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Peking, der Start und ein Rückblick

Was soll man bloggen, wenn man ans andere Ende der Welt fliegt und doch mit Zeilenschreiben sein Geld verdient? Bleibt da noch Zeit? Bleibt da noch Kraft?

Mir ist die grandiose, nie dagewesene und total witzige Idee gekommen, dass ich einfach mal ein Tagebuch führen könnte. Ein journalistisches Tagebuch. Damit es die chinesischen Sicherheitskräfte einfacher haben – und damit mein zuständiges Finanzamt sich überzeugen kann, dass ich nicht zum Spaß in Peking war, wenn ich irgendwann einen Haufen Quittungen abrechne. Ich werde also ab heute für jeden Tag ein kleines Protokoll erstellen, aber sicher noch etliche andere Beiträge los werden wollen.

Bevor es los geht, zunächst aber ein kleiner privater Rückblick auf vier andere Olympische Sommerspiele, von denen ich berichten durfte. Einfach mal flink runtergeschrieben und mit diesem und jenem Link zu alten Texten versehen. Ich denke, dass ich in den nächsten Tagen noch einiges auf den Top- und Flop-Listen hinzufügen werde.

Es ist übrigens eine optische Täuschung, wenn jemand annehmen sollte, der Bursche auf den Akkreditierungsfotos sei etwas runder geworden im Laufe der Jahre.

Lopez Lomong (II) oder: was das IOC nicht hören will

Lopez Lomong, im Juli 2008 bei den US-Trials in Eugene, Oregon

Die London Times hat sich nun auch der Geschichte des Lopez Lomong, den Lost Boys of Sudan, Darfur und all den politischen Implikationen bei den Sommerspielen in Peking angenommen:

Genau das ist es. Diesen Aspekt habe ich in meiner Geschichte noch etwas unterbelichtet, ich wollte die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der sudanesischen Kinder lenken, wie es auch Lopez Lomong wichtig ist, und nicht schon wieder auf die Verlogenheit des IOC und die Verbrechen der chinesischen Regierung. Owen Slot schreibt in der Times:

Einzelfälle und Euphoriesünden

Sieht eigentlich noch jemand hin? Mich irritiert weiter, wie normal deutsche Medien über die Tour de France berichten. Im Prinzip habe ich meiner Prinzipienreiterei vom vergangenen Jahr nichts hinzuzufügen. Für dieses Ereignis ist ein Kriminalbericht die angemessene Form, nichts sonst.

Von den Medien, die ich regelmäßig konsumiere, hat sich nur allesaussersport in diesem Jahr für eine andere Form der Berichterstattung entschieden: dogfood, der im vergangenen Jahr bundesweit die besten Analysen geliefert hat, schreibt in diesem Jahr (leider) gar nichts: Er nimmt eine Auszeit.

Die TdF-Kameraden von ARD und ZDF aber halten tapfer zur Stange. Und damit finanzieren sie weiter, mit Gebührengeldern, ein kriminelles System. Aber halt, es ist natürlich alles ganz anders. Habe ich System geschrieben? Tschuldigung. Es handelt sich um Einzelfälle, ARD-Teamchef Roman Bonnaire sagt in der FAZ:

Mama-Wunder

Unbelievable, diese Dara Torres.

Genau das ist sie. Verschwindet immer mal für ein paar Jahre – und fällt damit aus allen Doping-Testprogrammen –, taucht dann wieder auf und ist, gegen alle Naturgesetze, schneller als vor 24 Jahren. Mit 41 qualifizierte sich Dara Torres gegen Mädels, die ihre Töchter sein könnten, souverän für die Olympischen Spiele in Peking, wo sie über 50 und 100 Meter Freistil sowie in der kurzen Freistil- und in der Lagenstaffel schwimmen wird.

Das Thema, in den USA zumindest im olympischen Sport eine große Nummer, ist vergangenen Woche während der Trials in Omaha in Deutschland leider etwas zu kurz gekommen. Jürgen Kalwa aber hat darüber geschrieben und befasst sich auch in seinem Blog American Arena ausführlich mit dem Mama-Wunder.

Ein bisschen verkrampft

Ist etwas blöd gelaufen für Tyson Gay bei diesen Trials. Seinen letzten Abgang aus dem Hayward Field von Eugene hat er sich anders vorgestellt, auf jeden Fall aufrechter.

[caption width="500" align="aligncenter"]Tyson Gay is helped off the track after an injury in the 200 meter quarterfinal on day 7 of the Olympic Trials at Hayward Field, July 5, 2008, in Eugene, Ore. © Thomas Boyd/The Oregonian via flickr[/caption]

Krampf im linken Oberschenkel, erlitten im Viertelfinale über 200 Meter, und schon hat Tyson Gay eine Chance weniger in Peking. Im vergangenen Jahr war er in Osaka Weltmeister über 100 und 200 Meter sowie mit der Sprintstaffel. Nach letzten Meldungen aus dem Krankenbett im Hilton Hotel kann die Sache glimpflich ausgehen, möglicherweise muss er nur 10-14 Tage pausieren.