IT business and, with the personal approval of FIFA president Blatter, their travel agency got all 15 teams‘ flight tickets. The construction contracts came earlier.

In 2007 Warner told the BBC that his franchise must host 2018 saying, ‘There are moves to give it to England. I must fight that. I really don’t believe that we should lay down and play dead to anyone who wants to take the World Cup from Concacaf.‘ Only two countries in Warner’s franchise could stage the championship: Mexico and America.

Fußball-WM 2018/2022: die Kandidatenliste

Das Teilnehmerfeld am aufregendsten WM-Wettbewerb aller Zeiten steht fest. Einen Tag nach Meldeschluss teilt der Fußball-Weltverband Fifa soeben die Interessenten mit:

  1. Australien
  2. Belgien und die Niederlande
  3. England (Ausrichter 1966)
  4. Indonesien
  5. Japan (Co-Ausrichter 2002)
  6. Korea (Co-Ausrichter 2002)
  7. Mexiko (1970, 1986/für Kolumbien)
  8. Katar
  9. Russland
  10. Spanien und Portugal (Spanien war 1982 Ausrichter)
  11. USA (1994)

Im Vergleich zu den bisher auch von mir genannten Kandidaten gibt es folgende Änderungen: Bewerbungen aus China und Kanada liegen nicht vor – dafür haben die Koreaner noch einmal Lust auf die WM.