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	<title>jens weinreich &#187; wolfgang schäuble</title>
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		<title>Dichtung und Wahrheit und Ehrendoktor Schäuble</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 11:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Damit es nicht untergeht in den langen Kommentarspalten: Andreas Krieger schrieb gerade: Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen. Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit es nicht untergeht in den langen <a title="Kommentar von Andreas Krieger zu Werner Goldmann darf wieder ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3918#comment-9529" target="_self">Kommentarspalten</a>: <a title="Andreas Krieger zum Fall Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a> schrieb gerade:</p>
<blockquote><p>Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen.</p>
<p>Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre &#8220;Pauschalentschuldigung&#8221; auch noch Rückendeckung von Seiten des Sports und dürfen damit ihre Jobs behalten. &#8220;Wie feige!&#8221;</p>
<p>Ich habe mein EM-Gold nicht umsonst abgegeben. Denn ich wusste als Werfer (auch wenn Herr Schneider es anders behauptet) <strong>nicht</strong>, was mir dort verabreicht wurde. Ich habe es erst durch die Prozesse erfahren.</p>
<p>Was wirklich schlimm ist?</p>
<p>Ich komme mir vor wie ein Vergewaltigungsopfer, das vor Gericht zwar Recht bekommen hat, der Täter wurde auch verurteilt, aber dennoch werde ich durch damalige Mittäter immer wieder als die eigentliche Hure hingestellt, die für ihr eigenes Schicksal selbst verantwortlich gemacht wird.</p>
<p>Das ist schlimm und das tut weh.</p></blockquote>
<p>Und das ist die menschliche Dimension dieser Diskussion. Die Opfer werden nicht gehört, daran ändert auch ein Treffen nicht, dass es irgendwann vor der Leichtathletik-WM geben soll, das kommt zu spät und wird letztlich nur die Propaganda stärken. Täter und deren Gönner setzen sich einmal mehr durch, in schamloser Weise. Und sie verstoßen gegen zahlreiche Regeln, die in einer demokratischen Gesellschaft eingehalten werden sollten, und deren Nichteinhaltung zunächst parlamentarische und möglicher Weise juristische Konsequenzen haben sollten. Etwa die unsachgemäße Verwendung von vielen Millionen aus Steuermitteln über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Aber die &#8220;Volksvertreter&#8221; <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">spielen ja mit in diesem unwürdigen Spiel</a>, mit <a title="Reaktion im Sportausschuss ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3895" target="_self">einer Ausnahme</a>. Dies ist die, sagen wir, technokratische Dimension dieser Diskussion. Auch die kommt leider zu kurz, weil jene, die die <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Verwendung von Steuermitteln</a> zu verantworten haben, sich mit diesen &#8220;Pauschalentschuldigungen&#8221; selbst aus der Verantwortung stehlen wollen. Dazu zählen DOSB und Vorgängerorganisationen, DLV und andere Fachverbände, und das BMI &#8211; aber das habe ich oft genug gesagt und dokumentiert.</p>
<p>Passend zur Diskussion ist übrigens diese Pressemitteilung, die mich soeben aus Tübingen erreicht (mit falschem Datum, es geht um den 26. Juni 2009):</p>
<blockquote><p>Ehrendoktorwürde für den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble</p>
<p>An der Eberhard Karls Universität Tübingen findet im Sommersemester 2009 eine au­ßergewöhnliche Feierstunde statt. Am Freitag, 26. Mai 2009 wird die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften dem Bundesminister des Innern, </p>
<p align="center"><strong>Herrn Dr. jur. <a title="tag: Wolfgang Schäuble" href="http://jensweinreich.de/?s=sch%C3%A4uble" target="_self">Wolfgang Schäuble</a>,</strong></p>
<p>die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Promotionsfeier findet um 12.00 Uhr s.t. im His­torischen Lesesaal (Bonatzbau, Wilhelmstraße 32) statt, bei der u.a. der Minister­präsident des Landes Baden-Württemberg, Herr Günther Oettinger, ein Grußwort und Prof. Dr. Helmut Digel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft, die Laudatio spre­chen werden. Hierzu sind Medienvertreter herzlich eingeladen.</p>
<p>Die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard Karls Universität Tübingen würdigt damit die Verdienste von Bundesinnenminister Schäuble um die Sportwissenschaft, die sich in einer Vielzahl von Reden und Beiträgen zu Fragen der Sportpolitik, der Sportwissen­schaft und der Sportentwicklung in Deutschland doku­mentieren. Er hat sich dabei als scharfsinniger Analyti­ker der Sportentwicklung und als Initiator sportwissenschaftlicher Diskurse erwiesen. Mit der Konzipierung von Fachkonferenzen hat er in der Bundesrepublik Deutschland als ein anerkannter Vor­denker auf dem Gebiet der Sportentwicklung ein besonderes Profil gewonnen.</p></blockquote>
<p>Ach ja, Helmut Digel.</p>
<p>Was <a title="tag: Hansjörg Kofink" href="http://jensweinreich.de/?s=kofink" target="_self">Hansjörg Kofink</a> davon hält, kann man <a title="Offener Brief Kofink, Juni 2009" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/kofink-7609.pdf" target="_blank">hier als pdf-Datei nachlesen</a> (5 Seiten), ein weiterer Offener Brief von Kofink an die üblichen Verdächtigen in BMI, DLV und DOSB etc. pp.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit und mit Dopingrekorden</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 16:56:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich kann der Diskussion über den Umgang mit DDR-Doping- und Stasi-Trainern kaum noch folgen. Weil zu oft Fakten mit Fiktionen und Wahrheitsbeugungen vermischt werden. Ich wähne mich im falschen Film. Da will der DOSB den Trainern nun einen Persilschein ausstellen, da fabuliert ein führender SPD-UmfallerSportpolitiker, mit Wahlkreis tief im Osten, weiter von amnestieartigen Lösungen, da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3428" title="Thomas Bach, Wolfgang Schäuble, Mai 2008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/bachschauble.jpg" alt="" width="500" height="302" /></p>
<p>Ich kann der Diskussion über den Umgang mit DDR-Doping- und Stasi-Trainern kaum noch folgen. Weil zu oft Fakten mit Fiktionen und Wahrheitsbeugungen vermischt werden. Ich wähne mich im falschen Film. Da will der DOSB den Trainern nun einen Persilschein ausstellen, da fabuliert ein führender <a title="Die Umfaller im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=1694" target="_self">SPD-<span style="text-decoration: line-through;">Umfaller</span></a>Sportpolitiker, mit Wahlkreis tief im Osten, weiter von amnestieartigen Lösungen, da schweigen die Täter und lügen, dass sich die Balken biegen. So geht das nun im Grunde seit zwanzig Jahren, und darüber ist hier in den vergangen Monaten viel diskutiert worden. Es müsste eigentlich ein weiteres Buch geschrieben werden, um mit all diesem verantwortungslosen Unsinn, mit all diesen haarsträubenden Argumenten, mit Propaganda (immer wieder gern verlinkt: Vortrag von Grit Hartmann zur <a title="Vortrag Grit Hartmann, sportnetzwerk-Konferenz 2008" href="http://sportnetzwerk.eu/wp-content/uploads/2008/02/vortrag-grit-hartmann-dortmund-16022008.pdf" target="_blank">&#8220;Inszenierung von Medienwirklichkeit&#8221;</a>) und Legenden aufzuräumen. Aber wer will sich das antun, will in diesem Sumpf wühlen. Egal. Momentan empfehle ich nur, sich an die Fakten zu halten. Fakten? Ja, so etwas gibt es.</p>
<p>Die Wikipedia <a title="Link zu Wikipedia: Faktum" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Faktum" target="_blank">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>Unter einer <strong>Tatsache</strong> (lat.<em>factum</em>, <em>res facti</em>; engl. <em>fact</em>, <em>matter of fact</em>) versteht man allgemein einen erwiesenen Sachverhalt. Des Weiteren ist es ein Ausdruck, der mit verschiedenen Nuancierungen verwandt wird. Das lateinische <em>factum</em> verweist auf den Charakter des <em>Gemachten</em> oder <em>Geschehenen</em> in dem Ausdruck. Die Tatsache entzieht sich somit der Phantasie und ist von Fiktion kategorial verschieden. Tatsachen werden in Aussagen konstatiert; jede Aussage benennt einen Sachverhalt, jedoch nur jede wahre Aussage benennt eine Tatsache. Hieran schließt sich die Problematik der Erkenntnis einer Aussage als wahrer Aussage an.</p>
<p>Mit der Berufung auf Tatsachen geht ein Anspruch auf Objektivität einher.</p></blockquote>
<p>Harter Tobak. Ich will es einfacher machen. Sportminister Wolfgang Schäuble hat kürzlich der FAZ ein Interview zum Thema gegeben: <a title="FAZ-Interview mit Wolfgang Schäuble vom 28. März 2009" href="http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~E014BCB29AEF0480CB47037E562DC14D6~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_self">&#8220;Straf- wie sportrechtlich sind alle Verjährungsfristen abgelaufen&#8221;</a>. Er sagt darin einige interessante Dinge, die sich nicht schlecht anhören und eine sachliche Überprüfung wert wären. Er sagt aber auch Sätze wie diesen:</p>
<blockquote><p><strong><span style="color: #000000;">Wir haben ja ganze Rekordlisten abgeschafft.</span></strong></p></blockquote>
<p>Es ist nur ein Satz, eine Behauptung, zugegeben. Doch sie steht durchaus zentral. Und noch einmal: Schäuble ist Innenminister, Sportminister, war das auch schon in der Wendezeit bis November 1991, als man noch hätte Weichen stellen können. Weshalb ich einfach mal frage: Stimmt diese Behauptung von Schäuble? Kann sich irgendjemand da draußen im anonymen Internet und im nicht-anonymen sportpolitischen Geschäft daran erinnern, dass je eine Rekordliste abgeschafft wurde? In Deutschland und überhaupt? <em>(Ich meine, wirklich abgeschafft, nicht wie es der Gewichtheber-Weltverband gemacht hat, der seine Gewichtsklassen änderte und damit eine neue Rekordflut auslöste.)</em></p>
<p>Vielleicht hat sich Wolfgang Schäuble nur versprochen. Vielleicht nicht.</p>
<p>Ich kann mich jedenfalls an keine gelöschte Rekordliste erinnern, nur an Ines Geipel, die Ihren Namen aus der Rekordliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes löschen ließ. Es ging um einen Sprint-Rekord von Klubstaffeln. Die <a title="DLV, Rekordliste" href="http://www.leichtathletik.de/image.php?AID=9312&amp;VID=0" target="_blank">Rekordliste</a> des DLV habe ich kürzlich <a title="Sebastian Bayer oder: &quot;Have a good time&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3259" target="_self">schon einmal verlinkt</a>. In deren Präambel heißt es immerhin:</p>
<blockquote><p>In der nachfolgenden Rekordliste stehen nach heutigen Erkenntnissen einige Rekordhalter unter dem Verdacht, während ihrer leistungssportlichen Laufbahn gegen die Antidoping-Regeln verstoßen zu haben. Darüber hinaus wurde ein Teil der Rekorde auf der Basis von Zwangsdoping und Doping in Form von strafrechtlich relevanter Körperverletzung erzielt.</p>
<p>Hinsichtlich der betroffenen Rekorde wird insbesondere auf die hierzu veröffentlichte Literatur und die Urteile staatlicher Gerichte verwiesen. Eine Löschung solcher Rekorde ist aus juristischen Gründen nicht möglich. Der DLV fordert den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf, innerhalb angemessener Zeit eine für den gesamten deutschen Sport umsetzbare Lösung hinsichtlich der unter Dopingverdacht stehenden Rekorde zu entwickeln.</p>
<p>Auf Doping beruhende Rekorde entsprechen nicht den ethischen Werten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes e.V. und sind nicht als Bezugssystem für heutige sportliche Leistungen geeignet.</p></blockquote>
<p>Dazu gibt es einiges zu sagen.</p>
<ul>
<li>Erstens: Ich weiß jetzt nicht, ob sich der DOSB darum je gekümmert hat, oder ob vielleicht, wenn er sich denn gekümmert hat, diese Persilscheine für Trainer auch gleich noch die leidige Dopingrekordfrage entsorgen sollen.</li>
<li>Zweitens: Es ist mitnichten so, dass &#8220;eine Löschung solcher Rekorde&#8221;, die es laut Schäuble ja längst gegeben hat, &#8220;aus juristischen Gründen nicht möglich&#8221; sei.</li>
</ul>
<p>Ich möchte gern einmal zwei juristische Gutachten zur Diskussion stellen, die kaum Beachtung gefunden haben, sondern leider Gefahr laufen, in den Aktenschränken des Sports zu vermodern.<span id="more-3420"></span></p>
<ol>
<li>Gutachten der Rechtsanwälte Dr. Marius Breucker und Dr. Christoph Wüterich: <a title="www.kooperationsportrecht.de" href="http://kooperationsportrecht.de/gutachten.htm" target="_blank">&#8220;Zulässigkeit der Streichung von Rekorden wegen Verstößen von Athleten gegen Doping-Verbote&#8221;</a> (pdf, 34 Seiten)</li>
<li><a title="Adolphsen-Gutachten" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/adolphsen-gutachten.pdf" target="_blank">Stellungnahme von Prof. Jens Adolphsen</a> zum Gutachten von Breucker/Wüterich vom Oktober 2007 für den DLV (pdf, 6 Seiten)</li>
</ol>
<p>Interessant auch <a title="Digel an DLV-Verbandsrat" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/digel-an-verbandsrat.pdf" target="_blank">dieses Schreiben</a> von Helmut Digel an den DLV-Verbandsrat vom Mai 2006, in dem es u. a. heißt:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Die Leichtathletik ist von all diesen Problemen besonders intensiv betroffen, vor allem ist sie nun mit einer Frage konfrontiert, wie sie sich sportpolitisch und juristisch zuvor noch nie gestellt hat. Gleichzeitig wird wohl schon sehr lange angenommen, dass einige ihrer Weltrekorde auf saubere Weise nicht mehr zu überbieten sind, da die bestehenden Rekorde vermutlich nur nach einer systematischen Dopingmanipulation erreicht wurden. Unabhängig davon werden gerade bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen die Weltrekorde in diesen Disziplinen als Bezugspunkt für das aktuelle Ereignis mittels einer Fahne ausgewiesen. Doch diese Marken sind für die nachrückenden Athleten in unendliche Ferne gerückt. Beispielhaft zeigt dies der Frauenweltrekord über 400 m oder der Diskusweltrekord der Männer, aber auch die Sprintweltrekorde der Amerikaner stehen unter Verdacht. Viele dieser Rekorde liegen lange Zeit zurück und die Diskussion über diese Rekorde wird aus der Sicht von heute aus verständlichen Gründen nur als eine Verdachtsdiskussion geführt.</p>
<p>Dennoch haben diese fragwürdigen Rekorde eine äußerst negative Wirkung. Sie schaden der öffentlichen Präsentation unserer Sportart. Sie widersprechen dem Prinzip des Fairplay. Sie sind ein Betrug gegenüber jenen Gegnern, die damals ihre Leistungen auf regelgerechte, also „saubere&#8221; Weise erbracht haben. Sie sind vor allem auch für die nachrückenden jüngeren Generationen ein ungeeignetes und unangemessenes Bezugssystem. Deshalb hatte ich selbst im Jahr 1999 beim Weltverband den Versuch unternommen, diesem Problem zu begegnen, indem ich einen Antrag an den Kongress richtete, der die alten Rekorde grundsätzlich nicht in Frage stellte. Vielmehr sollte konstruktiv mit einer neuen Rekordzählweise zu Beginn des neuen Jahrhunderts begonnen werden. Aus politischen Gründen wurde dieser Antrag vom damaligen IAAF-Präsidenten Nebiolo nicht unterstützt, obgleich er ihn von der Sache her als sinnvoll bezeichnet hatte. Eine Mehrheit konnte damit bei den Delegierten nicht erreicht werden. Im Nachhinein bedauern wohl viele IAAF-Mitglieder, dass die einmalige Chance einer derartigen Regeländerung zur Jahrhundertwende verpasst wurde.</p>
<p>Nun hat das damalige Problem die deutsche Leichtathletik erneut eingeholt. Allerdings wird nunmehr die Diskussion viel umfassender und grundlegender geführt. Eine ehemalige Athletin der DDR hat sich an den Deutschen Leichtathletik-Verband mit der Bitte gewandt, dass ihre Leistung aus den Rekordlisten gestrichen wird, da sie annehmen muss (und gerichtsverwertbare Dokumente belegen dies), dass sie zu diesem Zeitpunkt ohne ihr Wissen von Dritten gedopt wurde. Der DLV hat bis zum heutigen Zeitpunkt dieser Bitte nicht entsprochen. Zunächst wurde vielmehr das von Frau Prof. Geipel vorgetragene Anliegen eher als ein Ärgernis empfunden, die Reaktionen auf ihre Anfrage wurden verschoben, waren widersprüchlich und bis heute ist nicht zu erkennen, was die endgültige Antwort auf diese Anfrage sein wird. Wie immer es in solchen Fällen in Verbänden leider üblich ist, wurde auch im DLV eine Kommission berufen, die sich der Rekorde annehmen sollte, um herauszufinden, welche juristischen und sportpolitischen Möglichkeiten sich dem Deutschen Leichtathletik-Verband in Bezug auf diese Fragen eröffnen. Für die externen juristischen Experten, die zu einer Kommissionssitzung eingeladen wurden, war die Sache schnell klar. Aus juristischer Sicht ist zu empfehlen, dass die unter Verdacht stehenden Rekorde nicht annulliert werden, da weder die IAAF noch der DLV zum Zeitpunkt der in Frage gestellten Rekorde über die notwendigen Regeln verfügten, auf deren Grundlage eine Aberkennung der Rekorde möglich sein würde. Will der Verband mögliche Schadensersatzklagen gegen sich selbst verhindern, so muss er deshalb aus der Sicht der Experten auch zukünftig mit diesen Rekorden leben. Es bleibt ihm jedoch die Möglichkeit, über Verbandstagsbeschlüsse für die Zukunft Neuregelungen zu schaffen. Unabhängig von dieser juristischen Expertise bleibt dem Verband jedoch aus sportpolitischer Sicht eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten, über die der Verband autonom befinden kann.</p>
<ol>
<li>Die erste zeichnet sich dadurch aus, dass der Verband sich dieser juristischen Bewertung entzieht und einzelne deutsche Rekorde aufgrund vorhandener Indizien ungültig erklärt. Auf der Grundlage der Dokumente, die dem Verband vorliegen, würde dies mehrere Rekorde der ehemaligen DDR und wenige Rekorde der ehemaligen BRD betreffen. Die nationalen Rekordlisten des DLV würden auf diese Weise neu geschrieben, wohl wissend, dass möglicherweise die nachrückenden Athleten nicht weniger unter Dopingverdacht stehen als die bislang die Rekordlisten anführenden Athletinnen und Athleten. Allerdings liegen gegen die nachrückenden Athleten keine Indizien der Manipulation vor und so müssen sie als fair und sauber gelten. Sollten einzelne Athleten gegen diese Entscheidung vor ordentlichen Gerichten klagen, so hat der Verband dies sportpolitisch zu verantworten. Unter ethisch-moralischen Gesichtpunkten ist diese Verantwortung angebracht, sportpolitisch könnte das Signal, das der Verband dadurch setzt, wünschenswert sein.</li>
<li>Die zweite sportpolitische Möglichkeit, die sich dem Verband eröffnet, geht zurück auf das Beitrittsjahr des DVfL. Da zu diesem Zeitpunkt, also im Jahr 1989, mit dem Beitritt des ehemaligen Verbands der DDR ein erweiterter DLV gegründet wurde, wäre es möglich, dass mit diesem Zeitpunkt der Neugründung eine Festlegung der nationalen Rekorde neu beginnt und somit die zuvor erzielten Rekorde als ehemalige Rekorde der jeweiligen Teilverbände weiterhin Gültigkeit haben. Die Rekorde werden in ihrer Individualität auf diese Weise nicht in Frage gestellt, wenngleich vorbeugend darauf hinzuweisen ist, dass in manchen Disziplinen neue Rekordhalter an Stelle der ehemaligen treten, deren Leistung aufgrund späterer Verfehlungen in hohen Maße unter Verdacht stehen.</li>
<li>Eine dritte Möglichkeit könnte darin bestehen, dass der DLV auf meinen Antrag aus dem Jahr 1999 zurückkommt, ihn sich zu Eigen macht und für das Hoheitsgebiet der deutschen Leichtathletik mit der Rekordstatistik zum Jahr 2000 neu beginnt. Auch hier stellt sich die Möglichkeit, dass manche Athleten dies als Diskriminierung erachten, dass sie sich nicht als Jahrhundertrekordhalter, sondern als Rekordhalter über alle Zeiten hinweg verstehen. Doch auch diesbezüglich wäre der Verband in einer ethisch-moralischen Position, die Achtung und Respekt abverlangt, denn ihm geht es bei dieser Entscheidung um die Zukunft seiner Sportart und um die nachrückenden Generationen. Und für diese wäre die Beseitigung einer ungerechten Vergleichssituation, die durch die Unerreichbarkeit alter Rekorde erzeugt, wird oberste Priorität.</li>
<li>Schließlich gibt es noch viertens die Möglichkeit, dass der Verbandsrat in der bevorstehenden Sitzung mit einem Beschluss die Rekorde neu regelt, alle bislang zurückliegenden Rekorde zu historischen Rekorden deklariert und mit einem Neubeginn der Rekorde zum Jahr 2006 beginnt.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Viel weiter ist man nicht gekommen im Sport. Weder in Bezug auf ostgedopte noch auf westgedopte Rekorde.</p>
<p>Grit Hartmann hat allein in der DLV-Rekordliste, inklusive der Nachwuchsrekorde, <span style="text-decoration: line-through;">135</span> mehr als 130 Dopingrekorde gezählt. <span style="text-decoration: line-through;">Diesen Text aus der Berliner Zeitung habe ich jetzt auf die Schnelle nicht wieder gefunden, den wird aber in den Kommentaren bestimmt gleich jemand verlinken.</span> Grit Hartmann hat die Rekordfrage vor Jahren herausragend bearbeitet. Flink noch einige andere Links zu ihren Artikeln:</p>
<ul>
<li><a title="BLZ vom 6. Oktober 2005" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/1006/sport/0031/index.html" target="_blank">Rückgabe vorerst ausgeschlossen</a></li>
<li><a title="BLZ vom 24. Dezember 2005" href="https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/1224/sport/0022/index.html" target="_blank">In der biografischen Falle</a></li>
<li><a title="BLZ vom 6. Mai 2006" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0506/sport/0029/index.html" target="_blank">Stern im Alternativendschungel</a></li>
<li><a title="BLZ vom 29. Mai 2007" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/dossiers/doping/78640/index.php" target="_blank">Schmutzige Rekordwäsche</a>:Die Löschung von Dopingbestmarken ist laut DOSB unmöglich &#8211; laut Regelwerk des Sports aber legitim</li>
<li><a title="BLZ vom 21. August 2007" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0821/sport/0008/index.html" target="_blank">Neben dem Balken</a></li>
<li><a title="BLZ vom 9. November 2007" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/1109/sport/0006/index.html" target="_blank">Die Bastion wankt</a></li>
</ul>
<p>Mehr kann ein Journalist nicht machen.</p>
<p>Es wird folgenlos bleiben, wenn sich die Sportpolitiker, ob nun Funktionär, IOC-Lobbyist, Abgeordneter und/oder Minister, nicht wirklich dafür interessieren.</p>
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