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Aus dem Maschinenraum (III)
8. Juni 2010, 20:44 - zuletzt bearbeitet: 8. Juni 2010, 20:55 - 25 kommentareIch habe jetzt das alte Layout wieder hergestellt. Sepp als Hintergrundfoto ist verschwunden. cf hat sich redlich Mühe gegeben mit einigen WM-Layout-Varianten, die ich auf verschiedenen Browsern und Devices (Chrome, FF, Safari, Laptop, iPhone, iPad) bestens lesen kann und auch ganz nett finde. Dennoch, besonders der vorerst letzte Kommentar zu diesem Thema hat mich überzeugt. Regel Nummer eins: Usability ist alles. Man muss es auch sehen und lesen können, was ich hier fabriziere, man muss den Diskussionen folgen können. Und weil Microsoft bzw. der IE, der nun mal mehrheitsfähig ist, da nicht mitspielt, lassen wir das sein. Bis zum nächsten Versuch.
(Und den Facebook-Like-Button habe ich auch gleich abgeschafft.)
Südafrika, Tag 4: Der Heilige Sepp
20:22 - zuletzt bearbeitet: 8. Juni 2010, 21:00 - 13 kommentareJOHANNESBURG. Darf ich vorstellen: Der Weltmeister. Joseph Sepp Blatter, 74, auf dem Gipfel des Ruhms, bei einem von einem Dutzend Freundschaftsfotos auf einem Fußweg von zwanzig Metern, den er gerade gemeistert hat, um zum nächsten wichtigen Termin zu sausen. Ich weiß gar nicht, welchen Orden er heute empfängt, hat er nicht schon alle?

Ruhm, darf ich diese Vokabel benutzen? “Ich lege mich einfach mal fest”, so wie TV-Reporter beim Fünfnull drei Minuten vor Schluss formulieren: Sollte ihm nicht Eyjafjallajökull die Schau stehlen und mit neuerlichen Aschewolken sogar ganz Südafrika lahmlegen, wird diese WM ein emotionaler Kracher und Sepp in den Olymp befördern. Da braut sich etwas zusammen, und es wird sich zunächst am Freitag entladen in Gebrüll und Tränen und Gänsehaut, wenn Nelson Mandela zur Eröffnungsfeier ins Stadion kommt.
Keine Angst, ich bleibe bei der sportpolitischen Beschreibung und werde mich nicht an einem Besinnungsaufsatz über die Bedeutung dieser WM für Südafrika versuchen. Das sollen, beispielsweise, die Korrespondenten übernehmen, die schon lange hier leben. Ich habe da so eine drittklassige Bildung aus Film und Fernsehen vor allem, habe einiges gelesen, habe vor einigen Monaten auf Robben Island natürlich nicht nur die Propaganda der FIFA beschreiben wollen, sondern war selbstverständlich auch ergriffen. Das eine schließt das andere nicht aus, finde ich. Kann mich noch gut an die TV-Übertragung erinnern, als Mandela Präsident wurde. Was für ein Tag. Oft aber sind es kleine Momente, die einem mehr geben, als ganz große. Vorhin zum Beispiel, als wir durchs Township Tembisa fuhren und Sello, der 31jährige Taxifahrer mit größter Ehrfurcht von “Mr. Nelson Mandela” erzählte, da war nichts inszeniert. Es wird noch viele solcher Momente geben. So wie ich gerade vor einem Jahr, als ich eine Woche durchs Land touren durfte, Journalisten-Seminare über die FIFA gab und Tag und Nacht diskutierte, vor allem viel erfahren habe über das, was in diesem Land eben nicht läuft und was durchaus in einer mittleren Katastrophe enden könnte. Die Fußball-WM wird, bei aller Emotionalität, diese Probleme nicht lösen.
Mandela kommt also am Freitag. Das war ein ganz wichtiger Deal für Sepp. Ich traf ihn gerade am FIFA Club in der ersten Etage des Michelangelo Hotels. Sepp ist nichts als glücklich und zufrieden, und grinste mich mit seinem unvergleichlichen Sepp-Grinsen an. “Sehen Sie?” Typische Wort aus seinem Mund. Sehen Sie! Schauen Sie! Sie waren Zeuge, als … das hat er mir schon öfter gesagt, wenn es die Bilder und Szenen in seinem Sinne zu würdigen galt. Eben zum Beispiel hat er Mohamed Bin Hammam umarmt, demonstrativ.
Bin Hammam war der vorerst letzte in der langen Reihe der Herausforderer, die auf eine Sepp genehme Größe zurechtgestutzt wurden. Das hat viele Gründe, etliche wurden hier ausführlich besprochen. Fürs erste hat sich Sepp durchgesetzt, wird im kommenden Jahr bis 2015 als Präsident verlängern. Das geht schon in Ordnung. Er ist ein gerissener, aber auch ein angenehmer Gegner. Ich werde ihn in den kommenden Wochen dennoch weiter piesacken.
P.S. Was ich endlich mal los werden wollte, weil doch einige FIFA-Bedienstete mitlesen und ich mich gerade die Tage oft in Gesprächen mit Blauanzugsträgern gegen den Vorwurf verteidigen musste, ich würde immer nur alles runtermachen, was die FIFA so produziert und macht und tut und unermüdlich erschuftet. Ach Gottchen. Wenn es wichtig ist, gern sei auch das gesagt: Mich interessieren eigentlich nur die Großen, ganz ehrlich. Damit habe ich genug zu tun, Mann kriegt sie ja dummerweise kaum zu fassen. Die Kleinen lasse ich laufen :)
Und dass ich es für eine grandiose und gute Idee von Sepp hielt, die WM nach Südafrika zu holen, habe ich oft genug gesagt, seit mehr als zehn Jahren. Ich glaube sogar, damit schafft er sich sein Vermächtnis unter den ganz großen Sportfunktionären. Ich weiß, wie sehr er das Wort Funktionär hasst. “Funktionäre funktionieren”, pflegt er zu sagen: “ich aber funktioniere nicht. Ich gestalte.”
Südafrika, Tag 3: “the internet is down in the whole building”
7. Juni 2010, 18:02 - zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2010, 18:25 - 7 kommentareJOHANNESBURG. Es wird eine aufregende WM. Eine lustige WM. Eine spannende WM. Eine ärgerliche WM. Eine großartige WM. Keine Frage. Ich weiß nur noch nicht, ob alles, was zu berichten wäre, auch einigermaßen zeitnah berichtet werden kann – zum Beispiel hier im Blog. Okay, das ist Afrika, und keine Sorge, ich werde kein plumpes Afrika-Bashing betreiben, nur weil die Netzverbindungen am anderen Ende der Welt nicht sonderlich stabil sind. Im Sandton Sun Hotel, wo heute Mittag eine Pressekonferenz des Großen Vorsitzenden stattfand, gab es überhaupt keine Verbindung. “The internet is down in the whole building”, sagte eine reichlich verzweifelte FIFA-Mitarbeiterin. Bin echt gespannt, wie das wird, wenn die Tausendschaften Journalisten erst eingeritten sind und in den Stadien dann mit zehntausenden Fans die UMTS und WLAN-Netze besetzen. Ich ahne, was passiert. Das hatte vor vier Jahren in Deutschland schon einige Probleme gegeben. (Die UMTS-Karte, angeblich G3, die ich gekauft habe, liefert derzeit rund 1-2 kb. kb, ja, nicht die versprochenen bis zu 7 MB. Fürchte, muss auch diese Karte abschreiben, just in case, das Finanzamt liest mit, und mir die nächste kaufen.)
Er sei ziemlich genervt, sagt Kollege C. gerade, der in einem Café im FIFA-Hotel Michelangelo Towers (mein Zweitquartier in diesen Wochen) neben mir sitzt. Hier funktioniert WLAN, muss man schon sagen. Bin Hammam verschwindet gerade im Aufzug, Platini talkt mit Chung, sie kommen jetzt alle – Leoz, Teixeira, d’Hooghe, Mutko, Jack, Hayatou, später auch Franz und Fedor und Lennart -, denn es geht zum Essen. Ein langjähriger FIFA-Berater raunt mir soeben zu: “Sie sitzen hier unten falsch, oben müssen Sie sitzen!” Stimmt. Nur oben, in der größeren Lobby und an der Bar habe ich kein WLAN. Mann kann halt nicht alles haben.
Der Kollege C. zum Beispiel kann seine Emails nicht auf dem Handy empfangen, was für Tech-Junkies natürlich sehr dämlich ist. Zudem war er gestern auf dem Weg zum FIFA-Schiedsrichter-Workshop kurzzeitig verschollen. Nach stundenlanger Irrfahrt trat er die Heimreise nach Sandton an. Schätze, es wird viele derartiger Geschichten geben – ein buntes Sammelsurium, hoffentlich nur bunt.
Ich halte es einstweilen mit meinem Freund Sepp, der vorhin sagte:
We are in South Africa, in the best organised country in the whole african continent. You may face problems, I ask for your understanding.
Kein Problem.
Was Joseph Blatter übrigens auch sagte: “Die Akte Triesman ist definitiv geschlossen!” Und zwar aus diesem einfachen, selbst mir einleuchtenden Grund:
As Lord Triesman has withdrawn from all his positions and functions in football, he is not a member of the Football Family anymore.
Wer nicht der Familie angehört, gegen den kann auch nicht mehr ermittelt werden. Die Ethikkommission, erklärte Sepp, ist schließlich nur für Problemfälle in der Familie zuständig, für nichts sonst.
Es gab übrigens eine Situation, in der sich unsere Blicke auf interessante Weise kreuzten. Als Blatter von einem Australier gefragt wurde, welche Regeln für die WM-Bewerber 2018/2022 gelten – etwa hier in Südafrika, wo man so einiges hört über Katars unglaubliche Offerten -, grinste er und sagte:
Regeln? Haben wir überhaupt welche?
Ich fand, er kam der Wahrheit sehr nah.
Habe gestern an einer Bar übrigens noch eine Weile mit dem WM-Hospitality-Chef Enrique Byrom geschwätzt. Einen Extrakt des Gesprächs versuchte ich heute in einen Artikel zu packen, den ich Zeitungen angeboten habe, der aber nach der Internet-Konfusion zu wünschen übrig ließ. Sepp würde sagen: “You may face problems, I ask for your understanding.”
Südafrika, Tag 2: on the road
6. Juni 2010, 20:18 - zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2010, 18:56 - 6 kommentareJOHANNESBURG. Zum Zwischenfall des Tages, der Massenpanik beim Test zwischen Nigeria und Nordkorea in Johannesburg, gibt die FIFA, die wieder einmal unter Druck geraten war, gerade diese Erklärung ab:
FIFA and the Organising Committee (OC) of the 2010 FIFA World Cup have been informed by the South African Police Services (SAPS) about the incidents which have taken place today, 6 June 2010, on the occasion of the friendly match between Nigeria and Korea DPR played in Ekurhuleni, Johannesburg.
FIFA and the OC would like to first wish a prompt recovery to those who have been affected by these incidents. In addition, FIFA and the OC would like to reiterate that this friendly match has no relation whatsoever with the operational organisation of the 2010 FIFA World Cup, for which we remain fully confident. Contrary to some media reports, FIFA had nothing to do with the ticketing of this game.
Ich kann dazu gar nichts sagen, war weit weg heute. Auch für mich war es ein Scheiß-Tag, ehrlich gesagt. Außer Spesen nix gewesen, und eben im Deutschlandfunk-Gespräch musste auch noch unterbrochen werden, weil mich niemand verstehen konnte. Die Telefonleitungen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Heute eine Weltreise zur Soccer-City und zur Akkreditierung unternommen. Wenn ich schon nichts zu sagen habe, hier wenigstens der Beweis, dass ich rote afrikanische Erde betreten habe.

Den Termin mit Blatter und Jacob Zuma in Pretoria habe ich leider nicht geschafft. Ich wusste gar nicht, dass Sepp der höchste südafrikanische Orden noch fehlt, der Order of the Companions of OR Tambo. Wird am Montag nachgeholt, er muss seine Ordenliste also aktualisieren.
Ewig im Taxi, dann auch noch eine zweite Weltreise nach Kievits Kroon hinter Pretoria (von Joburg aus gesehen), wo die WM-Schiedsrichter logieren. Der FIFA-Verantwortliche für die Referees wollte mir nicht einmal ins Aufnahmegerät sagen, warum er eigentlich nicht berechtigt ist, mit mir zu sprechen. Dabei hatte ich noch nicht mal nach Wettbetrug und Schiedsrichter-Beeinflussung und Lord Triesman gefragt – er wusste es irgendwie. Sportkamerad Urs Honauer ist einfach nur unfreundlich und offenbar auch unprofessionell, finde ich. Denn wo ist das Problem, auf Fragen zu antworten, wenn man schon Journalisten einlädt und ja im FIFA-Verantwortungsbereich immer alles bestens erledigt wird? Honauer verwies auf Pekka Odriozola, den amtierenden Mediendirektor. Der war aber in Johannesburg, eine Stunde entfernt, und dort schwer beschäftigt (s. o.).
Tut mir leid, aber Transparenz im Umgang mit Problemen, über die alle Welt spricht, sieht anders aus.
Die Schiedsrichter haben übrigens kein Problem, darüber zu reden, wenn sie schon mal mit Journalisten zusammengebracht werden. Wolfgang Stark sagte mir zum Beispiel, dass weder in diesen Tagen im FIFA-Camp in Pretoria noch in den vergangenen Monaten die Schiris unterrichtet worden sind.
“Über dieses spezielle Thema wurde eigentlich nicht gesprochen. Denn ich denke mal, dass es eine Grundvoraussetzung sein muss für jeden Schiedsrichter, dass er nicht nur im Sinne des Fairplays die Spiele über die Bühne bringen muss, sondern dass auch der Schiedsrichter Fairplay beinhaltet. Und ich denke mal, die FIFA hat da schon ganz genau hingesehen, welche Leute sie in dieses Programm aufgenommen haben, und somit hat die FIFA von vornherein diese Thematik ausgeschlossn.”
Der Schweizer WM-Schiedsrichter Massimo Bucassa Busacca sagte mir:
”Nein, wir haben nicht über diese Themen gesprochen. Ich bin hundert Prozent sicher, wir werden nicht einmal ein kleines Problem haben. Ich habe nicht mehr Worte. Wir sind nur positiv und in einer Phase, wo wir nur genießen wollen.”
Ricardo Teixeira und seine Kollegen aus der Schiedsrichter-Kommission traf ich leider nicht. Und nun werde mich zu den Gutmenschen ins FIFA-Hotel Michelangelo Towers begeben.

Grüße aus Usbekistan und Südamerika: die Schiedsrichter der ersten sechzehn WM-Spiele
5. Juni 2010, 22:24 - zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2010, 23:04 - 15 kommentareJOHANNESBURG. Soeben hat die Fedération Internationale de Football Association (FIFA) die Schiedsrichterteams für die ersten sechzehn Spiele bekannt gegeben. Das Eröffnungsspiel leitet also der Sportkamerad Rawschan Irmatow aus Usbekistan. Im ersten Viertel der WM-Begegnungen dabei: Zweimal Mexiko, Brasilien, Chile, Argentinien, Uruguay – und die Seychellen. Fünfmal Europa, darunter Wolfgang Stark (DFB) und Howard Webb (England)
- Hier die komplette Liste der FIFA
Ich weiß, ich sehe Gespenster, und es ist sicher total ungerecht, aber ich habe da so ein komisches Gefühl. Tut mir leid, aber ich fühle mich da sehr an die Aussagen von Lord Triesman erinnert, die der kürzlich (unwissentlich) zu Protokoll gegeben hat, von denen er aber später nichts mehr wissen wollte:
‘My assumption is that the Latin Americans, although they’ve not said so, will vote for Spain. And if Spain drop out, because Spain are looking for help from the Russians to help bribe the referees in the World Cup, their votes may then switch to Russia.’
At this point, Miss Jacobs asks: ‘Would Russia help them with that?’
Lord Triesman: ‘Oh, I think Russia will cut deals.’
Miss Jacobs: ‘Why will Russia help? Are Russia in the World Cup?’
Lord Triesman: ‘No, they’re not.’
Miss Jacobs: ‘Oh no they’re not, they’ve got nothing to lose?’
Lord Triesman: ‘Absolutely nothing at all to lose. Exactly.’
Ich behaupte überhaupt nichts. Ich sage nur, dass es manchmal Dinge gibt, die miteinander zusammenhängen. Oder anders herum: Nicht alles, was passiert in diesem oder in einem anderen Leben, geschieht völlig zusammenhangslos.
Ich hätte mir andere Schiedsrichter-Ansetzungen vorstellen können. Jedenfalls, die berüchtigsten Sportkameraden aus dem totaldemokratischen Wunderland Usbekistan heißen: Alimsan Tochtachunow, den Blatter trifft und sich offiziell nicht daran erinnert, Alisher Usmanow und Gafour Rachimow. Allein diese Aufzählung sollte reichen, um gesundes Misstrauen zu hegen.
Kürzlich habe ich in einem Beitrag für den Deutschlandfunk gedichtet:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Im Magazin der Badischen Zeitung habe ich ebenfalls an die Zusammensetzung der FIFA-Schiedsrichterkommission erinnert:
Selbst die von Triesman erwähnte Beeinflussung der WM-Schiedsrichter 2010 scheint nicht aus der Luft gegriffen, wenngleich es für die These keine Beweise gibt. Allerdings sitzen in der von Spaniens Verbandschef Ángel María Villar Llona geleiteten Fifa-Schiedsrichterkommission einige Gestalten, die kaum für Seriosität bürgen: Zur Kommission gehört etwa der Pole Michal Listkiewicz, daheim als ehemaliger Verbandschef für Korruption, Schiedsrichterbestechung und etliche anderer Skandale mitverantwortlich (Ich sage: “mitverantwortlich”, das ist er als Verbands-Präsident automatisch, ohne dass ich sage, er persönlich sei korrupt). Blatter hat Listkiewicz stets gestützt – über ihn lernte er einst seine langjährige Geliebte Ilona Boguska kennen. Noch so eine Familienbande.
Vizechef der Schiedsrichterkommission ist Brasiliens Verbandpräsident Ricardo Teixeira, ehemals Schwiegersohn des Fifa-Ehrenpräsidenten Havelange. Auch Teixeira gehört zum Exekutivkomitee. Seine Vergehen sind Legende, allein die parlamentarischen Untersuchungsberichte über das Verschwinden Dutzender Millionen Dollar füllen tausend Seiten Akten (hier finden sich die Links dazu und eine Grafik, die zeigt, wie er mal flink Millionen macht). Obgleich Teixeiras Mitwirkung an dubiosen Finanztransaktionen bestens dokumentiert ist, wurde er von seinen Freunden in der Politik rausgepaukt, etwa von Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula.
Ich lese also die Ansetzungen der ersten sechzehn WM-Spiele und schaue mir die Zusammensetzung der FIFA-Refereekommission an – und mache mir so meine Gedanken. Aber sicher völlig unbegründet, denn in Sepps Reich geschehen unter Mitverantwortung von Ricardo Teixeira bestimmt auch Zufälle.
Kleiner Nachtrag zum Thema Teixeira und Schiedsrichter. Für unser Buch “Das Milliardenspiel” haben Thomas Kistner und ich vor vielen Jahren mal diese Passage gedichtet, eine Summary nur, allein die Schiedsrichter-Nummern im brasilianischen Fußball, den Teixeira beherrscht und auch von der WM 2014 profitieren darf, geben Stoff genug für Fortsetzungsromane:
Faule Tricks wie diese gehören zum Grundrepertoire des umtriebigen Eidams Ricardo Texeira. Als er 1997 erfuhr, daß Pelé, mittlerweile zum brasilianischen Sportminister ernannt, ein Gesetz plane, das eine Umwandlung der Fußballklubs in Kapitalgesellschaften ermöglichen soll und deren Kontrolle durch eine unabhängige Komission vorsieht, reagierte er konsequent. Das Gesetz lief ja schnurstracks auf eine Entmachtung seines Verbandes hinaus. Also eröffnete Teixeira, statt den Diskurs mit dem Sportminister zu suchen, ein luxuriöses Verbandsbüro in der Hauptstadt Brasilia, um Lobby zu machen. Auch dies erfuhr Pelé nur zufällig bei einer Begegnung mit einem Kongreßabgeordneten: “Der erzählte mir, der CBF habe alle Abgeordneten aus Minas Gerais zum Abendessen eingeladen.” Bei den rauschenden Empfängen am neuen CBF-Sitz hatte es keinen Mangel an Speis und Trank, auch nicht an netten Damen. Denn in angenehmer, entspannter Atmosphäre lassen sich Problemchen und Sorgenfälle der Sportpolitik viel gründlicher lösen. Das weiß so mancher alter Fahrensmann in der internationalen Sportpolitik.
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Südafrika, Tag 1: Ashdown House
14:03 - zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2010, 22:47 - 42 kommentareJOHANNESBURG. So, ab heute wird WM gebloggt. Das volle Programm, fünf Wochen lang in der Tradition der 24/7-Aktionen aus Peking und Vancouver. Wollen wir doch mal sehen, ob der Mix aus Hintergrund und Unterhaltung diesmal gelingt. Habe große Lust und freue mich darauf. Kein Witz: Hier draußen tröten jetzt schon Vuvuzelas.
Die üblichen Verdächtigen schauen in den kommenden Wochen hier regelmäßig vorbei bzw. tauchen sie in den Beiträgen auf: Allen voran mein Freund Sepp und dessen Sippschaft (Don Julio, Jack, Chuck, Franz, Ricardo), der sehr geschätzte JMW, aber auch die Herren G. und L., diesmal sogar der Herr C. und endlich mal wieder der Herr M. Es wird also auch darum gehen, wie Journalisten bei einem solchen Mega-Event arbeiten, wie sie recherchieren, was sie erfassen können von so einer Veranstaltung und also darum: Warum ich wie welchen Unsinn verzapfe.
Einfallslos und langweilig, wie ich bin, mache ich immer dasselbe und werde mich auch in Südafrika auf jene Themen konzentrieren, die ich ständig bearbeite. Immer nah dran an der FIFA. Deshalb habe ich mich so nah wie möglich von Sandton City einquartiert, wo im vergangenen Jahr Sepp schon einmal Hof gehalten hatte. Erste Station bis zum Eröffnungsspiel ist das Ashdown Guest House in Bryanston, in das ich soeben eingecheckt bin. Sehr schön. Und (noch) billig. Weil sich das am kommenden Freitag ändert, werde ich umziehen.
WLAN ist vorhanden, nicht sehr schnell, aber akzeptabel. Außerdem habe ich mir Data-Cards für all die mobilen Devices zugelegt, 10 GB insgesamt Prepaid, das sollte reichen für fünf Wochen. Hier draußen ist G3 allerdings bescheiden – nur 56kb-Modemqualität, also aus dem zweiten Jahrtausend nach Christi Geburt. Mal sehen, wie es anderswo aussieht. Erstaunlicherweise bieten FIFA und OK in den Pressezentren und Stadien WLAN frei an. Bei Olympia ist das anders, da muss man stets etliche hundert Euro zahlen. Und dass das deutsche WM-OK vor vier Jahren so abgezockt hat wie kein anderer Ausrichter eines Mega-Events, mit dem ich je zu tun hatte, habe ich bereits einige Male beschrieben.
Wenn die Verbindungen also stehen, werde ich wohl etliche Male aus den Stadien bloggen, je nachdem, wie es sich mit aktuellen Texten arrangieren lässt, die ich für Auftraggeber schreibe. Spielberichte mache ich nicht grundsätzlich nicht, es gibt Ausnahmen. Bei einer Fußball-WM berechtigt eine Akkreditierung nur dazu, sich in Pressezentren aufzuhalten und ab und zu eine Sicherheitsschleuse zu passieren, aber nicht mal in den jeweiligen Stadien-Pressezentren, wenn man kein Match-Ticket hat. Denn für jeden Spieltag muss man sich gesondert um ein Match-Ticket bewerben (für den FIFA-Kongress kommende Woche war eine Extra-Akkreditierung nötig).
Derzeit hat mir die FIFA auf meine “Petition” hin, wie sie es nennen, dies zugestanden:
- Match # 1 / 11-Jun-10 / JOBURG / South Africa vs Mexico
Press Tribune Approved- Match # 3 / 12-Jun-10 / JOBURG / Argentina vs Nigeria
Press Tribune Approved- Match # 9 / 14-Jun-10 / JOBURG / Netherlands vs Denmark
Press Tribune Approved- Match # 14 / 15-Jun-10 / JOBURG / Brazil vs Korea DPR
Press Tribune Approved- Match # 17 / 16-Jun-10 / TSHWANE / South Africa vs Uruguay
Press Tribune Approved- Match # 20 / 17-Jun-10 / JOBURG / Argentina vs Korea Republic
Press Tribune Approved- Match # 22 / 18-Jun-10 / JOBURG / Slovenia vs USA
Press Tribune Approved- Match # 24 / 19-Jun-10 / RUSTENBURG / Ghana vs Australia
Press Tribune Approved- Match # 29 / 20-Jun-10 / JOBURG / Brazil vs Cote d Ivoire
Press Tribune Wait list- Match # 32 / 21-Jun-10 / JOBURG / Spain vs Honduras
Press Tribune Wait list- Match # 39 / 23-Jun-10 / JOBURG / Ghana vs Germany
Press Tribune Approved- Match # 41 / 24-Jun-10 / JOBURG / Slovakia vs Italy
Press Tribune Approved- Match # 45 / 25-Jun-10 / DURBAN / Portugal vs Brazil
Press Tribune Approved
Ich habe ausgewählt, was ohne großen Reisestress und weitere Kosten machbar ist und sich mit meinen hauptsächlichen Plänen verträgt. In der K.o.-Runde darf/muss man sich neu bewerben – ein Spiel pro Spieltag ist erlaubt. Mehr schafft ohnehin nur Sepp per Helikopter oder Privatjet.
Schlafen iss nicht, jetzt gehts nach Soweto zur Soccer City, die Akkreditierung abholen.
In der Zwischenzeit darf über das Layout diskutiert werden, die Diskussion über die von cf in unnachahmlich selbstloser und freundlicher gebastelten Varianten lief ja gestern schon an. Was gefällt mehr?
a) Seppwarhol – die volle Dröhnung

b) Südafrika-Flagge

c) WM-Logo

d) Soll etwa alles so bleiben wie bisher. Ohne WM-Schnickschnack?
e) Soll cf zum Leibeigenen werden und für jeden Tag ein neues Layout basteln?
Er hat die Varianten soweit angepasst, dass sie eigentlich in den meisten Browsern funktionieren sollten, sogar im IE, habe ich mir sagen lassen.
König der Tier
4. Juni 2010, 21:20 - zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2010, 21:20 - 10 kommentareIch springe gleich in den Flieger von München nach Johannesburg, zusammen mit der koreanischen Nationalmannschaft. Der südkoreanischen, schade, hätte viel lieber die Nordkoreaner getroffen. Egal, ab in die Nacht. Und für alle Daheimgebliebenen: eine gepflegte Elftonmusik.
Minister Jack Warner oder: “a brilliant piece of ass kissing”
12:06 - zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2010, 12:08 - 12 kommentareStimmen wir uns weiter ein auf die Fußball-WM. Was ich zu sagen vergaß (wie so vieles in den vergangenen Wochen): Mein spezieller Freund Jack Austin Warner, der sehr ehrenwerte FIFA-Vizepräsident und UNC-Chairman, war bei den Wahlen daheim auf Trinidad & Tobago nicht ganz unerfolgreich. Jack wurde unter Premier Kamla Persad Bissessar, dessen Website leider gerade offline ist, sogar als Arbeits- und Transportminister für vereidigt.
Glückwunsch! Und: Heißa, was locken da für krumme Geschäfte! Ein perfekter Job. Zur Erinnerung:
Es ist schon erstaunlich, wie oft gerade englische Insiderdienste in den vergangenen Tagen über Jack Warner berichtet und ihn geradezu zum Helden stilisiert haben. Das mag damit zusammenhängen, dass viele englische Fußballreporter und sogar sportpolitische Reporter über die Enthüllung der Mail on Sunday in Sachen Triesman gar nicht amused waren. Sie wollen sich halt nicht Englands Chancen auf die WM 2018 zunichte machen lassen. Warner spielt dabei wie so oft eine entscheidende Rolle, und deshalb schleimt sich ganz England an ihn ran, Funktionäre, Politiker, Journalisten. Ich nehme mal einen Kommentar auf, den ich unter einem dämlichen Artikel im Trinidad and Tobago Guardian gefunden habe, “The amazing Jack Warner”. Da hieß es schlicht und richtig:
A brilliant piece of ass kissing.
Ich freue mich schon, Jack am Wochenende in Johannesburg zu sehen.
(Was ich in den kommenden fünf Wochen vorhabe in Südafrika, im Blog und überhaupt, darf man dann auch am Wochenende hier lesen – nebst einer Kontonummer :)
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Vier Sätze für den Journalismus …
2. Juni 2010, 17:59 - zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010, 18:01 - 24 kommentareDirk von Gehlen bittet in seinem Blog Digitale Notizen darum, vier Halbsätze zum modernen Journalismus zu vervollständigen. Einige Kollegen haben das bereits getan. Mir fällt es wie immer schwer, mich kurz zu fassen, jede Antwort erfordert eigentlich 10.000 Zeichen, aber ich habe es wenigstens versucht:
1.) Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen:
… bloggen, also im Dialog zu kommunizieren, nicht nur Genres, sondern auch verschiedene mediale Darstellungsformen professionell anzuwenden und seinen Schaffensprozess so transparent wie möglich zu gestalten, um Vertrauen aufzubauen und die Umstände seiner Arbeit in die Debatte einzubringen, und natürlich seine Fehler einzugestehen und öffentlich zu korrigieren – übrigens wären Ausdauer und Fachwissen auch nicht schlecht.
2.) Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn …
… die Kommentarspalten nicht nachts und am Wochenende geschlossen werden, wenn Journalisten ihre Thesen auch mit nachprüfbaren Quellen belegen (Links! Dokumente!), wirklich mit ihren potenziellen Kunden kommunizieren, deren Kompetenzen anerkennen und Expertise erschließen.
3.) In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte …
… viele so genannte Qualitätsjournalisten den Unsinn verbreiten, das Internet sei ein rechtsfreier Raum; dass sträflich vernachlässigt wird, dass Journalismus mehr ist, als Unterhaltung; dass Journalisten sich eigentlich immer dort tummeln sollten, wo es weh tut; dass Journalisten Transparenz herzustellen haben und stets kraftvoll zubeißen müssen.
4.) So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen:
… hoffentlich so wie hier – nur viel besser.
Verzeihung, das waren dann doch einige unmögliche Bandwurmsätze.
Da das nicht alle Journalisten wissen: Auf Rivva lassen sich die Reaktionen auf von Gehlens Digitale Notizen trefflich verfolgen.
Die Zehn Gebote der FIFA
12:38 - zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010, 13:27 - 8 kommentareDie Zehn Gebote der Fédération Internationale de Football (FIFA) haben mich schon immer amüsiert. Voilà:

Inzwischen hat Sepp den FIFA-Slogan “For the Good of the Game” zwar geändert in ein bescheidenes: “For the Game. For the World.” Was tut er nicht alles für die Rettung der Welt:
“Wir müssen die Werte des Fußballs verteidigen gegen die Teufel, die es gibt. Wenn wir gegen die Dämonen kämpfen, müssen wir unsere eigenen Gesetze durchsetzen und nicht darauf warten, bis uns fremde Gerichte sagen, wo es lang geht.”
Mein alter Freund Andrew Jennings hat im Gespräch mit dem verdammt guten Filmemacher Albert Knechtel einmal mehr die Zehn Gebote der FIFA hinterfragt. Den Beitrag hat Arte gestern Abend gesendet, wobei mich wundert, dass keine neue, aktuelle FIFA-Dokumentation produziert wurde, sondern nur Andrews BBC-Film aus dem Jahr 2006 wiederholt wurde. Wenn nicht Arte, wer sonst? Da sind wir wieder beim alten Lied: Recherchejournalismus kostet. Man muss es sich auch etwas kosten lassen wollen.
Egal, soll diesmal nicht mein Thema sein. Hier also das 18-Minuten-Stück mit Andrew Jennings. Es geht um Themen, die den Stammgästen hier sehr vertraut sind. Um Jack’n Sepp, Stimmenkauf, den Friedensnobelpreis, den ISL-Bestechungsskandal, putzige Ethikkkommissionen und die Welt-Anti-Korruptions-Agentur (WACA).
Eine kleine Einstimmung auf die WM, die kommende Woche beginnt. Ich werde mich im Blog auch bald darauf einstimmen. Am Freitag geht der Flieger nach Johannesburg. Was ich in Südafrika und in diesem Theater plane? In Kürze mehr dazu.
Sepp soll natürlich zu Wort kommen – hier darf jeder seine Meinung sagen. Was immer Andrew an Argumenten aufführen mag, Sepp glaubt nicht, dass der Weltsport energischere Antikorruptionsmaßnahmen brauche, oder missverstehe ich ihn da?
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Lord Triesman sagt: alles nicht so gemeint!
28. Mai 2010, 16:51 - zuletzt bearbeitet: 28. Mai 2010, 16:51 - 17 kommentareDer Witz des Tages. Stellungnahme der so genannten FIFA-Ethikkommisison von vor wenigen Minuten. (Nichts anderes hatte ich erwartet.) Alles Paletti.
Bewerbungsverfahren für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022™
Stellungnahme von Lord Triesman
Der Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission, Claudio Sulser, hat die Vorwürfe untersucht, die Lord Triesman, ehemaliger Präsident des englischen Fussballverbands und des englischen Bewerbungskomitees für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™, vor Kurzem vorgebracht hatte.
Lord Triesman äusserte u. a. die Behauptung, dass Spanien die Bewerbung für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ zurückziehen könnte, wenn Mitbewerber Russland dabei helfe, diesen Sommer bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Südafrika Schiedsrichter zu bestechen.
Nach der Veröffentlichung dieser Aussagen bat die FIFA-Ethikkommission Lord Triesman und den englischen Fussballverband um eine Stellungnahme.
Gemäss den Aussagen beider Parteien gegenüber der FIFA sprach Lord Triesman bei einem Privatgespräch mit einer befreundeten Person, das – ohne sein Wissen – aufgezeichnet und dann einer britischen Zeitung zugesteckt wurde, von „Spekulationen unter Journalisten in Europa über Verschwörungen weltweit“.
In seinem Schreiben an die FIFA erklärte Lord Triesman, dass diese Mutmassung keine Anschuldigung seinerseits, sondern ihm als Privatperson zugetragen worden sei und weder dem englischen Fussballverband noch dem englischen Bewerbungskomitee für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ bekannt sei, was vom englischen Fussballverband bestätigt wurde.
Lord Triesman fügte an, dass die Spekulation weder seine Meinung noch diejenige des englischen Fussballverbands und des englischen Bewerbungskomitees für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ wiedergebe und die Kommentare, die in der britischen Zeitung abgedruckt worden seien, in keiner Weise ernst gemeint gewesen seien.
In ihren Schreiben an die FIFA sowie an die Fussballverbände Spaniens und Russlands entschuldigten sich der englische Fussballverband und das englische Bewerbungskomitee für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ in aller Form und äusserten ihr tiefes Bedauern über die privaten Aussagen von Lord Triesman. Der englische Fussballverband bestätigte zudem den Rücktritt von Lord Triesman als Präsident sowohl des englischen Fussballverbands als auch des englischen WM-Bewerbungskomitees im Zuge der Veröffentlichung der genannten Vorwürfe.
Die FIFA kontaktierte in dieser Sache ebenfalls die Fussballverbände Russlands und Spaniens und erhielt von beiden eine Stellungnahme. Die FIFA prüfte ferner alle Informationen, die sie aus verschiedenen Quellen erhalten hatte. Bei dieser eingehenden Untersuchung fand die FIFA keinerlei Anzeichen für die Stichhaltigkeit der Behauptungen, die Lord Triesman zugetragen worden waren.
Angesichts dessen beschloss der Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen. Er ermahnte die Mitgliedsverbände und die Bewerbungskomitees jedoch, während der Bewerbungsphase im Sinne der Integrität, des Ansehens und des Rufs sowohl der FIFA als auch ihrer Wettbewerbe ein ethisch absolut einwandfreies Verhalten an den Tag zu legen.
Die FIFA-Ethikkommission wird weiterhin wachsam sein und dafür sorgen, dass beim Bewerbungsverfahren für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022™ ethisches Verhalten und Fairness garantiert sind.
Willkommen im Überwachungsstaat: Alpine Ski-WM 2011
27. Mai 2010, 11:37 - zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2010, 13:29 - 39 kommentareVor einem dreiviertel Jahr hatte die Berliner tageszeitung eine überfällige Debatte über die so genannte Sicherheitsüberprüfungen von Journalisten (Stasi 2.0) eröffnet. Damals ging es um das Akkreditierungsverfahren zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Nun setzt die taz diese Debatte fort und eröffnet die Diskussion über die Alpine Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen:
- Jürn Kruse in der taz: Berichterstattung über Ski-WM: Alle sind verdächtig
Das ist eine besondere WM, nicht die einzige olympische WM im kommenden Winter in Deutschland – kurz vor der IOC-Entscheidung über die Olympischen Winterspiele 2018, um die sich auch München bewirbt. In die WM in GaPa werden Unmengen von Steuermitteln gepumpt, kürzlich wurden weitere 1,5 Millionen vom Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigt, für ein so genanntes Kulturprogramm, das nichts ist als eine Subventionierung der Olympiabewerbung, die offiziell allein aus der Privatwirtschaft finanziert wird (tatsächlich aber werden schon wieder dutzende Millionen aus öffentlichen Kassen verpulvert, die in keinem Bewerbungsetat auftauchen).
Kurze Zusammenfassung zur Olympia-Subventionierung und Intransparenz kürzlich im Deutschlandfunk:
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Aber ich will nicht abschweifen.
Zur mit Bundesmitteln geförderten “Kultur” dieser alpinen WM zählt natürlich auch wieder die Überwachung von Berichterstattern. Könnte ja sein, dass sich einer derjenigen Journalisten, die meist schon viele Großveranstaltungen gecovert haben und deshalb den Organisatoren, dem Ski-Weltverband und auch dem IOC (wir reden hier über olympischen Sport) bestens bekannt sind (man müsste sich nur untereinander mal verständigen), als lang gesuchte Terroristen entpuppen.
Jürn Kruse schreibt:
Bei der Ski-WM müssen die Berichterstatter neben persönlichen Daten nun wieder eine Einwilligung zur “Zuverlässigkeitsüberprüfung” abgeben. Vollkommen freiwillig natürlich. “Sollten Sie diese allerdings verweigern, kann eine Akkreditierung nicht erfolgen”, heißt es in der “Datenschutzinformation”. Wie gesagt: vollkommen freiwillig.
“Das ist ganz klar eine Zwangslage”, sagt Benno Pöppelmann, Justitiar beim Deutschen Journalistenverband (DJV) – und damit nicht zulässig. Denn Journalisten hätten grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Akkreditierung. Außerdem müssten etwaige Sicherheitsbedenken der Behörden rechtzeitig den Journalisten direkt offenbart werden, um Gelegenheit zu geben, solche Bedenken auszuräumen.
Wer 2011 von der Pressetribüne aus über die Ski-Olympiasiegerinnen Maria Riesch und Viktoria Rebensburg berichten will, wird zuvor vom Bundeskriminalamt (BKA), dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) und dem Landesamt für Verfassungsschutz überprüft. Wer aus dem Ausland kommt, wird vom Bundesnachrichtendienst (BND) durchleuchtet.
Dabei können nicht nur Verurteilungen und laufende Ermittlungen, sondern auch eingestellte Ermittlungsverfahren zu einer Ablehnung führen – genau wie ein Eintrag in der Datei “Gewalttäter Sport”. Obwohl die Verwaltungsgerichte Hannover, Lüneburg und Karlsruhe unisono feststellten, dass es der Datensammlung an einer ausreichenden rechtlichen Grundlage fehle.
Hier die Originale:
- Datenschutzinformationen zum Akkreditierungsverfahren der Alpinen WM 2011 (pdf, 5 Seiten, 70 kb)
- Datenschutzinformationen zum Akkreditierungsverfahren der Leichtathletik-WM 2009 (pdf, 6 Seiten, 1 MB)
Natürlich haben Journalisten auch für die WM 2011 ein Wahlrecht:
Es unterliegt Ihrer freien Entscheidung, Ihre Einwilligung in die hier dargestellte Datenverarbeitung, insbesondere in die Zuverlässigkeitsüberprüfung, zu erteilen. Sollten Sie diese allerdings verweigern, kann eine Akkreditierung nicht erfolgen.
Sie haben auch das Recht, eine einmal erteilte Einwilligung nachträglich zu widerrufen. Für diesen Fall müsste Ihnen allerdings eine bis dahin erteilte Akkreditierung wieder entzogen werden.
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Täubchen für Sepp, den Friedensstifter und Rechenkünstler
25. Mai 2010, 00:40 - zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2010, 00:40 - 3 kommentareIch bin durch diese Auszeichnung tief bewegt. Es ist ein schönes Symbol, welches gut zu unserer Mission bei der FIFA passt. Unser Ziel ist es, für die Jugend eine bessere Welt zu gestalten, und ich glaube, dass Ihre Philosophie des Friedens in dieselbe Richtung zielt.
FIFA-Präsident Joseph Blatter
Es wird langsam ernst. Wenige Tage noch bis zu den Blatter-Festspielen, die im Volksmund auch FIFA World Cup 2010 ™ genannt werden. Das WM-Turnier soll Joseph Blatter ja nicht nur die Wiederwahl, sondern auch den Friedensnobelpreis bescheren. In Zürich hat er zunächst die “Colombe de la Paix de Genève” eines Schweizer Uhrenherstellers erhalten.
Die FIFA teilte dazu in gewohnt bescheidener Prosa mit:
Doch um was handelt es sich bei der “Colombe de Genève” – der Taube aus Genf? Es ist eine limitierte Auflage von Uhren, auf denen zwei Tauben abgebildet sind – das Symbol für den Frieden auf der ganzen Welt. Bei diesem Modell sind auf den sich drehenden Zifferblättern aus Saphir die Bilder von zwei Tauben eingraviert. Eines dreht sich in der Geschwindigkeit der Minuten und das zweite in der Geschwindigkeit der Stunden. Jede Stunde treffen sich die zwei Abbildungen, um für die Dauer einer Minute eine einzige Taube zu formen. Die Botschaft ist einfach: Es ist lohnenswert, 59 Minuten lang zu kämpfen, um eine Minute Frieden zu erzielen. (…)
Quinting verleiht diese besondere Uhr an wichtige Persönlichkeiten, die einen Beitrag zur Förderung des Friedens geleistet haben. So tragen beispielsweise der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton, der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika, der ghanaische ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der Premierminister Bahreins, Sheikh Khalifa bin Salman al Khalifa, der russische Premierminister Vladimir Putin sowie zahlreiche ehemalige Schweizer Staatsoberhäupter (Pascal Couchepin, Joseph Deiss, Moritz Leuenberger, Samuel Schmid) ebenfalls eine solche Uhr, um ihr Engagement für diese Sache zu demonstrieren.
Mir kommen die Tränen. Doch was will Mann machen. Die Ordensliste Sepp des Großen, die ich hier gelegentlich vervollständigt habe, wird länger und länger. Und in den Ranglisten der mächtigsten Sportfürsten der Welt wird er ja auch wieder ganz vorn geführt. Alles bestens organisiert, glaube nur niemand an Zufall.
Der so genannte Branchendienst Around the Rings jedenfalls kürte Blatter im WM-Jahr zum wichtigsten Mann im olympischen Weltsport. Und die FIFA machte daraus eine Pressemitteilung, in der nicht unerwähnt blieb, dass Blatter auf der Forbes-Liste der most powerful people weltweit auf Rang 53 eingekommen ist – zwar noch hinter Osama Bin Laden, doch vor Jacques Rogge und Hugo Chavez. Believe it or not: Unserem Freund Sepp ist das alles sehr wichtig.
Als Kontrastprogramm zu den Heldengeschichten des Joseph Blatter flink noch einige Lesebefehle von und mit meinem Freund und Kollegen Andrew Jennings:
- Transparency in Sport: Now South African Press dumps on Blatter
Hier hat AJ zahlreiche beeindruckende Beispiele aus südafrikanischen Medien zusammengestellt, wo unter anderem nachgewiesen und kritisiert wird, dass die FIFA von Pressefreiheit und kritischem Journalismus nicht sehr viel hält. Nicht zu vergessen: Jennings ist seit 2003 von FIFA-Veranstaltungen verbannt! (Dagegen ist meine Bekanntschaft mit der FIFA-Ethikkommission ein Witz, denn schließlich habe ich auch diesmal wieder eine WM-Akkreditierung erhalten.)
- Transparency in Sport: Blatter’s ploy to dump shamed Warner
- Matthew Bell in The Independent: Was Lord Triesman on to something? Just ask Jennings
- Roger Lytollis in The Cumberland News: Cumbrian journalist waging one man war against FIFA
Mich hat in den vergangenen Tagen eine Kleinigkeit amüsiert: Ausgehend von einem BBC-Gespräch mit FIFA-Generalsekretär Valcke machte kürzlich eine Meldung weltweit Schlagzeilen, wonach die FIFA den WM-Organisatoren mit weiteren 100 Millionen Dollar unter die Arme gegriffen hat. Im Prinzip hatte mir das Joseph Blatter schon zwei Wochen zuvor in einem Interview bestätigt (ab etwa 4:40). Denn er sagte:
Ich weiß nur, dass diese FIFA WM in Südafrika wird die FIFA etwas teurer kommen als vorgesehen. Und wir haben dazu 100.000 Dollar freigestellt.
100.000 oder 100 Millionen, was macht das schon? Sepp hatte einfach nur drei Nullen vergessen.
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Die Zukunft der Zeitung (II)
21. Mai 2010, 02:01 - zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2010, 15:57 - 10 kommentareAnfang Dezember haben wir ein Video diskutiert, das einen Vorgeschmack darauf gibt, wie Sports Illustrated auf einem iPad-ähnlichen Gerät aussehen könnte. Inzwischen gibt es das iPad, und die Präsentation von Sports Illustrated wurde auch weiter entwickelt:
Und damit nicht wieder jemand darauf hinweisen muss, dass in der Überschrift “Die Zukunft der Zeitung” steht, dann aber ein Magazin vorgestellt wird – das ist mir klar. Niemand hindert Zeitungsmacher daran, ihre Produkte ähnlich zu präsentieren.
Nachtrag: Das hier bitte auch mal ansehen. Danke für den Link an Martin Sommerfeld!
Floyd Landis packt aus
20. Mai 2010, 10:24 - zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2010, 14:22 - 99 kommentare
Da offenbar Gesprächsbedarf besteht, mache ich einen Beitrag zum Thema Floyd Landis auf. Denn zu Wenlock und Mandeville passen die Beiträge über das Doping-Geständnis des langjährigen Armstrong-Gehilfen und gewesenen Tour-de-France-Siegers doch nicht. Die Geschichte im Wall Street Journal ist durchaus spektakulär. Floyd Landis packt also in etlichen Emails an Offizielle und Sponsoren partiell aus – nach Ablauf seiner zweijährigen Sperre. Und er zieht andere Profis mit rein. Im WSJ fand ich diesen Kommentar dazu:
What’s worse, doping, lying, or becoming a rat after you can lie no further?
Gute Frage.
Die aktuelle Pflichtlektüre zum Fall:
- Exklusiv-Geschichte des Wall Street Journal: Cyclist Floyd Landis Admits Doping, Alleges Use by Armstrong and Others
- ESPN.com hat dazu mit Landis gesprochen: Landis comes clean on PED use
Erweiterte Lektüre:
- Das Urteil der AAA (American Arbitration Association) im Fall Landis vom 20. September 2007 (pdf, 1,2 MB, 84 Seiten)
- Den CAS-Spruch finde ich derzeit nicht, wird nachgetragen, scheint, als ob in Lausanne der Server zusammengebrochen ist.
- Zahlreiche Hintergründe und Links finden sich natürlich auf Cycling4Fans, u.a. mit dieser Übersicht
- Cyclingnews sollte man dieser Tage ebenfalls beachten

