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Interview mit Thomas Bach

Ich habe den DOSB-Präsidenten und IOC-Vize um ein Interview zu aktuell drängenden Themen gebeten: „für meine Zeitungspartner, für den Deutschlandfunk und für mein Blog“. Erstaunlicherweise ist es diesmal zu dem Gespräch gekommen, gestern Mittag (Ortszeit) im Pan Pacific Hotel in Vancouver.

Es ist, wenn ich mich recht erinnere, das erste längere Aufeinandertreffen seit Ende 1996, aber diese lange Vorgeschichte kürze ich jetzt ab. Das Resultat kann man hier in 29 Minuten und acht Sekunden hören. Ein fairer Wortwechsel – und vor allem: uncensored.

2018? Warner gives England the Mexican Wave Goodbye

Oh ja, ich glaube nicht, dass ich zu viel versprochen habe: Der putzige Doppelwettbewerb um die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022, erdacht von Sepp dem Unfehlbaren, wird uns noch viel Freude bereiten. Ein Gastbeitrag von Andrew Jennings, der an Sepps Hofe seit sechs Jahren nicht mehr geduldet wird, der also keine Akkreditierungen für Fifa-Events erhält. AJ konzentriert sich einmal mehr auf Jack the Ripper:

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„How the World Cup will be won“ / Grafik: Screenshot vom Sunday Herald

By Andrew Jennings

Jack Warner must have his World Cup. FIFA’s serial kleptomaniac, now 65, knows that 2018 is his last chance to acquire the world’s most lucrative sports event and, with his greedy family, loot it. Where does he want it? Mexico.

If anything goes awry, the USA is the fallback. Both countries are captive members of Concacaf, the regional FIFA franchise controlled from Trinidad by Warner.

It’s unthinkable that the Warners would let a World Cup and the once in a lifetime chance to skim TV rights, marketing and hotel packages slip through their fingers. And of course they are well-practiced as the biggest ticket racketeers ever.

When they staged FIFA’s Under-17 championship in Trinidad in 2001, I was there to see them snaffle fast food and beverage contracts in the stadiums, security, hotels, the IT business and, with the personal approval of FIFA president Blatter, their travel agency got all 15 teams‘ flight tickets. The construction contracts came earlier.

In 2007 Warner told the BBC that his franchise must host 2018 saying, ‘There are moves to give it to England. I must fight that. I really don’t believe that we should lay down and play dead to anyone who wants to take the World Cup from Concacaf.‘ Only two countries in Warner’s franchise could stage the championship: Mexico and America.

Kommunikationsherrscher als Leserbriefschreiber: die Fifa

Zum schriftlichen Urteil im ISL-Prozess, das ich auch für die Neue Zürcher Zeitung ausgewertet habe („138 Millionen Franken Schmiergeld“) und in dem die Fifa nicht sehr gut wegkommt („täuschendes Verhalten“, „verwirrliche“ Argumentation), hat der Fußball-Weltverband einen Leserbrief geschrieben. Das Textlein ist heute in der NZZ zu lesen. Immerhin geht man nicht rechtlich gegen mich vor, würde ja auch schwerfallen, denn aus Gerichtsakten und Urteilen zu zitieren, ist (noch) nicht strafbar, weder in Deutschland noch in der Schweiz. Also versucht man, die Kommunikationsherrschaft mittels eines Leserbriefes zu retten. Interessant:

Eine Zuschrift
Das Zuger Strafurteil aus der Sicht der Fifa

Entgegnung zum ISL-Korruptionsprozess

Das Strafgericht Zug hat im Sommer 2008 die Verantwortlichen der ISL/ISMM-Gruppe, ehemals die Nummer 1 im weltweiten Sportmarketing, weitgehend freigesprochen (NZZ 24. 11. 08). Auslöser dieses umfangreichen Strafverfahrens bildete der Konkurs der Gruppe im Mai 2001.

Gericht rügt Fifa: „täuschendes Verhalten“

„Im Rechtsstaat“, sagte einst Marc Siegwart, „gibt es keine Moraljustiz.“ Siegwart ist Richter am Strafgericht des Kantons Zug. Und er hat im Frühjahr dieses Jahres fast ein wenig bedauert, dass es keine Moraljustiz gibt; jedenfalls klingt seine Aussage bis heute in meinen Ohren so nach. Man wird doch mal träumen dürfen.

Ich habe den größten Korruptionsprozess der Sportgeschichte hier im Blog recht ausführlich dokumentiert. Es geht um Schmiergeldzahlungen von bestätigten 138 Millionen Franken an höchste Sportfunktionäre aus jenen Verbänden, mit denen der einstige Weltmarktführer ISL/ISMM Milliardengeschäfte machte.

Ach ja, das hier unten links ist übrigens Jean-Marie Weber, der Geldbriefträger und Geldkofferträger, der als einziger die Namen aller Schmiergeldempfänger kennt. Der Herr daneben, Joseph Blatter, ist ein alter Kampfgefährte und Vertrauter des ISL-Barons Weber, auch er ist Stammgast in diesem Blog. Jean-Marie war einmal der große Impressario des Weltsports. Er konnte alles.

[caption id="attachment_2074" align="aligncenter" width="538"]jmw-sepp Stammgäste: Jean-Marie & Joseph[/caption]