<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss
version="2.0"
xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
> <channel><title>jens weinreich &#187; skisport</title> <atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/skisport/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.jensweinreich.de</link> <description>don&#039;t mix politics with games</description> <lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 22:16:51 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>Wiener Blut</title><link>http://www.jensweinreich.de/2008/01/20/wiener-blut/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2008/01/20/wiener-blut/#comments</comments> <pubDate>Sun, 20 Jan 2008 20:46:07 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[ard]]></category> <category><![CDATA[biathlon]]></category> <category><![CDATA[doping]]></category> <category><![CDATA[dsv]]></category> <category><![CDATA[humanplasma]]></category> <category><![CDATA[journalismus]]></category> <category><![CDATA[skisport]]></category> <category><![CDATA[österreich]]></category> <category><![CDATA[blutdoping]]></category> <category><![CDATA[deutscher ski-verband]]></category> <category><![CDATA[deutschlandfunk]]></category> <category><![CDATA[dieter hennig]]></category> <category><![CDATA[dopingredaktion]]></category> <category><![CDATA[dpa]]></category> <category><![CDATA[hajo seppelt]]></category> <category><![CDATA[hans leyendecker]]></category> <category><![CDATA[herbert fischer-solms]]></category> <category><![CDATA[johann mühlegg]]></category> <category><![CDATA[kai gniffke]]></category> <category><![CDATA[klaus-jürgen alde]]></category> <category><![CDATA[mdr]]></category> <category><![CDATA[michael antwerpes]]></category> <category><![CDATA[salt lake city 2002]]></category> <category><![CDATA[süddeutsche zeitung]]></category> <category><![CDATA[sportinformationsdienst]]></category> <category><![CDATA[sportjournalismus]]></category> <category><![CDATA[sportnetzwerk]]></category> <category><![CDATA[swr]]></category> <category><![CDATA[tagesschau]]></category> <category><![CDATA[thomas kistner]]></category> <category><![CDATA[wdr]]></category> <category><![CDATA[wiener blutbank]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=97</guid> <description><![CDATA[Die ARD, zwangsgebühren- finanzierter Kuschelsender, zeigte gestern Abend ausnahmsweise nicht Rummelboxen, sondern: Star-Biathlon mit Jörg Pilawa und Axel Schulz (screenshot). Gewitzelt wurde auch über Doping, natürlich: Etwa, als sich Pilawa &#8211; begleitet von Klängen der Tatort-Musik &#8211; auf die Spur seiner Promis machte und Johann Lafer dabei ertappte, wie er sich &#8220;unangekündigt, ohne sich abzumelden&#8221; [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><img
src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/schulz-starbiathlon-ard-19012008.jpg" alt="schulz-starbiathlon-ard-19012008.jpg" vspace="5" align="right" />Die ARD, zwangsgebühren-<br
/> finanzierter Kuschelsender, zeigte gestern Abend ausnahmsweise nicht Rummelboxen, sondern: <a
href="http://www.daserste.de/programm/tvtipp.asp?datum=19.01.2008" target="_blank">Star-Biathlon</a> mit Jörg Pilawa und Axel Schulz (screenshot). Gewitzelt wurde auch über Doping, natürlich: Etwa, als sich Pilawa &#8211; begleitet von Klängen der Tatort-Musik &#8211; auf die Spur seiner Promis machte und Johann Lafer dabei ertappte, wie er sich &#8220;unangekündigt, ohne sich abzumelden&#8221; aus dem Trainingscamp entfernte. Skandal! Lustig! Öffentlich-rechtlich! Star-Biathlon: dämlicher, armseliger und entlarvender hätte die ARD-Woche wirklich nicht enden können.</p><p>Das primäre Thema der Woche, das leider etwas in Vergessenheit geriet, hieß ja eigentlich: Eigenblutdoping. Ich lasse mal außer Acht, welche prominenten Sportler, welche deutschen Olympiasieger womöglich, sich an Wiener und anderen Blutbanken bedient haben könnten. Man hört so einiges, aber man darf es nicht schreiben und auch nicht senden. Schon sind wir mitten im sekundären Thema, das in dieser Woche zum primären Thema wurde:</p><p>Wenn Journalisten, die Fragen stellen und versuchen zu recherchieren &#8211; es soll ja solche Journalisten geben -, immer gleich alles schreiben oder senden würden, was sie so hören, dann hätten wir viele Skandale mehr. Kurzzeit-Skandälchen allerdings, denn diese Journalisten würden fast alle Gerichtsgänge verlieren.</p><p><small>Disclosure: Ich habe schon Gegendarstellungen kassiert und Unterlassungserklärungen abgeben müssen. Für dumme Fehler und für lächerliche Kleinigkeiten, deren Wertung im Ermessen der Presse-Richter liegt. Ich habe erlebt, dass Richter mir nicht einmal Fragen stellen, weil sie nicht interessiert sind an den wirklichen Sachverhalten, sondern weil sie tendenziell doch eher auf der Seite der Angegriffenen stehen. Ich weiß wie es ist, wenn man eigentlich vieles weiß, wenn einem Betroffene auch im vertraulichen Gesrpäch dieses und jenes bestätigen, aber gleichzeitig sagen, dass sie öffentlich alles abstreiten würden. Es bringt allerdings nichts, dagegen anzujammern, man muss die Niederlage einstecken und sich bemühen, genau das dokumentieren zu können, was strittig war oder was man vor Gericht noch nicht hundertprozentig dokumentieren konnte.</small></p><p>Nach dieser langen Vorrede werde ich konkreter: Wer nicht dokumentieren kann, dass angeblich Dutzende deutsche Wintersportler zu den Kunden einer Wiener Blutbank zählen, der sollte daraus <a
href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/sport/717482.html" target="_blank">keine Exklusivmeldung basteln</a>, sondern einfach mal schweigen &#8211; und weiter recherchieren. Das wäre die journalistisch saubere Lösung gewesen. Dann hätte es die Irrungen und Wirrungen dieser Woche nicht gegeben, die künftige investigative Arbeit im Sport und erst recht die Aufklärung der Wiener Blutbank-Affäre erschweren.<span
id="more-97"></span></p><p>Ich habe die Arbeit von <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hajo_Seppelt" target="_blank">Hans-Joachim Seppelt</a>, der sich erfolgreich gegen <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_Bo%C3%9Fdorf" target="_blank">Hagen Boßdorf</a> gewehrt hat und zeitweise im <a
href="http://www.sportnetzwerk.eu/wp-content/uploads/Offener-Brief-VDS-21012006.pdf" target="_blank"><strong>sportnetzwerk</strong></a> engagiert ist, immer geschätzt. Gerade deshalb, weil wir uns im sportnetzwerk, das ich mit gegründet habe, einer &#8220;Qualitätsoffensive im Sportjournalismus&#8221; verschrieben haben, muss ich diesen Text schreiben. Ich finde, wir können nicht immer nur die anderen kritisieren, all &#8220;die Fans, die es über die Absperrung geschafft haben&#8221; (das Copyright auf diese Formulierung hält übrigens Thomas Kistner), und bei eigenen Fehlleistungen schweigen. So einfach ist das. Und doch so schwer. Aber es muss sein, zumal das sportnetzwerk für Mitte Februar eine <a
href="http://sportnetzwerk.eu/?page_id=74" target="_blank">Sportjournalismus-Konferenz</a> vorbereitet. Hajo Seppelt wird diese Kritik verschmerzen.</p><p>Wenn ich dann in der FAZ am Freitag einen Text unter der Überschrift &#8220;Doping-Opfer&#8221; lesen muss, trifft das die Tatsachen nicht ganz.</p><p>Der Fall wird ja bei <a
href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1657">Indiskretion Ehrensache</a>, alles außer sport (<a
href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/01/17/ard-you-got-a-problem/">&#8220;ARD, you got a problem&#8221;</a>), im Blog von Tagesschau-Chef <a
href="http://blog.tagesschau.de/?p=945#more-945" target="_blank">Kai Gniffke</a> und anderswo heiß diskutiert. Mein Freund und Kollege Herbert Fischer-Solms hat dazu gestern im Deutschlandfunk, im Magazin Markt und Medien, ein, wie ich finde, überzeugendes Interview gegeben:</p><p><a
href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/01/19/dlf_20080119_1705_bbe94a4b.mp3" target="_blank">Hören!</a></p><p>Auch Hans Leyendecker hat sich soeben dazu geäußert, in der SZ vom Montag: <a
href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/885/153492/3/" target="_blank">&#8220;Volle Kraft im eigenen Saft&#8221;</a>. Er meint:</p><blockquote><p>Handwerklich ist Seppelt vorzuwerfen, dass er sich von der Konkurrenz des Wiener Blattes <em>Kurier</em> treiben ließ, dessen Doping-Berichterstattung er toppen wollte und deshalb eine Agenturmeldung zu früh auf den Weg brachte. Aber es passiert Tag für Tag Schlimmeres in der ARD und anderswo. Nach den Kriterien der Verdachtsberichterstattung, die ein aus dem Artikel 5 des Grundgesetzes abgeleitetes Privileg der Medien ist, war seine Berichterstattung zulässig. Es bestand ein besonderes öffentliches Interesse, es gab einen Mindestbestand an Beweistatsachen, und die verdächtigen Athleten konnten aus dem Gemeldeten nicht identifiziert werden. Warum also stöhnt die ARD ausgerechnet bei einem wie Seppelt Mea culpa? Der Verdacht liegt nahe, dass man so einen, der im Schlamm wühlt, für ein Schmuddelkind hält. Man schmückt sich mit den Enthüllern, aber man misstraut ihnen. Kritischer Sportjournalismus lässt den üblichen Betrieb ahnen, dass er nur Teil der Unterhaltungsindustrie ist. Da beschädigt einer die Ware Sport, ist nicht teamfähig, krankhaft investigativ.</p></blockquote><p>Ich finde, man kann Hajo Seppelt nicht aus der Verantwortung nehmen. Er hat das Problem verursacht. Die Wiener-Blut-Seppelt-ARD-Dopingbeschuldigungs-Affäre ist allerdings ein überaus vielschichtiger Medienskandal. Kaum einer der Betroffenen, am ehesten noch die Deutsche Presse-Agentur (dpa), hatte die Größe, seine Fehler zu dokumentieren. Dabei handelt es sich hier um eine ganze Fehlerkette. Anders gesagt: Das System ist der Fehler.</p><p>Dieses komplexe Beispiel korrespondiert übrigens sehr schön mit meiner These, dass sich die herkömmlichen Medien, die doch stets behaupten, Qualitätsjournalismus gepachtet zu haben, auf Dauer überflüssig machen, wenn sie weiter so mit ihren Kunden umgehen.</p><p>Eine absolute Unsitte im deutschen Journalismus sind die so genannten Vorabmeldungen. Täglich werden die Nachrichtenagenturen mit einem Wust an exklusiven Nichtigkeiten belästigt. Was davon ausnahmsweise exklusiv, was aber nur nichtig ist, können Agenturjournalisten oft nicht unterscheiden. Zum Gegencheck fehlt meistens die Zeit, oft auch der Wille &#8211; und überhaupt das Verständnis. Hinzu kommen handwerkliche Mängel. So war das auch bei jener Eil-Meldung, die die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag unter Berufung auf ARD-Informationen hinausposaunte. Eine Meldung, die Sport-Deutschland elektrisierte:</p><p><strong>dpa, Dienstag, 15. Januar:</strong></p><blockquote><p>Eil ) ARD: 30 Sportler sollen Kunden von Wiener Blutbank sein<br
/> Wien (dpa) &#8211; Nach ARD-Informationen haben mindestens 30 Sportler die Dienste einer Blutbank in Wien in Anspruch genommen. Rund zwei Drittel der Athleten sollen nach dem Bericht des TV-Senders aus Deutschland kommen. Es solle sich um Sportler aus den Bereichen Biathlon und Skilanglauf handeln. Zum Teil sollen sie zur Weltspitze gehören. Das teilte die ARD am Dienstag mit. Auch prominente Radprofis stehen laut ARD unter Verdacht, in einem Labor in Wien Blutdoping betrieben zu haben.</p></blockquote><p>Die Information, die sowohl dpa als auch dem Sportinformationsdienst (sid) erhalten hatten, war diese:</p><blockquote><p>Nach Informationen der ARD stehen mehrere erfolgreiche Radfahrer unter Verdacht, in einem Labor in Wien Blutdoping betrieben zu haben. Es soll sich dabei um den langjährigen Profi des deutschen Gerolsteiner-Teams, den Österreicher Georg Totschnig, den Dänen Michael Rasmussen, den Niederländer Michael Boogerd und den Russen Denis Menchov handeln. Totschnig bestreitet die erhobenen Vorwürfe. Wie die ARD weiter erfuhr, sollen mindestens 30 Sportler die Dienste der Blutbank in Wien in Anspruch genommen haben. Rund zwei Drittel der Athleten stammten demnach aus Deutschland. Es handele sich um Sportler aus den Bereichen Biathlon und Skilanglauf, die zumindest zum Teil zur Weltspitze gehören.</p></blockquote><p>Andere Medien, wie der <a
href="http://kurier.at/sportundmotor/119903.php" target="_blank">Wiener Kurier</a> oder die Süddeutsche Zeitung, die in den Tagen zuvor die Blutbank-Affäre vorangetrieben hatten, verzichteten auf die Nennung von Namen, obgleich die ihnen auch bekannt waren. Sie verzichteten aus juristischen Gründen. Sie verzichteten auch auf exklusive Vorabmeldungen. Ob Hajo Seppelt seine Meldung am jenem Tag belegen konnte, kann nur er selbst beantworten.</p><p><span
style="text-decoration: line-through;">Übrigens, einen echten journalistischen Beitrag zum Thema hat es in der ARD am 15. Januar nicht gegeben</span> Es gab ein Interview mit Hajo Seppelt im Nachtmagazin, zuvor zwei variierte Meldungen in der Tagesschau um <a
href="http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts2438.html" target="_blank">16 Uhr</a> und um <a
href="http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts2442.html" target="_blank">20 Uhr</a>. In der Hauptsendung hieß es:</p><blockquote><p>Im Sport zeichnet sich ein neuer Doping-Skandal ab. Nach ARD-Informationen sollen insgesamt 30 Sportler in einer Wiener Blutbank illegale Bluttransfusionen bekommen haben. Laut ARD handelt es sich unter anderen um die Radprofis Rasmussen aus Dänemark und Totschnig aus Österreich. Rund 20 Sportler, Biathleten und Skilangläufer, sollen aus Deutschland kommen. Die beschuldigte Blutplasma-Firma wies die Vowürfe zurück. Auch der Deutsche Ski-Verband hat nach nach eigenen Angaben keinerlei Anhaltspunkte.</p></blockquote><p>Gänzlich absurd wird es, wenn sich Tagesschau-Chef <a
href="http://blog.tagesschau.de/?p=945#more-945" target="_blank">Gniffke</a> am 18. Januar so verteidigt:</p><blockquote><p>Ich habe mich schon sehr über die Aufregung heute gewundert, vor allem aus drei Gründen: 1. Wir waren weiß Gott nicht die ersten, die diese Information verbreitet haben. 2. Unsere Meldung war ordentlich formuliert und ließ auch die Gegenseite zu Wort kommen. 3. Wie wären die öffentlichen Reaktionen gewesen, wenn die Tagesschau die einzige Nachrichtensendung gewesen wäre, die dieses (ARD-) Thema verschweigt?</p></blockquote><p>Warum dann aber die exklusive Vorabmeldung, wenn die ARD-Jungs doch &#8220;weiß Gott nicht die ersten&#8221; waren?</p><p>Gniffke zitiert im weiteren einen Artikel von Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung vom 12. Januar (&#8220;Bluttanken an der Donau&#8221;/nicht frei online verfügbar) und fügt an:</p><blockquote><p>Die Tagesschau-Meldung drei Tage später hat lediglich die Zahlen nach unten verändert und die beiden Namen der Radprofis genannt. Damit hat sie eine dpa-Meldung aufgegriffen, die am Dienstag um 15.20 also 40 Minuten vor der ersten Erwähnung in der Tagesschau um 16.00 folgendes verbreitete: &#8220;Auch Biathleten und Ski-Langläufer sollen zu den etwa 30 Sportlern gehören, die in Wien Blut-Transfusionen bekommen haben sollen.&#8221;</p></blockquote><p>Sehr merkwürdig, diese Argumentation. Dass die dpa-Meldung wiederum auf einer Information von Hajo Seppelt (ARD) beruhte, erwähnt Gniffke nicht. Auch Hajo Seppelt beruft sich in einem Radio-Interview des WDR auf Artikel in der Süddeutschen (das Gespräch war online, wurde inzwischen aber offenbar gelöscht, ich habe es jedenfalls <a
href="http://sport.ard.de/sp/doping/" target="_blank">hier</a> nicht mehr gefunden).</p><p>Joachim Huber beschreibt dazu <a
href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Doping;art15532,2459000" target="_blank">&#8220;Das System ARD&#8221;</a> im Tagesspiegel vom 19. Januar:</p><blockquote><p>Jetzt muss die ARD-Dopingredaktion, angeführt von WDR-Sportchef Steffen Simon, Flagge zeigen; allen voran muss Hajo Seppelt, Urheber der umstrittenen Meldung, die vorschnelle Bekanntgabe einer längst nicht abgeschlossenen Recherche quasi ungeschehen machen, indem er seine Dopingvorwürfe für einzelne Sportler belegt. Also recherchiert Seppelt in Wien weiter, wie der WDR bestätigte. Der Journalist wird in der ARD zudem kritisiert, weil er die Tagesschau-Meldung offensichtlich weitgehend eigenmächtig an die Agenturen schickte, die sie dann – wie dpa – überspitzt verbreiteten. Seppelt hatte die Mitteilung laut mehrerer ARD-Verantwortlicher mit keiner Pressestelle des Senderverbunds abgestimmt, meldet epd, und über seine private E-Mail-Adresse verschickt. Grundlage war das Manuskript der Tagesschau-Meldung. Der WDR sprach von &#8216;einer Panne, die sich nicht wiederholen darf&#8217;.</p></blockquote><p>Tatsächlich hatte dpa aus einem Konjunktiv einen Indikativ gebastelt, also eine exklusive Vermutungs-Vermutung in ein Faktum verwandelt &#8211; und sich dafür drei Tage später entschuldigt.</p><p><strong>dpa, Freitag, 18. Januar, 13.53 Uhr:</strong></p><blockquote><p>Achtung) Bitte verwenden Sie die dpa 0622 (&#8220;ARD: 30 Sportler sollen Kunden von Wiener Blutbank sein&#8221;) vom 15. Januar nicht mehr. Die im ersten Satz gemachte Tatsachenbehauptung &#8220;Nach ARD-Informationen haben mindestens 30 Sportler die Dienste einer Blutbank in Wien in Anspruch genommen.&#8221; ist durch die Erklärung des ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt vom selben Tag nicht gedeckt. Darin war der Verdacht geäußert worden, dass mindestens 30 Sportler die Dienste der Blutbank in Anspruch genommen haben &#8220;sollen&#8221;.<br
/> Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen. Die entsprechende Meldung haben wir in unserer Datenbank sperren lassen.</p></blockquote><p>Die dpa hatte sich kurz zuvor für eine weitere Meldung entschuldigt.</p><p><strong>dpa, Freitag, 18. Januar, 8.56 Uhr und 10.13 Uhr:</strong></p><blockquote><p>KORR-Inland/Medien/Doping/Fernsehen/<br
/> (Berichtigung: Im 5. Absatz, 3. Zeile der dpa 0524 rpt 0524 vom 17.1. hat die dpa eine von dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt übermittelte Erklärung unzulässig verkürzt. Das Zitat hieß korrekt: &#8220;Wie die ARD weiter erfuhr, sollen mindestens 30 Sportler die Dienste der Blutbank in Wien in Anspruch genommen haben.&#8221; Das Wort &#8220;sollen&#8221; fehlte in der Zusammenfassung. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.)</p></blockquote><p>Und dann gab es noch eine, sagen wir: Pauschal-Entschuldigung für viele nicht ganz richtige Meldungen.</p><p><strong>dpa, Freitag, 18. Januar, 14.10 Uhr:</strong></p><blockquote><p>Doping-Vorwürfe: dpa bedauert Zuspitzung<br
/> Hamburg (dpa) &#8211; Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat sich am Freitag bei ihren Kunden für eine unzulässige Zuspitzung in der Berichterstattung über die Doping-Vorwürfe der ARD entschuldigt. dpa hatte in den vergangenen Tagen einige Male formuliert, dass nach den ARD-Informationen mindestens 30 Sportler die Dienste einer Blutbank &#8220;in Anspruch genommen haben&#8221;. In der Mitteilung des ARD- Dopingexperten Hajo Seppelt hatte es aber geheißen, es &#8220;sollen mindestens 30 Sportler die Dienste der Blutbank in Wien in Anspruch genommen haben&#8221;.</p></blockquote><p>Ooops. Zwischen all den nicht ganz korrekten Meldungen und den Entschuldigungen lagen allerdings viele andere Meldungen, die mit dem Titel &#8220;pawlowscher Reflex&#8221; ganz gut zu beschreiben wären. Denn wann immer deutsche Sporthelden kritisiert werden und in Misskredit geraten, löst das doch vor allem bei Agenturjournalisten (natürlich auch in den Sportredaktionen der Öffentlich-Rechtlichen, wie man gleich sehen wird) unweigerlich einen Beißreflex aus. Gebissen werden aber immer die Überbringer der schlechten Botschaften.</p><p>Soll heißen: Es wäre theoretisch ja denkbar gewesen, dass man alle Energie darauf konzentriert, zu recherchieren, was wirklich los ist in Wien und anderswo, wie man denn die insgesamt märchenhaften Steigerungen deutscher Langläufer in diesem Jahrtausend erklären könne, um nur ein Beispiel zu nennen. Doch so läuft das nicht im deutschen Sportjournalismus. Es läuft immer anders: Die Mehrheit konzentriert sich darauf, Dementis von Sportverbänden und Sportfürsten einzuholen. Das ist tragisch.</p><p>Am Dienstag kam die exklusive Vermutungs-Vermutung auf den Markt. Am Mittwoch waren jubeldeutsche Reporter vor allem mit Dementis beschäftigt, denn der deutsche Athlet ist ja grundsätzlich sauber. (Aber klar doch. <a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_M%C3%BChlegg" target="_blank">Johann Mühlegg</a> beispielsweise, der Dreifach-Olympiasieger-Doper von Salt Lake City war ja kein Deutscher, sondern Spanier.)</p><p><img
src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-sag-die-wahrheit.jpg" alt="antwerpes-sag-die-wahrheit.jpg" hspace="5" vspace="5" align="left" />Nun war die ARD ja in dem üblichen und wie üblich selbst verschuldeten Mehrfach-Dilemma, wie wir es schon beim Radsport beobachten konnten (Rechteinhaber, Sponsor, Berichterstatter, Organisator, Duzbruder etc. pp). Gerade hatte der Senderverbund dem Deutschen Skiverband (DSV), dessen Präsident Alfons Hörmann sich beim TV-Rechtepoker gehörig verzockte, mit einigen Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Ausgerechnet mit dem DSV, der die in Verdacht geratenen Sparten Langlauf und Biathlon betreut, ist man also geschäftlich verbandelt. Und ab Donnerstag war Weltcup-Biathlon in Antholz. Am Sonnabend dann Star-Biathlon. Also musste der Biathlon-Presenter <strong>Michael Antwerpes</strong>, Sportchef des SWR und Moderator der arg lustigen Show &#8220;Sag die Wahrheit&#8221;, ganz tapfer sein &#8211; und ganz mutig. Obwohl doch gleichzeitig Tagesschau-Chef <a
href="http://blog.tagesschau.de/?p=945#more-945" target="_blank">Gniffke</a> erklärte, man habe sich nichts vorzuwerfen, entschuldigte sich Antwerpes zu Beginn der Biathlon-Übertragungen in bisher nicht gekannter Art und Weise für eine &#8220;journalistische Fehlleistung&#8221;.</p><p>Herr Antwerpes im Original:</p><p><a
title="antwerpes-antholz1.mp3" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-antholz1.mp3">antwerpes-antholz1.mp3</a></p><p>&#8220;Sag die Wahrheit&#8221;? Ja, was denn nun? Erstaunlich an dieser bizarren Erklärung ist vieles. Dass Michael Antwerpes allerdings gerade beim Wort &#8220;Berufsauffassung&#8221; ins Schlingern geriet, verwundert nicht. Hören Sie ruhig nochmal hin, irgendwo zwischen Sekunde 21 und 22:</p><p><strong>B-e-r-u-f-s-a-u-f-s-f-a-s-s-u-n-g</strong> &#8211; wat&#8217; n dit?</p><p>Über dieses Dingsda, Berufsauffassung, wird weiter zu reden sein. Übrigens hatte Michael Antwerpes, wenn ich mich nicht irre, im vergangenen Jahr die Ehre, den merkwürdigen Tour-Ausstieg der ARD zu verkünden.</p><p>Unappetitlich und ähnlich entlarvend sind die Reaktionen anderer ARD-Reporter. Radiomann <strong>Klaus-Jürgen Alde</strong> (MDR) beispielsweise, der ehemalige Chef des DDR-Sportjournalistenverbandes, konnte seine Genugtuung über die öffentliche Rüge an Hajo Seppelt schwer verbergen. Er begann seine Reportage über das erfolgreiche Abschneiden deutscher Athleten bei den Biathlon-Rennen am Donnerstag so:</p><blockquote><p>Das war die richtige Antwort! Unbeeeindruckt von den pauschalen Dopingverdächtigungen zeigten sich die deutschen Biathletinnen beim Sprint-Weltcup in Antholz in Bestform &#8230;</p></blockquote><p><a
title="alde-antholz1.mp3" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/alde-antholz1.mp3">alde-antholz1.mp3</a></p><p>Klarer Fall: Der vermeintliche Journalist steht auf der Seite derjenigen, über die er kritisch zu berichten hat. Nichts Neues.</p><p>Auch andere konnten ihre Häme kaum verbergen. <strong><a
title="Der Sportinformationsdienst im Fegefeuer" href="http://jensweinreich.de/?p=397" target="_self">Dieter Hennig</a></strong> vom Sportinformationsdienst, ein Mann, der im Zweifel immer auf der Seite des Funktionärswesens steht. Er dichtete:</p><blockquote><p
align="left">Die deutschen Biathletinnen haben beim Weltcup in Antholz mit ihrem Doppelsieg wieder einen sportlichen Volltreffer gesetzt. Ganz im Gegensatz zur ARD, die zu Beginn ihrer Übertragung einräumen musste, zwei Tage zuvor bei ihren pauschalen Dopingverdächtigungen mit Platzpatronen geschossen zu haben. Es war eine eher beiläufige Entschuldigung, die man sich nicht ohne den Hinweis abrang, es auch künftig an Aufklärungsarbeit nicht fehlen lassen zu wollen. Da freilich sollte man gleich vor der eigenen Haustür anfangen und nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen, so als ob es sich um ein Kavaliersdelikt gehandelt hätte. Wie wäre es mit einem &#8216;Brennpunkt&#8217; nach der Tagesschau mit der gesamten Doping-Redaktion? Für die deutschen Winterjäger jedenfalls war es ein Tag der doppelten Genugtuung.</p></blockquote><p>Genugtuung war es für die Hennig-Aldes-Antwerpes dieser Welt natürlich auch.</p><p>Fortsetzung folgt, demnächst in diesem Theater. Denn eins ist wohl klar: Die Blutdoping-Affäre ist lange nicht beendet. Die Sache wird erst noch richtig spannend. Es darf recherchiert werden.</p><p>Und weil es gut passt, stelle ich zum Abschluss noch einen Beitrag zur Verfügung, den Hans Leyendecker für das sportnetzwerk-Buch <a
href="http://sportnetzwerk.eu/?page_id=14" target="_blank">&#8220;Korruption im Sport&#8221;</a> geschrieben hat: <strong><a
title="kis-leyendecker.pdf" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/kis-leyendecker.pdf">&#8220;Klebrige Nähe: Anmerkungen zur Korruption im modernen deutschen Sportjournalismus&#8221;</a></strong>.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/01/20/wiener-blut/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>454</slash:comments> <enclosure
url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/01/19/dlf_20080119_1705_bbe94a4b.mp3" length="2757632" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-antholz1.mp3" length="644074" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/alde-antholz1.mp3" length="649508" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/01/19/dlf_20080119_1705_bbe94a4b.mp3" length="2757632" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-antholz1.mp3" length="644074" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/alde-antholz1.mp3" length="649508" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/01/19/dlf_20080119_1705_bbe94a4b.mp3" length="2757632" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-antholz1.mp3" length="644074" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/alde-antholz1.mp3" length="649508" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/01/19/dlf_20080119_1705_bbe94a4b.mp3" length="2757632" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/antwerpes-antholz1.mp3" length="644074" type="audio/mpeg" /> <enclosure
url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/01/alde-antholz1.mp3" length="649508" type="audio/mpeg" /> </item> </channel> </rss>
