Was vom Tage übrig bleibt (60): infantiles PROlympia 2018

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Es ist schier unfassbar, mit welchem infantilen Nonsens Münchens Olympiabewerber die Welt belästigen – und noch bis mindestens zum 6. Juli 2011 nerven werden. Man sucht ja krampfhaft nach Unterstützern der Bewerbung und hofft, dass endlich Schnee fällt, die Wettbewerbe im Schießen und Weglaufen und im Eisrinnen-Bergabrasen beginnen, wobei wieder tausende Deutsche ihren Sportsoldaten zujubeln. Das gibt feine Bilder für den sicher einige Millionen Euro teuren Werbefilm für die IOC-Session in Durban. Bis es soweit ist, verteilt Goldmädel Maria Riesch so genannte Freundschaftsbänder.

 „PROlympia – Marias Freunde für München 2018“. Freund Pierre Brice, Freundschaftsband, Freundin Maria Riesch. (c) München 2018

„PROlympia – Marias Freunde für München 2018“. Freund Pierre Brice, Freundschaftsband, Freundin Maria Riesch. (c) München 2018

Der Schwachsinn im Original, Zitat aus einer so genannten Pressemitteilung der Olympia GmbH:

Pierre Brice ist der dritte stolze Besitzer eines PROlympia Freundschaftsbandes von Maria Riesch. Vor der großartigen Kulisse des Olympia-Skistadions in ihrem Heimatort Garmisch-Partenkirchen übergab Maria Riesch das Band mit der Aufschrift „PROlympia – Marias Freunde für München 2018“ an ihren Freund Pierre Brice.

Pierre Brice, den man mit der Figur des Apachen-Häuptlings Winnetou verbindet, ist nach Thomas Gottschalk und Reinhold Beckmann der dritte prominente Freund von Maria Riesch, dem sie bisher ein PROlympia Freundschaftsband überreicht hat. „In den Winnetou-Filmen galt die Blutsbrüderschaft als Zeichen der Freundschaft. Weniger schmerzhaft und deutlich sichtbarer ist mein Freundschaftsband, das die Unterstützung und Verbundenheit zu der Bewerbung Münchens und Garmisch-Partenkirchens um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 signalisiert“, meint Maria Riesch, München 2018 Sport-Botschafterin.

Aus gegebenem Anlass – gestern haben sich die Münchner Grünen gegen eine Olympiabewerbung ausgesprochen (Links dazu hier), morgen stehen Rudimente des Bid Books in diversen Gremien zur Abstimmung – einige Lesebefehle, auch wenn ich mich wiederhole:

Sämtliche Beiträge – mit tausenden Links – die hier zur Bewerbung veröffentlicht wurden: München, die Opposition und die Frage der Transparenz

Interessant war gestern die Erklärung der Jungen Union, Kreisverband Garmisch-Partenkirchen, gegen die Olympiabewerbung. Interessant auch deshalb, weil vor drei Wochen, als ich auf Einladung der Jungen Union in GAP an einer Diskussionsrunde teilnehmen durfte (disclosure), am Ende der zweistündigen Debatte im prall gefüllten Wirtshaus jemand die Frage stellte: Was hält eigentlich die Jugend von der Bewerbung? Nun, ein Teil der bayerischen Jugend sagt (Auszug aus der Pressemitteilung):

Junge Union fordert NEIN zu Olympia 2018!

Der Kreisverband der Jungen Union Garmisch-Partenkirchen fordert die Gemeinderäte auf, am 06. Oktober mit NEIN gegen Olympia 2018 zu stimmen!

  • 1. Die Jugend muss die Zeche zahlen!

Für eine nachhaltig positive Entwicklung Garmisch-Partenkirchens ist es entscheidend, dass die Marktgemeinde die horrenden Schulden in Höhe von ca. 115 Millionen Euro schnellstmöglich tilgt. Durch die Planungen im Bereich des NON-OCOG Budgets (Infrastrukturbudget), in Höhe von ca. 7,37 Millionen Euro und zusätzlich durch den Ankauf des Aurelis Geländes (sicherlich im zweistelligen Millionenbereich) und den Umbau des Kongresshauses, muss die Gemeinde jedoch erneut Kredite aufnehmen. Altlasten im Aurelis Gelände können diese Kosten zudem in die Höhe treiben. Inflation, Zinsaufwand und Abschreibungen sind darin nicht enthalten, obwohl diese langfristig die Liquidität des Ortes belasten werden und die realen Kosten in die Höhe treiben. Weitere Kostensteigerungen wurden nicht berücksichtigt.

Ein großes Risiko sind zudem unvorhersehbare Kosten, denn die Anforderungen an die Infrastruktur in Garmisch-Partenkirchen können sich bis 2018 erheblich ändern. (…) Das IOC kann durch den Host City Vertrag weitere Infrastrukturmaßnahmen fordern, die die Gemeinde umzusetzen und zu bezahlen hat, ohne dies ablehnen zu können. Die Erfahrung mit anderen Bewerbungen zeigt, dass dies geschehen wird. Eine Förderung des Freistaates von 60% reicht bei diesen Maßnahmen nicht aus, denn auch 40% sind zu viel für den überschuldeten Ort Garmisch-Partenkirchen. Die Zwangsverwaltung durch den Landkreis steht bereits heute vor der Tür.

Für Garmisch-Partenkirchen bedeutet die weitere Überschuldung zwangsläufig den Verkauf aller Grundstücke, die Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuer, die Entlassung von Gemeindemitarbeitern, die Streichung jeglicher Werbebudgets und der Verkauf von Zugspitzbahn und Gemeindewerke.

Dies geht langfristig zu Lasten der Jugend!

  • 2. Langfristige Entwicklung Garmisch-Partenkirchens in die falsche Richtung

Mit der Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 positioniert sich Garmisch- Partenkirchen langfristig (mind. 20-30 Jahre) in Richtung Wintersport. Prof. Dr. Thomas Bausch hat bereits 2009 im Landkreisentwicklungskonzept aufgezeigt, dass die Gemeinde vielmehr den Sommertourismus fördern sollte, der schon heute höhere Ankunfts- und Übernachtungszahlen aufweist, als der Wintertourismus und der durch eine Intensivierung des Wintersports Schaden nehmen würde. Der Klimawandel macht zudem deutlich, dass die Zukunft nicht im Wintertourismus liegen kann. Durch die Austragung der Winterspiele wird sich Garmisch-Partenkirchen in die falsche Richtung entwickeln und sich dabei langfristig binden.

  • 3. Keine Transparenz, trotz langfristiger Bindung!

Obwohl sich die Gemeinde langfristig (mind. 20-30 Jahre) mit diesem Projekt bindet, wurden die Planungen (Eckdatenpapier, Bid Book) nicht veröffentlicht. Die Gemeinderäte haben lediglich 7 Tage Zeit um sich durch die mehrere hundert Seiten dicken Planungen zu arbeiten und zudem die Zahlen und Aussagen zu hinterfragen. Die Bevölkerung wurde bis heute nicht gefragt, dies soll erst nach bindender Zustimmung des Gemeinderates geschehen.

Auch auf umliegende Gemeinden und den gesamten Landkreis hat Olympia 2018 Auswirkungen. Gerade verkehrstechnisch bedeuten die Spiele zwei Monate Ausnahmezustand für den gesamten Landkreis. Die Vertreter des Landkreises oder der umliegenden Gemeinden wurden aber nicht befragt oder in den Planungsprozess eingebunden.

  • 4. Die Meinung der Jugend

Obwohl immer die Rede davon ist, man veranstalte die Winterspiele für die Jugend, gab es nie eine Meinungsumfrage bei diesen. Als einziger politischer Jugendverband im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, mit rund 400 Mitgliedern, möchten wir einen Beitrag dazu leisten. Eine adäquate und unabhängige Bürgerbefragung muss folgen – gerade bei Jugendlichen, die die Folgen der Olympischen Spiele und die Langzeitfolgen mehr zu tragen haben als alle anderen.

  • 5. Schulden des Landes sind Schulden eines jeden Bürgers

Eine Kostenexplosion des NON-OCOG Budgets, wie sie in anderen Austragungsorten (z.B. Vancouver 2010 von 1,3 Mrd. $ auf 7,9 Mrd. $ oder London 2012 von 2,9 Mrd. € auf schon heute 10,4 Mrd. €) passiert ist, könnte den Freistaat mehrere Milliarden Euro kosten und damit überschulden. Aber auch ohne Kostenexplosion ist eine Investition des Freistaates von rund einer Milliarde Euro für sechs Wochen Olympische und Paralympische Spiele viel zu viel. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, wie z.B. bei dem Ausbau von Kindergärten und Schulen, der Anstellung weiterer Lehrer und der Förderung sozialer Projekte. Ein ausgeglichener, generationengerechter Haushalt rückt in weite Ferne!

Grundsätzlich gilt, die Jugend muss die Schulden zahlen!

Axel_K #1

Die nächsten Freundschaftsbänder gehen übrigens an Dieter Hallervorden und Harald Juhnke, der extra aus diesem Anlass wieder ausgegraben wird.

Wird das nicht langsam ein Fall für den Rechnungshof? Immerhin werden hier wieder Steuergelder und Sponsorenmittel von Staatsunternehmen eingesetzt, um wahllos irgendwelche Leute nach Garmisch zu karren und um die PR-Leute zu bezahlen, die sich den Unsinn ausdenken. Ist das eigentlich eine externe Agentur oder kommen diese Geniestreiche von festangestellten PR-Mitarbeitern?

Dirk #2

Also die Kritik an der PR, an der Olympiabewerbung und ähnliches kann ich ja nachvollziehen und der stimme ich auch zu, aber warum werden hier auch so polemisch Wintersportarten diskreditiert und die Sportförderung der Bundeswehr? Gerade letzteres finde ich eine gute Sache, sonst gäbe es in Deutschland nämlich viele Athleten in den zahllosen Randsportarten nicht. Und ob man jetzt Biathlon toll findet oder 400-Meter-im-Kreis-Rennen (das kann man nämlich mit sehr vielen Sportarten machen), kann von mir aus jeder halten wie er will. Ich finde, diese polemischen Aussagen haben den Artikel verschlechert. Schade, wo er doch sonst inhaltlich gut war.

Ralf #3

@ Dirk:

Die Infrastruktur fürs „Eisrinnen-Bergabrasen“ ist eben unwesentlich teurer als diejenige fürs „400-Meter-im-Kreis-Rennen“. Wieso brauchen wir als einziges Land dieser Welt eigentlich vier dieser Rinnen?

Patrick #4

@Dirk
Gelegentliches Polemisieren gehört beim Hausherren manchmal dazu, kann man vielleicht unter künstlerischer Freiheit verbuchen und niemand ist vollkommen ;-)

@Ralf
Wegen der WOK-WM.

Jens Weinreich #5

@ Patrick, Dirk: Jetzt mal ganz ohne Polemik. Ich habe immer gesagt, dass die Wok-WM für mich keinen geringeren Stellenwert hat als eine Rodel-WM.

B.Schuss #6

@Axel_K: Jopi Heesters nicht vergessen, der kriegt sicher auch eins. ^^

Stefan #7

Wird das nicht langsam ein Fall für den Rechnungshof?

In diesem Fall nicht, denn die Freunschaftsbänder werden kostengünstig aus Gold-Katis alten Olympia-Kostümen genäht, und die haben schon viel Schlimmeres gesehen als Brices faltiges Handgelenk.
Schon die Organisatoren von Sidney und Vancouver haben sich der Unterstützung der Ureinwohner versichert, und wenns bei den Bergbauern schon nicht klappt, gräbt man halt diesen Klappstuhl wieder aus.

Maximilian Heckel #8

Guten Tag Herr Weinreich !
eigentlich wollte ich mir ja jegliche Kommentare auf diesem infantilen Blog verkneifen – aber manchmal gehts halt nicht anders.

Diese Beiträge wie oben und die relativ unspaßigen Anmerkungen sind genau das, was man nicht braucht. Grund: Es führt zu nix.

Ich werde Sie, lieber Herr Weinreich als nächstes für dieses Freundschaftband vorschlagen. Sie passen wirklich hervorragend in die vorgeschlagene Reihe Hesters und Hallervorden und eine Weinreich-WM im Stellenwert einer Rodel-WM, das ist es auf das die Welt noch wartet.

Otto #9

Mein subjektiver Eindruck vor Ort in GAP ist, dass sich viele Junge Leute schon seit geraumer Zeit mit der Mega-Veranstaltung nicht anfreunden können. Nicht repräsentativ aber ein Fingerzeig: Bei einer Olympiadebatte in einer Klasse eines örtlichen Gymnasiums sprachen sich – nach Aussage der Lehrerin – etwa 2/3 gegen das Event und 1/3 dafür aus – unentschlossen war dort fast niemand (das liegt allerdings etwa 3 Monate zurück).

Die Gasthaus-Podiumsdikussion der Kreis-JU sollte Gelegenheit geben, die wesentlichen Vor- und Nachteile von beiden Seiten zusammengefasst zu hören um sich eine Meinung bilden zu können. Die Bewerbungsgesellschaft bot außer allgemeiner Phrasen nichts. Wenn nicht am gleichen Tag die Verständigung des Vertreters der Interessengruppe Grasegger mit Minister Schneider stattgefunden und von Grasegger öffentlich verlautbart worden wäre, dann wäre der Abend wahrscheinlich – zum Schaden der Bewerbung – total entgleist. Der Vorsitzende der Garmischer JU gab ganz am Schluss sein persönliches Startement (das Jens oben anspricht) – er hatte aber kein „Mandat“, für den gesamten Ortsverband zu sprechen.

Die Vorstandschaften der JU (GAP und Kreis) haben sich dann am vergangenen Samstag in einer Sitzung über den aktuellen Stand beraten – der nun ja nochmals erhebliche Änderungen (aus Garmischer Sicht durchaus Verbesserungen) erfahren hat – und sind dabei dennoch zu dem Ergebnis gekommen, dass sie Olympia ablehnen.

Jens Weinreich #10

Oh, Max Heckel #8 mal wieder! Nett, von Ihnen zu hören. Hatte lange nicht mehr das Vergnügen.

hallolui #11

Annecy sollte sich vorsehen. Jetzt wirbt München 2018 schon Franzosen als Unterstützer ab.

Ralf #12
Dirk #13

@Jens (zu #5)

Ich werde den Eindruck nicht los, du magst Winterspiele nicht. Sei dir zugestanden, ich mag Rodeln o.ä. ja auch nicht (Sportarten, wo Millisekunden entscheiden und ich nichts mit dem bloßen Auge erkennen kann, sind mir irgendwie zuwieder. Dann doch lieber Fussball, da weiß ich ob der Ball drin war oder nicht, zumindest meistens.). Aber ich dachte immer, Sportjournalisten mögen alle Sportarten. Wieder was gelernt :)

Ralf #14

Bernhard Hübner in der taz: Grüne für und gegen Olympia

Schubi #15

Ich glaube ich verstehe Sie, Herrn Weinreich, ganz gut. Denn bei so vielen Unstimmigkeiten und Verschleierungen in der Bewerbung kann einem manchmal (sehr oft?) der Hut an die Decke gehen. Gerade, wo es doch nachweislich (siehe ehemalige Olympiastätte wie Vancouver) um Millionen/Milliarden unserer Steuergelder geht. Und dass man dann sprachlich ein wenig auf den Putz haut und provoziert ist ok. Finde ich zumindest.
[Off topic: Heute wird eh viel zu viel hingenommen und abgenickt à la „betrifft mich nicht, also: egal“.]

JW #17

@ Schubi: Die letzte Bemerkung war doch gar nicht off-topic. Olympia, S21, HRE – wo ist da der Unterschied? Diejenigen, die die Zeche zahlen, sollten sich stärker einmischen. Und Journalisten werden dafür bezahlt, Öffentlichkeit herzustellen.

sternburg #18

Ichb habe gerade eine ganze Weile gebraucht, um nicht PR-Olympia zu lesen, sondern das Mörderwortspiel PRO-Olympia. Ist „PR-Olympia“ Absicht, willkommene/ unwillkommene Zweideutigkeit oder ein Versehen der Benamung, weiß das jemand?

Maximilian Heckel #19

Natürlich war die Abstimmung im Münchner Stadtrat keine Zereißprobe. 75 der 81 Räte haben zugestimmt. In Garmisch wirds ähnlich aussehen.

Nochmal zu der PR-Aktion mit Risch und Co… Das das wirklicher Schwachsinn ist, da sind wir uns wirklich alle einig. Manchmal hat man wirklich schon den Glauben, daß man sich mit solchen Aktionen der Nolympia-Bewegung angleicht, wenn nicht sogar überbietet.

Johan Petersen #20

Infantil, debil, senil – alles eine Kajüte. Fehlt nur noch das große Indianer-Ehrenwort des IOCs, dass mal kein Doping gibt. Pierre kann das bestimmt vermitteln.

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