<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss
version="2.0"
xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
> <channel><title>jens weinreich &#187; texte</title> <atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/texte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.jensweinreich.de</link> <description>don&#039;t mix politics with games</description> <lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 22:16:51 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>Stunde der Philosophen</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/23/stunde-der-philosophen/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/23/stunde-der-philosophen/#comments</comments> <pubDate>Sun, 22 Jul 2007 22:03:12 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[leichtathletik]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[dlv]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=76</guid> <description><![CDATA[Sie bezeichnen sich selbst als Profiteure. Sie empfinden Genugtuung, das schon; aber sie nehmen den unverhofften Profit durchaus demÃ¼tig an. Weil das Ã¶ffentlich-rechtliche Sportfernsehen aus der Etappenberichterstattung der Tour de France ausgestiegen ist, wurde am Wochenende eine Stunde mehr Leichtathletik gezeigt: die Deutschen Meisterschaften in Erfurt. Und so raunte der Berliner Diskuswerfer Robert Harting, der [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Sie bezeichnen sich selbst als Profiteure. Sie empfinden Genugtuung, das schon; aber sie nehmen den unverhofften Profit durchaus demÃ¼tig an. Weil das Ã¶ffentlich-rechtliche Sportfernsehen aus der Etappenberichterstattung der Tour de France ausgestiegen ist, wurde am Wochenende eine Stunde mehr Leichtathletik gezeigt: die Deutschen Meisterschaften in Erfurt. Und so raunte der Berliner Diskuswerfer Robert Harting, der nach der Ã„ra Riedel seinen ersten nationalen Titel gewann, dem ehemaligen ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann zu: &#8220;Ich finde das gut, dass ihr die Tour-Ãœbertragungen abgebrochen habt.&#8221; Andere Athleten Ã¤uÃŸerten sich Ã¤hnlich.<span
id="more-76"></span></p><p>&#8220;Ein bisschen mehr Sendezeit ist ein Geschenk&#8221;, sagt JÃ¼rgen Mallow, der Chefbundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). &#8220;Hoffentlich wird es kein Bumerang.&#8221; DLV-PrÃ¤sident Clemens Prokop findet den Ã¼berraschenden TV-Vorteil fÃ¼r die Leichtathletik &#8220;sachlich nur billig und gerecht. Es ist eine Belohnung, dass wir vom Tour-Ausstieg profitieren, weil nur wenige VerbÃ¤nde so konsequent gegen Doping vorgehen wie der DLV.&#8221;</p><p>Zwar lieÃŸen sich auch allerlei Argumente vorbringen, die Prokops Ansicht torpedieren, keine Frage, und darÃ¼ber ist auch schon umfassend berichtet worden. Andererseits unterscheidet sich die Lage bei den Leichtathleten doch betrÃ¤chtlich von der Situation in der Branche des bezahlten Radfahrens. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. &#8220;Ich glaube nicht, dass wir organisierte Heuchelei betreiben&#8221;, sagt Eike Emrich, DLV-VizeprÃ¤sident fÃ¼r Leistungssport. &#8220;Wir haben das Dopingproblem schon vor langer, langer Zeit thematisiert, aufgegriffen und bekÃ¤mpft. Wir haben als erste systematische Anwendung kluger Kontrollen gefordert. Und wir haben auch den Athleten klar gemacht, dass es keine Verhaltensalternative gibt.&#8221;</p><p>Emrich bezeichnet Leichtathletik-Meisterschaften als &#8220;Mischung aus Familienfeier und Sportevent&#8221;. In Erfurt hÃ¤tte sich eine &#8220;Wertegemeinschaft versammelt&#8221;, behauptet er. Dem Radsport dagegen schreibt er &#8220;frÃ¼hkapitalistische ArbeitsverhÃ¤ltnisse&#8221; und &#8220;reines Berufsathletentum&#8221; zu.</p><p>Wer Ehrenamtlern wie Emrich lauscht und zugleich noch die vielen hilflos-hÃ¶lzern-ahnungslosen Fernseh-Interviews des Radsport-FunktionÃ¤rs Harald Pfab aus der vergangenen Woche nachklingen lÃ¤sst, der wÃ¤hnt sich in einer anderen Welt. Ein Mann wie Emrich jagt von Idee zu Idee, von einer intelligenten Bemerkung zur nÃ¤chsten. Sein Redefluss ist nicht zu stoppen. Emrich redet geschliffen Ã¼ber &#8220;ganzheitliches Training&#8221; und &#8220;pÃ¤dagogische AnsÃ¤tze&#8221;, er zitiert den Schriftsteller Albert Camus und den NobelpreistrÃ¤ger James Buchanan, einen Ã–konomen. Hauptberuflich lehrt und forscht Sozialwissenschaftler Emrich an der UniversitÃ¤t SaarbrÃ¼cken. Er ist, wenn man so will, derzeit der Star unter den praktizierenden Sportphilosophen, kombiniert Sportsachverstand mit brillanter AnalysefÃ¤higkeit und ressortÃ¼bergreifendem Denken.</p><p>Das tut nicht nur der Leichtathletik gut, sondern dem gesamten Sport. Denn den bedrohlichen Mangel an Geist hat vor einem Vierteljahrhundert schon Willi Daume konstatiert. Daran hat sich bis heute nichts geÃ¤ndert. Die Frage ist nur, ob im Sportbetrieb jenseits des Leichtathletik-Verbandes, etwa im deutschen Dachverband DOSB, kluge Stimmen wie die von Emrich gehÃ¶rt werden.</p><p>Als DLV-PrÃ¤sident Prokop kÃ¼rzlich die bemerkenswerte Initiative startete, die SpitzensportverbÃ¤nde sollten pauschal fÃ¼nf Prozent ihrer FÃ¶rderung aus Bundesmitteln in die Nationale Antidopingagentur (Nada) investieren, erlebte er ein Fiasko. Kein einziger Verband unterstÃ¼tzte den Vorschlag. DOSB-PrÃ¤sident Thomas Bach fÃ¼hrte die Allianz der Prokop-Kritiker an &#8211; ohne sachliche Argumente, nur mit dem Hinweis, der VorstoÃŸ sei nicht kollektiv abgestimmt. So viel zur Meinungsfreiheit und zu Demokratiedefiziten im DOSB-Reich.</p><p>&#8220;Es gibt kein Bewusstsein, dass wir ein gemeinsames Problem haben. Der Sport hat keine Verantwortung Ã¼bernommen. Wir haben eine Chance verpasst&#8221;, zÃ¼rnte Prokop Anfang Juni in Hamburg, als sein mutiger VorstoÃŸ abgeblockt wurde. Weil sich die Lage an der Dopingfront in den vergangenen Wochen weiter bedrohlich verschlechtert hat, Ã¼berlegt Prokop derzeit, seine Anregung zu erneuern. &#8220;Das hat uns keine Sympathien eingetragen&#8221;, resÃ¼miert Emrich rÃ¼ckblickend. Und schon spricht wieder der Analytiker mit heiÃŸem Herzen. &#8220;Wir befinden uns an einer Nahtstelle&#8221;, sagt Emrich. &#8220;Wollen wir Zirkus oder Sport? Wenn wir Sport wollen, dann ist das zwingend gekoppelt an Moral. Mit welcher Berechtigung wollen wir unsere Kinder fÃ¼r Leistungssport gewinnen? Mit welcher Berechtigung nehmen wir erzieherische Werte in Anspruch?&#8221;</p><p>Derlei Grundfragen werden in weiten Teilen des Sportbetriebs ausgeklammert. Nicht so im Brainpool des DLV. &#8220;Aber mit unserem netten, sympathischen, unkommerziellen Denken werden wir uns wahrscheinlich nicht durchsetzen&#8221;, sagt JÃ¼rgen Mallow. Nett, sympathisch, unkommerziell, das ist nicht Ã¼berheblich, sondern selbstironisch gemeint. Haltung als Wert Emrich und Mallow sind vor knapp drei Jahren angetreten, den Verband von Grund auf zu reformieren. Es ist ein langer Kampf, ein zÃ¤hes Ringen, eine Schlacht der Ideen. Entscheidend sind nicht die kurzfristigen sportlichen Erfolge, sondern Nachhaltigkeit.</p><p>In einigen Jahren wird man wirklich sehen, ob die Saat aufgeht. Oder ob, wie es Mallow formuliert, &#8220;diejenigen, die den Preis von allem und den Wert von nichts kennen&#8221;, die Oberhand behalten. &#8220;Ich bin kein rÃ¼ckwÃ¤rtsgewandter Utopist oder Romantiker&#8221;, sagt Emrich. &#8220;Ich kÃ¤mpfe, solange ich glaube, dass es Sinn macht. Wenn ich merke, dass ich nichts mehr bewegen kann, kÃ¶nnte meine Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen, in weniger als einer Sekunde fallen.&#8221;</p><p>Noch ist es nicht so weit. Noch rÃ¼ttelt Emrich die Branche stakkatoartig auf mit Ideen und Haltungen. Ja, auch mit Haltungen, das ist nichts Tadelnswertes in einer Zeit der kollektiven RÃ¼ckgratlosigkeit. Es ist eine Sisyphos-Arbeit, die Emrich &amp; Co. betreiben. Aber wo ist das Problem?</p><p>&#8220;Albert Camus hat von Sisyphos behauptet, er sei ein relativ glÃ¼cklicher Mensch gewesen&#8221;, sagt Emrich und grinst. &#8220;Denn er habe, wÃ¤hrend er den Stein den Berg hinauf wuchtete, ja auch viel Zeit zum Nachdenken gehabt.&#8221; Nachdenken, das ist es. Ein Wert an sich. Selten in der Welt des Sports.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/23/stunde-der-philosophen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Doping-Doppelbeschluss</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/19/doping-doppelbeschluss/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/19/doping-doppelbeschluss/#comments</comments> <pubDate>Thu, 19 Jul 2007 21:27:27 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[tour de france]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=71</guid> <description><![CDATA[Das Leben, dieses ewig rÃ¤tselhafte, treibt schon absonderliche BlÃ¼ten. Und zwar tÃ¤glich, was es keinesfalls leichter macht, es zu begreifen, dieses Leben. Es ist deshalb ratsam, nicht nur VerstÃ¤ndnis zu heucheln fÃ¼r jenen ARD-Fernsehreporter, der am Mittwoch bei der Tour de France ein Interview fÃ¼hren musste. Nein, man sollte sich wirklich MÃ¼he geben, den armen [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Das Leben, dieses ewig rÃ¤tselhafte, treibt schon absonderliche BlÃ¼ten. Und zwar tÃ¤glich, was es keinesfalls leichter macht, es zu begreifen, dieses Leben. Es ist deshalb ratsam, nicht nur VerstÃ¤ndnis zu heucheln fÃ¼r jenen ARD-Fernsehreporter, der am Mittwoch bei der Tour de France ein Interview fÃ¼hren musste. Nein, man sollte sich wirklich MÃ¼he geben, den armen Tropf zu verstehen. Tapfer hielt also unser Mann vor Ort, Vertreter des gebÃ¼hrenfinanzierten Fernsehens, einem Profiradler des T-Mobile-Teams sein Mikrofon entgegen und hob zu einer geradezu entrÃ¼steten Frage an: &#8220;Es gab MaÃŸnahmen gegen Doping. Trotzdem gab es jetzt einen Dopingfall. Haben Sie eine ErklÃ¤rung dafÃ¼r?&#8221;<span
id="more-71"></span></p><p>Bitte nicht voreilig spotten, denn diese Frage war wunderbar. Nicht wirklich ahnungslos, sondern hochgradig philosophisch. Dem Fragesteller ist ein sportethischer und sportjournalistischer Dreisatz erster GÃ¼te gelungen: Es gab MaÃŸnahmen &#8211; trotzdem wurde T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz als Doper Ã¼berfÃ¼hrt. Weitere Fragen lieÃŸen sich anfÃ¼gen: Warum gibt es eigentlich MaÃŸnahmen? War Doping vor den MaÃŸnahmen da oder vielleicht doch eher die MaÃŸnahmen vor dem Betrug? Oder, um mit den Worten des MikrofontrÃ¤gers bei der Tour zu sprechen: Kann eigentlich sein, was nicht sein darf?</p><p>Egal. Mit Sinkewitz ist der NÃ¤chste aus dem Rennstall vermeintlicher deutscher Helden enttarnt. Wie hÃ¤ngt das wohl zusammen? Offenbar haben am Mittwochmorgen, unmittelbar nach Bekanntwerden der positiven Dopingprobe von Sinkewitz, auch zwei deutsche Medienmanager Ã¼ber diese Frage sinniert. Zumindest darf das unterstellt werden. Denn kurz darauf verkÃ¼ndeten ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und ARD-Programmdirektor GÃ¼nter Struve den Ausstieg des Ã¶ffentlich-rechtlichen Fernsehens aus der aktuellen Tour-Berichterstattung.</p><p>Dies ist ein erstaunlicher Schritt, denn beide hatten sich in den vergangenen Wochen doch in einer bizarren Mischung aus vehementer Arroganz und beiÃŸender Ahnungslosigkeit dagegen gewehrt. Ende Mai erklÃ¤rte Struve im Sportausschuss des Bundestages, der Ausstieg von der Tour de France sei &#8220;ein vÃ¶llig falsches Zeichen&#8221;. Brender argumentierte Ã¤hnlich. Man setze auf die Selbstreinigungskraft der Branche, hieÃŸ es. Die Frage aber, ob sich in der Menschheitsgeschichte jemals ein hochgradig kriminelles Netzwerk selbst gereinigt habe, hatte leider keiner der Abgeordneten parat.</p><p>Einerseits ist der Ausstieg aus der aktuellen, der sogenannten reinen Sportberichterstattung, vernÃ¼nftig und nachvollziehbar. Es war ein Fehler, Ã¼berhaupt mit groÃŸem finanziellen Aufwand diese Tour anzugehen. Denn an der Sachlage hat sich doch in den vergangenen Tagen nichts geÃ¤ndert: Im Radsport wird weiter gelogen, und betrogen. Die Tour und die Drogen, der Radsport und die organisierte KriminalitÃ¤t &#8211; nichts anders kÃ¶nnen die Themen einer Berichterstattung lauten. Wer in Gelb fÃ¤hrt, ist unerheblich.</p><p>Andererseits ist dieser Entschluss von ARD und ZDF ganz und gar nicht souverÃ¤n. Denn Brender und Struve haben ja vorerst nur erklÃ¤rt, &#8220;bis zur KlÃ¤rung des Falles&#8221; aus der Tour auszusteigen. Es wÃ¤re interessant zu erfahren, was die Ã¶ffentlich-rechtlichen Vordenker darunter verstehen: Ist der Fall geklÃ¤rt, wenn die B-Probe &#8211; Urin, den Sinkewitz ebenfalls im PyrenÃ¤en-Trainingslager abgeben musste &#8211; den exorbitant hohen Testosteron-Wert der A-Probe bestÃ¤tigt? Davon ist auszugehen. Oder ist der Fall geklÃ¤rt, wenn die B-Probe, was Ã¤uÃŸerst selten passiert, Ã¼berraschender Weise ein anderes Resultat ergeben sollte?</p><p>WÃ¼rden Struve und Brender ihre Hundertschaft dann wieder an die Rennstrecken kommandieren um beispielsweise Andreas KlÃ¶den, dem mÃ¶glichen deutschen Tour-Sieger 2007, zu huldigen? Oder sind Struve und Brender vielleicht doch in der Lage, weiter zu denken als bis zur nÃ¤chsten Quotenmeldung? Beweisen sie vielleicht gar Ã¼ber die Tagesereignisse hinaus journalistisches Profil?</p><p>Man will aber nicht allzu ungerecht sein. Immerhin, im Vergleich zu frÃ¼heren Jahren, als die ARD auf den Trikots des Telekom-Teams warb, als Jan Ullrich und andere BetrÃ¼ger insgesamt hunderttausende Euros kassierten, um lausige Interviewfetzen abzuliefern, als der ARD-Sportkoordinator erklÃ¤rte, wenn Team Telekom sage, es gÃ¤be kein Doping, dann gÃ¤be es auch fÃ¼r die ARD kein Doping, im Vergleich zu diesen Zeiten ist der Doppelbeschluss vom Mittwoch revolutionÃ¤r.</p><p>Man sollte nur aufpassen, dass sich die RevolutionÃ¤re nicht aus ihrer Mitverantwortung fÃ¼r das mafiÃ¶se System stehlen.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/19/doping-doppelbeschluss/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Die Botschaft der Blockabstimmung</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/09/die-botschaft-der-blockabstimmung/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/09/die-botschaft-der-blockabstimmung/#comments</comments> <pubDate>Mon, 09 Jul 2007 21:55:47 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[winterspiele]]></category> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[gazprom]]></category> <category><![CDATA[jacques rogge]]></category> <category><![CDATA[jugendspiele]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[sotschi]]></category> <category><![CDATA[yog]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=75</guid> <description><![CDATA[Es war die siebte IOC-Vollversammlung, die Jacques Rogge als PrÃ¤sident leitete, und es war fÃ¼r ihn persÃ¶nlich die erfolgreichste. Er hat in der vergangenen Woche in Guatemala seine Idee der Olympischen Jugendspiele durchgepeitscht, er hat 27 IOC-Mitglieder problemlos im Amt bestÃ¤tigt, vier neue Mitglieder ins Gremium lanciert, seinem Exekutivkomitee nie da gewesene Vollmachten fÃ¼r das [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Es war die siebte IOC-Vollversammlung, die Jacques Rogge als PrÃ¤sident leitete, und es war fÃ¼r ihn persÃ¶nlich die erfolgreichste. Er hat in der vergangenen Woche in Guatemala seine Idee der Olympischen Jugendspiele durchgepeitscht, er hat 27 IOC-Mitglieder problemlos im Amt bestÃ¤tigt, vier neue Mitglieder ins Gremium lanciert, seinem Exekutivkomitee nie da gewesene Vollmachten fÃ¼r das Olympische Programm zugeschustert, und am letzten Tag durfte er sich auch noch Ã¼ber die Wahl seines Vertrauten Gerhard Heiberg (Norwegen) ins IOC-Exekutivkomitee freuen. Immerhin besiegte Heiberg mit 49:22 Stimmen sehr deutlich Juan Antonio Samaranch Junior, dessen Vater wenige Tage zuvor die Wahl von Sotschi gedeichselt hatte. Insofern kÃ¶nnte man den Belgier Rogge zum Sieger von Guatemala erklÃ¤ren.<span
id="more-75"></span></p><p>Doch so einfach ist das gar nicht, denn gleichzeitig hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) weiter an GlaubwÃ¼rdigkeit verloren. Doch der Reihe nach.Â NatÃ¼rlich war die Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotschi das dominierende Ereignis der 119. IOC-Session. Das IOC hat sich kaufen lassen von einer Allianz aus Wirtschaftsgiganten und hochrangigen Politikern. Rogge will das natÃ¼rlich nicht zugeben, weshalb er, statt wie gewohnt klar und deutlich zu argumentieren, einen verbalen Eiertanz auffÃ¼hrte. So sprach er in seinem ResÃ¼mee der Tagungswoche von Guatemala beispielsweise darÃ¼ber, dass das IOC Ã¼berprÃ¼fen wolle, ob die Anwesenheit von Staats- und Regierungschefs bei der Olympiavergabe in Zukunft erwÃ¼nscht sei &#8211; zuletzt hatten Tony Blair (London 2012) und Wladimir Putin (Sotschi 2014) Olympiasiege errungen. &#8220;Das kann Vor- und Nachteile haben&#8221;, sagte Rogge.</p><p>In wenigen Tagen wird er sich in Moskau mit Putin treffen. Ebenso macht sich Gerhard Heiberg auf den Weg in Putins Metropole. Marketingchef Heiberg kÃ¼ndigte auf der Session frank und frei an: &#8220;Ich fliege nach Moskau und sehe zu, was ich rausschlagen kann. Ob es nun ein Vertrag mit Gazprom wird oder mit anderen Firmen. So oder so: Die Angebote sind interessant.&#8221;</p><p>Diese Angebote hÃ¤tte es bei einer Abstimmungsniederlage Sotschis in dieser HÃ¶he wohl kaum gegeben. So aber wird Heiberg problemlos einen Etappensieg vollenden und dem IOC erstmals einen Sponsor aus dem ehemaligen Sowjetreich zufÃ¼hren. Im olympischen Sponsorenprogramm Top VI (fÃ¼r die Jahre 2005 bis 2008) wird das IOC erstmals mehr als eine Milliarde Dollar generieren. Begonnen hatte das IOC vor zwanzig Jahren im ersten Top-Programm (1985 &#8211; 1988) mit 96 Millionen Dollar. Heiberg spricht ebenfalls ganz offen darÃ¼ber, dass er als nÃ¤chstes einen Partner aus den Golfstaaten erwartet. Kein Wunder, die Scheichs wollen Olympische Spiele, fÃ¼r 2016 hat sich bereits Katars Hauptstadt Doha beworben, wie Rogge erklÃ¤rte. Bislang stehen Chicago, Rio de Janeiro, Baku, Doha, Tokio und Madrid auf der Warteliste &#8211; Meldeschluss ist im September.</p><p>Akuter finanzieller Nachholbedarf besteht derzeit nur beim Abschluss der amerikanischen Fernsehrechte fÃ¼r 2014 und 2016. Gern will das IOC schnell einen Deal mit dem Network NBC einfÃ¤deln. Allerdings hatten die US-Amerikaner zuvor deutlich gemacht, fÃ¼r Spiele in Sotschi weniger zu zahlen als fÃ¼r Spiele in Salzburg. Die Crux besteht darin, dass das IOC, obgleich es bereits mehr als 700 Millionen Dollar auf der hohen Kante hat, auf stÃ¤ndiges Wachstum angewiesen ist. Etliche Millionen werden ja auch fÃ¼r Rogges neue Jugendspiele gebraucht.</p><p>Die Finanzfragen haben zudem eine personelle Dimension. Denn Rogge und seinen UnterhÃ¤ndlern war oft vorgeworfen worden, sie verfÃ¼gten nicht Ã¼ber das Format des VorgÃ¤nger-Duos Richard Pound und Michael Payne. Pound, ein unvergleichlicher Geldeintreiber im IOC, war von Rogge abserviert worden, genau wie Payne, der Schwiegersohn Samaranchs, der jahrelang fest angestellter IOC-Marketingchef war und jetzt fÃ¼r Bernie Ecclestone in der Formel 1 Milliardensummen generiert.</p><p>Besonders fÃ¼r den IOC-Finanzchef Richard Carrion, einen 54-jÃ¤hrigen Banker aus Puerto Rico, Absolvent des berÃ¼hmten Massachusetts Institut of Technology, ist ein eintrÃ¤glicher Abschluss mit NBC unverzichtbar. Carrion wird nicht nur als potenzieller Rogge-Nachfolger gehandelt, er gilt auch als der Favorit des PrÃ¤sidenten.</p><p>Jacques Rogge selbst hat in den letzten Jahren dazugelernt. Er hatte es zunÃ¤chst mit Demokratie und vÃ¶llig freier Diskussion versucht in den Vollversammlungen &#8211; und war damit mehrmals eklatant gescheitert: 2002 vertagte die Session in Mexiko seinen Plan, das Olympische Programm umzugestalten. 2005 gab es in Singapur das programmatische Fiasko, als die Session nur Baseball und Softball, die jÃ¼ngsten olympischen Familienmitglieder, ausscheiden lieÃŸ, aber Karate, Squash, Inlineskating, Golf und Rugby (Rogge war belgischer Rugby-Nationalspieler) nicht akzeptierte. Geradezu lÃ¤cherlich waren die Abstimmungen Ã¼ber Squash und Karate, denen zunÃ¤chst der Status als Olympiasportart gewÃ¤hrt wurde, kurz darauf aber die Zweidrittel-Mehrheit verwehrt wurde, die zur Aufnahme in das Programm der Spiele 2012 berechtigt hÃ¤tte.</p><p>&#8220;Dieses Procedere war unlogisch&#8221;, sagte Rogge nun in Guatemala. &#8220;Das hat keiner in der Ã–ffentlichkeit verstanden, nicht einmal wir selbst.&#8221; Deshalb hat er das Procedere geÃ¤ndert &#8211; dies ist ein Quantensprung in der Geschichte der Olympischen Spiele und des IOC. Erstmals liegt die Verantwortung fÃ¼r die Komposition des Programms fast vÃ¶llig beim Exekutivkomitee. Bisher hatte allein die Vollversammlung Ã¼ber Sportarten entschieden, die Exekutive konnte in Zusammenarbeit mit den FachverbÃ¤nden Disziplinen hinzufÃ¼gen, streichen oder Ã¤ndern. Diese DualitÃ¤t war ein Jahrhundert lang eine der heiÃŸdiskutierten olympischen Machtfragen.</p><p>KÃ¼nftig ist es so: Das Exekutivkomitee stellt, erstmals fÃ¼r die Sommerspiele 2020, eine Liste von 25 Kernsportarten zusammen und darf maximal drei weitere Sportarten hinzufÃ¼gen. Die Session kann darÃ¼ber nur im Block entscheiden; nÃ¶tig ist eine einfache Mehrheit.</p><p>Es fÃ¤llt auf, dass Rogge inzwischen Blockabstimmungen den Einzelabstimmungen vorzieht. So hat er am Donnerstag bereits die Wiederwahl von 27 IOC-Mitgliedern durchgezogen, was kein Ã¼berzeugendes demokratisches Zeichen war. So soll es kÃ¼nftig auch in der Programmfrage abgehen. ZurÃ¼ck zu den Wurzeln, kann man wohl sagen: Rogge lÃ¤sst abstimmen wie einst Juan Antonio Samaranch. Die ganz private Botschaft, die Rogge in Guatemala seinen Pappenheimern gab, kÃ¶nnte man so umschreiben: &#8220;Ich habe es mit Demokratie versucht, aber ihr habt mir die Gefolgschaft immer mal verweigert. Jetzt trickse ich euch aus und gebe euch die Peitsche.&#8221; Und schon parierte der olympische Haufen. IOC-Mitglieder wollen es offenbar nicht anders.</p><p>Rogge ist besser vorbereitet als sonst in die Session gegangen. Er hat die Macht des Exekutivkomitees in jeder Beziehung ausgebaut. Samaranch Senior wird es erstaunt zur Kenntnis genommen haben. Allerdings hat EhrenprÃ¤sident Samaranch (86) in Guatemala den grÃ¶ÃŸten Sieg errungen: Binnen weniger Stunden drehte er in VieraugengesprÃ¤chen den Trend gegen Sotschi und besorgte sechs IOC-Stimmen, die verhinderten, dass die Russen bereits in Runde eins scheiterten.</p><p>Die spannende Frage fÃ¼r das IOC lautet nun, ob es dem intern gestÃ¤rkten Rogge, der sich extern in grÃ¶ÃŸere AbhÃ¤ngigkeit zu Politik und Wirtschaft begeben hat, gelingt, wieder inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Den Kampf gegen Doping, gegen Gigantismus, gegen Korruption, gegen Gewalt und fÃ¼r die GlaubwÃ¼rdigkeit des Sports hatte er sich bei seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben. Zuletzt Ã¼berzeugte er argumentativ nur selten und paktierte zu oft mit zweifelhaften MÃ¤chten. Es wÃ¤re nicht die schlechteste Option fÃ¼r die Zukunft des olympischen Sports, wenn sich das wieder Ã¤ndern wÃ¼rde.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/09/die-botschaft-der-blockabstimmung/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kinder unter der Last der Ringe</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/kinder-unter-der-last-der-ringe/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/kinder-unter-der-last-der-ringe/#comments</comments> <pubDate>Sat, 07 Jul 2007 21:47:12 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[jacques rogge]]></category> <category><![CDATA[jugendspiele]]></category> <category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category> <category><![CDATA[richard pound]]></category> <category><![CDATA[singapur 2010]]></category> <category><![CDATA[yog]]></category> <category><![CDATA[youth olympic games]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=74</guid> <description><![CDATA[Am Tag danach prÃ¤sentierte sich das IOC-VÃ¶lkchen entspannt. Die wichtigste Arbeit auf der 119. Session des Internationalen Komitees war mit der KÃ¼r von Sotschi zur Winterolympiastadt 2014 erledigt. Und dies vor allem dank des tatkrÃ¤ftigen Einsatzes des IOC-EhrenprÃ¤sidenten Juan Antonio Samaranch, worÃ¼ber noch zu reden sein wird. Als die einen also noch die Wunden behandelten [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Am Tag danach prÃ¤sentierte sich das IOC-VÃ¶lkchen entspannt. Die wichtigste Arbeit auf der 119. Session des Internationalen Komitees war mit der KÃ¼r von Sotschi zur Winterolympiastadt 2014 erledigt. Und dies vor allem dank des tatkrÃ¤ftigen Einsatzes des IOC-EhrenprÃ¤sidenten Juan Antonio Samaranch, worÃ¼ber noch zu reden sein wird. Als die einen also noch die Wunden behandelten (Salzburg und Pyeongchang), die anderen den Kater nach der Siegerparty bekÃ¤mpften, ging das IOC zur Tagesordnung Ã¼ber.<span
id="more-74"></span></p><p>ZunÃ¤chst wurde in einer Blockabstimmung eine mammutmÃ¤ÃŸig groÃŸe Liste von Mitgliedern im Amt bestÃ¤tigt. GemÃ¤ÃŸ den RegelÃ¤nderungen auf der Krisensession im Dezember 1999 mussten sich nach acht Jahren 27 persÃ¶nliche Mitglieder, darunter der Deutsche Walther TrÃ¶ger, wiederwÃ¤hlen lassen. TrÃ¶ger aber nur fÃ¼r zwei Jahre, weil er dann wegen der Altersbegrenzung mit Vollendung seines achten Lebensjahrzehnts ausscheiden muss. Auch PrÃ¤sident Jacques Rogge stand auf der Liste, weshalb theoretisch die MÃ¶glichkeit bestanden hÃ¤tte, ihn zwei Jahre vor Ende seiner achtjÃ¤hrigen Amtsperiode abzuwÃ¤hlen.</p><p>Rogge hatte darauf bestanden, alle 27 Mitglieder im Block zu bestÃ¤tigen. Das verwunderte und erinnerte an alte Zeiten. Eine Einzelabstimmung wÃ¤re angebracht gewesen. Rogge konnte die Blockabstimmung auch nicht Ã¼berzeugend begrÃ¼nden. Er erklÃ¤rte nur umstÃ¤ndlich, dass die Session sich auf sein Exekutivkomitee und die Nominierungskommission verlassen kÃ¶nne, denn die darin versammelten Personen seien am besten in der Lage, die Arbeit der 27 Kollegen einzuschÃ¤tzen. &#8220;Wer aktiv mitarbeitet, soll auch dabeibleiben&#8221;, sagte Rogge. Damit war die Entscheidung vorgegeben.</p><p>Nach kurzer Diskussion, in der zehn Olympier ihren PrÃ¤sidenten bestÃ¤tigten, wurde die Sache durchgewunken: mit 92:5 Stimmen, bei vier Enthaltungen. AnschlieÃŸend lieÃŸ sich Rogge seine Idee der Olympischen Jugendspiele absegnen, und zwar einstimmig. Immerhin dauerte es zwei Stunden, bis das Thema abgehakt war.</p><p>47 Mitglieder meldeten sich zu Wort &#8211; fast alle dankten Rogge Ã¼berschwÃ¤nglich. Der Taiwanese Ching-Kuo Wu, PrÃ¤sident des Box-Weltverbandes, verstieg sich gar zu der Behauptung, diesen 4. Juli zum drittwichtigsten Tag in der Geschichte des IOC zu erklÃ¤ren, gleich nach der IOC-GrÃ¼ndung im Jahre 1894 und den ersten Spielen der Neuzeit im Jahre 1896. Das Repertoire der Ovationen reichte von &#8220;brillant&#8221;, &#8220;historisch&#8221; bis &#8220;einmalig&#8221;.</p><p>Nur der Kanadier Richard Pound stÃ¶rte die Weihestunde mit seinen energischen EinwÃ¤nden. Die EinfÃ¼hrung der Jugendspiele sei verfrÃ¼ht, sagte er, es sei besser, zunÃ¤chst auf einer internationalen Konferenz das Thema tiefgrÃ¼ndig auszuloten. Pound legte zahlreiche Schwachpunkte offen: &#8220;Ich frage mich, ob eine Struktur aus dem 19. Jahrhundert der richtige Ansatz ist, die Probleme zu lÃ¶sen, die hier beschrieben wurden.&#8221;</p><p>Bewegungsarmut, Fettleibigkeit, allgemeines Desinteresse an kÃ¶rperlicher BetÃ¤tigung, Dominanz der elektronischen Medien im Freizeitverhalten, sinkendes Interesse am olympischen Sport, alarmierende gesundheitliche Probleme &#8211; all das hatte Rogge aufgezÃ¤hlt. &#8220;Kinder und Jugendliche sitzen nur noch vor dem Fernseher oder machen Videospiele. Multimedia begeistert oft mehr als der Sport.&#8221; Ob daran Olympische Jugendspiele etwas Ã¤ndern? Zumal, wie Pound bemerkte, man mit Jugendspielen, die auf sportliche Leistungen fixiert sind, ohnehin &#8220;maximal zwei Prozent der Kinder&#8221; erreiche: &#8220;Wir reden also Ã¼ber eine Minderheit, die ohnehin Sport treibt.&#8221;</p><p>Auf die latente Dopinggefahr, hatte Pound, Chef der Weltantidopingagentur, schon zuvor in Interviews hingewiesen. Alessandro Donati, der verdiente italienische DopingaufklÃ¤rer, hatte kÃ¼rzlich im Deutschen Bundestag sogar dafÃ¼r plÃ¤diert, den SportverbÃ¤nden die Verantwortung fÃ¼r Kinder und Jugendliche &#8220;wegzunehmen&#8221;: Man mÃ¼sse dagegen ankÃ¤mpfen, sagte Donati, dass der Nachwuchs als Menschenmaterial fÃ¼r die Medaillenproduktion missbraucht werde. Derartige GrundsatzÃ¼berlegungen spielten auf der IOC-Session kaum eine Rolle.</p><p>Als Pound den Plan Rogges zerpflÃ¼ckte und sagte, &#8220;wir sollten uns doch erstmal Ã¼ber die Dimension des Ganzen klar werden, bevor wir etwas verabschieden&#8221;, fuhr ihm einer in die Parade, der noch nie durch eine widersprÃ¼chliche Meinung zum IOC-PrÃ¤sidenten aufgefallen ist: der Israeli Alex Gilady. &#8220;Eigentlich wollte ich gar nichts sagen&#8221;, grummelte Gilady, langjÃ¤hriger Manager und Lobbyist des US-Fernsehgiganten NBC. &#8220;Aber nach diesen Aussagen von Dick Pound kann ich nicht still bleiben.&#8221; Gilady fÃ¼hrte ein paar AllgemeinplÃ¤tze an und meinte schlieÃŸlich, auf Pound gemÃ¼nzt, es sei &#8220;immer leicht, mit dem Mikroskop nach Problemen zu suchen&#8221;. Er dagegen bevorzuge eine robustere Gangart: &#8220;Wir versuchen einfach das Projekt Jugendspiele und korrigieren uns, wenn Ã¼berhaupt nÃ¶tig.&#8221;</p><p>Nachdem der Russe Alexander Popow noch die UnterstÃ¼tzung seines StaatsprÃ¤sidenten Putin vermeldet hatte, und als 47. Redner nach Rogge der greise IOC-EhrenprÃ¤sident Samaranch das Projekt absegnete, ging es in die Mittagspause. In den nÃ¤chsten Wochen soll eine Adhoc-Kommission unter Leitung des Hessen Klaus Schormann die Ideen bÃ¼ndeln. Im August will das IOC bereits Bewerbungen fÃ¼r die Austragung der Jugend-Sommerspiele 2010 entgegennehmen. Im Februar 2008 soll das IOC per Briefwahl den Ausrichter bestimmen.</p><p>Am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten. Das IOC hat ein neues GroÃŸprojekt beschlossen, ohne die Problematik wirklich zu erfassen. Zumindest gingen die Sportkameraden nicht auf den Vorschlag des Kroaten Antun Vrdoljak ein. Der fÃ¼nffache Vater und zehnfache GroÃŸvater hatte, ohne erkennbaren Witz, dafÃ¼r plÃ¤diert, den IOC-Nachwuchs automatisch fÃ¼r diese Jugendspiele zu qualifizieren.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/kinder-unter-der-last-der-ringe/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Eine Frage des Prinzips</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/eine-frage-des-prinzips/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/eine-frage-des-prinzips/#comments</comments> <pubDate>Sat, 07 Jul 2007 21:12:02 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[tour de france]]></category> <category><![CDATA[berliner zeitung]]></category> <category><![CDATA[sportjournalismus]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=70</guid> <description><![CDATA[Die Berichterstattung der Berliner Zeitung Ã¼ber die Tour de France sieht in diesem Jahr anders aus. Anders als in allen anderen deutschen Tageszeitungen. Und das habe ich in einer Kolumne am 7. Juli 2007 so begrÃ¼ndet: Im Prinzip ist es einfach: Wer den Radsport-Zirkus als kriminell kritisiert, wer tÃ¤glich die wahnwitzigen AusmaÃŸe des DrogengeschÃ¤fts beschreibt, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Berichterstattung der Berliner Zeitung Ã¼ber die Tour de France sieht in diesem Jahr anders aus. Anders als in allen anderen deutschen Tageszeitungen. Und das habe ich in einer <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0707/sport/0037/index.html">Kolumne</a> am 7. Juli 2007 so begrÃ¼ndet:<br
/> <span
id="more-70"></span></p><p>Im Prinzip ist es einfach: Wer den Radsport-Zirkus als kriminell kritisiert, wer tÃ¤glich die wahnwitzigen AusmaÃŸe des DrogengeschÃ¤fts beschreibt, wer bestÃ¤ndig auch die Verstrickungen von Journalisten, vor allem der Ã¶ffentlich-rechtlichen Sender, in diesem mafiosen System brandmarkt, der muss irgendwann selbst die Frage beantworten, ob es noch angemessen ist, von der Tour de France zu berichten. So wie darÃ¼ber diskutiert wurde, ob ARD und ZDF auf Tour-Ãœbertragungen verzichten, muss zwingend gefragt werden, ob nicht auch eine Tageszeitung inne halten sollte. So viel Ehrlichkeit muss sein.</p><p>Im Prinzip ist die Lage vertrackt: Denn es ist klar, dass auch ein Blatt wie die Berliner Zeitung, die seit 1997 Stammgast ist bei der Tour de France, mit ihrer Berichterstattung Teil einer Verwertungskette wurde &#8211; und damit letztlich selbst Promotion betrieb fÃ¼r eine verkommene Branche. Dieser Mechanismus ist nicht wegzudiskutieren, so sehr wir uns in den vergangenen Jahren um Abstand bemÃ¼ht haben und um einen Blick hinter die Kulissen.</p><p>Im Prinzip ist der Umgang mit der Spritztour der Radprofis kompliziert. Kann man sich fÃ¼r einen aufrechten, unabhÃ¤ngigen Sportjournalismus einsetzen, der nicht Promoter von Ereignissen sein will, sondern kritischer Begleiter; der mehr im Blick hat, als nur eine Unterhaltungsfunktion zu erfÃ¼llen? Und dann doch wieder, wie Ã¼blich, von der Tour berichten? Ãœber die tÃ¤glichen verlogenen Dramen, die gefallenen und neuen Helden, die wenig spÃ¤ter mit gespenstischer RegelmÃ¤ÃŸigkeit als BetrÃ¼ger enttarnt werden? Kann man stÃ¤ndig nur den als Journalisten getarnten Marktschreiern vom Fernsehen die Schuld zuweisen, die in der Tat lustvoll am LÃ¼gengebilde mitgebastelt haben, und sich selbst auf der sicheren Seite wÃ¤hnen?</p><p>Im Prinzip kÃ¶nnten wir uns hinter dem Allerwelts-Argument verstecken, Journalisten hÃ¤tten Chronisten zu sein, im Auftrag ihrer Leser. Das stimmt selbstverstÃ¤ndlich, aber es wÃ¤re zu billig. Denn es gibt Grenzen. FÃ¼r das, was sich Radsport nennt, wÃ¤re ein tÃ¤glicher Gerichtsreport die angemessene Form. Wir haben deshalb ausgiebig Ã¼ber Prinzipien diskutiert, darÃ¼ber, ob wir in diesem Jahr Ã¼berhaupt die Tour de France besuchen. Wahrscheinlich wÃ¤re nur das konsequent gewesen: Einfach einmal zu schweigen und die Branche mit Nichtachtung zu strafen. Aber Ausblenden ist auch kein journalistisches Kriterium, und deshalb haben wir uns fÃ¼r einen Kompromiss entschieden: Christian Schwager, der bereits acht Mal auf der groÃŸen Schleife war, wird zwar in diesem Jahr erneut bei der Frankreichrundfahrt vor Ort sein, aber die Ã¼bliche Berichterstattung wird es nicht geben. Also: Keine Etappenberichte, keine Fotoserien, keine der Ã¼blichen Grafiken Ã¼ber die Schwierigkeitsgrade der Strecken, keine Folklore, die den Blick vernebelt auf das Wesentliche.</p><p>Im Prinzip werden wir uns auf diese Kolumne konzentrieren. An dieser Stelle wird Christian Schwager von Montag an tÃ¤glich versuchen, das Ringen der Radsport-Branche mit ihrem fundamentalen Problem in Form eines Tagebuchs zu beschreiben: Die Tour und die Drogen, der Radsport und die organisierte KriminalitÃ¤t, das und nichts anderes sind die Themen. Sollten die Drogenfahnder erneut im Peloton aufrÃ¤umen, werden wir natÃ¼rlich zusÃ¤tzlich darÃ¼ber berichten. Nicht weniger, aber auch nicht mehr als nÃ¶tig. Diese Form der Berichterstattung, die gewiss nicht nur Freunde finden wird, erscheint uns in diesem Jahr angemessen. Die AufrÃ¤umarbeiten im Radsport haben gerade erst begonnen. Es mag einige positive Entwicklungen geben, aber es wird immer noch betrogen und gelogen, vertuscht und geschwiegen, geleugnet und verborgen, verheimlicht und bestritten.</p><p>Im Prinzip ist es so: Wer in Gelb fÃ¤hrt, ist vÃ¶llig unerheblich.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/07/eine-frage-des-prinzips/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>6</slash:comments> </item> <item><title>Die Spiele unter dem Hammer</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/06/die-spiele-unter-dem-hammer/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/06/die-spiele-unter-dem-hammer/#comments</comments> <pubDate>Fri, 06 Jul 2007 21:33:01 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[winterspiele]]></category> <category><![CDATA[demokratie]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[oligarchen]]></category> <category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category> <category><![CDATA[sotschi]]></category> <category><![CDATA[transparenz]]></category> <category><![CDATA[wladimir putin]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=72</guid> <description><![CDATA[Der Urlaubsort des russischen PrÃ¤sidenten Wladimir Putin richtet die Olympischen Winterspiele 2014 aus. In Sotschi will Putin mit seinen Oligarchen zwei Dutzend Milliarden Dollar investieren. Die Kameraden werden prÃ¤chtig verdienen. Ein paar Brosamen fallen auch ab fÃ¼r den russischen Sport, moderne Anlagen und Trainingszentren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird ebenfalls profitieren. Denn schon im [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Der Urlaubsort des russischen PrÃ¤sidenten Wladimir Putin richtet die Olympischen Winterspiele 2014 aus. In Sotschi will Putin mit seinen Oligarchen zwei Dutzend Milliarden Dollar investieren. Die Kameraden werden prÃ¤chtig verdienen. Ein paar Brosamen fallen auch ab fÃ¼r den russischen Sport, moderne Anlagen und Trainingszentren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird ebenfalls profitieren. Denn schon im Herbst kÃ¶nnte, auf GeheiÃŸ Putins, der dubiose Energieriese Gazprom zu den IOC-Sponsoren gehÃ¶ren. Wahrscheinlich fÃ¼r den doppelten Preis des bisher auf dem Markt Ãœblichen. So ist das mit den Spielen.</p><p><span
id="more-72"></span>Die Entscheidung fÃ¼r Sotschi ist ein katastrophales Zeichen. Es ist die Kapitulation vor der ungezÃ¼gelten Macht des Geldes. Es ist ein Sieg der Oligarchen. Um gleich noch etwas klarzustellen: Hier schreibt kein Romantiker, niemand, der meint, Kommerzialisierung sei per se zu verdammen. Nein, ach Gottchen. Es geht um etwas anderes, um andere altmodische Werte wie Demokratie, GlaubwÃ¼rdigkeit und korrekte Abrechnungen. Ist dagegen etwas einzuwenden?</p><p>Nie zuvor hat ein olympischer StÃ¤dtewettbewerb so viel Geld verbrannt. Offiziell haben Sotschi und Pyeongchang (SÃ¼dkorea) mit Werbeetats von je 30 Millionen Dollar und Salzburg mit 10 Millionen Dollar gearbeitet. Die Zahl fÃ¼r Salzburg ist nachprÃ¼fbar. FÃ¼r Sotschi werden allerdings 150 Millionen gehandelt, fÃ¼r Pyeongchang nur unwesentlich weniger. Diese Zahlen sind realistischer.</p><p>Das IOC hat eine Richtungswahl getroffen, aber nicht in dem Sinne, wie es FunktionÃ¤re vom Schlage des in Grauzonen wuselnden deutschen Industrie-Lobbyisten Thomas Bach verkaufen wollen: Bach &amp; Co. behaupten, das IOC habe durchaus weise gehandelt, gebe dem grÃ¶ÃŸten Winterland der Welt endlich eine Chance und erschlieÃŸe neue MÃ¤rkte. Derartige Aussagen sollen den Blick fÃ¼rs Wesentliche vernebeln. In summa hat das IOC nicht politisch gehandelt, es hat sich kaufen lassen.</p><p>Diese Entscheidung ist eine BankrotterklÃ¤rung fÃ¼r den IOC-PrÃ¤sidenten Jacques Rogge. Der Belgier war vor sechs Jahren unter anderem mit dem Versprechen angetreten, die Olympiakosten zu reduzieren, die Spiele zu reformieren, transparenter, effizienter und insgesamt bezahlbar zu machen. Rogge ist gescheitert, und er gesteht dieses Scheitern nicht ein. Das IOC hat sich zurÃ¼ckgebeamt in die Ã„ra des Rogge-VorgÃ¤ngers Samaranch, als es nach zahlreichen Korruptionsskandalen beinahe implodiert wÃ¤re. Das IOC negiert die Erhebungen seiner eigenen PrÃ¼fungskommission, die Sotschi mit groÃŸem Abstand als technisch schlechteste Bewerbung einstufte.</p><p>Die Botschaft von Guatemala lautet: Eine Abstimmung kann man sich kÃ¼nftig sparen. Kampagnen ebenfalls. Wer an den Olympischen Spielen interessiert ist, muss nur einfach eine Summe nennen. Konsequenter Weise mÃ¼sste sich das IOC bei Christie&#8217;s oder Sotheby&#8217;s treffen, ein paar Tage in Luxushotels urlauben und den Rest vom Auktionator erledigen lassen. Ja, die Spiele wurden versteigert. Und beim nÃ¤chsten Mal, fÃ¼r die Sommerspiele 2016, werden auch arabische Ã–lscheichs mitbieten.</p><p>FÃ¼r rechtsstaatliche Demokratien, und das ist die Botschaft an Deutschland, das sich ja immer noch als Demokratie versteht, ist bei derartigen Versteigerungen nichts zu gewinnen. All jene Politiker, die um die Spiele buhlen &#8211; vom vorschnell und wie immer stÃ¼mperhaft vorgepreschten Edmund Stoiber bis zu Ole von Beust und Klaus Wowereit -, sollten sich bei Ã–sterreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erkundigen, wie das so lÃ¤uft mit Olympiabewerbungen. Das System ist auÃŸer Kontrolle. Gusenbauer hat diese Bewerbung als &#8220;unlauteren Wettbewerb&#8221; deklariert.</p><p>Es gibt niemanden, der diesem Treiben Einhalt gebieten kÃ¶nnte. Das IOC unterwirft sich keinen Gesetzen auÃŸer den eigenen. Selbst die werden nicht eingehalten. Die Spezialdemokratie Sport genieÃŸt weltweit Steuererleichterungen und gesetzliche Ausnahmeregelungen, die FunktionstrÃ¤ger diplomatischen Status. Das IOC agiert in rechtsfreien RÃ¤umen. Dabei wÃ¤re es zwingend, sich etwa internationalen Anti-Korruptions-Konventionen anzuschlieÃŸen.</p><p>Wer diese UmstÃ¤nde seinen WÃ¤hlern, dem deutschen Steuerzahler mithin, nicht erlÃ¤utert, der handelt unredlich. Unter den korruptiven UmstÃ¤nden, die in Guatemala kulminierten, gibt es nur eine logische Konsequenz: Deutschland darf sich momentan nicht um Olympische Spiele bewerben.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/06/die-spiele-unter-dem-hammer/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Wettlauf im rechtsfreien Raum</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/04/wettlauf-im-rechtsfreien-raum/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/04/wettlauf-im-rechtsfreien-raum/#comments</comments> <pubDate>Wed, 04 Jul 2007 18:53:38 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[winterspiele]]></category> <category><![CDATA[doosan]]></category> <category><![CDATA[gerhard heiberg]]></category> <category><![CDATA[jacques rogge]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[kun hee lee]]></category> <category><![CDATA[oligarchen]]></category> <category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category> <category><![CDATA[park yong sung]]></category> <category><![CDATA[samsung]]></category> <category><![CDATA[sotschi]]></category> <category><![CDATA[transparenz]]></category> <category><![CDATA[wladimir putin]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=69</guid> <description><![CDATA[GUATEMALA-STADT. Endlich hat es einer ausgesprochen. Wenige Stunden vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 sagte der Norweger Gerhard Heiberg, das Bewerbungsprocedere sei &#8220;auÃŸer Kontrolle&#8221; geraten. Heiberg, Chef der IOC-Marketingkommission, hat Formen der Bestechung ausgemacht. Acht Jahre nach dem Korruptionsskandal, den das Internationale Olympische Komitee nur mit MÃ¼he Ã¼berlebte, steht man wieder da, wo man [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>GUATEMALA-STADT. Endlich hat es einer ausgesprochen. Wenige Stunden vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 sagte der Norweger Gerhard Heiberg, das Bewerbungsprocedere sei &#8220;auÃŸer Kontrolle&#8221; geraten. Heiberg, Chef der IOC-Marketingkommission, hat Formen der Bestechung ausgemacht. Acht Jahre nach dem Korruptionsskandal, den das Internationale Olympische Komitee nur mit MÃ¼he Ã¼berlebte, steht man wieder da, wo man schon einmal war.</p><p><span
id="more-69"></span>Diesmal waren es die Bewerber aus Sotschi und Pyeongchang, die mit gigantischem finanziellen Aufwand und urwÃ¼chsigen Kombinationen von Staat und Politik um die Spiele buhlten. FÃ¼r den Wettbewerb um die Sommerspiele 2016 steht Schlimmes zu befÃ¼rchten. Erstmals sollte es eine Bewerbung vom Persischen Golf geben, und die Scheichs werden kaum zimperlicher sein als KGB-Zar Putin oder sÃ¼dkoreanische Konzerne. Deutsche Olympiainteressenten wie MÃ¼nchen (Winter 2018), Hamburg und Berlin (Sommer 2020) mÃ¼ssten eigentlich erkennen, dass es unter diesen Bedingungen sinnlos ist, in den wahnwitzigen, intransparenten Kreislauf der Geldvernichtung einzusteigen.</p><p>Wenn Olympia kÃ¼nftig versteigert wird, bleiben zwangslÃ¤ufig alle Interessenten chancenlos, die sich demokratischen GrundsÃ¤tzen und kaufmÃ¤nnischen Prinzipien verschrieben haben. Ein fairer Wettbewerb wÃ¤re nicht gewÃ¤hrleistet. Die Frage ist, wer diesem Treiben Einhalt gebieten kÃ¶nnte. Selbst IOC-PrÃ¤sident Jacques Rogge, der sich vom ersten Tag seiner Amtszeit an dem Kampf gegen Korruption verschrieben hat, kann offenbar nichts mehr entgegensetzen. Darin liegt eine Tragik, aber auch eine Logik. Denn Korruption in ihren vielfÃ¤ltigen AusprÃ¤gungen ist keine Einzelerscheinung. Korruption ist immanenter Bestandteil des Sportsystems. Der Filz wird von vielen Merkmalen des Systems gefÃ¶rdert, etwa von dem fast Ã¼berall zu beklagenden Mangel an Transparenz.</p><p>Es mag nationale und kulturelle Unterschiede in der Bewertung von korrupten Verhaltensweisen geben. Russen und Koreaner werden tendenziell immer andere Vorstellungen haben als Norweger, DÃ¤nen oder mÃ¶glicherweise auch Deutsche. Doch ungeachtet globaler Differenzierung gibt es keinen Grund, sich nicht an jener Begriffsbestimmung zu orientieren, die am weitesten gefasst und wunderbar einleuchtend ist: Die Organisation Transparency International bezeichnet Korruption als &#8220;Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil&#8221;.</p><p>Im ethisch-moralischen Sinn, sagt die Kriminologin Britta Bannenberg, die sich im Sport bestens auskennt, kann Korruption &#8220;alle Verhaltensweisen bezeichnen, bei denen sich Personen mit Ã¶ffentlichen oder privaten Aufgaben auf Kosten der Allgemeinheit als unangemessen bewertete Vorteile verschaffen&#8221;. Die rechtliche WÃ¼rdigung von Korruption ist weit komplizierter. Vor allem, weil die Anti-Korruptionsgesetze unzureichend sind. Der Sport selbst hat kaum wirksame Mechanismen gegen Korruption entwickelt. Es existieren nur wenige, vage formulierte Ethik-Richtlinien, die etwa das IOC 1999 in seine Olympische Charta implementieren musste. In der Charta, dem Grundgesetz der Olympischen Spiele und der daran beteiligten 35 WeltverbÃ¤nde, sucht man die Vokabel Korruption vergebens. Es ist lediglich die Rede von &#8220;ethischen Prinzipien&#8221; und &#8220;Fairplay&#8221;.</p><p>Die Korruptionsstrukturen in der milliardenschweren Unterhaltungsindustrie Sport unterscheiden sich kaum von jenen Strukturen, die Kriminologen beschreiben: Bagatell- oder Gelegenheitskorruption; gewachsene Beziehungen; Netzwerke; organisierte KriminalitÃ¤t und systematische Einflussnahme. Der Sport bietet alles. Obwohl es sich bei VerbÃ¤nden wie dem IOC im Grunde um global operierende Wirtschaftsunternehmen handelt, obwohl diese Unternehmen mit Staaten und Organisationen auf einer Ebene verhandeln (etwa mit den Vereinten Nationen) und ihre FunktionstrÃ¤ger quasi diplomatischen Status genieÃŸen, agieren diese Sportkonzerne nahezu im rechtsfreien Raum. Ihre TÃ¤tigkeit wird kaum von Strafgesetzen und schon gar nicht von den zumeist Ende der 1990er Jahre verabschiedeten Konventionen erfasst: Nicht von diversen Anti-Korruptions-Konventionen des Europarates, der EuropÃ¤ischen Union und der Organisation Amerikanischer Staaten; nicht vom OECD-Abkommen Ã¼ber die BekÃ¤mpfung der Bestechung auslÃ¤ndischer AmtstrÃ¤ger im internationalen GeschÃ¤ftsverkehr; auch nicht von den UN-Konventionen gegen das transnationale organisierte Verbrechen und gegen Korruption.</p><p>Auch nationale Rechtssysteme greifen kaum. Da die meisten olympischen WeltverbÃ¤nde wie das IOC in der Schweiz ansÃ¤ssig sind und Vereinsstatus tragen, kommt dem Schweizer Recht groÃŸe Bedeutung zu. Der Schweizer Bundesrat aber erklÃ¤rte, es obliege &#8220;den VerbÃ¤nden, Vorkehrungen zu treffen, um ihre internen Wahl- und Abstimmungsmechanismen frei von unstatthafter Beeinflussung zu halten&#8221;. Es bleibt also der groÃŸen Sportfamilie vorbehalten, ihren Rechtsrahmen zu bestimmen. Die aber ist nicht fÃ¤hig und zu groÃŸen Teilen nicht willens, schÃ¤rfere Korruptionsregeln zu erlassen. Dem Sportsystem mangelt es auf allen Ebenen an Transparenz, Kontrollmechanismen und Unrechtsbewusstsein. Dagegen muss man dem Sport die Dominanz familiÃ¤rer Netzwerke, Ã„mterverquickung und eine Kultur des Schweigens attestieren. Eine Kombination, die beste Bedingungen fÃ¼r Korruption in allen Schattierungen und GrÃ¶ÃŸenordnungen bietet.</p><p>Der Sport ist eine Spezialdemokratie: Ein vordergrÃ¼ndig demokratisches System, das in entscheidenden Punkten von rechtsfreien RÃ¤umen geprÃ¤gt ist &#8211; mit allen mÃ¶glichen Ausnahmeregelungen, GesetzesÃ¤nderungen und Steuererleichterungen. An Olympischen Spielen und anderen GroÃŸereignissen ist besonders reizvoll, dass staatliche Subventionen in die Infrastruktur meist ein Vielfaches des eigentlichen Organisationsetats ausmachen. Wenn sich dann mangelnde Transparenz mit krimineller Energie paart, fÃ¼hrt das unweigerlich dazu, dass ein Teil der bereitgestellten Mittel in dunkle KanÃ¤le flieÃŸt.</p><p>Das wirksamste Gegenmittel heiÃŸt Transparenz. FunktionÃ¤re und VerbÃ¤nde sollten auf allen Ebenen regelmÃ¤ÃŸig Rechenschaft darÃ¼ber ablegen, was sie gegen korrupte Machenschaften in ihrem Verantwortungsbereich unternommen haben. Das betrifft auch den Umgang mit Ã¶ffentlichen Mitteln, die Pflicht zur Offenlegung von Bilanzen &#8211; und die Offenlegung von GeschÃ¤ftsverbindungen jener EntscheidungstrÃ¤ger, die GroÃŸereignisse vergeben. Bislang bestehen aber, auch im IOC, nur lockere Regeln der freiwilligen Selbstverpflichtung. NachprÃ¼fbar ist die Einhaltung derartiger Paragrafen nicht.</p><p>Der Sport braucht transparente Lobby-Register und ein Korruptionsregister mit Ã¶ffentlich zugÃ¤nglichen schwarzen Listen von VerbÃ¤nden, Firmen und FunktionÃ¤ren, die in KorruptionsfÃ¤lle verstrickt waren. Und entsprechende Strafen. Das IOC aber lÃ¤sst beispielsweise die koreanischen Konzernchefs Kun Hee Lee (Samsung) und Park Yong Sung (Doosan) in Ehren. Analog zur Welt-Antidopingagentur braucht der Sport eine Welt-Antikorruptionsagentur. Ethik-Regeln mÃ¼ssen fÃ¼r alle WeltverbÃ¤nde verbindlich aufgestellt werden. &#8220;Die Botschaft allein genÃ¼gt nicht&#8221;, sagt der Marburger Rechtsprofessor Dieter RÃ¶ssner: &#8220;Effektive und gezielte Mittel zur KorruptionsbekÃ¤mpfung mÃ¼ssen folgen. Wer Regeln gibt, muss darÃ¼ber wachen.&#8221; Es empfiehlt sich eine Kontrolle durch Nichtregierungsorganisationen, die Korruptionsranglisten erstellen.</p><p>Die Ergebnisse kÃ¶nnten bei der Vergabe von GroÃŸereignissen berÃ¼cksichtigt werden. Momentan lÃ¤sst sich davon nur trÃ¤umen.</p><p><small>Â© <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/sport/667349.html">Berliner Zeitung</a></small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/04/wettlauf-im-rechtsfreien-raum/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Ein letztes SÃ¤useln</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/03/ein-letztes-sauseln/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/03/ein-letztes-sauseln/#comments</comments> <pubDate>Tue, 03 Jul 2007 01:16:52 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[winterspiele]]></category> <category><![CDATA[gazprom]]></category> <category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category> <category><![CDATA[pyeongchang]]></category> <category><![CDATA[salzburg]]></category> <category><![CDATA[sotschi]]></category> <category><![CDATA[wladimir putin]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=67</guid> <description><![CDATA[GUATEMALA-STADT. Interview-Alarm in der Zona 10. In dem Hochsicherheitstrakt, der nur einen Quadratkilometer von Guatemala-Stadt umfasst, wuselt das olympische VÃ¶lkchen der Entscheidung entgegen. In der Nacht zum Donnerstag (MESZ) wird der Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2014 bestimmt. Bis dahin sind noch ein paar Stunden Zeit, die genutzt werden wollen. Inzwischen ist auch der russische KGB-Zar [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>GUATEMALA-STADT. Interview-Alarm in der Zona 10. In dem Hochsicherheitstrakt, der nur einen Quadratkilometer von Guatemala-Stadt umfasst, wuselt das olympische VÃ¶lkchen der Entscheidung entgegen. In der Nacht zum Donnerstag (MESZ) wird der Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2014 bestimmt. Bis dahin sind noch ein paar Stunden Zeit, die genutzt werden wollen. Inzwischen ist auch der russische KGB-Zar Wladimir Putin in Guatemala eingetroffen, SÃ¼dkoreas PrÃ¤sident Roh Moo-Hyun ebenso, Ã–sterreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer beackert schon einige Tage das Feld. â€žIch mache alles, damit wir das noch kriegenâ€œ, sagt Gusenbauer.<br
/> <span
id="more-67"></span></p><p>Die Kollegen aus Russland und Korea mÃ¼hen sich ebenfalls, jeder auf seine Art.<br
/> Putin hat bereits mit den PrÃ¤sidenten der WintersportverbÃ¤nde gespeist, auÃŸerhalb des IOC-Hotels, was einen Regelbruch darstellt. Kaum eines der IOC-Mitglieder, die zwischen Salzburg, Pyeongchang und Sotschi entscheiden mÃ¼ssen, kann sich den Avancen der Bewerber entziehen. Vom PrÃ¤sidenten Jacques Rogge, standesgemÃ¤ÃŸ erster GesprÃ¤chspartner Putins, bis zu Senioren wie Walther TrÃ¶ger. Da kann man nichts machen. â€žSie wissen doch, wie das istâ€œ, sagt TrÃ¶ger zwischen zwei Terminen: â€žSoll ich etwa Nein sagen, wenn mich der koreanische AuÃŸenminister sprechen will?â€œ Andere wie der Norweger Gerhard Heiberg werden deutlicher. Das Bewerbungsprocedere sei auÃŸer Kontrolle, kritisierte Heiberg in einigen Interviews.</p><p>Die olympischen Wegelagerer lauern sogar an der Calle 14, einer NebenstraÃŸe der Zona 10, die vom IOC-Hotel zum Tagungszentrum fÃ¼hrt. Hier noch ein HintergrundgesprÃ¤ch, dort noch einen Termin mit, sagen wir, dem Gouverneur der Provinz Pyeongchang? Kein Problem. Auch Journalisten werden Opfer dieses Verbal-Kidnappings. Wer eine Akkreditierung um den Hals baumeln lÃ¤sst, muss fÃ¼rchten, von einem Rudel hoch bezahlter PR-Agenten â€“ ob von Hill &amp; Knowlton (Pyeongchang) oder IMG (Sotschi) â€“ enttarnt und umgehend einem GesprÃ¤chspartner zugefÃ¼hrt zu werden. Eine gute Presse ist zwar nicht so entscheidend, doch sie kann helfen. Die Ã–sterreicher haben das Problem weniger, denn nach wie vor interessieren sich die Medien im Nachbarland nicht sonderlich fÃ¼r die Expedition ins Gangsterland Guatemala. Immerhin, die Salzburger Nachrichten brachten in ihrer Online-Ausgabe inzwischen doch zwei Artikelchen â€“ allerdings nicht auf der Titelseite, sondern gut versteckt. Die Bewerber hÃ¤tten sich mehr erhofft, aber sie nehmen es sportlich. â€žÃ–sterreich ist ein freies Land mit freier Presseâ€œ, sagt Salzburgs BÃ¼rgermeister Heinz Schaden. â€žBei uns herrscht Meinungsfreiheit, auch wenn sie von der herrschenden Meinung abweicht.â€œ</p><p>Schadens Ã„uÃŸerungen waren ein Seitenhieb auf die Konkurrenten. Denn im Prinzip ist es doch so: Von den drei Olympia-Offerten lÃ¤sst sich eine als demokratische Bewerbung bezeichnen, mit allem FÃ¼r und Wider, mit allen Problemen. Dagegen sind die anderen Bewerbungen von Demokraturen, mit allen negativen AuswÃ¼chsen der Verschmelzung von wirtschaftlichen und politischen KrÃ¤ften unter dem Label des Patriotismus. Salzburg muss mit Kritik, Desinteresse und Widerstand in Ã–sterreich und eben auch in der nationalen Presse leben. In Sotschi und Pyeongchang sind derlei komische Regungen weitgehend unbekannt. Wer in Moskau demonstriert, wird, wie am Dienstag, abgefÃ¼hrt. Derartige ZwischenfÃ¤lle werden von der Konkurrenz genutzt. Im IOC-Hotel wurde eine Koreanerin erwischt, als sie IOC-Mitglieder kritische Presseberichte zu Moskau und Sotschi unter die TÃ¼ren schob.</p><p>Andere LÃ¤nder, andere Sitten. Die Koreaner machen tÃ¤glich zwei Pressekonferenzen. Eine fÃ¼r die internationalen Medien, eine fÃ¼r den heimischen Pulk. Als Nicht-Koreaner wird man von entzÃ¼ckenden Ladies, die merkwÃ¼rdige Arbeitsbezeichnungen wie â€žEhren-Botschafterinâ€œ tragen, schon mal mit Bussis begrÃ¼ÃŸt und liebenswÃ¼rdig zu einem Stuhl geleitet. In den Meetings mit Koreas Presse-Herolden geht es indes weniger charmant zur Sache, sondern militÃ¤risch streng. Bewerbungschef Han Seung-Soo und Pyeongchangs Gouverneur Kim Jin-Sun stellten klar, was sie von den journalistischen Landsleuten erwarten: Keine blÃ¶den Fragen; keine unangebrachten Geschichten Ã¼ber Salzburg und Sotschi; keine Stories, die IOC-Mitglieder verÃ¤rgern kÃ¶nnten; keine Hochrechnungen Ã¼ber die Stimmvergabe und anderes blÃ¶des Zeugs. Basta. â€žIhr habt aus der Sicht des Bewerbungskomitees zu berichten!â€œ</p><p>Unter russischen Sportberichterstattern gilt es schon als Akt des Widerstands, kein T-Shirt des Bewerbungskomitees zu tragen und einem der Bosse beim Auftritt den Applaus zu verweigern. Der Druck ist groÃŸ. Wie groÃŸ, davon zeugt eine Ã„uÃŸerung des langjÃ¤hrigen IOC-VizeprÃ¤sidenten Witali Smirnow. Der Cheforganisator der Sommerspiele 1980 in Moskau, hat bislang noch jede Diktatur schadlos Ã¼berstanden und Ã¼ber die Jahre beachtliche ReichtÃ¼mer angehÃ¤uft. Doch diesmal scheint sich der Sport-Bonze gÃ¤nzlich unwohl zu fÃ¼hlen. So raunte er auf dem Hinflug nach Guatemala einem Vertrauten zu: â€žWenn wir verlieren, kann ich gleich politisches Asyl beantragen.â€œ Auf einem Medientermin las Smirnow brav vom Teleprompter ab und lobte das Engagement von Putins Gazprom-Connection in den hÃ¶chsten TÃ¶nen. â€žUnser PrÃ¤sident hat sehr klar gemacht, dass in der Region selbst dann viele Milliarden Dollar investiert werden, wenn wir die Winterspiele nicht bekommen.â€œ</p><p>Und auch Bewerberchef Dmitri Tschernytschenko, sichtlich aufgeregt kurz vor dem Eintreffen Putins, rÃ¼hmte brav die sporthistorischen Verdienste des Ober-Russen: â€žBis 2014 hat unser PrÃ¤sident allein fÃ¼nf Milliarden Dollar fÃ¼r den Bau von 4 000 SportstÃ¤tten in Russland garantiert, darunter 750 Eishockey- und 750 Schwimmhallen.â€œ Putin, Putin und immer wieder Putin. â€žEr ist unser MannschaftskapitÃ¤nâ€œ, flÃ¶tete Tschernytschenko. Weil er gerade so schÃ¶n dichtete, erklÃ¤rte er Putin rasch noch zum Erfinder der Demokratie, zum Bewahrer des Weltfriedens und BegrÃ¼nder der olympischen Idee. Unter anderem.</p><p>BlÃ¶derweise wollte doch noch jemand, immer diese AuslÃ¤nder, wissen, wie es in Sotschi eigentlich um den Sicherheitsaspekt bestellt sei. SchlieÃŸlich liegt der neue olympische Sprengel nahe am Konfliktherd Tschetschenien. Eine andere Krisenregion, Abchasien, beginnt quasi an der Stadtgrenze Sotschis. Gar kein Problem, beschwichtigte Tschernytschenko routiniert, wenngleich mit SchweiÃŸperlen auf der Stirn: â€žWie jeder weiÃŸ, gehÃ¶rt Sotschi zu den sichersten Regionen der Welt. Und das nicht nur, weil unser PrÃ¤sident dort seine Sommerresidenz hat.â€œ Sprachâ€™s, und lieÃŸ die Pressekonferenz rasch beenden. â€žEine Frage nochâ€œ, raunzte der Medienattache. Dann war der Spuk vorÃ¼ber.</p><p><small>Â© <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/sport/666767.html">Berliner Zeitung</a></small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/03/ein-letztes-sauseln/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Mickeymaus unter MilliardÃ¤ren</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/02/mickeymaus-unter-milliardaren/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/07/02/mickeymaus-unter-milliardaren/#comments</comments> <pubDate>Mon, 02 Jul 2007 20:11:38 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[sotschi 2014]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[winterspiele]]></category> <category><![CDATA[alfred gusenbauer]]></category> <category><![CDATA[gazprom]]></category> <category><![CDATA[oligarchen]]></category> <category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category> <category><![CDATA[pyeongchang]]></category> <category><![CDATA[russland]]></category> <category><![CDATA[salzburg]]></category> <category><![CDATA[wladimir putin]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=66</guid> <description><![CDATA[GUATEMALA-CITY. Es geht ums Geld, wie immer. Deshalb lÃ¤sst sich die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014, die in der Nacht zum Donnerstag entschieden wird, wunderbar am Kontostand bemessen. Denn der wird offen zur Schau getragen, so oder so: Die einen protzen mit ihren obskuren Milliarden &#8211; Sotschi (Russland) und Pyeongchang (SÃ¼dkorea) sind deshalb favorisiert. [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><img
src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2007/07/l_art_2193_uk.jpg" alt="" hspace="5" align="left" />GUATEMALA-CITY. Es geht ums Geld, wie immer. Deshalb lÃ¤sst sich die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014, die in der Nacht zum Donnerstag entschieden wird, wunderbar am Kontostand bemessen. Denn der wird offen zur Schau getragen, so oder so: Die einen protzen mit ihren obskuren Milliarden &#8211; <a
href="http://sochi2014.com/" target="_blank">Sotschi </a>(Russland) und <a
href="http://www.pyeongchang2014.org/eng/main.html" target="_blank">Pyeongchang </a>(SÃ¼dkorea) sind deshalb favorisiert. Den anderen fehlt es an finanzkrÃ¤ftigen Sponsoren aus Wirtschaft und Politik &#8211; weshalb die Ã–sterreicher aus <a
href="http://www.salzburg2014.com/" target="_blank">Salzburg </a>ein vorsichtiges Budget aufstellten und dafÃ¼r selbst von der Lokalzeitung Salzburger Nachrichten verspottet wurden. Ãœber ein &#8220;Mickeymaus-Format&#8221; lÃ¤sterte das Blatt, das in seiner Online-Ausgabe kein Wort mehr Ã¼ber die Bewerbung verliert. Als sei das Abenteuer schon beendet.<br
/> <span
id="more-66"></span></p><p>Dem vielleicht zu vorsichtig kalkulierten Olympia-Etat Salzburgs ist allerdings eine gewisse Logik nicht abzustreiten. Denn anders als die Konkurrenten Sotschi und Pyeongchang, die in Windeseile unberÃ¼hrte Landschaften in Touristenregionen verwandeln wollen, brauchen die Ã–sterreicher gar nicht zu klotzen. In der Region Salzburg, inklusive des deutschen Teils der Bewerbung, der Schlittenbahn am KÃ¶nigssee, ist eigentlich alles vorhanden. &#8220;Wir kÃ¶nnten schon morgen die Spiele ausrichten&#8221;, beteuert Salzburgs BÃ¼rgermeister Heinz Schaden nimmermÃ¼de. Derartige Behauptungen sind nicht neu im olympischen StÃ¤dtewettstreit. Doch selten kam ein Bewerber der Wahrheit so nahe. Salzburg hat das Original, Sotschi und Pyeongchang wollen unverschÃ¤mt teure alpine Kopien anbieten. Heinz Schaden spricht von einem &#8220;legalen und einem nicht-legalen Weg&#8221;, mit Geld umzugehen. Der Ton wird rauer.</p><p>Ã–sterreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat die Lage am Sonntag in Guatemala-City ganz hÃ¼bsch beschrieben: als Clash zweier Konzepte. &#8220;Ein Konzept, wo viel Geld flieÃŸt. Ein anderes Konzept, wo Sport und Kultur regieren&#8221;, fÃ¼hrte Gusenbauer aus. &#8220;Wenn&#8217;s ums Geld geht, haben wir keine Chance. Aber wenn es um die olympische Idee geht, kÃ¶nnen wir punkten.&#8221; Derartige GedankengÃ¤nge klingen schlÃ¼ssig. Indes sollte sich Gusenbauer nicht auf eine diffuse Idee verlassen, von der kaum noch jemand weiÃŸ, was sich dahinter verbirgt. Oder anders gesagt, ein bisschen positiver: Jeder kann sich aussuchen, was er darunter versteht. Die Ã–sterreicher fabulieren Ã¼ber Leidenschaft und stimmungsvolle Spiele; Russen und Koreaner reden nÃ¼chtern Ã¼ber neue AbsatzmÃ¤rkte und milliardenschwere Bauvorhaben. &#8220;Die bieten etwas an, was auch interessant ist und durchaus diskussionswÃ¼rdig&#8221;, sagt Schaden: &#8220;NÃ¤mlich neue Weltgegenden zu erschlieÃŸen. Wir haben aber nicht diese finanzielle Feuerkraft. Wir kommen Ã¼ber die Emotionen.&#8221;</p><p>Die sportliche Expansionspolitik der Salzburg-Konkurrenten hat viele AnhÃ¤nger, etwa den Schweizer Gian Franco Kasper, PrÃ¤sident des Ski-Weltverbandes, der meint, in Zentraleuropa sei nicht mehr viel zu holen. Im Zweifel, das lehrt nicht nur die olympische Geschichte, dominieren bei jenen, die Entscheidungen treffen, stets pekuniÃ¤re ErwÃ¤gungen.</p><p>Alfred Gusenbauer schwebte als erster der drei involvierten Staats- und Regierungschefs in Guatemala ein. Der vielsprachige Kanzler will versuchen, in den letzten Stunden mÃ¶glichst viele der <a
href="http://www.olympic.org/uk/organisation/ioc/members/index_uk.asp" target="_blank">111 IOC-Mitglieder</a> von Salzburgs VorzÃ¼gen zu Ã¼berzeugen. Seine Botschaft ist klar. &#8220;Salzburg bietet etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann&#8221;, sagt Gusenbauer und attackiert damit die Kontrahenten. &#8220;Wintersport ist in Ã–sterreich ein LebensgefÃ¼hl, es ist Teil unserer nationalen DNA.&#8221;</p><p>Sotschi und Pyeongchang leisten sich teurere Marketing-FeldzÃ¼ge als vor zwei Jahren London, Paris, New York, Madrid und Moskau, die um die Sommerspiele 2012 kÃ¤mpften. Es ist ein unwÃ¼rdiges Geschacher, ein vÃ¶llig Ã¼berzogenes Prahlen mit Moneten. Die Ã–sterreicher sprechen von einer Richtungswahl in Guatemala-City: Will das IOC tatsÃ¤chlich noch einen Wettbewerb der Olympiaofferten, oder sollten die Spiele nicht besser an den Meistbietenden versteigert werden? Diese Argumentation ist schwer zu entkrÃ¤ften. Hat doch, um nur ein Beispiel zu nennen, Russlands PrÃ¤sident Wladimir Putin dem IOC-PrÃ¤sidenten Jacques Rogge schon vor einiger Zeit einen Sponsorenvertrag des Energieriesen Gazprom versprochen.</p><p>In ihrer Not, zwischen Putins Gazprom-Kombo und den korruptionserfahrenen koreanischen Chaebols zerrieben zu werden, entschlossen sich die Ã–sterreicher, selbst offensiver Ã¼ber Geld zu reden. Denn das IOC vergibt die Spiele nach langer Zeit zum ersten Mal, ohne zuvor FernsehvertrÃ¤ge mit einem amerikanischen Network abgeschlossen zu haben. Der TV-Gigant NBC hatte zuletzt die Rechte an den Sommerspielen 2004, 2008 und 2012 sowie an den Winterspielen 2006 und 2010 erworben, ohne den jeweiligen Austragungsort zu kennen. Nach den schlechten Erfahrungen mit Turin, die auch im Report des IOC-Mitglieds Jean-Claude Killy erwÃ¤hnt werden, hÃ¤lt sich NBC diesmal zurÃ¼ck. Wo die Winterspiele 2014 stattfinden, wird Ã¼ber die HÃ¶he der olympischen Zuwendungen entscheiden.</p><p>Pyeongchang wÃ¤re fÃ¼r NBC zweifellos eine Katastrophe und wÃ¼rde den Preis drÃ¼cken, schon wegen der Zeitdifferenz. Bei Sotschi wÃ¤re es nur unwesentlich besser. Olympia in Salzburg lieÃŸe sich besser verkaufen. Mozart meets Sport &#8211; eine olympische Seifenoper. In dieser Konstellation sehen die Ã–sterreicher ihre letzte Chance. &#8220;Ich biete Ihnen eine Wette an&#8221;, sagt Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in kleinem Kreis zu Journalisten: &#8220;Wenn Salzburg gewinnt, werden die Preise fÃ¼r die Fernsehrechte steigen.&#8221;</p><p>Kolportiert werden Summen von bis zu 500 Millionen Dollar, die zwischen den mÃ¶glichen ErlÃ¶sen fÃ¼r die Olympiastadt Pyeongchang und jenen fÃ¼r die Olympiastadt Salzburg liegen kÃ¶nnten. Eine halbe Milliarde mehr oder weniger, das ist schon ein Argument. &#8220;Wie explizit wir das den IOC-Mitgliedern nahe bringen, weiÃŸ ich noch nicht&#8221;, sagt der Bundeskanzler. BÃ¼rgermeister Heinz Schaden hat seine ZurÃ¼ckhaltung dagegen aufgegeben: &#8220;Ich sprech&#8217;s direkt an. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass die Fernsehanstalten warten. Ich weiÃŸ es, Sie wissen es, alle wissen es.&#8221; Wer will da noch schweigen.</p><p><small>Â© <a
href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/sport/666767.html" target="_blank">Berliner Zeitung</a></small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/07/02/mickeymaus-unter-milliardaren/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Sepp &#8211; im Banne der DÃ¤monen</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/05/31/sepp-im-banne-der-damonen/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/05/31/sepp-im-banne-der-damonen/#comments</comments> <pubDate>Thu, 31 May 2007 20:58:52 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[fifa]]></category> <category><![CDATA[joseph blatter]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[john mcbeth]]></category> <category><![CDATA[julio grondona]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[mastercard]]></category> <category><![CDATA[mohamed bin hammam]]></category> <category><![CDATA[visa]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=61</guid> <description><![CDATA[Selten so gelacht: Es freuen sich der Fifa-PrÃ¤sident Blatter (links) und sein erster VizeprÃ¤sident (Don) Julio Grondona aus Argentinien. Wieder haben sie eine Wahl gedeichselt &#8211; einen Gegenkadidaten fÃ¼r den Fifa-Chef gab es nicht. Immer wieder Blatter. Der Sportkamerad, der einst Josef hieÃŸ, sich spÃ¤ter Joseph nannte und seinem Namen das Initial S. (Sepp) hinzufÃ¼gte, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><img
align="left" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2007/06/sepp-don-julio-2007.thumbnail.JPG" hspace="5" alt="Fifa-Boss Blatter, Fifa-Vize Grondona - ZÃ¼rich, Mai 2007" />Selten so gelacht: Es freuen sich der Fifa-PrÃ¤sident Blatter (links) und sein erster VizeprÃ¤sident (Don) Julio Grondona aus Argentinien. Wieder haben sie eine Wahl gedeichselt &#8211; einen Gegenkadidaten fÃ¼r den Fifa-Chef gab es nicht. Immer wieder Blatter. Der Sportkamerad, der einst Josef hieÃŸ, sich spÃ¤ter Joseph nannte und seinem Namen das Initial S. (Sepp) hinzufÃ¼gte, wird uns noch einige Jahre erhalten bleiben. Mindestens bis 2011 ist dieser Joseph S. Blatter (71) nun PrÃ¤sident des FuÃŸball-Weltverbandes <a
target="_blank" href="http://www.fifa.com">Fifa</a>. Man darf momentan davon ausgehen, dass er dann eine weitere Amtsperiode dran hÃ¤ngt. Bis 2015 also. Im Interview mit ard.de (<a
target="_blank" href="http://sport.ard.de/sp/fussball/news200706/01/interview_weinreich.jhtml">&#8220;Blatter hat alle abgestraft&#8221;</a>) habe ich versucht, einige Antworten auf das PhÃ¤nomen Blatter zu geben. Mein aktueller Bericht Ã¼ber die Fifa-KrÃ¶nungsfeierlichkeiten imÂ ZÃ¼rcher Hallenstadion fÃ¼r die <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0601/sport/0004/index.html">Berliner Zeitung</a>:<br
/> <span
id="more-61"></span></p><p>ZÃœRICH. Es wird schon noch was mit dem Friedensnobelpreis, keine Frage. Joseph Blatter, der 71 Jahre alte Schweizer Fex aus dem Bergdorf Visp, tritt nun seine dritte Amtszeit als PrÃ¤sident des FuÃŸball-Weltverbandes (Fifa) an. Er bleibt einer der mÃ¤chtigsten SportfÃ¼rsten der Welt. In seine nÃ¤chste Amtsperiode fÃ¤llt auch die WM 2010 in SÃ¼dafrika, fÃ¼r die sich Blatter am Donnerstag auf dem 57. Fifa-Kongress wieder mÃ¤chtig ins Zeug warf. â€žEs gibt einen Plan A und es gibt einen Plan Bâ€œ, sagte Blatter. â€žAber ich mÃ¶chte sagen, dass wir auch im Plan B nur von einem ausgehen: SÃ¼dafrika, SÃ¼dafrika, SÃ¼dafrika!â€œ Und schon schmetterten die Fanfaren, wie mehrfach an diesem Tage.</p><p>Die Fifa hat sich im Hallenstadion von ZÃ¼rich einen neuen Slogan gegeben. HieÃŸ es bisher immer â€žFor the Good of the Gameâ€œ (Dem FuÃŸball zuliebe), so gehen die Gutmenschen von der Fifa nun in die Offensive und geben sich nicht mehr nur mit dem Treiben auf SportplÃ¤tzen ab. <a
target="_blank" href="http://fifa.com/aboutfifa/federation/releases/newsid=529894.html#for+game+world+new+fifa+slogan+brings+social+responsibility+fore">â€žFor the Game. For the Worldâ€?</a>, lautet das neue Motto der FÃ©dÃ©ration Internationale de Football Association. FÃ¼r die Welt, darunter machen sie es nicht. â€žGefÃ¤llt ihnen das?â€œ rief Blatter den Vertretern von 207 NationalverbÃ¤nden zu. â€žIch sage ihnen: LÃ¤cheln sie! FÃ¼r das Spiel! FÃ¼r die Welt!â€œ Prasselnder Applaus. â€žDanke!â€œ</p><p>So ging das den ganzen Tag. Es gab keine Spielverderber. Als um 14.04 Uhr Tagesordnungspunkt 15 an der Reihe war, die Wahl des PrÃ¤sidenten, verlieÃŸ Blatter theatralisch den Saal. Es trat auf: Don Julio Grondona, erster Fifa-VizeprÃ¤sident, ein notorischer GeschÃ¤ftemacher aus Argentinien. Grondona nuschelte etwas ins Mikrofon und brachte mit MÃ¼he zusammen, was eh schon alle wussten: Freunde, es gibt nur einen perfekt geeigneten Kandidaten. Den sollten wir auch wieder zum Boss kÃ¼ren. So geschah es. Beifall, Applaus, und die einzige Ãœberraschung des Tages bestand darin, dass der listige kleine FuÃŸball-CÃ¤sar um 14.07 Uhr nicht aus dem TÃ¼rchen wieder herein flutschte, durch das er die Arena verlassen hatte, sondern durch eine Pforte auf der anderen Seite. Ergriffen teilte er mit: â€žJa, ich nehme die Wahl an.â€œ Alsdann Ã¼berreichten ihm Kinder einen kolossalen Globus. Welch ein Symbol: Sepp schultert die Last der Welt.</p><p><img
src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2007/06/sepp-globus-20071.JPG" alt="Einer trage des anderen Last: Ein Globus fÃ¼r Sepp, den Weltverbesserer" /></p><p>GÃ¶tzen wie Erich Honecker oder Leonid Breshnew lieÃŸen frÃ¼her Passagen vom â€žlang anhaltenden Beifallâ€œ, bei dem sich â€ždie Delegierten von ihren PlÃ¤tzen erhobenâ€œ oder vom â€žlang anhaltenden Beifall mit Hurra-Rufenâ€œ ins Protokoll stanzen. Blatters Hofstaat mÃ¼sste die Wahrheit Ã¼ber die MaÃŸen beugen, wenn behauptet werden wÃ¼rde, es hÃ¤tte in ZÃ¼rich Ovationen gegeben. Es blieb merkwÃ¼rdig ruhig im Saal. Blatter, der fÃ¼r Stimmungen ein unvergleichliches NÃ¤schen hat, wird es registriert haben, schlieÃŸlich hatte er zuvor auch manches Gegenstimmchen gÃ¶nnerhaft gerÃ¼gt, etwa bei der Verabschiedung des Finanzreports (201:1) oder des neuen Finanzplans (200:1). â€žDa gibt es immer noch eine Gegenstimme! Egal, das ist ja hier eine demokratische Abstimmung.â€œ Gewiss.</p><p>FÃ¼r das Diskussionsniveau dieser Weihestunde darf der Auftritt des asiatischen KonfÃ¶derationsprÃ¤sidenten Mohamed Bin Hammam als prÃ¤chtiges Beispiel gelten. Der Katari referierte Ã¼ber die Arbeit der von ihm geleiteten Entwicklungshilfe-Kommission. In diesem Goal-Programm sind bisher 300 Projekte in 190 LÃ¤ndern verwirklicht worden. â€žLiebe Freunde, glauben sie nicht, dass wir noch einmal dem SchÃ¶pfer dieses Vorhabens Danke sagen sollten?â€œ, flÃ¶tete Bin Hammam. Beifall. Bin Hammam zu Blatter: â€žLieber PrÃ¤sident, wir danken ihnen!â€œ Und zu den Delegierten: â€žSollen wir dieses Programm weiterfÃ¼hren?â€œ Beifall. â€žIch danke ihnen, Herr PrÃ¤sident, dass sie uns diese Vision gegeben haben.â€œ</p><p>Blatter bemÃ¼hte sich herzhaft, das Bild von einer Herde friedlicher Fifa-SchÃ¤fchen zu zeichnen, die von der garstigen AuÃŸenwelt bedroht werde. â€žWir mÃ¼ssen die Werte des FuÃŸballs verteidigen gegen die Teufel, die es gibtâ€œ, rief er. â€žWenn wir gegen die DÃ¤monen kÃ¤mpfen, mÃ¼ssen wir unsere eigenen Gesetze durchsetzen und nicht darauf warten, bis uns fremde Gerichte sagen, wo es lang geht.â€œ Als Teufelswerk bezeichnete er â€žDoping, Korruption und Rassismusâ€œ. Und weil er gleich so schÃ¶n in Fahrt war, warf er dem Schotten John McBeth, der ihn als Trickser und Schlitzohr bezeichnet hatte, Rassismus vor. â€žGlÃ¼ckwunsch an die vier britischen VerbÃ¤nde fÃ¼r ihren Entschluss, eines ihrer Mitglieder zu ersetzen, das die Karibik angegriffen hat, das Afrika angegriffen hat mit verleumderischen, rassistischen Ã„uÃŸerungen. Das entspricht nicht unserer Ethik.â€œ</p><p>Wie es um die Ethik der Fifa bestellt ist, lÃ¤sst sich Ã¼berzeugend an der gerichtlichen Auseinandersetzung um die SponsorenvertrÃ¤ge mit den Kreditkartenmultis Visa und Mastercard nachweisen. Mit beiden hatte die Fifa VertrÃ¤ge geschlossen â€“ irgendwie blÃ¶d. Das fanden die Konzerne auch, der Fall ist vor einem New Yorker Gericht anhÃ¤ngig, und in den Gerichtsakten findet sich eine Fifa-interne Mail, in der gefragt wird, wie man es so aussehen lassen kann, als hÃ¤tte die Fifa noch einen Funken von GeschÃ¤ftsethik. Derzeit entgehen der Fifa knapp zwei Millionen Dollar Einnahmen aufgrund von eklatanten Managementfehlern und systemimmanenten Wahrnehmungsverzerrungen. Blatter erklÃ¤rte seinem VÃ¶lkchen dazu nur: â€žEs wird uns etwas kosten. Aber es wird sie Ã¼berhaupt nichts kosten.â€œ Was denn nun? â€žSie mÃ¼ssen nichts aus der eigenen Tasche zahlen. Wir werden es woanders wieder reinholen. Wer kann da Besseres bieten?â€œ</p><p>Blatter predigte zwei seiner Lieblingsvokabeln: Hoffnung und Liebe. Mehrfach rief er aus: â€žEs geht um Hoffnung und Liebe!â€œ Seine FuÃŸballfamilie, seine BrÃ¼der und Schwestern, sollten kÃ¼nftig mehr Intellekt und Herz einbringen in diese bÃ¶se Welt. â€žDer FuÃŸball ist oft Opfer, er wird zur Geisel gemacht von Vertretern eines bestimmten Milieus.â€œ Und natÃ¼rlich von den, wie er es formulierte, â€žniedertrÃ¤chtigen Medienâ€œ. Aber auch das kriegt er noch in den Griff, ganz gewiss. Er muss nur ganz fest dran glauben im Banne der DÃ¤monen.</p><p><small>Und noch zweimal zum Blatter-Sepp:</small></p><p>30. Mai 2007: <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0530/sport/0004/index.html">KrÃ¶nung in einer sonderbaren Welt</a></p><p>31. Mai 2007: <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0531/sport/0019/index.html">Kostprobe des Weltverbesserers</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/05/31/sepp-im-banne-der-damonen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> <item><title>Kartell der Schande</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/05/24/kartell-der-schande/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/05/24/kartell-der-schande/#comments</comments> <pubDate>Thu, 24 May 2007 08:34:55 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[journalismus]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=122</guid> <description><![CDATA[War das DopinggestÃ¤ndnis des ehemaligen Radprofis Bert Dietz wichtig? NatÃ¼rlich. Hat es die Dopingdiskussion auf ein neues Niveau gehoben? Keinesfalls. War es das erste GestÃ¤ndnis dieser Art? Ganz und gar nicht. Es gibt kein Argument, das in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht lÃ¤ngst entwickelt worden wÃ¤re. Nur wurde kaum gehandelt. Wer jetzt so tut, als [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>War das DopinggestÃ¤ndnis des ehemaligen Radprofis Bert Dietz wichtig? NatÃ¼rlich. Hat es die Dopingdiskussion auf ein neues Niveau gehoben? Keinesfalls. War es das erste GestÃ¤ndnis dieser Art? Ganz und gar nicht. Es gibt kein Argument, das in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht lÃ¤ngst entwickelt worden wÃ¤re. Nur wurde kaum gehandelt. Wer jetzt so tut, als rolle er die Sache politisch auf, macht sich lÃ¤cherlich. Doping hatte immer eine politische Dimension, weil der Hochleistungssport, in allen Systemen, jÃ¤hrlich mit Milliarden aus Steuermitteln alimentiert wird. Es mag Unterschiede zwischen dem DDR-Dopingstaatsplan 14.25 und der Freiburger Schule geben, doch diese Differenzen sind marginal. Es bleibt ein System von LÃ¼ge und Schande.</p><p>Ãœber die Gefahren des Dopings ist genug gesagt. Wer Augen hat zum Sehen, wer einen Kopf hat zum Denken, wer die RealitÃ¤t nicht ausblendet wie ein Parteibonze, der weiÃŸ von den Gefahren. Nur ein Beispiel, wohin Blutdoping fÃ¼hrt: Radprofis verenden elendig, ihr Blut verklumpt, das Herz hÃ¶rt irgendwann auf zu schlagen. Und weil die Doper die Drangsale kennen, stellen sie sich nachts alle zwei Stunden den Wecker, um sich Insulinspritzen zu setzen oder Tabletten zu schlucken, die bewirken sollen, dass das Blut nicht aufhÃ¶rt zu flieÃŸen. Diese Art des Sports ist ein Massaker. Suizid ist zwar nicht strafbar, wenn aber andere Menschen Sportler dopen, dann ist das ein Verbrechen. Es dÃ¼rfte kein Cent aus Ã¶ffentlichen Mitteln in diesen kriminellen Kreislauf flieÃŸen. In Deutschland findet sich indes keine politische Mehrheit fÃ¼r ein echtes Antidopinggesetz, niemand bestraft einen Sportverband mit Entzug der FÃ¶rderung. Sportminister, die sonst gern vorbeugend tÃ¤tig werden und BÃ¼rgerrechte auÃŸer Kraft setzen, mutieren auf EhrentribÃ¼nen zu Vereins-Maskottchen. Wem das zu scharf ist, der will die Wahrheit beugen oder hat nichts begriffen. Er sollte einen Arzt seines Vertrauens aufsuchen, aber besser keinen Freiburger Mediziner.</p><p>Um die SchÃ¤dlichkeit des Dopings aber soll es diesmal nicht gehen, man will sich ja nicht jedes Mal wiederholen. Reden wir also Ã¼ber einen vernachlÃ¤ssigten Aspekt des systemimmanenten Dopings, reden wir Ã¼ber: die Rolle von Journalisten. Denn, so viel Ehrlichkeit muss sein, es waren und sind ja nicht nur die Doper und SportfunktionÃ¤re, die Mediziner und Sportpolitiker, die Sponsoren und Sportwissenschaftler, die ein flÃ¤chendeckendes Dopingsystem installierten &#8211; ob nun aktiv oder durch ihr Schweigen, durch LÃ¼gen, Leugnen, Nichtstun, Feigheit, Dummheit und andere Korruptionsformen. An dieser Koalition der Schande haben auch Journalisten einen gehÃ¶rigen Anteil.</p><p>Es ist bezeichnend, dass manche Redakteure das Thema erst jetzt fÃ¼r schlagzeilentrÃ¤chtig erachten, da es in einer Boulevardsendung des ehemaligen Journalisten Reinhold Beckmann gelaufen ist. Das sagt viel Ã¼ber diese Branche, die sich dem Augenblickseffekt verschreibt und nicht den Inhalten. Es wird gerade wieder viel exklusives Nichts produziert. Doch vielen, die jetzt als vermeintliche Experten hektisch befragt werden, fehlt es an Fachwissen. Andere haben in der Vergangenheit, jeder an seiner Stelle, zÃ¼nftig zur VerschÃ¤rfung des Dilemmas beigetragen.</p><p>VerdÃ¤chtig oft hÃ¶rt man derzeit den Satz: &#8220;Wir haben es ja schon immer gewusst.&#8221; Doch wer bitteschÃ¶n hat dieses angebliche Wissen je artikuliert? Es waren wenige. Und es sind nicht diejenigen, die jetzt behaupten, es schon immer gewusst zu haben. Wer Ã¼ber Jahre versucht hat, der Wahrheit nÃ¤her zu kommen, hat es jetzt nicht nÃ¶tig, sich zu verteidigen. Die Mehrzahl hat gejubelt, und sie hat diejenigen, die Fragen stellten, bekÃ¤mpft, teilweise mit brutalen Mitteln.</p><p>Das aktuellste Beispiel dafÃ¼r ist Hans-Joachim Seppelt, jener Mann, der hinter den ARD-DopingenthÃ¼llungen steckt, obwohl er doch vor einem Jahr aus dem Senderverbund vergrault werden sollte. Die perfide Kampagne, vom damaligen Sportkoordinator Hagen BoÃŸdorf betrieben, scheiterte, weil sie Ã¶ffentlich wurde. Am Ende musste der Ullrich-Biograf, Telekom-Nebenverdienstler, Tour-de-France-SchÃ¶nredner und Stasi-ZutrÃ¤ger BoÃŸdorf die ARD verlassen und Seppelt wurde mit Journalistenpreisen Ã¼berhÃ¤uft. Seither ist der Reporter das personifizierte schlechte Gewissen der Ã–ffentlich-Rechtlichen. Er hat endlich die FreirÃ¤ume, die guter Journalismus braucht, und er nutzt sie mit erstklassigen BeitrÃ¤gen. Dass Bert Dietz ausgerechnet bei Beckmann ausgepackt und dafÃ¼r wohl auch eine Menge Geld kassiert hat, ist allerdings absurd. Aber so ist das Leben. Man kann nicht alles haben.</p><p><small>(c) Berliner Zeitung, 24. Mai 2007, Leitartikel</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/05/24/kartell-der-schande/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>2</slash:comments> </item> <item><title>Im LÃ¼genland</title><link>http://www.jensweinreich.de/2007/04/07/im-lugenland/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2007/04/07/im-lugenland/#comments</comments> <pubDate>Sat, 07 Apr 2007 14:29:30 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[texte]]></category> <category><![CDATA[armin klÃ¼mper]]></category> <category><![CDATA[birgit dressel]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=55</guid> <description><![CDATA[Die Dokumente zum Tod von Birgit Dressel sollten PflichtlektÃ¼re in deutschen Schulen sein, wenigstens an den so genannten Eliteschulen des Sports. Wahrhaftiger lassen sich die Gefahren des ungebremsten Leistungsstrebens nicht beschreiben. Die Details Ã¼ber den qualvollen Tod einer 26-JÃ¤hrigen lassen den Atem stocken, sie rÃ¼hren zu TrÃ¤nen. &#8220;Es sind Dokumente des Schreckens&#8221;, bilanzierte das Nachrichtenmagazin [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Dokumente zum Tod von <a
target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Birgit_Dressel">Birgit Dressel</a> sollten PflichtlektÃ¼re in deutschen Schulen sein, wenigstens an den so genannten Eliteschulen des Sports. Wahrhaftiger lassen sich die Gefahren des ungebremsten Leistungsstrebens nicht beschreiben. Die Details Ã¼ber den qualvollen Tod einer 26-JÃ¤hrigen lassen den Atem stocken, sie rÃ¼hren zu TrÃ¤nen. &#8220;Es sind Dokumente des Schreckens&#8221;, bilanzierte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schon vor zwanzig Jahren: Birgit Dressel, von ihrem Arzt Armin KlÃ¼mper als &#8220;in hÃ¶chstem MaÃŸe gesund&#8221; bezeichnet, &#8220;war in Wahrheit eine chronisch kranke, mit Hunderten von Arzneimitteln voll gepumpte junge Frau. Der Sport hatte sie lÃ¤ngst zum KrÃ¼ppel gemacht, ihre Gelenke zerstÃ¶rt, die inneren Organe vor der Zeit zerschlissen.&#8221;</p><p>Es gibt im Fall Birgit Dressel nichts zu beschÃ¶nigen, nichts zu relativieren, nichts zu verharmlosen, nichts zu verteidigen. Manchmal muss es ein Dogma sein: Wer dopt, betrÃ¼gt nicht nur, er spielt mit seinem Leben. Wer andere dopt, ob als Arzt oder Trainer, spielt mit dem Leben seiner Schutzbefohlenen â€“ er bewegt sich an der Schwelle zum Kapitalverbrechen.<br
/> <span
id="more-55"></span></p><p>In Deutschland aber gibt es nach wie vor kein veritables Antidopinggesetz. In Deutschland werden Verfahren eingestellt, wie das zum Tod von Birgit Dressel. Dr. Frankenstein alias Armin KlÃ¼mper hat nach Dressels Tod noch viele Athleten betreut â€“ Europameister, Weltmeister, Olympiasieger, Ostdeutsche, Westdeutsche. Dressels ehemaliger Coach und LebensgefÃ¤hrte Thomas Kohlbacher wirkt weiter als Trainer und bekleidet im Leichtathletik-Verband Rheinhessen die Position eines Lehrwarts. Lehrwart fÃ¼r was eigentlich?</p><p>Man kÃ¶nne &#8220;heutzutage alles injizieren und einnehmen, weil alles reversibel ist&#8221;, hat Birgit Dressel einmal gesagt. Irgendjemand hat ihr diesen strÃ¤flichen Unsinn erzÃ¤hlt. <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/.bin/_print.php/berliner-zeitung/print/sport/643700.html">Der Tod ist irreversibel.</a> Und heute, zwanzig Jahre danach, wenige Tage nachdem bewiesen wurde, dass ein deutscher Radrennfahrer und LÃ¼gner einige Liter Blut bei einem Dopingarzt in Spanien lagern lieÃŸ, muss man fragen: Was hat der deutsche Sport aus dem Tod Birgit Dressels gelernt? Hat er Ã¼berhaupt etwas gelernt aus diesem und anderen TodesfÃ¤llen diesseits und jenseits der einstigen Zonengrenze?</p><p>Im Prinzip ist die Antwort gegeben. Die Namen KlÃ¼mper und Kohlbacher sind nur Synonyme, sie lassen sich getrost durch andere Namen ersetzen. Das Â Sportsystem ist von der Basis bis zu seinen Sportministern tendenziell bereit, TÃ¤tern zu vergeben. Das System verzeiht nur nie seinen Kritikern.</p><p>Die Staatsdoper des Ostens schlachten den Tod der SiebenkÃ¤mpferin bis heute fÃ¼r ihre Interessen aus. &#8220;Das wÃ¤re bei uns nicht passiert&#8221;, heiÃŸt es, &#8220;dafÃ¼r haben wir das Doping viel zu gut kontrolliert.&#8221; Es ist eine menschenverachtende Argumentation und zudem nicht durch Tatsachen gedeckt. Wie man es dreht und wendet: Am Fall Birgit Dressel offenbart sich eine typisch deutsche, eine ostwestdeutsche Krankheit, die man von der Aufarbeitung des Dritten Reiches kennt und von der Aufarbeitung der Diktatur des Proletariats. Die Symptome dieser Krankheit sind LÃ¼gen, Leugnen, Feigheit und Verantwortungslosigkeit.</p><p>Â© <a
target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/.bin/_print.php/berliner-zeitung/print/sport/643420.html"><small>Berliner Zeitung</small></a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2007/04/07/im-lugenland/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
