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	<title>jens weinreich &#187; joao havelange</title>
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		<title>Lost in translation: &#8220;I have no case. I have no information&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 20:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TOKIO. Ich habe einige Tage unterm Weihnachtsbaum der FIFA-Familie verbracht. Bin vor Arbeit gar nicht zum Schreiben gekommen. Das wird nun ansatzweise nachgeholt. Es gibt viel zu erzählen. Don Julio war da, wollte aber nicht mit mir sprechen. Worawi war da, mochte aber nicht mir mir sprechen. Issa war da, hatte aber kein Bedürfnis, mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img title="weihnacht-tokyo" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/weihnacht-tokyo-e1324153276184.jpg" alt="" width="240" height="320" align="right" hspace="5" vspace="5" />TOKIO. Ich habe einige Tage unterm Weihnachtsbaum der FIFA-Familie verbracht. Bin vor Arbeit gar nicht zum Schreiben gekommen. Das wird nun ansatzweise nachgeholt. Es gibt viel zu erzählen.</p>
<p><a title="Die märchenhaften Reichtümer des FIFA-Finanzchefs Don Julio Grondona" href="http://www.jensweinreich.de/2011/11/15/die-marchenhaften-reichtumer-des-fifa-finanzchefs-don-julio-grondona-woher-kommen-mehr-als-100-millionen-dollar-auf-seinen-auslandskonten/">Don Julio</a> war da, wollte aber nicht mit mir sprechen.</p>
<p><a title="alle Beiträge zu Worawi Makudi" href="http://www.jensweinreich.de/category/worawi-makudi/">Worawi </a>war da, mochte aber nicht mir mir sprechen.</p>
<p><a title="Jacques Rogge sagt: “reports are confidential” und “a warning is not a sanction”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/jacques-rogge-sagt-reports-are-confidential-und-a-warning-is-not-a-sanction/">Issa</a> war da, hatte aber kein Bedürfnis, mit mir zu reden.</p>
<p>Sepp war auch kurz angebunden auf der Pressekonferenz, komisch eigentlich, er fühlte sich mal wieder missverstanden. Dabei hatte ich doch nur nachgefragt:</p>
<blockquote><p>Just to clarify, do I understand it right: You don&#8217;t care about the past, you don&#8217;t want to know who has paid bribes and who has received bribes. But you will penalize all members of the FIFA family who want to know how Russia and Katar have secured the World Cup?</p></blockquote>
<p>Nein, nein, nein, sagt der Sepp, so habe er das nicht gemeint.</p>
<blockquote><p>This is totally wrong.</p></blockquote>
<p><span id="more-11440"></span></p>
<p>Er hatte, ich habe die Simultanübersetzung gehört, demnach formuliert:</p>
<blockquote><p>Ich kann ihnen sagen, dass die Entscheidung der FIFA-Exekutive am 2. Dezember 2010, die WM 2018 an Russland und 2022 die WM an Katar zu vergeben, aufrechterhalten bleibt. Ich weiß nicht, wer diese Entscheidungen umstoßen sollte. Wenn sie die Leute innerhalb der FIFA fragen, ob es Mitglieder gibt innerhalb des Exekutivkomitees, die solche Erklärungen abgeben, dann werde ich persönlich eingreifen. Ich kann natürlich nicht die gesamte FIFA-Familie aufhalten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wer mag, kann es nachhören (im Englischen Original, das ich auch aufgezeichnet habe, doppelt hält besser), der Extrakt einer weitgehend absurden PK, wie ich fand, von mir auf 6:48 Minuten zusammengeschnitten:</p>
<p><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/blatter-tokyo-17122011-short.mp3">:</a></p>
<p>Ich denke, dass dieser erste Fragesteller, ein so genannter Journalist aus Katar, bestellt war. Vom Emir oder vom Sepp? Was weiß denn ich.</p>
<p>Jedenfalls, der Typ bedankte sich nach dem Termin ganz euphorisch beim Sepp. So ist&#8217;s recht. Da hat noch einer Respekt.</p>
<p>Für den Deutschlandfunk habe ich gerade gedichtet:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/17/dlf_20111217_1926_a03424b0.mp3">:</a></p>
<p>In Tokio traf sich am Rande der Klub-Weltmeisterschaft zum letzten Mal in diesem turbulenten Jahr das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA. Eigentlich hatte Präsident Joseph Blatter zu diesem Termin versprochen, die so genannte Einstellungsverfügung im ISL-Bestechungsskandal zu veröffentlichen. Doch dies wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Dafür hat Blatter einige korrupte FIFA-Funktionäre entlastet.</p>
<p>Schon am Freitag hatte die FIFA in einer dürren Mitteilung das Exekutivmitglied Worawi Makudi aus Thailand vom Vorwurf freigesprochen, eigenen Grundbesitz mit Mitteln aus dem Entwicklungshilfeprogramm GOAL aufgewertet zu haben. Makudi habe entlastende Unterlagen vorgelegt, hieß es. Nähere Angaben dazu wurden nicht gemacht. Makudi, den ich in diesem Jahr schon einige Male getroffen und vergeblich gefragt habe, verweigerte sich auch diesmal einem Gespräch und sagte, nachdem er erst tat, als verstehe er nichts, gleichzeitig flüchtete, aber vom Aufzug gestoppt wurde:</p>
<blockquote><p>I have no case. I have no information.</p></blockquote>
<p>No case. Das sagte ja die FIFA auch. Gestern Abend erhielt ich diese Email:</p>
<blockquote><p>Dear Mr Weinreich,</p>
<p>FIFA has completed its analysis of the documents provided by Worawi Makudi and has been able to ascertain that Mr Makudi had in fact donated part of his plot of land to the Thailand FA for the purpose of the construction of FIFA Goal projects in Thailand. Therefore, no proceedings have been opened against Mr Makudi and the matter is now closed.</p>
<p>Best regards,</p>
<p>FIFA Media department</p></blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>* * *</strong></p>
<p>Kleiner Einschub. Denn diese Email erinnerte mich irgendwie an jene Email, die mir der gewesene FIFA-Kommunikationsdirektor Hans Klaus einmal schrieb, als ich ihn nach den Umständen <a title="Grüße von der Russenmafia: Alimsan Tochtachunow" href="http://www.jensweinreich.de/2008/10/04/gruse-von-der-russenmafia-alimsan-tochtachunow/">eines Treffens von FIFA-Präsident Joseph Blatter mit einem international gesuchten russischen Schwerverbrecher und Mafiosi namens Alimsan Tochtachunow</a> gefragt habe.</p>
<p>Der damalige FIFA-Kommunikationsdirektor <a title="@ email von der Fifa" href="http://www.jensweinreich.de/2008/10/08/email-von-der-fifa/">antwortete nach vier Tagen</a>:</p>
<blockquote><p>Ein Zusammenkommen mit der von Ihnen genannten Person ist uns in Bezug der Namen und des Zeitpunktes nicht bekannt.</p></blockquote>
<p>Wohlgemerkt, das Treffen von Blatter mit dem <a title="Diebe im Gesetz" href="http://www.jensweinreich.de/2010/05/10/diebe-im-gesetz/">Dieb im Gesetz Tochtachunow</a>, an dem auch das damalige FIFA-Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow teilnahm, fand statt und ist auch mit mehreren Fotos dokumentiert:</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><img class=" " title="sepp-koloskow-alik" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/sepp-koloskow-alik.jpg" alt="FIFA-Familie: FIFA-Präsident Joseph Blatter, eh. Exekutivmitglied und Blatter-Nutznießer Wjatscheslaw Koloskow, Mafiosi Alimsan Tochtachunow (v.l.)" width="512" height="342" /><p class="wp-caption-text">FIFA-Familie: FIFA-Präsident Joseph Blatter, eh. Exekutivmitglied und Blatter-Nutznießer Wjatscheslaw Koloskow, Mafiosi Alimsan Tochtachunow (v.l.)</p></div>
<p>Koloskow, dem Blatter schon einmal 100.000 Dollar gezahlt hat, treibt sich natürlich auch hier in Tokio herum &#8211; ich sah ihn täglich im Ritz Carlton. Koloskow bleibt ja wichtig, Russland richtet die WM 2018 aus. Und, by the way, er bringt zu den Jahresendparties stets Kaviar und Wodka mit. Die Parties in kleinem Kreise sind legendär.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>* * *</strong></p>
<p>Doch zurück zum Thema Makudi:</p>
<p>Heute erfuhr ich dann dankenswerter Weise doch, auf welcher Grundlage Makudi &#8220;entlastet&#8221; wurde: Mit Datum vom 16. November 2011 hat Makudi die Grundstücke/das Grundstück an Thailands Fußballverband übertragen. Ein von der FIFA in Auftrag gegebenes Gutachten der Zürcher Kanzlei Niederer, Kraft &amp; Frey hält das mit Datum vom 6. Dezember 2011 fest. Die beglaubigte Übertragung geschah also erst</p>
<ul>
<li>&#8230; acht Jahre, nachdem Makudi das Versprechen gegeben und zugleich das GOAL-Geld beantragt hatte, damals noch als Generalsekretär.</li>
</ul>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-10911" title="Makudi Land Promises 2003" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/makudi-2003.c16.png" alt="" width="409" height="591" /></p>
<ul>
<li>&#8230; und erst, nachdem die FIFA ihm bis 1. Dezember eine zweite Frist gesetzt hatte, Unterlagen beizubringen.</li>
</ul>
<p>Ob er zur ersten Frist gelogen hat und gefälschte Unterlagen einreichte, wie thailändische Quellen vermuten, lässt sich nicht sagen. Die FIFA gibt dazu und zu vielen anderen Fragen in der Causa Makudi keine Antwort.</p>
<p>Ich komme auf den Fall Makudi zurück, keine Bange.</p>
<p>Den Vizepräsidenten Issa Hayatou aus Kamerun, <a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">ISL-Schmiergeldempfänger</a>, unterstützte Blatter in Tokio ebenfalls. Hayatou war vergangene Woche vom IOC nur ermahnt worden. Die FIFA unternimmt gar nichts.</p>
<p>Blatters Aussage, simultan übersetzt in Tokio:</p>
<blockquote><p>Herr Hayatou ist immer noch ein gutes, ständiges Mitglied. Und das Exekutivkomitee hat das ebenfalls betont, und die meisten haben sogar geklatscht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ovations für Hayatou? Diese Frage geht an den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.</p>
<blockquote><p><em>Stimmt es, dass Hayatou Beifall bekommen hat heute?</em></p>
<p>Haben Sie bitte Verständnis, dass ich also über Sitzungsinhalte, über Wortbeiträge und auch über Beifall oder Pfiffe keine Auskunft geben möchte.</p></blockquote>
<p>Nur zwei Stunden dauerte die Sitzung heute morgen, in der die Namen der Mitglieder der Governance-Kommission des Basler Professors Mark Pieth bekannt gegeben wurden. Reformen im Schnelldurchlauf. Die Besetzung ist wenig spektakulär, Transparency International verzichtet auf einen Sitz. Während sich Zwanzigers Statutenkommission bereits zweimal getroffen hat, wird Pieths Kommission im Januar die Arbeit aufnehmen und dabei auch Journalisten befragen. Ende Februar soll es gemeinsame Sitzungen aller fünf Kommissionen geben, die zum so genannten Reformpaket gehören.</p>
<div id="attachment_10924" class="wp-caption aligncenter" style="width: 509px"><a href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/21/live-blog-aus-zurich-sepp-mutiert-zum-korruptionsbekampfer/"><img class="size-full wp-image-10924   " title="Das Wirrwarr der neuen Kommissionen - das Exko hat das letzte Wort" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/fifa1.png" alt="" width="499" height="371" /></a><p class="wp-caption-text">Das Wirrwarr der neuen Kommissionen - das Exko hat das letzte Wort</p></div>
<p>Entscheidend für die Glaubwürdigkeit dieser mit viel PR-Gedöns vermarkteten Gruppen wird der Umgang mit der Vergangenheit sein.</p>
<p>Blatter benutzte in Tokio einige Male die Vokabel &#8220;Schlussstrich&#8221;. Auf eine offenbar bestellte Frage eines so genannten Journalisten aus Katar, der all jene bestrafen lassen will, die die WM-Vergabe an das Emirat kritisieren, erklärte Blatter, wie oben bereits zitiert:</p>
<blockquote><p>Ich kann ihnen sagen, dass die Entscheidung der FIFA-Exekutive am 2. Dezember 2010, die WM 2018 an Russland und 2022 die WM an Katar zu vergeben, aufrechterhalten bleibt. Ich weiß nicht, wer diese Entscheidungen umstoßen sollte. Wenn sie die Leute innerhalb der FIFA fragen, ob es Mitglieder gibt innerhalb des Exekutivkomitees, die solche Erklärungen abgeben, dann werde ich persönlich eingreifen. Ich kann natürlich nicht die gesamte FIFA-Familie aufhalten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der Interpretation, er sei nicht daran interessiert, Korruption bei der WM-Vergabe aufzuklären, werde aber gegen all jene vorgehen, die Aufklärung fordern und die skandalumtoste WM-Vergabe kritisieren, widersprach Blatter vehement. Ein Eiertanz.</p>
<p>Zwanziger, der im Zusammenhang mit der WM in Katar kürzlich das Wort &#8220;pervers&#8221; benutzt hat, blieb von Blatters Drohungen unbeeindruckt.</p>
<blockquote><p>Normalerweise ist das doch nicht der Ort, wo man eine Weltmeisterschaft austragen sollte. Und natürlich auch all das, was darum herum gerankt und geschrieben werden kann. Allerdings muss ich auch sagen, es gibt für mich erkennbar bis heute keinen Beleg, dass dort Korruption oder was auch immer am Platz gewesen sein könnte. Es sind wohl Interessen eingeflossen, die ein Stück über den rein sportlichen Vergabeprozess hinausgehen. Und ich denke, diese Aussage habe ich in der Vergangenheit gemacht und die werde ich auch in der Zukunft machen. Das muss ich sagen und das werde ich mir auch nicht verbieten lassen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Blatter schützt etliche alte Weggefährten wie Makudi und Hayatou. Er will nach vorn schauen, nicht zurück, das sagte er oft. Er trägt vernehmbar auch nichts zur Aufklärung der märchenhaften Reichtümer des Ersten Vizepräsidenten und FIFA-Finanzchefs Julio Grondona und des Amerikaners <a title="FIFA-Whistleblower Chuck Blazer kassiert 9,6 Millionen Dollar (und mehr)" href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/17/fifa-saubermann-chuck-blazer-kassiert-96-millionen-dollar-und-mehr/">Chuck Blazer</a> bei. Zum Beispiel.</p>
<p>Zwanziger unterstellt Blatter dennoch ein Interesse an Reformen. Vor allem aber nennt er zwei der entscheidenden Themen in den kommenden Wochen:</p>
<blockquote><p>Also einfach Vergangenheit totreden und sagen, die ist jetzt weg, das wird man nicht können. Und von daher denke ich schon, dass diese Punkte WM-Vergaben und auch das Thema ISL auf der Tagesordnung bleiben werden, ob man es will oder nicht. An diesem Punkt wird man nicht vorbei kommen. Dass man einfach auch klar und deutlich beschreibt: Was ist gewesen? Wo hat es Zahlungen gegeben? Inwieweit sind die zu beanstanden, inwieweit sind die ethisch vorwerfbar? Und wenn das auf dem Tisch liegt, dann muss die Frage geprüft werden, gibt es unter den heutigen Statuten die Möglichkeit einzuschreiten oder gibt es sie nicht mehr. Also das ist für diesen Vorgang aus meiner Sicht völlig klar: Offenlegung, so schnell wie möglich. Und auch da gilt nur, konsequent zu sein.&#8221;</p></blockquote>
<p>Zwanziger sagt, er wolle es nicht nur in der Frage der WM-Vergabe an Katar genau wissen. <a title="Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/">Unabhängig von den angeblich rechtlichen Problemen bei der Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung</a>, für die die FIFA einst sogar ein Millionen-Schweigegeld gezahlt hat, will Zwanziger gern alle FIFA-Funktionäre und FIFA-verbundene Vorgänge überprüfen, die in den ISL-Unterlagen auftauchen. Und das betrifft neben Hayatou auch Ehrenpräsident Havelange sowie aus dem Exekutivkomitee Südamerikas Konföderationschef Leoz und Brasiliens Verbandschef Teixeira.</p>
<p>Teixeira, auch WM-Organisationschef 2014, hat sich zunächst einmal von der FIFA beurlauben lassen – bis Ende Januar.</p>
<blockquote><p>später kommen wir dann darauf zurück &#8230;</p></blockquote>
<p>&#8230; sagte Sepp.</p>
<p>Aber gewiss doch.</p>
<p>[<em>Der Beitrag musste ein wenig dahingeschludert werden, die durchwachte Nacht ist gleich vorbei. Sorry. Beim nächsten Mal wieder gründlicher.</em>]</p>
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		</item>
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		<title>Whistleblower Mario Goijman: &#8220;Sie haben mein Leben zerstört&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 11:23:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[My lonely fight in favor of an honest sport has cost me too much, lawyers fees, trips, publications, justice fees, and the persecution of loyal creditors, that now are executing me and some other FAV members, has ruined me, my patrimony and my health. Mario Goijman, Whistleblower Es gäbe unendlich mehr zu sagen als das, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>My lonely fight in favor of an honest sport has cost me too much, lawyers fees, trips, publications, justice fees, and the persecution of loyal creditors, that now are executing me and some other FAV members, has ruined me, my patrimony and my health.</p>
<p><em><strong>Mario Goijman</strong>, Whistleblower</em></p></blockquote>
<div id="attachment_11416" class="wp-caption aligncenter" style="width: 479px"><img class="size-full wp-image-11416" title="Mario Goijman" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/mario-cologne.jpg" alt="" width="469" height="640" /><p class="wp-caption-text">Mario Goijman, Köln 2011, Foto: www.playthegame.org, Tine Harden</p></div>
<p>Es gäbe unendlich mehr zu sagen als das, was ich für einige Medien zusammengefasst habe. Die unendliche Geschichte des Mario Goijman raubt mir den Atem. Einmal mehr zeigt sich, wie die Parallelgesellschaft Sport funktioniert: Whistleblower werden geächtet.</p>
<p>Ich habe Mario Goijman viel zu verdanken, das habe ich im Laufe der Jahre hier mehrfach erwähnt. Seine Präsentation auf der Play the Game Konferenz 2005 in Kopenhagen hat mich lange weinen lassen. Und sie hat mir, so merkwürdig es klingt, Kraft gegeben. Denn Goijman, der kein Journalist ist, hat Journalisten weltweit gezeigt, wie weit man mit Recherche kommen kann. Er hat eine Wahrheit erzählt über die verruchte Branche, er hat unglaubliche Dokumente vorgelegt (leider ist seine Webseite www.volleygate.com inzwischen abgeschaltet). Ich finde, Journalisten können sich an Goijman ein Beispiel nehmen. Das klingt alles ziemlich pathetisch. Egal. Man kann die Geschichte gar nicht oft genug aufschreiben. Mario Goijman braucht Hilfe.<br />
<span id="more-11414"></span><br />
[<em>Und mir ist völlig egal, ob vor Ewigkeiten mal jemand gesagt hat, Journalisten sollten sich auch mit einer guten Sache nicht gemein machen. Ich halte nichts von diesem Dogma.</em>]</p>
<p>Mein Beitrag im Deutschlandfunk:</p>
<audio id="wp_mep_1" src="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/11/dlf_20111211_1945_2ccb325c.mp3" controls="controls" preload="none" ><object width="400" height="30" type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.jensweinreich.de/wp-content/plugins/media-element-html5-video-and-audio-player/mediaelement/flashmediaelement.swf"><param name="movie" value="http://www.jensweinreich.de/wp-content/plugins/media-element-html5-video-and-audio-player/mediaelement/flashmediaelement.swf" /><param name="flashvars" value="controls=true&amp;file=http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/11/dlf_20111211_1945_2ccb325c.mp3" /></object></audio>
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<ul>
<li>Mein Beitrag in der FTD: <a title="FTD: Whistleblowing lohnt sich nicht" href="http://www.ftd.de/sport/:olympiageschichte-whistleblowing-lohnt-sich-nicht/60141735.html?mode=print" target="_blank">Whistleblowing lohnt sich nicht</a></li>
<li>Jens Sejer Andersen, Play the Game: <a title="Play the Game" href="http://www.playthegame.org/news/detailed/from-terrible-to-tragic-the-situation-of-sports-corruption-fighter-mario-goijman-5308.html" target="_blank">From terrible to tragic: The situation of sports corruption fighter Mario Goijman</a></li>
</ul>
<p>Mario Goijmans Präsentationen auf Play the Game Konferenzen:</p>
<ul>
<li>2005, Kopenhagen: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2005" href="http://www.playthegame.org/upload//Mario_Goijman_-_Exposing_Corruption_in_International_Volleyball_-_A_Personal_Account.pdf" target="_blank">Exposing Corruption in International Volleyball: A Personal Account </a></li>
<li>2009, Coventry: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2009" href="http://www.playthegame.org/uploads/media/Mario_Goijman_-_International_sport_under_Swiss_law.pdf" target="_blank">International sport under Swiss law</a> (Goijman hat nur seinen Vortrag geschickt, <a title="Mario Goijman und die Nachwehen des Volleygates" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/09/mario-goijman-und-die-nachwehen-des-volleygates/">er durfte Argentinien nicht verlassen</a>)</li>
<li>2011, Köln: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2011" href="http://www.playthegame.org/fileadmin/image/PTG2011/Presentation/goijman_Mario_-volleygate-part2.pdf" target="_blank">Volleygate update</a></li>
</ul>
<p>Einer der größten Korruptionsfälle der olympischen Geschichte wurde nicht von Journalisten aufgedeckt, sondern von einem ehemaligen Sportfunktionär: Der Argentinier Mario Goijman hat detailliert nachgewiesen, wie sich der Mexikaner Rubén Acosta als langjähriger Präsident des Volleyball-Weltverbandes FIVB bereicherte. Acosta handelte mit TV-Anstalten und Sponsoren Verträge für die FIVB aus – und kassierte dafür satte Provisionen. Dieses Volleygate, wie es Goijman in Anspielung auf den Watergate-Skandal nannte, ist eine unfassbar tragische Geschichte, die in diesen Tagen einen weiteren tragischen Höhepunkt erlebt:</p>
<p>Acosta ist FIVB-Ehrenpräsident auf Lebenszeit und musste nicht einen Cent seiner ergaunerten Millionen erstatten.</p>
<p>Dagegen ist der Enthüller Mario Goijman ruiniert und verzweifelt. Er muss in diesen Tagen, weil er für Verluste aus der Männer-WM 2002 bürgt, sein Haus in Buenos Aires räumen.</p>
<p>Es war das letzte, was ihm geblieben war. Seine Konten sind bereits leer. Seine Ehe ist zerbrochen. Seine Gesundheit schwer angeschlagen.</p>
<p>„Die FIVB und das Internationale Olympische Komitee haben mich betrogen und belogen“, sagt Goijman, der die Öffentlichkeit um Hilfe bittet. „Sie haben mein Leben zerstört.“</p>
<p>Der 66-jährige Goijman ist ein klassischer Hinweisgeber, ein so genannter Whistleblower. Er war einst Präsident des argentinischen Volleyballverbandes FAV, er hatte Funktionen im Weltverband FIVB und hat lange mit Acosta kooperiert, bis er 2002 in Argentinien die WM ausrichtete. Als Organisationschef haftete er persönlich für einenVerlust von mehr als 800.000 Dollar. Die FIVB machte bei dieser WM einen Profit von mindestens 2,4 Millionen – wahrscheinlich viel mehr, denn alle Unterlagen des Weltverbandes hat Goijman nie gesehen.</p>
<p>Derlei Knebelverträge mit Organisatoren sind flächendeckend üblich im olympischen Weltsport. Es haften immer die Ausrichter, nie die Verbände, die den Profit abziehen. Im Volleyball ist das nicht anders als im Fußball und bei der FIFA oder bei den Olympischen Spielen des IOC.</p>
<p>Goijman hat dagegen opponiert und wurde schnell sämtliche Posten los. Sein Verband wurde sanktioniert, bald stand Goijman alleine da. Er begann zu recherchieren und sich mit den FIVB-Finanzen zu befassen. Goijman legte Dokumente vor, die Acostas Räubereien belegten. Goijman prozessierte in der Schweiz. Doch dort werden die Sportganoven traditionell vom Gesetz gedeckt. Die Sache zog sich über Jahre hin. Es wurde sogar ein alternativer Weltverband (WVBF) gegründet. Unterstützung aus dem Establishment erhielt Goijman aber kaum. Auch der deutsche Verband deckte in unanständiger Unterwürfigkeit stets den Großganoven Acosta.</p>
<p>Auf Goijmans Enthüllungen reagierte die IOC-Ethikkommission. Acosta trat 2004 angeblich aus Altersgründen aus dem IOC zurück, blieb aber noch vier Jahre FIVB-Alleinherrscher. Das IOC duldete diesen Deal laut Goijman auch deshalb, weil Acostas Anwalt damit gedroht hatte, Details über die schmutzigen Geschäfte einiger IOC-Mitglieder und Angestellter in der einstigen IOC-Marketingagentur Meridian zu veröffentlichen.</p>
<p>Im Frühjahr 2009 musste die neue FIVB-Führung auf ihrer Vorstandssitzung einräumen, dass Acosta sogar mindestens 33 Millionen Dollar abgezweigt hatte. Goijman machte auch dieses Protokoll öffentlich. Doch Acosta bleibt FIVB-Ehrenpräsident – auf Lebenszeit. Acostas Nachfolger, der Chinese Jizhong Wei, war lange Jahre treuer Diener des Patrons. Er genehmigt einigen Vizepräsidenten weiter Spesen von 500.000 Dollar pro Jahr, für die keinerlei Nachweise zu erbringen sind.</p>
<p>Das IOC hat sich beim Millionenbetrüger Acosta ähnlich aus der Affäre gezogen wie vergangene Woche im Fall des Millionenbetrügers und langjährigen FIFA-Chefs Joao Havelange (Brasilien). Verlogene Rücktritte werden goutiert. Die Gauner dürfen ihre Millionen behalten und sich weiter Ehrenpräsidenten ihrer olympischen Sportverbände nennen – und das IOC verheimlicht die Berichte der Ethikkommission.</p>
<p>„Acosta und Havelange, das ist dieselbe dreckige Geschichte“, sagt Mario Goijman.</p>
<p>Mit Galgenhumor erinnert er daran, dass er zur WM 2002 auf Geheiß von Acosta auch Havelange als Ehrengast bewirten musste. Auch dafür muss er heute noch büßen – die Gläubiger des WM-Organisationskomitees lassen sein Haus pfänden.</p>
<p>Auf die Frage, ob er in dieser akuten Lage etwas für Mario Goijman zu tun gedenke, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge vergangene Woche in Lausanne: „Ich kenne die Details zu Herrn Goijman nicht, er heißt doch Goijman, ja? Ich muss sichernicht daran erinnern, dass Herr Acosta als IOC-Mitglied zurückgetreten ist.“ Das sollte wohl heißen: Damit geht das Thema das IOC nichts mehr an.</p>
<p>Whistleblower wie Goijman werden in der olympischen Welt nicht geschätzt, sie werden geächtet, auch – oder erst recht – wenn sie dazu beitragen, dass korrupte Funktionäre ihre Ämter loswerden. FIVB-Präsident Wei willigte vor zwei Jahren lediglich ein, einen Teil von Goijmans Prozesskosten zu erstatten.</p>
<p>Die im Grunde noch immer Acosta-hörige Verbandsspitze will Goijman zerstören.</p>
<p>Die FIVB ist einer der reichsten olympischen Verbände und verfügt über Millionenkonten im mondänen Lausanne, wo auch das IOC residiert. In Lausanne, wo im Olympischen Museum des IOC gerade 1,8 Millionen Franken unterschlagen wurden. Die Polizei ermittelt, dass IOC hat sich vor wenigen Tagen von einigen Mitarbeitern getrennt. Dochdies ist eine andere Geschichte im Mikrokosmos der Selbstbereicherung.</p>
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		<title>Jacques Rogge sagt: &#8220;reports are confidential&#8221; und &#8220;a warning is not a sanction&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 18:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[LAUSANNE. In zwei Jahrzehnten als IOC-Berichterstatter habe ich gewiss schon viele absurde, deprimierende Momente erlebt. Die gerade beendete, äußerst bizarre Pressekonferenz mit einem geradezu leblos argumentierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge gehört sicher dazu &#8211; irgendwo in den Top 20. Das muss Mann erst mal verdauen. Jedenfalls, Rogge, einst als Erneuerer angetreten [und von mir auch als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>LAUSANNE. In zwei Jahrzehnten als IOC-Berichterstatter habe ich gewiss schon viele absurde, deprimierende Momente erlebt. Die gerade beendete, äußerst bizarre Pressekonferenz mit einem geradezu leblos argumentierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge gehört sicher dazu &#8211; irgendwo in den Top 20.</p>
<p>Das muss Mann erst mal verdauen.</p>
<p>Jedenfalls, Rogge, einst als Erneuerer angetreten [<em>und von mir auch als solcher promotet</em>], hätte nicht peinlicher agieren können. Unfassbar. Eigentlich hätte an seiner Stelle auch Samaranch sitzen können, das macht keinen Unterschied. Zu den Feinheiten: Rogge vermied es, die Vokabel &#8220;Korruption&#8221; zu benutzen [<em>ich sage es einmal mehr: das Wort Korruption taucht auch in der Olympischen Charta des IOC nicht auf</em>], er erwähnte auch nicht den Korruptionskonzern ISL/ISMM.</p>
<p>Als wäre nichts gewesen.</p>
<p>Schockierend.</p>
<p>Unanständig.</p>
<p>Es war natürlich Andrew Jennings, der überraschender Weise zwei Mal ans Mikro durfte und flink noch erwähnte, dass wir hier über ein kolossales Betrugssystem reden, das den gesamten, nunmehr von Rogge präsidierten, olympischen Weltsport umfasste. <strong><a title="alle Beiträge zu ISL/ISMM" href="http://www.jensweinreich.de/category/islismm/">Mehr als 140 Millionen Schweizer Franken wurden nachweislich an Schmiergeld gezahlt.</a></strong> Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Und die Bevorteilten, korrupte Funktionäre, sind zu großen Teilen noch in Amt und Würden, hundertmal angemerkt.</p>
<p>Nach etwa zwölf Minuten war die Freakshow beendet. Rogge behauptete:</p>
<blockquote><p>We will not hesitate to act. The wider world will acknowledge that the IOC means business and is accountable and transparent&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich muss es gleich nachhören &#8211; und werde mich erneut gruseln.<br />
<span id="more-11390"></span><br />
Nebenbei definierte Rogge die Gelben und Roten Karten im Fußball neu, oder auch die Ethikregeln. Oder beides. Es war so verworren. So verlogen.</p>
<blockquote><p>a warning is not a sanction</p>
<p>a repriment is a sanction</p>
<p>you could compare it to red card and yellow card in football.</p></blockquote>
<p>Also:</p>
<ul>
<li><strong>Lamine Diack</strong> (Senegal/IOC-Mitglied und Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF) hat insgesamt 52.880 CHF von der ISL erhalten. <a title="ioc.org" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Ethics/Ethics-2011-10-03-decision-recommendation-Lamine-Diack-Eng.pdf" target="_blank">Er wurde verwarnt.</a></li>
<li><strong>Issa Hayatou</strong> (Kamerun/IOC-Mitglied, FIFA-Vizepräsident, CAF-Präsident) hat 24.700 CHF von der ISL erhalten. <a title="ioc.org" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Ethics/Ethics-2011-10-03-decision-recommendation-Issa-Hayatou-Eng.pdf" target="_blank">Er wurde ermahnt.</a></li>
</ul>
<p>Beide, Diack und Hayatou, beschäftigen übrigens bis heute den ISL-Schmiergeldboten Jean-Marie Weber, der einst jene 140 Millionen verteilt hat.</p>
<ul>
<li><strong>Joao Havelange</strong> (<a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">FIFA-Ehrenpräsidentm IOC-Mitglied bis vor wenigen Tagen</a>) hat mutmaßlich viele Millionen von der ISL erhalten. Die Überweisung von 1,5 Millionen aus diesem Paket ist bestens dokumentiert. Havelange wurde von Rogge nicht mal mehr erwähnt.</li>
</ul>
<p>Doch, sorry, <a title="Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/">Rogge sagte erneut &#8230;</a></p>
<blockquote><p>Mr Havelange is not an IOC member anymore. For us he is a private person.</p></blockquote>
<p>Und deshalb gibt es dazu keine Informationen.</p>
<p>Die Ermittlungsergebnisse der Ethikkommission bleiben natürlich auch geheim.</p>
<p>Rogge sagte:</p>
<blockquote><p>reports are confidential, the proposals are public</p></blockquote>
<p><del>Die beiden dünnen Papiere folgen in Kürze.</del></p>
<p><strong>19.37 Uhr:</strong> Denke ich über positive Aspekte nach, fällt mir schon mal dies ein:</p>
<ul>
<li>Die wenigen Journalisten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten mit der ISL-Korruption befasst und wirklich recherchiert haben, beschrieben nichts als die Wahrheit.</li>
<li>Die Dokumente sind echt.</li>
<li>Die Zahlen stimmen.</li>
<li>Das IOC nennt exakt jene Daten und Zahlen, die Andrew Jennings &#8211; ergänzend zum bereits vorliegenden &#8211; vor einem Jahr in der BBC-Panaroma-Sendung vorgelegt hat.</li>
<li>Diese Fakten können auf Dauer weder IOC noch FIFA negieren.</li>
<li>Die historische Wahrheit bleibt die historische Wahrheit. Sie lässt sich auch von diesen milliardenschweren und intransparenten Sportkonzernen nicht beugen.</li>
<li>Die Wahrheit lässt sich auch von Propagandisten und als Journalisten getarnten Idioten nicht beugen.</li>
<li>Man könnte sogar sagen: Journalismus lohnt sich. Mann sieht, ab und an, Resultate. Wenn auch bescheidene.</li>
</ul>
<p>Weitere Resultate werden folgen.</p>
<p><strong>20.20 Uhr:</strong> Die Papiere sind oben nun verlinkt, und außerdem hier zu begutachten:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack1.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11399" title="diack1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack1-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack2.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11400" title="diack2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack2-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou1.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11401" title="hayatou1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou1-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou2.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11402" title="hayatou2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou2-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>FIFA, IOC, Katar 2022: Recherche vs Propaganda</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 11:57:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH/LAUSANNE. Da können die Herrschaften in der FIFA-Zentrale und im IOC-Hauptquartier unternehmen, was sie wollen. Sie haben die Lage einfach nicht mehr im Griff und werden von der Vergangenheit eingeholt, von den Ereignissen überrollt. Sie können nur notdürftig ausputzen, sie setzen auf viele dumme, willfährige Journalisten und korrupte Medien, die ihren Job nicht verstehen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH/LAUSANNE. Da können die Herrschaften in der FIFA-Zentrale und im IOC-Hauptquartier unternehmen, was sie wollen. Sie haben die Lage einfach nicht mehr im Griff und werden von der Vergangenheit eingeholt, von den Ereignissen überrollt. Sie können nur notdürftig ausputzen, sie setzen auf viele dumme, willfährige Journalisten und korrupte Medien, die ihren Job nicht verstehen und dem Berufsstand des Journalismus Schande bereiten &#8211; und die dann eben inbrünstig und kolossal ahnungslos, oft auch ganz bewusst, die Propaganda der Sportkonzerne verbreiten. Ein Skandal im Skandal.</p>
<p>Es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel diese jüngsten:</p>
<ul>
<li><strong>Jean François Tanda</strong>, Handelszeitung: <a title="Fifa: 120'000 Franken für Korruptionsgutachten" href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/fifa-120000-franken-fuer-korruptionsgutachten" target="_blank">Fifa: 120&#8217;000 Franken für Korruptionsgutachten</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Der renommierte Korruptionsbekämpfer Mark Pieth soll Führung und Transparenz der Fifa verbessern. Laut Recherchen der «Handelszeitung» bezahlt sie dafür ein Taggeld von 5000 Franken &#8211; und überwies zusätzliches Geld für ein Gutachten.</p></blockquote>
<p>Auf diesen Beitrag hat Mark Pieth bereits vorab reagiert und gestern Einladungen an einige Journalisten verschickt, die er im Januar gern interviewen würde. Er selbst will ja nicht retrospektiv tätig werden und ermitteln &#8211; das überlässt er anderen. In der Presseerklärung, die gestern ebenfalls verschickt wurde, heißt es:</p>
<blockquote><p><strong>Frequent Questions on the Independent Governance Committee on FIFA</strong></p>
<p>Over the last few days several questions relating to the governance reform process of FIFA have been raised. The following text should address the most pressing issues:</p>
<p><strong>Are the Committee Members independent?</strong><span id="more-11379"></span></p>
<p>First, it needs to be pointed out that governance reform and monitoring is serious professional work (comparable to that of auditors) that should not be left to amateurs and that salaries of professionals need to be paid.</p>
<p>Second, as Chairman I personally do not profit at all from this mandate, as the funds generated go either to the Basel Institute on Governance or into a University fund for research at my Chair (employment of research assistants for 2012).</p>
<p><strong>Should one investigate the past before making recommendations on the future?</strong></p>
<p>The Independent Governance Committee is focussing its efforts on bringing about a rapid and effective change of FIFA’s governance structures (some far reaching ideas have been thrown out in our report published last week).</p>
<p>As part of the governance reform process a look back into the past is necessary, as the risk scenarios need to be realistic. Therefore, the Independent Governance Committee will reach out to investigative journalists and host a hearing for experts on FIFA’s past in January 2012.</p>
<p>There is, from the perspective of the Independent Governance Committee, absolutely no objection to an investigation. Several investigations are under way. The Independent Governance Committee will consider making a recommendation how the past could be best addressed and its membership will be composed in a way suited to assess this issue.</p>
<p>Mark Pieth</p></blockquote>
<p>Weitere Lesebefehle:</p>
<ul>
<li><strong>Jesse Fink</strong> auf ESPN Star.com: <a title="Makudi files must be released" href="http://www.espnstar.com/editorial/news/detail/item719186/Fink:-Makudi-files-must-be-released/" target="_blank">Makudi files must be released</a></li>
</ul>
<p>Das sehe ich natürlich auch so. Ich habe der FIFA dazu vor zwei Wochen einen Fragenkatalog geschickt &#8211; auf die Antworten warte ich noch. Weitere Dokumente zu Makudi sind in der Pipeline.</p>
<ul>
<li><strong>James Dorsey</strong>, The Turbulent World of Mideast Soccer: <a title="Qatar’s 2022 World Cup bid comes under renewed scrutiny" href="http://mideastsoccer.blogspot.com/2011/12/qatars-2022-world-cup-bid-comes-under.html" target="_blank">Qatar’s 2022 World Cup bid comes under renewed scrutiny</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Newly appointed FIFA executive committee member and German soccer federation president Theo Zwanziger this week denounced the awarding to Qatar in an interview with Agence France Presse. &#8220;The basic requirements for a host country have been perverted. I have never understood how such a small country can be awarded one of the most important sports events in the world, especially as Qatar were in last place on the grid before the decision was made,” Mr. Zwanziger said.</p>
<p>Australian soccer federation president Frank Lowy, speaking last week days after Mr. Blatter opened the door to an investigation of Qatar’s bid, said he believed that the Gulf state could be deprived of the right to host the tournament. The &#8220;last word hasn&#8217;t been heard yet,&#8221; Mr. Lowy said.</p>
<p>The soccer officials’ statements gained currency this week when the head of FIFA’s newly created Independent Governance Committee, Mark Pieth, told Associated Press that he will focus on FIFA;s past as well as its future. Mr. Pieth said he has “absolutely no objection to an investigation” and would soon interview investigative journalists who are “experts on FIFA’s past.”</p></blockquote>
<p>Und schließlich der Bericht des Daily Telegraph, in der die von den <a title="FIFA-Whistleblower Chuck Blazer kassiert 9,6 Millionen Dollar (und mehr)" href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/17/fifa-saubermann-chuck-blazer-kassiert-96-millionen-dollar-und-mehr/">Enthüllungen Andrew Jennings&#8217; im Sommer</a> ausgelösten FBI-Ermittlungen konkretisiert werden. Nur nebenbei: Dass FIFA-Exekutivmitglied Chuck Blazer zehn Millionen Dollar (die tatsächliche Summe ist viel höher, das hat er in kleinem Kreise bereits eingeräumt) kassiert, ist für die FIFA kein Grund, einzuschreiten!</p>
<ul>
<li><strong>Claire Newell und Paul Kelso</strong> im Daily Telegraph: <a title="FBI launches investigation into World Cup 'dirty tricks’ campaign " href="http://www.telegraph.co.uk/sport/football/teams/england/8939343/FBI-launches-investigation-into-World-Cup-dirty-tricks-campaign.html" target="_blank">FBI launches investigation into World Cup &#8216;dirty tricks’ campaign</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Investigators claim to have “really great intelligence” of malpractice and came to London last month to interview people present in Zurich at the time of the World Cup vote.</p>
<p>It is understood that the FBI has “substantial evidence” of outside organisations attempting to hack the email accounts of the United States bid for the 2022 tournament, and believe the English bid may have also been affected.</p>
<p>The FBI is understood to have asked England 2018 officials, who are not under suspicion, if they were aware of dirty tricks or corruption in the World Cup bidding campaign.</p>
<p>The FBI is also understood to have asked questions relating to potential offences arising from the alleged bribery of Caribbean football officials by Mohammed Bin Hammam, who stood against Sepp Blatter for the Fifa presidency.</p></blockquote>
<p>Liebe Freunde, es gibt bald viel mehr darüber zu berichten, keine Sorge. Was fehlt, sind allein gerichtsfeste Beweise für die Korruption von Russland 2018 und Katar 2022. Kommt Zeit, kommt Rat.</p>
<p>Was IOC-Präsident Jacques Rogge heute Abend in Lausanne zu den ISL-Korruptionsfällen Diack, Hayatou und Havelange verkünden wird, dürfte eher traurig sein. Denn Rogge wird die Ermittlungsergebnisse der IOC-Ethikkommission nicht veröffentlichen. Aber auch mit dieser Blockadehaltung ist die Wahrheit nicht aufzuhalten.</p>
<p>[<em>Wie <a title="Sportpolitik - FIFA: IOC-Kreise: Keine Ermittlungen gegen Blatter" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1245747" target="_blank">vollkommen ahnungslos, recherchefrei und allein auf Zurufe von ausgewählten IOC-Mitgliedern basierend</a>, einige IOC-Dauerberichterstatter noch immer berichten, ist unfassbar peinlich. Dumm nur, dass diese Leute damit auch eine gewisse Öffentlichkeit prägen - mit Propaganda-Botschaften von FIFA und IOC.</em>]</p>
<p>Ich habe gestern in Zürich und Lausanne eine Kleinigkeit für die NZZ gedichtet: <a title="NZZ: Blatter weibelt in Bundesbern" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/blatter_weibelt_in_bundesbern_1.13557267.html" target="_blank">Blatter weibelt in Bundesbern</a>. Die Kollegen haben sehr gut redigiert und den Text richtig umgestellt. Hier das etwas längere Original, das ich eigentlich für das Blog ausbauen und verlinken wollte, doch dafür fehlt mir momentan die Zeit. Heute Nachmittag geht es weiter in diesem Theater.</p>
<blockquote><p>„Team Spirit“ heißt das Event, das in parlamentarischen Kreisen alljährlich großen Zuspruch genießt. Wenn die Sport-Lotto-Gesellschaft und die Parlamentarische Grupp Sport unter dem Patronat des Sportministers Ueli Maurer (SVP) einladen zu Speis und Trank, garniert mit kleinen Geschenken, ist der Aufmarsch groß. 70 bis 80 Abgeordnete versammelten sich auch am Dienstagabend im Hotel Bellevue Palace zu Bern. Allesamt „Keyplayer“, wie es hieß. Einer jener Keyplayer wirkt gern im Hintergrund: Es ist Aloys Hirzel, PR-Guru der Schweiz, der derzeit in der FIFA-Zentrale ein und aus geht. Denn Hirzel (Agentur „Konsulenten“) ist wie einige andere PR-Leute und Lobbyisten damit beschäftigt, das schwer angeschlagene Image des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter aufzufrischen. Ob er vom Fußball-Weltverband unter Vertrag genommen wurde, mag Hirzel zwar nicht sagen. Kundenbeziehungen publiziere er nicht, teilt er nur mit. Doch ranghohe FIFA-Mitarbeiter erklären, Hirzel sei auf politischem Parkett tätig und habe zum Beispiel den Lobby-Termin Blatters am Dienstag in Bern mit vorbereitet.</p>
<p>Am Abend, als Blatter sein Versprechen gebrochen hatte und mitteilen musste, dass die so genannte Einstellungsverfügung aus dem ISL-Korruptionsprozess nun doch nicht im Dezember veröffentlicht wird, wurden Blatter in parlamentarischen Kreisen keine kritischen Fragen gestellt. Einige der Anwesenden hatten kürzlich erfolgreich daran mitgewirkt, dass der Bericht des Bundesamtes für Sport zu Korruption und Schattenwirtschaft in Sportkonzernen wie IOK und FIFA, der Ende 2011 vorliegen sollte, um ein Jahr verschoben wurde. Und die Organisatoren von „Team Spirit“ präsentierten Blatter im knapp 45-minütigen Kaminfeuer-Gespräch mit SF-Moderatorion Steffi Buchli, die es vermied, Fragen von Belang zu formulieren.</p>
<p>So durfte Blatter ungestört darüber fabulieren, dass die „Leichtigkeit des Seins“ derzeit nicht gegeben sei, nicht in der FIFA und nicht im WM-Gastgeberland Brasilien, wo sich Staatspräsidentin Dilma Rousseff als energische Korruptionsbekämpferin profiliert. Er, Blatter, werde es allen zeigen und seine Reformen durchsetzen, flötete der 75-jährige aufgekratzt. Das hätten nur einige bösartige Journalisten in England und Deutschland noch nicht begriffen.</p>
<p>Nach dem Stelldichein mit SF-Frau Buchli nahm sich Blatter viel Zeit, um unter den Parlamentariern, unter National- und Bundesräten zu antichambrieren. Es wurde viel gelacht, Freundschaftsfotos geknipst, und Blatter soll sogar mit Nationalrat Roland Büchel (SVP) gesprochen haben, der vor einem Jahr eine Motion eingereicht und die Überprüfung der Korruption in den Sportverbänden gefordert hatte.</p>
<p>Mit derlei Maßnahmen und vielen harmlosen, bestellten Interviews, in denen dann über Probleme schwadroniert wird, die Blatter längst hätte lösen können (Torkameras, Frauen im FIFA-Exko etc), versuchen seine PR-Leute ihn neu zu positionieren. Zur Crew gehören neben Hirzel der neue FIFA-Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio, einst Schweizer Journalist des Jahres, und der Österreicher Bernd Fisa, der ehemals bei Ferrari mit Michael Schumacher gearbeitet hat. Auch Blatters ehemaliger Berater Peter Hargitay soll wieder an Bord sein. [<em>Er bestreitet, einen Vertrag zu haben. Das habe ich a) auch nicht behauptet und b) in vorherigen Beiträgen erwähnt.</em>] Sie verrichten Schwerstarbeit, sie betreiben Propaganda – doch sie können die Entwicklungen nicht beherrschen.</p>
<p>Aktuelle Beispiele gefällig? Der Londoner „Daily Telegraph“ berichtet gerade über das Interesse der amerikanischen Bundespolizei FBI an der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Ermittelt wird nicht nur in den USA, auch in anderen Ländern – und von anderen Institutionen. Die FIFA aber verweigert sich konsequent Untersuchungskommissionen zur skandalbehafteten WM-Vergabe an Russland (2018) und Katar. Sie arbeitet nicht einmal das ISL-Bestechungssystem auf. Korrupte Funktionäre, die nachweislich ISL-Gelder erhalten haben, müssen nichts befürchten. Und einer dieser Spitzbuben, Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira, WM-Organisationschef 2014, behauptete am Mittwoch in Brasilien gegenüber Journalisten, er sei es nicht gewesen, der die Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung mit juristischen Hebeln verhindert habe.</p>
<p>Wer war es dann? FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange, der ebenfalls ISL-Millionen kassierte und nun unter Druck aus dem IOK demissionierte? Oder hat Blatter am Dienstag nicht die Wahrheit gesagt und es gibt gar keine Hindernisse?</p>
<p>In Lausanne, wo derzeit das IOK-Exekutivkomitee tagt, hielt man sich am Mittwoch bedeckt zum Korruptionsfall ISL und der Verstrickung der IOK-Mitglieder Havelange (Brasilien), Issa Hayatou (Kamerun) und Lamine Diack (Senegal). IOK-Sprecher Mark Adams verwies auf die Pressekonferenz des Präsidenten Jacques Rogge am Donnerstag. Rogge könnte Aufklärung schaffen, wenn er die Ermittlungsergebnisse der IOK-Ethikkommission gegen Havelange veröffentlichen würde. Danach sieht es aber nicht aus. Rogge scheint mit Havelanges Rücktritt zufrieden.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 15:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen Lügen Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports. Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar: Die ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen <del>Lügen</del> Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports.</p>
<p>Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar:</p>
<ul>
<li>Die <a title="The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/">ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge</a> von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), Cart (Motorsport), ATP (Tennis), ITF (Tennis) und vielen mehr.</li>
<li>Die ISL-Gruppe ist an diese Verträge nur deshalb gekommen, weil sie über Jahrzehnte die Top-Funktionäre in den Exekutivkomitees mit exorbitanten Summen geschmiert hat, gekauft und bestochen.</li>
<li><a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">Mehr als 140 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld</a> sind gerichtsfest dokumentiert.</li>
</ul>
<div><img class="size-full wp-image-9842  aligncenter" title="ISL Schmiergeldbilanz" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/11/islneu-e1291042109675.gif" alt="ISL Schmiergeldbilanz" width="371" height="336" /></div>
<ul>
<li>Die Dunkelziffer liegt ungleich höher, setzt man diesen Maßstab an, den die Kriminalwissenschaft belegen kann: nur maximal fünf Prozent aller Korruptionsfälle werden entdeckt, mehr als 95 Prozent werden nie öffentlich.</li>
<li>Das vom ISL-Gründer und damaligen Adidas-Chef Horst Dassler installierte weltweite Korruptionssystem dominierte den gesamten olympischen Sport. Etliche der Begünstigten sind noch in Amt und Würden. Viele sind noch in Amt und Würden, deren Namen nicht auf den bisher ermittelten Listen stehen. <del>Viele</del> Einige der einstigen Mitarbeiter Dasslers (ob nun im ISL-Konglomerat oder bei Adidas) sind noch in Amt und Würden &#8211; manch einer strebt sogar allerhöchste olympische Weihen an.</li>
<li>Die Causa ISL hat also den Sport über Jahrzehnte geprägt, zehn Jahre nach dem ISL-Konkurs ist das Thema weiter brandaktuell &#8211; und das Thema wird es auch noch einige Jahre bleiben.</li>
</ul>
<div>Wer behauptet, das ISL-Korruptionssystem sei ein Thema für den History Channel, der lügt oder hat keine Ahnung &#8211; beide Optionen sind auch möglich.</div>
<p>Als Basisinformation soll das ausreichen, wer die Geschichten hier und anderswo auch nur ansatzweise verfolgt, weiß, dass zu jenem einzelnen Punkt Ausführungen in Romanlänge geschrieben werden könnten.</p>
<p>Nun die Frage:</p>
<ul>
<li><strong>Was unternimmt der olympische Sport?</strong></li>
</ul>
<p>Bisher so gut wie nichts.</p>
<p>Ach doch, sorry.<span id="more-11367"></span></p>
<ul>
<li>Korrupte FIFA-Funktionäre, der ISL-Schmiergeldbote Jean-Marie Weber und die FIFA haben &#8211; insgesamt &#8211; 8 Millionen Franken (einmal 2,5 Mio, einmal 5,5 Mio) gezahlt, um in <a title="Wie sich korrupte Funktionäre im FIFA-Reich des Joseph Blatter mit Millionen frei kaufen" href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/">Korruptionsverdunklungsverträgen</a> die Namen der Schmiergeldempfänger geheim zu halten.</li>
<li>Zuvor hatte die FIFA in aller Stille ihr Desinteresse an einer Strafermittlung erklärt &#8211; der Untersuchungsrichter setzte seine Arbeit dennoch fort.</li>
<li>Das IOC hat seine Ethikkommission &#8220;ermitteln&#8221; lassen, nachdem Andrew Jennings Ende vergangenen Jahres in der BBC weitere Beweise vorlegen konnte.</li>
<li>Nun werden, vielleicht, zwei IOC-Ganoven verwarnt (Diack und Hayatou). Doch einer der größten Sportbetrüger aller Zeiten, Joao Havelange, kommt ungeschoren davon.</li>
</ul>
<p>Viel mehr an Aktionen seitens des organisierten Sports ist bislang nicht bekannt. Oder kann mir jemand helfen und mein Erinnerungsvermögen auffrischen?</p>
<p>Die <a title="JW auf SpOn" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801905,00.html" target="_blank">Kernfragen</a> in der ISL-Causa lautete nach den jüngsten Entwicklungen (<a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">Rücktritt Havelanges</a> + <a title="live-Blog aus Zürich, Joseph Blatter greint: “Die Institution FIFA ist nicht korrupt”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/21/live-blog-aus-zurich-sepp-mutiert-zum-korruptionsbekampfer/">Blatters Versprechen, die ISL-Einstellungsverfügung offenzulegen</a>):</p>
<ul>
<li>Was hat die IOC-Ethikkommission &#8220;ermittelt&#8221;? Vielleicht gar neue Sachverhalte?</li>
<li>Wie hat die IOC-Ethikkommission die Ausschluss-Empfehlung gegen Havelange begründet?</li>
<li>Hat tatsächlich der damalige FIFA-Generalsekretär Blatter angeordnet, jene 1,5 Mio CHF Bestechungsgeld, die von der ISL irrtümlich auf ein FIFA-Konto überwiesen wurden, unverzüglich auf Havelanges Privatkonto weiterzuleiten?</li>
<li>Wenn das so gewesen wäre: Wird die IOC-Ethikkommission unverzüglich gegen Blatter &#8220;ermitteln&#8221;, was angesichts der im Raum stehenden Summe (der heutige FIFA-Präsident bestreitet derartiges Handeln, andere erinnern sich anders) u. U. auch zum IOC-Rausschmiss führen müsste?</li>
<li>Wird der Vorgang in der Einstellungsverfügung dokumentiert? (Eine meiner Quellen behauptet das. Ich weiß es allerdings nicht.)</li>
</ul>
<p>Wie sieht es also aus?</p>
<p>Zunächst einmal nimmt die FIFA <a title="live aus Zürich, Sepp Blatters Tafelrunde: “Crisis? What is a crisis?”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/19/live-aus-zurich-sepp-blatters-tafelrunde/">eine junge, unlängst von mir weltweit exklusiv begründete Tradition</a> auf und veröffentlicht ebenfalls die <a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/mm/document/affederation/bodies/01/55/27/66/0100_001.pdf" target="_blank">Tagesordnung</a> der Sitzung des Exekutivkomitees (kommende Woche in Tokio).</p>
<p>Zugleich aber <a title="fifa.com" href="http://www.fifa.com/aboutfifa/organisation/news/newsid=1552775/index.html" target="_blank">teilt die FIFA mit</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Joseph S. Blatter confirms ISL file will be published despite objection of involved party</strong></p>
<p>On 21 October 2011, FIFA President Joseph S. Blatter announced his commitment to publish the ISL-ISMM file after receiving the full backing to do so from the members of the FIFA Executive Committee. Today, the FIFA President confirms his determination to publish the file on the ISL-ISMM case despite the fact that legal measures have been taken by one of the parties involved.</p>
<p>These measures request another thorough legal analysis which<strong> will postpone the envisaged publication of the ISL file.</strong></p>
<p>Joseph S. Blatter stated today: “FIFA has been working intensively over the past few weeks with its lawyers and legal team to be able to publish the ISL file at the next meeting of the FIFA Executive Committee in Japan on 17 December 2011. It was my strong will to make the ISL file fully transparent at this meeting. I have now been advised that as a result of the objection of a third party to such transparency it will take more time to overcome the respective legal hurdles. This does not change my stance at all. I remain fully committed to publishing the files as soon as possible as an important part of my many reform plans for FIFA, which include handling the past as well as preparing the future structure of the organisation.”</p>
<p>The reform process has in any case already started and will continue with a view to presenting concrete measures at the 2012 FIFA Congress.</p></blockquote>
<p>Die Veröffentlichung, ein Kernthema der angeblichen Reformen, wird verschoben.</p>
<p>Noch Fragen?</p>
<p>Wer Fragen haben sollte, wende sich bitte an jene Anwaltkanzleien, die in den schmutzigen Deal mit der Zuger Staatsanwaltschaft beteiligt waren (und bis heute sind), <a title="Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">als da wären</a>:</p>
<ul>
<li><a title="Nobel &amp; Hug" href="http://www.nobel-hug.ch/" target="_blank">Nobel &amp; Hug, Rechtsanwälte</a></li>
<li><a title="Schweiger" href="http://www.schweigerlaw.ch/index3.asp" target="_blank">Schweiger, Advokatur Notariat</a></li>
<li><a title="Niedermann" href="http://www.niedermann.com/en/profile/" target="_blank">Niedermann, Rechtsanwälte</a></li>
</ul>
<p>Und nun zum IOC-Präsidenten Jacques Rogge [<em>in den ich vor vielen Jahren mal große Hoffnungen gesetzt hatte, die fast alle enttäuscht worden sind, aber das ist mein Problem</em>].</p>
<p>Rogge wird in der Korruptionscausa ISL-Havelange-FIFA von Nachrichtenagenturen (die das Thema lange Jahre sträflich vernachlässigten und sich an der Aufklärung eigentlich kaum oder gar nicht beteiligt haben) so zitiert:</p>
<p>dpa:</p>
<blockquote><p>Der 95-Jährige sei jetzt «ein privater Bürger», erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge. Die IOC-Ethikkommission hatte wegen Korruptionsvorwürfen gegen Havelange ermittelt. Medienberichte, nach denen der ehemalige Präsident des Fußball-Weltverbandes durch seinen Rückzug einem wahrscheinlichen IOC-Ausschluss zuvorkam, wies Rogge als «pure Spekulation» zurück. «Für mich hat sein Rücktritt mit seiner Gesundheit und seinem Alter zu tun», meinte der Belgier.</p>
<p>Havelange soll in den Bestechungsskandal um die ehemalige Sportvermarktungsfirma ISL verwickelt gewesen sein, hat diese Vorwürfe aber stets bestritten. «Da Herr Havelange kein IOC-Mitglied mehr ist, wird es keine Ermittlungen mehr gegen ihn geben, denn er ist ein privater Bürger», sagte Rogge in einem Reuters-Interview und betonte, der Doyen des IOC habe aus gesundheitlichen Gründen die Ringe-Organisation verlassen. Havelange war seit 1963 im IOC und der letzte Funktionär mit einer Mitgliedschaft auf Lebenszeit.</p>
<p>«Havelange hat mir in einem Brief von Gesundheitsproblemen geschrieben, die ihn von Reisen abhalten», erklärte Rogge. Havelange drohte eine Suspendierung durch die IOC-Exekutive am Mittwoch und Donnerstag in Lausanne: «Pure Spekulationen kommentiere ich nicht», so Rogge, «Joao Havelange hatte schon einige Termine verpasst. Bei der IOC-Session in Durban fehlte er auch.»</p>
<p><em>Quelle: dpa via <a title="sueddeutsche.de" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1245747" target="_blank">sueddeutsche.de</a></em></p></blockquote>
<p>Reuters:</p>
<blockquote><p>&#8220;Havelange sent me a letter saying that he had lately had health issues and that stopped him from travelling and he considered that due to his age and health it stopped him from travelling regularly,&#8221; Rogge told Reuters in an exclusive interview.</p>
<p>Asked whether his resignation two days before the IOC discussed the ethics commission report was an indirect admission of guilt by Havelange, Rogge said that was just speculation.</p>
<p>&#8220;I am not going to comment on what is purely speculation. Joao Havelange already had missed other meetings, in the (IOC) session (in July) he was not there either, he missed major meetings of FIFA.</p>
<p><em>Quelle: Reuters via <a title="Eurosport" href="http://asia.eurosport.com/olympicgames/london-2012/2012/ioc-cancel-probe_sto3054908/story.shtml" target="_blank">Eurosport</a></em></p></blockquote>
<p>Weitere Zitate spare ich mir. Vom he-said-she-said-&#8221;Journalismus&#8221; halte ich nichts.</p>
<p>Es ist einfach eklig. Es ist grauenvoll.</p>
<p>Oops. Da ist mir nun doch ein abwertender Begriff über die Tastatur gekommen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kontrastprogramm zur Blatter-FIFA-Propaganda powered by Bild: Andrew Jennings vor dem Europarat</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/kontrastprogramm-zur-blatter-fifa-propaganda-powered-by-bild-andrew-jennings-vor-dem-europarat/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 11:20:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Jens Weinreich und Andrew Jennings ZÜRICH. Wenn ich mir die Berichterstattung über ein so genanntes Interview des FIFA-Präsidenten in einem für mich irrelevanten, schmierig-verkommenen deutschen Boulevardblatt anschaue, fällt mir nichts mehr ein. Wie können so genannte Nachrichtenagenturen überhaupt aus diesem verruchten Blatt zitieren, das ist eine Frage, aber so funktioniert nun mal das verlogene [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Jens Weinreich und Andrew Jennings</strong></p>
<p>ZÜRICH. Wenn ich mir die Berichterstattung über ein so genanntes Interview des FIFA-Präsidenten in einem für mich irrelevanten, schmierig-verkommenen deutschen Boulevardblatt anschaue, fällt mir nichts mehr ein. Wie können so genannte Nachrichtenagenturen überhaupt aus diesem verruchten Blatt zitieren, das ist eine Frage, aber so funktioniert nun mal das verlogene Mediengeschäft, eine andere Frage lautet:</p>
<p>Merken die nicht, dass das nichts weiter ist als Blatter-Propaganda powered by Bild?</p>
<p>Sie merken es natürlich nicht.</p>
<p>In verschiedenen Redaktionen, die mich bereits kontaktierten, sind nun die politischen Ressorts ganz aufgeregt. Wie traurig. Aber so läuft das, sie springen ja immer im Kreis, wenn eine so genannte Nachrichtenagentur eine Bild-Geschichte promotet.</p>
<p>Ein Grund mehr, der Branche Adieu zu sagen. Unerträglich.</p>
<p>Aber zurück zum Thema: Joseph Blatter und seine Helfershelfer wollen mit diesem Beitrag natürlich nur von den wahren Problemen ablenken. Nichts sonst. Ich weiß nicht, ob eins der Themen (Frauen im Exko, Profischiedsrichter, Torkamera etc pp) neu ist. Eher nicht. Er hat alles schon teilweise vor ewigen Zeiten so gesagt &#8211; vor allem aber hätte er es bereits vor Jahrhunderten ändern können.</p>
<p>Aber so ein Plaudern verpflichtet zu nichts. Deshalb ja: Ablenkungsmanöver. &#8220;Revolutionäre Pläne&#8221;? Pure Propaganda.</p>
<p>Liebe Freunde, und das gilt auch für meine Freunde in der FIFA: Hier im Blog gibt es weiter das Kontrastprogramm, so wie es sich gehört.<span id="more-11357"></span></p>
<p>Die Havelange-Geschichte habe ich noch einmal für andere Medien aufgeschrieben und einige neue Nuancen beigetragen:</p>
<ul>
<li><strong>Spiegel Online</strong>: <a title="SpOn: Havelange-Rücktritt wird für Blatter zur Gefahr" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801905,00.html" target="_blank">Havelange-Rücktritt wird für Blatter zur Gefahr</a></li>
<li><strong>Neue Zürcher Zeitung</strong>: <a title="NZZ: Der unrühmliche Abgang João Havelanges" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/der_unruehmliche_abgang_joao_havelanges_1.13529260.html" target="_blank">Der unrühmliche Abgang João Havelanges</a></li>
</ul>
<p>Wenn meine Infos stimmen, dann ist in Kürze Neues zu erwarten. Angeblich noch heute. Manche Leute sind ganz aufgeregt.</p>
<p>Derweil sitzt mein Kompagnon Andrew Jennings in Paris mit europäischen Parlamentariern zusammen und klärt sie über die FIFA-Strukturen auf. Unlängst hat Andrew Jennings ja einen Vortrag in Brasilia vor einem Senatsausschuss gehalten &#8230;</p>
<ul>
<li><a title="Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/  ">Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”</a></li>
</ul>
<p>&#8230; jetzt gerade spricht er in Paris vor dem <a title="Europarat" href="http://assembly.coe.int/main.asp?Link=/committee/docref/cult_e.htm" target="_blank">Komitee für Kultur, Wissenschaft und Bildung des Europarats</a>, das sich heute u.a. mit dem Thema Korruption im Sport befasst.</p>
<p>Das Komitee hatte ihn vor einigen Wochen bereits um eine schriftliche Zuarbeit gebeten. Der Beitrag kann die jüngsten Entwicklungen natürlich noch nicht berücksichtigen, aber &#8211; voilà &#8211; hier ist der Jennings-Text:</p>
<blockquote><p><strong>FIFA – Institutionally corrupt and incapable of reforming itself. How it happened &#8211; and what can be done.</strong></p>
<p><em>by Andrew Jennings</em></p>
<p>Who I am: I’m not a sports reporter. For the past 45 years I have specialised in investigating corruption and, in the last 2 decades, the major international sports federations. I write books (my investigation book on FIFA is in 16 languages), make investigative films for the BBC and other broadcasters, and write articles for press and magazines. I also contribute to academic journals, speak at academic conferences and conventions of forensic auditors, lawyers and the sports industry.</p>
<p>My previous longterm investigation, in the 1980s, was into Organised Crime in Sicily and London. This was perfect training for understanding the structures of the IOC, the IAAF and then FIFA.</p>
<p>Everything I write and broadcast is based on their internal, confidential documents. FIFA have threatened but never sued me.</p>
<p><strong>FIFA as Mafia:</strong></p>
<p>I have no hesitation characterising FIFA as an Organised Crime Syndicate. They tick all the boxes in the academic definition. FIFA has a supreme and unaccountable Boss of Bosses: President Joseph Blatter, operating the regime of industrial-scale corruption, the legacy of former President Joao Havelange.</p>
<p>Blatter was put in power in Paris in 1998 with the help of inducements by Havelange and massive bribes delivered by Mohammed Bin Hammam from Qatar, defeating the scrupulously honest Lennart Johansson. Deceitfully, Blatter charged CHF68,000 of his election expenses to FIFA, approving this expenditure retrospectively once elected. Bin Hammam paid the bribes again in 2002 and Blatter has never had to face a presidential vote since.</p>
<p>‘Don’ Blatter heads up six interlocking families. These are the continental confederations. Blatter has huge powers of patronage, based on the billions earned from the World Cup. He uses this to lubricate the affiliated 208 national associations. The grease is lightly audited multi-million dollar ‘development grants’ and access to immense quantities of World Cup tickets to sell for cash into the Black Market, frequently for secret tax-free profits.</p>
<p>The other essential element is the complicity of law enforcement and politicians. Apart from one dedicated Swiss Investigating Magistrate who has tried to unearth the grotesque corruption at FIFA, other police appeared intimidated by Blatter being entertained everywhere from the White House to Downing Street to the Elysée to the Kremlin. The corruption scandals have now encouraged prosecutors in three further countries to start digging.</p>
<p>These secret rewards help explain why our national associations practise Omerta. You rarely hear a word of criticism from their leaders. The ones who decline the grease are appointed to FIFA committees and ‘well-looked after’ with per diems and expenses. Any individual, club or federation that dares to take FIFA to court is suspended; our democratic institutions are off-limits in Herr Blatter’s world.</p>
<p><strong>FIFA Today:</strong></p>
<p>So: the world’s most popular sport is dominated by a tiny elite of unrepentant thieves, unaccountable because of the lack of scrutiny. Sadly, their money machine is covered by football reporters who have no training investigating corruption.</p>
<p>I have been banned from FIFA press conferences since April 2003 after I published a documented story disclosing that Blatter pays himself a secret six-figure annual bonus for ‘loyalty.’ Blatter announced the story was ‘fiction’ and promised to sue. He didn’t. Blatter refuses to reveal what he pays himself in salary, bonuses, housing and car allowances, expenses and other perks.</p>
<p><strong>Meet the Family of Football:</strong></p>
<p>After 36 years as an employee and later President, Blatter seems out of touch with the real world. Protected by his media minders he travels only by imperial private chartered jet, avoiding the fans that frequently boo him. This year of scandal has limited his red carpet options and he is reduced to photocalls in Burma, Zimbabwe and Azerbaijan where there are no risks of free media and sceptical reporters.</p>
<p>You will be aware that FIFA vice-president Jack Warner from Trinidad hurriedly resigned this year following revelations of his involvement in an attempt by Mohamed Bin Hammam in May to pay $1 million dollars in cash bribes to Caribbean officials to support him in the presidential election. Bin Hammam has been banned for life.</p>
<p>The initiative to expose these men was taken by American Chuck Blazer, also a member of FIFA’s executive committee.</p>
<p>For 21 years Mr Warner and Mr Blazer used their continental confederation spanning North and Central America and the micro states of the Caribbean as their private bank account, endlessly enriched with FIFA grants. Mr Blazer has long been both General Secretary and Treasurer of the confederation, defying all good governance practices. In July I published correspondence and bank records suggesting that Mr Blazer has been in receipt of large sums of FIFA money in his Cayman Islands private account. Sepp Blatter declines to investigate.</p>
<p>Blatter also refused to act when in 2006 Manhattan Judge Loretta Preska found for MasterCard against FIFA and stated: ‘Mr Blazer’s testimony was generally without credibility, based on his attitude and evasive answers on cross examination.’ She added: ‘Mr Blazer’s testimony is rejected as fabricated.’ FIFA settled the case, paying $90 million.</p>
<p>In mid-October it was revealed in Argentina that Julio Grondona, chair of FIFA’s Finance Committee, and his family and close aides control bank accounts in Switzerland containing around $120 million. Although the accounts have featured prominently in the Swiss media, Blatter has declined to refer Grondona to FIFA’s Ethics Committee. Police in Buenos Aires are on the case.</p>
<p><strong>The $100 million bribe scandal:</strong></p>
<p>Despite the current scandals that disfigure FIFA there is one long-running racket of epic proportions. In the 1970s marketing companies sought to unlock the value in sport. Joao Havelange was elected FIFA president in 1974 with the help of bribes paid by Horst Dassler of the Adidas company. Dassler set up a company named ISL to capture the TV and marketing rights for the Olympics, world athletics, UEFA and FIFA.</p>
<p>He was wildly successful. The most senior FIFA officials, primarily Havelange, received contract kickbacks. One ISL manager described them to me as ‘regular, like a salary.’ The value of World Cup TV rights soared in the middle 1990s and the IMG company sought to oust ISL.</p>
<p>I obtained the exchange of confidential letters between IMG and FIFA in 1995 and 1996 (I quote them extensively in my book FOUL! – Carton Rouge in France) that demonstrate the outrage of IMG as General Secretary Blatter used every device to favour ISL – who won.</p>
<p>The kickbacks soared but in early 2001, ISL was declared bankrupt. The liquidator discovered the list of bribes and extracted a modest secret settlement from unnamed FIFA officials. The money was paid into an account in February 2004, created by Blatter’s lawyer.</p>
<p><strong>Raid on FIFA House:</strong></p>
<p>Meanwhile Investigating Magistrate Thomas Hildbrand from the Canton of Zug began investigating. Blatter, in secret, tried to get Hildbrand removed. It didn’t work and on the morning of November 3, 2005 Hildbrand raided FIFA House and seized documents. FIFA refuse to discuss this embarrassment.</p>
<p>In March 2008 six executives from ISL went on trial in Zug, accused of trading while insolvent. There were two shocks during the trial. The first was the disclosure in the criminal indictment of the bribes paid from mid-1999, when the Prosecutor considered ISL to have been insolvent. Most of the 37 illicit payments were made to impenetrable Liechtenstein companies but two stood out: one was a total of $130,000 paid to Nicolas Leoz, a member of FIFA’s Executive Committee and still president of the Latin-American confederation. Blatter refuses to investigate.</p>
<p>On the second day Judge Siegwart asked the defendants, who got the money? They refused to say. Those of us in court were electrified when Judge Siegwart announced that the full total of bribes from 1989 until 2001 was around $100 million. That was widely published – but Blatter refuses to investigate.</p>
<p>Magistrate Hildbrand launched a second investigation into who took the bribes. This was completed in May 2010 and in a Swiss procedure, it was announced that an unknown number of FIFA officials would repay some of the money and make a donation to charity. This settlement would remain confidential</p>
<p><strong>Naming names:</strong></p>
<p>Blatter announced that he had been cleared of any wrongdoing and that he would make no further comment. FIFA refuses to disclose how this repayment has been recorded in their accounts. I continued my investigations for the BBC and obtained a list of 175 bribes paid since 1989 to sports officials, mostly at FIFA. The total was indeed $100 million.</p>
<p>We broadcast a BBC Panorama programme in November 2010, linking ISL payments of $9.5 million to a Liechtenstein company named Sanud to Brazilian FIFA executive committee member Ricardo Teixeira, the former son-in-law of Joao Havelange.</p>
<p>I also found a bribe of $1 million dollars direct to Havelange. In March 1997 ISL, by mistake, sent the $1 million to a FIFA account! The Finance Director took the payment notification to Blatter who ordered that the money be forwarded to Havelange – and tried, without success, to persuade the UBS bank to erase it from their records. I believe Havelange received a great deal more.</p>
<p>There were further payments of $600,000 to Nicolas Leoz and a payment of $30,000 to Issa Hayatou, a FIFA vice-president.</p>
<p>There were also payments to IAAF president Lamine Diack totalling $41,000, mostly in cash. Diack, Havelange and Hayatou are members of the IOC who launched an investigation. The BBC has put all these allegations to the men concerned and all have refused to comment. Blatter refuses to investigate.</p>
<p><strong>Unravelling the secret settlement:</strong></p>
<p>I continued my investigations and in May 2011 we broadcast another BBC Panorama which revealed some of the contents of the secret settlement of the Hildbrand investigation. Havelange and Teixeira had signed confessions that they received kickbacks and agreed to repay some money to FIFA. Blatter, for FIFA, had to admit that he knew about the bribes system. This report has remained confidential.</p>
<p><strong>Sunday Times Insight investigation:</strong></p>
<p>In the late Summer of 2010, as the vote at FIFA into who should stage the World Cups of 2018 and 2022 approached, the Insight team of the London Sunday Times set out to investigate if any of the 23 members of FIFA’s executive committee were open to selling their votes to bidding nations.</p>
<p>Using secret recording equipment Insight exposed FIFA executive committee members Amos Adamu from Nigeria and Reynald Temarri from Tahiti. They were suspended by FIFA.</p>
<p>The Insight team recorded secret interviews with football officials around the world. They heard astonishing allegations about endemic corruption at FIFA; in the secret ballot to host 2010, Morocco beat South Africa by two votes – this was suppressed; they talked about bribes paid in the past to host the World Cup – and clamed that bribes were being offered by the Qatar team bidding to host 2022.</p>
<p>Did Blatter investigate these very serious allegations? No, he instituted disciplinary processes and these men were suspended from world football. Their crime was talking. Omerta still rules.</p>
<p><strong>Buying the World Cup:</strong></p>
<p>German investigative reporters obtained documents showing that associates of the Germany bid paid bribes in 2000 to a number of FIFA executive committee members, including Worawi Makudi from Thailand, to defeat South Africa to host 2006. Blatter did not investigate. I featured this corruption in a BBC Panorama in 2007.</p>
<p>Following angry protests by South Africa, Blatter announced a new policy of rotating the World Cup between continents. South Africa won 2010 and Ricardo Teixeira was given his own World Cup in Brazil in 2014 to loot. That was the end of rotation.</p>
<p><strong>The old men get too greedy:</strong></p>
<p>The greed of the ageing members of FIFA’s executive committee precipitated this year’s stream of corruption allegations. The trigger was Blatter announcing that FIFA would simultaneously choose hosts for 2018 &#8211; and for distant 2022. No other sports organisation makes such decisions so far ahead. I have no doubt that this was so more bribes could be extracted, especially from petro-dollar rich states. (I am Scottish and did not support the England bid!)</p>
<p>You may be aware that there is great scepticism about the bizarre decision to award 2022 to Qatar. Evidence has become available that bribes were paid – specific amounts have been mentioned &#8211; and several members of the FIFA executive committee have been named. Unsurprisingly FIFA shows no interest in investigating. It is to be hoped the public authorities will pursue this betrayal of trust.</p>
<p>Once Blatter has been deposed, FIFA will have to revisit this decision. At that time we can hope that FIFA will cease making outrageous demands on governments for exemptions to tax and labour laws that breach EU law.</p>
<p><strong>FIFA General Secretary Jerome Valcke:</strong></p>
<p>In 2001, when employed by the French Vivendi company to conduct due diligence with a view to acquiring the assets of the bankrupt ISL company Mr Valcke appears to have stumbled over the massive bribes paid by the company. During negotiations with FIFA he received a letter from Blatter on April 30, 2001 in which the FIFA President wrote . . . “Threats were specifically directed against both FIFA and “certain gentlemen of FIFA.” And . . . “The position of FIFA in no way will ever be altered by any threats or attempts of blackmailing.” (I have this letter)</p>
<p>Vivendi withdrew but in June 2003 Blatter appointed Valcke as FIFA’s Director of Marketing. Valcke was fired in December after being accused of lying in the MasterCard trial in New York. In a press release (December 12, 2006) Blatter stated, ‘FIFA cannot possibly accept such conduct among its own employees.’</p>
<p>But it did. Six months later, in June 2007, Blatter appointed Valcke to the post of FIFA General Secretary. The sacking – and the reasons &#8211; are erased from Valcke’s official FIFA biography. Instead, it states that Valcke has had, ‘a brilliant career.’</p>
<p><strong>Keeping it in the Family:</strong></p>
<p>The FIFA Family delivers lucrative contracts to Blatter’s nephew Philippe Blatter, CEO of the Infront sports marketing company. When ISL collapsed, Infront occupied their suite of offices in Zug. Infront then acquired the valuable World Cup TV rights for Asia formerly held by ISL. Among their employees is at least one person involved in the Germany bribes in 2000 for 2006.</p>
<p>Philippe Blatter’s Infront company also has a stake in the MATCH company which has the Hospitality contracts for 2010 – 2022. Another shareholder in MATCH is the Dentsu company who were 49% shareholders in ISL throughout the years they paid the massive bribes.</p>
<p>MATCH is 85% owned by Jamie and Enrique Byrom. Their Byrom company were awarded contracts to manage all the ticket sales for the World Cup in Korea/Japan and again last year in South Africa. In Brazil they will be producing, selling and distributing the remaining 3.2 million tickets.</p>
<p><strong>Cleaning FIFA’s stables:</strong></p>
<p>FIFA’s Ethics and Disciplinary Committees are handpicked by Blatter. They are not allowed to launch investigations without permission from Blatter or Valcke. The Chair of the Ethics Committee is former Swiss footballer, now lawyer, Claudio Sulser. At a press conference late last year Mr Sulser refused to investigate the ISL bribery scandal asserting it is ‘historic.’</p>
<p>It is worth noting that in January this year Guenter Hirsch, a former president of Germany&#8217;s Federal Court of Justice, resigned from Sulser’s committee stating, ‘those responsible in FIFA have no real interest in playing an active role in the resolution, pursuance and prevention of violations of FIFA&#8217;s ethics code.&#8217;</p>
<p>On October 21, 2011, at a tightly controlled press conference (one question only, nothing permitted on ISL) Blatter uttered the usual platitudes about ‘Road Maps’ to reform and ‘Task Forces.’ Blatter will hand-pick these entities. The one on ‘Transparency and Compliance,’ is chaired by an official close to the corrupt Nicolas Leoz.</p>
<p>One of Blatter’s many delaying tactics is that decisions cannot be taken until the FIFA Congress in 2013. So FIFA will be its own investigator, judge and jury – one day.</p>
<p>Perhaps the most outrageous announcement concerned the Report of Magistrate Hildbrand. The Zug Prosecutor is prepared to disclose it to the media ‘because it is in the public interest’. Blatter is spending FIFA money on Zurich lawyers to fight for suppression. So too are Teixeira and Havelange. The BBC and Swiss media are pursing legal action through the courts. Our lawyers are adamant that in about 12 months time we will win at the Swiss Federal Court.</p>
<p>The report is about 40 pages in length. A copy resides in Blatter’s desk. He was not cleared – he had to admit that he knew money was diverted from FIFA in the form of kickbacks. Publication would immediately terminate his presidency.</p>
<p>Blatter now claims he wants to release the Report but insists, ‘This can only be done after a thorough legal analysis because of the complexity of the matter,’ adding ‘It will then be given to an independent body for further examination.’ One must ask, why doesn’t he just post it on the internet and let the world do the examining?</p>
<p><strong>The verdict of the IOC:</strong></p>
<p>The day after we meet in Paris the IOC is expected to publish its decisions (December 7/8) about the bribery rackets of Hayatou, Diack, Teixeira, Havelange – and possibly Blatter who handled his $1 million. President Jaques Rogge appears to realise that if the IOC’s reforms after the 1999 Salt Lake cash and sex for votes scandal are to be credible, he must be seen to act where Blatter will not.</p>
<p>[<em>Das ist nun überholt: <a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will</a></em>]</p>
<p><strong>What can be done?</strong></p>
<p>Transparency International has a fine record that is blemished by its delusion that it is assisting Blatter reform FIFA. It has already been embarrassed by Blatter giving new business to his nephew and we must hope that wiser heads at TI will withdraw from this ‘consultation’ process before they become the subject of global ridicule and undermine their good work elsewhere.</p>
<p><strong>Come on, you politicians!</strong></p>
<p>Our politicians everywhere owe it to the fans to intervene and reclaim FIFA for the honest people of the world. The Swiss government has indicated it will act after the end of this year. Lawmakers could condemn FIFA for its rampant corruption and resistance to reform. They could also call on sponsors to live up to their claims of social responsibility and talk of turning off the money tap. That would send a shudder through FIFA. Emirates are showing the way.</p>
<p><strong>But there is a quick, cheap and easy answer. FIFA should be told to immediately put everything on line, just as our Governments do. Every set of minutes, every email, every expenses claim, the salaries of Blatter and his Directors, the honoraria and expenses paid to executive committee members. Committee meetings should be streamed and an independent Freedom of Information Officer appointed to enforce disclosure. The secret dirty dealings would end, proper scrutiny achieved for every fan.</strong></p>
<p>Freedom of Information exists in all EU states and many more worldwide. Blatter’s regime, having sacrificed any claim to respect and legitimacy, must become transparent.</p></blockquote>
<p>Im Vortrag wird Andrew Jennings auch eine Untersuchungskommission für die WM-Vergaben an Russland und Katar fordern.</p>
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		<title>IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 21:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Jens Weinreich und Andrew Jennings Ich habe es vor drei Wochen in Zürich zum ersten Mal aus sicherer Quelle gehört und es seit einigen Tagen beschrieben, wenn auch etwas ungläubig: Ich konnte mir echt nicht vorstellen, dass das IOC-Exekutivkomitee der Empfehlung der Ethikkommission folgt und den IOC-Dienstältesten rausschmeißt, den 95-jährigen FIFA-Ehrenpräsidenten João Havelange, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Jens Weinreich und Andrew Jennings</strong></p>
<div id="attachment_11344" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-11344" title="Time to say goodbye: Don Julio Grondona, Señora Grondona, Jean-Marie Faustin Godefroid de Havelange." src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/e00213fa.m.jpg" alt="" width="500" height="375" /><p class="wp-caption-text">Time to say goodbye: Don Julio Grondona, Señora Grondona, Jean-Marie Faustin Godefroid de Havelange.</p></div>
<p>Ich habe es vor drei Wochen in Zürich zum ersten Mal aus sicherer Quelle gehört und es <a title="One year after: Wer überprüft die WM-Vergaben an Russland und Katar?" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/02/one-year-after-wer-uberpruft-die-wm-vergaben-an-russland-und-katar/">seit einigen Tagen beschrieben</a>, wenn auch etwas ungläubig: Ich konnte mir echt nicht vorstellen, dass das IOC-Exekutivkomitee der Empfehlung der Ethikkommission folgt und den IOC-Dienstältesten rausschmeißt, den 95-jährigen FIFA-Ehrenpräsidenten João Havelange, der seit 1963 IOC-Mitglied ist.</p>
<p>Nein, natürlich nicht. Sie haben Havelange eine Goldene Brücke gebaut. Rücktritt statt Rausschmiss.</p>
<p>Der Fall ist spektakulär und wird Weiterungen haben.</p>
<p>Heute Nachmittag habe ich dazu einen Beitrag für den Deutschlandfunk produziert &#8211; noch unter Vorbehalt.</p>
<p>Kaum war der Beitrag zum Sender verschickt, kamen die Meldungen. Als erster war mein Freund Jamil Chade, Schweiz-Korrespondent der <strong>Estado de São Paulo</strong>, damit auf dem Markt:</p>
<ul>
<li><a title="estado de sao paulo" href="http://www.estadao.com.br/noticias/esportes,joao-havelange-pede-renuncia-do-coi-em-meio-a-denuncias-de-corrupcao,806609,0.htm" target="_blank">João Havelange pede renúncia do COI em meio a denúncias de corrupção</a></li>
</ul>
<p>Kurz darauf folgte AP:</p>
<ul>
<li><a title="AP" href="http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5jjZCp96z25nwaNEe_z4tOw3knzwQ?docId=c4c090dd902745eb8f0399293c321b6c" target="_blank">Source: Havelange resigns from IOC</a></li>
</ul>
<p>Die Kurzfassung der Geschichte, über die ich seit Jahren berichte (<em>die Links am Ende des Beitrages liefern alle Informationen, bieten Dokumente und hunderte weitere Links</em>), lief wie gesagt im Deutschlandfunk und ist von der Realität in einem Punkt nun schon überholt. Sehr schön, eigentlich.<span id="more-11332"></span></p>
<p>Hören:</p>
<p><a title="dlf zu havelange" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/04/dlf_20111204_1932_465e52c3.mp3">:</a></p>
<p>Lesen:</p>
<blockquote><p>In der kommenden Woche trifft sich in Lausanne das IOC-Exekutivkomitee zur letzten Sitzung des Jahres. Mit großer Spannung wird die Pressekonferenz am Donnerstagabend erwartet, auf der IOC-Präsident Jacques Rogge das Urteil der Ethikkommission gegen drei Mitglieder bekanntgeben dürfte. Es geht um den ISL-Bestechungsskandal – und im Mittelpunkt der Anklage steht das dienstälteste IOC-Mitglied: der Brasilianer João Havelange.</p>
<p>João Havelange ist ein Jahrhundert-Sportfunktionär, und zwar im doppelten Sinne. Havelange, geboren 1913, nahm 1936 als Schwimmer an den Olympischen Sommerspielen in Berlin teil, 1952 noch einmal als Wasserballer. Havelange ist seit 1963 IOC-Mitglied und damit der Doyen des IOC. Er war von 1974 bis 1998 Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA – und ist seither FIFA-Ehrenpräsident. Havelange zählt zu jenen Figuren, die das weltumspannende Bestechungssystem der einstigen Sportmarketing-Agentur ISL geprägt haben.</p>
<p>Und er hat selbst viele Millionen kassiert – meist über Tarnfirmen, eine davon, Renford Investments, unterhält er gemeinsam mit seinem einstigen Schwiegersohn Ricardo Teixeira. Teixeira gehört dem FIFA-Exekutivkomitee an, ist seit Ewigkeiten Präsident des brasilianischen Verbandes und auch Chef des WM-Organisationskomitees 2014.</p>
<p>Das ISL-Bestechungssystem ist kein Fall für den History Channel, sondern hochaktuell. Auch wenn der ISL-Konzern schon 2001 mit einem Milliardenloch pleite ging und die Aufarbeitung der kriminellen Aktivitäten nun schon ein Jahrzehnt andauert. Mit mehr als 140 Millionen Schweizer Franken hat die vom Deutschen Horst Dassler gegründete ISL-Gruppe einst hochrangige Sportfunktionäre im IOC, in der FIFA und etlichen anderen Weltverbänden geschmiert, um an milliardenschwere TV- und Marketingverträge zu gelangen. Diese gerichtsfest dokumentierten 140 Millionen sind nur die Spitze des Eisberges.</p>
<p>Havelange, Teixeira und die FIFA haben im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Franken an die Justizkasse des Kantons Zug gezahlt, um im im Deal mit der Staatsanwaltschaft die Namen der Schmiergeldempfänger geheim zu halten. Da aber Journalisten auf Herausgabe dieser Einstellungsverfügung drängten und die Justiz dem Drängen bald nachgeben wird, gerieten die Korruptionsverheimlicher unter Druck. FIFA-Präsident Joseph Blatter kündigte an, das Papier Mitte Dezember zur nächsten Exekutivsitzung in Tokio zu veröffentlichen. Parallel aber hatte die IOC-Ethikkomission längst Ermittlungen gegen Havelange aufgenommen – und gegen zwei andere IOC-Mitglieder, die kleinere Summen erhalten haben: Lamine Diack aus dem Senegal, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, und Issa Hayatou aus Kamerun, Afrikas Fußballchef und FIFA-Vizepräsident.</p>
<p>Was Havelange, Hayatou und Diack eint ist die unverbrüchliche Nähe zum Franzosen Jean-Marie Weber, jenem Mann, der über Jahrzehnte das ISL-Schmiergeld verteilt hat, meist in Bar. Weber feiert alljährlich im Mai mit Havelange dessen Geburtstag in Zürich. Weber arbeitet für Hayatous afrikanischen Verband CAF und für Diacks IAAF. Er taucht bei allen großen Sportterminen auf und ging bis vor kurzem auch im IOC-Hauptquartier ein und aus. Vor sechs Jahren hatte Blatters Anwalt für Weber einen weiteren Korruptionsverdunklungsvertrag geschlossen, um die Namen der bestochenen Funktionäre geheim zu halten. Dafür flossen 2,5 Millionen an den ISL-Konkursverwalter – wahrscheinlich haben Havelange und Teixeira bezahlt.</p>
<p>Nach Informationen des Deutschlandfunks wird das IOC Hayatou und Diack nun verwarnen. Gegen Havelange, der viele Millionen mit Teixeira und einmal 1,5 Millionen allein erhalten hat, soll der Ausschluss verfügt werden. Ein solches Votum wäre geradezu ungeheuerlich in dieser Branche. Zumal die Olympischen Sommerspiele 2016 im Joao-Havelange-Stadion in Rio de Janeiro eröffnet werden sollen, zur Feier des 100. Geburtstages von Havelange – so hatte es der damalige Staatspräsident Lula versprochen, als Rio vor zwei Jahren die Spiele erhielt.</p>
<p>Wie schon in anderen Fällen – etwa beim Mexikaner Ruben Acosta oder beim Koreaner Kim Un Yong oder kürzlich in der FIFA beim Vizepräsidenten Jack Warner – wird Havelange wohl eine goldene Brücke gebaut. Es wird erwartet, dass er seinen Rücktritt aus dem IOC bekannt gibt. IOC-Präsident Jacques Rogge wird dazu am Donnerstag in Lausanne Stellung beziehen.</p>
<div id="attachment_11069" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-11069 " title="ISL doc 2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/59ace76f.m.jpg" alt="" width="400" height="42" /><p class="wp-caption-text">Auszug aus den Bestechungs-Unterlagen</p></div>
<p>Das entscheidende Dokument gegen Havelange ist eine Zahlung von 1,5 Millionen Franken, die am 3. März 1997 irrtümlich auf einem FIFA-Konto landete – und von dort auf sein Privatkonto weiter geleitet wurde. Ein dreiviertel Jahr zuvor hatte die FIFA die WM-Fernsehverträge <del>2006 und 2010</del> 2002 und 2006 unter dubiosen Umständen für 2,8 Milliarden Franken an die ISL-Gruppe und den Münchner Mogul Leo Kirch verkauft. Bei dieser Vergabe hat der damalige Generalsekretär Blatter ebenfalls eine zwielichtige Rolle gespielt. Blatter soll dann auch den Transfer der Havelange-Million angeordnet haben – was er stets bestritt.</p>
<p>Insofern könnte das Verdikt – oder der Deal: Rücktritt statt Rausschmiss – im Fall Havelange auch Folgen für Blatter haben. Denn der FIFA-Präsident ist selbst IOC-Mitglied – nun müsste eigentlich ein Verfahren gegen ihn eröffnet werden.</p></blockquote>
<p>Es bleibt spannend in diesem Krimi. Denn da Blatter sich von den alten Kameraden und Ganoven um Teixeira, Havelange, Grondona, Makudi und von anderen trennen will und sich allen Ernstes als Reformer der FIFA verkauft, sinnen die auf Rache. Die Folgen sind unabsehbar.</p>
<p>Oh Gott, was haben gerade englische Journalisten Andrew Jennings vor einem Jahr mit Spott und Hass überzogen, nach dieser neuerlichen BBC-Panaroma-Sendung zur FIFA und zum ISL-Bestechungssystem. &#8220;Ein Fall für den History Channel&#8221;, so lästerten nicht nur die englischen WM-Bewerber, auch Journalisten.</p>
<p>History Channel?</p>
<p>Ich sage es erneut: So ein Unsinn.</p>
<p>Das ISL-Korruptionssystem ist Gegenwart. Und Zukunft. Viele Figuren sind noch in Amt und Würden.</p>
<p><strong>Andrew Jennings</strong> hatte zum Wochenende dem Independent diesen Text angeboten, ich weiß nicht, ob der gedruckt wurde &#8211; in Teilen, dem Havelange-Rücktritt, sind auch diese Zeilen nun überholt:</p>
<blockquote><p><strong>Will IOC condemn FIFA corruption?</strong></p>
<p>Sepp Blatter’s tottering leadership of FIFA is likely to take another knock on Thursday evening when the International Olympic Committee announces its verdicts on the biggest corruption scandal to blight world sport.</p>
<p>For the past 11 months the IOC’s Ethics Commission has investigated allegations that senior FIFA officials – also IOC members &#8211; took kickbacks from a company awarded exclusive World Cup marketing contracts.</p>
<p>On Thursday afternoon in Lausanne IOC President Rogge and his 14-member Executive Board will go into camera to discuss the revelations in a BBC Panorama programme in November last year.</p>
<p>In the frame are former FIFA president Joao Havelange, current president Sepp Blatter and vice-president Issa Hayatou, boss of African football. Also accused is world athletics chief Lamine Diack who first denied taking $41,000, mostly in cash but has recently claimed the money was a gift when his house burned down.</p>
<p>After negotiating protection for their sources, BBC producers handed over a list of 175 bribes totalling an astonishing $100 million paid by the Swiss ISL marketing company. The identities of many recipients were hidden behind Liechtenstein front companies but occasionally officials took money direct. Issa Hayatou who heads African football and named for taking $30,000 in cash claims it was for his confederation’s 40th birthday party.</p>
<p>The IOC’s Ethics commission has eight members, four from outside the organisation. They initiate their own investigations and approached Panorama the day after transmission asking for the bribes evidence.</p>
<p>FIFA’s in-house ethics committee, appointed by Blatter and headed by former Swiss footballer Claudio Sulser, is only permitted to investigate issues chosen by Blatter or his general secretary Jerome Valcke. Last autumn Sulser dismissed the ISL bribes as ‘historic’ and snubbed suggestions they should be investigated.</p>
<p>Sulser looked away when two other members of FIFA’s ruling executive committee &#8211; not IOC members – were revealed taking ISL bribes. Paraguay’s Nicolas Leoz was accused in a Swiss court in 2008 and again in the Panorama file of taking $730,000.</p>
<p>Ricardo Teixeira from Brazil was accused by Panorama of pocketing $9.5 million. Again, Blatter refuses to act but Brazilian Federal police are investigating money-laundering and tax evasion and Teixeira is under pressure by the Brazilian government to quit as head of the 2014 World Cup organising committee.</p>
<p>Teixeira’s former father-in-law Joao Havelange, Blatter’s predecessor as FIFA president, is alleged to be the “JH” named in the list as taking 1.5 million Swiss francs on March 3, 1997 – worth about $1 million.</p>
<p>If Havelange is sanctioned then Blatter, also an IOC member, will be in jeopardy. An earlier Panorama programme in June 2006 revealed that this payment was sent by mistake to FIFA and that after Blatter forwarded it to a Havelange account he tried, unsuccessfully, to persuade FIFA’s bankers to erase the transaction. Blatter has refused to comment.</p>
<p>Sources at FIFA say that Blatter’s handling the Havelange bribe was probed by Swiss Investigating Magistrate Thomas Hildbrand in his lengthy inquiry into FIFA and the ISL bribes. Last year Blatter and two other FIFA officials signed a confidential settlement with Hildbrand in which 5.5 million was repaid to FIFA. A Panorama programme in May this year claimed the other officials were Teixeira and Havelange.</p>
<p>The BBC and Swiss media are asking the courts to order publication of the settlement document. The public prosecutor is supporting disclosure stating it is in the public interest. Blatter, Teixeira and Havelange are objecting but are expected to lose in the Swiss federal court in 12 month’s time.</p>
<p>Blatter has had his own copy of the settlement since May last year and could publish at any time. But he prevaricates claiming that it is legally complex and must be examined by an ‘independent expert.’</p>
<p>A further mystery surrounds bribes to FIFA officials paid through various ISL slush funds. One named Sicuretta, managed by Swiss lawyer Guido Renggli (correct), handed more than £3 million in cash to ISL director Jean-Marie Weber, known as ‘The Bagman’ and a longtime friend of President Blatter.</p>
<p>Mr Ringgli declined to tell investigator Thomas Hildbrand who got this cash – but did mention that Mr Weber took him to the World Cup in France in 1998 and introduced him to Blatter. Weber says it is ‘a matter of honour’ not to reveal who he bribed.</p>
<p>The IOC has declared Weber persona non grata but he is still welcome at FIFA and Issa Hayatou has appointed him a consultant to the African Football Confederation.</p>
<p>Any IOC findings implicating FIFA officials in corruption will cast new doubt over the decisions to give the 2018 World Cup to Russia and the 2022 tournament to Qatar.</p></blockquote>
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		<title>One year after: wer überprüft die WM-Vergaben an Russland und Katar?</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 11:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH. Heute jährt sich zum ersten Mal die bizarre Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an zwei neureiche Powerholder des olympischen Sports: die Totaldemokratien aus Russland und Katar. Schon vergessen, so ging das damals aus: 2018 FIFA World Cup™ Round 1: England 2 votes, Netherlands/Belgium 4 votes, Spain/Portugal 7 votes and Russia 9 votes (as no [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Heute jährt sich zum <a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">ersten</a> <a title="live-Blog aus Zürich, Dienstag: FIFA-Korruption, WM-Vergabe" href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/30/fifa-korruption-wm-vergabe-zurich-am-dienstag/">Mal</a> <a title="live-Blog aus Zürich, Mittwoch: FIFA-Korruption, WM-Vergabe, Präsentation 2022" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/01/live-blog-aus-zurich-mittwoch-fifa-korruption-wm-vergabe-prasentation-2022/">die</a> <a title="live-Blog aus Zürich, Donnerstag: die WM-Entscheidungen 2018/2022" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/02/live-blog-aus-zurich-donnerstag-die-wm-entscheidungen-20182022/">bizarre Vergabe</a> der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an <a title="The new power holders in world sport" href="http://www.jensweinreich.de/2011/05/05/the-new-power-holders-in-world-sport/">zwei neureiche Powerholder</a> des olympischen Sports: die Totaldemokratien aus Russland und Katar. Schon vergessen, <a title="Die FIFA sagt: Russland 2018, Katar 2022" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/02/die-fifa-sagt-russland-2018-katar-2022/">so ging das damals aus:</a></p>
<blockquote><p><strong>2018 FIFA World Cup™</strong></p>
<p><strong>Round 1:</strong> England 2 votes, Netherlands/Belgium 4 votes, Spain/Portugal 7 votes and Russia 9 votes</p>
<p>(as no absolute majority was reached, the candidate with least amount of votes, England, was eliminated)</p>
<p><strong>Round 2:</strong> Netherlands/Belgium 2 votes, Spain/Portugal 7 votes and Russia 13 votes (Russia obtained an absolute majority)</p>
<p><img title="WM 2018" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/12/2018.gif" alt="" width="425" height="194" /></p>
<p><strong>2022 FIFA World Cup™</strong></p>
<p><strong>Round 1: </strong>Australia 1 vote, Japan 3 votes, Korea Republic 4 votes, Qatar 11 votes, USA 3 votes (Australia eliminated)</p>
<p><strong>Round 2: </strong>Japan 2 votes, Korea Republic 5 votes, Qatar 10 votes and USA 5 votes (Japan eliminated)</p>
<p><strong>Round 3: </strong>Korea Republic 5 votes, Qatar 11 votes, USA 6 votes (Korea Republic eliminated)</p>
<p><strong>Round 4: </strong>Qatar 14 votes and USA 8 votes (Qatar obtained an absolute mayority)</p>
<p><img title="WM 2022" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/12/2022.gif" alt="" width="425" height="260" /></p></blockquote>
<p>Der Status Quo ist 365 Tage später unverändert: Russland richtet die WM 2018 aus, Katar die WM 2022 &#8230;</p>
<p>&#8230; wenn nicht doch etwas dazwischen kommt.</p>
<p>Wenn nicht Korruption in großem Stil bewiesen werden kann &#8211; bisher ist das noch nicht der Fall.</p>
<p><strong>Diesen bitteren ersten Jahrestag nutze ich für eine kleine Analyse und als Auftakt zu einer Reihe von Hintergrundtexten und Kurzporträts zu den Personen und Geschäften des FIFA-Exekutivkomitees.</strong><span id="more-11313"></span></p>
<p>In den nächsten zwei Wochen wird viel passieren. In einer Woche beispielsweise wird sich das IOC endlich zur <a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">ISL-Bestechung</a> erklären (jedenfalls zu einigen Personen, die IOC-Mitglieder sind und kassiert haben, wie Havelange/FIFA und Hayatou/FIFA und auch Lamine Diack/IAAF). Eine Woche darauf trifft sich das FIFA-Exekutivkomitee in Tokio, wo dann Blatter die ISL-Einstellungsverfügung veröffentlichen will. Dies sind die wichtigsten Termine, es gibt weitere hochinteressante, und es laufen Recherchen. Eins kann Mann schon mal sagen: <a title="&quot;&quot;The truth about FIFA corruption and Ricardo Teixeira&quot;" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">Ricardo Teixeira</a>, der gerade als WM-Organisationschef 2014 die <a title="sueddeutsche.de" href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=ronaldo+teixeira&amp;source=newssearch&amp;cd=1&amp;ved=0CDAQqQIwAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.sueddeutsche.de%2Fsport%2Fronaldo-wird-chef-der-wm-brasiliens-beckenbauer-steigt-gross-ein-1.1223375&amp;ei=NKjYTrmXG8bN4QT-xeGODg&amp;usg=AFQjCNFYqLPRa_f2-qbR8km6Ad4X7AzPTw&amp;sig2=6Fdwo8ZCAjLxFBQfXGA54A" target="_blank">Marionette Ronaldo</a> vorgeführt hat, klammert sich weiter an seine Posten als CBF-Präsident und FIFA-Exekutivmitglied, was nicht erfolgreich sein wird &#8211; seine Reise nach Tokio hat er, Stand heute, vorsorglich abgesagt.</p>
<p>Selten wurden die neuen Machtverhältnisse im Weltsport so manifestiert wie am Abend des 2. Dezember 2010. In der Züricher Messe griffen Russlands Präsident Wladimir Putin und Emir Hamad Al Thani von Katar nach dem faszinierendsten Goldpokal des Planeten. Das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA sprach unter dubiosen Umständen Russland die Weltmeisterschaft 2018 und Katar die WM 2022 zu. Begleitet war diese irreguläre WM-Vergabe von zahlreichen Korruptionsaffären in der FIFA. Darüber, mit wie vielen Millionen Euro die Öl- und Gasmilliardäre aus Russland und Katar die Stimmen der Exekutivmitglieder gekauft haben könnten, ranken sich seither die wildesten Gerüchte.</p>
<p>Es ist von mehreren Dutzend Millionen die Rede, die auf verschlungenen, professionellen Wegen quer über den Globus transferiert worden sein sollen.</p>
<p>Dutzende Millionen – pro Stimme.</p>
<p>Es war ein Abend, an dem sich den letzten Gutgläubigen die Verkommenheit dieses Gewerbes erschloss. Ein Jahr nach diesem Ereignis muss man allerdings sagen, dass außer zahlreichen Indizien keine gerichtsfesten Beweise vorliegen. Und es gibt in dieser Parallelgesellschaft keine Instanz, keine Kriminalbehörde, die ermitteln würde. Dafür fehlt es teilweise am rechtlichen Rahmen, den unzureichenden Antikorruptionsgesetzen, die einen Weltkonzern wie die FIFA kaum erfassen. Und es fehlt am politischen Willen etwa in jenen neun Nationen, die Russland und Katar unterlagen. Auf der anderen Seite weiß man seit langem, dass Russland und Katar Geheimdienstler und die teuersten Detekteien der Welt damit beauftragt haben, die Lage zu klären und gegebenenfalls Spuren zu verwischen.</p>
<p>Schon damals, am 2.Dezember 2010, galt das von Präsident Joseph Blatter geführte FIFA-Exekutivkomitee weltweit als Synonym für Korruption, als Musterbeispiel einer mafiosen Familie. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass mit dem Schweizer Korruptionsaufklärer Mark Pieth (Universität Basel) ein Experte für die Organisierte Kriminalität den Vorsitz im neuen Governance-Komitee der FIFAübernahm. Doch auch Pieth wird nicht aktiv ermitteln und kriminelle Umtriebe aufklären, wie er am Mittwoch in Zürich erklärte. „Die forensische Arbeit überlasse ich anderen“, sagte Pieth, er habe sich dafür entschieden, nach vorne zu blicken und die FIFA bei der Umstrukturierung in Compliance- und Transparenzfragen zu beraten.</p>
<p>Wer aber klärt dann Korruptionsvorgänge auf? Wer bringt Licht in das Dunkel der WM-Vergaben 2018 und 2022? Darauf wusste Pieth keine Antwort.</p>
<p>[<em>Ich habe vergangenen Mittwoch in Zürich noch ein kurzes Interview mit Mark Pieth geführt. Das reiche ich nach - wie auch eine erste Bewertung seines Papiers. Eine ziemlich gute Fernanalyse dazu habe ich in der taz von <strong>Markus Völker</strong> gelesen: <a title="taz.de" href="http://www.taz.de/Good-Governance-bei-der-Fifa/!82837/" target="_blank">Ein Wächter für Sepp Blatter</a></em>]</p>
<ul>
<li>Das Pieth-Gutachten vom September: <a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/mm/document/affederation/footballgovernance/01/54/99/69/fifagutachten-en.pdf" target="_blank">Governing FIFA &#8211; Concept Paper and Report</a></li>
</ul>
<p>So kommt es dieser Tage zu merkwürdigen Vorgängen. Da ermuntern ranghohe FIFA-Mitarbeiter Journalisten sogar, den Machenschaften der Ganoven im Exekutivkomitee nachzugehen: Den Geschäften des argentinischen Vizepräsidenten <a title="Die märchenhaften Reichtümer des FIFA-Finanzchefs Don Julio Grondona" href="http://www.jensweinreich.de/2011/11/15/die-marchenhaften-reichtumer-des-fifa-finanzchefs-don-julio-grondona-woher-kommen-mehr-als-100-millionen-dollar-auf-seinen-auslandskonten/">Julio Grondona</a> etwa, der offenbar märchenhaft gefüllte Auslandskonten unterhält. Oder den Umtrieben des Brasilianers Ricardo Teixeira.</p>
<p>Joseph Blatter, gegen den durchaus Indizien vorliegen, kann und will nichts gegen Russland und Katar unternehmen. Es sind nur einzelne Stimmen, die eine WM-Überprüfung fordern. Zuletzt haben sich Australiens Verbandschef Frank Lowy und der englische Politiker Damian Collins geäußert. DFB-Präsident Theo Zwanziger, Neuling im Exekutivkomitee, wurde mehrfach so zitiert, als wollte er die Katar-Frage aufklären. Es heißt, er werkle mächtig hinter den Kulissen. Doch unternimmt Zwanziger öffentlich brisante, einschneidende Vorstöße und drängt etwa entschieden auf eine Untersuchungskommission zu den WM-Vergaben?</p>
<p>Als Chef der Statutenkommission hat er Blatter kürzlich in Zürich ein Papier vorgestellt, in der unter anderem vorgesehen ist, die Stimmverhältnisse auf dem FIFA-Kongress den Mitgliedszahlen und Erfolgsstatistiken der 208 FIFA-Nationen anzupassen. Winzige Eilande wie Anguilla oder Neukaledonien sollen also künftig nicht mehr eine Stimme wie Deutschland oder Brasilien haben. Nur: Um dies durchzusetzen, bedarf es auf einem Kongress der Voten derjenigen, die sich damit selbst beschneiden müssten. Undenkbar, derzeit.</p>
<p>Im vergangenen Jahr hat sich das FIFA-Exekutivkomitee durchaus verändert &#8211; notgedrungen. Drei Mitglieder wurden wegen Korruption ausgeschlossen, Adamu (Nigeria), Temarii (Tahiti) und der Katari Mohamed Bin Hammam, der Einspruch erhebt vor dem Welt-Sportgerichtshof (CAS). Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad, ein notorischer Absahner, kam seinem Ausschluss durch einen Rücktritt zuvor. Sechs neue Mitglieder wurden in ihren Kontinentalverbänden gewählt. Ein Platz, der von Warner, muss noch neu besetzt werden.</p>
<p>Und der personelle Umbruch hat gerade erst begonnen. Die Abschiede von Grondona und Teixeira, Worawi Makudi (Thailand), Nicolas Leoz (Paraguay), Chuck Blazer (USA) und Issa Hayatou (Kamerun) stehen bevor. Teixeira, Leoz und Hayatou stehen auch im Fokus des ISL-Korruptionsskandals. Die FIFA hat hier zur nächsten Sitzung in zwei Wochen in Tokio die Veröffentlichung eines Dokumentes versprochen, in dem neben Teixeira auch dessen ehemaliger Schwiegervater Joao Havelange, der FIFA-Ehrenpräsident, als Schmiergeldempfänger genannt wird – was Journalisten bereits recherchiert hatten.</p>
<p>FIFA-Ehrenpräsident Havelange ist zugleich dienstältestes Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Nun mehren sich die Informationen aus eigentlich zuverlässigen Quellen, dass das IOC-Exekutivkomitee in einer Woche in Lausanne der Empfehlung seiner Ethikkommission folgen und Havelange ausschließen könnte.</p>
<p>[<em>Havelange-Rausschmiss aus dem IOC? Ich kann es immer noch nicht glauben. Doch die Leute, die mir das erzählen, sind nicht blöd und sehr nah dran.</em>]</p>
<p>Mal davon abgesehen, dass die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro zum hundertsten Geburtstag Havelanges im Joao-Havelange-Stadion ausgetragen werden sollen – diese rigorose Bestrafung könnte ein Erdbeben in der Szene auslösen. Es heißt, die Fraktion um Havelange, Warner, Bin Hammam, Grondona und andere plane einen Vergeltungsschlag gegen Blatter.</p>
<p>Der Plot hat das Zeug zu einem Thriller, einem Bestseller: Hier Blatter, einer der Architekten des Korruptionssystems, der plötzlich den Aufklärer gibt und allen Ernstes als Reformpräsident in die Geschichte eingehen will – dort eine Bande verantwortungsloser Ganoven. In dieser Konstellation liegt auch ein Schlüssel dafür, endlich die WM-Vergaben an Russland und Katar aufzuklären.</p>
<p>Insider meinen, in den PR-Aktionen der FIFA auch die Handschrift von Peter Hargitay zu erkennen, der lange Jahre Blatters persönlicher Berater war, der bis vor einem Jahr für die australische WM-Bewerbung werkelte. Hargitay zählt zu den wenigen in der Szene, die direkten Zugang zu Blatter haben, was vielen in der FIFA-Administration nicht gefällt. Hargitay taucht auf FIFA-Pressekonferenzen auf und versucht, Journalisten zu instruieren. Auf Anfrage behauptet er allerdings, nicht vertraglich gebunden zu sein.</p>
<p>Auf einem etwas anderen Niveau ist der Schweizer Aloys Hirzel tätig. Hirzel, PR-Guru seines Landes, geht derzeit in der FIFA-Zentrale ein und aus. Kundenbeziehungen publiziere er nicht, sagt er. In der FIFA erfährt man, dass Hirzel auf politischem Parkett tätig sei und etwa das Lobbytreffen des FIFA-Präsidenten kommende Woche in Bern mit den Abgeordneten des Nationalrats maßgeblich vorbereite. Auch dort will Blatter sich als Reformer verkaufen. Eine Studie des Schweizer Sportministeriums zu Korruption in der FIFA und möglichen Gesetzesänderungen wurde bereits erfolgreich verzögert. Statt Ende 2011 soll das Papier nun erst Ende 2012 vorgelegt werden. Zum zweiten Jahrestag der WM-Vergabe.</p>
<p>Hirzel übrigens, das mag unerheblich sein (oder auch nicht, weil es die Branche gut beschreibt), war mit seinen Dienstleistungen ebenfalls in den Bewerbungsfeldzug der Kataris für die WM 2022 eingebunden.</p>
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		<title>Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 13:48:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrew Jennings</dc:creator>
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		<description><![CDATA[by Andrew Jennings, Transparency in Sport presentation to Senate Education, Culture and Sports Committee in Brasilia, Wednesday October 26, 2011. [Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.] Irish Times: Jennings urges Brazil to freeze out corrupt officials BBC: Investigative journalist Andrew Jennings tells Brazil that Fifa &#8220;stinks&#8221; Reuters: Call to bar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>by Andrew Jennings</strong><strong>, <a title="Transparency in Sport" href="http://www.transparencyinsport.org" target="_blank">Transparency in Sport</a></strong></p>
<p><em>presentation to Senate Education, Culture and Sports Committee in Brasilia, Wednesday October 26, 2011.</em></p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<ul>
<li>Irish Times: <a title="Irish Times" href="http://www.irishtimes.com/newspaper/sport/2011/1028/1224306622867.html" target="_blank">Jennings urges Brazil to freeze out corrupt officials</a></li>
<li>BBC: <a title="BBC" href="http://news.bbc.co.uk/sport2/hi/football/15480890.stm" target="_blank">Investigative journalist Andrew Jennings tells Brazil that Fifa &#8220;stinks&#8221;</a></li>
<li>Reuters: <a title="Reuters" href="http://uk.reuters.com/article/2011/10/27/uk-soccer-brazil-fifa-idUKTRE79Q3YX20111027" target="_blank">Call to bar any corrupt officials from World Cup preparations</a></li>
</ul>
<p><strong>The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira - A verdade sobre FIFA Corrupção &amp; Teixeira Ricardo</strong></p>
<p>Good morning. Thank you for your invitation.</p>
<p>I have been an investigative reporter for 45 years. I research and acquire confidential documents.</p>
<p>Then I write books and articles and make investigation films for the BBC.</p>
<p>I have been investigating FIFA for 10 years.</p>
<p>I have considerable experience in investigating organised crime and I can assure you that FIFA ticks all the boxes in the academic definition of an Organised Crime Family.</p>
<p>Today I want to tell you about the latest corruption crisis at FIFA and how it will impact on the 2014 World Cup.</p>
<p>But first – Meet some of the members of FIFA’s 23-man Executive Committee.<span id="more-11041"></span></p>
<p>[<em>JW says: I do not publish all pictures and videos from AJs presentation, and this can be a little bit confusing for my readers, I am sorry.</em>]</p>
<p># Jim Boyce is Britain’s vice-president. He is silent about corruption. He can expect to pocket around US$1 million in FIFA payments in the next 4 years.</p>
<p># <a title="Schwere Niederlage für Hyundai-Chung: Prinz Ali wird FIFA-Vize" href="http://www.jensweinreich.de/2011/01/06/afc-wahlschlacht-in-doha-oder-the-future-is-asia/" target="_self">Prince Ali</a> from Jordan. A lightweight. Put in place by Blatter to get rid of one of his critics.</p>
<p># Julio Grondona from Argentina, chairman of FIFA’s Finance Committee, currently under investigation for black money accounts in Switzerland. In June 2003 he said on TV, ‘I don’t believe a Jew can ever be a referee at our senior level because it’s hard work and, you know, Jews don’t like hard work.’</p>
<p># <a title="Die FIFA und die Medien: Gruß aus Nordkorea (II)" href="http://www.jensweinreich.de/2011/06/27/die-fifa-und-die-medien-grus-aus-nordkorea-ii/" target="_self">Worawi</a> <a title="live-Blog aus Zürich, Joseph Blatter greint: “Die Institution FIFA ist nicht korrupt”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/21/live-blog-aus-zurich-sepp-mutiert-zum-korruptionsbekampfer/" target="_self">Makudi</a> from Thailand has been named in several FIFA scandals and is currently under investigation for misuse of FIFA development money.</p>
<p># Manilal Fernando from Sri Lanka is under investigation for his possible involvement in the notorious US$1 million vote-buying scandal set up Qatar’s Mohamed Bin Hammam in Trinidad in May.</p>
<p># Nicolas Leoz from Paraguay, at left, president of Conmebol. Swiss court documents reveal he took US$ 730,000 in bribes from the former FIFA marketing company, ISL. Blatter refuses to investigate.</p>
<blockquote><p>read more:</p>
<ul>
<li><a title="The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/" target="_self">The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world</a></li>
<li><a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens. " href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/" target="_self">Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens.</a></li>
<li><a title="Sepp Blatters Tafelrunde: das ehrenwerte FIFA-Exekutivkomitee" href="http://www.jensweinreich.de/2010/10/25/sepp-blatters-tafelrunde-das-ehrenwerte-fifa-exekutivkomitee/" target="_self">Sepp Blatters Tafelrunde: das ehrenwerte FIFA-Exekutivkomitee</a></li>
</ul>
</blockquote>
<p># Issa Hayatou is president of African football and being investigated by the International Olympic Committee for taking a bribe from the ISL company. It was paid to him by the man he’s talking to here. [<em><a title="tag: Jean-Marie Weber" href="http://www.jensweinreich.de/?s=jean-marie+weber" target="_self">Jean-Marie Weber</a>, ISL-bagman</em>]</p>
<p>Currently Ricardo Teixeira is Blatter’s choice to succeed him as FIFA President:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11060" title="Sepp, Tricky Ricky" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/c904149e.m.jpg" alt="" width="500" height="457" /></p>
<p>I will have more to say about Mr Teixeira later.</p>
<p># Chuck Blazer from New York. For the last 21 years Blazer and Jack Warner looted the Confederation of Central, North American and Caribbean countries. <a title="FIFA-Whistleblower Chuck Blazer kassiert 9,6 Millionen Dollar (und mehr)" href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/17/fifa-saubermann-chuck-blazer-kassiert-96-millionen-dollar-und-mehr/" target="_self">Chuck Blazer’s Caribbean bank accounts are now being examined by the FBI.</a></p>
<p>In December 2006 – at the conclusion of a law suit in New York bought by <a title="Akute Wahrheits-Allergie im FIFA-Reich des Joseph Blatter" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/09/akute-wahrheits-allergie-im-fifa-reich-des-joseph-blatter/" target="_self">MasterCard against FIFA</a> &#8211; Judge Loretta Preska stated:</p>
<blockquote><p>Mr Blazer’s testimony was generally without credibility, based on his attitude and evasive answers on cross examination &#8230;</p></blockquote>
<p>She added:</p>
<blockquote><p>Mr Blazer’s testimony is rejected as fabricated.</p></blockquote>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11061" title="Court file" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/22648d4b.m.jpg" alt="" width="500" height="228" /></p>
<p><strong>FIFA paid MasterCard US$90 million to settle the case.</strong></p>
<p># Rafael Salguero from Guatemala was nominated by the now discredited Jack Warner. I won’t repeat the allegations about Mr Salguero!</p>
<p>This is the biggest scandal ever at FIFA. It’s the payment of bribes to FIFA officials by the ISL sports marketing company in return for World Cup contracts. It is currently making news in Brazil – and globally.</p>
<p>Let’s introduce this saga through some of the activities of FIFA General Secretary Jerome Valcke.</p>
<p>Here he is with a friend.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11062" title="Valcke kisses Tricky Ricky" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/b19ee9ce.m.jpg" alt="" width="332" height="500" /></p>
<p>In early 2001 Valcke worked for a French company hoping to buy the assets of the bankrupt ISL company. His team examined the ISL books. He discovered the massive, secret kickbacks to FIFA officials.</p>
<p>He tried to use this information to re-negotiate contracts with FIFA. On April 30 2001, Mr Valcke received this astonishing letter from Blatter:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11064" title="Blatter letter to Valcke" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/39fd05c1.m.jpg" alt="" width="338" height="500" /></p>
<p>The highlites are:</p>
<blockquote><p><strong>Threats were specifically directed against both FIFA and “certain gentlemen of FIFA.”</strong></p></blockquote>
<p>And &#8230;</p>
<blockquote><p><strong>The position of FIFA in no way will ever be altered by any threats or attempts of blackmailing.”</strong></p></blockquote>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11065" title="Blatter letter to Valcke" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/1ffc8911.m.jpg" alt="" width="500" height="118" /></p>
<p>Two years later Blatter hired this ‘blackmailer’ to be his new head of marketing! You might wonder, why?</p>
<p>Like Chuck Blazer, Mr Valcke also gave evidence in the MasterCard case. Their lawyer Mr Martin Hyman <a title="Akute Wahrheits-Allergie im FIFA-Reich des Joseph Blatter" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/09/akute-wahrheits-allergie-im-fifa-reich-des-joseph-blatter/" target="_self">accused Mr Valcke of lying</a>.</p>
<blockquote><p>Disraeli once said there were three kinds of &#8220;lies, darned lies and statistics. &#8221; We have learned from the FIFA Marketing Group that there are more. We have learned about the six degrees of prevarication, white lies, commercial lies, bluffs, pure lies, straight untruths and perjury.</p></blockquote>
<p>And:</p>
<blockquote><p><strong>Mr Valcke even lied when testifying about his lies. But in FIFA&#8217;s world, that&#8217;s perfectly okay.</strong></p></blockquote>
<p>That was in December 2006. It was an international scandal.</p>
<p>Sepp Blatter announced that Jerome Valcke was fired!</p>
<p>Six months later Blatter brought him back &#8230; promoted to be FIFA General Secretary! Again – what hold does the blackmailing Valcke have over Blatter?</p>
<p>[<em>JW says: <a title="Akute Wahrheits-Allergie im FIFA-Reich des Joseph Blatter" href="http://www.jensweinreich.de/2010/12/09/akute-wahrheits-allergie-im-fifa-reich-des-joseph-blatter/" target="_self">Read more about 2006/2007 FIFA-lies</a>, included links.</em>]</p>
<p>The ISL contracts-kickbacks story began in 1974 when German businessman Horst Dassler paid bribes to get Joao Havelange elected president of FIFA.</p>
<p>Mr Dassler, from the family who owned Adidas, created the ISL company and wanted FIFA’s lucrative World Cup contracts. Did Havelange put his hand out for money? Or did Dassler offer the bribes? Who made the first move? Mr Havelange could tell us.</p>
<p>Horst Dassler died in 1987. Havelange remained FIFA president, Sepp Blatter was his General Secretary. In between them, here, is Jean-Marie Weber, formerly Dassler’s assistant, who became notorious as the ‘Bagman’ who delivered the ISL bribes. He admitted this in court in 2008.</p>
<p>A key player in the conspiracy to privatise the people’s sport was IOC president Juan Antonio Samaranch. One of the IOC’s dirty secrets is the 37-year fascist history of Samaranch, former sports minister for Franco. There he is with his arm up, fourth from right. Samaranch and Dassler worked together to deliver sport to the sponsors.</p>
<p>In 1996 the American IMG company tried to break ISL’s monopoly on FIFA contracts. IMG offered US$1 billion for the rights to the 2002 World Cup.</p>
<p>They soon discovered FIFA General Secretary Blatter and President Havelange were lying to them.</p>
<p>This is IMG executive Eric Drossart. He wrote to Blatter:</p>
<blockquote><p>Sepp, it is very difficult to conclude anything other than there being two sets of rules in operation here, one for ISL and one for the rest &#8230; your responses to our efforts are merely a cosmetic exercise designed to protect FIFA from future accusations of unfair and improper competitive conduct.”</p></blockquote>
<p>[<em>JW says: Read more about the 1995/96 TV-corruption - <a title="JW Play the Game 2000" href="http://www.playthegame.org/knowledge-bank/articles/politics-and-corruption-in-fifa-1002.html" target="_blank">Play the Game</a> and in <a title="Das Milliardenspiel" href="http://www.jensweinreich.de/referenzen/bucher/milliardenspiel/" target="_self">my book</a> <a title="Revolution am Hofe Havelange" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7851547.html" target="_blank">Das Milliardenspiel.</a></em>]</p>
<p>FIFA double-crossed IMG, ISL got the business and Blatter and Weber got closer.</p>
<p>Here’s Sepp Blatter in 2004 with “The Bagman” &#8211; Jean Marie Weber.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-11067" title="The Bagman and his best friend" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/jmw-sepp.jpg" alt="" width="484" height="340" /></p>
<p>From 2001 ISL, Weber, Blatter and the bribe-takers were investigated by this man – Investigating Magistrate Thomas Hildbrand. FIFA and Blatter did all they could to obstruct him.</p>
<p>In 2006 the BBC were investigating the ISL bribery scandal.</p>
<p>We sent emails to Blatter requesting an interview.</p>
<p>He ignored our emails.</p>
<p>So we went to see him.</p>
<p>We caught up with him on a public footpath near the old FIFA House on the day of a FIFA press conference.</p>
<p>I have been banned from FIFA since 2003 when I published a documented story revealing that Blatter pays himself a huge, secret, annual bonus.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<blockquote><p>JENNINGS: Please can I come into your press conference?</p>
<p>I said please may I come into your press conference?</p>
<p>BLATTER: When, now?</p>
<p>AJ: Yeah now.</p>
<p>BLATTER: Ok.</p>
<p>AJ: May I come in?</p>
<p>BLATTER: Yes ok.</p>
<p>AJ: But some of your press people won’t always let me in.</p>
<p>BLATTER: I will take care of it. Okay?</p>
<p>AJ: I just want to put a question to you now because some of your press people don’t let me get in, they bar me.</p>
<p>BLATTER: You come with me.</p>
<p>AJ: Let me just ask you this, do you know which football officials took bribes from the ISL Marketing Company?</p>
<p>BLATTER: Sorry, I don’t speak about that.</p>
<p>AJ: Do you know which football officials took payments from the ISL Marketing Company?</p>
<p>BLATTER: I don’t answer these questions. (&#8230;)</p>
<p>AJ: Have you tried to find out who took these payments from the ISL Marketing Company?</p>
<p>BLATTER: You know better than I know, you know better than I know.</p>
<p>AJ: You’re the president of world football, I’m only a reporter.</p>
<p>BLATTER: No, listen, listen, you know better than I know. This is a file which is in the hands of the justice and the courts and it shall be there until …</p>
<p>AJ: Will you tell me who took the 1 million franc bribe? … I’m told you ordered this bribe should be moved to the man who’s name is on the payment, can you tell me who it went to, was it President Havelange?</p></blockquote>
<p>As soon as we stopped filming he refused me entry to his press conference.</p>
<p>Two years later I was at the courthouse in Zug. Six ISL executives were accused of trading while insolvent. The judge confronted Jean-Marie Weber: Did ISL pay around US$100 million in bribes to sports officials?</p>
<p>Yes, said Mr Weber.</p>
<p>For years I’ve been gathering evidence about corruption at the highest levels within FIFA. But there was one crucial document I couldn’t get hold of. Then just over a month ago a trusted source delivered the goods.</p>
<p>It’s a secret document, which some people at FIFA hoped could be kept buried forever.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11068" title="ISL doc 1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/8afe60a6.m.jpg" alt="" width="500" height="339" /></p>
<p>Line by line it details 175 secret payments, totalling tens of millions of dollars.</p>
<p>I know from well placed sources that the payments were bribes.</p>
<p>Among the list of names. Some senior FIFA officials.</p>
<p>This is real money, massive kickbacks on World Cup contracts.</p>
<p>Havelange owes a lot to Blatter. On March 3 1997 ISL made a terrible mistake. They sent a bribe for 1.5 million Swiss francs – around US$1 million – intended for President Havelange &#8211; direct to FIFA’s bank account!</p>
<p>I tell this story in the first chapter of my book and in BBC films. Here’s the evidence, from ISL files:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11069" title="ISL doc 2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/59ace76f.m.jpg" alt="" width="500" height="52" /></p>
<p>FIFA general secretary Sepp Blatter ordered the money transferred quickly to a Havelange private account. He denies it ever happened.</p>
<p>How much did FIFA president Joao Havelange take in bribes?</p>
<p>My guess is in excess of US$50 million. Did he pay tax in Brazil on this money?</p>
<p>I will now move on to 3 other cases of bribes paid to FIFA officials. The BBC sent each man at least 2 emails inviting them to grant interviews. They did not respond.</p>
<p>One of them is Issa Hayatou – well known to “The Bagman” Jean-Marie Weber. This is from my film of November 29 last year.</p>
<p>Mr Hayatou is a FIFA Vice President representing fifty-three African countries.</p>
<p>The list shows ISL paying him 100,000 French Francs.</p>
<p>Next to his name it says “barzahlung”. German for cash payment</p>
<p><!--more-->He didn’t answer our letter either. This time I got a bit closer.</p>
<blockquote><p>Mr Hayatou. Andrew Jennings we’ve met before. Could you spare me a moment?</p>
<p>I’d like to ask you about monies.</p>
<p>Please, please, please.</p></blockquote>
<p>We’ve looked. The ISL books show that you received money from the ISL books.</p>
<p>That’s what the lists say. They say you received money, Issa.</p>
<blockquote><p>Your name is in the books from ISL. Your name is in the books for getting money that is why I am asking you.</p>
<p>Arrete please, out.</p>
<p>OK, yeah.</p></blockquote>
<p>Then there’s Nicolas Leoz from Paraguay. In court in Zug in 2008 we were told that he had received US$130,000 from ISL in the year 2000.</p>
<p>Then I obtained the complete list – and discovered that Mr Leoz had pocketed a lot more</p>
<p>Thanks to this secret list of payments we’ve obtained, never revealed in open court, we can see that Mr Leoz got a great deal more.</p>
<p>The ISL list shows he received three further payments.</p>
<p>One of two hundred thousand dollars.</p>
<p>Another one of two hundred thousand.</p>
<p>And yet another one.</p>
<p>That’s a further 600,000 dollars worth of bribes for Mr Leoz</p>
<p>We wrote asking him to explain the payments. He didn’t respond so I tried to catch up with him at a luxury hotel in Zurich.</p>
<blockquote><p>Senor Leoz, senor Leoz. Did you take bribes from the ISL company?</p>
<p>Senor Leoz, (Spanish translation of above)</p>
<p>Si or Non?</p></blockquote>
<p>Senators – you will remember that in 2001 you published your report of an investigation into Ricardo Teixeira and the CBF.</p>
<p>You discovered that Teixeira and his company were receiving money from a company in Liechtenstein named Sanud.</p>
<p>Here’s a random page from that report.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11071" title="Brazil Sanud 2001" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/544b5ac7.m.jpg" alt="" width="422" height="500" /></p>
<p>I understand that your investigation could not find out where Sanud got its money from.</p>
<p>I discovered that Sanud’s money came from the ISL company.</p>
<p>Here’s a few extracts from the company bribe list</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11070" title="ISL doc, Sanud" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/e1860036.m.jpg" alt="" width="500" height="276" /></p>
<p>In November last year I caught up with him. This is what the world has watched.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<blockquote><p>JENNINGS: Here’s another Liechtenstein company, named Sanud.</p>
<p>It got 21 payments totalling 9.5 million dollars.</p>
<p>This time there are some clues about who got the money.</p>
<p>They point to the most significant person linked to our secret document. He’s another member of FIFA’s executive committee.</p>
<p>And the man in charge of the next World Cup, in Brazil in 2014.</p>
<p>Panorama has met him before</p>
<p>In 1998 we tried to ask him about his role in sponsorship deals for Brazil’s national team.</p>
<p>You don’t want to talk about football.</p>
<p>I would like to talk about football.</p>
<p>No more answers. No more questions. Bye, bye.</p>
<p>But we’ve got new questions, because that Liechtenstein company, Sanud, has been closely linked to him in the past.</p>
<p>An inquiry by the Brazilian senate in 2001 found that funds from Sanud had been secretly channeled to Mr Teixeira.</p>
<p>So did the 9.5 million dollars on our list end up in his pocket as well?</p>
<p>We wrote to Mr Teixeira and asked. He didn’t reply either.</p>
<p>Hello Mr Teixeira. Could we talk to you please?</p>
<p>So I went back to FIFA’s hotel in Zurich to ask him.</p>
<p>Did you take your bribes through the Sanud company?</p>
<p>What were those payments from the ISL company for?</p>
<p>Mr Teixeria.</p>
<p>Oh dear.</p></blockquote>
<p>Swiss Magistrate Thomas Hildbrand discovered enough evidence to prove that 2 FIFA officials took ISL bribes – and that Blatter had covered it up. In May 2010 he announced that the case had been settled. Here’s his public statement:</p>
<blockquote><p>Investigating Magistrate Thomas Hildbrand in August 2008 began an investigation into allegations that certain members of FIFA’s Executive Committee received kickbacks on marketing contracts. After five years of inquiries the accused agreed to repay 5.5million Francs and the case was closed.”</p></blockquote>
<p>Who were the accused? They are Blatter, Teixeira and Havelange. They have paid a small fortune to have their names kept secret.</p>
<p>But they cannot. The BBC and several Swiss newspapers are fighting a legal battle to have Hildbrand’s report published.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11073" title="ISL doc Zug 1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/f7f27554.m.jpg" alt="" width="500" height="379" /></p>
<p>Blatter, Havelange and Teixeira are resisting – and here are the Swiss lawyers for clients B1, B2 and B3.</p>
<p>I know this because the BBC receives copies of all correspondence.</p>
<ul>
<li>B1 is Blatter and Fifa, represented by lawyers Nobel &amp; Hug</li>
<li>B2 is Ricardo Teixeira, represented by law firm Schweiger</li>
<li>B3 is Joao Havelange, represented by law firm Niedermann.</li>
</ul>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11074" title="ISL doc Zug 2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/5c5920a9.m.jpg" alt="" width="500" height="415" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11075" title="ISL doc Zug 3" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/cef3ddd4.m.jpg" alt="" width="500" height="417" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-11076" title="ISL doc Zug 4" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/10/1fccd1e5.m.jpg" alt="" width="500" height="379" /></p>
<p>Last week the Public Prosecutor in Zug rejected the arguments of Blatter, Teixeira and Havelange.</p>
<p>The big question now is: Will Blatter, Teixeira and Havelange continue to fight for suppression?</p>
<p>Our lawyers say it is inevitable that the Swiss Supreme court will order disclosure in the public interest – although it may take another 12 months.</p>
<p>Then you will have a massive international scandal hanging over your world Cup. Two Brazilians and President Blatter.</p>
<p>Thank you.</p>
<p>[<em>JW says: As far as I heard the long Q &amp; A session with Senators and AJ in Brasilia has produced much more details - and fun.</em>]</p>
]]></content:encoded>
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		<slash:comments>22</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens.</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 15:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH. Die Bilanz des Grauens ist (vorerst) neunstellig, wenn Mann die Ziffern hinter dem Komma mal großzügig beiseite lässt. Die Schmiergelder der ISL-Gruppe an höchste Sportfunktionäre, die sich gern mit Millionen freikaufen, in der Übersicht: Es geht also weiter in der ISL-Saga. Die Abkassierer sind ja schließlich auch noch im Amt und werden protektiert. Neue Fakten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Die Bilanz des Grauens ist (vorerst) neunstellig, wenn Mann die Ziffern hinter dem Komma mal großzügig beiseite lässt. Die Schmiergelder der <a title="alle Beiträge zur ISL/ISMM" href="http://www.jensweinreich.de/category/islismm/" target="_self">ISL-Gruppe</a> an höchste Sportfunktionäre, <a title="Wie sich korrupte Sportfunktionäre in der FIFA mit Millionen freikaufen" href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/" target="_self">die sich gern mit Millionen freikaufen</a>, in der Übersicht:</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="ISL Schmiergeldbilanz" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/11/islneu-e1291042109675.gif" alt="ISL Schmiergeldbilanz" width="424" height="384" /></p>
<p>Es geht also weiter in der ISL-Saga. Die Abkassierer sind ja schließlich auch noch im Amt und werden protektiert. Neue Fakten zum größten Korruptionsskandal der Sportgeschichte liegen vor, pünktlich zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag durch das FIFA-Exekutivkomitee. Ich hatte es <a title="Wasserstandsmeldung: FIFA, IOC, Korruption, WM-Vergabe" href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/28/wasserstandsmeldung-olympia-2018-fifa-korruption-wm-vergabe-20182022/" target="_self">gestern bereits angedeutet</a>.</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/11/28/dlf_20101128_1920_5be03d24.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Neue Namen, neue Zahlen, neue Fakten. Dank BBC Panorama, Andrew Jennings und James Oliver. Well done!</p>
<p>Schmiergeldempfänger aus dem FIFA-Exekutivkomitee:</p>
<ul>
<li>Ricardo Teixeira</li>
<li>Nicolas Leoz</li>
<li>Issa Hayatou</li>
</ul>
<p>Der langjährige FIFA Präsident:</p>
<ul>
<li>Joao Havelange</li>
</ul>
<p>Schmiergeldempfänger aus dem IOC:</p>
<ul>
<li>Joao Havelange</li>
<li>Issa Hayatou</li>
<li>Lamine Diack (IAAF-Präsident)</li>
</ul>
<p>Was nun in der ISL-Saga dokumentiert ist, und zwar gerichtsfest, ist die Zahlung von</p>
<p style="text-align: center;"><strong>140.785.618,93 CHF</strong></p>
<p>zwischen 1989 und 2001 an Funktionäre der FIFA, des IOC, der IAAF und etlichen anderen Weltverbänden und Kontinentalföderationen. Noch einmal:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>140.785.618,93 CHF &#8230;</strong></p>
<p>&#8230; nur von der ISL-Gruppe. Das ist nur, was wir bisher wissen. Es ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Ich sage es erneut: 95-98 Prozent aller Korruptionsfälle (und Zahlungen) bleiben unentdeckt &#8211; jeder kann die Dunkelziffer kalkulieren. Und die ISL war zwar Weltmarktführer im Sportbusiness, aber eben auch nur eine große Firma auf dem Markt, auf dem sich viele andere Giganten und ungezählte kleine Fische tummelten.</p>
<p>Lesebefehle :)</p>
<ul>
<li>Jean Francois Tanda im Tagesanzeiger: <a title="Tagesanzeiger" href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Schmiergeldempfaenger-stimmen-mit-/story/31614596" target="_blank">Schmiergeldempfänger stimmen mit</a></li>
<li>Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung: <a title="sueddeutsche.de" href="http://sueddeutsche.de/sport/fifa-korruptionsvorwuerfe-die-naechsten-schwarzen-schafe-1.1029720" target="_blank">Geheime Liste &#8211; Bares für Funktionäre</a></li>
<li>Ich habe ebenfalls gedichtet für <a title="Spiegel Online: Neue Bestechungsvorwürfe gegen FIFA-Funktionäre" href="http://news.google.de/news/url?sa=t&amp;ct2=de%2F0_0_s_0_0_t&amp;ct3=MAA4AEgAUABgAWoCZGU&amp;usg=AFQjCNGRxv71pqHNRYJZgE_s8wY3y9bKRw&amp;sig2=N_GHBssr90YVakKOK6FdOw&amp;cid=17593573535099&amp;ei=c-7zTMjTBpCk_AbUheyPAg&amp;rt=SEARCH&amp;vm=STANDARD&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fsport%2Ffussball%2F0%2C1518%2C731731%2C00.html" target="_blank">Spiegel-Online</a>, die FTD und für Play the Game: <a title="Play the Game" href="http://www.playthegame.org/news/detailed/new-revelations-fifa-excecutives-named-as-isl-bribe-takers-5059.html" target="_blank">New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers</a></li>
</ul>
<p>Sendetermin von <a title="BBC Panorama" href="http://news.bbc.co.uk/panorama/hi/default.stm" target="_blank">BBC Panorama</a> ist <strong>heute, 21.30 MEZ</strong>! dogfood notierte vorhin in den Kommentaren:</p>
<blockquote><p>Der Radiosender BBC 5live wird das Andrew Jennings-Feature über die FIFA parallel zu BBC One übertragen und danach mit Interviews und Einschätzungen nachbereiten. BBC 5live ist <a rel="nofollow" href="http://www.bbc.co.uk/iplayer/console/bbc_radio_five_live">in Deutschland per regulärem Stream<img id="snap_com_shot_link_icon" src="http://i.ixnp.com/images/v6.52/t.gif" alt="" /></a> zu hören.</p></blockquote>
<p>Hier mein Text von heute Nachmittag:</p>
<blockquote><p>Drei Tage vor der Entscheidung über die Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 liegen weitere Dokumente vor, die Fußballfunktionäre schwer belasten. Mindestens drei aktuelle Mitglieder aus dem Exekutivkomitees des Weltverbandes FIFA haben über Jahre Millionensummen an Schmiergeldern vom ehemaligen Sportrechtehändler ISL/ISMM kassiert: Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira, Nicolas Leoz aus Paraguay, Chef der südamerikanischen Fußball-Konföderation CONMEBOL, und Issa Hayatou aus Kamerun, Präsident des afrikanischen Konföderation CAF. Von Teixeira und von Leoz waren andere Vergehen bereits bekannt. Neu ist der Name Hayatou. Alle drei sollen am Donnerstag in Zürich über die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 entscheiden. „Schmiergeldempfänger stimmen mit“, titelte am Montag der Züricher „Tagesanzeiger“.</p>
<p>Der langjährige FIFA-Präsident Joao Havelange, ehemals Schwiegervater Teixeiras, taucht ebenfalls auf der Liste auf, die zwischen 1989 und 1999 insgesamt 175 Zahlungen in einer Gesamthöhe von 122.587.308,93 Schweizer Franken erfasst. An der Echtheit des Dokuments, dass BBC-Reporter Andrew Jennings für die Sendung Panorama (wird am Montagabend ausgestrahlt) enthüllte, besteht kein Zweifel. Denn schon im ISL-Strafprozess im Frühjahr 2008 in Zug hatte Marc Siegwart, einer der Richter, süffisant von 120 Millionen Schmiergeld gesprochen – es sind sogar einige Millionen mehr.</p>
<p>Gerichtsfest dokumentiert waren bislang weitere 18 Millionen Franken, die von der ISL-Gruppe zwischen 1999 und 2001 an höchste Sportfunktionäre gezahlt wurden. Insgesamt wurden mehr als 140 Millionen Franken gezahlt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Dafür haben diese Top-Offiziellen aus zahlreichen Sportweltverbänden, nicht nur aus der FIFA, der ISL/ISMM Milliardenaufträge verschafft: Sponsorenverträge, Marketingrechte, TV-Rechte. Die meisten Zahlungen liefen über Tarnfirmen und Stiftungen in zahlreichen Ländern. Das ISL-Korruptionssystem wurde 2008 in einem Strafprozess gegen langjährige ISL-Manager in Zug vor Gericht seziert. Auch zahlreiche Barzahlungen gehörten zum Geschäft, die Schmiergeldboten hatten nie Probleme, prall gefüllte Koffer über die Grenze zu bringen, um etwa Geld aus Liechtenstein in Zürich zu übergeben. Einer der ISL-Manager sagte vor Gericht aus: „All diese Zahlungen waren notwendig, um überhaupt Verträge zu bekommen und dass die (gemeint sind Sportfunktionäre/d.A.) sich dran halten.“ Ein anderer sagte: „Das war, als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet.“</p>
<p>Im Juni 2010 war ein Deal zwischen der Staatsanwaltschaft Zug und der FIFA bekannt geworden. Die FIFA zahlte 5,5 Millionen Franken an die Staatskasse – die Ermittlungen wurden eingestellt. Die Namen der bestechlichen Funktionäre sollten für alle Zeiten geheim bleiben. Nun sind einige Personen mehr bekannt, und etliche Firmen und Stiftungen. Der größte Korruptionsskandal der Sportgeschichte schlägt Kreise und ist damit endgültig im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angekommen. Denn neben Havelange, Doyen des IOC, gehört auch Hayatou dem IOC an. Außerdem hat gemäß des Dokuments, das Spiegel Online vorliegt, der Senegalese Lamine Diack Geld kassiert. Diack, in seiner Heimat als künftiger Staatspräsident gehandelt, ist seit 1999 Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und in dieser Eigenschaft IOC-Mitglied.</p>
<p>Top-Verdiener war der Brasilianer Ricardo Teixeira, der von der ISL über Tarnfirmen bis 1999 rund 9,5 Millionen Dollar erhielt. Weitere 2,5 Millionen, das war seit 2008 bekannt, kassierte er zwischen 1999 und 2001. Teixeiras Vergehen sind Legende und unter anderem in Untersuchungsberichten des brasilianischen Parlaments nachzulesen. Doch Teixeira genießt doppelte Protektion: daheim von der Politik, und in der FIFA von Präsident Joseph Blatter. Erst vor zwei Wochen hatte das brasilianische Magazin „Lance“ enthüllt, dass Teixeira als Präsident des brasilianischen Verbandes CBF und Chef des WM-Organisationskomitees 2014 Verträge mit sich selbst abgeschlossen hat. Die WM wird von einer Firma organisiert, die zu 99,9 Prozent dem CBF und zu 0,1 Prozent Teixeira gehört – über die Aufteilung eines etwaigen WM-Gewinns entscheidet allein Teixeira, unabhängig von den Gesellschaftsanteilen.</p>
<p>Das IOC und seine so genannte Ethik-Kommission haben sich nie mit dieser Thematik auseinander gesetzt und wie die FIFA stets darauf verwiesen, dass der Erhalt von Bestechungszahlungen zwischen 1989 und 2001 in der Schweiz nicht strafbar gewesen sei. Präzise betrachtet ist es das auch heute noch nicht: Zwar würde ein Korruptionsgeflecht, wie es die ISL-Gruppe aufgebaut hatte, heute vom Gesetz über den unlauteren Wettbewerb erfasst und wäre strafbar. Doch Sportfunktionäre und ihre milliardenschweren Konzerne wie FIFA und IOC, die zumeist in der Schweiz residieren, genießen weiter den rechtlichen Status von Vereinen, werden von Anti-Korruptionsregeln nicht erfasst. Der Erhalt von Bestechungszahlungen etwa im Zusammenhang mit der Vergabe der beiden Fußball-Weltmeisterschaften an diesem Donnerstag gilt quasi als vereinsinterne Angelegenheit der FIFA. Vor zwei Wochen hatte die FIFA-Ethikkommission zwei Exekutivmitglieder und vier weitere Funktionäre suspendiert, die nach Recherchen der Londoner Sunday Times als bestechlich enttarnt wurden.</p>
<p>Für den IOC-Patron Joao Havelange ist in den Unterlagen am 3. März 1997 eine Zahlung von 1,5 Millionen Franken verzeichnet. Dies geschah ein dreiviertel Jahr, nachdem die ISL-Gruppe gemeinsam mit dem Münchner Rechtehändler Leo Kirch unter skandalösen Umständen für 2,8 Milliarden Franken die TV-Vermarktung der Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erworben hatte. Im Jahr 1997 sicherte sich die ISL unter ebenso dubiosen Umständen auch die Vermarktung der WM-Sponsorenrechte in Höhe von einer knappen Milliarde Franken.</p>
<p>Für Nicolas Leoz, schon seit 1986 Südamerikas Fußballchef und eng mit Teixeira und Havelange verbandelt, sind 864.000 Franken Schmiergeld notiert – zuzüglich jene 211.625 Franken, die schon länger bekannt waren. Die IOC-Mitglieder Hayatou und Diack kassierten vergleichsweise Peanuts. Hayatou erhielt 1995 einmal 24.700 Franken in bar. Diack erhielt drei Bar-Tranchen, insgesamt 52.680 Franken. Interessant ist, dass der Schmiergeldbote des ISL-Konzerns, Jean-Marie Weber, bis heute für Hayatou und Diack arbeitet, also für den von Hayatou geleiteten afrikanischen Verband CAF und für die IAAF des Lamine Diack.</p></blockquote>
<p>Ab jetzt ein Mini-Liveblog.</p>
<p><strong>19.18 Uhr:</strong> Oh, das ist sogar Thema in der heute-Sendung des ZDF. Wolf Dieter Poschi (so sprach ihn der Kollege zweimal an, der sich von der Auslosung der Frauen-WM an) Poschmann hat in der einen Minute zum Korruptionsthema drei sachliche Fehler gemacht, wenn ich richtig gezählt habe. Oder er wusste nicht richtig Bescheid :)</p>
<p><strong>19.29 Uhr:</strong> Der Text zum BBC-Beitrag ist teilweise lustig-süffisant. Wie immer bei Andrew Jennings. Ein alter Bekannter bekommt weitere Probleme. Wer könnte das wohl sein?</p>
<p><strong>19.38 Uhr:</strong> Kuschelsendung im ZDF. WM-Auslosung, kein Journalismus. Der Bursche, der eben in der Nachrichtensendung Herrn Poschmann als &#8220;Poschi&#8221; angesprochen hat, lässt gerade Theo 20er reden. Ich habe es schon mal auf Facebook gefragt: Ich bin sehr gespannt, wie 20er ab Mai kommenden Jahres als neues Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees aufräumen wird mit der Korruption. Btw: Sehr lustig, dass ein gewisser Günter Netzer gleich die WM-Auslosung der Frauen erledigen wird. <a title="Manager-Magazin" href="http://wissen.manager-magazin.de/wissen/image/show.html?did=26920165&amp;aref=image035/E0317/ROMM200300500520060.PDF" target="_blank">Netzer war einst an dubiosen Deals vor der Vergabe der Männer-WM 2006 an Deutschland beteiligt.</a></p>
<p><strong>19.45 Uhr:</strong> Wenn ich es richtig gesehen habe, sitzt der Herr 20er neben Morawi Makudi aus Thailand. Soll er ihn doch gleich mal fragen, wo das viele Geld geblieben ist, dass u.a. CWL überwiesen hat.</p>
<p><strong>20.01 Uhr:</strong> Deutschland spielt gegen Kanada und Nigeria, die zuletzt daheim Fünfnull und Achtnull besiegt wurden. Doch der Reporter macht es spannend und spricht von &#8220;Top-Teams im Frauenfußball&#8221;.</p>
<p><strong>22.26 Uhr:</strong> Zur BBC: Es war ein typischer Andrew Jennings mit einigen Highlights der vergangenen Jahre, etwa Jack Warner, der sich lieber seine Spucke spart, als auf ein Stück Abfall wie AJ zu spucken, obwohl der es verdient hätte &#8230; so sind die, die FIFA-Ehrenmänner.</p>
<p>Nun wird es wieder Idioten geben im so genannten Journalismus, unter Spindoktoren und Funktionären, die behaupten werden, AJ hätte nichts Neues geliefert. Ich sage: Lüge. Unsinn. Spin. Rufmord.</p>
<p>Andrew Jennings hat mit diesem Dokument ein wichtiges Puzzleteil der Sportgeschichte geliefert. Wer das nicht begreift oder es nicht begreifen will, dem ist nicht zu helfen. Ich sage einmal mehr, liebe Freunde: Es geht im Journalismus nicht um &#8220;he said, she said&#8221; und also nicht darum, Halbsätze zu interpretieren und daraus so genannte Exklusivnachrichten zu basteln. Es geht um solche Papiere. Bravo, AJ.</p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/90321/Korruptionsbilanz-in-FIFA-und-IOC-140-785-61893-CHF-Mindestens-" target="_blank"> <img title="Flattr this" src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" border="0" alt="Flattr this" /></a></p>
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		<title>New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 15:40:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH. Zwischendurch mal in meinem broken English: New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers Three days before the election of the hosts of the 2018 and 2022 football World Cups, new documents have appeared that present heavy charges against football officials. At least three current members of the executive committee of football’s world governing [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Zwischendurch mal in meinem broken English:</p>
<p><!-- p.p1 {margin: 0.0px 0.0px 8.0px 0.0px; font: 14.0px Verdana; color: #464646} --><strong><a title="Play the Game" href="http://www.playthegame.org/news/detailed/new-revelations-fifa-excecutives-named-as-isl-bribe-takers-5059.html" target="_self">New revelations: FIFA Excecutives named as ISL bribe-takers</a></strong></p>
<p>Three days before the election of the hosts of the 2018 and 2022 football World Cups, new documents have appeared that present heavy charges against football officials.</p>
<p>At least three current members of the executive committee of football’s world governing body FIFA have over the years collected millions of dollars in bribes from the former sports marketing agency ISL / ISMM: Ricardo Teixeira, Head of Brazil&#8217;s Football Federation (CBF) and of the 2014 World Cup Organising Committee, Nicolas Léoz of Paraguay, Head of the South American Football Confederation (CONMEBOL), and Issa Hayatou from Cameroon, President of the African Football Confederation (CAF).</p>
<p>Regarding Teixiera and Léoz, other irregularities were already known, but the name of Hayatou is new. All three will meet Thursday in Zurich and take part in the voting on the 2018 and 2022 World Cups.</p>
<p>&#8220;Bribe receivers cast their votes&#8221; said the Zurich Tages-Anzeiger in their headline today.</p>
<p>The long-time FIFA President Joao Havelange, once father-in-law of Ricardo Teixeira, also appears on the list which covers the years between 1989 and 1999 and a total of 175 payments worth 122,587,308.93 Swiss francs.</p>
<p>There is no doubt about the authenticity of the document that the author and investigative reporter Andrew Jennings has uncovered for the BBC programme Panorama (broadcast on Monday evening at 20.30 CET), for in the ISL court procedure in the spring of 2008 in Zug, Marc Siegwart, one of the judges, spoke smugly about bribes of 120 million Swiss francs in those years.</p>
<p>On top of that, the prosecutors in Zug had already documented a further 18 million Swiss francs, which were paid by the ISL group from 1999-2001 to top sports officials. All in all 140 million Swiss francs were paid out &#8211; and this is just the tip of the iceberg. For this money, these top officials from various sports organisations, not only FIFA, ensured orders worth billions for the ISL / ISMM: Sponsorship contracts, marketing rights, TV rights. Most payments were funnelled through sham companies and foundations in many countries. The ISL system of corruption was spelled out in a criminal proceeding against six long-time ISL executives in the court of Zug in 2008.</p>
<p>Numerous cash payments were also part of the business; the bribe couriers never had problems bringing bulging suitcases across the border, for instance to pass money from Liechtenstein to Zurich.</p>
<p>One of the ISL-managers testified in court: &#8220;All these payments were necessary to even get contracts and to make them [the sports officials] stick to it.&#8221; Another said: &#8220;It was like paying salaries. Otherwise they would have stopped working immediately.&#8221;</p>
<blockquote><p><a title="&quot;Bribes as salaries for sports leaders&quot;" href="http://www.jensweinreich.de/2010/10/19/bribes-as-salaries-for-sports-leaders/" target="_self">&#8220;Bribes as salaries for sports leaders&#8221;</a> by Jens Sejer Andersen</p>
<p><a title="The ISL bribery system" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/" target="_self">The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the olympic woirld</a> by Jens Weinreich</p></blockquote>
<p>In June 2010, a deal between prosecutors in Zug and FIFA was settled. FIFA paid 5.5 million Swiss francs to the Swiss Treasury – and the investigation was discontinued. The names of the corrupt officials were supposed to remain secret forever. Now some of these names have become publicly known, as have the names of several companies and foundations.</p>
<p>The biggest corruption scandal in the history of sport keeps spreading and has now reached the International Olympic Committee (IOC). Besides Havelange, doyen of the IOC, Hayatou is also an IOC member. Moreover, according to the document, the Senegalese Lamine Diack also collected money from the ISL. Diack, treated as a future president in his home country, has been President of the World Athletics Federation (IAAF) since 1999 and is through this capacity an IOC member.</p>
<p>Top earner is the Brazilian Ricardo Teixeira, who, through sham companies, has received around 9.5 million dollars from the ISL since 1999. Between 1999 and 2001, he collected another 2.5 million dollars, which has been known since 2008.</p>
<p>Teixeira&#8217;s records are legend and included in investigation reports by the Brazilian Parliament. But Teixeira enjoys double protection: at home by politics, and in FIFA by President Joseph Blatter.</p>
<p>Only two weeks ago, the Brazilian magazine &#8220;Lance&#8221; revealed that Teixeira as President of CBF and head of the 2014 World Cup Organising Committee has signed contracts with himself. The World Cup is organized by a company that belongs 99.9 percent to the CBF and 0.1 percent to Teixeira – the sharing of any World Cup profits is decided by Teixeira alone, regardless of the distribution of shares.</p>
<p>The IOC and its so-called Ethics Committee have never paid much attention to this issue or to how FIFA always pointed out that receiving bribes in Switzerland between 1989 and 2001 was not illegal. In fact, it still isn’t: However, a corruption network as the one seen within the ISL Group, would now be covered by the law on unfair competition and as such be punishable. But sports officials and their billion-dollar corporations like FIFA and IOC, which most often reside in Switzerland, further enjoy the legal status of associations, and are thus not covered by anti-corruption rules.</p>
<p>The receipt of payments, such as bribery in connection with the awarding of the two FIFA World Cups this Thursday, seems to be internal affairs for FIFA. Two weeks ago, the FIFA Ethics Committee suspended two executive members and four other officials, who were revealed as corruptible after investigations made by the Sunday Times.</p>
<p>As for the IOC Patron Joao Havelange, the document shows a payment of 1.5 million Swiss francs on 3 March 1997. This happened nine months after the ISL group, together with Munich media entrepreneur Leo Kirch, under scandalous circumstances had acquired the TV marketing rights for the 2002 and 2006 World Cups for 2.8 billion Swiss francs. In 1997, under equally suspicious circumstances, the ISL also secured the marketing of World Cup sponsorship rights worth just under a billion Swiss francs.</p>
<p>Nicolas Léoz, President of CONMENBOL since 1986 and tied in closely with Teixeira and Havelange, is said to have received 864.000 Swiss francs in bribes &#8211; plus 211.625 Swiss francs which has been known for a while. Compared to this, the bribes collected by IOC members Hayatou and Diack were mere peanuts.</p>
<p>In 1995, Hayatou received 24.700 Swiss francs in cash. Diack received three cash payments of 52.680 Swiss francs in total. Interestingly, the bribe distributor of the ISL Group, Jean-Marie Weber, to this day works for Hayatou and Diack, that is, for the African Football Federation (CAF), headed by Hayatou and for the world governing body for Athletics (IAAF), headed by Lamine Diack.</p>
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		<title>Wie sich korrupte Funktionäre im FIFA-Reich des Joseph Blatter mit Millionen frei kaufen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 08:43:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>JOHANNESBURG. Lassen wir Fakten sprechen. Dies ist eine Dokumentation (mehr) aus dem Reich des Joseph Blatter und seiner Fédération Internationale de Football Association (FIFA). Es ist eine Geschichte von jenen, die auszogen, Millionen aus dem Fußballgeschäft auf ihre Privatkonten abzuzweigen, die sich seit Jahrzehnten voll fressen wie Maden im Speck, die über die friedensstiftenden Heilkräfte des Fußballs orakeln, die gerade dieser Tage in Afrika wieder halluzinieren, Familienbande beschwören und doch kaum etwas anderes im Sinn haben, als ihre privaten Interessen. Sie werden von nichts und niemandem kontrolliert. Im Gegenteil: Politiker aller Couleur küssen ihnen die Füße, schließlich bewerben sich gerade wieder elf Länder um <a title="tag WM 2018" href="http://www.jensweinreich.de/category/wm-2018/" target="_self">kommende</a> <a title="tag WM 2022" href="http://www.jensweinreich.de/category/wm-2022/" target="_self">Weltmeisterschaften</a>.</p>
<p>Dass sie machen können, was sie wollen, dass in der Spezialdemokratie andere Regeln gelten, wurde selten eindrucksvoller bewiesen als mit jenem Deal, den FIFA-Funktionäre, letztlich auch die FIFA und die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug gerade in der Causa ISL/ISMM geschlossen haben. Der Deal geht so:</p>
<p>Hohe FIFA-Offizielle haben Millionensummen an Schmiergeld kassiert, FIFA-Offizielle haben sich über Jahre bestechen lassen, FIFA-Offizielle agierten zutiefst korrupt, und weil das ausnahmsweise mal gut dokumentiert ist, zahlt man halt 5,5 Millionen CHF an die Schweizer Staatskasse und kauft sich damit quasi frei. Wichtig ist nur:</p>
<p>Alle Beteiligten sind sich einig darin, dass die Namen aller Schmiergeldempfänger nie öffentlich werden dürfen.</p>
<p>Es gibt Juristen, die so etwas als <strong>Korruptionsverdunklungsvertrag</strong> bezeichnen. Und das ist nicht der erste in diesem Fall. Ich finde den Begriff zutreffend.</p>
<p>Bevor ich die Einzelheiten dokumentiere, genießen wir zunächst die FIFA-Propaganda und hören auch, was die Staatsanwaltschaft Zug sagt.</p>
<p>Die FIFA <a title="FIFA PM vom 24. Juni 2010" href="http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/news/newsid=1256730.html#erklarung+fifa+heutigen+bekanntgabe+staatsanwaltschaft+zug" target="_blank">erklärt</a>:</p>
<blockquote><p>Die FIFA reagiert mit Befriedigung darauf, dass die Staatsanwaltschaft Zug ihre Ermittlungen im Zuge des &#8220;ISL/ISMM-Falles&#8221; abgeschlossen hat.</p>
<p>Es sei daran erinnert, dass die Entscheidung einen Sachverhalt betrifft, der vor dem Jahr 2000 lag, und dass es keine gerichtliche Verurteilung der FIFA gab. Der FIFA-Präsident wurde von jeglichem Fehlverhalten in dieser Angelegenheit freigesprochen.</p>
<p>Da die Untersuchung und damit auch der Fall nun endgültig abgeschlossen sind, wird die FIFA keine weiteren Erklärungen dazu abgeben.</p></blockquote>
<p>Die Staatsanwaltschaft <a title="Kanton Zug" href="http://www.zio.ch/verfahren+nach+wiedergutmachung+eingestellt/28202/detail.html  " target="_blank">teilt mit</a>:</p>
<blockquote><p>Verfahren nach Wiedergutmachung eingestellt</p>
<p>Der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) wurden Provisionszahlungen von mehreren Millionen Schweizer Franken vorenthalten. Weil die Beschuldigten den Schaden in angemessenem Umfang wiedergutmachten, wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.</p>
<p>Der vorliegende Fall geht zurück ins Jahr 2001. Im Mai 2001 wurde aufgrund einer Anzeige der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) gegen Verantwortliche des Managements der ISMM/ISL-Gruppe ein Verfahren eingeleitet. Das ehemalige Untersuchungsrichteramt Zug schloss jenes Verfahren mit Verfügung vom 18. März 2005 ab und überwies dieses an die damalige Staatsanwaltschaft des Kantons Zug zur Anklageerhebung. Die Staatsanwaltschaft hat in der Folge „bezüglich der meisten Vorwürfe Schuldsprüche beantragt“. Die anschliessenden Verfahren vor erster und zweiter Instanz der Zuger Gerichtsbehörden führten in den meisten Fällen zu Freisprüchen.</p>
<p>Im Anschluss an die einleitend erwähnte Strafuntersuchung wurde am 8. August 2005 von Amtes wegen ein weiteres Verfahren gegen Unbekannt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zum Nachteil der FIFA eröffnet. Aufgrund der Ermittlungsergebnisse, denen ausgedehnte Abklärungen im In- und Ausland zu Grunde liegen, musste das Verfahren auf mehrere Personen ausgedehnt werden. Nachdem die abgenommenen Beweise eine Beurteilung des objektiven Tatbestandes ermöglichten und eine Wiedergutmachung des durch die Beschuldigten verursachten Schadens erfolgt war, wurde das Strafverfahren gestützt auf Art. 53 StGB eingestellt.</p>
<p>Die Einstellungsverfügung ist rechtskräftig. Provisionszahlungen als Auslöser des Verfahrens Ausländische Personen von FIFA-Organen kamen bis ins Jahr 2000 in den Genuss von Provisionen, die von der ISMM/ISL-Gruppe ausgeschüttet wurden. Diese Zuwendungen standen einerseits im Zusammenhang mit Vertragsabschlüssen dieser Gruppe und andererseits erfolgten diese Zahlungen aus Gründen der Verknüpfung der Provisionsempfänger mit der FIFA. Die Zahlungsadressaten unterliessen es, die Gelder an die FIFA weiterzuleiten und verwendeten die Vermögenswerte für ihre eigenen Zwecke. Die FIFA ihrerseits unterliess es, die ihr zustehenden Vermögenswerte von den Beschuldigten einzufordern. Sie wurde in diesem Umfang geschädigt.</p>
<p>Die Beschuldigten haben im Rahmen des Verfahrens den Empfang der Gelder nicht in Abrede gestellt, verneinten jedoch eine strafrechtliche Verantwortung. Sie zeigten sich aber bereit, den von der Staatsanwaltschaft als einer Wiedergutmachung zugänglich qualifizierten Betrag von 5.5 Millionen Franken zu bezahlen. Damit konnte der Schaden in diesem Umfang wieder gutgemacht werden. Ein Teil der Wiedergutmachungszahlungen in der Höhe von 2.5 Millionen Franken kommt gemeinnützigen Organisationen zu. Die Beschuldigten haben zudem die Verfahrenskosten übernommen.</p></blockquote>
<p>Mir fehlt die Zeit, alle Absurditäten dieser Erklärungen aufzulisten.</p>
<p>Mit diesem Deal könnte das letzte Kapitel in der juristischen &#8220;Aufarbeitung&#8221; des größten Bestechungsskandals der olympischen Sportgeschichte geschrieben worden sein. Es geht um mindestens 138 Millionen Schweizer Franken, mit denen das Firmen-Konglomerat ISL/ISMM, zwanzig Jahre lang unangefochtene Nummer eins der Welt im Sportmarketing, zahlreiche hochrangige Sportfunktionäre geschmiert hat, um an die lukrativsten, milliardenschweren TV- und Sponsorenverträge zu gelangen. Diese 138 Millionen sind aber nur die Spitze des Eisberges, nimmt man kriminalistisches Basiswissen zum Maßstab und bedenkt, dass 95 bis 98 Prozent aller Korruptionsfälle unentdeckt bleiben, so errechnet sich über die zwei Jahrzehnte der ISL-Herrschaft im olympischen Sportmarketing leicht eine Milliardensumme.</p>
<p>Es ist ein Wirtschaftskrimi, ein Politkrimi, <a title="KGB-gate: Samaranch, more Russian olympic secret agents, IOC, FIFA and the Opus Dei" href="http://www.jensweinreich.de/2009/11/06/kgb-gate-samaranch-more-russian-olympic-secret-agents-ioc-fifa-and-the-opus-dei/" target="_self">Geheimdienste</a> <a title="IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB" href="http://www.jensweinreich.de/2009/11/05/ioc-ehrenprasident-samaranch-und-der-kgb/" target="_self">mischten</a> <a title="† Anwar Chowdhry" href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/22/%e2%80%a0-anwar-chowdhry/" target="_self">auch stets mit</a>. Es ist ein Thriller. Denn es war schließlich <a title="alle Beiträge von und mit Jean-Marie Weber" href="http://www.jensweinreich.de/page/2/?s=jean-marie+weber" target="_self">Jean-Marie Weber</a>, der Blatter-Freund, der Havelange-Freund, der Schmiergeldbote und treuer Diener des ISL-Gründers Horst Dassler, der mehrfach in kleinen Kreisen bekannt hat: Wenn er die Namen aller Schmiergeldempfänger ausplaudern würde, wäre er ein toter Mann.</p>
<p>Präzise betrachtet geht es um mehr als diese 138 Millionen oder von mir aus auch eine Milliarde. Das gesamte System basierte auf Korruption (oder basiert noch?), die Vergabe von Marketingrechten, die Wahl von Präsidenten und anderen Offiziellen, die Vergabe von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften &#8211; alles ist miteinander verwoben. Eigentlich müsste Sportgeschichte neu geschrieben werden.</p>
<p>Erinnern wir uns an den ISL-Strafprozess im Frühjahr 2008 in Zug:</p>
<p>Der Richter:</p>
<blockquote><p>“Das hat etwas Verschwörerisches an sich!&#8221;</p></blockquote>
<p>Ein ehemaliger ISL-Manager:</p>
<blockquote><p>“Alle diese Zahlungen waren notwendig, um überhaupt Verträge zu bekommen und dass die (gemeint sind die Sportfunktionäre/d. A.) sich dran halten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Schmiergeld an Sportfunktionäre zu zahlen ist:</p>
<blockquote><p>“Als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet. Ansonsten wären diese Verträge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden. Diese Zahlungen sind betriebswirtschaftlich notwendig, sind echte Aufwandspositionen. Nur die andere Seite möchte nicht genannt werden, das ist das Sensitive.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ein anderer ISL-Manager:</p>
<blockquote><p>“Diese Praxis war unerlässlich, sie war branchenüblich, sie gehörte zum Stil des Geschäfts.&#8221;</p></blockquote>
<p>So lief&#8217;s Business:</p>
<div id="attachment_3986" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img class="size-full wp-image-3986" title="Chart ISMM bribery system" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/isl-chart-2009.jpg" alt="" width="540" height="680" /><p class="wp-caption-text">Chart ISMM bribery system, basierend auf Gerichtsakten und Zeugenaussagen</p></div>
<p>Ich kann es niemandem, der wirklich an diesem Thema und den Hintergründen interessiert ist, abnehmen, sich die Fakten anzusehen, ausführlich dokumentiert:</p>
<ul>
<li><a title="The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/" target="_self">The ISL bribery system: mitsamt Zeitleisten und Übersicht zum ISL-Portfolio</a></li>
<li><a title="Gericht rügt FIFA &quot;täuschendes Verhalten&quot;" href="http://www.jensweinreich.de/2008/11/30/gericht-rugt-fifa-tauschendes-verhalten/" target="_self">Gericht rügt FIFA: &#8220;täuschendes Verhalten&#8221;</a></li>
<li><a title="Kommunikationsherrscher als Leserbriefschreiber" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/11/die-fifa-kommunikationsherrscher-als-leserbriefschreiber/" target="_self">Kommunikationsherrscher als Leserbriefschreiber: die FIFA</a></li>
</ul>
<p>Lange bevor wir an etliche Kilo ISL-Akten kamen, haben Thomas Kistner und ich mal aufgeschrieben (ebenfalls basierend auf etlichen exklusiven Dokumenten), wie sich ISL und Leo Kirch einst die TV-Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 gesichert haben &#8211; auch ein Milliardendeal, wer mal in den ersten Vertrag reinschauen möchte, bitte sehr:</p>
<ul>
<li><a title="Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL" href="http://www.jensweinreich.de/2009/12/03/kleiner-ruckblick-sepp-blatter-die-milliardenschweren-tv-rechte-leo-kirch-und-die-isl/" target="_self">Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL</a></li>
</ul>
<p>Bevor Sepps Kommunikationsarbeiter, seine juristische Abteilung und seine teuren Zürcher Anwaltsfreunde aktiv werden, gebe ich den Herrschaften flink jene <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Korruption#Transparency_International" target="_blank">Definition von Korruption</a> mit auf den Weg, die hier stets verhandelt wird, die sich die Kameraden aber nie merken können:</p>
<blockquote><p><strong>Korruption ist der Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Vorteil.</strong></p></blockquote>
<p>Wer es genauer wissen will, Analysen zu Strukturen und Formen der Korruption im Sport mit Dutzenden Links zu Originaldokumenten:</p>
<ul>
<li><a title="Korruption als Strukturproblem der Spezialdemokratie Sport" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/08/korruption-als-strukturproblem-der-spezialdemokratie-sport/" target="_self">Korruption als Strukturproblem der Spezialdemokratie Sport</a></li>
<li><a title="Korruptionsmaßnahmen gegen Korruption im Sport" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/12/korruption-im-sport-praventionsmasnahmen/" target="_self">Präventionsmaßnahmen gegen Korruption im Sport</a></li>
<li><a title="Der Sport braucht (wohl doch) eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur" href="http://www.jensweinreich.de/2009/09/24/der-sport-braucht-wohl-doch-eine-welt-anti-korruptions-agentur/" target="_self">Der Sport braucht (wohl doch) eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (1): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/05/umfrage-unter-top-funktionaren-1-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/" target="_self">Umfrage unter Top-Funktionären (1): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (1): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/05/umfrage-unter-top-funktionaren-1-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/" target="_self"></a><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (2): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/06/umfrage-unter-top-funktionaren-2-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/">Umfrage unter Top-Funktionären (2): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (2): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/06/umfrage-unter-top-funktionaren-2-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/"></a><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (3): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/06/umfrage-unter-top-funktionaren-3-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/">Umfrage unter Top-Funktionären (3): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (3): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/06/umfrage-unter-top-funktionaren-3-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/"></a><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (4): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/08/umfrage-unter-top-funktionaren-4-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/">Umfrage unter Top-Funktionären (4): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (4): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/08/umfrage-unter-top-funktionaren-4-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/"></a><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (5): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/08/umfrage-unter-top-funktionaren-5-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/">Umfrage unter Top-Funktionären (5): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
<li><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (5): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/08/umfrage-unter-top-funktionaren-5-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/"></a><a title="Umfrage unter Top-Funktionären (6): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?" href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/08/umfrage-unter-top-funktionaren-6-braucht-der-sport-eine-welt-anti-korruptions-agentur/">Umfrage unter Top-Funktionären (6): Braucht der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur?</a></li>
</ul>
<p>Ich habe eingangs gesagt: Lassen wir Fakten sprechen. Propaganda begegnet man am besten mit Fakten, oder?</p>
<p>Die aktuelle Entwicklung in Zug habe ich seit Mittwochabend für verschiedene Medien aufgeschrieben, am Donnerstag stand schon ein Beitrag exklusiv in der <strong>NZZ</strong>, heute beispielsweise in der <a title="Millionenschweres Geheimnis" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0625/wm2010/0017/index.html" target="_self">Berliner Zeitung</a>:</p>
<p><strong>Millionenschweres Geheimnis</strong></p>
<p><em>Hochrangige Fifa-Funktionäre kaufen sich frei</em></p>
<p>JOHANNESBURG. Im größten Bestechungsskandal der olympischen Sportgeschichte sind Funktionäre aus dem Umkreis des Fußball-Weltverbands Fifa zentral involviert. Einige dieser Fifa-Offiziellen, die viele Millionen Schweizer Franken kassierten, haben sich nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft Zug nun quasi freigekauft. Nachdem hochrangige Fußballfunktionäre eine sogenannte &#8220;Wiedergutmachungszahlung&#8221; in Höhe von 5,5 Millionen Schweizer Franken geleistet haben, wird das Verfahren eingestellt. Für den Fifa-Präsidenten Joseph Blatter aber kommt dieser Deal einem WM-Gewinn gleich.</p>
<p>Der Hintergrund: Im Frühjahr 2008 wurde während des Prozesses gegen sechs ehemalige Manager der Sportmarketinggruppe ISL/ISMM die Zahlung von 138 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an hohe Funktionäre des olympischen Weltsports dokumentiert. Zu den Geschäftsprinzipien der Firmengruppe gehörte es, mit Bestechungszahlungen an lukrative und teilweise milliardenschwere TV- und Marketingverträge zu gelangen, mit Sportorganisationen wie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), dem Fußball-Weltverband Fifa sowie anderen Verbänden (u. a. Leichtathletik, Schwimmen, Basketball). In Deutschland etwa wurden viele Jahre die dubiosen Umstände diskutiert, unter denen der damalige Fifa-Generalsekretär Blatter half, der ISL und der Kirch-Gruppe die milliardenschweren TV-Rechte an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 zuzuschustern.</p>
<p>&#8220;Ausländische Personen von Fifa-Organen kamen bis ins Jahr 2000 in den Genuss von Provisionen, die von der ISMM/ISL-Gruppe ausgeschüttet wurden&#8221;, teilt die Staatsanwaltschaft nun mit. &#8220;Die Zahlungsadressaten unterließen es, die Gelder an die Fifa weiterzuleiten und verwendeten die Vermögenswerte für ihre eigenen Zwecke. Die Fifa ihrerseits unterließ es, die ihr zustehenden Vermögenswerte von den Beschuldigten einzufordern. Sie wurde in diesem Umfang geschädigt.&#8221;</p>
<div id="attachment_8692" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/the-fifa-family.gif"><img class="size-full wp-image-8692" title="Schmiergeldempfänger Nicolás Leoz (Paraguay), Familienoberhaupt Joseph Blatter (Schweiz), Goldpokal, Schmiergeldempfänger Ricardo Teixeira (Brasilien), Schiedsrichterkommissionschef &Aacute;ngel María Villar Llona (Spanien/frag nach bei Lord Triesman)" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/the-fifa-family.gif" alt="" width="530" height="380" /></a><p class="wp-caption-text">Schmiergeldempfänger Nicolás Leoz (Paraguay), Familienoberhaupt Joseph Blatter (Schweiz), Goldpokal, Schmiergeldempfänger Ricardo Teixeira (Brasilien), Schiedsrichterkommissionschef &Aacute;ngel María Villar Llona (Spanien/frag nach bei Lord Triesman)</p></div>
<p>Der ehemalige ISL-Finanzchef Hans-Jürg Schmid erklärte seinerzeit vor Gericht: &#8220;Das ist, als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet. Ansonsten wären diese Verträge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden.&#8221; Der einstige ISMM-Verwaltungsratschef Christoph Malms sagte damals aus: &#8220;Diese Praxis war unerlässlich, sie war branchenüblich, sie gehörte zum Stil des Geschäfts. Ohne das geht es nicht.&#8221;</p>
<p>In den Gerichtsunterlagen tauchten als Zahlungsempfänger die Fifa-Exekutivmitglieder Nicolas Leoz (Paraguay) und Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira auf &#8211; letzterer über seine Firma Renford Investments, die er gemeinsam mit dem langjährigen Fifa-Präsidenten João Havelange betrieb und die von der ISL-Gruppe mindestens 2,5 Millionen Franken erhielt. Nur ein Bruchteil der bestochenen Funktionäre ist namentlich bekannt. Zur Verantwortung wurde allerdings niemand gezogen.</p>
<p>Im Zusammenhang mit den Ermittlungen, die während des Konkurses der ISMM-Gruppe im Frühjahr 2001 eingeleitet wurden, eröffnete die Staatsanwaltschaft im August 2005 ein weiteres Verfahren &#8211; diesmal gegen unbekannt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zum Nachteil der Fifa. Damals hatte der einstige ISL-Manager und erwiesene Schmiergeldbote Jean-Marie Weber an den Konkursverwalter des ISL-Konglomerats 2,5 Millionen Franken gezahlt. Mit diesem Geld, dessen Herkunft unbekannt ist, wurde ein von Juristen als Korruptionsverdunklungsvertrag bezeichnetes Abkommen geschlossen: Im Gegenzug verpflichtete sich der Konkursverwalter, keine Verfahren gegen Fußballfunktionäre zu eröffnen und die Namen der Schmiergeldempfänger nicht zu veröffentlichen.</p>
<p>Das zweite Kapitel in diesem Korruptionsverdunklungsvertrag schreibt nun die Staatsanwaltschaft. Die Bestochenen zahlen 5,5 Millionen &#8211; und ihre Namen werden auf immer geheim bleiben. Die Staatsanwaltschaft benutzt erstaunlicher Weise statt der korrekten Begriffe &#8220;Schmiergeld&#8221; oder &#8220;Bestechungsgeld&#8221;, die im Prozess von den Richtern herausgearbeitet wurden, die verharmlosende Vokabel &#8220;Provision&#8221;.</p>
<p>Die Funktionäre des Weltverbandes Fifa haben &#8220;den Empfang der Gelder nicht in Abrede gestellt, verneinten jedoch eine strafrechtliche Verantwortung&#8221;, heißt es. Strafrechtlich war Korruption zu dieser Zeit in der Schweiz nicht zu ahnden &#8211; zivilrechtlich schon. Gemäß Gerichtsaussage des ehemaligen ISMM-Chefs Malms war das System der Bestechungszahlungen (&#8220;Provisionen&#8221;) von der eidgenössischen Steuer, der KPMG und renommierten Zürcher Kanzleien (Niederer Kraft &amp; Frey, Prager Dreifuss) mit &#8220;abgesegnet und gutgeheißen&#8221; worden. Letztlich hat nun auch die Staatsanwaltschaft das System abgesegnet.</p>
<div id="attachment_7526" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><img class="size-full wp-image-7526" title="FIFA-Präsident Joseph Blatter, FIFA Senior Vice President Don Julio Grondona" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/03/sepp-don-web.jpg" alt="" width="530" height="398" /><p class="wp-caption-text">FIFA-Präsident Joseph Blatter, FIFA Senior Vice President Don Julio Grondona</p></div>
<p>Natürlich hat Sepp gut Lachen.</p>
<p>Hier entlang geht es übrigens zum <a title="Stil- und Textkritik: der FIFA-Ethik-Code" href="http://www.jensweinreich.de/2010/03/23/stil-und-textkritik-der-fifa-ethikcode/" target="_self">FIFA-Ethik-Code</a> und einer Stil- und Textkritik des einmaligen Werkes.<br />
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var flattr_url = 'http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/';
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		</item>
		<item>
		<title>Friedensnobelpreis für das IOC? Willi wills wissen</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/02/06/sepp-jacques-friedensnobelpreis-fur-die-sportfamilie/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 13:03:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[VANCOUVER. Achtung, Phrasen: Es läuft noch nicht rund. Ich muss meinen Rhythmus finden. Insofern kommt mir die neuerliche inhaltliche Nullnummer des Willi Wichtig Lemke ganz gelegen. Darauf bin ich gestern schon kurz eingegangen. Zum Sachverhalt: Andreas Schirmer von der Deutschen Presseagentur (dpa) sagt dem UN-Sonderbeauftragten für Sport in einem Interview: Das IOC war immer mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>VANCOUVER. Achtung, Phrasen: Es läuft noch nicht rund. Ich muss meinen Rhythmus finden. Insofern kommt mir die neuerliche inhaltliche Nullnummer des Willi Wichtig Lemke ganz gelegen. Darauf bin ich gestern schon <a title="Vancouver (3): Plastiklöffel auf Papptellern" href="http://jensweinreich.de/2010/02/05/vancouver-3-eislauf-zoff-um-mitternacht/" target="_self">kurz eingegangen</a>. Zum Sachverhalt:</p>
<p>Andreas Schirmer von der Deutschen Presseagentur (dpa) sagt dem UN-Sonderbeauftragten für Sport in einem Interview:</p>
<blockquote><p>Das IOC war immer mal wieder im Gespräch für den Friedensnobelpreis? Hätte es diese Auszeichnung verdient?</p></blockquote>
<p>Lemke nimmt die Verbalvorlage auf:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich würde das nachdrücklich unterstützen. Der Sport trägt zur Entwicklung von Frieden bei, deshalb wäre ich für eine Nominierung des IOC. Es wäre auch ein positives Signal im Kampf gegen die Auswüchse des Sports.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nun, ich möchte momentan gar nicht versuchen, auf diese &#8220;Argumente&#8221; einzugehen. Will Willi, auch wenn das folgenlos bleibt, denn er findet ja, dass die dämlichen Journalisten viel zu bösartig-kritisch mit dem IOC und China umgegangen sind (im Sportausschuss hat er vor einiger Zeit sogar die Süddeutsche erwähnt als böses Beispiel), nur an Tibet und Peking und das Team Darfour erinnern. Das soll reichen. Zum Thema Friedensnobelpreis habe ich jüngst etliche Zeilen gedichtet. Ganz liebevoll hier im Blog, live von der <a title="&quot;More than just a game&quot;: PR auf Robben Island" href="http://jensweinreich.de/2009/12/05/more-than-just-a-game-pr-auf-robben-island/" target="_self">Gefängnisinsel Robben Island</a> &#8211; und kurz darauf auch für SpiegelOnline (&#8220;<a title="SpOn: Nobelpreis out of Africa" href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,665363,00.html" target="_blank">Nobelpreis out of Africa</a>&#8220;), wo der Text gerade erschien. Joseph Macchiavelli Blatter selbst hat ja mit mir relativ <a title="Hörbefehl! Interview mit einem Friedensnobelpreisträger in spe" href="http://jensweinreich.de/2009/10/04/hor-befehl/" target="_self">munter über den Friedensnobelpreis geplaudert</a>. Ich weiß von etlichen Eingeweihten, wie sehr er ihn sich wünscht, und seine PR-Jungs sind lange schon aktiv.</p>
<p>Demnächst starte ich mal eine kleine Recherche und liste die verschiedenen Nobelpreisinitiativen von und für Sportverbände auf. Ach, was sage ich, das machen wir gemeinsam &#8211; und stellen dann auch die schlagenden Argumente dagegen ein. Etwa IOC-Doyen, Junta-Fan und gelegentlicher Waffenhändler Joao Havelange, formerly known as FIFA-Präsident, vom nigerianischen Massenmörder Sani Abacha einst als Häuptling Ekwueme geadelt &#8230; usw. usf. Generalmajor Francis Nyangweso, einst Verteidigungsminister und Buddy des Menschenschlächters Idi Amin, ist ja auch noch IOC-Mitglied. Auf Leute wie Nyangweso setzt die deutsche Sportpolitik und damit die Münchner Olympiabewerbung. In Afrika engagieren sich nicht nur Lemke, sondern auch das UDIOCM und der Bund ganz stark, um Stimmen zu generieren. Aber dazu später, ich will keinen Rundumschlag starten, ich meine, es ist hier schon 4.43 Uhr und ich sollte verdammt nochmal endlich schlafen.</p>
<p>Für all jene, die nicht schlafen müssen, kopiere ich einfach mal ein Kapitelchen rein, das Thomas Kistner und ich 1996 für das Buch &#8220;<a title="Muskelspiele" href="http://jensweinreich.de/referenzen/bucher/muskelspiele/" target="_self">Muskelspiele</a>&#8221; verfasst haben.</p>
<p>Unredigiert, unverlinkt, unaktualisiert. Einfach so, es kann dennoch nicht schaden.</p>
<p>Mit Dank an meinen guten alten Freund Frank Brandsås.</p>
<blockquote><p><strong>Samaranch jagt den Friedensnobelpreis</strong></p>
<p>Wer jeden Tag was Gutes tut, wer die Menschheit mit Idealen der Fairneß, Gleichheit und Demokratie überhäuft und das Hohelied auf sich selbst sogar vor der UN-Vollversammlung anstimmen darf, sollte sich zum Ausgleich etwas Besonderes gönnen. Am besten was Angemessenes aus der höheren Preislage. Sind es nicht humanitäre Vordenker wie Exzellenz Marquis de Samaranch oder Doktor Kim, die ihren Landsleuten jahrzehntelang das olympische Ideal der Toleranz vorlebten? Waren es nicht sozialökonomische Pioniere wie Nebiolo, Rana oder Havelange, die den Reichtum der Sportvölker mehrten, indem sie Fernsehreklame und Werbelogos erfanden? Stehen nicht die Spiele für ein wahrhaft völkerverschwägerndes Ereignis, bei dem ein jeder die Siege der anderen bejubelt, besonders, wenn die unter fremder Flagge starten? Steht nicht das IOC für eine Welt kerngesunder Athleten, an denen sich die von Drogen bedrohte, schlappe Restjugend was abschneiden kann? Reines Familienglück, eine Bewegung voller Vorbilder. Eine, die ihren Preis kennt: nobel muß er sein, von Friedenstauben umgurrt.</p>
<p>Der Countdown läuft seit Jahren, 1996 soll es endlich klappen. Wenn das IOC den Friedensnobelpreis nicht zum hundertsten Geburtstag der Spiele erhält, dürfte der Traum vorerst abgeschrieben werden. Getan hat man jedenfalls alles dafür. Zumindest hinter den Kulissen.</p>
<p>In Norwegen obliegt es der ?Storting? genannten Volksvertretung, ein eigenes Komitee zur Verleihung des Friedensnobelpreises zu berufen. Über sämtliche Nobelpreise für die Verdienste ums Menschengeschlecht befinden die Königlich-Schwedischen Akademien in Stockholm, einzig der Frieden wird in Oslo proklamiert. Mag ja Zufall gewesen sein, daß die Winterspiele im Jahr des 100. IOC-Geburtstages ausgerechnet im norwegischen Lillehammer stattfanden, obwohl nicht einmal die norwegischen Öko-Außenseiter selbst bei der Kür 1988 in Seoul damit gerechnet hatten, daß die Wahl auf sie fallen könnte. Mag ja kein cool kalkulierter Werbefeldzug gewesen sein, der Samaranch zu Spielebeginn kurz in die zerstörte Olympiastadt von 1984, Sarajewo, führte, um dort vor kopfschüttelnden Passanten und den Kameras der Welt um Frieden für die Dauer der Sportsause in Lillehammer zu bitten. Gewiß sind es beste Absichten im Dienste der Menschheit, die das IOC beständig antreiben, endlich Sitz und Stimme in den Vereinten Nationen zu ergattern. Und doch. Es gibt da eine Kleinigkeit, die nicht so recht ins Bild edler Selbstlosigkeit paßt.</p>
<p>1991 schloß das IOC in Birmingham ein Vertrag mit der weltweit operierenden Werbeagentur Grey Advertising und deren PR-Ableger GCI ab. Selbst der traditionelle IOC-Vermarkter ISL zeigte sich damals überrumpelt. Grey indes machte die neue Liaison stolz publik: ?Grey/GCI wird auch für die internationale Vision des IOC und dessen Verpflichtung werben, über die Sportarena hinaus einen positiven Einfluß auszuüben&#8230; Zusätzlich wird Grey spezielle Kommunikationsprogramme durchführen für ausgewählte IOC-Projekte, die bestimmt sind, ein besseres internationales Verständnis und menschliche Harmonie zu fördern.?</p>
<p>Von ferne klingt durchs Weltverbesserungsgeschwafel, was vornehmliche Aufgabe des marktbeherrschenden Werbetycoons mit 260 Büros in aller Welt ist: die Förderung der Nobelpreiskandidatur des IOC. Aber peinlich wurde der Vorgang erst, als er in dieser Deutlichkeit publik wurde. Zwei Jahre später posaunte IOC-Pressechefin Michele Verdier das freudige Ereignis voll argloser Indiskretion in die Welt: Bon, ganz richtig, der Vertrag sei mit diesem Ziel geschlossen worden. Danach kam es zu verwirrenden Dingen, die sich in summa so umschreiben lassen: Die Bewegung lief schamrot an. Das IOC streitet seither die Nobelpreisambitionen ab oder vermeidet konkrete Statements zum Thema.</p>
<p><span id="more-6560"></span>Es war das Verdienst des norwegischen Journalisten Frank Brandsaas vom ?Arbeiderbladet?, für umfassende Aufklärung gesorgt zu haben. Brandsaas hatte bereits erste Gerüchte über die Nobelpreisbemühungen aufgeschnappt, als im Juli 1992 ein Artikel im ?Atlanta Journal &amp; Constitution? erschien. Darin packte der wegen olympischer Geschäftsverfilzungen ausgestiegene IOC-Vizepräsident Robert Helmick über die ehrenwerte Gesellschaft aus. Er meinte: ?Als er (gemeint ist Samaranch/d. A.) die PR-Firma Grey Advertising anheuerte, sagte er, deren Erfolg wird sich daran messen, ob wir den Nobelpreis gewinnen oder nicht. Er will ihn für das IOC, aber das ist er selbst. In diesem Punkt betrachtet er sich selbst als das IOC.? Anfang 1993 suchte der Journalist aus Norwegen das IOC in Lausanne auf. Madame Verdier bestätigte ihm und seinem Kollegen Einar Odden das Zitat, ohne Helmicks Namen selbst zu erwähnen. Mehr noch, so bezeugen es die Journalisten: ?Sie machte die Sache größer, indem sie sagte, daß die PR-Aktionen für den Nobelpreis die eigentliche Hauptaufgabe für Grey Advertising sei.? Bevor Brandsaas die Geschichte publizierte, versicherte er sich bei Helmick persönlich. Der Anwalt aus Iowa bestätigte die Aussage nicht nur, er wiederholte sie.</p>
<p>Mit Blick auf die Allmachtpolitik des IOC, das im Ernstfall sowohl Helmick als auch Verdier mundtot machen würde, fahndete Brandsaas nach weiteren Informationsquellen. Er wurde fündig bei einer in Oslo ansässigen Firma namens Jensen Grey A/S. Firmenchef Ingar Andresen erwiderte seine Frage (?Was haben Sie bisher unternommen, um Grey und das IOC bei der Kampagne für den Nobelpreis zu unterstützen??) ausweichend: Man habe noch nicht begonnen, zudem sei diese Arbeit nicht offiziell. Am selben Abend druckte ?Arbeiderbladet? die Nobelpreisgeschichte über die gesamte Titelseite.</p>
<p>Brandsaas erhielt eine Einladung, die Story im nationalen Fernsehsender NRK zu debattieren. NRK teilte dazu mit, daß Ingar Andresen alles bestritten habe. Brandsaas rief Andresen an. Der stritt ab, was er zuvor angeblich NRK gesagt hatte. Brandsaas hakte nach, erkundigte sich, wie er, Andresen, wohl reagieren würde, wenn er in einem der bekanntesten TV-Programme per Tonband der Lüge überführt werde? Der PR-Mann lud ihn daraufhin in sein Büro ein, um einige Papiere vorzulegen. Brandsaas ging hin und erfuhr von Andresen, daß ihn Grey/IOC angewiesen hätten, nichts mehr zu dem Thema zu sagen.</p>
<p>Derweil hatte NRK ein Team nach Lausanne geschickt. Aus der Verabredung mit Madame Verdier wurde nichts, der Reporter hatte es statt dessen mit IOC-Generaldirektor Francois Carrard zu tun. Überhaupt ist von Madame Verdier seither nicht mehr viel zu sehen. Sie nennt sich zwar noch Informationsdirektorin des IOC, bei Pressekonferenzen aber führt zumeist Carrard das Wort. Frau Verdier teilt die Fragesteller ein, ansonsten sieht man sie vorwiegend mit Stößen kopierten Pressematerials im Arm durch die Arbeitssäle huschen.</p>
<p>Doch selbst des gewiegten Carrards Ausflüchte retteten damals nichts mehr. Inzwischen erinnerte sich auch der Sportdirektor des norwegischen NOK, Bjorge Stensbol, gegenüber ?Arbeiderbladet?, daß Samaranch schon drei, vier Jahre zuvor eine von Stensbol begleitete norwegische Besucherdelegation in Lausanne gefragt habe, ob einer der Gäste vielleicht Mitglieder im Nobelpreiskomitee kenne. Wofür braucht man die Bekanntschaft von Nobelpreisjuroren? Einen zum Kegeln, zwei zum Skat? Mit einer Melange aus Heiterkeit und grimmiger Empörung wurde in Norwegen reagiert, auch Komiteemitglieder kommentierten böse die olympische PR-Offensive.</p>
<p>Besonders schmerzlich für das IOC dürfte eine Darstellung des Vorgangs durch die angesehene ?Neuen Zürcher Zeitung? gewesen sein, die quasi vor der eigenen Haustür erscheint und bis ins Hinterstübchen rumpelte. Das Blatt schrieb im Februar 1993: ?Schon die Tatsache, daß sich zwei Komiteemitglieder öffentlich äußerten, kann als Ende aller IOK-Ambitionen gewertet werden. Die drei Männer und zwei Frauen des Komitees pflegen sich für gewöhnlich in absolutes Schweigen über alle vorgeschlagenen Kandidaten zu hüllen, so daß die Empörung über das dreiste IOK-Gebaren in Oslo sehr groß gewesen sein muß. Aber auch ohne den jetzt entstandenen schalen Geschmack wäre wohl nichts aus dem Vorhaben geworden. Aud-Inger Aure, norwegisches Parlamentsmitglied der Christdemokraten, hält Samaranch selber für ein Hindernis. Seiner Meinung nach wäre es ein Hohn, den Friedenspreis an das IOK, eine &#8216;Organisation selbsternannter Bonzen&#8217; mit zum Teil schlimmer politischer Vergangenheit, zu vergeben. In der Tat würde Samaranch mit der hauptsächlich von ihm betriebenen Kommerzialisierung der Spiele schwer etwa zur letzten Friedenspreis-Trägerin Rigoberta Menchu passen, einer Indianerin aus Guatemala, die gegen das dortige Militärregime gekämpft hat, das ihre Eltern und einen Bruder ermorden ließ.?</p>
<p>Der Vorgang bereichert die Nobelpreisgeschichte um ein Novum, denn Marketingstrategien waren zur Kür von Persönlichkeiten wie Mutter Teresa oder Erzbischof Desmond Tutu bislang nicht erforderlich. Doch darf nicht verwundern, wenn das von Großindustriellen, Bankern und Advokaten dirigierte Weltsportimperium auch solche Ziele mehr nach den Gesetzen von Drukkerpresse und Big Business verfolgt.</p>
<p>Friedensorganisationen und Menschenrechtskommissionen haben den Eindruck, daß Toleranz und Humanität vorwiegend unter merkantilem Aspekt Berücksichtigung finden im Tagwerk des superreichen IOC. Kaum eine von ihnen hat es geschafft, das IOC zu selbstloser Unterstützung ihrer Arbeit zu gewinnen. Gutes im stillen tun, zahlt sich nicht aus. Für Insider wie Richard Dicker von der Menschenrechtsorganisation ?Human Rights Watch? in New York, der die subtile Machtpolitik des IOC aus nächster Nähe studieren konnte, verkörpert die olympische Riege schlicht ein diktatorisches Gebilde, ?zum Glück ohne direkten Zugriff auf ein Volk und auf die politische Macht?. Der weitgereiste Tibet-Experte Dicker hatte über Jahre verfolgt, wie das IOC die Kandidatur Pekings für die Sommerspiele 2000 begünstigte und wie die Nobelpreisjäger die massiven Proteste der von China unterdrückten Tibeter zu ignorieren versuchten.</p>
<p>Eine Ausgrenzung von Randgruppen paßt offenbar eher ins Bild, das für die Praktiken des IOC steht. Aus Sorge ums werbeträchtige Image gingen die Ringemakler in den vergangenen Jahren gar auf Distanz zu den Behindertenspielen, den Paralympics. Bei deren Fest gleich nach den Lillehammer-Spielen 1994 wurden zur Eröffnungsfeier erstmals zwei Fahnen gehißt: Eine mit fünf und eine mit drei Tränen. In Nagano, dem Austragungsort der Winterspiele 1998, wird es nur noch die Flagge mit drei Tränen sein &#8211; die mit den fünf Zähren ist dann für immer verschwunden. (&#8230;)</p>
<p>Zurück nach Oslo. Die Nobelpreisjury lacht über die guten Menschen vom IOC, und die Oberolympier fühlen sich wieder gründlich mißverstanden. Hatten nicht sie, die Hundertschaft der olympischen Gralshüter, Sinnstiftendes am Menschengeschlecht vollbracht? War es ihnen nicht gelungen, spätestens in Barcelona alle mal wieder zusammenzutrommeln? Haben sie Südafrika nicht zeitig wieder die Hand geboten? Hatten sie 1992 nicht die Athleten des kriegsführenden Serbiens mit einer IOC-Sondermaschine einfliegen lassen (gegen den Willen der UN, und während sich andere Teilnehmer aus dem von Serbien terrorisierten Rest-Jugoslawien irgendwie per Bus oder Autostopp nach Barcelona durchschlagen mußten)?</p>
<p>IOC-Generaldirektor Carrard hatte am Vorabend der Eröffnungsfeier in Barcelona vor der versammelten Presse mit einer denkwürdigen Adresse an die widerspenstige UN triumphiert: ?Das IOC hat eine Schlacht gewonnen!? Die Metaphorik deutet an, daß im olympischen Buhlen um den gewissen ?human touch? wenig heilig ist. Die Ziffern zählen. Teilnehmerkontingente, Fernseh-Milliarden, Sponsorzahlungen. Und Rekorde.</p></blockquote>
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		<title>Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 23:31:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>KAPSTADT. Möchte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften geregelt werden?</p>
<p>Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding) und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.</p>
<ul>
<li><a title="TV-Vertrag WM 2002 und 2006" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/12/shortform-agreement.pdf" target="_self">Vertrag über die Fernsehrechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006</a> <em>(pdf, 10 Seiten, 600 kb) </em></li>
</ul>
<p>Ich übertreibe es mal wieder mit dieser Nachtlektüre. <em>Andreas</em> fragt in den Kommentaren zum Beitrag &#8220;<a title="Katar und die Fußball-WM 2002 ..." href="http://jensweinreich.de/?p=5979" target="_self">Katar und die WM 2022: Fußball im Kühlschrank</a>&#8220;, wie &#8220;<a title="Kommentar von Andreas" href="http://jensweinreich.de/?p=5979#comment-16457" target="_self">man eigentlich logisch erklären</a>&#8221; könne, dass für die TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 plötzlich 1,5 Milliarden CHF gezahlt wurden, wo doch für die drei Weltmeisterschaften zuvor (1990, 1994, 1998) nur 340 Millionen CHF gezahlt worden sind. Nun, die Antwort lautet:</p>
<ol>
<li>Die Verträge zuvor waren vom damaligen FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter dilletantisch ausgehandelt.</li>
<li>Die Verträge 2002 und 2006 mussten offenbar an die ISL-Gruppe (die damalige Holding war die Sporis, aus der später die ISMM wurde) vergeben werden. Denn die ISL hatte im Dezember 1995 im japanischen Karuizawa überraschend vom IOC den Laufpass bekommen und wurde aus dem TOP-Programm katapultiert. Um ohne die IOC-Sponsorenrechte bzw. das Makeln derselben, was mit 20 Prozent Provision plus Erstattung sämtlicher Kosten vergütet wurde (kein Wunder, dass Richard Pound und Michael Payne damals den Vertrag auflösten), hätte die ISL-Gruppe nicht mehr existieren können. Binnen eines halbes Jahres wurde aus der ISL, die bis dahin nur Sponsorenrechte im olympischen Bereich gemakelt hatte, eine TV-Vermarktungsfirma. Jean-Marie Weber (ISL/Sporis) verbündete sich mit Taurus des Leo Kirch. Der wiederum hatte damals in der Schweiz in aller Stille die Vermarktungsfirme Prisma gegründet und zahlreiche Experten aus anderen Firmen abgeworben &#8211; in weiser Voraussicht, dass er mit der ISL die WM-TV-Rechte erwerben würde.</li>
</ol>
<p>Nachfolgend das entsprechende Kapitel aus dem Buch &#8220;<a title="Das Milliardenspiel" href="http://jensweinreich.de/?page_id=6" target="_self">Das Milliardenspiel</a>&#8220;, das ich 1998 gemeinsam mit Thomas Kistner veröffentlicht habe. Das Kapitel ist unredigiert, wurde im Februar 1998 geschrieben. (Der SPIEGEL schrieb damals zum Erscheinen des Buches: &#8220;<a title="Der Spiegel, März 1998" href="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=7851547&amp;aref=image017/SP1998/013/SP199801301520154.pdf&amp;thumb=false" target="_blank">Revolution am Hofe Havelange</a>&#8220;) Insofern ist es wichtig, sich die Erkenntnisse aus dem ISL-Strafprozess hinzuzudenken, wonach <a title="alle Beiträge zu ISL/ISMM" href="http://jensweinreich.de/?cat=59" target="_self">die ISL-Gruppe offenbar sämtliche Verträge mit Schmiergeld akquiriert hat</a> &#8211; das ist gerichtsfest. Es empfiehlt sich außerdem, mal danach zu googeln, wie Kirch in der Fußballwelt seine Verträge finanziert hat. Da ist einiges publiziert worden, als sein Imperium um die Jahrtausendwende zusammenbrach.</p>
<p>Selbstverständlich sind alle Zitate der nachfolgenden Buch-Passage, etwa aus den Briefen von Eric Drossart und denen von Blatter, mit den entsprechenden Dokumenten zu belegen. Ich habe die alten Fax-Kopien auch noch irgendwo eingescannt im Archiv.</p>
<p>Ich erinnere mich an ein Abendessen mit dem damaligen Kirch-Adlatus und Geschäftsführer Dieter Hahn, der in München einige Journalisten ein geladen hatte. Er sagte damals, er hätte &#8220;Das Milliardenspiel&#8221; mit größtem Interesse gelesen. Sehr interessant sei die Lektüre gewesen, aber das Beste, so Hahn, &#8220;haben sie nicht geschrieben&#8221;. Tut mir auch leid, ich hätte das Beste gern gewusst und juristisch wasserdicht gehabt.</p>
<p>Hier also das Kapitel, für Feinschmecker wie <em>Andreas</em>:</p>
<blockquote><p><strong>Der große Coup</strong></p>
<p>Über die besondere Vertrauensbeziehung zwischen Havelange und Weber war in der Branche schon immer getuschelt worden. Manchmal machten fast schon ehrenrührige Geschichten die Runde &#8211; vor allem, als die FIFA am 3. Juli 1996 die Verwertung ihrer Fernsehrechte (außer USA) für die Weltmeisterschaften der Jahre 2002 und 2006 vergab. Nutznießer waren die <em>Sporis</em>-Holding und die <em>TaurusFilm</em> GmbH, ein Unternehmen aus der Firmengruppe des Münchner Medienmoguls Leo Kirch. Erstmals in der Geschichte der Fußball-WM wurde mit dieser Aufgabe also kein öffentlich-rechtliches Fernsehunternehmen mehr betraut. Laut schrien die Verlierer auf nach jener äußerst dubiosen Abstimmung des Exekutivkomitees Anfang Juli 1996. Die Nerven lagen blank. Am besten faßte die Konfusion ein Mitbewerber zusammen: &#8220;Das, was der Herr Kirch meint, gekauft zu haben, was die ISL meint, vermittelt zu haben, und was die FIFA meint, verkauft zu haben, sind drei verschiedene Paar Schuhe.&#8221;</p>
<p>Als schärfste Kritiker der FIFA traten plötzlich jene hervor, die mehr als zwei Jahrzehnte lang die WM-Fernsehrechte innehatten: Das Konsortium unter Führung der EBU, das in dem Bewerbungsprozeß als Vertreter sämtlicher öffentlich-rechtlicher Anstalten des Erdballs aufgetreten war. EBU-Generalsekretär Jean-Bernard Munch wetterte über eine &#8220;nicht transparente Entscheidungsfindung&#8221; durch die FIFA. Er äußerte sogar den Verdacht, daß <em>Sporis</em>/ISL und die Kirch-Gruppe das EBU-Angebot kannten, bevor sie es um 600 Millionen Franken überboten. Munch sagte weiter, ISL-Geschäftsführer Jean-Marie Weber, der auch inoffizieller Berater von Havelange sei, sei der entscheidende Mann in diesem Geschäft gewesen. Zwar könne er es nicht beweisen, so der langjährige Insider, &#8220;aber es wäre mir unverständlich, wenn Weber unser Angebot nicht gesehen haben sollte&#8221;. Dagegen habe die EBU &#8220;bis zuletzt nicht gewußt, daß Kirch/<em>Sporis</em> dabei waren&#8221;, ergänzte Sportdirektor Richard Bunn. FIFA-Direktor Keith Cooper bezeichnete Munchs Vermutung eilig als &#8220;absurd&#8221;. Auch ISL-Sprecher Christoph Malms, der sonst die Kontakte Webers über alle Maßen lobt, wollte davon nichts wissen. Weber sei kein FIFA-Berater und man habe das EBU-Angebot nicht gekannt.</p>
<p>Auch mit einem Abstand von fast zwei Jahren hat sich die Verärgerung in der Branche nicht gelegt. Und sie fokussiert sich immer noch auf den heiklen Verdacht der persönlichen Seilschaften. EBU-Sportdirektor Bunn meint rückblickend, die FIFA habe &#8220;eine völlig unnormale Geschäftspraxis&#8221; bewiesen. Die Entscheidung sei auch deshalb &#8220;absolut merkwürdig&#8221; gewesen, weil sich das EBU-Angebot (2,2 Milliarden, Produktionskosten exklusive) letztlich &#8220;in der gleichen Höhe bewegt hat wie das von <em>Sporis</em> und Kirch&#8221; (2,8 Milliarden, Produktionskosten inklusive). &#8220;Wir waren bereit, viel Geld auszugeben, und wir hatten ja bereits das gesamte Knowhow dazu. Außerdem hätte sich die FIFA den ganzen Ärger mit dem Pay-TV erspart.&#8221;</p>
<p>Die begünstigenden Umstände, unter denen <em>Sporis</em>/ISL in das für sie fremde Fernsehgeschäft eingestiegen sind, waren damals auch anderen Konkurrenten bekannt. Zwischenzeitlich sah sich die FIFA selbst zu der Erklärung genötigt, es habe keinerlei Vorabsprachen mit einer Firma gegeben. Angesichts der eigenartigen Konstellation hatte sich manch einer für den sofortigen Rückzug entschieden: Medienzar Rupert Murdoch etwa, wahrlich kein blutiger Anfänger auf diesem Sektor. Dessen <em>News Corporation</em> sprang vom Bieterkarussell ab, angeblich, weil Murdoch der FIFA nicht über den Weg traute und weil ihm der geplante Abschluß bis ins Jahr 2006 in dem schnellebigen Geschäft einfach zu lang erschien.</p>
<p>Wie Kirch und die <em>Sporis</em>-Tochter ISL zueinander fanden, ist ebenfalls ein gut gehütetes Geheimnis. Malms &#8220;weiß nicht mehr so genau, wie wir mit denen ins Geschäft kamen&#8221; &#8211; was von bemerkenswerter Vergeßlichkeit zeugt, nur ein Jahr nach dem Erhalt der Rechte. Eine wirtschaftliche Notehe sei es aber nicht gewesen, &#8220;wir hätten auch anders die finanziellen Garantien über die Banken bringen können.&#8221; Da verwundert ein wenig, daß es in den ersten Verlautbarungen nach dem Fernsehdeal zunächst Kirch alleine war, der für die Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Mark bürgen sollte. Eingeweihte meinen sich erinnern zu können, daß Kirch und der verstorbene Horst Dassler schon in den achtziger Jahren über gemeinsame Projekte nachgedacht haben. Die beiden Bayern waren ja im CSU-Staat nicht allzu fern voneinander.</p>
<p>Weil Kirch dann unmittelbar nach der FIFA-Entscheidung sein Digitalfernsehprojekt DF 1 startete, hub in Deutschland sofort eine erbitterte Diskussion an: Werden die Spiele der Fußballweltmeisterschaften künftig exklusiv nur noch im Pay TV übertragen &#8211; oder weiterhin in frei zugänglichen Kanälen? Medienexperten jeder Couleur wettern seither lautstark durcheinander. Kurioserweise schrieen dabei immer wieder auch Kirchs CDU-Parteifreunde auf, die mit auffallend wachsweichen Mediengesetzen erst zur Ausbreitung seines Imperiums beitrugen. Es ist viel Heuchelei im Spiel, auf allen Seiten. Nüchtern betrachtet ist es so: Die FIFA hat sich an den Fernsehfreibeuter Kirch verkauft. Und der Programmdirektor der Nation nutzt den Fußball, den jetzt so mancher Diskutant als Kulturgut geschützt sehen will, als Vehikel, um seine Herrschaft auf dem Fernsehmarkt weiter auszubauen. Selbst wenn der beträchtliche Betrag von 2,8 Milliarden Schweizer Franken (1,3 Milliarden für 2002 &#8211; 1,5 Milliarden für 2006), den <em>Sporis</em> und Kirch der FIFA garantieren, durch den Weiterverkauf der Rechte nicht gedeckt werden sollte &#8211; Kirch würde daran nicht zugrunde gehen. Zum einen hat er ja nur die Hälfte der Summe zu verantworten, zum anderen ist anzunehmen, daß er raffiniert genug sein wird, im Sog des Fußballs seine umfänglichen Filmpakete teurer zu verkaufen und damit mögliche Verluste im Rechtehandel wettzumachen.</p>
<p>FIFA-Präsident Havelange und Generalsekretär Blatter indes war ein hilfreicher Doppelpaß mit den alten Gefährten gelungen. Vor allem das Kontaktmonopol des Jean-Marie Weber bewahrte die ISL davor, nach dem IOC auch noch die FIFA zu verlieren &#8211; dieser Schluß scheint einleuchtend zu sein. Dem einstigen Branchenführer ISL hatte immerhin der vollständige Abschied aus dem großen Sportgeschäft gedroht. Nachdem die Trennung vom IOC beschlossene Sache war, mußte die ISL, ein Neuling im Fernsehgeschäft, offenbar unbedingt den TV-Vertrag der FIFA bekommen &#8211; zumal es die ISL-Manager in jenen verwirrenden Monaten auch nicht geschafft hatten, ihre Option auf den Marketingvertrag mit der FIFA für 2002/2006 wahrzunehmen. Ein Versäumnis &#8211; oder eine Frage der Finanzierbarkeit künftiger Vorhaben? FIFA-Generalsekretär Blatter bestätigte sogar das Ende der Option im März 1996, was auf Konfusion und Führungslosigkeit innerhalb der <em>Sporis</em>/ISL-Gruppe schließen ließ. Denn immerhin lud Blatter nun andere Unternehmen zum Bieten ein. Auf die Marketingverträge kommen wir später zurück. Bleiben wir zunächst beim Fernsehgeschäft.</p>
<p>Am 18. August 1995 hatten zunächst die International Management Group (IMG) und die Bertelsmann-Tochter Ufa das Rennen eröffnet. IMG-Vizepräsident Eric Drossart schrieb dem &#8220;lieben Sepp&#8221; Blatter, man wolle für die weltweiten Fernsehrechte der Weltmeisterschaft 2002 sowie die dazugehörigen Sponsoren- und Lizenzrechte eine Milliarde Dollar zahlen. Dies sei ein vorläufiges Angebot mit Verhandlungsspielraum nach oben, wie Drossart deutlich zu verstehen gab &#8211; obwohl die FIFA noch nicht einmal klare Angaben darüber gemacht hatte, welche Rechte sie unter welchen Bedingungen überhaupt ausschreiben wollte. Entwickelte sich nun ein knallharter Milliardendeal auf Weltsportniveau? Es war von Anfang an eher kurios-provinziell.</p>
<p>Auch aus der Angst heraus, die FIFA würde ihren alten Partner ISL bevorteilen, bot IMG vorsorglich eine Milliarde für das Rechtepaket &#8211; und mußte bei Blatter zugleich erst einmal Auskunft verlangen über die Konditionen und den Zeitplan der Bewerbungsphase. Kopien des Briefes verschickte Drossart an seinen Partner Bernd Bauer, Geschäftsführer der Ufa, sowie an FIFA-Präsident Havelange und die Mitglieder der Exekutive. Sogleich geschah Erstaunliches: Blatter empörte sich über diesen informativen Geschäftsvorgang. Am 29. August teilte er IMG-Manager Drossart seine &#8220;Überraschung&#8221; mit, &#8220;daß der als streng vertraulich gekennzeichnete Brief per Fax an alle Mitglieder der FIFA-Exekutivkomitees und andere Adressaten verschickt wurde. Wir sind nicht überzeugt, daß dies die geeignetste Methode war&#8221;.</p>
<p><span id="more-5993"></span>Was war so Ungehöriges passiert? Eigentlich nur dies: Ein Firmenverbund (IMG/Ufa) hatte der FIFA ein Angebot unterbreitet, das um ein Vielfaches über den bisherigen Verträgen lag. Doch der FIFA-Angestellte Blatter beschwerte sich, daß IMG/Ufa nicht nur ihn, sondern gleich alle Entscheidungsträger des Sportverbandes informiert hatten. Blatters Bauchschmerzen lassen deutlich erkennen, daß er um sein Informationsmonopol bangte. Es war (und ist, wie wir noch sehen werden) in der FIFA guter Brauch, daß Blatter im stillen Kämmerlein entsprechende Offerten sondiert und dann den verantwortlichen Gremien wie der Finanzkommission und der Exekutive entscheidungsreife Empfehlungen vorlegt. Das Vorgehen von IMG brach mit dieser eigenartigen Tradition, es war nämlich jetzt von Anfang an zwei Dutzend FIFA-Gewaltigen bekannt.</p>
<p>Die von Drossart angeforderten Bedingungen der Rechtevergabe blieb Joseph Blatter schuldig. Man arbeite mit allen Kräften daran, erwiderte Blatter nur am 19. September 1995. Gleichzeitig verlangte er eine Konkretisierung des IMG-Angebots, ohne auf die Fragen einzugehen, die Drossart in seinem ersten Brief aufgeworfen hatte &#8211; zum Beispiel, ob die FIFA neben den Fernseh- auch die Marketingrechte auszuschreiben gedenke. So konnte also Drossart am 9. Oktober nur wiederholen, was er bereits im August angekündigt hatte: Für eine Milliarde Dollar wären IMG und Ufa bereit, sämtliche Rechte an der WM 2002 zu erwerben. Drossart bot der FIFA nun sogar an, eine Art Aufsichtsrat zu bilden, um die Tätigkeit von IMG/Ufa zu kontrollieren. Weil er den Gerüchten entgegnen wollte, es handle sich bei der Offerte um den totalen Rechte-Ausverkauf? Blatter empfand den zweiten Brief Drossarts offenbar als Affront. Der Umgangston wurde rauher. Am 15. November schrieb Blatter nicht mehr an den &#8220;lieben Eric&#8221;, sondern an &#8220;Mr. Drossart&#8221;. Wenigstens erklärte er nun aber, daß die FIFA die Fernseh- und Marketingrechte der WM 2002 im Paket verkaufen wolle. Dabei sei man jedoch gewissen Zwängen unterworfen, denn der aktuelle Marketingpartner ISL besitze noch eine Option für Verhandlungen über die Marketingrechte, welche erst drei Monate vor der Abstimmung durch die FIFA-Exekutive über den neuen WM-Ort 2002 auslaufe. Die FIFA könne mit IMG/Ufa erst nach Ablauf der ISL-Option verhandeln. Von einer ähnlichen Option in TV-Fragen war in diesem Brief noch nicht die Rede.</p>
<p>Drossart sorgte sich nun erst recht, ausgedribbelt zu werden. Er wandte sich an  den FIFA-Vizepräsidenten Chung Mong-Joon, der an der Spitze der südkoreanischen WM-Bewerber für 2002 stand. Drossart schickte Chung &#8220;ein aussagefähiges Dossier unseres Rechtegebots, das für Sie und ihre Kollegen in der Exekutive nützlich sein sollte&#8221;. Dem Schreiben an Chung legte Drossart eine Kopie des Blatter-Briefes vom 15. November bei. Die Sache wurde verworrener, die Widersprüche häuften sich. Daß es in der FIFA durchaus Bestrebungen gab, die Entscheidungsgewalt von Blatters Tafelrunde einzudämmen, belegt auch ein internes Protokoll der IMG-Tochter Trans World International (TWI). Unter Berufung auf Gespräche mit Chung und mit dem afrikanischen Fußballpräsidenten Issa Hayatou unterrichteten die Manager einander, die FIFA-Exekutive hätte sich schon im Mai 1995 ausdrücklich für eine transparente Bewerbungsprozedur zu TV- und Marketingrechten ausgesprochen. Europäische und afrikanische Exekutivmitglieder würden sogar eine Änderung der FIFA-Statuten anstreben: Auf dem FIFA-Kongreß im Juli 1996 sei die Einberufung eines neuen &#8220;Arbeitskomitees&#8221; geplant, dem lediglich Präsident Havelange und die Chefs der Kontinentalföderationen angehören sollten. Allein dieses Komitee, und nicht mehr die von Blatter und Havelange kontrollierte Finanzkommission sollte mit der Auswertung der TV- und Marketingsangebote betraut werden und der Exekutive Empfehlungen unterbreiten. Dazu ist es zwar nie gekommen &#8211; im Dezember 1995 jedoch hofften die TWI/IMG-Manager noch sehr auf die Möglichkeit dieses demokratischen Meinungsbildungsprozeß und hielten fest: &#8220;Wenn das tatsächlich der Fall wäre, sollte Chung von Blatter eigentlich Kopien aller Angebote fordern können, welche die FIFA bis heute erhalten hat.&#8221;</p>
<p>Soweit die interne IMG-Kommunikation. Offiziell bot Eric Drossart dem FIFA-Generalsekretär am 7. Dezember 1995 zum wiederholten Mal ein Gespräch über die Milliardenofferte an. Es sei eine weise Entscheidung der FIFA, Fernseh- und Marketingrechte im Paket zu verkaufen, lobte Drossart. Dann machte er Blatter erneut auf grundlegende Widersprüche in der Haltung aufmerksam. Am 15. November hatte Blatter erklärt, die FIFA schließe für 2002 die TV-Vermarktung im Bezahlfernsehen aus, gleichzeitig aber akzeptiere man sogenanntes &#8220;privat viewing&#8221;. Drossart fragte nun: Was ist darunter genau zu verstehen? Nur &#8220;Privatfernsehen&#8221; oder mehr? &#8220;Wir verstehen die FIFA-Haltung so: Pay TV ist ausgeschlossen, private Fernsehsender aber sind erlaubt. Sehen wir das richtig? Können Sie uns das so bestätigen?&#8221; Drossart ging auch auf das Erstverhandlungsrecht der ISL ein. Man verstehe nicht, warum die ISL eine weltweite Exklusivität erhalte, obwohl sie mit Ausnahme der USA gar keine gebündelten TV- und Marketingrechte besitze. Die TV-Rechte bis 1998 hielt bekanntlich das von der EBU angeführte Konsortium öffentlich-rechtlicher Anstalten. Blatter aber scherte sich nicht um die für die Bewerber elementar wichtigen Fragen. Er vermied ein Gespräch mit IMG/Ufa, bestätigte am 21. Dezember 1995 in dürren Zeilen den Erhalt des Drossart-Briefes und wünschte &#8220;fröhliche Weihnachten und ein glückliches neues Jahr&#8221;.</p>
<p>Die Verhandlungsoption der ISL lief dann am 29. Februar 1996 ab, ohne daß die FIFA mit der Agentur überein gekommen war. Dies bestätigte Blatter per Pressemitteilung vom 19. März 1996. Kurz zuvor hatte er dies bereits der IMG verkündet. In diesem Brief vom 15. März sprach Blatter erstmals davon, daß über die Rechte an der WM 2002 &#8220;und darüber hinaus&#8221; verhandelt werde. Bisher hatte es stets gelautet, es ginge nur um die WM 2002. IMG-Mann Drossart erschrak. Nun mußte er annehmen, daß Blatter mit der ISL schon immer über die Titelkämpfe 2002 und 2006 verhandelt hatte, während die IMG mit ihrem Gebot für 2002 schon mehr als ein halbes Jahr vertröstet worden war. Drossart schrieb also an Blatter, er sehe sich von der FIFA als Rechtebewerber &#8220;nicht gleichberechtigt&#8221; behandelt.</p>
<p><strong>&#8220;Wir sind über viele Dinge verwirrt und bitten dringend um Klarstellung.&#8221;</strong></p>
<p>Drossart listete unter anderem folgende Punkte auf:</p>
<ol>
<li>Im September 1995 hatte Blatter mitgeteilt, die FIFA arbeite hart an einem  Zeitplan der Rechtevergabe. &#8220;Uns wurde nie gesagt, wie die Vergabe-Prozedur aussieht. Ist das System schon etabliert?&#8221; erkundigte sich Drossart.</li>
<li>Im November 1995 hatte Blatter behauptet, TV- und Marketingrechte würden nur im Paket vergeben. Im Frühjahr 1996 aber verhandelte die FIFA getrennt mit der ISL (offiziell nur über Marketing) und mit der EBU (über Fernsehen). Drossart wollte deshalb wissen: &#8220;Akzeptieren Sie jetzt getrennte und integrierte Vermarktungsangebote?&#8221;</li>
<li>&#8220;Uns war nicht bekannt, daß auch das EBU-Konsortium eine ähnliche Option wie die ISL hätte. Ist dies der Fall, und wenn ja, wann läuft sie aus?&#8221;</li>
<li>Beschwerte sich Drossart nach einem halben Jahr, in dem er vergeblich auf die Beantwortung vieler Fragen gewartet hatte, darüber, hören zu müssen, daß nun auch die Rechte 2006 zur Disposition stünden.</li>
</ol>
<p>Drossarts Brief endete mit einem sehr persönlich gehaltenen Absatz, in dem er an Blatters Integrität appellierte und ein Versprechen, das Blatter im Sommer 1995 gegeben hätte, nämlich daß das Gebot der IMG gleichberechtigt neben allen anderen behandelt werde. Das aber war schon lange nicht mehr der Fall. Auch Ende April, als Drossart nun nach Erhalt der offiziellen Ausschreibung (in der plötzlich nur noch von den Fernsehrechten die Rede war) erneut an Blatter schrieb, machte er auf &#8220;eklatante Widersprüche&#8221; aufmerksam:</p>
<p><strong><span style="color: #000000;">&#8220;Es fällt mir schwer zu glauben, daß die FIFA aufrichtig versucht, unser Angebot in einem fairen Wettbewerb zu behandeln.&#8221;</span></strong></p>
<p>Drossart wiederholte einen Teil seiner Fragen vom 29. März, die immer noch unbeantwortet waren. Diesmal aber wurde er, wohl schon ahnend, ausgebootet zu sein, deutlich schärfer im Ton. So hieß es unter anderem: &#8220;Da die FIFA jetzt nicht mehr über Marketingverträge redet, heißt das, man hat sich mit der ISL geeinigt, obwohl die exklusive Verhandlungsfrist überschritten war? Oder wurden die Marketingrechte zur späteren Vergabe zurückgezogen?&#8221; (Damit lag Drossart richtig, wie sich zeigen sollte, die Marketingrechte wurden im Dezember 1997 an die ISL vergeben &#8211; wieder gegen ein weitgehend ignoriertes Angebot der IMG.) &#8220;Hat sich die Marktsituation in den vergangenen Monaten so radikal geändert, daß die FIFA wieder zur alten, regressiven Struktur der getrennten Rechtevergabe zurückkehrt&#8221;, wollte Drossart wissen, und er schloß mit dem Hinweis:</p>
<p><strong>&#8220;Es fällt sehr schwer, zu einem anderen Schluß zu kommen als dem, daß hier zwei Sorten von Regeln angewendet werden. Eine für das EBU-Konsortium und für die ISL, und eine für alle anderen.&#8221;</strong></p>
<p>Blatters Zwischenbescheide seien lediglich kleine &#8220;kosmetische Übungen&#8221; gewesen, um die FIFA gegen &#8220;künftige Vorwürfe der unfairen und unsauberen Wettbewerbsführung zu schützen&#8221;, die zunehmend in der Presse erhoben worden waren.</p>
<p>Drossarts Gesamteindruck aus dem Versteckspiel war schlicht vernichtend:</p>
<p><strong>&#8220;Mir scheint, die FIFA hat für den Fußballsport und ihre Mitglieder eine Fürsorgepflicht, ihr kommerzielles Eigentum zum besten Vorteil dieses Sports und seiner Mitglieder umzusetzen. Momentan ignorieren Schlüsselfiguren der FIFA jedoch diese Anforderung, in dem sie Wettbewerber abschrecken.&#8221;</strong></p>
<p>Diesen Beschwerdebrief verschickte Drossart wie schon sein erstes Schreiben vom August 1995 an alle Mitglieder des Exekutivkomitees und diesmal auch zusätzlich an alle Konföderations-Präsidenten. Geholfen hat es seiner Sache nicht. In der Zwischenzeit hatte die Blatterfraktion den alten Freunden von der ISL schon den Weg in die Zukunft bereitet. Auf der Strecke blieb dabei auch die EBU, die für die Fernsehrechte an den Endrunden 2002 und 2006 im Februar 1996 insgesamt 2,2 Milliarden Schweizer Franken geboten hatte. Zudem verfügte das EBU-Konsortium ja über langjährige erstklassige Erfahrungen bei der technischen (TV-Übertragung) und organisatorischen (Weitervergabe der Rechte) Abwicklung solcher Mammutprojekte. Auch hatte FIFA-Präsident Havelange dem Partner eine Vertragsverlängerung fest versprochen, wie der EBU-Vorsitzende Albert Scharf erklärte. Die FIFA aber, die offiziell mit der ISL eigentlich nur über die Marketingrechte (insgeheim aber über Fernsehfragen) verhandelte, ignorierte auch das zweite EBU-Angebot.</p>
<p>Im Juni 1996 erklärte die EBU ihre Bereitschaft, den schon zehn Jahre zuvor ausgehandelten Preis für die WM-Endrunde 1998 in Frankreich von 135 Millionen auf 200 Millionen Schweizer Franken zu erhöhen &#8211; sofern ihr auch die Rechte 2002/2006 zugesprochen würden. Die FIFA hatte auf dieser Erhöhung bestanden, nachdem sie das WM-Feld lange nach Abschluß des entsprechenden TV-Vertrages von 24 auf 32 Mannschaften erweiterte. &#8220;Havelange hatte die WM ja aufgestockt, ohne mit uns geredet zu haben, dann wollte er plötzlich mehr Geld&#8221;, erklärte EBU-Manager Richard Bunn. Man habe sich viel zu lange auf das Spiel der FIFA-Spitzen eingelassen. &#8220;Als wir die nachträgliche Aufbesserung des Vertrags in Aussicht stellten, war Havelange ein Held. Da hat es wieder geheißen, Havelange hätte den Fußball gerettet, und wir spielten mit. Dabei hat sich die FIFA ein neues Gebäude gebaut. Das ist im Grunde unser Gebäude. Unsere Fernsehgelder stecken nicht in den Klubs, sondern in dem Gebäude.&#8221;</p>
<p>Am 15. Mai 1996, um zwölf Uhr mittags, war die offizielle Bewerbungsfrist für die TV-Rechteinteressenten abgelaufen. Noch am Nachmittag gab die FIFA bekannt, sieben Offerten erhalten zu haben: &#8220;Von<em> ABC Television</em> (USA), CSI (Schweiz), CWL (Schweiz), IMG (USA), <em>Sporis</em> (ISL)/Kirch (Schweiz) und TEAM (Schweiz).&#8221; Dazu natürlich von der EBU. Die FIFA-Finanzkommission unter Vorsitz des Dänen Poul Hyldgaard werde die Angebote sorgfältig prüfen, so hieß es, und dem Exekutivkomitee am 31. Mai einen Bericht vorlegen.</p>
<p>Die Tagung Ende Mai war dann erst einmal von der Vergabe der WM-Endrunde 2002 überlagert. Die verfeindeten Rivalen Japan und Südkorea hatten sich in jeder Hinsicht den extensivsten Wettbewerb aller Zeiten geliefert &#8211; jede Seite soll 80 Millionen Dollar investiert haben. Präsident Havelange wollte die WM in Japan sehen; einer seiner Vizepräsidenten, der Südkoreaner Chung, war Finanzier und Wortführer der zweiten Bewerbung. Die europäischen Vertreter im Exekutivkomitee hatten sich schon lange vorher für ein Co-Hosting, eine gemeinsame Ausrichtung, ausgesprochen. Diesem Vorschlag mußte sich Havelange zähneknirschend beugen, denn 14 der 21 Mitglieder hatten ein Papier für das Co-Hosting unterzeichnet und darin erklärt, sie würden für Südkorea stimmen, falls ihr Aufruf von der FIFA-Spitze ignoriert werden sollte. Zudem hatte UEFA-Präsident Johansson vorsorglich beantragt, eine eventuelle geheime Abstimmung von den FIFA-Rechnungsprüfern überwachen zu lassen. &#8220;Offensichtlich erschien es ihm zu riskant, das Stimmgut während zweier Stunden (zwischen der Abstimmung und der Resultatsverkündung) in die Obhut von Havelange und Generalsekretär Sepp Blatter zu geben&#8221;, kommentierte der Züricher <em>Sport</em>. Vertrauen ist eben der Anfang von allem &#8230;</p>
<p>Da nach diesem beachtlichen Mißtrauensvotum offenbar auch Blatter keine andere Lösung mehr einfiel, verlas Havelange auf der Sitzung ein Statement für eine gemeinsame WM. Wenige Tage zuvor hatte er noch erklärt, im Sport gebe es nur Sieger und Verlierer, die FIFA-Regeln erlaubten kein Co-Hosting, und dies werde sich nicht ändern, solange er Präsident der FIFA sei. Nun sagte er kleinlaut: &#8220;Ich habe mich einem vom Exekutivkomitee einhellig unterstützten Vorschlag gefügt.&#8221; So war nach außen die Einheit gewahrt, die Funktionärskollegen applaudierten, und die Sache war entschieden. (Allerdings sollte diese Entscheidung noch viele Probleme mit sich bringen.)</p>
<p>Havelange kochte vor Wut, hatte er doch eine seiner seltenen Niederlagen einstecken müssen. Die TV-Frage mußte also nun erst recht so gelöst werden, wie er persönlich sich das vorstellte, und zwar noch zum FIFA-Kongreß im Juli &#8211; nicht erst, wie irreführenderweise noch offiziell behauptet werden sollte, bei der Exekutivsitzung im Dezember. Vielleicht haben sich Havelanges Opponenten in diesen Stunden und Tag<script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/nextgen-gallery/tinymce3/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/cforms/js/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/skype-online-status/js/langs/de.js?ver=311"></script><script type="text/javascript" src="http://jensweinreich.de/wp-content/plugins/wp-polls/tinymce/plugins/polls/langs/de.js?ver=311"></script>en ein wenig zu sicher gefühlt. FIFA-Vize Mong-Joon Chung erklärte jedenfalls abends an der Hotelbar, Havelange habe seine Haut nur vorerst gerettet. Die Opposition habe nun endlich die Gewißheit, erfolgreich &#8220;Hand anlegen zu können&#8221; an das brasilianische Monument. Ein Beweis der wachsenden Macht sei auch, daß man beschlossen habe, mit der Auswertung der TV-Angebote die Finanzkommission zu beauftragen. Chung sollte sich täuschen. Genau das war Havelanges Vorteil. Das Imperium schlug mit aller Macht zurück.</p>
<p>Am 31. Mai 1996 gab die FIFA folgende Pressemitteilung heraus: &#8220;Das Exekutivkomitee pflichtet dem Vorschlag von Präsident Havelange bei, daß die TV-Rechte nur von der Finanzkommission, geleitet von Herrn Hyldgaard, und dem Generalsekretär zu analysieren sind.&#8221; Auf Blatter und dessen engen Freund Poul Hyldgaard, den Chef der Finanzkommission, konnte sich Havelange verlassen &#8211; er selbst wollte dann in Einzelgesprächen den Rest besorgen und die nötige Mehrheit in der Exekutive herbeiführen. Zu dieser Zeit war immer nur von einem Vertrag für 2002 mit einer Option für 2006 die Rede gewesen. Am 17. Juni offerierten die vier verbliebenen Interessenten (CWL, IMG, das EBU-Konsortium und <em>Sporis</em>/Kirch) ihre Angebote noch einmal der Finanzkommission. ABC, TEAM und CSI stiegen aus.</p>
<p>Die Wochen vergingen mit geschäftigem Treiben auf allen Ebenen. Blatter und Hyldgaard bereiteten in der Finanzkommission den Vorschlag zugunsten von <em>Sporis</em> und Kirch vor &#8211; wie so etwas läuft, wird uns später noch ausführlich ein FIFA-Vizepräsident berichten -, und Havelange bestellte Exekutivmitglieder zum persönlichen Gespräch ein. Am Abend vor der entscheidenden Sitzung Anfang Juli 1996 dinierte der Brasilianer in seinem Apartment noch lange mit dem russischen Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow.</p>
<p>Auf der Sitzung des Exekutivkomitees ging Havelange frühmorgens siegessicher zur Sache. Hinter verschlossenen Türen kam er schnell auf den Punkt. Er schlug vor, die Rechte für 2002/2006 an <em>Sporis/Taurus</em> zu vergeben, obgleich er wußte, daß die Europäer, wenn überhaupt, dann nur über 2002 befinden wollten. Havelange beantragte die sofortige, offene und einzelne Abstimmung und überrumpelte damit seine Konkurrenten. Havelange fragte zunächst seinen langjährigen Mitstreiter Koloskow: &#8220;Bist du nicht auch der Meinung, wir sollten das Angebot akzeptieren, mein Freund?&#8221; Gospodin Koloskow, seit vielen Jahrzehnten in der Sportdiplomatie geschult, tat, worum er gebeten worden war. Er nickte. Dies war ein wichtiger Schachzug, weil das erste Jawort aus taktischen Gründen von einem Europäer kommen mußte. War deren Front erst einmal durchbrochen, würden auch die anderen wankelmütig werden.</p>
<p>Die Frage ging reihum und Generalsekretär Blatter notierte eifrig die Stimmenzahl. 21 Mitglieder hatte das Exekutivkomitee damals. Das deutsche Mitglied Gerhard Mayer-Vorfelder und der greise Milliardär Henry Fok aus Hongkong, der damals noch in der Finanzkommission war, fehlten. Von den verbliebenen neunzehn Mitgliedern antworteten nur neun mit Ja &#8211; also nicht einmal die Mehrheit. Sechs waren dagegen. Mit Mayer-Vorfelder wären es sieben gewesen, jedenfalls, wenn er seinen Auftrag im Sinne des DFB wahrgenommen hätte. Die übrigen drei unter den Verdutzten enthielten sich der Stimme. Gewiß kein überzeugendes Votum also für einen Milliardendeal, der die Öffentlichkeit wie kein Sportrechtehandel zuvor beschäftigen sollte. Havelange aber konnte trotzdem generös auf seine Stimmabgabe verzichten.</p>
<p>Später sollte er sagen: &#8220;Das nächstfolgende Angebot lag um 600 Millionen Schweizer Franken niedriger. Da gab es keine Diskussion.&#8221; Im Februar hatte Havelange noch erklärt: &#8220;Unsere Partner sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten der <em>European Broadcasting Union</em>.&#8221; Warum dann aber diese Überrumpelungstaktik? Warum diese irreführende Informationspolitik? Warum wurde erst der Vertrag in Windeseile durchgedrückt &#8211; und dann Kirch und ISL anderthalb Jahre Zeit gegeben, ihre Verkaufsstrategie auszuhandeln? Völlig überraschend sei die Abstimmung für die Hauptakteure im Fernsehgeschäft gekommen, empörte sich EBU-Präsident Albert Scharf. Er wollte &#8220;wie alle anderen erst aus den Nachrichten&#8221; davon erfahren haben. Ein unerhörter Vorgang? Tatsächlich hatte es in der an die Exekutivmitglieder verschickten Tagesordnung unter Punkt 3.1 nur geheißen: &#8220;Bericht der Finanzkommission über die Vergabe der Fernsehrechte&#8221;. Daß dies nichts besagen muß, zählt zur traurigen Tradition der Ära Havelange, in der den Weltfußball betreffende Grundsatzentscheidungen immer wieder ohne sachliche Diskussion und gründliche Analyse getroffen wurden. Der Beispiele gab es viele. Nur hatte sich die EBU, der langjährige Partner, nie dafür interessiert. Als man das erste Mal selbst benachteiligt worden war, regte man sich mächtig auf. Hilflos und viel zu spät.</p>
<p>Generalsekretär Blatter erging sich nach der Abstimmung in Formulierungen, die nach Erlösung klangen: &#8220;Dies ist eine neue Dimension. Erstens in finanzieller Hinsicht. Zweitens, weil die Zusammenarbeit mit dem Konsortium der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die seit 1974 bestand, beendet wurde.&#8221; Drei Monate zuvor hatte er noch gesagt, man dürfe &#8220;sich nicht blenden lassen von den großen Summen, die da herumgehen&#8221;. Der Sport stehe zu sehr im Mittelpunkt der Finanzen, &#8220;und das gefällt mir gar nicht gut&#8221;.</p>
<p>9:6 war die Abstimmung ausgegangen, die drei Enthaltungen deuteten wohl kaum auf eine Zustimmung hin. Zunächst aber kursierten sogar unter den Bewerbern ganz andere Ergebnisse. &#8220;Das Verfahren bei der Vergabe war äußerst irritierend&#8221;, kritisierte der EBU-Chef. &#8220;Ständig wurden neue Bedingungen gestellt, bis schließlich die Entscheidung mit einer Stimme Mehrheit getroffen wurde.&#8221; Scharf, Intendant des Bayerischen Rundfunks und damals auch ARD-Vorsitzender, äußerte zugleich sein Unverständnis über das sehr &#8220;auffällige&#8221; Fehlen von Gerhard Mayer-Vorfelder &#8211; immerhin Vertreter des mitgliederstärksten Verbandes der Welt und mithin auch des für Kirch interessantesten Fernsehmarktes.</p>
<p>Nicht nur in EBU-Kreisen wurde Naheliegendes vermutet: Der schwäbische CDU-Minister Mayer-Vorfelder habe sich angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse vor einer Entscheidung drücken wollen. Hätte er für die EBU gestimmt, wäre die Situation für die ISL/Kirch-Offerte prekär geworden &#8211; er hätte sich ja dann in Havelanges Fragerunde als Deutscher gegen die deutsche Offerte erklären müssen und damit gewiß den einen oder anderen der drei Unentschlossenen noch abgeworben. Hätte er aber für seinen Parteifreund Kirch gestimmt, wäre er in Deutschland hart angegriffen worden. Er &#8211; nicht Kirch. So hat er gar nicht abgestimmt. Und dafür kaum Prügel kassiert.</p>
<p>Mit welcher Begründung aber fehlte der Finanzminister Baden-Württembergs überhaupt bei der Beratung dieser delikaten Angelegenheit, ausgerechnet bei der teuersten Entscheidung der FIFA-Historie? Nach Angaben seines Ministeriums hatte Mayer-Vorfelder am Vormittag des 3. Juli 1996 &#8220;dringende Haushaltsberatungen&#8221; in Stuttgart. Nachmittag unterstützte er als CDU-Kreisvorsitzender die Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl. Angeblich will sich Mayer-Vorfelder noch einmal rückversichert haben, bevor er auf die Reise nach Zürich verzichtete. &#8220;Ich habe Blatter gefragt, ob über irgend etwas entschieden wird&#8221;, so erklärte er den Vorgang im Mai 1997. Mach dir keine Sorgen, es sei nur eine Orientierungsrunde, so habe dieser darauf geantwortet. Also seien ihm seine Ministertermine wichtiger gewesen. Später will er dann aus allen Wolken gefallen sein, als das Ergebnis verkündet wurde. War es so?</p>
<p>&#8220;Daß ist das erste Mal, daß ich höre, daß Mayer-Vorfelder mich in dieser Angelegenheit kontaktiert hat&#8221;, widerspricht hingegen Blatter. &#8220;Er hat das ganz sicher nicht gemacht, sonst hätte ich ihm gesagt, daß das auf der Traktandenliste steht, die er auch erhalten hat.&#8221; Und was da drauf steht, das stünde eben nie einfach nur zur Diskussion, &#8220;sondern immer zu Diskussion und Entscheid.&#8221; Darüber wiederum gehen die Einschätzungen auch unter Exekutivlern auseinander. Wenn alles, was auf der Tagesordnung steht, automatisch zum Entscheid ansteht, wäre das schon fahrlässig &#8211; etwa, wenn sich dort wie so oft 40 oder 50 Punkte türmen und die Mitglieder sich gar kein Bild mehr machen können über die jeweilig in aller Eile abzuhandelnden Sachverhalte. Blatter jedenfalls bleibt bei seiner Darstellung: &#8220;Über das Thema haben Mayer-Vorfelder und ich nicht gesprochen.&#8221;</p>
<p>Als Mayer-Vorfelder mit diesen Aussagen konfrontiert wurde, grinste er. &#8220;Dann habe ich eben nicht mit Blatter, sondern mit seinem Sekretariat gesprochen. Das weiß ich doch nicht mehr genau.&#8221; Genaugenommen interessiert ihn ja die ganze Sache mit den Fernsehrechten kaum. Die angesichts der Kirchschen Pay-TV-Drohung so aufgewühlten Gemüter in Deutschland beruhigt er gerne mit dem lässigen Hinweis: &#8220;Wissen die denn überhaupt, wie die Fernsehlandschaft im Jahr 2000 oder 2002 aussieht? Das weiß kein Mensch.&#8221; Da ist viel Wahres dran. Nur drängt sich die Frage dann um so mehr auf, warum die FIFA bereits Mitte 1996 in erkennbar allerhöchster Eile Fernsehverträge bis 2006 abschließen mußte?</p>
<p>Auf dem gleich nachfolgenden Kongreß der FIFA, der vierstündigen Mitgliedervollversammlung am 4. Juli 1996, versetzte Havelange seinen europäischen Rivalen um Lennart Johansson noch ein paar genüßliche Rippenstöße. Zunächst versprach er jedem der damals 198 nationalen Verbände aus dem Fernsehvertrag einen Grundbetrag von einer Million Dollar &#8211; eine Idee, die Johansson bereits in seinem ersten Visions-Papier vorgelegt hatte. Für die gerade neu aufgenommenen Föderationen der Jungferninseln, von Montserrat oder Guam hatte sich der erste Besuch beim Fußballpapst somit schon gelohnt. Der Kongreß beschloß mit 130 zu 41 Stimmen, die Zahl der Exekutivmitglieder um je einen Vertreter aus Afrika, Asien und Ozeanien von 21 auf 24 zu erhöhen. Die Europäer blieben bei ihren acht Plätzen. Havelange mußte keine Widerworte erdulden und bedankte sich anschließend für eine &#8220;ruhige und faire&#8221; Versammlung, die in einer &#8220;Atmosphäre des Friedens und des Fairplay&#8221; stattgefunden habe. &#8220;Sie haben sich perfekt verhalten&#8221;, lobte er in die Runde.</p>
<p>Weniger zufrieden war der DFB. Zwei seiner Anträge wurden abgeschmettert, darunter der für die Stärkung der nationalen Sportgerichtsbarkeit bei Entscheidungen, die eigene Wettbewerbe betreffen. Zurückziehen mußte er den dritten: Die Aufnahme einer Klausel, nach der in Zukunft die Vollversammlung die Vorsitzenden und deren Stellvertreter in den FIFA-Kommissionen wählen soll, an Stelle der bisher geübten Ernennung durch die FIFA-Exekutive. So blieb es bei einem winzigen Erfolg für die Europäer &#8211; sie ersetzten ihren Vertreter in der fünfköpfigen Finanzkommission (je ein Mitglied aus Europa, Asien, Afrika, Südamerika und Mittel/Nordamerika), den dänischen Blatter-Freund Poul Hyldgaard, durch den Italiener Antonio Matarrese. Mit Hyldgaards Leistung als Kommissionschef in der Vorbereitung der Kirch-Verträge war man offenbar nicht glücklich gewesen. Dafür aber büßten die Europäer nun ihren Chefstuhl in der Finanzkommission ein, was ein wenig verwundert, weil sie immerhin den Kontinent repräsentieren, aus dem der Weltfußball das weitaus meiste Geld erlöst.</p>
<p>Wie der Zufall so spielt, waren nun die wichtigsten Gremien wieder fest in lateinamerikanischer Hand: Der Brasilianer Havelange als Boß der Exekutive und der Dringlichkeitskommission, der Argentinier Julio Grondona an der Spitze von Finanzkommission und des Komitees für die FIFA-Jugendwettbewerbe, Havelanges mexikanischer Busenfreund, der im Dezember 1996 verstorbene Fernsehmogul Canedo, als Chef des WM-Organisationskomitees sowie des zugehörigen FIFA-Büros.</p>
<p>Hyldgaard übrigens wurde noch am 4. Juli zum Ehrenmitglied der FIFA ernannt. Und auch Wjatscheslaw Koloskow, der ja eine Art Streikbrecher gespielt hatte innerhalb der Oppositionsfront der europäischen Exekutivmitglieder, hatte bald Grund zur Freude. Sicher war es Zufall, daß Koloskow in seiner Eigenschaft als russischer Verbandschef vier Monate nach der TV-Vergabe und dem persönlichen Gespräch mit Havelange einen lukrativen Vertrag unterschrieb &#8211; mit dem Sportartikelgiganten <em>Nike</em>, der auch die Auswahl Brasiliens unter Vertrag hat und sich zu jener Zeit bei Havelange sehr um einen Kontrakt mit der FIFA bemüht hatte. Bis zum Jahr 2000 treten zehn russische Auswahlteams der Männer, Jugendlichen und Frauen sowie sechs Topvereine der ersten Liga in <em>Nike</em>-Ausrüstung an. &#8220;Neben der Ausstattung beinhaltet der Vertrag mit <em>Nike</em> auch Barzahlungen&#8221;, erklärte Koloskow auf einer Pressekonferenz. Wieviel Dollars in den nächsten Jahren nach Moskau transferiert werden, wurde nicht bekannt. Muß auch nicht sein, im Rechtsstaat Rußland gelangen Devisen meist an die richtige Adresse.</p></blockquote>
<p>Ähnlich verlief im Jahr darauf die Vergabe der FIFA-Marketingrechte für 880 Millionen CHF. Das ist mal eine andere Geschichte.</p>
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