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Nachtrag ISL-Komplex

tanda-isl-sonntagszeitung-20012008.jpgLese-Empfehlung:

In der Zürcher Sonntagszeitung hat sich heute der von mir sehr geschätzte Kollege Jean-François Tanda geäußert und nennt einige pikante Details zum Strafprozess gegen ISL-Manager.

Der Artikel ist online leider nicht frei verfügbar, lohnt sich aber, für ein paar Franken zu lesen. Zum Lesen der pdf auf das Foto klicken – (c) Sonntagszeitung.

Im Deutschlandfunk habe ich zum ISL-Komplex ein paar Worte sagen dürfen:

Der ISL-Komplex

Nur mal so, damit es nicht in Vergessenheit gerät, das wäre schade: Man hatte ja kaum noch damit rechnen wollen, doch am 11. März 2008 ist es nun so weit. Vor dem Strafgericht des Kantons Zug beginnt tatsächlich der Prozess gegen sechs ehemalige Manager des konkursiten Marketinggiganten ISL/ISMM. Den Managern drohen langjährige Zuchthausstrafen. Es könnte sein, dass in diesem Prozess belastbare Fakten zu jenem flächendeckenden Korruptionssystem bekannt werden, mit dem das ISL-Konglomerat (und seine Vorgänger, Vordenker und Gründungsväter) über zwei Jahrzehnte lang den olympischen Weltsport dominiert haben.

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Bizarr daran ist u. a., dass die ISL-Gruppe, die 2001 Pleite ging, Rechte gesichert hatte, die weit über dieses Jahr hinaus gingen, so mit der IAAF (2009) mit Flamengo Rio de Janeiro und Gremio Porto Alegre (jeweils bis 2014, Option bis 2029). Alles Makulatur. All jene, die sich seit vielen Jahren um Aufklärung bemühen, wie etwa Andrew Jennings, sehen in diesem Prozess die letzte Chance, dass die Öffentlichkeit doch mehr darüber erfährt, wie Präsidentenposten in Weltverbände besetzt, milliardenschwere Marketingrechte (TV und Sponsoring) vergeben und Mega-Events (Olympische Spiele, Fußball-WM) vergeben wurden. Danach sind die Bücher geschlossen. Nicht nur einer der Angeklagten hat in kleinem Kreise schon verlautet: Er gehe lieber ins Zuchthaus, als dass er plaudere – und sein Leben verliere. weiterlesen »

Marion Jones – Januar 2008

Marion, zum Dritten: Und noch ein Video der zweitschnellsten Frau der Welt nach, nun ja, nach Florence Griffith-Joyner. Erst hat sie gedopt, dann hat sie gelogen und weiter betrogen, jetzt geht sie ein halbes Jahr in den Knast. Mitleid? Unangebracht. Ob ihr Beispiel andere Doper abschrecken wird?

Ich habe gerade mal nachgesehen, was ich nach ihrem 100-m-Sieg von Sydney, der nun kein Olympiasieg mehr ist, geschrieben habe – und ob es nicht gar so peinlich war. Seit 1997 habe ich all ihre Rennen bei internationalen Großereignissen beschrieben – und auch den vorläufigen Schlusspunkt ihrer Karriere: Die endgültige Disqualifikation durch das IOC. Doch wer nun denkt, der Fall Jones sei beendet, der täuscht sich sehr: Denn noch steht die Entscheidung darüber aus, wer ihre 100-m-Goldmedaille bekommen soll. Ekaterini Thanou hofft darauf, hoffentlich hofft sie vergebens.

“Qualitätsjournalisten” vs. Idiotae des Web

Hier meine Leseempfehlung für das Wochenende: Stefan Niggemeier in der taz über die “Arroganz der Papierverfechter” und die unsäglichen, wiederholten Attacken seitens Süddeutscher Zeitung (“Web 0.0″) und FAZ (“Immer schön sachlich bleiben”) gegen all das, was man als Mitmach-Web bezeichnen könnte. Brrr, ist ja auch blöd, wenn jeder seine Meinung sagen kann.

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Zu Gast im Bildblog

jw-bildblog-klein-21122007.jpgUnter Androhung von moralischer Gewalt wurde ich von Herrn N. gezwungen, ein paar Tage Bild zu lesen. Das hier ist dabei herausgekommen.

Bernd-Uwe Hildebrandt

Kollegenlob muss auch mal sein. Die bisher beste Geschichte über den Magdeburger Kriminalfall Bernd-Uwe Hildebrandt, einen einfallsreichen Multifunktionär, steht heute in der Süddeutschen Zeitung. Claudio Catuogno berichtet über den “König der Fördertöpfe”, also über Schülertransporte für tote Wildschweine, über zigarrenverschlingende Athleten und einen Mann, der mitunter in zehn Funktionen gleichzeitig verhandelt - mit sich selbst, versteht sich.

Die Geschichte des Bernd-Uwe Hildebrandt, den ich vor vielen Jahren gern als erfolgreichsten Sportmanager Ostdeutschlands gepriesen habe (so kann man sich täuschen), trifft mich als alten Magdeburger natürlich ins Mark. Sie ist eine atemraubende Story über ganz normale Korruption im deutschen Sport. Millionensummen dürften verschwunden sein, “in Rauch aufgelöst”, wie Catuogno schreibt, denn zu den vielen bizarren Geschichten im Reich des Bernd-Uwe Hildebrandt zählt es ja auch, dass das Haus der Athleten monatlich etwa 1000 Euro für Zigarren verbuchen musste.

Der greise – und noch nie sonderlich hell gewirkt habende – LSB-Präsident Heinz Marchiniak greint allerdings unter Hinweis auf die so genannte “Autonomie des Sports”, kritische Fragen zur Ära Hildebrandt würden sich verbieten. Klar doch.

Und die Moral von der Geschicht’? Der Geschädigte ist mal wieder der Steuerzahler. Kontrollmechanismen im Paralleluniversum Sport gibt es nicht.

Richard Pound

Ich gebe ja zu, Richard Pound, scheidender Präsident der Weltantidopingagentur (Wada), ist so etwas wie mein Lieblings-Sportfunktionär. Gerade habe ich eine kleine Hymne (“Schöpfer im Chaos”) auf seine Arbeit als Wada-Chef verfasst, die ich wirklich sehr erstaunlich finde. Die Arbeit natürlich, nicht die schnell runter geschriebene Hymne.

pound.jpgManch einen wird derartige Schwärmerei erstaunen, weil ich doch gewöhnlich anders mit Sportfunktionären verfahre. Aber ich denke schon, dass sich diese Einschätzung mit Fakten deckt. Im Laufe der Jahre ist er einem ja oft genug über den Weg gelaufen (das eine oder andere Interview, das ich mit Pound geführt habe, finde ich jetzt gerade nicht im Archiv). Jedenfalls, Pound ist, und er würde über diese Bezeichnung lachen, für mich ein durchaus sympathischer Schweinehund. Er ist, Achtung Floskel!, selbstverständlich mit allen Wassern gewaschen. Aber er ist im persönlichen Gespräch stets sehr direkt und von einer gewissen Ehrlichkeit, die in dieser verkommen Branche ihresgleichen sucht. Und: Er hat einige Ganoven, wie etwa Kim Un Yong, erfolgreich gejagt.

Noch ein letzter Punkt, der Pound ebenfalls aus der Masse einflussreicher IOC-Mitglieder heraushebt: Er macht sich ständig Gedanken: Und zwar nicht nur darüber, wie er die Summen auf seinen Privatkonten erhöht. Pound hat ein wunderbares Laster: Bücher schreiben. U. a. kann ich “Inside the Olympics” (2004) und “Inside Dope” (2006) sehr empfehlen. Natürlich schreibt er selten das, was er schreiben könnte – und doch finden sich sehr viele ganz erstaunliche Geschichten, Fakten und Wertungen, die – wenn sie Journalisten aufschreiben – gern als Hirngespinst abgetan werden. Wer die olympische Welt verstehen will, muss diese Bücher gelesen haben.

Auch deshalb ist das desaströse Versagen der Politik bei der Suche nach einem adäquaten Pound-Nachfolger ein Jammer. Als Nachtrag dazu weitere Beiträge aus Madrid:

15.11.: Narrenspiele auf dem alten Kontinent
16.11.: Debatten in kleinem Zirkel
16.11.: Progagandisten
17.11.: Hart im Nehmen
17.11.: Höhepunkt der Hilflosigkeit
19.11.: Altes Europa, bekanntes Doping
19.11.: Aufruf zur Versöhnung

Play the Game

Islands Präsident Ólafur Ragnar Grímson hat am Sonntag in Reykjavik die Weltkonferenz Play the Game eröffnet. Play the Game – Motto: home for the homeless questions in sport – wurde vom dänischen Journalisten Jens Sejer Andersen initiiert und findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt, erstmals außerhalb Dänemark.

Traditionell werden bei Play the Game vor allem jene Themen debattiert, die im allgemeinen Sport-PR-Kommerz-Hype zu selten erörtert werden: der gesellschaftliche Wert des Sports, Doping, Korruption, Transparenzfragen. Zu den Rednern zählen u. a. der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche (noch heute Abend), Wada-Präsident Richard Pound, UCI-Präsident Pat McQuaid, der Dopingaufklärer Sandro Donati sowie die investigativen Journalisten David Walsh (“LA confidential, die Geheimnisse des Lance Armstrong”) und Andrew Jennings (“The Lord of the Rings”, “Foul!”).

39 Studenten und Mitarbeiter der dänischen Journalistenschule produzieren bis zum 1. November die multimediale Live-Berichterstattung von der Konferenz im Grand Hotel Reykjavik: zu verfolgen auf der Webseite
The Pulse 2007.

* Disclaimer: Ich bin Mitglied des Programmkomitees von Play the Game und nehme in dieser Woche mit einem Vortrag über Korruption im Sport und als Diskussionsleiter selbst an Play the Game teil.

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