ethik

Die Autoritäten der FIFA und ihre Ethik-Narren

Ganz ehrlich: Es ist mal wieder schlimmer gekommen, als ich vermutet habe. Ich dachte wirklich, das Witz-Organ namens FIFA-Ethikkommission schmeißt wenigstens den Nigerianer Amos Adamu aus dem Exekutivkomitee. Stattdessen reihen sich die nächsten Peinlichkeiten aneinander, die allesamt erneut belegen:

In diesem mafiosen System der Sportfamilie ist keinerlei Besserung in Sicht.

Lustig, weil ich seit ein paar Tagen in Moskau auf, sagen wir, Korruptionsrecherche bin und mich – zum Beispiel – gestern lange mit einem russischen Unternehmer unterhalten habe, der etwa in Sotschi große Geschäfte macht und sich erdreistet hat, sein Leben zu gefährden, weil er gegen die Korruptionszahlungen aufbegehrt, die nicht nur kriminelle Autoritäten fordern, sondern auch staatliche. Bei der FIFA ist das ähnlich, anders kann ich die lächerliche Pressemeldung nicht werten, und wenn ich die Äußerungen lese, die FIFA-Oberethiker Claudio Sulser offenbar in Zürich getätigt hat.

Perikles Monioudis jedenfalls schreibt in der NZZ:

Sulser verstieg sich in einer Belehrung der Medien, die zwar «für die Demokratie in einem Land» wichtig seien. Im Fussball wollten «die Menschen aber Freude erfahren», keine Zwietracht vorgesetzt bekommen.

Ähnliches Dämliches habe ich doch gerade von Englands WM-Bewerbungs-CEO Andy Anson gelesen. Der hat Angst vor Andrew Jennings und den Jungs von der BBC, die gerade eine Panorama-Sendung zur FIFA vorbereiten. Seit Wochen versuchen Fußballfunktionäre und sogar Politiker schon, die Ausstrahlung vor dem 2. Dezember, wenn das FIFA-Exekutivkomitee in Zürich die WM-Länder 2018 und 2022 bestimmt, zu verhindern. Anson sagt:

I am incredibly disappointed with the timing of what the BBC seems to be proposing with Panorama,“ he said. „If they truly believe there is a journalistic reason to run this programme, then they could have done it any time in the last two years. To do it the week before the vote is about one thing and that’s sensationalism. I don’t think that’s helpful and I don’t think it’s patriotic.“

Mir kommt das alles sehr bekannt vor. Journalisten hätten „patriotisch“ zu sein, sagen die Patrioten, die nichts von Journalismus verstehen und denen es auch völlig egal ist, etwas davon zu verstehen, so lange diejenigen, die sich Journalisten nennen, sich an die Regeln derjenigen halten, die im Sportbusiness Milliarden umsetzen.

Mir wird ganz schlecht.

[Notiz am mich:  Ist doch immer wieder nett, negativ überrascht zu werden. Erhalte Dir nur das bisschen Optimismus. Wäre es nicht viel schlimmer und langweiliger, nie überrascht zu werden und immer zu glauben, alles schon gewusst zu haben?]

Oh ja, hier also noch die Meldung der FIFA-Narren:

Ethikkommission suspendiert sechs Offizielle

Die FIFA-Ethikkommission, bestehend aus Claudio Sulser (Vorsitz, Schweiz), Petrus Damaseb (Namibia), Juan Pedro Damiani (Uruguay), Dominique Rocheteau (Frankreich), Dali Tahir (Indonesien) und Robert Torres (Guam), suspendierte sechs Fussballoffizielle für jegliche Tätigkeit im Fussball (Administration, Sport etc.) für ein bis vier Jahre, nachdem sie des Verstoßes gegen mehrere Artikel des FIFA-Ethikreglements für schuldig befunden worden waren. Bei ihrer Sitzung vom 15. bis 17. November 2010 fällte die Ethikkommission folgende Entscheide:

  • Reynald Temarii (FIFA-Vizepräsident) darf während eines Jahres weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 5.000 belegt.
  • Amos Adamu (Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees) darf während dreier Jahre weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 10.000 belegt.
  • Slim Aloulou (Vorsitzender der FIFA-Kammer zur Beilegung von Streitigkeiten und Mitglied der Kommission für den Status von Spielern) darf während zweier Jahre weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 10.000 belegt.
  • Ahongalu Fusimalohi (Generalsekretär des Fussballverbands von Tonga) darf während dreier Jahre weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 10.000 belegt.
  • Amadou Diakite (Mitglied der FIFA-Schiedsrichterkommission) darf während dreier Jahre weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 10.000 belegt.
  • Ismael Bhamjee (CAF-Ehrenmitglied) darf während vier Jahren weder national noch international in irgendeiner Form im Fussball tätig sein (Administration, Sport etc.). Darüber hinaus wird er mit einer Geldstrafe von CHF 10.000 belegt.

Die FIFA hatte am 18. Oktober 2010 gegen zwei Mitglieder des Exekutivkomitees ein Verfahren eröffnet und die Ethikkommission zu diesem Zweck mit einer unabhängigen, eingehenden Untersuchung beauftragt. Am 20. Oktober verfügte die Ethikkommission daraufhin eine provisorische Suspendierung gegen sechs Offizielle (siehe Medienmitteilung vom 20 Oktober).

Die Ethikkommission untersuchte darüber hinaus auch die Hinweise auf angebliche Absprachen zwischen Mitgliedsverbänden und ihren Bewerbungskomitees im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018/2022™, fand jedoch keine ausreichenden Beweise für eine Verletzung der Bewerbungsregistrierung und des Ethikreglements.

Ich weiß gar nicht, wie oft Typen wie Bhamjee noch suspendiert werden sollen. Manche von denen gehören, sorry, nirgendwo anders hin als in den Knast. Mich würde natürlich interessieren, ob die FIFA auch diesmal die Geldstrafe für die Ganoven bezahlt, wie etwa die 5,5 Millionen zum Korruptionsverdunklungsvertrag in der ISL-Sache.

Absurder geht nicht.

„Bribes as salaries for sports leaders“

Mein Freund und Kollege Jens Sejer Andersen hat vergangene Woche an der Universität Antwerpen einen Vortrag zu einem ewig aktuellen (und derzeit wieder brandaktuellen) Thema gehalten, den ich gern veröffentliche. Es tauchen viele der üblichen Verdächtigen und alten Bekannten auf, ob nun der Handball-Pharao, Ruben Acosta oder Jean-Marie Weber. (Aus Zeitgründen muss ich leider weitgehend auf Verlinkungen verzichten, zu allen gibt es im Blog etliche Geschichten.)

Voilà:

The Magicians of Sport: How the Greatest Corruption Scandal in World Sport Vanished Before We Knew It Existed

By Jens Sejer Andersen

International Director and founder, Play the Game

Usually, I am a great admirer of magicians. People who can make elephants appear out of nowhere or escape from underwater cages hand-cuffed and wrapped in chains, really deserve respect.

There are, however, some magicians that we should beware of, and quite a few of them do their tricks in sport. I am not referring to artists like Lionel Messi or Justine Henin who can make unimaginable things with a ball. No, the magicians I would like to talk about are exercising their witchcraft more discreetly.

They do not seek our admiration over their skills. On the contrary: They shun the public eye so much that they have become experts in one aspect of magic: They know how to make us look in one direction while they do their work in the other direction, and more than that, when we look back we do not even notice something mysterious has happened.

Thanks to these magic abilities, a number of corruption scandals in the highest ranks of sports leadership continue to vanish, even before we realise that they actually exist.

Where were for instance your eyes looking in late June this year? I suppose that they, like mine, were directed at a flat screen TV to follow the last matches in the group stage of the FIFA world cup in South Africa.

Abracadabra! While we were staring on one of the greatest shows on earth, the biggest corruption scandal ever documented in sport disappeared out in the blue.

Did you notice?

If not, don’t feel ashamed. It was not meant for you to see.

While events in South Africa spellbound the world, a dry and formal sheet of paper was produced more than 8,000 kilometres away, by the public prosecutor in Zug, the Swiss canton in which FIFA resides.

On the 24 June, the prosecutor ended eight years of legal proceedings with a statement that put an end to the so-called ISL-affair.

Simultaneously, FIFA noted in a very brief media release “FIFA is pleased that the prosecutor of Zug has finalised his investigations?.

FIFA had reasons to be satisfied indeed. For although the Swiss prosecutor that day confirmed that FIFA officials had received millions of Swiss francs from the ISL company and kept them in their pockets, and that FIFA should pay a compensation of 5,5 million Swiss francss – around 4 million euros – things could have turned out much worse for football’s governing body.

The collapse of a marketing giant

For the ISL was no street vendor of services to FIFA. ISL stands for International Sport and Leisure and was from the early 1980’ies and until its collapse in 2001 by far the biggest sport marketing company in the world. It was founded by the Horst Dassler, whose family owned Adidas.

ISL bought TV and marketing rights from the international sports federations and the International Olympic Committee and re-sold them to media companies and private sponsors. Thanks to its close personal relations to FIFA and other big federations it became a driving force in the explosive commercialisation of elite sport.

However, even a booming company in a booming sector can make mistakes, and in 2001 the ISL collapsed because it had seriously overestimated the value of its products.

When the Swiss administrators took over the bankrupt ISL and started looking at the internal papers, they soon discovered some strange payments. In the first place, the liquidator of the company, Thomas Baur, found that at least 3,5 million Swiss francs (at the time 2,2 million euros) had been paid out in personal commissions and they started writing leading sports officials in order to get the money back.

And in 2004, Mr Bauer did get most of that money back. Not in many small portions, but on one big check of 2,5 million Swiss francs. It would of course be interesting where this sum came from and on behalf of which sports leaders it was paid back, but after hard work from a splendid Swiss lawyer, Peter Nobel – the Federal Court, the highest court in Switzerland, ruled that no names should be named.

Peter Nobel is not only an excellent player in the court room – a magician in his field you may say – he was also the man who issued the big check. And, coincidentally perhaps, he has for many years been the personal lawyer of Joseph S. Blatter, President of FIFA.

But this was only the beginning. Other parts of the Swiss justice had an interest in the ISL, and one investigative judge, Thomas Hildbrand, was particularly active, launching firstly one investigation into how six ISL-directors managed their affairs, and secondly another one into the relation between FIFA and the ISL.

138 million Swiss francs in kickbacks

In 2008, the court in the Swiss city of Zug concluded the first of these two cases, the proceedings against six former ISL directors for embezzling large portions of money belonging to FIFA. The legal case itself ended up with acquittals and mild sentences since the defendants could convince the judges that FIFA in reality had accepted the way ISL handled FIFA’s money.

But in the indictment a stunning revelation was brought forward and confirmed by the defendants in the court room:

Over 12 years, from 1989 to its bankruptcy in 2001, ISL handed out no less than 138 million Swiss francs – then 87 million euros – in personal commissions to sports leaders in order to get lucrative TV and marketing contracts.

The payments were channelled to the private pockets or bank accounts of high ranking sports leaders through an advanced system of secret funds in Liechtenstein and the British Virgin Islands. Some of the kickbacks were handed over personally by the top executive of the ISL, Jean-Marie Weber, who travelled around the world with a suitcase filled with cash.

Bribes as salaries for sports leaders

According to the defendant ISL directors, these payments were a normal and integral part of the daily sports business and a precondition if ISL wanted to sign contracts with their customers.

“I was told the company would not have existed if it had not made such payments,?

said former chief executive of the ISL Christoph Malms, and was backed the former director of finances, Hans-Jürg Schmid.

“It was like paying salaries. Otherwise they would have stopped working immediately?,

he said about the sports officials.

How come that the six directors admitted these secret personal commissions so freely? The answer is simple. In Switzerland this kind of kickbacks or bribes were not criminal until new anti-corruption legislation was passed in 2006.

And although the directors were quite open-mouthed, they did not risk their future career by dropping names in the court.

We only know that when ISL flourished, some of its most important customers besides FIFA were the ATP in tennis, IAAF in athletics, FINA in swimming, FIBA in basketball and for some years also the IOC.

You would perhaps expect that these organisations did react to the revelations in Zug by tracing corrupt sports leaders in their own ranks or at least distancing themselves publically from such malicious practices.

But no: From the international sports community there has only been one reaction to what is beyond comparison the biggest known corruption scandal in sport: Unanimous and complete silence.

After the verdicts in Zug 2008, there was still a hope: Perhaps the third and last criminal investigation could help us answer the simple question: Who took the bribes?

How much did they get each? – after all, 87 million euros is a lot of money, and not that many persons were in charge of TV and marketing contracts. Do these persons still hold important positions in sport?

Unfortunately, the end of the ISL affair this summer did not answer any of these questions.

The settlement does confirm what FIFA has long denied: That FIFA officials have taken millions of Swiss francs from the ISL in return for contracts. And it does oblige FIFA to pay back some of the money stolen from sport.

But even if we assume that all cheques have been paid by FIFA: 2,5 million Swiss francs to the liquidators, 5,5 million Swiss francs in the recent decision plus the costs of the legal procedure – we are still far from the impressing 138 million Swiss francs that went with the corruption. The financial balance is clearly in favour of those who cheated.

Before I go deeper into analysing the mechanisms that allow such a huge scandal to run almost unnoticed by the world public, one more important question arises from the ISL case:

Is the magic over?

Did corruption in sports organisations die with the ISL in 2001, and is the buying and selling of TV and marketing rights now a clean business?

No answers given at Olympic congress

I raised this question during a session about “Good governance and ethichs? at the Olympic Congress in Copenhagen last year where over 1,200 high ranking sports officials gathered to discuss the challenges to sport. The answer from the moderator, Youssoupha Ndiaye from the IOC Ethics Commission, was easy to understand:

“The panel does not answer questions?.

To be fair, the audience was quite amused by that response. Well, perhaps not all – probably not the man sitting a few rows from me, Jean-Marie Weber, the man who once travelled the world with a suitcase full of money.

I do not know which tasks the elegant Weber had at the Olympic Congress, but it cost the IOC President Rogge some sweat explaining Weber’s presence. It was apparently not the IOC itself that had invited him, but to get an accreditation through the strict security measures of that meeting you had to have very good connections in the so-called Olympic family of sport.

Goodbye England oder: Ärger mit der Ex

Dumm gelaufen für England.

[youtube mfXG7N1Bt3E&hl nolink]

Am Freitag wurden mit großem Brimborium in Zürich die Bewerber-Dokumente der WM-Interessenten 2018/2022 an FIFA-Boss Sepp Blatter und seinen Generalsekretär Valcke übergeben. England, mit David Beckham im Home of FIFA, galt im Wettbewerb um die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zwar zuletzt nur als Außenseiter – hinter der Totaldemokratie Russland, wo Wladimir Putin und seine Diebe im Gesetz mächtig werkeln. Seit einer hübschen Enthüllung der Mail on Sunday (Daily Mail) dürfte es nun ganz vorbei sein.

Denn dummerweise hat Lord David Triesman, bis eben noch Chef der Football Association und des Bewerberkomitees, in einem Gespräch mit seiner Ex (Melissa Jacobs) das erzählt, was eh alle in der Szene tuscheln:

Zum Nachlesen:

‘My assumption is that the Latin Americans, although they’ve not said so, will vote for Spain. And if Spain drop out, because Spain are looking for help from the Russians to help bribe the referees in the World Cup, their votes may then switch to Russia.’

At this point, Miss Jacobs asks: ‘Would Russia help them with that?’

Lord Triesman: ‘Oh, I think Russia will cut deals.’

Miss Jacobs: ‘Why will Russia help? Are Russia in the World Cup?’

Lord Triesman: ‘No, they’re not.’

Miss Jacobs: ‘Oh no they’re not, they’ve got nothing to lose?’

Lord Triesman: ‘Absolutely nothing at all to lose. Exactly.’

Zum Nachhören:

:

Was lernen wir daraus? Mann sollte die Ex schon mal fragen, ob sie nicht zufällig ihr iPhone auf Aufnahme gestellt hat, wenn Mann mit heißen Insider-Geschichten angibt.

Es ging beeindruckend schnell (anders als gewöhnlich beim DFB): Lord Triesman ist die längste Zeit FA- und Bewerbungschef gewesen. Warum eigentlich? Gegen welchen Paragrafen des abenteuerlichen FIFA-Ethikcodes hat er verstoßen?

Andrew Jennings über Joseph Blatter: „The autumn of football’s patriarch“

VANCOUVER. Hier wollen sie rein. Mohamed Bin Hammam, Chung Mong-Joon, Michel Platini, Jack Warner und einige andere. Das ist der Fingerscanner zu Joseph Macchiavelli Blatters Büro im FIFA House in Zürich. Die Tür zum Machtzentrum des Weltfussballs öffnet sich nur für Sepp. Nein, es geht nicht um Fingerabdrücke, die die Cops von FIFA-Funktionären nehmen.

Die Frage ist, ob dieser Schlüssel zum Glück im Sommer nächsten Jahres neu programmiert werden muss. Ob die Finger eines anderen FIFA-Supremo eingescannt werden müssen. Oder ob sich Sepp nicht schon früher verabschiedet.

Einen außerordentlich fiktiven, grandiosen, frei erfundenen, satirischen Beitrag zur Situation eines großen Sportverbandes hat Andrew Jennings geschrieben.

Lesebefehl!

Eine Kostprobe:

„The Autumn of Football’s Patriarch“

by Andrew Jennnings

THE OLD MAN, he’s 74 in a few weeks, sits upright in his uncomfortable leather chair and gazes towards his interviewer a yard and a half from his eyes. He’s been waiting many months for her and, appreciating her good fortune, she is reverential, notebook on her knee and pen in hand but only the audio recorder balanced on the arm of her matching chair can capture the nuances of his long-rehearsed delivery.

All must be in its place for the set-piece, decorating his life’s narrative. Behind his head, a replica golden World Cup Trophy. On the coffee table is a branded banner, maybe 18 inches high, with his final attempt to be taken more seriously than he knows he deserves, the contrived slogan ‘For the Game, For the World.’

He is dressed as the mortician would like to receive him, pale blue shirt, slightly darker tie, dark suit, skull polished, remaining hairs smoothed back to his neck. Outside the polished aluminium window frame it is still late winter on the bleak hill above Zurich. (…)

Over-shadowing the endgame of Patriarch is the flapping jalabiyya of the man who once bankrolled him but now, between mouthfuls of honey, dates and coffee, practices swinging the curved executioner’s sword.

‘With Mohamed, we had a wonderful time together as friends up to the last congress in May,’ says Patriarch. ‘All of a sudden our friendship was broken. Ask him, why? I don’t know.’

OH YES HE DOES. Patriarch went behind the back of the man from the Gulf, and 14 months from now there must be retribution in football’s Chop Square. Such an inept manoeuvre shows the Big P is losing his touch. To mock a man backed by an Emir’s billions is unwise.

The alliances that will form the death squad are still being negotiated. There’s a second shadow, a kimchi billionaire of heavy industry and politics from the Far East and nearer home, dangerously near, across a few Alpine ranges to the south and closeted with his advisors in his modern palace overlooking Lac Geneva, the third shadow of a charismatic, curly-haired, beautiful former athlete.

Unlike Patriarch, this man’s tie, shirt collar and jacket always look dishevelled, as if he’s come straight from a kickabout in the car park. In his homeland, France, he cannot walk the streets without being mobbed. Patriarch never knew such popularity, such love. (…)

When his long-time Polish girlfriend Ilona walked out in late 2008 he knew his game would henceforth be going down, not up. Increasingly disorientated, he has fumbled his way through recent public appearances.

He giggled away concerns of John Terry’s philandering as ‘Anglo Saxon’ exceptionalism. ‘If this had happened in, let’s say, Latin countries, then I think he would have been applauded.’ There was a kind of group holding of breath. Then embarrassment rippled across the world.

A man who has worked with him for much of two decades and watched him when he didn’t, says Patriarch is now a confused specimen. ‘In his own mind he casts himself as a victim, now doubting he can anymore walk on water.’

When Patriarchs summon God to support their cause, you can hear the mortician cough and reach for his measuring stick. ‘If I’m still wanted by the congress and God will give me health I will go, but if the congress says no, then I will say ‚thank you,’ meaning he’s undecided when exactly to reach for his coat and turn in the car keys.

Uh huh. Why did she wait so long to give us this second, fin de siècle announcement. It is because she defers to the Great Dictator but we are the lucky ones because she lets him dictate his obituary as he would wish it were constructed for his favourite newspaper, the Neue Zürcher Zeitung.

BACK TO Patriarch’s custom-built mirror. He dazzles himself with talk of his 35 year ‘mission’ to make the world a better place but still his meanness writhes in a dark corner as he tells her that ‘unlike former presidents’ (that’s one in the shrivelled nuts for the previous Patriarch, now aged 93 and, in Rio, beyond the reach of the Swiss cops) he has been ‘committed to a wide range of humanitarian projects.’

Fighting child labour: Tick that box. UNICEF, tick again. Fair Play, Respect, Discipline, Social Advancement, Mutual Understanding, Eradicate Polio, Improve Public Health.

Switch Ticking machine to rapid fire, fax results to NZZ Obituaries Department.

Keep reading, here’s Patriarch’s ‘Love Affair With Africa.’ Indeed he so much loves Africa that, lacking a son, he has bequeathed it to Nephew. Patriarch talks frequently of the Family of Football – but when there’s money to be extracted, it’s a very small family. Nephew has been given an enormous chunk of the television rights to the Big Games in South Africa this year and if that isn’t enough, he’s been gifted a large bite size of the ticketing for the corporations. (…)

read more on www.transparencyinsport.org

Ich war immer skeptisch und habe die nimmermüde, einmalig begeisternde Euphorie meines Freundes Andrew Jennings selten verstanden, diesmal aber komme ich ins Grübeln. Denn es ist ja so: Die neuen Herausforderer Bin Hammam und Chung haben nicht nur Geld und eine Hausmacht, sie haben im Laufe der Jahre Wissen angesammelt, das Sepp akut gefährdet.

Nicht zu vergessen: Während des Wahlkampfes um die FIFA-Präsidentschaft, während der gigantischen Schlacht um die Weltmeisterschaften 2018/2022 bleibt der Posten des Chefs der FIFA-„Ethikkommission“ verwaist – denn Lord Sebastian Coe hat sich ja vor mehr als einem Jahr beurlauben lassen.

Sollte man deshalb besser sagen: Die FIFA hat weder eine Ethik, noch eine Ethikkommission, noch Mitglieder einer Ethikkommission? (Der Link auf der deutschen FIFA-Webseite führt ins Leere, auf der englischen Variante steht seit langer Zeit: The new composition of this committee will be confirmed in due course.)

Geschäftsethik beweist die FIFA auch nicht immer. Der VISA-Mastercard-Gerichtsgang, der den Verband rund 100 Millionen Franken kostete, hat das einst grandios bestätigt. In den Gerichtsakten fand sich damals eine FIFA-interne Email, in der sich die Kameraden um den damaligen Vielfachlügner, danach von Blatter gefeuerten und kurz darauf zum Generalsekretär ernannten Jérôme Valcke gefragt:

„Was müssen wir tun, dass es wenigstens ein bisschen so aussieht, als habe die FIFA-Geschäftsethik?“

Sehr gute Frage. Nächste Frage bitte. Oder mal Jack Warner fragen.

Einige Fragen, die ich FIFA-Medienchef Nicolas Maingot gestellt habe, sind noch offen. Derweil ein kurzer Nachklapp zum gestrigen Beitrag, eine Zusammenfassung, erschienen u.a. in Berliner und Süddeutscher Zeitung:

Hassan Moustafa, Handball, Sportfive, Lobbyismus und Korruption

Zu meinen Lieblingsgästen hier im Blog zählt der altruistische Pharao Hassan Moustafa, Präsident des Handball-Weltverbandes IHF. Unermüdlich werkelt er für das Wohl seines Sports, für das Wohl der Familie und – wer will es ihm verübeln – auch ein bisschen für das eigene Konto. Bevor ich einige Gedanken zur Enthüllung von Michael Wulzinger im Spiegel äußere, schlage ich vor, wir hören den Pharao. Denn er hat mir ja nicht nur einmal erklärt, dass es im Sport keine Korruption gibt, ganz einfach, weil der Sport immer sauber ist.

[youtube sEFY0y3-n-A nolink]

Wer mag, kann gern die sechs Teile meiner Umfrage unter Weltverbandspräsidenten und IOC-Mitgliedern nachhören (und anschauen). Es galt, die Frage zu beantworten, ob der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur braucht?

Doch zurück zum Pharao. Die Spiegel-Geschichte in Kurzfassung, demnächst wird der gesamte Text aus dem aktuellen Heft ja online verfügbar sein:

Hassan Moustafa, der Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF), hatte über seine nahe Kairo ansässige Firma Sport Group einen geheimen Beratervertrag mit der Sportvermarktungsagentur Sportfive. Demnach zahlte das Hamburger Unternehmen, das bis zum 31. Dezember 2009 die Fernsehrechte des Welthandball-Verbandes verwertete und bis dahin der mit Abstand wichtigste Geschäftspartner der IHF war, dem Spitzenfunktionär von Oktober 2007 bis zum 31. Dezember 2009 für seine Lobbyistendienste 602.000 Euro. Mindestens die Hälfte dieses Honorars wurde Moustafa auf ein Privatkonto bei einer Filiale der Bank BNP Paribas in der ägyptischen Stadt Gizeh überwiesen.

Wie es in dem Vertrag heißt, der dem SPIEGEL vorliegt, sollte Moustafa seine „guten Beziehungen zu Sportorganisationen und ihren Entscheidungsträgern“ sowie zu Mediengesellschaften exklusiv für die kommerziellen Interessen von Sportfive nutzen. Zudem sollte Moustafa Sportfive „nach besten Kräften in seiner Anstrengung unterstützen, sich die Vermarktungsrechte an bedeutenden Veranstaltungen zu sichern“.

Einige Anmerkungen:

1) Interessant (oder doch eher wieder typisch) ist zunächst, dass die Enthüllung – und ich nenne es Enthüllung, wenn ein solcher Vertrag öffentlich wird – vorab am 23. Januar 2010 veröffentlicht wurde. Deutsche Nachrichtenagenturen haben aber, wenn ich mich nicht täusche, erst am 25. Januar um 9.40 Uhr (SID) bzw. 17.31 Uhr (dpa) darüber berichtet. Hallo? Ich meine, hier geht es nicht um eine beliebige Kleinigkeit, sondern um einen Präsidenten eines olympischen Weltverbandes, um einen vorbelasteten Sportkameraden, der in einer urdeutschen Sportart sein Unwesen treibt, für etliche Skandale und korruptive Umtriebe verantwortlich ist und mächtig abkassiert.

Aber die Zurückhaltung deutscher Agenturjournalisten kann neben allgemeinem Desinteresse an derlei brisanten Themen natürlich auch mit Anordnungen zusammenhängen :), die Stefan Niggemeier gerade dokumentierte: „Klare Ansage bei dpa: Lieber spät als falsch

Nein, ernsthaft: Es liegt ein Vertrag zwischen Moustafa und dem Rechteverwerter vor, den beide Seiten bestätigen, also auch der frühere Sportfive-Geschäftsführer und heutige Ufa Sports-Chef Robert Müller von Vultejus.

  • Sportfive = alter IHF-Vermarkter.
  • Ufa Sports = neuer Sportvermarkter (Vertrag 2009 vergeben, Laufzeit 2010-2013, Volumen 60 Millionen Franken).

Da gibt es nur eins: Die Geschichte ist zu vermelden. Sie hat Relevanz, und zwar beträchtliche Relevanz.

(Wie das mit Vermarktungsverträgen, Bietern und denjenigen, die Verträge vergeben, oftmals läuft, habe ich sehr ausführlich hier beschrieben.)

2) Der Vorgang beweist einmal mehr, wie lächerlich irrelevant die so genannte IOC-Ethikkommission ist. Und wie großzügig das IOC noch unter dem selbst ernannten Null-Toleranz-Präsidenten Jacques Rogge agiert. Daran ändert der Umstand nicht, dass das IOC neuerdings behauptet, Jean-Marie Weber, der in der Familie nie etwas Illegales getan hat und der nach wie vor für etliche IOC-Mitglieder, deren Verbände und Sportarten arbeitet (Fußball, Leichtathletik etc.), werde nicht mehr zu IOC-Veranstaltungen akkreditiert. (Ich werde mir das in Vancouver anschauen.)

3) Der Vorgang beweist, dass die von der ISL einst geprägte Praxis des Geben und Nehmen noch immer an der Tagesordnung ist. Wie sagten einst Manager des ISL-Konzerns, der – nur das wissen wir – 138 Millionen Schweizer Franken Bestechungsgeld an hohe Sportfunktionäre gezahlt hat?

Im ISL-Prozess sagte der ehemalige ISL-Finanzchef Hans-Jürg Schmid vor Gericht:

„Das ist, als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet. Ansonsten wären diese Verträge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden. Alle diese Zahlungen waren notwendig, um überhaupt Verträge zu bekommen und dass die sich dran halten.“

ISL-Vorstand Christoph Malms erklärte damals:

„Diese Praxis war unerlässlich, sie war branchenüblich, sie gehörte zum Stil des Geschäfts. Ohne das geht es nicht.“

In den Prozessunterlagen finden sich etliche andere Aussagen und Beweise. Dies soll heute genügen.

4) Gemäß dpa von heute („Moustafa weist Vorwürfe zurück„) hat die IHF inzwischen ein Statement abgegeben, das ich aber weder online finde, noch kann mir ein Kollege, der zurzeit bei der Handball-EM ist, mit einem Schriftstück aushelfen (ich denke, das Original trage ich bald nach). Die dpa schreibt:

Hassan Moustafa, Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF), hat Vorwürfe wegen angeblich fragwürdiger Geschäfte zurückgewiesen. Bei dem Vertrag zwischen dem ehemaligen IHF-Sport- und Fernsehrechte-Vermarkter Sportfive und der Firma Sport Group aus Kairo handele es sich um eine „normale geschäftliche Verbindung“, betonte der 65-Jährige in einer Verbandsmitteilung am Dienstag. Diese Zusammenarbeit sei Moustafa als Inhaber der Firma eingegangen, und dies habe „absolut nichts“ mit seiner Funktion als IHF-Präsident zu tun. Zugleich erhielt er Rückendeckung durch den Verband. Die IHF sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Moustafa in allen Belangen korrekt verhalten habe.

Ich will das gern auseinandernehmen. Andere werden das demnächst ebenfalls tun, zum Beispiel Christer Ahl, langjähriger IHF-Schiedsrichterchef, der aus Protest gegen die Machenschaften Hassan Moustafas zurückgetreten ist.

  • „Angeblich fragwürdig“? Ein Witz.
  • „Normale geschäftliche Verbindung“? In dieser Branche ja.

Tatsächlich aber ist das der Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Vorteil – und erfüllt damit exakt die Korruptions-Definition von Transparency International.

Soviel Klarheit sollte sein. Korruption ist und bleibt ein illegaler Deal.

Ich finde, das hätte auch im Spiegel besser herausgearbeitet werden können.

5) Strafrechtlich könnte die Sache für Vermarkter (Sportfive, Ufa Sports) und die entsprechenden Rechtehändler, die Unschuld beteuern, schon noch interessant werden. Ich sage nur: Siemens. Hier mal ein Auszug aus dem Strafgesetzbuch:

§ 299 Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr

Sepp, ganz stolz: WM-Freitickets für Barack Obama

Ach, ich freue mich so für Sepp und Jack. Endlich mal im Weißen Haus. Fehlt nicht mehr viel bis zum Friedensnobelpreis, den der Chefaltruist der Weltreligion Fußball dann nach der WM 2010 in Südafrika bekommen mag. Ich hätte dieser Tage gar keine Screenshots machen müssen von der FIFA-Webseite*, denn wie ich beim Durchsehen der Emails dieser Woche sah, hat die FIFA freundlicherweise ein Foto zur freien Verfügung geschickt:

Auf FIFA.com findet sich noch dieses nette Gruppenbild: