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	<title>jens weinreich &#187; tv-rechte</title>
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	<description>don&#039;t mix politics with games</description>
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		<title>Was vom Tage Ã¼brig bleibt (63): olympische TV-Milliarden, NBCU und neue Optionen fÃ¼r die Sommerspiele 2020</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/06/08/was-vom-tage-ubrig-bleibt-63-olympische-tv-milliarden-nbcu-und-neue-optionen-fur-die-sommerspiele-2020/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 10:08:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da haben sich zwei gesucht und gefunden. NBC Universal bleibt also bis 2020 Olympiasender. Das ist die sportpolitische Top-Meldung dieser Tage. Die Summe hat es in sich: 4,4 Milliarden Dollar fÃ¼r das Paket von vier Spielen &#8211; hinzu kommen die Sponsoren-Millionen von General Electric, die schon die bis 2012 geltenden Vertragssummen um bis zu 200 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a title="IOC awards US broadcast rights for 2014, 2016, 2018 and 2020 Olympic Games to NBCUniversal by International Olympic Committee, on Flickr" href="http://www.flickr.com/photos/iocmedia/5808866029/"><img src="http://farm3.static.flickr.com/2538/5808866029_f330f342b0.jpg" alt="IOC awards US broadcast rights for 2014, 2016, 2018 and 2020 Olympic Games to NBCUniversal" width="500" height="332" /></a><p class="wp-caption-text">(l to r) Richard Carrion IOC EB member, Brian Roberts, CEO and Chairman, Comcast, Jacques Rogge IOC President (c) IOC/Richard Juilliart</p></div>
<p>Da haben sich zwei gesucht und gefunden. <a title="universalsports.com" href="http://www.universalsports.com/news-blogs/article/newsid=536211.html#ioc+awards+olympic+media+rights+nbc" target="_blank">NBC Universal bleibt also bis 2020 Olympiasender.</a> Das ist die sportpolitische Top-Meldung dieser Tage. Die Summe hat es in sich: 4,4 Milliarden Dollar fÃ¼r das Paket von vier Spielen &#8211; hinzu kommen die Sponsoren-Millionen von General Electric, die schon die bis 2012 geltenden Vertragssummen um bis zu 200 Millionen Dollar erhÃ¶hten.Â Der neue Besitzer Comcast ist Ã¼berzeugt, dass die Verluste der Olympia-Abenteuer in Vancouver (mehr als 200 Mio $) und London (es wird ein deutlicher Verlust erwartet) konzernweit ausgeglichen werden und sich die Investition also dennoch rechnet.</p>
<p>Damit sind die USA nun auch wieder fÃ¼r die Olympischen Sommerspiele 2020 im Spiel. Die Amis und ihr USOC wÃ¤ren dÃ¤mlich, wÃ¼rden sie diese Chance nicht nutzen.</p>
<p>IOC-PrÃ¤sident Jacques Rogge hat sie gestern regelrecht aufgefordert:</p>
<blockquote><p>You are the country that has organized the most Olympic Games, with the best athletes in the world.Â  If there is a bid coming for 2020 from the USA, we would be very happy.&#8217;</p></blockquote>
<p>Wer auÃŸer Rom ist derzeit im Olympia-Rennen? SÃ¼dafrika hat abgesagt. Die TÃ¼rken werden sich nach der Wahl (am 12. Juni) flink zwischen einer neuerlichen Euro-Bewerbung (fÃ¼r 2022) und einer weiteren Olympiabewerbung von Istanbul entscheiden mÃ¼ssen. Die Amerikaner sind zwar international sportpolitisch noch immer isoliert und tragen schwer am Trauma der Desaster von New York (vorletzter Platz im Wettbewerb um die Sommerspiele 2012) und Chicago (letzter Platz im Rennen um 2016), jedoch hat sich ihre Lage mit der neuen USOC-FÃ¼hrung, den positiven Entwicklungen in den Verhandlungen um das olympic revenue sharing und diesem neuerlichen Milliardendeal extrem verbessert. Es bleibt dabei: In den USA wird fast die HÃ¤lfte des IOC-Umsatzes generiert.</p>
<p>Allein NBC hat, diesmal erstmals ohne Dick Ebersol, der im Mai den Dienst quittierte, den IOC-Deal aber noch mit vorbereitete, seit dem 1988er Vertrag mehr als 11 Milliarden Dollar fÃ¼r olympische TV-Rechte bezahlt.</p>
<ul>
<li>1988, Seoul: 300 Mio $</li>
<li>1992, Barcelona: 401 Mio $</li>
<li>1996, Atlanta: 456 Mio $</li>
<li>2000, Sydney: 705 Mio $</li>
<li>2002, Salt Lake City: 545 Mio $</li>
<li>2004, Athen: 793 Mio $</li>
<li>2006, Turin: 613 Mio $</li>
<li>2008, Peking: 894 Mio $</li>
<li>2010, Vancouver: 820 Mio $</li>
<li>2012, London: 1181 Mio $</li>
<li>2014, Sotschi: <strong>775 Mio $</strong></li>
<li>2016, Rio de Janeiro: <strong>1226 Mio $</strong></li>
<li>2018, MÃ¼nchen oder PyeongChang: <strong>963 Mio $</strong></li>
<li>2020: Â <strong>1418 Mio $</strong></li>
</ul>
<p>Die letzten/aktuellsten verfÃ¼gbaren IOC-Statistiken:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-10465" title="IOC TV revenue Olympic Games" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/06/tv-revenue.gif" alt="" width="368" height="612" /></p>
<p>So hat sich das VerhÃ¤ltnis von US-Markt und Einnahmen in anderen Territorien zuletzt entwickelt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-10466" title="IOC TV revenue, territories since 1998" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/06/tv-revenue2.gif" alt="" width="526" height="253" /></p>
<p>Hoch interessant, was der aufmÃ¼pfige Urs Leutert, Sportchef des Schweizer Fernsehens, zur IOC-Strategie der Gewinnmaximierung einmal mehr im NZZ-Interview sagt <a title="nzz.ch" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/verrat_an_der_olympischen_idee_1.10816984.html" target="_blank">(Verrat an der olympischen Idee)</a>:</p>
<blockquote><p><em>Die Rechte fÃ¼r die Spiele 2014 und 2016 haben Sie noch nicht. Wo stehen die Verhandlungen?</em></p>
<p>Das Internationale Olympische Komitee hat nach Ã¼ber 50 Jahren Zusammenarbeit mit der EBU, dem Zusammenschluss der Service-Public-Sender in Europa, gebrochen und die Vermarktung der TV-Rechte einer Agentur Ã¼bertragen. Diese ehrenwerten und integren VerkÃ¤ufer kommen nun zur TÃ¼re rein und stellen als Erstes klar: Â«Sie wissen, wir sind keine Nonprofitorganisation.Â» Und dann reden wir aneinander vorbei:</p>
<ul>
<li><strong>Wir reden von Sport, sie reden von Geld;</strong></li>
<li><strong>wir reden von Fernsehen, sie reden von Geld;</strong></li>
<li><strong>wir reden vom Olympiaprogramm, sie reden von Geld.</strong></li>
</ul>
<p>Und sie bieten uns einzelne Sportarten und einzelne Pakete zum Beispiel fÃ¼r TV, Radio oder Internet an.</p>
<p><strong>Diese Aufsplittung der Sportarten und diese unersÃ¤ttliche Geldgier des IOK sind ein totaler Verrat an der olympischen Idee. </strong></p>
<p>Die vermeintlichen TreuhÃ¤nder des Sports in Lausanne agieren heute wie Banker.</p></blockquote>
<p>Die olympischen TV-VertrÃ¤ge und die UmstÃ¤nde, unter denen diese VertrÃ¤ge geschlossen wurden, waren lange eines meiner Lieblingsthemen. Aus ZeitgrÃ¼nden muss ich diesmal passen, konnte gestern LEIDER auch nicht in Lausanne sein, ein gewiss einmaliges Erlebnis, und das meine ich extrem ernst, und muss mich auch heute kurz fassen.</p>
<p>Im Blog habe ich mich einige Male mit dem Thema befasst, in den Kommentaren hat Ralf wie gewohnt professionell ein hÃ¼bsches Archiv verlinkt:</p>
<ul>
<li><a title="Dick Ebersol: Olympias Milliardenmann" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/dick-ebersol-olympias-milliardenmann/" target="_self">Dick Ebersol: Olympias Milliardenmann</a></li>
<li><a title="Lust und Frust: olympische TV-Milliarden" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/09/lust-und-frust-olympische-tv-milliarden/" target="_self">Lust und Frust: olympische TV-Milliarden</a> <em>(hier finden sich etliche Tabellen, die die AbhÃ¤ngigkeit der meisten olympischen SportverbÃ¤nde von den IOC-Einnahmen illustrieren)</em></li>
</ul>
<p>Einige Lesebefehle:</p>
<ul>
<li>Alan Abrahamson (ehemals NBCUniversal online) auf seinem Blog <strong>3 wire sports</strong>:Â <a title="3 wire sports" href="http://3wiresports.com/2011/06/07/nbcs-4-38-billion-knockout-punch/" target="_blank">NBCâ€™s $4.38 billion knockoutÂ punch</a></li>
<li>Phil Hersh in der Chicago Tribune:Â <a title="Chicago Tribune" href="http://articles.chicagotribune.com/2011-06-07/sports/chi-are-there-now-438-billion-reasons-for-us-to-bid-for-2020-summer-games-20110607_1_usoc-chief-executive-ioc-s-rogge-usoc-and-ioc" target="_blank">Are there now 4.38 billion reasons for U.S. to bid for 2020 Summer Games?</a></li>
<li>Kai Pahl hat sich auf allesaussersport vorab mit dem Thema befasst &#8211; <a title="allesaussersport.de" href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2011/06/07/screensport-am-dienstag-drei-monate-alter-handelsblatt-kase/" target="_blank">Olympia sucht US-TV</a> &#8211; und amÃ¼siert sich nun vor allem Ã¼ber jene exorbitanten 900 Mio $, die NBCU mehr geboten hat als Konkurrent Fox:</li>
</ul>
<blockquote><p>Gewonnen hat NBC, die im Vergleich zu den Mitbewerbern so deutlich mehr drauf gepackt haben, dass der Verdacht naheliegt, SportrechtehÃ¤ndler des ZDF hÃ¤tten einen lukrativen Nebenjob gefunden.</p></blockquote>
<ul>
<li>AP:Â <a rel="nofollow" href="http://www.usatoday.com/sports/olympics/2011-06-08-1972975086_x.htm">NBC locks up US Olympic TV rights through 2020<img id="snap_com_shot_link_icon" src="http://i.ixnp.com/images/v6.59/t.gif" alt="" /></a></li>
<li>USA Today:Â <a rel="nofollow" href="http://www.usatoday.com/sports/columnist/hiestand-tv/2011-06-07-olympics-rights-nbc_n.htm">NBC pays out, but do the Olympics pay off?<img id="snap_com_shot_link_icon" src="http://i.ixnp.com/images/v6.59/t.gif" alt="" /></a></li>
</ul>
<p>Die komplette IOC-Pressemitteilung muss sein:</p>
<blockquote><p><strong><a title="olympic.org" href="http://www.olympic.org/media?articlenewsgroup=-1&amp;articleid=130827&amp;searchpageipp=10&amp;searchpage=1" target="_blank">IOC awards US broadcast rights for 2014, 2016, 2018 and 2020 Olympic Games to NBCUniversal</a></strong></p>
<p>The International Olympic Committee (IOC) today awarded NBCUniversal (NBCU) the broadcast rights in the US for the XXII Olympic Winter Games (2014) in Sochi, Russia, and the Games of the XXXI Olympiad (2016) in Rio De Janeiro, Brazil, as well as the 2018 and 2020 Olympic Games, which have yet to be awarded to a host city.</p>
<p>NBCU has acquired the broadcast rights across all media platforms, including free-to-air television, subscription television, internet and mobile. The total agreement is valued at USD 4.38 billion.</p>
<p>â€œWe are delighted to have reached an agreement with our longstanding partner NBCU,&#8221; said IOC President Jacques Rogge. â€œWe received three excellent bids and would like to thank each broadcaster for their presentations. In the end we were most impressed with NBCU, which not only has a track record for broadcasting the Games that speaks for itself, but also has a clear and innovative vision of where it wants to take the broadcast of the Games between now and 2020. We look forward to continuing to build on our already strong relationship beginning in London next year.&#8221;</p>
<p>The IOC based its decision on a long-term broadcast strategy aimed at ensuring broadcast of the Olympic Games of the highest quality, maximising exposure across all available media platforms, and securing the financial future of the Olympic Games and the Olympic Movement.</p>
<p>â€œWe had an obligation to pick the best bid on behalf of the entire Olympic Movement,&#8221; said IOC Executive Board member Richard CarriÃ³n, who, along with IOC President Jacques Rogge, led the negotiations. â€œWe assessed each bid against a thorough set of criteria and believe that the long-term nature of this agreement will not only ensure fantastic Olympic broadcast coverage in the US, but also support the long-term financial stability of the Olympic Movement as a whole. NBCU has proven its worth time and again over the years and weâ€™re very excited to continue working with them.&#8221;</p>
<p>The IOC has enjoyed a long partnership with NBCU, and this agreement will mean that by 2020, NBCU will have covered a total of 17 editions of the Games, beginning in 1964.</p>
<p>&#8220;We are honoured to continue as the US Olympic broadcaster for the remainder of this decade. The vision for our new Comcast-NBCUniversal was to create new platforms and technologies to distribute the very best content. Every two years the Olympic Games provides iconic content for us to deliver on all platforms. We are proud to continue the rich heritage and long association that NBC has had with the IOC and I personally want to thank President Rogge and Richard CarriÃ³n for their long-term trust,&#8221; said Brian Roberts, CEO and Chairman, Comcast, parent company of NBCUniversal.</p>
<p>The decision came after two days of meetings held at the IOC headquarters in Lausanne, Switzerland, during which ESPN, Fox and NBCU each gave a presentation and submitted their proposals to the IOC. The negotiation process started earlier this year with preliminary discussions conducted with all interested parties. Each proposal was discussed by an IOC delegation chaired by President Rogge.</p>
<p>###</p>
<p><a title="olympic.org" href="http://www.olympic.org/media?q=nbc&amp;chkcat=010&amp;articlenewsgroup=-1&amp;articleid=52392&amp;searchpageipp=10&amp;searchpage=1" target="_blank">NBCU acquired the right to be the IOCâ€™s broadcast partner for the London 2012 Olympic Games in 2003.</a></p>
<p>The 2018 Olympic Winter Games host city vote will take place at the 123rd IOC Session in Durban, South Africa, in July 2011.</p>
<p>The 2020 Olympic Games host city vote will take place at the 125th IOC Session in Buenos Aires, Argentina, in September 2013.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<slash:comments>21</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wem gehÃ¶rt der Sport? Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 09:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[VANCOUVER. Ich habe gestern im Beitrag &#8220;Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele&#8221; gefragt, ob ich nicht einen Text von RenÃ© Martens aus der Zeitschrift Funkkorrespondenz verÃ¶ffentlichen kÃ¶nne, der mir sehr wichtig scheint. Dieter Anschlag, Chefredakteur der Funkkorrespondenz, reagierte schnell und stellt den Beitrag zur VerfÃ¼gung. Vielen Dank. Martens liefert fÃ¼r meine Begriffe einen ziemlich guten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>VANCOUVER. Ich habe gestern im Beitrag &#8220;<a title="Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele" href="http://jensweinreich.de/2010/02/08/vancouver-2010-die-ersten-social-media-spiele/" target="_self">Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele</a>&#8221; gefragt, ob ich nicht einen Text von RenÃ© Martens aus der Zeitschrift <a title="www.funkkorrespondenz.de" href="http://funkkorrespondenz.kim-info.de/" target="_blank">Funkkorrespondenz</a> verÃ¶ffentlichen kÃ¶nne, der mir sehr wichtig scheint. Dieter Anschlag, Chefredakteur der Funkkorrespondenz, reagierte schnell und stellt den Beitrag zur VerfÃ¼gung. Vielen Dank.</p>
<p>Martens liefert fÃ¼r meine Begriffe einen ziemlich guten Ãœberblick zum Thema, habe das bisher nirgendwo sonst so ausfÃ¼hrlich und vielschichtig gelesen. Manches scheint schon wieder Ã¼berholt, was im Twitter-Zeitalter nicht verwundert, anderes lieÃŸe sich in der Diskussion ausbauen und ergÃ¤nzen. Ich habe den Beitrag mit Gewinn gelesen. <em>(Verlinkungen muss ich mir aus ZeitgrÃ¼nden leider diesmal sparen, sorry.)</em></p>
<p><strong>Wem gehÃ¶rt der Sport?</strong></p>
<p><em>Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter</em></p>
<p><strong>von RenÃ© Martens</strong></p>
<p>Man darf ihn durchaus als wegweisend bezeichnen, den Vortrag, den David Schlesinger, Chefredakteur von Reuters News, im Juni dieses Jahres vor der Pressekommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hielt. â€žRethinking rights, accreditation, and journalism itself in the age of twitterâ€œ, lautete der Titel. Ãœbertragungsrechte, Akkreditierungsregelungen und der Journalismus selbst mÃ¼ssten also im Zeitalter von Twitter komplett Ã¼berdacht werden. Bemerkenswert ist die Forderung nicht zuletzt deshalb, weil sie ein renommierter Vertreter der alten Medienwelt formuliert hat. Neben dem in seiner Ãœberschrift erwÃ¤hnten Mikroblogging-Service Twitter, der Nutzern auf 140 Zeichen beschrÃ¤nkte Mitteilungen ermÃ¶glicht, ging Schlesinger auch auf das soziale Netzwerk Facebook ein. Beide Dienste spielen in dieser Diskussion eine zentrale Rolle, weil sie es jedem Journalisten und jedem Stadionbesucher erlauben, zwar nicht live, aber nur geringfÃ¼gig zeitversetzt von einem Sportereignis zu berichten, ohne dafÃ¼r einen nennenswerten Aufwand betreiben zu mÃ¼ssen.</p>
<p><span id="more-6622"></span>Bisher, erlÃ¤uterte Schlesinger, hÃ¤tten Akkreditierungen fÃ¼r Sportereignisse stets die formalen Grenzen der Berichterstattung festgelegt. Um dafÃ¼r ein Beispiel aus Deutschland zu nennen: In den Akkreditierungsbestimmungen der Deutschen FuÃŸball-Liga (DFL) findet sich der Passus, es gelte â€žinsbesondere zu beachten, dass eine Akkreditierung als Print- oder HÃ¶rfunk- oder Internet-Journalist nicht dazu berechtigt, â€™Spielbilderâ€˜ im Sinne der DurchfÃ¼hrungsbestimmungen zu erstellen. Die Mitnahme des entsprechenden technischen GerÃ¤ts (bspw. Foto- oder Videokamera) kann vom jeweiligen Heimverein verwehrt werden.â€œ Zu den Spielbildern gehÃ¶rten â€žalle visuellen oder audiovisuellen Aufnahmenâ€œ. Die â€žNichteinhaltungâ€œ dieser â€žVorgabenâ€œ kÃ¶nne â€žden sofortigen Entzug der Akkreditierung zur Folgeâ€œ haben. â€žWeitere Schritteâ€œ behÃ¤lt die Liga sich vor.</p>
<p><strong>Schneller als Nachrichtenagenturen</strong></p>
<p>Solche Unterscheidungen scheinen hinfÃ¤llig geworden zu sein, und zwar aus mindestens zwei GrÃ¼nden: Die meisten Journalisten fÃ¼hren im Stadion ein Mobiltelefon mit sich, das auch als Foto- oder Videokamera dienen kann â€“ die implizite Drohung, dass Mitarbeiter eines Vereins ihnen dieses GerÃ¤t abnehmen kÃ¶nnten, ist schlichtweg wirklichkeitsfremd. Zweitens ist es fraglich, ob es weiterhin sinnvoll ist, die journalistischen TÃ¤tigkeiten noch so strikt zu unterscheiden wie es beispielsweise die DFL tut. Mit Hilfe eines Handys oder anderer mobiler EndgerÃ¤te kann jeder Journalist bei Facebook oder Twitter Informationen einstellen, entweder auf den entsprechenden Seiten, die seine Zeitung oder sein Sender dort eingerichtet haben, oder auf seinen eigenen. Im einfachsten Fall kann er diese Dienste fÃ¼r einen Live-Ticker nutzen. DarÃ¼ber hinaus kann er Fotos und â€“ sofern es sich um ein besonders leistungsfÃ¤higes Handymodell handelt â€“ auch bewegte Bilder im Internet platzieren. Nicht zuletzt sind ganz gewÃ¶hnliche Stadionbesucher in der Lage, all dies auch zu tun, wobei ihnen beispielsweise die Twitter-Zusatzdienste twitpic.com (fÃ¼r Fotos) und twaud.io (fÃ¼r radioÃ¤hnliche BeitrÃ¤ge) von Nutzen sind. Mit anderen Worten: Jedermann im Stadion kann entfernt zeitungs-, radio- oder fernsehverwandte KurzbeitrÃ¤ge produzieren, unabhÃ¤ngig davon, in welchem journalistischen Genre er eigentlich tÃ¤tig ist beziehungsweise ob er Ã¼berhaupt als Journalist arbeitet. All dies reicht zwar bei weitem nicht aus, um die klassische Berichterstattung in diesen Bereichen zu ersetzen, aber es kann sie zumindest ergÃ¤nzen.</p>
<p>Derzeit produziert vermutlich nur eine Minderheit solche Inhalte. Doch bei den nÃ¤chsten Olympischen Sommerspielen, die in zweieinhalb Jahren in London stattfinden, werde das ganz anders sein, sagt David Schlesinger. Er rechnet mit einer schwer zu Ã¼berschauenden Zahl von Videos, die mit Mobiltelefonen produziert und â€žinnerhalb weniger Minutenâ€œ auf Seiten wie YouTube hochgeladen werden. AuÃŸerdem sei es wahrscheinlich, dass Twitterer bei der Ãœbermittlung von Ergebnissen schneller sein wÃ¼rden als Nachrichtenagenturen. Und weil die Nachrichten von Twitter-Nutzern â€žmit Hilfe von SchlÃ¼sselbegriffen gesucht werden kÃ¶nnenâ€œ, sei jeder Internet-Nutzer in der Lage, aus aggregierten EintrÃ¤gen und hochgeladenem Bildmaterial der Zuschauer einen Beitrag zusammenzustellen.</p>
<p>Damit, so Schlesinger, ergebe sich fÃ¼r eine Nachrichtenagentur wie seine und auch fÃ¼r die klassischen Rechteinhaber eine vÃ¶llig neue Situation. Der einzige Weg, darauf zu reagieren, sei, â€ždas Neue zu umarmenâ€œ. Dieses Bild benutzte vier Monate spÃ¤ter auch ein weiterer vom Internationalen Olympischen Komitee geladener Experte. Das IOC kÃ¶nne sich vor der â€ždigitalen Revolution nicht versteckenâ€œ, vielmehr mÃ¼sse der olympische Sport sie â€žumarmenâ€œ, wenn er â€ždas jÃ¼ngere Publikumâ€œ nicht verlieren wolle, sagte Sir Martin Sorrell, der Vorstandsvorsitzende der internationalen Werbeagenturen-Holding WWP beim 13. Olympischen Kongress des IOC in Kopenhagen.</p>
<p><strong>Die Ausweitung des Pressebegriffs</strong></p>
<p>Dass nicht alle Olympia-FunktionÃ¤re die RatschlÃ¤ge ihrer Gastredner verstehen, bekam kurz nach dem Kongress in der dÃ¤nischen Hauptstadt der australische Amateurfotograf Richard Giles zu spÃ¼ren. In seiner Mailbox fand er einen Brief von Howard M. Stupp vor, der beim IOC als â€žDirector of Legal Affairsâ€œ amtiert. Der Grund des Schreibens: Giles hatte Bilder, die er im August 2008 als normaler zahlender Zuschauer wÃ¤hrend der Olympischen Spiele in Peking unter anderem bei der Leichtathletik, beim Boxen und beim Basketball gemacht hatte, auf der Fotoplattform flickr hochgeladen. Weil Bilder der Spiele sowie die Olympischen Ringe, die Embleme und die Maskottchen der Veranstaltung nicht ohne â€žschriftliche Genehmigungâ€œ genutzt werden dÃ¼rften, forderte das IOC den Amateurfotografen auf, seine Bilder sofort zu entfernen. Nachdem sich Giles entschlossen hatte, den Brief Ã¶ffentlich zu machen, ernteten die SportfunktionÃ¤re allerdings massiven Protest, weshalb man sich mit dem Fotografen schlieÃŸlich auf einen Kompromiss einigte.</p>
<p>Die Causa ist entfernt vergleichbar mit einem Fall, Ã¼ber den in Deutschland eine kleine Gruppe von Journalisten, SportfunktionÃ¤ren und nicht zuletzt Juristen seit FrÃ¼hjahr 2008 diskutiert. Es geht um die â€žHartplatzheldenâ€œ, eine Plattform, auf der AnhÃ¤nger des Amateur- und JugendfuÃŸballs kurze Videos mit spektakulÃ¤ren Szenen aus den unteren Ligen hochladen. Oft stammt dieser sogenannte User Generated Content von Freunden oder Eltern der Freizeitkicker. Dem WÃ¼rttembergischen FuÃŸballverband (WFV) missfÃ¤llt allerdings, was da medial geschieht. Er klagt gegen die Hartplatzhelden, weil auf deren Website auch Videos von Spielen aus dem Hoheitsgebiet des Verbandes zu sehen waren. Der WFV bekam bisher zweimal Recht, zuletzt im MÃ¤rz dieses Jahres vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart. Aber die Betreiber der Videoplattform haben sich entschieden, beim Bundesgerichtshof (BHG) Revision einzulegen. Die Beteiligten rechnen damit, dass der BGH im Lauf des kommenden Jahres, mÃ¶glicherweise aber auch erst 2011 eine Entscheidung fÃ¤llt.</p>
<p>Das Urteil des Stuttgarter Oberlandesgerichts zeige, dass â€žeine Ausweitung des Pressebegriffs faktisch lÃ¤ngst stattgefunden hat, aber noch nicht politisch und rechtlichâ€œ, sagt Oliver Fritsch, einer der Betreiber der Plattform. UnabhÃ¤ngig davon, ob man den BÃ¼rgerjournalismus, dem die Hartplatzhelden ein Forum bieten, nun generell fÃ¼r eine groÃŸe Chance hÃ¤lt oder eher fÃ¼r Ã¼berbewertet: In den Diskussionen darÃ¼ber ist bisher untergegangen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen fÃ¼r diese neue Art der Berichterstattung Ã¼berhaupt noch nicht geklÃ¤rt sind. Es gibt zwar wesentliche Unterschiede zu dem Vorgehen des IOC gegen den Fotografen: Denn flickr, das zum Suchmaschinenkonzern Yahoo gehÃ¶rt, verdient Geld mit seiner Plattform, wÃ¤hrend die der Hartplatzhelden fÃ¼r die Betreiber bisher ein ZuschussgeschÃ¤ft sind (auch wenn sich das langfristig Ã¤ndern soll). AuÃŸerdem geht es im ersten Fall um Spitzen- und im zweiten um Breitensport.</p>
<p>Aber beide FÃ¤lle werfen Ã¤hnliche Fragen auf: KÃ¶nnen Veranstalter Einfluss nehmen auf die Verbreitung von privaten Aufnahmen, an denen sie keine Rechte haben? KÃ¶nnen sie auf diese Weise kontrollieren, welche Bilder in Umlauf kommen? Ist es nicht kontraproduktiv, gegen diese Art mittelbarer Werbung vorzugehen? Nicht zuletzt: MÃ¼ssen die klassischen Medien nicht befÃ¼rchten, dass aus Regelungen, die gegen kleine Online-Anbieter gefunden werden, restriktive MaÃŸnahmen gegen die althergebrachte Berichterstattung abgeleitet werden?</p>
<p><strong>Videoaufnahmen: Nachgeahmte Wirklichkeit?</strong></p>
<p>Zum VerhÃ¤ngnis ist den Helden des Hartplatzes bisher das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) geworden. Ein FuÃŸballspiel sei â€žeine nachahmungsfÃ¤hige Leistungâ€œ im Sinne des Paragrafen 4 UWG, sagt das Oberlandesgericht Stuttgart in seinem Urteil (Az.: 2 U 47/08). JÃ¼rgen Kalwa schreibt dazu in seinem Blog â€žAmerican Arenaâ€œ, â€žder eigentliche Skandal, der leider untergeht, wenn man den anhÃ¤ngigen Streit nur als Auseinandersetzung zwischen den Hartplatzhelden und dem WFV definiertâ€œ, sei das â€žKonstrukt, wonach Videoaufnahmen, die die Wirklichkeit abbildenâ€œ, eine â€žNachahmungâ€œ seien. Auf dieses â€žKonstruktâ€œ muss man tatsÃ¤chlich erst einmal kommen.</p>
<p>Das Recht an Videos von Privatleuten begrÃ¼nden die WÃ¼rttemberger FuÃŸballfunktionÃ¤re vor allem mit ihrer Rolle als Mitveranstalter. Ohne die organisatorischen Vorleistungen des Verbandes â€“ Spielplangestaltung, Ausbildung und Bereitstellung der Schiedsrichter â€“ sei ein Spielbetrieb gar nicht mÃ¶glich. Von derartigen organisatorischen Vorleistungen profitieren letztlich aber sÃ¤mtliche Medien, die Ã¼ber Sport beziehungsweise Ã¼ber Veranstaltungen allgemein berichten. Die Auffassung, dass sich daraus Exklusivrechte an Bewegtbildern ableiten lassen, war bis zu den Entscheidungen Ã¼ber die AmateurfuÃŸballvideos allerdings nicht verbreitet. â€žOb auch einige klassische Medien demselben Interesse dienen wie die umstrittene Internet-Plattform und sich schon lange groÃŸer Beliebtheit erfreuten, ist fÃ¼r die Rechtsbeziehungen der Parteien zueinander nicht von Belangâ€œ, Ã¤uÃŸert das Stuttgarter Gericht dazu lapidar.</p>
<p>Die Entscheidung erscheint umso abwegiger, weil die Hartplatzhelden-Clips nicht einmal ansatzweise etwas gemein haben mit der â€žumfassenden Fernseh- oder HÃ¶rfunkberichterstattung, aus der sich die rechtlichen Diskussionen in Rechtsprechung und Literatur ergebenâ€œ, wie ihr Anwalt Fabian Reinholz argumentiert. Denn wer auf der Hartplatzhelden-Seite das Geschehen in einer Bezirksliga seiner Wahl verfolgen will, wird dort keine entsprechenden Informationen finden, sondern lediglich unkommentierte spektakulÃ¤re Szenen, die im besten Fall wenig Aufschluss zulassen Ã¼ber den Rest eines Spiels und grundsÃ¤tzlich gar keinen Ã¼ber die Lage der Liga â€“ anders als bei den im Ãœbrigen professionell produzierten Web-TV-Berichten Ã¼ber Partien aus dem Bereich des WFV, die auf den Online-Plattformen diverser regionaler Tageszeitungen (etwa â€žBacknanger Kreiszeitungâ€œ, â€žNÃ¼rtinger Zeitungâ€œ und â€žPforzheimer Zeitungâ€œ) zu finden sind.</p>
<p>FÃ¼r die Richter jedoch ist Bewegtbild gleich Bewegtbild â€“ unabhÃ¤ngig vom Inhalt. Diese Interpretation drÃ¤ngt sich auch bei deren EinschÃ¤tzung auf, dass unentgeltliche â€žÃœbertragungen oder Berichterstattungenâ€œ insbesondere im Fernsehen einem Veranstalter â€žauch im Amateurbereichâ€œ einen â€žTeil der wirtschaftlichen Verwertung seiner Leistungâ€œ nÃ¤hmen und dass â€ždie Internet-Berichterstattung in diesem Bezug nicht anders beurteilt werdenâ€œ kÃ¶nne. Immerhin rÃ¤umte das Oberlandesgericht Stuttgart ein, dass diese Sache von â€žgrundsÃ¤tzlicher Bedeutungâ€œ sei. Unter anderem, weil die Entscheidungen, die man fÃ¼r das Urteil in Sachen Hartplatzhelden heranzog, â€žteils noch das alte UWG voraussetzten und durchweg zum Profisport ergangen sindâ€œ, sei die Revision zulÃ¤ssig, schreiben die OLG-Richter in ihrem Urteil. Eine von ihnen mehrfach zitierte Entscheidung, in der Rechtsliteratur unter dem Schlagwort â€žVortragsabendâ€œ bekannt, stammt aus dem Jahr 1963; seinerzeit gab der BGH einem Kabarettveranstalter Recht. Sogar aus dem Jahr 1958 stammt die Entscheidung in der sogenannten â€žBoxprogrammhefteâ€œ-Sache, die dis Stuttgarter Richter zur Definition des Veranstalterbegriffs heranzogen.</p>
<p><strong>Die RandstÃ¤ndigkeit des AmateurfuÃŸballs</strong></p>
<p>Dank des bisherigen Erfolgs des WFV haben andere VerbÃ¤nde Oberwasser bekommen, wie einige VorfÃ¤lle aus der jÃ¼ngeren Vergangenheit illustrieren. Kurz nach dem OLG-Urteil untersagte der FuÃŸball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) Vereinen, die direkt mit den Hartplatzhelden kooperieren wollten, eine solche Zusammenarbeit. Im Sommer bat der Hessische FuÃŸballverband (HFV) den Verein VfL Philippstal, Videos mit Spielszenen, die Klubmitglieder bei YouTube hochgeladen hatten, â€žzeitnahâ€œ zu lÃ¶schen.</p>
<p>Absurd ist an dem Vorgehen der VerbÃ¤nde, dass die AmateurfuÃŸballvereine solche Art von Berichterstattung eigentlich dringend benÃ¶tigen. Die Zuschauerzahlen sind generell rÃ¼cklÃ¤ufig, und als existenzgefÃ¤hrdend empfindet man vielerorts die seit Anfang der Saison 2009/10 in der 1. und 2. FuÃŸball-Bundesliga geltenden AnstoÃŸzeiten. Durch die Schaffung dreier neuer Spieltermine â€“ sonnabends um 13.00 und sonntags um 13.30 Uhr in der 2. Liga sowie sonntags um 15.30 Uhr in der 1. Liga â€“ hofft die DFL die AttraktivitÃ¤t der beiden obersten Spielklassen fÃ¼r das Pay-TV zu erhÃ¶hen, weil der Abonnent nunmehr eine noch grÃ¶ÃŸere Zahl von Live-Spielen zu unterschiedlichen Zeiten zur Auswahl hat.</p>
<p>Die neuen AnstoÃŸzeiten konkurrieren aber mit den Terminen im Amateur- und JugendfuÃŸball. Das spielt eine Rolle, weil die Zuschauer der â€žkleinenâ€œ Vereine gleichzeitig immer auch Fans eines Profivereins sind, den sie sich im Stadion oder im Fernsehen anschauen wollen, oder weil die Freizeitkicker selbst mit einem groÃŸen Verein sympathisieren und fÃ¼r dessen Heimspiele Dauerkarten besitzen. Der Deutsche FuÃŸball-Bund (DFB), der â€“ zumindest auf dem Papier â€“ die Interessen der Amateurvereine vertritt, hat diesen Regelungen zugestimmt, und insofern ist es fÃ¼r viele Klubs unverstÃ¤ndlich, dass einige LandesverbÃ¤nde die Lage der Amateurklubs noch zusÃ¤tzlich verschlechtern, indem sie versuchen, die Verbreitung potenziell werbetrÃ¤chtiger Spielszenen zu verhindern.</p>
<p>Obwohl es in der Hartplatzhelden-Causa und bei den FolgefÃ¤llen um grundsÃ¤tzliche Fragen geht, hat das Verhalten der VerbÃ¤nde bisher nur in kleinerem Rahmen Protest hervorgerufen. Das dÃ¼rfte auf die RandstÃ¤ndigkeit des AmateurfuÃŸballs zurÃ¼ckzufÃ¼hren sein. Sollte beispielsweise die DFL im groÃŸen Stil gegen Bilder von BÃ¼rgerjournalisten vorgehen oder fÃ¼r Stadionbesucher, die ihr Mobiltelefon entsprechend einzusetzen gedenken, Sanktionen ankÃ¼ndigen, fielen die Reaktionen womÃ¶glich heftiger aus. Die DFL wird sich so etwas aus Image-GrÃ¼nden daher gewiss reiflich Ã¼berlegen. In den USA beispielsweise hat die South Eastern Conference, eine College-Football-Organisation, entsprechende Verbote fÃ¼r Fans nach kurzer Zeit wieder zurÃ¼cknehmen mÃ¼ssen.</p>
<p><strong>Der Schutz der klassischen Rechteinhaber</strong></p>
<p>US-amerikanische Sportorganisationen sind es auch, die sich bisher am ausfÃ¼hrlichsten zur Twitter- und Facebook-Nutzung von Athleten geÃ¤uÃŸert haben. Die Profisportligen National Basketball Association (NBA) und National Football League (NFL) etwa haben harte Regelungen fÃ¼r die Aktiven verabschiedet. Ende September verschickte die NBA ein Memo an alle Teams, dem zufolge 45 Minuten vor und nach dem Spiel keine Mobiltelefone und andere KommunikationsgerÃ¤te genutzt werden dÃ¼rften. Mit solchen Regeln will man offensichtlich die klassischen Rechteinhaber schÃ¼tzen. Ein nach dem Spiel gefÃ¼hrtes Interview kÃ¶nnte, so die BefÃ¼rchtung, an Bedeutung verlieren, wenn ein Sportler bereits vorher getwittert hat, wie er seine Leistung oder die der Mannschaft einschÃ¤tzt. Das spricht aber nicht dafÃ¼r, den Sportlern das Twittern zu untersagen, einmal ganz abgesehen davon, dass sich â€“ wenn es hart auf hart kÃ¤me â€“ in einem zivilisierten Land wohl kein Richter fÃ¤nde, der die entsprechende Absicht eines Vereines, eines Verbandes oder einer Liga gutheiÃŸen wÃ¼rde. Vielmehr sollte die Tatsache, dass Sportler Twitter nutzen, fÃ¼r die Fernsehsender ein Ansporn sein, eine hintergrÃ¼ndige Nachberichterstattung auf die Beine zu stellen, die Ã¼ber banale Interviews weit hinaus geht.</p>
<p>Athleten bietet Twitter die MÃ¶glichkeit, die traditionellen Medien, die ihnen oft genug auf die Nerven gehen, links liegen zu lassen und sich direkt an die eigenen Fans zu wenden. Den Klubs gefÃ¤llt es in der Regel gar nicht, dass ihre Angestellten jetzt die MÃ¶glichkeit haben, eigene Ansichten auf schnellem, kaum zu kontrollierendem Weg zu verbreiten. Die Reaktion der Vereinsmanager auf die verÃ¤nderten VerhÃ¤ltnisse beschrÃ¤nkt sich im Wesentlichen darauf, gegen allzu informationswillige und meinungsfreudige Sportler Sanktionen zu verhÃ¤ngen. In den USA und GroÃŸbritannien gibt es bereits zahlreiche FÃ¤lle dieser Art. Ein FuÃŸballer des britischen Premier-League-Klubs Hull City wurde zum Beispiel gezwungen, sich fÃ¼r einen Ã¤uÃŸerst banalen Tweet zu entschuldigen. Die Kurznachricht enthielt die Information, dass ihn sein Trainer fÃ¼r ein Spiel kurzfristig nicht nominiert hatte, weil er zu spÃ¤t zum Treffpunkt erschienen war.</p>
<p>Die Vereine liefen Gefahr, an AutoritÃ¤t einzubÃ¼ÃŸen, wenn sie nicht in die direkte Kommunikation mit den Fans einstiegen, schreibt das britische FuÃŸballmagazin â€žWhen Saturday Comesâ€œ in seiner Dezember-Ausgabe. â€žEinfach dieselbe alte Propagana verbreiten, wÃ¤hrend Spieler und Fans die wahren Themen diskutierenâ€œ, sei wenig hilfreich. Es werde fÃ¼r die Profis zusehends leichter, aus den â€žKetten auszubrechen, die ihnen die Klubs in den vergangenen Jahren angelegt habenâ€œ, so das Monatsblatt weiter. Das bezieht sich darauf, dass ProfifuÃŸballer in ihrer freien MeinungsÃ¤uÃŸerung in der Regel stark eingeschrÃ¤nkt sind. So ist es in Deutschland Ã¼blich, dass Spieler der 1. und 2. FuÃŸball-Bundesliga ihre eigenen Interviews von der Pressestelle des Vereins autorisieren lassen mÃ¼ssen â€“ als wÃ¼ssten die Mitarbeiter besser, was die Spieler in dem GesprÃ¤ch gesagt haben. Beim FC Bayern MÃ¼nchen ist diese Verpflichtung sogar in den ArbeitsvertrÃ¤gen verankert â€“ ein kurioses Detail, das kÃ¼rzlich in der Ã–ffentlichkeit bekannt wurde, nachdem Bayern-Nationalspieler Philipp Lahm der â€žSÃ¼ddeutschen Zeitungâ€œ ein Interview gegeben hatte, das er selbst autorisiert hatte.</p>
<p>Durch Twitter sind aber nicht nur Sportler in eine neue Position gelangt, auch im VerhÃ¤ltnis zwischen Medienunternehmen und deren Mitarbeitern sind VerÃ¤nderungen zu beobachten. Die US-amerikanische Sportsendergruppe ESPN hat eigens Richtlinien erlassen, in denen beschrieben ist, wie die Mitarbeiter den Mikroblogging-Dienst nutzen dÃ¼rfen. Im Kern besagen die Regeln, dass die eigenen Journalisten nur mehr oder weniger Privates twittern dÃ¼rfen, jedenfalls nichts, was sich auf Sport bezieht. Offenbar befÃ¼rchtet man bei ESPN allen Ernstes, dass die offizielle Berichterstattung des Hauses Schaden nÃ¤hme, wenn Mitarbeiter in Echtzeit persÃ¶nliche EindrÃ¼cke zu Sportereignissen in Kurzmitteilungen verbreiteten. Eigentlich sollten die Hierarchen in der Lage sein zu begreifen, dass letztere erstere gut ergÃ¤nzen kÃ¶nnen.</p>
<p><strong>Die Demokratisierung der Publikationsmittel</strong></p>
<p>Die Kernfrage, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt, und zwar â€žnicht juristisch, sondern kulturell und politischâ€œ, hat Erik Hauth im April 2008 in seinem Blog â€žRingfahndungâ€œ formuliert: Sind durch die â€žDemokratisierung der Publikationsmittelâ€œ, die das Internet und das Web 2.0 mit sich gebracht haben, â€žWerkzeuge freier MeinungsÃ¤uÃŸerungâ€œ entstanden oder mÃ¼sste deren Nutzung â€žlizenzpflichtig seinâ€œ?</p>
<p>Wenn man beispielsweise ein FuÃŸballspiel â€žals eine kollektive kulturelle Handlung, eine soziale Veranstaltung begreift, zu deren Teilnahme mich eine Eintrittskarte berechtigt, wer darf mir dann verwehren, von meinem Platz aus per Telefon meine Meinung zu verbreiten? Als Privatmann, ohne kommerzielle Interessen und von jedem journalistischen Anspruch befreit, kann ich einem kommerziellen Verwerter gar nicht schadenâ€œ, schreibt Hauth. Es handle sich um â€žeine Bereicherung, die im Wesen nichts mit einer medialen Verwertung des Produktes FuÃŸball zu tun hatâ€œ. Zusammengefasst lautet die Frage: Wem gehÃ¶rt der Sport? Offensichtlich ist, dass VerbÃ¤nde, Vereine und Ligen auf verlorenem Posten stehen, wenn sie, von einer Kontrollmanie getrieben, auf ihrer Haltung beharren, er gehÃ¶re quasi ihnen. Oder, um den Sachverhalt mit einer rhetorischen Frage von Reuters-Chef Schlesinger an seine ZuhÃ¶rer bei der IOC-Pressekommission zu verbildlichen: â€žKÃ¶nnen Sie sich vorstellen, dass bewaffnete SicherheitskrÃ¤fte versuchen, jedes Telefon jedes Zuschauers zu konfiszieren?â€œ</p>
<p>Offensichtlich ist auch, dass die herkÃ¶mmlichen Medien die neuen Plattformen und Netzwerke wie etwa Twitter oder Facebook in viel stÃ¤rkerem MaÃŸ als bisher selbst fÃ¼r ihre Live-Berichterstattung von Sportereignissen nutzen mÃ¼ssen. Warum sollte man hier den Zuschauern das Feld Ã¼berlassen? DarÃ¼ber hinaus muss sich die herkÃ¶mmliche Berichterstattung verÃ¤ndern. Eine Maxime, die aus David Schlesingers Ratschlag, die eigene Arbeit komplett zu Ã¼berdenken, folgen kÃ¶nnte, lautet: Zu wiederholen, was Ã¼ber Twitter und Facebook bereits in die Welt gelangt ist, ist wenig sinnvoll. Vielmehr gilt es, Inhalte zu produzieren, die sich auf diesen KanÃ¤len nicht umsetzen lassen.</p>
<p><em>Quelle: Funkkorrespondenz 50/09 vom 11. Dezember 2009</em></p>
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		<title>Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 13:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[VANCOUVER. Wie versprochen, noch einige Zeilen zu den IOC-Blogger-Richtlinien fÃ¼r Olympia-Akkreditierte. Je lÃ¤nger ich darÃ¼ber nachdenke, desto skandalÃ¶ser finde ich es. Glaube auch nicht, dass diese Restriktionen aufrechtzuerhalten sind im digitalen Zeitalter, wo alle Grenzen verschwimmen und jeder zum Publisher wird. Werde sicher in den kommenden Tagen einige Male drauf eingehen und zumindest einige Aspekte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>VANCOUVER. Wie versprochen, noch einige Zeilen zu den <a title="IOC-Blogger-Richtlinien fÃ¼r Olympiateilnehmer" href="http://jensweinreich.de/2010/02/07/die-ioc-blogger-richtlinien-fur-olympiateilnehmer/" target="_self">IOC-Blogger-Richtlinien fÃ¼r Olympia-Akkreditierte</a>. Je lÃ¤nger ich darÃ¼ber nachdenke, desto skandalÃ¶ser finde ich es. Glaube auch nicht, dass diese Restriktionen aufrechtzuerhalten sind im digitalen Zeitalter, wo alle Grenzen verschwimmen und jeder zum Publisher wird. Werde sicher in den kommenden Tagen einige Male drauf eingehen und zumindest einige Aspekte der hochkomplexen Thematik anreiÃŸen. In der Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich einen langen Artikel von <a title="RenÃ© Martens" href="http://renemartens.posterous.com/" target="_blank">RenÃ© Martens</a> in der Funkkorrespondenz vom Dezember 2009 gelesen (&#8220;Wem gehÃ¶rt der Sport?&#8221;). Der Artikel ist nicht frei verfÃ¼gbar. WÃ¼rde das liebend gern als Gastbeitrag verÃ¶ffentlichen und/oder mindestens auf das Original verlinken, just in case, RenÃ© Martens liest mit &#8230;</p>
<p>Nun aber mein aktuelles Geschichtlein:</p>
<p>Die Dienstmeldung von Lindsey Vonn kam Ã¼berraschend. Die weltbeste alpine Skirennfahrerin teilte auf <a title="Twitter, Lindsey Vonn" href="http://twitter.com/lindseyvonn" target="_blank">Twitter</a> und <a title="FB, Lindsey Vonn" href="http://m.facebook.com/LindseyVonnUSA?rd7a3dfbf&amp;v=feed&amp;story_fbid=285754899727&amp;fp=1&amp;refid=0#comments_285754899727" target="_blank">Facebook</a> mit:</p>
<blockquote><p>Hey Everyone, because of the Olympic rules (blackout period) I will not be able to post any updates from now until march 3rd. Sorry, it bums me out too! Even though I won&#8217;t be able to write to you I can still get your messages so keep them coming! :) xoxo Lv</p></blockquote>
<p>Es wird hier jetzt eine Weile ruhig. GemÃ¤ÃŸ den olympischen Richtlinien darf ich mich bis Anfang MÃ¤rz nicht melden. Die Nachricht verbreitete sich Ende vergangener Woche in Windeseile. 25.000 bestÃ¤tigte Fans hat Vonn auf Facebook, dem mit bald 400 Millionen Nutzern grÃ¶ÃŸten Online-Netzwerk der Welt. 35.000 Menschen folgen ihren Kurznachrichten auf Twitter. Vonn ist bei den Winterspielen in Vancouver eine Hauptrolle zugedacht. Gerade posierte sie auf dem Olympia-Cover von Sports Illustrated. Und nun das.</p>
<p>Das IOC verbietet Lindsey Vonn zu bloggen? Im Nu war das Thema ganz groÃŸ in den herkÃ¶mmlichen Medien. Kaum eine amerikanische Zeitung, kaum ein Internetportal, kaum eine TV-Station, die nicht berichtete.</p>
<p>Das Problem war nur: Lindsey Vonn hatte die â€žIOC Blogging Guidelinesâ€œ nicht gelesen und sich aufs HÃ¶rensagen verlassen. Vom amerikanischen Olympiakomitee USOC und vom IOC wurde sie umgehend aufgeklÃ¤rt. StandesgemÃ¤ÃŸ via Twitter.</p>
<p>â€žLindsey Vonn dachte, sie dÃ¼rfe wÃ¤hrend der Spiele nichts postenâ€œ, sagte mir IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams. â€žDas stimmt nicht. Wir haben sofort getwittert und ihr die Regeln geschickt. Ich rÃ¤ume ein, dass die Regeln vielleicht etwas schwer zu verstehen sind. Es ist nun mal eine neue Ã„ra. Es ist schwer, die Regeln den rasanten Entwicklungen im Bereich Social Media anzupassen.â€œ</p>
<p>Das IOC hat die 13 Regeln fÃ¼r Vancouver im September 2009 verÃ¶ffentlicht. Die â€žBlogging Guidelinesâ€œ (<a title="Blogging-Guidelines Englisch" href="http://jensweinreich.de/2010/02/03/vancouver-1-die-ruhe-vor-dem-sturm-und-die-ioc-blogger-richtlinien/" target="_self">englische Version</a>, <a title="Blogging-Guidelines Deutsch" href="http://jensweinreich.de/2010/02/07/die-ioc-blogger-richtlinien-fur-olympiateilnehmer/" target="_self">deutsche Version</a>) gelten fÃ¼r alle Olympia-Akkreditierte â€“ mit Ausnahme von Journalisten. Deren Arbeit ist durch Artikel 49 der Olympischen Charta geschÃ¼tzt, sagt das IOC.</p>
<blockquote><p><strong>49 Â Media Coverage of the Olympic Games</strong></p>
<p>1. The IOC takes all necessary steps in order to ensure the fullest coverage by the different media and the widest possible audience in the world for the Olympic Games.</p>
<p>2. All decisions concerning the coverage of the Olympic Games by the media rest within the competence of the IOC.</p>
<p><em>Bye-law to Rule 49</em></p>
<p>1. It is an objective of the Olympic Movement that, through its contents, the media coverage of the Olympic Games should spread and promote the principles and values of Olympism.</p>
<p>2. The IOC Executive Board establishes all technical regulations and requirements regarding media coverage of the Olympic Games in an IOC Media Guide, which forms an integral part of the Host City Contract. The contents of the IOC Media Guide, and all other instructions of the IOC Executive Board, are binding for any and all persons involved in media coverage of the Olympic Games.</p>
<p>3. Only those persons accredited as media may act as journalists, reporters or in any other media capacity. Under no circumstances, throughout the duration of the Olympic Games, may any athlete, coach, official, press attachÃ© or any other accredited participant act as a journalist or in any other media capacity.</p></blockquote>
<p><span id="more-6605"></span>Sportler also dÃ¼rfen wÃ¤hrend der Spiele nicht journalistisch arbeiten, lediglich persÃ¶nliche Aufzeichnungen verÃ¶ffentlichen, ob nun in einem Blog oder in diversen Netzwerken. Sie dÃ¼rfen nur Tagebuch fÃ¼hren und sollen sich auf ihre Erlebnisse beschrÃ¤nken, nicht aber Ã¼ber Konkurrenten schreiben, schon gar keine olympischen Betriebsgeheimnisse verraten. So steht es in den Richtlinien. Die Regeln wurden im Vergleich zu den Sommerspielen 2008 in Peking verschÃ¤rft: Sportler dÃ¼rfen auf ihren Webseiten und Blogs keine Olympischen Ringe und auch nicht das Logo der Vancouver-Spiele benutzen. Zu einigen anderen Ã„nderungen hat sich <a title="Athletenbloggen in Vancouver ..." href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/05/15/screensport-am-freitag-athletenbloggen-in-vancouver-2010/" target="_blank">Dogfood schon vor Monaten geÃ¤uÃŸert</a>.</p>
<p>Angeblich stehen bei den Spielen und fÃ¼r das IOC doch immer die Sportler im Mittelpunkt. Die aber haben kein privates Recht an olympischen Symbolen. Die Exklusivrechte der Sponsoren und TV-Stationen mÃ¼ssen gewahrt werden. Nur so kÃ¶nnen jene Milliarden generiert werden, â€ždie letztlich allen Sportlern und VerbÃ¤nden zugute kommenâ€œ, argumentiert Mark Adams. â€žNatÃ¼rlich dÃ¼rfen Sportler bloggen. Wir ermuntern sie sogar dazu. Sie sollen twittern und Facebook nutzen.â€œ Irritationen, wie sie nicht nur Lindsey Vonn offenbarte, will das IOC am Dienstag beim Treffen mit allen Delegationsleitern (Chef de Mission) ausrÃ¤umen. Der DOSB, traditionell fest mit dem IOC verschweiÃŸt, meldet bislang keine ProblemfÃ¤lle, wohl aber viele Fragen und Unklarheiten.</p>
<p>Die KomplexitÃ¤t der neuen Medienwirklichkeit, die Revolution auf dem Kommunikationssektor lÃ¤sst sich nicht in dreizehn Regeln fassen. Mark Adams spricht von Grauzonen, in die man sich vortaste. Das BemÃ¼hen ist dem IOC nicht abzusprechen. Man hat schnell gelernt, ist in den groÃŸen Netzwerken aktiv, seit einem Monat auch auf Facebook, wo das IOC am Sonntag 770.000 Fans hatte, und 20 Stunden spÃ¤ter, in dieser Sekunde, schon 826.000.</p>
<p>Bis Freitag, zur ErÃ¶ffnung der Winterspiele, rechnet Adams mit einer Million.</p>
<blockquote><p>â€žUnd das in vier Wochen! PhÃ¤nomenal! Und auf Facebook wird viel aktiver kommuniziert als auf unserer Webseite.â€œ</p></blockquote>
<p>Sich dieser Dynamik anzupassen, â€žfÃ¤llt jedem Apparat schwer, auch dem IOCâ€œ, sagt Adams. â€žDa drauÃŸen sind viele Menschen, die Ã¼ber uns reden. Ich sage, wir sollten zumindest versuchen, mit unseren Fans und auch mit unseren Kritikern zu diskutieren. Sich nicht zu beteiligen, ist keine Option. Denn die Diskussion findet sonst ohne uns statt.â€?</p>
<p>(Das nehme ich ihm natÃ¼rlich nicht ab, und das weiÃŸ er auch. Ich erinnere nur kurz an die unsÃ¤glichen Aktionen beim Olympischen Kongress in Kopenhagen oder daran, dass er nicht erlaubt, die SekretÃ¤rin der Ethik-Kommission zu interviewen. Viele andere Beispiele lieÃŸen sich nennen. Aber das ist nur ein Einschub, der an dieser Stelle nicht entscheidend ist, den ich mir bloÃŸ nicht verkneifen konnte. Wie so ein Tanker wie das IOC auf die Herausforderungen reagiert, zÃ¤hlt fÃ¼r mich zu den interessantesten Sportthemen des Jahres. Ich sage nur: Youth Olympic Games in Singapur.)</p>
<p>Das IOC hat inzwischen mit Alex Huot einen â€žSocial Media Managerâ€œ benannt. Eigentlich brÃ¤uchte es einige Dutzend Angestellte in diesem Bereich. Doch Unter PrÃ¤sident Jacques Rogge ist Sparsamkeit befohlen. Wenngleich das Thema Neue Medien ganz oben auf der Agenda steht.</p>
<p>Aus Sicht des IOC waren die Sommerspiele <strong>2004 in Athen die ersten richtigen Internetspiele</strong>, weil Dank Breitbandverbindungen erstmals groÃŸflÃ¤chig Online-Ãœbertragungen mÃ¶glich waren. Die Sommerspiele <strong>2008 in Peking werden als erste digitale Spiele</strong> gefÃ¼hrt und haben den Mythos ausgelÃ¶scht, dass die Online-Medien angeblich den TV-Anstalten das GeschÃ¤ft vermiesen. Nein, die GeschÃ¤ftsfelder profitieren voneinander, schreiben IOC-Medienmanager in ihrer Peking-Auswertung. Ãœber die vielen neuen KanÃ¤le erreicht der Olympiakonzern endlich wieder eine jÃ¼ngere Zielgruppe, wie interne Analysen und eine Studie der Firma â€žSponsorship Intelligenceâ€œ beweisen.</p>
<p>â€ž<strong>In Vancouver erleben wir nun die ersten Social-Media-Spiele</strong>â€œ, sagt Direktor Adams. <strong>2012 will das IOC in London in diesem Bereich richtig Geld verdienen</strong>, um drohende Mindereinnahmen aus dem herkÃ¶mmlichen TV-GeschÃ¤ft auszugleichen.</p>
<p>Ein Auszug aus den IOC-Unterlagen:</p>
<blockquote><p>London 2012 is certainly expected to set an example in terms of proven &amp; profitable commercial model being reached on digital media broadcast of the Olympic Games spectacle. With ongoing efforts of our partners and ourselves, we expect to embrace more digital media and user participation centric exploitations. These initiatives, to include exploitation of our valuable Olympic Games Archives and social networking platforms, should help develop a presence outside Games-time as well paving the way for reaching out to new audience.</p></blockquote>
<p>Und noch eine Passage, auch wenn ich Gefahr laufe, abzuschweifen:</p>
<blockquote><p>The Digital Revolution encompasses various tools &amp; devices, evolving technology and consumption patterns. Through its various mediums and range of mechanisms of delivery of content whether in data or video format, it enables full exploitation of an Olympic Games broadcast. This means that each moment of an Olympic Games, be it part of ceremonies or sporting action, is guaranteed to be available to the public. It surpasses barriers of famous vs small sports, qualification or final round of events.</p>
<p>Each produced moment is thus guaranteed to be ready for consumption and hence rising opportunities of monetization of this vast and spectacular content that we have to offer in form of the Olympic Games. Digital Media, in particularly the Internet, thus enables all of the content produced (5000 hours for Summer and 1000 hours for Winter Games produced by OBS alone) be broadcast live over multi-streams simultaneously or in VOD, while TV could only show 10% of the whole Games on average.</p>
<p>New content delivery methods across different platforms and mediums, (e.g. Internet including broadband or IPTV, mobile etc.) and growing consumption trends also enhance the number of potential clients interested in Olympic Games broadcast rights, including the telecom firms and Internet Service Providers (ISPs). This increase in interest, of exploiting these rights, is expected to enhance value of these rights and in return the revenue streams of the Olympic Movement.</p>
<p>More than one method of delivery and consumption through Digital Media platforms mean that now we can talk about real interactive user experience of the Olympic Games. It empowers users to view the content on their own terms based on platform, device, time, location and with whole of produced content on offer, they can watch the sport of their choice. Latest technology developments, including ongoing analogue switch-off and others as observed in Beijing, to a certain extent, also enable merger of data and video, resulting in more user centric activation and features like user generated content (UGC), text commentary, trivias, bios, forums, surveys, etc.</p>
<p>All these features extend for taking this enhanced user-experience to outside the Games-time through dissemination of over 35â€™000 hours of archival video content as well as over 600â€™000 images as well as activation through communities based on pillars of Olympic Games in form of the athletes, volunteers, collectors and spectators.</p>
<p>Although we strongly believe that the benefits outnumber the threats, the Digital Revolution comes with a few challenges.</p></blockquote>
<p>PrÃ¤sident Rogge sagte unlÃ¤ngst: Die digitalen Medien seien â€ždie beste Erfindung seit der Erfindung des Fernsehensâ€œ.</p>
<p>Zumindest in diesem Punkt wird Lindsey Vonn nicht widersprechen. Auch wenn sie sich auf Twitter korrigieren musste:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-6609" title="Twitter, Lindsey Vonn" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/vonn2.jpg" alt="" width="511" height="162" /></p>
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		<title>Christer Ahl: Hassan Moustafa and the priority of personal enrichment</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 21:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[by Christer Ahl, former chairman of the IHF Playing Rules and Referees Commission Last weekend the German magazine â€˜Der Spiegelâ€™ has revealed that Hassan Moustafa, president of the International Handball federation (IHF) had been under a personal contract with the Sportfive marketing agency, with a remuneration of 602,000 Euro, during a period for which Sportfive [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>by Christer Ahl</strong>,<br />
<em>former chairman of the IHF Playing Rules and Referees Commission</em></p>
<p>Last weekend the German magazine â€˜Der Spiegelâ€™ has revealed that Hassan Moustafa, president of the International Handball federation (IHF) <a title="Hassan Moustafa, Handball, Sportfive, Lobbyismus und Korruption" href="http://jensweinreich.de/?p=6273" target="_self">had been under a personal contract with the Sportfive marketing agency</a>, with a remuneration of 602,000 Euro, during a period for which Sportfive had won a contract with the IHF for the TV rights to all IHF events. â€˜Der Spiegelâ€™ had obtained a copy of the contract between Moustafa and Sportfive, and also a confirmation directly from Moustafa.</p>
<p>Clearly, for Mr. Moustafa to obtain a very vague, but lucrative personal contract from Sportfive while at the same time the IHF is selling its valuable TV rights to the very same company, in a competitive bid situation, smacks of conflict of interest, to put it mildly. That some observers will take it a step further and start talking about kick-backs is rather understandable, especially as they feel that Moustafa has shown over the years that he has no understanding of, or regard for, the concept of â€˜conflict of interestâ€™. This remarkable state of affairs was picked up by handball media around the world, for instance in the major handball web site â€˜Handball-Worldâ€™.</p>
<p><img align="right" vspace="5" hspace="5" class="alignright size-full wp-image-6371" title="Christer Ahl, 2009, (c) Play the Game" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/01/christer-ahl-2009.jpg" alt="" width="266" height="400" />Not surprisingly, the IHF president found it necessary to try to counter these damning reports. On January 26, the IHF issued a press bulletin regarding the Spiegel report to back up statements the president had made.</p>
<p>This press bulletin, however, was only provided to German news outlets, and has not been posted on the IHF website.</p>
<p>The impression is that the IHF avoids giving its own press bulletin too much publicity, in an attempt to keep the exposure of the whole matter as limited as possible. This does not tend to be the methods of someone who has nothing to hide.</p>
<p>But the key points of the press bulletin are worth noting: in the face of the existing evidence, the president does not attempt to deny the existence of the lucrative contract.</p>
<p><strong>Instead, he tries to downplay the issue with rather hilarious arguments.</strong></p>
<p>For instance, â€œhe was at this time primarily a businessman with a Cairo-based company, with which Sportfive had obtained a contract, and his position with the IHF was in any event just an honorary one.â€?</p>
<p>Well, while the president may feel that this attempt to portray his relative priorities may provide some kind of excuse, it all too well reflects precisely what his critics have said about the priority he has given to personal enrichment, in contrast to his treating the development of world handball as a small matter on the side.</p>
<p>It is also somewhat amusing that the press bulletin closes with the comment that the â€œthe IHF has come to the conclusion that Moustafa in all respects has acted correctlyâ€?.</p>
<p><span id="more-6369"></span>I think it is universally understood that an IHF Media Officer will describe an â€˜IHF conclusionâ€™ in the way that the autocratic president orders it to be describedâ€¦ The typical reactions of knowledgeable people to both the initial revelations and the attempt at a rebuttal are well captured in the web site of the well-known German investigating journalist Jens Weinreich, who also criticizes sports media in handball-crazy Germany for not giving the matter quicker and more prominent coverage.</p>
<p>An interesting twist to the whole story is that the Director of Sportfive during the period through 2009, when Sportfive had both the IHF TV rights and the personal services contract with Moustafa, was a Robert Mueller von Vultejus, who has since abandoned Sportfive in favor of a rival entity, UFA Sports, a subsidiary of the important German media group RTL. UFA Sports, which was established as recently as in 2008, was in early 2009 ready to jump into the competition for the IHF TV rights for the new quadrennial 2010-13.</p>
<p>Somewhat to the surprise of the sports media world, UFA managed to beat out Sportfive and other competitors and gained the rights for 2010-13. These results were announced in connection with the IHF Congress in June 2009.</p>
<p><strong>At the time, it may simply have seemed that this â€˜coupâ€™ could be ascribed to the experience acquired by Mueller von Vultejus when dealing with the IHF while at Sportfive.</strong></p>
<p>But after the most recent revelations, the new regime at Sportfive is perhaps beginning to wonder if thereâ€™s more to the story as they have indicated that they are now examining the events involving Sportfiveâ€™s relationship with the IHF and Moustafa. They are bound to be asking if their former Director brought his questionable practices with him to his new company and therefore whether the bidding was really won fairly by UFA, as now is being forcefully claimed by Mueller von Vultejus.</p>
<p><strong>Perhaps the bidding was not as â€˜sealedâ€™ and confidential as it should have been!?</strong></p>
<p>Persons connected with the IHF who are familiar with the process would understandably be unwilling to risk their situation by speaking openly, but it would not come as a shock if one day it came out in the public that UFA had indeed been given a chance to ensure that they had the winning bid&#8230;</p>
<p>Finally, on a personal note, I would like to say that it is painful to have reasons to keep writing negative things about the IHF. But my loyalty is to handball, its image and success, and to the people who work in an honest and selfless way for handball, not to the IHF and its current regime.</p>
<p><em>Crossposting von <a title="Interview mit Christer Ahl" href="http://teamhandballnews.com/comment-n762.html" target="_blank">teamhandballnews.com</a> mit freundlicher Genehmigung von Christer Ahl</em></p>
<ul>
<li>Christer Ahl <a title="tag Christer Ahl" href="http://jensweinreich.de/?s=christer+ahl" target="_self">hier im Blog</a></li>
<li><a title="Vita Christer Ahl" href="http://www.playthegame.org/knowledge-bank/author-profile/christer-ahl.html" target="_blank">Kurzbio</a> von Christer Ahl</li>
<li>Vortrag von Christer Ahl auf der Konferenz <a title="tag: Play the Game" href="http://jensweinreich.de/?cat=12" target="_self">Play the Game</a> 2009 in Coventry: &#8220;<a title="Vortrag Play the Game 2009" href="http://www.playthegame.org/uploads/media/Christer_Ahl_-_World_handball_hi-jacked.pdf  " target="_blank">World Handball hi-jacked by its president: structural problems, scandals and an urgent need for change</a>&#8220;</li>
</ul>
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		<title>Hassan Moustafa, Handball, Sportfive, Lobbyismus und Korruption</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 21:15:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu meinen LieblingsgÃ¤sten hier im Blog zÃ¤hlt der altruistische Pharao Hassan Moustafa, PrÃ¤sident des Handball-Weltverbandes IHF. UnermÃ¼dlich werkelt er fÃ¼r das Wohl seines Sports, fÃ¼r das Wohl der Familie und &#8211; wer will es ihm verÃ¼beln &#8211; auch ein bisschen fÃ¼r das eigene Konto. Bevor ich einige Gedanken zur EnthÃ¼llung von Michael Wulzinger im Spiegel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu meinen LieblingsgÃ¤sten hier im Blog zÃ¤hlt der altruistische <a title="BeitrÃ¤ge zum Pharao" href="http://jensweinreich.de/?cat=258" target="_self"><strong>Pharao Hassan Moustafa</strong></a>, PrÃ¤sident des Handball-Weltverbandes IHF. UnermÃ¼dlich werkelt er fÃ¼r das Wohl seines Sports, fÃ¼r das Wohl der Familie und &#8211; wer will es ihm verÃ¼beln &#8211; auch ein bisschen fÃ¼r das eigene Konto. Bevor ich einige Gedanken zur <a title="SpOn: Moustafa hatte Geheimvertrag mit Vermarktungsagentur" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,673558,00.html" target="_blank">EnthÃ¼llung von Michael Wulzinger im Spiegel</a> Ã¤uÃŸere, schlage ich vor, wir hÃ¶ren den Pharao. Denn er hat mir ja nicht nur einmal erklÃ¤rt, dass es im Sport keine Korruption gibt, ganz einfach, weil der Sport immer sauber ist.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/01/27/hassan-moustafa-handball-sportfive-lobbyismus-und-korruption/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Wer mag, kann gern <a title="Umfrage unter SportfÃ¼rsten: Braucht der Sport eine WACA?" href="http://jensweinreich.de/?cat=1205" target="_self">die sechs Teile meiner Umfrage</a> unter WeltverbandsprÃ¤sidenten und IOC-Mitgliedern nachhÃ¶ren (und anschauen). <strong>Es galt, die Frage zu beantworten, ob der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur braucht?</strong></p>
<p>Doch zurÃ¼ck zum Pharao.  Die <a title="SpOn: Moustafa hatte Geheimvertrag mit Vermarktungsagentur" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,673558,00.html" target="_blank">Spiegel-Geschichte</a> in Kurzfassung, demnÃ¤chst wird der gesamte Text aus dem aktuellen Heft ja online verfÃ¼gbar sein:</p>
<blockquote><p>Hassan Moustafa, der PrÃ¤sident der Internationalen Handball-FÃ¶deration (IHF), hatte Ã¼ber seine nahe Kairo ansÃ¤ssige Firma Sport Group einen geheimen Beratervertrag mit der Sportvermarktungsagentur Sportfive. Demnach zahlte das Hamburger Unternehmen, das bis zum 31. Dezember 2009 die Fernsehrechte des Welthandball-Verbandes verwertete und bis dahin der mit Abstand wichtigste GeschÃ¤ftspartner der IHF war, dem SpitzenfunktionÃ¤r <strong>von Oktober 2007 bis zum 31. Dezember 2009 fÃ¼r seine Lobbyistendienste 602.000 Euro</strong>.Â Mindestens die HÃ¤lfte dieses Honorars wurde Moustafa auf ein Privatkonto bei einer Filiale der Bank BNP Paribas in der Ã¤gyptischen Stadt Gizeh Ã¼berwiesen.</p>
<p>Wie es in dem Vertrag heiÃŸt, der dem SPIEGEL vorliegt, sollte Moustafa seine &#8220;guten Beziehungen zu Sportorganisationen und ihren EntscheidungstrÃ¤gern&#8221; sowie zu Mediengesellschaften exklusiv fÃ¼r die kommerziellen Interessen von Sportfive nutzen. Zudem sollte Moustafa Sportfive &#8220;nach besten KrÃ¤ften in seiner Anstrengung unterstÃ¼tzen, sich die Vermarktungsrechte an bedeutenden Veranstaltungen zu sichern&#8221;.</p></blockquote>
<p>Einige Anmerkungen:</p>
<p><strong>1)</strong> Interessant (oder doch eher wieder typisch) ist zunÃ¤chst, dass die EnthÃ¼llung &#8211; und ich nenne es EnthÃ¼llung, wenn ein solcher Vertrag Ã¶ffentlich wird &#8211; vorab am 23. Januar 2010 verÃ¶ffentlicht wurde. Deutsche Nachrichtenagenturen haben aber, wenn ich mich nicht tÃ¤usche, erst am 25. Januar um 9.40 Uhr (SID) bzw. 17.31 Uhr (dpa) darÃ¼ber berichtet. Hallo? Ich meine, hier geht es nicht um eine beliebige Kleinigkeit, sondern um einen PrÃ¤sidenten eines olympischen Weltverbandes, um einen vorbelasteten Sportkameraden, der in einer urdeutschen Sportart sein Unwesen treibt, fÃ¼r etliche Skandale und korruptive Umtriebe verantwortlich ist und mÃ¤chtig abkassiert.</p>
<p>Aber die ZurÃ¼ckhaltung deutscher Agenturjournalisten kann neben allgemeinem Desinteresse an derlei brisanten Themen natÃ¼rlich auch mit Anordnungen zusammenhÃ¤ngen :), die Stefan Niggemeier gerade dokumentierte: &#8220;<a title="Stefan Niggemeier: Klare Ansage bei dpa: Lieber spÃ¤t als falsch" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/klare-ansage-bei-dpa-lieber-spaet-als-falsch/" target="_self">Klare Ansage bei dpa: Lieber spÃ¤t als falsch</a>&#8221;</p>
<p>Nein, ernsthaft: Es liegt ein Vertrag zwischen Moustafa und dem Rechteverwerter vor, den beide Seiten bestÃ¤tigen, also auch der frÃ¼here Sportfive-GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer und heutige Ufa Sports-ChefÂ Robert MÃ¼ller von Vultejus.</p>
<ul>
<li>Sportfive = alter IHF-Vermarkter.</li>
<li>Ufa Sports = neuer Sportvermarkter (Vertrag <a title="Wellnessprogramm fÃ¼r die Sportfamilie" href="http://jensweinreich.de/?p=3928" target="_self">2009 vergeben</a>, Laufzeit 2010-2013, Volumen 60 Millionen Franken).</li>
</ul>
<p>Da gibt es nur eins: Die Geschichte ist zu vermelden. Sie hat Relevanz, und zwar betrÃ¤chtliche Relevanz.</p>
<p><em>(Wie das mit VermarktungsvertrÃ¤gen, Bietern und denjenigen, die VertrÃ¤ge vergeben, oftmals lÃ¤uft, <a title="Kleiner RÃ¼ckblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL" href="http://jensweinreich.de/?p=5993" target="_self">habe ich sehr ausfÃ¼hrlich hier beschrieben</a>.)</em></p>
<p><strong> 2)</strong> Der Vorgang beweist einmal mehr, wie lÃ¤cherlich irrelevant die so genannte IOC-Ethikkommission ist. Und wie groÃŸzÃ¼gig das IOC noch unter dem selbst ernannten Null-Toleranz-PrÃ¤sidenten Jacques Rogge agiert. Daran Ã¤ndert der Umstand nicht, dass das IOC neuerdings behauptet, <a title="BeitrÃ¤ge zu Jean-Marie Weber" href="http://jensweinreich.de/?cat=171" target="_self">Jean-Marie Weber</a>, der in der Familie <a title="Jean-Marie Weber: Ich habe nicht Illegales getan!" href="http://jensweinreich.de/?p=4000" target="_self">nie etwas Illegales getan hat</a> und der nach wie vor fÃ¼r etliche IOC-Mitglieder, deren VerbÃ¤nde und Sportarten arbeitet (FuÃŸball, Leichtathletik etc.), werde <a title="Transparency in Sport" href="http://transparencyinsport.org/Rogge_bans_the_Bagman/rogge_bans_the_bagman.html" target="_blank">nicht mehr zu IOC-Veranstaltungen akkreditiert</a>. (Ich werde mir das in Vancouver anschauen.)</p>
<p><strong>3)</strong> Der Vorgang beweist, dass die von der ISL einst geprÃ¤gte Praxis des Geben und Nehmen noch immer an der Tagesordnung ist. Wie sagten einst Manager des ISL-Konzerns, der &#8211; nur das wissen wir &#8211; <a title="The ISL bribery system ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3975" target="_self">138 Millionen Schweizer Franken Bestechungsgeld</a> an hohe SportfunktionÃ¤re gezahlt hat?</p>
<p>Im ISL-Prozess sagte der ehemalige <a title="Deutschlandfunk: Krumme GeschÃ¤fte mit dem Sport" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/810712/" target="_blank">ISL-Finanzchef Hans-JÃ¼rg Schmid</a> vor Gericht:</p>
<blockquote><p>â€žDas ist, als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet. Ansonsten wÃ¤ren diese VertrÃ¤ge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden. Alle diese Zahlungen waren notwendig, um Ã¼berhaupt VertrÃ¤ge zu bekommen und dass die sich dran halten.â€œ</p></blockquote>
<p>ISL-Vorstand Christoph Malms erklÃ¤rte damals:</p>
<blockquote><p>â€žDiese Praxis war unerlÃ¤sslich, sie war branchenÃ¼blich, sie gehÃ¶rte zum Stil des GeschÃ¤fts. Ohne das geht es nicht.â€œ</p></blockquote>
<p>In den Prozessunterlagen finden sich etliche andere Aussagen und Beweise. Dies soll heute genÃ¼gen.</p>
<p><strong>4)</strong> GemÃ¤ÃŸ dpa von heute (&#8220;<a title="FTD" href="http://www.ftd.de/sport/sportmix/handball/:ihf-praesident-moustafa-weist-vorwuerfe-zurueck/50065391.html" target="_blank">Moustafa weist VorwÃ¼rfe zurÃ¼ck</a>&#8220;) hat die IHF inzwischen ein Statement abgegeben, das ich aber weder online finde, noch kann mir ein Kollege, der zurzeit bei der Handball-EM ist, mit einem SchriftstÃ¼ck aushelfen (ich denke, das Original trage ich bald nach). Die dpa schreibt:</p>
<blockquote><p>Hassan Moustafa, PrÃ¤sident der InternationalenÂ Handball-FÃ¶deration (IHF), hat VorwÃ¼rfe wegen angeblich fragwÃ¼rdiger GeschÃ¤fte zurÃ¼ckgewiesen. Bei dem Vertrag zwischen dem ehemaligenÂ IHF-Sport- und Fernsehrechte-Vermarkter Sportfive und der Firma SportÂ Group aus Kairo handele es sich um eine &#8220;normale geschÃ¤ftlicheÂ Verbindung&#8221;, betonte der 65-JÃ¤hrige in einer Verbandsmitteilung amÂ Dienstag. Diese Zusammenarbeit sei Moustafa als Inhaber der FirmaÂ eingegangen, und dies habe &#8220;absolut nichts&#8221; mit seiner Funktion alsÂ IHF-PrÃ¤sident zu tun. Zugleich erhielt er RÃ¼ckendeckung durch denÂ Verband. Die IHF sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Moustafa inÂ allen Belangen korrekt verhalten habe.</p></blockquote>
<p>Ich will das gern auseinandernehmen. Andere werden das demnÃ¤chst ebenfalls tun, zum Beispiel <a title="www.teamhandballnews.com" href="http://teamhandballnews.com/index.php" target="_blank">Christer Ahl</a>, langjÃ¤hriger IHF-Schiedsrichterchef, der aus Protest gegen die Machenschaften Hassan Moustafas zurÃ¼ckgetreten ist.</p>
<ul>
<li>&#8220;Angeblich fragwÃ¼rdig&#8221;? Ein Witz.</li>
<li>&#8220;Normale geschÃ¤ftliche Verbindung&#8221;? In dieser Branche ja.</li>
</ul>
<p>TatsÃ¤chlich aber ist das der <a title="Definition und Formen von Korruption im Sport" href="http://jensweinreich.de/?p=3246" target="_self">Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Vorteil</a> &#8211; und erfÃ¼llt damit exakt die <strong>Korruptions-Definition</strong> von Transparency International.</p>
<p>Soviel Klarheit sollte sein.Â <strong>Korruption ist und bleibt ein illegaler Deal.</strong></p>
<p>Ich finde, das hÃ¤tte auch im Spiegel besser herausgearbeitet werden kÃ¶nnen.</p>
<p><strong>5)</strong> Strafrechtlich kÃ¶nnte die Sache fÃ¼r Vermarkter (Sportfive, Ufa Sports) und die entsprechenden RechtehÃ¤ndler, die Unschuld beteuern, schon noch interessant werden. Ich sage nur: Siemens. Hier mal ein Auszug aus dem Strafgesetzbuch:</p>
<blockquote><p><strong>Â§ 299 Bestechlichkeit und Bestechung im geschÃ¤ftlichen Verkehr<span id="more-6273"></span><br />
</strong></p>
<p>(1) Wer als Angestellter oder Beauftragter eines geschÃ¤ftlichen Betriebes im geschÃ¤ftlichen Verkehr einen Vorteil fÃ¼r sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafÃ¼r fordert, sich versprechen lÃ¤ÃŸt oder annimmt, daÃŸ er einen anderen bei dem Bezug von Waren oder gewerblichen Leistungen im Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.</p>
<p>(2) Ebenso wird bestraft, wer im geschÃ¤ftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs einem Angestellten oder Beauftragten eines geschÃ¤ftlichen Betriebes einen Vorteil fÃ¼r diesen oder einen Dritten als Gegenleistung dafÃ¼r anbietet, verspricht oder gewÃ¤hrt, daÃŸ er ihn oder einen anderen bei dem Bezug von Waren oder gewerblichen Leistungen in unlauterer Weise bevorzuge.</p>
<p>(3) Die AbsÃ¤tze 1 und 2 gelten auch fÃ¼r Handlungen im auslÃ¤ndischen Wettbewerb.</p></blockquote>
<p>Wer selbst in den <a title="Strafgesetzbuch" href="http://bundesrecht.juris.de/stgb/index.html" target="_blank">Paragrafen schmÃ¶kern mÃ¶chte</a>. Ich frage mich: Muss die Staatsanwaltschaft Hamburg nach VerÃ¶ffentlichung des Spiegel-Artikels von Amts wegen ermitteln? Wer ist zustÃ¤ndig oder entziehen sich die Firma Sportfive und deren verantwortliche Manager deutscher Jurisdiktion?</p>
<p><em>Nachtrag:</em> Sportfive verÃ¶ffentlichte <a title="PM Sportfive" href="http://www.sportfive.com/index.php?id=693&amp;L=1&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=170&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=91&amp;cHash=df06300283" target="_blank">diese PM</a>:</p>
<blockquote><p>In der aktuellen Ausgabe des &#8220;Spiegel&#8221; und auf &#8220;Spiegel Online&#8221; sind Artikel erschienen, die SPORTFIVE unmittelbar betreffen. Die Artikel handeln von Transaktionen und BeratertÃ¤tigkeiten aus dem Jahr 2007 zwischen SPORTFIVE und der Sport Group, Kairo. Unmittelbar nachdem wir Ã¼ber diesen Sachverhalt informiert und um eine Stellungnahme gebeten wurden, haben wir mit der ÃœberprÃ¼fung der Angelegenheit begonnen.</p>
<p>Nach derzeitigem Kenntnisstand gab es zwei BeratervertrÃ¤ge, abgeschlossen im Jahr 2007. Die Personen, die den Vertrag verhandelt und unterzeichnet haben, sind nicht mehr fÃ¼r SPORTFIVE tÃ¤tig und haben das Unternehmen im Dezember 2007 verlassen. Der Abschluss des im Artikel angesprochenen Vertrags fÃ¤llt in diesen Zeitraum und damit in die Zeit vor dem Antritt der jetzigen GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung.</p></blockquote>
<p><strong>6)</strong> Lustig sind mal wieder die Begrifflichkeiten. GegenÃ¼ber Michael Wulzinger orakelt Moustafa Ã¼ber &#8220;Lebenswirklichkeit in meinem Heimatland&#8221;. Deutsche FunktionÃ¤re, deren BeratervertrÃ¤ge gelegentlich Ã¶ffentlich werden, sprechen mitunter von &#8220;<a title="&quot;VielfÃ¤ltige Lebenssachverhalte&quot; (III)" href="http://jensweinreich.de/?p=2383" target="_self">vielfÃ¤ltigen Lebenssachverhalten</a>&#8220;, und da liegen die Sachverhalte vÃ¶llig anders.</p>
<p><strong>7)</strong> Das Schlusswort.</p>
<p>Es hat natÃ¼rlich Hassan Moustafa:</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/hassansfamilie.mp3">:</a></p>
<p>Ging zu schnell?</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/hassansfamilie.mp3">:</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kleiner RÃ¼ckblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 23:31:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>KAPSTADT. MÃ¶chte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der FuÃŸball-Weltmeisterschaften geregelt werden?</p>
<p>Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding)Â und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.</p>
<ul>
<li><a title="TV-Vertrag WM 2002 und 2006" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/12/shortform-agreement.pdf" target="_self">Vertrag Ã¼ber die Fernsehrechte an den FuÃŸball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006</a> <em>(pdf, 10 Seiten, 600 kb)Â </em></li>
</ul>
<p>Ich Ã¼bertreibe es mal wieder mit dieser NachtlektÃ¼re. <em>Andreas</em> fragt in den Kommentaren zum Beitrag &#8220;<a title="Katar und die FuÃŸball-WM 2002 ..." href="http://jensweinreich.de/?p=5979" target="_self">Katar und die WM 2022: FuÃŸball im KÃ¼hlschrank</a>&#8220;, wie &#8220;<a title="Kommentar von Andreas" href="http://jensweinreich.de/?p=5979#comment-16457" target="_self">man eigentlich logisch erklÃ¤ren</a>&#8221; kÃ¶nne, dass fÃ¼r die TV-Rechte an der FuÃŸball-WM 2006 plÃ¶tzlich 1,5 Milliarden CHF gezahlt wurden, wo doch fÃ¼r die drei Weltmeisterschaften zuvor (1990, 1994, 1998) nur 340 Millionen CHF gezahlt worden sind. Nun, die Antwort lautet:</p>
<ol>
<li>Die VertrÃ¤ge zuvor waren vom damaligen FIFA-GeneralsekretÃ¤r Joseph Blatter dilletantisch ausgehandelt.</li>
<li>Die VertrÃ¤ge 2002 und 2006 mussten offenbar an die ISL-Gruppe (die damalige Holding war die Sporis, aus der spÃ¤ter die ISMM wurde) vergeben werden. Denn die ISL hatte im Dezember 1995 im japanischen Karuizawa Ã¼berraschend vom IOC den Laufpass bekommen und wurde aus dem TOP-Programm katapultiert. Um ohne die IOC-Sponsorenrechte bzw. das Makeln derselben, was mit 20 Prozent Provision plus Erstattung sÃ¤mtlicher Kosten vergÃ¼tet wurde (kein Wunder, dass Richard Pound und Michael Payne damals den Vertrag auflÃ¶sten), hÃ¤tte die ISL-Gruppe nicht mehr existieren kÃ¶nnen. Binnen eines halbes Jahres wurde aus der ISL, die bis dahin nur Sponsorenrechte im olympischen Bereich gemakelt hatte, eine TV-Vermarktungsfirma. Jean-Marie Weber (ISL/Sporis) verbÃ¼ndete sich mit Taurus des Leo Kirch. Der wiederum hatte damals in der Schweiz in aller Stille die Vermarktungsfirme Prisma gegrÃ¼ndetÂ und zahlreiche Experten aus anderen Firmen abgeworben &#8211; in weiser Voraussicht, dass er mit der ISL die WM-TV-Rechte erwerben wÃ¼rde.</li>
</ol>
<p>Nachfolgend das entsprechende Kapitel aus dem Buch &#8220;<a title="Das Milliardenspiel" href="http://jensweinreich.de/?page_id=6" target="_self">Das Milliardenspiel</a>&#8220;, das ich 1998 gemeinsam mit Thomas Kistner verÃ¶ffentlicht habe. Das Kapitel ist unredigiert, wurde im Februar 1998 geschrieben. (Der SPIEGEL schrieb damals zum Erscheinen des Buches: &#8220;<a title="Der Spiegel, MÃ¤rz 1998" href="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=7851547&amp;aref=image017/SP1998/013/SP199801301520154.pdf&amp;thumb=false" target="_blank">Revolution am Hofe Havelange</a>&#8220;) Insofern ist es wichtig, sich die Erkenntnisse aus dem ISL-Strafprozess hinzuzudenken, wonach <a title="alle BeitrÃ¤ge zu ISL/ISMM" href="http://jensweinreich.de/?cat=59" target="_self">die ISL-Gruppe offenbar sÃ¤mtliche VertrÃ¤ge mit Schmiergeld akquiriert hat</a> &#8211; das ist gerichtsfest. Es empfiehlt sich auÃŸerdem, mal danach zu googeln, wie Kirch in der FuÃŸballwelt seine VertrÃ¤ge finanziert hat. Da istÂ einiges publiziert worden, als sein Imperium um die Jahrtausendwende zusammenbrach.</p>
<p>SelbstverstÃ¤ndlich sind alle Zitate der nachfolgenden Buch-Passage, etwa aus den Briefen von Eric Drossart und denen von Blatter, mit den entsprechenden Dokumenten zu belegen. Ich habe die alten Fax-Kopien auch noch irgendwo eingescannt im Archiv.</p>
<p>Ich erinnere mich an ein Abendessen mit dem damaligen Kirch-Adlatus und GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer Dieter Hahn, der in MÃ¼nchen einige JournalistenÂ ein geladen hatte. Er sagte damals, er hÃ¤tte &#8220;Das Milliardenspiel&#8221; mit grÃ¶ÃŸtem Interesse gelesen. Sehr interessant sei die LektÃ¼re gewesen, aber das Beste, so Hahn, &#8220;haben sie nicht geschrieben&#8221;. Tut mir auch leid, ich hÃ¤tte dasÂ Beste gern gewusst und juristisch wasserdicht gehabt.</p>
<p>Hier also das Kapitel, fÃ¼r Feinschmecker wie <em>Andreas</em>:</p>
<blockquote><p><strong>Der groÃŸe Coup</strong></p>
<p>Ãœber die besondere Vertrauensbeziehung zwischen Havelange und Weber war in der Branche schon immer getuschelt worden. Manchmal machten fast schon ehrenrÃ¼hrige Geschichten die Runde &#8211; vor allem, als die FIFA am 3. Juli 1996 die Verwertung ihrer Fernsehrechte (auÃŸer USA) fÃ¼r die Weltmeisterschaften der Jahre 2002 und 2006 vergab. NutznieÃŸer waren die <em>Sporis</em>-Holding und die <em>TaurusFilm</em> GmbH, ein Unternehmen aus der Firmengruppe des MÃ¼nchner Medienmoguls Leo Kirch. Erstmals in der Geschichte der FuÃŸball-WM wurde mit dieser Aufgabe also kein Ã¶ffentlich-rechtliches Fernsehunternehmen mehr betraut. Laut schrien die Verlierer auf nach jener Ã¤uÃŸerst dubiosen Abstimmung des Exekutivkomitees Anfang Juli 1996. Die Nerven lagen blank. Am besten faÃŸte die Konfusion ein Mitbewerber zusammen: &#8220;Das, was der Herr Kirch meint, gekauft zu haben, was die ISL meint, vermittelt zu haben, und was die FIFA meint, verkauft zu haben, sind drei verschiedene Paar Schuhe.&#8221;</p>
<p>Als schÃ¤rfste Kritiker der FIFA traten plÃ¶tzlich jene hervor, die mehr als zwei Jahrzehnte lang die WM-Fernsehrechte innehatten: Das Konsortium unter FÃ¼hrung der EBU, das in dem BewerbungsprozeÃŸ als Vertreter sÃ¤mtlicher Ã¶ffentlich-rechtlicher Anstalten des Erdballs aufgetreten war. EBU-GeneralsekretÃ¤r Jean-Bernard Munch wetterte Ã¼ber eine &#8220;nicht transparente Entscheidungsfindung&#8221; durch die FIFA. Er Ã¤uÃŸerte sogar den Verdacht, daÃŸ <em>Sporis</em>/ISL und die Kirch-Gruppe das EBU-Angebot kannten, bevor sie es um 600 Millionen Franken Ã¼berboten. Munch sagte weiter, ISL-GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer Jean-Marie Weber, der auch inoffizieller Berater von Havelange sei, sei der entscheidende Mann in diesem GeschÃ¤ft gewesen. Zwar kÃ¶nne er es nicht beweisen, so der langjÃ¤hrige Insider, &#8220;aber es wÃ¤re mir unverstÃ¤ndlich, wenn Weber unser Angebot nicht gesehen haben sollte&#8221;. Dagegen habe die EBU &#8220;bis zuletzt nicht gewuÃŸt, daÃŸ Kirch/<em>Sporis</em> dabei waren&#8221;, ergÃ¤nzte Sportdirektor Richard Bunn. FIFA-Direktor Keith Cooper bezeichnete Munchs Vermutung eilig als &#8220;absurd&#8221;. Auch ISL-Sprecher Christoph Malms, der sonst die Kontakte Webers Ã¼ber alle MaÃŸen lobt, wollte davon nichts wissen. Weber sei kein FIFA-Berater und man habe das EBU-Angebot nicht gekannt.</p>
<p>Auch mit einem Abstand von fast zwei Jahren hat sich die VerÃ¤rgerung in der Branche nicht gelegt. Und sie fokussiert sich immer noch auf den heiklen Verdacht der persÃ¶nlichen Seilschaften. EBU-Sportdirektor Bunn meint rÃ¼ckblickend, die FIFA habe &#8220;eine vÃ¶llig unnormale GeschÃ¤ftspraxis&#8221; bewiesen. Die Entscheidung sei auch deshalb &#8220;absolut merkwÃ¼rdig&#8221; gewesen, weil sich das EBU-Angebot (2,2 Milliarden, Produktionskosten exklusive) letztlich &#8220;in der gleichen HÃ¶he bewegt hat wie das von <em>Sporis</em> und Kirch&#8221; (2,8 Milliarden, Produktionskosten inklusive). &#8220;Wir waren bereit, viel Geld auszugeben, und wir hatten ja bereits das gesamte Knowhow dazu. AuÃŸerdem hÃ¤tte sich die FIFA den ganzen Ã„rger mit dem Pay-TV erspart.&#8221;</p>
<p>Die begÃ¼nstigenden UmstÃ¤nde, unter denen <em>Sporis</em>/ISL in das fÃ¼r sie fremde FernsehgeschÃ¤ft eingestiegen sind, waren damals auch anderen Konkurrenten bekannt. Zwischenzeitlich sah sich die FIFA selbst zu der ErklÃ¤rung genÃ¶tigt, es habe keinerlei Vorabsprachen mit einer Firma gegeben. Angesichts der eigenartigen Konstellation hatte sich manch einer fÃ¼r den sofortigen RÃ¼ckzug entschieden: Medienzar Rupert Murdoch etwa, wahrlich kein blutiger AnfÃ¤nger auf diesem Sektor. Dessen <em>News Corporation</em> sprang vom Bieterkarussell ab, angeblich, weil Murdoch der FIFA nicht Ã¼ber den Weg traute und weil ihm der geplante AbschluÃŸ bis ins Jahr 2006 in dem schnellebigen GeschÃ¤ft einfach zu lang erschien.</p>
<p>Wie Kirch und die <em>Sporis</em>-Tochter ISL zueinander fanden, ist ebenfalls ein gut gehÃ¼tetes Geheimnis. Malms &#8220;weiÃŸ nicht mehr so genau, wie wir mit denen ins GeschÃ¤ft kamen&#8221; &#8211; was von bemerkenswerter VergeÃŸlichkeit zeugt, nur ein Jahr nach dem Erhalt der Rechte. Eine wirtschaftliche Notehe sei es aber nicht gewesen, &#8220;wir hÃ¤tten auch anders die finanziellen Garantien Ã¼ber die Banken bringen kÃ¶nnen.&#8221; Da verwundert ein wenig, daÃŸ es in den ersten Verlautbarungen nach dem Fernsehdeal zunÃ¤chst Kirch alleine war, der fÃ¼r die Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Mark bÃ¼rgen sollte. Eingeweihte meinen sich erinnern zu kÃ¶nnen, daÃŸ Kirch und der verstorbene Horst Dassler schon in den achtziger Jahren Ã¼ber gemeinsame Projekte nachgedacht haben. Die beiden Bayern waren ja im CSU-Staat nicht allzu fern voneinander.</p>
<p>Weil Kirch dann unmittelbar nach der FIFA-Entscheidung sein Digitalfernsehprojekt DF 1 startete, hub in Deutschland sofort eine erbitterte Diskussion an: Werden die Spiele der FuÃŸballweltmeisterschaften kÃ¼nftig exklusiv nur noch im Pay TV Ã¼bertragen &#8211; oder weiterhin in frei zugÃ¤nglichen KanÃ¤len? Medienexperten jeder Couleur wettern seither lautstark durcheinander. Kurioserweise schrieen dabei immer wieder auch Kirchs CDU-Parteifreunde auf, die mit auffallend wachsweichen Mediengesetzen erst zur Ausbreitung seines Imperiums beitrugen. Es ist viel Heuchelei im Spiel, auf allen Seiten. NÃ¼chtern betrachtet ist es so: Die FIFA hat sich an den Fernsehfreibeuter Kirch verkauft. Und der Programmdirektor der Nation nutzt den FuÃŸball, den jetzt so mancher Diskutant als Kulturgut geschÃ¼tzt sehen will, als Vehikel, um seine Herrschaft auf dem Fernsehmarkt weiter auszubauen. Selbst wenn der betrÃ¤chtliche Betrag von 2,8 Milliarden Schweizer Franken (1,3 Milliarden fÃ¼r 2002 &#8211; 1,5 Milliarden fÃ¼r 2006), den <em>Sporis</em> und Kirch der FIFA garantieren, durch den Weiterverkauf der Rechte nicht gedeckt werden sollte &#8211; Kirch wÃ¼rde daran nicht zugrunde gehen. Zum einen hat er ja nur die HÃ¤lfte der Summe zu verantworten, zum anderen ist anzunehmen, daÃŸ er raffiniert genug sein wird, im Sog des FuÃŸballs seine umfÃ¤nglichen Filmpakete teurer zu verkaufen und damit mÃ¶gliche Verluste im Rechtehandel wettzumachen.</p>
<p>FIFA-PrÃ¤sident Havelange und GeneralsekretÃ¤r Blatter indes war ein hilfreicher DoppelpaÃŸ mit den alten GefÃ¤hrten gelungen. Vor allem das Kontaktmonopol des Jean-Marie Weber bewahrte die ISL davor, nach dem IOC auch noch die FIFA zu verlieren &#8211; dieser SchluÃŸ scheint einleuchtend zu sein. Dem einstigen BranchenfÃ¼hrer ISL hatte immerhin der vollstÃ¤ndige Abschied aus dem groÃŸen SportgeschÃ¤ft gedroht. Nachdem die Trennung vom IOC beschlossene Sache war, muÃŸte die ISL, ein Neuling im FernsehgeschÃ¤ft, offenbar unbedingt den TV-Vertrag der FIFA bekommen &#8211; zumal es die ISL-Manager in jenen verwirrenden Monaten auch nicht geschafft hatten, ihre Option auf den Marketingvertrag mit der FIFA fÃ¼r 2002/2006 wahrzunehmen. Ein VersÃ¤umnis &#8211; oder eine Frage der Finanzierbarkeit kÃ¼nftiger Vorhaben? FIFA-GeneralsekretÃ¤r Blatter bestÃ¤tigte sogar das Ende der Option im MÃ¤rz 1996, was auf Konfusion und FÃ¼hrungslosigkeit innerhalb der <em>Sporis</em>/ISL-Gruppe schlieÃŸen lieÃŸ. Denn immerhin lud Blatter nun andere Unternehmen zum Bieten ein. Auf die MarketingvertrÃ¤ge kommen wir spÃ¤ter zurÃ¼ck. Bleiben wir zunÃ¤chst beim FernsehgeschÃ¤ft.</p>
<p>Am 18. August 1995 hatten zunÃ¤chst die International Management Group (IMG) und die Bertelsmann-Tochter Ufa das Rennen erÃ¶ffnet. IMG-VizeprÃ¤sident Eric Drossart schrieb dem &#8220;lieben Sepp&#8221; Blatter, man wolle fÃ¼r die weltweiten Fernsehrechte der Weltmeisterschaft 2002 sowie die dazugehÃ¶rigen Sponsoren- und Lizenzrechte eine Milliarde Dollar zahlen. Dies sei ein vorlÃ¤ufiges Angebot mit Verhandlungsspielraum nach oben, wie Drossart deutlich zu verstehen gab &#8211; obwohl die FIFA noch nicht einmal klare Angaben darÃ¼ber gemacht hatte, welche Rechte sie unter welchen Bedingungen Ã¼berhaupt ausschreiben wollte. Entwickelte sich nun ein knallharter Milliardendeal auf Weltsportniveau? Es war von Anfang an eher kurios-provinziell.</p>
<p>Auch aus der Angst heraus, die FIFA wÃ¼rde ihren alten Partner ISL bevorteilen, bot IMG vorsorglich eine Milliarde fÃ¼r das Rechtepaket &#8211; und muÃŸte bei Blatter zugleich erst einmal Auskunft verlangen Ã¼ber die Konditionen und den Zeitplan der Bewerbungsphase. Kopien des Briefes verschickte Drossart an seinen Partner Bernd Bauer, GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der Ufa, sowie an FIFA-PrÃ¤sident Havelange und die Mitglieder der Exekutive. Sogleich geschah Erstaunliches: Blatter empÃ¶rte sich Ã¼ber diesen informativen GeschÃ¤ftsvorgang. Am 29. August teilte er IMG-Manager Drossart seine &#8220;Ãœberraschung&#8221; mit, &#8220;daÃŸ der als streng vertraulich gekennzeichnete Brief per Fax an alle Mitglieder der FIFA-Exekutivkomitees und andere Adressaten verschickt wurde. Wir sind nicht Ã¼berzeugt, daÃŸ dies die geeignetste Methode war&#8221;.</p>
<p><span id="more-5993"></span>Was war so UngehÃ¶riges passiert? Eigentlich nur dies: Ein Firmenverbund (IMG/Ufa) hatte der FIFA ein Angebot unterbreitet, das um ein Vielfaches Ã¼ber den bisherigen VertrÃ¤gen lag. Doch der FIFA-Angestellte Blatter beschwerte sich, daÃŸ IMG/Ufa nicht nur ihn, sondern gleich alle EntscheidungstrÃ¤ger des Sportverbandes informiert hatten. Blatters Bauchschmerzen lassen deutlich erkennen, daÃŸ er um sein Informationsmonopol bangte. Es war (und ist, wie wir noch sehen werden) in der FIFA guter Brauch, daÃŸ Blatter im stillen KÃ¤mmerlein entsprechende Offerten sondiert und dann den verantwortlichen Gremien wie der Finanzkommission und der Exekutive entscheidungsreife Empfehlungen vorlegt. Das Vorgehen von IMG brach mit dieser eigenartigen Tradition, es war nÃ¤mlich jetzt von Anfang an zwei Dutzend FIFA-Gewaltigen bekannt.</p>
<p>Die von Drossart angeforderten Bedingungen der Rechtevergabe blieb Joseph Blatter schuldig. Man arbeite mit allen KrÃ¤ften daran, erwiderte Blatter nur am 19. September 1995. Gleichzeitig verlangte er eine Konkretisierung des IMG-Angebots, ohne auf die Fragen einzugehen, die Drossart in seinem ersten Brief aufgeworfen hatte &#8211; zum Beispiel, ob die FIFA neben den Fernseh- auch die Marketingrechte auszuschreiben gedenke. So konnte also Drossart am 9. Oktober nur wiederholen, was er bereits im August angekÃ¼ndigt hatte: FÃ¼r eine Milliarde Dollar wÃ¤ren IMG und Ufa bereit, sÃ¤mtliche Rechte an der WM 2002 zu erwerben. Drossart bot der FIFA nun sogar an, eine Art Aufsichtsrat zu bilden, um die TÃ¤tigkeit von IMG/Ufa zu kontrollieren. Weil er den GerÃ¼chten entgegnen wollte, es handle sich bei der Offerte um den totalen Rechte-Ausverkauf? Blatter empfand den zweiten Brief Drossarts offenbar als Affront. Der Umgangston wurde rauher. Am 15. November schrieb Blatter nicht mehr an den &#8220;lieben Eric&#8221;, sondern an &#8220;Mr. Drossart&#8221;. Wenigstens erklÃ¤rte er nun aber, daÃŸ die FIFA die Fernseh- und Marketingrechte der WM 2002 im Paket verkaufen wolle. Dabei sei man jedoch gewissen ZwÃ¤ngen unterworfen, denn der aktuelle Marketingpartner ISL besitze noch eine Option fÃ¼r Verhandlungen Ã¼ber die Marketingrechte, welche erst drei Monate vor der Abstimmung durch die FIFA-Exekutive Ã¼ber den neuen WM-Ort 2002 auslaufe. Die FIFA kÃ¶nne mit IMG/Ufa erst nach Ablauf der ISL-Option verhandeln. Von einer Ã¤hnlichen Option in TV-Fragen war in diesem Brief noch nicht die Rede.</p>
<p>Drossart sorgte sich nun erst recht, ausgedribbelt zu werden. Er wandte sich anÂ  den FIFA-VizeprÃ¤sidenten Chung Mong-Joon, der an der Spitze der sÃ¼dkoreanischen WM-Bewerber fÃ¼r 2002 stand. Drossart schickte Chung &#8220;ein aussagefÃ¤higes Dossier unseres Rechtegebots, das fÃ¼r Sie und ihre Kollegen in der Exekutive nÃ¼tzlich sein sollte&#8221;. Dem Schreiben an Chung legte Drossart eine Kopie des Blatter-Briefes vom 15. November bei. Die Sache wurde verworrener, die WidersprÃ¼che hÃ¤uften sich. DaÃŸ es in der FIFA durchaus Bestrebungen gab, die Entscheidungsgewalt von Blatters Tafelrunde einzudÃ¤mmen, belegt auch ein internes Protokoll der IMG-Tochter Trans World International (TWI). Unter Berufung auf GesprÃ¤che mit Chung und mit dem afrikanischen FuÃŸballprÃ¤sidenten Issa Hayatou unterrichteten die Manager einander, die FIFA-Exekutive hÃ¤tte sich schon im Mai 1995 ausdrÃ¼cklich fÃ¼r eine transparente Bewerbungsprozedur zu TV- und Marketingrechten ausgesprochen. EuropÃ¤ische und afrikanische Exekutivmitglieder wÃ¼rden sogar eine Ã„nderung der FIFA-Statuten anstreben: Auf dem FIFA-KongreÃŸ im Juli 1996 sei die Einberufung eines neuen &#8220;Arbeitskomitees&#8221; geplant, dem lediglich PrÃ¤sident Havelange und die Chefs der KontinentalfÃ¶derationen angehÃ¶ren sollten. Allein dieses Komitee, und nicht mehr die von Blatter und Havelange kontrollierte Finanzkommission sollte mit der Auswertung der TV- und Marketingsangebote betraut werden und der Exekutive Empfehlungen unterbreiten. Dazu ist es zwar nie gekommen &#8211; im Dezember 1995 jedoch hofften die TWI/IMG-Manager noch sehr auf die MÃ¶glichkeit dieses demokratischen MeinungsbildungsprozeÃŸ und hielten fest: &#8220;Wenn das tatsÃ¤chlich der Fall wÃ¤re, sollte Chung von Blatter eigentlich Kopien aller Angebote fordern kÃ¶nnen, welche die FIFA bis heute erhalten hat.&#8221;</p>
<p>Soweit die interne IMG-Kommunikation. Offiziell bot Eric Drossart dem FIFA-GeneralsekretÃ¤r am 7. Dezember 1995 zum wiederholten Mal ein GesprÃ¤ch Ã¼ber die Milliardenofferte an. Es sei eine weise Entscheidung der FIFA, Fernseh- und Marketingrechte im Paket zu verkaufen, lobte Drossart. Dann machte er Blatter erneut auf grundlegende WidersprÃ¼che in der Haltung aufmerksam. Am 15. November hatte Blatter erklÃ¤rt, die FIFA schlieÃŸe fÃ¼r 2002 die TV-Vermarktung im Bezahlfernsehen aus, gleichzeitig aber akzeptiere man sogenanntes &#8220;privat viewing&#8221;. Drossart fragte nun: Was ist darunter genau zu verstehen? Nur &#8220;Privatfernsehen&#8221; oder mehr? &#8220;Wir verstehen die FIFA-Haltung so: Pay TV ist ausgeschlossen, private Fernsehsender aber sind erlaubt. Sehen wir das richtig? KÃ¶nnen Sie uns das so bestÃ¤tigen?&#8221; Drossart ging auch auf das Erstverhandlungsrecht der ISL ein. Man verstehe nicht, warum die ISL eine weltweite ExklusivitÃ¤t erhalte, obwohl sie mit Ausnahme der USA gar keine gebÃ¼ndelten TV- und Marketingrechte besitze. Die TV-Rechte bis 1998 hielt bekanntlich das von der EBU angefÃ¼hrte Konsortium Ã¶ffentlich-rechtlicher Anstalten. Blatter aber scherte sich nicht um die fÃ¼r die Bewerber elementar wichtigen Fragen. Er vermied ein GesprÃ¤ch mit IMG/Ufa, bestÃ¤tigte am 21. Dezember 1995 in dÃ¼rren Zeilen den Erhalt des Drossart-Briefes und wÃ¼nschte &#8220;frÃ¶hliche Weihnachten und ein glÃ¼ckliches neues Jahr&#8221;.</p>
<p>Die Verhandlungsoption der ISL lief dann am 29. Februar 1996 ab, ohne daÃŸ die FIFA mit der Agentur Ã¼berein gekommen war. Dies bestÃ¤tigte Blatter per Pressemitteilung vom 19. MÃ¤rz 1996. Kurz zuvor hatte er dies bereits der IMG verkÃ¼ndet. In diesem Brief vom 15. MÃ¤rz sprach Blatter erstmals davon, daÃŸ Ã¼ber die Rechte an der WM 2002 &#8220;und darÃ¼ber hinaus&#8221; verhandelt werde. Bisher hatte es stets gelautet, es ginge nur um die WM 2002. IMG-Mann Drossart erschrak. Nun muÃŸte er annehmen, daÃŸ Blatter mit der ISL schon immer Ã¼ber die TitelkÃ¤mpfe 2002 und 2006 verhandelt hatte, wÃ¤hrend die IMG mit ihrem Gebot fÃ¼r 2002 schon mehr als ein halbes Jahr vertrÃ¶stet worden war. Drossart schrieb also an Blatter, er sehe sich von der FIFA als Rechtebewerber &#8220;nicht gleichberechtigt&#8221; behandelt.</p>
<p><strong>&#8220;Wir sind Ã¼ber viele Dinge verwirrt und bitten dringend um Klarstellung.&#8221;</strong></p>
<p>Drossart listete unter anderem folgende Punkte auf:</p>
<ol>
<li>Im September 1995 hatte Blatter mitgeteilt, die FIFA arbeite hart an einemÂ  Zeitplan der Rechtevergabe. &#8220;Uns wurde nie gesagt, wie die Vergabe-Prozedur aussieht. Ist das System schon etabliert?&#8221; erkundigte sich Drossart.</li>
<li>Im November 1995 hatte Blatter behauptet, TV- und Marketingrechte wÃ¼rden nur im Paket vergeben. Im FrÃ¼hjahr 1996 aber verhandelte die FIFA getrennt mit der ISL (offiziell nur Ã¼ber Marketing) und mit der EBU (Ã¼ber Fernsehen). Drossart wollte deshalb wissen: &#8220;Akzeptieren Sie jetzt getrennte und integrierte Vermarktungsangebote?&#8221;</li>
<li>&#8220;Uns war nicht bekannt, daÃŸ auch das EBU-Konsortium eine Ã¤hnliche Option wie die ISL hÃ¤tte. Ist dies der Fall, und wenn ja, wann lÃ¤uft sie aus?&#8221;</li>
<li>Beschwerte sich Drossart nach einem halben Jahr, in dem er vergeblich auf die Beantwortung vieler Fragen gewartet hatte, darÃ¼ber, hÃ¶ren zu mÃ¼ssen, daÃŸ nun auch die Rechte 2006 zur Disposition stÃ¼nden.</li>
</ol>
<p>Drossarts Brief endete mit einem sehr persÃ¶nlich gehaltenen Absatz, in dem er an Blatters IntegritÃ¤t appellierte und ein Versprechen, das Blatter im Sommer 1995 gegeben hÃ¤tte, nÃ¤mlich daÃŸ das Gebot der IMG gleichberechtigt neben allen anderen behandelt werde. Das aber war schon lange nicht mehr der Fall. Auch Ende April, als Drossart nun nach Erhalt der offiziellen Ausschreibung (in der plÃ¶tzlich nur noch von den Fernsehrechten die Rede war) erneut an Blatter schrieb, machte er auf &#8220;eklatante WidersprÃ¼che&#8221; aufmerksam:</p>
<p><strong><span style="color: #000000;">&#8220;Es fÃ¤llt mir schwer zu glauben, daÃŸ die FIFA aufrichtig versucht, unser Angebot in einem fairen Wettbewerb zu behandeln.&#8221;</span></strong></p>
<p>Drossart wiederholte einen Teil seiner Fragen vom 29. MÃ¤rz, die immer noch unbeantwortet waren. Diesmal aber wurde er, wohl schon ahnend, ausgebootet zu sein, deutlich schÃ¤rfer im Ton. So hieÃŸ es unter anderem: &#8220;Da die FIFA jetzt nicht mehr Ã¼ber MarketingvertrÃ¤ge redet, heiÃŸt das, man hat sich mit der ISL geeinigt, obwohl die exklusive Verhandlungsfrist Ã¼berschritten war? Oder wurden die Marketingrechte zur spÃ¤teren Vergabe zurÃ¼ckgezogen?&#8221; (Damit lag Drossart richtig, wie sich zeigen sollte, die Marketingrechte wurden im Dezember 1997 an die ISL vergeben &#8211; wieder gegen ein weitgehend ignoriertes Angebot der IMG.) &#8220;Hat sich die Marktsituation in den vergangenen Monaten so radikal geÃ¤ndert, daÃŸ die FIFA wieder zur alten, regressiven Struktur der getrennten Rechtevergabe zurÃ¼ckkehrt&#8221;, wollte Drossart wissen, und er schloÃŸ mit dem Hinweis:</p>
<p><strong>&#8220;Es fÃ¤llt sehr schwer, zu einem anderen SchluÃŸ zu kommen als dem, daÃŸ hier zwei Sorten von Regeln angewendet werden. Eine fÃ¼r das EBU-Konsortium und fÃ¼r die ISL, und eine fÃ¼r alle anderen.&#8221;</strong></p>
<p>Blatters Zwischenbescheide seien lediglich kleine &#8220;kosmetische Ãœbungen&#8221; gewesen, um die FIFA gegen &#8220;kÃ¼nftige VorwÃ¼rfe der unfairen und unsauberen WettbewerbsfÃ¼hrung zu schÃ¼tzen&#8221;, die zunehmend in der Presse erhoben worden waren.</p>
<p>Drossarts Gesamteindruck aus dem Versteckspiel war schlicht vernichtend:</p>
<p><strong>&#8220;Mir scheint, die FIFA hat fÃ¼r den FuÃŸballsport und ihre Mitglieder eine FÃ¼rsorgepflicht, ihr kommerzielles Eigentum zum besten Vorteil dieses Sports und seiner Mitglieder umzusetzen. Momentan ignorieren SchlÃ¼sselfiguren der FIFA jedoch diese Anforderung, in dem sie Wettbewerber abschrecken.&#8221;</strong></p>
<p>Diesen Beschwerdebrief verschickte Drossart wie schon sein erstes Schreiben vom August 1995 an alle Mitglieder des Exekutivkomitees und diesmal auch zusÃ¤tzlich an alle KonfÃ¶derations-PrÃ¤sidenten. Geholfen hat es seiner Sache nicht. In der Zwischenzeit hatte die Blatterfraktion den alten Freunden von der ISL schon den Weg in die Zukunft bereitet. Auf der Strecke blieb dabei auch die EBU, die fÃ¼r die Fernsehrechte an den Endrunden 2002 und 2006 im Februar 1996 insgesamt 2,2 Milliarden Schweizer Franken geboten hatte. Zudem verfÃ¼gte das EBU-Konsortium ja Ã¼ber langjÃ¤hrige erstklassige Erfahrungen bei der technischen (TV-Ãœbertragung) und organisatorischen (Weitervergabe der Rechte) Abwicklung solcher Mammutprojekte. Auch hatte FIFA-PrÃ¤sident Havelange dem Partner eine VertragsverlÃ¤ngerung fest versprochen, wie der EBU-Vorsitzende Albert Scharf erklÃ¤rte. Die FIFA aber, die offiziell mit der ISL eigentlich nur Ã¼ber die Marketingrechte (insgeheim aber Ã¼ber Fernsehfragen) verhandelte, ignorierte auch das zweite EBU-Angebot.</p>
<p>Im Juni 1996 erklÃ¤rte die EBU ihre Bereitschaft, den schon zehn Jahre zuvor ausgehandelten Preis fÃ¼r die WM-Endrunde 1998 in Frankreich von 135 Millionen auf 200 Millionen Schweizer Franken zu erhÃ¶hen &#8211; sofern ihr auch die Rechte 2002/2006 zugesprochen wÃ¼rden. Die FIFA hatte auf dieser ErhÃ¶hung bestanden, nachdem sie das WM-Feld lange nach AbschluÃŸ des entsprechenden TV-Vertrages von 24 auf 32 Mannschaften erweiterte. &#8220;Havelange hatte die WM ja aufgestockt, ohne mit uns geredet zu haben, dann wollte er plÃ¶tzlich mehr Geld&#8221;, erklÃ¤rte EBU-Manager Richard Bunn. Man habe sich viel zu lange auf das Spiel der FIFA-Spitzen eingelassen. &#8220;Als wir die nachtrÃ¤gliche Aufbesserung des Vertrags in Aussicht stellten, war Havelange ein Held. Da hat es wieder geheiÃŸen, Havelange hÃ¤tte den FuÃŸball gerettet, und wir spielten mit. Dabei hat sich die FIFA ein neues GebÃ¤ude gebaut. Das ist im Grunde unser GebÃ¤ude. Unsere Fernsehgelder stecken nicht in den Klubs, sondern in dem GebÃ¤ude.&#8221;</p>
<p>Am 15. Mai 1996, um zwÃ¶lf Uhr mittags, war die offizielle Bewerbungsfrist fÃ¼r die TV-Rechteinteressenten abgelaufen. Noch am Nachmittag gab die FIFA bekannt, sieben Offerten erhalten zu haben: &#8220;Von<em> ABC Television</em> (USA), CSI (Schweiz), CWL (Schweiz), IMG (USA), <em>Sporis</em> (ISL)/Kirch (Schweiz) und TEAM (Schweiz).&#8221; Dazu natÃ¼rlich von der EBU. Die FIFA-Finanzkommission unter Vorsitz des DÃ¤nen Poul Hyldgaard werde die Angebote sorgfÃ¤ltig prÃ¼fen, so hieÃŸ es, und dem Exekutivkomitee am 31. Mai einen Bericht vorlegen.</p>
<p>Die Tagung Ende Mai war dann erst einmal von der Vergabe der WM-Endrunde 2002 Ã¼berlagert. Die verfeindeten Rivalen Japan und SÃ¼dkorea hatten sich in jeder Hinsicht den extensivsten Wettbewerb aller Zeiten geliefert &#8211; jede Seite soll 80 Millionen Dollar investiert haben. PrÃ¤sident Havelange wollte die WM in Japan sehen; einer seiner VizeprÃ¤sidenten, der SÃ¼dkoreaner Chung, war Finanzier und WortfÃ¼hrer der zweiten Bewerbung. Die europÃ¤ischen Vertreter im Exekutivkomitee hatten sich schon lange vorher fÃ¼r ein Co-Hosting, eine gemeinsame Ausrichtung, ausgesprochen. Diesem Vorschlag muÃŸte sich Havelange zÃ¤hneknirschend beugen, denn 14 der 21 Mitglieder hatten ein Papier fÃ¼r das Co-Hosting unterzeichnet und darin erklÃ¤rt, sie wÃ¼rden fÃ¼r SÃ¼dkorea stimmen, falls ihr Aufruf von der FIFA-Spitze ignoriert werden sollte. Zudem hatte UEFA-PrÃ¤sident Johansson vorsorglich beantragt, eine eventuelle geheime Abstimmung von den FIFA-RechnungsprÃ¼fern Ã¼berwachen zu lassen. &#8220;Offensichtlich erschien es ihm zu riskant, das Stimmgut wÃ¤hrend zweier Stunden (zwischen der Abstimmung und der ResultatsverkÃ¼ndung) in die Obhut von Havelange und GeneralsekretÃ¤r Sepp Blatter zu geben&#8221;, kommentierte der ZÃ¼richer <em>Sport</em>. Vertrauen ist eben der Anfang von allem &#8230;</p>
<p>Da nach diesem beachtlichen MiÃŸtrauensvotum offenbar auch Blatter keine andere LÃ¶sung mehr einfiel, verlas Havelange auf der Sitzung ein Statement fÃ¼r eine gemeinsame WM. Wenige Tage zuvor hatte er noch erklÃ¤rt, im Sport gebe es nur Sieger und Verlierer, die FIFA-Regeln erlaubten kein Co-Hosting, und dies werde sich nicht Ã¤ndern, solange er PrÃ¤sident der FIFA sei. Nun sagte er kleinlaut: &#8220;Ich habe mich einem vom Exekutivkomitee einhellig unterstÃ¼tzten Vorschlag gefÃ¼gt.&#8221; So war nach auÃŸen die Einheit gewahrt, die FunktionÃ¤rskollegen applaudierten, und die Sache war entschieden. (Allerdings sollte diese Entscheidung noch viele Probleme mit sich bringen.)</p>
<p>Havelange kochte vor Wut, hatte er doch eine seiner seltenen Niederlagen einstecken mÃ¼ssen. Die TV-Frage muÃŸte also nun erst recht so gelÃ¶st werden, wie er persÃ¶nlich sich das vorstellte, und zwar noch zum FIFA-KongreÃŸ im Juli &#8211; nicht erst, wie irrefÃ¼hrenderweise noch offiziell behauptet werden sollte, bei der Exekutivsitzung im Dezember. Vielleicht haben sich Havelanges Opponenten in diesen Stunden und Tag<script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/nextgen-gallery/tinymce3/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/cforms/js/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/skype-online-status/js/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/wp-polls/tinymce/plugins/polls/langs/de.js?ver=311"></script>en ein wenig zu sicher gefÃ¼hlt. FIFA-Vize Mong-Joon Chung erklÃ¤rte jedenfalls abends an der Hotelbar, Havelange habe seine Haut nur vorerst gerettet. Die Opposition habe nun endlich die GewiÃŸheit, erfolgreich &#8220;Hand anlegen zu kÃ¶nnen&#8221; an das brasilianische Monument. Ein Beweis der wachsenden Macht sei auch, daÃŸ man beschlossen habe, mit der Auswertung der TV-Angebote die Finanzkommission zu beauftragen. Chung sollte sich tÃ¤uschen. Genau das war Havelanges Vorteil. Das Imperium schlug mit aller Macht zurÃ¼ck.</p>
<p>Am 31. Mai 1996 gab die FIFA folgende Pressemitteilung heraus: &#8220;Das Exekutivkomitee pflichtet dem Vorschlag von PrÃ¤sident Havelange bei, daÃŸ die TV-Rechte nur von der Finanzkommission, geleitet von Herrn Hyldgaard, und dem GeneralsekretÃ¤r zu analysieren sind.&#8221; Auf Blatter und dessen engen Freund Poul Hyldgaard, den Chef der Finanzkommission, konnte sich Havelange verlassen &#8211; er selbst wollte dann in EinzelgesprÃ¤chen den Rest besorgen und die nÃ¶tige Mehrheit in der Exekutive herbeifÃ¼hren. Zu dieser Zeit war immer nur von einem Vertrag fÃ¼r 2002 mit einer Option fÃ¼r 2006 die Rede gewesen. Am 17. Juni offerierten die vier verbliebenen Interessenten (CWL, IMG, das EBU-Konsortium und <em>Sporis</em>/Kirch) ihre Angebote noch einmal der Finanzkommission. ABC, TEAM und CSI stiegen aus.</p>
<p>Die Wochen vergingen mit geschÃ¤ftigem Treiben auf allen Ebenen. Blatter und Hyldgaard bereiteten in der Finanzkommission den Vorschlag zugunsten von <em>Sporis</em> und Kirch vor &#8211; wie so etwas lÃ¤uft, wird uns spÃ¤ter noch ausfÃ¼hrlich ein FIFA-VizeprÃ¤sident berichten -, und Havelange bestellte Exekutivmitglieder zum persÃ¶nlichen GesprÃ¤ch ein. Am Abend vor der entscheidenden Sitzung Anfang Juli 1996 dinierte der Brasilianer in seinem Apartment noch lange mit dem russischen Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow.</p>
<p>Auf der Sitzung des Exekutivkomitees ging Havelange frÃ¼hmorgens siegessicher zur Sache. Hinter verschlossenen TÃ¼ren kam er schnell auf den Punkt. Er schlug vor, die Rechte fÃ¼r 2002/2006 an <em>Sporis/Taurus</em> zu vergeben, obgleich er wuÃŸte, daÃŸ die EuropÃ¤er, wenn Ã¼berhaupt, dann nur Ã¼ber 2002 befinden wollten. Havelange beantragte die sofortige, offene und einzelne Abstimmung und Ã¼berrumpelte damit seine Konkurrenten. Havelange fragte zunÃ¤chst seinen langjÃ¤hrigen Mitstreiter Koloskow: &#8220;Bist du nicht auch der Meinung, wir sollten das Angebot akzeptieren, mein Freund?&#8221; Gospodin Koloskow, seit vielen Jahrzehnten in der Sportdiplomatie geschult, tat, worum er gebeten worden war. Er nickte. Dies war ein wichtiger Schachzug, weil das erste Jawort aus taktischen GrÃ¼nden von einem EuropÃ¤er kommen muÃŸte. War deren Front erst einmal durchbrochen, wÃ¼rden auch die anderen wankelmÃ¼tig werden.</p>
<p>Die Frage ging reihum und GeneralsekretÃ¤r Blatter notierte eifrig die Stimmenzahl. 21 Mitglieder hatte das Exekutivkomitee damals. Das deutsche Mitglied Gerhard Mayer-Vorfelder und der greise MilliardÃ¤r Henry Fok aus Hongkong, der damals noch in der Finanzkommission war, fehlten. Von den verbliebenen neunzehn Mitgliedern antworteten nur neun mit Ja &#8211; also nicht einmal die Mehrheit. Sechs waren dagegen. Mit Mayer-Vorfelder wÃ¤ren es sieben gewesen, jedenfalls, wenn er seinen Auftrag im Sinne des DFB wahrgenommen hÃ¤tte. Die Ã¼brigen drei unter den Verdutzten enthielten sich der Stimme. GewiÃŸ kein Ã¼berzeugendes Votum also fÃ¼r einen Milliardendeal, der die Ã–ffentlichkeit wie kein Sportrechtehandel zuvor beschÃ¤ftigen sollte. Havelange aber konnte trotzdem generÃ¶s auf seine Stimmabgabe verzichten.</p>
<p>SpÃ¤ter sollte er sagen: &#8220;Das nÃ¤chstfolgende Angebot lag um 600 Millionen Schweizer Franken niedriger. Da gab es keine Diskussion.&#8221; Im Februar hatte Havelange noch erklÃ¤rt: &#8220;Unsere Partner sind die Ã¶ffentlich-rechtlichen Anstalten der <em>European Broadcasting Union</em>.&#8221; Warum dann aber diese Ãœberrumpelungstaktik? Warum diese irrefÃ¼hrende Informationspolitik? Warum wurde erst der Vertrag in Windeseile durchgedrÃ¼ckt &#8211; und dann Kirch und ISL anderthalb Jahre Zeit gegeben, ihre Verkaufsstrategie auszuhandeln? VÃ¶llig Ã¼berraschend sei die Abstimmung fÃ¼r die Hauptakteure im FernsehgeschÃ¤ft gekommen, empÃ¶rte sich EBU-PrÃ¤sident Albert Scharf. Er wollte &#8220;wie alle anderen erst aus den Nachrichten&#8221; davon erfahren haben. Ein unerhÃ¶rter Vorgang? TatsÃ¤chlich hatte es in der an die Exekutivmitglieder verschickten Tagesordnung unter Punkt 3.1 nur geheiÃŸen: &#8220;Bericht der Finanzkommission Ã¼ber die Vergabe der Fernsehrechte&#8221;. DaÃŸ dies nichts besagen muÃŸ, zÃ¤hlt zur traurigen Tradition der Ã„ra Havelange, in der den WeltfuÃŸball betreffende Grundsatzentscheidungen immer wieder ohne sachliche Diskussion und grÃ¼ndliche Analyse getroffen wurden. Der Beispiele gab es viele. Nur hatte sich die EBU, der langjÃ¤hrige Partner, nie dafÃ¼r interessiert. Als man das erste Mal selbst benachteiligt worden war, regte man sich mÃ¤chtig auf. Hilflos und viel zu spÃ¤t.</p>
<p>GeneralsekretÃ¤r Blatter erging sich nach der Abstimmung in Formulierungen, die nach ErlÃ¶sung klangen: &#8220;Dies ist eine neue Dimension. Erstens in finanzieller Hinsicht. Zweitens, weil die Zusammenarbeit mit dem Konsortium der Ã¶ffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die seit 1974 bestand, beendet wurde.&#8221; Drei Monate zuvor hatte er noch gesagt, man dÃ¼rfe &#8220;sich nicht blenden lassen von den groÃŸen Summen, die da herumgehen&#8221;. Der Sport stehe zu sehr im Mittelpunkt der Finanzen, &#8220;und das gefÃ¤llt mir gar nicht gut&#8221;.</p>
<p>9:6 war die Abstimmung ausgegangen, die drei Enthaltungen deuteten wohl kaum auf eine Zustimmung hin. ZunÃ¤chst aber kursierten sogar unter den Bewerbern ganz andere Ergebnisse. &#8220;Das Verfahren bei der Vergabe war Ã¤uÃŸerst irritierend&#8221;, kritisierte der EBU-Chef. &#8220;StÃ¤ndig wurden neue Bedingungen gestellt, bis schlieÃŸlich die Entscheidung mit einer Stimme Mehrheit getroffen wurde.&#8221; Scharf, Intendant des Bayerischen Rundfunks und damals auch ARD-Vorsitzender, Ã¤uÃŸerte zugleich sein UnverstÃ¤ndnis Ã¼ber das sehr &#8220;auffÃ¤llige&#8221; Fehlen von Gerhard Mayer-Vorfelder &#8211; immerhin Vertreter des mitgliederstÃ¤rksten Verbandes der Welt und mithin auch des fÃ¼r Kirch interessantesten Fernsehmarktes.</p>
<p>Nicht nur in EBU-Kreisen wurde Naheliegendes vermutet: Der schwÃ¤bische CDU-Minister Mayer-Vorfelder habe sich angesichts der knappen MehrheitsverhÃ¤ltnisse vor einer Entscheidung drÃ¼cken wollen. HÃ¤tte er fÃ¼r die EBU gestimmt, wÃ¤re die Situation fÃ¼r die ISL/Kirch-Offerte prekÃ¤r geworden &#8211; er hÃ¤tte sich ja dann in Havelanges Fragerunde als Deutscher gegen die deutsche Offerte erklÃ¤ren mÃ¼ssen und damit gewiÃŸ den einen oder anderen der drei Unentschlossenen noch abgeworben. HÃ¤tte er aber fÃ¼r seinen Parteifreund Kirch gestimmt, wÃ¤re er in Deutschland hart angegriffen worden. Er &#8211; nicht Kirch. So hat er gar nicht abgestimmt. Und dafÃ¼r kaum PrÃ¼gel kassiert.</p>
<p>Mit welcher BegrÃ¼ndung aber fehlte der Finanzminister Baden-WÃ¼rttembergs Ã¼berhaupt bei der Beratung dieser delikaten Angelegenheit, ausgerechnet bei der teuersten Entscheidung der FIFA-Historie? Nach Angaben seines Ministeriums hatte Mayer-Vorfelder am Vormittag des 3. Juli 1996 &#8220;dringende Haushaltsberatungen&#8221; in Stuttgart. Nachmittag unterstÃ¼tzte er als CDU-Kreisvorsitzender die Kandidatin fÃ¼r die OberbÃ¼rgermeisterwahl. Angeblich will sich Mayer-Vorfelder noch einmal rÃ¼ckversichert haben, bevor er auf die Reise nach ZÃ¼rich verzichtete. &#8220;Ich habe Blatter gefragt, ob Ã¼ber irgend etwas entschieden wird&#8221;, so erklÃ¤rte er den Vorgang im Mai 1997. Mach dir keine Sorgen, es sei nur eine Orientierungsrunde, so habe dieser darauf geantwortet. Also seien ihm seine Ministertermine wichtiger gewesen. SpÃ¤ter will er dann aus allen Wolken gefallen sein, als das Ergebnis verkÃ¼ndet wurde. War es so?</p>
<p>&#8220;DaÃŸ ist das erste Mal, daÃŸ ich hÃ¶re, daÃŸ Mayer-Vorfelder mich in dieser Angelegenheit kontaktiert hat&#8221;, widerspricht hingegen Blatter. &#8220;Er hat das ganz sicher nicht gemacht, sonst hÃ¤tte ich ihm gesagt, daÃŸ das auf der Traktandenliste steht, die er auch erhalten hat.&#8221; Und was da drauf steht, das stÃ¼nde eben nie einfach nur zur Diskussion, &#8220;sondern immer zu Diskussion und Entscheid.&#8221; DarÃ¼ber wiederum gehen die EinschÃ¤tzungen auch unter Exekutivlern auseinander. Wenn alles, was auf der Tagesordnung steht, automatisch zum Entscheid ansteht, wÃ¤re das schon fahrlÃ¤ssig &#8211; etwa, wenn sich dort wie so oft 40 oder 50 Punkte tÃ¼rmen und die Mitglieder sich gar kein Bild mehr machen kÃ¶nnen Ã¼ber die jeweilig in aller Eile abzuhandelnden Sachverhalte. Blatter jedenfalls bleibt bei seiner Darstellung: &#8220;Ãœber das Thema haben Mayer-Vorfelder und ich nicht gesprochen.&#8221;</p>
<p>Als Mayer-Vorfelder mit diesen Aussagen konfrontiert wurde, grinste er. &#8220;Dann habe ich eben nicht mit Blatter, sondern mit seinem Sekretariat gesprochen. Das weiÃŸ ich doch nicht mehr genau.&#8221; Genaugenommen interessiert ihn ja die ganze Sache mit den Fernsehrechten kaum. Die angesichts der Kirchschen Pay-TV-Drohung so aufgewÃ¼hlten GemÃ¼ter in Deutschland beruhigt er gerne mit dem lÃ¤ssigen Hinweis: &#8220;Wissen die denn Ã¼berhaupt, wie die Fernsehlandschaft im Jahr 2000 oder 2002 aussieht? Das weiÃŸ kein Mensch.&#8221; Da ist viel Wahres dran. Nur drÃ¤ngt sich die Frage dann um so mehr auf, warum die FIFA bereits Mitte 1996 in erkennbar allerhÃ¶chster Eile FernsehvertrÃ¤ge bis 2006 abschlieÃŸen muÃŸte?</p>
<p>Auf dem gleich nachfolgenden KongreÃŸ der FIFA, der vierstÃ¼ndigen Mitgliedervollversammlung am 4. Juli 1996, versetzte Havelange seinen europÃ¤ischen Rivalen um Lennart Johansson noch ein paar genÃ¼ÃŸliche RippenstÃ¶ÃŸe. ZunÃ¤chst versprach er jedem der damals 198 nationalen VerbÃ¤nde aus dem Fernsehvertrag einen Grundbetrag von einer Million Dollar &#8211; eine Idee, die Johansson bereits in seinem ersten Visions-Papier vorgelegt hatte. FÃ¼r die gerade neu aufgenommenen FÃ¶derationen der Jungferninseln, von Montserrat oder Guam hatte sich der erste Besuch beim FuÃŸballpapst somit schon gelohnt. Der KongreÃŸ beschloÃŸ mit 130 zu 41 Stimmen, die Zahl der Exekutivmitglieder um je einen Vertreter aus Afrika, Asien und Ozeanien von 21 auf 24 zu erhÃ¶hen. Die EuropÃ¤er blieben bei ihren acht PlÃ¤tzen. Havelange muÃŸte keine Widerworte erdulden und bedankte sich anschlieÃŸend fÃ¼r eine &#8220;ruhige und faire&#8221; Versammlung, die in einer &#8220;AtmosphÃ¤re des Friedens und des Fairplay&#8221; stattgefunden habe. &#8220;Sie haben sich perfekt verhalten&#8221;, lobte er in die Runde.</p>
<p>Weniger zufrieden war der DFB. Zwei seiner AntrÃ¤ge wurden abgeschmettert, darunter der fÃ¼r die StÃ¤rkung der nationalen Sportgerichtsbarkeit bei Entscheidungen, die eigene Wettbewerbe betreffen. ZurÃ¼ckziehen muÃŸte er den dritten: Die Aufnahme einer Klausel, nach der in Zukunft die Vollversammlung die Vorsitzenden und deren Stellvertreter in den FIFA-Kommissionen wÃ¤hlen soll, an Stelle der bisher geÃ¼bten Ernennung durch die FIFA-Exekutive. So blieb es bei einem winzigen Erfolg fÃ¼r die EuropÃ¤er &#8211; sie ersetzten ihren Vertreter in der fÃ¼nfkÃ¶pfigen Finanzkommission (je ein Mitglied aus Europa, Asien, Afrika, SÃ¼damerika und Mittel/Nordamerika), den dÃ¤nischen Blatter-Freund Poul Hyldgaard, durch den Italiener Antonio Matarrese. Mit Hyldgaards Leistung als Kommissionschef in der Vorbereitung der Kirch-VertrÃ¤ge war man offenbar nicht glÃ¼cklich gewesen. DafÃ¼r aber bÃ¼ÃŸten die EuropÃ¤er nun ihren Chefstuhl in der Finanzkommission ein, was ein wenig verwundert, weil sie immerhin den Kontinent reprÃ¤sentieren, aus dem der WeltfuÃŸball das weitaus meiste Geld erlÃ¶st.</p>
<p>Wie der Zufall so spielt, waren nun die wichtigsten Gremien wieder fest in lateinamerikanischer Hand: Der Brasilianer Havelange als BoÃŸ der Exekutive und der Dringlichkeitskommission, der Argentinier Julio Grondona an der Spitze von Finanzkommission und des Komitees fÃ¼r die FIFA-Jugendwettbewerbe, Havelanges mexikanischer Busenfreund, der im Dezember 1996 verstorbene Fernsehmogul Canedo, als Chef des WM-Organisationskomitees sowie des zugehÃ¶rigen FIFA-BÃ¼ros.</p>
<p>Hyldgaard Ã¼brigens wurde noch am 4. Juli zum Ehrenmitglied der FIFA ernannt. Und auch Wjatscheslaw Koloskow, der ja eine Art Streikbrecher gespielt hatte innerhalb der Oppositionsfront der europÃ¤ischen Exekutivmitglieder, hatte bald Grund zur Freude. Sicher war es Zufall, daÃŸ Koloskow in seiner Eigenschaft als russischer Verbandschef vier Monate nach der TV-Vergabe und dem persÃ¶nlichen GesprÃ¤ch mit Havelange einen lukrativen Vertrag unterschrieb &#8211; mit dem Sportartikelgiganten <em>Nike</em>, der auch die Auswahl Brasiliens unter Vertrag hat und sich zu jener Zeit bei Havelange sehr um einen Kontrakt mit der FIFA bemÃ¼ht hatte. Bis zum Jahr 2000 treten zehn russische Auswahlteams der MÃ¤nner, Jugendlichen und Frauen sowie sechs Topvereine der ersten Liga in <em>Nike</em>-AusrÃ¼stung an. &#8220;Neben der Ausstattung beinhaltet der Vertrag mit <em>Nike</em> auch Barzahlungen&#8221;, erklÃ¤rte Koloskow auf einer Pressekonferenz. Wieviel Dollars in den nÃ¤chsten Jahren nach Moskau transferiert werden, wurde nicht bekannt. MuÃŸ auch nicht sein, im Rechtsstaat RuÃŸland gelangen Devisen meist an die richtige Adresse.</p></blockquote>
<p>Ã„hnlich verlief im Jahr darauf die Vergabe der FIFA-Marketingrechte fÃ¼r 880 Millionen CHF. Das ist mal eine andere Geschichte.</p>
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		<title>Was vom Tage Ã¼brig bleibt (37): Journalismus und Interessenskonflikte, USOC und Chicago 2016</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 07:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Um die Debatte Ã¼ber die <a title="Doping und die Medien (2): der Fall Hartelt" href="http://jensweinreich.de/?p=4293" target="_self">Causa Hartelt</a>, die ja eine Grundsatzdiskussion Ã¼ber die Aufgabe von (Sport)JournalismusÂ und Interessenskonflikte ist, weiter zu bereichern, empfehle ich diese aktuelle LektÃ¼re:</p>
<ul>
<li>Christian Humborg auf <strong>Carta</strong>: &#8220;<a title="Carta vom 16. Juli 2009" href="http://carta.info/11689/nebentaetigkeiten-abgeordnete-und-journalisten-im-vergleich/" target="_self">NebentÃ¤tigkeiten: Abgeordnete und Journalisten im Vergleich</a>&#8220;</li>
</ul>
<p>Bitte jetzt nicht nur mit dem erwartbaren Argument kommen, es ginge doch nicht zuvorderst um NebentÃ¤tigkeiten. Schon klar, aber auch das. Vielmehr bitte mal diese SÃ¤tze von Christian Humborg, GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer von Transparency International Deutschland, durchdenken, es lohnt sich:</p>
<blockquote><p>Wer Journalisten mit anderen Berufsgruppen vergleichen will, sollte sie lieber mit Beamten als mit Abgeordneten vergleichen, zumindest diejenigen, die bei den Ã¶ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beschÃ¤ftigt sind. Denn diese seien als sogenannte â€žAmtstrÃ¤ger&#8221; anzusehen, da ihr Arbeitgeber zu den â€žsonstigen Stellen der Ã¶ffentlichen Verwaltung&#8221; zÃ¤hlen wÃ¼rde, urteilte das Landgericht Frankfurt am Main in der <a title="Die Barrieren des JÃ¼rgen Emig" href="http://jensweinreich.de/?p=1156" target="_self">Causa Emig</a> &#8211; allerdings ist das Urteil in Revision.</p></blockquote>
<p>TatsÃ¤chlich, sind Journalisten AmtstrÃ¤ger? Ich kann Humborgs Argumentation durchaus nachvollziehen. Und auch dies:</p>
<blockquote><p>Der Dienstherr der Ã¶ffentlich-rechtlich beschÃ¤ftigten Journalisten ist dafÃ¼r verantwortlich, dass relevante Interessenkonflikte erst gar nicht entstehen.</p></blockquote>
<p>Zum Thema eines US Olympic TV Network: Die Ãœberlegungen des USOC verÃ¤rgern nicht nur <a title="Dick Ebersol: Olympias Milliardenmann" href="http://jensweinreich.de/?p=3411" target="_self">Dick Ebersols NBC</a>, sondern gefÃ¤hrden die Olympiachancen Chicagos. Die PlÃ¤ne werden in den USA schon zwei Wochen heiÃŸt diskutiert. Ich hÃ¤tte lÃ¤ngst drauf eingehen wollen, habe nun aber doch gewartet, bis JÃ¼rgen Kalwa sich gewohnt routiniert zu Wort meldet :)</p>
<ul>
<li>JÃ¼rgen Kalwa in der <strong>American Arena</strong> (&#8220;<a title="American Arena: Chicago das Opfer der Kabale?" href="http://american-arena.blogspot.com/2009/07/chicago-das-opfer-der-kabale.html" target="_self">Chicago das Opfer der Kabale?</a>&#8220;) und im <strong>Deutschlandfunk</strong>: &#8220;<a title="DLF vom 18. Juli 2009: StÃ¶rung im Programm" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1001685/" target="_blank">StÃ¶rung im Programm</a>&#8220;</li>
<li>Alan Abrahamson (ein Angestellter von <strong>NBC Universal</strong>) mit den BeitrÃ¤gen &#8220;<a title="On a USOC TV network: many questions, few answers" rel="bookmark" href="http://wcsnblogs.com/olympics/alanabrahamson/alanabrahamson/2009/07/08/on-a-usoc-tv-network-many-questions-few-answers/" target="_self">On a USOC TV network: many questions, few answers</a>&#8221; und &#8220;<a title="Alan Abrahamson: USOC TV network - the IOC responds" href="http://wcsnblogs.com/olympics/alanabrahamson/alanabrahamson/2009/07/09/usoc-tv-network-the-ioc-responds/" target="_self">USOC TV network &#8211; the IOC responds</a>&#8220;</li>
<li>Phil Hersh (<strong>Chicago Tribune</strong>) prÃ¤sentiert den Beschwerdebrief des IOC-Marketingdirektors Timo Lumme auf seinem Blog <strong>Globetrotting</strong>:</li>
</ul>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4316" title="IOC Brief an USOC vom 7. Juli 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/07/ioc-letter-to-usoc.jpg" alt="" width="500" height="706" /></p>
<ul>
<li>Phil Hersh schreibt in der Tribune u.a. &#8220;<a title="Chicago Tribune vom 12. Juli 2009" href="http://www.chicagotribune.com/sports/olympics/chi-12-usoc-ioc-nbc-jul12,0,3349496.story" target="_blank">NBC sports chief believes USOC hurting Chicago&#8217;s bid for 2016 Olympics</a>&#8221; und in seinem Blog:Â &#8221;<a title="Globetrotting vom 9. Juli 2009" href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/2009/07/the-inside-stuff-ioc-letter-on-us-olympic-network-dispute.html" target="_self">The inside stuff: IOC letter on U. S. Olympic Network dispute</a>&#8220;, &#8220;<a title="Globetrotting vom 9. Juli 2009" href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/2009/07/usoc-words-actions-attitude-doing-chicago-olympic-bid-no-favors.html" target="_self">USOC words, actions, attitude doing Chicago Olympic bid no favors</a>&#8221; und &#8220;<a title="Globetrotting vom 15. Juli 2009" href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/2009/07/by-philip-hershwant-to-know-why-the-international-olympic-committee-is-backing-nbc-in-its-dispute-with-the-us-olympic-commi.html" target="_self">Numbers game: IOC would be taxed without NBC revenues</a>&#8220;.</li>
</ul>
<p>Und wenn ich schon mal dabei bin: Einen anderen Blogbeitrag von Phil Hersh hatte ich lÃ¤ngst mal verlinken wollen. Sein Email-Wechsel mit dem ehemaligen UCI-PrÃ¤sidenten <a title="tag: Verbruggen" href="http://jensweinreich.de/?s=verbruggen" target="_self">Hein Verbruggen</a>Â zumÂ lang wÃ¤hrenden Streit um den <a title="Was vom Tage Ã¼brig bleibt (27)" href="http://jensweinreich.de/?p=3376" target="_self">USOC-Anteil am olympischen Marketing</a>Â ist eine ErwÃ¤hnung wert. Es zeigt, wie Blogs Journalismus bereichern. Oder anders gesagt: <strong>Ich finde, das ist Journalismus auf der HÃ¶he der Zeit.</strong> Aus Deutschland sind mir derartige Beispiele (in diesem Fachbereich) nicht bekannt.Â </p>
<ul>
<li>Lesebefehl: &#8220;<a title="Globetrotting vom 8. Juli 2009" href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/2009/07/by-philip-hersh-over-the-past-several-months-i-have-written-several-blogs-about-the-ongoing-revenue-sharing-dispute-between.html" target="_self">Verbruggen on IOC-USOC money flap: Never a serious proposition from USOC</a>&#8220;</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Dick Ebersol: Olympias Milliardenmann</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 05:54:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche bezeichnen Dick Ebersol, Sportchef von NBC Universal, als den eigentlichenÂ BossÂ im GeschÃ¤ft mit den olympischen Ringen. Ebersol hat bislang diese olympischen TV-Rechte fÃ¼r die USA erworben und besorgte damit mehr als die HÃ¤lfte sÃ¤mtlicher IOC-Einnahmen: 1988, Seoul: 300 Mio $ 1992, Barcelona: 401 Mio $ 1996, Atlanta: 456 Mio $ 2000, Sydney: 705 Mio $ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3412 alignleft" style="margin: 5px;" title="Dick Ebersol, screenshot NBC" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/ebersol.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="284" height="322" align="right" />Manche bezeichnen <a title="Wikipedia, Dick Ebersol" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dick_Ebersol" target="_blank">Dick</a> <a title="Biografie Dick Ebersol auf NBC Universal" href="http://www.nbcuni.com/About_NBC_Universal/Executive_Bios/ebersol_dick.shtml" target="_blank">Ebersol</a>, Sportchef von NBC Universal, als den eigentlichenÂ BossÂ im GeschÃ¤ft mit den olympischen Ringen. Ebersol hat bislang diese olympischen TV-Rechte fÃ¼r die USA erworben und besorgte damit mehr als die HÃ¤lfte sÃ¤mtlicher IOC-Einnahmen:</p>
<ul>
<li>1988, Seoul: 300 Mio $</li>
<li>1992, Barcelona: 401 Mio $</li>
<li>1996, Atlanta: 456 Mio $</li>
<li>2000, Sydney: 705 Mio $</li>
<li>2002, Salt Lake City: 545 Mio $</li>
<li>2004, Athen: 793 Mio $</li>
<li>2006, Turin: 613 Mio $</li>
<li>2008, Peking: 894 Mio $</li>
<li>2010, Vancouver: 820 Mio $</li>
<li>2012, London: 1181 Mio $</li>
</ul>
<p>Wenn ich diesmal richtig addiert habe, sind das bislang 6,7 Milliarden Dollar gewesen, zuzÃ¼glich jener 160 Millionen (mindestens), die NBC fÃ¼r 2009-2012 zusÃ¤tzlich als Partner des IOC-Sponsorenprogramms zahlt. <em>(Es lohnt sich immer wieder, den Taschenrechner zu bemÃ¼hen, denn </em><a title="Zeit online, 29. MÃ¤rz 2009: Big Spender in Turnschuhen" href="http://www.zeit.de/online/2009/14/ioc-ebersol-rogge-london-chicago" target="_blank"><em>hier habe ich mich leider doch wieder verrechnet</em></a><em>, weil ich Seoul und Barcelona vergaÃŸ.)</em></p>
<p>Ich habe Ebersol vergangene Woche in Denver zugehÃ¶rt und beobachtet &#8211; und dies notiert:</p>
<p>Der Boss trÃ¤gt Turnschuhe. Als Sebastian Coe den hoch aufgeschossenen Grauschopf im Foyer des Hyatt Regency Hotels erblickt, schnÃ¼rt er umgehend in dessen NÃ¤he. Der Boss tÃ¤tschelte Coe, den er um KopfeslÃ¤nge Ã¼berragt, wohlwollend die Schulter. Ein putziges PÃ¤rchen geben die beiden ab: Lord Coe, Olympiasieger und Cheforganisator der Sommerspiele 2012 in London (und <a title="Ethik-Pause fÃ¼r Lord Coe" href="http://jensweinreich.de/?p=2990" target="_self">beurlaubter Chef</a> der <a title="And the winner is: Andrew Jennings" href="http://jensweinreich.de/?p=3020" target="_self">Fifa-Ethikkommission</a>), und der Big Spender der olympischen Bewegung, der seit 1993 schon <span style="text-decoration: line-through;">6,2</span> 6,7 Milliarden Dollar in den Zirkus gepumpt hat: Dick Ebersol, 61, Sportchef des TV-Giganten NBC Universal.</p>
<p>Tags darauf, als Ebersol auf der Messe Sportaccord ein Interview gibt, erinnert er an sein Treffen mit Lord Coe. GÃ¶nnerhaft merkt er an, niemand mÃ¼sse fÃ¼rchten, dass NBC in London den Zeitplan Ã¤ndere, um nachts um eins die Puppen tanzen zu lassen, damit Olympiafinals zur Primetime an der amerikanischen OstkÃ¼ste live Ã¼bertragen werden kÃ¶nnen. Gespannte Stille im Saal. â€žKeine Sorge&#8221;, schiebt Ebersol nach, â€žwir werden das niemals tun.&#8221; Er lacht als einziger Ã¼ber diese Bemerkung.</p>
<p>Er versucht sich noch an anderen Witzchen. So sagt er, das Beste wÃ¤re, Olympia wÃ¼rde immer in Amerika ausgetragen. Dann stimme die Quote, NBC wÃ¤re glÃ¼cklich, auch in Europa und Asien kÃ¶nne man sich damit arrangieren. Wieder lacht er. Und fÃ¼gt an: â€žBitte schreiben sie, dass ich es witzig gemeint habe. Das ist keiner dieser dubiosen Ebersol-PlÃ¤ne.&#8221;</p>
<p>Wer zahlt, der bestimmt mit Ã¼ber die Regeln. Zumal wenn es sich um einen so unbescheidenen, genialen Vordenker wie Ebersol handelt. Als Rechercheur fÃ¼r den damaligen Olympiasender ABC hat er 1967 angefangen und schnell begriffen, was es fÃ¼r gelungene OlympiaÃ¼bertragungen braucht. â€žKuriositÃ¤ten&#8221;, ruft er einem Verbandsvertreter zu, der ihn um Tipps fÃ¼r die TV-Darstellung bittet: â€žKuriositÃ¤ten mÃ¼ssen sie liefern. Einzigartige Geschichten!&#8221; Er nennt ein Beispiel: Die Michael-Phelps-Saga auf NBC wurde mit einer Homestory Ã¼ber â€ždie LiebesaffÃ¤re mit seinem Hund&#8221; eingeleitet.</p>
<p><span id="more-3411"></span>Ebersol erzÃ¤hlt, wie er IOC-PrÃ¤sident Jacques Rogge schon im Sommer 2001, bei dessen Antrittsbesuch in den USA, erlÃ¤utert habe, dass man Ã¼ber den Zeitplan der Sommerspiele in Peking nachdenken mÃ¼sse. â€žWir haben erst einige Jahre spÃ¤ter wieder drÃ¼ber geredet.&#8221; Sollte heiÃŸen: Rogge hatte begriffen. Die Finals im Schwimmen und Turnen fanden frÃ¼h am Morgen statt &#8211; damit NBC in der Primetime Ã¼bertragen konnte. Ebersol bedankt sich bei den WeltverbÃ¤nden der Schwimmer und Turner â€žund bei Jacques&#8221; fÃ¼r deren â€žaufopfernde Initiative&#8221;. Er stellt er es so dar, als seien die morgendlichen Finals fÃ¼r die Rekordflut im Schwimmbecken verantwortlich gewesen. â€žAllein morgens fielen mehr Weltrekorde als bei den beiden vorangegangen Spielen zusammen!&#8221; Wie gut nur, dass der Zeitplan geÃ¤ndert wurde.</p>
<p>Amerikanische Stars, die bei den Winterspielen in Vancouver die Hauptrolle Ã¼bernehmen kÃ¶nnten, die Phelps fÃ¼r NBC in Peking so prÃ¤chtig spielte, hat Dick Ebersol lÃ¤ngst ausgemacht: SkilÃ¤uferin Lindsay Vonn, Shorttrack-Star Apolo Ohno, EisschnelllÃ¤ufer Shani Davis und Snowboarder Shaun White &#8211; dessen knallroter Schopf begeistert Ebersol besonders: â€žDas kommt wunderbar im High-Definition-Format!&#8221; WÃ¤hrend der Spiele, so geht die Saga, lebt Ebersol siebzehn Tage ununterbrochen in seinem BÃ¼ro im Fernsehzentrum, in Peking ausgestattet mit 30 Flachbildschirmen, einem Bett und â€žeinem Bad von der GrÃ¶ÃŸe eines olympischen AufwÃ¤rmbeckens&#8221;. Wieder lacht Ebersol sehr auffÃ¤llig.</p>
<p>Seit 1996 Ã¼bertrÃ¤gt NBC die Sommerspiele. Dass der an Parkinson erkrankte Muhammad Ali damals in Atlanta das olympische Feuer entzÃ¼ndete, hat sich Ebersol ausgedacht. Sagt Ebersol. Winterspiele zeigt NBC seit 2002. FÃ¼r Vancouver 2010 Ã¼berweist man 820 Millionen Dollar, fÃ¼r London knapp 1,2 Milliarden. Der Mutterkonzern General Electric zahlt zusÃ¤tzlich 160 Millionen als einer von neun IOC-Sponsoren. Die Liaison ist finanziell erfolgreich, bislang verkaufte NBC stets genÃ¼gend WerbeplÃ¤tze. Zudem, auch das ist ein Wert: Olympia lockt Frauen an die TV-GerÃ¤te. â€žDa gucken mehr Frauen als MÃ¤nner.&#8221;</p>
<p>Ebersol, der 2004 einen Flugzeugabsturz Ã¼berlebte, bei dem einer seiner SÃ¶hne starb, lÃ¤sst keinen Zweifel daran, dass er auch ab 2014 Olympia Ã¼bertragen will. Nur wolle man mit der Vertragsunterzeichnung nichts Ã¼berstÃ¼rzen. â€žWait and see&#8221;, sagt er: â€žEs ist im Interesse des IOC, auch der Nationalen Olympischen Komitees und der SportfachverbÃ¤nde, auf eine bessere wirtschaftliche Situation zu warten.&#8221; Das sagen auch Rogge und die IOC-UnterhÃ¤ndler, etwa Marketingchef Timo Lumme: â€žWir kÃ¶nnen warten. Unser Job ist es, ein maximales Ergebnis zu erlÃ¶sen.&#8221; Richard Carrion, Chef der IOC-Finanzkommission, formuliert es Ã¤hnlich: â€žWir haben keine Eile.&#8221;</p>
<p>Ebersol erinnert daran, dass die TV-Verhandlungen Anfang der neunziger Jahre wegen der schlechten Ã¶konomischen Lage schon einmal verschoben wurden: 1990 erhielt Atlanta die Sommerspiele 1996 &#8211; aber erst 1993 wurden die TV-Rechte fÃ¼r Atlanta vergeben. Und nun bewirbt sich Chicago um die Sommerspiele 2016. â€žIch kann mir nicht vorstellen&#8221;, behauptet Ebersol, dass die Diskussion Ã¼ber die Fernsehrechte und Ã¼ber die Sonderrolle des amerikanischen NOK in der Olympiavermarktung â€ždie Entscheidung Ã¼ber die Sommerspiele 2016 beeinflussen&#8221;. Was man so sagt als Big Spender.</p>
<p>Die meisten ZuhÃ¶rer kÃ¶nnen sich auch etwas nicht vorstellen: Dass Dick Ebersol das ernst meint.</p>
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		<title>update Sportausschuss (6): TotengrÃ¤ber des AmateurfuÃŸballs</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Mar 2009 21:43:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Fortsetzung meiner Notizen von der 68. Sitzung des Bundestags-Sportausschusses, heute mal an anderem Ort, nicht im Paul-LÃ¶be-Haus, sondern im Jakob-Kaiser-Haus. Aber in Berlin, natÃ¼rlich. Einen Vorgeschmack auf die Diskussion habe ich am Nachmittag noch aus dem Sitzungssaal 1.302 gegeben. Hier nun etwas mehr, in der Ã¼blichen Form, wie seit einem halben Jahr (fast) immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Fortsetzung meiner Notizen von der <a href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a05/tagesordnungen/68__Sitzung___ffentlich.pdf" target="_blank">68. Sitzung</a> des Bundestags-Sportausschusses, heute mal an anderem Ort, nicht im Paul-LÃ¶be-Haus, sondern im Jakob-Kaiser-Haus. Aber in Berlin, natÃ¼rlich. Einen <a href="http://jensweinreich.de/?p=3198" target="_self">Vorgeschmack</a> auf die Diskussion habe ich am Nachmittag noch aus dem Sitzungssaal 1.302 gegeben. Hier nun etwas mehr, in der Ã¼blichen Form, wie seit einem halben Jahr (fast) immer <a href="http://jensweinreich.de/?s=%22notizen+vom+sportausschuss%22" target="_self">bei den Sitzungen</a>Â - und spÃ¤ter vielleicht <em>(gua! sternburg! trebor!)</em> noch mit einigen O-TÃ¶nen, die ich anschlieÃŸend eingefangen habe.</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/?p=2819">Auch diesmal</a> sage ich: Das war eine sehr muntere Diskussion im Sportausschuss. Inhaltlich vielleicht nicht immer hochklassig, aber doch unterhaltsam.Â </p>
<ul>
<li>Christian Klaue und Benjamin Siebert schreiben im <strong>Sportinformationsdienst</strong>: <a href="http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/0903/News/sportausschuss-amateurvereine-dfl.html" target="_blank">Sportausschuss springt Amateurvereinen zur Seite</a>: Massive Kritik der Politik am Sonntagsspiel / DFL in der Defensive</li>
</ul>
<p>Ich konzentriere mich in meinen NotizenÂ auf die zuletzt doch <a href="http://jensweinreich.de/?p=3147">sehr heftig gefÃ¼hrte Diskussion</a> Ã¼ber Wohl und Wehe von Profi- und AmateurfuÃŸball, die sich an der TV-Vermarktung der FuÃŸball-Bundesliga entzÃ¼ndete &#8211; und davon, nun ja, war hier auch aus sehr persÃ¶nlichen GrÃ¼nden viel die Rede. Denn dass zwischen den WÃ¼nschen des PrÃ¤sidiums des Deutschen FuÃŸball-Bundes (DFB) und der Deutschen FuÃŸball-Liga (DFL) einerseits und der Basis im organisierten FuÃŸball, auch beim Konsumenten,Â doch betrÃ¤chtliche LÃ¼cken klaffen, wurde selten so deutlich wie in dieser Debatte, die ja nicht erst im Juli vergangenen Jahres begonnen hat.</p>
<p>Den zweiten groÃŸen Tagesordnungspunkt, die Vorbereitungen auf die FuÃŸball-EM 2012 in Polen, zu dem Vertreter des polnischen Parlaments sprachen, kann ich leider nicht umfassend dokumentieren, ich hatte andere Verpflichtungen und konnte kaum folgen. Was ich nach Fragen der deutschen Parlamentarier und Antworten der polnischen Freunde noch mitbekommen habe, war u. a.: In Polen lÃ¤uft das mit dem Autobahn- und Stadionbau nicht so, weil man gegen eine &#8220;Beamtenstruktur&#8221;, gegen &#8220;eine archaische Struktur&#8221; ankÃ¤mpfe. Public Viewing dagegen wird es in Polen problemlos geben. Mit der Korruption im polnischen Verband ist es auch nicht mehr so schlimm, die polnischenÂ Abgeordneten orientieren sich in der EM-Vorbereitung sehr am Organisationskomitee der Leichtathletik-WM 2009 in BerlinÂ und Ã¼berhaupt: Es wird schon werden. Das hÃ¶rt man doch gern.</p>
<p><em>(Wie immer: Ohne GewÃ¤hr! Bin fÃ¼r jede Korrektur dankbar.)</em></p>
<p>Die polnische Kollegen verspÃ¤teten sich eine Viertelstunde. Mehrere Anwesende (die Namen verrate ich ausnahmsweise nicht) spotteten: â€žDie verhandeln bestimmt noch mit der Ukraine.&#8221;</p>
<p>Genug gefrotzelt. Kommen wir zum Chef des Ganzen:Â <strong>Peter Danckert (SPD)</strong>, Vorsitzender des Sportausschusses,Â erteilt zum ersten Thema, &#8220;Erstattung von Ausbildungsleistungen und NachwuchsfÃ¶rderung im FuÃŸball&#8221;,Â dem DFB-Abgesandten das Wort.</p>
<p><strong>Wolfgang Niersbach (DFB-GeneralsekretÃ¤r)<br />
</strong>Die Uefa unternimmt gemeinsam mit der EU den Versuch, alle Transfers unter 18 Jahren zu verbieten. Uns scheint die bessere LÃ¶sung zu sein, die 6+5-Regelung der Fifa durchzusetzen. Es kam das Gegenargument, diese Regelung lasse sich nicht mit europÃ¤ischem Recht vereinbaren. Nun liegt seit wenigen Tagen ein <a href="http://de.fifa.com/mm/document/affederation/federation/01/03/27/08/inea_media_release_d.pdf" target="_blank">Rechtsgutachten</a> vor, das die Fifa in Auftrag gegeben hat und das besagt, dass es doch mÃ¶glich ist. Das Gutachten sagt: 6+5 ist sehr wohl mit der Wahl des Arbeitsplatzes und europÃ¤ischer FreizÃ¼gigkeit vereinbar. Nach unserer EinschÃ¤tzung wÃ¤re es ein Fortschritt fÃ¼r alle Mannschaftssportarten, ein Schritt in die richtige Richtung.</p>
<p>ZurÃ¼ck zu Transfers: Besonders der sÃ¼damerikanische Bereich wird sehr beackert von den Scouts aus allen mÃ¶glichen LÃ¤ndern. In Deutschland sind AblÃ¶seregelungen und TransferentschÃ¤digungen fÃ¼r die Vereine seit geraumer Zeit geregelt. National haben wir seit 1998, Urteil des Oberlandesgerichtes Oldenburg, nicht mehr diese einzelnen EntschÃ¤digungen. Seither gibt es ein SolidaritÃ¤tsmodell, das die DFL auf freiwilliger Basis EntschÃ¤digungen an die ausbildenden Vereine zahlt (50.000 Euro in erster und 25.000 in zweiter Bundesliga). &#8220;Wir hoffen, dass dieses Modell bestehen bleiben kann.&#8221;Â </p>
<p><strong>Christian Seifert (DFL-GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer)<br />
</strong>Wir kÃ¶nnen uns nicht mit Ligen vergleichen, in denen die Vereine ein dreistelligen Millionenverlust schreiben kÃ¶nnen.</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Wir sind die einzige Liga, in der alle Klubs ein positives wirtschaftliches Ergebnis schreiben.&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Wir setzen u. a. auf ein System der Nachwuchsleistungszentren. Der Betrieb der Nachwuchsleistungszentren kostet uns insgesamt 69 Millionen Euro in der ersten und zweiten Bundesliga pro Jahr. Dort werden fast 5.000 Spieler ausgebildet, kÃ¼nftige Nationalspieler. Das sind positive Entwicklungen, der u19-Europameistertitel vom vergangenen Sommer ist auch ein Ergebnis dieser Nachwuchsleistungszentren.</p>
<p>Auch Seifert erinnert an das Oldenburger Urteil von 1998. â€žIronischer Weise haben sich damals zwei Amateurvereine verklagt.&#8221; Pro Jahr wird eine Million Euro an EntschÃ¤digungen gezahlt, die Zahlung wird fÃ¤llig, wenn der Spieler sein erstes Spiel macht. In diesem Jahr werden rund 700.000 Euro an Amateurklubs gezahlt, rund 300.000 Euro bewegen sich weiter im Bereich der Bundesligen. Rechtlich sind wir nicht dazu gezwungen, gehen aber davon aus, dass diese Praxis so beibehalten wird.Â </p>
<p><em>Nun geht es zum spannendsten Tagesordnungspunkt &#8211; TOP 4: â€žFuÃŸball und Medien&#8221;</em>Â </p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Erinnert an die Ausschuss-Sitzung im Dezember 2007, als wegen des neuen Kirch-Vertrages debattiert wurde: â€žDas war aus heutiger Sicht sehr weitsichtig.&#8221; Ich bin bereit, das Protokoll allen Interessierten zur VerfÃ¼gung zu stellen. Hauptthema, das alle beschÃ¤ftige, sei nun die Ansetzung der Bundesliga am Sonntagnachmittag um 15.30 Uhr ab der kommenden Saison.</p>
<p><strong>Christian Seifert (DFL)<br />
</strong>Ich finde es sehr positiv, dass sich der Sportausschuss des Bundestages damit beschÃ¤ftigt. <em>(Reitet sofort eine Attacke, oh Gott, taktisch unklug!)</em></p>
<blockquote><p><strong><span style="color: #000000;">Leider hat der eine oder andere auch aus diesem Raum nicht der Versuchung widerstehen kÃ¶nnen, zu diesem sehr emotionalen Thema eine Einordnung vorzunehmen, ohne vielleicht alle Fakten zu kennen.</span></strong></p></blockquote>
<p>Die Bundesliga ist ein Industriezweig, der 37.000 ArbeitsplÃ¤tze schafft und 600 Millionen Euro Steuern zahlt. Diesen Industriezweig will keiner nach Tschechien verlagern. Der FuÃŸball sieht sich einer medialen Situation gegenÃ¼ber, die nicht mehr zeitgemÃ¤ÃŸ ist. Es gibt nur einen Pay-TV-View-Anbieter, der in einem nicht einfachen Zustand ist. Wir wollten Nachfrage stÃ¤rken und eine Infrastruktur schaffen, die letztlich allen Sportarten (Eishockey, Basketball u.a.) zugute kommt. Die Interventuion des Kartellamtes hat dieses Modell verhindert. Das ist jetzt ein eingeschrÃ¤nkter Wettbewerb. &#8220;Ich hÃ¤tte mir gewÃ¼nscht, dass in dieser Zeit <em>(im Sommer 2008, d. A.)</em> der Sportausschuss sich auch mal mit der Frage befasst hÃ¤tte.&#8221;</p>
<blockquote><p><strong>Wir mÃ¼ssen aufpassen, dass wir nicht in eine Situation kommen, in der gar nichts mehr geht.</strong></p></blockquote>
<p><em>Dann legt er richtig los, spricht Ã¼ber:</em> Widersinniges Verbot von Sportwetten, Quellensteuer, Compliance-Regeln &#8211; Ã¼ber alles muss man sprechen.</p>
<blockquote><p><strong>Ich wÃ¼rde mir wÃ¼nschen, dass das Interesse eines Politikers am FuÃŸball weiter reicht als der Schwenkbereich der Kamera bei einem DFB-Pokalendspiel, das mÃ¶chte ich an dieser Stelle auch einmal sagen.</strong></p></blockquote>
<p><span id="more-3207"></span>Die fÃ¼nf verschiedenen Anstosszeiten waren in dem Sirius-Vertrag nicht vorgesehen. Sagt oft/mehrfach: Wir sollten nicht allzu leichtfertig an einen Kernfinanzierungsvertrag der Liga herangehen, die TV-VertrÃ¤ge. Die Bundesliga wird auch die Winterpause verkÃ¼rzen. Wir sprechen also Ã¼ber 20-25 Sonntagsspiele pro Saison. Die Fakten bei aller verstÃ¤ndlicher Emotion sind: Theoretisch spielt jeder Bundesligist zwei Mal sonntags um 15.30 Uhr. &#8220;Weniger Sonntagsspiele als bisher.&#8221;</p>
<blockquote><p><strong>Ich bedauere sehr, dass es nicht gelungen ist, in diesem Prozess an die Basis zu transportieren, was ein funktiuonierender TV-Vertrag fÃ¼r den AmateurfuÃŸball bedeutet. Das werde auch im DFB-PrtÃ¤sidium diskutiert. Ob es nicht gefÃ¤hrlich ist, die Basis zu verlieren, ist vielleicht eine Diskussion, die sie auch in der Politik fÃ¼hren.</strong></p></blockquote>
<p>Aus TV-Vetrag 3 Prozent an den DFB. Profiklubs zahlen 3 Prozent ihrer Zuschauereinnahmen an den DFB. Sie zahlen auch 3 Prozent ihrer Zuschauereinnahmen an die LandesverbÃ¤nde. Ohne diese Finanzierung &#8211; mit AusbildungsentschÃ¤digung (s. o.)Â - kein Ãœberleben des Amateurbereichs.</p>
<blockquote><p><strong>Wir sprechen Ã¼ber 20-25 Spiele pro Jahr. 1800 Minuten ProfifuÃŸball kÃ¶nnen den AmateurfuÃŸball nicht ruinieren.</strong></p></blockquote>
<p>Dass das nicht kommuniziert werden konnte, ist eine SchwÃ¤che des Systems &#8211; und das System macht sich darÃ¼ber seine Gedanken.</p>
<p><em>(Hier kann ich mir eine Anmerkung natÃ¼rlich nicht verkneifen. Denn das System: Das ist der DFB bzw. seine FÃ¼hrungsgremien. Also, sorry: Die Kommunikationsherrscher.)</em></p>
<p><em>Es wird brenzlig fÃ¼r Seifert, das merkt er. Also spricht er ein wenig Ã¼ber seine Beziehung zum Amateurbereich:</em> &#8220;Ich unterstÃ¼tze einen Kreisligaklub als Privatmann an der Basis.&#8221;</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Bittet Seifert, zum Ende zu kommen.</p>
<p><strong>Christian Seifert (DFL)<br />
</strong>&#8220;Ich bitte darum, neben den Emotionen auch die Fakten zu beachten.&#8221;</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Bittet um Einhaltung des Zeitplans und erteilt Reiner Grundmann, dem Sprecher der Amateurvereine, das Wort.</p>
<p><strong>Reiner Grundmann (Vorsitzender des Kreisligisten SC Schaffrath)<br />
</strong>Beginnt famos:</p>
<blockquote><p><strong>Der Herr Seifert wird&#8217;s mir nachsehen, dass ich mir hier nicht so viele grundlegende Gedanken Ã¼ber das Wohl und Wege von Premiere mache, und auch nicht von der DFL, sondern dass mir die Sorgen der Basis wichtig sind.</strong></p></blockquote>
<p>Ich bin Vorsitzender eines Kreisligavereins mit einem Jahresetat von circa 50.000 Euro. &#8220;Wir befÃ¼rchten ein Massensterben der kleinen Vereine.&#8221;</p>
<p>Nimmt das Argument auseinander, die LeistungsstÃ¤rke der Nationalmannschaft sei nur durch diesen Vertrag zu gewÃ¤hrleisten, was DFB-GrÃ¶ÃŸen den Kleinen stÃ¤ndig erzÃ¤hlen. &#8220;Wenn wir das als Amateurvereine nicht begreifen, wÃ¤ren wir mit am Untergang des Heiligen RÃ¶mischen Reiches und am Untergang der Nationalmannschaft Schuld. Das ist uns in der vergangenen Woche mehrfach klar gesagt worden.&#8221;</p>
<p>Unsere Zielsetzung bleibt aber &#8211; gegen diese Sonntagsspiele.</p>
<blockquote><p>Wir habenÂ feststellen mÃ¼ssen, wie rÃ¼cksichtslos die Vertragspartner vorgegangen sind und wie sie halt gegen 26.000 Amateurvereine ihr Wohl und Wehe fÃ¼r 36 Profivereine durchdrÃ¼cken.</p></blockquote>
<p>Wir haben schon in der Vergangenheit festgestellt, dass wir bereits durch das Vorziehen der 17.30 Uhr Spiele auf 17 Uhr in arge Schwierigkeiten kommen. Die Zuschauer kommen zwar noch auf die PlÃ¤tze, aber ein richtiges Vereinsleben ist nicht mehr gewÃ¤hrleistet. Um Viertel vor fÃ¼nf ist das Spiel zu Ende, um fÃ¼nf ist schon niemand mehr auf dem Platz, weil es alle nach Hause zieht. Stellen Sie sich vor, die Spiele finden 15.30 Uhr statt: Weniger Zuschauer, weniger UmsÃ¤tze, weniger Vereinsleben, weniger Stimmung, und dann werden uns auch die Spieler ausgehen. Unser Vorstand, unsere Spieler, unsere Zuschauer &#8211; viele haben Jahreskarten von Schalke. Die zieht es dann alle in die Arena, es wird mit Sicherheit zu Schwierigkeiten im Spielsystem kommen.</p>
<p><strong>Peter Dankert (SPD)<br />
</strong>Erkundigt sich: Herr Grundmann, sind sie fertig?</p>
<p><strong>ReinerÂ Grundmann (SC Schaffrath)<br />
</strong>Kleiner Nachsatz, zitiert aus einem Artikel in der Welt kompakt Ã¼ber Pokal-Halbfinale zwischen Leverkusen und Bayern MÃ¼nchen. 290.000 PrÃ¤mie fÃ¼r Leverkusen zusÃ¤tzlich zu einer Leistung, die man einfach erwarten kann &#8211; das ist der Sechsjahres-Etat von unserem Verein. Wie wollen sie solche Summen der kleinen Amateurvereinen noch verkaufen? Das ist bald nicht mehr mÃ¶glich. Und kÃ¼nftig: Wird dann vielleicht das erste Spiel schon um 11 Uhr angefangen mit Blick auf den asiatischen Markt?</p>
<blockquote><p><strong><span style="color: #000000;">Herr Niersbach, sie schÃ¼tteln schon den Kopf, aber man kann meine Argumente gar nicht oft genug hÃ¶ren, bis sie sich wirklich in alle KÃ¶pfe eingebrannt haben.</span></strong></p></blockquote>
<p><strong>Carsten Gockel (GeschÃ¤ftsfÃ¼hrerÂ PreuÃŸen MÃ¼nster)</strong><br />
Wir sind ein Traditionsverein, wir sind 103 Jahre alt, wir sind GrÃ¼ndungsmitglied der Bundesliga. Vergangenes Jahr 4.500 Zuschauer, sicher Rekordschnitt in den Oberligen, in diesem Jahr 3.600 Zuschauer im Schnitt. Etat fÃ¼r erste Mannschaft 1,7 Millionen Euro, inklusive aller BeitrÃ¤ge, dasÂ regeln wir schon. Platz fÃ¼nf bundesweit in dieser Liga. Wir bieten ProfifuÃŸball an auf der ganzen Breite. Wir stecken jÃ¤hrlich 200.000 Euro in die Ausbildung unserer Jugendmannschaften, fÃ¼hren negatives VereinsvermÃ¶gen (also Schulden) Jahr fÃ¼r Jahr zurÃ¼ck. Fernsehgelder 4,8 Prozent des laufenden Etats. 163.000 Euro TV-Einnahmen im vergangenen Jahr. &#8220;Das Ã„rgerliche ist, dass das noch einmal gekÃ¼rzt wird, im kommenden Jahr soll das auf 90.000 Euro schrumpfen, das wÃ¤ren 2,7 Prozent unseres Etats.&#8221; Wir durchlaufen ein Lizensierungsverfahren, was sich nicht von einem Drittliga-Verein unterscheidet. Wir haben zehn hauptamtliche Mitarbeiter auf der GeschÃ¤ftsstelle. Wir betreiben Riesenaufwand fÃ¼r das Lizensierungsverfahren und haben grÃ¶ÃŸte Sorge, unsere Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Wir sind auf Gedeih und Verderb von unseren Sponsoren abhÃ¤ngig, die 65 Prozent unserer Einnahmen tragen.</p>
<p>Er fordert eine Ligareform, sagt aber nicht wie.</p>
<blockquote><p>Finanzielle SolidaritÃ¤t zwischen Basis und Spitze mÃ¼sste die Grundlage des neuen TV-Vertrages sein. So wie ich Herrn Zwanziger immer verstanden habe, soll das auch ein Ziel sein.</p></blockquote>
<p><strong>Christian Seifert (DFL)<br />
</strong>Damit sich hier nicht das Falsche festsetzt: Die DFL ist nicht verantwortlich fÃ¼r die Geldverteilung unterhalb der zweiten Bundesliga. Das ist ausschlieÃŸlich Sache des DFB.</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Danke.</p>
<p><strong>Axel Balkausky (ARD-Sportkoordinator)<br />
</strong>In Teilen sind wir, Herr Gruschwitz und ich, ja falsche Ansprechpartner. Die Spiele sonntags um 15.30 Uhr sind ja ausschlieÃŸlich im Interesse des TV-TV-Partners gewÃ¤hlt. 18 bis 20 Prozent unseres DFB-Vertragsvolumens umfasst die dritte und vierte Liga.</p>
<p><em>SchÃ¶ner Versprecher von Balkausky:</em> &#8220;ARD und ZDF sind in der Lage, <strong>ziemlich unfassbar</strong> Ã¼ber diese Spiele der dritten und vierten Liga zu berichten.&#8221;</p>
<blockquote><p><strong>Die AnstoÃŸzeiten, die die Amateurvereine betreffen, sind von uns weder angestrebt noch gewollt.</strong></p></blockquote>
<p><strong>Dieter Gruschwitz (ZDF-Hauptabteilungsleiter Sport)<br />
</strong>Wir sind keine Vertragspartner in Fragen der Live-Spiele. Wir sind an Spielberichten und Zusammenfassung interessiert. Geht auf Grundmann ein: Wir fÃ¼hlen uns teilweise nicht angesprochen. Das Ganze ist eine Struktur- und Systemfrage des deutschen FuÃŸballs. Diese Probleme kÃ¶nnen nur in den entscheidenden Institutionen gelÃ¶st werden: beim DFB-Bundestag und bei der DFL. DFB und DFL sind die Veranstalter.</p>
<blockquote><p><strong>Das ist nicht unser Bier, muss ich mal so deutlich sagen, die Ansetzungen sind in den Ausschreibungen festgelegt worden. Wir haben uns beworben auf bestehende Fakten, wir mÃ¼ssen damit leben.</strong></p></blockquote>
<p><strong>Wolfgang Niersbach (DFB)<br />
</strong>Die Runde hat gezeigt, wie schwierig es ist, diese ganzen Interessen unter einen Hut zu bringen. Einzigartiges Modell im europÃ¤ischen Vergleich: &#8220;Ohne Breite keine Spitze, ohne Spitze keine Breite.&#8221; Die englische Premier League guckt nicht ins Amateurlager, die guckt nicht mal in die zweite Liga. Basis unseres Handelns ist die Satzung. Der DFB ist ein Verband der VerbÃ¤nde, also der Regional- und LandesverbÃ¤nde, und die DFL kommt mit dem Ligavertrag hinzu.</p>
<blockquote><p><strong>Wenn die DFL morgen auf die Idee kÃ¤me, alle Spiele um 15.30 Uhr anzusetzen, hÃ¤tte der DFB kein Mittel, das zu verhindern.</strong></p></blockquote>
<p>Es ist nicht der Grundlagenvertrag die Bibel, sondern die Satzung. Wir betrachten diesen Grundlagenvertrag als Solidarpakt, der von den Erfindern nach harten Verhandlungen zustande gekommen ist. Es ist keine SelbstverstÃ¤ndlichkeit, dass die Bundesligisten ein Prozent ihrer Einnahmen ans das Amateurlager abfÃ¼hren.Â <em>(Hat sich auf Grundmann vorbereitet:)</em> Der FuÃŸball- und Leichtathletikverband Nordrhein-Westfalen bekommt pro Jahr 400.000 Euro vom DFB, weitere 250.000 von den Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga, und ein Verein dort muss fÃ¼r die Abwicklung des Spielbetriebs nur knapp Ã¼ber 400 Euro pro Jahr bezahlen.</p>
<blockquote><p><strong>Premiere darf ihnen auch als Amateurverein nicht egal sein. Denn wenn Premiere wegbrechen wÃ¼rde, wÃ¼rden ihnen auch Einnahmen wegbrechen, die dem gesamten AmateurfuÃŸball zugute kommen.</strong></p></blockquote>
<p>Nennt Beispiel: 20 Millionen Euro DFB im vergangenen Jahr fÃ¼r den Bau von Mini-FuÃŸballfeldern. Das geht alles nur, wenn das VerhÃ¤ltnis von Breite und Spitze stimmt. Das gesamte DFB-PrÃ¤sidium inklusive der Amateurvertreter ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine andere Wahl gibt. Sonntagsspiele gibt es schlieÃŸlich schon seit 1996. Im VerhÃ¤ltnis Spitze &#8211; Breite muss man eine Balance finden, da mÃ¼ssen immer an irgend einer Stelle Kompromisse gemacht werden.</p>
<p>Die Probleme, Herr Grundmann, die von ihnen vorgetragen werden &#8211; ich kann vor ihrer Leistung nur den Hut ziehen, das hat Hochachtung verdient. Aber:</p>
<blockquote><p><strong>Diese Probleme existieren in den meisten BundeslÃ¤ndern nicht. Es kommen keine Klagen aus Niedersachsen oder aus Nord-Baden, wo ich gerade war.</strong></p></blockquote>
<p>Wir bekennen uns als DFB zur Spitze und gehen da auch Risiken ein.</p>
<blockquote><p><strong>Die WM 2006 war in ihrer Vorbereitung ein wirtschaftliches Risiko, das allein der DFB getragen hat.</strong></p></blockquote>
<p><em>(Sorry, mein Kommentar: Das ist wirklich hanebÃ¼chen, mÃ¶chte ich auch nicht so stehen lassen. Kann ich gern mal darauf eingehen, spÃ¤ter.)</em></p>
<p>Aber wir meinen, das es richtig ist, diese Risiken auf uns zu nehmen. Wir kÃ¶nnen nur appellieren, dass wir diesen Grundlagenvertrag, den wir ab 1. Juli ja verlÃ¤ngern mÃ¼ssen, auch so durchzubringen</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Ich will mal meinen Gesamteindruck in zwei SÃ¤tzen sagen: â€œWas im Moment an vielen Ecken in Deutschland passiert, ist extrem bemerkenswert. Ich kann mich an keine Ã¤hnliche Situation erinnern.â€? Ich glaube, das ist zum Teil hier sehr einseitig gesehen worden. <em>(Meint DFB und DFL)Â </em></p>
<p><strong>Peter Rauen (CDU)<br />
</strong>â€œHerr Seifert, sie haben sich ein bisschen gewundert, dass wir heute Ã¼ber dieses Thema sprechen. Das sollten sie eigentlich nicht tun. Denn als wir im Dezember 2007 Ã¼ber den tollen Sirius-Vertrag mit dem 3-Milliarden-Versprechen diskutiert haben, auch gesagt, dass das nicht zu Lasten des AmateurfuÃŸballs gehen darf.â€?</p>
<blockquote><p><strong>Das brennt im AmateurfuÃŸball von Kiel bis Burghausen. Das ist kein separates Thema in Gelsenkirchen. In allen Bereichen hat man das GefÃ¼hl, dass der AmateurfuÃŸball an den Wand gedrÃ¼ckt wird. </strong></p></blockquote>
<p>Zitiert den Trierschen Volksfreund. Wir haben es hier mit einem FlÃ¤chenbrand zu tun. Ich habe zum ersten Mal das GefÃ¼hl, dass die SolidaritÃ¤t im deutschen FuÃŸball nicht mehr existiert und dass sie von den Profivereinen aufgekÃ¼ndigt wird.</p>
<p>Was der neue Fernsehvertrag vorsieht, das schlÃ¤gt aus meiner Sicht dem Fass den Boden aus. Er zÃ¤hlt dann alle Ansetzungen und SendeplÃ¤tze fÃ¼r Live-Berichterstattung auf. Das ist ein flÃ¤chendeckendes Programm und jetzt frage ich sie: Wohin soll denn der AmateurfuÃŸball noch ausweichen.</p>
<p>Rechnet 50.000 Spiele pro Wochenende vor.Â </p>
<p><strong>Wolfgang Niersbach (DFB)<br />
</strong>Ruft dazwischen: â€ž80.000 sogar.â€?Â </p>
<p><strong>Peter Rauen (CDU)<br />
</strong>Rechnet vor, dass im Amateurbereich 7,6 Millionen Euro pro Jahr fehlen, wenn â€žbei diesen 50.000 Spielen nur 25 Zuschauer pro Spiel fehlen.</p>
<p>â€žDa nutzt uns auch kein Grundlagenvertrag mehr.â€? Mahnt Seifert, der leise protestiert und sich gerade von ihm weggedreht hat: â€žHerr Seifert, ich habe ihnen auch zugehÃ¶rt.â€?</p>
<p>Das englische Beispiel kÃ¶nne nicht die Vision des deutschen FuÃŸballs sein. &#8220;Das FaÃŸ ist endgÃ¼ltig zum Ãœberlaufen gebracht worden.&#8221;</p>
<p><em>(Beifall fÃ¼r Rauen, den ehemaligen FuÃŸballprÃ¤sidentenÂ in Salmrohr und Trier,Â aus allen Fraktionen. Tischklopfer. Noch nie erlebt in diesem Gremium.)</em></p>
<p><strong>Christian Seifert (DFL)<br />
</strong>Ruft dazwischen und benutzt oft das Wort â€žFaktenâ€?.Â </p>
<p><strong>Swen Schultz (SPD)<br />
</strong>â€œHerr Seifert, sie haben nicht das Wort.â€?</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>â€œHerr Seifert, sie mÃ¼ssen zur Kenntnis nehmen, dass die Position von Peter Rauen von den Volksvertretern sehr geteilt wird.â€? Wird laut: Die Frage, wie viel sie in den TV-VertrÃ¤gen nehmen, hÃ¤ngt doch an den utopischen GehÃ¤ltern der Spieler.Â </p>
<p><strong>Dagmar Freitag (SPD)<br />
</strong>â€œHerr Seifert, ich verstehe ihre Aufregung nicht. Wir haben ihnen doch auch eine Stunde zugehÃ¶rt.â€? Die Gepflogenheiten in diesem Ausschuss sind so, dass wir einander zu hÃ¶ren. Ich habe selten so oft das Wort Fakten gehÃ¶rt. Das hat mich irritiert. Was mir an ihrem Vortrag vÃ¶llig gefehlt hat, ist der emotionale Zugang zum Sport.</p>
<blockquote><p><strong>Streiks im FuÃŸball, das hat es so noch nicht gegeben. Das sollte doch zumindest zum Denken, vielleicht sogar zum Nachdenken fÃ¼hren.</strong></p></blockquote>
<p>Die Zahlungen an den Amateurbereich sind fÃ¼r mich eine schlichte SelbstverstÃ¤ndlichkeit. Wir sollten schon sehen, dass der Breitensport letztlich die Basis ist, dass wir auch Spitze entwickeln. Verein ist GemeinschaftsgefÃ¼hl, Verein ist ein soziales GefÃ¼ge, Verein ist mehr als elf Leute, die gegen einen Ball treten.</p>
<p>Sie zitiert die WestfÃ¤lische Rundschau, in der stand, dass die ARD die Ziehung der Lottozahlen verschieben will wegen der Bundesliga. â€žDa frage ich mich: heute die Lottozahlen und morgen die Tagesschau?â€? Kann das wirklich alles so normal sein?</p>
<p>Ich weiÃŸ, dass auch in Baden-WÃ¼rttemberg durchaus Klagen sind. An Niersbach: Sie sollten das nicht als westfÃ¤lisches Problem abtun. Wir sollten den Sport und den FuÃŸball nicht nur ausschlieÃŸlich unter fiskalischen Gesichtspunkten betrachten.Â </p>
<p><strong>Joachim GÃ¼nther (FDP)<br />
</strong>Peter Rauen hat mir aus der Seele gesprochen. Ich kenne mich da aus, ich habe Ã¼ber Jahre einem Verein vorgestanden. Fernsehvertrag ist amateurfeindlich, familienfeindlich und es ist auch insgesamt fÃ¼r die Sportgestaltung schÃ¤dlich &#8211; in angrenzenden Sportarten. Er findet das alles unmÃ¶glich. Dann spricht er von seiner Zielstellung, in einer deutschen Mannschaft mindestens sechs deutsche Spieler einzusetzen. Appell:</p>
<blockquote><p><strong>â€žUnterschÃ¤tzt das nicht! Das ist eine FlÃ¤chensache! Ich bitte dringend, das Konzept zu Ã¼berdenken.â€?Â </strong></p></blockquote>
<p><strong>Winfried Hermann (BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen)<br />
</strong>Auch er unterstÃ¼tzt Peter Rauen. An Niersbach: Macht es Sinn, dass jede zweit- und drittklassige Spiel im Uefa-Cup zur Primetime Ã¼bertragen wird? â€œMir stinkt es einfach, das jedes dieser Spiele gezeigt wird.â€? Spricht von â€žabsolutem medialen Overkill in schlechtem FuÃŸballâ€?. Erinnert an das Schicksal von Tennis. â€žWeinger ist mehr!â€? Sie sollten sich mehr bescheiden!Â </p>
<p><strong>Detlef Parr (FDP)<br />
</strong>Hat sich geÃ¤rgert, sagt er, nimmt sich aber zurÃ¼ck, sagt er. â€žWir haben das Recht, dieses Thema hier diskutieren und dieses Thema in die Ã–ffentlichkeit zu bringen!â€? Man mÃ¼sse dem FuÃŸball in Bereichen des Sponsoring (Compliance-Stichwort von Seifert) unter die Arme greifen. Diese Diskussion mÃ¼sse man aufrichtig fÃ¼hren. Heute in der Diskussion fÃ¼hrt in die Irre, weil wir am Ende weniger Mittel zur VerfÃ¼gung hÃ¤tten.</p>
<p>KÃ¶nnte man nicht darÃ¼ber nachdenken, ein halbes Prozent nachzulegen, fragt Parr Seifert und Niersbach &#8211; und meint den TV-Vertrag und den Anteil der Amateure.</p>
<p><strong>Peter Rauen (CDU)<br />
</strong>Ruft dazwischen: â€žZehn Prozent! Mindestens!&#8221;</p>
<p><strong>PeterÂ Danckert (SPD)<br />
</strong>&#8220;0,5 und zehn Prozent. Nur damit wir es im Protokoll richtig festhalten.&#8221;</p>
<p><strong>Klaus Riegert (CDU)<br />
</strong>Wenn sie wÃ¼nsche an die Politik haben, Herr Seifert, dann bitte ich, dass sie auf uns zu kommen. Aber wenn sie vom â€žunseligen Verbot von Sportwetten reden&#8221;, sehe ich keinen Konsens</p>
<p><em>(Es geht dann eine Weile um die Frage, ob der Deutsche an einer &#8220;Ãœberdosis FuÃŸball&#8221; leide.)</em></p>
<p><strong>Katrin Kunert (Die Linke)</strong><br />
Bedankt sich bei Seifert: &#8220;Sie mÃ¼ssen sich uns nicht stellen, aber wenn sie schon hier sind, sollten sie auch zuhÃ¶ren.</p>
<p>&#8220;Ich habe einfach die Bitte, dass sie sich wirklich an die Basis begeben und mit der Basis reden. Wie wollen sie das in den nÃ¤chsten Tagen hinkriegen?&#8221;</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Ich will keine Debatte zum Thema Sportwetten anfangen. Aber wir sind da schon in Sorge angesichts der Zahlen und Entwicklungen.</p>
<p><em>(Danckert nennt ARD-Balkausky Ã¼brigens gern BALLKOWSKI)</em></p>
<p><strong>Christian Seifert (DFL)</strong></p>
<blockquote><p><strong>Auch wenn ich das schlimme Wort Fakten noch einmal verwende: Wir sind gemÃ¤ÃŸ einer Auflage der EU verpflichtet, alle 612 Spiele live zu Ã¼bertragen. Ich bin vÃ¶llig ihrer Ansicht, dass das einer Ãœberdosis angrenzt. Viele GrÃ¼ÃŸe aus BrÃ¼ssel, wir sind uns da vÃ¶llig einig.</strong></p></blockquote>
<p>Es gibt Zweitligaspiele, die haben im Pay TV weniger Zuschauer, als hier im Raum sitzen, sagt Seifert.</p>
<p><em>(Im Raum sitzen inklusive der polnischen GÃ¤ste circa 50 Personen, die Anzahl der GÃ¤ste auf der TribÃ¼ne kann ich nur schÃ¤tzen: 20)</em></p>
<p>Zur SolidaritÃ¤t: â€žEs ist eine SelbstverstÃ¤ndlichkeit!&#8221; Sagt, SolidaritÃ¤tÂ sei beim Thema Sportwetten ebenfalls selbstverstÃ¤ndlich. &#8220;In dieser Situation ist nur sehr, sehr bedingt ein Spagat hinzubekommen.&#8221; Herr Zwanziger sagt: Dieser TV-Vertrag seiÂ alternativenlos. Ich sage: die Diskussion wird folgenlos bleiben. &#8220;Meine AufgabeÂ als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer ist es, Ã¼ber Geld zu reden, dafÃ¼r werde ich bezahlt.&#8221;</p>
<p>Lassen sie uns wirkluich Ã¼ber die strukturellen Probleme des AmateurfuÃŸballs sprechen. ErwÃ¤hnt, dass schon in der Kreisliga A Geld gezahlt wird. Und nochmal zur Ãœberdosis an TV-FuÃŸballspielen: â€žDiese Ãœberdosierung haben wir uns leider nicht selber ausgesucht.&#8221;</p>
<p><strong>Axel <span style="text-decoration: line-through;">Ballkowski</span> Balkausky (ARD-Sportkoordinator)<br />
</strong>Acht Prozent ist der Gesamtanteil des Sportes am ARD-Programm. 60 Prozent davon sind FuÃŸball.Â </p>
<p><strong>Wolfgang Niersbach (DFB-GeneralsekretÃ¤r)<br />
</strong>ErwÃ¤hnt eine Konferenz am Freitag in Frankfurt mit Kreisvorsitzenden <em>(die offenbar auf Linie gebracht werden sollen)</em>. &#8220;Wir sind in dem Dialog mittendrin, aber wir mÃ¼ssen auch ehrlich sein.&#8221;</p>
<blockquote><p><strong>Zur Ehrlichkeit gehÃ¶rt, dass wir an diesem Vertrag, wie er jetzt ist zur neuen Saison, nichts mehr Ã¤ndern kÃ¶nnen. Herr Seifert hat das ausgehandelt, da sind wir jetzt drin.</strong></p></blockquote>
<p>Wir betrachten es als unseren tÃ¤glichen Job, den Kontakt zur Spitze ebenso zu halten wie zur Basis.</p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>Sie sind mit groÃŸem Dank entlassen. Ich glaube, hier muss noch einiges nachgearbeitet werden.</p>
<p><strong>Reiner Grundmann (SC Schaffrath)<br />
</strong><em>Tritt nach gegen Niersbach, der gerade den Saal verlassen und zum nÃ¤chsten Termin will:Â  </em>Sie hÃ¤tten wenigstens mal eine klare Aussage zugunsten der AmateurfuÃŸballer machen kÃ¶nnen. Dass ich hier sitzen muss und in diesem Gremium sprechen muss, das ist an sich schon der Skandal.</p>
<blockquote><p><strong>Wir mÃ¶chten nur eins: Wir mÃ¶chten den Sonntagnachmittag frei haben, damit wir uns selber eigenstÃ¤ndig finanzieren kÃ¶nnen. Mehr mÃ¶chten wir nicht!</strong></p></blockquote>
<p>Wir haben von vielen vielen Vereinen, nicht nur von Medienvertretern in ganz Deutschland einen sehr sehr groÃŸen RÃ¼ckhalt bekommen. Zu Seifert:</p>
<blockquote><p><strong>ErzÃ¤hlen sie mir bitte nicht, das sei nur ein lokales Problem. In ganz Deutschland stehen sie als TotengrÃ¤ber der Amateurvereine da.</strong></p></blockquote>
<p><em>(Seifert sitzt direkt neben ihm.)</em></p>
<p><strong>Peter Danckert (SPD)<br />
</strong>ErklÃ¤rt Seifert: &#8220;Wir sind hier nicht zusammen gekommen, um irgendein Tribunal zu machen oder irgend jemanden zu beschimpfen. Es geht doch auch gar nicht gegen sie persÃ¶nlich.&#8221; Man wolle wenigstens zum Nachdenken bringen, sagt er. Sie sind in der Klemme, weil die Forderungen der Ligavereine kommen. Deshalb war ja auch die Begeisterung so groÃŸ, als Sirius 500 Millionen versprochen hatte. Wir hatten schon damals unsere Probleme, uns vorzustellen, wie das gehen sollte.</p>
<p>Herr Gruschwitz und Herr Balkausky: Ganz kann ich nicht den Eindruck gewinnen, dass sie als Ã¶ffentlich-rechtliche Vertreter gar keine Rolle spielen in der Diskussion. Wenn sie sagen wÃ¼rden: Das kÃ¶nnen wir gar nicht vertreten, wir kÃ¶nnen da nicht Partner werden, dann hÃ¤tten sie schon Einfluss.</p>
<p>Ich wÃ¼rde schon dafÃ¼r plÃ¤dieren, dass man dem einen Partner (dem AmateurfuÃŸball) nicht nur sagt: Das musst du akzeptieren.</p>
<blockquote><p><strong>Herr Seifert, sie mÃ¶gen ja Ã¼ber uns in diesem Raum hier denken, wie sie wollen, unsere Wahrnehmung ist, dass da im Moment ein FlÃ¤chenbrand entsteht.</strong></p></blockquote>
<p>Auch Banken haben uns jahrelang erzÃ¤hlt, wie toll alles ist, was sie machen. Und sie haben uns mit ihrem GeschÃ¤tsgebaren in die schlimmste Situation der vergangenen 50 Jahre gebracht. Aber er wolle das natÃ¼rlich nicht vergleichen, sagt Danckert. <em>(Hat er aber.)</em></p>
<blockquote><p>Das ist eine neue QualitÃ¤t, die da entstanden ist. Und wenn das um sich greift, weiÃŸ niemand, wie das weiter geht. Nachher demonstrieren die vor den Stadien und lassen da keinen mehr rein.</p></blockquote>
<p>Ich wÃ¼nsche mir, dass es zu einem Ausgleich der Interessen kommt. &#8220;Dieser Ausgleich kann nicht darin bestehen, dass man sagt: Es ist so, ihr Ã¤ndert das nicht. Und sagt: Friss Vogel oder Stirb.&#8221;</p>
<p>VersÃ¶hnlich zu Seifert: &#8220;Ich hoffe, dass sie ausreichend honoriert werden fÃ¼r ihre schwere TÃ¤tigkeit. Sie machen ja auch einen guten Job.&#8221;</p>
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		<title>Was vom Tage Ã¼brig bleibt (22): &#8220;Wir brauchen endlich eine Demokratisierung des DFB!&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Mar 2009 19:08:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ob dieses Interview Folgen hat fÃ¼r Hans-JÃ¼rgen Irmer, den PrÃ¤sidenten des FuÃŸballvereins Eintracht Wetzlar und CDU-Landtagsabgeordneten? Man wird es sehen, entlastend fÃ¼r ihn ist sicher vorzubringen, dass Irmer ein DFB-kompatibles Parteibuch besitzt. HeuteÂ Abend sagte Irmer im Interview des Deutschlandfunks zum Aufbegehren der FuÃŸballbasis gegen die TV-PlÃ¤ne der Bundesliga, der DFB sei &#8220;nicht mehr Vertreter des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob dieses Interview Folgen hat fÃ¼r <a href="http://www.cdu-fraktion-hessen.de/fraktion_home/lebenslauf.cfm?ID=57" target="_blank">Hans-JÃ¼rgen Irmer</a>, den PrÃ¤sidenten des FuÃŸballvereins <a href="http://www.eintracht-wetzlar.de/" target="_blank">Eintracht Wetzlar</a> und CDU-Landtagsabgeordneten? Man wird es sehen, entlastend fÃ¼r ihn ist sicher vorzubringen, dass Irmer ein DFB-kompatibles Parteibuch besitzt. HeuteÂ Abend sagte Irmer im Interview des Deutschlandfunks zum <a href="http://www.reviersport.de/76156---kreisligaproteste-500-demonstranten-aber-kein-schalker-buer.html" target="_blank">Aufbegehren der FuÃŸballbasis</a> gegen die TV-PlÃ¤ne der Bundesliga, der DFB sei &#8220;nicht mehr Vertreter des Amateursports&#8221;. Er habe den Eindruck, &#8220;dass es beim DFB nur noch um das groÃŸe Geld fÃ¼r die GroÃŸen geht und dass man die Kleinen, die die Grundlage fÃ¼r den ganzen FuÃŸball bilden, dass man die schlicht und ergreifend vergisst&#8221;.</p>
<p>Irmer erklÃ¤rt sogar: &#8220;Wir brauchen endlich eine Demokratisierung des Deutschen FuÃŸball-Bundes!&#8221; Das Interview:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/03/01/dlf_20090301_1921_29970a5f.mp3" target="_self">:</a></p>
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		<title>&#8220;VielfÃ¤ltige Lebenssachverhalte&#8221; (III)</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Dec 2008 12:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht, dass sich nochÂ eine Fortsetzungsgeschichte ergibt. Das kÃ¤me dann doch etwas Ã¼berraschend. (Btw: Man stelle sich vor, ich hÃ¤tte die Reihe der &#8220;vielfÃ¤ltigen Lebenssachverhalte&#8221; schon Ende des vergangenen Jahrhunderts begonnen, als einige Fragen zu Daimler, Lufthansa, Holzmann, Expo etc. pp. zu klÃ¤ren waren, nachzulesen u. a. hier.) Doch egal, es zÃ¤hlt die Gegenwart. Nun denn: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht, dass sich nochÂ <a href="http://jensweinreich.de/?p=1059" target="_self">eine</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=1088" target="_self">Fortsetzungsgeschichte</a> ergibt. Das kÃ¤me dann doch etwas Ã¼berraschend. (Btw: Man stelle sich vor, ich hÃ¤tte die Reihe der <em>&#8220;vielfÃ¤ltigen Lebenssachverhalte&#8221;</em> schon Ende des vergangenen Jahrhunderts begonnen, als einige Fragen zu Daimler, Lufthansa, Holzmann, Expo etc. pp. zu klÃ¤ren waren, <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=25" target="_self">nachzulesen u. a. hier</a>.) Doch egal, es zÃ¤hlt die Gegenwart. Nun denn: Christopher Keil ist in der SÃ¼ddeutschen Zeitung auf einen weiteren <em>&#8220;vielfÃ¤ltigen Lebenssachverhalt&#8221;</em> desÂ UDIOCM aufmerksam geworden: <a href="http://www.sueddeutsche.de/052380/020/2685501/Kollision-der-Interessen.html" target="_blank">&#8220;Kollision der Interessen? ZDF-Verwaltungsrat will Rolle von Thomas Bach prÃ¼fen&#8221;</a>. Gleichzeitig ist das UDIOCM ja in die IOC-Truppe eingebunden, die in Europa wenn&#8217;s gehtÂ eine Milliarde, aber doch wenigstens 800 Millionen,Â aus <a href="http://jensweinreich.de/?p=2237" target="_self">olympischen TV-VertrÃ¤gen</a> erlÃ¶sen will.</p>
<blockquote><p>&#8220;Es gibt derzeit keine Verhandlungen zwischen dem IOC und dem ZDF&#8221;, sagte Bach der SZ, &#8220;und deshalb keinen Interessenskonflikt. Sollte es zu solchen Verhandlungen kommen, so habe ich bereits vorsorglich mit dem ZDF darÃ¼ber gesprochen, dass der dann entstehende Interessenskonflikt nach den fÃ¼r Mitglieder des Fernsehrates des ZDF gÃ¼ltigen Regeln gelÃ¶st werden muss.&#8221;</p></blockquote>
<p>Okay, falscher Alarm. Alles kein Problem. Lebenssachverhalt geklÃ¤rt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Lust und Frust: Olympische TV-Milliarden</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 19:09:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Route de Vidy 9, CH-1007 Lausanne &#8211; ist dieÂ Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). AlljÃ¤hrlich fliegen in der Vorweihnachtszeit die Mitglieder des IOC-Exekutivkomitees zu ihren Jahresendsitzungen ein. Das mit den Jahreszeiten kriegt Google Ã¼brigens nicht hin, wie man sieht, auf Google Maps ist noch Sommer, und der neue Anbau zwischen altem und neuem Teil des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Route de Vidy 9, CH-1007 Lausanne &#8211; ist dieÂ Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). AlljÃ¤hrlich fliegen in der Vorweihnachtszeit die Mitglieder des IOC-Exekutivkomitees zu ihren Jahresendsitzungen ein. Das mit den Jahreszeiten kriegt Google Ã¼brigens nicht hin, wie man sieht, auf Google Maps ist noch Sommer, und der neue Anbau zwischen altem und neuem Teil des IOC-Headquarters ist auch noch nicht zu sehen. Ich werde morgen Fotos nachreichen:</p>
<p>Â </p>
<p>Ich bin via Genf gerade in Lausanne angekommen, diesmal im Hotel City nahe der IOC-Absteiger Palace, wo ich mich gleich mal an der Bar umschauen werde. Zur Einstimmung ein Beitrag zur seit einer Woche wieder heiÃŸ diskutierten Frage der olympischen TV-Vermarktung.Â Mich interessiert dabei weniger, welche Rekordsummen das IOC fÃ¼r die Winterspiele 2014 (Sotschi) und die Sommerspiele 2016 (werden im Oktober 2009 zwischenÂ Madrid, Rio de Janeiro, Tokio und Chicago vergeben) erlÃ¶sen kann. Dazu spÃ¤ter einmal mehr. Ich konzentriere mich zunÃ¤chst auf die Erwartungen der SportverbÃ¤nde und unterlege die Geschichte, die ich inÂ <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/1209/sport/0006/index.html" target="_blank">verschiedenen</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/107/450824/text/" target="_self">Medien</a>Â verÃ¶ffentlicht habe,Â mit einigen IOC-Statistiken. <em>(Ich weiÃŸ, dass die Zahlen je nach Browser mitunter schlecht zu lesen sein werden, kann das aber im Moment leider nicht Ã¤ndern.)</em></p>
<p>Die olympischen TV-ErlÃ¶se:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2253" title="tv-sommer" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/tv-sommer.jpg" alt="" width="456" height="419" /></p>
<p><span id="more-2237"></span><img class="aligncenter size-full wp-image-2254" title="tv-winter" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/tv-winter.jpg" alt="" width="456" height="451" /></p>
<p>Das IOCÂ ist spÃ¤t dran und steht aus vielerlei GrÃ¼nden unter Druck. Das ist die olympische Welt nicht mehr gewÃ¶hnt: 1995/96 beispielsweise wurde in einer sagenhaften Schacherei die amerikanischen Rechte (NBC) und europÃ¤ischen Rechte (EBU) in zwei Paketen bis 2008 vergeben. SeitÂ der vergangenen Woche wissen wir nun, dass die European Broadcasting UnionÂ (EBU) erstmals seit einem halben Jahrhundert nicht kollektiv bedacht wird. <a href="http://www.sueddeutsche.de/656381/403/2663260/Geld-gegen-Gemeinschaft.html" target="_blank">&#8220;Geld gegen Gemeinschaft&#8221;</a>, die Rechte werden auf den europÃ¤ischen Territorien einzeln vermarktet, so wie es einst die ISL mit Kirch bei der FuÃŸball-WM 2002 und ansatzweise &#8211; bis zum Konkurs, dannÂ wurde der Job von Infront Ã¼bernommen &#8211; auch fÃ¼r 2006 erledigt hat. Auf diese Weise will das IOC eine Milliarde erlÃ¶sen, wobei die EBU nur 625 Millionen geboten hat.Â ARD und ZDF kÃ¶nnten spÃ¤ter doch noch anÂ die Bilder kommen. Aber nur, wenn sie den ZwischenhÃ¤ndlern, im GesprÃ¤ch sind die Agenturen Infront und Sportfive, einen deutlich hÃ¶heren Preis zahlen, als sie bisher zu zahlen bereit sind.</p>
<p>Im olympischen Sport wird die Abkehr vom alten Partner EBU durchaus mit Skepsis aufgenommen.</p>
<p>Das IOC gibt sich in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mit der bisher Ã¼blichen, rund 30-prozentigen Steigerungsrate zufrieden, sondern strebt sogar 50 Prozent und mehr an. Nicht jeder ist darÃ¼ber glÃ¼cklich. So sagt das IOC-Mitglied Walther TrÃ¶ger: <strong>â€žWer die Fernsehrechte vergibt, muss in erster Linie dafÃ¼r sorgen, dass jeder Zugang hat, und erst in zweiter Linie dafÃ¼r, dass er Geld bekommt.&#8221;</strong> Allein in Deutschland wird der Spitzensport im kommenden Jahr Ã¼ber Bundesministerien mit fast einer Viertel Milliarde Euro aus Steuermitteln gefÃ¶rdert. TrÃ¶ger glaubt, daraus leite sich eine gewisse Berechtigung ab, dass die Fernsehrechte fÃ¼r moderate Summen an die Ã¶ffentlich-rechtlichen Sender gehen und der Steuerzahler nicht ein zweites Mal geschrÃ¶pft wird: â€žDas ist eine politische Frage.&#8221; Das IOC wolle mit hÃ¶heren Fernseheinnahmen die sich abzeichnenden Mindereinnahmen im Sponsorenprogramm ausgleichen, glaubt TrÃ¶ger. Zuletzt hatten mit Lenovo, Eastman Kodak, Manulife Financial ServicesÂ sowie Johnson &amp; Johnson vier Firmen ihren RÃ¼ckzug aus dem TOP-Sponsorenprogramm verkÃ¼ndet, das fÃ¼r 2009-2012 nur noch neun Partner umfasst. IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg hat mehrfach verkÃ¼ndet, man wolle demnÃ¤chst zwei weitere Sponsoren gewinnen.</p>
<p>IOC-VizeprÃ¤sident Thomas Bach (UDIOCM)Â sieht keinen Grund zur Beunruhigung. â€žWenn die EBU jetzt nicht mehr dabei ist, heiÃŸt das doch nicht, dass Ã¶ffentlich-rechtliche Sender nicht dabei sind&#8221;, sagt Bach, der an den Verhandlungen beteiligt ist. â€žEs gilt ja auch der Ausschreibungsteil, der frei empfangbares Fernsehen zur Auflage macht. In Deutschland mÃ¼ssen mindestens 200 Stunden im freien Fernsehen Ã¼bertragen werden.&#8221; Die TV-Ausschreibung entsprÃ¤che europÃ¤ischen Richtlinien. WÃ¤re das EBU-Angebot, das deutlich geringer als das der verbliebenen Interessenten war, berÃ¼cksichtigt worden, wÃ¤re das IOC in BrÃ¼ssel wegen BegÃ¼nstigung zerpflÃ¼ckt worden.</p>
<p>Die meisten der 35 olympischen WeltverbÃ¤nde (28 im Sommer, 7 im Winter) kÃ¶nnten ohne ihren Anteil an den IOC-FernsehvertrÃ¤gen nicht existieren. WÃ¤hrend etwa der olympische TV-Anteil des FuÃŸballverbandes Fifa weniger als ein halbes Prozent am Fifa-Etat ausmacht, betrÃ¤gt er im BogenschieÃŸen, Segeln und Softball rund 85 Prozent. Ulrich Feldhoff, kÃ¼rzlich als PrÃ¤sident des Kanu-Weltverbandes (ICF) zurÃ¼ckgetreten und zum EhrenprÃ¤sidenten ernannt, beziffert den Olympia-Anteil an den ICF-Einnahmen auf 75 Prozent. Josef Fendt, PrÃ¤sident des Rodel-Weltverbandes (FIL), Ã¼berschlÃ¤gt rund 80 Prozent. Und FÃ¼nfkampf-WeltprÃ¤sident Klaus Schormann spricht fÃ¼r seine UIPM â€žauf Cash-Basis&#8221; von zwei Dritteln. Das kommt alles in etwa hin, wie diese Statistik beweist: Die Einnahmen der SommerverbÃ¤nde aus der IOC-TV-Vermarktung im VerhÃ¤ltnis zu ihren Gesamteinnahmen. Stand ist Athen 2004 &#8211; fÃ¼r Peking kenne ich noch keine Daten, aber man darf davon ausgehen, dass sich die Zahlen eher zugunsten des IOC-Anteils verschieben.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2248" title="percentage-ioc-revenue-if" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/percentage-ioc-revenue-if.jpg" alt="" width="500" height="505" /></p>
<p>Wer glaubt, mit hÃ¶heren Olympiaeinnahmen fÃ¼r die Zukunft gewappnet zu sein, kÃ¶nnte ein Waterloo erleben, sagt Feldhoff: â€žDenn wenn die Ã–ffentlich-Rechtlichen nicht mehr die Olympiarechte haben, werden sie vielleicht kaum noch an Weltmeisterschaften interessiert sein. Wenn ich aber in den vier Jahren zwischen den Olympischen Spielen gar keine TV-PrÃ¤senz habe, kann ich keine nennenswerten Drittmittel akquirieren. Kein Sponsor interessiert sich fÃ¼r eine Sportart ohne TV-PrÃ¤senz. Das ist ein Teufelskreis.&#8221; Josef Fendt sieht das Ã¤hnlich. â€žWir wÃ¼rden schon gern mehr Geld vom IOC bekommen&#8221;, sagt Fendt. â€žAber das Geld allein ist es nicht. Wir haben bei unseren eigenen TV-VertrÃ¤gen langfristig den Ã–ffentlich-Rechtlichen den Vorzug gegeben, obwohl die Summe etwas weniger war, als uns von anderer Seite angeboten wurde.&#8221;</p>
<p>Der Kanuverband hat seine Fernsehrechte am Weltcup und an Weltmeisterschaften bis 2012 fÃ¼r moderate Summen an die EBU verkauft, und zwar nicht weil der ehemalige PrÃ¤sident Feldhoff seit Jahrzehnten mit dem jetzigen EBU-Chef Fritz Pleitgen befreundet ist. Partner des Rodel-Weltverbandes ist die Sporta, Rechteagentur von ARD und ZDF. Auf diese Sender ist FÃ¼nfkampf-Boss Schormann nicht gut zu sprechen: Denn bei der WM 2007 in Berlin interessierten sich zunÃ¤chst nur Regionalprogramme. â€žErst nach den ersten Titeln fÃ¼r deutsche Athleten kamen auch ARD und ZDF&#8221;, Ã¤rgert sich Schormann noch heute. Er argumentiert deshalb reservierter als die Kollegen, steht aber vor demselben Dilemma: â€žWenn wir zwischen den Olympischen Spielen im Medienbereich prÃ¤senter wÃ¤ren, kÃ¶nnten wir neue SponsorenvertrÃ¤ge bekommen und uns weniger abhÃ¤ngig von den IOC-Einnahmen machen.&#8221;</p>
<p>Nach einer Erhebung der IOC-Programmkommission aus dem Jahr 2005 zu den 28 Sommersportarten haben drei VerbÃ¤nde (Segeln, BogenschieÃŸen, Taekwondo) keine eigenen TV-Einnahmen, drei weitere (SchieÃŸen, Triathlon, Softball) nur minimale und zehn VerbÃ¤nde gerade EinkÃ¼nfte in niedriger sechsstelliger HÃ¶he. In der HÃ¤lfte aller WeltverbÃ¤nde werden Weltmeisterschaften nur in einigenÂ Dutzend LÃ¤ndern Ã¼bertragen, wenn Ã¼berhaupt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2251" title="wm-uebertragungen-if" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/wm-uebertragungen-if.jpg" alt="" width="342" height="634" /></p>
<p>FÃ¼r Feldhoff wÃ¤re es optimal, die Olympiarechte in irgendeiner Weise an den Verkauf der WM-Rechte zu koppeln. Das aber scheint utopisch. Fendt erklÃ¤rt, ihm wÃ¤re ein Olympia-Vertrag mit der EBU am liebsten und sichersten, dafÃ¼r wÃ¼rde er sogar auf hÃ¶here Einnahmen verzichten. TrÃ¶ger sagt: â€žMan muss auch mal Nein sagen kÃ¶nnen.&#8221; Sie alle erkennen die Gefahr: Kurzfristig profitieren die kleinen VerbÃ¤nde von hÃ¶heren olympischen TV-Einnahmen. Langfristig aber droht vielen FÃ¶derationen das Aus. Feldhoff: â€žViele haben noch gar nicht kapiert, was da auf uns zu kommt.&#8221;</p>
<p>Zum Abschluss noch eine Statistik aus Athen (Sommerspiele 2004), so teuer sind die TV-Produktionskosten fÃ¼r die einzelnen Sportarten:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2252" title="tv-production-costs" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/tv-production-costs.jpg" alt="" width="500" height="469" /></p>
<p>Wer mag, kann einen Teil der O-TÃ¶ne auch hÃ¶ren:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/12/07/dlf_20081207_1951_0bac104f.mp3" target="_self">:</a></p>
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