dichtung und wahrheit

Jack Warner

Jack the Ripper oder: Fußballfunktionäre und der Umgang mit der Wahrheit

Vorab zur Einstimmung: Das sind Fußball-WM-Tickets, die Jack Warner & Konsorten, die seit vielen Jahren mit Tickets in großem Stil dealen (Fußball-WM, Fußball-EM, Cricket-WM, Olympia) und fantastische Geschäfte und Millionen machen, mal nicht abgesetzt haben. Es sind, natürlich, Originale.

In der Mitte ist der Name eines Ticketdealers vermerkt: Paul „Chet“ Greene, ein Fifa-Freund, ein Warner-Buddy, inzwischen NOK-Präsident von Antigua, aber das ist mal eine andere Geschichte…

4 Tickets für die WM '98, mit besten Grüßen von Mr Chet Greene

Denn: Es gibt Neues von einem meiner Lieblingsfunktionäre.

Bundesinnenministerium unterstützt den Bund Deutscher Radfahrer

Zum Wochenausklang mal kein juristischer Zeitvertreib. Wenden wir uns wieder den wirklich wichtigen Themen zu. Ich präsentiere ein brandaktuelles Dokument.

Zur Diskussion im Sportausschuss des Bundestages, ob dem chronisch dopingleidenden deutschen Radsport die Steuermittel zu streichen seien, habe ich kürzlich bereits Komplettnotizen angeboten. Diese wurden durch ein paar Bemerkungen zum gewesenen Jan-Ullrich-Maskottchen* und heutigen knallharten Dopingbekämpfers Rudolf Scharping (SPD) ergänzt. Rechtzeitig vor der nächsten Anhörung des Sportausschusses am kommenden Mittwoch, 12. November, bei der über einen Fördermittelstopp/Entzug/Rückforderung entschieden werden soll, hat sich nun die Sportabteilung des zuständigen Bundesinnenministeriums auf die Seite des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) geschlagen.

Das wundert mich nicht. Ich neige zum Kommentar: Das Establishment wehrt sich, das Establishment schlägt zurück. Doch zunächst die Fakten:

[caption id="attachment_29051" align="aligncenter" width="523"]Brief vom 07.11.2008 an den Vorsitzenden des Sportausschusses mit den Antworten des BMI auf die im Sportausschuss gestellten Fragen zum Sporthaushalt 2009, u.a. zur 'Dopingproblematik beim BDR' „Inwieweit eine Sperrung der Mittel […] angemessen ist, sollte im Ausschuss nochmals kritisch überdacht werden.“[/caption]

Peking, Tag 16

15.25: Tach allerseits. Es grüßt ein Zombie. Gucke gerade, zum Schlummern, Volleyball und frage mich, warum die Kerle nicht endlich mal Basketball-Shirts anziehen, damit sie nicht immer so lächerlich an ihren Ärmeln rumzupfen und die Hemdchen hochschieben müssen.

18.20: Habe mir bei Herrn Niggemeier die Diskussion zum Kerner-Gespräch mit Michael Johnson reingezogen. Darüber ist hier vorgestern und gestern auch diskutiert worden.

Habe gar keine Lust, mich am Kerner-Bashing zu beteiligen. Wird mir ohnehin zu viel über TV-Sport diskutiert, habe immer gesagt, dass vieles dort kein Journalismus mehr ist, es sind bestensfalls artverwandte, oft auch artfremde Tätigkeiten. Und Johnson, nun ja, dem glaube ich weder ein Wort noch einen Schritt, sozusagen. Wir hatten auch in Peking eine kleine, harmlose Begegnung.

Was mich viel mehr schockiert ist der Umstand, dass wir seit einem Jahrzehnt (und teilweise länger) hilflos die selben Fragen diskutieren. Als Journalisten und als Zuschauer.

Peking, Tag 13

09.26: Im Wasserwürfel. Werde zur Feier des Tages, der 10. und 11. Goldmedaille von Big M, mal den Live Blog probieren. Aber wahrscheinlich schläft in Deutschland noch jeder. Ist ja auch nicht mehr ganz so spannend bei den Schwimmern: Jedes Rennen ein Weltrekord. Wo ist da das Überraschende?

09.32: Kleiner Rückblick auf die Busfahrt ins MPC. Erstaunlich, dass ich nicht ständig Unfälle sehe. Denn rote Ampeln sind in China kein Hindernis. Selbst an größten Kreuzungen, wo sich fünfspurige Autobahnen begegnen, fährt man erst mal in die Mitte vor, um bei Rot zu schauen, was noch geht. Manche drehen auch mitten auf der Kreuzung um und kommen einem entgegen – nicht nur Fahrradfahrer. Aber sie kommen offenbar damit klar, die Chinesen. Undenkbar in Deutschland.

09.43: Aktualisierung von gestern – eine Liste bloggender Olympiareporter:

The Big M

coveritlive.com

Nachtrag: Ich stelle jetzt alle Texte rein, die ich aus Peking über Phelps geschrieben habe. Vieles wiederholt sich, ist bei einer solchen Serienberichterstattung auch logisch, zumal es sich um Beiträge für verschiedene Kunden handelt. Korrigiert wurden nur die gröbsten sachlichen und sprachlichen Unstimmigkeiten. Habe keine Zeit, Links zu setzen.

Lopez Lomong: The Lost Boy of Sudan

https://www.youtube.com/watch?v=GlYNlrcfpwY&hl=en&fs=1

Ich habe gehofft, dass die Trials der US-Leichtathleten so enden würden. Ich habe für Lopez Lomong gehofft, einen der verlorenen Kinder des Sudan, der am letzten Tag der Trials in Eugene/Oregon im Finale über 1500 Meter stand. Wenn Lomong sich für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren sollte, würde auch seine Geschichte um die Welt gehen. Diese Geschichte, die Lomong zu Beginn der Trials erzählte, lässt einem den Atem stocken.

Ich hatte eigentlich vor, eine mp3-Datei ins Netz zu stellen, aber ich war zu blöd, das Gespräch mit Lomong in erträglicher Qualität aufzuzeichnen. So bereite ich jetzt meinen Text, den ich gestern einigen Zeitungen geschickt habe, fürs Netz auf. Seine Geschichte wird bis Peking und während der Spiele und auch danach noch hundert Mal in vielen Sprachen erzählt. Das ist gut so, sie kann gar nicht oft genug erzählt werden.

Monopoly 2016

In ein paar Stunden wählt das IOC-Exekutivkomitee im Athener Hilton Hotel die Finalisten im Wettbewerb um die Olympischen Sommerspiele 2016 aus. Die Entscheidung fällt dann auf der 121. IOC-Session am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen.

Es treten an und verabschieden sich heute auch gleich wieder (wie vor vier Jahren Leipzig in der ersten Runde): Die tapferen Sportkameraden aus Aserbaidschan mit ihrer Hauptstadt Baku und die Hobbybewerber aus Prag. Baku und Prag sind nicht ernst zu nehmen. Beide betrachten ihre „Bewerbung“ vor allem als touristische Promotion.

[caption id="attachment_29020" align="aligncenter" width="400"]2016 Applicant City Logos 'Baku 2016' & und 'Prag 2016' Ohne Chance auf den Finaleinzug: Die 2016er Bewerbungen aus Baku und Prag.[/caption]

Mitunter dienen Bewerbungen, gerade die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, aber auch als veritables Mittel der Geldwäsche. Anzeichen dafür gibt es viele. Vor einigen Jahren hat dies ein schwedischer Staatsanwalt, der sich mit Olympiabewerbungen beschäftigte, sogar mal laut ausgesprochen:

John Fahey

Ob John Joseph Fahey (63), der ehemalige australische Finanzminister, als Wada-Präsident tatsächlich eine Fehlbesetzung ist, wie viele vermuten, ist eine der spannenden, großen olympischen Fragen dieses Jahres. Es geht nicht um Peanuts.

Fahey übernahm am 1. Januar die World Anti-Doping Agency (Wada). Als Nachfolger von Richard Pound kann er eigentlich nur verlieren. Doch wer weiß, vielleicht überrascht Fahey ja doch alle Skeptiker. Ich kann mich im Fall Fahey noch nicht so recht entscheiden, neige dazu, ihm noch einige Monate Karenzzeit zu geben. Das eigentliche Trauerspiel lief ja im November vergangenen Jahres in Madrid ab, als die europäischen Sportminister zwar keinen eigenen Kandidaten präsentieren konnten, dafür aber Fahey verhindern wollten.