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Boris Jefimowitsch Nemzow (†)

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Boris Nemtzow wurde vor etwa zwei Stunden in Moskau in der Nähe des Kreml erschossen. Der Sohn Sotschis hat u.a. die wahren Kosten für die Olympischen Winterspiele 2014 aufgeschlüsselt. Dazu zählen auch jene Milliarden, die enge Freunde Wladimir Putins (wie Wladimir Jakunin und Arkadi Rotenberg aus der Osero-Kooperative in St. Petersburg) abgezockt haben.

Erst vor wenigen Tagen hat Nemtzow erklärt, er fürchte, Putin werde seinen Mord befehlen.

RIP!

Ich halte es für wahrscheinlich, dass Personen, die in diesem Bericht genannt werden, hinter Nemtzows Tod stehen.

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Olympiabewerbung Berlin (2000): “Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln”

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Berlins Sport- und Politikfürsten biedern sich beim DOSB an, schalten Anzeigen in Berliner Tageszeitungen, beugen sich einem skandalös-intransparenten Verfahren, machen mit öffentlichen Mitteln Stimmung für die angeblich repräsentative Umfrage in der kommenden Woche und sind auch sonst sehr kreatief darin, zum Beispiel Olympiakosten zu verschleiern.

Da ich dem ulkigen Glauben anhänge, olympische Gegenwart und Zukunft habe etwas mit olympischer Vergangenheit zu tun, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen immer mal ein süßes Dokument aus dem Fundus vergangener deutscher Olympiabewerbungen posten.

Beginnen möchte ich mit einem meiner Lieblingspapiere überhaupt, mit dem Bericht des Landesrechnungshofes Berlin zu Verschleuderung von öffentlichen Mitteln während der Berliner Olympiabewerbung 2000. Es wurden weitgehend unkontrolliert 51.305.684,12 DM verpulvert:

  • 40,3 Millionen aus dem Berliner Haushalt und
  • weitere elf Millionen vom Bund.

Niemand wurde zur Verantwortung gezogen.​ Diese gemäß Rechnungshof “Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln” wurde auch während der Leipziger Olympiabewerbung 2012 von Buchprüfern gerügt.

Lesen. Staunen. Wundern. Begreifen.

Begreifen?

152 Seiten aus dem prallen olympischen Leben.

In Kurzfassung einige Kernaussagen aus dem Bericht, der sich liest wie eine Kopie des Leipziger Prüfungsberichts vom November 2003 bzw. umgekehrt:

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Berlins Olympiabewerbung 2024: was die Bürger auf Tischdecken schreiben …

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Es ist spät geworden nach dem ersten Bürgerforum des Senats zur Berliner Olympiabewerbung 2024. Mehr als 300 interessierte Bürger, PR-Leute, Medienvertreter, Sportfunktionäre, Stadtplaner, MdB, Lokalpolitiker, Olympiagegner sollten es im Ewerk gewesen sein.

  • Meine Betrachtung dazu wird am Freitagmittag auf Krautreporter veröffentlicht, wo ich kürzlich einen einführenden Beitrag zum abstrusen Wettrennen ohne Regeln und Wertungskategorien zwischen Hamburg und Berlin geschrieben habe: “Olympia 2024: Spiel mit dem Feuer”.
  • Mein Twitterstream, gut gelesen gestern Abend mit 80.000 Impressions, gibt bereits einige Eindrücke wieder.

Hier nun eine kleine Bildgeschichte. Ohne Kommentar. Es schreiben jene, die das milliardenschwere Olympia-Abenteuer finanzieren müssen: die Berlinerinnen und Berliner. Die Gäste dieses Bürgerforums waren ausdrücklich aufgefordert, ihre Gedanken, Vorschläge, Fragen, Kritik etc auf den Tischdecken zu verewigen. Als alles vorbei war, habe ich die meisten dieser Notizen im Bild festgehalten – ungeordnet, ungefiltert.

Wer neu hier vorbei schaut, sollte Suchfunktion und Navigation benutzen und erfährt viel, was er gestern nicht erfahren konnte, wäre er im Ewerk gewesen.

Wer noch mehr wissen will, sollte den Kauf des Ebooks “Macht, Moneten, Marionetten” erwägen – kann sich damit olympisch weiterbilden und nebenbei Recherchejournalismus finanzieren, damit es hier hochklassig weitergehen und Öffentlichkeit über das Olympiabusiness geschaffen werden kann. Aufklärung tut Not, das habe ich nicht nur gestern in Berlin wieder gemerkt, sondern auch tags zuvor, als ich mich in Hamburg und Norderstedt herumtrieb. Recherchejournalismus und Faktenvermittlung sind nötig – solche Texte, oder solche, diese und jene. Sie sind nicht alltäglich.

Und nun wünsche ich eine möglichst erhellende Lektüre der olympischen Tischdecken-Notizen!
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Don Mario Vázquez Raña (†)

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Foto: PASO

Foto: PASO

Da ist es nur noch einer aus dem einst so mächtigen Latino-Quartett, das den olympischen Weltsport ein Vierteljahrhundert beherrschte und viel länger prägte. Nach Primo Nebiolo († 1999) und Juan Antonio Samaranch († 2010) starb Don Mario Vázquez Raña am Sonntagmittag in Mexico City. Er wurde 82 Jahre alt, hinterlässt eine Frau, fünf Kinder, zahlreiche Enkel und eine große olympische Geschichte.

Bleibt Jean-Marie Faustin Goedefroid de Havelange, João genannt, der am 8. Mai seinen 99. Geburtstag feiert und im kommenden Jahr als 100-Jähriger die Olympischen Spiele in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro erleben will.

Don Mario ist zweifellos eine Figur für einen Roman. Und er hat bis zuletzt selbst viel geschrieben und schreiben lassen: Gespräche über die Welt, die Politik, die Geschichte und überhaupt – vor allem seine diálogos con la historia mit Fidel – und schönende Berichte über seinen Favoriten Enrique Peña Nieto, Mexikos Präsidenten.

Für einen Roman über Don Mario fehlen mir Zeit und Spanischkenntnisse. Hier eine Passage aus meinem Büchlein “Macht, Moneten, Marionetten”, wo Don Mario schon keine Hauptrolle mehr spielte, aber liebevoll behandelt wurde. Einige Notizen, mehr nicht.

Zur Einstimmung, wie im Ebook, sollten Sie bitte hören: Die PASO-Hymne. Klingt nach Don Mario.

Willkommen im Reich von Don Mario. Tauchen Sie ein in die Welt eines echten olympischen Máximo Líder. Mein Kollege. Journalist. Multimillionär, Medientycoon, unter anderem Besitzer der größten Zeitungsgruppe Lateinamerikas, OEM (Organizacion Editorial Mexicana), seit 39 Jahren Präsident der Organización Deportiva Panamericana (ODEPA), im Englischen PASO. Mario Vázquez Raña hat ein Faible für beschwingte Hymnen (gefällt sie Ihnen?), höfische Zeremonien, deutliche Worte, auch wenn er ziemlich nuschelt, derbe Witze, schöne Frauen, Rucksacktouristen aus Europa wie Jens Sejer Andersen, die er einfach so in seinem Büro empfängt und nett plaudert, für die kubanische Revolution, obgleich er das Gelddrucken nie verachtete und immer gern Jungs dabei hatte, die Koffer trugen, in denen reichlich grüne Scheine gelagert waren, was bei manchen unverhofften Zollkontrollen, die es früher leider ab und an sogar für Weltbürger wie ihn gab, ¡mierda!, zu Komplikationen führte.

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Supermacht mit Petrodollars: Katars Expansionsstrategie im Sport

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Der Jung-Emir Tamim Bin Hamad Al-Thani hat gut lachen. Läuft alles prächtig bei dieser Handball-WM, in die nicht nur mehr als 220 Millionen Dollar in drei nagelneue Tempel investiert wurden und für die eine komplette Nationalmannschaft eingebürgert wurde – was im IOC, dem Tamim angehört, eigentlich als verpönt gilt, aber das interessiert Tamim doch nicht.

Tamim hat 680 Journalisten die Reise zur WM und einen angenehmen Aufenthalt in Doha bezahlen lassen (dazu mein Beitrag im Magazin Krautreporter: “Katar, Petrodollars und die Journalisten”) und nach dem Sieg gestern gegen Deutschland freut er sich auf das Halbfinale seiner Söldner gegen Polen – und auf das Finale.

Gerade wird wieder heiß über Katar und seine Expansionspolitik diskutiert. Nicht nur am Beispiel der Handball-WM und des fulminanten PR-Stunts, viele Hundertschaften Journalisten zu finanzieren. Das Kulturkomitee des Europarats, das sich seit einigen Jahren mit Sportverbänden, Mega-Events, Korruption, Matchfixing und Good Governance befasst, bezeichnete die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar als “zutiefst illegal” und “völlig vergiftet” und forderte eine Neuvergabe der WM.

Human Rights Watch hat heute seinen World Report 2015 (pdf) vorgelegt. Darin gibt es ein Kapitel zu Mega-Events, in dem Minky Worden so manche Mär der Sportkonzerne auseinander nimmt.

Ich möchte meinen Krautreporter-Text ergänzen mit einigen Anmerkungen zur Expansionspolitik Katars über den Sport und einigen Basics, die man drauf haben sollte. Dazu habe ich einige Auszüge aus meinem Buch “Macht, Moneten, Marionetten” überarbeitet. Derzeit schreibe ich noch wie wild am Ebook 2022″, in dem die Katar-Passagen ausgeweitet werden und das hoffentlich in ein paar Tagen in der ersten Version erscheinen kann. Also, für zwischendurch, auf die Schnelle …

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Leseprobe “Macht, Moneten, Marionetten”: Liebesgrüße aus Moskau

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Wenn Ihnen diese Leseprobe zusagen sollte und Sie mehr wissen/lesen wollen – hier geht es zum Bookshop, am Ende dieses Textes können Sie durch einige Seiten des Ebooks scrollen.

Eine gekürzte Version des Putin-Kapitels, nur ein Dutzend von knapp 600 Seiten:

* * *

Stellen wir uns Wladimir Putin als einen ganz normalen Menschen vor.

Nicht als einen Wehrwolf. Nicht als einen Kriegstreiber. Nicht als einen besonders üblen Demagogen. Nicht als einen Paria. Nicht als einen Mörder. Nicht als einen Diktator. Oder als was er sonst noch bezeichnet wird in diesen Tagen.

Natürlich hat dieser Putin, der Mensch, so seine Gefühle. Manchmal zeigt er sie sogar. Aber selten so offen wie für einige Minuten am 9. August 2013. An jenem Tag wurde Anatoli Rachlin beigesetzt. Rachlin war für Putin ein zweiter Vater. Er war mehr als sein Trainer, der ihm Sambo und Judo beibrachte. Rachlin war ein Berater für alle Fragen des Lebens. Er saß manchmal sogar mit am Tisch, wenn Putin die Führung des russischen Judoverbandes versammelte und kund tat, was getan werden müsse, wenn er den europäischen Verband versammelte und verkündete, was getan werden müsse, wenn er Bosse des Weltverbandes versammelte und erzählte, was man tun könne und solle. Rachlin hat Putin und dessen Schulfreunden, den Rotenberg-Brüdern Arkady und Boris, Disziplin vermittelt beim Sambo- und beim Judotraining. So hat es Putin oft erzählt. Vor laufenden Kameras hat er zu Rachlins Beisetzung geweint, nicht nur in Russland, in aller Welt wurde darüber diskutiert, was das bedeute. Dann ließ er sich filmen, wie er, übermannt von seinen Gefühlen und seinen Gedanken nachhängend, allein eine leere, weil abgesperrte St. Petersburger Straße entlang schlenderte.

Er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er muss inszenieren.

Trauerfeier für Anatoli Rachlin, August 2013

Trauerfeier für Anatoli Rachlin, August 2013. (Foto: President of Russia, Press and Information Office)

Sambo, Sie werden davon womöglich noch nichts gehört haben, ist eine vom NKWD und der Roten Armee erdachte Kampfsportart, die zuletzt eine rasante Entwicklung nahm, flink noch in das Programm der Asian Beach Games 2014 (ausgerichtet von Scheich Ahmad Al-Sabah), der European Games 2015 (ausgerichtet vom Diktator Ílham Alijew) integriert wurde und beste Chancen hat, im Rahmen der von Thomas Bach erdachten Agenda 2020 mit Unterstützung der Judo- und Ringer-Weltverbände bald bei Olympischen Spielen ausprobiert zu werden.

Wenn Putin das möchte.

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Das Video zum Buch

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Die Kollegen von extra 3 waren so nett, ein ziemlich perfektes Video zum Ebook “Macht, Moneten, Marionetten” zu produzieren.

Ich freue mich ohnehin immer wieder darüber, wie gern auf die Tätschelszene von Sepp und Mohamed Bin Hammam zurückgegriffen wird, die ich im Oktober 2003 in Doha gedreht habe. Auch in der heute show liefen jüngst zwei Blatter-Sequenzen, die Stammgästen dieses Blogs sehr vertraut sind. Zum Beispiel diese:

Wer es noch nicht getan hat, darf gern einen Kauf dieses Büchleins erwägen. Es lohnt sich:

Ein Dank an Johannes, der das extra3-Video entdeckt hat.

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“Macht, Moneten, Marionetten: ein Wegweiser durch die olympische Parallelgesellschaft”

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Was soll ich sagen. Es ist ein Buch. Anders als bisherige (Sport)bücher. Mit Datenanalyse Olympic Power Index zu 127 Weltsportorganisationen und 164 Nationen.

Ein Wegweiser durch den olympischen Dschungel.

  • Ein Arbeitsbuch.
  • Ein kleines Archiv mit etwa 2.000 Links, Abbildungen, Charts, Diagrammen, Tabellen und Dokumenten, ein wenig Video und Audio ist auch dabei.
  • Topaktuell mit einer ersten umfangreichen Besprechung der Agenda 2000 des IOC. Die jüngsten Entwicklungen rund um die FIFA und Katar, die Olympiabewerbungen 2022 und 2024 und v.a.m. sind bereits eingearbeitet.

Dieser Version werden weitere Ebooks folgen.

575 Seiten (variiert je nach bisheriger Version für Crowdfunder und Freiverkauf). Kostet 15 Euro, hier geht es zum Bookshop. Schlagen Sie zu.

Die Ansicht dieser bunten Seiten (Version 2.0) ist umsonst. Damit sollten Sie sich einen Eindruck machen können.

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Sportler als unpolitische Wesen? #Menschenrechte als politische Propaganda? #Sochi2014 #Putin #IOC

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Montag, 10. Februar: Mit dieser irren Zuspitzung hätte ich nicht mal gerechnet:

Mein Beitrag vom 8. Februar:

Sind Olympiasportler nur Sportler, sondern auch Menschen und damit politische Wesen? Sollen/dürfen sich Sportler zu Themen der Zeit äußern, wozu auch Fragen der Menschenrechte gehören, oder sollen/dürfen sie sich darauf konzentrieren, wofür sie ausgebildet und bezahlt werden und wovon sie träumen: von erfolgreichen Auftritten in olympischen Arenen beispielsweise. Etwa in Sotschi.

Das sind natürlich keine jungfräulichen Themen und Fragen, sondern Dauerbrenner. Derlei Fragen werden diskutiert, seit es Olympische Spiele gibt.

Ich habe heute eine BBC-Radiodokumentation gehört, in der Nick Symmonds aus den USA unprätentiös schilderte, warum er bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau, auf dem ersten Höhepunkt der weltweiten Diskussionen um Homophobie und das russische Anti-Homosexuellengesetz, seine Silbermedaille demonstrativ seinen schwulen und lesbischen Freunden gewidmet und klare Worte zur Rechtslage in Russland gefunden hat.

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