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	<title>jens weinreich &#187; peking-tagebuch</title>
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		<title>&#8220;Don&#8217;t mix politics with games&#8221;: Petition für Liu Xiaobo</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 00:39:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[dosb]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[liu xiaobo]]></category>
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		<description><![CDATA[Mir ist gerade so. Ich möchte flink mal daran erinnern, wem ich/wem wir den Titel dieses Blogs zu verdanken haben. Es sind ja doch einige Leser neu hinzu gekommen in den vergangenen anderthalb Jahren. Ich bedanke mich also einmal mehr beim Totaldemokraten Hu Jintao, der einst, am Vorabend der Olympischen Propagandaspiele 2008, ausgewählten Berichterstattern beschwingt [...]]]></description>
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<p>Mir ist gerade so. Ich möchte flink mal daran erinnern, wem ich/wem wir den Titel dieses Blogs zu verdanken haben. Es sind ja doch einige Leser neu hinzu gekommen in den vergangenen anderthalb Jahren. Ich bedanke mich also einmal mehr beim Totaldemokraten Hu Jintao, der einst, am Vorabend der Olympischen Propagandaspiele 2008, ausgewählten Berichterstattern beschwingt empfahl, <a title="Peking, Tag 2" href="http://jensweinreich.de/?p=368" target="_self">sie sollten mal bitteschön Sport nicht mit Politik vermengen und Politik nicht mit Sport und überhaupt</a>. Da gebe es keinen Zusammenhang, auch wenn es manchmal so scheint.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-370" title="China Daily, 2. August 2008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/china-daily-02082008.jpg" alt="" width="483" height="336" /></p>
<p>Mich hat Herrn Hus Rat überzeugt. Seitdem steht&#8217;s da oben:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Don&#8217;t mix politics with games!&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Ich versuche mich stets dran zu halten, auch <a title="Olympic Legacy: China und die Todesstrafe" href="http://jensweinreich.de/?p=3346" target="_self">wenn&#8217;s oft schwer fällt</a>.</p>
<p>Seit Weihnachten macht die Verurteilung des chinesischen Dissidenten <a title="Wikipedia: Liu Xiaobo" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liu_Xiaobo" target="_self">Liu Xiaobo</a> weltweit <a title="Google News" href="http://news.google.de/news/search?um=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=liu+xiaobo&amp;cf=all&amp;scoring=n" target="_self">Schlagzeilen</a>. Ein Jahr ist er bereits inhaftiert, nun wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt. Am 8. Dezember 2008, exakt vier Monate nach der olympischen Propagandashow, die am 8.08.2008 um acht Uhr acht begann, hat Liu Xiaobo mit rund 300 Intellektuellen die <strong><a title="Charta 08" href="http://www.rsf.org/IMG/pdf/Charter08-2.pdf" target="_blank">Charta 08</a></strong> veröffentlicht. Dafür kommt man im Sportwunderland China schon mal ein Jahrzehnt in den Knast.</p>
<ul>
<li>Reporters without Borders: <a title="www.rsf.org" href="http://www.rsf.org/spip.php?page=article&amp;id_article=35507" target="_blank">Eleven-year jail sentence for free speech activist Liu Xiaobo, court sneakily issues verdict on Christmas Day</a></li>
<li>Human Rights Watch: <a title="www.hrw.org" href="http://www.hrw.org/en/news/2009/12/21/china-liu-xiaobo-s-trial-travesty-justice" target="_blank">Liu Xiaobo’s Trial a Travesty of Justice</a></li>
<li>Amnesty International: <a title="www.amnesty.org" href="http://amnesty.org/en/library/asset/ASA17/030/2009/en/afcdf879-1090-4dcd-9b4d-1028970b1bcc/asa170302009eng.html" target="_blank">Fear of torture and other ill-treatment, Liu Xiaobo</a></li>
</ul>
<p>Michael Kleim, Stadtjugendpfarrer in Gera und ehemals in der DDR in der Initiative für Frieden und Menschenrechte aktiv, ist der Meinung, dass die Sportwelt sich den vielen Petitionen zur Freilassung von Liu Xiaobo anschließen solle. Kleim hat seine Sicht auf die Dinge kürzlich im <a title="Interview mit Michael Kleim" href="http://www.mediathek-thueringen.de/single-view-tv/?tx_ttnews[tt_news]=3221&amp;tx_ttnews[year]=2010&amp;tx_ttnews[month]=01&amp;tx_ttnews[day]=06&amp;cHash=642185f29d" target="_blank">Radio Lotte erläutert</a>.</p>
<p>Da ich überhaupt nicht daran glaube, dass Journalisten sich nicht mit guten Aktionen gemein machen sollten, hier ist sein Appell, der dieser Tage dem IOC und dem DOSB zugeht:</p>
<blockquote><p>Aufruf an die Sportwelt</p>
<p>Sehr geehrte Damen und Herren!</p>
<p>Für ein Land bedeutet es eine Ehre, Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein. Diese Ehre schließt die berechtigte Erwartung der Weltgemeinschaft ein, Grundstandards nicht nur im Bereich des Sports, sondern auch auf dem Gebiet der Menschenrechte zu erfüllen.</p>
<p>Die Zusage an China, die Olympiade im Jahr 2008 auszutragen, wurde von den internationalen Sportverbänden auch damit begründet, dass China dadurch motiviert wird, die Menschenrechtslage im eigenen Land zu verbessern.</p>
<p>Die Realität der Diktatur hat die Realität des Sportes längst eingeholt. Die weltweite Aufmerksam zu den Spielen 2008 hat letztlich der Legitimität einer brutalen und menschenverachtenden Politik gedient.</p>
<p>In einem beispiellosen Schauprozess wurde der bekannte chinesische Dissident Liu Xiaobo zu 11 Jahren Haft verurteilt. Liu Xiaobo hat sich im Internet für Demokratie und Meinungsfreiheit eingesetzt und ist Mitautor des politischen Aufrufes „Charta 08“.</p>
<p>Durch die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2008 sehen wir Vertreter des Sportes in einer besonderen Verantwortung. Dabei geht es hier nicht um eine allgemeine politische Streitfrage; sondern um die Wahrung von Menschlichkeit und elementaren Grundrechten.</p>
<p>Deshalb fordern wir alle Teilnehmer der Olympischen Spiele von 2008 auf, sich persönlich und direkt an die chinesische Führung zu wenden und sich für die bedingungslose Freilassung von Liu Xiaobo einzusetzen. Wir fordern alle Sportler, insbesondere die Medaillengewinner auf, jetzt nicht zu schweigen.</p>
<p>Wir fordern ebenso die Trainer, Sportfunktionäre und Nationalen Olympischen Komitees auf, sich diesem Schritt anzuschließen.</p>
<p>Wir bitten den Deutschen Olympischen Sportbund und das International Olympic Committee unser Anliegen zu unterstützen und diesen Brief an alle Nationalen Olympischen Komitees, an die Sportler und Trainer der Olympischen Spiele von Peking weiterzuleiten.</p>
<p>Hochachtungsvoll</p></blockquote>
<p>Michael Kleim erreicht man <a title="Email an Michael Kleim" href="mailto:stadtjugendpfarramt.gera@gmx.de" target="_blank">per Email</a>.</p>

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		<title>One year after: Peking 2008</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Aug 2009 13:10:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[was vom tage übrig bleibt]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Jubiläum der Olympischen Sommerspiele in China möchte ich daran erinnern, wem ich den Untertitel dieses Blogs zu verdanken habe. Es war Hu Jintao, Chinas Präsident, KP-Chef und Musterdemokrat, der damals ausgewählten Journalisten fröhlich zurief: &#8220;Don&#8217;t mix politics with Games!&#8221; Wer am Wochenende schmökern möchte, hier der Tag &#8220;peking 2008&#8221; mit allen Beiträgen, die ich [...]]]></description>
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<p>Zum Jubiläum der Olympischen Sommerspiele in China möchte ich daran erinnern, wem ich den Untertitel dieses Blogs zu verdanken habe. Es war Hu Jintao, Chinas Präsident, KP-Chef und Musterdemokrat, der damals ausgewählten Journalisten <a title="Peking, Tag 2" href="http://jensweinreich.de/?p=368" target="_self">fröhlich zurief</a>:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Don&#8217;t mix politics with Games!&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Wer am Wochenende schmökern möchte, hier der Tag &#8220;<a title="tag: Peking 2008" href="http://jensweinreich.de/?cat=91" target="_self">peking 2008</a>&#8221; mit allen Beiträgen, die ich darunter abgelegt habe (auch: &#8220;<a title="Olympic legacy: China und die Todesstrafe" href="http://jensweinreich.de/?p=3346" target="_self">Olympic legacy</a>&#8220;), müsste also auch das komplette <a title="tag: Peking-Tagebuch" href="http://jensweinreich.de/?cat=140" target="_self">Peking-Tagebuch</a> dabei sein. Manfred von Richthofen sagt in der Süddeutschen Zeitung: &#8220;Die Olympischen Spiele in Peking waren kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Sports&#8221;. Peking, ein Jahr danach: Ich empfehle einfach mal <a title="Google News Peking 2008" href="http://news.google.de/news?um=1&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=peking+2008&amp;cf=all&amp;scoring=n" target="_self">Google News</a> und natürlich die Seiten verschiedener NGOs, die ich oft genug verlinkt habe.</p>

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		<title>Da Dong</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Aug 2008 10:41:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[gourmet-tipps]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>
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		<category><![CDATA[peking-ente]]></category>

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		<description><![CDATA[Da Dong Roast Duck Restaurant 大董烤鸭店 1-2/F , Nanxincang Int&#8217;l Building, A22, Dongsi Shitiao, Dongsishitiao Southwest of Dongsi Shitiao Bridge 东四十条甲22号南新仓国际大厦1-2层 东四十条桥西南 Den kulinarischen Höhepunkt der Olympia-Dienstreise muss ich noch aufarbeiten. Schon um meinem zuständigen Finanzamt eine Freude zu bereiten, denn ich habe die Kollegen G und L bewirtet. Der Steuerzahler trägt also anteilig die [...]]]></description>
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<p><strong>Da Dong Roast Duck Restaurant 大董烤鸭店</strong></p>
<p>1-2/F , Nanxincang Int&#8217;l Building, A22, Dongsi Shitiao, Dongsishitiao Southwest of Dongsi Shitiao Bridge 东四十条甲22号南新仓国际大厦1-2层<br />
东四十条桥西南</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-931" title="dadong1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/dadong1.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="307" height="230" align="left" />Den kulinarischen Höhepunkt der Olympia-Dienstreise muss ich noch aufarbeiten. Schon um meinem zuständigen Finanzamt eine Freude zu bereiten, denn ich habe die Kollegen G und L bewirtet. Der Steuerzahler trägt also anteilig die Kosten unseres Geschäftsessens beim Großmeister <a href="http://jensweinreich.de/?p=576" target="_self">Da Dong</a>, einem der berühmtesten Entenbrater Pekings. Wie ich erfahren musste, ist Da Dong aber noch mehr für seine wunderbaren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seegurken" target="_blank">Seegurken</a> <span style="text-decoration: line-through;">berüchtigt</span> bekannt. Die habe ich nicht getestet. Dem Herrn G ist ohnehin irgendwas auf den Magen geschlagen, er meint, es sei der Nachtisch gewesen: Mango- und Papaya-Eis. Doch der Reihe nach, denn zunächst einmal gab es eine Überraschung.</p>
<p><span id="more-927"></span>Wie klein doch die Welt ist, die olympische, wurde uns im Eingangsbereich klar. Bei Da Dong hatte also schon ein anderer Großmeister gespeist. Sogar an einem symbolischen Tag, dem 8. 8. 2008, dem Tag der Eröffnungsfeier.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-934" title="dadong2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/dadong2.jpg" alt="" width="492" height="655" /></p>
<p>Mit seinen 88 Jahren sieht er noch knackig aus, Juan Antonio Samaranch.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-935" title="dadong3" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/dadong3.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Ihr habt eine Goldmedaille verdient, schreibt der IOC-Ehrenpräsident.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-938" title="dadong41" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/dadong41.jpg" alt="" width="492" height="637" /></p>
<p>Habe gar nichts gegen Samaranchs Urteil einzuwenden. So von Feinschmecker zu Feinschmecker. Auch wenn das Herr G heute anders sehen mag. Jedenfalls, gestern stand dies auf dem Speiseplan:</p>
<blockquote><p><strong>Aperetif:</strong> 2 Margaritas. Sehr gut, die Chinesen können mixen, sagt auch Kollege L, der mal eine Rundreise durch China gemacht und dabei etliche Bars getestet hat.</p>
<p><strong>Vorspeise:</strong> Chef Dong&#8217;s Fried Prawns with spicy sauce. Ein Genuss, so dass die Herren L und G, die eigentlich nur Ente wollten, richtig reingelangt haben.</p>
<p><strong>Hauptgang:</strong> Chef Dong&#8217;s Roast Duck special selection. Ja, sehr okay.</p>
<p><strong>Getränke:</strong> Domaine Chanson Chablis-AOC (mit Schraubverschluss und Korken?). Herr G, der Barbare, blieb beim Qiangdao, wahrscheinlich hat ihm das den Magen verdorben.</p>
<p><strong>Dessert:</strong> Obst, Mango- und Papaya-Eis. Und weil&#8217;s wirklich lecker war: Noch mal Chef Dong&#8217;s Fried Prawns with spicy sauce.</p></blockquote>
<p>Alles in allem: eine runde Sache. Sehr zu empfehlen.</p>

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		<title>The day after</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Aug 2008 05:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[12.21: Nach 24 Tagen in der Parallelgesellschaft wird es ein wenig dauern, im wahren Leben anzukommen. Ich denke, dass ich mir morgen das MPC, den Water Cube und das Birds Nest noch mal in Ruhe betrachten werde. Wie ich die Chinesen kennengelernt habe, werden schon vergangene Nacht Zehntausendschaften die Aufräumarbeiten beendet haben. Es wird ja [...]]]></description>
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<p><strong>12.21:</strong> Nach 24 Tagen in der Parallelgesellschaft wird es ein wenig dauern, im wahren Leben anzukommen. Ich denke, dass ich mir morgen das MPC, den Water Cube und das Birds Nest noch mal in Ruhe betrachten werde. Wie ich die Chinesen kennengelernt habe, werden schon vergangene Nacht Zehntausendschaften die Aufräumarbeiten beendet haben. Es wird ja nicht alles abgebaut. Die Zäune um den Hochsicherheitstrakt Olympia bleiben vorerst, bis zu bzw. nach den Paralympics. Der Kollege H übrigens macht gleich durch. Er bleibt in Peking und schreibt auch über die Paralympics. Der Kollege H ist ein Steher, ich glaube, er läuft sogar Marathon.</p>
<p><strong>12.50:</strong> Ich weiß noch nicht, wie ich die drei Wochen nachbereite hier in diesem Blog. Ein paar Themen für künftige Artikel und Recherchen, die fallen mir allerdings so langsam ein. In zwei Wochen <span style="text-decoration: line-through;">soll</span> darf ich in Lillehammer bei der <a href="http://www.gijc2008.no/" target="_blank">Global Investigative Journalism Conference</a> nicht nur über &#8220;Crime and Corruption in Sport&#8221;, sondern auch darüber reden: <strong>&#8220;What happened in China during the Olympics?&#8221;</strong> Ehrlich gesagt, ich weiß das nicht. Ich war nicht wirklich in China. Ich war nur auf einem Raumschiff Olympia, das zufällig in China Station gemacht hat. Interessant dazu auch dieser Kommentar von Henrik Bork in der SZ: &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/606/307558/text/" target="_blank">Die synthetischen Spiele</a>&#8220;. Auf einige andere Fazit-Stücke hatte ich <a href="http://jensweinreich.de/?p=882" target="_self">hier bereits hingewiesen</a>.</p>
<p><strong>13.16:</strong> So, das Abendessen heute wäre geklärt. Kein IOC-Sponsorenmahl mehr. Kein Caramel Frappé, sondern selbstverständlich Ente von Meister <a href="http://jensweinreich.de/?p=576" target="_self">Da Dong</a>.</p>
<p><strong>19.04:</strong> Siebzehn Stunden im Bett sind auch mal ganz schön. Ein paar Stunden war mein kleiner Freund dabei, der <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">SZ71VN</a>. Als sein Besitzer mal wieder entschlummerte, ist er aus dem Bett geflogen. Hat es aber überlebt, sonst könnte ich ja diesen Eintrag nicht schreiben.</p>

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		<title>Peking, Tag 24</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Aug 2008 05:38:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.34: Power off. Jemand hat mir den Stecker gezogen. Da helfen auch keine double-shot-Espresso vom IOC-Sponsor. 11.27: Jacques Rogges letzte Pressekonferenz, nachdem er gestern, wie ich den Kommentaren zum Tag 23 entnehme, seinen TV-Rundgang absolviert hat. Im chinesischen Staatsfernsehen war er, in der ARD (mit dem UDIOCM), bei der BBC und und und. Immer dasselbe. Siegesgewiss. [...]]]></description>
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<p><strong>10.34:</strong> Power off. Jemand hat mir den Stecker gezogen. Da helfen auch keine double-shot-Espresso vom IOC-Sponsor.</p>
<p><strong>11.27:</strong> Jacques Rogges letzte Pressekonferenz, nachdem er gestern, wie ich den Kommentaren zum Tag 23 entnehme, seinen TV-Rundgang absolviert hat. Im chinesischen Staatsfernsehen war er, in der ARD (mit dem UDIOCM), bei der BBC und und und. Immer dasselbe. Siegesgewiss. Das IOC verkauft die Spiele als grandiosen Erfolg. <a href="http://jensweinreich.de/?p=765" target="_self">Witz-Bolt</a> und <a href="http://jensweinreich.de/?p=671" target="_self">The Big M</a> sind für ihn &#8220;icons of the Beijing Games&#8221;. Rogge spricht oft von &#8220;langfristigen Wirkungen&#8221;. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Ich habe gestern schon <a href="http://jensweinreich.de/?p=882" target="_self">etliche andere Meinungen</a> verlinkt. Ein interessantes Ergebnis brachte eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung, für die ich &#8211; disclaimer - als Autor tätig bin. <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0823/peking2008/0064/index.html" target="_blank">Einige Details</a>:</p>
<ul>
<blockquote>
<li>Nur 48 Prozent der Bundesbürger glauben, dass es im Spitzensport mit rechten Dingen zugeht.</li>
<li>Jeder Dritte der Befragten gab an, dass sich seine Einstellung gegenüber den Olympischen Spielen in den letzten Jahren zum Negativen verändert habe. Bei älteren Menschen ab 60 Jahren (39 Prozent) und bei den formal höher Gebildeten mit Abitur- oder Studienabschluss (38 Prozent) ist das Frustrationsgefühl am größten.</li>
<li>Nur 34 Prozent der Bundesbürger glauben, dass Michael Phelps seine acht Goldmedaillen ungedopt erschwommen hat. Jeder Zweite glaubt, dass Phelps gedopt hat.</li>
<li>Jeder fünfte Deutsche ist der Meinung, dass Britta Steffen bei ihren Olympiasiegen gedopt war.</li>
<li>Mehr als jeder vierte Deutsche spricht sich dafür aus, dass in Zukunft keine weiteren Steuergelder in den Leistungssport fließen sollten. Nur noch 66 Prozent der Deutschen sehen ein, dass die Olympiafahrer von öffentlichen Geldern subventioniert werden.</li>
</blockquote>
</ul>
<p><strong>12.08:</strong> Auf dem Weg zum Mittagessen treffe ich Gennadi Schwets, den russischen NOK-Sprecher. Er lacht. &#8220;Da war ich wohl zu pessimistisch&#8221;, sagt er. Schwets erinnert sich genau an jene Zahlen, die er mir bei unserem Gespräch auf meinen Block gekritzelt hat: 17 Goldmedaillen, 55 insgesamt, hat er getippt und auf die <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/937/306894/text/" target="_blank">Schockwirkung für den russischen Sport</a> gesetzt.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-908" title="russian-medal-count" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/russian-medal-count.jpg" alt="" width="491" height="363" /></p>
<p>Momentan sind es 22 Gold, 21 Silber, 28 Bronze. Insgesamt zwar ein Fünftel weniger Medaillen als in Athen. Doch die Russen haben ihr Gesicht gewahrt, weil sie Großbritannien in der Länderwertung überholen und doch wieder auf Rang drei kommen. So eine Nationenwertung bietet für jeden was: China hat die meisten Goldmedaillen, die Amerikaner die meisten Medaillen überhaupt &#8211; und alle sind ein bisschen damit zufrieden.</p>
<p><strong><span id="more-907"></span>23.07:</strong> So, liebe Sportsfreunde: Ich lebe noch. Doch wie ich völlig unkokett heute morgen ankündigte, ist der Saft raus bzw. hat jemand den Stecker gezogen. Es war ein absurdes Herumirren heute. Passiert mir bei solchen Terminen immer mal nach einem freien Tag, also dem Samstag. Obgleich ich schon eine Stunde vor der Rogge-Pressekonferenz im MPC war. Mit Mühe und verspätet die Aufgaben erledigt. Dann noch so dumm gewesen, die teuer erstandene Lan-Karte nicht dabei zu haben, weshalb ich aus dem Olympiastadion wieder flüchtete ins MPC, um dort die letzten Texte fertig zu schreiben und schließlich zu senden. Und jetzt: Darauf ein Tsingtao. Ich melde mich in ein paar Stunden nochmal &#8211; und bis Mittwoch bastele ich bestimmt auch ein Olympia-Fazit. Hier, in diesem Theater.</p>
<p><strong>01.50:</strong> Oops, gerade erreicht mich eine Pressemitteilung des Schwimm-Weltverbandes Fina. Hurra! Völlig überraschend sind sämtliche Dopingtests negativ ausgefallen. Es waren also total saubere Schwimmspiele. Dass ein paar weniger Proben genommen wurden als Rekorde gefallen sind, interessiert doch sicher keinen, oder?</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-915" title="fina-pm2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/fina-pm2.jpg" alt="" width="496" height="354" /></p>

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</span>
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		<title>Peking, Tag 23</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2008 07:59:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[15.52: Moin. Bekomme gerade einen Anruf aus London. Was los sei, will jemand wissen, ich hätte noch keine RSS verschickt heute. Ich begreife dieses Internet-Dingsda ja auch nicht richtig, doch soweit ich glaube, es zu kapieren, verschicken sich diese RSS irgendwie selbst, werden abgerufen oder &#8230; exklusiv für die besorgte Anruferin, die befürchtete, ich sei erschöpft [...]]]></description>
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<p><strong>15.52:</strong> Moin. Bekomme gerade einen Anruf aus London. Was los sei, will jemand wissen, ich hätte noch keine RSS verschickt heute. Ich begreife dieses Internet-Dingsda ja auch nicht richtig, doch soweit ich glaube, es zu kapieren, verschicken sich diese RSS irgendwie selbst, werden abgerufen oder &#8230; exklusiv für die besorgte Anruferin, die befürchtete, ich sei erschöpft umgefallen oder von den Triaden verschleppt: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/RSS" target="_blank">Hier steht, wie das mit diesen RSS-Dingern funktioniert</a>.</p>
<p><strong>15.59:</strong> Die Pressekonferenz des UDIOCM (unpolitischstes deutsches IOC-Mitglied) heute morgen im Deutschen Haus habe ich übrigens verschlafen. Werde auch morgen nicht zur Abschluss-PK der deutschen Bilanzzieher gehen, zu Michael Vesper, Ausputzer des UDIOCM. Auch mal was Neues: Während der gesamten Spiele nur ein mal im Deutschen Haus gewesen &#8211; bei der Eröffnungs-PK. Dann nie wieder, auch abends nicht, beim von vielen so geschätzten Umtrunk.</p>
<p><strong>16.08:</strong> Das UDIOCM sagte: &#8220;Es waren Spiele der Athleten mit wunderschöner Stimmung. Die Olympische Bewegung geht gestärkt aus ihnen hervor.&#8221; Gesiegt hätten die &#8220;Faszination der Spiele&#8221; und die &#8220;Macht der Realität&#8221;. Oh. Ja. Hört da eigentlich noch jemand zu? Glaubt dem UDIOCM jemand?</p>
<p>Gesiegt hat natürlich die <strong>Macht der Bilder</strong>, und das war nie anders zu erwarten gewesen. <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=6D31J6" target="_blank">Darauf lief alles hinaus</a>. So war es geplant. Über die Nachbeben dieser unvergleichlichen Retortenspiele auf dem Raumschiff Olympia, dieses Propaganda-Joint-Ventures von IOC und chinesischer KP, wird noch viel zu reden sein in den nächsten Monaten und Jahren. Auf die Schnelle einige aktuelle Texte einiger meiner LIeblingsautoren: <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0822/meinung/0019/index.html" target="_blank">Christian Bommarius</a> (Erster sein), <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/419/307373/text/" target="_blank">Ralf Wiegand</a> (zu Tode gesiegt), <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0823/peking2008/0018/index.html" target="_blank">Matti Lieske</a> (Gespräch mit der Kanzlerin), <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/519/307473/text/" target="_blank">Thomas Kistner</a> (Das Raumschiff gekapert). Auch <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0823/peking2008/0004/index.html" target="_blank">Bernhard Bartsch</a> und Reinhard Mohr &#8211; <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,573633,00.html" target="_blank">Gute Miene zu bösen Spielen</a> &#8211; sind lesenswert. Und ich habe mich an einem Beitrag über den <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/olympia_2008/1581843_Der-Herr-der-schoenen-Bilder.html" target="_blank">Herrn der Bilder</a> versucht. Als Lektüreempfehlung sollte das bis zur letzten Leichtathletik-Session reichen.</p>
<p>Ich tippe übrigens, dass die Jamaikaner heute Witz-Bolt auch in der Rundenstaffel laufen lassen. Nur so eine Idee.</p>
<p><strong>17.03:</strong> Der Dopingfall, schneller vermeldet als die Nachrichtenagenturen, hier auf diesem Blog :) Es ist der Gewichtheber Igor Rasoronow aus der Ukraine (wie Blonska). Das <a href="http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_1361.pdf" target="_blank">IOC-Dokument</a> dazu.</p>
<p><strong>18:17:</strong> Oh Gott, um manche Kollegen ist es schlimm bestellt nach drei Wochen in diesem Zirkus. Unterhalten sich die Herren B und L eben doch tatsächlich über Pitchen beim Baseball (Finale Kuba vs Korea Republic) und die Netto-Action in dieser Sportart, die, so Kollege B, bei maximal 15 Minuten liegt.</p>
<p><iframe src="http://www.coveritlive.com/index2.php?option=com_altcaster&#038;task=viewaltcast&#038;altcast_code=262a38f7ec&#038;height=550&#038;width=470" scrolling="no" height="550px" width="470px" frameBorder ="0" ></iframe>   </p>
<p><strong><span id="more-882"></span>21.29:</strong> Und das ist also Belgiens Hochsprung-Olympiasiegerin: Tia Hellebaut:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-896" title="hallebaut" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/hallebaut.jpg" alt="" width="492" height="305" /></p>
<p><strong>21.44:</strong> Wie versprochen, für Chris: Woher wusstest Du, dass Fotografieren verboten ist?</p>
<div><img class="aligncenter size-full wp-image-899" title="nophoto1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/nophoto1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></div>
<p>Und falls man den Sticker nicht lesen kann, hier die Vergrößerung, während Belgiens Hymne durchs Vogelnest tönt:</p>
<div><img class="aligncenter size-full wp-image-900" title="nophoto2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/nophoto2.jpg" alt="" width="492" height="376" /></div>

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		<title>Peking, Tag 22</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Aug 2008 03:12:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.52: Ein paar Stunden nur noch. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass mir die Reporterfans unheimlich auf die Nerven fallen. Komme gerade in den Arbeitsraum des MPC, schon hockt eine Horde Briten begeistert vor dem Bildschirm. Die Briten zählen übrigens zu den Schlimmsten, bejubeln ihre Wunderradler, verbreiten nationalistische Vorfreude auf London 2012. Völlig abgedreht, dämlich, [...]]]></description>
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<p><strong>10.52:</strong> Ein paar Stunden nur noch. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass mir die Reporterfans unheimlich auf die Nerven fallen. Komme gerade in den Arbeitsraum des MPC, schon hockt eine Horde Briten begeistert vor dem Bildschirm. Die Briten zählen übrigens zu den Schlimmsten, bejubeln ihre Wunderradler, verbreiten nationalistische Vorfreude auf London 2012. Völlig abgedreht, dämlich, manchmal denke ich: die schreiben nicht viel anders als Chinesen.</p>
<p><strong>11.04:</strong> Schäuble im Deutschen Haus oder die letzte IOC/BOCOG-Pressekonferenz, das ist hier die Frage. Klare Sache. Was soll Schäuble mir sagen? Dass Doping ganz schlimm ist und man unbedingt was dagegen unternehmen müsse? Dass die deutschen Sportler tolle Botschafter sind? Und dass China ein großartiger Gastgeber war und alle Kritiker verstummen lässt? Kann man sich also sparen. Dann schon lieber die Informationsblocker. Auf geht&#8217;s.</p>
<p><strong>16.51:</strong> Deutsche Kanusiege? Kann schon sein. Ich will nur noch meine Ruhe haben. Im MPC ist es mir zu laut. Habe mir zum Arbeiten ein stilles Plätzchen gesucht, wirklich praktisch, so ein Olympiastadion:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-876" title="leeresstadion1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/leeresstadion1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>21.26:</strong> Nicht dass jemand denkt, ich hätte nichts mehr zu sagen. Es ist nur so: Im Moment habe ich tatsächlich wenig zu sagen. Muss mal bei The Big M nachfragen und bei &#8220;Witz-Bolt&#8221; (© taz), wie die das so machen. Also immer wieder fit sein auf den Punkt und voller Tatendrang. So wird das wohl ein lahmer Abend mit mir, und die Texte sind auch nicht so doll. Aber vielleicht könnten wir morgen, zum Abschluss der Leichtathletik und/oder am Sonntag zur Schlussfeier noch einen hübschen Live-Blog starten.</p>
<p><strong>21.32:</strong> Allerdings, so erschöpft kann ich gar nicht sein, dass nicht noch der Beweis zu erbringen wäre: Jamaikas Mädels haben den Stab nicht verloren, sie sind nur etwas später am Ziel vorbei geschlendert:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-878" title="stab-jamaika" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/stab-jamaika.jpg" alt="" width="492" height="655" /></p>
<p><strong>22.29:</strong> Das ist kein schönes Foto, aber eine Art Zeitdokument. Vielleicht hat man wenigstens das im Fernsehen nicht sehen können. Was macht der Unger bei den Jungs von der Insel? Ich glaube, er wollte sich beim Witz-Bolt entschuldigen:</p>
<div><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/unger-bolt.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-880" title="unger-bolt" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/unger-bolt.jpg" alt="" width="492" height="335" /></a></div>

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		<title>Peking, Tag 21</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 04:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[11.38: Es regnet in Peking. Und wie. Sehr schön, das bringt Abkühlung nach all den heißen Vorführungen. Pekings Busfahrer aber haben kein Erbarmen. Sie drehen die Heizung auf wie im tiefsten mandschurischen Winter. Komme also gut durchgegart ins MPC. 12.17: Nimmt denn das kein Ende? Natürlich nicht. Diesmal schimpft die Potsdamer Geherin Melanie Seeger über [...]]]></description>
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<p><strong>11.38:</strong> Es regnet in Peking. Und wie. Sehr schön, das bringt Abkühlung nach all den heißen Vorführungen. Pekings Busfahrer aber haben kein Erbarmen. Sie drehen die Heizung auf wie im tiefsten mandschurischen Winter. Komme also gut durchgegart ins MPC.</p>
<p><strong>12.17:</strong> Nimmt denn das kein Ende? Natürlich nicht. Diesmal schimpft die Potsdamer Geherin <a href="http://www.steeple.de/melanie/docs/main.htm" target="_blank">Melanie Seeger</a> über die olympischen Zustände. <span style="text-decoration: line-through;">Laut Deutscher Presse-Agentur</span> Im Fernsehinterview <a href="http://www.ftd.de/sp/olympia/tn/:Seeger_zweifelt_an_Konkurrenz_Kaniskina_siegt/403128.html" target="_blank">sagt sie</a> nach ihrem 23. Platz über 20 Kilometer:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich habe hier das unfairste Rennen meiner Karriere erlebt. Die Spitze kann Zeiten gehen, da können wir trainieren, so viel wir wollen. Ich kann es nicht fassen. Das ist einfach nur traurig. Ich hoffe, dass die große Bombe platzt und wir unsere Chance bekommen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Siegerin Olga Kaniskina aus Russland komme &#8220;aus einer <a href="http://www.ard.ndr.de/peking2008/nachrichten/ardsportpeking3846.html" target="_blank">Trainingsgruppe</a>, wo die Hälfte gedopt ist&#8221;. Was wird wohl das jüngste deutsche IOC-Mitglied dazu sagen, der DOSB-Präsident, der diese Spiele doch quasi als größte kulturelle Errungenschaft seit Errichtung der Pyramiden preist.</p>
<p><strong>12.41:</strong> Auf Wunsch eines einsamen <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=831" target="_self">Lesers</a>: Ein Zahnspangenfoto. Ist zwar nur vom Monitor im Stadion abgeknipst, aber egal. Das ist Shelly-Ann Fraser. Trügerisch.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-856" title="spange-fraser1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/spange-fraser1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>16.20:</strong> Ich muss mir was einfallen lassen. Kann denjenigen, der hier im Blog nur &#8220;jüngstes deutsches IOC-Mitglied&#8221; genannt wird, nicht mehr so bezeichnen. Denn am Wochenende wird Claudia Bokel für acht Jahre vereidigt im IOC. Sie zieht als Athletensprecherin ein, bekam die drittmeisten Stimmen. Die IOC-Öffentlichkeitsarbeiter sind leider so lahm und unprofessionell, dass ich nicht auf eine Pressemeldung auf der IOC-Webseite verlinken kann. Nun ist also Claudia Bokel das jüngste deutsche IOC-Mitglied. Ich könnte sie künftig &#8220;die Fechterin&#8221; nennen oder auch Claudia Bokel. Ihren Vorgänger könnte ich als &#8220;<a href="http://www.ftd.de/koepfe/:Thomas%20Bach%20Der%20Mann%20Chinesen/341241.html" target="_blank">den</a> <a href="http://www.ftd.de/koepfe/:Portr%E4t_Thomas_Bachs_Welt/393028.html" target="_blank">Fechter</a>&#8221; bezeichnen. Mal sehen. Wir werden alle miteinander noch viel Spaß haben. Versprochen. Das hier ist Anita Defrantz (USA) mit dem Ergebnis der Athletenwahlen:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-860" title="defrantz-athletes" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/defrantz-athletes.jpg" alt="" width="492" height="331" /></p>
<p><strong>16.25:</strong> Wieder mal ein Link zu meinem Lieblingsprofessor Gunter Gebauer. Wer rechts oben die Suchfunktion benutzen sollte, kann zwei, drei Beiträge zu ihm finden, auch ein DLF-Gespräch, an dem ich kürzlich teilnehmen durfte. Heute äußert sich Gebauer im FAZ-Gespräch &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub5FA217707F6047DCAA31F8FCCC0B1C7D/Doc~E3FBEFDFE0F9C453FA20F60C9B905B475~ATpl~Ecommon~Sspezial.html" target="_blank">Peking zeigt: traut euren Augen nicht</a>&#8221; u. a. zu Usain Bolt:</p>
<blockquote><p>Was Bolt gemacht hat, ist kein Falschspiel. Das ist der Hinweis darauf, dass er in eine neue Sphäre entrückt ist, aufgestiegen in etwas Übermenschliches. Dann haben wir den perfekten Homunculus, der weit über das hinaus geht, was Phelps uns zeigt. Bei ihm kann man Anzüge und Wenden heranziehen. Und: Phelps hatte seine leibhafte Mutter dabei. Als Philosoph interpretiere ich das als seinen Beweis, dass er ein normaler Mensch ist. Er ist aus diesem Mutterbauch hervorgegangen, er hat eine füllige Mutter und zwei stämmige Schwestern, das ist seine wirkliche Herkunft, sein biologischer Stammbaum. Der ist bei Bolt nicht mehr zu erkennen.</p></blockquote>
<p><strong>16.40:</strong> Und noch ein Zitat. Nicht, dass ich ihn vergessen: Juan Antonio Samaranch, <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument-druck.html?id=57119193&amp;top=SPIEGEL" target="_blank">Architekt der Peking-Spiele</a>. Er sagte dem chinesischen Staatsfernsehen, die Peking-Spiele seien &#8220;die erfolgreichsten aller Zeiten&#8221; (das sagt er seit hundert Jahren eigentlich allen Ausrichtern, das haben IOC-Leute auch mal Hitler gesagt). &#8220;Und das ist nicht nur meine Meinung, sondern die Meinung der der internationalen Presse und der Mehrheit der IOC-Funktionäre.&#8221; Und Amen.</p>
<p><strong>19.29:</strong> Heute etwa mal ohne Zahnspange? Gold für Jamaika, nichts Neues, diesmal Veronica Campbell-Brown über 200 Meter, wie schon 2004. 21,74 Sekunden &#8211; in der olympischen Geschichte war nur Flo-Jo schneller, 1988. Campbell-Brown ist jetzt so schnell wie: Griffith-Joyner, Jones, Ottey, Koch, Drechsler, Jackson, Torrence, Göhr, Gladisch &#8211; noch Fragen? Auch Bronze geht an Jamaika, an Kerron Stewart. Silber für meine Favoritin, für Allyson Felix, die bei Flo-Jo&#8217;s Coach Bob Kersee trainiert. Kann man mal sehen, die Jamaikaner machen diesmal sogar den Amis etwas vor. Sie kriegen das einfach besser hin. Und während Usain Bolt sich gerade die Goldmedaille abholt bei der Siegerehrung, mache ich eine kleine Werbepause. Chicken legs mit Allyson.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="349" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/gp2aVHq5acU&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="349" src="http://www.youtube.com/v/gp2aVHq5acU&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong><span id="more-852"></span>21.22:</strong> Was war das, bitte? Merritt hängt Wariner eine Sekunde ab. Eine Sekunde! Merritt mit einer Wariner-Zeit von 43,75. Wariner mit einer Zeit, die normale Menschen vielleicht laufen können: 44,74. Ich habe Wariner ja schon in Eugene verlieren sehen. Aber das hier, das war etwas Besonderes. Eine Demontage.</p>
<p><strong>21.26:</strong> Schnell noch, bevor ich weiter arbeiten muss, etwas, das mir am Herzen liegt. Zwei Fotos zum Thema Arbeitsbedingungen für Schreiber bei Großereignissen. Komme gerade aus der Mixed Zone tief im Stadioninneren von Steffi Nerius und Christina Obergföll. Schätze, eine dreiviertel Stunden nach dem Wettkampf, nach vielen TV-Interviews, denn die Rechtezahler stehen in der ersten Reihe, durften sich etliche Dutzend deutsche Schreiber um Wortfetzen balgen. So sah das aus, so sieht das immer aus:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-865" title="mixed-zone-1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/mixed-zone-1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>In Worten: Nur wer zufällig am Gitter zerquetscht wird, kann ein Wort verstehen. Was die Chinesen allerdings clever gemacht haben, sieht man oben rechts am Bildrand: Eine Helferin hält den Sportlern ein kleines Mikro vor den Mund, und mit einem Radio werden die Wortfetzen so verbreitet, dass doch einige Reporter mehr etwas davon haben. So sieht das von der anderen Seite aus:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-867" title="mixed-zone-radio1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/mixed-zone-radio1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>21.34:</strong> Mit Dank an linksaussen: Das <span style="text-decoration: line-through;">kleinste</span> unpolitischste deutsche IOC-Mitglied überreicht Christina Obergföll gerade die Bronzemedaille.</p>
<p><strong>22.52:</strong> Danke für die Tipps, die künftige Texte bereichern werden. Als Synonyme für das bislang noch jüngste deutsche IOC-Mitglied wurden bisher empfohlen:</p>
<ul>
<li>unpolitischstes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>ältestes deutsches IOC-Mitglied (erst ab 2010)</li>
<li>profiliertestes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>bestvernetztes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>unanfechtbarstes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>mustergültigstes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>neutralstes deutsches IOC-Mitglied</li>
<li>freidemokratischstes deutsches IOC-Mitglied</li>
</ul>
<p><strong>00.23:</strong> Für den Linksaussen hier im Blog: Ich habe wieder einmal einen Fehler gemacht. Habe ein C unterschlagen. Es heißt <a href="http://www.cbw.com/govern/pb.htm" target="_blank">CCCPC</a>.</p>

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		<title>Peking, Tag 20</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Aug 2008 09:32:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[featured]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[17.12: Ja, es ist spät geworden heute mit der ersten Notiz. Das Problem: Habe vergangene Nacht sechs Stunden geschlafen. Das waren eindeutig zwei bis drei Stunden zu viel. Habe meinen Körper damit überfordert. So ein olympischer Reporterkörper mag keine längeren Ruhepausen. Denn er versetzt sich dann in einen heimtückischen Stand-by-Modus und arbeitet nicht mehr so, [...]]]></description>
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<p><strong>17.12:</strong> Ja, es ist spät geworden heute mit der ersten Notiz. Das Problem: Habe vergangene Nacht sechs Stunden geschlafen. Das waren eindeutig zwei bis drei Stunden zu viel. Habe meinen Körper damit überfordert. So ein olympischer Reporterkörper mag keine längeren Ruhepausen. Denn er versetzt sich dann in einen heimtückischen Stand-by-Modus und arbeitet nicht mehr so, wie er eigentlich sollte. Da die drei Bänke hinter mir im MPC schon mit schlafenden Indern, Kenianern und Chinesen &#8211; wenn ich richtig nachgeschaut habe &#8211; besetzt waren, musste die Tischplatte herhalten. Die Kollegen L und H waren so gütig, mir je einen Kaffee zu spendieren. Werde gleich mit dem nächsten nachlegen. Mal sehen, ob der Motor dann noch stottert.</p>
<p><strong>17.15:</strong> Solche Probleme hat Usain Bolt natürlich nicht. Der ist immer auf Betriebstemperatur. Wie sagte Tobias Unger laut Sport-Bild? &#8220;Im Zwischenlauf hat sich Bolt nicht mal warmgelaufen. Der kam in Badehose und Joggingschuhen, hat eine Steigerung und einen Start gemacht, seine Spikes angezogen und ist dann die 100 Meter in 9,92 Sekunden gejoggt.&#8221;</p>
<p><strong>17.22:</strong> Sportjournalisten sind nicht nur gern Fans, gerade wird in einer Ecke wieder mächtig geklatscht und gejubelt, auch ihre Tischmanieren lassen zu wünschen übrig. Ich weiß, andere Kulturen, Sitten und Bräuche, ich muss das verstehen. Ja wirklich? Was hier im MPC ganz offen gerotzt, gerülpst und gefurzt wird, ist doch äußerst gewöhnungsbedürftig. Aber wenn halt die Kulturen so sind. Kann aber auch sein, dass ich nach drei Wochen ein bisschen überempfindlich geworden bin.</p>
<p><strong>18.45:</strong> Ist schon ein paar Minuten alt, die Meldung: Ludmilla Blonska (Ukraine, Zweite im Siebenkampf) ist gedopt. Sie war schon 2003 erwischt und zwei Jahre gesperrt worden. Ich habe sie im Wettkampf und auf der Pressekonferenz aufmerksam beobachtet. Sah klar nach Doping aus, die Züge, der Körper, deutlich vermännlicht. Habe aber leider kein Foto gemacht für meine Sammlung. Tut mir leid, das so drastisch zu formulieren. Aber nicht ich bin der Doper, sondern nur der Bote. Was ich eigentlich sagen will: Ein Beweis mehr, dass der gesunde Menschenverstand eben doch kaum täuscht. Man muss die Show hier nur aufmerksam verfolgen. Victor Conte äußert sich übrigens auch wieder aus dem Off.</p>
<p><strong>19.33:</strong> Live aus dem Stadion. Fünf Hammer sind in Folge in den Käfig geknallt, auch der von Gold-Betty. Sitze heute wieder Aisle 211, Row 8, Seat 08, diesmal sekundiert von Kollegen L. Aber mir winkt ja eh niemand zu. Wer&#8217;s mag, Lektüre, mein Russen-Text in der SZ: &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/937/306894/text/" target="_blank">Ein Desaster. Schlecht. Unglaublich.</a>&#8221;</p>
<p><strong>19.37:</strong> Bald läuft der Handyman. Wird er oder wird er nicht, das ist hier die Frage. Hat er Bock auf Weltrekord?</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-837" title="handyman" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/handyman.jpg" alt="" width="496" height="362" /></p>
<p><strong><span id="more-831"></span>19.45:</strong> Die Deutsche Presse-Agentur titelt zum Fall Blonska: &#8220;Doping-Hiobsbotschaft&#8221;. Ich fass&#8217; es langsam nicht mehr. Was ist daran eine Hiobsbotschaft? Es ist gut so. Die Hiobsbotschaft ist, dass hier nicht viel mehr erwischt werden.</p>
<p><strong>20.10:</strong> Kleines Puzzle: Wer Lust hat, kann in der <a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/2007names_1800.pdf" target="_blank">IAAF-Kontrollliste 2007</a> (pdf) mal nach Jamaika-Rennern suchen und die Zahlen ins Verhältnis zu anderen Ländern und Kontinenten bringen.</p>
<p><strong>22.12:</strong> Finde gerade meinen Kommentar vom Noch-Weltrekord Michael Johnsons 1996 in Atlanta. Absurd aktuell:</p>
<blockquote><p>Michael Johnson &#8211; Ikone des modernen Sports in goldenen Schuhen. Die Pulverisierung des 200-m-Weltrekords um 32 Hundertstel erreicht Dimensionen, die mit den mysteriösen Bestmarken der Florence Griffith-Joyner aus dem Jahr 1988 vergleichbar sind. „Flojo&#8221; verschwand damals so schnell von der Bildfläche, wie sie gesprintet war. Michael Johnson will nun bis zum Jahr 2000 abkassieren. Es heißt, Johnsons Manager Brad Hunt könne jetzt 175.000 Mark Startgeld für seinen Klienten verlangen.</p>
<p>Ganz klar, Doping? Es gibt keine Beweise. Es ist aber auch nicht viel über die Umstände der Fabelzeit bekannt. „Vier, fünfmal&#8221; sei er in diesem Jahr zur Dopingkontrolle gebeten worden, hat Johnson gesagt. Von wem, wo, wann, mit welcher Vorwarnzeit &#8211; diese entscheidenden  Angaben bleiben ungeklärt. Anderes weiß man definitiv: So sind die harten und teuren Modedrogen HGH (Wachstumshormon) und EPO von den Dopingkontrolleuren noch nicht nachzuweisen. So hat Don Catlin, der Leiter des Kontroll-Labors in Atlanta, eine Woche vor den Spielen auf einem Kongreß für klinische Chemie in London von den neusten Tricks der Doper berichtet. Bekannt ist auch, daß das amerikanische Olympiakomitee USOC ein zunächst groß angekündigtes Trainingskontrollprogramm vor Olympia abgeblasen hat. Angeblich, weil das Geld dafür fehlt. Dabei ist das USOC das reichste NOK der Welt, weil es den größten Teil der Fernseh- und Sponsorenmillionen der olympischen Bewegung erhält.</p>
<p>Der Dopingexperte Prof. John Hoberman von der Universität Texas sagt, Doping sei im amerikanischen Profisport „nur ein lästiges Problem, das durch gezielte Public Relations klein geredet werden kann&#8221;. Johnson weiß ein ganzes Heer von Öffentlichkeitsarbeitern hinter sich: Die PR-Strategen seines Sponsors Nike, der größten Sportartikelfirma der Welt, und den Fernsehsender NBC.</p>
<p>„You are unbelievable&#8221; &#8211; Du bist unglaublich &#8211; dröhnte es unmittelbar nach dem Weltrekordlauf durch das Olympiastadion, während Michael Johnson auf NBC schon über seine „historische Tat&#8221; ins Schwärmen geriet. Auf der Pressetribüne rieben sich indes tausende Menschen verblüfft die Augen: 1-9-3-2.</p>
<p>„Glaubt was ihr wollt&#8221; hat ihnen Michael Johnson an diesem wundersamen Abend noch gesagt. Ein Freibrief für alle Skeptiker? Glauben muß man dem Wunderläufer wirklich nicht.</p></blockquote>
<p><strong>22.54:</strong> Ich sage jetzt mal nichts. Habe gerade einen ersten Text geschrieben und versendet und schaue jetzt mal, was unser Wunderläufer in der Pressekonferenz zu sagen hat. Es waren 52 Hundertstel Vorsprung, der größte in der olympischen Geschichte. Bis später. Die Nacht wird wieder kurz. Gut so, siehe oben.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-844" title="bolt-200-bahn" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-200-bahn.jpg" alt="" width="494" height="415" /></p>
<p><strong>23.51:</strong> Sitze im Saal, Reihe eins. Noch ist er nicht da. Tanzt noch irgendwo und gibt Fernsehinterviews. In neun Minuten hat er Geburtstag.</p>
<p><strong>04.11:</strong> Bolt wollte doch noch nicht Geburtstag feiern. Macht er erst in ein paar Stunden, nach Kingston-Time. Er war ziemlich aufgedreht, aber angenehmer als nach den 100 Metern. Nur das: <strong>&#8220;My name is Bolt. Lightning Bolt.&#8221;</strong> Wie&#8217;s aussieht, wird ihn sein Coach bald ernsthaft die 400 Meter rennen lassen. Irgendjemand sagte, alle drei Weltrekorde &#8211; 100, 200, 400 &#8211; hätte noch niemand gehalten. Kann das jetzt nicht bis 1800-undwas prüfen, seit ich Leichtathletik gucke, stimmt es jedenfalls. Als Gute-Nacht-Lektüre von mir noch einige Links, mit Links werde ich ja leider sparsamer, notgedrungen.</p>
<ul>
<li>Zunächst Victor Conte in den New York Daily News. Vielleicht hat das auch schon jemand in den Kommentaren verlinkt, dann habe ich es übersehen. <a href="http://www.nydailynews.com/sports/2008olympics/2008/08/18/2008-08-18_conte_world_antidoping_agency_needs_to_b.html" target="_blank">Conte: World Anti-Doping Agency needs to beef up offseason steroid testing</a>.</li>
<li>Ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub31BAF3CC293542EBAD4C45D7027BF394/Doc~E7CB6D6B9BDFB4A5EAAA6B3BC003A3CEC~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Kommentar</a> von Michael Reinsch zu einer unsäglichen PK von IAAF-Boss Lamine Diack gestern Nachmittag.</li>
<li>Ich bin heute einigen Infos nachgegangen, die besagen, dass es <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/olympia_2008/107466/index.php" target="_blank">nicht ganz koscher zugeht</a> bei den Dopingkontrollen und Analysen in Peking. Darüber werden wir sicher noch einiges hören.</li>
</ul>
<p><strong>04.28:</strong> Kurze Pause &#8211; demnächst mehr in diesem Theater.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-850" title="bolt-200-pk" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-200-pk.jpg" alt="" width="492" height="343" /></p>

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		<title>Peking, Tag 19</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Aug 2008 04:39:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[11.07: Eine kluge Freundin schrieb mir vergangene Nacht: &#8220;Mein Gott, ist der Blog heute theorielastig. Klingt ja wie Kommunikationswissenschaft 1. Semester. Sind wohl alle schwer ins Grübeln gekommen. Es traut sich ja kaum mehr einer, einen Witz zu machen.&#8221; Recht hat sie. Heute also etwas besonnener. Und witziger. Auf geht&#8217;s. 14.15: Kleiner Rückblick. Einer meiner Höhepunkte [...]]]></description>
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<p><strong>11.07:</strong> Eine kluge Freundin schrieb mir vergangene Nacht: &#8220;Mein Gott, ist der Blog <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=806" target="_self">heute theorielastig</a>. Klingt ja wie Kommunikationswissenschaft 1. Semester. Sind wohl alle schwer ins Grübeln gekommen. Es traut sich ja kaum mehr einer, einen Witz zu machen.&#8221; Recht hat sie. Heute also etwas besonnener. Und witziger. Auf geht&#8217;s.</p>
<p><strong>14.15:</strong> Kleiner Rückblick. Einer meiner Höhepunkte und Lieblingsathleten bei bisherigen Spielen: Hossein Rezazadeh, der Herkules von Teheran, Kampfgewicht 162,95 Kilo, nach seinem Olympiasieg 2004 in Athen &#8211; im Interview mit dem iranischen Waldemar Hartmann. Unvergessen, wie die beiden sich erstmal bebusselt haben.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-819" title="irans-waldemar-hartmann" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/irans-waldemar-hartmann.jpg" alt="" width="492" height="329" /></p>
<p>Leider ist mein Freund Hossein heute beim Kampf der superschweren Giganten nicht dabei. Seine Ärzte haben ihm &#8220;schwere und stressige Aktivitäten&#8221; verboten. Warum eigentlich? Gewichte von insgesamt mehr als 470 Kilo über dem Schädel zu bugsieren, ist doch nicht stressig für einen Kerl wie ihn. Weil Hossein fehlt, bin ich auch nicht da, erstmals nicht seit 1992. Ich gehe dafür zum Diskuswerfen, zu <a href="http://www.derharting.de" target="_blank">Robert Harting</a>. Da geht&#8217;s auch kernig zur Sache.<span id="more-815"></span></p>
<p><strong>18.52:</strong> Wieder im Stadion, Aisle 211, Row 02, Seat 08. Komme gerade vom russischen NOK und muss noch ein Textlein über Putins Hobby schreiben. Ein bisschen abgehetzt, aber mein kleiner Freund, der rote <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=576" target="_self">USB-Propeller</a>, verschafft Linderung.</p>
<p><strong>19.28:</strong> Ooops, doch wieder das ernste Thema. Lese gerade eine Meldung, wonach der griechische NOK-Präsident Minos Kyriakou die Massendoper aus Hellas dem &#8221;organisierten Verbrechen&#8221; zuordnet. Der Betrügerin Fani Halkia, die sich weiter Olympiasiegerin nennen darf, habe ich vorgestern <a href="http://jensweinreich.de/?p=786" target="_self">einige Worte</a> gewidmet. Mir fällt leider erst jetzt auf, dass zu den Massendopern auch Anastasios Gousis zählt. Das hatte ich im vergangenen Jahr in Osaka schon vermutet:</p>
<blockquote><p>OSAKA. Da sage noch einer, Geschichte pflege sich nicht zu wiederholen. Von wegen. Diese Geschichte hier kommt einem bekannt vor: Sie handelt von einem flinken 200-Meter-Läufer aus Griechenland. Einer, dem man so eine Zeit an der 20-Sekunden-Marke gar nicht zugetraut hatte. Einer, der selten zu sehen ist, sich gern auf Inseln oder sonstigen abgelegenen Flecken des Erdballs aufhält. Nein, damit es kein Missverständnis gibt: Konstantinos Kenteris ist nicht wieder aufgetaucht in Osaka. Er nicht, der Betrugs-Olympiasieger, der nachts gern vor Dopingjägern flüchtet und dabei Motorradunfälle fingiert. Der nächste schnelle Grieche heißt Anastásios Goúsis.</p>
<p>20,11 Sekunden rannte Goúsis am Dienstagmorgen in Osaka. Bestzeit im Vorlauf. Schneller war niemand, nicht einmal 100-Meter-Weltmeister Tyson Gay, der Favorit auf den Titel. Im vergangenen Jahr war Goúsis mit vergleichsweise bescheidenen 20,54 Sekunden verzeichnet. Seine bisherige Bestzeit stammte von den Olympischen Spielen 2004, als er 20,48 Sekunden markierte. Und noch ein statistisches Detail: Bei der Europameisterschaft 2006 in Göteborg war Goúsis Achter in 20,94 Sekunden. Immerhin, von den Dopingfahndern des Weltverbandes IAAF wurde Goúsis im vergangenen Jahr wenigstens einmal angetroffen. Sein Name steht in der Liste der kontrollierten Athleten, die die IAAF im Internet veröffentlicht. Wie oft und wann er genau kontrolliert wurde, darüber schweigen allerdings die Gelehrten.</p>
<p>Im Zwischenlauf nahm der Grieche etwas Luft raus und beließ es bei 20,51 Sekunden. Diesmal war Tyson Gay mit 20,08 standesgemäß der Schnellste. „Niemand kann gezwungen werden, dass er regelmäßig an Wettkämpfen teilnimmt&#8221;, sagt IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. „Wenn er das aber nicht tut, wenn er sich nicht zeigt, dann muss er auch mit solchen Verdächtigungen leben. Das ist immer eine Gratwanderung.&#8221;</p>
<p>Konstantinos Kenteris brauste bei den Sommerspielen 2000 in Sydney zur Goldmedaille und verbesserte sich um mehr als eine halbe Sekunde. Im Jahr zuvor war er in der Weltrangliste noch auf Rang 56 geführt. Der 28 Jahre alte Goúsis war im vergangenen Jahr 50. der Weltbestenliste. Im offiziellen WM-Statistikbuch fehlt sein Name. Goúsis soll sich mit Trainer Theodoris Gatzios auf Korfu vorbereitet haben. Goúsis ist eine mächtige Erscheinung. Etwas klein vielleicht, keine 180 Zentimeter. Aber sonst: Mirakulöse Muskelberge, stolz wie die Akropolis. Da hat jemand prächtig modelliert. Gutes Timing. Nein, keine Verdächtigungen! Schließlich gibt es noch einen anderen Grund, der Goúsis Leistungsexplosion verursacht haben könnte.</p>
<p>Denn es gibt Fotos von Goúsis aus früheren Jahren, die ihn mit langer Mähne und flotten Locken zeigen. In Osaka aber präsentiert er sich kurz geschoren. Nicht militärisch streng wie einst Kenteris, die Löckchen sind schon noch zu sehen. Doch eins ist klar: Mit weniger Haaren schleppt Anastásios Goúsis weniger Ballast durch die Gegend. Windschnittiger ist die Frisur ohnehin. Das wird es also sein, deshalb ist er so schnell geworden.</p>
</blockquote>
<p><strong>21.32:</strong> Nur mal eine olympische Momentaufnahme aus dem Bird Nest, denn so geht es in diesen Minuten vielen Kollegen. Bolt läuft, Harting wirft, bis eben an einem Russen-Text geschrieben, der Harting-Text muss gleich angefangen werden, gerade die Meldung zu Weißenborn und seiner IM-Tätigkeit gelesen, andere Mails kommen: Hambüchen abgestürzt, Werth hat gewonnen, Steiner-Gold und eine verrückte, zu Tränen rührende Geschichte. Habe ich was vergessen? Der Kollege K aus der Heimat, der auch fast durchdreht, fragt mich gerade per Email: Na, welches Thema würdest Du in die Zeitung nehmen? Wollten wir nicht an dieser Stelle immer mal ein bisschen darüber reden, wie man in diesem Wahnsinn den Überblick behält und sich um Journalismus bemüht? Oh Gott.</p>
<p><strong>22.15:</strong> Sanya Richard kann nicht verstehen, was ihr gerade passiert ist. Rang drei.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-828" title="richards" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/richards.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>

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		<title>Peking, Tag 18</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 06:14:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[12.35: Chinas Hürdenstar Liu Xiang gibt wegen einer Achillessehnenverletzung auf. Volunteers im Schockzustand. Dramatische Pressekonferenz mit weinendem Trainer, der vor den Spielen gesagt hat, dass für die Sportherrscher hier nur eins zählt: Gold. Davon haben die Chinesen übrigens schon 35. 13.10: Zum Thema Sportjournalisten in China, um das es hier ja auch gehen soll (und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<div class="topsy_widget_data topsy_theme_light-green" style="float: right;margin-left: 0.75em; background: url(data:,%7B%20%22url%22%3A%20%22http%253A%252F%252Fwww.jensweinreich.de%252F2008%252F08%252F18%252Fpeking-tag-18%252F%22%2C%20%22style%22%3A%20%22small%22%2C%20%22title%22%3A%20%22Peking%2C%20Tag%2018%22%20%7D);"></div>
<p><strong>12.35:</strong> Chinas Hürdenstar Liu Xiang gibt wegen einer Achillessehnenverletzung auf. Volunteers im Schockzustand. Dramatische Pressekonferenz mit weinendem Trainer, der vor den Spielen gesagt hat, dass für die Sportherrscher hier nur eins zählt: Gold. Davon haben die Chinesen übrigens schon 35.</p>
<p><strong>13.10:</strong> Zum Thema Sportjournalisten in China, um das es hier ja auch gehen soll (und wozu bereits so viele Anmerkungen gemacht wurden, dass ich die unmöglich alle verlinken kann), schreibt Wolfgang Hettfleisch, der Kollege H, der <a href="http://jensweinreich.de/?p=786" target="_self">gestern leicht genervt</a> und malariageplagt von der Ruderstrecke kam, in der <a href="http://www.fr-aktuell.de" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> u. a.:</p>
<blockquote><p>Ich will das alles nicht. Hatte ich das schon gesagt? Keine Journalisten mehr, die sich als Fans gerieren, oder Fans, die sich als Journalisten tarnen. Noch ist unklar, um welche der beiden Spezies es sich in den angeblich so streng kontrollierten Arbeitsbereichen für die Medien tatsächlich handelt. Keine Pressetribünen, auf denen die Landsleute der Sieger in Ekstase ausbrechen. Keinen spontanen Applaus in Pressekonferenzen. Keine Fragen wie diese an die ersten vier chinesischen Olympiasiegerinnen der Rudergeschichte: „Sie sind solche attraktiven jungen Frauen, interessieren Sie sich eigentlich für Mode?&#8221; Oder die: „Ich möchte Ihnen recht herzlich zu Ihrem Erfolg gratulieren und würde gerne wissen, wie lange sie glauben, China auf ihrem weiteren Weg noch dienen zu können?&#8221; (&#8230;) Alte Hasen hier sagen, solche Krisen seien wie Malaria. Sie gingen vorüber, könnten aber jederzeit wieder ausbrechen. </p></blockquote>
<p><strong>16.15:</strong> Und schon wieder wird weiter unten das Hauptthema dieser Tage, dieser Jahre, dieses Metabolitensports, dieser Freakshow überhaupt diskutiert: Was können wir glauben? Können wir überhaupt etwas glauben? Was und wie soll man darüber berichten, ohne sich für das eigene Produkt schämen zu müssen? Darüber habe ich in den vergangenen Wochen schon viel geschrieben. Es wurde immer wieder diskutiert. Je offensichtlicher aber die Freakshow wird, desto härter prallen die Ansichten aufeinander. James Tobin argumentiert mit Journalisten-Lehrbüchern, die ich nicht kenne. Ich kenne dafür andere. Kürzliche habe ich für die Journalismus-Zeitschrift <a href="http://www.message-online.com" target="_blank">Message</a> ein Werkstattheft zum Sportjournalismus veröffentlicht, u. a. mit Interviews und Beiträgen von und mit Thomas Kistner, Andrew Jennings, Jens Sejer Andersen, Erik Eggers, Freddie Röckenhaus, Jean-François Tanda und einigen anderen Kollegen. Dabei auch ein kleiner Text zur Dopingberichterstattung, ganz banal und bewusst einfach gehalten &#8211; inklusive einer minimalen Checkliste für aktuelle Berichterstattung. Dies stelle ich nachfolgend zur Diskussion. Viel mehr dazu, u. a. auch auf <a href="http://jensweinreich.de/?p=125" target="_self">Sportjournalismus-Konferenz</a> im Februar in Dortmund basierend, gibt es unter <a href="http://www.sportnetzwerk.eu">www.sportnetzwerk.eu</a>.</p>
<p><span id="more-806"></span></p>
<blockquote><p><em>Aus Message Werkstattheft Sportjournalismus, April 2008</em></p>
<p>Unter Kriminalwissenschaftlern gilt es als gesichert, dass mehr als 95 Prozent aller Korruptionsfälle unentdeckt bleiben. Diese Zahl ist gewissermaßen die Benchmark des Betrügens. Es gibt keinen Grund anzunehmen, diese Rate sei im Sport entscheidend niedriger. Ganz im Gegenteil, die Lüge ist eine olympische Konstante. Die übergroße Zahl der Doper bleibt unentdeckt.</p>
<p>Das beste Beispiel für diese These lieferten die Staatsdoper der verflossenen DDR: Obwohl nach wissenschaftlichen Studien etwa 10.000 Athleten ins Dopingsystem involviert waren, sind in zwei Dopingjahrzehnten lediglich zwei DDR-Sportler bei internationalen Wettkämpfen aufgeflogen &#8211; die Kugelstoßerin Ilona Slupianek und der Radfahrer Norbert Dürpisch.</p>
<p>Die Gründe dieser erschreckenden geringen Aufklärungsrate sind damals wie heute prinzipiell dieselben: Unter medizinischer Aufsicht wird meist geschickt an die Grenzwerte heran gedopt; oft werden interne Kontrollen ausgewertet, um die Gefahr des Entdeckens zu mildern; externen Kontrolleuren wird die Tätigkeit erschwert, wobei sich nicht selten Sportfunktionäre, Athleten und politische Instanzen miteinander verbünden. Es ist wie im richtigen Leben: Das Drogenkartell ist den Drogenjägern immer voraus. So ist letztlich auch den Resultaten der in den vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) akkreditierten Labors durchgeführten Blut- oder Urinanalysen nicht zu trauen. Bei spektakulären Dopingfällen der vergangenen Jahre &#8211; etwa dem der US-Amerikanerin Marion Jones &#8211; zeigte sich, dass Doper mitunter Dutzende unabhängige Kontrollen problemlos überstehen.</p>
<p>Es gibt also gute Gründe, die Aufnahme des Dopings und des Sportbetrugs ins Strafrecht zu diskutieren. Denn nur mit kriminalistischen Methoden und mit dem Instrumentarium der Strafverfolgungsbehörden ist der Dopingmafia beizukommen. Sportjournalisten haben als Einzelkämpfer da keine Chance. Sie müssen sich Verbündete suchen unter Kollegen, Funktionären, Kontrolleuren, Trainern, Politikern. Sie müssten eigentlich Forensiker sein. Selbst bei dauerhaft größten Anstrengungen werden sie tendenziell nie einen Doper enttarnen. Ein Scoop lässt sich nicht planen.</p>
<p>Es geht nicht um Verdachtsberichterstattung, sondern um Wahrhaftigkeit in der täglichen Arbeit. Es wäre viel erreicht, wenn mehr Sportjournalisten die Augen öffnen und sauber beschreiben, was sie sehen. Denn sportliche Leistungen, zumal in den absoluten Dopingsportarten wie Radfahren, Leichtathletik oder Schwimmen, müssen zwingend in ihrem Zusammenhang betrachtet werden.</p>
<p>Das Showbusiness Sport aber feiert den Moment, die Sensation, das vermeintliche Wunder. Es ist oft nicht leicht, sich diesem Sog zu entziehen. Zumal Hierarchen der Medienfirmen, etwa Chefredakteure oder Intendanten, oft mitfeiern wollen und bezahlte Skeptiker aus dem eigenen Haus gern in die Schranken weisen. Das passiert auch in so genannten Qualitätsmedien. Derartige Widerstände muss man aushalten.</p>
<p>Es lassen sich viele Parameter einer sportlichen Leistung überprüfen. Meist reicht schon der gesunde Menschenverstand, um Betrügern auf die Schliche zu kommen. Dass beispielsweise der ominöse griechische Sprinter Kostas Kenteris nur ein Doper sein konnte, war schon bei seinem sensationellen Olympiasieg im Jahr 2000 in Sydney klar. Er war vorher kaum aufgetaucht, steigerte seine Bestzeit allerdings exorbitant um eine halbe Sekunde. Das Verhalten seines engsten Umfeldes sprach Bände. Wer Augen und Ohren hatte und ein Gespür für Zusammenhänge, musste zu einem Ergebnis kommen &#8211; nur durfte niemand schreiben: Kenteris gedopt! Denn er ist ja nicht positiv getestet wurden.</p>
<p>Was also tun in der Not der aktuellen Berichterstattung? Ich habe Kenteris bei seinen wenigen großen Sieger-Pressekonferenzen nach seinen Dopingkontrollen gefragt. Das war einfach, manche mögen es als einfallslos bezeichnen, aber es erwies sich als durchaus wirkungsvoll, weil sich daraufhin immer ein wunderbares Schauspiel ergab: Meistens antwortete sein Trainer Christos Tsekos, obwohl er gar nicht gefragt war. Tsekos kam auch mal mit zwei Schwerathleten vorbei und drohte mir öffentlich Prügel an. Ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, diese absurden Situationen zu beschreiben. So wie ich bei Olympischen Spielen die Medaillengewinner der superschweren Gewichtheber regelmäßig bitte, mir ihre Antidopingpässe vorzulegen. In der Regel tun die Sportkameraden dann so, als würden sie die einfache Frage nicht verstehen. Wiederholt man die Frage, verlassen sie gern den Raum. So läuft das meistens. Auch das kann Dopingberichterstattung sein. Ein Tagesgeschäft im Rahmen des Möglichen, um Enthüllungen geht es nur selten.</p>
<p>Kenteris hatte sich natürlich jahrelang Dopingkontrollen entzogen. Im August 2004 nahm sein Spuk ein Ende, als IOC-Präsident Jacques Rogge kurz vor den Sommerspielen in Athen anordnete, Kenteris sofort zu überprüfen. Kenteris flüchtete spektakulär, verstrickte sich in weitere Lügen &#8211; und wurde am Ende gesperrt.</p></blockquote>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Checkliste/11 Tipps für die Dopingberichterstattung</strong></span></p>
<blockquote><p>Dopingberichterstattung ist nichts als Handwerk und heißt vor allem: Informationen sammeln und gewichten, Umstände und Entwicklungen von sportlichen Leistungen möglichst exakt beschreiben. Dazu braucht es keine paradiesischen Arbeitsbedingungen, es reicht schon, das ABC des Journalismus zu beherzigen. Eine Checkliste für alle Ebenen des Leistungssports, von nationalen Jugendmeisterschaften bis zu Olympischen Spielen:</p>
<ol>
<li>Misstrauen ist die wichtigste Regel: Nicht blenden und täuschen lassen. Es gibt keine Wunder. Jeder wundersame sportliche Auftritt lässt sich früher oder später erklären.</li>
<li>Einordnen: Leistungssteigerungen immer anhand von Bestenlisten und anderen Statistiken kontrollieren. Das geht mit effizientem Technikeinsatz (Bookmarks, Downloads, eigene Statistiken, die hohe Schule: Nutzung von CAR) auch unter großem Zeitdruck. Handelt es sich um eine kontinuierliche Entwicklung oder krasse Leistungssprünge?</li>
<li>Beobachten: Sind bei Sportlern binnen kurzer Zeit auffällige körperliche Veränderungen wahrzunehmen? Extremer Muskelzuwachs, Ake oder ausgeprägtes Wachstum bestimmter Körperteile (Gliedmaßen und Gesichtspartien) weisen noch immer auf Anabolikadoping und/oder Doping mit Wachstumshormonen hin.</li>
<li>Überprüfen: Mit welchen Trainern, Medizinern, Managern und Athleten arbeitet der Sportler? Welche Personen aus seinem Umfeld haben eine Dopingvergangenheit? Auch das muss exakt beschrieben werden. Doper sind chronische Wiederholungstäter.</li>
<li>Verstehen: Was bedeuten die gängigen Euphemismen, die Scheinargumente der Dopingbefürworter? Es gilt zu verstehen, was Mediziner meinen, wenn sie über „Substitution&#8221;, „bessere Regeneration&#8221; oder „nicht erwiesene Nebenwirkungen&#8221; schwadronieren. Die versteckten Freigabe-Argumente (neuerdings: „Dopingkontrollen sind ein Verstoß gegen Menschenwürde und Bürgerrechte der Sportler&#8221;) sollte man ebenfalls erkennen und mit wirksamen Argumenten begegnen.</li>
<li>Nachfragen: Wie viele unangemeldete Trainingskontrollen kann der Athlet in einem bestimmten Zeitraum unter welchen Umständen nachweisen? Diese und andere Fragen können an Sportler, Trainer, Verein, den jeweiligen Nationalverband, den internationalen Fachverband, den nationalen Dachverband, an das IOC, die nationalen und die Welt-Antidopingagentur (Wada) gerichtet werden. Optimal wären wiederholte Rückfragen an alle Parteien. Nie Behauptungen akzeptieren, immer Dokumente verlangen. Schon die Analyse der Antworten ist manchmal für eine erhellende Geschichte gut.</li>
<li>Handeln: Manche mutmaßlichen Doper sieht man nur einmal im Leben. Man sollte deshalb sogar Pressekonferenzen nutzen, um die wichtigsten Fragen nach Dopingkontrollen und Umfeld zu stellen. Wunderdinge darf niemand erwarten, aber die Reaktionen sind meist erstaunlich und lassen Rückschlüsse zu, denn bis heute sind viele Athleten derartige Fragen nicht gewöhnt.</li>
<li>Zuhören: Versuchen Sie regelmäßig mit Trainingskollegen der Athleten, Kontrahenten, Trainern, Kontrolleuren, Funktionären, Juristen und Wissenschaftlern zu sprechen.</li>
<li>Protokollieren: Notizen und Dokumente in jeder Form sind wichtig. Multimediales Arbeiten empfiehlt sich: Text, Foto, Audio, Video. Jeder muss sich sein passendes Notiz- und Archivsystem aufbauen. Es wird sich lohnen.</li>
<li>Studieren: Erstklassige sportpolitische Kenntnisse über Struktur des Hochleistungssportsystems und Geschichte der Dopingbekämpfung sind unentbehrlich, um die täglichen Lügen der Doper und die Propaganda der Sportpolitiker zu durchschauen. Es gibt hervorragende Antidopingbücher, tausende erstklassiger Dokumente und zahlreiche Gerichtsurteile &#8211; machen Sie Ihre Hausaufgaben! Medizinische und juristische Fachkenntnisse sind hilfreich. Optimal wäre eine kriminalistische Grundausbildung.</li>
<li>Dranbleiben ist die zweitwichtigste Regel: Denn Dopingberichterstattung ist kein Sprint, sondern ein Hindernis-Marathon. </li>
</ol>
</blockquote>

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		<title>Peking, Tag 17</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 03:05:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[britta steffen]]></category>

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		<description><![CDATA[10.48: She did it again. &#8221;Das Lustige bei den 50 Metern ist, du hast keine Schmerzen&#8221;, sagt Britta Steffen. Was jetzt noch kommen kann? &#8220;Nichts. Urlaub.&#8221; Dann überlegen. Analysieren. &#8220;Ich weiß noch nicht, ob es das Ende ist.&#8221; Wenn, dann war es ein sehr schönes Ende. 12.10: Immer noch Wasserwürfel, Laptop auf den Knien, Notizbuch vor [...]]]></description>
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<p><strong>10.48:</strong> She did it again. &#8221;Das Lustige bei den 50 Metern ist, du hast keine Schmerzen&#8221;, sagt Britta Steffen. Was jetzt noch kommen kann? &#8220;Nichts. Urlaub.&#8221; Dann überlegen. Analysieren. &#8220;Ich weiß noch nicht, ob es das Ende ist.&#8221; Wenn, dann war es ein sehr schönes Ende.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-792" title="torres-tranen" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/torres-tranen.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="224" height="207" align="right" />12.10:</strong> Immer noch Wasserwürfel, Laptop auf den Knien, Notizbuch vor dem Bauch, Kamera zu Füßen, Aufnahmegerät arbeitsbereit auf dem Rucksack postiert. Ein schöner Job. Konnte gerade eine Woche im Zeitraffer passieren lassen: Pressekonferenz mit Britta Steffen, Gespräch mit Norbert Warnatzsch, PK mit Dara Torres (es flossen Tränen) &#8211; und in fünf Minuten kommt The Big M, der es tatsächlich geschafft hat. Acht Mal Gold. Beifall von den Reportern. Da kommt The Big M, die Legende. Und tatsächlich: Er atmet schwer durch. Die Australierin Leisel Jones hat übrigens gesagt, ihr Höhepunkt sei es hier gewesen, Michael Phelps beobachten zu dürfen. The Big M sagt gerade, er sei sprachlos. Dann erzählt er trotzdem, wie es so war im Pool und überhaupt.</p>
<p><strong>15.37:</strong> Ein aktueller Text zu den <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572564,00.html" target="_blank">Befindlichkeiten von Britta Steffen</a> und Norbert Warnatzsch.</p>
<p><strong>18.10:</strong> Ein letzter (?) Beitrag aus Peking zu <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=671" target="_self">The Big M</a> &#8211; <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572581,00.html" target="_blank">Michael Phelps</a>.<span id="more-786"></span></p>
<p><strong>18.32:</strong> Niemand kann mehr arbeiten. Die Inder ziehen ein, vielleicht auch Pakistani, wie ein Kollege vermutet. Egal: Wenn zwei Dutzend von ihnen brüllen und lamentieren und in ihre Telefone schreien, ist das irgendwie blöd. Bin genervt, mache den Kameraden das auch klar. Nach zwanzig Minuten ist der Spuk vorrüber. Von der Ruderstrecke kommen wenig später die Kollegen H und E, sie sind noch schlimmer genervt, weil sie jubelnde und feiernde und küssende und lobhudelnde Sportreporter aus aller Herren Länder nicht ertragen. Als sie davon erzählen, brüllt am dreißig Meter weiter die nächste Horde. Irgendwas ist passiert. Irgendeine von 915 Medaillen gilt es zu feiern.</p>
<p><strong>19.10:</strong> Das Programm heute, nicht nur eigentlich, sondern echt wahnsinnig: Wie soll man das nur aushalten, von Bolt zu Phelps in wenigen Stunden &#8211; und dann auch noch halbwegs sinnvoll drüber schreiben. Ziemlich viel Wundersames auf einmal. Ziemlich viel für einen, Journalisten sind auch nur Menschen. Habe selten so viele Kollegen über einen 100-Meter-Lauf schimpfen und kopfschütteln und wettern sehen und hören. Bin mal gespannt, ob sie es auch so rüberbringen. Denn eins ist ja auch klar, das beobachte ich schon seit Jahren: Gemeckert wird viel, unter uns, sie wissen schon, ganz schlimm dies und das und überhaupt, denen ist doch nicht zu trauen &#8230; und wenn man dann nachliest oder nachschaut, was so fabriziert wurde über diesen und jeden vermeintlich skandalösen Vorfall, kommt man ins Grübeln. Da stehen dann meist ganz andere Texte, und man denkt, man sei im falschen Film gewesen.</p>
<p><strong>19.12:</strong> Vielleicht führt das jetzt ein bisschen zu weit, aber einen Beitrag von Thomas Hahn zur <a href="http://sportnetzwerk.eu/?p=185" target="_blank">Rolle des Sportjournalismus bei politischen Spielen</a> wollte ich schon vor Tagen verlinken. Mache ich es halt jetzt. Es geht ja nicht nur um die politischen Spiele, sondern vor allem darum, ob wir dem Schauspiel überhaupt glauben können.</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Journalistisch betrachtet ist der Sport ein besonderes Ressort. Manche behaupten sogar, ein besonders schwieriges Ressort. Er ist ein Ressort zwischen Unterhaltung und Wahrheit. Wir schauen in den Fernseher und glauben, dort den Sport zu sehen. In Wirklichkeit sehen wir nur den kleinen, flimmernden Ausschnitt von dem Sport, der unser Grundbedürfnis nach Zerstreuung befriedigt. Es gibt Sportjournalisten, denen dieser Ausschnitt reicht. Die haben es einfach. Die vergessen die Welt ums Stadion und alle Einflüsse, die hinterfragen wenig und folgen gehorsam dem Schauspiel. Diese Sportjournalisten sind die willkommenen Helfer der Sportunterhaltung und der Industrie, die um den Sport entstanden ist. Durch sie funktioniert der Handel mit künstlichen Mythen und Heldengeschichten immer präzise und ohne Widerrede. Durch sie wird der Sport zu einer nicht ganz billigen, aber höchst effektiven Werbebühne für Wirtschaft und Politik. Weil in ihrer Berichterstattung der Sport zuverlässig als Schauplatz positiv belegter Werte wie Jugendlichkeit, Fairness oder Völkerverständigung erscheint und immer unbelastet bleibt von irgendwelchen politischen oder sonst wie kritischen Aussagen. Schließlich sehen diese Sportjournalisten im Sport nur den Wettkampf, keine Ausdrucksform mit Inhalt, wie sie etwa das Theater darstellt. Der Sport ist in ihren Berichten schön und doof.</p>
<p>Kompliziert wird die Aufgabe des Sportjournalisten erst dann, wenn er versucht, die Wahrheit zu dieser ganzen Helden- und Mythenindustrie darzustellen. Wenn er feststellen will, ob die Heldengeschichte wirklich eine Heldengeschichte ist oder nur der Geschäftsgang eines fachmännisch gedopten Profis. Der Sportjournalist wird erst dann richtig gefordert, wenn er den Sport auch inhaltlich bewerten will. Wenn er den Sport nicht nur als plumpe Massenunterhaltung sieht und ihn entsprechend bewertet. Wenn er für das Publikum sozusagen die Unterscheidung zwischen gutem Sport und schlechtem Sport treffen will. Zwischen einem Sport also, der tatsächlich Ausdruck authentischer menschlicher Bewegungskultur ist und sich nur im Rahmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung – etwa im Sinne universeller Menschenrechte – als Werbebühne benutzen lässt. Und einem Sport, der alles kommerziellen Interessen unterordnet.</p>
<p>Sport ist Geschäft, an dem viele so genannte Partner hängen, vor allem die Sportartikelindustrie und höchst potente Sponsoren. Die Sportverbände sind Unternehmen mit streng hierarchischen Strukturen, die dafür Sorge tragen, ihr Produkt – den Sport – durch Handel zu fördern. Dieser Handel kann im Sinne eines guten Sports ablaufen. Oft aber befördert er vor allem den schlechten Sport. Kommerzialisierung und Politisierung sportlicher Leistung haben dazu geführt, dass Manipulationen aller Art gerade die olympische Geschichte geprägt haben und weiterhin prägen. Welche Rolle die Lobbyisten dabei den Sportjournalisten zuschreiben, ist klar: Die Sportjournalisten sind erwünscht, sie werden sogar gebraucht, aber natürlich sollen sie in ihren Berichten ganz im Rahmen des kleinen Ausschnitts bleiben, der ins Format einer emotionsgeladenen Traumfabrik passt.</p>
<p>Man kann dabei durchaus den Eindruck bekommen, dass der Sport seine eigene Pressefreiheit pflegt: Die Presse ist frei, solange ihre Berichte dem Sport dienen. Der Blick über den Tellerrand hinaus aber, die kritischen Fragen im Sinne der Wahrheitsfindung, die übrigens der Glaubwürdigkeit des Sports dienen, sind auf höchster sportpolitischer Ebene bestenfalls geduldet. Eher muss man in vielen Fällen sagen: Sie sind nicht erwünscht, werden abgetan und von den verbandseigenen PR-Strategen abgewehrt, weil sie, wie man immer wieder hört, „nicht positiv für unseren Sport“ seien und man Sport und Politik trennen müsse. Das zeigt die Erfahrung. (&#8230;)</p></blockquote>
<p><strong>19.57:</strong> Ich bin eben ein Vollprofi. Bevor ich zu den Halbfinals der Sprinterinnen vom MPC rüber ins Stadion flitze, gehe ich kurz noch Essen. Kein Problem, ist ja Zeit, Vollprofi hat sich schließlich im Infosystem schlau gemacht. Als er wieder hochkommt vom Schnellimbiss, muss Vollprofi allerdings erkennen, dass die Halbfinals ohne ihn stattfanden. Denn ich habe am falschen Tag nachgesehen, gestern statt heute, und Frauen und Männer habe ich auch verwechselt. Aber sonst, ich schwöre, stimmt manches an meinen Geschichten.</p>
<p><strong>20.36:</strong> Nicht übel, der Blick. Habe drei Plätze allein für mich, ich entscheide mich für Aisle 210, Row 02, Seat 06. Das darf jetzt nur niemand vom IOC oder der IAAF lesen, sonst kriegen die noch mit, dass die Chinesen die Pressetribüne doch sehr großzügig dimensioniert haben. Aber im nächsten Jahr bei der WM ist das sowieso alles anders. Im Berliner Olympiastadion fürchten sich alle vor den legendär schlechten Arbeitsbedingungen. Jetzt sind es nur noch zwei Plätze. Der Kollege L kommt gerade von nebenan, vom National Indoor Stadium und dem Turnen hinzu, er will auch mal Leichtathletik gucken.</p>
<p><strong>20.45:</strong> Das mit der Hitze im Olympiastadion, ich sagte es bereits <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=742" target="_self">gestern</a> oder <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=714" target="_self">vorgestern</a>, haben die Chinesen übrigens auch gedeichselt. Geht in Ordnung. Es hat sich doch merklich abgekühlt jeden Abend, kein Vergleich zu den monsunartigen Verhältnissen bei der <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=502" target="_self">Eröffnungsfeier</a>.</p>
<p><strong>21.53:</strong> Haben die Chinesen gar nichts mehr im Griff? Erst Hitze, dann Regen, nun ein Stürmlein. Es wird kalt. Ich brauche eine Sportjacke.</p>
<p><strong>21.57:</strong> <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=463" target="_self">Lopez Lomong</a> hat sich im Halbfinale über 1500 Meter verabschiedet. Er wurde Letzter.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>22.01:</strong></span> Bevor es wieder ernst wird mit dem Sprintfinale, schnell noch ein sportpolitisches Kleinod, betr.: Meine spezielle Freundin Fani Halkia, die auf meiner <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">Flop-Liste von Athen 2004</a> auftauchte. Schon damals war klar: Sie ist eine Betrügerin, eine Lügnerin, eine Doperin. Nun ist sie endlich aufgeflogen. Kleiner Auszug aus einer Meldung des Sportinformationsdienstes:</p>
<blockquote><p>Seit vier Jahren lief bei ihr der Verdacht mit, jetzt ist Olympiasiegerin Fani Halkia den Jägern tatsächlich ins Netz gegangen &#8211; als vierter Dopingfall der Spiele von Peking. Der positive Test der griechischen Goldmedaillen-Gewinnerin über 400 m Hürden von Athen, den Kontrolleure im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vornahmen, stammt aus dem vorolympischen Trainingslager in Japan. Das Vertrauen in den ohnehin angeschlagenen griechischen Sport dürfte damit endgültig dahin sein. (&#8230;) Die Wunderdroge der Griechen hieß und heißt offenbar Methyltrienolon. Seit März wurden inklusive Halkia 19 Athleten positiv getestet, darunter elf Gewichtheber, und fast alle hatten das anabole Steroid genutzt. (&#8230;) Halkia reagierte mit Fassungslosigkeit. &#8220;Ich dachte erst die Nachricht sei ein Witz&#8221;, sagte sie in der Nacht zu Sonntag und fügte hinzu: &#8220;Ich werde nicht akzeptieren, dass da krankhafte Menschen sind, die mich sabotieren wollen.&#8221; Aus dem Olympischen Dorf musste die 29-Jährige umgehend ausziehen.</p></blockquote>
<p>Ich sehe in diesem Fall nur einen &#8220;krankhaften Menschen&#8221;, um ihr Vokabular aufzugreifen: Fani Halkia.</p>
<p><strong>22.13:</strong> Auch Weltmeister Bernard Lagat ist über 1500 Meter rausgeflogen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-801" title="ziel-jam" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/ziel-jam.jpg" alt="" width="493" height="314" /></p>
<p><strong>22.35:</strong> Drei Jamaikerinnen vorn im Sprint. Das hat es bei Olympischen Spielen noch nie gegeben, auch nicht von DDR- oder US-Frauen. Die wichtigsten Fakten auf die Schnelle: Die Siegerin Shelly-Ann Fraser ist erst 21 Jahre alt, wie Usain Bolt. Wie Bolt lief auch Fraser zwanzig Hundertstel Sekunden voraus. Sie gewann in persönlicher Bestzeit von 10,78 Sekunden. Nach einigen Minuten setzte die Jury nach der Auswertung des Zielfotos Sherone Simpson und Kerron Stewart mit je 10,979 Sekunden gemeinsam auf Rang zwei. Schneller als Shelly-Ann Fraser waren in der olympischen Geschichte nur zwei Frauen: Florence Griffith-Joyner (1988) und Marion Jones im Jahr 2000 in Sydney. Während Griffith-Joyner, 1998 mysteriös im Schlaf gestorben, noch als olympische und Weltrekordlerin geführt wird, als Olympiasiegerin natürlich auch, wurden Jones alle fünf Sydney-Medaillen aberkannt. Shelly-Ann Fraser trägt Zahnspange. Sie hat ihre Bestzeit binnen eines Jahres um 0,53 Sekunden verbessert. Wow! Da darf man ruhig mal ein Ausrufezeichen setzen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-802" title="jamaika-trio" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/jamaika-trio.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>

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		<title>Usain Bolt oder: das Jogging-Gate</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2008 14:52:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[leichtathletik]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[usain bolt]]></category>

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		<description><![CDATA[22.40: Wo lebe ich denn? Was sucht dieser Außerirdische hier? Läuft nur 80 Meter, klopft sich auf die Brust, schaut nach hinten, läuft locker aus, beschleunigt erst wieder hinterm Zielstrich, rennt gleich 200 Meter weiter &#8211; und ist mit 9,69 Sekunden zwei ein Zehntel schneller als Ben Johnson vor 20 Jahren. Okay, alle zwei Jahre [...]]]></description>
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<p><strong>22.40:</strong> Wo lebe ich denn? Was sucht dieser Außerirdische hier? Läuft nur 80 Meter, klopft sich auf die Brust, schaut nach hinten, läuft locker aus, beschleunigt erst wieder hinterm Zielstrich, rennt gleich 200 Meter weiter &#8211; und ist mit 9,69 Sekunden <span style="text-decoration: line-through;">zwei</span> ein Zehntel schneller als Ben Johnson vor 20 Jahren. Okay, alle zwei Jahre ein Hundertstel. Usain Bolt oder: das Jogging-Gate.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-766" title="bolt-allein" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-allein.jpg" alt="" width="492" height="364" /></p>
<p><strong>23.15:</strong> Pressekonferenz. Erste Reihe. Wenigstens hier. Aber Bolt hat gerade noch Interviews gegeben draußen, zuletzt bei den Radiostationen, die Rechte haben. Warten.</p>
<p><strong>02.11:</strong> Mein <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572553,00.html" target="_blank">heutiges Fazit zum Boliden Bolt ist auf Spon zu kritisieren</a>.</p>
<p><strong>02.52:</strong> Zurück im Poly Plaza, wo ich, um mal wieder an Reporters Tagesablauf erinnere, in fünfeinhalb Stunden wieder abfahre ins Schwimmstadion, will ich nicht mehr viele Worte verlieren. Ähnlich wie bei Tyson Gay entscheide ich mich für die allseits beliebte Bilderstrecke. Zumal ich Stolz wie Bolle bin, den Zieleinlauf so gut festgehalten zu haben. Ich bin den Chinesen echt dankbar für die guten Presseplätze.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-775" title="bolt-ziel1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-ziel1.jpg" alt="" width="490" height="378" /></p>
<p>Er hat dann ein bisschen gepost &#8230;<span id="more-765"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-776" title="bolt-tafel" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-tafel.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>&#8230; und Interviews gegeben. Auf diesem Bild hier unten sieht man übrigens sehr schön, dass NBC und Norbert König vom ZDF schon nach Hause gegangen sind, als Bolt nach einer Stunde noch die letzten Rechteinhaber bediente. Wenn ich richtig geguckt habe, steht er jetzt gerade beim ARD-Hörfunk &#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-779" title="tv-marathon" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/tv-marathon.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>&#8230; und irgendwann kam er dann tatsächlich tief im Stadionbauch an, wo zwei Hundertschaften der Non-Right-Holders warteten. Er knabberte Riegel und erzählte was davon, dass er den ganzen Tag Nuggets gegessen habe. Zaubernuggets.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-780" title="musli" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/musli.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Jamaikas Mannschaftsarzt erklärte den Reportern dann, dass Weltrekordler immer sauber sind, weil: Sie müssen ständig zur Dopingkontrolle. Bolt angeblich schon sechs Mal in Peking. Marion Jones hatte 164 Dopingkontrollen. Alle negativ.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-781" title="bolt-arzt" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bolt-arzt.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Der Arzt und die Reporterin haben sich dann noch mächtig gedrückt und gebusselt wurde auch. So sind sie, die Kariben. Gute Nacht allerseits. Später mehr aus diesem Theater.</p>

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		<title>Tyson Gay</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2008 13:08:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[leichtathletik]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[tyson gay]]></category>

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		<description><![CDATA[20.32: Unvorhergesehene Ereignisse rechtfertigen unvorhergesehene Einträge. Das 100-m-Finale wird in zwei Stunden etwas weniger spannend. Vielleicht ist ja diese Geschichte hier Schuld, dass Tyson Gay sich im Halbfinale verabschiedete. Ich habe gute Sicht in Aisle 211, Row 02, Seat 07. Deshalb eine kleine Bildergeschichte. Hier war die Welt noch in Ordnung für Tyson Gay (links [...]]]></description>
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<p><strong>20.32:</strong> Unvorhergesehene Ereignisse rechtfertigen unvorhergesehene Einträge. Das 100-m-Finale wird in zwei Stunden etwas weniger spannend. Vielleicht ist ja <a href="http://jensweinreich.de/?p=246" target="_self">diese Geschichte hier Schuld</a>, dass Tyson Gay sich im Halbfinale verabschiedete. Ich habe gute Sicht in Aisle 211, Row 02, Seat 07. Deshalb eine kleine Bildergeschichte.</p>
<p>Hier war die Welt noch in Ordnung für Tyson Gay (links neben Asafa Powell):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-750" title="gay1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/gay1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Zehn Sekunden später kam ihm etwas Spanisch vor:<span id="more-749"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-751" title="gay2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/gay2.jpg" alt="" width="491" height="325" /></p>
<p>Nun weiß er es. Und während Powell ganz oben schon abdreht, nähert sich Gay langsam den Rechteinhabern vom Fernsehen:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-752" title="gay3" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/gay3.jpg" alt="" width="490" height="350" /></p>
<p>Nun muss er das Unmögliche erklären:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-753" title="gay5" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/gay5.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Der Verband USATF macht unter Mediendirektorin Gill Geer den besten Presse-Service, den ich in dieser Szene kenne. Dieses Statement kam soeben per Email:</p>
<p align="center"><strong>Tyson Gay Quotes</strong></p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><em>Quotes from Tyson Gay after he finished fifth in his semifinal and failed to advance to the final of the men&#8217;s 100m.</em><br />
Tyson Gay (Lexington, Ky.): &#8220;Toward the finish line I couldn&#8217;t tell if I made it to the finals or not. I looked up there and realized I didn&#8217;t. It was kind of devastating. I may have needed more races, but I don&#8217;t really have any excuses. I just didn&#8217;t make it. My hamstring feels good, it&#8217;s not bothering me. I wasn&#8217;t too overwhelmed with it being the Olympics. It just was one of those things that happened. Maybe I could have used some more training or more races. I kept trying to get my rhythm through each round. I thought I had a better start than I had the first two rounds. I pretty much ran hard through the finish line. I&#8217;m pretty upset. When I get back to the Village, it&#8217;s really probably going to set in. My family is here, everyone at home is supporting me, and I just feel I let them down a little bit. But at the same time, I did my best and everyone knows I did. When you race in the Olympics and the Trials, you peak your body two times. I was prepared to peak my body twice, but the injury set me back three or four weeks. It&#8217;s (the hamstring) healthy, 100 percent. It&#8217;s obvious that my fitness is not there. My legs were behind me a little bit (back kick), I think my mechanics weren&#8217;t where I wanted them to be. I think I just ran out of time. I was getting better and feeling more comfortable each round, it just didn&#8217;t come together. Definitely I&#8217;m interested in running the relay.<br />
On coming back from the injury: &#8220;Three weeks, four weeks off because of the injury after running 9.7, 9.6 &#8230; it was just a back and forth battle, reversing the negativity in my mind. It was very difficult. At the same time, I felt good. I was comfortable and relaxed. I felt I got a good start. I couldn&#8217;t really feel anybody and I got tight a little bit because I was trying to make it to the final and I really couldn&#8217;t see anybody (running in lane 9). Then I relaxed a little.<br />
On Dix and Patton in the final: &#8220;I think they can do very well. Walter is a young guy, very fearless, and Darvis is the same way. I&#8217;m proud of both of them. They both deserve it.&#8221;</p>
</blockquote>

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		<title>Peking, Tag 16</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2008 07:32:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[15.25: Tach allerseits. Es grüßt ein Zombie. Gucke gerade, zum Schlummern, Volleyball und frage mich, warum die Kerle nicht endlich mal Basketball-Shirts anziehen, damit sie nicht immer so lächerlich an ihren Ärmeln rumzupfen und die Hemdchen hochschieben müssen. 18.20: Habe mir bei Herrn Niggemeier die Diskussion zum Kerner-Gespräch mit Michael Johnson reingezogen. Darüber ist hier [...]]]></description>
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<p><strong>15.25:</strong> Tach allerseits. Es grüßt ein Zombie. Gucke gerade, zum Schlummern, Volleyball und frage mich, warum die Kerle nicht endlich mal Basketball-Shirts anziehen, damit sie nicht immer so lächerlich an ihren Ärmeln rumzupfen und die Hemdchen hochschieben müssen.</p>
<p><strong>18.20:</strong> Habe mir bei Herrn Niggemeier die Diskussion zum <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/michael-johnson-trifft-johannes-b-kerner/" target="_blank">Kerner-Gespräch mit Michael Johnson</a> reingezogen. Darüber ist hier <a href="http://jensweinreich.de/?p=692" target="_self">vorgestern</a> und <a href="http://jensweinreich.de/?p=714#comment-1086" target="_self">gestern</a> auch diskutiert worden. Habe gar keine Lust, mich am Kerner-Bashing zu beteiligen. Wird mir ohnehin zu viel über TV-Sport diskutiert, <a href="http://jensweinreich.de/?p=125" target="_self">habe immer gesagt</a>, dass vieles dort kein Journalismus mehr ist, es sind bestensfalls artverwandte, oft auch artfremde Tätigkeiten. Und Johnson, nun ja, dem glaube ich weder ein Wort noch einen Schritt, sozusagen. Wir hatten auch in Peking eine kleine, <a href="http://jensweinreich.de/?p=675" target="_self">harmlose Begegnung</a>. Was mich viel mehr schockiert ist der Umstand, dass wir seit einem Jahrzehnt (und teilweise länger) hilflos die selben Fragen diskutieren. Als Journalisten und als Zuschauer. Ich kopiere mal spaßeshalber einen Text rein, den ich 1999 von der Leichtathletik-WM in Sevilla geschrieben habe. Ich hatte ja das Glück, dort Johnsons 400-m-Weltrekord live zu erleben, wie auch 1996 den 200-m-Weltrekord in Atlanta. Schreckliche Abende. Worum es mir geht: Wer mag, setzt einfach für Johnson andere <a href="http://jensweinreich.de/?p=671" target="_self">Namen</a> und von mir aus auch anderte Jahreszahlen und Sportarten ein &#8211; dann nämlich könnte man denselben Text aus Peking &#8211; neun Jahre später &#8211; ruhig noch einmal drucken.</p>
<blockquote><p><strong>Sevilla, 27. August 1999</strong></p>
<p>Ähnliche Bilder waren schon einmal zu sehen. Der amerikanische Sprinter Michael Johnson, der im Stadio Olympico von Sevilla gerade einen Weltrekord über die Stadionrunde aufgestellt hatte, posierte umgehend, ohne einmal inne zu halten, aufreizend für die Kameras. Er nahm Aufstellung vor jener Tafel, auf der seine 400-m-Zeit von 43,18 Sekunden aufleuchtete. Johnsons sieben Mitläufer aber, Kontrahenten waren es nicht wirklich gewesen, fielen hinter dem Zielstrich erschöpft darnieder. Sie japsten verzweifelt nach Luft, wurden von Muskelkrämpfen geplagt &#8211; während sich Johnson im leichten Trab fröhlich auf die Ehrenrunde begab.</p>
<p>&#8220;Johnson ist ein Monster&#8221;, brachte der Brasilianer Sanderlei Parrella später nur keuchend hervor. Parella hatte mit einem riesigen Rückstand von 1,11 Sekunden die Silbermedaille gewonnen. &#8220;Er ist der Supermann&#8221;, erklärte Johnsons Teamkollege Erick Walder, &#8220;er ist einfach phänomenal.&#8221; Der 31 Jahre alte Michael Johnson gewann in Sevilla seinen insgesamt achten globalen Titel, und er verbesserte dabei den ältesten Männer-Weltrekord in einer olympischen Disziplin. 43,29 Sekunden hatte sein Landsmann Harry Butch Reynolds im August 1988 in Zürich erzielt. Doch ist diese Leistung wenig glaubwürdig, denn Reynolds wurde später des Hormondopings überführt.</p>
<p>Eine halbe Stunde nach seinem grandiosen Lauf, der ihn um 160.000 Dollar reicher machte (60.000 für den Titel, 100.000 als Prämie für den Weltrekord), scherzte Johnson in der Mixed Zone, als hätte er nicht gerade eine mörderische Strecke absolviert. Andere Läufer schleppten sich mühsam aus dem Raum, Johnson aber tippelte ganz lässig herum, in der einen Hand eine Cola-Dose, mit der anderen fuhr er sich übers Haupt. Seine Beinmuskeln wirkten frisch und entspannt. Nichts deutete auf eine Anspannung hin, nichts auf eine zuvor erlittene Qual.</p>
<p>So war das auch bei Olympia 1996 in Atlanta gewesen. Damals hatte Johnson seinen 200-m-Weltrekord von 19,66 auf 19,32 Sekunden pulverisiert. Jenes Rennen versetzte 80.000 Amerikaner im Stadion in einen nationalen Taumel. Der Fernsehsender NBC feierte den Lauf ins dritte Jahrtausend. Nur wenige Menschen sahen sich erschrocken nach Hilfe um. In welchem Film waren sie da? Im Stadion saß damals Michel Jazy, ein ehemaliger Weltrekordler, der in den sechziger Jahren Frankreichs Nationalheld war. &#8220;Ich habe diesen Lauf erlebt und gesehen, wie die Amerikaner danach durchgedreht sind&#8221;, sagte Jazy dieser Tage der Sportzeitung L&#8217;Equipe, &#8220;dann habe ich angefangen zu weinen.&#8221; Vor Freude, wollte der Interviewer wissen. &#8220;Nein, nicht vor Freude, sondern aus Nachdenklichkeit. Diese Leistung wurde nicht natürlich erzielt.&#8221; Die L&#8217;Equipe, nicht gerade für einen konsequenten Anti-Doping-Kurs bekannt, übertitelte das Interview mit der Zeile: &#8220;Die Leichtathletik hat keine Seele mehr.&#8221;</p>
<p>Entweder ist der Laufroboter Michael Johnson tatsächlich einer der größten Athleten aller Zeiten, oder er ist einer der größten Betrüger, den die Sportwelt je sah. Natürlich darf niemand behaupten, Johnson sei gedopt. Er verweist darauf, dass er im Juni 1999 zuletzt im Trainings getestet worden sei. Hätte er tatsächlich etwas zu verbergen, wäre seit Juni genug Zeit für eine Dopingkur gewesen. Es gibt immer noch Stoffe und Methoden &#8211; wie Wachstumshormone oder Blutdoping -, die nicht nachzuweisen sind. Zudem gehören die USA zu den Ländern mit dem grobmaschigsten Kontrollsystem. So wurde zum Beispiel vor den Spielen in Atlanta ein Trainingskontrollprogramm gestrichen &#8211; angeblich aus Geldmangel, dabei ist das amerikanische Olympiakomitee USOC der reichste nationale Olympiaverband der Welt.</p>
<p>Doping sei im amerikanischen Profisport &#8220;nur ein lästiges Problem, das durch gezielte Public Relations klein geredet werden kann&#8221;, glaubt der Dopingexperte Professor John Hoberman von der University of Texas in Austin. Der Texaner Michael Johnson, der in Dallas lebt und trainiert, weiß ein ganzes Heer von Öffentlichkeitsarbeitern hinter sich.</p>
<p>All die Fragen und Unterstellungen seinen der Preis für seinen Ruhm, sagt Johnson. &#8220;Diesen Preis muss ich zahlen.&#8221; Nach seinem Fabelweltrekord in Atlanta hatte Johnson den Skeptikern mürrisch zugerufen: &#8220;Glaubt, was ihr wollt.&#8221; In Sevilla präsentierte er sich weniger aggressiv. Er entschuldigte sich sogar für ein Räuspern, das einmal seine druckreifen Sätze unterbrach. &#8220;Es ist nicht angenehm für mich, was ihr manchmal so schreibt&#8221;, sagte er auf der Pressekonferenz. &#8220;Aber was heute Abend passiert ist, das hat mir viel Spaß gemacht.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>18.55:</strong> Und jetzt, Freunde der Nacht, geht&#8217;s wieder ins Vogelnest. Muskel-Boliden gucken. Gay, Bolt, Powell.<span id="more-742"></span></p>
<p><strong>18.56:</strong> Halt, wenn ich schon mal dabei bin, bin ich auch so frei und gebe mal meinen letzten Britta-Steffen-Text von gestern zum besten:</p>
<blockquote><p>Es sind selten die lauten Momente, die von einer olympischen Show in Erinnerung bleiben. Nicht das Getöse, das Dröhnende, das Marktschreierische. Es sind meistens die stillen Momente. Sekunden der Ruhe, nachdenkliche Augenblicke, wenige Worte. Zum Beispiel Britta Steffen: Als sie sah, welcher Name auf der Anzeigetafel aufleuchtete, wer soeben Olympiasiegerin über 100 Meter Freistil geworden war, dachte sie an ihre Eltern: „Mama, Papa, ich hab&#8217;s geschafft.&#8221; Wer hat seinen Olympiasieg jemals einfacher und schöner beschrieben?</p>
<p>Britta Steffen, 24, von der SG Neukölln in Berlin hat also doch geblufft im Halbfinale am Donnerstag, als sie nur Sechste geworden war. Dass sie sich viel besser fühlte, war in den Katakomben des Wasserwürfels zu erahnen, wo sie einen gelösten Eindruck hinterließ. Nach der Sprintstaffel am vergangenen Sonntag war sie noch untröstlich gewesen, trotz ihres Olympischen Rekordes über 100 Meter (53,38 Sekunden). Sie hat geweint und wollte einfach nur vor den Journalisten flüchten. „Das war in Ordnung so&#8221;, sagt ihre Psychologin Friederike Janofske. „Es ging darum, dass sie ihre Emotionen nicht verdrängt. Alles muss raus. Man muss tief hinab sinken, um wieder aufzutauchen.&#8221;</p>
<p>Am Donnerstag also wirkte sie schon wie verwandelt. Vor allem: Sie lachte. Vorsichtshalber hat sie tief gestapelt: „Ich denke, die Trickett wird alle platt machen.&#8221; Libby Trickett aus Australien, die Weltmeisterin, die Weltrekordlerin (52,88), seit zwei Jahren ihre große Rivalin. Am Freitagmorgen um 5.04 Uhr (MESZ) sah es zunächst so aus, als wolle Trickett in Michael-Phelps-artiger Manier die Konkurrenz abhängen. Zwei Zehntel Vorsprung hatte sie bei der 50-Meter-Wende vor der Holländerin Marleen Veldhuis. Britta Steffen lag 1,14 Sekunden zurück. Sie war Letzte.</p>
<p>„Ehrlich gesagt wurde ich da ein bisschen panisch&#8221;, sagte Regine Eichhorn, Steffens Managerin. Auch Trainer Norbert Warnatzsch war überrascht. „Das hätte schon etwas schneller sein dürfen.&#8221; Wenngleich jeder in der Szene weiß, dass Steffen immer die schnellste zweite Bahn schwimmt, schien dieser Rückstand doch kaum aufzuholen.</p>
<p>Britta Steffen schwamm in ihrem Tunnel „ihr eigenes Rennen&#8221;, so wie ihr der Trainer aufgetragen hatte. Sie wurde nicht hektisch. Sie wusste: „Libby geht eher schnell an, ich schwimme eher gleichmäßig.&#8221; Sie näherte sich. Sie lag gleichauf. Sie hatte den besseren Anschlag. Sie wusste instinktiv, dass sie Trickett geschlagen hatte. Was sie aber nicht wusste, weil sie nur die rechts neben ihr kraulende Australierin sehen konnte, ob nicht links jemand schneller gewesen war. Sie hat sich erst nach ein paar Sekunden umgesehen und auf die Anzeigetafel geschaut. „Ich dachte: Genieße den Augenblick. Es war schon schön, Libby geschlagen zu haben.&#8221;</p>
<p>Nun ja, die Neugier siegte. Es war schließlich olympisches Finale, das Rennen ihres Lebens, da will man doch wissen, wie es ausgegangen ist. „Ich habe mich umgesehen und konnte es, ehrlich gesagt, nicht fassen. Alles war schön.&#8221; Dort stand: Britta Steffen (GER) 53.12. Lisbeth Trickett (AUS) 53.16. Natalie Caughlin (USA) 53.39. Gut, dass es kein Weltrekord war, keine wundersame Steigerung, gut dass sie über ihrer Bestleistung blieb. So wurde nicht über das D-Wort diskutiert und das Schauspiel erschien etwas glaubwürdiger als andere Events in diesem Becken. Später sagte Tricket: „Ich freue mich für Britta. Sie hat es definitiv verdient.&#8221; Das klang nicht aufgesetzt. Das klang ehrlich.</p>
<p>Für Sportdeutschland war es vielleicht schon der Höhepunkt dieser Spiele. Es wird wohl die einzige Goldmedaille in einer der großen olympischen Kernsportarten bleiben. Es war der erste Olympiasieg für eine deutsche Schwimmerin nach sechzehn Jahren. Sechzehn Jahre! Mehrere Sportlergenerationen liegen zwischen dem Sieg von Dagmar Hase 1992 in Barcelona (400 Meter Freistil) und dem Erfolg von Britta Steffen. Sechzehn Jahre, von denen zwölf einer anderen Schwimmerin gehörten, obwohl diese sich vier Mal vergeblich nach dieser einen olympischen Goldmedaille verzehrte: Franziska van Almsick.</p>
<p>Britta Steffen ist einst mit Franziska van Almsick in einer Trainingsgruppe geschwommen. Sie vertraut auf das Team, auf das auch van Almsick zuletzt setzte: Norbert Warnatzsch, Regine Eichhorn, Friederike Janofske. Und auch zwischen Dagmar Hase und Britta Steffen gibt es viele Parallelen: Beide standen lange im Schatten von Franziska van Almsick. Hase konnte sich nie richtig aus diesem Dilemma befreien, verblüffte allerdings 1994 mit einer großen Geste, als sie bei der WM in Rom ihren Finalplatz frei gab, damit van Almsick, nur Neunte des Vorlaufs, starten konnte. Van Almsick bedankte sich mit einem Weltrekord.</p>
<p>Die Trainer der Olympiasiegerinnen Hase und Steffen, Bernd Henneberg und Norbert Warnatzsch, sind seit vier Jahrzehnten eng befreundet. Sie waren Schwimmer, Fünfkämpfer, haben zusammen studiert, bis in die letzten Jahre gemeinsame Trainingslager bestritten. Letztlich bleibt alles irgendwie in der Familie. So ist die Geschichte der Olympiasiege von Dagmar Hase und Britta Steffen und die ihrer Trainer mehr als eine sportliche Episode. Es ist ein Stück deutsche Geschichte, mit all ihren Irrungen und Wirrungen. Bernd Henneberg hat, daheim in Niederndodeleben bei Magdeburg, Fernsehen geschaut am frühen Morgen. Er nennt seinen Freund Warnatzsch nur beim Spitznamen. „Ich habe mich für Kelly unglaublich gefreut. Das hat mich bewegt. Für Britta ist das natürlich auch großartig.&#8221;</p>
<p>Norbert Warnatzsch, 61, wird noch vier Jahre weiter machen. Er ist ein nüchterner Mensch. Er hat schon alles erlebt. Alle Höhepunkte. Alle Tiefen. Er hat 1980, zu Beginn seiner Trainerlaufbahn, Jörg Woithe vom SC Dynamo Berlin in Moskau zum Olympiasieg über 100 Meter gecoacht. Unter gänzlich anderen Vorzeichen, in einem System, das auf die Produktion von Medaillen ausgerichtet war, koste es, was es wolle. Darüber ist schon viel geschrieben worden. Über das D-Wort auch. Über Doping, Warnatzsch und Henneberg. 28 Jahre nach dem Erfolg mit Woithe nun auch Britta Steffen zum Olympiasieg geführt. Unter ganz anderen Bedingungen. „Ich fühle Stolz, Glück, Erleichterung, Befreiung&#8221;, sagte Warnatzsch. „Dieser Sieg ist gleichrangig mit dem von Jörg Woithe. Ich gebe keinem den Vorrang.&#8221;</p>
<p>Eigentlich hatte Warnatzsch 2004 in Athen mit Franziska van Almsick feiern wollen. Doch das Glamourgirl verpasste, wieder auf tragische Weise, zum vierten Mal die Goldmedaille, nach der sie sich so verzehrte. Und Warnatzsch sagte damals, er nehme alle Schuld auf sich. In Peking hat er, rein symbolisch, weil es van Almsick ja nicht mehr hilft, alle Schuld getilgt.</p>
<p>Jemand will wissen, was der Unterschied war zwischen Athen und Peking. „Vor vier Jahren&#8221;, sagt Warnatzsch, „hat&#8217;s nicht geklappt. Diesmal hat&#8217;s geklappt. Das ist der Unterschied.&#8221; Regine Eichhorn, die all die olympischen Jahre mit van Almsick gelitten hat, war nicht im Wasserwürfel. Sie hatte keine Eintrittskarte bekommen und sich das Finale im Hotelzimmer angesehen. Sie sagte: „Das ich das noch erleben durfte!&#8221;</p>
<p>Es sind also nicht die großen, Effekt haschenden Gesten, die in Erinnerung bleiben. Es sind die stillen Momente. Franziska van Almsick hat in Athen einen wunderbaren Satz formuliert. Ganz leise. „Ich fühle mich ein bisschen tot.&#8221;</p>
<p>Britta Steffen machte es in Peking noch kürzer. Vier Worte nur. Ganz leise ins Mikrofon gehaucht. „Mein Leben ist schön.&#8221;</p>
<p>Glücklich, wer das von sich behaupten darf.</p></blockquote>
<p><strong>21.05:</strong> Über Tyson Gay kann <a href="http://jensweinreich.de/?p=749" target="_self">hier diskutiert werden</a>. Eine kleine Bildergeschichte. Aber natürlich auch hier. Denn nachher geht es mit dem 100-m-Finale weiter.</p>
<p><strong>21.13:</strong> Mein Freund Lars macht mich gerade auf lustige Einträge im olympischen Statistikbuch des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) aufmerksam. Wie geht man da mit Marion Jones und ihren Medaillen von den Sommerspielen 2000 in Sydney um? So:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-758" title="jones-sydney-no-show" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/jones-sydney-no-show.jpg" alt="" width="493" height="364" /></p>
<div>Übrigens: Heike Dreschler. Beruhigend, dass nicht nur ich Fehler mache.</div>

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		<title>Peking, Tag 15</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Aug 2008 02:46:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.40: Wieder im Dienst. Gerade spielen sie noch die US-Hymne für Rebecca Soni (200 Brust), gleich wird die für Ryan Lochte gespielt (200 Rücken), und in wenigen Sekunden gewinnt The Big M die 200 IM. Drei mal Gold, drei Mal Weltrekord. 10.51: Dass The Big M seine sechste Goldmedaille (12 over all) gewinnt mit Weltrekord, [...]]]></description>
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<p><strong>10.40:</strong> Wieder im Dienst. Gerade spielen sie noch die US-Hymne für Rebecca Soni (200 Brust), gleich wird die für Ryan Lochte gespielt (200 Rücken), und in wenigen Sekunden gewinnt <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=671" target="_self">The Big M</a> die 200 IM. Drei mal Gold, drei Mal Weltrekord.</p>
<p><strong>10.51:</strong> Dass The Big M seine sechste Goldmedaille (12 over all) gewinnt mit Weltrekord, hatte ich ja schon gesagt. Diskutiere mit <a href="http://sportnetzwerk.eu/?p=101" target="_blank">David</a> <a href="http://sportnetzwerk.eu/?p=153" target="_blank">Walsh</a>, dem Armstrong-Jäger, ob Phelps sauber ist. David meint tendenziell: <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=671" target="_self">ja</a>. Vielleicht kriege ich ihn noch rum. Er kann übrigens gar nicht glauben, dass die Deutschen seit 1992 auf einen Schwimm-Olympiasieg warten. Und er hat vergessen, dass ich aus dem Osten komme. &#8220;Deshalb also weißt du so viel über Doping.&#8221; Das war gehässig. Weiß ich gar nicht.</p>
<p><strong>11.09:</strong> She did it. Was für ein Spurt. Jason-Lezak-mäßig. Gold für Britta Steffen, das erste Schwimmgold seit 1992 Dagmar Hase.</p>
<p><strong>12.28:</strong> Sieht aus, als sei da jemand glücklich:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-719" title="steffen-pk" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/steffen-pk.jpg" alt="" width="492" height="360" /></p>
<p><strong>17.37:</strong> Ein aktueller Text zu Britta Steffen: <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572276,00.html" target="_blank">Die Aufholjagd ihres Lebens</a>.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-726" title="daerden1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/daerden1.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="212" height="163" align="right" />18.05:</strong> Bevor wir uns wieder den freudigen Nachrichten des Tages widmen, also Britta Steffen, mal noch ein ganz anderes Thema. Peking ist ja derzeit eine angesagte Destination für Politiker. Mein belgischer Freund Hans Vandeweghe hat in seiner Heimat viel Aufsehen erregt, weil er auf seinem <a href="http://www.demorgen.be/dm/nl/2766/Peking-2008/article/detail/374217/2008/08/09/Hallo-Mister-Hanze---deel-acht.dhtml" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">Blog</span></a> den Sportminister Michel Daerden beim morgendlichen Erfrischungstrinken fotografiert und darüber geschrieben hat. Daerden ist übrigens, wenn ich Hans richtig verstanden habe, nur einer von drei belgischen Sportminister (die haben einen französischen, das ist Daerden, einen flämischen und sogar einen für die deutsche Minderheit, Belgien hat insgesamt, sagt Hans, 120 Minister). Nun ist Schampussaufen keine olympische Disziplin. Andererseits weiß man in Belgien nicht so recht, was Daerden in Peking macht außer Saufen. Dass er öfter mal zu unpassender Zeit tief ins Glas oder in die Flasche schaut, gern auch in mehrere, kann man auch wunderbar auf Youtube besichtigen. JW presents Michael Schluck Daerden, den Sportminister:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="349" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/0dguKikz7Ec&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="349" src="http://www.youtube.com/v/0dguKikz7Ec&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong>18.48:</strong> Kurze Pause. Bald geht&#8217;s weiter in diesem Theater. Schwimme mal eben ins Olympiastadion rüber.<span id="more-714"></span></p>
<p><strong>21.29:</strong> Spezialnachricht vom Blogersteller an den treuen Kommentator namens <strong>Ben</strong>: Ich bin wohl behalten im Vogelnest gelandet. Und lebe noch, denn siehe, irgend ein Lüftchen weht durch Peking und wurde selbst hier reingelassen. Vielleicht haben sie auch einen Ventilator installiert, den ich nicht sehe. Jedenfalls, nach einer halben Stunde funktionierte Wlan, Lan aber nicht. Wer mich im Fernsehen sucht (und als Tip an Herrn Li, den Sicherheitsmann vom Poly Plaza): Heute Aisle 209, Row 08, Seat 13. Habe drei Plätze für mich, das geht in Ordnung.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-733" title="100-blick-15082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/100-blick-15082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="270" height="202" align="right" />21.40:</strong> Gerade habe ich mir Tyson Gay, Asafa Powell und Usain Bolt angesehen, die flinken Boliden. Bolt joggt 9,92 Sekunden. Darüber muss ich noch einige Zeilen schreiben. Nachher dann das 10.000-Meter-Finale mit zwei blutjungen Chinesinnen gegen Afrikas majestätische Tirunesh Dibaba und ihre Prinzessinnen. Während ich noch dichte, verweise ich heute schon zum zweiten Mal auf ein Spon-Textlein, das hier auf diesem Laptop gemeißelt wurde. Es geht um das <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572130,00.html" target="_blank">Wachstumshormon HGH, um IGF 1, Insulin</a> und solche ekligen Sachen.</p>
<p><strong>22.31:</strong> Nur mal so, zwei Medaillenspiegel. Ganz aktuell. Zunächst der offizielle von der <a href="http://results.beijing2008.cn/WRM/ENG/INF/GL/95A/GL0000000.shtml" target="_blank">BOCOG-Webseite</a>:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-736" title="medaillen-bocog-15082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/medaillen-bocog-15082008.jpg" alt="" width="495" height="209" /></p>
<p>Und hier der Medaillenspiegel von der komplettesten Olympiawebseite, die ich kenne, muss man mal sagen, auch wenn es der IOC-Partner <a href="http://www.nbcolympics.com/medals/index.html" target="_blank">NBC</a> ist:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-737" title="medaillenspiegel-nbc-15082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/medaillenspiegel-nbc-15082008.jpg" alt="" width="495" height="395" /></p>
<p>Was lernt man daraus? Alles eine Frage der Sortierung.</p>
<p><strong>22.34:</strong> Gerade Siegerehrung im Kugelstoßen, Männer: Majewski (Polen) vor Cantwell (USA) und Miknewisch (Weißrussland). Bin mal gespannt, wer seine Medaille wieder hergeben muss.</p>

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		<title>Peking, Tag 14</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Aug 2008 02:54:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.45: Bin noch da. Aber heute keine Posts und kein Live-Blog vom Schwimmen. Treibe mich in der Mixed Zone rum. Gerade bei Britta Steffen. Jetzt mal die beiden Chinesinnen angucken, die gerade über 200 Schmetterling gewonnen haben. Und natürlich 100 Kraul. Mit fällt, als ich gerade Bernard sehe und vorhin bei der Siegerehrung einen anderen [...]]]></description>
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<p><strong>10.45:</strong> Bin noch da. Aber heute keine Posts und kein Live-Blog vom Schwimmen. Treibe mich in der Mixed Zone rum. Gerade bei Britta Steffen. Jetzt mal die beiden Chinesinnen angucken, die gerade über 200 Schmetterling gewonnen haben. Und natürlich 100 Kraul. Mit fällt, als ich gerade Bernard sehe und vorhin bei der Siegerehrung einen anderen Franzosen, der Dritter über 200 Brust wurde, dass die alle dieselbe Kopfform haben: Sehr schmal und viel zu klein im Vergleich zum mächtigen Körper, abstehende Ohren und unregelmäßigen Zahnstand mit relativ großen Lücken. Sind die alle miteinander verwandt?</p>
<p><strong>10.50:</strong> Tut mir leid, das so zu formulieren: Aber, Scheiße, ausgerechnet das Monster gewinnt. Bernard. Ich glaube dem kein Wort.</p>
<p><strong>11.25:</strong> Mixed Zone: Großer Jubel unter den Franzosen, unter Journalisten. Sie lieben ihren Koloss von Antibes. Sie sind Fans. Sie klatschen sich sogar gegenseitig ab, untereinander und mit Bernard.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-704" title="bernard-mixed-zone" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bernard-mixed-zone.jpg" alt="" width="492" height="275" /></p>
<p><strong>11.46:</strong> Mensch, ist Dick Pound schnell. Gerade haben wir noch über Kopfformen, Wachstumshormone und Glaubwürdigkeit des Schwimmens geplaudert, da überreicht er Bernard auch schon die Goldmedaille. Eine Korrektur: Die meisten haben abstehende Ohren, Bernard nicht. Ansonsten aber stimmen die Beobachtungen.</p>
<p><strong>11.48:</strong> Gerhard Mayer-Vorfelder und Gattin sind übrigens auch beim Schwimmen. Als ich auf Pound wartete, stand ich &#8216;ne Weile unter ihnen. Sie schimpfte irgendwie über die Medien &#8211; zu viele Journalisten im Water Cube.</p>
<p><strong>14.35:</strong> Alles, was ich bisher zu Phelps verzapft habe, steht unter <a href="http://jensweinreich.de/?p=671" target="_self"><strong>The Big M</strong></a>, dem Eintrag von gestern. Dort ist auch der Live Blog, der bei den nächsten Rennen von The Big M, am Freitag (200 Lagen), Sonnabend (100 Schmetterling) und Sonntag (Lagenstaffel) vielleicht reaktiviert wird.<span id="more-692"></span></p>
<p><strong>16.17:</strong> Leseempfehlung, auch wenn dabei drei PI&#8217;s generiert werden: Hannes Jaenicke in der SZ über China, Tibet, die Spiele, Menschenrechte und das IOC: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/29/305992/text/11/" target="_blank">&#8220;Herr Rogge küsst Hintern&#8221;</a>.</p>
<p><strong>02.17:</strong> Okay, auf einsamen Wunsch und gelegentliche Nachfrage nun doch noch ein Kurzreferat zur Frage: Warum berichte ich <span style="text-decoration: line-through;">nicht</span> nur aus dem Schwimmstadion, nicht vom Fechten, vom Baseball, vom Beachvolleyball, vom Turnen, vom Gewichtheben, vom Radsport und vom Reiten? Antwort: Weil das nicht geht. Reiten ist ein bisschen arg weit weg, in Hongkong. Ernsthaft, es gibt viele Antworten darauf. Ein paar ungeordnete:</p>
<p>Es sind meine fünften Sommerspiele. Insgesamt habe ich aus <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">Barcelona, Atlanta, Sydney, Athen und Peking</a> von diesen Sportarten berichtet: Leichtathletik, Basketball, Boxen, Kanu, Radsport, Fechten, Fußball, Turnen, Gewichtheben, Handball, Judo, Ringen, Schwimmen, Schießen (!), Volleyball. Derzeit sind 28 im Olympischen Programm, es fehlen mir: Rudern, Badminton, Baseball, Reiten,  Hockey, Moderner Fünfkampf, Softball, Taekwondo, Tennis, Tischtennis, Bogenschießen, Triathlon, Segeln. Einige, Verzeihung, werden immer fehlen, auch wenn ich 50 Olympische Spiele besuchen sollte. Die Quote: 16 zu 12. Wo man die Sportpolitik einordnet? Ich würde sagen: Als 29. bis 40. Sportart, das kommt vom Aufwand her hin.</p>
<p>Leichtathletik und Schwimmen sind die olympischen Kernsportarten. Habe schon seit meinen ersten Schreibübungen 1987 von diesen Sportarten berichtet. Leichtathletik seit 1992 immer bei den Spielen, auch seit 1997 bei allen WM. Schwimmen außer 2000 immer bei Olympia, auch WM und EM. Besonders Leichtathletik sagt mir zu, trotz aller Dopingdurchdringung. Es gibt immer wieder schöne Geschichten, bei denen es Spaß macht, sie aufzuschreiben. Ein paar davon habe ich <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">hier verlinkt</a>. Dort findet sich aus was zum Schwimmen, u.a. die Franzi-Tragödien. Großer Stoff.</p>
<p>Ich schreibe gern über beide Sportarten. Habe kein Problem damit. Eine kontinuierliche Berichterstattung wie bei einer WM in einer dieser Sportarten, wo ich täglich eine Seite, oft mehr, für die Berliner Zeitung produziert habe (zuletzt 2007 bei der LA-WM in Osaka), ist bei Olympia aus vielerlei Gründen nicht drin. Allenfalls für große Blätter wie Süddeutsche und FAZ, die es sich leisten können, einen Kollegen, manchmal mehr (inklusive der Freien, früher ja bei der SZ Robert Hartmann), dafür abzustellen. Das ist richtig so, das finde ich angemessen. Bei der Berliner Zeitung war ich froh, zwei Akkreditierungen bekommen zu haben, FAZ, Süddeutsche haben &#8211; glaube ich &#8211; meistens sechs gehabt, in Peking mit Online- und Auslandskorrespondenten sogar mehr.</p>
<p>Wenn also bei Olympia viele Randsportarten mal gecovert werden sollen oder man von den Redaktionen gehetzt wird, deutschen Medaillen hinterherzujagen, dann geht es halt nicht, einen Kollegen dauerhaft abzustellen. Ich habe mich derartigen Kommandierungsversuchen weitestgehend entzogen. Besondere Ereignisse haben natürlich auch schon immer besondere Maßnahmen erfordert &#8211; oder eben Schwächeanfälle. Als beispielsweise 1996 in Atlanta im Centennial Olympic Parc die Bombe hochging, mussten ziemlich viele Stunden durchgemacht werden, Seite 3 schreiben und so, dann war ich zwar noch im Stadion zum 100-m-Finale, habe aber keinen Saft gehabt, das aufzuschreiben. Unvergessen auch die Nacht, die ich mit Kollegin K und Kollegen G in Salt Lake City nach Bekanntwerden des Mühlegg-Testergebnisses verbrachte.</p>
<p>Manche Sportarten und einige wenige Ereignisse wollte ich immer mal sehen. Ein Dreamteam-Spiel in Barcelona, weiß nicht mal mehr, welches. Ein Spiel im Camp Nou, ich meine, es war das Finale zwischen Spanien und Polen. Handball &#8211; ich bin in Magdeburg zur Penne gegangen, das sagt wohl alles &#8211; muss immer mal sein. Boxen, schon wegen der wunderbaren Geschichten über den korrupten Präsidenten Anwar Chowdhry. Gewichtheben, natürlich, Ronny Weller ist leider nicht mehr dabei.</p>
<p>Die Aufteilung für Peking unterscheidet sich also nicht von den anderen Jahren (außer Sydney): eine Woche IOC, Sportpolitik, die großen Themen. Eine Woche Schwimmen, dann dritte Woche Leichtathletik. Ab Freitag, nachher in fünfeinhalb Stunden, bis Sonntag renne ich jeden Tag morgens in den Wasserwürfel, bestaune Phelps. Abends dann ins Olympiastadion. Das volle Programm. Kann nicht klagen. Habe gesagt, dass mittlerweile ein bisschen Erfahrung da ist, damit lässt sich möglicherweise auch punkten, keine Ahnung. Unbequem ist es auch nicht, denn es stehen ja immer Pflichtgeschichten an. Am liebsten würde ich völlig losgelöst agieren, so wie einige englische und amerikanische Kollegen, die Olympic Writer. Doch die Struktur in deutschen Medien ist nicht so. Und als Freier, nun ja.</p>
<p>Die Freien schlagen sich bei Olympia ganz unterschiedlich durch. Manche schreiben täglich Kolumnen und haben die vorher mit Auftraggebern vereinbart. Ich habe eigentlich gar nichts vereinbart, außer dass mein ehemaliger Arbeitgeber mit Schwimmen und Leichtathletik beliefert wird. Sonst gilt: vogelfrei auf dem Markt. Es ist täglich eine Lotterie. Es kann sich stündlich ändern, wenn plötzlich, wie vorgestern, schnell mal vier deutsche Olympiasiege aus dem Nichts auftauchen, wird in den Redaktionen noch vieles umgeschmissen. Manche Freien haben Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Manche haben Pech und fliegen mit ihren Themen raus. Wenn ich diese Binse nicht so hassen würde, würde ich sagen: Am Ende gleicht sich alles aus. Oops, da ist es raus.</p>
<p>Ich glaube, dass es sich auf Dauer lohnt, auch immer mal mit viel Aufwand eine recherchierte Geschichte anzubieten. Es mag mitunter schmerzen, wenn man nicht genug Abnehmer, manchmal gar niemanden findet, aber auf einen Marathon gesehen, müsste das eine gute Taktik sein. Erzähle ich auch immer in Seminaren. Bei Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften ist es allerdings so, dass die aktuellen Pflichten fast alles andere überdecken. Die langen Wege, Wartezeiten etc. rauben jeden Tag etliche Stunden Zeit. Wenn ich zum Beispiel gegen 13.30 Uhr aus dem Schwimmstadion im MPC ankomme, wird ein bisschen gegessen, dann ist es 14 Uhr, ich bin knapp acht Stunden auf den Beinen, habe noch keine Zeile geschrieben, muss aber bald ein Textangebot abschicken. Vor um ein Uhr komme ich kaum aus dem Pressezentrum. Schlafen? Die letzten Tage etwa von vier bis acht. So geht es den meisten Kollegen, mit denen ich darüber spreche.</p>
<p>Und noch etwas: Diesmal hatte ich schon am 3. August, fünf Tage vor Eröffnung der Spiele, an meinem dritten Tag in Peking, das Gefühl, nichts mehr richtig zu überblicken. Sonst war ich erst nach einer Woche im Tunnel, diesmal nach wenigen Stunden. Dieses Gefühl kennen alle, die das mal machen. Ich schaffe es nicht mal mehr, alle Agenturmeldungen des Tages an mir vorbei rauschen zu lassen. Letztlich wird man von den Tagesanforderungen und Entwicklungen getrieben und hofft, mit wenigen Fehlern durchzukommen. So viele Flüchtigkeits- und sachliche Fehler wie diesmal habe ich bestimmt noch nicht gemacht.</p>
<p>Vom meisten hat man keine Ahnung. (siehe auch <a href="http://jensweinreich.de/?p=675" target="_self">gestriger Eintrag</a> und Verweis auf einen taz-Artikel) Zum gründlichen Nachfragen fehlt die Zeit. Vorbereitete Themen kann man vergessen. Ich bin ohnehin dafür, sich ein bisschen treiben zu lassen. Selbst absehbare Geschichten, wie etwa in Sydney der Freeman-Sieg oder das letzte Rennen von FvA in Athen (<a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">sind hier ebenfalls verlinkt</a>), schreibe ich immer live. Mit viel Adrenalin. Dann läuft das bei mir am besten. Andere haben andere Techniken.</p>
<p>Matthias Rathje wird mir hoffentlich den einen oder anderen Rechtschreib- und Tippfehler verzeihen.</p>
<p><strong>03.35:</strong> Als Gute-Nacht-Lektüre von mir noch ein Kapitel zu diesem Thema &#8211; aktuelle Sportreportage von Großereignissen -, das ich vor zwei Jahren für ein Reportage-Handbuch von Michael Haller geschrieben habe. Habe das <a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/die-sportreportage.pdf" target="_blank">Roh-Manuskript schnell mal als pdf-Datei hochgeladen</a>.</p>

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		<title>Peking, Tag 13</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 03:38:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[09.26: Im Wasserwürfel. Werde zur Feier des Tages, der 10. und 11. Goldmedaille von Big M, mal den Live Blog probieren. Aber wahrscheinlich schläft in Deutschland noch jeder. Ist ja auch nicht mehr ganz so spannend bei den Schwimmern: Jedes Rennen ein Weltrekord. Wo ist da das Überraschende? 09.32: Kleiner Rückblick auf die Busfahrt ins MPC. [...]]]></description>
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<p><strong>09.26:</strong> Im Wasserwürfel. Werde zur Feier des Tages, der 10. und 11. Goldmedaille von Big M, mal den <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=671" target="_blank">Live Blog</a> probieren. Aber wahrscheinlich schläft in Deutschland noch jeder. Ist ja auch nicht mehr ganz so spannend bei den Schwimmern: Jedes Rennen ein Weltrekord. Wo ist da das Überraschende?</p>
<p><strong>09.32:</strong> Kleiner Rückblick auf die Busfahrt ins MPC. Erstaunlich, dass ich nicht ständig Unfälle sehe. Denn rote Ampeln sind in China kein Hindernis. Selbst an größten Kreuzungen, wo sich fünfspurige Autobahnen begegnen, fährt man erst mal in die Mitte vor, um bei Rot zu schauen, was noch geht. Manche drehen auch mitten auf der Kreuzung um und kommen einem entgegen &#8211; nicht nur Fahrradfahrer. Aber sie kommen offenbar damit klar, die Chinesen. Undenkbar in Deutschland.</p>
<p><strong>09.43:</strong> Aktualisierung von <a href="http://jensweinreich.de/?p=634" target="_self">gestern</a>: Eine Liste bloggender Olympiareporter:</p>
<ul>
<li><strong>Deutschland</strong></li>
<li><a href="http://olyblog.abendzeitung.de/" target="_blank">Florian Kinast</a> (Abendzeitung)</li>
<li><a href="http://www.moz.de/index.php/Moz/Spezial/id/241215" target="_blank">Jürgen Leibner</a> (Märkische Oderzeitung)</li>
<li><a href="http://www.stimme.de/sport/olympia/pekingsuppe/" target="_blank">Stefanie Wahl</a> (Heilbronner Stimme)</li>
<li><a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/667/302663/uebersicht/12/" target="_blank">Thomas Becker</a> (sueddeutsche.de)</li>
<li><a href="http://blog.rhein-zeitung.de/?p=415" target="_blank">Volker Boch</a> (Rhein-Zeitung)</li>
<li><a href="http://www.sz-meineheimat.de/blog/blog.phtml?blog=50" target="_blank">Saarbrücker Zeitung</a></li>
<li><strong>International</strong></li>
<li><a href="http://olympics.blogs.nytimes.com/" target="_blank">On the Rings Blog</a> (New York Times)</li>
<li><a href="http://blogs.guardian.co.uk/sport/" target="_blank">Sport Blog</a> (Guardian)</li>
<li><a href="http://www.nbcolympics.com/blogs/blog=alanabrahamsonsblog/index.html" target="_blank">Alan Abrahamson</a> (NBC Olympics)</li>
<li><a href="http://werge.nationenblog.dk/" target="_blank">Lars Werge</a> (Ekstra Bladet)</li>
<li><a href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/" target="_blank">Phil Hersh</a> (Chicago Tribune)</li>
<li><a href="http://www.meinekleine.at/peking2008" target="_blank">Sigi Palz</a> (Kleine Zeitung)</li>
<li><a href="http://www.demorgen.be/dm/nl/2766/Peking-2008/article/detail/374217/2008/08/09/Hallo-Mister-Hanze---deel-acht.dhtml" target="_blank">Hans Vandeweghe</a> (De Morgen)</li>
</ul>
<p>Mein Laptop spielt schon wieder verrückt. Feucht und heiß mag er nicht. Deshalb &#8216;ne Pause. Mehr Links, zum Beispiel zum &#8220;Wohlfühlblog&#8221; des ORF, bei <a href="http://www.onlinejournalismus.de/" target="_blank">onlinejournalismus.de</a>. Ausgewählte Meldungen zum Thema &#8220;freie Olympiaberichterstattung&#8221; auf <a href="http://medienlese.com/beijing-2008-medien-unter-kontrolle/" target="_blank">medienlese.com</a>.</p>
<p><strong>11.20:</strong> Die ARD-Reportage aus dem Wasserwürfel muss großer Sport gewesen sein, schreiben jene im <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=671" target="_self">Live Blog</a>, die Live zu Hause zugucken.</p>
<p><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-685" title="phelps-11-13082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-11-13082008.jpg" alt="" width="492" height="369" /></strong></p>
<p><strong>16.20:</strong> Was seither geschah: 80 Minuten warten auf Michael Phelps. Zwanzig Minuten Pressekonferenz. Rüberhasten ins MPC. Essen fassen. Pressekonferenz mit Jeremy Wariner und Bernard Lagat. Fast eingeschlafen, Sekundenschlaf ist auch mal ganz schön. Versuch, danach eine Stimme vom Fabelläufer Michael Johnson zum Fabelschwimmer Michael Phelps zu bekommen, natürlich erfolgloser Versuch. Der nette Herr Johnson macht mich auf einen Englischfehler aufmerksam und räumt das Feld. Versuch, den einen oder anderen Dopingforscher anzuskypen. Bisher erfolglos. Bilanz: achteinhalb Stunden auf den Beinen, noch keine Zeile produziert. Für mich ist ohnehin nur wieder Phelps interessant. Gestern waren es 19 Stunden Arbeit am Stück. Vier Stunden Schlaf ist derzeit das Optimum. Aber es sehen eigentlich alle Kollegen so schlecht aus. Die Fehler häufen sich. Hoffentlich liest niemand vom <a href="http://www.netzwerkrecherche.de" target="_blank">Netzwerk Recherche</a> mit. Recherche? Was ist das? Bin froh, wenn ich meine Augen aufhalten kann. Ganz nett hat Markus Völker gestern in der taz über das <a href="http://www.taz.de/1/sport/olympia-spiele/artikel/1/es-lebe-das-halbwissen/" target="_blank">olympische Halbwissen</a> geschrieben. Die Wahrheit ist: Es ist nur ein Achtelwissen. Wenn überhaupt.<span id="more-675"></span></p>
<p><strong>21.12:</strong> Auf einsamen Wunsch des Lesers Ben, der sich per Kommentar beschwert, dass hier nichts mehr los wäre, keine Gerüchte, keine gemeinen Bemerkungen, keine Anschuldigungen, nüscht: Nun, habe gerade versucht, ein klitzekleines bisschen zu recherchieren. Mehr dazu hoffentlich morgen. Von gestern ist dieser Textauszug:</p>
<blockquote><p>Die Fähigkeit, sich in Windeseile von ärgsten Belastungen zu erholen, sei seine größte Stärke, sagt Michael Phelps. Nun weiß man, dass diese Fähigkeit mit etlichen verbotenen Drogen gestärkt werden kann. Blutdopingmittel helfen ebenfalls dabei, und Wachstumshormone sind noch immer nicht nachzuweisen. Niemand weiß, wie oft, wie ernsthaft und wie überraschend Phelps von Dopingkontrolleuren aufgesucht wird. Seine Blut- und DNA-Profile sollen angeblich in einem <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/195/183622/" target="_blank">Project Believe</a> genannten Programm der amerikanischen Antidopingbehörde USADA gespeichert sein. Mehr weiß man nicht, und was man weiß, ist eigentlich nichts angesichts der Dimension des Schauspiels, das Michael Phelps und andere &#8211; denn auf anderen Strecken fallen ja auch auch reihenweise Weltrekorde &#8211; im Wasserwürfel darbieten.</p>
<p>Einer der sich auskennt im Showsport, ist Angel Heredia, ein mexikanischer Drogenhändler. Heredia, der zahlreiche Klienten aus dem olympischen Bereich und den großen US-Ligen belieferte, erklärte gerade in einem <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,571031,00.html" target="_blank">Spiegel-Interview</a>: „Im wahren Leben musst du unfassbar hart trainieren und sehr begabt sein und ein perfektes Team aus Trainern und Betreuern haben. Und dann machen die besten Drogen den Unterschied aus. Es ist alles eine große Komposition, eine Symphonie. Alles ist mit allem verbunden, verstehen Sie, und Drogen wirken dabei auf lange Sicht: Sie sorgen dafür, dass du dich erholen kannst, dass du die katabolischen Phasen vermeiden kannst.&#8221; Diese Beschreibung deckt sich mit den Erkenntnissen der Dopingfahnder. Heredia sagte auch: „Wir müssen ein, zwei Jahre voraus sein. Wir müssen wissen, welches Medikament wo in die Forschung kommt oder bei Tieren eingesetzt wird, wie wir es besorgen können. Und wir müssen die Methoden der Tester kennen.&#8221;</p>
<p>Das muss alles nichts mit Michael Phelps zu tun haben. Niemand will eine Verbindung zu Heredia konstruieren, es geht nur darum, die Mechanismen der Branche zu erkennen.<br />
Für Phelps spricht: Er ist zweifellos einer der talentiertesten Schwimmer aller Zeiten. Darin sind sich alle Kontrahenten und Teamkollegen einig: Er hat den perfekten Körper, das beste Umfeld, und jede Menge Geld zur Verfügung. Phelps ist ehrgeizig wie kein Zweiter, kann diesen Ehrgeiz jedoch kanalisieren, was anderen nicht immer gelingt. Phelps schwimmt seit acht Jahren, als er mit zarten fünfzehn in Sydney an den Olympischen Spielen teilnahm, in der Weltspitze. Seitdem ist er nie untergetaucht, nicht wie andere, die als Betrüger enttarnt wurden.</p></blockquote>

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		<title>The Big M</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 01:56:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[live]]></category>
		<category><![CDATA[michael phelps]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[schwimmen]]></category>
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		<description><![CDATA[  Nachtrag: Ich stelle jetzt alle Texte rein, die ich aus Peking über Phelps geschrieben habe. Vieles wiederholt sich, ist bei einer solchen Serienberichterstattung auch logisch, zumal es sich um Beiträge für verschiedene Kunden handelt. Korrigiert wurden nur die gröbsten sachlichen und sprachlichen Unstimmigkeiten. Habe keine Zeit, Links zu setzen. 13. August &#8211; Vom anderen [...]]]></description>
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<p><strong>Nachtrag:</strong> Ich stelle jetzt alle Texte rein, die ich aus Peking über Phelps geschrieben habe. Vieles wiederholt sich, ist bei einer solchen Serienberichterstattung auch logisch, zumal es sich um Beiträge für verschiedene Kunden handelt. Korrigiert wurden nur die gröbsten sachlichen und sprachlichen Unstimmigkeiten. Habe keine Zeit, Links zu setzen.</p>
<p><strong>13. August &#8211; Vom anderen Planeten</strong></p>
<p>PEKING. Kaum zu glauben, aber der Held war unzufrieden. Während die Nachricht von seinem neuen olympischen Rekord, einem für die Ewigkeit, als Eilmeldung um die Welt ging, ärgerte sich Michael Phelps. „Verdammt. Ich wollte eigentlich schneller sein.&#8221; Dabei war er doch gerade Weltrekord geschwommen, den vierten in seinem vierten Finale in Peking. Doch einfach nur Weltrekord ist Michael Phelps nicht genug. Eine Verbesserung um lumpige sechs Hundertstel Sekunden, wie am Mittwoch über 200 Meter Schmetterling (1:52,03 Minuten), befriedigt ihn nicht. Ein paar Minuten später aber, sagte Phelps über Phelps, hatte er begriffen: „Wow, jetzt bin ich der Größte.&#8221;</p>
<p>Das habe ihn doch ziemlich mitgenommen und in der Konzentration für die lange Freistilstaffel gestört, erklärte Phelps. Er blieb schließlich &#8211; welch ein Wunder &#8211; als Startschwimmer ein paar Hundertstel langsamer war als bei seinem Weltrekord am Dienstag. Für einen wie ihn ist das ein bisschen ärgerlich, so absurd das auch klingt. </p>
<p>Seit Mittwoch, 11.23 Uhr Pekinger Ortszeit, ist der 23 Jahre alte Amerikaner der erfolgreichste Olympiateilnehmer aller Zeiten. Am Mittwoch, 11.29 Uhr, kam die nächste Goldmedaille hinzu, erkrault mit der Staffel über 4 x 200 Meter, die erstmals unter sieben Minuten blieb (6:58,56). Selbstverständlich war auch das Weltrekord. Im täglichen Arbeitsprotokoll bleibt also festzuhalten: Michael Phelps hat seine fünf Wettbewerbe in Peking gewonnen, allesamt mit Weltrekord. Er ist mit insgesamt elf Gold- und zwei Bronzemedaillen in den Annalen verzeichnet, deutlich vor all den historischen Größen: Die neunmaligen Olympiasieger &#8211; Latynina, Nurmi, Lewis und Spitz &#8211; muss man nicht länger in einem Atemzug mit Phelps nennen. Phelps agiert in einer anderen Liga. Er hat noch drei Chancen im Wasserwürfel zu Peking. Auch die wird er nutzen. Dann sind es vierzehn Goldmedaillen.</p>
<p>Als Phelps 90 Minuten später tief unten im Bauch der Schwimmhalle zur Pressekonferenz erschien, gab es prasselnden Applaus von Journalisten. Von begeisterten Amerikanern, Australiern, Russen, Engländern und einigen Nationen mehr. Groupiehaft kreischten eine Schwedin und eine Französin. Nein, niemand hat ihn nach Dopingkontrollen gefragt. Sie haben gescherzt und gelacht mit dem Helden. Es war tatsächlich lustig, als Phelps sein Handy aus der Tasche kramte und einige SMS suchte, die ihm Kumpels geschrieben hatten. Weil das ein paar Sekunden dauerte, ordnete der chinesische Medienmann allen Ernstes an, die Pressekonferenz sei in einer Minute zu beenden. Natürlich hielt sich niemand dran, nicht an diesem Tag. <span id="more-671"></span></p>
<p>Schließlich hatte Phelps die SMS gefunden: „Wie oft muss ich dein dämliches Gesicht denn noch in den Zeitungen sehen&#8221;, fragte einer seiner Freunde. Dem Mann kann nicht geholfen werden, da muss er durch. Phelps ist nicht nur das Gesicht dieser Olympischen Spiele. Phelps ist der Sportler des Jahres. Phelps ist der Athlet aller Zeiten. Kann gut sein, dass er in Peking mehr Goldmedaillen holt als, sagen wir: 438 deutsche Athleten zusammen. </p>
<p>Die Zahlen sprechen für sich, all die Medaillen und Rekorde. Die Zahlen stellen aber auch Fragen. Ob der Griff ans Herz, den er bei der Nationalhymne macht, Schmerzen auslöst, weil er vielleicht doch ein schlechtes Gewissen hat, wird man wohl nie erfahren. Passender Weise wurde Phelps die zehnte seiner elf Goldmedaillen von Youssoupha Ndiaye umgehängt, der Senegalese ist Chef der IOC-Ethikkommission.</p>
<p>Ist Phelps sauber? Weil es bislang keine belastbaren Fakten gibt, ist die Antwort eine Glaubenssache. Es gibt stichhaltige Argumente, um diese Frage mit Nein zu beantworten. Wer daran glaubt, dass der talentierteste, ehrgeizigste, fleißigste Schwimmer aller Zeiten in einem professionellen Umfeld, betreut vom besten Trainer aller Zeiten, mit dem besten Schwimmanzug aller Zeiten, der besten Schwimmtechnik, der unnachahmlichen Fähigkeit, in Windeseile größte Belastungen wegzustecken, um flink den nächsten Rekord zu markieren, logischer Weise auch noch mit der größten Spurtfähigkeit gesegnet ist, wer also an diese Verkettung von Superlativen glaubt, der mag die Frage mit Ja beantworten. </p>
<p>Präzise betrachtet ist es nicht nur eine Glaubensfrage, es ist ein Glaubenskrieg. </p>
<p>Einer der sich auskennt in derlei aufklärerischen Feldzügen wie nur wenige andere, saß am Mittwoch bei Phelpsens Pressekonferenz in der fünften Reihe: David Walsh, der Sport-Chefreporter der Londoner Sunday Times. Walsh hat drei Bücher über Lance Armstrong geschrieben. Er trug gemeinsam mit einem französischen Kollegen eine beinahe lückenlose Indizienkette zusammen, die den siebenmaligen Sieger der Tour de France als Mega-Betrüger darstellt. Und was ist mit Armstrongs Landsmann Phelps, dem Wundertäter? David Walsh sagt: „Ich glaube ihm. Aber ich weiß es natürlich nicht.&#8221;</p>
<p>Walsh&#8217;s Hauptargument pro Phelps ist der Umstand, dass sich der Amerikaner seit seinem fünfzehnten Lebensjahr auf Weltniveau bewegt. Seit acht Jahren, seit den Olympischen Spielen in Sydney, schwimmt Phelps bei jeder großen Meisterschaft. Er taucht nicht, wie klassische Betrüger, monatelang ab und verblüfft plötzlich mit märchenhaften Verbesserungen. Bei ihm ist das anders: Seine märchenhaften Steigerungen haben eine gewisse Konstanz auf einem Niveau, das für alle anderen unerreicht bleibt. Ein paar Minuten vor Phelps saßen jene vier Russen im Presseraum, die hinter den Amerikanern Silber gewonnen hatte. Alexander Suchorukow sagte: „Michael ist nicht von diesem Planeten.&#8221; Seine Kameraden nickten. „Er ist aus der Zukunft.&#8221; </p>
<p>„Amazing&#8221; ist die meistbenutzte Vokabel in diesen Tagen im Water Cube zu Peking. Unglaublich, toll, verblüffend, fantastisch. „Amazing&#8221;, sagt auch Michael Phelps, der einst Medikamente gegen seine Hyperaktivität nehmen musste, und der jetzt &#8211; total „amazing&#8221; &#8211; auch als Konzentrationswunder gilt. Eine BBC-Reporterin bat ihn, zu verraten wie „amazing&#8221; diese Seriensiege für ihn sind. Etwa so, als würden Geburtstag und Weihnachten zusammen fallen. „Geburtstag habe ich jedes Jahr&#8221;, sagte Phelps, „Weihnachten ist auch jedes Jahr. Nein, das ist was ganz anderes.&#8221; Irgendwie amazing. </p>
<p><strong><span style="color: #000000;">12. August &#8211; Gute Nacht, Marie</span></strong></p>
<p>PEKING. Präzise betrachtet gibt es im olympischen Schwimmbecken separate Wettbewerbe. Für Michael Phelps, der acht Goldmedaillen anstrebt, und für den Rest der besten Schwimmer des Planeten. Für alle anderen geht es hinter Phelps, der auf vier Einzelstrecken Weltrekorde hält und nach Lust und Laune verbessert, nur um die Plätze zwei bis acht. Sie sind Statisten in einem historischen Schauspiel. Sie haben keine andere Option als sich in ihre Rolle zu fügen. </p>
<p>Schön zu beobachten war das am Dienstag, als Phelps nach seinem dritten Sieg im Water Cube von Peking eine Pressekonferenz gab. Es stand nur sein Namensschild auf dem Tisch. Niemand sonst wurde erwähnt. Der Olympiazweite, Taehwan Park aus Südkorea, war erst gar nicht gekommen. Der Olympiadritte, Peter Vanderkaay aus den USA, saß zur Linken des Meisters. Er wurde nichts gefragt. Er sagte kein Wort. Vanderkaay schwieg und staunte. Ein Reporter fragte Phelps, ob es auf diesem Planeten jemanden gebe, der ihn schlagen könne. Phelps antwortete durchaus diplomatisch: „Ich weiß nicht.&#8221; Alles lachte. </p>
<p>Michael Phelps, 23, gewann nach den 400 Meter Lagen (mit Weltrekord), der Freistilsprint-Staffel (mit Weltrekord) nun auch über 200 Meter Kraul (mit Weltrekord von 1:42,96 Minuten). Und er wird am Mittwochmorgen auch die 200 Meter Schmetterling gewinnen (mit Weltrekord), jene Strecke, die er seit der WM 2001 in Fukuoka einsam beherrscht, und dann die lange Freistilstaffel (mit Weltrekord). Michael Phelps hat mit neun Goldmedaillen gleichgezogen mit der Turnerin Larissa Latynina (Sowjetunion), den Leichtathleten Paavo Nurmi (Finnland) und Carl Lewis (USA) und dem Schwimmer Mark Spitz (USA). Er wird sie am Mittwoch übertrumpfen &#8211; und hat dann noch vier Rennen, zwei mit der Staffel, zwei als Einzelkämpfer (200 Lagen, 100 Schmetterling). Gewinnt er acht Mal, überweist ihm sein Sponsor Speedo, Produzent der Wunderanzüge, eine Million Dollar.</p>
<p>Phelps erzählte, er habe gar nichts gewusst von dieser olympischen Statistik, bis ihn sein Trainer Bob Bowman Anfang des Jahres darüber aufgeklärt habe. Das mag geflunkert gewesen sein, vielleicht hat es aber auch mit jener Rechenschwäche zu tun, die er sich attestiert. „Mathematik&#8221;, sagt Phelps, „ist definitiv nicht meine Stärke.&#8221; Er muss ja auch nicht rechnen im Becken. Er zieht einsam seine Bahnen, dominierte 50 Minuten nach dem Freistilrennen auch das Schmetterling-Halbfinale. Was macht er sonst noch in Peking? Zwischen den Rennen steigt er in eine Eisbox. Ansonsten: „Viel Pasta und Pizza essen und schlafen.&#8221; </p>
<p>Die Fähigkeit, sich in Windeseile von ärgsten Belastungen zu erholen, sei seine größte Stärke, sagt Michael Phelps. Nun weiß man, dass diese Fähigkeit mit etlichen verbotenen Drogen gestärkt werden kann. Blutdopingmittel helfen ebenfalls dabei, und <span style="text-decoration: line-through;">Wachstumshormone sind noch immer nicht nachzuweisen</span>. Niemand weiß, wie oft, wie ernsthaft und wie überraschend Phelps von Dopingkontrolleuren aufgesucht wird. Seine Blut- und DNA-Profile sollen angeblich in einem „Projekt Vertrauen&#8221; genannten Programm der amerikanischen Antidopingbehörde USADA gespeichert sein. Mehr weiß man nicht, und was man weiß, ist eigentlich nichts angesichts der Dimension des Schauspiels, das Michael Phelps und andere &#8211; denn auf anderen Strecken fallen ja auch auch reihenweise Weltrekorde &#8211; im Wasserwürfel darbieten.</p>
<p>Einer der sich auskennt im Showsport, ist Angel Heredia, ein mexikanischer Drogenhändler. Heredia, der zahlreiche Klienten aus dem olympischen Bereich und den großen US-Ligen belieferte, erklärte gerade in einem Spiegel-Interview: „Im wahren Leben musst du unfassbar hart trainieren und sehr begabt sein und ein perfektes Team aus Trainern und Betreuern haben. Und dann machen die besten Drogen den Unterschied aus. Es ist alles eine große Komposition, eine Symphonie. Alles ist mit allem verbunden, verstehen Sie, und Drogen wirken dabei auf lange Sicht: Sie sorgen dafür, dass du dich erholen kannst, dass du die katabolischen Phasen vermeiden kannst.&#8221; </p>
<p>Diese Beschreibung deckt sich mit den Erkenntnissen der Dopingfahnder. Heredia sagte auch: „Wir müssen ein, zwei Jahre voraus sein. Wir müssen wissen, welches Medikament wo in die Forschung kommt oder bei Tieren eingesetzt wird, wie wir es besorgen können. Und wir müssen die Methoden der Tester kennen.&#8221;</p>
<p>Das muss alles nichts mit Michael Phelps zu tun haben. Niemand will eine Verbindung zu Heredia konstruieren, es geht nur darum, die Mechanismen der Branche zu erkennen.</p>
<p>Für Phelps spricht: Er ist zweifellos einer der talentiertesten Schwimmer aller Zeiten. Darin sind sich alle Kontrahenten und Teamkollegen einig: Er hat den perfekten Körper, das beste Umfeld, und jede Menge Geld zur Verfügung. Phelps ist ehrgeizig wie kein Zweiter, kann diesen Ehrgeiz jedoch kanalisieren, was anderen nicht immer gelingt. Phelps schwimmt seit acht Jahren, als er mit zarten fünfzehn in Sydney an den Olympischen Spielen teilnahm, in der Weltspitze. Seitdem ist er nie untergetaucht, nicht wie andere, die als Betrüger enttarnt wurden. </p>
<p>Phelps wird noch eine Weile schwimmen. Wenn nichts dazwischen kommt, was sollte das schon sein, wird er vielleicht sogar in acht Jahren noch an den Olympischen Spielen teilnehmen, die durchaus in Chicago stattfinden könnten. Europameister Paul Biedermann aus Halle/Saale, der in der deutschen Rekordzeit von 1:46,00 Minuten Fünfter wurde, sagte am Dienstag, er habe gehört, Phelps wolle „bis 30 weiter machen&#8221;. Schlechte Zeiten für alle, die mit ihm ins Wasser springen. </p>
<p>Es fällt nicht einfach, zuversichtlich zu bleiben im Beinstrudel des Giganten. „Gute Nacht, Marie&#8221;, sagte Biedermann. So kann man es formulieren.</p>
<p><strong>11. August  &#8211; Tägliche Sternstunden</strong></p>
<p>PEKING. Am Montag, um 11.27 Uhr Ortszeit, schienen die Dinge erstmals nicht so zu laufen, wie es sich Michael Phelps vorgestellt hatte. Supermann musste warten, hoffen, flehen und beten. Phelps hatte die amerikanische Sprintstaffel auf Platz zwei angeschwommen und sich um vier Zehntel auf 47,51 Sekunden verbessert. Schneller war nur der Australier Eamon Sullivan in 47,24 Sekunden &#8211; natürlich Weltrekord, einer von vier binnen eineinhalb Stunden. Allein ist Phelps ja kaum zu schlagen, nur in der Staffel, wenn seine Kameraden zu langsam sein sollten, oder falsch wechseln, was vor vier Jahren in Athen zum Verlust der siebenten olympischen Goldmedaille und vor einem Jahr in Melbourne zum Verlust des achten WM-Titels führte. Er kann dummerweise nicht alle vier Strecken schwimmen. Die Regeln sind wie sie sind: In der Staffel muss Supermann andere mitmachen lassen. </p>
<p>Da stand er also am Beckenrand und schrie sich die Seele aus dem Leib. Als die Franzosen vor dem letzten Wechsel einen deutlichen Vorsprung hatten und der ehemalige Weltrekordler Alain Bernard ins Wasser sprang und gegen den Amerikaner Jason Lezak nach 370 Metern noch klar führte, glaubte Phelps das Rennen verloren. Doch Lezak brauste wie ein Schnellboot durchs Becken und holte den Franzosen mit irrwitzigem Speed ein. 46,06 mit so genanntem fliegenden Start ist noch nie ein Mensch geschwommen.</p>
<p>Um 11.28 Uhr war die Welt wieder geordnet. Gold für die USA, für Phelps und Co, mit acht Hundertsteln Vorsprung. Erst am Vorabend hatte eine amerikanische B-Auswahl im Vorlauf Weltrekord markiert. Diese Bestzeit verbesserte das A-Team um 3,99 Sekunden auf 3:08,24 Minuten. Für das Protokoll: Phelps hat jetzt zwei Mal gewonnen in Peking. Sechs Goldmedaillen schmückten ihn in Athen. Fehlen noch zwei, dann ist er erfolgreichster Teilnehmer in 112 Jahren olympischer Geschichte. Phelps bleiben sechs Chancen. Am Dienstag steht er im Finale über 200 Meter Freistil und im Halbfinale über 200 Meter Schmetterling. Auf beiden Strecken hält er den Weltrekord. </p>
<p>Die Amerikaner feierten, und die Franzosen waren geschockt. Auf leisen Sohlen schlichen sie durch die Mixed Zone, kreidebleich und stumm, nachdem sie doch vorher große Töne gespuckt, bei der Siegerehrung allerdings tapfer ausgeharrt hatten. Bernard weinte, als ihn ein Trainer umarmte. Die Amerikaner aber, bei denen Phelps auf die Pressekonferenz verzichtete, um den Kollegen mal einen ungestörten Medientermin zu gönnen, erzählten ihre Geschichten. Darüber, dass man immer an sich glauben muss, nie aufgeben darf, die Dinge mutig angehen sollte, fleißig arbeiten muss, niemals verzagen und überhaupt. „Wenn du dann vier solche Typen zusammen schwimmen, kommt so etwas Unglaubliches dabei raus&#8221;, sagt Jason Lezak.</p>
<p>Neben den beiden Rekorden in der Freistilstaffel schwammen am Mittwoch auch der Japaner Kosuke Kitajima (100 Brust), Kirsty Coventry aus Simbabwe (100 Rücken) und die Italienerin Frederica Pellegrini (200 Freistil) Weltrekorde. An zwei Tagen gab es acht Weltbestmarken. Der deutsche Teamchef Örjan Madsen wehrte sich dagegen, diese Leistungen nur mit Wunderanzügen und Dopingverdächtigungen zu erklären. „Das sind Sternstunden&#8221;, sagte er. „Wenn wie in der Staffel vier Leute alle topfit sind und wirklich bis zum Optimum schwimmen, sich jagen, dann kommen solche fantastischen Sachen zustande.&#8221; Es gäbe weitere Gründe für die Leistungsexplosionen: die Trainingsmethodik, die Psychologie, verbessertes Krafttraining, Regeländerungen. „Die absolute Mehrheit der Schwimmer ist sauber&#8221;, sagte Madsen. Er behauptete, das Antidopingprogramm der Deutschen sein einmalig in der Welt. </p>
<p>Wehmütig erinnerte Madsen daran, dass seine Frauen vor zwei Jahren bei der EM in Budapest auch zwei Staffelweltrekorde aufgestellt hatten. Beide Male mit Britta Steffen, die in Peking neben Paul Biedermann (am Dienstag im Finale über 200 m Freistil) und Antje Buschschulte zu den wenigen zählt, die ihren Bestzeiten nahe kommen. Alle anderen sind viele Sekunden langsamer als noch bei den Deutschen Meisterschaften. Das lässt sich in der Tat nicht mit Doping bei der Konkurrenz erklären. </p>
<p>Es stimmt nichts in der deutschen Mannschaft. Und so zog Madsen bereits ein katastrophales Fazit seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit. Viele Vereinstrainer und Athleten seien seinen Ideen und Forderungen nicht gefolgt. „Der neue Cheftrainer und der neue Sportdirektor werden es einfacher haben&#8221;, sagte er. „Ab der kommenden Saison ist vertraglich geregelt, wer was zu tun hat. Dann müssen sich alle daran halten, was vorgegeben wird.&#8221;</p>
<p>Als Madsen nach den Finals am Montagmorgen diese kleine Brandrede hielt, kündigte er an, auf der Mannschaftssitzung am Mittag werde Tacheles geredet, differenziert aber mit klarem Ton: „Wir werden sagen, was die Athleten jetzt machen müssen. Wir erwarten nicht, dass sie anfangen zu fliegen. Wir erwarten nur, dass sie an ihre Bestzeiten herankommen.&#8221; </p>
<p>Das Ergebnis dieser Unterredung: Am Abend schieden vier deutsche Schwimmerinnen in den Vorläufen mit desaströsen Leistungen aus: Die WM-Zweite Annika Lurz blieb über 200 Meter Freistil mehr als vier Sekunden über ihrer Bestzeit und wurde Zweiundzwanzigste. Petra Dallmann machte es auf der gleichen Strecke nicht besser (24.), auch die Lagenschwimmerinnen Katharina Schiller (30.) und Sonja Schober (34.) schockierten. Es ist wohl doch nicht so, wie Madsen vermutete, dass „nur ein Schalter umgelegt werden muss&#8221;.</p>
<p>Schon vor vier Jahren, als Madsen noch nicht die Verantwortung trug, hatte das Timing der Deutschen nicht gestimmt. Franziska van Almsick und andere kamen erst nach ihren jeweiligen Hauptwettbewerben in beste Form. In Peking sieht das viel Schlimmer aus. Manchmal scheint es, als trieben die Deutschen nicht denselben Sport, den Phelps und die anderen Wunderschwimmer betreiben. </p>
<p><strong>10. August &#8211; Der Auftakt</strong></p>
<p>PEKING. Michael Phelps im olympischen Wasserwürfel: Es empfiehlt sich ein Arbeitsprotokoll, denn schließlich hat der Herr Wunderschwimmer viel vor in China. Acht Goldmedaillen sollen es werden, sieben mindestens, und danach wird er der erfolgreichste Olympiateilnehmer aller Zeiten sein. Es ist niemand in Sicht, der das ändern könnte.</p>
<p>Die erste am Sonntag: Olympiasieg über 400 Meter Lagen, seiner Lieblingsstrecke. Bill Gates saß auf der Tribüne, George W. Bush ebenfalls, er schwenkte ein US-Fähnchen. „Ziemlich cool&#8221; sei das gewesen, merkte Phelps nach erledigter Arbeit an. Da mochten sich sein Landsmann Ryan Lochte und der Ungar Laszlo Cseh, die ihm in den vergangenen Jahren immer mal nahe gekommen waren, noch so sehr mühen. Die beiden lagen bis etwa 330 Meter sogar unter Phelps Weltrekordmarke. Doch immer dann, wenn Normalsterbliche Schmerzen verspüren, wenn die letzten Reserven mobilisiert werden müssen, wenn es in den roten Bereich geht, dann sind derartige Finals entschieden. Denn Phelps kennt so etwas nicht, so was Menschliches. Oder etwa doch? Es sei sein letztes Lagenrennen gewesen, hat er seinem Trainer Bob Bowman gesagt. „Es ist wirklich das härteste Rennen.&#8221;</p>
<p>Aber er ratterte wieder sein Pensum herunter. Einmalig begabt. Einmalig gefördert. Vielleicht auch einmalig spezialbetreut, wer weiß das schon. Jedenfalls, auf den letzten zwei Bahnen, zurückgelegt im freien Stil, nahm Phelps dem Ungarn eine weitere Sekunde ab, Lochte sogar drei Sekunden. Diese 4:03,84 Minuten waren, wenn man richtig mitgezählt hat, der 23. Weltrekord für Michael Phelps. Vor sechs Wochen war er bei den Trials in Omaha/Nebraska Weltrekord geschwommen, nun in Peking schon wieder anderthalb Sekunden schneller.</p>
<p>Es war sein insgesamt siebenter Olympiasieg, nach den sechs in Athen. Drei fehlen noch, dann hat er erreicht, was noch nie jemand schaffte: Zehn Siege bei den Spielen. Dann hat er die Turnerin Larissa Latynina (Sowjetunion), den Langläufer Paavo Nurmi (Finnland), den Schwimmer Mark Spitz (USA) sowie den Sprinter und Weitspringer Carl Lewis (USA) übertroffen. Sporthistoriker führen zwar noch den Amerikaner Raymond Ewry mit zehn Goldmedaillen als Spitzenreiter, der vor hundert Jahren in lustigen Stand-Sprungdisziplinen obsiegte, die es längst nicht mehr gibt. Doch Ewry gewann auch bei den so genannten Zwischenspielen 1906 in Athen, die das IOC nicht in der Medaillenwertung akzeptiert. Wie auch immer, die Sache mit Ewry wird Michael Phelps in Athen klären.</p>
<p>Und selbst wenn das nicht gelingen sollte, wenn es überraschend, ja sensationell nur zu drei Goldmedaillen reichen sollte, statt deren acht, wie es das Ziel ist, selbst dann gehört Phelps noch immer die Zukunft. Denn er ist gerade 23 Jahre alt geworden.</p>
<p>Was hat Phelps gesagt nach seinem ersten Gold-Abenteuer in Peking? „Ich habe nach dem Anschlag versucht, meine Mama auf der Tribüne ausfindig zu machen. Das ist mir leider nicht gelungen.&#8221; Ist er nicht ein braver Junge, so wie es Mütter lieben? Er hat gut lachen. Er lachte sogar, als bei der Siegerehrung die Nationalhymne plötzlich abbrach. Für die Organisatoren war das peinlich. Phelps quittierte es lässig.</p>
<p>Sieben Wettbewerbe noch. Es geht weiter, immer weiter. Am Montag das Finale mit der Sprintstaffel und das Halbfinale über 200 Meter Freistil binnen einer Stunde. Abends nur ein Pflichtrennen: Vorlauf über 200 Meter Schmetterling. Natürlich ist er auch auf dieser Strecke Weltrekordler. Am Sonntagabend aber hat er seinen Freistil-Vorlauf verloren. Phelps sah sich den Schweizer Dominik Meichtry, der in Berkeley/Kalifornien lebt, von hinten an. Meichtry bot das Rennen seines Lebens. Mit seinen 1:45,80 Minuten ist er Viertschnellster aller Zeiten. Doch Phelps wird im Finale mindestens zwei Sekunden schneller schwimmen. Er hat noch nicht ernst gemacht. Er wollte nur spielen.</p>
<p><strong>6. August &#8211; Project Believe</strong></p>
<p>PEKING. Es sind immer die gleichen Fragen. Medaillen, Rekorde, Doping und all solche Sachen. Wonach soll man einen wie Michael Phelps auch fragen, einen Wunderschwimmer, einen, der keine Grenze kennt. Der mit seinen 23 Jahren seine dritten Olympischen Spiele erlebt, schon sechs Mal Olympiasieger ist, 17 Weltmeistertitel gewonnen und 22 Weltrekorde aufgestellt hat.</p>
<p>Okay, man kann danach fragen, wie er seine Zeit verbringt im Olympischen Dorf, wo er am Montag eingezogen ist. Er spielt Videospiele. Er schaut Filme. Er liegt auf dem Bett. Er macht Späße mit seinen Kollegen, mit denen er sich eine Wohnung teilt. „Stay cool and have fun&#8221;, sagte Michael Phelps. Das muss man nicht übersetzen. Ansonsten gilt: „Ich bin zum Schwimmen hier und nicht, um mir Peking anzugucken.&#8221;</p>
<p>Bevor Michael Phelps am Sonnabend zum ersten Mal ins Wasser springt, zum Vorlauf über 400 Meter Lagen, empfiehlt sich ein Ausflug in die olympische Geschichte. Denn im Water Cube, dem Schwimmstadion von Peking, wird tatsächlich Historisches verhandelt. Mit neun Olympiasiegen führen die russische Turnerin Larissa Latynina, der Schwimmer Mark Spitz (USA) sowie die Leichtathleten Paavo Nurmi (Finnland) und Carl Lewis (USA) die ewige Hitliste an.</p>
<p>Feinschmecker der olympischen Statistik führen allerdings das amerikanische Sprungwunder Raymond Ewry als Spitzenreiter, der vor 100 Jahren zehn Goldmedaillen in Standsprungwettbewerben gewann, die nur damals ausgetragen wurden. Zweimal davon aber siegte er bei den so genannten Zwischenspielen 1906 in Athen, die zwar von Historikern anerkannt werden, nicht aber vom IOC.</p>
<p>Michael Phelps hat bisher sechs Goldmedaillen &#8211; und acht Chancen in Peking. Er wird sie also alle übertreffen. Latynina, Lewis, Spitz, Nurmi. Auch Ewry. Es sei denn, Phelps verletzt sich &#8211; oder patzt bei einer Dopingkontrolle.</p>
<p>Die Jagd beginnt mit der langen Lagenstrecke, auf der er den Weltrekord hält, wie auch über 200 Meter Lagen und 200 Meter Schmetterling und den 200 Meter Freistil. Außerdem startet er über 100 Meter Schmetterling und in allen drei Staffeln. Dieses Programm testete er bereits bei der Weltmeisterschaft 2007 in Melbourne mit herausragendem Erfolg: Er gewann sieben Mal, verpasste nur den Titel mit der US-Lagenstaffel, weil sein Intimfeind Ian Crocker beim Wechsel patzte.</p>
<p>Crocker hatte Phelps schon 2004 in Athen mit einer bescheidenen Leistung in der kurzen Freistilstaffel (4 x 100 m) den siebten Olympiasieg vermasselt. Die Amerikaner wurden Dritte &#8211; bei einem Sieg hätte Phelps mit sieben Olympiasiegen und einer Bronzemedaille den Rekord von Mark Spitz aus dem Jahre 1972 übertroffen, der bisher als einziger sieben Mal bei einer Olympia-Auflage gewann.</p>
<p>„Hochrechnungen&#8221;, sagt Phelps den Journalisten, „sind eure Sache. Ich habe meine eigenen Ziele, die will ich erreichen.&#8221; Er kokettiert. Sein Trainer Bob Bowman schreibt ihm zu Saisonbeginn stets Zahlen auf ein Zettelchen. Beim Höhepunkt wird dann verglichen. Phelps ist meistens schneller, als sein Trainer verlangt und vermutet. Phelps ist einer derjenigen, die scheinbar keine Grenzen kennen. Er hat den idealen Schwimmkörper: Enorme Spannweite, mächtiger Oberkörper, schmale Hüften und einen extrem langen Torso. Natürlich hat er gemeinsam mit seinem Trainer Bob Bowman den vieldiskutierten Speedo-Schwimmanzug LZR Racer mit entwickelt, mit dem fast alle Weltrekorde dieses Jahres erzielt wurden. Phelps war die Testperson.</p>
<p>Einige Eigenheiten seines Körpers korrespondieren allerdings mit jenen Äußerlichkeiten, die sich durch den Gebrauch von Dopingmitteln, etwa Wachstumshormonen, entwickeln. Phelps hat sich freiwillig einem Programm der amerikanischen Antidopingagentur USADA angeschlossen, das „Project Believe&#8221; genannt wird. Das vorerst limitierte Projekt soll den Glauben an das Gute im Sport zurückbringen &#8211; so formulieren es die Amerikaner. Die USADA hat zwölf Olympia-Stars für zusätzliche Dopingtests und die Erstellung von Blut- und DNA-Profilen verpflichtet. Dazu zählen Phelps und seine Schwimm-Kolleginnen Dara Torres und Nathalie Caughlin.</p>
<p>Phelps sagt, mehr könne er nicht tun, um Zweifel an seinen Leistungen zu zerstreuen. Er bleibt ganz cool, wie immer. Die 41-jährige Torres dagegen, die neben ihm auf dem Podium sitzt, wirkt leicht genervt. „Ich musste solche Fragen mindestens schon tausend Mal beantworten&#8221;, sagt sie. „Die USADA nimmt Blut- und Urinproben von mir, sie erstellen Profile und frieren die Proben für spätere Tests ein. Ich mag eigentlich nicht mehr darüber reden.&#8221;</p>
<p>Phelps ist ein um Harmonie bemühter Zeitgenosse. Die 17-jährige Katie Hoff, die in Peking sieben Mal gewinnen will, nennt er „meine kleine Schwester&#8221;. Mit Katie Hoff hat er einst in Baltimore trainiert. Inzwischen lebt und schwimmt er in Ann Arbor (Michigan). Dara Torres bezeichnet Phelps in Peking als „meine Mama&#8221;. Torres grinst und lässt sich das gefallen. Sie könnte tatsächlich seine Mutter sein: Als sie 1984 in Los Angeles das erste Olympiagold gewann, war Phelps noch nicht geboren.</p>

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		<title>Peking, Tag 12</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 02:10:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.07: Da isser wieder. Noch ein paar Minuten Zeit bis zum neunten Olympiasieg. Die Mädels lassen es heute langsam angehen. Noch kein Weltrekord. 10.09: Habe den Statistik-Blackout von gestern noch in den Knochen. Schwer geschockt heute gleich mal verschlafen. Gewaltmarsch vom MPC zum Water Cube, schon sind die Klamotten durchfeuchtet. Aber was soll&#8217;s, es war [...]]]></description>
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<div class="topsy_widget_data topsy_theme_light-green" style="float: right;margin-left: 0.75em; background: url(data:,%7B%20%22url%22%3A%20%22http%253A%252F%252Fwww.jensweinreich.de%252F2008%252F08%252F12%252Fpeking-tag-11-2%252F%22%2C%20%22style%22%3A%20%22small%22%2C%20%22title%22%3A%20%22Peking%2C%20Tag%2012%22%20%7D);"></div>
<p><strong>10.07:</strong> Da isser wieder. Noch ein paar Minuten Zeit bis zum neunten Olympiasieg. Die Mädels lassen es heute langsam angehen. Noch kein Weltrekord.</p>
<p><strong>10.09:</strong> Habe den <a href="http://jensweinreich.de/?p=634" target="_self">Statistik-Blackout</a> von gestern noch in den Knochen. Schwer geschockt heute gleich mal verschlafen. Gewaltmarsch vom MPC zum Water Cube, schon sind die Klamotten durchfeuchtet. Aber was soll&#8217;s, es war ein <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">Protokoll dieser Spiele</a> versprochen worden mit allen Irrungen und Wirrungen.</p>
<p><strong>10.14:</strong> Phelps im Wasser &#8230;</p>
<p><strong>10.14:</strong> &#8230; 50 Meter &#8211; 14 Hundertstel unter WR &#8230;</p>
<p><strong>10.15:</strong> &#8230; 100 Meter &#8211; 71 Hundertstel unter WR &#8230;</p>
<p><strong>10.15:</strong> &#8230; 150 Meter &#8211; 89 Hundertstel drunter, zwei Längen Vorsprung &#8230;</p>
<p><strong>10.16:</strong> &#8230; dass er Erster ist, muss man nicht erwähnen, oder? Die Zeit: 1:42,96. Weltrekord. Neunter Olympiasieg. 23. Weltrekord, aber ich übernehme für Statistik kein Gewähr mehr. Zähle gleich nochmal durch. Phelps muss sich sputen, denn er hat ja gleich ein Halbfinale. Er wird doch nicht wohl &#8230;</p>
<p><strong>10.27:</strong> Gibt doch keinen Grund, so garstig zu sein:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-643" title="phelps-neun" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-neun.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong><span id="more-634"></span>10.31:</strong> Weltrekord Aaron Peirsol, 100 Rücken, 52,54. Zählt noch jemand mit? Nummer zehn an drei Tagen.</p>
<p><strong>10.42:</strong> Siegerehrung. Können diese Augen lügen? Und die Ohren?</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-646" title="phelps-augen2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-augen2.jpg" alt="" width="492" height="53" /></p>
<p><strong>11.08:</strong> Phelps im Wasser. Halbfinale 200 Schmetterling. Er lässt&#8217;s langsam angehen. Macht nur die letzten 50 Meter ernst und liegt gleich zwei Längen vorn. Olympischer Rekord.</p>
<p><strong><span style="color: #000000;">11.10:</span></strong> Einige Links:</p>
<ul>
<li>Über den <a href="http://www.sportspool.tv/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=228&amp;Itemid=1" target="_blank">Dopingspiegel</a> von Fred Kowasch auf sportspool.tv ist ja gestern schon gesprochen wurden.</li>
<li>Einige bloggende Kollegen aus Deutschland: <a href="http://www.moz.de/index.php/Moz/Spezial/id/241215" target="_blank">Jürgen Leibner</a> (Märkische Oderzeitung), <a href="http://www.stimme.de/sport/olympia/pekingsuppe/" target="_blank">Stefanie Wahl</a> (Heilbronner Stimme), <a href="http://blog.rhein-zeitung.de/?p=415" target="_blank">Volker Boch</a> (Rhein-Zeitung).</li>
<li>International: <a href="http://olympics.blogs.nytimes.com/" target="_blank">On the Rings Blog</a> (New York Times), <a href="http://blogs.guardian.co.uk/sport/" target="_blank">Sport Blog</a> (Guardian), <a href="http://www.nbcolympics.com/blogs/blog=alanabrahamsonsblog/index.html" target="_blank">Alan Abrahamson</a> (NBC Olympics), <a href="http://werge.nationenblog.dk/" target="_blank">Lars Werge</a> (Ekstra Bladet), <a href="http://newsblogs.chicagotribune.com/sports_globetrotting/" target="_blank">Phil Hersh</a> (Chicago Tribune). (wird fortgesetzt)</li>
<li>Einer, der nicht in Peking ist und trotzdem gerade einen Heidenspaß mit seinen Geschichten hat: mein Freund <a href="http://www.transparencyinsport.org" target="_blank">Andrew Jennings</a>.</li>
</ul>
<p><strong>12.48: </strong>Irgendetwas ist heute anders. Jetzt weiß ich es: Auf den Rolltreppen im MPC ist Rechtsverkehr. Bis gestern war die andere Seite angesagt. Was hat das zu bedeuten?</p>
<p><strong>13.27:</strong> In den Kommentaren unten schreibt &#8220;Thomas&#8221;:</p>
<blockquote><p>Man kann jetzt natürlich auch über jeden Sportler hier die Kommentare mit Vermutungen füllen. Wird aber langweilig.</p></blockquote>
<p>Einerseits sehe ich das genauso. Andererseits geht es nicht anders. Darf es nicht anders laufen, zumindest nicht im Journalismus (denn da gibt es, auch wenn ich damit langweile, so etwas wie Verantwortung und Aufklärungspflicht und etliche andere Aufgaben mehr, den Kunden gegenüber), bei Kommentarschreibern schon. Ich schreibe seit etwa 1992/93 regelmäßig über Doping. Viele meiner Vermutungen, die meist auf einem gesunden Menschenverstand (hoffentlich), mitunter sogar auf Recherchen beruhten, haben sich später bewahrheitet: Michelle Smith de Bruin (1996), Kostas Kenteris (2000), um nur zwei olympische Beispiele zu nehmen (<a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">hier ein paar Beispiele</a>). Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie 1996 in Atlanta Craig Lord (London Times), ein exzellenter Schwimmsport-Experte und Dopingrechercheur, angefeindet wurde von so genannten Kollegen, weil er Fragen stellte, weil er beschrieb, was er sah: <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1996/0722/none/0008/index.html" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">Michelle Smith de Bruin</span></a> konnte nur eine Lügnerin sein. Mir ging das genauso mit deutschen Kollegen, nicht nur in Atlanta, auch später. Andere können Geschichten davon berichten. Bei Smith de Bruin übrigens hatte ich 1998 das Vergnügen, zufällig in Dublin auf einem Uefa-Kongress zu sein, als Craig Lord (!) von ihrer positiven Dopingprobe berichtete. Ich bin dann zu ihrer Pressekonferenz gefahren und <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0430/none/0029/index.html" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">sah sie weinen</span></a>. Es gibt viele solcher Geschichten.</p>
<p>Auch wenn es sicher keinen Spaß macht als Berichterstatter &#8211; aber nur weil man der Wahrheit kaum näher kommt in diesem sechzehntägigen Zirkus -, es ist, wie es ist: Der Generalverdacht empfiehlt sich aus vielerlei Gründen, über die ich oft geschrieben und gesprochen habe und die ich hier nicht wiederholen will. Denn ich muss jetzt los zur USATF-Pressekonferenz mit &#8211; Jeremy Wariner.</p>
<p><strong>14.06:</strong> Mein Timing stimmt genau so wenig wie das der deutschen Schwimmer. Schon bei der PK von Lopepe Lomong war ich vergangene Wochen einen Tag zu früh anwesend. Eben auch gerade bei der PK von Jeremy Wariner. Auch die ist erst in 24 Stunden. Normalerweise bin ich ein Zuspätkommer oder gar ein Flugzeug- und Pressekonferenzen-Verpasser. Jedenfalls, die PK von Tyson Gay gestern habe ich verpasst, weil e-push mit der chinesischen Handy-Karte auf meinem HTC Touch Cruise leider nicht funktioniert, ich mir die Synchronisierung auf dem iPhone angesichts der bizarren Roamingkosten spare, und mein Laptop ausnahmsweise mal aus war, als ich vom Water Cube ins MPC hetzte und mir anschließend ein Mittagessen gönnte. Dies mal wieder zur Technikfrage, die ich <a href="http://jensweinreich.de/?p=280" target="_self">anfangs</a> mal <a href="http://jensweinreich.de/?p=381" target="_self">erwähnte</a> und die mir immer sehr am Herzen liegt. Ich könnte mir auch ein Technik-Blog für Journalisten vorstellen.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-654" title="lomong-08082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/lomong-08082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="254" height="133" align="left" />14.19:</strong> Apropos <a href="http://jensweinreich.de/?p=463" target="_self">Lopepe Lomong</a>, ein längst fälliger Nachtrag. Lomong wurde, darüber hatte ich berichtet, einst in Kenia auch von der deutschen Dominikanerschwester Luise Radlmeier betreut. Schwester Radlmeier arbeitet seit 1956 in verschiedenen Projekten in Afrika und kümmert sich seit einigen Jahren vorzugsweise um Aidswaisen und Kindersoldaten aus dem Sudan. <strong>Sister Luise</strong> schickte gestern eine Email:</p>
<blockquote><p>We are so proud of him to see him carrying the USA Flag. Now about his life. His family has hide him in mountain caves together with others to escape the SOPL raids that were collecting children for the Army. He came with a group of totally emaciated children, escorted by an older person from his home area in Kimtong South Sudan. Their sores and wounds from trekking 4 nights through the bush I could only treat with kamile-tea since we had no money for medical treatment. When they had recovered somehow I put them into local Kenyan Government school. He started in std.1. When he completed std.7 or 8 We negotiated with USA embassy to let him and others emigrate. He was lucky and was places with very nice ,understanding foster-parents. That family Rogers have 3 of our boys. The other 2 are also at University. Lopez as the the American call him, but to us he is Lopepe, is at the University of Arizona. He has come to visit us twice already in 2007 and 2008. He also ventured to go to South Sudan to Kimtong to search for his parents. Luckily he found them. Lopez has started a foundation to help his home village Kimtong out of poverty. I hope his sporting achievements will assist him to raise funds to help develop his home-area of the Buya-tribe.</p></blockquote>
<p>Sollte jemand die Hilfprojekte von Sister Luise in Kenia unterstützen wollen &#8211; bitte hier entlang zur <a href="http://www.thika-hilfe.de/" target="_blank">Mission Thika</a>.</p>
<p><strong>14.59:</strong> Ein Dossier zu China und den Spielen der Bundeszentrale für politische Bildung mit einem <a href="http://www.bpb.de/themen/6D31J6,0,Die_Olympischen_Sommerspiele_in_Peking.html" target="_blank">Beitrag</a> von mir.</p>
<p><strong>15.18:</strong> Hinter mir palavern acht Inder so laut, als müssten sie den Straßenverkehr von Kalkutta übertönen.</p>
<p><strong>15.25:</strong> Neuaufnahmen in die Liste der Länder, deren Sportjournalisten Nationaltrikots oder andere Insignien ihrer Olympiateams tragen: Spanien, Griechenland, United Kingdom, Kroatien. Vorher schon auf der <a href="http://jensweinreich.de/?p=558" target="_self">LIste</a>: Kollegen und Kolleginnen aus Weißrussland, Russland, Litauen, Estland, Polen, Tschechien, Ungarn, Schweiz, Frankreich, Italien, Eritrea, Brasilien, Mexiko, Argentinien, Angola, Äthiopien, China, USA.</p>
<p><strong>16.38:</strong> Interessante Diskussion da unten in den Kommentaren. Weil ich jetzt nicht so einsteigen kann, muss ein bisschen Geld verdienen, verlinke ich kurz auf ein Sportgespräch im <strong>Deutschlandfunk</strong>, das ich kürzlich unter Leitung von Herbert Fischer-Solms mit den Professoren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Gebauer" target="_blank">Gunter Gebauer</a> (FU Berlin) und <a href="http://www.ifs-tud.de/ifs/Arbeitsbereiche/Sportsoziologie/Bette/profil.html" target="_blank">Karl-Heinrich Bette</a> (TU Darmstadt) führen durfte. Es geht auch um Doping, nicht im Speziellen, sondern um die Dimension des Ganzen und die Verantwortung des Sports. Ich komme natürlich auch wieder mit meiner Lieblingsthese, die ich allen Freigabe-Verfechtern entgegen schleudere: Wenn Feigabe, dann totaler Entzug aller öffentlichen Sportfördermittel (damit wäre der olympische Sport gestorben). Wer Muße hat, nebenbei reinzuhören &#8211; Gebauer und Bette lohnen sich immer:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/07/27/dlf_20080727_2330_ef25d6e8.mp3">:</a></p>
<p><strong>17.01:</strong> Der erste Caramel Frappé heute. Kalorien müssen sein.</p>
<p><strong>01.40:</strong> So, Freunde der Nacht. Einige Stunden, Frappés und andere Ungesundheiten später verabschiedet sich der Domainbetreiber. Er muss zum Bus, zum Hotel und ab ins Bett. Das dauert dann noch ein Stündchen. Der Domainbetreiber ist ziemlich genervt. Er hat sich zwar vorgenommen, ein Arbeitsprotokoll der gesamten Olympiaberichterstatung abzuliefern. Aber manches bleibt doch lieber Geschäftsgeheimnis. Zum Beispiel, was es für einen freien Journalisten bedeutet, wenn er den ganzen Tag an Texten über Michael Phelps und die chinesischen Medaillenfabrik herumschraubt, und die Deutschen am Ende vier Goldmedaillen gewinnen; wenn dann auch noch bei der Produktion eines Rundfunkbeitrages der Computer abstürzt. Mehr als sechzehn Stunden am Stück scheint das Ding (Fabrikat nenne ich jetzt nicht, wurde zu Beginn der Expedition erwähnt) nicht durchzuhalten. Tja, niemand kann sich denken, was das bedeutet. Gute Nacht allerseits.</p>
<p><strong>01.42:</strong> Habe übrigens nebenher sehr interessiert die Diskussion verfolgt. Scheint fast, als braucht es hier gar keinen Hausherrn. Das läuft auch so.</p>

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		<item>
		<title>Peking, Tag 11</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Aug 2008 22:01:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[03.15: Nachtruhe. In ein paar Stunden geht&#8217;s weiter in diesem Theater &#8211; und ich schätze, die Weltrekorde werden wieder munter purzeln im Water Cube. So lange wünsche ich viel Vergnügen mit diesem Spielzeug vom Olympiasender. 09.53: Wenn mich nicht alles täuscht, war das Laura Bush, die mir gerade an einer Absperrung vor der Schwimmhalle aus [...]]]></description>
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<p style="text-align: left;"><strong>03.15:</strong> Nachtruhe. In ein paar Stunden geht&#8217;s weiter in diesem Theater &#8211; und ich schätze, die Weltrekorde werden wieder munter purzeln im Water Cube. So lange wünsche ich viel Vergnügen mit diesem Spielzeug vom Olympiasender.</p>
<ol><script src="http://wgtclsp.nbcolympics.com/o/4812279165b55abb/489f3ec086feee8d/4812279147dd6d78/a79aae1d/widget.js" type="text/javascript"></script></ol>
<p><strong>09.53:</strong> Wenn mich nicht alles täuscht, war das Laura Bush, die mir gerade an einer Absperrung vor der Schwimmhalle aus einer schwarzen GM-Limousine zugewunken hat. Sie hat mich aber nicht gefragt, ob ich ein Autogramm haben will. Die Entourage, 13 schwere Jeeps und Limos (alle GM oder Ford), machte einen präsidiablen Eindruck. Vielleicht war es aber auch eine optische Täuschung.</p>
<p><strong>10.08:</strong> Gerade eingeschneit im Water Cube. Völlig überraschend fällt in diesem Moment ein Weltrekord, na so was. Diesmal Kirsty Coventry (Simbabwe) über 100 Meter Rücken (58,77). Aber der wird nicht lange halten, morgen ist Finale.</p>
<p><strong>10.20:</strong> Achtung, Phelps im Wasser und &#8211; nanu?! &#8211; kein Weltrekord. Nur Dritter im Freistil-Halbfinale (200). Vor Paul Biedermann.</p>
<p><strong>10.31:</strong> Wer hätte das gedacht? Weltrekord. Diesmal Kosuke Kitajima (Japan) über 100 Meter Brust. Wie viele Zeilen passen eigentlich in so ein WordPress-Blog? Ich meine, wenn ich jeden Weltrekord vermelde, wird&#8217;s vielleicht eng.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-619" title="blick-ins-becken" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/blick-ins-becken.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="205" height="154" align="left" />10.34:</strong> So sieht das übrigens von meinem Platz auf der Pressetribüne aus. Was man sieht, wenn man was sieht, ist eigentlich nur, dass ich nicht alles sehe. Aber dafür ist man ja auch nicht in Peking an einer olympischen Stätte. Ich kann Fernsehen glotzen, heute sogar ganz souverän auf zwei Geräten links und rechts. Wenn die nicht da wären, würde ich gar nichts sehen &#8211; was sollte ich dann berichten? Ernsthaft: Bei so einem Ereignis kann man genauso gut im Sub-Pressezentrum sitzen bleiben, denn dort stehen und hängen auch große Bildschirme, und die Wege zur Mixed Zone und zur Pressekonferenz sind kürzer. In Sub-Pressezentren habe ich schon halbe Weltmeisterschaften (Leichtathletik, Schwimmen) zugebracht und halbe Vierschanzentourneen (besonders in Innsbruck und Bischofshofen). Wenn das jetzt Verleger lesen, werden sie wohl künftig den Reiseetat noch weiter kürzen. Denn es gibt ja das Internet und solche Sachen. Und natürlich das Fernsehen. Da sieht man sowieso alles besser.</p>
<p><strong>11.13:</strong> Bevor <a href="http://usaswimming.org/USASWeb/DesktopModules/BioViewManaged.aspx?personid=4beec290-d7ae-483d-a512-36b18a4e022a&amp;TabId=388&amp;Mid=597" target="_blank">Michael Phelps</a> gleich wieder gewinnt und Weltrekord schwimmt, schnell dies: Ich habe mal eben recherchiert und eine Hochrechnung angestellt. Phelps ist ja so ein Wunderschwimmer, ein Fabelwesen. Stellen wir uns mal vor, er schwimmt so lange, wie Dara Torres. Das würde eine hübsche Medaillenliste ergeben (seine Weltrekorde, mehrere Hundert dann, klammere ich mal aus). Derzeit sieht das so aus, den Sieg von nachher schon mal eingerechnet:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-621" title="phelps-tab1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-tab1.jpg" alt="" width="492" height="469" /></p>
<p>Und so könnte das später aussehen. In ein paar Jahren. Man erkennt leicht, ich habe regressiv gerechnet.<span id="more-608"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-622" title="phelps-tab2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-tab2.jpg" alt="" width="489" height="470" /></p>
<p><strong>11.26:</strong> Phelps verbessert seine 100-m-Freistil-Bestzeit als Startschwimmer um 41 Hundertstel auf 47,51.</p>
<p><strong>11.27:</strong> Ich muss meine Statistik korrigieren &#8230;</p>
<p><strong>11.28:</strong> &#8230; denn Frankreich gewinnt &#8230; eine Länge vorn &#8230; doch nicht. Lezak. Welch ein Spurt. Wie ein Wunder. Alles stimmt. Siehe oben: Weltrekord? Klar doch. Ami-Sieg, Phelps-Gold? Aber sicher.</p>
<p><strong>11.35:</strong> Nachtrag, bevor ich mich in die Mixed Zone stürze. Die Amis verbesserten den Weltrekord ihrer B-Mannschaft von gestern um vier Sekunden. V-i-e-r-S-e-k-u-n-d-e-n.</p>
<p><strong>18.27:</strong> Ooops. Was ich völlig verpasst habe und erst jetzt sehe, als ein Textlein fabriziere: Es gab in der Staffel noch einen Weltrekord: Startschwimmer Eamon Sullivan (Australien) kraulte 47,24. Ich hatte mich nur auf Phelps konzentiert.</p>
<p><strong>20.08:</strong> Ich bin ein Trottel. Sehr peinlich, dass ich in einigen Texten &#8211; in denen es um Phelpsens Medaillenjagd ging &#8211; unterschlagen habe, dass neben Latynina, Nurmi und Lewis auch Mark Spitz neun olympische Goldmedaillen gewonnen hat. Das fällt mir eben auf. Ich könnte schreien. Habe immer nur die sieben von München gezählt und die beiden von Mexiko vergessen. Habe gestern noch mit dem Kollegen S, der nichts dafür kann, ich bin schuld, nachgesehen, ob nicht der Skilangläufer Björn Dählie auch neun Olympiasiege hat. Offenbar nicht. Oder wir waren zu dumm zum Nachschlagen. Jedenfalls, die derzeitige ewige Rangliste bei Sommerspielen sieht so aus &#8211; bis Dienstagmorgen:</p>
<ol>
<li style="TEXT-ALIGN: left">Larissa Latynina (UdSSR/Turnen) 9 Gold 5 Silber 4 Bronze</li>
<li>Paavo Nurmi (Finnland/Leichtathletik) 9 Gold 3 Silber 0 Bronze</li>
<li>Mark Spitz (USA/Schwimmen) 9 Gold 1 Silber 1 Bronze</li>
<li>Carl Lewis (USA/Leichtathletik) 9 Gold 1 Silber 0 Bronze</li>
<li>Birgit Fischer (Deutschland/Kanu) 8 Gold 4 Silber 0 Bronze</li>
<li>Sawao Kato (Japan/Turnen) 8 Gold 3 Silber 1 Bronze</li>
<li>Jenny Thompson (USA/Schwimmen) 8 Gold 3 Silber 1 Bronze</li>
<li>Matt Biondi (USA/Schwimmen) 8 Gold 2 Silber 1 Bronze</li>
<li>Michael Phelps (USA/Schwimmen) 8 Gold 0 Silber 2 Bronze</li>
</ol>
<p><strong>23.07:</strong> Ich schmeiße mal ein Interview in die Diskussion, dass ich vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen mit Friederike Janofske und Regine Eichhorn geführt habe, Psychologin und Managerin von Franziska van Almsick &#8211; heute in gleicher Funktion für Britta Steffen tätig. Ich kann mir kein Urteil über die Qualität der Aussagen von Frau Janofske erlauben, ich bin kein Psychologe, nur ein Reporter, der damals wie heute in ziemlichen Stress versucht, Dinge zu erklären. Das misslingt mitunter total. Manchmal produziert man einen vernünftigen Gedanken. Natürlich sind die deutschen Auftritte im Bassin nicht nur in psychologischen Problemen begründet. Es ist eine Mixtur aus vielen Faktoren. Doping ist einer davon. <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0820/athen2004/0002/index.html" target="_blank">&#8220;Wer einen Kampfreflex hat, der hat natürlich Glück&#8221;</a>, sagte Janofske damals. Vieles in dem Gespräch kommt mir bekannt vor, könnte man fast noch mal abdrucken. Mal sehen, ob Britta Steffen den Kampfreflex hat.</p>

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		<title>Peking, Tag 10</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Aug 2008 22:01:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[02.12: Die Nachrichtenagenturen melden, Georgien wolle sein Team zurückziehen. Bei Reuters habe ich zuvor gelesen: The Georgian Olympic team urged the international community to help end the violence. &#8220;This deliberate strategy of aggression has grown into a full-scale military intervention involving all regions of Georgia,&#8221; the athletes said in a statement. &#8220;Georgia calls upon the [...]]]></description>
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<p><strong>02.12:</strong> Die Nachrichtenagenturen melden, Georgien wolle sein Team zurückziehen. Bei Reuters habe ich zuvor gelesen:</p>
<blockquote><p>The Georgian Olympic team urged the international community to help end the violence. &#8220;This deliberate strategy of aggression has grown into a full-scale military intervention involving all regions of Georgia,&#8221; the athletes said in a statement. &#8220;Georgia calls upon the international community to make it clear (to Russia) that intrusion into and bombing of the territory of a sovereign state is unacceptable in the 21st century and that such acts cannot and will not be tolerated.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und bei Paul Kelso vom <a href="http://www.guardian.co.uk/sport/2008/aug/09/olympics20082" target="_blank">Guardian</a> fand ich diese Passage, die vom russischen Olympic Spirit zeugt:</p>
<blockquote><p>Russian Olympic Committee spokesman Gennady Shvets said that the team had been upset by reports of up to 1,500 deaths, and were following developments closely. He insisted that preparation would not be interrupted, but attacked the Georgian president. &#8220;Our athletes are doing what they&#8217;ve prepared for years. There&#8217;s no politics.&#8221; Describing Georgian president Mikheil <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Micheil_Saakaschwili" target="_blank">Saakashvili</a>, who is backed by Washington, he said: &#8220;He&#8217;s stupid, a criminal, mentally ill, he should go to a clinic. Normally during the Olympics countries try to calm down any conflicts they have.&#8221;</p></blockquote>
<p><span style="color: #000000;"><strong>03.30:</strong> Offenbar bleiben Sie doch, meldet dpa unter Berufung auf AP.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>09.02:</strong></span> Im Water Cube. Noch 58 Minuten bis Michael Phelps seinen 23. Weltrekord schwimmen und seine siebente olympische Goldmedaille gewinnen wird (hoffentlich habe ich richtig mitgezählt). Man sieht nicht viel, die Presse sitzt unterm Himmel, dort unten bewegen sich kleine Menschen. Aber es gibt Bildschirme auf den Presseplätzen. Und das Internet funktioniert, aber mit Schrittgeschwindigkeit. Man kann nicht alles haben.</p>
<p><strong>09.11:</strong> Noch nicht richtig geschwitzt heute. Morgens ist es kühl, nur so 28 Grad. Dafür begann ein gefühlter Monsunregen, als ich auf dem Weg zum Water Cube war. Doch wieder durchfeuchtet.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-583" title="luftung" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/luftung.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="235" height="167" align="left" />09.25:</strong> Mein belgischer Freund Hans amüsiert sich über meinen USB-Propeller, der mir etwas Luft zuführt. Er macht gleich mal ein Foto für <a href="http://www.demorgen.be/dm/nl/2766/Peking-2008/article/detail/374217/2008/08/09/Hallo-Mister-Hanze---deel-acht.dhtml" target="_blank">sein Blog</a>. So sieht das also aus: Reporter mit Propeller im Schwimmstadion &#8211; in der Mitte, drei rosa Rotorblätter, über dem Kaffeebecher, den ich entgegen der Anweisungen des BOCOGs auf die Tribüne verschleppt habe. Ein Volunteer hat mich mehrfach nachdrücklich auf das Vergehen aufmerksam gemacht. Ich habe ihn mit freundlichem Nachdruck darauf hingewiesen, dass ich gedenke, meinen Kaffee zu trinken, und zwar hier. Darauf hin meinte er: &#8220;Okay, sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie fertig sind. Ich bringe den Becher weg.&#8221; Ich denke, das war übertrieben, den Abfallbehälter werde ich schon finden.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-584" title="ente" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/ente.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="154" height="184" align="right" />09.37:</strong> Da wir gerade beim Thema Getränke und Speisen sind. Bei der Gelegenheit erzählt Hans, dass sich in der Nähe vom Poly Plaza, wo wir nächtigen, ein sensationeller Entenbrater befinden soll. Die beste Peking-Ente von Peking macht offenbar Meisterkoch Da Dong. Das hat er in einem belgischen Gourmet-Führer gelesen. Hans, ein passionierter Marathonläufer, gertenschlank, hat sich bei Da Dong deshalb gleich eine ganze Ente bestellt, die hier gerade zugeschnitten wird - und hat offenbar immer noch Bauchweh.</p>
<p><strong>09.54:</strong> Noch sechs Minuten bis Phelps Weltrekord schwimmt. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, empfehle ich diese Lektüre: <a href="http://olympics.blogs.nytimes.com/2008/08/09/iranian-swimmer-pulls-out-of-heat-that-includes-israeli/?ex=1218945600&amp;en=86b56a9d6fc0b23a&amp;ei=5070&amp;emc=eta1" target="_blank">Iranian Swimmer Pulls Out of Heat That Includes Israeli</a>.</p>
<p><strong>09.58:</strong> Phelps betritt das nur halb gefüllte Schwimmstadion &#8230;</p>
<p><strong>10.03:</strong> &#8230; liegt nach 100 Meter Schmetterling 46 Hundertstel unter WR &#8230;</p>
<p><strong>10.04:</strong> &#8230; nach Rücken 83 Hundertstel drunter, aber Lochte bleibt dran &#8230;</p>
<p><strong>10.05:</strong> &#8230; nach Brust 1,40 Sekunden drunter, halbe Länge vor Lochte, eine vor Cseh &#8230;</p>
<p><strong>10.06:</strong> &#8230; nach 330 Metern ist es entschieden: 4:03,84 &#8211; Weltrekord. 7. Olympiasieg. Drei Goldene <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,570380,00.html" target="_blank">fehlen noch zum ewigen Rekord</a>.</p>
<p><strong>10.12:</strong> Don&#8217;t mix sport with politics:</p>
<blockquote><p>Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Chinese Human Rights Defenders ist Zeng Jinyan, die Frau des Bürgerrechtlers <a href="http://sportnetzwerk.eu/?p=83" target="_blank">Hu Jia</a>, seit Donnerstag verschwunden. Die Behörden hätten offenbar verhindern wollen, dass sie während der Spiele mit Journalisten spreche. Es sei zu befürchten, dass Zeng in Polizeigewahrsam sei und misshandelt werde. Zengs Mann wurde im April wegen &#8220;Aufrufs zum Umsturz der Staatsmacht&#8221; zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. <em>(AP)</em></p></blockquote>
<p><strong>10.48:</strong> Dieses Bild wird man noch oft sehen im Water Cube. Vielleicht sogar sieben Mal, nur die Burschen rechts und links neben Phelps werden andere sein. Vielleicht klappt&#8217;s beim nächsten Mal auch mit der Hymne. Diesmal fiel der Ton vor den Schlusstakten aus.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-592" title="phelps-zum-ersten" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/phelps-zum-ersten.jpg" alt="" width="486" height="339" /></p>
<p><span id="more-576"></span></p>
<p><strong>11.23:</strong> Mist. Ausgerechnet jetzt kommt Phelps zur Pressekonferenz, da gerade die Mädels zum Staffelfinale einmarschieren. Ich muss über beide schreiben heute, über Phelps und die deutsche Staffel mit Britta Steffen. Also bleibe ich erstmal in der Halle sitzen.</p>
<p><strong><img class="alignright size-full wp-image-598" title="mixed-swi" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/mixed-swi.jpg" alt="" hspace="5" width="246" height="184" align="right" />12.01:</strong> So sieht es in der Mixed Zone aus, in jenem Areal, in dem die Sportler durchmüssen, wenn sie zu ihren Umkleideräumen wollen. Zuerst kommen die Rechteinhaber vom Fernsehen, die sogar noch in der Halle Interviews führen dürfen. Dann Radiomenschen. Irgendwann, wenn viele Athleten schon ermüdet sind vom ständigen antworten auf die gleichen Fragen, dürfen sich die drittklassigen Pressemenschen um ein paar Wortfetzen balgen. Nach dem fünften Platz waren die deutschen Staffelschwimmerinnen untröstlich. Besonders Britta Steffen war nah am Heulen. Dabei war sie erstklassig geschwommen, nur nicht so schnell wie sie sich erhoffte. Nun hat sie zwei Tage Zeit bis zum Einzelrennen. Alles eine Sache des Kopfes. Zeit für die Psychologen. Mit Mixed Zonen, ihren Regeln und Körpergerüchen, werde ich mich in den nächsten Tagen sicher öfter beschäftigen. Im Water Cube war das sehr relaxt: Es wehte sogar ein kühlenden Lüftchen, wenn man an der richtigen Stelle stand. Hier arbeitet die Klimaanlage, anders als in der Sauna, die auf Chinesisch so heißt: Olymp-ia-stadion.</p>
<p><strong>15.35:</strong> Während ich <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,571095,00.html" target="_blank">über Britta Steffen schreibe</a>, dudelt auf einem Flatscreen in HDTV ein Volleyballspiel, Brasilien gegen Ägypten. Bei Brasilien spielen Marcelinho und Andre Heller mit. Auf dem riesigen Screen nebenan nimmt <a href="http://www.ditte-kotzian.de/" target="_blank">Ditte Kotzian</a> ihre Bronzemedaille in Empfang. Wer soll da noch die Übersicht behalten?</p>
<p><strong>16.42:</strong> Typisch Olympia. Viel kriege ich nicht mehr mit vom tobenden Leben da draußen. Sitze in der Werkshalle namens MPC und produziere am Fließband. Immerhin hat ein Däne auf einem Flatscreen Handball eingestellt, Korea führt 17:16 gegen Deutschland, auf dem Bildschirm daneben läuft Radrennen, auf der großen Wand Gewichtheben. &#8220;Draußen donnert&#8217;s. Jetzt geht&#8217;s los&#8221;, sagt der Kollege S., der gerade von den Wasserballern kommt. Und Pommes wirft das 17:17. Jetzt hört man das Donnern.</p>
<p><strong>17.31:</strong> Wenn Sportreporter zu Fans werden: Ein paar Dutzend Briten jubeln und klatschen. Flinker Blick auf den Bildschirm: Eine Frau aus UK hat Straßenrad-Gold gewonnen. Gestern haben die Spanier gebrüllt, als Samuel Sanchez Gold holte. Distanz? Zurückhaltung? Doch nicht bei denen.</p>
<p><strong>18.47:</strong> Was auch putzig ist: Die Schreiber aus aller Welt dabei zu beobachten, wie sie verzweifelt nach Worten ringen, vielleicht sogar nach einer Idee für die vielen langen Texte, die täglich zu produzieren sind. Ich habe in unserer Legebatterie im MPC jetzt ein paar Stunden die Kollegen R und S beobachtet, die mir gegenüber saßen, Herr B kämpft ebenfalls mit sich und ringt um geniale Gedanken. Ich werde den Schaffensprozess aber (leider) nicht per Foto dokumentieren. Würde mir auch nicht gefallen, wenn jemand meine Grimassen veröffentlichte.</p>
<p><strong>18.55:</strong> Mist. Bin verdammt müde. Hoffnungsschimmer: Nur noch sieben Stunden für heute.</p>

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		<title>Peking, Tag 9</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Aug 2008 10:34:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[00.56: Kleiner Nachtrag aus dem Olympiastadion. Der Kollege G und ich sind fast die letzten in der Arena. Die Volunteers packen zusammen. Aber es gibt noch Bier. Rückmarsch zum MPC. 02.05: Bus verpasst, der nächste fährt in einer Stunde. Also nochmal den Laptop rausgekramt. Und bei der Gelegenheit bemerkt, dass ich die so genannte IC [...]]]></description>
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<div class="topsy_widget_data topsy_theme_light-green" style="float: right;margin-left: 0.75em; background: url(data:,%7B%20%22url%22%3A%20%22http%253A%252F%252Fwww.jensweinreich.de%252F2008%252F08%252F09%252Fpeking-tag-9%252F%22%2C%20%22style%22%3A%20%22small%22%2C%20%22title%22%3A%20%22Peking%2C%20Tag%209%22%20%7D);"></div>
<p><strong><img class="alignleft size-medium wp-image-568" title="nachderfeier-08082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/nachderfeier-08082008-300x225.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="300" height="225" align="left" />00.56:</strong> Kleiner Nachtrag aus dem Olympiastadion. Der Kollege G und ich sind fast die letzten in der Arena. Die Volunteers packen zusammen. Aber es gibt noch Bier. Rückmarsch zum MPC.</p>
<p><strong>02.05:</strong> Bus verpasst, der nächste fährt in einer Stunde. Also nochmal den Laptop rausgekramt. Und bei der Gelegenheit bemerkt, dass ich die so genannte IC Card für den Lan-Zugang (kostet wie Wlan 350 Euro) im Stadion in der kleinen Box unter meinem Sitz steckengelassen habe. Der Kollege G übrigens auch. Doch keine Panik: In solchen Momenten zahlt sich das Bloggen aus. Denn hatte ich nicht im <a href="http://jensweinreich.de/?p=502#comments" target="_self">Bericht von der Eröffnungsfeier</a> vermerkt, auf welchem Platz ich saß? Genau: Aisle 209, Row 12, Seat 11. Also ab ins Rate Card Centre, dort vorgesprochen und auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Volunteers versprechen zu helfen, sagen aber auch: Ersatz gibt es nicht, wenn jemand seine Karte stecken lässt oder verliert, hat er Pech.<span id="more-558"></span></p>
<p><strong>03.06:</strong> Ich sitze im Bus zum Poly Plaza. Anruf aus dem Rate Card Centre: &#8220;Mr Jens, you are a lucky man. Your IC Card has been found and secured.&#8221; Und was für ein lucky man! Ich darf daran erinnern, dass mein Handy vor einer Woche <a href="http://jensweinreich.de/?p=381" target="_self">allein eine Stadtrundfahrt unternommen hat</a> und auch wieder wohlbehalten zurückgekehrt ist.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>13.20:</strong></span> Der Körper hat befohlen: Schlaf mal aus. Ich habe gehorcht.</p>
<p><strong>13.45:</strong> Nach der gestrigen Erfahrung im Olympiastadion habe ich mich heute für Badelatschen entschieden.</p>
<p><strong>13.53:</strong> Die Sicherheitsschleuse am Poly Plaza dreht durch. Schlägt Alarm wegen des Fußkettchens der französischen Kollegin vor mir. Immer diese Französinnen.</p>
<p><strong>14.55:</strong> Die ersten Gespräch haben ergeben, dass gestern noch einige Kollegen Technik-Probleme hatten. Etlichen sind die Laptops ausgefallen, einem das Handy &#8211; nach einer Nacht vor der Klimaanlage war es wieder fit. Muss an der hohen Luftfeuchtigkeit liegen. Wie im Dschungel. Oder, wie mir der weit gereiste Kollege L, eines meiner journalistischen Vorbilder, gerade sagt: &#8220;So etwas habe ich bisher nur in Neu Delhi erlebt. In der Monsumzeit.&#8221; Wie gestern schon notiert: Ich weiß nicht, wie das bei der Leichtathletik werden soll. Eine Woche unter diesen Bedingungen, herrje. Das Netzteil meines kleinen Sony (Achtung, Schleichwerbung) glühte gestern regelrecht. Komisch oder Logisch, dass ich angesichts dieser Erfahrung, Schreiben im Dschungel (<a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/647/305615/text/" target="_blank">das kam dabei raus</a>), ständig an Lillehammer denken muss, an die Winterspiele 1994. Damals habe ich die erste Woche ím Wohnwagen auf einem Zeltplatz an der Bobbahn in Hunderfossen verbracht. Bei 25-30 Grad Minus.</p>
<p><strong>15.30:</strong> Mal ein Wort zur Ticketvergabe für Journalisten. Denn die Akkreditierung für so ein Großereignis heißt ja nicht, dass man damit in jedes Stadion zu jedem Wettbewerb kommt. Bei einer Fußball-WM oder Fußball-EM bedeutet das beispielsweise nur, dass man sich in Pressezentren aufhalten, Pressekonferenzen und die offiziellen Termine in den Teamquartieren besuchen darf. Manchmal nicht mal das. Für jedes Fußballspiel muss man sich neu bewerben, auch für den Zugang zur Mixed Zone und zu Pressekonferenzen nach den Spielen. Bekommt man ein Spielticket zugeteilt, heißt das noch lange nicht, dass es auch Mixed Zone-Zugang und PK-Ticket gibt. Wer, was, wann und wie zuteilt, darüber wird mitunter <a href="http://www.infocomma.net/wordpress_sib/?p=166" target="_blank">verbittert</a> <a href="http://sportnetzwerk.eu/?p=6" target="_blank">gestritten</a>. Der Verband Deutscher Sportjournalisten (<a href="http://www.sportjournalist.de" target="_blank">VDS</a>) versucht hier, seiner Rolle als Serviceagentur gerecht zu werden. In Peking kümmert sich VDS-Geschäftsführerin Ute Maag darum, Tickets für die High-Demand-Veranstaltungen (Eröffnungsfeier, Schlussfeier, Schwimmen etc) zu akquirieren und diese Tickets möglichst gerecht unter den akkreditierten Journalisten und Fotografen zu verteilen. Ansprechpartner für sie wiederum sind BOCOG, IOC und der Sportjournalisten-Weltverband AIPS. Es gibt, wie bei der Akkreditierung, auch bei der Ticketvergabe Länderquoten.</p>
<p><strong>15.58:</strong> Was soll ich sagen: Unsere IC Cards sind wieder da. Der Kollege G wird sich freuen. Wurden uns sogar ins Hauptpressezentrum gebracht. Mal sehen, was ich in den nächsten zwei Wochen noch alles liegen lasse. Irgendwann gehts es mal schief.</p>
<p><strong>16.43:</strong> Immer wieder gern erzählt: Die Geschichte, wie deutsche Reporter die erste deutsche Medaille jagen. Das muss heute sehr lustig &#8211; und ärgerlich &#8211; gewesen sein. Denn traditionell sind ja Deutschlands Medaillenhoffnungen bei den Luftgewehrschützinnen und anderen Pistoleros besonders groß. Also machten sich viele zum Auftritt der Weltranglistenersten Sonja Pfeilschifter auf den Weg. Wenn ich die Erlebnisse der Kollegen richtig rekapituliere, lief das ungefähr so: Am Schießstand waren die Chinesen erschrocken über den deutschen Andrang, weshalb sie einigen Kollegen den Zutritt zum Presseblock in der Halle verwehrten, mit der Begründung, es sei überfüllt. Was aber nicht stimmte. Jedenfalls: viel Ärger. Und Frau Pfeilschifter traf auch nicht so recht. Weshalb viele Kollegen nach dem Vorkampf gemeinsam mit der ausgeschiedenen potenziellen Heldin wieder vom Schießstand verschwanden. Andere, die erst zum Finale kamen, waren fast allein und kamen problemlos in den Presseblock. Wer abgereist war, ärgerte sich gleich noch mehr: Denn mindestens ein Busfahrer verfuhr sich, irrte in Peking herum und fand erst nach großen Trara und beträchtlichem Zeitverlust wieder den richtigen Weg. Das sind typische Olympia-Geschichten. Freud und Leid der Journalisten. Wenn ich mich recht erinnere, war das 1996 in Atlanta mal so: Ein Bus mit Reportern machte sich zu Kanuslalom-Strecke auf, irrte ein paar Stunden in Amerika herum &#8211; und schüttete seine Fracht ein paar Hundert Meilen vom anvisierten Zielort entfernt aus. Irgendwo in Tennessee, ich meine an der Ruderstrecke, weiß es aber nicht mehr genau. Auf jeden Fall nicht beim Kanuslalom.</p>
<p><strong>17.15:</strong> <a href="http://www.reuters.com/article/topNews/idUSSP33698420080809" target="_blank">Relative of U.S. volleyball coach killed</a></p>
<p><strong>18.47:</strong> Der Rest des Tages geht mit Schwimm-Watching (Vorläufe mit Michael Phelps und Britta Steffen in der Sprintstaffel) drauf und mit Recherchen zu den sportlichen Aspekten des russischen Überfalls in Südossetien. Außer einem mündlichen Statement von Giselle Davies hat es keine offizielle Erklärung des IOC gegeben. Mir ist keine Aussage von Rogge bekannt. Am Freitag hat sich Rogge mit Putin getroffen, offenbar vor dem Bombardement, denn Davies sagte, über die Krise habe man nicht gesprochen. Dass ich Putin für eine der größten Gefahren des olympischen Weltsports halte, habe ich <a href="http://jensweinreich.de/?p=72"><span style="color: #6b8e23;">in</span></a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=69"><span style="color: #6b8e23;">diesem</span></a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=67"><span style="color: #6b8e23;">Blog</span></a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=66"><span style="color: #6b8e23;">und</span></a> anderswo oft genug beschrieben. Zum Mord am amerikanischen Trainer gab es eine <a href="http://www.olympic.org/uk/news/olympic_news/full_story_uk.asp?id=2705" target="_blank">Erklärung</a> des IOC:</p>
<blockquote>
<div>The International Olympic Committee (IOC) is deeply saddened to learn of a tragic incident which occurred earlier today involving two relatives of a coach for the United States Olympic Men&#8217;s Indoor Volleyball Team.</div>
</blockquote>
<p>Ich frage mich, ob das IOC nicht auch &#8220;deeply saddened&#8221; über die Toten am Kaukasus ist? Ich weiß es nicht. Warum wird der Angriff nicht scharf verurteilt? Judoka Putin greift man nicht an. Oder man traut sich nicht. Es ist unglaublich. Unwürdig.</p>
<p><strong>21.10:</strong> Eine kleine LIste der Länder, deren Sportjournalisten Nationaltrikots oder andere Insignien ihrer Olympiateams tragen. Bisher habe ich gesehen Kollegen und Kolleginnen aus: Weißrussland, Russland, Litauen, Estland, Polen, Tschechien, Ungarn, Schweiz, Frankreich, Italien, Eritrea, Brasilien, Mexiko, Argentinien, Angola, Äthiopien, China, USA. Schätze, habe noch nicht viel gesehen. Manche laufen wie Sportler herum, vielleicht wurden sie mit dem Team eingekleidet.</p>

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		<title>Peking, die Eröffnungsfeier</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Aug 2008 11:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[19.22: Jetzt wird&#8217;s wirklich peinlich, ich weiß: Habe auf dem Weg ins Stadion mal eben noch einen Freund gegrüßt. Sitze jetzt in Block 209, Reihe 12, Platz 11 &#8211; nur falls nachher jemand im Fernsehen nachsehen möchte. Jedenfalls, es gibt eine passable Lan-Verbindung. Ich kann ein bisschen mitbloggen und kommentieren. 34 Minuten und 3 Sekunden [...]]]></description>
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<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-504" title="zwei maskottchen" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/jw-eroffnung-080820081.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="162" height="208" align="left" />19.22:</strong> Jetzt wird&#8217;s wirklich peinlich, ich weiß: Habe auf dem Weg ins Stadion mal eben noch einen Freund gegrüßt. Sitze jetzt in Block 209, Reihe 12, Platz 11 &#8211; nur falls nachher jemand im Fernsehen nachsehen möchte. Jedenfalls, es gibt eine passable Lan-Verbindung. Ich kann ein bisschen mitbloggen und kommentieren. 34 Minuten und 3 Sekunden noch, bis die Show beginnt. Die taktisch-technischen Daten: 91.000 Zuschauer, 203.000 Videokameras, schätzungsweise 48 Grad im Schatten, totale Luftfeuchte. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu weit rausschwimme. Kann sein, dass die Tastatur versagt, wegen akuten Andrangs von Körperflüssigkeiten. Ja, Olympia ist eine harte Sache. Eigentlich wollte ich über das Thema schwitzende, stinkende Journalisten erst in zwei, drei Tagen nach den ersten Besuchen in meinen geliebten Mixed Zonen schreiben. Im Moment bin ich akut Kreislaufkollapsgefährdet. Deshalb Pause.</p>
<p><strong>19.33:</strong> Kommentarfunktion ist selbstverständlich angeschaltet.</p>
<p><strong>19.41:</strong> Fürchte, es wird verdammt selbstreferenziell in den nächsten Stunden. Versuche, nur einfach still zu sitzen und mich zu konzentrieren. Sehr anstrengend: Es fließt gleich ein halber Liter.</p>
<p><strong>19.53:</strong> Der weit gereiste, lebenskluge Kollege links neben mir erinnert zurecht an den Slogan des heutigen Abends. <strong>&#8220;Don&#8217;t mix politics with games!&#8221;</strong> Wir wollen das mal überprüfen.</p>
<p><strong>19.55:</strong> Gerade schickt mir eine Freundin die Textpassage aus der Meldung, wie Steven Spielberg im <span style="text-decoration: line-through;">vergangenen Jahr</span> Februar seine Absage auf die Regie der Eröffnungsfeier begründete:</p>
<blockquote><p>In a statement sent to the Chinese ambassador and the Beijing Olympic Committee on Tuesday, Mr. Spielberg said that his “conscience will not allow me to continue with business as usual.”<br />
“Sudan’s government bears the bulk of the responsibility for these ongoing crimes but the international community, and particularly China, should be doing more to end the continuing human suffering there,” the statement said. “China’s economic, military and diplomatic ties to the government of Sudan continue to provide it with the opportunity and obligation to press for change.”</p></blockquote>
<p><strong>20.35:</strong> Schöne Bilder. Bunte Massen. Konfuzius sagt: <a href="http://xiucai.oai.de/XiuCai/XiuCaiNo93.pdf" target="_blank">&#8220;Der Herrscher ist wie der Wind. Der kleine Mann ist wie das Gras. Wenn der Wind weht, beugt sich das Gras.&#8221;</a></p>
<p><strong>20.45:</strong> Glühwürmchen. Ich weiß, bisschen dünne die Einträge.</p>
<p><strong>20.47:</strong> &#8220;Don&#8217;t mix politics with games&#8221;: War das eben eine Friedenstaube? Ein politisches Symbol? Die trauen sich was, die Chinesen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-522" title="gluhwurmchen1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/gluhwurmchen1.jpg" alt="" width="481" height="369" /><span id="more-502"></span><img class="aligncenter size-full wp-image-520" title="whiteman" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/whiteman.jpg" alt="" width="497" height="347" /></p>
<p><strong>20.56:</strong> Und jetzt kommen die Kinder. Und die Erde.</p>
<p><strong>21.03:</strong> Ich bin ja im Hauptberuf Papa. Aber diese Kindernummer war wirklich sehr bemüht. Besser nicht hingucken. Und wieder Böller. Die mögen das. Sie haben es erfunden.<!--more--></p>
<p><strong>21.08:</strong> Es geht richtig los. Die Griechen als erste. Nein, nicht mit dem Motorrad, ohne Kenteris/Thanou, das schreckliche Duo. Die Fahne trägt Ilias Iliadis, ein Judoka.</p>
<p><strong>21.17:</strong> Hab mich ein bisschen übernommen. Muss noch einen Text schreiben. Aber es ist ja jetzt auch nicht so spannend. Und die Kommentarfunktion bleibt offen.</p>
<p><strong>21.22:</strong> Der Kollege aus Zürich, der immer den Eindruck macht, als sei er auf Sommerfrische, und bestimmt schon den Tisch in einem In-Restaurant geordert hat für heute Abend, begrüßt mich hinterhältig: &#8220;Du siehst ja so durchgeschwitzt aus, mein Lieber.&#8221; Durchgeschwitzt? Ich habe den Aggregatzustand gewechselt.</p>
<p><strong>21.45:</strong> Meine kluge Freundin Grit Hartmann schickt mir eine Email:</p>
<blockquote><p>&#8220;Macht kommt aus dem Lauf eines Gewehrs&#8221;, sagt Mao. Das weiß auch Hu Jintao: Er hat 1989 als Parteichef von Tibet die dortigen Unruhen brutal niederschlagen lassen und sich damit seinen Aufstieg geebnet.</p></blockquote>
<p>Aber das war eine total andere Geschichte. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. &#8221;Don&#8217;t mix politics with games.&#8221;</p>
<p><strong>22.33:</strong> Bin wieder da. <strong>Reporters Stillleben</strong> (mit schweißgetränkten Tempos, so hart ist die olympische Wirklichkeit):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-529" title="stillleben" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/stillleben.jpg" alt="" width="485" height="364" /></p>
<p><strong>22.44:</strong> Gleich geschafft, nur noch 35 Länder, darunter Deutsche und Chinesen. Bis dahin gilt <a href="http://en.beijing2008.cn/news/official/preparation/n214515899.shtml" target="_blank">diese Leseempfehlung</a>.</p>
<p><strong>22.59:</strong> Hat jemand den Judoka namens Putin gesehen? Ist das nicht der, der die Spiele gekauft hat für seine Residenzstadt Sotschi &#8211; und der gerade schießen lässt, nebenan in Südossetien? &#8220;Don&#8217;t mix polititcs with games!&#8221;</p>
<p><strong>23.05:</strong> Frage mich gerade, wie viele Sportler eigentlich verbotene Armbänder und Sticker getragen haben? Kann mir kaum vorstellen, dass es einem Zensor aufgefallen wäre.</p>
<p><strong>23.13:</strong> Da sind sie, die Chinesen. Mit Verspätung. Der Einmarsch sollte schon 22.50 vorbei sein. Doch wer will an so einem Abend hetzen? Was ich mich nur frage, wie die Cheerleader das aushalten, seit zwei Stunden tanzen sie ununterbrochen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-534" title="china1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/china1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-535" title="china2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/china2.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>23.25:</strong> Täusche ich mich oder leisten sich die Chinesen eine technische Schwäche. Mal ganz davon abgesehen, dass ich kein Wort verstehe: der Ton funktioniert gerade nicht, da der BOCOG-Mann die olympischen Werte preist. Schade, dass das Volk im Stadion nichts versteht, vielleicht macht er sogar Witze.</p>
<p><strong>23.29:</strong> Auch Rogge ist nicht zu verstehen, wo er doch bestimmt gerade so kritische Sätze sagt. &#8220;One world, one dream&#8221;, das klingt in mein Ohr. Neulich hat eine freche Zeitung getitelt: Eine Welt, ein Traum und eine Lüge mehr.</p>
<p><strong>23.42:</strong> Na endlich. Ganz ohne Stechschritt geht&#8217;s doch nicht.</p>
<p><strong>23.45:</strong> Warum wackelt die China-Flagge wie verrückt im Wind, den ich nicht spüre? Oh, die müssen einen Lüfter installiert haben, denn die olympische Fahne weht nun auch.</p>
<p><strong>00.05:</strong> Oops, einen Lüfter hätte ich jetzt auch gebraucht. Ich schwöre, gerade als ich einen gemeinen Satz über Hu Jintao geschrieben hatte und posten wollte &#8211; Totalabsturz. Und gleich nochmal. Der Kollege G. neben mir kann es bezeugen. Und ich war ja geistesgegenwärtig genug, auf den Auslöser zu drücken. Hier also die Dokumente des Grauens. Das passt gut, denn dieses Peking-Tagebuch sollte doch ein Protokoll eines Olympiareporters sein. Erst das:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-543" title="absturz1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/absturz1.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p>Dann das:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-546" title="absturz21" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/absturz21.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>00.22:</strong> Aber das habe ich dann doch noch mitgekriegt (mein Nebenmann glaubt mir bis jetzt nicht, dass der Typ da oben, irgendwo neben der Flamme, die ihn hoffentlich nicht versengt hat, <strong>Li Ning</strong> heißt):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-548" title="feuer" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/feuer.jpg" alt="" width="492" height="369" /></p>
<p><strong>00.24:</strong> Das reicht für heute. Morgen mehr, bzw. in einigen Stunden. Aus dem Schwimmstadion. Das letzte Wort hat für den Moment meine Lieblings-London-Korrespondentin. Sie schreibt mir gerade vom anderen Ende der Welt:</p>
<blockquote><p>Ich finde eh, das Ganze hat eine sehr kalte Pracht. Passt zur Diktatur und dem Diktatorenwinken; wie die das immer hin kriegen: Arm ausstrecken und mit Handgelenk wackeln, wie diese Spielzeug-Dackelköpfe in den zu großen Hälsen. Und jetzt is aber genug mit der Knallerei, ehrlich. Die armen Asthma-Schwimmer!</p></blockquote>

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		<title>Peking, Tag 8</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 22:01:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[02.58: Danke der Nachfrage: Der Internetzugang im Poly Plaza funktioniert wieder. Ist sogar schneller als im Pressezentrum. Herr Li hat ganze Arbeit geleistet. 03.38: Am Freitag mal Süddeutsche lesen (disclaimer: für die ich in Peking auch arbeite). Ich weiß, dass ist jetzt bestimmt verdammt meinungsführerisch, aber es gibt neue Fakten zum Siemens-Skandal: Fragwürdige Zahlungen sollen in [...]]]></description>
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<p><strong>02.58:</strong> Danke der Nachfrage: Der Internetzugang im Poly Plaza funktioniert wieder. Ist sogar schneller als im Pressezentrum. Herr Li hat ganze Arbeit geleistet.</p>
<p><strong>03.38:</strong> Am Freitag mal Süddeutsche lesen (disclaimer: für die ich in Peking auch arbeite). Ich weiß, dass ist jetzt bestimmt verdammt <a href="http://jensweinreich.de/?p=443" target="_self">meinungsführerisch</a>, aber es gibt neue Fakten zum Siemens-Skandal: <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/493/305462/text/" target="_blank">Fragwürdige Zahlungen</a> sollen in die <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=192" target="_self">Leipziger</a> <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=22" target="_blank">Olympiabewerbung</a> geflossen sein. Heimlich und diskret, versteht sich. In dem Artikel taucht, das wird kaum überraschen, auch der Name des immer noch jüngsten deutschen IOC-Mitglieds auf.</p>
<p><strong>03.53:</strong> Und nun zu etwas Angenehmeren, nochmal in der SZ, sorry. Die Seite 3 von Holger Gertz (leider nicht online) empfehle ich dringend. Er hat eine Weile im Olympischen Dorf verbracht und dort u. a. den Gewichtheber Itte Detenamo getroffen. Detenamo wird in seiner Heimat Golden Boy genannt. Seine Heimat &#8220;ist irgendwas mit N&#8221;, sagte der Kollege, als er mir davon erzählte. Nach einer Weile kamen wir zwei Hobby-Geografen tatsächlich drauf: N für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Naurus" target="_blank">Nauru</a>. Das ist übrigens Itte beim Training:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="349" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/ftJb7Ca52Hw&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="349" src="http://www.youtube.com/v/ftJb7Ca52Hw&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" allowfullscreen="true"></embed></object><span id="more-486"></span></p>
<p>Natürlich wird es in den kommenden zwei Wochen viele Exoten-Geschichten geben. Doch Nauru ist für mich etwas Besonderes. Daran merke ich, wie alt ich werde. Vor sechzehn Jahren habe ich in Barcelona auch mal über einen Gewichtheber aus Nauru geschrieben, der damals allerdings nicht für Nauru starten konnte, weil das Inselchen (damals angeblich 7.000, heute wohl 13.000 Einwohner) kein NOK hatte. Er startete für West-Samoa, dessen NOK-Chef Seuili Paul Wallwork den Deal deichselte. Jedenfalls, der Golden Boy des Jahres 1992 hieß Marcus Stephen. Und als wir zwei Nauru-Kenner uns darüber unterhielten, erzählte mir der Kollege G. doch glatt, was Marcus Stephen heute macht. Er ist Staatspräsident von Nauru.</p>
<p>Wallwork lief mir später auch über den Weg: als IOC-Mitglied. Bei der Berliner Olympiabewerbergesellschaft rechnete er mal 17.000 Mark für eine Besuchsreise ab. Flugroute: Samoa &#8211; Los Angeles &#8211; Berlin &#8211; Madrid &#8211; Teneriffa &#8211; Madrid &#8211; London &#8211; Samoa. 1999 wurde er wegen Korruption aus dem IOC ausgeschlossen. Aber ich schweife ab, es geht um Exoten, nicht um das, was alle machen.</p>
<p>Beim nächsten Olympia-Blog, im Februar 2010 in Vancouver, erzähle ich dann von meinem Lieblings-Winterexoten. Der heißt Ernest Matthias und war 1992 Bobfahrer für die U.S. Virgin Islands. Ich war mal auf St. John in der Maho Bay, da arbeitete der Bobfahrer: er verleiht Surfboote und Kanus. Mehr dazu in achtzehn Monaten.</p>
<p><strong>04.23:</strong> Ich überlege, die Eröffnungsfeier am Freitag live zu bloggen. Noch gibt es einige Unbekannte, aber ich kann ja schon mal fragen, ob jemand Lust hat mitzumachen.</p>
<p><strong>18.20:</strong> Ich kämpfe mich jetzt aus dem MPC ins Vogelnest vor. So echt live blogging mit cover it live wird nüscht. Ich muss aktuell arbeiten, d. h. einen Text schreiben. Aber für einige Einträge und Kommentare wird es reichen.</p>

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		<title>Peking, Tag 7</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 04:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[03.47: Ist doch wieder etwas später geworden. Aber ich lerne dazu: Wenn man erst am Morgen aus dem MPC verschwindet, klappt das auch mit den Taxis. In der sechsten Nacht steht zum ersten Mal ein Auto da und, welch Wunder, der Fahrer spricht sogar ein paar Brocken Englisch. 09.29: Am Sicherheitscheck des Hotels, der notwendig ist, um [...]]]></description>
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<p><strong>03.47:</strong> Ist doch wieder etwas später geworden. Aber ich lerne dazu: Wenn man erst am Morgen aus dem MPC verschwindet, klappt das auch mit den Taxis. In der sechsten Nacht steht zum ersten Mal ein Auto da und, welch Wunder, der Fahrer spricht sogar ein paar Brocken Englisch.</p>
<p><strong>09.29:</strong> Am Sicherheitscheck des Hotels, der notwendig ist, um den Bus zu besteigen, betreuen mich 23 Chinesen. In Worten: dreiundzwanzig. Niemand sonst im Bus, wie meistens. Hoffentlich liest das keiner vom IOC, denn die Pound-Kommission hatte ja schon 2003 eine umfängliche Liste vorgelegt, wie und wo bei Olympischen Spielen Geld zu sparen sei. Viel fiel den Kameraden zwar nicht ein, jedenfalls nicht, was die eigenen Belange anging &#8211; aber bei den Journalisten wurde eine Menge gestrichen. In Athen und Turin hat man das bereits bemerkt. Die Busse fuhren seltener und waren deshalb meist überfüllt. In Peking fahren die Busse oft und sind meist leer. Darf ich gestehen, dass es mir lieber ist, nur eine Minute von 23 Kontrollettis betreut zu werden, als &#8211; wie gestern morgen &#8211; 15 Minuten schwer bepackt in der Hitze am Eingang zum MPC Schlange zu stehen, weil eine Kontrollstation ausgefallen war?<span id="more-476"></span></p>
<p><strong>09.57:</strong> Das Olympiastadion liegt etwa 500 Meter von dem Highway entfernt, über den der leere Bus gerade braust. Aber es ist durch den Smog fast nicht zu sehen.</p>
<p><strong>10.23:</strong> In Peking gibt es sogar, wenn man nur früh genug im Pressezentrum ist, umsonst Frühstück. Das muss natürlich nicht sein, wird aber von Journalisten gern angenommen. Mit Respekt: Es ist immer wieder ein unwürdiges Schauspiel, zu sehen, wie Kekse und Bananen gegrabscht werden. Da gehe ich lieber ins Basement zum IOC-Sponsor. Zumal: Die Pressekonferenz mit Lopez Lomong, die ich eben um 10 Uhr besuchen wollte, habe ich verpasst &#8211; die ist nämlich erst Morgen. Gute Nacht allerseits.</p>
<p><strong>14.28:</strong> Was mir erst jetzt klar wird, ich war wohl gestern doch zu müde: Im Gegensatz zu Deutschland, wo Funktionäre des DOSB einen Fahnenträger bestimmen, entscheiden in den USA die Athleten! So wurde <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=463" target="_blank">Lopez Lomong</a> von den Kapitänen der verschiedenen Sportarten im US-Olympiateam gewählt. Während also die USOC-Führung um Peter Ueberroth, den Boss der Boykottspiele 1984 in Los Angeles, alles tut, um die Chinesen nicht zu vergrätzen und sich unheimlich verbiegt, handeln die Sportler hochpolitisch. Wäre in Deutschland undenkbar, wo der DOSB alles im Griff hat und unlängst bei so genannten DOSB-Kongress den braven Christian Breuer bloß die Thesen seines Herrn und Meisters, des DOSB-Chefs und jüngsten deutschen IOC-Mitglieds nachbeten ließ. Dazu auch:</p>
<ul>
<li>Phil Hersh in der <strong>Chicago Tribune</strong>: USOC&#8217;s <a href="http://www.chicagotribune.com/sports/chi-07-hersh-olympicsaug07,0,5890371.story" target="_blank">wobby stance</a></li>
<li>Matti Lieske in der <strong>Berliner Zeitung</strong>: <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0807/peking2008/0052/index.html" target="_blank">Ein großer Champion</a></li>
</ul>
<p><strong>17.24:</strong> Dies hier ist dringend zu empfehlen. Ich arbeite gerade am Dopingthema. Auf <strong>cycling4fans</strong> findet sich eine wunderbare Zusammenstellung zum chinesischen Dopingsystem. Ein <a href="http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4331" target="_blank"><strong>verdienstvolles Dossier</strong></a>!</p>

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		<title>Peking, Tag 6</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Aug 2008 06:31:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[dara torres]]></category>
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		<description><![CDATA[09.15: Das RSS-Problem: Die Feeds funktionieren nicht mehr. Ich bin überfragt und habe auch keine Zeit, das zu lösen. Habe gestern schon am Feedburner geschraubt. Vergeblich. Tut mir leid. Wer lesen will, muss also direkt aufs Blog gehen. 11.13: Die Herren links und rechts heißen Bernhard Schwank und Michael Vesper. Schwank war mal NOK-Generalsekretär und [...]]]></description>
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<p><strong>09.15: Das RSS-Problem:</strong> Die Feeds funktionieren nicht mehr. Ich bin überfragt und habe auch keine Zeit, das zu lösen. Habe gestern schon am Feedburner geschraubt. Vergeblich. Tut mir leid. Wer lesen will, muss also direkt aufs Blog gehen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-445" title="Nowitzki 6. August 2008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/nowitzki-vesper-06082008.jpg" alt="" width="471" height="135" /></p>
<p><strong>11.13:</strong> Die Herren links und rechts heißen Bernhard Schwank und Michael Vesper. Schwank war mal NOK-Generalsekretär und ist heute DOSB-Leistungssportdirektor. Vesper war mal Politiker, ist es eigentlich immer noch, hat nur offenbar <a href="http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&amp;storyID=2008-08-06T132557Z_01_HAG648314_RTRDEOC_0_OLYMPIA-DEUTSCHLAND-VESPER-ZF.xml&amp;archived=False" target="_blank">ein paar Grundsätzen abgeschworen</a>, und fungiert jetzt als Ausputzer für das jüngste deutsche IOC-Mitglied als DOSB-Generaldirektor. Habe ich jemanden vergessen? Den Herrn in der Mitte, klar: <strong>Dirk Nowitzki</strong>, Multimillionär und deutscher Fahnenträger am Freitag bei der Eröffnungsfeier. Ganz überraschend kam das nicht. Macht auch nichts, dass Vesper den Fahnenträger als &#8220;Gerd Nowitzki, äh Dirk Nowitzki&#8221; vorstellte. Kann passieren in der Aufregung.</p>
<p><strong>14.28:</strong> Ich lese gerade einen interessanten Artikel in der taz von Andreas Rüttenauer: <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/feuer-und-flamme-fuer-olympia/" target="_blank">&#8220;Feuer und Flamme für Olympia&#8221;</a> zur <a href="http://jensweinreich.de/?p=397" target="_self">Abberufung</a> des sid-Redaktionsleiters Dieter Hennig. Er schreibt u.a.:</p>
<blockquote>
<p class="artikeltext">Man muss gewiss nicht alles toll finden, was Thomas Bach, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, absondert. Auch vom Auftreten des IOC muss man nicht begeistert sein. Doch jemanden kaltzustellen, der äußert, was derzeit gesellschaftlich nicht opportun ist, geht doch ein wenig arg weit. Dass es einen Fall Hennig gibt, liegt auch an einflussreichen Journalisten, die in ihren Blogs das Thema erst so richtig groß gemacht haben. Einer von ihnen ist Jens Weinreich, Gründer der kritischen Journalistenvereinigung &#8220;<strong><a href="http://www.sportnetzwerk.eu" target="_blank">Sportnetzwerk</a></strong>&#8220;. Er hat ausführlich über den IOC-Freund Hennig berichtet und geurteilt. Der SID ist dem Urteil gefolgt und hat einem seiner langjährigen Mitarbeiter einen Maulkorb verpasst. Hennigs Fehler, so wie sie oben beschrieben wurden, mögen schwer zu verzeihen sein, eine harte arbeitsrechtliche Maßnahme, etwa eine Kündigung, rechtfertigen sie nicht. Hennig wurde klammheimlich ruhiggestellt. Ein beinahe absurder Vorgang. <strong>Ausgerechnet beim Thema Zensur wird die Meinung auf den Druck eines Meinungsführers wie Weinreich hin gleichgeschaltet.</strong> Wer bei den Mitarbeitern im Pekinger Olympiabüro nach Hennig fragt, wird unterdessen nicht viel erfahren. Die Kollegen geben keine Auskunft, sie wurden zum Schweigen verdonnert. Manchmal ist keine gut ausgestattete Zensurbehörde von Nöten, um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu behindern.</p>
</blockquote>
<p class="artikeltext">Ich wusste, dass der Vorwurf der &#8220;Kollegenschelte&#8221; kommen wird. Das Spiel kenne ich seit Jahren. Nun, ich habe Dieter Hennig weder abberufen noch kalt gestellt. Ich habe seine Berichterstatung und Kommentare erwähnt und keinen Hehl daraus gemacht, dass ich es für wenig angebracht halte, als sportpolitischer Chefkorrespondent mit der olympischen Fackel zu laufen. Das finde ich immer noch. So weit ich weiß, hat Dieter Hennig in diesen Minuten seinen großen Moment und trägt das olympische Feuer, <a href="http://jensweinreich.de/?p=397" target="_self">als Privatmann</a>, wie der sid-Geschäftsführer sagt. Und ich muss damit leben, dass mich jemand als Zensor bezeichnet. Mein Kollege Matti Lieske, der gerade von einer Pressekonferenz des USOC kommt, meint lachend: &#8220;Zensor ist doch in China ein Ehrentitel.&#8221; Es ist ein hartes Umfeld in Peking, es geht ums Ganze, da mischen halt Zensoren und Propagandisten mit. Und Gleichschalter. Und Leute mit einer eigenen Meinung.</p>
<p class="artikeltext">Das bringt mich dazu, mich ein wenig gründlicher mit dem Thema Propaganda und Medienbeeinflussung zu beschäftigen. Das hat dann, wie beim Kollegen Hennig und wie von Andreas Rüttenauer korrekt berichtet, auch etwas mit dem jüngsten deutschen IOC-Mitglied zu tun. Ich verlinke mal auf eine Geschichte &#8211; &#8220;<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0702/sport/0005/index.html" target="_blank">Wettlaufen auf dem Kontakthof</a>&#8221; -, die ich vor fünf Jahren auf Grundlage eines exklusiven Dokumentes geschrieben habe. Sie handelt von der Tätigkeit der WMP-Eurocom-Tochter TV Media im olympischen Sport, von Bevorteilung, Beeinflussung und von Ausgrenzung von Journalisten. Auch Thomas Kistner, mit dem ich seit vielen Jahren zusammen arbeite und <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=5" target="_self">drei Bücher</a> geschrieben habe, hat damals über den Fall berichtet. Auch später haben wir immer wieder darauf hingewiesen. Denn schließlich waren wir es, die von den IOC-Propagandisten von Terminen ausgeschlossen, nicht informiert worden und auf vielfältige Art und Weise behindert und verleumdet wurden. Dazu und zu grundlegenden Problemen des Sportjournalismus noch drei Texte von mir, Thomas Kistner und Hans Leyendecker:<span id="more-443"></span></p>
<ul>
<li>
<div class="artikeltext"><a href="http://www.sportjournalismus.org/images/downloads/Weinreich_Message_2004.pdf" target="_blank">Bunte Stories über Olympia</a></div>
</li>
<li>
<div class="artikeltext"><a href="http://www.sportjournalismus.org/images/downloads/Kistner_Message_2004.pdf" target="_blank">Fairness auf deutsche Art</a></div>
</li>
<li>
<div class="artikeltext"><a href="http://www.sportjournalismus.org/images/downloads/KIS%20Leyendecker%202006.pdf" target="_blank">Klebrige Nähe</a></div>
</li>
</ul>
<p class="artikeltext"><strong>21.41:</strong> Wie <a href="http://jensweinreich.de/?p=406" target="_self">schon</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/956/304928/text/" target="_blank">erwartet</a>, hat der Weltsportgerichtshof <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Sportgerichtshof" target="_blank">Cas</a> im Abstellungstreit gegen die Fifa den Vereinen Recht gegeben. <a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Kommentar_CAS_Urteil_%C4rger_gehabt_Rechtsgeschichte_geschrieben/395062.html" target="_blank">Axel Kintzinger</a> kommentiert in der FTD. Soll nur niemand glauben, man könne &#8211; nur weil man zufällig in Peking abhängt, so eine Cas-Pressekonferenz besuchen. Fast unmöglich. War heute morgen im Kempinski-Hotel, das glücklicher Weise (oder weil die Planung ausnahmsweise stimmte, keine Ahnung) nur zehn Minuten vom Poly Plaza entfernt ist. Bin dann früher aus der Nowitzki-Pressekonferenz gestürmt, um nach 45 Minuten Taxifahrt die PK von Michael Phelps und Dara Torres zu verfolgen. Dann galt es, Geld zu verdienen, Texte schreiben. Mehr ist kaum drin. Und schon ist es draußen wieder dunkel.</p>
<p class="artikeltext"><strong>22.43:</strong> Das ist hier keine Nachrichtenagentur, aber ein paar Kleinigkeiten will ich schon noch los werden. Um 15.42 Uhr wurde im Nachrichtensystem des MPC die Aussage des unsäglichen BOCOG-Sprechers Sun Weide von heute Mittag hinterlegt. Es betrifft die Bewegungsfreiheit von Journalisten auf dem Tiananmen-Platz:</p>
<blockquote>
<p class="artikeltext">During the Olympic Games a series of cultural activities will be held in Tiananmen Square. In order to convenience journalists from home and abroad, we ask that they call the Administrative Committee of Tiananmen Square District in advance to make a reservation, there will also be staff doing security checks and helping out.</p>
</blockquote>
<p class="artikeltext">Wie nett. Die Deutsche Presse-Agentur schreibt:</p>
<blockquote>
<p class="artikeltext">Die chinesischen Behörden hatten am Vortag die Arbeitsbedingungen für Journalisten am Platz des Himmlischen Friedens erschwert, eine Sonder-Akkreditierung gefordert und damit nicht nur Giselle Davies überrascht. (Die IOC-Kommunikationschefin/JW) &#8221;Das haben wir ursprünglich anders verstanden und geplant, aber wir arbeiten daran&#8221;, sagte Giselle Davies, &#8220;wenn es eine Maßnahme ist, um die Menschenmassen dort zu kontrollieren, wäre es akzeptabel, aber wie gesagt, wir arbeiten dran.&#8221; Nach der Niederlage im Internet-Streit droht den Olympiern die nächste Brüskierung.</p>
</blockquote>
<p class="artikeltext"><strong>23.05:</strong> Einige Leseempfehlungen:</p>
<ul>
<li>
<div class="artikeltext">Eine Zusammenfassung zu den Themen Internet-Zensur und den verbalen Entgleisungen des DOSB-Generals Vesper auf <strong>Heise online</strong>: <a href="http://www.heise.de/newsticker/Zensur-bleibt-ein-heisses-Eisen-fuer-Sportfunktionaere--/meldung/113897" target="_blank">Zensur bleibt ein heißes Eisen für Sportfunktionäre</a></div>
</li>
<li>
<div class="artikeltext">Grit Hartmann und Thomas Kistner über das Dopingsystem im Reich der Mitte (<span style="color: #000000;"><strong>Süddeutsche</strong></span>): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/132/305102/text/" target="_blank">China sitzt auf der Anklagebank</a></div>
</li>
<li>
<div class="artikeltext">Zum Thema Darfur, zu dem ich mich mit der Geschichte des <a href="http://jensweinreich.de/?p=250" target="_self">Lopez</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=256" target="_self">Lomong</a> bereits geäußert habe: China verweigert dem Darfur-Aktivisten und Eisschnelllauf-Olympiasieger <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,570429,00.html" target="_blank">Joey Cheek</a> die Einreise (<strong>SpOn</strong>)</div>
</li>
<li>
<div class="artikeltext">Jeff Lee, Olympiareporter der <strong>Vancouver Sun</strong>, über Richard Pounds Attacke auf der IOC-Session, seine Kritik am IOC-Krisenmanagment und den Chinesen: <a href="http://www.canada.com/vancouversun/news/story.html?id=c74b839a-98dd-4112-9c55-b084a2e20127" target="_blank">Earthquake changed Canada&#8217;s mind on Olympic boycott</a></div>
</li>
</ul>
<p class="artikeltext"><strong>00.21:</strong> So, Feierabend für heute. Aber Lopez Lomong (III) musste schon noch sein.</p>

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		<title>Der Knöchel des Präsidenten</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/08/06/der-knochel-des-prasidenten/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Aug 2008 06:10:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[joseph blatter]]></category>
		<category><![CDATA[korrektur]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Tschuldigung, kleine Korrektur, muss auch mal sein. Ich habe am Montag blöderweise behauptet, Fifa-Präsident Joseph Blatter hätte sich am Zeh verletzt. Unsinn. Wie immer war das schlecht recherchiert. Ich habe zwar Knöchel verstanden, als Blatter über seine Verletzung referierte, aber Zeh geschrieben. Doch gleichzeitig hatte ich mich bei der Fifa nach dem Umständen der Malaise [...]]]></description>
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<p><img class="alignleft size-full wp-image-437" title="Sepp Willem IOC Session" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/sepp-willem-05082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="236" height="163" align="right" />Tschuldigung, kleine Korrektur, muss auch mal sein. Ich habe am Montag blöderweise behauptet, Fifa-Präsident Joseph Blatter hätte <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/956/304928/text/" target="_blank">sich am Zeh verletzt</a>. Unsinn. Wie immer war das schlecht recherchiert. Ich habe zwar Knöchel verstanden, als Blatter über seine Verletzung referierte, aber Zeh geschrieben. Doch gleichzeitig hatte ich mich bei der Fifa nach dem Umständen der Malaise erkundigt. Gestern nun antwortete mir <strong>Nicolas Maingot</strong>, ein feiner Kerl, der Fifa-Mediendirektor:</p>
<blockquote><p>Der FIFA-Präsident <strong>leidet an einem Aussenbänderriss am Knöchel</strong> im rechten Fuss. Am 18. Juli ist er auf dem Weg zum Bahnhof in Bern <strong>in ein kleines Loch gefallen</strong>. Es ist <strong>nach einem Empfang</strong> in Südafrikas Botschaft zu Ehren des 90. Geburtstages von Nelson Mandela passiert. Er wollte keine Operation haben. Er wird vom medizinischen Personal in China sehr gut betreut.</p></blockquote>
<p>Die IOC-Session im Beijing-Hotel meistert Blatter trotz Knöchelverletzung souverän. Er sitzt dort neben Prinz Willem von Oranien-Nassau.</p>

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		<title>Peking, Tag 5</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Aug 2008 05:28:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[08.19: Das ging alles sehr schnell. Nur 15 Minuten vom Poly Plaza zum IOC-Hotel-Komplex, der aus dem Beijing Hotel, dem Grand Hotel Beijing und dem Raffles Hotel besteht. Die Security-Leute haben ihre Lektionen gelernt. Sehr nett und relaxt spulen sie ihr Programm ab, was immer mit einem maschinenartig vorgebrachten Dank endet: &#8220;Thank you for your [...]]]></description>
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<div class="topsy_widget_data topsy_theme_light-green" style="float: right;margin-left: 0.75em; background: url(data:,%7B%20%22url%22%3A%20%22http%253A%252F%252Fwww.jensweinreich.de%252F2008%252F08%252F05%252Fpeking-tag-5%252F%22%2C%20%22style%22%3A%20%22small%22%2C%20%22title%22%3A%20%22Peking%2C%20Tag%205%22%20%7D);"></div>
<p><strong>08.19:</strong> Das ging alles sehr schnell. Nur 15 Minuten vom Poly Plaza zum IOC-Hotel-Komplex, der aus dem Beijing Hotel, dem Grand Hotel Beijing und dem Raffles Hotel besteht. Die Security-Leute haben ihre Lektionen gelernt. Sehr nett und relaxt spulen sie ihr Programm ab, was immer mit einem maschinenartig vorgebrachten Dank endet: &#8220;Thank you for your cooperation.&#8221; Selbst wenn man mal nicht kooperieren sollte. Die professionellen Sicherheitskräfte fallen gar nicht auf, ich denke aber, dass viele unter jenen, die als Volunteers die weiß-blauen Sportklamotten des BOCOG tragen, im Notfall ziemlich energisch und professionell durchgreifen könnten. Irgendjemand sagte mir gestern in verschwörerischem Ton, 210.000 Sicherheitskräfte seien in Peking eingesetzt. Ich glaube alles, ich bin Journalist.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-424" title="access-120-session" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/access-120-session.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="170" height="250" align="left" />09.04:</strong> Die 120. IOC-Session hat bereits begonnen, doch im kleinen Medienraum in der 14. Etage des Beijing Hotels funktioniert der Fernseher noch nicht (Panasonic/IOC-Sponsorenprodukt). Es dauert eine Weile, dann kann man wenigstens die Sitzung beobachten, allerdings ohne Übersetzung, was ich noch nie erlebt habe, seit die wir die Sessionen verfolgen dürfen. Akzeptable Arbeitsbedingungen sind das natürlich nicht. Ein Fernseher, 36 Arbeitsplätze. Das ist alles. Das IOC hat auch nur rund 30 Journalisten, allesamt olympische Dauerberichterstatter, für diese Session zugelassen. Insofern bin ich ein privilegierter Reporter, obgleich der Kollaboration mit dem IOC unverdächtig. Kollegen, die sich hier ausnahmsweise für das IOC interessieren, <a href="http://www.tagesspiegel.de/sport/olympia2008/art17786,2586061" target="_blank">waren sehr überrascht</a>, als sie erfuhren, dass sie nicht einmal ins Beijing Hotel können. Denn dazu braucht es eine zweite Akkreditierung zur offiziellen olympischen Akkreditierung. Ziemlich kompliziert, das, aber ich kann es nicht ändern. Das Prinzip habe ich vor ein paar Tagen <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=346" target="_self">schon mal umrissen</a>:</p>
<blockquote><p>Vor dem Beijing-Hotel, wo IOC-Exekutive und die 120. IOC-Session tagen, gibt es für langjährige olympische Berichterstatter zusätzlich zur Olympia-Akkreditierung einen “IOC Media-Pass”, der zum Zugang zum Beijing-Hotel berechtigt. Dummerweise finden die täglichen Pressekonferenzen zum Exko und zur Session allesamt im Main Press Center (MPC) statt, rund eine halbe Stunde mit dem Taxi entfernt. Wer also im IOC-Tagungshotel lauert, hat keine Chance, bei der PK rechtzeitig im MPC zu sein. Zudem: Erstmals ist das IOC-Hotel (die Herrschaften nächtigen im Raffles, das mit dem Beijing-Hotel-Komplex vebunden ist) bei Olympischen Spielen für Reporter gesperrt, da helfen auch zwei Ausweise nicht, die mir um den Hals baumeln. Sogar im George-Bush-Land war das IOC-Hotel, das Little America in Salt Lake City, ein halbes Jahr nach 9/11 problemlos zugänglich. Man könnte sagen: Es wird schwerer, im IOC-Machtbereich vernünftig zu arbeiten.</p></blockquote>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignleft size-full wp-image-419" title="JAS 120. Session" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/jas-120-session-050820081.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="264" height="139" align="left" /><span style="color: #000000;"><strong>10.46:</strong> Er ist noch da. Topfit. Aufmerksam. Sensationell vernetzt. Mächtig. Einflussreich. Erfahren. Klug. Er spielt noch mit, auch wenn er heute auf der Session (links im Hintergrund, wie immer, seine ewige Assistentin Annie) nur über das Olympische Museum referierte, das seinen Namen trägt: Juan Antonio Samaranch. Ich nenne dieses Museum gern: Moneten-Mausoleum der olympischen Idee.</span></span></p>
<p><strong>11.17:</strong> Ich konnte problemlos durch die marmornen Flure spazieren und in der Kaffeepause mit dem ein oder anderen Olympier plauschen. Unsere Befürchtung, dass in Peking nicht einmal dies möglich sein würde, erwies sich als unbegründet. Wen ich getroffen habe beim IOC? Natürlich, <strong>Jean-Marie Weber</strong>, einen der <a href="http://jensweinreich.de/?p=242" target="_self">Dauergäste in diesem Blog</a> &#8211; verantwortlich für den größten Korruptionsskandal der Sportgeschichte. Schon vergessen? <a href="http://jensweinreich.de/?p=163" target="_self">138 Millionen Schweizer Franken</a> hat Webers ehemalige Firma ISL/ISMM zwischen 1989 und 2001 an Schmiergeldern an hohe Sportfunktionäre gezahlt. Das ist nur die Summe, die nun gerichtsfest ist. Sehr wahrscheinlich nur ein Bruchteil der gesamten Bestechungsgelder, die von ISL und anderen Firmen in den vergangenen dreißig Jahren gezahlt worden sind. Aber weitere Ausführungen spare ich mir, denn die Sportkameraden im Beijing-Raffles, wo Jean-Marie herumspaziert, interessiert das ja nicht. Die IOC-Ethikkommission und der Null-Zolerance-Präsident Jacques Rogge (&#8220;Gegen Doping! Gegen Korruption! Gegen Gewalt!&#8221;) schauen schwiegend zu. Ich habe wie immer ein bisschen mit Jean-Marie, den ich persönlich gut leiden kann, geplauscht. Er musste dann weiter, hat schließlich in Peking für Issa Hayatou und Lamine Diack zu tun, für zwei IOC-Mitglieder.</p>
<p><strong>12.50:</strong> Flink noch eine Linkempfehlung. Denn dogfood hat mal wieder recherchiert und berichtet Erstaunliches über einen Beitrag des SWR, der mit großem Gedöns angekündigt und verbreitet wurde: <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/08/04/screensport-am-montag-halbwahrheiten-beim-swr" target="_self">&#8220;Halbwahrheiten beim SWR&#8221;</a>. Darauf müsste der Sender eigentlich reagieren. Und Jürgen Kalwa <a href="http://www.american-arena.blogspot.com/" target="_self">berichtet</a>, dass auch die Huffington Post in Peking von den Zensoren blockiert wird. Stimmt, ich kann die Seite nicht aufrufen.</p>
<p><strong>20.40:</strong> Ich habe <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/140/305110/text/" target="_blank">gefabelt</a>.<span id="more-412"></span></p>
<p><strong>22.20:</strong> Es heißt dieser Tage oft, das IOC würde Rekordeinnahmen verzeichnen, weil die Spiele in Peking stattfinden. Das stimmt nicht, Unsinn. Die TV-Verträge mit NBC (894 Mio US-Dollar) und der EBU (443 Mio) wurden zum Jahreswechsel 1995/96 parafiert. Die Entscheidung für Peking fiel im Juli 2001. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Verträge im TOP (The Olympic Programme) bereits unterschrieben. Richtig ist lediglich, dass das IOC seit der Abschaffung des Amateurparagrafen und dem Start der Kommerzialiasierung Olympias in allen Vierjahreszyklen Rekordeinnahmen verzeichnete.</p>
<p><strong>00.27:</strong> Nach Mitternacht kommt die Putz-Armada. Lautlos gleitet eine Hundertschaft Frauen in den verwinkelten Arbeitsraum des Hauptpressezentrums, der vielleicht 150 mal 50 Meter misst. In diesen Momenten, das Tsingtao (am zweiten Tag nannte ich es noch Tsintao) steht schon neben einem, weiß man, dass sich der Tag dem Ende neigt. Tag? Fenster gibt es in dem Bunker nicht. Ob draußen 36 Grad oder 18 Grad sind, ob die Sonne brennt oder der Smog dräut, man weiß es nicht. Das wird in den nächsten Tagen anders werden, wenn immer mal Freiluft geatmet werden kann, wenn man von einem Venue zum nächsten oder wieder zurück zum MBC hetzt. In den Bunker. Im 1. Kellergeschoss hat jetzt übrigens neben dem Frittenburger-IOC-Sponsoren auch ein chinesischer Foodcourt geöffnet. Geht in Ordnung.</p>
<p><strong>00.36:</strong> Programm für Morgen: Ab 7 Uhr noch ein bisschen arbeiten, es wartet jemand dringend auf einen Text. 9.30 Uhr: Taxi zum Deutschen Haus im Kempinski Hotel, Eröffnungspressekonferenz des deutschen Teams, mit Michael Vesper, dem DOSB-General<span style="text-decoration: line-through;">sekretär</span>direktor, dem Ausputzer vom jüngsten deutschen IOC-Mitglied, das noch auf der IOC-Session sitzt. 12.00 Uhr: Taxi zum MPC, wo um 12.30 Uhr Michael Phelps auftritt, der Supermann, der in Peking <a href="http://www.olympic.org/uk/news/olympic_news/full_story_uk.asp?id=2685" target="_blank">erfolgreichster Olympiateilnehmer aller Zeiten</a> wird, das darf man wohl schon sagen. Hat er eigentlich noch einen Zahnspange? Was Phelps allerdings kaum schaffen wird: Mehr Weltrekorde aufzustellen, als er Wettkämpfe schwimmt. Obwohl, man weiß ja nie.</p>

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		<title>Peking, Tag 4</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Aug 2008 19:14:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[02.17: So, Freunde der Nacht. Seit einer Stunde kämpfe ich mit der Internetverbindung im Poly Plaza. Der Herr Li wird doch nicht wohl? Ich muss morgen mal mit ihm sprechen. Kein Lan, kein Wlan mehr auf dem Zimmer. Und unten in der Lobby, wo ich jetzt in kurzen Hosen im Durchzug sitze, wenigstens hin- und wieder [...]]]></description>
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<p><strong>02.17:</strong> So, Freunde der Nacht. Seit einer Stunde kämpfe ich mit der Internetverbindung im Poly Plaza. Der Herr Li wird doch nicht wohl? Ich muss morgen mal mit ihm sprechen. Kein Lan, kein Wlan mehr auf dem Zimmer. Und unten in der Lobby, wo ich jetzt in kurzen Hosen im Durchzug sitze, wenigstens hin- und wieder so etwas Ähnliches wie eine, na sagen wir: 9.600-kb-Leitung. Angesichts dieser Zustände schreibe ich im Editor (wie 1992 in Barcelona), kopiere rein, was ich schaffe und hoffe, dass WordPress das irgendwie veröffentlicht. Ohne Fotos, ohne Links, das könnte reichen. Die Verbindung im MPC war heute auch ein Desaster. Sieht so aus, als müsse ich mir noch einen Lan-Zugang zulegen, für die nächsten 350 Euro.</p>
<p><strong>02.23:</strong> Mal was zu den Spielregeln: Ich versuche ja, ständig online nachzulegen, aber der Broterwerb lässt das oft nicht zu. Mache mir aber Notizen, trage nach und war ja heute nicht ganz untätig, wie man am Eintrag zum <a href="http://www.jensweinreich.de/?p=397" target="_self">Fegefeuer des Sportinformationsdienstes</a> sehen kann. Diesmal fange ich nachts an und taste mich jetzt wieder einige Stunden zurück. Gerade machen sie an der Bar übrigens das Licht aus. Der bescheidene Rückblick:<span id="more-406"></span></p>
<p><strong>11.45:</strong> Im MPC treffe ich <strong>Walther Tröger</strong>, den ehemaligen deutschen NOK-Präsidenten, seit 1989 Mitglied des IOC. Wenn&#8217;s schnell gehen musste, habe ich ihn im Laufe der Jahre in meinen Texten gern als altgedienten Fahrensmann bezeichnet. Stimmt auch. Er war in den achtziger Jahren unter Samaranch ehrenamtlicher Sportdirektor des IOC. Er war 1972 Bürgermeister des Olympischen Dorfes und ist seither ein guter Freund des schwedischen Königs, der ja nicht allein aus München zurückkehrte. Ich glaube, Tröger hat meinen Respekt, seit er 1995 auf der IOC-Session in Budapest zu jenen zehn Aufrechten zählte, die gegen die von Samaranch durchgepeitschte Erhöhung des Alterslimits von 75 auf 80 Jahre stimmten. Prinzessin Anne war noch dabei, wenn ich mich recht erinnere. Die Blaublüter spielen im IOC inzwischen ohnehin keine gar so schlechte Rolle. Auch Prinz Willem verblüfft immer mal mit interessanten sportpolitischen Taten und Reden. Nora von Liechtenstein auch, selbst wenn sie sich leider etwas zu sehr zurückgezogen hat. Aber das wäre mal ein anderes Thema. Kurz noch zu Budapest und meinem Tröger-Erweckungs-Erlebnis: Der damalige deutsche Jüngling im IOC, der als potenzieller IOC-Präsident gilt und der bisher im sid immer so prominent platziert wurde (kleine Gehässigkeit, Entschuldigung) stimmte übrigens dafür. Klar doch. Aber ich schweife ab: Tröger stellte mich heute seiner chinesischen Betreuerin vor (manche IOC-Mitglieder werden ständig von drei Chinesinnen begleitet &#8211; und natürlich von den straffen Jungs, die sich aber erstaunlich elegant im Hintergrund halten). &#8221;Nehmen Sie sich in Acht, Frau Yang&#8221;, rief er ihr beschwingt zu: &#8220;Das ist einer der Schlimmsten.&#8221; Frau Yang ließ sich von mir gleich mal diese Blogadresse hier aufschreiben und meinte, sie wolle mal vorbei schauen, was ich denn Schlechtes über China schreibe. </p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-414" title="Blatter Orden" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/sepp-peking-04082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="289" height="205" align="right" /><strong>16.25:</strong> Ich habe ja gestern angekündigt, dass ich mir den Auftritt von <strong>Sepp</strong> dem Großen nicht entgehen lassen will. Er war wieder unglaublich, ein seltener Genuss. Langsam aber wird es grausig. Joseph Blatter also flehte die versammelten Reporter mehrmals an, sie mögen ihm doch bitteschön im Kampf gegen jene unnachsichtigen Klubs (Bremen, Schalke, Barcelona), die drei Spieler (Diego, Rafinha, Messi) nicht für Olympia freigeben wollen. Das Problem: Die Fifa selbst. Denn Blatters Verband hat es versäumt, klare Regeln zu definieren. Statt dessen setzte man auf das Gewohnheitsrecht und einen Beschluss eines Fifa-Kongresses von 1988, wie Blatter heute beteuerte. Ich fragte seinen Generalsekretär Jerome Valcke, einen Mann, der laut einem New Yorker Gericht wiederholt Geschäftspartner belügt und die Wahrheit ständig beugt (so geschehen im Visa-Mastercard-Streit, der die Fifa rund 100 Millionen Franken kostete), wer denn auf die gloriose Idee gekommen sei, die olle Kamelle von 1988 auszukramen. Er lachte nur. So dass ich es mir denken kann: Der Mann, dem fast alle Ideen in der Fifa kommen. Mehr hier: <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/956/304928/text/" target="_blank">&#8220;Lasst sie spielen!&#8221;</a></p>
<p><strong>17.30:</strong> Was ich befürchtete und im ersten Eintrag <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_self">andeutete</a>: Die Arbeitsbedingungen in Peking sind so gedacht, dass man nicht einmal eine angemessene IOC-Berichterstattung hinbekommt, wenn man sich noch ein anderes Thema vornimmt. Wer vom IOC-Kommunikationsdepartment ein Presseticket für die Eröffnung der IOC-Session am Abend (19.00) mit allen IOC- und KP-Götzen zugeteilt bekam, hatte sich persönlich um 16.30 vor dem Beijing-Hotel einzufinden, um dieses in Empfang zu nehmen. Um 17.20 fuhren die Busse ins mirakulöse Kulturzentrum, eine Kugel mitten in einem See, wenn ich den Beschreibungen eines Kollegen trauen darf. Um 16.00 Uhr aber hatte Blatter seine PK im MPC, das mindestens eine halbe Stunde per Taxi entfernt ist, bei geringem Verkehrsaufkommen. Mein dänischer Freund Lars Werge (Ekstra Bladet) hatte zwar im Beijing-Hotel meine Karte gesichert, doch da ich nach Blatters müder Show darüber einen Text schreiben musste, um meine Rechnungen bezahlen zu können, fiel das IOC-Kulturprogramm für mich aus. Schade eigentlich, denn diese Sessionsabende haben mir im Laufe der Zeit doch so manches kulturelle Highlight beschert. In Sydneys Oper und sonstwo, die Berliner Philharmoniker in Lausanne, der Tabernakel-Chor in Salt Lake City, feine Sachen. Aber man kann nicht alles haben.</p>
<p><strong>03.12:</strong> Es wird noch nachverlinkt. Morgen wieder etwas Tiefgründiger. Versprochen. Jetzt ist Dienstschluss. Der Wecker klingelt in 256 Minuten. Dann steht an: die 120. IOC-Vollversammlung.</p>

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		<title>Der Sport-Informations-Dienst im Fegefeuer</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Aug 2008 10:52:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat mit sofortiger Wirkung seinen Redaktionsleiter Dieter Hennig abberufen. Dieses Gerücht waberte am Morgen durch das Main Press Centre. Ich habe beim sid-Geschäftsführer Michael Cremer nachgefragt. Cremer sagte, er werde zu Details von Personalien grundsätzlich keine Auskunft geben, bestätigte aber, dass Dieter Hennig frei gestellt ist: &#8220;Dieter Hennig wird als Privatmann am olympischen Fackellauf teilnehmen, aber [...]]]></description>
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<p>Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat mit sofortiger Wirkung seinen Redaktionsleiter Dieter Hennig abberufen. Dieses Gerücht waberte am Morgen durch das Main Press Centre. Ich habe beim sid-Geschäftsführer <strong>Michael Cremer</strong> nachgefragt. Cremer sagte, er werde zu Details von Personalien grundsätzlich keine Auskunft geben, bestätigte aber, dass Dieter Hennig frei gestellt ist:</p>
<blockquote>
<div><strong>&#8220;Dieter Hennig wird als Privatmann am olympischen Fackellauf teilnehmen, aber nicht als Redaktionsleiter des sid.&#8221;</strong></div>
</blockquote>
<p>Der Grund für die Suspendierung liegt offensichtlich in Differenzen über die Berichterstattung. Hennig hatte zuletzt am Freitag in Texten und einem Kommentar behauptet, China hätte die Internet-Zensur für olympische Berichterstatter aufgehoben. Tags darauf zog der sid fünf Texte vom Freitag zu diesem Thema zurück. Ich hatte in meinem ersten Blogeintrag aus Peking <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_self">auf die Problematik aufmerksam gemacht</a>, am Sonnabend ebenfalls <a href="http://jensweinreich.de/?p=362" target="_self">berichtet</a>. Stefan Niggemeier hat das Thema <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dieter-hennig-sportjournalist/" target="_blank">grundsätzlicher</a> <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-peking-enten-des-sid/" target="_blank">behandelt</a>.</p>
<p>Anders als ich behauptete, ist Dieter Hennig aber nicht Chefredakteur des Sportinformationsdienstes gewesen. Der sid hat eine dreiköpfige Redaktionsleitung, zu der neben Dieter Hennig noch Angela Bern und Ralph Durry gehören. Hennig war als Chefkorrespondent auch für Sportpolitik zuständig, Durry ist Fußballchef, Angela Bern &#8211; die Teamchefin in Peking &#8211; für alle anderen Themen zuständig.</p>
<p>Dem Vernehmen nach hat es in der sid-Redaktion härtere Auseinandersetzungen um die Berichterstatttung und den Kurs von Hennig gegeben. Cremer gab zu diesen Interna keine Auskunft. &#8220;Mir ist wichtig, dass alle anderen 79 sid-Kollegen, die sich um sauberen Journalismus bemühen und hervorragende Arbeit machen, nicht unter dieser Diskussion leiden&#8221;, sagte er. &#8220;Wir müssen in Peking differenziert berichten und dürfen uns nicht nur auf den rein sportlichen Aspekt beschränken. Wir dürfen nicht in so eine Hurra-Falle laufen.&#8221;</p>
<p>Michael Cremer war zwölf Jahre als Nachrichtenmann für die Agence France Press (AFP) tätig, inzwischen Eigner des in Neuss ansässigen <a href="http://www.sid.de" target="_blank">sid</a>. Vor seiner Zeit als sid-Geschäftsführer, das Amt trat er am 1. Mai 2008 an, war er ein Jahr bei n24.</p>
<p>Die IOC-Berichterstattung übernahm am Montag Christian Klaue aus dem Berliner Büro des sid. Dieter Hennig ist vom IOC für den 6. August als Fackelläufer eingeteilt &#8211; wie fünf andere Journalisten aus anderen Ländern, alle langjährige IOC-Berichterstatter. Am 7. August, einen Tag vor Eröffnung der Spiele der XXIX. Olympiade, wird Hennig wohl Peking verlassen. Im Herbst wäre er ohnehin in Ruhestand gegangen.</p>
<p>Cremer sagte, &#8220;anders als unterstellt wurde&#8221; habe es &#8220;keinen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung des sid und dem Fackellauf von Dieter Hennig gegeben&#8221;. Hennig vertrete seine Linie seit Jahrzehnten. Die Agentur habe am Freitag &#8220;einen Bock geschossen&#8221;. Für die Missverständnisse seien auch fehlende technische Kenntnisse verantwortlich gewesen, denn AFP-Techniker hatten eine besondere Internetverbindung hergestellt, auf deren Grundlage Webseiten zu erreichen waren, die in China gesperrt bzw. für andere olympische Berichterstatter zensiert werden.</p>
<p>Als Kollegen aus Deutschland auf die Unstimmigkeiten im Vergleich zu allen anderen Nachrichtenagenturen hingewiesen hatten, sei es leider schon zu spät gewesen. Am Sonnabendmorgen (2. August, Ortszteit Peking) wurden dann alle Meldungen zurückgezogen. Cremer:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Das ist für einen Agenturjournalisten der Killer. Das Schlimmste nach dem Fegefeuer.&#8221;</strong></p></blockquote>

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		<title>Peking, Tag 3</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Aug 2008 04:33:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.01: Es ist dann doch wieder vier geworden gestern Nacht. Das typische Problem, und es wird noch schlimmer: Wenn man bis Mitternacht schreibt und macht, hat der Körper Probleme, sich gewissermaßen downzuloaden. Zu viel Adrenalin, zu aufgekratzt. Beobachte ich nun schon seit vielen Jahren bei solchen Anlässen, ob Leichtathletik, Fußball-WM oder Olympia. Man hackt bis [...]]]></description>
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<p><strong>10.01:</strong> Es ist dann doch wieder vier geworden gestern Nacht. Das typische Problem, und es wird noch schlimmer: Wenn man bis Mitternacht schreibt und macht, hat der Körper Probleme, sich gewissermaßen downzuloaden. Zu viel Adrenalin, zu aufgekratzt. Beobachte ich nun schon seit vielen Jahren bei solchen Anlässen, ob Leichtathletik, Fußball-WM oder Olympia. Man hackt bis zum Anschlag, bis Deadline, ellenlange Texte in seinen Laptop, kämpft und schwitzt und verzweifelt und versagt und fabriziert manchmal sogar was Ordentliches, für mich ist das auch eine Art Hochleistungssport &#8211; und dann dauert es halt einige Stunden, bis der Motor wieder kalt geworden ist. Aber es macht Spaß, ich habe mir sagen lassen, das könne nicht jeder von seinem Job behaupten.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-384" title="MPC Stillleben 3. August 2008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/mpc-03082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="250" height="176" align="left" /><strong>11.32:</strong> Wieder im Pressezentrum, im MPC. Noch ziemlich leer, aber in Kürze wird es überfüllt sein. Die meisten Journalisten reisen erst kurz vorher an. Was die Chinesen organsiert haben, ist sehr clever, ich weiß nicht, wer ihnen den Tipp gegeben hat, aber es wird die Journalisten durchaus bezirzen: Denn die Wartezeiten an Sicherheitscheck sind bislang sehr kurz. Das liegt nicht nur daran, dass noch viele Akkreditierte fehlen. Normalerweise läuft das so: Die Reporter werden von Bussen zum MPC (oder zum IBC, dem International Broadcasting Centre) gekarrt, dann stehen dort eben mitunter Hunderte Menschen Schlange vor der Security. Hier läuft das so: Der Check wird gleich im Hotel gemacht. Wer an einem der offiziellen Medienhotels, dazu gehört mein Poly Plaza, in den Bus will, der wird gleich dort überprüft. Bei 200 Medienvertretern im Poly Plaza und Bussen, die alle halbe Stunde fahren, lässt sich ausrechnen, dass das nicht sehr lange dauern kann. Am MPC springt man raus und kann sofort an den Schreibtisch. Sehr gut. Denn ist ist ja so: Journalisten sind total gelassen und absolut uneitel, sie murren nie über ihre Arbeitsbedingungen und wollen überhaupt nicht zuvorkommend behandelt werden - das wissen auch die Chinesen, die zwar das Internet zensieren, sonst aber darauf achten, dass sie diese komischen langnasigen Reporter nicht sehr vergraulen. Der Herr Li vom Poly Plaza, der für Sicherheit und solche Dinge zuständig ist, dieser Herr Li also, kennt die meisten Reporter beim Namen. Wahrscheinlich kennt er auch meine Biografie. Einem belgischen Kollegen jedenfalls hat er Li schon einen Kommentar ins Blog geschrieben. Er liest mit. Besser so, als heimlich auf der Festplatte. Aber auch das soll vorkommen.</p>
<p><strong>11.56:</strong> So, und jetzt schnell noch einige Leseempfehlungen, die ich teilweise schon gestern loswerden wollte:</p>
<ul>
<li>Wie immer gehört <strong>dogfood</strong> bei allesaussersport zur Pflichtlektüre. Er kümmert sich um das Thema, auf das ich <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_blank">hier bereits aufmerksam gemacht habe</a>: den <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/08/02/zeilensport-vorolympisches/#comments" target="_blank">Umgang des IOC mit Journalisten und die internen Sprachregelungen zu kritischen Reporterfragen</a>.</li>
<li><strong>Jacqueline Magnay</strong>, eine sehr kenntnisreiche australische Kollegin (ich empfehle jetzt schon ihre Artikel im Sydney Morning Herald), schreibt in der Canberra Times über den <a href="http://www.canberratimes.com.au/news/local/news/general/gospers-ioc-job-at-risk-over-internet-row/1233717.aspx" target="_blank">bevorstehenden Abschied von Kevan Gosper</a> als Chef der IOC-Pressekommission, weil er IOC-Chef Rogge in Schwierigkeiten gebracht hat (mehr zu Gosper, der in dieser Sekunde mit der Frau Gemahlin an mir vorbei läuft, und der Internet-Debatte bei mir im Blog <a href="http://jensweinreich.de/?p=311" target="_self">hier</a>, <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_self">hier</a> und <a href="http://jensweinreich.de/?p=368" target="_self">hier</a>).</li>
<li>Einen sehr interessanten Beitrag zum Thema olympische Pressefreiheit schreibt <strong>Marcel Grzanna</strong>, ein freier Journalist, der seit vergangenem Frühjahr in Peking lebt, auf seiner Webseite <a href="http://asienreporter.de/" target="_blank">asienreporter.de</a>.</li>
<li>Und schließlich der <span style="text-decoration: line-through;">Beta-Blocker</span> Meta-Blogger <strong>Herr Niggemeier</strong>, der sich noch einmal den <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-peking-enten-des-sid/" target="_blank">&#8220;Peking-Enten des sid&#8221;</a> annimmt. Siehe auch: <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_self">Peking, Tag 1</a> und <a href="http://jensweinreich.de/?p=362" target="_self">Die Internetfrage oder: &#8220;falsche Voraussetzungen&#8221;</a></li>
</ul>
<p><strong>15.52:</strong> Mein Handy hat eine Stadtrundfahrt gemacht. Es ist aber wohlbehalten zu mir zurück gekommen, ganz allein im Taxi. Wie es dazu kam, und wie drei deutsche Journalisten einigermaßen hilflos versuchten, eine chinesische Sim-Karte zu kaufen, erzähle ich später.</p>
<p><strong>01.56:</strong> Nachtrag zur Handy-Geschichte: Deutscher allein in großer Stadt, sage ich nur. Man stelle sich einfach den dümmsten Gast in China vor, wie er mit Armen und Beinen versucht, sich mit einer Taxifahrerin, die sicher sehr gut Chinesisch aber kein Wort sonst spricht, zu unterhalten. Das muss scheitern. Aber sie hat wenigstens gelacht. Sie fand die drei Langnasen komisch, denn hinter uns saßen ja noch zwei Weitgereiste aus Süddeutschland, die zusammen ziemlich viele Sprachen sprechen &#8211; aber auch kein Wort Mandarin. Und irgendwann, wenn der dümmste Gast ein Foto geschossen und bezahlt hat, bleibt eben der HTC Touch Cruise auf dem Beifahrersitz liegen.</p>
<p>Doch der Reihe nach, denn Schuld ist: die chinesische Planwirtschaft, natürlich.<span id="more-381"></span></p>
<p>Im MPC, das für mehr als 5.000 Schreiber ausgelegt ist, gingen blöderweise schon am Sonnabend, also sechs Tage vor den Spielen, als vielleicht erst eine Tausendschaft Reporter vor Ort war, die Sim-Karten des Sponsors China Mobile aus. Nein, die Karten gab&#8217;s nicht umsonst, auch Sportjournalisten zahlen dafür. Die Organisatoren hatten einfach nicht so viele bestellt. So wie sie an der Freiluftbar schon jetzt oft sagen: &#8220;Sorry, we are out.&#8221; Weil kein Bier mehr da ist.</p>
<p>Jedenfalls, wir wollten nicht vier Tage auf bestellte Sim-Karten warten und marschierten zum nächsten China-Mobile-Laden an einer Zufahrstraße zum Olympiapark (wie fast alle Straßen in dieser Gegend würde die in Deutschland als Autobahn durchgehen). Dort gab es auch keine Karten mehr. Der Verkäufer schickte uns und zwei Esten, die dasselbe Problem hatten, zu einem Laden irgendwo im Stadtmoloch, wo es ganz bestimmt Karten für internationale Telefonate geben sollte. Den Rest erspare ich mir. Dort konnte niemand was verkaufen, aber wenigstens telefonieren: Schon ging es beschwingt ins nächste Taxi zum nächsten Laden. Und so weiter. Irgendwann hatten wir tatsächlich: Sim-Karten. Nur fehlte mir plötzlich das Gerät zur Karte.</p>
<p>Bei den Sommerspielen in Sydney war ich schon mal so blöd gewesen. Vergangenes Jahr bei der Leichtathletik-WM in Osaka hat man mir im Pressezentrum den PDA geklaut. Diesmal war alles anders. Mein Handy war schon eine halbe Stunde unterwegs und hat sich mal unbeschwert in Peking umgesehen, da kam die rettende Idee: Die kleine, kaum lesbare Quittung der Taxifahrerin. Ein paar Telefonate der Verkäuferinnen mit der Telefongesellschaft genügten, dann sagte mir die Dame aus der Zentrale tatsächlich: &#8220;Ihr Handy kommt gleich vorbei, Sir. Maximal 20 Minuten.&#8221;</p>
<p>Wir waren kaum vor dem Laden, kam es angefahren. Ausflug gerettet. Allerdings hatten wir nur vier statt der erhofften sechs Telefonkarten. Denn mehr wollten sie uns nicht geben, wir hatten ja auch nur drei Akkreditierungen vorgelegt. 6 &#8211; 4 &#8211; 3? Wir begriffen es nicht, ersparten uns aber das Grübeln. Verstehe einer die Chinesen. Wichtig ist, mein Spielzeug, das all die schönen RSS-Feeds anzeigt und sich mit Outlook abgleicht, ist wieder da. Und sollte demnächst jemand in Peking Taxi fahren müssen: Ich kenne zwar nicht ihren Namen, aber die Dienstnummer der Handysitterin. 263772.</p>
<p><strong>02.52:</strong> Die Internet-Verbindung im Hotel ist dermaßen langsam. Muss morgen mal meinen neuen Freund Hern Li fragen, ob er weiß, was da ständig auf meiner Festplatte rumort. Für heute reicht&#8217;s. Morgen mehr mit ersten sentimentalen Anwandlungen und Verschleißerscheinungen, auch mit putzigen Meldungen. Und übrigens: Morgen sehe ich wohl auch meinen Freund, den <a href="http://jensweinreich.de/?p=167" target="_self">ahnungslosen Präsidenten</a>.</p>

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		<title>Peking, Tag 2</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Aug 2008 11:38:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[12.36: Der Jetlag hat mir zehn Stunden Schlaf geschenkt. Um 8.00 Uhr wollte ich mich eigentlich tapfer zur IOC-Exekutive ins Beijing-Hotel aufmachen. Aber nichts ist mit Journalismus, wenn der Körper sagt: Ruhe jetzt. Es wird noch hart genug. 12.57: Welche Freude am Morgen, am Mittag, überhaupt: Die China Daily, Untertitel: The National English Language Newspaper”, [...]]]></description>
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<p><strong>12.36:</strong> Der Jetlag hat mir zehn Stunden Schlaf geschenkt. Um 8.00 Uhr wollte ich mich eigentlich tapfer zur IOC-Exekutive ins Beijing-Hotel aufmachen. Aber nichts ist mit Journalismus, wenn der Körper sagt: Ruhe jetzt. Es wird noch hart genug.</p>
<p><strong>12.57:</strong> Welche Freude am Morgen, am Mittag, überhaupt: Die China Daily, Untertitel: The National English Language Newspaper”, erfreut uns heute mit der Schlagzeile: “Don’t mix politics with Games”. Das sagt Herr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hu_Jintao" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">Hu</span></a>, Chinas Präsident, der Musterdemokrat:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-370" title="China Daily, 2. August 2008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/china-daily-02082008.jpg" alt="" width="483" height="336" /></p>
<p>Die Burschen, die rechts von Hu die Handreichung des Großen Führers entgegennehmen, sind übrigens Journalisten. Gestern hat Hu einige ausgewählte von ihnen getroffen und eben auch angemerkt: Man solle die Olympischen Spiele nicht mit der Politik vermischen. Ich weiß nicht, ob Sportjournalisten unter ihnen waren. Dazu zwei Leseempfehlungen: Einmal Christian Zaschke (<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/442264" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">“Wir sind’s nur”</span></a>), einmal Herr Niggemeier, der einen olympischen Fackelläufer (<a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dieter-hennig-sportjournalist/" target="_blank"><span style="color: #6b8e23;">“Dieter Hennig, Sportjournalist”</span></a>), von dem ich gestern berichtete, ein bisschen demontiert.</p>
<p><strong>14.05:</strong> Noch ein bisschen <a href="http://jensweinreich.de/?p=362" target="_self">gebloggt</a>, dann ab ins ARD-Studio Peking. Analphabet, der ich bin, mit sechs freundlichen Doormen und ihren Chefs diskutiert. Denn blöderweise hatte ich die Adresse nicht auf Chinesisch notiert. Für solche Fälle empfiehlt sich, einen Chinesischkundigen anzurufen, der dem Taxifahrer erklärt, wohin der Analphabet zu bringen sei. Das erledigte die ARD-Korrespondentin Petra Aldenrath routiniert.</p>
<p><strong>15.20:</strong> Aus Peking zugeschaltet zum <a href="http://www.wdr5.de/sendungen/funkhaus-wallrafplatz/sendungsdetailseite.html?tx_wdr5ppfe_pi1%5BshowUid%5D=910924&amp;cHash=5417224e7a" target="_blank">Funkhaus Wallraffplatz</a> auf WDR5. Keine verbissene, aber eine interessante Diskussion mit Hörern &#8211; aus Erkrath, Detmold, Hagen, Ratingen und Münster &#8211; und dem chinesischen Journalisten Shi MIng. Erstaunlich: Nur einer von sechs Hörern schimpfte auf Journalisten. Er meinte, es müsse reichen, wenn Journalisten in ihrer Heimat freien Internetzugang haben. Sie hätten sich alle Webseiten längst durchlesen und die Fakten studieren können, sollen sich deshalb nicht so aufregen, dass China ein wenig das Internet zensiert. Okay, ist auch eine Meinung. Die Mehrzahl der Diskutanten aber fand das Joint Venture von IOC, Sponsoren und der chinesischen KP-Führung doch irgendwie, na wenigstens irritierend, manch einer fand es auch ekelhaft.</p>
<p><strong>17.15:</strong> Habe heute 80 Minuten in Taxis zugebracht. Das wird in den nächsten Wochen mehr werden.</p>
<p><strong>18.56:</strong> Es geht ein wenig drunter und drüber beim IOC, weshalb Präsident Jacques Rogge nun heute schon eine Pressekonferenz macht, sie ist für 20 Uhr angesetzt (also 14 Uhr MESZ &#8211; ich schreibe hier immer in Peking-Zeitangaben). Das IOC-Exekutivkomitee hat seine Sitzungen bereits beendet. Morgen ist Ruhetag für die IOC-Spitze. Rogge wird sich große Mühe geben, die Wogen zu glätten, wenn er nachher zu den Journalisten spricht.</p>
<p><strong>20.33:</strong> Rogge kommt später, aber er kommt. Und er enttäuscht gewaltig. Unglaublich, was er da so verbreitet. &#8220;You have excellent working conditions&#8221;, sagt er den Reportern. Ein &#8220;fullest access possible&#8221; zum Internet müsse reichen. Kein voller, kein freier, kein unzensierter Zugang, sondern nur ein größtmöglicher. Was erlaubt ist und was nicht, das liege nicht in den Händen des IOC, sondern das bestimmt der Partner im olympischen Joint Venture: Chinas KP, bzw. der ständige Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas, neun kriminelle Bonzen. Letzteres hat Rogge nicht gesagt, ich schreibe mich nur gerade ein bisschen in Rage.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>23.20:</strong></span> Rogge ist die personifizierte Enttäuschung. Ich habe mal ziemlich auf ihn gesetzt. Mein jüngster Beitrag über seinen Auftritt und die anhaltende Internet-Debatte bei SpOn: <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,569692,00.html" target="_blank">&#8220;IOC-Chef Rogge kassiert sein Versprechen&#8221;</a>.</p>
<p><strong>02.33:</strong> Schrieb ich vorhin &#8220;80 Minuten in Taxis zugebracht&#8221;? Nun ja, es sind doch etwas mehr geworden. Auf den Rat eines Kollegen hin, habe ich um 1 Uhr einen Bus genommen. Es war, obwohl mich drei Chinesen in rührend netter Weise zur Bustür begleiteten und auf wiederholte Fragen sagten: &#8220;Yes, yes, yes, yes, yes &#8211; Poly Plaza!&#8221;, der falsche. Wie erwartet. Jedenfalls, die Mongolei bei Nacht ist auch sehr schön. Wir fuhren gen Norden, meinte ich, denn wir ließen die Autobahnen/Ringstraßen gefährlich weit hinter uns. Es wurde dunkel. Aber wir landeten dann doch in Schengen. Im &#8220;Schengen Hotel&#8221; war es 1.24 Uhr, als ich vorsichtig anmerkte, dass ich nicht dorthin gehöre.</p>
<p><iframe width="475" height="375" frameborder="0" scrolling="no" marginheight="0" marginwidth="0" src="http://maps.google.de/maps?f=q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=peking,+poly+plaza+hotel&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;s=AARTsJoQlfSFmvDM9qlDxWuR5NJDzCdBsg&amp;ll=39.946595,116.462288&amp;spn=0.092122,0.145912&amp;z=12&amp;output=embed"></iframe></p>
<p>Für die nächsten zwanzig Minuten kümmerten sich &#8211; wenn ich richtig gezählt habe &#8211; acht Volunteers, zwei Soldaten und ein Mann um mich, dem ich nichts Übles Nachsagen kann, aber ich denke, er war so eine Art Sicherheitsoffizier. Er sagte den Soldaten auch, sie sollen sich mal flink auf die Straße stellen und dem Gast ein Taxi besorgen. Zu meiner Erleichterung zerrten sie keinen anderen Fahrgast aus dem Auto. Auch stoppten sie den Wagen ohne Waffen. Sie diskutierten allesamt noch eine Weile mit dem Taxifahrer, der dabei munter ein Liedchen trällerte. Es dauerte dann bloß noch eine halbe Stunde, schon war ich zu Hause. Ich hatte eh nichts anderes vor gehabt in dieser Nacht. Übrigens, und dann mache ich Schluss für heute: Als der Herr Kollege, der mir die Busfahrt empfahl, in der Freiluftkneipe des Pressezentrums unsere Gute-Nacht-Tsintao&#8217;s orderte, wurden wir zwei Helden von neun &#8211; ich wiederhole: neun &#8211; Chinesen bedient. Kann man nichts machen, sie sind in der Überzahl. Sogar recht deutlich.</p>

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		<title>Die Internetfrage oder: &#8220;falsche Voraussetzungen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Aug 2008 05:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
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		<category><![CDATA[sportinformationsdienst]]></category>

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		<description><![CDATA[Oops, Dieter Hennig von der Redaktionsleitung des Sportinformationsdienstes (sid) zeigt Größe. Der sid zieht in einer &#8220;Richtigstellung&#8221; soeben seine gestrigen Meldungen zur angeblichen Aufhebung der Internetzensur in China zurück. Ich habe mich darüber gestern im ersten Teil meines Peking-Tagebuchs gewundert: Heute teilt der sid mit, bei den &#8220;Recherchen zur Einschränkung des Internets&#8221; sei man von [...]]]></description>
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<p>Oops, Dieter Hennig von der Redaktionsleitung des Sportinformationsdienstes (sid) zeigt Größe. Der sid zieht in einer &#8220;Richtigstellung&#8221; soeben seine gestrigen Meldungen zur angeblichen Aufhebung der Internetzensur in China zurück. Ich habe mich darüber gestern im <a href="http://jensweinreich.de/?p=346" target="_self">ersten Teil meines Peking-Tagebuchs</a> gewundert:</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/?p=346"><img class="aligncenter size-full wp-image-363" title="Peking, Tag 1, screenshot" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/peking-tagebuch-1-screen.jpg" alt="" width="500" height="383" /></a></p>
<p>Heute teilt der sid mit, bei den &#8220;Recherchen zur Einschränkung des Internets&#8221; sei man von &#8220;falschen Voraussetzungen&#8221; ausgegangen. Der Internetzugang des sid sei ein privilegierter Zugang, weshalb einige der normalerweise von den chinesischen Zensoren blockierten Internetseiten aufrufbar gewesen wären.</p>

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		<title>Peking, Tag 1</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 15:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[peking-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferenz]]></category>

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		<description><![CDATA[10.53: Landung in Peking mit LH722 aus München. Als ich im April hier war, hat es vom Flieger bis ins Hotelzimmer sensationelle 45 Minuten gedauert. Allerdings mit dem Butler-Service des China World Hotels, das gebe ich zu. Diesmal stehe ich nach 45 Minuten erst am Gepäckband. Putzig aber, dass Denis Oswald aus der Schweiz, Welt-Ruderpräsident [...]]]></description>
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<p><strong>10.53:</strong> Landung in Peking mit LH722 aus München. Als ich im April hier war, hat es vom Flieger bis ins Hotelzimmer sensationelle 45 Minuten gedauert. Allerdings mit dem Butler-Service des China World Hotels, das gebe ich zu. Diesmal stehe ich nach 45 Minuten erst am Gepäckband. Putzig aber, dass <a href="http://www.olympic.org/uk/organisation/ioc/members/bio_uk.asp?id=53" target="_blank">Denis Oswald</a> aus der Schweiz, Welt-Ruderpräsident und Mitglied des IOC-Exekutivkomitees, bei der Passkontrolle minutenlang aufgehalten wurde und ebenso am Gepäckband steht. Irgendwas haben die Chinesen nicht richtig geplant, denn so ein IOC-Offizieller wird normalerweise als Edel-VIP von seiner 1. Klasse irgendwie durchgelotst. Die Akkreditierungen, die auch als China-Visum gelten (so hat es das IOC mit allen Ausrichtern geregelt), müssen nur an einem von zahlreichen Ständen aktiviert werden. Keine großen Wartezeiten. Diese Regelung gibt es, wenn ich mich recht erinnere, seit 1998 in Nagano. 1996 in Atlanta musste man noch stundenlang in einem Akkreditierungszentrum verbringen.</p>
<p><strong>11.58:</strong> Der Rekord vom April ist natürlich nicht zu brechen. Aber kaum habe ich sieben Chinesen gesagt, dass ich ins Poly Plaza Hotel muss, habe ich auch schon einen Bus für mich ganz allein. Liu Lei, eine Studentin chinesischer Medizin, wird mich begleiten. Sie sagt, wir fahren in ungefähr zehn Minuten los.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-347" title="bus-peking-01082008" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/08/bus-peking-01082008.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="278" height="209" align="left" /><strong>12.08:</strong> (So viele Einträge wird es künftig natürlich nicht geben.) Wenn Liu Lei zehn Minuten sagt, meint sie auch zehn Minuten. Der Bus ist leer, nur der Fahrer, Liu Lei und ich. Sie erzählt, dass sie nun schon drei Tage hier wartet &#8211; und ich an drei Tagen erst ihr zweiter Passagier bin. Das wird sich in den nächsten Tagen kolossal ändern. Was mir auffällt: Vom Flughafen bis weit in die Stadt hinein fahren wir praktisch durch einen Wald. Die Streifen an der Autobahn sind grün. Mir ist schon im April aufgefallen, dass die Chinesen sogar 20 Meter hohe Bäume angekarrt haben. Nicht tausende, offenbar zehntausende davon. Und viele, viele Quadratkilometer Rasen haben sie ausgelegt. &#8220;Trees, yes&#8221;, sagt Liu Lei: &#8220;so many changes!&#8221;</p>
<p><strong>13.03:</strong> Sitze in meinem Zimmer, in dem ich bis 27. August hausen werde, und probiere natürlich gleich die Internetverbindung aus, noch bevor die Koffer ausgepackt werden. Lan-Verbindung ist im Preis inbegriffen. Alles sehr langsam, schätze gerade mal doppelte ISDN-Geschwindigkeit, wenn ich bedenke, dass manche Seiten 30 Sekunden brauchen. Aber, ein kleines Wunder, der Zensur-Test ergab: <a href="http://www.rsf.org/" target="_blank">Reporter ohne Grenzen</a> ist erreichbar. <a href="http://amnesty.org/" target="_blank">Amnesty International</a> ebenfalls. Erstaunlich, da war bisher Funkstille, auch im April 2007 und 2008. Derlei Neuigkeiten bleiben natürlich nicht verborgen, schon teilt mir die New York Times via RSS mit: <a href="http://www.nytimes.com/2008/08/01/sports/olympics/01censor.html?_r=1&amp;oref=slogin" target="_blank">Restrictions on Net Access in China Seem Relaxed</a>. Wir werden sehen.</p>
<p><strong>17.30:</strong> Vor dem Beijing-Hotel, wo IOC-Exekutive und die 120. IOC-Session tagen, gibt es für langjährige olympische Berichterstatter zusätzlich zur Olympia-Akkreditierung einen &#8220;IOC Media-Pass&#8221;, der zum Zugang zum Beijing-Hotel berechtigt. Dummerweise finden die täglichen Pressekonferenzen zum Exko und zur Session allesamt im Main Press Center (MPC) statt, rund eine halbe Stunde mit dem Taxi entfernt. Wer also im IOC-Tagungshotel lauert, hat keine Chance, bei der PK rechtzeitig im MPC zu sein. Zudem: Erstmals ist das IOC-Hotel (die Herrschaften nächtigen im Raffles, das mit dem Beijing-Hotel-Komplex vebunden ist) bei Olympischen Spielen für Reporter gesperrt, da helfen auch zwei Ausweise nicht, die mir um den Hals baumeln. Sogar im George-Bush-Land war das IOC-Hotel, das Little America in Salt Lake City, ein halbes Jahr nach 9/11 problemlos zugänglich. Man könnte sagen: Es wird schwerer, im IOC-Machtbereich vernünftig zu arbeiten.</p>
<p><strong>18.35:</strong> Der Wlan-Zugang im MPC und allen Sub-Pressezentren kostet rund 350 Euro. Gezahlt wird mit der Karte des IOC-Sponsors Visa. (Ich war 1992 so dumm und hatte nur eine Mastercard, die nie akzeptiert wurde. Für verschiedene Großereignisse empfiehlt es sich, mehrere Karten bereit zu halten.) Bezahlt wird beim BOCOG-Sponsor Bank of China. Alles geht sehr schnell, in der Bank of China wartet ein Dutzend Mitarbeiter auf einen Irren, der sein Geld loswerden möchte. Der Preis ist ärgerlich, doppelt so teuer wie 2006 bei den Winterspielen in Turin, allerdings nur ein Bruchteil jener vierstelligen Wahnsinnssumme, die man bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland für ein ähnliches Paket hätte berappen müssen. Dafür war wenigstens das Telekom-Netz unzensiert (wurde aber vielleicht kontrolliert?), das Internet in Peking aber bleibt unter Kontrolle. Kollegen sagen, am Morgen hätte man noch &#8220;Falun Gong&#8221; googeln können. Als ich es im MPC mit Wlan versuche, ist Google sofort gesperrt. Reporter ohne Grenzen, Amnesty (siehe oben) und <a href="http://www.hrw.org" target="_blank">Human Rights Watch</a> funktionieren allerdings auch im MPC.</p>
<p><strong>19.03:</strong> Achtung, Schleichwerbung. Was will man machen. Der Hunger treibt&#8217;s rein, das Zeug des IOC-Sponsoren McDonald&#8217;s. Etwas anderes habe ich im MPC noch nicht gesichtet &#8211; Rechercheaufgabe für morgen.</p>
<p><strong>19.45:</strong> Ich schreibe ein Stück über Internetzensur, Kevan Gosper und die desaströse Kommunikationspolitik des IOC. Und wundere mich über den Chefredakteur des Sportinformationsdienstes, Dieter Hennig. Der Herr Kollege dichtet folgende Überschrift für seinen Bericht:</p>
<blockquote><p>Olympia-Gastgeber China hebt Internet-Zensur auf</p></blockquote>
<p>Er schreibt einen Kommentar dazu, in dem es u. a. heißt:</p>
<blockquote><p>Die Urteile waren schon gefällt, ehe der Fall abgeschlossen war. Chinas anhaltende Internet-Zensur hatte die Wut der Medienwelt nicht nur über die Gastgeber der Spiele hereinbrechen lassen, sondern auch über das IOC. Gefeuert wurde aus allen Rohren nach dem Motto: auch mit Platzpatronen kann man Pulverdampf erzeugen und den Blick vernebeln.</p></blockquote>
<p>Wenn ich mich recht erinnere, dann hat der Kollege auch im April, als er die IOC-Exekutivtagung in Peking aus der Ferne kommentierte, ein Sieg des IOC auf der ganzen Linie herausgearbeitet und den Fackellauf durch Tibet und anderswo verteidigt. Das ist natürlich kein Zufall. Diese Halluzinationen kann ich mir eigentlich nur mit einem vernebelten Blick erklären. Es ist nämlich so, und das ist kein Witz: Dieter Hennig läuft kommende Woche in Peking mit der olympischen Fackel. Er gehört zu jenen Journalisten, ich glaube, es waren sechs, die vom IOC dazu auserkoren wurden.</p>
<p><strong>21.30:</strong> Gerade schickt mir ein Kollege einen interessanten Link. Ein Nachtrag zu einem <a href="http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=3654062/pv=video/gp1=3804576/nid=233454/12fw0gh/index.html" target="_blank">Beitrag von Report Mainz</a>, auf den ich die Tage schon verweisen wollte und den man hier sehen kann (ich kann das nicht wirklich, weil die Verbindung zu langsam ist), in dem es über die Informationspolitik des IOC und den Umgang mit Journalisten geht. Die Peking-Richtlinie für IOC-Mitglieder, Vorschläge für Antworten auf ganz normale Fragen, stellen die SWR-Kollegen dankenswerter Weise online bereit. <a href="http://www.swr.de/report/presse/-/id=3816966/property=download/nid=1197424/16fljuj/index.pdf" target="_blank">48 Seiten, pdf </a>- unbedingt lesenswert!</p>
<p><strong>23.29:</strong> Das sollte für heute reichen. Zum Schlafen bin ich aber zu müde. Hinter dem raumhohen Regal, in den bald Ergebnislisten einsortiert werden, sitzt noch ein berühmter Reporter einer süddeutschen Zeitung. Ich glaube, wir werden jetzt chinesisches Bier testen.</p>
<p>Nachtrag um 02.28: Das hat etwas gedauert.</p>

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