<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
		xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
>
<channel>
	<title>sport and politics &#187; mario monti</title>
	<atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/mario-monti/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jensweinreich.de</link>
	<description>jens weinreich</description>
	<lastBuildDate>Sun, 19 May 2013 18:06:37 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
	<copyright>© jens weinreich 2013 - (cc-by-nc-sa) http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/</copyright>
	<managingEditor>jensweinreich@gmx.de (Jens Weinreich)</managingEditor>
	<webMaster>jensweinreich@gmx.de (Jens Weinreich)</webMaster>
	<ttl>1440</ttl>
	<image>
		<url>http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2012/08/Jens-Weinreich-Play-the-Game-2011.jpg</url>
		<title>sport and politics</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de</link>
		<width>144</width>
		<height>144</height>
	</image>
	<itunes:subtitle>&#34;Sitzen Sie bequem, ...?&#34; Das sportpolitische Hintergrundgespräch.</itunes:subtitle>
	<itunes:summary>Jens Weinreich - Sport and Politics. Das sportpolitische Hintergrundgespräch &#34;Sitzen Sie bequem, ...?&#34; auf dem preisgekrönten Blog des investigativen Journalisten Jens Weinreich (www.jensweinreich.de). Themen: deutsche und internationale Sportpolitik, Korruption im Sport, Olympische Spiele, IOC, FIFA und andere Sport-Weltverbände, Transparenzfragen der Sportförderung in Deutschland. Doping. Weinreich befragt in seinem Podcast wöchentlich Protagonisten des Sportbusiness: Verbandspräsidenten, Vermarkter, Wissenschaftler, Sportpolitiker, investigative Journalisten, Dopingfahnder, Athleten etc pp</itunes:summary>
	<itunes:keywords>sportpolitik, korruption, im, sport, doping, journalismus, sportvermarktung, fifa, ioc</itunes:keywords>
	<itunes:category text="News &#38; Politics" />
	<itunes:category text="Society &#38; Culture" />
	<itunes:category text="Sports &#38; Recreation">
		<itunes:category text="Professional" />
	</itunes:category>
	<itunes:author>Jens Weinreich</itunes:author>
	<itunes:owner>
		<itunes:name>Jens Weinreich</itunes:name>
		<itunes:email>jensweinreich@gmx.de</itunes:email>
	</itunes:owner>
	<itunes:block>no</itunes:block>
	<itunes:explicit>no</itunes:explicit>
	<itunes:image href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2012/08/Jens-Weinreich-Play-the-Game-2011.jpg" />
		<item>
		<title>Rom 2020: Vernunft und Verantwortung</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2012/02/20/rom-2020-vernunft-und-verantwortung/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=rom-2020-vernunft-und-verantwortung</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2012/02/20/rom-2020-vernunft-und-verantwortung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 14:12:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[baku 2020]]></category>
		<category><![CDATA[dichtung und wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[doha 2020]]></category>
		<category><![CDATA[finanzierung von mega-events]]></category>
		<category><![CDATA[gigantismus]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[istanbul 2020]]></category>
		<category><![CDATA[madrid 2020]]></category>
		<category><![CDATA[mario monti]]></category>
		<category><![CDATA[nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[rom 2020]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele 2020]]></category>
		<category><![CDATA[sondergesetze für den sport]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[steuermittel]]></category>
		<category><![CDATA[tokio 2020]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[gerhard heiberg]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[mario pescante]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[thomas bach]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=11651</guid>
		<description><![CDATA[Zeit für frischen Wind an dieser Stelle. Tasten wir uns also langsam wieder heran, zunächst mit Zweitverwertungen zur Olympiabewerbung 2020. DLF vom 19. Februar 2012: Die italienische Hauptstadt Rom hatte sich vor zwei Jahren als erster Interessent für die Olympischen Sommerspiele 2020 gemeldet. Am vergangenen Mittwoch mussten nun beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zeit für frischen Wind an dieser Stelle. Tasten wir uns also langsam wieder heran, zunächst mit Zweitverwertungen zur Olympiabewerbung 2020.</p>
<p><em><a title="Olympia 2020" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1681565/">DLF</a> vom 19. Februar 2012:</em></p>
<p>Die italienische Hauptstadt Rom hatte sich vor zwei Jahren als erster Interessent für die Olympischen Sommerspiele 2020 gemeldet. Am vergangenen Mittwoch mussten nun beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne die ersten umfangreichen Bewerbungsunterlagen eingereicht werden. Wenige Stunden vor dieser Deadline entschied das Kabinett des Ministerpräsidenten Mario Monti, keine Bürgschaften für diese Bewerbung zu erteilen. Monti will die Staatskasse sanieren, sein Land retten und keine neuen Risiken eingehen. Damit ist Rom aus dem Rennen – Madrid, Istanbul, Baku, Doha und Tokio bleiben dabei.</p>
<p>Sportpolitisch ist der <a title="Governo Italiano" href="http://www.governo.it/Notizie/Palazzo%20Chigi/dettaglio.asp?d=66637" target="_blank">Beschluss des Kabinetts Mario Monti</a> geradezu einmalig. In den vergangenen vier Jahrzehnten, seit <a title="Was vom Tage übrig bleibt (27)" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/26/was-vom-tage-ubrig-bleibt-27/">Denver einst aus finanziellen Gründen und nach einer Volksabstimmung die Winterspiele 1976 zurückgeben musste</a>, hat sich noch jede Regierung dem olympischen Gigantismus verschrieben.</p>
<p>Regierungschef Monti hatte sich kurz zuvor mit US-Präsident Barack Obama beraten. Dieser wird ihm bestätigt haben, wie waghalsig und unberechenbar so ein Olympia-Abenteuer ist. Erinnern wir uns: <a title="Olympia 2016, die Präsentationen: “Obama arrived”, “the world would be a better place”" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/02/olympia-2016-die-entscheidung-obama-arrived/">Obama</a> ist im Herbst 2009 auf der <a title="Olympia 2016: Rio gewinnt, Ohrfeige für Obama" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/02/olympia-2016-die-abstimmung-des-ioc/">IOC-Session in Kopenhagen</a> für seine Heimatstadt Chicago in die Bütt gegangen – und wurde mächtig abserviert. Chicago schied mit nur 18 Stimmchen im ersten Durchgang aus. Dabei muss man kein Fan der Amerikaner sein, muss Chicago nicht mögen, um festzustellen, dass Olympische Spiele – wenn überhaupt irgendwo auf diesem Planeten – dann doch in den USA im Grunde privat finanziert werden. Der Anteil an privaten Mitteln für Spiele in Amerika ist jedenfalls exorbitant höher als in anderen Regionen. Amerikanische Politiker feilschen auch stets etwas länger, bevor sie die vom IOC vorgelegten <a title="Bürgerbegehren gegen Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/02/22/burgerbegehren-gegen-olympia-2018-in-garmisch-partenkirchen/">Knebelverträge</a> unterschreiben.</p>
<div id="attachment_11654" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.2020roma.it/"><img class="size-full wp-image-11654" title="screenshot Roma 2020" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2012/02/rom2020.gif" alt="" width="500" height="313" /></a><p class="wp-caption-text">screenshot Roma 2020</p></div>
<p>Von neuneinhalb Milliarden Euro Kosten war in Rom die Rede. Dass diese Summen nichts mit der Realität gemein haben, gehört zu den olympischen Grundgesetzen – nicht nur in Italien. Am Ende dieses Abenteuers – gerade auch in Italien – wäre ein Vielfaches dieser neuneinhalb Milliarden verprasst worden. Und mit den Unterschriften auf den vom IOC geforderten Papieren hätte der italienische Staat komplett für die Finanzierung eingestanden.<span id="more-11651"></span></p>
<p>Das IOC steuert aus seinen Reichtümern – jährlich nimmt es derzeit rund 1,3 Milliarden ein – nur einen kleinen Teil zur <a title="Finanzierung Olympischer Spiele: “Wir sind ein privilegiertes Völkchen!”" href="http://www.jensweinreich.de/2009/05/07/finanzierung-olympischer-spiele-wir-sind-ein-privilegiertes-volkchen/">Olympiafinanzierung</a> bei. Im besten Fall rund die Hälfte des reinen Organisations-Etats für die Sportwettkämpfe, OCOG-Etat genannt. Dieser OCOG-Etat bewegt sich bei allem Spielen in Größenordnungen von etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Entscheidend sind aber zwei weitere Etats, ein offizieller, den das IOC ebenfalls abfordert: der so genannte Non-OCOG-Etat, in dem die Kosten für die Sportstätten verschlüsselt werden – er beträgt oft rund zehn Milliarden Euro. Und schließlich jene Etats, die gastgebende Städte und Nationen wirklich als Infrastrukturprogramme entwickeln. Das können, meist inoffiziell, schon mal 30 oder 50 Milliarden sein.</p>
<p>All das wird der Öffentlichkeit gern verschleiert und verheimlicht. Die offizielle Sprachregelung lautet stets: Olympia ist gut für uns! Olympia bringt Geld! Olympia löst unsere Probleme!</p>
<p>An derlei Wahrheitsbeugungen beteiligen sich stets auch so genannte Wissenschaftler und Wirtschaftsberatungsgesellschaften, die mit bezahlten Gutachten die Öffentlichkeit täuschen, selbst gut daran verdienen und den Olympia-Kreislauf in Gang halten.</p>
<p>Mahnende Stimmen gibt es kaum. Es ist nun gewissermaßen ein historisches Verdienst des Wirtschaftswissenschaftlers Mario Monti, die Spirale des Wahnsinns punktuell zu stoppen.</p>
<p>Wenigstens einer hat es gewagt – und erstaunlicher Weise ist das Verständnis in der italienischen Bevölkerung groß. Das Greinen des sportpolitischen Komplexes darf man getrost vernachlässigen, zumal sich darunter viele führende Funktionäre befinden, denen das Handwerk gelegt werden müsste, weil sie in zahlreiche Skandale verstrickt sind oder waren. Etwa das IOC-Mitglied Mario Pescante, Berlusconi-Vertrauter, Abgeordneter von Berlusconis Gnaden und ehemaliger Berlusconi-Staatssekretär.</p>
<p>Unter Silvio Berlusconi wäre das natürlich nicht passiert. Der hätte auch Olympia zur milliardenschweren Bunga-Bunga-Sause umfunktioniert und das im alten Rom geprägte Prinzip von Brot und Spielen gepflegt. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno hätte ebenfalls alles riskiert, auch weil er 2013 wieder gewählt werden will.</p>
<p>Die Italien-Korrespondentin Birgit Schönau erinnert in der Süddeutschen Zeitung noch einmal an die von schweren Verlusten, Korruptionsfällen und juristischen Auseinandersetzungen überschatteten vergangenen Großereignisse in Italien: etwa die Fußball-WM 1990, die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin oder die Schwimm-WM 2009 in Rom – allein bei dieser WM waren die Kosten für drei Schwimmbecken mit 24 Millionen Euro veranschlagt und kosteten die Steuerzahler 90 Millionen, um nur die wichtigsten Ärgernisse zu nennen.</p>
<p>Monti bricht mit dieser Tradition – und zwar rigoros.</p>
<p>Monti hat ja nicht nur wichtige Sätze über &#8220;Verantwortung&#8221; und &#8220;Vernunft&#8221; gesagt. Er soll den italienischen Sportfunktionären auch erklärt haben, dass er es nicht verstehe, warum eine Regierung für derlei Sportveranstaltungen bürgen müsse. Das IOC verlangt vier Dutzend Garantien in unermesslicher Höhe. Allein die Sicherheitskosten, die nie in einem Olympia-Budget auftauchen, bewegen sich bei Sommerspielen, einer inklusive erster Vorwettkämpfe und Eröffnungsfeier 18 Tage währenden Veranstaltung, bei rund einer Milliarde Euro.</p>
<p>Das sind Fakten, die vom sportpolitischen Komplex gern verschwiegen werden. Das war bei der vor einem halben Jahr gescheiterten Münchner Olympiabewerbung nicht anders. Da hatte der <a title="Bundestag zu München 2018: “demokratiewidriger Striptease”?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/30/bundestag-zu-munchen-2018-demokratiewidriger-striptease/">deutsche Bundestag pauschal den Bewerbungskosten zugestimmt</a>, ohne auch nur einen ehrlichen, nachprüfbaren Ansatz auf dem Tisch zu haben. Und da hat später natürlich auch die Bundesregierung die <a title="Vertraulich: alle Bürgschaften und Garantien, die deutsche Volksvertreter dem IOC für München 2018 geben" href="http://www.jensweinreich.de/2010/10/05/vertraulich-alle-burgschaften-und-garantien-die-deutsche-volksvertreter-dem-ioc-fur-munchen-2018-geben/">Knebelpapiere des IOC</a>, diese unerhörten Garantieforderungen und Bürgschaften, unterschrieben.</p>
<p>Insofern war der Valentinstag 2012 ein guter Tag für den Realismus im Sportbusiness.</p>
<p>Das hat selbst IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg anerkennen müssen, der von Reuters mit den Worten zitiert wurde, Monti habe &#8220;weise&#8221; gehandelt.</p>
<p>Dagegen behauptete der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach gemäß Reuters, Italien habe eine <a title="SI.com" href="http://sportsillustrated.cnn.com/2012/olympics/02/15/2020-Olympics-bid/index.html" target="_blank">Chance auf wirtschaftliches Wachstum verpasst</a>.</p>
<p>Dies ist der übliche olympische Singsang, der auch schon vor Jahren in Athen angestimmt wurde – dabei haben die Sommerspiele 2004 in Athen mit geschätzten 30 Milliarden reellen Kosten beträchtlichen Anteil am drohenden griechischen Staatsbankrott.</p>
<p>Monti soll seinen Ministern gesagt haben, er wolle nicht, dass Rom ein zweites Athen werde.</p>
<p>IOC-Präsident Jacques Rogge hat unlängst noch den Anteil der Olympiakosten an Griechenlands Misere klein gerechnet. Dabei schönt er seine eigene Arbeit beziehungsweise sein eigenes Versagen. Denn die Vorbereitungen auf die Athen-Spiele fielen schon in seine präsidiale Amtszeit – und in jene Jahre, in denen er der Welt immer wieder versprochen hatte, es sei sein vordringliches Ziel, Olympia bescheidener und bezahlbarer zu machen.</p>
<p>Er ist kolossal gescheitert und nun zu feige, dieses Scheitern einzugestehen. Denn Olympia hat sich in seiner Amtszeit anders entwickelt. Der Gigantismus dominiert, ohne dass es je energische, nachhaltige Eingriffe von Rogge gegeben hätte.</p>
<p>Athen 2004, Peking 2008, Sotschi 2014, Rio 2016, Pyeongchang 2018 – dort wurden und werden Dutzende Milliarden verbrannt. In Athen und Peking sind aus Prestigebauten längst Investruinen geworden, die niemand braucht. In Sotschi verdienen vor allem die Putin-nahen Oligarchen. Die finanziell gesündesten Spiele gab es unter Rogge zweifellos in Vancouver 2010. Turin 2006 hielt sich, gemessen an Wahnsinns-Projekten in Sotschi oder Peking, einigermaßen im Rahmen. Und selbst die kommenden Sommerspiele in London weisen eine grundsätzlich ungesunde Finanzierung auf und basieren auf einer Mega-Lüge, weil schon bei der Vergabe durch das IOC im Juli 2005 feststand, dass das Budget nie gehalten werden kann, sondern ein Mehrfaches des in den Bewerbungsunterlagen behaupteten betragen würde. Doch ein entsprechendes Gutachten wurde im Sportministerium unterdrückt.</p>
<p>So läuft das mit Olympia. Insofern darf die Welt Mario Monti dankbar sein.</p>
<p>Er ist allerdings ein einsamer Rufer in der Wüste. Er wird dafür keinen Olympischen Orden bekommen. Denn schaut man sich die verbliebenen fünf Bewerber für die Sommerspiele 2020 an, so geht es weiter mit Lügen und höchst ungesunden Milliardenversprechen.</p>
<p>Madrid? Wie Spanien fast pleite?</p>
<p>Istanbul? Ist sexy und protzt mit enormen Wirtschaftswachstum, doch viele Experten trauen der Botschaft nicht.</p>
<p>Baku? Ein Witz.</p>
<p>Tokio? Bietet vielleicht die reellste Bewerbung auf.</p>
<p>Bleibt noch Doha, Hauptstadt des Emirats Katar. Für den Herrscherclan der Al-Thanis gelten keine ökonomischen Gesetze. Die Al-Thanis kaufen alles Dank ungeheurer Gas- und auch stattlicher Ölreserven.</p>
<ul>
<li><a title="IOC Pressemeldung" href="http://www.olympic.org/host-city-election?articlenewsgroup=-1&amp;articleid=153973" target="_blank">2020 Cities submit Application Files to IOC</a></li>
<li><a title="IOC interaktive Grafik Olympiabewerbungen" href="http://www.olympic.org/host-city-election" target="_blank">IOC-Grafik: Choice of the host city</a></li>
<li><a title="IOC Dokument 2020" href="http://www.olympic.org/Documents/Host_city_elections/2020_CAP.pdf" target="_blank">2020 CANDIDATURE ACCEPTANCE PROCEDURE <em>(pdf)</em></a></li>
</ul>
<p><em>Berliner Zeitung vom 16. Februar 2012:</em></p>
<p>„Wir müssen jetzt vernünftig sein“, hat Italiens Ministerpräsident Mario Monti am Valentinstag gesagt. Angesichts der existenziellen finanziellen Probleme seines Landes sei eine Bewerbung Roms für die Olympischen Sommerspiele 2020 „unverantwortlich“. Montis Kabinett gibt dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht die in den Knebelverträgen geforderten, milliardenschweren Finanzgarantien. Rom stellt seine Olympiabewerbung ein.</p>
<p>Da waren es nur noch fünf Bewerber um die Spiele 2020: Ein quasi außerirdischer Kandidat, Katar, wo Gas und Öl aus der Steinwüste sprudeln und den Reichtum des herrschenden Al-Thani-Clans täglich mehren. Zwei akzeptable Kandidaten mit imposanter Story: Istanbul und Tokio. Zwei bizarre Anwärter: Baku und Madrid. Bakus Bewerbung ist ein Witz. Und die Spanier laborieren an ähnlich fundamentalen Problemen wie die Italiener – machen aber trotzdem weiter.</p>
<p><a title="Finanzierung Olympischer Spiele: “Wir sind ein privilegiertes Völkchen!”" href="http://www.jensweinreich.de/2009/05/07/finanzierung-olympischer-spiele-wir-sind-ein-privilegiertes-volkchen/">„Wir sind ein privilegiertes Völkchen“</a>, hat Juan Antonio Samaranch Junior einmal über das IOC gesagt, dem er selbst angehört. Samaranch Junior war stets treibende Kraft hinter der Olympiabewerbung von Madrid, ob nun für 2012, 2016 oder für 2020. Dazu sollte man vielleicht wissen, welchen Beruf Samaranch ausübt: Investmentbanker.</p>
<p>Professore Monti dagegen ist Wirtschaftswissenschaftler. Er ist im November angetreten, um Italien zu retten. Er legte im Dezember sein Sparpaket vor. Er begründete die Absage des Olympia-Abenteuers nun mit den Vokabeln „Vernunft“ und „Verantwortung“. Jeder Italiener, jeder Europäer, der des Denkens fähig und der olympischen Propaganda noch nicht erlegen ist, sollte diese Argumente verstehen. Doch „Vernunft“ und „Verantwortung“ sind Fremdwörter in der olympischen Welt, zumal in diesem irrwitzigen, verlogenen Bewerbungs-Business, wo es um die frechsten Versprechen, die peinlichsten Offerten und die absurdesten Milliardenpläne geht.</p>
<p>In Rom wurde vor zwei Jahrtausenden das Prinzip „panem et circenses“ (Brot und Zirkusspiele) erfunden. Roms Abschied von den Olympiaplänen ist ein Symbol. Ein selten gutes Zeichen. Vernünftig und verantwortlich eben. Vergleichbar allenfalls mit der Volksabstimmung vor genau 40 Jahren im US-Bundesstaat Colorado, als mündige Bürger entschieden, keine öffentlichen Mittel mehr in ein hochriskantes Olympiaprojekt zu stecken. Denver gab damals die Olympischen Winterspiele 1976 zurück, um das Schlimmste zu verhindern. Derlei Zeichen von Vernunft gab es in der olympischen Geschichte nur selten.</p>
<p>Mario Monti sollte einen olympischer Orden erhalten. Sein Beispiel muss Schule machen. Wird es aber nicht. Und einen IOC-Orden bekommt Monti dafür keinesfalls. Denn im Milliardenkonzern IOC werden die Spiele doch eher als Allheilmittel für Probleme jeder Art verkauft. Der Gigantismus regiert, ob nun in Peking (Sommer 2008), Sotschi (Winter 2014) oder Rio (Sommer 2016). Im IOC tut man sich bis heute schwer damit, den Zusammenhang zwischen den Olympischen Spielen 2004 in Athen und dem drohenden griechischen Staatsbankrott anzuerkennen.</p>
<p>Denn die Branche handelt mit Illusionen, nicht mit Wahrheiten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2012/02/20/rom-2020-vernunft-und-verantwortung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>34</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
