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Leseprobe “Macht, Moneten, Marionetten”: Liebesgrüße aus Moskau

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Wenn Ihnen diese Leseprobe zusagen sollte und Sie mehr wissen/lesen wollen – hier geht es zum Bookshop, am Ende dieses Textes können Sie durch einige Seiten des Ebooks scrollen.

Eine gekürzte Version des Putin-Kapitels, nur ein Dutzend von knapp 600 Seiten:

* * *

Stellen wir uns Wladimir Putin als einen ganz normalen Menschen vor.

Nicht als einen Wehrwolf. Nicht als einen Kriegstreiber. Nicht als einen besonders üblen Demagogen. Nicht als einen Paria. Nicht als einen Mörder. Nicht als einen Diktator. Oder als was er sonst noch bezeichnet wird in diesen Tagen.

Natürlich hat dieser Putin, der Mensch, so seine Gefühle. Manchmal zeigt er sie sogar. Aber selten so offen wie für einige Minuten am 9. August 2013. An jenem Tag wurde Anatoli Rachlin beigesetzt. Rachlin war für Putin ein zweiter Vater. Er war mehr als sein Trainer, der ihm Sambo und Judo beibrachte. Rachlin war ein Berater für alle Fragen des Lebens. Er saß manchmal sogar mit am Tisch, wenn Putin die Führung des russischen Judoverbandes versammelte und kund tat, was getan werden müsse, wenn er den europäischen Verband versammelte und verkündete, was getan werden müsse, wenn er Bosse des Weltverbandes versammelte und erzählte, was man tun könne und solle. Rachlin hat Putin und dessen Schulfreunden, den Rotenberg-Brüdern Arkady und Boris, Disziplin vermittelt beim Sambo- und beim Judotraining. So hat es Putin oft erzählt. Vor laufenden Kameras hat er zu Rachlins Beisetzung geweint, nicht nur in Russland, in aller Welt wurde darüber diskutiert, was das bedeute. Dann ließ er sich filmen, wie er, übermannt von seinen Gefühlen und seinen Gedanken nachhängend, allein eine leere, weil abgesperrte St. Petersburger Straße entlang schlenderte.

Er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er muss inszenieren.

Trauerfeier für Anatoli Rachlin, August 2013

Trauerfeier für Anatoli Rachlin, August 2013. (Foto: President of Russia, Press and Information Office)

Sambo, Sie werden davon womöglich noch nichts gehört haben, ist eine vom NKWD und der Roten Armee erdachte Kampfsportart, die zuletzt eine rasante Entwicklung nahm, flink noch in das Programm der Asian Beach Games 2014 (ausgerichtet von Scheich Ahmad Al-Sabah), der European Games 2015 (ausgerichtet vom Diktator Ílham Alijew) integriert wurde und beste Chancen hat, im Rahmen der von Thomas Bach erdachten Agenda 2020 mit Unterstützung der Judo- und Ringer-Weltverbände bald bei Olympischen Spielen ausprobiert zu werden.

Wenn Putin das möchte.

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Das Video zum Buch

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Die Kollegen von extra 3 waren so nett, ein ziemlich perfektes Video zum Ebook “Macht, Moneten, Marionetten” zu produzieren.

Ich freue mich ohnehin immer wieder darüber, wie gern auf die Tätschelszene von Sepp und Mohamed Bin Hammam zurückgegriffen wird, die ich im Oktober 2003 in Doha gedreht habe. Auch in der heute show liefen jüngst zwei Blatter-Sequenzen, die Stammgästen dieses Blogs sehr vertraut sind. Zum Beispiel diese:

Wer es noch nicht getan hat, darf gern einen Kauf dieses Büchleins erwägen. Es lohnt sich:

Ein Dank an Johannes, der das extra3-Video entdeckt hat.

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“Macht, Moneten, Marionetten: ein Wegweiser durch die olympische Parallelgesellschaft”

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Was soll ich sagen. Es ist ein Buch. Anders als bisherige (Sport)bücher. Mit Datenanalyse Olympic Power Index zu 127 Weltsportorganisationen und 164 Nationen.

Ein Wegweiser durch den olympischen Dschungel.

  • Ein Arbeitsbuch.
  • Ein kleines Archiv mit etwa 2.000 Links, Abbildungen, Charts, Diagrammen, Tabellen und Dokumenten, ein wenig Video und Audio ist auch dabei.
  • Topaktuell mit einer ersten umfangreichen Besprechung der Agenda 2000 des IOC. Die jüngsten Entwicklungen rund um die FIFA und Katar, die Olympiabewerbungen 2022 und 2024 und v.a.m. sind bereits eingearbeitet.

Dieser Version werden weitere Ebooks folgen.

575 Seiten (variiert je nach bisheriger Version für Crowdfunder und Freiverkauf). Kostet 15 Euro, hier geht es zum Bookshop. Schlagen Sie zu.

Die Ansicht dieser bunten Seiten (Version 2.0) ist umsonst. Damit sollten Sie sich einen Eindruck machen können.

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Sportler als unpolitische Wesen? #Menschenrechte als politische Propaganda? #Sochi2014 #Putin #IOC

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Montag, 10. Februar: Mit dieser irren Zuspitzung hätte ich nicht mal gerechnet:

Mein Beitrag vom 8. Februar:

Sind Olympiasportler nur Sportler, sondern auch Menschen und damit politische Wesen? Sollen/dürfen sich Sportler zu Themen der Zeit äußern, wozu auch Fragen der Menschenrechte gehören, oder sollen/dürfen sie sich darauf konzentrieren, wofür sie ausgebildet und bezahlt werden und wovon sie träumen: von erfolgreichen Auftritten in olympischen Arenen beispielsweise. Etwa in Sotschi.

Das sind natürlich keine jungfräulichen Themen und Fragen, sondern Dauerbrenner. Derlei Fragen werden diskutiert, seit es Olympische Spiele gibt.

Ich habe heute eine BBC-Radiodokumentation gehört, in der Nick Symmonds aus den USA unprätentiös schilderte, warum er bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau, auf dem ersten Höhepunkt der weltweiten Diskussionen um Homophobie und das russische Anti-Homosexuellengesetz, seine Silbermedaille demonstrativ seinen schwulen und lesbischen Freunden gewidmet und klare Worte zur Rechtslage in Russland gefunden hat.

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live-Blog zu Wladimir Wladimirowitschs Olympia-Eröffnungsfeier #Sochi2014

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Live-Blogs zu Olympia-Eröffnungsfeiern sind in diesem Theater eine schöne Tradition. Leider muss der Kollege G. heute im Stadion ohne mich auskommen …

… aber wenn sich bis 17.14 Uhr MEZ über die üblichen Kanäle so ungefähr 2014 Befürworter finden – kühnes Ziel, es ist schließlich Olympia – dann können wir den Einmarsch der Nationen mit Russlands Wladimir und IOC-Thomas hier gemeinsam genießen.

2014 Leute bis 20.14 Uhr Sotschi-Zeit werden sich doch wohl finden.

Sonst – in Peking, Vancouver, London – waren viel mehr Eröffnungszeremonie-Fanatiker anwesend.

Also, her mit den Kommentaren, Likes und Tweets – dann wird das auch ein wunderbarer Fernseh-Abend.

Würde mich freuen.

Bis gleich.

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IOC-Session in Sotschi, Ebook, ARD-Fackelläufer, Jung & Naiv

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1) Die IOC-Session läuft seit vier Stunden. Mittagspause. Ich möchte flink meine Tweets über den olympischen Fackellauf des obersten ARD-Repräsentanten (Journalisten?) gestern in Krasnodar zur Diskussion stellen. So (fast) ohne Wertung. Wir sind ja alle erwachsen und können uns selbst ein Urteil bilden, nicht wahr?

Darüber wird gewiss weiter diskutiert. Ich darf kurz daran erinnern, wie der SID 2008 in Peking mit seinem Redaktionsleiter Dieter Hennig umgegangen ist, der “als Privatmann” mit der olympischen Fackel lief und gleichzeitig Unsinn verbreitete, etwa darüber, dass China angeblich die Internet-Zensur gelockert hätte: Hennig wurde nach Hause geschickt.

2) Extrem spannend ist wie erwartet die seit 6 Uhr MEZ laufende 126. IOC-Session.

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Das Nein für München 2022 und andere demokratische Regungen: die Parallelgesellschaft Sport kann die Signale nicht deuten

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Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurden die Bürger vor einer Olympiabewerbung befragt: Soll sich München mit den Partnern Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land für die Winterspiele 2022 bewerben? Mehr als 53 Prozent der Bürger, die am Sonntag in den oberbayerischen Kommunen abstimmten, beantworteten die Frage mit: „Nein!“ Sie beerdigten damit die Olympiapläne. 4:0 gegen München 2022. Dieses Votum ist historisch.

Denn im Vergleich zu allen anderen olympischen Abenteuern, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Allianz aus Sport und Politik ohne Bürgerbefragungen durchgedrückt wurden, war Münchens Offerte darstellbar, auch finanziell – selbst wenn man davon ausgehen darf, dass die Kosten erheblich gestiegen wären. Im Vergleich zu den vergangenen deutschen Bewerbungen Berchtesgaden 1992, Berlin 2000, Leipzig 2012 und München 2018 ist sogar, ganz vorsichtig, von einer gewissen Transparenz sprechen und von nachhaltigen Planungen. Dennoch hat der Souverän dieses Mammutprojekt gestoppt.

Das ist zunächst ein wunderbares Zeichen der Demokratie, denn plebiszitäre Elemente sind Deutschland noch immer fremd. Das Votum reiht sich ein in überwältigende Akte des Protestes gegen Mega-Events und Sportkonzerne in diesem Jahr: Im März entschieden sich die Bürger des Schweizer Kantons Graubünden gegen eine Olympiabewerbung für 2022. Dann gab es ein Nein in Wien gegen Olympiapläne für 2028. Im Juni demonstrierten Millionen Brasilianer auch gegen den Investitionswahnsinn Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 in ihrem Land.

Sport als Opium für aufgeklärte Bürger? Die Droge wirkt nicht mehr flächendeckend. Es ist ein Unterschied, ob man Fernsehsport konsumiert, Weltcup-Wettbewerbe ausrichtet, wie es Schönau am Königssee (Bob und Rodeln), Inzell (Eisschnelllauf), Ruhpolding (Biathlon) und Garmisch-Partenkirchen (Ski Alpin) im kommenden Winter selbstverständlich wieder tun, oder ob man sich auf ein viele Milliarden Euro verschlingendes Abenteuer einlässt.

Und es ist keinesfalls ein Widerspruch zu dieser These, dass sich die Einwohner der norwegischen Hauptstadt Oslo kürzlich mehrheitlich für eine Olympiabewerbung 2022 ausgesprochen haben. Der Souverän wurde befragt – der Souverän hat entschieden. Oslo ist nun Favorit für die Winterspiele 2022, für die am Donnerstag, 14. November, Meldeschluss ist. Neben Oslo werden Lwiw (Ukraine), Peking mit Zhangjiakou, Almaty (Kasachstan) und eventuell Krakau (Polen) mit Poprad (Slowakei) ins Rennen gehen. Am Dienstag wird in Schwedens Hauptstadt Stockholm über eine Bewerbung befunden – ohne Bürgerentscheid.

Das Abstimmungsergebnis in Bayern ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Olympiaskeptiker wegen der zuletzt flächendeckenden Propaganda der Befürworter aus Sport und Politik (mit Ausnahme der bayerischen Grünen) einen unfairen, ungleichen Wettbewerb beklagt hatten. Vor allem aber sollte dem Sport, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), zu denken geben, dass in den oberbayerischen Landkreisen und Gemeinden Fachleute Nein gesagt haben. Dieses Nein basiert keinesfalls auf „Vorurteilen und Falschbehauptungen“, wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Sonntagabend weinerlich behauptete. Vesper kann als langjähriger NRW-Minister in seinem fürstlich bezahlten Job als DOSB-General wohlfeil fabulieren. Diejenigen, die am Sonntag abstimmen durften, wissen allerdings besser als er über die Probleme und Segnungen von derlei Sport-Parties Bescheid. Tourismus, inklusive sportlicher Höhepunkte wie Weltcups oder Weltmeisterschaften, ist in Oberbayern ein Wirtschaftsfaktor. Den Bayern muss niemand etwas über Großereignisse erzählen. Sie wussten genau, was sie wollten.

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