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Steuermittel für Eigenblutmanipulation: Originale lesen! Pflichtlektüre zum Sportausschuss

Am Mittwoch (21. März) geheimnisst der Sportausschuss des Bundestages in gewohnt nichtöffentlicher Sitzung mal wieder zum Thema Doping in Deutschland.

Es wird verhandelt:

  • Doping an Olympiastützpunkten, Bundesleistungszentren und Bundesstützpunkten konsequent bekämpfen
    Ressortvertreter/in: Bundesministerium des Innern

… sowie …

  • Sachstand im Verfahren gegen einen Sportarzt im Zusammenhang mit Eigenblutbehandlungen am OSP Thüringen/Erfurt und Anti-Doping Verfahren gegen Athleten in diesem Kontext
    Ressortvertreter/in: Bundesministerium des Innern. Bericht: Nationale Anti Doping Agentur Olympiastützpunkt Thüringen/Erfurt, Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung, RA Dr. Engelbrecht 

Zum Themenkomplex gibt es seit 6. März einen Antrag der SPD. Ein Antrag der Grünen wird folgen, er geht etwas weiter, darin wird von der Bundesregierung gefordert:

  1. An den Olympiastützpunkten in Deutschland wird eine zuwendungsrechtliche Überprüfung der Abrechnungen sämtlicher medizinischer Behandlungsleistungen durchgeführt. Diese Tiefenprüfung erfolgt unter Beteiligung des Bundesrechnungshofes. Die Ergebnisse werden bis zum 30. Juni 2012 dem Sportausschuss und dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vorgelegt.
  2. Zuwendungswidrig verwendete Fördergelder werden konsequent von den Olympiastützpunkten sowie ggf. anderer Zuwendungsnehmer zurückgefordert. Darüber hinaus wird bei diesen betroffenen Olympiastützpunkten die noch nicht genehmigte Förderung dieses Jahres bis zur endgültigen Klärung des Sachverhaltes zurückgehalten.
  3. Die Olympiastützpunkte werden in die Berichtspflichten der jährlich vorzulegenden Anti-Doping-Berichte einbezogen.
  4. Der NADA werden Sondermittel aus dem Etat des Bundesministers des Innern für eine konsequente Dopingbekämpfung im Bereich des sportrechtlichen Ergebnismanagements zur Verfügung gestellt.
  5. Die Förderung für die Anti-Doping-Forschung wird ausgeweitet und soll auch eine verbesserte wissenschaftliche Wirkungsanalyse von Blutbestrahlungen umfassen.
  6. Es wird ein Gesetzentwurf vorgelegt, der die Verankerung eines Straftatbestandes der Verfälschung des wirtschaftlichen Wettbewerbs im Sport (Sportbetrug) vorsieht, um zukünftig auch wirksam gegen Sportlerinnen und Sportler ermitteln zu können.

Das wichtigste Dokument wie (fast) immer exklusiv vorab in diesem Blog, die dreiseitige Stellungnahme von Bernd Neudert, Chef des Olympiastützpunkts Thüringen:

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Ich muss dazu einmal mehr sagen:

Es bleibt ein Skandal, dass sich der Sportausschuss Transparenz und Öffentlichkeit verschließt und auch dieses wichtige Thema hinter verschlossenen Türen verhandelt wird.

Es bleibt ein Skandal, dass diejenigen so genannten Volksvertreter, die Sportlobbyisten Riegert (CDU/Kapitän des FC Bundestag) und Günther (FDP), die in nichtöffentlichen Sitzung angeblich ungestört und intensiv Sachpolitik betreiben wollten, auch diesmal inhaltlich nichts beisteuern (wollen und können). Initiativen bleiben von ihnen wieder einmal aus. Ihre kindischen, desinformierten und politisch-ideologisch geprägten Pseudofragen wird es im Ausschuss gewiss wieder geben – aber eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Aus gegebenem Daueranlass: Journalisten, die sich in diesem Blog bedienen und die beiden Stellungnahmen zitieren, geben bitte die Quelle an: www.jensweinreich.de. Merkwürdig, dass diese Selbstverständlichkeit angemahnt werden muss.

* * *

Grit Hartmann, die in zahlreichen Beiträgen exklusiv über die Erfurter Affäre berichtete, hat sich Neuderts Stellungnahme angesehen und merkt dazu an:

Zur ziemlich exklusiven “Infektbehandlung” durch einen Sportmediziner, der sich mit dem DDR-Spitzensport recht gut auskannte, da er einst in der Sportärztlichen Hauptberatungsstelle des Bezirkes Erfurt beschäftigt war, zur Tradition der Blutbestrahlung als Dopingmethode also, ist schon einiges geschrieben und gesagt worden.

OSP-Chef Bernd Neudert mag, nun ja, etwas unbedarfter sein in medizinischen Fragen, und vielleicht war das sogar auch der Gründungschef des OSP, bis 2001 im Amt: Rolf Beilschmidt, unter dem diese “Therapie” begann, fortgesetzt wurde oder was auch immer. Beilschmidt, heute Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen, räumt recht freimütig ein, dass er zu DDR-Zeiten bewusst Dopingmittel einnahm. Das muss aber alles selbstverständlich gar nichts heißen. Wie auch nicht diese Zusammensetzung des OSP-Trägervereins, mit ein paar einschlägig prominenten “Aufsehern” wie Burckhard Bremer.

Ob das die Experten im Sportausschuss interessiert?

Interessieren müssten sie sich allerdings für das, was der OSP hier zur Abrechnung mitteilt. Es ist nicht neu, dass die Blutbestrahlungen aus Steuermitteln finanziert wurden. Allerdings tun sich in diesem Punkt ein paar neue Abgründe auf:  weiterlesen »

Whistleblower Mario Goijman: ein Hilferuf!

ZÜRICH. Leider geht es weiter in der unendlichen Leidensgeschichte des Whistleblowers Mario Goijman. Vor wenigen Minuten hat er aus Buenos Aires diese Email geschickt:

This Morning 10 persons, attacked my home, with the purpose of expelling me totally from home.

They intented to carry all my home properties to a deposit under judicial custody, including my clothes, my computers.

Desperate I took a gun and intented to shoot my self under a nervous attack.

The police intervin, the ambulance came to treat me.

I asked till Tuesday to leave my house free of everything, but they did not accepted, they wanted everything, including my dogs out

NOW.

I beg them to wait this two days to move me, but they did not accepted, they will wait till Monday morning.

And for that, the intervining lawyer (Hernan Rabin) asked me a dark payment for this delay

I did not accepted.

Sad final for my fight, while in Lausanne the FIVB EXECUTIVE, met today and mantains our money, in his revenge for ¿what?, For unveiling Acostas manouvers.

I am very sad!!!!

HELP ME PLEASE!!!!

Ing. Mario Goijman

Ich weiß, dass sich hinter den Kulissen sogar im Establishment in der Capitale Olympique einige Kräfte für Mario Goijman einsetzen. Um diese Bemühungen nicht zu gefährden, habe ich zuletzt auf eine Berichterstattung verzichtet. Doch die Lage spitzt sich zu. Goijman spricht vom Suizid. Gestern hat er diese Email u.a. an ehemalige Kollegen aus dem Volleyball-Weltverband FIVB geschickt. Ein Dokument des Grauens und des real existierenden sportpolitischen Komplexes, der sich nicht/kaum um Whistleblower schert:

A DESPERATE APPEAL to conscience

Buenos Aires, March 15th 2012

To the members of the Board of Administration Federation International de Volleyball

Dear past Friends and Colleagues,

I have been a part of you, a leader for our beautiful sport.

I worked very, very hard, without any other interest than the glory and enhancement of Volleyball.

I worked always in an honorary basis, never received any payment from nobody in my positions in Volleyball.

You know a great part of my history in our sport, we shared it.

My climax was organizing the 2002 Men’s World Championship in my country in the middle of its worst economical and social crisis.

At the end of it I was expelled from everywhere in Volleyball, besides our success in the tournament in all senses.

I proceeded in every aspect of such organization with quality, and honesty, I did not make any unauthorized publicity neither, make nothing beside the rules and the contracts.

But my discovery of the falsification of the FIVB 2000 Annual Statement presented to the Congress in Argentina, made by the hands of Ruben Acosta, Jean Pierre Seppey and Franz Schmidt, to hide the money illegally taken by the President to his pockets, hurt my sense of legality, honesty and transparency and decided to denounce his illegal attitude.

Today you finally understood that all my accusations were truth, that Acosta had to resign to the IOC and to the FIVB, and that you had been tricked by his power.

But I had been expelled, and the actual Board seems that don’t want to recognize my courageous attitude, and the illegality of the procedures against me and my Federation.

You know that I was a wealthy man that supported with loans and guarantees the cost of the World Championship, and the Cost of legal battle in the Lausanne Tribunals to unveil Acosta’s attitudes.

I always knew that the Balance of the Common Fund, which I worked hard to increase, was enough to support the Cost of the Championship and thus I put my money in the event, and signed banking guarantees.

But Acosta revenge was to adultery also the Common Fund, and not to pay to the organizing Committee, what was owed to it.

After 10 years, I am completely ruined.

The banks executed my guarantees, the FIVB decided not to amend the Acosta abuses, and I lost my car, my company, and recently I was expelled from my own house that will be going in two months to an auction.

Such injustice for defending honesty, principles, and dignity, hurt me too much!!!!

I am very sick, depressed, with a diabetes out of control and my heart decompensate.

I cry every night, THIS WAS TOO MUCH FOR ME.

My actual and daily live is a nightmare

I will die in a few months, or my depression will take me to finish my live by my own hands.

Why do you hate me so much too take me to death?

I did anything out the law or the spirit of sport?.

I can not understand such hate!!!!

Because I fight hard to clean Volleyball from a dirty and greedy couple?

If I know that you shared my concepts, of honesty and transparency.

Think it over and be just!!!

I don’ want any recognition, my conscience is happy.

But return to the Argentina Federation what belongs to it.

Let me die in peace, knowing that at least my sons will not have to carry over them, the debts that ACOSTA, put over me, for organizing a brilliant Championship.

With my best regards

Ing. Mario Daniel Goijman

Buenos Aires

dapd sagt: Schadenersatzforderung gegenstandslos

ZÜRICH. Ich habe am Nachmittag zwei Emails aus dem dapd-Office erhalten. Demnach ist die Schadenersatzforderung gegen mich, über die ich heute morgen berichtet habe, gegenstandslos.

Gut so.

Es ist von einem Versehen die Rede, eine Entschuldigung gab es auch. Leider möchte der dapd-Verantwortliche, der sich am Morgen erstmals telefonisch bei mir gemeldet hatte, nicht, dass ich seine Emails veröffentliche. Er möchte auch nicht zitiert werden. Das finde ich sehr schade, weil ich seine Sätze im Grunde – in meinem Fall – als durchaus nachvollziehbar empfunden habe. Das muss ich aber, leider, respektieren.

Die Wende, mit der ich – ganz ehrlich – absolut gerechnet hatte, lässt mich aber nicht frohlocken. Denn die Probleme bleiben ja, und in den Kommentaren zu meinem Beitrag von heute morgen ist dazu vieles Interessante und Kluges gesagt worden, wie ich finde. Dort findet man nun auch viele nützliche Links.

Ein Problem besteht darin, dass nicht nur die dapd, sondern viele andere Medienunternehmen mit Kanonen auf Spatzen schießen. Sie schicken Heerscharen von Abmahn- und Inkasso-Anwälten in die Spur. Irgendwas bleibt dann schon hängen, weil manche Betroffene, selbst wenn sie sich nichts zu Schulden kommen ließen, vielleicht nicht die Laune, nicht den Mut oder was auch immer nicht hatten, um sich zur Wehr zu setzen. Das ist eine grundsätzlich sehr unbefriedigende Situation, die sich künftig, wenn dieses Leistungssschutzgesetz, für das die Verleger-Lobby seit Jahren mit vielen unsauberen und skandalösen Mitteln kämpft und munter die Wahrheit beugt, wie geplant von der Koalition verabschiedet wird, gewiss weiter zuspitzt.

Ich habe mir den Luxus geleistet, die Diskussion um Leistungsschutzgesetz und ACTA nur passiv zu verfolgen und kann dazu nur die üblichen Verdächtigen empfehlen, ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit, getreu dem Motto “mach, was Du kannst und verlinke den Rest”:

Es ist kein Trost zu wissen, dass meine Art des Zitierens und der journalistischen Verarbeitung, in diesem Fall goutiert wird. Dazu möchte ich keinen Roman schreiben, einige Bemerkungen zum inkriminierten Beitrag – es ging um die Verurteilung des korrupten ehemaligen HR-Sportchefs Jürgen Emig – habe ich im Laufe des Tages in Kommentaren notiert. Andere Kommentatoren haben sich dazu geäußert. Ich fand u.a. interessant:

Franz: 

So was Lächerliches wie diese dapd-Abmahnung hab ich noch selten gelesen. Sicherlich ist das Zitat sehr ausführlich, aber die Quelle korrekt angegeben und vor allem: Was bitteschön war denn die eigene intellektuelle Leistung von dapd (bzw. seinerzeit AP Deutschland) bei diesem Textabschnitt? Das sind bloß ein paar zusammengeschnippelte Aussagen des Richters, mal in direkter, mal in indirekter Rede. Eigenleistung: marginal. Wenn überhaupt müsste dem Richter das Urheberrecht an einem Großteil der beanstandeten Passage zustehen :-)

B.Schuss:

ich bin sicher auch kein Freund von Abmahnungen, aber nur so aus Neugier, und weil ich selbst nicht vom Fach bin: wo ist denn die Grenze zwischen dem Zitatrecht, und der unzulässigen kommerziellen Nutzung von Texten, die andere erstellt haben ( und diese “Leistung üblicherweise gegen Geld an Journalisten verkaufen ) ?

Es ist nun mal so, dass Stefan als Medienjournalist quasi berufsmäßig die Arbeit anderer Journalisten und Medienschaffender zitiert. Kommt er da nicht automatisch fast immer in diese Grauzone?

Oder ist das auf der Meta-Ebene ( Journalist, der über die Arbeit anderer Journalisten berichtet ) was anderes ?

Nandor:

@ Zitatrecht: Es kommt natürlich auf den Einzelfall an. Das mag manchmal ein schmaler Grat sein, aber hier (ohne Experte zu sein) meiner Meinung bei aller juristischen Spitzfindigkeit nach hoffentlich ja wohl nicht. Das betreffende Zitat erfüllt seinen Zweck im Rahmen der Funktion und der Bedeutung des Blogeintrags, ich hätte übrigens auch keine Probleme zu sagen: auch unter Berücksichtigung von Jens’ langjähriger journalistischer Arbeit. Es geht hier, wie bei die vielen, vielen anderen Zitaten und Verlinkungen hier, immer um einen Hinweis auf weitere Quellen und andere Darstellungen, aber eben im Rahmen journalistischer Auseinandersetzung mit sportpolitischen Themen.

Wer ein Zitat einer (eigenen trifft es ja nicht so ganz) geistigen Leistung derart bekämpft, offenbart sein Verständnis von (angeeigneten) Meinungen als geistigem Eigentum in dem Sinn, das es sie als Schatz zu hüten und zu verteidigen gilt. Und dass man sie am besten gar nicht teilt. Für jemanden, der mit Informationen sein Geld verdient (Wolfgang Zehrt würde wahrscheinlich das Wort KOMMERZIELL hier verwenden, das klingt so schön anrüchig), eine wahrlich atemberaubende Einstellung über die eigene Rolle in der Gesellschaft. Ihr Nachrichtenleute, Ihr genießt den besonderen Schutz der Pressefreiheit, weil ihr der Informationsfreiheit verpflichtet seid. Ihr genießt es genau deswegen, weil Ihr hinnehmen müsst, dass man über Euch redet, Euch kritisiert, sich mit Euch auseinandersetzt, Ihr verlinkt werdet.

Und da lass ich gar nichts gelten von “Ist uns bei 5000 anderen schlimmen Fällen leider durchgerutscht”. Das Missliche an dieser ganzen Unart des Abmahnungs-Geschäftsmodells ist doch, dass es auf die Feinheiten des Urheberrechts aus der Perspektive der Anspruchsteller gar nicht so ankommt. Die Masse machts, da verliert man halt ein paar Prozesse, wo gehobelt wird, da fallen Späne – es lohnt sich trotzdem. Irgendjemand trifft die Entscheidung, ab welchem Punkt man die angebliche Urheberrechtsverstöße verfolgen will; wie weit man da ins Risiko reingeht; wie weit man da mit der Angel fischt, dem Kescher oder dem Fangnetz. Und zwar genau deswegen, weil er es so will.

Jürgen Kalwa:

Es wäre etwas anderes, wenn sich der Hausherr die fragliche Textpassage ohne Nennung der Quelle und ohne Verlinkung des Gesamttextes angeeignet hätte. Hat er aber nicht. Er hat zitiert.

Wie sehr gerade der inkriminierte Blog-Eintrag den Charakter eines Pressespiegels hat, sieht man an den Kommentaren. Sie bestehen überwiegend auf weiteren Hinweisen auf Veröffentlichungen in Zeitungen. Natürlich müsste man einen Richter im Rahmen eines Prozesses zunächst einmal davon überzeugen, dass ein Blog heutzutage mitunter durchaus auch so etwas sein kann wie ein Pressespiegel. Aber dafür gäbe es in diesem Fall dingfeste Belege.

Davon abgesehen: Ist das hier eigentlich inzwischen Makulatur? “Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.” (§ 51 UrhG)

Stephan:

Mal ganz abgesehen von der Reichweite des Zitatrechts: Die urheberrechtliche Schöpfungshöhe kann man bei einem Nachrichtentext durchaus mal grundsätzlich anzweifeln. Im Perlentaucher-Urteil hat der BGH sich ziemlich viel Mühe damit gegeben, in Ausgangsmaterial und Abstract besonders hübsche und kreative Formulierungen zu finden, die die Bewertung “unfreie Bearbeitung” rechtfertigen. Bei Nachrichtentexten, bei denen die zugrundeliegende Sachlage kaum eine abweichende Gestaltung zulässt und die keine wesentlichen eigenschöpferischen Elemente enthalten, kann das anders sein. Schutzgegenstand ist ja die schöpferische Qualität, nicht die wirtschaftlich-organisatorische Leistung. Und genau so ist das ja auch gewollt: Tatsachenmitteilungen sollen eben nicht schutzfähig sein, schon um den freien Meinungsaustausch und die Meinungsbildung nicht zu beeinträchtigen. Und noch gibt es ja kein Leistungsschutzrecht für Presseprodukte…

In der Tat sehe ich mich in vielen Blogbeiträgen hier als eine Art Kurator. Ich bin ein Fachidiot, kenne mich in meinen Themenfeldern (internationale Sportpolitik, Korruptionsbekämpfung, Finanzierung von Mega-Events etc) einigermaßen aus, recherchiere auch manchmal und versuche meinen Job zu machen, ich will ein bisschen Licht in Dunkelfelder und Struktur in komplizierte Sachverhalte bringen – und vor allem will ich meine Angebote und die Themenfelder öffentlich diskutieren und dazu lernen. That’s it. Das habe ich so ähnlich schon tausendmal formuliert.

Ich sehe mich als öffentlicher Bearbeiter eines Themas. Ich versuche, auf meinen Gebieten die Diskussion zu bereichern und – wenn alles gut läuft – einen Erkenntnisgewinn herbei zu führen. Mehr nicht.

Auch bei Thomas Stadler habe ich heute interessante Anregungen gefunden. Und “Mashup” von Dirk von Gehlen werde ich jetzt endlich mal lesen.

Stadler schreibt:

Man kann und sollte sich meines Erachtens von der Vorstellung des geistigen Eigentums verabschieden und aufhören, das Urheberrecht oder gewerbliche Schutzrechte als absolute, eigentumsgleiche Rechte zu betrachten. Vielmehr sollte man übergehen zu einem Konstrukt einer zwar geschützten Rechtsposition, die sich aber der ergebnisoffenen Abwägung mit anderen legitimen Interessen und Rechtspositionen stellen muss und keinen regelmäßigen Vorrang für sich reklamieren kann.

Wenn man stattdessen den tradierten Weg fortsetzen will, so muss man doch erkennen, dass es dem Wesen des “geistigen Eigentums” entspricht, einer wesentlich stärkeren Sozialbindung zu unterliegen als das Sacheigentum. Denn Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut. Sie sollten deshalb idealerweise nicht nur ungehindert zugänglich sein, sondern auch einer möglichst ungestörten Weiterentwicklung unterliegen.

Genau an diesem Prozess der Weiterentwicklung, wenn man so will, der Themenentwicklung, des Öffentlichmachens, des Erklärens, manchmal auch des Enthüllens, versuche ich mich. weiterlesen »

Vom Urheberrecht oder: wie dapd zu Geld kommen will

ZÜRICH. Lange keine Post vom Anwalt mehr bekommen. Vergangenen Samstag lag nun die Überraschung im Briefkasten. Es will mal wieder jemand Geld haben. Die Abmahnmaschine Nachrichtenagentur dapd hat Advokaten (ksp. Rechtsanwälte, Hamburg) damit beauftragt, offenbar großflächig Geld einzutreiben in diesem Internet.

Von mir verlangt man für ein Zitat aus dem Oktober 2008, das von AP Deutschland stammt und das ich nun nach Eingang der Anwaltspost gelöscht habe, insgesamt 463,07 Euro.

Mit Zinsen natürlich und Anwaltsgebühren – und auf Basis der Vergütungsregeln des Deutschen Journalistenverbandes.

Das ist besonders frech und absurd, denn diese Vergütungsregeln hält kaum eines (oder eher: keines) jener Medienunternehmen ein, die derzeit wie irre aufs Urheberrecht/Leistungsschutzrecht pochen, und wohl auch nicht dapd, denn da schrieb mal jemand von “Dumpinglöhnen”.

Aber wenn man Geld eintreiben will bei Textdieben wie mir, sind derlei theoretische Vergütungsregeln, die Journalisten ein vernünftiges Einkommen garantieren und sogar Zeit für Recherche finanzieren würden, natürlich eine Benchmark.

Wie immer in diesem Theater, das Original, Anwalts Schreiben:

Anwaltsschreiben im Auftrag der dapd, Seite 1

Anwaltsschreiben im Auftrag der dapd, Seite 2

Anwaltsschreiben im Auftrag der dapd, Seite 3

Ich habe sofort dapd angeschrieben. Bislang ohne Reaktion.

Ich will jetzt unbedingt auch mehr verdienen. Ob es eine gute Idee ist, ksp. damit zu beauftragen, festzustellen, welche Medien/Journalisten Texte/Textpassagen/Dokumente/Ideen von diesem Blog, nun ja, stehlen? Oder sagen wir: sich ohne Nutzungsrecht und ohne Quellenangabe bedienen?

dapd werde ich nun besonders beobachten.

“Der Mann, der zu viel zu berichten wusste”

Michael Reinsch schreibt auf der Medienseite der FAZ über ein brisantes Thema. Lesebefehl!

… heißt Reinschs Text über Matthias Wolf und die Frage, warum die Berliner Zeitung den profilierten Journalisten von der Berichterstattung über den 1. FC Union Berlin abgezogen hat.

Wenn wir so weit sind, dass es einem Fußballpräsidenten gelingt, einen Sportjournalisten wegzumobben – dann gute Nacht zu Ihrem Blatt. Ich habe mit Herrn Wolf zu meiner aktiven Zeit so manche Schlacht geschlagen – und wahrlich nicht immer zu meiner Begeisterung. Aber auf die Idee, mich darüber bei einem Chefredakteur zu beschweren, wäre ich niemals gekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Gegensatz zu Herrn Zingler schon in jungen Jahren demokratisches Verständnis lernen konnte.“

Heiner Bertram, ehemaliger Präsident des 1. FC Union Berlin, in einem Schreiben an Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Berliner Zeitung

Ich glaube, diese Geschichte wird noch einige Schlagzeilen machen.

Offenlegung:

  • Ich bin mit Matthias Wolf befreundet. Ich schätze seine Arbeit ungemein.
  • Ich war lange Jahre Ressortleiter Sport der Berliner Zeitung.
  • Ich schreibe für die Berliner Zeitung und die mit ihr verbundenen Blätter Frankfurter Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger.

Klassische Konflikte, von denen es im eng verzahnten Mediengeschäft zu viele gibt. Man sehe es mir nach, wenn ich mich ein bisschen mehr als sonst üblich zurückhalte. Zu viele Baustellen. Mit Feigheit hat das nichts zu tun.

weitere Lektüre:

Muss das denn sein? Die Hall of Fame der IAAF.

Ach Gott, jetzt leistet sich der Kleinganove Lamine Diack in seiner IAAF auch noch eine Hall of Shame Fame. Muss das denn sein?

Offenbar muss das so sein. Die Trottel wollen das so.

Also dann, damit Herbert und Walter und einige andere nicht wieder falsch behaupten, hier würde nur über Ostdeutsche und die lächerlich-absurd-feige Hall of Fame der Sporthilfe debattiert. Nö.

Diacks Truppe macht es sich sehr einfach. Sie stellt nur zwei Minimal-Anforderungen für die Mitgliedschaft in der Hall of Fame auf.

Sauberen Sport betrieben zu haben, also sagen wir: ohne Doping, zählt nicht zu diesen Kritierien.

  1. Athletes must have won at least two Olympic or World Championships gold medals AND at set least one World record,
  2. Athletes must have been retired for at least 10 years at the time of election to the IAAF Hall of Fame.

Da sie Goldmedaillen gewonnen und Weltrekorde aufgestellt haben müssen, fällt das von mir erwähnte Kriterium aber schon fast aus. Vielleicht ging das kurz nach dem 2. Weltkrieg noch ohne, als die fliegende Hausfrau Fanny Blankers-Koen auftrumpfte. Aber danach?

Wollen wir mal laut über Carl Lewis oder Jacky Joyner-Kersee nachdenken?

Hier das erste Dutzend in der IAAF-Ruhmeshalle:

  1. Jesse Owens (USA)
  2. Abebe Bikila (ETH)
  3. Paavo Nurmi (FIN)
  4. Carl Lewis (USA)
  5. Emil Zátopek (TCH)
  6. Al Oerter (USA)
  7. Adhemar da Silva (BRA)
  8. Ed Moses (USA)
  9. Fanny Blankers-Koen (NED)
  10. Betty Cuthbert (AUS)
  11. Jackie Joyner-Kersee (USA)
  12. Wang Junxia (CHN)

Wang Junxia aus Mas Armee?

Mein Gott. Wie absurd.

cheat of the day (II): Liebkosungen für Jérôme Valcke, Großmaul, Kanaille, Lügner

Marco Aurelio García ist der außenpolitische Berater von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Er sagt über den FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke:

Dieser Typ ist eine Kanaille. Die Präsidentin hat mehr zu tun, als sich mit den Äußerungen eines Großmauls zu beschäftigen.”

FIFA-General Jérôme Valcke, ein notorischer Serienlügner, hat ungestraft schon so viel Blödsinn verzapft in seinem Berufsleben, da wird ihm diese neuerliche Entgleisung, für die sich sein Gönner Joseph Blatter flink bei den Brasilianern entschuldigen musste, doch wohl nicht schaden?

Brasiliens Sportminister Aldo Rebelo hat bereits mitgeteilt, die FIFA werde Valcke, den Busenfreund des Großganoven Ricardo Teixeira, nicht länger als Gesprächspartner akzeptieren.

Das ist auch gut so, ist Mann geneigt zu sagen. Aber das wird kaum das letzte Wort gewesen sein.

Jedenfalls, Valcke entschuldigte sich schriftlich:

Okay. Aber was erzählt Valcke da eigentlich? Warum behauptet er, er habe in Französisch formuliert, den Brasilianern müsse man mal gehörig in den Arsch treten?

Reporter, die dabei waren am vergangenen Wochenende beim IFAB-Meeting in London, erinnern sich ganz anders. Denn Valcke sprache ziemlich klares Englisch. Missverständnisse ausgeschlossen.

Das machten die Kollegen gestern auf Twitter klar und bestätigten es mir auch persönlich:

Die Frage, wem man da glauben darf, stellt sich nicht wirklich.

Pressehetze ignorieren! Originale lesen! Pflichtlektüre zum Sportausschuss

Die Medien mit linksgrüner Hysterie-Berichterstattung werden immer mehr zur 1. Gewalt im Staat.”

Joachim Günther (FDP, MdB), bezahlt aus Steuermitteln

Widmen wir uns mal wieder den öffentlichkeitsscheuen Demokratieverhinderern und Wahrheitsallergikern im Sportausschuss des Bundestages. Am Mittwoch ist erneut Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich kann nicht verstehen, warum manche Medien diesen intransparenten Schauspielern eine Berichterstattung gönnen, als sei nichts gewesen. Da dürfen Polit-Hampel und Wahrheitsallergiker wie Klaus Riegert (CDU, Kapitän des FC Bundestag, Schwäbischer Turnerbund) und/oder Joachim Günther (FDP) vor und nach den Sitzungen ihre belanglosen, irrlichternden und dümmlichen Statements zu Protokoll geben. Diese Abart des Journalismus und diese Zitate aus der Parallelgesellschaft sind nur: überflüssig.

Nachdem sich die Aufregung um meine Forderung nach einer objektiveren und faireren Presseberichterstattung gelegt hat, möchte ich mich bei all denen bedanken, die mir zu diesem Thema ihre Gedanken mitgeteilt haben. Viele haben ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Die meisten aber haben mir gedankt und Mut gemacht, nicht jeden Presseterror widerspruchslos hinzunehmen. Eine überwältigende Mehrheit hat mit sehr deutlichen Worten erklärt, dass auch ihr die linksgrüne HysterieBerichterstattung auf die Nerven geht.”

Joachim Günther (FDP, MdB), bezahlt aus Steuermitteln

Bleiben wir bei den, nun ja, Fakten. Wer lesen kann und lesen möchte, wird hier fündig, was allemal mehr bringt, als MdB beim iPad-Daddeln zuzuschauen oder ein paar Stunden vor verschlossenen Türen darauf zu warten, dass MdB pinkeln gehen, um einen “O-Ton” zu erhaschen.

Lesebefehle:

  • Bericht über die Delegationsreise des BT-Sportausschusses nach Chile und Brasilien

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  • Protokoll der 39. Sitzung des Sportausschusses, in der Klaus Riegert, Kapitän des FC Bundestag, in abenteuerlich-verlogener Weise den Ausschluss der Öffentlichkeit durchsetzt

Abg. Riegert (CDU/CSU) führt aus, die Regierungskoalition habe sich in einer Halbzeitbilanz Gedanken darüber gemacht, was die Effektivität und die Arbeit des Sportausschusses anbelangt und man sei zum Ergebnis gekommen, dass die geübte Praxis, die im Übrigen außer dem Sportausschuss kein anderer Ausschuss des Deutschen Bundestages praktiziere, nämlich ständig Öffentlichkeit herzustellen, sich nicht bewährt habe. Weder sei der Ausschuss öfter in der Öffentlichkeit gewesen, noch sei positiv über den Sportausschuss diskutiert worden. Er dürfe nur die Überschrift des Deutschlandfunks in der Online-Version der vergangenen Woche vorlesen. Da heiße es, das mute schon sehr merkwürdig an, was Beobachter bei den Sportausschusssitzungen in Berlin immer wieder erlebten. Mal würde am PC gedaddelt, mal ein Nickerchen gehalten, diesmal würden Desinteresse und Disziplinlosigkeit der Abgeordneten an den lichten Reihen erkennbar. Das sei für ihn die Spitze des Eisberges gewesen, dass offensichtlich Leute, die aus seiner Sicht besonderes Wohlwollen gehabt hätten, tatsächlich bei den Sitzungen anwesend sein zu dürfen – auf anderen Homepages gebe es noch sehr viel krassere Beispiele – in dieser Weise kommentieren würden. Ein weiteres Beispiel wolle er noch anfügen. Als der Ausschuss kürzlich auf Anmerkung der Staatsanwaltschaft München, dass sie Aussagegenehmigungen nur für eine nichtöffentliche Sitzung erteilen könne, nicht öffentlich getagt habe, habe sich die Sportausschussvorsitzende rechtfertigen müssen, warum man Nichtöffentlichkeit herstelle. weiterlesen »

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