wm 2010

Freunde von FIFA-Franz und FIFA-Sepp: WM-Lobbyisten und Steuermillionen

JOHANNESBURG. Fedor Radmann hat die Weltmeisterschaft für einige Tage verlassen und sich an seinen Schweizer Wohnsitz zurückgezogen. Es gibt immer zu tun für einen wie ihn, einen einflussreichen Fußball-Lobbyisten, den Vertrauten des FIFA-Exekutivmitglieds und Multi-Unternehmers Franz Beckenbauer. Gerade, etwas unangenehm, musste Radmann in Salzburg vor dem OlympiaUntersuchungssausschuss über die Finanzflüsse der einstigen Olympiabewerbung aussagen. Radmann war kurze Zeit Geschäftsführer des Projekts Salzburg 2014, dankte dort unter merkwürdigen Umständen schnell wieder ab. Er führte gesundheitliche Gründe an – gerüchtehalber wurde ihm allerdings eine Nähe zum russischen Konkurrenten Sotschi nachgesagt, der im Juli 2007 den Wettbewerb um die Olympischen Winterspiele 2014 gewann. Radmann hat derlei Verbindungen stets bestritten.

Fedor Radmann, Kapstadt 2009

Fedor Radmann, Kapstadt 2009

Derzeit werkelt Radmann für Australiens Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Australien ist bisher gegenüber den USA und Katar klar favorisiert (Japan und Südkorea spielen keine Rolle). Beim FIFA-Kongress kürzlich in Johannesburg saß Radmann wieder ganz weit vorn bei den Ehrengästen, neben ihm Peter Hargitay, der langjährige PR-Berater des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Auch Hargitay – gebürtiger Ungar, Schweizer Staatsbürger mit Lebensmittelpunkt in London – arbeitet für Australiens WM-Projekt. Down Under machen die Summen, die Radmann und Hargitay kassieren sollen, seit Dienstag Schlagzeilen.

Die Stories wurden Nick McKenzie und Richard Baker recherchiert und erscheinen in den Zeitungen der Fairfax-Gruppe (The Age, SMH etc.), die wichtigsten Beiträge und deren Weiterungen bislang:

Südafrika, Tag 22

RUSTENBURG. Musste mich nach der ISL-Nummer erstmal erholen. Das geht auch nach so vielen Jahren nicht spurlos an einem vorbei. Jedenfalls, abends in der Wohnung beim Spanien-Spiel eingeschlafen. Dafür heute wieder einigermaßen fit und in angenehmster WM-Umgebung bisher angekommen. Es ist, wenn ich richtig sehe, auch schon das letzte Spiel in Rustenburg. Auf der Fahrt hierher hatte ich erstmals überhaupt das Gefühl, in Afrika zu sein. Ich meine, es ist mein dritter Aufenthalt hier, ich habe sechs Wochen in Johannesburg, Kapstadt und Durban verbracht, bin aber außer in Fußballstadien, Seminarräumen, Kongresszentren, auf dem Tafelberg und auf Robben Island und natürlich in den Bars der FIFA-Hotels nirgendwo gewesen.

In Rustenburg geht es familiär zu. Das Stadion, natürlich völlig überdimensioniert und in Sachen Nachhaltigkeit eine Katastrophe, steht mitten in einem Wohngebiet, würde man wohl in Deutschland sagen. Herüber weht der Duft vom Grill, und der Andrang zum Achtelfinale zwischen den USA und Ghana ist auch nicht sehr groß. Ganz nett also.

Rustenburg, USA vs Ghana, 26. Juni 2010

Manchmal vermisse ich es, bei solchen Terminen nicht doch etwas tiefer abzutauchen ins normale Leben und andere Geschichten zu erzählen. Ich würde das gern, doch der Schuster in mir bleibt bei seinen Leisten. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele erlebe ich immer aus einem sehr kleinen Blickwinkel. Das hat seine Vorteile, ist aber auch ermüdend. So fokussiert wie in diesem Jahr während der Winterspiele in Vancouver und hier in Südafrika war ich noch nie bei derlei Mega Events auf die, sagen wir: Mächtigen. Sehe niemanden, der das ähnlich durchziehen würde. Wird nicht unbedingt belohnt, hat aber auch wiederum Vorteile, automatisch ergeben sich Kontakte, selbst zu Leuten aus der FIFA, die eigentlich nicht mit einem reden wollen und dürfen. Allerdings lassen sich da eben nicht täglich nette Geschichten schreiben. Aber, ich wiederhole mich, dieser Job ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit Sepp und der ISL-Sache befasse ich mich nun schon ewig, und da die Kameraden nicht abtreten wollen, werde ich auch noch eine Ewigkeit dabei bleiben. Ich denke, dass ich hier den letzten Kick bekommen habe, ein, zwei Projekte, die ich zu lange nicht energisch genug angegangen bin, nun endlich voran zu treiben. Ich habe es mehrfach erwähnt, es ist doch sehr erstaunlich, wer so ein kleines Fachblog alles verfolgt und welche Wirkung das haben kann.

Zum Thema „Wie sieht es eigentlich in Südafrika abseits der Stadien aus“ empfehle ich, falls ich es nicht schon getan habe, eindringlich drei andere Blogs, die ich gestern an meinem kurzen Ruheabend endlich mal etwas studiert habe. Bitte vorbei schauen, ein ganz anderer Blickwinkel:

  • Christian Frey und Kai Schächtele: Wintermärchen 2010. Eine Reise von Kapstadt nach Johannesburg
  • Jakblog von Christian Jakubetz, der …
  • … von öffentlich-rechtlichen Institutionen gesponsert auch das internationale Projekt Africangoals2010 betreut

Ehrlich gesagt – nein, kein Neid, nur eine Feststellung -, ich wünschte mir, öffentlich-rechtliche Institutionen würden auch einmal investigativen Journalismus fördern. Zu tun gibt es genug.

Was ich vor dem Spiel USA vs Ghana anbieten werde, sind einige Statistiken zum Achtelfinale bzw. zum Abschluss der Vorrunde. Die finde ich ganz interessant, habe heute morgen drei Stunden gerechnet und gebastelt und einen kleinen Text verfasst, den ich in Kürze mit einigen Grafiken anreichern will. Wenn jemand was Passendes findet auf anderen Webseiten, nur her damit. Ich bin kein Statistik-Fetischist, ich glaube nicht, dass die Zahl der Einwürfe von links in der Bundesliga oder die Zahl der von rechts hinter das Tor geschlagenen Flanken so entscheidend ist. Aber alle paar Jahre bei großen Events bin ich schon dafür, dass auch mal statistisch aufzubereiten. Ich weiß noch, wie mich diese Statistiken hier jeweils einen Tag Arbeit gekostet haben, ja, ganz was anderes, kein Fußball, erinnere nur deshalb daran, weil auch das zeigt, was man sportpolitisch so alles machen/bloggen kann:

Heute morgen habe ich in der Schnelle dies hier gedichtet:

Final #1: Deutschland vs Ghana

SOCCER CITY. Die Dunkelheit senkt sich über Johannesburg. In zweieinviertel Stunden steigt das erste und vielleicht schon letzte Finalspiel für die Deutschen bei dieser WM. Die potenziellen Gegner im Achtelfinale stehen fest: USA oder England. Aber zuvor heißt die Hürde Ghana. Es wird wohl ein Bruderduell der Boatengs, die offiziellen Aufstellungen kommen gleich.

Sofern ich einen Arbeitsplatz habe, werde ich ab etwa 20 Uhr so ausführlich wie möglich bloggen. Denke schon. Live aus dem heutigen Theater of Dreams.

Soccer City Stadium, 23. Juni 2010, 18.40 Uhr

19.59 Uhr: Es kommt tatsächlich zum Bruder-Duell, nicht wie bei den Klitschkos, wo das die Mama verbietet.

Deutschland:

Neuer – Lahm (C), Mertesacker, Friedrich, J. Boateng – Schweinsteiger, Khedira – Podolski, Özil, Müller – Cacau

Ghana:

Kingson #22 – Sarpei #2, Johathan #8, Mensah #5, Pantsil #4 – Asamoah #21, Annan #6, K.P. Boateng #23 – Ayew #13, Gyan #3, Tagoe #12

20.01 Uhr: Ich geh dann mal los auf meinen Platz. Habe gerade noch eine hübsche Geschichte geschrieben, über Korruption und so, morgen mehr dazu.

20.33 Uhr: Nach einiger Hektik noch pünktlich dabei. Stuhl wurde auch herbei gezaubert. Ab geht’s.

Kollege B meint:

Unsere ghanaischen Freunde stehen in der Abwehr ziemlich gewagt.

Wer überträgt eigentlich im deutschen Fernsehen? Hatte ich schon gesagt, dass ich das nicht vermisse?

Bis jetzt steht Deutschland übrigens im Achtelfinale und spielt gegen England die USA (Leser korrigieren alles).

Jonathan schießt seinen Keeper Kingson warm.

20.41 Uhr: Erste gelungene Aktion von KPB, aber Gyan ist schlicht zu langsam. Messi wäre abmarschiert.

20.42 Uhr: Sepp Blatter auf der Tribüne neben Issa Hayatou, dem afrikanischen Fußballboss und Chef des FIFA Organisationskomitees. Viel Arbeit für Sepp heute, eben saß er noch bei den Amis neben Bill Clinton.

20.43 Uhr: Erste Großchance für Ghana. Schweinsteiger klärt. Und die Deutschen wären gut beraten, Tempo zu machen. Denn sonst spazieren die Ghanaer öfter mal vorbei.

20.54 Uhr: Gigantische Chance für Özil – frei vor Kingson. Gerade wollte ich noch über Ayew lästern, der nach Mertesacker-Fehler im Strafraum unbeholfen war. Nun Özil. Unfassbar. Im Gegnzug Ecke Ghana, Lahm klärt am langen Pfosten.

Erstes Gerangel zwischen KPB und Schweinsteiger.

Ayew lässt J. Boateng stehen. Eine Binse: Die Deutschen sind extrem nervös. Aber: Noch sind sie im Achtelfinale. Noch.

21.12 Uhr: Kleine Gemeinheit, der Kollege in der Reihe unter mir hat schon mal seine Überschrift vorgeschrieben:

Vortexter