<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>
<channel>
	<title>jens weinreich &#187; jacques rogge</title>
	<atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/jacques-rogge/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jensweinreich.de</link>
	<description>don&#039;t mix politics with games</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 22:16:51 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Whistleblower Mario Goijman: &#8220;Sie haben mein Leben zerstört&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/13/whistleblower-mario-goijman-sie-haben-mein-leben-zerstort/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2011/12/13/whistleblower-mario-goijman-sie-haben-mein-leben-zerstort/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 11:23:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[fivb]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[jens sejer andersen]]></category>
		<category><![CDATA[jizhong wei]]></category>
		<category><![CDATA[joao havelange]]></category>
		<category><![CDATA[knebelverträge]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[mario goijman]]></category>
		<category><![CDATA[ruben acosta]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[spezialethiker]]></category>
		<category><![CDATA[totaldemokraten]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[volleygate]]></category>
		<category><![CDATA[wahrheitsallergiker]]></category>
		<category><![CDATA[whistleblower]]></category>
		<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[rubén acosta]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=11414</guid>
		<description><![CDATA[My lonely fight in favor of an honest sport has cost me too much, lawyers fees, trips, publications, justice fees, and the persecution of loyal creditors, that now are executing me and some other FAV members, has ruined me, my patrimony and my health. Mario Goijman, Whistleblower Es gäbe unendlich mehr zu sagen als das, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>My lonely fight in favor of an honest sport has cost me too much, lawyers fees, trips, publications, justice fees, and the persecution of loyal creditors, that now are executing me and some other FAV members, has ruined me, my patrimony and my health.</p>
<p><em><strong>Mario Goijman</strong>, Whistleblower</em></p></blockquote>
<div id="attachment_11416" class="wp-caption aligncenter" style="width: 479px"><img class="size-full wp-image-11416" title="Mario Goijman" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/mario-cologne.jpg" alt="" width="469" height="640" /><p class="wp-caption-text">Mario Goijman, Köln 2011, Foto: www.playthegame.org, Tine Harden</p></div>
<p>Es gäbe unendlich mehr zu sagen als das, was ich für einige Medien zusammengefasst habe. Die unendliche Geschichte des Mario Goijman raubt mir den Atem. Einmal mehr zeigt sich, wie die Parallelgesellschaft Sport funktioniert: Whistleblower werden geächtet.</p>
<p>Ich habe Mario Goijman viel zu verdanken, das habe ich im Laufe der Jahre hier mehrfach erwähnt. Seine Präsentation auf der Play the Game Konferenz 2005 in Kopenhagen hat mich lange weinen lassen. Und sie hat mir, so merkwürdig es klingt, Kraft gegeben. Denn Goijman, der kein Journalist ist, hat Journalisten weltweit gezeigt, wie weit man mit Recherche kommen kann. Er hat eine Wahrheit erzählt über die verruchte Branche, er hat unglaubliche Dokumente vorgelegt (leider ist seine Webseite www.volleygate.com inzwischen abgeschaltet). Ich finde, Journalisten können sich an Goijman ein Beispiel nehmen. Das klingt alles ziemlich pathetisch. Egal. Man kann die Geschichte gar nicht oft genug aufschreiben. Mario Goijman braucht Hilfe.<br />
<span id="more-11414"></span><br />
[<em>Und mir ist völlig egal, ob vor Ewigkeiten mal jemand gesagt hat, Journalisten sollten sich auch mit einer guten Sache nicht gemein machen. Ich halte nichts von diesem Dogma.</em>]</p>
<p>Mein Beitrag im Deutschlandfunk:</p>
<audio id="wp_mep_1" src="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/11/dlf_20111211_1945_2ccb325c.mp3" controls="controls" preload="none" ><object width="400" height="30" type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.jensweinreich.de/wp-content/plugins/media-element-html5-video-and-audio-player/mediaelement/flashmediaelement.swf"><param name="movie" value="http://www.jensweinreich.de/wp-content/plugins/media-element-html5-video-and-audio-player/mediaelement/flashmediaelement.swf" /><param name="flashvars" value="controls=true&amp;file=http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/11/dlf_20111211_1945_2ccb325c.mp3" /></object></audio>
<script type="text/javascript">jQuery(document).ready(function($){$('#wp_mep_1').mediaelementplayer({m:1,features: ['playpause','current','progress','duration','volume','tracks','fullscreen'],audioWidth:400,audioHeight:30});});</script>
<ul>
<li>Mein Beitrag in der FTD: <a title="FTD: Whistleblowing lohnt sich nicht" href="http://www.ftd.de/sport/:olympiageschichte-whistleblowing-lohnt-sich-nicht/60141735.html?mode=print" target="_blank">Whistleblowing lohnt sich nicht</a></li>
<li>Jens Sejer Andersen, Play the Game: <a title="Play the Game" href="http://www.playthegame.org/news/detailed/from-terrible-to-tragic-the-situation-of-sports-corruption-fighter-mario-goijman-5308.html" target="_blank">From terrible to tragic: The situation of sports corruption fighter Mario Goijman</a></li>
</ul>
<p>Mario Goijmans Präsentationen auf Play the Game Konferenzen:</p>
<ul>
<li>2005, Kopenhagen: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2005" href="http://www.playthegame.org/upload//Mario_Goijman_-_Exposing_Corruption_in_International_Volleyball_-_A_Personal_Account.pdf" target="_blank">Exposing Corruption in International Volleyball: A Personal Account </a></li>
<li>2009, Coventry: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2009" href="http://www.playthegame.org/uploads/media/Mario_Goijman_-_International_sport_under_Swiss_law.pdf" target="_blank">International sport under Swiss law</a> (Goijman hat nur seinen Vortrag geschickt, <a title="Mario Goijman und die Nachwehen des Volleygates" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/09/mario-goijman-und-die-nachwehen-des-volleygates/">er durfte Argentinien nicht verlassen</a>)</li>
<li>2011, Köln: <a title="Mario Goijman, Play the Game 2011" href="http://www.playthegame.org/fileadmin/image/PTG2011/Presentation/goijman_Mario_-volleygate-part2.pdf" target="_blank">Volleygate update</a></li>
</ul>
<p>Einer der größten Korruptionsfälle der olympischen Geschichte wurde nicht von Journalisten aufgedeckt, sondern von einem ehemaligen Sportfunktionär: Der Argentinier Mario Goijman hat detailliert nachgewiesen, wie sich der Mexikaner Rubén Acosta als langjähriger Präsident des Volleyball-Weltverbandes FIVB bereicherte. Acosta handelte mit TV-Anstalten und Sponsoren Verträge für die FIVB aus – und kassierte dafür satte Provisionen. Dieses Volleygate, wie es Goijman in Anspielung auf den Watergate-Skandal nannte, ist eine unfassbar tragische Geschichte, die in diesen Tagen einen weiteren tragischen Höhepunkt erlebt:</p>
<p>Acosta ist FIVB-Ehrenpräsident auf Lebenszeit und musste nicht einen Cent seiner ergaunerten Millionen erstatten.</p>
<p>Dagegen ist der Enthüller Mario Goijman ruiniert und verzweifelt. Er muss in diesen Tagen, weil er für Verluste aus der Männer-WM 2002 bürgt, sein Haus in Buenos Aires räumen.</p>
<p>Es war das letzte, was ihm geblieben war. Seine Konten sind bereits leer. Seine Ehe ist zerbrochen. Seine Gesundheit schwer angeschlagen.</p>
<p>„Die FIVB und das Internationale Olympische Komitee haben mich betrogen und belogen“, sagt Goijman, der die Öffentlichkeit um Hilfe bittet. „Sie haben mein Leben zerstört.“</p>
<p>Der 66-jährige Goijman ist ein klassischer Hinweisgeber, ein so genannter Whistleblower. Er war einst Präsident des argentinischen Volleyballverbandes FAV, er hatte Funktionen im Weltverband FIVB und hat lange mit Acosta kooperiert, bis er 2002 in Argentinien die WM ausrichtete. Als Organisationschef haftete er persönlich für einenVerlust von mehr als 800.000 Dollar. Die FIVB machte bei dieser WM einen Profit von mindestens 2,4 Millionen – wahrscheinlich viel mehr, denn alle Unterlagen des Weltverbandes hat Goijman nie gesehen.</p>
<p>Derlei Knebelverträge mit Organisatoren sind flächendeckend üblich im olympischen Weltsport. Es haften immer die Ausrichter, nie die Verbände, die den Profit abziehen. Im Volleyball ist das nicht anders als im Fußball und bei der FIFA oder bei den Olympischen Spielen des IOC.</p>
<p>Goijman hat dagegen opponiert und wurde schnell sämtliche Posten los. Sein Verband wurde sanktioniert, bald stand Goijman alleine da. Er begann zu recherchieren und sich mit den FIVB-Finanzen zu befassen. Goijman legte Dokumente vor, die Acostas Räubereien belegten. Goijman prozessierte in der Schweiz. Doch dort werden die Sportganoven traditionell vom Gesetz gedeckt. Die Sache zog sich über Jahre hin. Es wurde sogar ein alternativer Weltverband (WVBF) gegründet. Unterstützung aus dem Establishment erhielt Goijman aber kaum. Auch der deutsche Verband deckte in unanständiger Unterwürfigkeit stets den Großganoven Acosta.</p>
<p>Auf Goijmans Enthüllungen reagierte die IOC-Ethikkommission. Acosta trat 2004 angeblich aus Altersgründen aus dem IOC zurück, blieb aber noch vier Jahre FIVB-Alleinherrscher. Das IOC duldete diesen Deal laut Goijman auch deshalb, weil Acostas Anwalt damit gedroht hatte, Details über die schmutzigen Geschäfte einiger IOC-Mitglieder und Angestellter in der einstigen IOC-Marketingagentur Meridian zu veröffentlichen.</p>
<p>Im Frühjahr 2009 musste die neue FIVB-Führung auf ihrer Vorstandssitzung einräumen, dass Acosta sogar mindestens 33 Millionen Dollar abgezweigt hatte. Goijman machte auch dieses Protokoll öffentlich. Doch Acosta bleibt FIVB-Ehrenpräsident – auf Lebenszeit. Acostas Nachfolger, der Chinese Jizhong Wei, war lange Jahre treuer Diener des Patrons. Er genehmigt einigen Vizepräsidenten weiter Spesen von 500.000 Dollar pro Jahr, für die keinerlei Nachweise zu erbringen sind.</p>
<p>Das IOC hat sich beim Millionenbetrüger Acosta ähnlich aus der Affäre gezogen wie vergangene Woche im Fall des Millionenbetrügers und langjährigen FIFA-Chefs Joao Havelange (Brasilien). Verlogene Rücktritte werden goutiert. Die Gauner dürfen ihre Millionen behalten und sich weiter Ehrenpräsidenten ihrer olympischen Sportverbände nennen – und das IOC verheimlicht die Berichte der Ethikkommission.</p>
<p>„Acosta und Havelange, das ist dieselbe dreckige Geschichte“, sagt Mario Goijman.</p>
<p>Mit Galgenhumor erinnert er daran, dass er zur WM 2002 auf Geheiß von Acosta auch Havelange als Ehrengast bewirten musste. Auch dafür muss er heute noch büßen – die Gläubiger des WM-Organisationskomitees lassen sein Haus pfänden.</p>
<p>Auf die Frage, ob er in dieser akuten Lage etwas für Mario Goijman zu tun gedenke, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge vergangene Woche in Lausanne: „Ich kenne die Details zu Herrn Goijman nicht, er heißt doch Goijman, ja? Ich muss sichernicht daran erinnern, dass Herr Acosta als IOC-Mitglied zurückgetreten ist.“ Das sollte wohl heißen: Damit geht das Thema das IOC nichts mehr an.</p>
<p>Whistleblower wie Goijman werden in der olympischen Welt nicht geschätzt, sie werden geächtet, auch – oder erst recht – wenn sie dazu beitragen, dass korrupte Funktionäre ihre Ämter loswerden. FIVB-Präsident Wei willigte vor zwei Jahren lediglich ein, einen Teil von Goijmans Prozesskosten zu erstatten.</p>
<p>Die im Grunde noch immer Acosta-hörige Verbandsspitze will Goijman zerstören.</p>
<p>Die FIVB ist einer der reichsten olympischen Verbände und verfügt über Millionenkonten im mondänen Lausanne, wo auch das IOC residiert. In Lausanne, wo im Olympischen Museum des IOC gerade 1,8 Millionen Franken unterschlagen wurden. Die Polizei ermittelt, dass IOC hat sich vor wenigen Tagen von einigen Mitarbeitern getrennt. Dochdies ist eine andere Geschichte im Mikrokosmos der Selbstbereicherung.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2011/12/13/whistleblower-mario-goijman-sie-haben-mein-leben-zerstort/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>23</slash:comments>
<enclosure url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/11/dlf_20111211_1945_2ccb325c.mp3" length="2872320" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Jacques Rogge sagt: &#8220;reports are confidential&#8221; und &#8220;a warning is not a sanction&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/jacques-rogge-sagt-reports-are-confidential-und-a-warning-is-not-a-sanction/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/jacques-rogge-sagt-reports-are-confidential-und-a-warning-is-not-a-sanction/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 18:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[iaaf]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[isl/ismm]]></category>
		<category><![CDATA[issa hayatou]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[joao havelange]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[lamine diack]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[spezialethiker]]></category>
		<category><![CDATA[sportfamilie]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[wahrheitsallergiker]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=11390</guid>
		<description><![CDATA[LAUSANNE. In zwei Jahrzehnten als IOC-Berichterstatter habe ich gewiss schon viele absurde, deprimierende Momente erlebt. Die gerade beendete, äußerst bizarre Pressekonferenz mit einem geradezu leblos argumentierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge gehört sicher dazu &#8211; irgendwo in den Top 20. Das muss Mann erst mal verdauen. Jedenfalls, Rogge, einst als Erneuerer angetreten [und von mir auch als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>LAUSANNE. In zwei Jahrzehnten als IOC-Berichterstatter habe ich gewiss schon viele absurde, deprimierende Momente erlebt. Die gerade beendete, äußerst bizarre Pressekonferenz mit einem geradezu leblos argumentierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge gehört sicher dazu &#8211; irgendwo in den Top 20.</p>
<p>Das muss Mann erst mal verdauen.</p>
<p>Jedenfalls, Rogge, einst als Erneuerer angetreten [<em>und von mir auch als solcher promotet</em>], hätte nicht peinlicher agieren können. Unfassbar. Eigentlich hätte an seiner Stelle auch Samaranch sitzen können, das macht keinen Unterschied. Zu den Feinheiten: Rogge vermied es, die Vokabel &#8220;Korruption&#8221; zu benutzen [<em>ich sage es einmal mehr: das Wort Korruption taucht auch in der Olympischen Charta des IOC nicht auf</em>], er erwähnte auch nicht den Korruptionskonzern ISL/ISMM.</p>
<p>Als wäre nichts gewesen.</p>
<p>Schockierend.</p>
<p>Unanständig.</p>
<p>Es war natürlich Andrew Jennings, der überraschender Weise zwei Mal ans Mikro durfte und flink noch erwähnte, dass wir hier über ein kolossales Betrugssystem reden, das den gesamten, nunmehr von Rogge präsidierten, olympischen Weltsport umfasste. <strong><a title="alle Beiträge zu ISL/ISMM" href="http://www.jensweinreich.de/category/islismm/">Mehr als 140 Millionen Schweizer Franken wurden nachweislich an Schmiergeld gezahlt.</a></strong> Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Und die Bevorteilten, korrupte Funktionäre, sind zu großen Teilen noch in Amt und Würden, hundertmal angemerkt.</p>
<p>Nach etwa zwölf Minuten war die Freakshow beendet. Rogge behauptete:</p>
<blockquote><p>We will not hesitate to act. The wider world will acknowledge that the IOC means business and is accountable and transparent&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich muss es gleich nachhören &#8211; und werde mich erneut gruseln.<br />
<span id="more-11390"></span><br />
Nebenbei definierte Rogge die Gelben und Roten Karten im Fußball neu, oder auch die Ethikregeln. Oder beides. Es war so verworren. So verlogen.</p>
<blockquote><p>a warning is not a sanction</p>
<p>a repriment is a sanction</p>
<p>you could compare it to red card and yellow card in football.</p></blockquote>
<p>Also:</p>
<ul>
<li><strong>Lamine Diack</strong> (Senegal/IOC-Mitglied und Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF) hat insgesamt 52.880 CHF von der ISL erhalten. <a title="ioc.org" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Ethics/Ethics-2011-10-03-decision-recommendation-Lamine-Diack-Eng.pdf" target="_blank">Er wurde verwarnt.</a></li>
<li><strong>Issa Hayatou</strong> (Kamerun/IOC-Mitglied, FIFA-Vizepräsident, CAF-Präsident) hat 24.700 CHF von der ISL erhalten. <a title="ioc.org" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Ethics/Ethics-2011-10-03-decision-recommendation-Issa-Hayatou-Eng.pdf" target="_blank">Er wurde ermahnt.</a></li>
</ul>
<p>Beide, Diack und Hayatou, beschäftigen übrigens bis heute den ISL-Schmiergeldboten Jean-Marie Weber, der einst jene 140 Millionen verteilt hat.</p>
<ul>
<li><strong>Joao Havelange</strong> (<a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">FIFA-Ehrenpräsidentm IOC-Mitglied bis vor wenigen Tagen</a>) hat mutmaßlich viele Millionen von der ISL erhalten. Die Überweisung von 1,5 Millionen aus diesem Paket ist bestens dokumentiert. Havelange wurde von Rogge nicht mal mehr erwähnt.</li>
</ul>
<p>Doch, sorry, <a title="Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/">Rogge sagte erneut &#8230;</a></p>
<blockquote><p>Mr Havelange is not an IOC member anymore. For us he is a private person.</p></blockquote>
<p>Und deshalb gibt es dazu keine Informationen.</p>
<p>Die Ermittlungsergebnisse der Ethikkommission bleiben natürlich auch geheim.</p>
<p>Rogge sagte:</p>
<blockquote><p>reports are confidential, the proposals are public</p></blockquote>
<p><del>Die beiden dünnen Papiere folgen in Kürze.</del></p>
<p><strong>19.37 Uhr:</strong> Denke ich über positive Aspekte nach, fällt mir schon mal dies ein:</p>
<ul>
<li>Die wenigen Journalisten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten mit der ISL-Korruption befasst und wirklich recherchiert haben, beschrieben nichts als die Wahrheit.</li>
<li>Die Dokumente sind echt.</li>
<li>Die Zahlen stimmen.</li>
<li>Das IOC nennt exakt jene Daten und Zahlen, die Andrew Jennings &#8211; ergänzend zum bereits vorliegenden &#8211; vor einem Jahr in der BBC-Panaroma-Sendung vorgelegt hat.</li>
<li>Diese Fakten können auf Dauer weder IOC noch FIFA negieren.</li>
<li>Die historische Wahrheit bleibt die historische Wahrheit. Sie lässt sich auch von diesen milliardenschweren und intransparenten Sportkonzernen nicht beugen.</li>
<li>Die Wahrheit lässt sich auch von Propagandisten und als Journalisten getarnten Idioten nicht beugen.</li>
<li>Man könnte sogar sagen: Journalismus lohnt sich. Mann sieht, ab und an, Resultate. Wenn auch bescheidene.</li>
</ul>
<p>Weitere Resultate werden folgen.</p>
<p><strong>20.20 Uhr:</strong> Die Papiere sind oben nun verlinkt, und außerdem hier zu begutachten:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack1.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11399" title="diack1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack1-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack2.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11400" title="diack2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/diack2-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou1.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11401" title="hayatou1" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou1-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a><br />
<a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou2.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-11402" title="hayatou2" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/12/hayatou2-723x1024.jpg" alt="" width="506" height="717" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/jacques-rogge-sagt-reports-are-confidential-und-a-warning-is-not-a-sanction/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>15</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>FIFA, IOC, Katar 2022: Recherche vs Propaganda</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/fifa-ioc-katar-2022-recherche-vs-propaganda/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/fifa-ioc-katar-2022-recherche-vs-propaganda/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 11:57:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[andrew jennings]]></category>
		<category><![CDATA[bestechung]]></category>
		<category><![CDATA[chuck blazer]]></category>
		<category><![CDATA[daily telegraph]]></category>
		<category><![CDATA[dichtung und wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[fbi]]></category>
		<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[isl/ismm]]></category>
		<category><![CDATA[issa hayatou]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[joao havelange]]></category>
		<category><![CDATA[joseph blatter]]></category>
		<category><![CDATA[katar 2022]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[kriminalistisches]]></category>
		<category><![CDATA[lamine diack]]></category>
		<category><![CDATA[lügenbarone]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[ricardo teixeira]]></category>
		<category><![CDATA[russland 2018]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[brasilien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[claire newell]]></category>
		<category><![CDATA[frank lowy]]></category>
		<category><![CDATA[handelszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[james dorsey]]></category>
		<category><![CDATA[jean francois tanda]]></category>
		<category><![CDATA[jesse fink]]></category>
		<category><![CDATA[mark pieth]]></category>
		<category><![CDATA[nzz. joseph blatter aloys hirzel]]></category>
		<category><![CDATA[paul kelso]]></category>
		<category><![CDATA[the zwanziger]]></category>
		<category><![CDATA[worawi makudi]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=11379</guid>
		<description><![CDATA[ZÜRICH/LAUSANNE. Da können die Herrschaften in der FIFA-Zentrale und im IOC-Hauptquartier unternehmen, was sie wollen. Sie haben die Lage einfach nicht mehr im Griff und werden von der Vergangenheit eingeholt, von den Ereignissen überrollt. Sie können nur notdürftig ausputzen, sie setzen auf viele dumme, willfährige Journalisten und korrupte Medien, die ihren Job nicht verstehen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH/LAUSANNE. Da können die Herrschaften in der FIFA-Zentrale und im IOC-Hauptquartier unternehmen, was sie wollen. Sie haben die Lage einfach nicht mehr im Griff und werden von der Vergangenheit eingeholt, von den Ereignissen überrollt. Sie können nur notdürftig ausputzen, sie setzen auf viele dumme, willfährige Journalisten und korrupte Medien, die ihren Job nicht verstehen und dem Berufsstand des Journalismus Schande bereiten &#8211; und die dann eben inbrünstig und kolossal ahnungslos, oft auch ganz bewusst, die Propaganda der Sportkonzerne verbreiten. Ein Skandal im Skandal.</p>
<p>Es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel diese jüngsten:</p>
<ul>
<li><strong>Jean François Tanda</strong>, Handelszeitung: <a title="Fifa: 120'000 Franken für Korruptionsgutachten" href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/fifa-120000-franken-fuer-korruptionsgutachten" target="_blank">Fifa: 120&#8217;000 Franken für Korruptionsgutachten</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Der renommierte Korruptionsbekämpfer Mark Pieth soll Führung und Transparenz der Fifa verbessern. Laut Recherchen der «Handelszeitung» bezahlt sie dafür ein Taggeld von 5000 Franken &#8211; und überwies zusätzliches Geld für ein Gutachten.</p></blockquote>
<p>Auf diesen Beitrag hat Mark Pieth bereits vorab reagiert und gestern Einladungen an einige Journalisten verschickt, die er im Januar gern interviewen würde. Er selbst will ja nicht retrospektiv tätig werden und ermitteln &#8211; das überlässt er anderen. In der Presseerklärung, die gestern ebenfalls verschickt wurde, heißt es:</p>
<blockquote><p><strong>Frequent Questions on the Independent Governance Committee on FIFA</strong></p>
<p>Over the last few days several questions relating to the governance reform process of FIFA have been raised. The following text should address the most pressing issues:</p>
<p><strong>Are the Committee Members independent?</strong><span id="more-11379"></span></p>
<p>First, it needs to be pointed out that governance reform and monitoring is serious professional work (comparable to that of auditors) that should not be left to amateurs and that salaries of professionals need to be paid.</p>
<p>Second, as Chairman I personally do not profit at all from this mandate, as the funds generated go either to the Basel Institute on Governance or into a University fund for research at my Chair (employment of research assistants for 2012).</p>
<p><strong>Should one investigate the past before making recommendations on the future?</strong></p>
<p>The Independent Governance Committee is focussing its efforts on bringing about a rapid and effective change of FIFA’s governance structures (some far reaching ideas have been thrown out in our report published last week).</p>
<p>As part of the governance reform process a look back into the past is necessary, as the risk scenarios need to be realistic. Therefore, the Independent Governance Committee will reach out to investigative journalists and host a hearing for experts on FIFA’s past in January 2012.</p>
<p>There is, from the perspective of the Independent Governance Committee, absolutely no objection to an investigation. Several investigations are under way. The Independent Governance Committee will consider making a recommendation how the past could be best addressed and its membership will be composed in a way suited to assess this issue.</p>
<p>Mark Pieth</p></blockquote>
<p>Weitere Lesebefehle:</p>
<ul>
<li><strong>Jesse Fink</strong> auf ESPN Star.com: <a title="Makudi files must be released" href="http://www.espnstar.com/editorial/news/detail/item719186/Fink:-Makudi-files-must-be-released/" target="_blank">Makudi files must be released</a></li>
</ul>
<p>Das sehe ich natürlich auch so. Ich habe der FIFA dazu vor zwei Wochen einen Fragenkatalog geschickt &#8211; auf die Antworten warte ich noch. Weitere Dokumente zu Makudi sind in der Pipeline.</p>
<ul>
<li><strong>James Dorsey</strong>, The Turbulent World of Mideast Soccer: <a title="Qatar’s 2022 World Cup bid comes under renewed scrutiny" href="http://mideastsoccer.blogspot.com/2011/12/qatars-2022-world-cup-bid-comes-under.html" target="_blank">Qatar’s 2022 World Cup bid comes under renewed scrutiny</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Newly appointed FIFA executive committee member and German soccer federation president Theo Zwanziger this week denounced the awarding to Qatar in an interview with Agence France Presse. &#8220;The basic requirements for a host country have been perverted. I have never understood how such a small country can be awarded one of the most important sports events in the world, especially as Qatar were in last place on the grid before the decision was made,” Mr. Zwanziger said.</p>
<p>Australian soccer federation president Frank Lowy, speaking last week days after Mr. Blatter opened the door to an investigation of Qatar’s bid, said he believed that the Gulf state could be deprived of the right to host the tournament. The &#8220;last word hasn&#8217;t been heard yet,&#8221; Mr. Lowy said.</p>
<p>The soccer officials’ statements gained currency this week when the head of FIFA’s newly created Independent Governance Committee, Mark Pieth, told Associated Press that he will focus on FIFA;s past as well as its future. Mr. Pieth said he has “absolutely no objection to an investigation” and would soon interview investigative journalists who are “experts on FIFA’s past.”</p></blockquote>
<p>Und schließlich der Bericht des Daily Telegraph, in der die von den <a title="FIFA-Whistleblower Chuck Blazer kassiert 9,6 Millionen Dollar (und mehr)" href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/17/fifa-saubermann-chuck-blazer-kassiert-96-millionen-dollar-und-mehr/">Enthüllungen Andrew Jennings&#8217; im Sommer</a> ausgelösten FBI-Ermittlungen konkretisiert werden. Nur nebenbei: Dass FIFA-Exekutivmitglied Chuck Blazer zehn Millionen Dollar (die tatsächliche Summe ist viel höher, das hat er in kleinem Kreise bereits eingeräumt) kassiert, ist für die FIFA kein Grund, einzuschreiten!</p>
<ul>
<li><strong>Claire Newell und Paul Kelso</strong> im Daily Telegraph: <a title="FBI launches investigation into World Cup 'dirty tricks’ campaign " href="http://www.telegraph.co.uk/sport/football/teams/england/8939343/FBI-launches-investigation-into-World-Cup-dirty-tricks-campaign.html" target="_blank">FBI launches investigation into World Cup &#8216;dirty tricks’ campaign</a></li>
</ul>
<blockquote><p>Investigators claim to have “really great intelligence” of malpractice and came to London last month to interview people present in Zurich at the time of the World Cup vote.</p>
<p>It is understood that the FBI has “substantial evidence” of outside organisations attempting to hack the email accounts of the United States bid for the 2022 tournament, and believe the English bid may have also been affected.</p>
<p>The FBI is understood to have asked England 2018 officials, who are not under suspicion, if they were aware of dirty tricks or corruption in the World Cup bidding campaign.</p>
<p>The FBI is also understood to have asked questions relating to potential offences arising from the alleged bribery of Caribbean football officials by Mohammed Bin Hammam, who stood against Sepp Blatter for the Fifa presidency.</p></blockquote>
<p>Liebe Freunde, es gibt bald viel mehr darüber zu berichten, keine Sorge. Was fehlt, sind allein gerichtsfeste Beweise für die Korruption von Russland 2018 und Katar 2022. Kommt Zeit, kommt Rat.</p>
<p>Was IOC-Präsident Jacques Rogge heute Abend in Lausanne zu den ISL-Korruptionsfällen Diack, Hayatou und Havelange verkünden wird, dürfte eher traurig sein. Denn Rogge wird die Ermittlungsergebnisse der IOC-Ethikkommission nicht veröffentlichen. Aber auch mit dieser Blockadehaltung ist die Wahrheit nicht aufzuhalten.</p>
<p>[<em>Wie <a title="Sportpolitik - FIFA: IOC-Kreise: Keine Ermittlungen gegen Blatter" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1245747" target="_blank">vollkommen ahnungslos, recherchefrei und allein auf Zurufe von ausgewählten IOC-Mitgliedern basierend</a>, einige IOC-Dauerberichterstatter noch immer berichten, ist unfassbar peinlich. Dumm nur, dass diese Leute damit auch eine gewisse Öffentlichkeit prägen - mit Propaganda-Botschaften von FIFA und IOC.</em>]</p>
<p>Ich habe gestern in Zürich und Lausanne eine Kleinigkeit für die NZZ gedichtet: <a title="NZZ: Blatter weibelt in Bundesbern" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/blatter_weibelt_in_bundesbern_1.13557267.html" target="_blank">Blatter weibelt in Bundesbern</a>. Die Kollegen haben sehr gut redigiert und den Text richtig umgestellt. Hier das etwas längere Original, das ich eigentlich für das Blog ausbauen und verlinken wollte, doch dafür fehlt mir momentan die Zeit. Heute Nachmittag geht es weiter in diesem Theater.</p>
<blockquote><p>„Team Spirit“ heißt das Event, das in parlamentarischen Kreisen alljährlich großen Zuspruch genießt. Wenn die Sport-Lotto-Gesellschaft und die Parlamentarische Grupp Sport unter dem Patronat des Sportministers Ueli Maurer (SVP) einladen zu Speis und Trank, garniert mit kleinen Geschenken, ist der Aufmarsch groß. 70 bis 80 Abgeordnete versammelten sich auch am Dienstagabend im Hotel Bellevue Palace zu Bern. Allesamt „Keyplayer“, wie es hieß. Einer jener Keyplayer wirkt gern im Hintergrund: Es ist Aloys Hirzel, PR-Guru der Schweiz, der derzeit in der FIFA-Zentrale ein und aus geht. Denn Hirzel (Agentur „Konsulenten“) ist wie einige andere PR-Leute und Lobbyisten damit beschäftigt, das schwer angeschlagene Image des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter aufzufrischen. Ob er vom Fußball-Weltverband unter Vertrag genommen wurde, mag Hirzel zwar nicht sagen. Kundenbeziehungen publiziere er nicht, teilt er nur mit. Doch ranghohe FIFA-Mitarbeiter erklären, Hirzel sei auf politischem Parkett tätig und habe zum Beispiel den Lobby-Termin Blatters am Dienstag in Bern mit vorbereitet.</p>
<p>Am Abend, als Blatter sein Versprechen gebrochen hatte und mitteilen musste, dass die so genannte Einstellungsverfügung aus dem ISL-Korruptionsprozess nun doch nicht im Dezember veröffentlicht wird, wurden Blatter in parlamentarischen Kreisen keine kritischen Fragen gestellt. Einige der Anwesenden hatten kürzlich erfolgreich daran mitgewirkt, dass der Bericht des Bundesamtes für Sport zu Korruption und Schattenwirtschaft in Sportkonzernen wie IOK und FIFA, der Ende 2011 vorliegen sollte, um ein Jahr verschoben wurde. Und die Organisatoren von „Team Spirit“ präsentierten Blatter im knapp 45-minütigen Kaminfeuer-Gespräch mit SF-Moderatorion Steffi Buchli, die es vermied, Fragen von Belang zu formulieren.</p>
<p>So durfte Blatter ungestört darüber fabulieren, dass die „Leichtigkeit des Seins“ derzeit nicht gegeben sei, nicht in der FIFA und nicht im WM-Gastgeberland Brasilien, wo sich Staatspräsidentin Dilma Rousseff als energische Korruptionsbekämpferin profiliert. Er, Blatter, werde es allen zeigen und seine Reformen durchsetzen, flötete der 75-jährige aufgekratzt. Das hätten nur einige bösartige Journalisten in England und Deutschland noch nicht begriffen.</p>
<p>Nach dem Stelldichein mit SF-Frau Buchli nahm sich Blatter viel Zeit, um unter den Parlamentariern, unter National- und Bundesräten zu antichambrieren. Es wurde viel gelacht, Freundschaftsfotos geknipst, und Blatter soll sogar mit Nationalrat Roland Büchel (SVP) gesprochen haben, der vor einem Jahr eine Motion eingereicht und die Überprüfung der Korruption in den Sportverbänden gefordert hatte.</p>
<p>Mit derlei Maßnahmen und vielen harmlosen, bestellten Interviews, in denen dann über Probleme schwadroniert wird, die Blatter längst hätte lösen können (Torkameras, Frauen im FIFA-Exko etc), versuchen seine PR-Leute ihn neu zu positionieren. Zur Crew gehören neben Hirzel der neue FIFA-Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio, einst Schweizer Journalist des Jahres, und der Österreicher Bernd Fisa, der ehemals bei Ferrari mit Michael Schumacher gearbeitet hat. Auch Blatters ehemaliger Berater Peter Hargitay soll wieder an Bord sein. [<em>Er bestreitet, einen Vertrag zu haben. Das habe ich a) auch nicht behauptet und b) in vorherigen Beiträgen erwähnt.</em>] Sie verrichten Schwerstarbeit, sie betreiben Propaganda – doch sie können die Entwicklungen nicht beherrschen.</p>
<p>Aktuelle Beispiele gefällig? Der Londoner „Daily Telegraph“ berichtet gerade über das Interesse der amerikanischen Bundespolizei FBI an der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Ermittelt wird nicht nur in den USA, auch in anderen Ländern – und von anderen Institutionen. Die FIFA aber verweigert sich konsequent Untersuchungskommissionen zur skandalbehafteten WM-Vergabe an Russland (2018) und Katar. Sie arbeitet nicht einmal das ISL-Bestechungssystem auf. Korrupte Funktionäre, die nachweislich ISL-Gelder erhalten haben, müssen nichts befürchten. Und einer dieser Spitzbuben, Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira, WM-Organisationschef 2014, behauptete am Mittwoch in Brasilien gegenüber Journalisten, er sei es nicht gewesen, der die Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung mit juristischen Hebeln verhindert habe.</p>
<p>Wer war es dann? FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange, der ebenfalls ISL-Millionen kassierte und nun unter Druck aus dem IOK demissionierte? Oder hat Blatter am Dienstag nicht die Wahrheit gesagt und es gibt gar keine Hindernisse?</p>
<p>In Lausanne, wo derzeit das IOK-Exekutivkomitee tagt, hielt man sich am Mittwoch bedeckt zum Korruptionsfall ISL und der Verstrickung der IOK-Mitglieder Havelange (Brasilien), Issa Hayatou (Kamerun) und Lamine Diack (Senegal). IOK-Sprecher Mark Adams verwies auf die Pressekonferenz des Präsidenten Jacques Rogge am Donnerstag. Rogge könnte Aufklärung schaffen, wenn er die Ermittlungsergebnisse der IOK-Ethikkommission gegen Havelange veröffentlichen würde. Danach sieht es aber nicht aus. Rogge scheint mit Havelanges Rücktritt zufrieden.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2011/12/08/fifa-ioc-katar-2022-recherche-vs-propaganda/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 15:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[dichtung und wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[horst dassler]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[isl/ismm]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[jean-marie weber]]></category>
		<category><![CDATA[joao havelange]]></category>
		<category><![CDATA[joseph blatter]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[kommunikationsherrscher]]></category>
		<category><![CDATA[korruptionsverdunklungsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[kriminalistisches]]></category>
		<category><![CDATA[lügenbarone]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=11367</guid>
		<description><![CDATA[ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen Lügen Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports. Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar: Die ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen <del>Lügen</del> Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports.</p>
<p>Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar:</p>
<ul>
<li>Die <a title="The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/">ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge</a> von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), Cart (Motorsport), ATP (Tennis), ITF (Tennis) und vielen mehr.</li>
<li>Die ISL-Gruppe ist an diese Verträge nur deshalb gekommen, weil sie über Jahrzehnte die Top-Funktionäre in den Exekutivkomitees mit exorbitanten Summen geschmiert hat, gekauft und bestochen.</li>
<li><a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">Mehr als 140 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld</a> sind gerichtsfest dokumentiert.</li>
</ul>
<div><img class="size-full wp-image-9842  aligncenter" title="ISL Schmiergeldbilanz" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/11/islneu-e1291042109675.gif" alt="ISL Schmiergeldbilanz" width="371" height="336" /></div>
<ul>
<li>Die Dunkelziffer liegt ungleich höher, setzt man diesen Maßstab an, den die Kriminalwissenschaft belegen kann: nur maximal fünf Prozent aller Korruptionsfälle werden entdeckt, mehr als 95 Prozent werden nie öffentlich.</li>
<li>Das vom ISL-Gründer und damaligen Adidas-Chef Horst Dassler installierte weltweite Korruptionssystem dominierte den gesamten olympischen Sport. Etliche der Begünstigten sind noch in Amt und Würden. Viele sind noch in Amt und Würden, deren Namen nicht auf den bisher ermittelten Listen stehen. <del>Viele</del> Einige der einstigen Mitarbeiter Dasslers (ob nun im ISL-Konglomerat oder bei Adidas) sind noch in Amt und Würden &#8211; manch einer strebt sogar allerhöchste olympische Weihen an.</li>
<li>Die Causa ISL hat also den Sport über Jahrzehnte geprägt, zehn Jahre nach dem ISL-Konkurs ist das Thema weiter brandaktuell &#8211; und das Thema wird es auch noch einige Jahre bleiben.</li>
</ul>
<div>Wer behauptet, das ISL-Korruptionssystem sei ein Thema für den History Channel, der lügt oder hat keine Ahnung &#8211; beide Optionen sind auch möglich.</div>
<p>Als Basisinformation soll das ausreichen, wer die Geschichten hier und anderswo auch nur ansatzweise verfolgt, weiß, dass zu jenem einzelnen Punkt Ausführungen in Romanlänge geschrieben werden könnten.</p>
<p>Nun die Frage:</p>
<ul>
<li><strong>Was unternimmt der olympische Sport?</strong></li>
</ul>
<p>Bisher so gut wie nichts.</p>
<p>Ach doch, sorry.<span id="more-11367"></span></p>
<ul>
<li>Korrupte FIFA-Funktionäre, der ISL-Schmiergeldbote Jean-Marie Weber und die FIFA haben &#8211; insgesamt &#8211; 8 Millionen Franken (einmal 2,5 Mio, einmal 5,5 Mio) gezahlt, um in <a title="Wie sich korrupte Funktionäre im FIFA-Reich des Joseph Blatter mit Millionen frei kaufen" href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/">Korruptionsverdunklungsverträgen</a> die Namen der Schmiergeldempfänger geheim zu halten.</li>
<li>Zuvor hatte die FIFA in aller Stille ihr Desinteresse an einer Strafermittlung erklärt &#8211; der Untersuchungsrichter setzte seine Arbeit dennoch fort.</li>
<li>Das IOC hat seine Ethikkommission &#8220;ermitteln&#8221; lassen, nachdem Andrew Jennings Ende vergangenen Jahres in der BBC weitere Beweise vorlegen konnte.</li>
<li>Nun werden, vielleicht, zwei IOC-Ganoven verwarnt (Diack und Hayatou). Doch einer der größten Sportbetrüger aller Zeiten, Joao Havelange, kommt ungeschoren davon.</li>
</ul>
<p>Viel mehr an Aktionen seitens des organisierten Sports ist bislang nicht bekannt. Oder kann mir jemand helfen und mein Erinnerungsvermögen auffrischen?</p>
<p>Die <a title="JW auf SpOn" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801905,00.html" target="_blank">Kernfragen</a> in der ISL-Causa lautete nach den jüngsten Entwicklungen (<a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">Rücktritt Havelanges</a> + <a title="live-Blog aus Zürich, Joseph Blatter greint: “Die Institution FIFA ist nicht korrupt”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/21/live-blog-aus-zurich-sepp-mutiert-zum-korruptionsbekampfer/">Blatters Versprechen, die ISL-Einstellungsverfügung offenzulegen</a>):</p>
<ul>
<li>Was hat die IOC-Ethikkommission &#8220;ermittelt&#8221;? Vielleicht gar neue Sachverhalte?</li>
<li>Wie hat die IOC-Ethikkommission die Ausschluss-Empfehlung gegen Havelange begründet?</li>
<li>Hat tatsächlich der damalige FIFA-Generalsekretär Blatter angeordnet, jene 1,5 Mio CHF Bestechungsgeld, die von der ISL irrtümlich auf ein FIFA-Konto überwiesen wurden, unverzüglich auf Havelanges Privatkonto weiterzuleiten?</li>
<li>Wenn das so gewesen wäre: Wird die IOC-Ethikkommission unverzüglich gegen Blatter &#8220;ermitteln&#8221;, was angesichts der im Raum stehenden Summe (der heutige FIFA-Präsident bestreitet derartiges Handeln, andere erinnern sich anders) u. U. auch zum IOC-Rausschmiss führen müsste?</li>
<li>Wird der Vorgang in der Einstellungsverfügung dokumentiert? (Eine meiner Quellen behauptet das. Ich weiß es allerdings nicht.)</li>
</ul>
<p>Wie sieht es also aus?</p>
<p>Zunächst einmal nimmt die FIFA <a title="live aus Zürich, Sepp Blatters Tafelrunde: “Crisis? What is a crisis?”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/19/live-aus-zurich-sepp-blatters-tafelrunde/">eine junge, unlängst von mir weltweit exklusiv begründete Tradition</a> auf und veröffentlicht ebenfalls die <a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/mm/document/affederation/bodies/01/55/27/66/0100_001.pdf" target="_blank">Tagesordnung</a> der Sitzung des Exekutivkomitees (kommende Woche in Tokio).</p>
<p>Zugleich aber <a title="fifa.com" href="http://www.fifa.com/aboutfifa/organisation/news/newsid=1552775/index.html" target="_blank">teilt die FIFA mit</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Joseph S. Blatter confirms ISL file will be published despite objection of involved party</strong></p>
<p>On 21 October 2011, FIFA President Joseph S. Blatter announced his commitment to publish the ISL-ISMM file after receiving the full backing to do so from the members of the FIFA Executive Committee. Today, the FIFA President confirms his determination to publish the file on the ISL-ISMM case despite the fact that legal measures have been taken by one of the parties involved.</p>
<p>These measures request another thorough legal analysis which<strong> will postpone the envisaged publication of the ISL file.</strong></p>
<p>Joseph S. Blatter stated today: “FIFA has been working intensively over the past few weeks with its lawyers and legal team to be able to publish the ISL file at the next meeting of the FIFA Executive Committee in Japan on 17 December 2011. It was my strong will to make the ISL file fully transparent at this meeting. I have now been advised that as a result of the objection of a third party to such transparency it will take more time to overcome the respective legal hurdles. This does not change my stance at all. I remain fully committed to publishing the files as soon as possible as an important part of my many reform plans for FIFA, which include handling the past as well as preparing the future structure of the organisation.”</p>
<p>The reform process has in any case already started and will continue with a view to presenting concrete measures at the 2012 FIFA Congress.</p></blockquote>
<p>Die Veröffentlichung, ein Kernthema der angeblichen Reformen, wird verschoben.</p>
<p>Noch Fragen?</p>
<p>Wer Fragen haben sollte, wende sich bitte an jene Anwaltkanzleien, die in den schmutzigen Deal mit der Zuger Staatsanwaltschaft beteiligt waren (und bis heute sind), <a title="Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">als da wären</a>:</p>
<ul>
<li><a title="Nobel &amp; Hug" href="http://www.nobel-hug.ch/" target="_blank">Nobel &amp; Hug, Rechtsanwälte</a></li>
<li><a title="Schweiger" href="http://www.schweigerlaw.ch/index3.asp" target="_blank">Schweiger, Advokatur Notariat</a></li>
<li><a title="Niedermann" href="http://www.niedermann.com/en/profile/" target="_blank">Niedermann, Rechtsanwälte</a></li>
</ul>
<p>Und nun zum IOC-Präsidenten Jacques Rogge [<em>in den ich vor vielen Jahren mal große Hoffnungen gesetzt hatte, die fast alle enttäuscht worden sind, aber das ist mein Problem</em>].</p>
<p>Rogge wird in der Korruptionscausa ISL-Havelange-FIFA von Nachrichtenagenturen (die das Thema lange Jahre sträflich vernachlässigten und sich an der Aufklärung eigentlich kaum oder gar nicht beteiligt haben) so zitiert:</p>
<p>dpa:</p>
<blockquote><p>Der 95-Jährige sei jetzt «ein privater Bürger», erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge. Die IOC-Ethikkommission hatte wegen Korruptionsvorwürfen gegen Havelange ermittelt. Medienberichte, nach denen der ehemalige Präsident des Fußball-Weltverbandes durch seinen Rückzug einem wahrscheinlichen IOC-Ausschluss zuvorkam, wies Rogge als «pure Spekulation» zurück. «Für mich hat sein Rücktritt mit seiner Gesundheit und seinem Alter zu tun», meinte der Belgier.</p>
<p>Havelange soll in den Bestechungsskandal um die ehemalige Sportvermarktungsfirma ISL verwickelt gewesen sein, hat diese Vorwürfe aber stets bestritten. «Da Herr Havelange kein IOC-Mitglied mehr ist, wird es keine Ermittlungen mehr gegen ihn geben, denn er ist ein privater Bürger», sagte Rogge in einem Reuters-Interview und betonte, der Doyen des IOC habe aus gesundheitlichen Gründen die Ringe-Organisation verlassen. Havelange war seit 1963 im IOC und der letzte Funktionär mit einer Mitgliedschaft auf Lebenszeit.</p>
<p>«Havelange hat mir in einem Brief von Gesundheitsproblemen geschrieben, die ihn von Reisen abhalten», erklärte Rogge. Havelange drohte eine Suspendierung durch die IOC-Exekutive am Mittwoch und Donnerstag in Lausanne: «Pure Spekulationen kommentiere ich nicht», so Rogge, «Joao Havelange hatte schon einige Termine verpasst. Bei der IOC-Session in Durban fehlte er auch.»</p>
<p><em>Quelle: dpa via <a title="sueddeutsche.de" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1245747" target="_blank">sueddeutsche.de</a></em></p></blockquote>
<p>Reuters:</p>
<blockquote><p>&#8220;Havelange sent me a letter saying that he had lately had health issues and that stopped him from travelling and he considered that due to his age and health it stopped him from travelling regularly,&#8221; Rogge told Reuters in an exclusive interview.</p>
<p>Asked whether his resignation two days before the IOC discussed the ethics commission report was an indirect admission of guilt by Havelange, Rogge said that was just speculation.</p>
<p>&#8220;I am not going to comment on what is purely speculation. Joao Havelange already had missed other meetings, in the (IOC) session (in July) he was not there either, he missed major meetings of FIFA.</p>
<p><em>Quelle: Reuters via <a title="Eurosport" href="http://asia.eurosport.com/olympicgames/london-2012/2012/ioc-cancel-probe_sto3054908/story.shtml" target="_blank">Eurosport</a></em></p></blockquote>
<p>Weitere Zitate spare ich mir. Vom he-said-she-said-&#8221;Journalismus&#8221; halte ich nichts.</p>
<p>Es ist einfach eklig. Es ist grauenvoll.</p>
<p>Oops. Da ist mir nun doch ein abwertender Begriff über die Tastatur gekommen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nachwehen der Jugendspiele: Dreier-Basketball wird (ziemlich sicher) olympisch</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/08/26/nachwehen-der-jugendspiele-dreier-basketball-wird-ziemlich-sicher-olympisch/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2010/08/26/nachwehen-der-jugendspiele-dreier-basketball-wird-ziemlich-sicher-olympisch/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 09:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[basketball]]></category>
		<category><![CDATA[fiba]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[klaus schormann]]></category>
		<category><![CDATA[moderner fünfkampf]]></category>
		<category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches programm]]></category>
		<category><![CDATA[patrick baumann]]></category>
		<category><![CDATA[rio de janeiro 2016]]></category>
		<category><![CDATA[singapur 2010]]></category>
		<category><![CDATA[uipm]]></category>
		<category><![CDATA[yog]]></category>
		<category><![CDATA[florian wanninger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=9407</guid>
		<description><![CDATA[IOC-Präsident Jacques Rogge verfolgt mit den Olympischen Jugendspielen mehrere Ziele. Eines lautet: Er will über den Umweg der Youth Olympic Games neue Disziplinen und künftig auch neue Sportarten testen für die echten Olympischen Spiele. „Wir entwickeln neue Formate“, hat er zu Beginn der Premiere in Singapur gesagt, „die sollten wir, wenn sie erfolgreich sind, auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>IOC-Präsident Jacques Rogge verfolgt mit den Olympischen Jugendspielen mehrere Ziele. Eines lautet: Er will über den Umweg der Youth Olympic Games neue Disziplinen und künftig auch neue Sportarten testen für die echten Olympischen Spiele. „Wir entwickeln neue Formate“, hat er zu Beginn der Premiere in Singapur gesagt, „die sollten wir, wenn sie erfolgreich sind, auf die traditionellen Spiele anwenden.“</p>
<ul>
<li>Die <a title="YOG sports 2010" href="http://www.singapore2010.sg/public/sg2010/en/en_sports/en_26sports.html" target="_blank">26 Sportarten der YOG</a> in Singapur</li>
<li><a title="FAZ: Interview mit Jacques Rogge" href="http://www.faz.net/s/Rub734776270C424F488724904F8D09D041/Doc~E312A623F411C4AE5924D99DDAE7A56F7~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">FAZ-Interview</a> mit Jacques Rogge vom 25. August</li>
<li><a title="IOC documents" href="http://www.olympic.org/Documents/Reports/EN/en_report_1391.pdf" target="_blank">YOG Sports Programme, athletes quotas and ages groups</a></li>
</ul>
<p>Der Basketball-Weltverband FIBA ist ein Vorreiter dieser Entwicklung. Die FIBA hat für die Jugendspiele in Singapur einen neuen Wettbewerb kreiert, der an die Wurzeln dieser Sportart geht: Mädchen und Jungs spielten drei gegen drei, eine Art Streetball, <a title="FIBA 33" href="http://en.wikipedia.org/wiki/FIBA_33" target="_blank">FIBA 33</a> genannt. Der Schweizer FIBA-Generalsekretär Patrick Baumann, selbst IOC-Mitglied, sprach stets von einem „realistischen Traum“, dass seine neue Basketball-Variante olympisch werden könnte &#8211; etwa bei einem Hintergrundgespräch mit Rogge im April 2010 in Dubai. Hinter diesem Traum steckt eine Strategie – und die ist erfolgreich: Carlos Nuzman, IOC-Mitglied in Brasilien und Chef des Organisationskomitees der Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro, sagt nun, er wünsche sich so ein Basketballturnier, drei gegen drei, in sechs Jahren an der Copacabana. So wird es kommen, so war es von Rogge geplant.</p>
<p>Man könnte natürlich sagen, Nuzmans Reaktion sei bestellt gewesen, war sie sicherlich, denn Rogge will und muss etwas vorzeigen. Man könnte natürlich auch behaupten: Nur FIBA 33 taugt vorerst fürs große Olympia. Ich sage: Es wird viel mehr passieren.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/26/nachwehen-der-jugendspiele-dreier-basketball-wird-ziemlich-sicher-olympisch/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Spätestens auf der IOC-Session 2013, wenn Rogge das Präsidentenamt an seinen Nachfolger übergibt, wird die Dreier-Variante des Basketballs olympisch, behaupte ich einfach mal. Eigentlich bräuchte es die Session dazu gar nicht, denn das IOC-Exekutivkomitee kann das gemeinsam mit der FIBA beschließen. Voraussetzung wäre allerdings, dass die FIBA gleichzeitig einige Teilnehmer beim herkömmlichen Turnier einspart, um die Aktivenzahl insgesamt nicht groß zu erhöhen. Die Sommerspiele sind auf rund 10.500 Athleten limitiert.</p>
<p>Der Fahrplan sei „logistisch und von der Wettbewerbsstruktur her realistisch“, sagte mir FIBA-Sprecher Florian Wanninger. Dreier-Basketball sei so alt wie das Spiel selbst und wurde vor Jahren bereits von den großen Ausrüstern unterstützt. Die Palette der FIBA-Wettbewerbe werde entscheidend erweitert und große Anreize für den Nachwuchs geschaffen. Außerdem sei Dreier-Basketball billig und gebe kleinen Nationen Chancen auf internationalen Ruhm, erklärt Wanninger:</p>
<blockquote><p>„Das wird eine neue Bewegung und ein neues Werkzeug für unsere Mitglieder und es wird neue Fans zum Basketball locken.“</p></blockquote>
<p>Generalsekretär Baumann sagt, 2012 könnte es die erste Weltmeisterschaft geben, es werde sich eine neue Generation von Spielern entwickeln, ähnlich wie vor Jahren im Beachvolleyball. Rios Organisationschef Carlos Nuzman weiß, wovon er redet: Er kommt aus dem Volleyball und hat die Entwicklung begleitet.</p>
<p>Die Deutsche Presse-Agentur trägt dazu u.a. <a title="Pfälzischer Merkur" href="http://www.pfaelzischer-merkur.de/sz-berichte/sport/Sport;art2820,3397655" target="_blank">hier</a> einige Quotes zusammen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich bin davon begeistert. Es ist unheimlich dynamisch. So hat es auch mit Beachvolleyball begonnen.&#8221;<br />
<em>Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, Vizepräsident des Europäischen Basketball-Verbandes und Chef der Deutschen Sportjugend (u.a.)</em></p>
<p>&#8220;Für mich ist dieses Basketball das Innovativste bei den Spielen.&#8221;<br />
<em>Ulf Tippelt, DOSB-Leistungssportdirektor</em></p></blockquote>
<p>Jacques Rogge hat mit den Jugendspielen, die in wenigen Stunden enden (<a title="YOG TV" href="http://www.youtholympicgames.org/tv_live.asp" target="_blank">hier geht es zur Übertragung der Abschlussfeier</a>), zweifellos Fakten geschaffen. Die Modernisierung des Olympiaprogramms war seit seinem Amtsantritt im Juli 2001 eines seiner wichtigsten Projekte. Damit scheiterte er mehrfach am Widerstand des Establishments – etwa 2002 auf der IOC-Session in Mexiko-City und 2005 auf der Vollversammlung in Singapur. Im Kern wurde das Programm vor mehr als 100 Jahren vom IOC-Gründer Baron de Coubertin geformt. Das IOC hat auf neue Entwicklungen und Trendsportarten selten überzeugende Antworten gegeben. Bei den Winterspielen gelang das besser, etwa mit der Einführung von Snowboard oder zuletzt Skicross. Bei den Sommerspielen aber, wo das Programm viel dichter ist, hat man im Grunde versagt. Die 35 olympischen Sportverbände (derzeit 26, demnächst wieder 28 Sommer/sieben Winter), von denen die meisten ein kolossales Akzeptanzproblem haben und ohne die Millioneneinnahmen aus dem olympischen Marketingprogramm nicht existieren können, hielten stets zusammen und verweigerten sich einer Grundsatzreform.</p>
<p>IOC-Papiere (alle pdf):</p>
<ul>
<li><a title="Evaluation Criteria for Spprts and Disciplines" href="http://www.olympic.org/Documents/Reports/EN/en_report_813.pdf" target="_blank">Evaluation Criteria for Sports and Disciplines</a></li>
<li><a title="Report on the 26 Core Sports for the 2016 Games" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Programme_commission/REPORT_26_CORE_SPORTS_2016_GAMES.pdf" target="_blank">Report on the 26 Core Sports for the 2016 Games</a></li>
<li><a title="Report on the 7 International Federations short-listed for the 2016 Games" href="http://www.olympic.org/Documents/Commissions_PDFfiles/Programme_commission/SEVEN_INTERNATIONAL_FEDERATIONS_SHORT_LISTED_2016_GAMES.PDF" target="_blank">Report on the 7 International Federations short-listed for the 2016 Games</a></li>
</ul>
<p>Blogbeiträge dazu:</p>
<ul>
<li>Juni 2009: <a title="Olympias Programmreform" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/17/olympias-programmreform-transparent-fair-kristallklar/" target="_self">Olympias Programmreform: &#8220;transparent, fair, kristallklar&#8221;?</a></li>
<li>August 2009: <a title="Olympias Programm-Kosmetik" href="http://www.jensweinreich.de/2009/08/14/olympias-programm-kosmetik/" target="_self">Olympias Programm-Kosmetik</a></li>
<li>Oktober 2009: <a title="Akklamation? Nein ..." href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/" target="_self">Akklamation? Nein. Jacques Rogge lässt sich zum IOC-Präsidenten wählen</a></li>
</ul>
<p>Nach lang währenden sportpolitischen Scharmützeln wurden lediglich Softball und Baseball aus dem Programm der Sommerspiele verbannt (ab 2012 in London). Dafür kommen 2016 Golf und eine selten gespielte Rugby-Variante (mit sieben Aktiven) hinzu. Rogge rang der IOC-Session 2007 allerdings Zugeständnisse ab, wonach nun das Executive Board des IOC weitgehend selbständig über neue Disziplinen entscheiden und auch Sportarten zur Aufnahme ins Olympische Programm auswählen darf.</p>
<p>Die Verbände haben die Jugendspiele zunächst nur zögerlich angenommen, dann aber doch in Maßen experimentiert. Die FIBA ist ein Beispiel, andere Verbände führten gemischte Staffeln (Schwimmen) oder Mixed Wettbewerbe (Fechten) ein. Die Kanuten ließen Mann gegen Mann paddeln. Die Wettbewerbe zwischen Kontinental-Teams (u. a. Leichtathletik) und gemischten Nationenteams, die in Singapur ausprobiert wurden, wird es beim großen Olympia allerdings nicht geben. Dort wird weiter strikt in Nationalteams operiert.</p>
<p>Die Modernen Fünfkämpfer mit ihrem deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann gehen wieder einmal voran. Schormann hat seinen Sport, der von Coubertin erfunden wurde, seit Mitte der neunziger Jahre sukzessive erneuert. Damals stand der Fünfkampf – eine Melange aus Laufen, Schwimmen, Schießen, Fechten und Reiten – vor dem Olympia-Aus und damit vor dem Exitus. Schormann knüpfte Allianzen im IOC und unter den anderen Verbänden, vor allem aber revolutionierte er die Sportart. Aus einem behäbigen Fünf-Tage-Wettbewerb ist ein schickes Ein-Tages-Event geworden. In Singapur wurden nun erfolgreich Laser-Pistolen getestet. „Damit kommen sie sogar problemlos durch den Zoll“, sagt Schormann und grinst über seinen neusten Clou. Denn die Frage der Grenzkontrollen ist eine ganz praktische für Waffenbesitzern.</p>
<p>„Die Laser-Pistolen“, teilt der Hesse beschwingt mit, „bauen sie einfach auseinander und dürfen sie sogar auf Flügen im Handgepäck bei sich haben.“ Schormann erfüllt dem IOC-Präsidenten noch jeden Wunsch. Und wer weiß, vielleicht wird er für soviel Folgsamkeit belohnt und erreicht doch noch sein Lebensziel: eine IOC-Mitgliedschaft.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2010/08/26/nachwehen-der-jugendspiele-dreier-basketball-wird-ziemlich-sicher-olympisch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>17</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Höher, schlauer, jünger?</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 12:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[blogging guidelines]]></category>
		<category><![CDATA[britta steffen]]></category>
		<category><![CDATA[deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[dick ebersol]]></category>
		<category><![CDATA[eike emrich]]></category>
		<category><![CDATA[gudrun doll-tepper]]></category>
		<category><![CDATA[helmut digel]]></category>
		<category><![CDATA[ingo weiss]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[joseph blatter]]></category>
		<category><![CDATA[olympia-sponsoring]]></category>
		<category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches marketing]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches programm]]></category>
		<category><![CDATA[singapur 2010]]></category>
		<category><![CDATA[thomas bach]]></category>
		<category><![CDATA[ulf tippelt]]></category>
		<category><![CDATA[walther tröger]]></category>
		<category><![CDATA[yog]]></category>
		<category><![CDATA[johann rosenzopf]]></category>
		<category><![CDATA[kathrin boron]]></category>
		<category><![CDATA[richard pound]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=9360</guid>
		<description><![CDATA[SINGAPUR. Kann man natürlich alles viel besser machen, viel kritischer, viel ausgewogener, viel böser, viel schönfärberischer und überhaupt. Aber so ist mein kleines Fragestück zu den Jugendspielen, an dem ich mit Spaß hektisch gebastelt habe, nun im Deutschlandfunk gesendet worden (knapp 27 Minuten): : Zu Wort kommen: Britta Steffen, Kathrin Boron, Gudrun Doll-Tepper, Jacques Rogge, Thomas Bach, Joseph Blatter, Helmut Digel, Eike Emrich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>SINGAPUR. Kann man natürlich alles viel besser machen, viel kritischer, viel ausgewogener, viel böser, viel schönfärberischer und überhaupt. Aber so ist mein kleines Fragestück zu den Jugendspielen, an dem ich mit Spaß hektisch gebastelt habe, nun im Deutschlandfunk gesendet worden (knapp 27 Minuten):</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_2330_8ac6b877.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Zu Wort kommen: Britta Steffen, Kathrin Boron, Gudrun Doll-Tepper, Jacques Rogge, Thomas Bach, Joseph Blatter, Helmut Digel, Eike Emrich und Ulf Tippelt.</p>
<p>Ich habe noch jede Menge O-Töne, passendere, bessere, kürzere, längere, und habe ja auch mit einigen Sportlern gesprochen. So ist das nun mal. Im Tagesgeschäft Journalismus gibt es Andruck- und Sendezeiten und damit einen Redaktionsschluss. Manches, wie die Pound-Passage, habe ich schon vorher produziert, es passt dennoch gut rein. Die Youth Olympic Games dauern ja noch ein Weilchen, ich hole noch einiges nach, vielleicht bastle ich aus diesem Beitrag hier noch einen längeren, ergänzenden.</p>
<p>Wer nicht hören mag (oben den Player anklicken), der mag vielleicht lesen, einiges habe ich natürlich schon angefügt und ergänzt:</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Der Herzschlag der Jugendspiele. Damit begannen viele Videos, die für die ersten Youth Olympic Games produziert wurden. In Spots auf Youtube und anderen Werbemaßnahmen war auch stets von der DNA der Jugendspiele die Rede. „Trägst Du die DNA der Jugendspiele in Dir?“ wird da gefragt.</p>
<p>YOG-DNA? Wie Michael Phelps?</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Und schon beginnt das Problem.</p>
<p>Denn was ist die DNA der Olympischen Jugendspiele? Heißt das: Höchstleistung wie bei den richtigen Olympischen Spielen?</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>&#8230; so wie es Usain Bolt sagt. Der Fabel-Weltrekordler, der schnellste Mann der Welt, um den sich viele Gerüchte ranken. Der als Botschafter avisiert war für Singapur, aber nun doch nicht kommt.</p>
<p>Oder zählen tatsächlich Bildung und Kultur zur DNA der Spiele?</p>
<p>Selbst Bolt spricht übrigens von Bildung – das ist mittlerweile die offizielle Lesart des Internationalen Olympischen Komitees.</p>
<p>IOC-Präsident Jacques Rogge betrachtet sich als Vater der Jugendspiele. Auch wenn er noch in eine juristische Auseinandersetzung mit dem Österreicher Johann Rosenzopf verwickelt ist, der sagt, er habe Ende der neunziger Jahre ein Konzept von olympischen Jugendspielen an den damaligen IOC-Präsidenten Samaranch geschickt. Er wirft dem IOC Plagiat vor. Rogge kann dagegen vorbringen, dass er schon vor knapp zwanzig Jahren als Chef der Vereinigung der europäischen olympischen Komitees ein kontinentales olympisches Jugendfestival begründet hat.</p>
<p>Fakt ist: Als IOC-Präsident setzte Rogge im Frühjahr 2007 in Windeseile die Olympischen Jugendspiele durch. Das IOC folgte fast kollektiv seinem Vorschlag. Drei Jahre später, kurz vor der Premiere, erklärte der 68 Jahre alte Belgier, er sei aufgeregt wie einst vor dem Kreißsaal. Rogge hat zwei erwachsene Kinder und Enkel.</p>
<blockquote><p>„Grundsätzlich ging es uns bei den Jugendspielen darum, dass wir die Notwendigkeit für Bildung und Aufklärung gesehen haben – in einem Alter, wo die jungen Sportler noch empfänglich sind. Wir wollen ihnen Kenntnisse und Fertigkeiten für ihr Leben vermitteln. Nicht nur im Sport, auch außerhalb des Sports in ihrem ganz normalen Leben, ihren sozialen Beziehungen. Deshalb investieren wir in den Ausbildungsbereich, das ist etwas Neues in der Olympischen Bewegung.</p>
<p>Wir betreiben Doping-Aufklärung, es geht um gesunde Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Krankheitsvorsorge, Umweltschutz – und natürlich geht es um die olympischen Werte wie Respekt, Fairplay und die Einhaltung der Regeln. Sie bekommen jede Menge Möglichkeiten. Es geht darum, ihnen so viel wie möglich für die Zeit nach der Sportkarriere mitzugeben.</p>
<p>Das wollen wir tun. Und wir glauben, dass wir moralisch dafür verantwortlich sind. Wir müssen das tun. Die Olympische Bewegung kann sich nicht nur darauf beschränken, nur Sportereignisse zu organisieren. Wir glauben, dass Sport Bildung ist. Bildung sollten wir den jungen Menschen gerade in dieser Phase angedeihen lassen.“</p>
<p><em>(flüchtig-schnell übersetzt)</em></p></blockquote>
<p>Es ist interessant, wenn Rogge plötzlich davon spricht, das IOC sei für Bildung und Erziehung verantwortlich. Für Ethik und Fairplay. Ausgerechnet das IOC und sein System des olympischen Hochleistungssports, das beständig für negative Schlagzeilen sorgt, um nur die Themenfelder Doping und Korruption zu nennen.</p>
<p>Man kann Rogges Ansatz als anmaßend empfinden. Zumal das IOC in den vergangenen Jahren in kritischen Situationen – ob in der Menschenrechtsfrage bei den Olympischen Spielen in Peking oder beim Dopingproblem – stets darauf bestanden hat, nur für die jeweils sechzehn Tage (plus Eröffnungsfeier) währenden Olympischen Spiele in der Verantwortung zu stehen. Und eben nur für den Sport zuständig zu sein.</p>
<p>Rogge wird sich also selbst untreu. Andererseits: Sein Ansatz mit den Jugendspielen ist, wenn man es wohlwollend betrachtet, eine Art Rückbesinnung auf den IOC-Gründer Pierre de Coubertin. Zurück zu den Wurzeln.</p>
<p>Es fällt auf, dass in den Tagen von Singapur viele IOC-Mitglieder so argumentieren. Als hätten sie ein Skript auswendig gelernt. Und tatsächlich gibt die IOC-Administration ja regelmäßig Argumentationshilfen für die Mitglieder auf. Das war vor zwei Jahren kurz vor den Spielen in Peking so, als sich die Antworten zur Frage der Menschenrechte doch sehr ähnelten. Und das ist jetzt nicht anders.</p>
<p>Joseph Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, <a title="Notizen von den Jugendspielen " href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/13/notizen-von-den-jugendspielen/" target="_self">predigt ebenfalls die Verse</a> des Jacques Rogge.</p>
<blockquote><p>&#8220;Diese Jugendspiele sind sehr wichtig. Weil sie sind eben unter der Bezeichnung respect, education, bringing people together, also sozial-kulturelles Zusammenkommen. Und darum ist es auch für die FIFA sehr wichtig, dass wir hier sind, dass wir nicht mit den großen Mannschaften oder mit den großen Namen der Mannschaften gekommen sind, sondern dass wir die Möglichkeit geben auch den kleinen Verbänden, dabei zu sein, und dass sie sich mischen mit der Jugend der Welt.</p>
<p>Das war ja auch der eigentliche olympische Gedanke von Pierre de Coubertin: Bringt die Jugend zusammen und lasst sie miteinander sprechen. Lasst sie spielen, aber nicht wichtig ist das Siegen, sondern wichtig ist das Mitmachen und Sich-Kennenlernen. Und das ist jetzt für die Jugend die Olympischen Spiele. Und darum haben wir auch beschlossen: Wir wollen diese bringen, die sonst nicht dabei sein können. Also für uns ist es sehr wichtig.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Postulate sind das eine – man kann sie in Singapur an der Wirklichkeit messen. Oder hier verfolgen:</p>
<ul>
<li>Die offizielle Webseite <a title="Singapore 2010" href="http://www.singapore2010.sg/public/sg2010/en.html" target="_blank">Singapore 2010</a></li>
<li>Die <a title="Olympic.org" href="http://www.olympic.org/" target="_blank">IOC-Webseite</a> zum Thema</li>
<li>Die <a title="ebook DOSB Singapur 2010" href="http://ebook-singapur.dosb.de/" target="_blank">Mannschaftsbroschüre</a> des DOSB und dessen <a title="DOSB, Singapur 2010" href="http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-jugendspiele/" target="_blank">Singapur-Schwerpunkt</a></li>
<li>Der Youtube-Kanal <a title="Youtube Singapore 2010" href="http://www.youtube.com/user/singapore2010" target="_blank">Singapore 2010</a></li>
</ul>
<p><a title="Frischzellenkur für das Olympia-Business" href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/11/frischzellenkur-fur-das-olympia-business/" target="_self">Die Spiele laufen</a>, sie wurden von Staatspräsident Sellapan Ramanathan eröffnet. Ein Video dazu kann natürlich nicht mehr eingebettet werden, jedenfalls nicht die offizielle Zusammenfassung der Eröffnungsfeier. Denn die ist rechtlich geschützt.</p>
<ul>
<li><a title="YOG News Access Rules" href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/08/YOG-News-Access-Rules-Singapore-2010.pdf" target="_blank">News Access Rules &#8211; Singapore 2010</a></li>
<li>Weil es zuletzt in <a title="tag Blogging-Guidelines, Internet bei Olympia ... " href="http://www.jensweinreich.de/category/blogging-guidelines/" target="_self">Peking und Vancouver</a> immer mal diskutiert wurde und mitunter für Verwirrung gesorgt hat: <a title="IOC Social Media Blogging and Internet Guidelines for YOG" href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/08/IOC-Social-Media-Blogging-and-Internet-Guidelines-for-YOG-clean.pdf" target="_blank">IOC Social Media, Blogging and Internet Guidelines for persons accredited at the Youth Olympic Games</a></li>
</ul>
<p>Es gab eine große Show in einem schwimmenden Stadion in traumhafter Atmosphäre, viel Pyrotechnik, ein Medley populären Liedguts aus mehreren Jahrzehnten. Kinder tanzten und lachten.</p>
<p>Die Macht der Bilder. So wirkt Olympia. Auch Rogge ist ein Verführer. Man kann ihm vieles nachsagen, aber eines gewiss nicht: Naivität.</p>
<p>Irgendwann wurde ein überdimensioniertes Märchenbuch hereingefahren, dem ein junger Boxer entsprang, der gegen den Teufel ankämpfte, mutig und fleißig blieb – und schließlich das Böse besiegte. Ständig flimmerten Mangas über die Großbildschirme – Bilder von Umweltkatastrophen, Kriegen und der Zerstörung des Regenwaldes.</p>
<p>Gemeinsam lässt sich eine bessere Welt erschaffen – das ist die Botschaft. Garniert mit den olympischen Insignien. Den Ringen, der Fahne, der Hymne – und dem olympischen Feuer, das bis zum 26. August in der Marina Bay brennt. Das „heilige Feuer“, wie die Kommentatorin auf dem IOC-Kanal formulierte.</p>
<blockquote><p>“So the sacred flame from Olympia burns in the night-sky. A guiding light of inspiration for the next 12 days.“</p></blockquote>
<p>Die olympische Marke, das olympische Portfolio wurde mit diesen Jugendspielen erweitert. Darüber haben sich auf dem Rückweg ins noble Ritz-Carlton-Hotel tatsächlich einige Olympier unterhalten.</p>
<p>Darum geht es zunächst einmal. Um die Marke. The Brand. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.</p>
<p>Es ist ein 300 Millionen Euro teueres Experiment &#8211; mit 3.600 Kindern und Jugendlichen aus aller Welt.</p>
<p>Jacques Rogge sagt:</p>
<blockquote><p>“Ich hoffe, dass der Erziehungspart dieser Olympischen Spiele leichter wird als die Erziehung meiner eigenen Kinder. Aber er sei Optimist und glaube an das Konzept, das von allen Aktionären Olympias entwickelt worden sei. Dazu zählen die 205 Nationalen Olympischen Komitees und die derzeit 26 olympischen Sommersportverbände. Man habe sich alle Mühe gegeben, sei sensitiv vorgegangen, werde aber sicher Fehler machen, schließlich würden auch bei den großen Olympischen Spielen nach mehr als 110 Jahren noch Fehler gemacht. Doch der Geist seines, des olympischen Hauses sei: Aus Fehlern lernen und sich stets verbessern.“</p>
<p><em>(flüchtig-schnell übersetzt)</em></p></blockquote>
<p>Auch zwei deutsche Sportwissenschaftler haben in der Vorbereitung der Jugendspiele entscheidend mitgewirkt, in Arbeitsgruppen des IOC und der Organisatoren in Singapur: Gudrun Doll-Tepper aus Berlin und Helmut Digel aus Tübingen. Gudrun Doll-Tepper war lange Jahre Präsidentin des <a title="ICSSPE" href="http://www.icsspe.org/" target="_blank">Weltrates für Sportwissenschaft</a> und ist seit 2006 Vizepräsidentin des Deutschen Sportbundes (DOSB). Sie sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es geht nicht nur um den Sport allein, sondern es geht um den Sport in Verbindung mit etwas. Gesundheit. Bildung und so weiter. Und das denke ich, das ist sozusagen eine Möglichkeit, die da jetzt beschritten wird, da wird man sehen, ob das so funktioniert. Aber ich glaube, dass das zumindest den Versuch lohnt. Und ob man da jetzt in die letzten Ecken der Welt damit kommt, das wird man sehen. Aber die moderne Kommunikation, muss ich auch sagen, das beeindruckt mich schon sehr. Also die jungen Leute sind hier mächtig in Verbindung, digital concierge und was es hier alles gibt. Das scheint die auch alle anzusprechen. Ich habe gestern mir noch einmal die Räume angesehen, wo jungen Leuten, die nicht vertraut sind mit solchen Technologien, wo die da Einführungen bekommen. Das finde ich toll. Das finde ich einfach etwas, wo über den Sport hinaus etwas transportiert wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>IOC-Präsident Rogge hat behauptet, er sei gegen einige olympischen Insignien bei den Jugendspielen gewesen. Doch gegen die Mehrheit im IOC habe er sich nicht durchsetzen können. „Ich habe die große Schlacht gewonnen“, hat Rogge gesagt, „die Jugendspiele wurden eingeführt. Aber ich habe auf dem Weg nach Singapur viele kleine Gefechte verloren. Ich wollte keine Flaggen, Hymnen und Podien. Doch die überwältigende Mehrheit der IOC-Mitglieder hat gesagt: Nein, nein, nein, es soll alles wie bei den traditionellen Spielen sein!“</p>
<p>Nun gibt es Stimmen im IOC, die das Ganze etwas anders darstellen, was wenig schmeichelhaft für Rogge ist. Doch ganz davon abgesehen, ob er ein die Wahrheit beugt, bleibt doch der grundsätzliche Konflikt: Es geht um Medaillen in Singapur – und um Erziehung. In diesem Widerspruch bewegen sich die Jugendspiele.</p>
<blockquote><p>&#8220;Nee, ich sehe darin erstmal keinen Widerspruch, weil ich glaube, dass wir alle letzten Endes auch von Kompromissen leben. Manche Dinge möchte man halt durchsetzen, und wenn man sie durchsetzt, wird man als autoritär bezeichnet. Setzt man sie nicht durch, dann wird man als schwach bezeichnet. Das ist mir sehr vertraut. Ich glaube, dass das durchaus in Ordnung ist, dass man auch so etwas wie eine Premiere durchaus kritisch analysiert und dann seine Auswertung macht. Das werden sicher die Journalisten tun, aber das werden auch diejenigen tun, die wie ich hier jetzt unterwegs sind und mehr aus einer, ich sage jetzt mal pädagogischen oder wissenschaftlichen Perspektive darauf schauen. Also ich bin hier jetzt nicht von irgendjemandem zum Beispiel eingekauft oder ähnliches, sondern es ist mir wirklich auch ein Anliegen, da rauszufinden, was funktioniert oder was funktioniert nicht, und warum ist das so. Und wie kann man daraus irgendwie seine Lehren ziehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Helmut Digel, langjähriger Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und einst einer der Vordenker des deutschen Sports, versucht sich an der Antwort auf eine simple Frage:</p>
<p>Warum braucht die Welt Olympische Jugendspiele?</p>
<blockquote><p>“Also wenn man Jacques Rogge fragt, ich glaube, er hat hier auf diese Frage eine ganz klare Antwort. Er sieht zwei große Probleme. Das eine Problem das hat der Sport selbst. Nämlich dass er mit seinen Werten nicht mehr richtig umzugehen weiß, die er selbst propagiert. Und im Zentrum steht dabei der Dopingbetrug. Aber auch Korruption und die ausufernde Kommerzialisierung sind Probleme des Erwachsenensport, die zumindest den Erwachsenensport unter pädagogischen Gesichtspunkten entschieden infrage stellen. Und er sieht die Gefahr, dass Eltern die Frage aufwerfen: Kann man seine Kinder in diesen Sport schicken, wenn er als Erwachsenensport diese Deformationen aufweist. Und deswegen glaubt er, dass er für dieses Problem selbst ein Zeichen setzen muss.</p>
<p>Das zweite Problem, das ist nicht weniger gravierend. Das ist ein gesellschaftliches Problem aller fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Diese Kinder, die heute aufwachsen, sind einer Konsumwelt ausgesetzt, die dazu führt, dass sie sich kaum noch bewegen. Er als Arzt sieht Adipositas als ein Problem, das zu bekämpfen ist. Und er glaubt, dass der Sport dabei einen wichtigen Beitrag erbringen könnte. Und deswegen möchte er mit diesen Olympischen Spielen gleichsam einen Erziehungsprozess in Gang setzen. Ich habe diesbezüglich meine Zweifel, denn Erziehung ist ein sehr schwieriges Geschäft, und man kann nicht mit Großveranstaltungen Kinder erziehen. Eltern haben schon Probleme, Schulen haben schon Probleme, wenn sie heute Kinder und Jugendliche bilden wollen.“</p></blockquote>
<p>Anderen Branchendenkern, wie etwa Eike Emrich, einst Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), fällt es schwer, derlei Gedankengänge nachzuvollziehen. Auf seine Initiative hin hat der DLV vor drei Jahren, unmittelbar nach der Entscheidung des IOC für die Jugendspiele, <a title="German road races" href="http://www.germanroadraces.de/224-0-2452-dlv-denkt-ueber-boykott-nach-jugendspiele.html" target="_blank">einen Boykott angekündigt</a>.</p>
<p>Emrich erinnert sich:</p>
<blockquote><p>“Also die vornehmlichen Gründe für den DLV waren, dass wir befürchtet haben, dass sich das sportliche Wettrüsten in immer frühere Altersbereiche vorverlagert und dass es künftig, auch wenn es von der olympischen Idee erzählt, faktisch um Medaillen, Nationenvergleiche, Rekordergebnisse und Wettbewerbe unter Kindern und Jugendlichen geht. Und dass einige Nationen die Gelegenheit nutzen werden und in der Folge immer mehr eine Art kleine Olympische Spiele zu machen, in der sich alles sportliches Handeln an der Steigerung von Leistung ausrichtet.“</p></blockquote>
<p>Ähnlich dachten zwei deutsche olympische Stars, als sie zum ersten Mal von den Jugendspielen gehört haben. Die zweifache Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8220;Als ich noch nichts darüber wusste, dachte ich: Oh Gott, jetzt fangen die auch noch damit an. Jetzt werden die jungen Leute verheizt. Hauptsache zu den Olympischen Spielen fahren! Da ist überhaupt kein langfristiger Leistungsaufbau mehr denkbar. Da war ich total negativ eingestellt.&#8221;</p></blockquote>
<p>&#8230; und die viermalige Ruder-Olympiasiegerin Kathrin Boron:</p>
<blockquote><p>“Vor den richtigen Olympischen Spielen heißt es immer, wir wollen dort Deutschland vertreten und die Zeit auch genießen. Aber letzten Endes gucken doch alle auf den Medaillenspiegel. Und der Athlet ist derjenige, der zwischen Baum und Borke steht. Wenn es sich dann hinstellt und sagt: Ich will doch hier nur dabei sein, ist es auch nicht die richtige Aussage. Wobei man bei den Jugendspielen das Drumherum bedenken muss. Und da wird ja auch sehr viel gemacht für die Athleten.&#8221;</p></blockquote>
<p>DOSB-Präsident Thomas Bach hat in Singapur die Losung ausgegeben, die Nationenwertung sei uninteressant.</p>
<blockquote><p>&#8220;Beides ist gleich wichtig. Die sportliche Leistung, das ist das, was die Athleten auch bringen wollen. Aber genauso wichtig sind die inhaltlichen Fragen, sind, dass sie dort sich international verständigen, dass sie Freundschaften schließen, dass sie fremde Kulturen kennenlernen, dass sie andere Sportarten kennenlernen. Sie wollen beides. Und das ist, glaube ich, eine gesunde Mischung. Medaillenspiegel? Der interessiert uns wirklich nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Andererseits: Der DOSB hat Ulf Tippelt zum Chef de Mission gemacht. Und der Sachse ist keinesfalls Bildungs-Referent beim DOSB, sondern Leistungssportdirektor. Er sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Spannende liegt darin, dass halt wirklich die besten Sportler, die wir in Deutschland in den Sportarten haben, hier am Start sind, andererseits aber dieser Wettkampf in der Regel nicht der Jahreshöhepunkt gewesen ist. Das sind in der Regel die Junioren-Weltmeisterschaften oder die Junioren-Europameisterschaften gewesen. Andererseits die Athleten hier aber ein Umfeld vorfinden, das dem Olympischer Spiele gleicht, was die Internationalität betrifft, was das Olympische Dorf betrifft, was die Ablenkung betrifft. Ich persönlich bin der Meinung, auch für den leistungssportlichen Werdegang eines Athleten ist das eine hervorragende Erfahrung. Eben wirklich mal einen anderen Wettkampf zu erleben, als man ihn normalerweise immer hat. Da muss man sich drauf einstellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Medaillenvorgaben habe es nie gegeben, erklärt Tippelt. Obwohl einige Verbände im Vertrauen von recht fordernden Anrufen aus der DOSB-Zentrale berichtet haben.</p>
<blockquote><p>&#8220;Das kann ich mir nicht vorstellen. Es kann Anrufe gegeben haben für die Planung, auch unter anderem für den Präsidenten oder unsere Ehrengäste, wo man gefragt hat: Na, wo rechnet ihr euch was aus? Das kann ich mir vorstellen, das ist wohl auch so gewesen. Aber wir haben um Gottes Willen nicht angerufen und in dem Sinne Leistungsdruck oder Erfolgsdruck auf die Verbände ausgeübt.</p>
<p>Wir haben natürlich bei Verbänden nachgefragt, habt ihr Leute in der Weltspitze, die also in der Weltspitze vorn dran sind, wo man dann sagt, das sind Sportarten, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Finalteilnahme ist. Denn weil, wenn unsere Ehrengäste oder auch der Präsident zum Wettkampf gehen, dann wäre es natürlich schade, wenn dort gerade kein Deutscher mit teilnimmt und im Finale ist.&#8221;</p></blockquote>
<p>Inzwischen hat Britta Steffen umgedacht. Sie sei informiert worden – und sehe das inzwischen etwas anders, sagt sie.</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieser ganzheitliche Ansatz: Es geht eben nicht nur um die Goldmedaille. Das ist nicht die Erfüllung von allem. Und wenn wirklich schon vom Körperlichen her weit entwickelt bist und eben nur in der Jugend die Möglichkeit hast, sportlichen Erfolg zu haben, dann ist das deine Plattform. Während die anderen Richtung große Olympische Spiele streben, eben da ihren Vorteil sehen. Also so ist irgendwie alles abgedeckt, wenn man das positiv sieht. Aber man kann natürlich auch sagen: Ist alles blöd. Das bringt es so mit sich, dass die Medaille immer zwei Seiten hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und von einem Boykott der Jugendspiele durch den DLV ist schon lange keine Rede mehr. Natürlich nehmen deutsche Leichtathleten in Singapur teil. Warum nun doch, Eike Emrich?</p>
<blockquote><p>“Das ist eine Mischung von allem gewesen, nehme ich an. Und natürlich auch das Versprechen des IOC, daraus eine Art Feier der Olympischen Idee zu machen. Völkerverständigung, nationenübergreifende Wettbewerbe und so weiter. Wer sich aber die Wirklichkeit anschaut, sieht, dass zwischen olympischer Idee und Betrieb ja schon heute enorme Klüfte bestehen. Und das wird bei den Jugendspielen genau so werden. Das war sozusagen Gewissensberuhigung. Aber die werden sich in die gleiche Richtung bewegen. Nur wird man hier versuchen, die Jugend der Welt früher an die Olympischen Spiele zu binden. Denn das Interesse der Jugend an diesem Ereignis hatte deutlich abgenommen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die sinkenden TV-Quoten waren ein wichtiger Grund für die Einfürhung der Jugendspiele, über den Jacques Rogge heute nur ungern spricht. Denn die olympische Kundschaft drohte zu vergreisen.</p>
<p>Die Einschaltquoten der Fernsehstationen von den Olympischen Spielen waren alarmierend. Im Vergleich zu Barcelona (1992) oder Atlanta (1996) lagen die Quoten 2004 in Athen in der Kernsportart Leichtathletik unter juvenilen Zuschauern um bis zu 50 Prozent niedriger. Die Jugend interessierte sich kaum noch für die Spiele, und in vielen der 35 olympischen Sportarten, die ohnehin weltweit kaum jemand kennt (etwa Gewichtheben, Rodeln, Bobfahren, Ringen, Moderner Fünfkampf), blieb der Nachwuchs aus.</p>
<p>Im Kern wurde das Programm vor mehr als 100 Jahren vom IOC-Gründer Baron de Coubertin geformt. Das IOC hat auf neue Entwicklungen und Trendsportarten selten überzeugende Antworten gegeben – auch weil sich die Verbände <a title="tag: Olympisches Programm" href="http://www.jensweinreich.de/category/olympisches-programm/" target="_self">kollektiv dagegen stemmten und sich gegenseitig ihren olympischen Status sicherten</a>. Für die <a title=".. die Präsidenten der olympischen Weltverbände" href="http://www.jensweinreich.de/2009/07/24/julio-maglione-und-die-prasidenten-der-olympischen-weltverbande/" target="_self">meisten Sportverbände</a> sind die <a title="Lust und Frust: olympische TV-Milliarden" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/09/lust-und-frust-olympische-tv-milliarden/" target="_self">Überweisungen des IOC aus den olympischen Marketingeinnahmen</a> überlebenswichtig.</p>
<p>Bei den Winterspielen gelangen einige Reformen, etwa mit der Einführung von Snowboard oder zuletzt Skicross. Bei den Sommerspielen aber, wo das Programm viel dichter ist, hat man im Grunde versagt. Darauf hat <a title="Olympias Milliardenmann: Dick Ebersol" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/dick-ebersol-olympias-milliardenmann/" target="_self">Dick Ebersol, Sportchef von NBC Universal</a>, zuletzt etwa bei SportAccord 2009 in Denver energisch hingewiesen &#8211; und damals auch gesagt, das IOC riskiere und teste mit den Jugendspielen nicht genug. Rogge hat die Botschaft verstanden.</p>
<p>Die Jugendspiele sollen nun viele Probleme lösen. Sie sollen die Kids zum Sporttreiben animieren, sie sollen den Sportverbänden Nachwuchs generieren, sollen Olympia hip und attraktiv machen und neue Kundschaft heranwachsen lassen – für Verbände, Fernsehanstalten und Sponsoren: Die Finanziers des Olympiakonzerns verstanden als erste, wie wichtig Rogges Projekt ist.</p>
<p>Rogge hat das IOC finanziell hervorragend aufgestellt. Die Rücklagen steigen kontinuierlich. Da blieben einige Dutzend Millionen für die Promotion der Jugendspiele übrig, die einher geht mit groß angelegten Aktivitäten im Bereich Social Media. Youtube, Facebook, Twitter, Flickr: Hier finden die Jugendspiele statt. Es ist nicht immer professionell, was das IOC dort macht, aber wirkungsvoll, denn die Zugriffszahlen steigen rasant. Und die TV-Quoten stiegen zuletzt auch, was unter anderem daran liegt, das mit China ein neuer Markt mit sehr jungen Zuschauern erschlossen wurde.</p>
<p>Heute stellt Rogge die Lage so dar, als hätte es nie ein Problem gegeben. Das ist natürlich ein bisschen geflunkert.</p>
<blockquote><p>“Die Zahlen sind gut, besonders die Quoten im Bereich der 12- bis 24-jährigen Fernsehzuschauer. Das war bei den Winterspielen Vancouver so – und davor auch in Peking. Wir stehen gut da, besonders seit wir das olympische Programm verändert haben. Die neuen Disziplinen – wie Snowboard, BMX oder Mountainbike – haben viele junge Zuschauer gefunden.</p>
<p>Wir werden diesen Weg weiter gehen. Man muss investieren, auch wenn die Zahlen gut sind und einen zufrieden stellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Womit Rogge kurz vor den ersten Jugendspielen weitere Änderungen im olympischen Programm ankündigte. Erstmals sprach er so klar aus, dass die Jugendspiele letztlich auch ein Testwettbewerb für die großen Spiele sind.</p>
<blockquote><p>“Ich denke, da wird es viele Dinge geben, die wir von den Jugendspielen für die traditionellen Olympischen Spiele übernehmen werden. Es ist vielleicht noch etwas zu früh, darüber zu reden. Aber zum Beispiel die Frage, neue Disziplinen oder neue Formate zu entwickeln. Das sollten wir, wenn es erfolgreich ist, auf die traditionellen Spiele anwenden.&#8221;</p></blockquote>
<ul>
<li>Seine Haltung hat er kürzlich in einem Interview mit der Zeitung Der Tagesspiegel einmal mehr dargelegt: <a title="zeit.de" href="http://www.zeit.de/sport/2010-07/rogge-olympia-jugendspiele?page=all" target="_blank">&#8220;Die Olympischen Jugendspiele sollen den Sport verändern&#8221;</a></li>
</ul>
<p>Man darf davon ausgehen, dass die Programmreform, mit der er mehrfach schwer scheiterte, Rogges letztes großes Ziel als IOC-Präsident ist, bevor er 2013 nach zwölf Jahren Amtszeit satzungsgemäß abtritt.</p>
<p>Helmut Digel glaubt allerdings nicht, dass das einfach wird.</p>
<blockquote><p>“Also ich glaube, dass diese Idee, dass man die Olympischen Jugendspiele benutzen könnte als Erprobungsspiele, als Spielwiese für die internationalen Verbände, dass diese Idee von den Verbänden nicht aufgegriffen wird. Aber auch die Verbände, die beispielsweise drei gegen drei Basketball spielen bei den Jugendlichen, die werden ihre Variante bei den Erwachsenen nicht aufrechterhalten. Oder ihre entsprechende Beachvolleyballvariante wird der Volleyballverband beibehalten. Er wird nicht eine neue Beachvolleyballvariante hinzufügen.</p>
<p>Das Problem ist, wie die Athleten diese Wettkämpfe ausführen, wer im Hintergrund diese Athleten beeinflusst, welche Umwelt der Sport aufgebaut hat, ja welche dubiose Welt im Sport existiert mittlerweile, das ist das Problem. Insofern glaube ich, ist es ein völlig falscher Ansatz, dass man nun glaubt, man müsste den Jugendlichen ihre Trendsportarten anbieten, dann könnte man die Jugendlichen schon für sich gewinnen. Warum die Jugend sich teilweise vom Sport abgewendet hat, das sind ganz andere Gründe. Die Sportarten, die attraktiv für die Jugendlichen gestaltet worden, haben nach wie vor ihre Jugendlichen binden können. Aber sie werden immer nur eine begrenzte Anzahl von Jugendlichen an sich binden. Und das ist auch gut so. Jugendliche haben unterschiedliche Interessen. Die einen wollen Musik machen. Die anderen interessieren sich für Politik. Und es gibt auch Jugendliche, die sich für Leistungssport interessieren. Darin sehe ich nicht das Problem. Das Problem ist, wie der Sport insgesamt auftritt, wie er sich selbst präsentiert und inszeniert, und wie er sich vor allem vervielfältigt, wie er immer umfangreicher, gleichsam imperialistischer wird bezogen auf sein Auftreten. Und hier hätten diese Spiele durchaus ihre Funktion, wenn man ein Gegenmodell im Sinne der Bescheidenheit und im Sinne der Nichtkommerzialisierung hätte setzen kann. Aber da habe ich eben meine Zweifel.</p>
<p>Die Eröffnungsfeier war wahrlich spektakulär. Die Gefahr besteht nun, dass der nächste Ausrichter diese Eröffnungsfeier überbieten möchte. Und dann befinden wir uns wieder im gleichen Zirkel, den man schon bei den anderen Spielen hat beobachten können, dass das Problem des Steigerungsimperativs – eben höher, schneller, weiter – eben der allgemeine Imperativ wird für alles, was den Sport betrifft. Und darin hat er offensichtlich ein Steuerungsproblem. Er kann aus sich selbst heraus keine Stoppregeln mehr formulieren, sondern er ist in einem ständigen Steigerungsprozess. Und das ist vor allem geprägt durch das Geld, denn es geht im Wesentlichen um die Steigerung der Einnahmen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Trotz allem sieht Digel Rogge mit den Jugendspielen auf einem richtigen Weg.</p>
<blockquote><p>“Aber was Jacques Rogge mit diesen Jugendspielen sicher erreicht, dass ist, dass er symbolisch in der Welt des Sports ein Zeichen setzt. Es kommt nicht von ungefähr, dass die meisten ihn kritisieren, dass sie eigentlich gar nicht engagiert mitarbeiten wollen bei diesen Olympischen Jugendspielen. Auch wenn sie einstimmig abgestimmt haben, das ist typisch für den Weltsport, so gibt es doch intern eine große Opposition. Nach wie vor glauben viele Fachverbände, man braucht diese Wettkämpfe nicht. Und das kreative Element, das sich Jacques Rogge von diesen Spielen versprochen hatte, das haben bisher nur einige Verbände erfüllt. Aber immerhin, er hat auch mit der Eröffnungsfeier, mit den Botschaften, zunächst einmal ganz andere Zeichen den Verbänden, den Funktionären, und das ist wichtig, den Funktionären, die in diesen Verbänden Verantwortung übernommen haben, gesetzt. Und er hat damit so etwas wie eine Gegenwelt konstruiert. Ob die sich auf Dauer halten lässt, und ob er damit am Ende sogar Strukturen beeinflusst, das muss man aus der Sicht von heute bezweifeln.&#8221;</p></blockquote>
<p>Größte Zweifel an Idee und Umsetzung der Jugendspiele hatte der Kanadier Richard Pound, einer der wichtigsten und einflussreichsten IOC-Mitglieder der vergangenen Jahrzehnte. Pound hat sich mit seiner offenen Art und dem Kampf gegen Doping und Korruption keine Freunde gemacht im IOC. Aber er bleibt sich treu &#8211; und <a title="Der Jugend nah - und doch so fern ..." href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/16/dick-pound-bleibt-den-jugendspielen-fern/" target="_self">so bleibt er, der einzige Kritiker der Olympischen Jugendspiele, diesem Mini-Olympia fern</a>. Richard Pound zieht einen Familienurlaub vor und kommt nicht nach Singapur, wo bis Ende August fast alle IOC-Mitglieder erwartet werden.</p>
<p>Es wäre heuchlerisch, es wäre verlogen, bei einer Veranstaltung zu erscheinen, die er so vehement kritisiert hatte und von der er immer noch nicht überzeugt ist, teilt Pound mit.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich werde nicht noch mehr Geld des IOC für eine teure Reise zu etwas ausgeben, an das ich nicht glaube!&#8221;</p></blockquote>
<p>Pounds Fernbleiben ist natürlich auch eine Ohrfeige für Rogge. Pound dagegen hat das Konzept schon 2007 auf der IOC-Session in Guatemala in Frage gestellt. Rogge redet unentwegt davon, ein weltweites Bildungs- und Erziehungsprogramm anzubieten. Pound hält entgegen, das IOC erreiche mit den Jugendspielen nicht viel mehr als jene Jugendlichen, die ohnehin schon Sport treiben, also nur eine Elite von vielleicht zwei Prozent. Und Pound hat seine Überzeugung deutlich gemacht, dass er das Dopingproblem durch diese Jugendspiele weiter in die unteren Altersklassen verlagert sieht.</p>
<p>Eike Emrich hat grössten Respekt vor der Entscheidung von Pound. Und er weiß, dass fast alle hohen Sportfunktionäre anders denken:</p>
<blockquote><p>&#8220;Man ist dort, wird gefeiert, begegnet sich gegenseitig. Also man entkoppelt Denken, Reden und Randeln, und das ganze noch damit garniert, dass es angeblich um die olympische Idee geht. Die betrieblichen Entgleisungen muss man sich ja nicht direkt anschauen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Walther Tröger dagegen, IOC-Ehrenmitglied und langjähriger Kollege von Pound, meint, es wäre besser gewesen, Pound hätte sich die Jugendspiele angesehen, um dann seine Kritik fundierter vorzubringen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Das akzeptiere ich auch. Ich bin mit Dick Pound befreundet, seit vielen Jahren, seit den Spielen in Montreal haben wir eine enge Beziehung. Ich habe häufig mit ihm diskutiert, war oft auf seiner Linie, nicht immer, muss ich sagen. Aber ich habe für eine solche Haltung durchaus Verständnis. Nun muss man auch sehen: Ihm sind auch nicht alle Früchte gereift, die er gerne geerntet hätte. Das spielt vielleicht eine Rolle. Aber er ist sehr sachkundig. Er diskutiert zur Sache und er entscheidet zur Sache. Und wenn er der Meinung ist, nein zu sagen und dabei zu bleiben, dann akzeptiere ich das.&#8221;</p></blockquote>
<p>Helmut Digel gehört zu jenen, die zwar kritisieren, aber dann doch stets dabei sind und, wie hier, im Ritz-Carlton logieren. Er war Mitglied des Vorbereitungskomitees und gehört jetzt zu den so genannten Observern, die ihre eigenen Vorbereitungen observen. Über seine Wende vom Kritiker zum Gestalter spricht er u.a. in diesem DLF-Interview mit Astrid Rawohl:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1925_d9721d06.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Und gleich noch ein Interview, mit Ingo Weiss, Chef der Deutschen Sportjugend und Präsident des Deutschen Basketball-Bundes:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1920_19d8368a.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Als gewesener Kritiker und unbequemer Geist hat Digel natürlich Verständnis für Pounds Entscheidung:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich kann ihn verstehen. Ich respektiere auch seine Haltung. Er war für mich in allem ein engagierter und konstruktiver Kritiker. Wenn es um die Gefährdung des Hochleistungssports geht, hat er immer die Probleme beim Namen genannt. Pound ist nicht beliebt in der olympischen Familie. Er hat mehr Gegner als Freunde. Aber die meisten wissen auch, dass ohne Pound heute die Situation des IOC weit gefährlicher wäre. Denn er hat immerhin für die WADA Beispielhaftes geleistet. Und er hat den Antidopingkampf salonfähig gemacht, auch gegenüber der Politik. Und wenn er kritische Zusammenhänge sieht, ich denke, damit muss auch Jacques Rogge leben, dass er solche Kritiker hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Leicht fällt es ihm nicht.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a><br />
<a href="http://flattr.com/thing/50736/Hoher-schlauer-junger-Uber-Sinn-und-Unsinn-Chancen-und-Risiken-der-Olympischen-Jugendspiele" target="_blank"><br />
<img src="http://api.flattr.com/button/button-compact-static-100x17.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
<enclosure url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_2330_8ac6b877.mp3" length="12836864" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1925_d9721d06.mp3" length="3694592" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1920_19d8368a.mp3" length="2122752" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Vancouver, der letzte Tag</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/02/28/vancouver-der-letzte-tag/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2010/02/28/vancouver-der-letzte-tag/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 10:08:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[dosb]]></category>
		<category><![CDATA[eishockey]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[park yong sung]]></category>
		<category><![CDATA[pyeongchang 2018]]></category>
		<category><![CDATA[vancouver 2010]]></category>
		<category><![CDATA[audio]]></category>
		<category><![CDATA[bernhard schwank]]></category>
		<category><![CDATA[deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[koc]]></category>
		<category><![CDATA[michael vesper]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category>
		<category><![CDATA[thomas bach]]></category>
		<category><![CDATA[udiocm]]></category>
		<category><![CDATA[winterspiele 2018]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=7121</guid>
		<description><![CDATA[VANCOUVER. Das Ende naht. In 20 Stunden ist alles vorbei. Für mich gibt es aber noch ein volles Programm. IOC-Session am Morgen (ab 18 Uhr MEZ), dann das Eishockeyfinale und am Abend die Abschlussfeier. Das wird stimmungsvoll. Sollte jemand Interesse an einem bescheidenen Live-Blogging von der Abschlussfeier haben &#8211; bitte melden und in die Kommentarliste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>VANCOUVER. Das Ende naht. In 20 Stunden ist alles vorbei. Für mich gibt es aber noch ein volles Programm. IOC-Session am Morgen (ab 18 Uhr MEZ), dann das Eishockeyfinale und am Abend die Abschlussfeier. Das wird stimmungsvoll. Sollte jemand Interesse an einem bescheidenen Live-Blogging von der Abschlussfeier haben &#8211; bitte melden und in die Kommentarliste eintragen. Bei mehr als 30 Interessenten wird gebloggt, einen Arbeitsplatz mit Internet habe ich bekommen.</p>
<p>Und weil ich gerade so in Stimmung gerate, eröffne ich die Notizen vom letzten Tag dieser Olympischen Winterspiele mit einem Freundschaftsfoto. Andere finden sich bereits in der <a title="Die Kammer des Schreckens" href="http://jensweinreich.de/termine/kammer-des-schreckens/" target="_self">Kammer des Schreckens</a>. Ich komme gerade von einem Empfang des Koreanischen Olympischen Komitees (<a title="KOC" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Korean_Olympic_Committee#Liste_der_Pr.C3.A4sidenten_des_KOC" target="_blank">KOC</a>), wo ich Gelegenheit hatte, eine Weile mit Präsident <strong>Park Yong Sung</strong> zu plaudern. Herr Park war auch mal IOC-Mitglied und Präsident des Judo-Weltverbandes. Nun ist er als NOK-Chef eine treibende Kraft der Olympiabewerbung von Pyeongchang 2018. Weil der Fotograf des Herrn Park ohnehin schwer beschäftigt war, hat er für mich auch gleich noch ein Foto fürs Poesiealbum gemacht.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-7122" title="Park Yong-Sung (r.), Weinreich (l.)" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/park-jw-web.jpg" alt="" width="530" height="282" /></p>
<p>Die Geschichte dazu erzähle ich später. Nur falls jemand fragen sollte, ob es demnächst auch ein Freundschaftsfoto mit dem DOSB-Präsidenten gibt: Ich weiß nicht. Fürchte, dieses Versprechen kann ich gar nicht erst abgeben.</p>
<p>Was es aber hier gibt, und was ich ausnahmsweise <a title="Vancouver, Tag 15: Sechskommanull für Anni Friesinger" href="http://jensweinreich.de/2010/02/27/vancouver-tag-15-sechskommanull-fur-anni-friesinger/" target="_self">wiederhole</a>, damit es nicht untergeht: Die Bilanzen der deutschen Top-Funktionäre aus Vancouver:</p>
<p>Es spricht <strong>Bernhard Schwank</strong>, ehemals NOK-Generalsekretär, heute einer der Geschäftsführer der Münchner Olympia GmbH und Chef de Mission des deutschen Olympiateams in Vancouver:</p>
<p><a title="Schwank Bilanz" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/schwank-bilanz.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Es spricht das <strong>UDIOCM</strong> (FDP):</p>
<p><a title="Bach Bilanz" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/bach-bilanzkl.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Es spricht <strong>Michael Vesper</strong> (Grüne), DOSB-Generaldirektor und Vorsitzender des Aufsichtsrats (!) der Münchner Olympia GmbH:</p>
<p><a title="Vesper Bilanz" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/vesper-bilanz.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Eine Mini-Bilanz von einem Frühstück mit <strong>Jacques Rogge</strong>, zu dem etwa 25 Journalisten aus aller Welt in das Westin Bayshore geladen waren, habe ich bereits für den Deutschlandfunk zusammen gefasst. Ich denke, dazu werde ich heute Abend von der Abschlussfeier noch etwas mehr schreiben.</p>
<p><a title="Bilanz Rogge" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/DLF-Bilanz-Rogge-26022010.mp3" target="_self">:</a></p>
<p><strong>11.50 Uhr:</strong> Dienstbeginn in der Hockey Arena. Habe in der Halle aber leider nur einen Sitz-, keinen Arbeitsplatz. Kann deshalb nicht viel machen. Im Sub-Pressezentrum hat gerade Premier Stephen Harper den Verkehr aufgehalten. Acht schwere Security-Jungs. Die IOC-Session musste ich leider sausen lassen. Problem: Habe die Nacht im Pressezentrum verbracht. War erst nach sieben Uhr im Hotel. Habe kurz überlegt, nach einer heißen Dusche sofort ins IOC-Hotel zu fahren, mich aber dann doch für ein Nickerchen entschieden. Schade eigentlich.</p>
<p>Wie ich sehe, bleibe ich heute Abend bei der Eröffnungsfeier arbeitslos. Nicht genug Interesse.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2010/02/28/vancouver-der-letzte-tag/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>54</slash:comments>
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/schwank-bilanz.mp3" length="6079343" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/bach-bilanzkl.mp3" length="9005163" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/vesper-bilanz.mp3" length="4272923" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/02/DLF-Bilanz-Rogge-26022010.mp3" length="3739189" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Akklamation? Nein. Jacques Rogge lässt sich zum IOC-Präsidenten wählen</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 07:33:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[golf]]></category>
		<category><![CDATA[gunilla lindberg]]></category>
		<category><![CDATA[hassan moustafa]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[juan antonio samaranch]]></category>
		<category><![CDATA[kipchoge keino]]></category>
		<category><![CDATA[kopenhagen 2009]]></category>
		<category><![CDATA[olympischer kongress]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches programm]]></category>
		<category><![CDATA[rio de janeiro 2016]]></category>
		<category><![CDATA[rugby]]></category>
		<category><![CDATA[scheich al-sabah]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele 2016]]></category>
		<category><![CDATA[thomas bach]]></category>
		<category><![CDATA[transparenzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[waca]]></category>
		<category><![CDATA[welt-anti-korruptions-agentur]]></category>
		<category><![CDATA[willem alexander]]></category>
		<category><![CDATA[ethik-kommission]]></category>
		<category><![CDATA[fdp]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[olympic congress]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[udiocm]]></category>
		<category><![CDATA[wahlen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=5541</guid>
		<description><![CDATA[Ich denke mal, in diese Lage wird das UDIOCM (FDP) nie wieder kommen. Thomas Bach (Zweiter von links/Screenshot IOC-TV) hat gerade dieses Wahlprotokoll unterschrieben, obgleich es doch viel spannender gewesen wäre, wenn einer &#8211; er zum Beispiel &#8211; gegen den Alleinkandidaten angetreten wäre: IOC-Präsident Jacques Rogge mochte seine zweite Amtszeit nicht per Akklamation antreten. Er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5542" title="IOC-Präsidentenwahl 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/bach-unterschrift.jpg" alt="" width="500" height="287" /></p>
<p>Ich denke mal, in diese Lage wird das UDIOCM (FDP) nie wieder kommen. Thomas Bach (Zweiter von links/<em>Screenshot IOC-TV</em>) hat gerade dieses Wahlprotokoll unterschrieben, obgleich es doch viel spannender gewesen wäre, wenn einer &#8211; er zum Beispiel &#8211; gegen den Alleinkandidaten angetreten wäre:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5543" title="Wahlergebnis Jacques Rogge" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/vote-rogge.jpg" alt="" width="500" height="553" /></p>
<p>IOC-Präsident Jacques Rogge mochte seine zweite Amtszeit nicht per Akklamation antreten. Er bestand auf einer Abstimmung. Und so wird er, der im Juli 2001 am 81. Geburtstag seines Vorgängers Samaranch zum ersten Mal gewählt wurde, nun bis 2013 als IOC-Chef amtieren.</p>
<p>Der alte Präsident Samaranch (l.), der Amtsinhaber (r.) und derjenige, der gern auf den Thron will und nicht die schlechtesten Chancen hat:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5544" title="Samaranch, Bach, Rogge" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/jas-bach-rogge.jpg" alt="" width="500" height="331" /></p>
<p>Es wird weiter gewählt im IOC.</p>
<p>Das nenne ich übrigens mal ein klare Antwort auf die Frage, ob der Sport eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur braucht!</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Kip Keino hat sich auch noch geäußert:</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Willem-Alexander Claus George Ferdinand van Oranje-Nassau, Prinz von Oranien, Prinz der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau, Herr von Amsberg kam heute übrigens zu spät zur Präsidialwahl. Er entschuldigte sich öffentlich, sagte, er sei gestern zu früh verschwunden, weshalb er nicht mitbekommen habe, dass es heute schon um 8.30 Uhr beginnt und nicht erst um 9 Uhr wie an den anderen Tagen. Er kam erst, als Rogge schon bestätigt war. &#8220;Der Präsident hätte meine Stimme bekommen&#8221;, sagte Willem-Alexander. Peinlich zwar, die Nummer, aber er steht zu seinen kleinen Schwächen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5550" title="Prince of Orange" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/willem-tv.jpg" alt="" width="500" height="279" /></p>
<p>Und hier, nur so, zwei Kameraden, die doch ebenfalls als Stammgäste bezeichnet werden können in diesem Theater: <a title="tag: Hassan Moustafa" href="http://jensweinreich.de/?cat=258" target="_self">Hassan Moustafa</a>und sein Boss <a title="tag: Scheich Al-Sabah" href="Willem-Alexander Claus George Ferdinand van Oranje-Nassau, Prinz von Oranien, Prinz der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau, Herr von Amsberg. Danke." target="_self">Scheich Al-Sabah</a>. Bestimmt haben sie die Raucherpause genutzt, um über Ethikfragen zu debattieren:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5551" title="Hassan Moustafa, Scheich Al-Sabah" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/hassan-al-sabah.jpg" alt="" width="500" height="326" /></p>
<p><strong>11.48 Uhr:</strong> Das <a title="tag: Olympisches Programm" href="http://jensweinreich.de/?cat=1529" target="_self">Programm</a> für die Olympischen Sommerspiele in <a title="tag: Rio de Janeiro 2016" href="http://jensweinreich.de/?cat=1083" target="_self">Rio 2016</a> steht (fast). Zunächst galt es, diese Frage zu beantworten:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5553" title="Sportarten 2016" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/sportarten.jpg" alt="" width="500" height="366" /></p>
<p>Ergebnis: 85 Ja-Stimmen &#8211; 8 Nein-Stimmen. Nun wird noch über Golf und Siebener-Rugby abgestimmt. Zuvor aber präsentieren sich beide ein letztes Mal. Jeder darf 20 Minuten. Golf beginnt.</p>
<p>Oh Gott, <a title="Ekstra Bladet" href="http://ekstrabladet.dk/sport/anden_sport/anden_sport/article1236555.ece" target="_blank">Ekstra Bladet</a> begrüt das neue IOC-Mitglied, den dänischen Kronprinzen Frederik.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5555" title="Ekstra Bladet" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/ekstra-bladet-frederik.gif" alt="" width="500" height="304" /></p>
<p><strong>13.43 Uhr:</strong> GOLF und RUGBY-seven sind olympisch. Golf mit 63:27 Stimmen. Die Rugby-Variante mit sieben Spielern kommt mit 81:8 Stimmen durch.</p>
<p>to be continued</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/10/09/akklamation-nein-jacques-rogge-lasst-sich-zum-ioc-prasidenten-wahlen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>27</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Olympia-Milliarden: “We are less dependent on economical downturn&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/10/07/olympia-milliarden-we-are-less-dependent-on-economical-downturn/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2009/10/07/olympia-milliarden-we-are-less-dependent-on-economical-downturn/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 08:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[andrew jennings]]></category>
		<category><![CDATA[credit crunch]]></category>
		<category><![CDATA[dmitri kosak]]></category>
		<category><![CDATA[dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[fifa]]></category>
		<category><![CDATA[finanzierung von mega-events]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[isl/ismm]]></category>
		<category><![CDATA[issa hayatou]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[jean-marie weber]]></category>
		<category><![CDATA[kopenhagen 2009]]></category>
		<category><![CDATA[olympia-sponsoring]]></category>
		<category><![CDATA[olympic journalists association]]></category>
		<category><![CDATA[olympischer kongress]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches marketing]]></category>
		<category><![CDATA[sotschi 2014]]></category>
		<category><![CDATA[top-programm]]></category>
		<category><![CDATA[winterspiele]]></category>
		<category><![CDATA[caf]]></category>
		<category><![CDATA[dmitri tschernytschenko]]></category>
		<category><![CDATA[fernsehrechte]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[oja]]></category>
		<category><![CDATA[olympic congress]]></category>
		<category><![CDATA[schamil tarpischtschew]]></category>
		<category><![CDATA[sponsoring]]></category>
		<category><![CDATA[steuermittel]]></category>
		<category><![CDATA[witali smirnow]]></category>
		<category><![CDATA[wladimir putin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=5493</guid>
		<description><![CDATA[Moin. Heute mal kein Einbruch in mein Auto &#8211; hoffe ich jedenfalls, es steht noch in der Werkstatt Ebbe Elmer Biler A/S. Ich habe schon gestern Abend beschlossen, mich nicht länger aufzuregen und hatte ja einen unterhaltsamen Abend an der Marriott-Bar. Heute morgen zunächst ein Kaffee bei Dmitri Tschernyschenko, Organisationschef der Winterspiele 2014 in Sotschi, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Moin. Heute mal kein <a title="Scherben, Ärger, Polizei" href="http://jensweinreich.de/?p=5481" target="_self">Einbruch in mein Auto</a> &#8211; hoffe ich jedenfalls, es steht noch in der Werkstatt Ebbe Elmer Biler A/S. Ich habe schon gestern Abend beschlossen, mich nicht länger aufzuregen und hatte ja einen unterhaltsamen Abend an der Marriott-Bar. Heute morgen zunächst ein Kaffee bei Dmitri Tschernyschenko, Organisationschef der <a title="tag: Sotschi 2014" href="http://jensweinreich.de/?cat=424" target="_self">Winterspiele 2014 in Sotschi</a>, der in diesem Moment vor der IOC-Session einen Vortrag hält. In Kurzfassung: Alles paletti in Sotschi, alles bestens!</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;We are less dependent on economical downturn! Our Prime Minister Wladimir Putin told us: Enjoy the green light in running the project!&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Live aus der Session, die offiziellen Zahlen:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5494" title="Sotschi Budget, Oktober 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/sochi-budget-07102009.jpg" alt="" width="500" height="408" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5495" title="Sotschi Sponsoring, Oktober 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/sotschi2.jpg" alt="" width="500" height="408" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5496" title="Sotschi, Sponsoren, Oktober 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/sochi3.jpg" alt="" width="500" height="408" /></p>
<p>Sotschis Präsentation musste eine Kaffeepause vorgeschaltet werden, weil Olympiaminister Dmitri Kosak sich verspätete. Kosak im Gespräch mit den russischen IOC-Mitgliedern Witali Smirnow und Schamil Tarpischtschew (einst Tennislehrer von Boris Jelzin und verantwortlich für den Verlust von <a title="BLZ: Die Absahner" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2001/0714/magazin/0002/index.html" target="_blank">einigen Milliarden Dollar aus dem so genannten Wodka-Fond</a>):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5498" title="Smirnow, Tarpischtschew, Kosak" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/smirnow-tarp-kosak.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Und hier noch die aktuellen Zahlen, schneller als Nachrichtenagenturen :) zum IOC-Vermögen und zu den Einnahmen des Olympiakonzerns, die IOC-Präsident Jacques Rogge vorhin präsentierte.</p>
<p><strong><span id="more-5493"></span>TV-Einnahmen </strong>(USA und europäische Binnenmärkte wie Deutschland sind für 2014/16 noch nicht verkauft, das wird aber kein riesieges Problem)</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5502" title="ioc-tv-07102009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/ioc-tv-07102009.jpg" alt="" width="500" height="338" /></p>
<p><strong>Sponsorenprogramm TOP</strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5503" title="ioc-marketing-07102009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/ioc-marketing-07102009.jpg" alt="" width="500" height="363" /></p>
<p><strong>IOC-Rücklagen</strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5504" title="ioc-ruecklagen-06102009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/ioc-ruecklagen-06102009.jpg" alt="" width="500" height="343" /></p>
<p>Wenn es um Geld geht, darf er auf der IOC-Session nicht fehlen:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5501" title="Hayatou, JMW" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/10/dsc05908.jpg" alt="" width="500" height="342" /></p>
<p>IOC-Mitglied und FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou im trauten Gespräch mit Jean-Marie Weber. Aber das ist mal eine andere Geschichte :) Wir haben ja in den vergangenen Tagen erfahren, dass viele IOC-Mitglieder noch nie vom <a title="tag: ISL/ISMM, Korruption" href="http://jensweinreich.de/?cat=59" target="_self">ISL-Bestechungsskandal</a>gehört haben.</p>
<p><strong>10.39 Uhr:</strong> Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass vor mir auf den Presseplätzen zwei Kollegen sitzen, die unterschiedlicher kaum sein können: <a title="tag: Andrew Jennings" href="http://jensweinreich.de/?cat=18" target="_self">Andrew Jennings</a> und Jean-Marie Weber (<a title="cat: Olympic Journalists Association" href="http://jensweinreich.de/?cat=1514" target="_self">OJA</a>).</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/10/07/olympia-milliarden-we-are-less-dependent-on-economical-downturn/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>10</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Diack macht ernst: IAAF-Präsident bis ins neunte Lebensjahrzehnt</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/08/15/diack-macht-ernst-iaaf-prasident-bis-ins-neunte-lebensjahrzehnt/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2009/08/15/diack-macht-ernst-iaaf-prasident-bis-ins-neunte-lebensjahrzehnt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 08:29:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[berlin 2009]]></category>
		<category><![CDATA[berlin-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[iaaf]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[lamine diack]]></category>
		<category><![CDATA[nawal el moutawakel]]></category>
		<category><![CDATA[sebastian coe]]></category>
		<category><![CDATA[sergej bubka]]></category>
		<category><![CDATA[leichtathletik]]></category>
		<category><![CDATA[leichtathletik-wm]]></category>
		<category><![CDATA[london 2012]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=4674</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt Momente im Leben, die sollte man einfach beschreiben. Sportpolitik wird selten so lebendig und nachvollziehbar, wie am Freitagmittag im Hotel Interconti in Berlin. Vor allem spielt sich Sportpolitik selten so öffentlich ab. In den Hauptrollen: Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sowie zwei hochdekorierte Olympiasieger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-4673" title="Coe, Diack, Bubka - Berlin, 14. August 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/diack-coe-bubka-berlin-2009.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="252" height="415" align="left" />Es gibt Momente im Leben, die sollte man einfach beschreiben. Sportpolitik wird selten so lebendig und nachvollziehbar, wie am Freitagmittag im Hotel Interconti in Berlin. Vor allem spielt sich Sportpolitik selten so öffentlich ab. In den Hauptrollen: Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sowie zwei hochdekorierte Olympiasieger und Multifunktionäre, Sebastian Newbold Coe und Sergej Nasarowitsch Bubka. Coe und Bubka bemühen sich seit Jahren um die Rolle des Kronprinzen in der IAAF, die noch einflussreichere Positionen verheißt &#8211; zum Beispiel im IOC.</p>
<p>Am Tag vor Weltmeisterschaften in der olympischen Kernsportart treffen sich traditionell die Vorstände von IAAF und IOC. Das ist in Berlin nicht anders. Die Pressekonferenz von Rogge und Diack ist für 12.30 Uhr terminiert. Um 12.28 Uhr betritt Sebastian Coe mit einer Beraterin den Saal. Lord Coe ist Olympiasieger (1980 und 1984 über 1500 Meter), Organisationschef der Olympischen Sommerspiele 2012 in London und IAAF-Vizepräsident. Das reicht ihm nicht. Er will IAAF-Präsident werden und sich dadurch eine der ex-officio-Mitgliedschaften im IOC sichern. Coe positioniert sich strategisch günstig im Raum. Als wenig später der Senegalese Lamine Diack in weißem Gewand durch eine Seitentür tritt, ist er routiniert zur Stelle, wieselflink und leichtfüßig, wie einst im unwiderstehlichen Spurt auf der Zielgeraden. Schon steht Coe neben Diack, tätschelt dessen Schulter und schnattert auf ihn ein.</p>
<p>Coes Rivale ist der Ukrainer Sergej Bubka, Olympiasieger 1988 im Stabhochsprung, noch immer Weltrekordler, ebenfalls IAAF-Vize und zugleich IOC-Mitglied. Er kommt drei Minuten später. Coe und Bubka üben Smalltalk, posieren für die Fotografen. Die dritte Kandidatin aber fehlt: Die Marokkanerin Nawal El Moutawakel, Olympiasiegerin 1984 über 400 Meter Hürden, Mitglied in den Vorständen von IOC und IAAF, hält sich lieber im Hintergrund. Sie sitzt draußen in der Lobby und arbeitet ihre Gesprächslisten ab.</p>
<p>Coe und Bubka glauben, das Spiel zu beherrschen.</p>
<p>Der Pressetermin beginnt. IOC-Boss Rogge skizziert grob die Inhalte des gemeinsamen Meetings. Diskutiert wurde etwa über Blutprofile und Blutkontrollen. IOC und IAAF wollen mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sicherstellen, dass künftig alle Dopingkontrolllabors Blutanalysen durchführen können. Blutkontrollen soll es auch in Afrika geben, wo derzeit zwei Labors arbeiten, in Südafrika und Tunesien. Es ist die Stunde der Versprechen, Entscheidungen sind nicht zu verkünden. „Es tut mir leid, dass ich ihnen nur gute Nachrichten überbringen kann&#8221;, sagt Rogge und grinst.</p>
<p>Nun ist Diack an der Reihe. Er referiert, was ihm sein Kommunikationschef aufgetragen hat, sprich über das „mystische Olympiastadion&#8221;, über das olympische Duell 1936 im Weitsprung zwischen Jesse Owens und Luz Long, deren Nachfahren bei der WM kommende Woche die Weitsprung-Medaillen übergeben sollen. Was man halt so sagt, um für die eigene Veranstaltung zu werben. Wenigstens vergisst er, über Superstars der Szene und seinen sehnlichen Wunsch nach Weltrekorden zu reden. Kein Wort zu Usain Bolt. Wenige Minuten zuvor hat die IAAF noch per Kommuniqué bestätigt, dass es auch in Berlin zwei Sponsoren für jede Weltbestmarke 100.000 US-Dollar zahlen. Weltrekorde und Stars &#8211; darauf basiert Diacks dürre Philosophie, die Leichtathletik zu verkaufen.</p>
<p>Plötzlich wird es spannend.</p>
<p><span id="more-4674"></span>Ein Reporter fragt, ob es stimme, dass er 2011 nicht abtreten, sondern vier Jahre dranhängen wolle. Diack spricht nicht besonders gut Englisch, zudem hat man selten den Eindruck, dass er aufmerksam zuhört. Sein Sprecher Nick Davies aber hört alles. Er übersetzt dem Chef die Frage ins Französische. Dann passiert Erstaunliches: Diack antwortet in Englisch. Putzmunter teilt er mit: „Ja, das ist möglich. Mir geht es momentan gut. Wenn meine Gesundheit mitspielt, kann ich mir das vorstellen.&#8221;</p>
<p>Unruhe im Saal. Bubka und Coe schauen bedröppelt. Sie lachen nicht mehr. Sie haben verstanden. Zwar schiebt Diack nach, sollte er doch abtreten, stünden gewiss gute Nachfolger bereit. Doch die Botschaft macht dem ehrgeizigen Duo Sorgen. Kurz darauf, nach der Pressekonferenz, tun die Präsidentschaftsanwärter so, als könnten sie sich nicht an Diacks Worte erinnern. Bubka, der ohnehin nicht gern mit Journalisten redet, brummelt etwas wie: „Diack ist ein guter Präsident.&#8221; Coe herrscht den Fragesteller regelrecht an: „Tatsächlich? Hat er gesagt, dass er weiter macht? Ich beteilige mich nicht an Spekulationen.&#8221;</p>
<p>So spekulativ scheint die Debatte nicht zu sein. Sportfürsten belieben nicht zu scherzen, wenn es um alles geht &#8211; um die Macht.</p>
<p>Lamine Diack, der ehemalige Weitspringer, ist stets stolz auf seine Fitness. Auf seine Manneskraft sowieso, er spricht gern von seinen fünfzehn Kindern. Beim nächsten IAAF-Kongress 2011 in Daegu (Südkorea) wäre er 78 Jahre alt, dass er dann vier Jahre bis ins neunte Lebensjahrzehnt verlängert, dürfte seit Freitagmittag geklärt sein. Unternehmungslust im reifen Alter liegt voll im Trend der Branche. Schließlich will einer von Diacks IOC-Kollegen, FIFA-Präsident Joseph Blatter, derzeit 73, in zwei Jahren ebenfalls verlängern &#8211; und mindestens bis 2015 amtieren.</p>
<p>Diack kam im November 1999 ins Amt. Nach dem Tod des langjährigen IAAF-Chefs Primo Nebiolo führte er den Verband zunächst interimsmäßig. Im Sommer 2001 wurde er in Edmonton zum ersten Mal regulär gewählt. Er hat seinen Laden im Griff &#8211; aber er setzt inhaltlich kaum Akzente. Gewiss, die IAAF investiert relativ viel Geld in die Entwicklungshilfe. Ansonsten aber dominiert Diacks hohles, von Superlativen gespicktes Gerede.</p>
<p>Helmut Digel, IAAF-Councilmitglied, hat Diacks Ankündigung, sich nicht vom Chefsessel trennen zu wollen, live miterlebt. Er schüttelt den Kopf. Allerdings mag er auf die Bitte, die Ära Diack zu umschreiben, keine Antwort geben. Er hat den Chef zu oft kritisiert, er will seine Zeit in der IAAF stressfrei ausklingen lassen. „Ich habe meinen Frieden mit ihm geschlossen&#8221;, sagt Digel.</p>
<p>Das können andere noch nicht behaupten. Coe, Bubka und El Moutawakel müssen die neue Lage erst einmal analysieren.</p>
<p><small>Erschienen in der Berliner Zeitung: &#8220;<a title="BLZ vom 15. August 2009" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0815/leichtathletikwm/0013/index.html" target="_blank">Erbschleicher unter sich</a>&#8220;</small></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/08/15/diack-macht-ernst-iaaf-prasident-bis-ins-neunte-lebensjahrzehnt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>10</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Olympias Programm-Kosmetik</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/08/14/olympias-programm-kosmetik/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2009/08/14/olympias-programm-kosmetik/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2009 09:06:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[berlin 2009]]></category>
		<category><![CDATA[berlin-tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[doping]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[london 2012]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches programm]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[sommerspiele 2016]]></category>
		<category><![CDATA[aiba]]></category>
		<category><![CDATA[baseball]]></category>
		<category><![CDATA[boxen]]></category>
		<category><![CDATA[ching-kuo wu]]></category>
		<category><![CDATA[don porter]]></category>
		<category><![CDATA[golf]]></category>
		<category><![CDATA[inlineskating]]></category>
		<category><![CDATA[kanu]]></category>
		<category><![CDATA[karate]]></category>
		<category><![CDATA[leichtathletik-wm]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category>
		<category><![CDATA[reiten]]></category>
		<category><![CDATA[rugby]]></category>
		<category><![CDATA[schwimmen]]></category>
		<category><![CDATA[softball]]></category>
		<category><![CDATA[squash]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=4660</guid>
		<description><![CDATA[Bevor ich es mir morgen im Stadion gemütlich mache und hier während der WM regelmäßiger zur Sache gehe, noch schnell ein Nachtrag zur Sitzung des IOC-Exekutivkomitees gestern in Berlin und zu den Beschlüssen zum olympischen Programm. (Aus Zeitgründen kann ich nicht umfangreicher verlinken, sorry.) Die Sperren für die Olympia-Reiter von Peking wurden übrigens &#8220;ratifiziert&#8221;, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich es mir morgen im Stadion gemütlich mache und hier während der WM regelmäßiger zur Sache gehe, noch schnell ein Nachtrag zur Sitzung des IOC-Exekutivkomitees gestern in Berlin und zu den Beschlüssen zum <a title="tag: Olympisches Programm" href="http://jensweinreich.de/?cat=1529" target="_self">olympischen Programm</a>. <em>(Aus Zeitgründen kann ich nicht umfangreicher verlinken, sorry.)</em></p>
<ul>
<li>Die Sperren für die Olympia-Reiter von Peking wurden übrigens &#8220;ratifiziert&#8221;, wie es im olympischen Sprachgebrauch heißt: Hier geht es zur <a title="Peking-Dopingfälle: &quot;some elements of answer&quot;" href="http://www.olympic.org/uk/news/media_centre/press_release_uk.asp?release=3093" target="_self">Liste der Peking-Dopingfälle</a> und hier gibt es alle aktuellen <a title="IOC: Sanktionen für Olympiareiter von Peking" href="http://www.olympic.org/uk/news/media_centre/press_release_uk.asp?release=3093" target="_self">IOC-Informationen mitsamt der Protokolle</a> (als pdf).</li>
</ul>
<p>Jacques Rogge verkündete die Botschaft kurz und schmerzlos. Länger als gewöhnlich hatte die Sitzung des IOC-Exekutivkomitees im Berliner Hotel Interconti gedauert. Die Herrschaften wirkten gestresst, als sie einer nach dem anderen vor der Pressmeute flüchteten. Als Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dann mit einigen Minuten Verspätung zur Pressekonferenz erschien, sagte er zunächst nur: „Wir haben zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Wir haben Frauen-Boxen ins Programm der Sommerspiele 2012 aufgenommen. Wir schlagen Rugby und Golf für 2016 vor. Fragen bitte!&#8221;</p>
<p>Auf diese Mitteilung hat die Olympische Bewegung nun mehr als vier Jahre gewartet. Zwei von 28 Sommersportarten waren 2005 in Singapur von der IOC-Session abgewählt worden: Softball und Baseball. Sieben Sportarten wollten für 2016 ins Programm: Softball, Baseball, Rugby, Golf, Inlineskating, Squash und Karate. Nur zwei dieser sieben Weltverbände dürfen nun weiter hoffen. Die IOC-Vollversammlung muss im Oktober in Kopenhagen mit einfacher Mehrheit über Rugby und Golf entscheiden. Ausgerechnet Rugby, Rogge war einst belgischer Nationalspieler. Auch deshalb, weil seine Liebe zum Rugby bekannt ist, betonte Rogge einmal mehr, dass er bei derlei Entscheidungen nicht abstimmt.</p>
<p>Nach einem jahrlangen Ringen der sieben Weltverbände, nach einer viele Millionen Dollar teuren PR-Kampagne, lag es also in der Macht von vierzehn IOC-Vorständlern, über die Zukunft ganzer Sportler-Generationen zu entscheiden. Hochinteressant dabei, dass Golf, oft als Sport der alten Männer verspottet, in den ersten beiden Wahlgängen nur eine Stimme erhielt. <a title="Protokoll der IOC-Abstimmung" href="http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_1453.pdf" target="_blank">Rugby setzte sich schnell durch</a>, eliminiert wurden dann in dieser Reihenfolge: Inlineskating, Squash, Baseball, Karate, Softball &#8211; bis Golf als zweiter Sieger übrig blieb.</p>
<p><span id="more-4660"></span>„Wir haben alles versucht&#8221;, sagte ein tieftrauriger Softball-Präsident Don Porter (USA), der schon 2005 unterlegen war. Rogge argumentierte, nach dem Abschied von Softball (das Olympiaturnier wurde mit 120 Frauen gespielt) wachse  mit Rugby (144 Frauen) und Golf (60 Frauen) der weibliche Anteil an Olympiasportlern. „Ich sehe das anders&#8221;, sagte Porter: „Das IOC hätte es leichter haben können. Als wir vor Jahren unser Feld aufstocken wollten, haben sie es nicht erlaubt.&#8221; Porter will nun die Basis seines Sports stärken und sich auf die Qualität internationaler Meisterschaften konzentrieren, bevor es wieder um die Olympiateilnahme geht. Andere Verbandspräsidenten äußerten sich ähnlich.</p>
<p>Rogge hielt ausdrücklich fest, dass Golf und Rugby noch nicht am Ziel sind. „Wir haben nur etwas vorgeschlagen, die IOC-Session hat das letzte Wort.&#8221; Entschieden hat das Exekutivkomitee allerdings die Aufnahme von Frauen-Boxen schon für London 2012: Es wird eine Männer-Gewichtsklasse gestrichen &#8211; dafür kommen drei Frauen-Klassen mit je acht Boxerinnen hinzu. Ursprünglich wollte der Box-Weltverband AIBA fünf Gewichtsklassen. Rogge erinnerte an das Beispiel Ringen, wo einst auch in drei Klassen Frauen begannen. AIBA-Präsident Ching-Kuo Wu (Taiwan) fügte sich. Wu, selbst IOC-Mitglied, passte seine Wünsche stets den Maßgaben der IOC-Führung an und freute sich diebisch: „Das ist nur der erste Schritt!&#8221;.</p>
<p>Die Wünsche vieler Verbände &#8211; es lagen Anträge aus siebzehn Föderationen vor &#8211; wurden nicht erfüllt. Ringer, Radfahrer, Schwimmer und andere stellten sich ungeschickt an. Sie wollten ihr Programm für London beträchtlich ausweiten. Rogge machte klar, dass über den beiden Quoten &#8211; rund 300 Entscheidungen, etwa 10.500 Sportler bei Sommerspielen &#8211; nichts läuft. Wenn also der Schwimm-Weltverband (FINA) drei weitere 50-Meter-Sprints und je eine Langstrecke bei Männern und Frauen im Programm haben will, gibt es nur eine Lösung: „Sie müssen etwas anderes streichen.&#8221;</p>
<p>Die aus deutscher Sicht wichtige <a title="IOC: Programmänderungen für London 2012" href="http://www.olympic.org/uk/news/olympic_news/full_story_uk.asp?id=3092" target="_blank">Entscheidung des Exekutivkomitees</a> betrifft den Kanurennsport: Schon in London wird es im Männerbereich keine 500-Meter-Rennen mehr geben &#8211; sondern nur noch Sprints über 200 Meter. „Das ist spektakulärer&#8221;, glaubt der IOC-Präsident. Er verteidigte die Entscheidung für Golf und verglich die Situation mit der Zulassung von Tennis (ab 1988) sowie den Profis im Basketball (1992) und Eishockey (1992). „Damals hieß es auch, diese Profis würden sich nicht für Olympia interessieren&#8221;, sagte Rogge. „Das Gegenteil ist der Fall. Fragen sie Nadal. Fragen sie Federer. Fragen sie die NHL- und die NBA-Spieler. Das wird beim Golf nicht anders sein.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/08/14/olympias-programm-kosmetik/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>16</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was vom Tage übrig bleibt (28): Pharao auf Dienstreise</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/was-vom-tage-ubrig-bleibt-28-pharao-auf-dienstreise/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/was-vom-tage-ubrig-bleibt-28-pharao-auf-dienstreise/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 00:08:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[denver]]></category>
		<category><![CDATA[hassan moustafa]]></category>
		<category><![CDATA[ihf]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbung]]></category>
		<category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[asoif]]></category>
		<category><![CDATA[bestechung]]></category>
		<category><![CDATA[chicago 2016]]></category>
		<category><![CDATA[handball]]></category>
		<category><![CDATA[korruption]]></category>
		<category><![CDATA[madrid 2016]]></category>
		<category><![CDATA[olympiabewerbungen]]></category>
		<category><![CDATA[rio de janeiro 2016]]></category>
		<category><![CDATA[sportaccord]]></category>
		<category><![CDATA[tokio 2016]]></category>
		<category><![CDATA[usoc]]></category>
		<category><![CDATA[was vom tage übrig bleibt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=3408</guid>
		<description><![CDATA[Wer Hassan Moustafa noch einmal lauschen möchte, bitteschön, eine Bilanz der Tage von Denver, produziert für den Deutschlandfunk: : In der Mile-High-City Denver tagten vergangene Woche das IOC-Exekutivkomitee und sämtliche Sport-Weltverbände. Es war ein Gipfeltreffen des Weltsports, das von Finanzthemen dominiert wurde. Zum Abschluss verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge eine Einigung mit dem amerikanischen Olympiakomitee (USOC). Der Streit mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer Hassan Moustafa <a title="Und es sprach Hassan Moustafa ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3340" target="_self">noch einmal</a> lauschen möchte, bitteschön, eine Bilanz der Tage von Denver, produziert für den Deutschlandfunk:</p>
<p><a title="Bilanz Sportgipfel Denver 2009" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/pharao-in-denver.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>In der Mile-High-City Denver tagten vergangene Woche das IOC-Exekutivkomitee und sämtliche Sport-Weltverbände. Es war ein Gipfeltreffen des Weltsports, das von Finanzthemen dominiert wurde. Zum Abschluss verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge eine Einigung mit dem amerikanischen Olympiakomitee (USOC). Der Streit mit dem USOC hat sich über viele Jahre hochgeschaukelt. Es geht darum, dass den Amerikanern aus alten Verträgen, die zuletzt 1996 verlängert wurden, knapp 13 Prozent der TV-Einnahmen des IOC und 20 Prozent der Sponsoreneinnahmen zustehen. Damals war der Anteil amerikanischer Firmen an den IOC-Marketingverträgen deutlich höher. Dieser Anteil aber sinkt kontinuierlich, Ende 2008 sind gerade drei US-Konzerne aus dem IOC-Sponsorenprogramm ausgestiegen.</p>
<p>Die Vereinigung aller olympischer Sommersportverbände (ASOIF) verlangte Anfang der Woche vom IOC, die Verträge aufzulösen und vom USOC, in den nächsten Jahren <a title="Was vom Tage übrig bleibt (27)" href="http://jensweinreich.de/?p=3376" target="_self">insgesamt 152 Millionen Dollar abzugeben</a> &#8211; für die Kosten Olympischer Spiele, für die Weltverbände und für die Nationalen Olympiakomitees. </p>
<p>Doch das IOC-Exekutivkomitee entschied anders: Die Verträge bleiben bis 2020 so wie sie sind. Erst ab 2013 wird über die Neugestaltung der Verträge verhandelt. Und erst Ende dieses Jahres, nach der Entscheidung über den Austragungsort der Sommerspiele 2016, wird es Verhandlungen geben, in welcher Höhe sich das USOC künftig an Olympiakosten beteiligt.</p>
<p>IOC-Präsident Jacques Rogge bezeichnete das als einen Fortschritt. Die Olympiabewerbung von Chicago, das mit Tokio, Madrid und Rio de Janeiro um die Sommerspiele 2016 streitet, sei von der Auseinandersetzung mit dem USOC nie betroffen gewesen, behauptete Rogge. &#8220;The linkage has been created by yourself, by the media.&#8221; Diese Verbindung ist doch von ihnen selbst hergestellt worden, von den Medien &#8211; behauptete Rogge. IOC-Mitglieder könnten beide Sachverhalte auseinanderhalten.</p>
<p>Aus deutscher Sicht war es in Denver hochinteressant, den umstrittenen Handball-Präsidenten Hassan Moustafa zu beobachten. Moustafa sah den katastrophalen Entwicklungen im Handball bislang quasi tatenlos zu. Er hatte überraschend angekündigt, um den Vorsitz in der ASOIF kandidieren zu wollen. Ausgerechnet er forderte mehr Transparenz und ein besseres Image in der ASOIF. Am Wahltag aber zog Moustafa ebenso überraschend zurück. Er forderte Wahlkabinen für seine Weltverbandspräsidenten. Stattdessen wurden die Wahlzettel am Tisch ausgefüllt und <a title="... wenn Stimmzettel in Einkaufstüten fliegen" href="http://jensweinreich.de/?p=3364" target="_self">in Einkaufstüten</a> von den Wahlmännern eingesammelt.</p>
<blockquote><p>Geheim wäre es meiner Meinung nach, wenn Delegation nach Delegation zu einer Wahlkabine gerufen wird und dort abstimmt. Das ist meine Meinung. Aber so geht es nicht.</p></blockquote>
<p>Moustafa stand allein mit seiner Meinung. Im Juni tagt der Kongress des Handballverbandes IHF in Kairo. Da kann er es besser machen und gewährleisten dass seine Herausforderer, der Luxemburger Jeannot Kaiser und der Isländer Gudmundur Ingvarsson, eine faire Chance haben. Moustafa sagt, er sehe der Wahl gelassen entgegen.</p>
<blockquote><p>Nach meiner Meinung sind wir eine Handball-Familie. Wenn jemand ein Problem oder Schwierigkeiten hat, müssen wir das in der Familie zusammen diskutieren. Es freut mich, wenn jemand kandidiert als Präsident. Demokratie ist, wenn jemand glaubt, eine Chance zu haben, und dann kandidiert, warum nicht. Und dann entscheidet der Kongress, wer der beste Präsident ist. Meiner Meinung nach ist meine Visitenkarte, was ich bisher für den Handball gemacht habe. Ich habe viel getan für den Handball!</p></blockquote>
<p><span id="more-3408"></span>Gerd Butzeck, Chef der Vereinigung der wichtigsten europäischen Handballklubs, bezeichnete Moustafa kürzlich als Kern des Problems. „Mit so einem Menschen an der Spitze dürfen wir uns nicht wundern, wenn im Handball jetzt ständig die Rede von Korruption und Bestechung ist&#8221;, sagte Butzeck. Der Ägypter sieht sich nicht als Problemfall, sondern als Glücksfall für den Handball, als Innovator.</p>
<blockquote><p>Welche Probleme macht Hassan Moustafa? Hassan Moustafa hat für den Handball bis jetzt viel getan. Die allerneusten Ideen kommen von Hassan Moustafa. Weil ich viel Erfahrung habe.</p></blockquote>
<p>Auf die Frage, ob der Handball ein Korruptionsproblem hat, sagt Moustafa:</p>
<blockquote><p>Nein, ich glaube Nein.</p></blockquote>
<p>Noch einmal:</p>
<blockquote><p>Nein. Ich glaube Nein.</p></blockquote>
<p>Und auch für ihn selbst gelte: Alles top in Ordnung. Dass er seit Jahren <a title="Korruption im Welthandball ... " href="http://jensweinreich.de/?p=1106" target="_self">keine Abrechnungen für seine Reisekosten vorlegt</a>, weshalb in der IHF mehr als eine halbe Million Schweizer Franken unbelegt verbucht werden &#8211; kein Problem. Moustafa mag einfach keine Quittungen vorlegen.</p>
<blockquote><p>Ich schwöre. Manchmal bezahle ich mehr, als ich von der IHF bekomme. Ich kann nicht sagen, das ist mein Kopie von meinem Flieger oder so. Ich mache das nicht.</p></blockquote>
<p>Die Welt des Hassan Moustafa ist einfach gestrickt: Man kann ihm glauben &#8211; oder nicht. Wer ihm nicht glaubt, wie der Schweizer IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter, wer auf unkorrekte Finanzabrechnungen hinweist, der muss gehen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/was-vom-tage-ubrig-bleibt-28-pharao-auf-dienstreise/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/03/pharao-in-denver.mp3" length="2291799" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Olympische Jugendspiele</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/olympische-jugendspiele/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/olympische-jugendspiele/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 11:38:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[olympische jugendspiele]]></category>
		<category><![CDATA[innsbruck 2012]]></category>
		<category><![CDATA[singapur 2010]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=2310</guid>
		<description><![CDATA[Eine Entscheidung fiel auch noch in Lausanne: Innsbruck richtet 2012 die ersten Winter Youth Olympic Games aus. Die ersten Sommer-Jugendspiele finden 2010 in Singapur statt. Innsbruck setzte sich in einer Briefabstimmung des IOC mit 84:15 gegen Kuopio (Finnland) durch. Harbin (China) und Lillehammer (Norwegen) waren zuvor aussortiert worden. Jacques Rogge hat sein Projekt durchgebracht. Später [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Entscheidung fiel auch noch in Lausanne: Innsbruck richtet 2012 die ersten <a href="http://www.olympic.org/uk/news/olympic_news/full_story_uk.asp?id=2872" target="_blank">Winter Youth Olympic Games</a> aus. Die ersten Sommer-Jugendspiele finden 2010 in <a href="http://www.singapore2010.sg" target="_blank">Singapur</a> statt. Innsbruck setzte sich in einer Briefabstimmung des IOC mit 84:15 gegen Kuopio (Finnland) durch. Harbin (China) und Lillehammer (Norwegen) waren zuvor aussortiert worden. Jacques Rogge hat <a href="http://jensweinreich.de/?p=74" target="_self">sein Projekt</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=1468" target="_self">durchgebracht</a>. <span style="text-decoration: line-through;">Später mehr dazu.</span> Hier Innsbrucks <a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/innsbruck-2012-wyog-press-release-121208.pdf" target="_blank">Pressemitteilung</a> (pdf).</p>
<p>Bei den Olympischen Jugendspielen soll vieles anders sein. Zum Beispiel: die Kleidung. Casual Dresscode ist angesagt. So waren jene sechs IOC-Mitglieder, die es am Freitag in den kleinen, nagelneuen Fernsehraum der Lausanner Konzernzentrale drängte, doch überrascht, ihren Präsidenten Jacques Rogge und den IOC-Direktor Gilbert Felli mit offenem Hemd zu sehen. Ohne Krawatte zu Gast bei der Jugend. Frankie Fredericks aus Namibia und Ng Ser Miang aus Singapur handelten umgehend: Sie ließen ihre Binder in den Jackettaschen verschwinden. Lambis Nikolaou, Richard Carrion, Mario Pescante und Sam Ramsamy nestelten nur etwas verwirrt an ihren Hemdkragen herum, nahmen aber keine grundsätzlichen Änderungen am Outfit vor. </p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2311" title="rogge-yog-2011" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/rogge-yog-2011.jpg" alt="" width="500" height="278" /></p>
<p>Die Jugendspiele sind ein Projekt des IOC-Präsidenten. Im Frühjahr 2007 drückte Rogge es resolut gegen anfängliche Widerstände durch. Auf der IOC-Session im Juli 2007 in Guatemala, als der Plan verabschiedet wurde, diskutierten 47 Mitglieder fast zwei Stunden darüber. 46 Olympier dankten ihrem Chef überschwänglich und benutzten Vokabeln wie „brillant&#8221;, „historisch&#8221;, „einmalig&#8221;. Mit den Jugendspielen schien das globale Mittel gegen Bewegungsarmut und Fettleibigkeit, die Dominanz elektronischer Medien im Freizeitverhalten und das akut sinkende Interesse der Jugend an den Olympischen Spielen gefunden. Wie so oft störte nur der Kanadier Richard Pound die Huldigungen: „Ich frage mich, ob eine Struktur aus dem 19. Jahrhundert der richtige Ansatz ist, die Probleme zu lösen&#8221;, sagte Pound. Mit den Jugendspielen werde man nur maximal zwei Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen. „Wir reden also über eine Minderheit, die ohnehin Sport treibt.&#8221; <br />
  <br />
Jacques Rogge hat Fakten geschaffen. Mal sehen, was geht. Die Jugendspiele sollen sein olympisches Vermächtnis darstellen. Chef der verantwortlichen IOC-Kommission ist der Ukrainer Sergej Bubka, für den etwas Ruhm übrig bleiben dürfte, sollten die Jugendspiele doch ein Erfolg werden. Im Jahr 2013 wird ein Rogge-Nachfolger gesucht. Bubka kann damit punkten.</p>
<p><em>Kleiner Einschub:</em></p>
<blockquote><p>Zehn Jahre nach <a href="http://jensweinreich.de/?p=2276" target="_self">Ausbruch des IOC-Bestechungsskandals</a> ist Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch (88), der diese Kultur geprägt und etabliert hat, der vor zwei Jahren für Sotschi 2014 entscheidende Stimmen besorgte, erneut dabei, eine Olympiawahl zu entscheiden. Es war ja kein Zufall, dass er am Dienstag <a href="http://jensweinreich.de/?p=2264" target="_self">Jean-Marie Weber</a> im IOC-Hauptquartier herzlichst begrüßte. Wer aus dem IOC bereit ist, vertraulich darüber zu reden, sagt, dass Samaranch weiterhin 30 bis 40 IOC-Stimmen kontrolliert. Er hat dem spanischen König Juan Carlos im Juli 2005 in Singapur unter Zeugen versprochen, dass er die Spiele 2016 nach Madrid holen werde. Er will seinen König nicht enttäuschen. <br />
  <br />
Beispiele gefällig? Am letzten Novemberwochenende wurde in drei von 28 olympischen Sport-Weltverbänden gewählt. In allen drei Verbänden gewannen Spanier. Marisol Casado führt die Triathlon-Union (ITU), José Perurena Lopez den Kanu-Weltverband (ICF) und Leandro Negre den Hockey-Weltverband (FIH). Sie stimmen zwar am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen nicht mit ab, doch beweist ihre Machtübernahme, wie sehr Samaranchs Garde den Weltsport noch prägt. Die Pläne gehen weit über das Jahr 2009 hinaus.</p>
<p>In Kurzfassung geht die Geschichte, über die noch viel zu reden sein wird, so: Samaranch hat geholfen, die Winterspiele 2014 nach Sotschi zu holen. Die Russen-Fraktion, geführt von Wladimir Putin, Ehrenpräsident des europäischen Judo-Verbandes, mit all ihren Vasallen in Osteuropa, arbeitet geschlossen für Madrid. Samaranchs Prätorianer bedankt sich dafür im Jahr 2013, wenn Jacques Rogge seine zweite Amtszeit hinter sich hat und ein neuer IOC-Präsident gewählt wird. Achter IOC-Präsident soll der Ukrainer Sergej Bubka werden. Das ist der Plan, der resolut abgearbeitet wird.</p></blockquote>
<p><em>Zurück zu den Jugendspielen:</em><br />
  <br />
<span id="more-2310"></span>Die ersten Sommerspiele für 15- bis 18-Jährige finden 2010 in Singapur statt. Die ersten Winterspiele hat das IOC per Briefwahl für 2012 an Innsbruck vergeben, das mit 84:15 Stimmen gegen den Finalisten Kuopio (Finnland) siegte. Lillehammer (Norwegen) und Harbin (China) wurden vorher aussortiert. Wenigstens in der Evaluierung der Bewerberstädte brachte das IOC Bahnbrechendes zustande: Eine ähnlich klare Rangordnung würde etwa beim laufenden globalen Wettbewerb um die Olympischen Sommerspiele 2016 vieles erleichtern. Die verbale Einschätzung im Prüfbericht für die Jugendspiele war deutlich und stufte die Städte so ab: „geringstes Risiko&#8221; (Innsbruck), „einige Risiken&#8221; (Kuopio), „finanzielles Risiko&#8221; (Lillehammer), „etliche Risiken&#8221; (Harbin). <br />
  <br />
Während der kurzen TV-Zeremonie am Freitag wurde Rogge per Video von der Schwedin Pernilla Wiberg gelobt. „Eine sehr gute Idee unseres Präsidenten&#8221;, flötete sie. Rogge verkündete den Sieger und bedankte sich anschließend bei den zwanzig juvenilen Statisten, die im Studio klatschen und somit für Hintergrundgeräusche sorgen durften. „Fröhliche Feiertage Euch allen!&#8221; <br />
  <br />
Rogge argumentiert nimmermüde, die Jugendspiele, die nun doch alle olympische Insignien nutzen &#8211; Hymnen, Flaggen, Fackel &#8211; würden helfen, „bessere Menschen und Botschafter der olympischen Werte&#8221; herauszubilden. Das ist die IOC-Doktrin. Auf die Frage, ob diese Spiele nicht das Dopingproblem verschärfen und in untere Altersklassen verlagern, gibt es keine überzeugenden Antworten. Während der Spiele soll in Seminaren auch Dopingaufklärung betrieben werden, verspricht Rogge. Das IOC-Exekutivkomitee hat nun das Programm der Sommerspiele in Singapur abgesegnet: 3600 junge Athleten in 26 Sportarten und 201 Disziplinen. Basketball soll drei gegen drei gespielt werden; in Schwimmen, Leichtathletik, Triathlon gibt es gemischte Staffeln; in Handball, Fußball, Volleyball und Hockey darf nur ein Team pro Kontinent spielen &#8211; all das aber sind keine Innovationen. Zudem: Die Sport-Weltverbände sind aufgefordert, die Teilnahme der besten Juniorsportler sicherzustellen. Für alle Altersklassen von 15 bis 18 sollen Weltranglisten geführt werden. Das klingt eher besorgniserregend. <br />
  <br />
Es reicht eben nicht, mal eben die Krawatten abzulegen und jugendlichen Elan vorzutäuschen. Ungleich anspruchsvoller ist es doch, ein überzeugendes Konzept für ein Weltsportfest von Minderjährigen vorzulegen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/olympische-jugendspiele/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>35</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Präsident Rogge sagt &#8230;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/prasident-rogge-sagt/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/prasident-rogge-sagt/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 01:03:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[audio]]></category>
		<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[olympisches marketing]]></category>
		<category><![CDATA[adrian warner]]></category>
		<category><![CDATA[bbc]]></category>
		<category><![CDATA[bp]]></category>
		<category><![CDATA[dmitri kosak]]></category>
		<category><![CDATA[eastman kodak]]></category>
		<category><![CDATA[gazprom]]></category>
		<category><![CDATA[gerhard heiberg]]></category>
		<category><![CDATA[gilbert felli]]></category>
		<category><![CDATA[johnson und johnson]]></category>
		<category><![CDATA[lenovo]]></category>
		<category><![CDATA[london 2012]]></category>
		<category><![CDATA[manulife]]></category>
		<category><![CDATA[marketing]]></category>
		<category><![CDATA[olympische spiele]]></category>
		<category><![CDATA[primo nebiolo]]></category>
		<category><![CDATA[sotschi 2014]]></category>
		<category><![CDATA[sponsoring]]></category>
		<category><![CDATA[top-programm]]></category>
		<category><![CDATA[tv-rechte]]></category>
		<category><![CDATA[vancouver 2010]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=2296</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; einiges zur Finanzkrise und den Olympischen Spielen. Und ich kann das jetzt nicht alles aufschreiben. Deshalb ein Mitschnitt der Passagen aus der Pressekonferenz am Donnerstagabend in Lausanne, in denen sich Rogge zu den olympischen Finanzen äußert. Wer mag, knapp neun Minuten: : Und hier mein Arbeitsprotokoll von gestern: BBC-Reporter Adrian Warner wollte es genau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2303" title="rogge-pk-111220082" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/rogge-pk-111220082.jpg" alt="" width="500" height="230" /></p>
<p>&#8230; einiges zur Finanzkrise und den Olympischen Spielen. Und ich kann das jetzt nicht alles aufschreiben. Deshalb ein Mitschnitt der Passagen aus der Pressekonferenz am Donnerstagabend in Lausanne, in denen sich Rogge zu den olympischen Finanzen äußert. Wer mag, knapp neun Minuten:</p>
<p><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/rogge-pk-11122008.MP3" target="_self">:</a></p>
<p>Und hier mein Arbeitsprotokoll von gestern:</p>
<p><span id="more-2296"></span>BBC-Reporter Adrian Warner wollte es genau wissen. Zehn Minuten hatte Gilbert Felli, Olympic Games Executive Director des IOC, über dieses und jenes referiert; die finanziellen Probleme, unter denen der Olympia-Ausrichter London ächzt, hatte er routiniert klein geredet. Der Schweizer, der seit 1990 Dienst verrichtet, hat mit seinem gewöhnungsbedürftigen bürokratischen Charme viele Krisen gemeistert. Also fragte der Mann von der BBC: Sagen Sie mal, Herr Felli, heißt dass, die einzige Entscheidung, die das Exekutivkomitee heute getroffen hat, war die, wo das IOC im Sommer 2012 in London übernachtet? Immerhin war Felli schlagfertig: „Es ist nicht das Dorchester.&#8221; Sollte heißen: Es gibt teurere Hotels in London, wir haben nur das <a href="http://www.hilton.de/hydepark" target="_blank">Hilton Hyde Park</a> gebucht. Dort nächtigen die IOC-Mitglieder also während der Sommerspiele 2012. Die Präsidenten der olympischen Sportverbände übernachten im Four Seasons, NOK-Vertreter im Interconti und die IOC-Bediensteten im Grosvenor House. Damit war das geklärt. Felli grinste. Noch Fragen?</p>
<p>Die Botschaft ist nicht neu, aber eminent wichtig &#8211; sie ist Grundlage des Milliardengeschäfts mit den Ringen: Das IOC ist immer fein raus. Es überweist Olympia-Ausrichtern eine Milliarde Dollar aus seinen TV-Verträgen, ob Peking 2008, Vancouver 2010, London 2012 oder Sotschi 2014. Mehr gibt es nicht. Der Löwenanteil an den Kosten der Partys wird aus öffentlichen Kassen beglichen. Die Städte und Regierungen haben sich vertraglich verpflichtet, sämtliche Risiken zu übernehmen. Ob zehn Milliarden Euro in Athen, 30 und mehr Milliarden in Peking, zehn Milliarden in London, ob Vancouver einen neuen Etat aufstellt, ob einige Milliarden mehr oder weniger, so genau will es im Olympiakonzern niemand wissen.</p>
<p>Niemand hat es je treffender formuliert als Primo Nebiolo, längst verstorbener langjähriger Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Nebiolo riet einst den Organisatoren der Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart: „Be happy and pay the deficit!&#8221; IOC-Präsident Jacques Rogge wählt nur andere Worte. Die Botschaft ist dieselbe.</p>
<p>„Die finanzielle Lage ist äußerst volatil&#8221;, formulierte Rogge am Donnerstagabend, „niemand kann vorher sehen, was noch passiert. Aber die Finanzen des IOC sind solide, weil wir nicht in exotische Werte investiert haben.&#8221; Rogge sieht die Lage in Vancouver (Winterspiele 2010) positiv. Für London (Sommer 2010) verweist er darauf, dass bereits zwei Drittel der nationalen Sponsoren gewonnen seien. Und für Sotschi (Winter 2014) erneuerte <a href="http://jensweinreich.de/?p=1344" target="_self">Olympiaminister und Vize-Premier Dmitri Kosak</a> gerade per Telefonkonferenz das Versprechen, dass Russlands Regierung für alle Kosten einsteht.</p>
<p>Das ist typisch für das Olympia-Business. Das IOC unterscheidet bei Olympischen Spielen zwischen dem Organisationsetat (OCOG-Etat) und dem Infrastruktur-Etat (Non-OCOG-Etat). Was unmittelbar mit dem sportlichen Ablauf der Sportfeste zu tun hat, fällt in den OCOG-Etat, der sich um die zwei Milliarden Dollar bewegt, egal an welchem Ort. Kosten für die meisten Bauten werden dem Non-OCOG-Etat zugeschlagen, weil es sich bei einem Olympiastadion, so die IOC-Logik, um ein langfristiges, „nicht olympiabedingtes&#8221; Investment handelt. Auf diese Weise stellt man sicher, dass jedes Organisationskomitee Gewinn ausweist &#8211; alles eine Frage der Buchungstechnik. Ein Beispiel: Der Olympia-Bewerber Leipzig kalkulierte einst mit einem OCOG-Etat zwischen 1,6 und 2,3 Milliarden Dollar. Die „nicht olympiabedingten&#8221; Kosten wurden der Öffentlichkeit verschwiegen. Je nach Rechnung betrugen sie <a href="http://www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=1&amp;NAVZU_ID=16&amp;STORY_ID=5&amp;M_STORY_ID=41&amp;B_STORY_ID=72" target="_blank">neun bis vierzehn Milliarden</a> Euro. Das sind Konflikte, die das IOC nicht so interessieren.</p>
<p>Wenn es um die eigenen Einnahmen geht, die TV-Rechte und Sponsorenzahlungen, nimmt es das IOC genauer. Noch hat sich aber kein Dreh gefunden, hier direkt aus öffentlichen Kassen Geld abzuzweigen. Bis 2012 sind die IOC-Finanzen gesichert mit rund 3,5 Milliarden Dollar aus Fernsehverträgen und derzeit 900 Millionen von Sponsoren. Schwierig wird es ab 2013, die TV-Verhandlungen kommen nicht recht voran, was angesichts der Weltwirtschaft keinen wundert. „Wir sind nicht in Eile, wir warten auf den idealen Moment&#8221;, sagt Rogge. Selbst wenn die TV-Rechte für 2014 und 2016 erst nach der Vergabe der Sommerspiele 2016 vergeben werden sollten, sieht er keine Probleme. Am 10. Jahrestag der Hodler-Enthüllungen sagte er: <a href="http://jensweinreich.de/?p=2276" target="_self">„Das wird fair ablaufen. IOC-Mitglieder entscheiden immer nach sportlichen Gesichtspunkten, nicht nach finanziellen.&#8221;</a></p>
<p>Im Sponsoringbereich hat das IOC für den Zeitraum 2005 bis 2008 mit den Spielen in Turin und Peking von <a href="http://www.olympic.org/uk/organisation/facts/programme/sponsors_uk.asp" target="_blank">zwölf Partnern 866 Millionen Dollar</a> erlöst. Von diesen Konzernen sind für das Programm, das ab 1. Januar 2009 läuft, vier Firmen abgesprungen: Eastman Kodak, Johnson &amp; Johnson, Manulife Financial Services und Lenovo. Der chinesische Computerhersteller Lenovo wird durch Acer ersetzt. Die neun Partner sollen derzeit 900 Millionen Dollar beisteuern. Man will mindestens noch ein oder zwei Firmen dazugewinnen, sagt der Norweger Gerhard Heiberg seit Monaten.</p>
<p>Heiberg, Chef der IOC-Marketingkommission und Olympiaorganisator 1994 in Lillehammer, hat schon 2007 <a href="http://jensweinreich.de/?p=69#more-69" target="_self">in Guatemala</a> der IOC-Session <a href="http://jensweinreich.de/?p=75#more-75" target="_self">versprochen</a>, in Kürze einen Vertrag in Russland abzuschließen, „sei es mit Gazprom oder einer anderen Firma&#8221;. Passiert ist nichts. Im Sommer 2008 musste er vor der IOC-Session in Peking einräumen, dass der Gazprom-Deal geplatzt sei, weil London für sein nationales Sponsorenprogramm die British Petroleum (BP) gewonnen habe. BP und Gazprom sind Rivalen auf dem Weltmarkt. Daraufhin versprach Heiberg, Gazprom sei erster Kandidat für den übernächsten Zyklus (2013 bis 2016). Doch das einzige, was bei den Winterspielen 2014 in Sotschi gesichert erscheint, ist die IOC-Herberge. Für den Fünf-Sterne-Tempel sollen aufkommen: die russischen Steuerzahler.</p>
<p><small>erschienen u. a. in der Süddeutschen Zeitung und der Basler Zeitung</small></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/12/12/prasident-rogge-sagt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>11</slash:comments>
<enclosure url="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/12/rogge-pk-11122008.MP3" length="24861177" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Exklusiv!</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/exklusiv/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/exklusiv/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 13:43:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[thomas bach]]></category>
		<category><![CDATA[faz]]></category>
		<category><![CDATA[udiocm]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=1473</guid>
		<description><![CDATA[So ein Mist aber auch, ich habe gerade den gemütlichen Kollegen einer großen Tageszeitung verärgert. Nach unserem Versuch, ein Statement des UDIOCM zur Entscheidung von Jacques Rogge einzuholen, sagte der geschätzte Autor der Konkurrenz: Jetzt hast Du&#8217;s versaut. Du bist der Leibhaftige für ihn. Wenn Du auftauchst, flüchtet der gleich. Es war nämlich so: Dr. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So ein Mist aber auch, ich habe gerade den gemütlichen Kollegen einer großen Tageszeitung verärgert. Nach unserem Versuch, ein Statement des UDIOCM zur Entscheidung von Jacques Rogge einzuholen, sagte der geschätzte Autor der Konkurrenz:</p>
<blockquote><p>Jetzt hast Du&#8217;s versaut. Du bist der Leibhaftige für ihn. Wenn Du auftauchst, flüchtet der gleich.</p></blockquote>
<p>Es war nämlich so: Dr. Thomas Bach hatte nach seinem Vortrag (&#8220;Hochleistungssport nach Peking&#8221;) bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Leipzig und einer anschließenden kurzen Unterredung mit Ministerialdirektor Rüdiger Kass, dem Leiter der Abteilung Sport im Bundesinnenministerium, keine Zeit mehr, ausführlich auf die nun wirklich weltbewegende sportpolitische Entscheidung des Tages einzugehen. Er hastete aus dem NH-Hotel, zum nächsten Termin im IAT. Ich lief neben ihm her und hielt ihm tapfer mein Aufnahmegerät entgegen. Was tut man nicht alles, um <a href="http://jensweinreich.de/?p=1468" target="_self">ein Versprechen</a> an die Leser dieses Blogs einzulösen und &#8211; journalistisch korrekt &#8211; alle Seiten zu hören. Jedenfalls, einen wichtigen Kollegen habe ich verärgert für dies hier, das UDIOCM, unkommentiert:</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/10/bachzurogge-24102008.mp3" target="_self">:</a></p>
<p><small>Richtigstellung: Das deutlich vernehmliche, beflissene &#8220;Danke&#8221; am Ende des O-Tons stammt vom gemütlichen Kollegen. Ich war nach meinem Sprint an der Seite des UDIOCM völlig außer Puste.</small></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/exklusiv/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/10/bachzurogge-24102008.mp3" length="828604" type="audio/mpeg" />
<enclosure url="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/10/bachzurogge-24102008.mp3" length="828604" type="audio/mpeg" />
		</item>
		<item>
		<title>Jacques Rogge macht weiter</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/jacques-rogge-macht-weiter/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/jacques-rogge-macht-weiter/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 10:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[udiocm]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=1468</guid>
		<description><![CDATA[Ganz kurz, schlechte Nachrichten für das UDIOCM: Jacques Rogge, seit 2001 IOC-Präsident, hat sich entschieden, im kommenden Jahr um vier Jahre zu verlängern. Zwar toben derzeit im Hintergrund ziemliche Kämpfe, auch gegen Rogge, doch ist derzeit nicht davon auszugehen, dass 2009 in Kopenhagen jemand gegen den amtierenden Präsidenten antritt. Ein paar Argumente für die Amtsverlängerung, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz kurz, schlechte Nachrichten für das UDIOCM: Jacques Rogge, seit 2001 IOC-Präsident, hat sich entschieden, im kommenden Jahr um vier Jahre zu verlängern. Zwar toben derzeit im Hintergrund ziemliche Kämpfe, auch gegen Rogge, doch ist derzeit nicht davon auszugehen, dass 2009 in Kopenhagen jemand gegen den amtierenden Präsidenten antritt. Ein paar Argumente für die Amtsverlängerung, aber ohne die wirklich interessanten Hintergründe, hat die <a href="http://www.iht.com/articles/2008/10/23/sports/ARENA.php?page=2" target="_blank">IHT</a> zusammengetragen.</p>
<p>Das UDIOCM kommt gleich nach Leipzig, wo ich mich auch <a href="http://www.kas.de/wf/de/33.14894/" target="_blank">gerade herumtreibe</a> und ihn mal nach seiner Meinung fragen werde.</p>
<p>Später mehr.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong> Habe gerade ein bisschen in meinen Texten der vergangenen Wochen gewühlt und erlaube mir mal, ein paar Beispiele hier einzustellen. Denn die Personalie ist ja zentral für den Weltsport. Kurz vor den Peking-Spielen habe ich ein Porträt geschrieben:<span id="more-1468"></span></p>
<blockquote><p><em>Juli 2008</em></p>
<p>Der mächtigste Mann des olympischen Sports macht es spannend. Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hält seine Lebensplanung offen. Er mache vom Verlauf der Sommerspiele in Peking abhängig, ob er seine Amtszeit im Herbst kommenden Jahres um vier Jahre verlängere, hat Rogge wiederholt erklärt. Damit nährt der belgische Count, der im Mai 66 Jahre alt geworden ist, freiwillig die Spekulationen.</p>
<p>Will Rogge etwa potenzielle Nachfolger irritieren? Den Ukrainer Sergej Bubka und den Deutschen Thomas Bach, die zu früh aus der Deckung kommen könnten? Sollte Rogge tatsächlich Verwirrung stiften wollen, würde er in der Nachfolgerfrage auch jenen Kandidaten beschädigen, den er angeblich bevorzugt: den Banker Richard Carrion aus Puerto Rico. Vielleicht kokettiert er auch nur mit seiner Amtsverlängerung. Satzungsgemäß kann er im Oktober 2009 auf der IOC-Session in Kopenhagen bis 2013 prolongieren.</p>
<p>Es heißt, die Stimmung in der IOC-Zentrale in Lausanne sei schlecht. Unter Rogge mussten Top-Manager das IOC verlassen, etwa Michael Payne, der langjährige Marketingchef. Andererseits: Welcher Präsident, welcher Manager würde nicht die alte Führungscrew auswechseln? Es heißt, Rogge sei misstrauisch und verlasse sich nur auf den engsten Beraterkreis um seinen Bürochef Christophe de Kepper, ebenfalls Belgier. Einige der IOC-Direktoren wollen den Olympiakonzern seit einiger Zeit verlassen und seien überredet worden, noch bis Peking durchzuhalten.</p>
<p>Wen will Rogge beeindrucken mit seiner unterschwelligen Drohung, er könne Schluss machen, wenn die Spiele in Peking nicht den gewünschten Verlauf nehmen? Die chinesischen KP-Bonzen, mit denen das IOC ein Joint Venture durchzieht, kann er kaum meinen. Dass sich Pekings Machthaber nicht vom IOC-Präsidenten beeindrucken lassen, haben sie nicht nur im April am Beispiel der Tibet-Krise bewiesen. Als sich Rogge wagte, die Chinesen daran zu erinnern, sie mögen ihre „moralischen Versprechen&#8221; einhalten, wurde er von einer Hinterbänklerin abgekanzelt wie ein Schuljunge: Das IOC solle sich aus Chinas „politischen Angelegenheiten heraushalten&#8221;, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums.</p>
<p>Rogge bleibt bei seiner These, die Spiele würden die Öffnung Chinas beschleunigen und helfen, demokratische Prozesse voranzutreiben. Er werde immer die „stille Diplomatie&#8221; bevorzugen. „Wäre ich ständig auf die Barrikaden geklettert&#8221;, sagte er kürzlich, „wäre ich der Held des Westens gewesen, aber die Spiele wären gescheitert.&#8221;</p>
<p>Als Rogge am 16. Juli 2001 in Moskau IOC-Präsident wurde, drei Tage nach der Wahl Pekings zur Olympiastadt 2008, formulierte er ein Programm, das von keinem seiner sieben Vorgänger vertreten worden war: „Ich stehe für die Glaubwürdigkeit des Sports. Gegen Doping, gegen Korruption, gegen Gewalt.&#8221; So kannte man ihn damals. Klipp und klar, kurz und bündig. Dieser Zauber aber ist längst verflogen. Das Amt fordert seinen Tribut, in vielerlei Hinsicht.</p>
<p>Rogge, der lange Jahre in Gent als Chirurg praktizierte und es gewohnt war, hart zuzupacken, schnell zu entscheiden und im wahrsten Sinne des Wortes saubere Schnitte zu machen, wirkt von der Last der IOC-Präsidentschaft, die ungeheures diplomatisches Geschick bis zur Selbstleugnung erfordert, geradezu erdrückt. Man sieht ihn nur noch selten lachen. Sein Wortwitz, mit dem er früher in der Öffentlichkeit beeindruckte, kommt kaum mehr zur Geltung. Eine Operation am Herzen hat Rogge überstanden, Gerüchte über ernsthafte Malaisen machen am Hofe des IOC kontinuierlich die Runde.</p>
<p>Bei einem langen Hintergrundgespräch vor einem Jahr in Antigua, der historischen Kapitale von Guatemala, verbreitete Rogge Zuversicht. Er werde fokussiert bleiben und seine Ziele nie aus den Augen verlieren. Er fühlte sich missverstanden. Wenige Tage zuvor hatte die IOC-Session die Winterspiele 2014 an den Schwarzmeer-Kurort Sotschi vergeben, die Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Rogge war unterstellt worden, das IOC habe sich von Putin und seinen Oligarchen-Freunden kaufen lassen. Es war ihm deshalb wichtig zu signalisieren, noch Herr der Lage zu sein. Andererseits machte er erstaunlich klar deutlich, in welch fulminant-explosiver Lage er sich als IOC-Präsident zwischen den Mühlsteinen der Weltpolitik befinde: Kritisiere er den russischen Präsidenten oder die chinesische Führung, riskiere er eine politische Krise.</p>
<p>Eine Krise musste Rogge im April 2008 seiner olympischen Bewegung attestieren. Zwei Monate später sagte er nach der IOC-Exekutivtagung in Athen: „Die Lage hat sich grundlegend geändert. Es gibt keine Proteste gegen den Fackellauf, niemand ruft mehr zum Boykott auf, und die chinesischen Autoritäten verhandeln mit den Abgesandten des Dalai Lama. Ich bin sehr optimistisch, dass es großartige Spiele werden.&#8221;</p>
<p>Derartige Sätze ähneln den Floskeln seines Vorgängers Juan Antonio Samaranch, der doch scheinbar grundsätzlich anders strukturiert war als sein Nachfolger: Hier Samaranch, der ehemalige franquistische Minister, der 1980 quasi im Exil, als Botschafter in der Sowjetunion, zum  IOC-Präsidenten aufstieg. Dort Rogge, der lupenreine Demokrat, der als Athlet nichts mehr gehasst hat, als das Funktionärswesen, der als Olympia-Segler und Rugby-Nationalspieler immer aufmüpfig war, der 1972 sogar für die Sommerspiele gesperrt werden sollte, weil er seinen Trainer beleidigt hatte.</p>
<p>Samaranch und Rogge &#8211; die Personen schienen immer voller Gegensätze. Langsam wird klar, dass beide viele Gemeinsamkeiten haben. Und ja, Samaranch hat Rogge 2001 in Moskau ins Amt verholfen. Er war sein Protegé. Rogge hat seit seiner Kindheit eine besondere Beziehung zu Samaranch Heimat Katalonien. Seine Eltern hatten dort ein Ferienhaus, wo Rogge die Sommer verbrachte. Später, als Segler, lebte und trainierte er insgesamt viele Jahre in Spanien.</p>
<p>Rogge hat als IOC-Präsident schwere Niederlagen einstecken müssen. Etwa 2003, als sein Kandidat Gerhard Heiberg (Norwegen) bei der Wahl zum IOC-Vizepräsidenten vom korrupten Südkoreaner Un Yong Kim, der später zurücktreten musste, vernichtend geschlagen wurde. Oder 2002 und 2005, als Rogges Plan, das Olympische Programm zu reformieren, von einer Allianz der Besitzstandswahrer abgeschmettert wurde. Aus diesen Niederlagen hat Rogge gelernt und vor einem Jahr seinen sportpolitisch größten Erfolg errungen: Er entmachtete die IOC-Vollversammlung auf historische Art und Weise. Seither kann sein Exekutivkomitee die Programmfrage klären und muss den fertigen Vorschlag nur noch von der Session mit einfacher Mehrheit absegnen lassen.</p>
<p>Also dürfte es 2009 in Kopenhagen nun doch eine Reform geben, wenngleich eine kleine, zaghafte. Außer Baseball und Softball werden weitere Sportarten verschwinden, neue hinzukommen. Dies ist Rogges letzte Chance, etwas mehr von seinen Versprechen aus dem Jahr 2001 einzulösen. Vor allem aber scheinen die Olympischen Jugendspiele 2010 das Hauptargument dafür zu sein, dass Rogge derzeit nur blufft, bis 2013 weitermacht und nicht nach acht Jahren seine Präsidentschaft beendet. Denn diese Jugendspiele, ein hastiges Projekt, über dessen Sinnhaftigkeit sich trefflich streiten lässt, sind seine Idee. Damit will der achte IOC-Präsident Geschichte schreiben.</p>
<p>Die ersten Jugendspiele finden im Sommer 2010 in Singapur statt. Kaum vorstellbar, dass sie nicht von Jacques Rogge eröffnet werden.</p></blockquote>
<p>Inzwischen ist ja einiges passiert, und <a href="http://jensweinreich.de/?p=955" target="_self">Frau Davies</a> hat ihren Abschied verkündet. Dass er verlängern würde, deutete sich in <a href="http://jensweinreich.de/?p=75" target="_self">Guatemala</a> an, wenngleich er danach wieder heftig in Schwierigkeiten geriet. Zu Rogges Katatrophen-Plan, wie ich finde, also zu den Olympischen Jugendspielen, habe ich mich <a href="http://jensweinreich.de/?p=74" target="_self">lange nicht mehr geäußert</a>. Ist mal wieder was fällig.</p>
<p>Da ich nun mal zu Übertreibungen neige. Meine Peking-Bilanz von Rogge las sich so:</p>
<blockquote><p><em>August 2008</em></p>
<p>Sie haben sich selbst gefeiert zum Abschluss der &#8220;Spiele der XXIX. Olympiade&#8221;, wie die Sommerspiele von Peking offiziell heißen. Noch einmal kamen die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Beijing Grand Hotel zusammen, um vier neue Kollegen aufzunehmen &#8211; die von den Athleten gewählten Vertreter, darunter die deutsche Fechterin Claudia Bokel &#8211; und der salbungsvollen Rede ihres Chefs zu lauschen. &#8221;Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir mit Peking die richtige Entscheidung getroffen haben&#8221;, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. &#8220;Das IOC und die Olympischen Spiele können souveräne Staaten nicht ändern und nicht alle Krankheiten dieser Welt heilen. Aber wir können zu positiven Veränderungen beitragen. Und das tun wir auch.&#8221; Prasselnder Applaus.</p>
<p>Im Prinzip hat sich an der Konstellation seit Jahren nichts geändert. Es war vor Peking so, während der Spiele &#8211; und wird auch künftig so sein: Das IOC beansprucht für sich den Status einer unpolitischen Organisation. Es handelt klar profitorientiert, genießt allerdings nach Schweizer Recht den Status eines Vereins und damit auch zahlreiche Steuervorteile. Das IOC handelt immer dann politisch, wenn es der Profitmaximierung dient. Wenn das IOC allerdings von Menschenrechtlern, von Nichtregierungsorganisationen und Politikern an seine politisch-moralische Verantwortung erinnert wird, reagiert es gekränkt und zunehmend hilflos. Einmischung von außen verbittet man sich. Kontrolle ebenfalls. Verantwortung will man nur alle zwei Jahre bei jeweils sechzehn Tage währenden Sommer- und Winterspielen wahrnehmen. Und selbst da nur partiell, eng auf die olympischen Wettkampfstätten bezogen. Das ist der grundlegende Konflikt, den die Olympischen Spiele von Peking extrem verschärft haben.</p>
<p>Jacques Rogge hat vor zwei Wochen gesagt, die &#8220;Magie der Spiele&#8221; werde Kritik verstummen lassen. Er hat den Chinesen vertraut, in megateuren Sportstätten vor handverlesenem Publikum, unterstützt von einem Heer Sicherheitsbeamter und einer halben Million Volunteers, sogenannten freiwilligen Helfern, perfekte Bedingungen für die TV-Übertragungen zu liefern. Dem IOC und der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China kam es nur auf eins an: auf die Macht der Bilder. Auf das Fernsehen, das all die Dramen in seine Einzelteile zerlegt, immer und immer wieder aufbereitet mit modernsten technischen Mitteln, mit Superzeitlupen, aufregenden Kameraperspektiven, unterlegt mit dem passenden Sound.</p>
<p>So werden Heldenepen geschaffen. Man muss sich nur die neusten Werbe-Clips zur frisch aufgelegten PR-Kampagne &#8220;The Best of Us&#8221; ansehen, in der die Supersportler in den Stadien angehalten werden: &#8220;Erstaunt uns!&#8221; Es ging um nichts anderes bei diesen Retortenspielen. Es geht nie um etwas anderes.</p>
<p>Und dennoch verwundert es, wenn Rogge, der von sich sagt, eine Null-Toleranz-Politik in Dopingfragen zu betreiben, nun die 43 Welt- und 132 olympischen Rekorde betont, die in Peking aufgestellt wurden. Wenn ausgerechnet Rogge den jamaikanischen Sprinter Usain Bolt, den dreifachen Olympiasieger und dreifachen Weltrekordler, und den US-amerikanischen Schwimmer Michael Phelps, den achtfachen Olympiasieger (mit Athen 2004 hat er vierzehn Goldmedaillen) und siebenmaligen Weltrekordler, als &#8220;Ikonen dieser Spiele&#8221; bezeichnet.</p>
<p>Alle Spiele haben die Symbole, die sie verdienen. Dass außerhalb Chinas immer weniger Menschen diesen Wunderleistungen &#8211; ob nun von Bolt oder Phelps &#8211; Glauben schenken, sollte Rogge eigentlich wissen. Doch es geht nicht darum, sich der Wahrheit zu nähern. Es geht um Propaganda. Also betont man, dass die Spiele noch nie von so vielen Menschen im Fernsehen verfolgt wurden. Das ist keine Überraschung, schließlich wurde soeben das bevölkerungsreichste Land des Planeten olympisch erschlossen. Im Staatsfernsehen CCTV lief nichts anderes als Olympia, angeblich haben 850 Millionen Chinesen die Eröffnungsfeier gesehen.</p>
<p>Die Spiele von Peking sind untrennbar mit der IOC-Präsidentschaft Rogges verbunden. Peking erhielt am 13. Juli 2001 in Moskau den Olympiazuschlag &#8211; drei Tage später wurde Rogge gewählt. Peking war gewissermaßen die Mitgift für Rogge, man könnte auch sagen: das Abschiedsgeschenk des damals scheidenden Präsidenten Juan Antonio Samaranch. Der Spanier hatte sich zwei Jahrzehnte lang dafür stark gemacht, die Spiele endlich in China auszutragen. Schon 1981, bei seinem Antrittsbesuch als IOC-Präsident in Peking, unterbreitete er Deng Xiaoping die Botschaft. Auch 1993, als Peking sich erstmals bewarb und im letzten Moment von Sydney geschlagen wurde: Samaranch blockte jederzeit alle Kritik an China ab.</p>
<p>Rogge sagte am 13. Juli 2001: &#8220;Die Spiele in China sind die letzte Grenze, die das IOC überschreiten konnte.&#8221; Am Sonntag zeigte sich Rogge gemeinsam mit Samaranch beim Basketballfinale zwischen den USA und Spanien. Samaranch hat die Spiele im Staatsfernsehen CCTV als &#8220;erfolgreichste aller Zeiten&#8221; gepriesen. Rogge verteidigt die Chinesen und die IOC-Entscheidung für Peking seit sieben Jahren, bis zur Selbstverleugnung. Er ließ sich von den KP-Führern um Hu Jintao am Nasenring durch die Manege führen. Es gab kein Zurück. Er hat erst freien Internet-Zugang für olympische Berichterstatter versprochen, lehnte es dann ab, sich für sein gebrochenes Versprechen zu entschuldigen. Er ließ es zu, dass die eigentlich täglich angesetzten gemeinsamen Pressekonferenzen von IOC und Organisationskomitee (Bocog) zur Farce gerieten und nur noch gelegentlich stattfanden.</p>
<p>Auf seiner abschließenden Pressekonferenz versuchte Rogge, ein Vermächtnis dieser Olympischen Spiele zu formulieren. China habe die Welt besser kennengelernt, die Welt habe China besser kennengelernt. Peking habe sich urban enorm entwickelt. Die nacholympische Nutzung der Sportstätten sei garantiert. Und selbst auf dem Gebiet des Umweltschutzes habe sich vieles zum Positiven verändert.</p>
<p>Rogge sagt, er habe gegenüber dem Bocog den Fall der beiden alten chinesischen Frauen angesprochen, die in den dafür festgelegten olympischen Protestzonen gegen die Umsiedlungspolitik demonstrieren wollten und deshalb zu einem Jahr Arbeitslager verurteilt wurden. Ihm sei gesagt worden, die Damen hätten gegen geltendes Recht verstoßen. &#8220;Das IOC&#8221;, sagte Rogge, &#8220;muss chinesische Gesetze respektieren.&#8221;</p>
<p>Das IOC wähnt sich auf sicherem Terrain, weil die Umsatzzahlen stimmen. Weil es keinen politischen Zwischenfall gab. Dafür hatten die Chinesen mit ihrem gigantischen Sicherheitsaufgebot gesorgt. Es ist Diktatoren nie schwer gefallen, reibungslose Olympische Spiele zu organisieren. Das liegt in der Natur der Sache.</p>
<p>Es war sein letzter Pflichttermin bei den ewigen Nörglern von der Presse. Er machte kurzen Prozess. Schon nach einer knappen halben Stunde eilte IOC-Präsident Jacques Rogge im Sprinttempo davon. „Der Präsident hat einen wichtigen Termin. Ich danke für die Aufmerksamkeit&#8221;, verkündete sein Adjudant, der Australier Kevan Gosper, mit schneidender Stimme. Wenn man es in der Hektik recht mitbekommen hat, dann sagte Rogge kurz vor dem Rausrennen noch, dass er sich im Oktober entscheiden werde, ob er bis 2013 als IOC-Präsident zur Verfügung steht. Oder ob er im Herbst 2009, auf der 121. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Kopenhagen, nach acht Jahren das Handtuch wirft. „All die Kritiken der letzten Zeit haben keinen Einfluss auf meine Entscheidung. Ich nehme das nicht persönlich, denn ich werde kritisiert, weil ich diese Organisation leite.&#8221;</p>
<p>Wenn Rogge sich da mal nicht täuscht. Denn die Kritik in den eigenen Reihen nimmt zu. Sie wurde drastisch artikuliert auf dem ersten Teil der IOC-Session Anfang August. Da rügte der Kanadier Richard Pound, langjähriger Marketingchef und Vizepräsident, die Kommunikationspolitik und das Krisenmanagement der IOC-Zentrale während der Tibet-Krise im Frühjahr. „Sie, Herr Präsident, haben vor Monaten hier eingestanden, dass wir eine veritable Krise haben&#8221;, sagte Pound. „Nur das Erdbeben in China hat uns vor einem Desaster gerettet.&#8221;</p>
<p>Auf der Abschlusspressekonferenz symbolisierten die drei auf dem Podium &#8211; Präsident Rogge, Kommunikationsdirektorin Giselle Davies und Kevan Gosper, Chef der IOC-Pressekommission &#8211; jeder auf seine Weise den Kommunikationsgau des IOC. Selbst unter Rogges Vorgänger Juan Antonio Samaranch hat es kaum derartige Restriktionen gegeben. Unter Samaranch fanden tägliche Pressekonferenzen mit Vertretern olympischer Organisationskomitees und des IOC statt. Unter Rogge wurden sie abgesagt. Es kam nur zu sporadischen Terminen, bei denen regelmäßig bestellte Fragesteller aus China und Afrika störten, bei denen die Vertreter des Bocog und Giselle Davies zunehmend arroganter deutlich machten, dass all die Nachfragen keinen Sinn hätten, denn es zählen doch nur die Fernsehbilder, die von den Spielen um die Welt gehen.</p>
<p>Rogge sagt, er sei mit diesen Spielen „extrem zufrieden&#8221;. Die TV-Quoten seien in den meisten Märkten um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Um welche Märkte es sich handelt außerhalb von China, sagte Rogge nicht. Die Chinesen hätten keine potemkinschen Dörfer errichtet, keine „weißen Elefanten&#8221;, wie er formulierte. Es folgte eine Lobeshymne ohnegleichen. Zum Dopingthema sagte er: „Die Mehrheit der Sportler ist sauber. Es gibt eine kleine Minderheit von Betrügern.&#8221; Die olympische Nachnutzung der Sportstätten sei gesichert. Peking habe von den gigantischen Baumaßnahmen rund um die Spiele profitiert. Selbst beim Thema Umweltschutz sei den Chinesen ein neues Bewusstsein zu attestieren, behauptete der IOC-Präsident und berief sich dabei auf ein Gespräch mit dem UN-Umweltkommissar Achim Steiner. Schließlich will Rogge die Bereitschaft der KP-Führer verspürt haben, künftig nicht nur Hochleistungssport, sondern auch Massensport zu fördern. Das Ausleseverfahren in Chinas Sportsystem, an den 4000 Sportschulen, sei nicht per se zu kritisieren, sagte Rogge. „So ein System haben alle Länder. So lange das nach ethischen Maßstäben abläuft, sehe ich kein Problem.&#8221;</p>
<p>So ging das in einem fort. Zum Thema Internet für Journalisten räumte er wenigstens ein, die Bedingungen seien „nicht perfekt&#8221; gewesen, hätten sich aber nach Intervention durch das IOC verbessert. Auf die obligatorische Frage nach der Verurteilung zwei greiser chinesischer Frauen, die in den dafür eingerichteten olympischen Protestzonen gegen die Umsiedlungspolitik demonstrieren wollten, sagte Rogge: „Wir müssen chinesisches Recht respektieren. Das ist meine Antwort.&#8221;</p>
<p>Samaranch hätte es nicht besser formulieren können. Ob Rogge mit derartigen Samaranch-Variationen jedoch die hartnäckigen Kritiker in den eigenen Reihen befrieden kann, bleibt offen. Es ist ein absurder Streit. Vielen IOC-Mitgliedern ist Rogge noch immer zu offen, zu demokratisch gesinnt. Nach den Spielen ist vor den Spielen: Der Kampf um die Präsidentschaft hat begonnen.</p></blockquote>
<p>Doch so ein Kampf wird halt nie offen geführt. Ich denke, mit seiner Erklärung, verlängern zu wollen, ist die Sache bis 2013 geklärt. Das UDIOCM und Sergej Bubka müssen warten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/10/24/jacques-rogge-macht-weiter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>8</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Giselle Davies &#8230;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2008/09/05/giselle-davies/</link>
		<comments>http://www.jensweinreich.de/2008/09/05/giselle-davies/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 05 Sep 2008 09:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
				<category><![CDATA[ioc]]></category>
		<category><![CDATA[jacques rogge]]></category>
		<category><![CDATA[peking 2008]]></category>
		<category><![CDATA[giselle davies]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=955</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; nimmt wie angekündigt Abschied vom IOC. Seit 2002 war sie Kommunikationsdirektorin des Olympiakonzerns. Wie angekündigt werden private Gründe für die Trennung genannt. Ein IOC-Statement folgt im Laufe des Tages (15.30 Uhr), AP hat die Trennung bereits vermeldet. Dass Giselle Davies vom Job ziemlich frustriert war, hat man ihr seit einiger Zeit angesehen, nicht erst seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; nimmt <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,569692,00.html" target="_blank">wie</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/647/305615/text/" target="_blank">angekündigt</a> Abschied vom IOC. Seit 2002 war sie Kommunikationsdirektorin des Olympiakonzerns. Wie angekündigt werden private Gründe für die Trennung genannt. Ein IOC-Statement folgt im Laufe des Tages (<a href="http://www.olympic.org/uk/news/media_centre/press_release_uk.asp?release=2795" target="_blank">15.30 Uhr</a>), AP hat die Trennung bereits <a href="http://sportsillustrated.cnn.com/2008/olympics/09/05/ioc.davies.resigns.ap/index.html?eref=si_latest" target="_blank">vermeldet</a>. Dass Giselle Davies vom Job ziemlich frustriert war, hat man ihr seit einiger Zeit angesehen, nicht erst seit jenen peinlichen &#8220;Pressekonferenzen&#8221; in Peking, die sie gemeinsam mit den BOCOG-Hardlinern durchpeitschte, wenn überhaupt noch Pressetermine stattfanden. Das Vertrauensverhältnis zum IOC-Präsidenten Jacques Rogge ist zerrüttet. Davies gehört nicht zum extrem kleinen Kreis der Eingeweihten, was für eine Kommunikationsdirektorin eines Weltkonzerns irgendwie blöd ist. Das merkte man dann auch.</p>
<p>Mein Lieblingsfoto von Giselle Davies habe ich am 18. August 2004 in Athen gemacht. Da guckt sie auch etwas verkrampft, aber egal, ich fand, es war ein netter Anlass. In der rechten Hand hält sie die Akkreditierungen von Ekaterini Thanou und Kostas Kenteris, den <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0814/athen2004/0008/index.html" target="_blank">Motorradfahrern</a>.<span id="more-955"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-956" title="davies-2004-ken-tha" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2008/09/davies-2004-ken-tha.jpg" alt="" width="490" height="326" /></p>
<p>Kleiner Nachtrag um 11.49 Uhr: Giselle Davies bei der <span style="text-decoration: line-through;">Journalismusbehinder</span>Arbeit in Peking, auf einer der so genannten Pressekonferenzen. Ihre Antworten auf die Fragen von Alex Thomson (<a href="http://www.channel4.com/news/articles/arts_entertainment/media/ioc+asked+are+you+embarrassed+over+beijings+broken+promises++/2400807" target="_blank">Channel 4</a>).</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="486" height="412" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="name" value="flashObj" /><param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /><param name="flashvars" value="videoId=1729899964&amp;playerId=1184614595&amp;viewerSecureGatewayURL=https://console.brightcove.com/services/amfgateway&amp;servicesURL=http://services.brightcove.com/services&amp;cdnURL=http://admin.brightcove.com&amp;domain=embed&amp;autoStart=false&amp;" /><param name="src" value="http://services.brightcove.com/services/viewer/federated_f8/1184614595" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="486" height="412" src="http://services.brightcove.com/services/viewer/federated_f8/1184614595" flashvars="videoId=1729899964&amp;playerId=1184614595&amp;viewerSecureGatewayURL=https://console.brightcove.com/services/amfgateway&amp;servicesURL=http://services.brightcove.com/services&amp;cdnURL=http://admin.brightcove.com&amp;domain=embed&amp;autoStart=false&amp;" bgcolor="#FFFFFF" name="flashObj"></embed></object></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2008/09/05/giselle-davies/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

