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	<title>jens weinreich &#187; olympische jugendspiele</title>
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	<description>don&#039;t mix politics with games</description>
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		<title>Was vom Tage übrig bleibt (57): Moskau 1980, Youth Olympic Day</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 10:17:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt ein Leben abseits der Tour de France. Woran ich wegen des technischen Crashs bisher nicht erinnern konnte: In dieser Woche vor dreißig Jahren wurden die Olympischen Boykottspiele von Moskau eröffnet, mit Mischka und Leonid. [Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.] Sagen wir&#8217;s vorerst mal so: [...]]]></description>
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<p>Es gibt ein Leben abseits der <a title="Greg LeMond sagt und sagt und sagt ..." href="http://www.jensweinreich.de/2010/07/19/greg-lemond-sagt-und-sagt-und-sagt/" target="_self">Tour de France</a>. Woran ich wegen des technischen Crashs bisher nicht erinnern konnte: In dieser Woche vor dreißig Jahren wurden die Olympischen Boykottspiele von Moskau eröffnet, mit Mischka und Leonid.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/07/24/was-vom-tage-ubrig-bleibt-57-moskau-1980-youth-olympic-day/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Sagen wir&#8217;s vorerst mal so: Der Stil jener Tage unterscheidet sich doch etwas von jenem Stil, mit dem das IOC auf seine ersten <a title="Youth Olympic Games 2010 Singapore" href="http://www.singapore2010.sg/public/sg2010/en.html" target="_blank">Olympischen</a> <a title="YOG auf www.olympic.org" href="http://www.olympic.org/en/content/YOG/#/side11" target="_blank">Jugendspiele</a> hinweist, die vom 14.-26. August in Singapur stattfinden.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/07/24/was-vom-tage-ubrig-bleibt-57-moskau-1980-youth-olympic-day/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Ich geh dann mal ans Brandenburger Tor, zum Youth Olympic Day.</p>
<p><em>Nachtrag, 26. Juli</em>, ein erster Eindruck, taste mich langsam an das Thema heran:</p>
<p>BERLIN. Diesen Sommer hatte sich Lena Gohlisch etwas anders vorgestellt. Etwas normaler, darf man sagen, ein bisschen weniger aufregend. „Bis zum Frühjahr“, erzählt die Basketballerin aus Berlin, „hatte ich noch nie etwas von den Olympischen Jugendspielen gehört.“ Dann las sie einen Zeitungsartikel, fand es „toll, dass es so etwas gibt“, dachte darüber nach und, schwupps, einige Wochen später war sie selbst für die Jugendspiele qualifiziert. Im August fliegt sie mit 69 anderen deutschen Nachwuchssportlern zu den ersten Youth Olympic Games nach Singapur. „Wahnsinn“, sagt sie, natürlich. Und fügt brav an, sie wolle „Kontakte knüpfen und Leute treffen“ und „den olympischen Geist miterleben“. Was man so sagt mit sechzehn Jahren.</p>
<p>Die Geschichte der Lena Gohlisch ist typisch. Kaum jemand im deutschen Team hatte Singapur in der Jahresplanung. „Vergangenes Jahr zu Weihnachten“, sagt der Judoka Marius Piepke (17) aus Barsinghausen, „habe ich mir alles mögliche ausgemalt für 2010. Singapur war nicht dabei. Ich wusste nicht, dass es Jugendspiele gibt.“</p>
<p>Prominente wie die zweifache Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen hatten sogar große Zweifel: „Als ich das erste Mal davon gehört habe, war ich total negativ eingestellt“, sagt sie. „Ich dachte: Mensch, jetzt fangen die schon so früh an, die Kinder zu verheizen.“ Die Skepsis habe sie nicht zwar aufgegeben, sagt Britta Steffen, doch das Programm mit all den Seminarangeboten habe sie halbwegs überzeugt. „Das könnte was werden. Aber nur, wenn es wirklich nicht nur um die Goldmedaille geht!“</p>
<p>Das Projekt Youth Olympic Games (YOG) wurde vor drei Jahren vom Internationalen Olympischen Komitee eingeführt. „Es ist ein Fingerzeig für die Gestaltung des olympischen Sports der Zukunft“, sagt IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Für das deutsche Team hat Bach in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Losung ausgegeben: „Die Medaillenwertung interessiert mich nicht. Die Nationenwertung ist unwichtig.“ Ob DOSB-Leistungssportdirektor Ulf Tippelt das auch so sieht, der die deutsche Delegation als Chef de Mission anführt, wird man in Singapur erleben.</p>
<p>Die 14- bis 18-jährigen Sportler wollen in Singapur gewiss nicht nur am Kulturprogramm teilnehmen, nicht nur Seminare zur Dopingprävention besuchen, nicht nur den olympischen Helden Michael Phelps und Usain Bolt lauschen, die das IOC einfliegt. Die Sportler wollen auch gewinnen. Etwa der Ruderer Felix Bach, der zur Eröffnungsfeier die deutsche Fahne trägt. „Er ist extrem ehrgeizig“, sagt die viermalige Olympiasiegerin und heutige Trainerin Katrin Boron, „aber ich wünsche ihm auch, dass er in Singapur das Drumherum genießt.“</p>
<p>Lena Gohlesch spielt Street-Basketball – drei gegen drei – gegen die USA, Angola, Weißrussland und Singapur, und sie ist gespannt darauf, wie sich das eine mit dem anderen verbinden lässt: Sport mit Kultur und Bildung und Party. Erstmals organisiert das IOC eine, nun ja,  Bildungsveranstaltung. Dazu hat man sich Rat geholt, etwa bei der Pfadfindervereinigung, wie Thomas Bach berichtet: „Die haben mehr Erfahrung in solchen Dingen, die sprechen die Sprache der Jugend.“ Sein olympischer Boss, IOC-Präsident Jacques Rogge, pflegt zu sagen, er werde den Jugendlichen keine Vorträge halten: „Sonst schlafen die ein.“</p>
<p>Derzeit gibt Rogge aber viele Interviews zu den Jugendspielen, die sein olympisches Vermächtnis sein sollen. Zunächst einmal geht es darum, die Botschaft in die Welt zu senden und Aufmerksamkeit zu generieren. Der Fackellauf mit Stationen auf fünf Kontinenten (Berlin, Dakar/Senegal, Mexiko-Stadt, Auckland/Neuseeland, Seoul/Südkorea) soll dazu beitragen. In allen Orten wird eine kleine Show produziert, die Bilder bietet man den TV-Stationen kostenlos an, so wie auch das Material von den Youth Olympic Games im August. Die Promotion-Tour quer über den Planeten begann am Freitag mit der Entzündung er olympischen Flamme in Olympia, wie bei den richtigen Olympischen Spielen auch. Am Sonnabend gab es den Youth Olympic Day vor dem Brandenburger Tor, Lena Gohlisch war dabei eine Hauptrolle zugedacht: Sie durfte mit der Fackel eine Feuerschale entzünden. Bei der Gelegenheit traf sie ihr Idol Dirk Nowitzki und holte sich ein Autogramm. Die Jugendspiele, so viel steht fest, haben sich für Lena Gohlisch schon jetzt gelohnt. Zumal: Als erwachsene Basketballerin ist die Wahrscheinlichkeit, jemals Olympia zu erleben, ziemlich gering.</p>
<p>Das IOC lässt sich die Spiele eine dreistellige Millionensumme kosten. So werden die Reisekosten für alle 3.600 Sportler, für Trainer und Offizielle komplett beglichen. Insider sprechen von Gesamtkosten bis zu 400 Millionen Dollar, inklusive Promotion und Organisation vor Ort. Da kommen die jüngsten Sponsorenverträge mit den amerikanischen Konzernen Dow Chemical und Proctor &amp; Gamble gerade recht. „Ich kenne die genauen Zahlen nicht“, sagt IOC-Vize Bach. „Doch egal, wie viel es ist, was wir für die Jugendspiele ausgeben. Es ist eine Investition in die Zukunft. Und die ist jeden Cent wert.“</p>
<p><em>Der Beitrag erschien in der Berliner Zeitung und in der Frankfurter Rundschau.</em></p>

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		<title>Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 13:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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<p>VANCOUVER. Wie versprochen, noch einige Zeilen zu den <a title="IOC-Blogger-Richtlinien für Olympiateilnehmer" href="http://jensweinreich.de/2010/02/07/die-ioc-blogger-richtlinien-fur-olympiateilnehmer/" target="_self">IOC-Blogger-Richtlinien für Olympia-Akkreditierte</a>. Je länger ich darüber nachdenke, desto skandalöser finde ich es. Glaube auch nicht, dass diese Restriktionen aufrechtzuerhalten sind im digitalen Zeitalter, wo alle Grenzen verschwimmen und jeder zum Publisher wird. Werde sicher in den kommenden Tagen einige Male drauf eingehen und zumindest einige Aspekte der hochkomplexen Thematik anreißen. In der Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich einen langen Artikel von <a title="René Martens" href="http://renemartens.posterous.com/" target="_blank">René Martens</a> in der Funkkorrespondenz vom Dezember 2009 gelesen (&#8220;Wem gehört der Sport?&#8221;). Der Artikel ist nicht frei verfügbar. Würde das liebend gern als Gastbeitrag veröffentlichen und/oder mindestens auf das Original verlinken, just in case, René Martens liest mit &#8230;</p>
<p>Nun aber mein aktuelles Geschichtlein:</p>
<p>Die Dienstmeldung von Lindsey Vonn kam überraschend. Die weltbeste alpine Skirennfahrerin teilte auf <a title="Twitter, Lindsey Vonn" href="http://twitter.com/lindseyvonn" target="_blank">Twitter</a> und <a title="FB, Lindsey Vonn" href="http://m.facebook.com/LindseyVonnUSA?rd7a3dfbf&amp;v=feed&amp;story_fbid=285754899727&amp;fp=1&amp;refid=0#comments_285754899727" target="_blank">Facebook</a> mit:</p>
<blockquote><p>Hey Everyone, because of the Olympic rules (blackout period) I will not be able to post any updates from now until march 3rd. Sorry, it bums me out too! Even though I won&#8217;t be able to write to you I can still get your messages so keep them coming! :) xoxo Lv</p></blockquote>
<p>Es wird hier jetzt eine Weile ruhig. Gemäß den olympischen Richtlinien darf ich mich bis Anfang März nicht melden. Die Nachricht verbreitete sich Ende vergangener Woche in Windeseile. 25.000 bestätigte Fans hat Vonn auf Facebook, dem mit bald 400 Millionen Nutzern größten Online-Netzwerk der Welt. 35.000 Menschen folgen ihren Kurznachrichten auf Twitter. Vonn ist bei den Winterspielen in Vancouver eine Hauptrolle zugedacht. Gerade posierte sie auf dem Olympia-Cover von Sports Illustrated. Und nun das.</p>
<p>Das IOC verbietet Lindsey Vonn zu bloggen? Im Nu war das Thema ganz groß in den herkömmlichen Medien. Kaum eine amerikanische Zeitung, kaum ein Internetportal, kaum eine TV-Station, die nicht berichtete.</p>
<p>Das Problem war nur: Lindsey Vonn hatte die „IOC Blogging Guidelines“ nicht gelesen und sich aufs Hörensagen verlassen. Vom amerikanischen Olympiakomitee USOC und vom IOC wurde sie umgehend aufgeklärt. Standesgemäß via Twitter.</p>
<p>„Lindsey Vonn dachte, sie dürfe während der Spiele nichts posten“, sagte mir IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams. „Das stimmt nicht. Wir haben sofort getwittert und ihr die Regeln geschickt. Ich räume ein, dass die Regeln vielleicht etwas schwer zu verstehen sind. Es ist nun mal eine neue Ära. Es ist schwer, die Regeln den rasanten Entwicklungen im Bereich Social Media anzupassen.“</p>
<p>Das IOC hat die 13 Regeln für Vancouver im September 2009 veröffentlicht. Die „Blogging Guidelines“ (<a title="Blogging-Guidelines Englisch" href="http://jensweinreich.de/2010/02/03/vancouver-1-die-ruhe-vor-dem-sturm-und-die-ioc-blogger-richtlinien/" target="_self">englische Version</a>, <a title="Blogging-Guidelines Deutsch" href="http://jensweinreich.de/2010/02/07/die-ioc-blogger-richtlinien-fur-olympiateilnehmer/" target="_self">deutsche Version</a>) gelten für alle Olympia-Akkreditierte – mit Ausnahme von Journalisten. Deren Arbeit ist durch Artikel 49 der Olympischen Charta geschützt, sagt das IOC.</p>
<blockquote><p><strong>49  Media Coverage of the Olympic Games</strong></p>
<p>1. The IOC takes all necessary steps in order to ensure the fullest coverage by the different media and the widest possible audience in the world for the Olympic Games.</p>
<p>2. All decisions concerning the coverage of the Olympic Games by the media rest within the competence of the IOC.</p>
<p><em>Bye-law to Rule 49</em></p>
<p>1. It is an objective of the Olympic Movement that, through its contents, the media coverage of the Olympic Games should spread and promote the principles and values of Olympism.</p>
<p>2. The IOC Executive Board establishes all technical regulations and requirements regarding media coverage of the Olympic Games in an IOC Media Guide, which forms an integral part of the Host City Contract. The contents of the IOC Media Guide, and all other instructions of the IOC Executive Board, are binding for any and all persons involved in media coverage of the Olympic Games.</p>
<p>3. Only those persons accredited as media may act as journalists, reporters or in any other media capacity. Under no circumstances, throughout the duration of the Olympic Games, may any athlete, coach, official, press attaché or any other accredited participant act as a journalist or in any other media capacity.</p></blockquote>
<p><span id="more-6605"></span>Sportler also dürfen während der Spiele nicht journalistisch arbeiten, lediglich persönliche Aufzeichnungen veröffentlichen, ob nun in einem Blog oder in diversen Netzwerken. Sie dürfen nur Tagebuch führen und sollen sich auf ihre Erlebnisse beschränken, nicht aber über Konkurrenten schreiben, schon gar keine olympischen Betriebsgeheimnisse verraten. So steht es in den Richtlinien. Die Regeln wurden im Vergleich zu den Sommerspielen 2008 in Peking verschärft: Sportler dürfen auf ihren Webseiten und Blogs keine Olympischen Ringe und auch nicht das Logo der Vancouver-Spiele benutzen. Zu einigen anderen Änderungen hat sich <a title="Athletenbloggen in Vancouver ..." href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/05/15/screensport-am-freitag-athletenbloggen-in-vancouver-2010/" target="_blank">Dogfood schon vor Monaten geäußert</a>.</p>
<p>Angeblich stehen bei den Spielen und für das IOC doch immer die Sportler im Mittelpunkt. Die aber haben kein privates Recht an olympischen Symbolen. Die Exklusivrechte der Sponsoren und TV-Stationen müssen gewahrt werden. Nur so können jene Milliarden generiert werden, „die letztlich allen Sportlern und Verbänden zugute kommen“, argumentiert Mark Adams. „Natürlich dürfen Sportler bloggen. Wir ermuntern sie sogar dazu. Sie sollen twittern und Facebook nutzen.“ Irritationen, wie sie nicht nur Lindsey Vonn offenbarte, will das IOC am Dienstag beim Treffen mit allen Delegationsleitern (Chef de Mission) ausräumen. Der DOSB, traditionell fest mit dem IOC verschweißt, meldet bislang keine Problemfälle, wohl aber viele Fragen und Unklarheiten.</p>
<p>Die Komplexität der neuen Medienwirklichkeit, die Revolution auf dem Kommunikationssektor lässt sich nicht in dreizehn Regeln fassen. Mark Adams spricht von Grauzonen, in die man sich vortaste. Das Bemühen ist dem IOC nicht abzusprechen. Man hat schnell gelernt, ist in den großen Netzwerken aktiv, seit einem Monat auch auf Facebook, wo das IOC am Sonntag 770.000 Fans hatte, und 20 Stunden später, in dieser Sekunde, schon 826.000.</p>
<p>Bis Freitag, zur Eröffnung der Winterspiele, rechnet Adams mit einer Million.</p>
<blockquote><p>„Und das in vier Wochen! Phänomenal! Und auf Facebook wird viel aktiver kommuniziert als auf unserer Webseite.“</p></blockquote>
<p>Sich dieser Dynamik anzupassen, „fällt jedem Apparat schwer, auch dem IOC“, sagt Adams. „Da draußen sind viele Menschen, die über uns reden. Ich sage, wir sollten zumindest versuchen, mit unseren Fans und auch mit unseren Kritikern zu diskutieren. Sich nicht zu beteiligen, ist keine Option. Denn die Diskussion findet sonst ohne uns statt.”</p>
<p>(Das nehme ich ihm natürlich nicht ab, und das weiß er auch. Ich erinnere nur kurz an die unsäglichen Aktionen beim Olympischen Kongress in Kopenhagen oder daran, dass er nicht erlaubt, die Sekretärin der Ethik-Kommission zu interviewen. Viele andere Beispiele ließen sich nennen. Aber das ist nur ein Einschub, der an dieser Stelle nicht entscheidend ist, den ich mir bloß nicht verkneifen konnte. Wie so ein Tanker wie das IOC auf die Herausforderungen reagiert, zählt für mich zu den interessantesten Sportthemen des Jahres. Ich sage nur: Youth Olympic Games in Singapur.)</p>
<p>Das IOC hat inzwischen mit Alex Huot einen „Social Media Manager“ benannt. Eigentlich bräuchte es einige Dutzend Angestellte in diesem Bereich. Doch Unter Präsident Jacques Rogge ist Sparsamkeit befohlen. Wenngleich das Thema Neue Medien ganz oben auf der Agenda steht.</p>
<p>Aus Sicht des IOC waren die Sommerspiele <strong>2004 in Athen die ersten richtigen Internetspiele</strong>, weil Dank Breitbandverbindungen erstmals großflächig Online-Übertragungen möglich waren. Die Sommerspiele <strong>2008 in Peking werden als erste digitale Spiele</strong> geführt und haben den Mythos ausgelöscht, dass die Online-Medien angeblich den TV-Anstalten das Geschäft vermiesen. Nein, die Geschäftsfelder profitieren voneinander, schreiben IOC-Medienmanager in ihrer Peking-Auswertung. Über die vielen neuen Kanäle erreicht der Olympiakonzern endlich wieder eine jüngere Zielgruppe, wie interne Analysen und eine Studie der Firma „Sponsorship Intelligence“ beweisen.</p>
<p>„<strong>In Vancouver erleben wir nun die ersten Social-Media-Spiele</strong>“, sagt Direktor Adams. <strong>2012 will das IOC in London in diesem Bereich richtig Geld verdienen</strong>, um drohende Mindereinnahmen aus dem herkömmlichen TV-Geschäft auszugleichen.</p>
<p>Ein Auszug aus den IOC-Unterlagen:</p>
<blockquote><p>London 2012 is certainly expected to set an example in terms of proven &amp; profitable commercial model being reached on digital media broadcast of the Olympic Games spectacle. With ongoing efforts of our partners and ourselves, we expect to embrace more digital media and user participation centric exploitations. These initiatives, to include exploitation of our valuable Olympic Games Archives and social networking platforms, should help develop a presence outside Games-time as well paving the way for reaching out to new audience.</p></blockquote>
<p>Und noch eine Passage, auch wenn ich Gefahr laufe, abzuschweifen:</p>
<blockquote><p>The Digital Revolution encompasses various tools &amp; devices, evolving technology and consumption patterns. Through its various mediums and range of mechanisms of delivery of content whether in data or video format, it enables full exploitation of an Olympic Games broadcast. This means that each moment of an Olympic Games, be it part of ceremonies or sporting action, is guaranteed to be available to the public. It surpasses barriers of famous vs small sports, qualification or final round of events.</p>
<p>Each produced moment is thus guaranteed to be ready for consumption and hence rising opportunities of monetization of this vast and spectacular content that we have to offer in form of the Olympic Games. Digital Media, in particularly the Internet, thus enables all of the content produced (5000 hours for Summer and 1000 hours for Winter Games produced by OBS alone) be broadcast live over multi-streams simultaneously or in VOD, while TV could only show 10% of the whole Games on average.</p>
<p>New content delivery methods across different platforms and mediums, (e.g. Internet including broadband or IPTV, mobile etc.) and growing consumption trends also enhance the number of potential clients interested in Olympic Games broadcast rights, including the telecom firms and Internet Service Providers (ISPs). This increase in interest, of exploiting these rights, is expected to enhance value of these rights and in return the revenue streams of the Olympic Movement.</p>
<p>More than one method of delivery and consumption through Digital Media platforms mean that now we can talk about real interactive user experience of the Olympic Games. It empowers users to view the content on their own terms based on platform, device, time, location and with whole of produced content on offer, they can watch the sport of their choice. Latest technology developments, including ongoing analogue switch-off and others as observed in Beijing, to a certain extent, also enable merger of data and video, resulting in more user centric activation and features like user generated content (UGC), text commentary, trivias, bios, forums, surveys, etc.</p>
<p>All these features extend for taking this enhanced user-experience to outside the Games-time through dissemination of over 35’000 hours of archival video content as well as over 600’000 images as well as activation through communities based on pillars of Olympic Games in form of the athletes, volunteers, collectors and spectators.</p>
<p>Although we strongly believe that the benefits outnumber the threats, the Digital Revolution comes with a few challenges.</p></blockquote>
<p>Präsident Rogge sagte unlängst: Die digitalen Medien seien „die beste Erfindung seit der Erfindung des Fernsehens“.</p>
<p>Zumindest in diesem Punkt wird Lindsey Vonn nicht widersprechen. Auch wenn sie sich auf Twitter korrigieren musste:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-6609" title="Twitter, Lindsey Vonn" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/vonn2.jpg" alt="" width="511" height="162" /></p>

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		<title>Olympische Jugendspiele</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 11:38:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category>
		<category><![CDATA[innsbruck 2012]]></category>
		<category><![CDATA[singapur 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Entscheidung fiel auch noch in Lausanne: Innsbruck richtet 2012 die ersten Winter Youth Olympic Games aus. Die ersten Sommer-Jugendspiele finden 2010 in Singapur statt. Innsbruck setzte sich in einer Briefabstimmung des IOC mit 84:15 gegen Kuopio (Finnland) durch. Harbin (China) und Lillehammer (Norwegen) waren zuvor aussortiert worden. Jacques Rogge hat sein Projekt durchgebracht. Später [...]]]></description>
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<p>Eine Entscheidung fiel auch noch in Lausanne: Innsbruck richtet 2012 die ersten <a href="http://www.olympic.org/uk/news/olympic_news/full_story_uk.asp?id=2872" target="_blank">Winter Youth Olympic Games</a> aus. Die ersten Sommer-Jugendspiele finden 2010 in <a href="http://www.singapore2010.sg" target="_blank">Singapur</a> statt. Innsbruck setzte sich in einer Briefabstimmung des IOC mit 84:15 gegen Kuopio (Finnland) durch. Harbin (China) und Lillehammer (Norwegen) waren zuvor aussortiert worden. Jacques Rogge hat <a href="http://jensweinreich.de/?p=74" target="_self">sein Projekt</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=1468" target="_self">durchgebracht</a>. <span style="text-decoration: line-through;">Später mehr dazu.</span> Hier Innsbrucks <a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/innsbruck-2012-wyog-press-release-121208.pdf" target="_blank">Pressemitteilung</a> (pdf).</p>
<p>Bei den Olympischen Jugendspielen soll vieles anders sein. Zum Beispiel: die Kleidung. Casual Dresscode ist angesagt. So waren jene sechs IOC-Mitglieder, die es am Freitag in den kleinen, nagelneuen Fernsehraum der Lausanner Konzernzentrale drängte, doch überrascht, ihren Präsidenten Jacques Rogge und den IOC-Direktor Gilbert Felli mit offenem Hemd zu sehen. Ohne Krawatte zu Gast bei der Jugend. Frankie Fredericks aus Namibia und Ng Ser Miang aus Singapur handelten umgehend: Sie ließen ihre Binder in den Jackettaschen verschwinden. Lambis Nikolaou, Richard Carrion, Mario Pescante und Sam Ramsamy nestelten nur etwas verwirrt an ihren Hemdkragen herum, nahmen aber keine grundsätzlichen Änderungen am Outfit vor. </p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2311" title="rogge-yog-2011" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/rogge-yog-2011.jpg" alt="" width="500" height="278" /></p>
<p>Die Jugendspiele sind ein Projekt des IOC-Präsidenten. Im Frühjahr 2007 drückte Rogge es resolut gegen anfängliche Widerstände durch. Auf der IOC-Session im Juli 2007 in Guatemala, als der Plan verabschiedet wurde, diskutierten 47 Mitglieder fast zwei Stunden darüber. 46 Olympier dankten ihrem Chef überschwänglich und benutzten Vokabeln wie „brillant&#8221;, „historisch&#8221;, „einmalig&#8221;. Mit den Jugendspielen schien das globale Mittel gegen Bewegungsarmut und Fettleibigkeit, die Dominanz elektronischer Medien im Freizeitverhalten und das akut sinkende Interesse der Jugend an den Olympischen Spielen gefunden. Wie so oft störte nur der Kanadier Richard Pound die Huldigungen: „Ich frage mich, ob eine Struktur aus dem 19. Jahrhundert der richtige Ansatz ist, die Probleme zu lösen&#8221;, sagte Pound. Mit den Jugendspielen werde man nur maximal zwei Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen. „Wir reden also über eine Minderheit, die ohnehin Sport treibt.&#8221; <br />
  <br />
Jacques Rogge hat Fakten geschaffen. Mal sehen, was geht. Die Jugendspiele sollen sein olympisches Vermächtnis darstellen. Chef der verantwortlichen IOC-Kommission ist der Ukrainer Sergej Bubka, für den etwas Ruhm übrig bleiben dürfte, sollten die Jugendspiele doch ein Erfolg werden. Im Jahr 2013 wird ein Rogge-Nachfolger gesucht. Bubka kann damit punkten.</p>
<p><em>Kleiner Einschub:</em></p>
<blockquote><p>Zehn Jahre nach <a href="http://jensweinreich.de/?p=2276" target="_self">Ausbruch des IOC-Bestechungsskandals</a> ist Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch (88), der diese Kultur geprägt und etabliert hat, der vor zwei Jahren für Sotschi 2014 entscheidende Stimmen besorgte, erneut dabei, eine Olympiawahl zu entscheiden. Es war ja kein Zufall, dass er am Dienstag <a href="http://jensweinreich.de/?p=2264" target="_self">Jean-Marie Weber</a> im IOC-Hauptquartier herzlichst begrüßte. Wer aus dem IOC bereit ist, vertraulich darüber zu reden, sagt, dass Samaranch weiterhin 30 bis 40 IOC-Stimmen kontrolliert. Er hat dem spanischen König Juan Carlos im Juli 2005 in Singapur unter Zeugen versprochen, dass er die Spiele 2016 nach Madrid holen werde. Er will seinen König nicht enttäuschen. <br />
  <br />
Beispiele gefällig? Am letzten Novemberwochenende wurde in drei von 28 olympischen Sport-Weltverbänden gewählt. In allen drei Verbänden gewannen Spanier. Marisol Casado führt die Triathlon-Union (ITU), José Perurena Lopez den Kanu-Weltverband (ICF) und Leandro Negre den Hockey-Weltverband (FIH). Sie stimmen zwar am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen nicht mit ab, doch beweist ihre Machtübernahme, wie sehr Samaranchs Garde den Weltsport noch prägt. Die Pläne gehen weit über das Jahr 2009 hinaus.</p>
<p>In Kurzfassung geht die Geschichte, über die noch viel zu reden sein wird, so: Samaranch hat geholfen, die Winterspiele 2014 nach Sotschi zu holen. Die Russen-Fraktion, geführt von Wladimir Putin, Ehrenpräsident des europäischen Judo-Verbandes, mit all ihren Vasallen in Osteuropa, arbeitet geschlossen für Madrid. Samaranchs Prätorianer bedankt sich dafür im Jahr 2013, wenn Jacques Rogge seine zweite Amtszeit hinter sich hat und ein neuer IOC-Präsident gewählt wird. Achter IOC-Präsident soll der Ukrainer Sergej Bubka werden. Das ist der Plan, der resolut abgearbeitet wird.</p></blockquote>
<p><em>Zurück zu den Jugendspielen:</em><br />
  <br />
<span id="more-2310"></span>Die ersten Sommerspiele für 15- bis 18-Jährige finden 2010 in Singapur statt. Die ersten Winterspiele hat das IOC per Briefwahl für 2012 an Innsbruck vergeben, das mit 84:15 Stimmen gegen den Finalisten Kuopio (Finnland) siegte. Lillehammer (Norwegen) und Harbin (China) wurden vorher aussortiert. Wenigstens in der Evaluierung der Bewerberstädte brachte das IOC Bahnbrechendes zustande: Eine ähnlich klare Rangordnung würde etwa beim laufenden globalen Wettbewerb um die Olympischen Sommerspiele 2016 vieles erleichtern. Die verbale Einschätzung im Prüfbericht für die Jugendspiele war deutlich und stufte die Städte so ab: „geringstes Risiko&#8221; (Innsbruck), „einige Risiken&#8221; (Kuopio), „finanzielles Risiko&#8221; (Lillehammer), „etliche Risiken&#8221; (Harbin). <br />
  <br />
Während der kurzen TV-Zeremonie am Freitag wurde Rogge per Video von der Schwedin Pernilla Wiberg gelobt. „Eine sehr gute Idee unseres Präsidenten&#8221;, flötete sie. Rogge verkündete den Sieger und bedankte sich anschließend bei den zwanzig juvenilen Statisten, die im Studio klatschen und somit für Hintergrundgeräusche sorgen durften. „Fröhliche Feiertage Euch allen!&#8221; <br />
  <br />
Rogge argumentiert nimmermüde, die Jugendspiele, die nun doch alle olympische Insignien nutzen &#8211; Hymnen, Flaggen, Fackel &#8211; würden helfen, „bessere Menschen und Botschafter der olympischen Werte&#8221; herauszubilden. Das ist die IOC-Doktrin. Auf die Frage, ob diese Spiele nicht das Dopingproblem verschärfen und in untere Altersklassen verlagern, gibt es keine überzeugenden Antworten. Während der Spiele soll in Seminaren auch Dopingaufklärung betrieben werden, verspricht Rogge. Das IOC-Exekutivkomitee hat nun das Programm der Sommerspiele in Singapur abgesegnet: 3600 junge Athleten in 26 Sportarten und 201 Disziplinen. Basketball soll drei gegen drei gespielt werden; in Schwimmen, Leichtathletik, Triathlon gibt es gemischte Staffeln; in Handball, Fußball, Volleyball und Hockey darf nur ein Team pro Kontinent spielen &#8211; all das aber sind keine Innovationen. Zudem: Die Sport-Weltverbände sind aufgefordert, die Teilnahme der besten Juniorsportler sicherzustellen. Für alle Altersklassen von 15 bis 18 sollen Weltranglisten geführt werden. Das klingt eher besorgniserregend. <br />
  <br />
Es reicht eben nicht, mal eben die Krawatten abzulegen und jugendlichen Elan vorzutäuschen. Ungleich anspruchsvoller ist es doch, ein überzeugendes Konzept für ein Weltsportfest von Minderjährigen vorzulegen.</p>

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		<title>Die Botschaft der Blockabstimmung</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2007/07/09/die-botschaft-der-blockabstimmung/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2007 21:55:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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<p>Es war die siebte IOC-Vollversammlung, die Jacques Rogge als Präsident leitete, und es war für ihn persönlich die erfolgreichste. Er hat in der vergangenen Woche in Guatemala seine Idee der Olympischen Jugendspiele durchgepeitscht, er hat 27 IOC-Mitglieder problemlos im Amt bestätigt, vier neue Mitglieder ins Gremium lanciert, seinem Exekutivkomitee nie da gewesene Vollmachten für das Olympische Programm zugeschustert, und am letzten Tag durfte er sich auch noch über die Wahl seines Vertrauten Gerhard Heiberg (Norwegen) ins IOC-Exekutivkomitee freuen. Immerhin besiegte Heiberg mit 49:22 Stimmen sehr deutlich Juan Antonio Samaranch Junior, dessen Vater wenige Tage zuvor die Wahl von Sotschi gedeichselt hatte. Insofern könnte man den Belgier Rogge zum Sieger von Guatemala erklären.<span id="more-75"></span></p>
<p>Doch so einfach ist das gar nicht, denn gleichzeitig hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) weiter an Glaubwürdigkeit verloren. Doch der Reihe nach. Natürlich war die Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotschi das dominierende Ereignis der 119. IOC-Session. Das IOC hat sich kaufen lassen von einer Allianz aus Wirtschaftsgiganten und hochrangigen Politikern. Rogge will das natürlich nicht zugeben, weshalb er, statt wie gewohnt klar und deutlich zu argumentieren, einen verbalen Eiertanz aufführte. So sprach er in seinem Resümee der Tagungswoche von Guatemala beispielsweise darüber, dass das IOC überprüfen wolle, ob die Anwesenheit von Staats- und Regierungschefs bei der Olympiavergabe in Zukunft erwünscht sei &#8211; zuletzt hatten Tony Blair (London 2012) und Wladimir Putin (Sotschi 2014) Olympiasiege errungen. &#8220;Das kann Vor- und Nachteile haben&#8221;, sagte Rogge.</p>
<p>In wenigen Tagen wird er sich in Moskau mit Putin treffen. Ebenso macht sich Gerhard Heiberg auf den Weg in Putins Metropole. Marketingchef Heiberg kündigte auf der Session frank und frei an: &#8220;Ich fliege nach Moskau und sehe zu, was ich rausschlagen kann. Ob es nun ein Vertrag mit Gazprom wird oder mit anderen Firmen. So oder so: Die Angebote sind interessant.&#8221;</p>
<p>Diese Angebote hätte es bei einer Abstimmungsniederlage Sotschis in dieser Höhe wohl kaum gegeben. So aber wird Heiberg problemlos einen Etappensieg vollenden und dem IOC erstmals einen Sponsor aus dem ehemaligen Sowjetreich zuführen. Im olympischen Sponsorenprogramm Top VI (für die Jahre 2005 bis 2008) wird das IOC erstmals mehr als eine Milliarde Dollar generieren. Begonnen hatte das IOC vor zwanzig Jahren im ersten Top-Programm (1985 &#8211; 1988) mit 96 Millionen Dollar. Heiberg spricht ebenfalls ganz offen darüber, dass er als nächstes einen Partner aus den Golfstaaten erwartet. Kein Wunder, die Scheichs wollen Olympische Spiele, für 2016 hat sich bereits Katars Hauptstadt Doha beworben, wie Rogge erklärte. Bislang stehen Chicago, Rio de Janeiro, Baku, Doha, Tokio und Madrid auf der Warteliste &#8211; Meldeschluss ist im September.</p>
<p>Akuter finanzieller Nachholbedarf besteht derzeit nur beim Abschluss der amerikanischen Fernsehrechte für 2014 und 2016. Gern will das IOC schnell einen Deal mit dem Network NBC einfädeln. Allerdings hatten die US-Amerikaner zuvor deutlich gemacht, für Spiele in Sotschi weniger zu zahlen als für Spiele in Salzburg. Die Crux besteht darin, dass das IOC, obgleich es bereits mehr als 700 Millionen Dollar auf der hohen Kante hat, auf ständiges Wachstum angewiesen ist. Etliche Millionen werden ja auch für Rogges neue Jugendspiele gebraucht.</p>
<p>Die Finanzfragen haben zudem eine personelle Dimension. Denn Rogge und seinen Unterhändlern war oft vorgeworfen worden, sie verfügten nicht über das Format des Vorgänger-Duos Richard Pound und Michael Payne. Pound, ein unvergleichlicher Geldeintreiber im IOC, war von Rogge abserviert worden, genau wie Payne, der Schwiegersohn Samaranchs, der jahrelang fest angestellter IOC-Marketingchef war und jetzt für Bernie Ecclestone in der Formel 1 Milliardensummen generiert.</p>
<p>Besonders für den IOC-Finanzchef Richard Carrion, einen 54-jährigen Banker aus Puerto Rico, Absolvent des berühmten Massachusetts Institut of Technology, ist ein einträglicher Abschluss mit NBC unverzichtbar. Carrion wird nicht nur als potenzieller Rogge-Nachfolger gehandelt, er gilt auch als der Favorit des Präsidenten.</p>
<p>Jacques Rogge selbst hat in den letzten Jahren dazugelernt. Er hatte es zunächst mit Demokratie und völlig freier Diskussion versucht in den Vollversammlungen &#8211; und war damit mehrmals eklatant gescheitert: 2002 vertagte die Session in Mexiko seinen Plan, das Olympische Programm umzugestalten. 2005 gab es in Singapur das programmatische Fiasko, als die Session nur Baseball und Softball, die jüngsten olympischen Familienmitglieder, ausscheiden ließ, aber Karate, Squash, Inlineskating, Golf und Rugby (Rogge war belgischer Rugby-Nationalspieler) nicht akzeptierte. Geradezu lächerlich waren die Abstimmungen über Squash und Karate, denen zunächst der Status als Olympiasportart gewährt wurde, kurz darauf aber die Zweidrittel-Mehrheit verwehrt wurde, die zur Aufnahme in das Programm der Spiele 2012 berechtigt hätte.</p>
<p>&#8220;Dieses Procedere war unlogisch&#8221;, sagte Rogge nun in Guatemala. &#8220;Das hat keiner in der Öffentlichkeit verstanden, nicht einmal wir selbst.&#8221; Deshalb hat er das Procedere geändert &#8211; dies ist ein Quantensprung in der Geschichte der Olympischen Spiele und des IOC. Erstmals liegt die Verantwortung für die Komposition des Programms fast völlig beim Exekutivkomitee. Bisher hatte allein die Vollversammlung über Sportarten entschieden, die Exekutive konnte in Zusammenarbeit mit den Fachverbänden Disziplinen hinzufügen, streichen oder ändern. Diese Dualität war ein Jahrhundert lang eine der heißdiskutierten olympischen Machtfragen.</p>
<p>Künftig ist es so: Das Exekutivkomitee stellt, erstmals für die Sommerspiele 2020, eine Liste von 25 Kernsportarten zusammen und darf maximal drei weitere Sportarten hinzufügen. Die Session kann darüber nur im Block entscheiden; nötig ist eine einfache Mehrheit.</p>
<p>Es fällt auf, dass Rogge inzwischen Blockabstimmungen den Einzelabstimmungen vorzieht. So hat er am Donnerstag bereits die Wiederwahl von 27 IOC-Mitgliedern durchgezogen, was kein überzeugendes demokratisches Zeichen war. So soll es künftig auch in der Programmfrage abgehen. Zurück zu den Wurzeln, kann man wohl sagen: Rogge lässt abstimmen wie einst Juan Antonio Samaranch. Die ganz private Botschaft, die Rogge in Guatemala seinen Pappenheimern gab, könnte man so umschreiben: &#8220;Ich habe es mit Demokratie versucht, aber ihr habt mir die Gefolgschaft immer mal verweigert. Jetzt trickse ich euch aus und gebe euch die Peitsche.&#8221; Und schon parierte der olympische Haufen. IOC-Mitglieder wollen es offenbar nicht anders.</p>
<p>Rogge ist besser vorbereitet als sonst in die Session gegangen. Er hat die Macht des Exekutivkomitees in jeder Beziehung ausgebaut. Samaranch Senior wird es erstaunt zur Kenntnis genommen haben. Allerdings hat Ehrenpräsident Samaranch (86) in Guatemala den größten Sieg errungen: Binnen weniger Stunden drehte er in Vieraugengesprächen den Trend gegen Sotschi und besorgte sechs IOC-Stimmen, die verhinderten, dass die Russen bereits in Runde eins scheiterten.</p>
<p>Die spannende Frage für das IOC lautet nun, ob es dem intern gestärkten Rogge, der sich extern in größere Abhängigkeit zu Politik und Wirtschaft begeben hat, gelingt, wieder inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Den Kampf gegen Doping, gegen Gigantismus, gegen Korruption, gegen Gewalt und für die Glaubwürdigkeit des Sports hatte er sich bei seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben. Zuletzt überzeugte er argumentativ nur selten und paktierte zu oft mit zweifelhaften Mächten. Es wäre nicht die schlechteste Option für die Zukunft des olympischen Sports, wenn sich das wieder ändern würde.</p>
<p><small>(c) Berliner Zeitung</small></p>

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