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	<title>jens weinreich &#187; horst dassler</title>
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	<description>don&#039;t mix politics with games</description>
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		<title>Wie Jacques Rogge (IOC) und Joseph Blatter (IOC, FIFA) die Öffentlichkeit verarschen</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/12/06/wie-jacques-rogge-ioc-und-joseph-blatter-ioc-fifa-die-offentlichkeit-verarschen/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 15:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen Lügen Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports. Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar: Die ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ZÜRICH. Bleiben wir sachlich. Sezieren wir die auf vielen <del>Lügen</del> Wahrheitsbeugungen basierenden Argumentationskonstrukte der beiden mächtigsten Männer des Weltsports.</p>
<p>Die Sachlage in der Causa ISL ist sehr klar:</p>
<ul>
<li>Die <a title="The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/16/the-isl-bribery-system-138-million-chf-for-senior-officials-in-the-olympic-world/">ISL makelte einst milliardenschwere TV- und Marketingverträge</a> von IOC (Olympische Spiele), FIFA (Fußball-WM), UEFA (Fußball-EM), IAAF (Leichtathletik-WM), CAF (Afrika-Fußball), FIBA (Basketball), OCA (Asian Games), FINA (Schwimm-WM), Cart (Motorsport), ATP (Tennis), ITF (Tennis) und vielen mehr.</li>
<li>Die ISL-Gruppe ist an diese Verträge nur deshalb gekommen, weil sie über Jahrzehnte die Top-Funktionäre in den Exekutivkomitees mit exorbitanten Summen geschmiert hat, gekauft und bestochen.</li>
<li><a title="Korruptionsbilanz in FIFA und IOC: 140.785.618,93 CHF. Mindestens." href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/29/korruptionsbilanz-in-fifa-und-ioc-140-785-61893-chf-mindestens/">Mehr als 140 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld</a> sind gerichtsfest dokumentiert.</li>
</ul>
<div><img class="size-full wp-image-9842  aligncenter" title="ISL Schmiergeldbilanz" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/11/islneu-e1291042109675.gif" alt="ISL Schmiergeldbilanz" width="371" height="336" /></div>
<ul>
<li>Die Dunkelziffer liegt ungleich höher, setzt man diesen Maßstab an, den die Kriminalwissenschaft belegen kann: nur maximal fünf Prozent aller Korruptionsfälle werden entdeckt, mehr als 95 Prozent werden nie öffentlich.</li>
<li>Das vom ISL-Gründer und damaligen Adidas-Chef Horst Dassler installierte weltweite Korruptionssystem dominierte den gesamten olympischen Sport. Etliche der Begünstigten sind noch in Amt und Würden. Viele sind noch in Amt und Würden, deren Namen nicht auf den bisher ermittelten Listen stehen. <del>Viele</del> Einige der einstigen Mitarbeiter Dasslers (ob nun im ISL-Konglomerat oder bei Adidas) sind noch in Amt und Würden &#8211; manch einer strebt sogar allerhöchste olympische Weihen an.</li>
<li>Die Causa ISL hat also den Sport über Jahrzehnte geprägt, zehn Jahre nach dem ISL-Konkurs ist das Thema weiter brandaktuell &#8211; und das Thema wird es auch noch einige Jahre bleiben.</li>
</ul>
<div>Wer behauptet, das ISL-Korruptionssystem sei ein Thema für den History Channel, der lügt oder hat keine Ahnung &#8211; beide Optionen sind auch möglich.</div>
<p>Als Basisinformation soll das ausreichen, wer die Geschichten hier und anderswo auch nur ansatzweise verfolgt, weiß, dass zu jenem einzelnen Punkt Ausführungen in Romanlänge geschrieben werden könnten.</p>
<p>Nun die Frage:</p>
<ul>
<li><strong>Was unternimmt der olympische Sport?</strong></li>
</ul>
<p>Bisher so gut wie nichts.</p>
<p>Ach doch, sorry.<span id="more-11367"></span></p>
<ul>
<li>Korrupte FIFA-Funktionäre, der ISL-Schmiergeldbote Jean-Marie Weber und die FIFA haben &#8211; insgesamt &#8211; 8 Millionen Franken (einmal 2,5 Mio, einmal 5,5 Mio) gezahlt, um in <a title="Wie sich korrupte Funktionäre im FIFA-Reich des Joseph Blatter mit Millionen frei kaufen" href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/25/wie-sich-korrupte-funktionare-im-fifa-reich-des-joseph-blatter-mit-millionen-frei-kaufen/">Korruptionsverdunklungsverträgen</a> die Namen der Schmiergeldempfänger geheim zu halten.</li>
<li>Zuvor hatte die FIFA in aller Stille ihr Desinteresse an einer Strafermittlung erklärt &#8211; der Untersuchungsrichter setzte seine Arbeit dennoch fort.</li>
<li>Das IOC hat seine Ethikkommission &#8220;ermitteln&#8221; lassen, nachdem Andrew Jennings Ende vergangenen Jahres in der BBC weitere Beweise vorlegen konnte.</li>
<li>Nun werden, vielleicht, zwei IOC-Ganoven verwarnt (Diack und Hayatou). Doch einer der größten Sportbetrüger aller Zeiten, Joao Havelange, kommt ungeschoren davon.</li>
</ul>
<p>Viel mehr an Aktionen seitens des organisierten Sports ist bislang nicht bekannt. Oder kann mir jemand helfen und mein Erinnerungsvermögen auffrischen?</p>
<p>Die <a title="JW auf SpOn" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801905,00.html" target="_blank">Kernfragen</a> in der ISL-Causa lautete nach den jüngsten Entwicklungen (<a title="IOC-Doyen und FIFA-Patron João Havelange tritt zurück, weil er nicht rausgeschmissen werden will" href="http://www.jensweinreich.de/2011/12/04/ioc-doyen-und-fifa-patron-joao-havelange-tritt-zuruck-weil-er-nicht-rausgeschmissen-werden-will/">Rücktritt Havelanges</a> + <a title="live-Blog aus Zürich, Joseph Blatter greint: “Die Institution FIFA ist nicht korrupt”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/21/live-blog-aus-zurich-sepp-mutiert-zum-korruptionsbekampfer/">Blatters Versprechen, die ISL-Einstellungsverfügung offenzulegen</a>):</p>
<ul>
<li>Was hat die IOC-Ethikkommission &#8220;ermittelt&#8221;? Vielleicht gar neue Sachverhalte?</li>
<li>Wie hat die IOC-Ethikkommission die Ausschluss-Empfehlung gegen Havelange begründet?</li>
<li>Hat tatsächlich der damalige FIFA-Generalsekretär Blatter angeordnet, jene 1,5 Mio CHF Bestechungsgeld, die von der ISL irrtümlich auf ein FIFA-Konto überwiesen wurden, unverzüglich auf Havelanges Privatkonto weiterzuleiten?</li>
<li>Wenn das so gewesen wäre: Wird die IOC-Ethikkommission unverzüglich gegen Blatter &#8220;ermitteln&#8221;, was angesichts der im Raum stehenden Summe (der heutige FIFA-Präsident bestreitet derartiges Handeln, andere erinnern sich anders) u. U. auch zum IOC-Rausschmiss führen müsste?</li>
<li>Wird der Vorgang in der Einstellungsverfügung dokumentiert? (Eine meiner Quellen behauptet das. Ich weiß es allerdings nicht.)</li>
</ul>
<p>Wie sieht es also aus?</p>
<p>Zunächst einmal nimmt die FIFA <a title="live aus Zürich, Sepp Blatters Tafelrunde: “Crisis? What is a crisis?”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/19/live-aus-zurich-sepp-blatters-tafelrunde/">eine junge, unlängst von mir weltweit exklusiv begründete Tradition</a> auf und veröffentlicht ebenfalls die <a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/mm/document/affederation/bodies/01/55/27/66/0100_001.pdf" target="_blank">Tagesordnung</a> der Sitzung des Exekutivkomitees (kommende Woche in Tokio).</p>
<p>Zugleich aber <a title="fifa.com" href="http://www.fifa.com/aboutfifa/organisation/news/newsid=1552775/index.html" target="_blank">teilt die FIFA mit</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Joseph S. Blatter confirms ISL file will be published despite objection of involved party</strong></p>
<p>On 21 October 2011, FIFA President Joseph S. Blatter announced his commitment to publish the ISL-ISMM file after receiving the full backing to do so from the members of the FIFA Executive Committee. Today, the FIFA President confirms his determination to publish the file on the ISL-ISMM case despite the fact that legal measures have been taken by one of the parties involved.</p>
<p>These measures request another thorough legal analysis which<strong> will postpone the envisaged publication of the ISL file.</strong></p>
<p>Joseph S. Blatter stated today: “FIFA has been working intensively over the past few weeks with its lawyers and legal team to be able to publish the ISL file at the next meeting of the FIFA Executive Committee in Japan on 17 December 2011. It was my strong will to make the ISL file fully transparent at this meeting. I have now been advised that as a result of the objection of a third party to such transparency it will take more time to overcome the respective legal hurdles. This does not change my stance at all. I remain fully committed to publishing the files as soon as possible as an important part of my many reform plans for FIFA, which include handling the past as well as preparing the future structure of the organisation.”</p>
<p>The reform process has in any case already started and will continue with a view to presenting concrete measures at the 2012 FIFA Congress.</p></blockquote>
<p>Die Veröffentlichung, ein Kernthema der angeblichen Reformen, wird verschoben.</p>
<p>Noch Fragen?</p>
<p>Wer Fragen haben sollte, wende sich bitte an jene Anwaltkanzleien, die in den schmutzigen Deal mit der Zuger Staatsanwaltschaft beteiligt waren (und bis heute sind), <a title="Andrew Jennings’ presentation to Senate Committee in Brasilia: “The Truth about FIFA Corruption &amp; Ricardo Teixeira”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/">als da wären</a>:</p>
<ul>
<li><a title="Nobel &amp; Hug" href="http://www.nobel-hug.ch/" target="_blank">Nobel &amp; Hug, Rechtsanwälte</a></li>
<li><a title="Schweiger" href="http://www.schweigerlaw.ch/index3.asp" target="_blank">Schweiger, Advokatur Notariat</a></li>
<li><a title="Niedermann" href="http://www.niedermann.com/en/profile/" target="_blank">Niedermann, Rechtsanwälte</a></li>
</ul>
<p>Und nun zum IOC-Präsidenten Jacques Rogge [<em>in den ich vor vielen Jahren mal große Hoffnungen gesetzt hatte, die fast alle enttäuscht worden sind, aber das ist mein Problem</em>].</p>
<p>Rogge wird in der Korruptionscausa ISL-Havelange-FIFA von Nachrichtenagenturen (die das Thema lange Jahre sträflich vernachlässigten und sich an der Aufklärung eigentlich kaum oder gar nicht beteiligt haben) so zitiert:</p>
<p>dpa:</p>
<blockquote><p>Der 95-Jährige sei jetzt «ein privater Bürger», erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge. Die IOC-Ethikkommission hatte wegen Korruptionsvorwürfen gegen Havelange ermittelt. Medienberichte, nach denen der ehemalige Präsident des Fußball-Weltverbandes durch seinen Rückzug einem wahrscheinlichen IOC-Ausschluss zuvorkam, wies Rogge als «pure Spekulation» zurück. «Für mich hat sein Rücktritt mit seiner Gesundheit und seinem Alter zu tun», meinte der Belgier.</p>
<p>Havelange soll in den Bestechungsskandal um die ehemalige Sportvermarktungsfirma ISL verwickelt gewesen sein, hat diese Vorwürfe aber stets bestritten. «Da Herr Havelange kein IOC-Mitglied mehr ist, wird es keine Ermittlungen mehr gegen ihn geben, denn er ist ein privater Bürger», sagte Rogge in einem Reuters-Interview und betonte, der Doyen des IOC habe aus gesundheitlichen Gründen die Ringe-Organisation verlassen. Havelange war seit 1963 im IOC und der letzte Funktionär mit einer Mitgliedschaft auf Lebenszeit.</p>
<p>«Havelange hat mir in einem Brief von Gesundheitsproblemen geschrieben, die ihn von Reisen abhalten», erklärte Rogge. Havelange drohte eine Suspendierung durch die IOC-Exekutive am Mittwoch und Donnerstag in Lausanne: «Pure Spekulationen kommentiere ich nicht», so Rogge, «Joao Havelange hatte schon einige Termine verpasst. Bei der IOC-Session in Durban fehlte er auch.»</p>
<p><em>Quelle: dpa via <a title="sueddeutsche.de" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1245747" target="_blank">sueddeutsche.de</a></em></p></blockquote>
<p>Reuters:</p>
<blockquote><p>&#8220;Havelange sent me a letter saying that he had lately had health issues and that stopped him from travelling and he considered that due to his age and health it stopped him from travelling regularly,&#8221; Rogge told Reuters in an exclusive interview.</p>
<p>Asked whether his resignation two days before the IOC discussed the ethics commission report was an indirect admission of guilt by Havelange, Rogge said that was just speculation.</p>
<p>&#8220;I am not going to comment on what is purely speculation. Joao Havelange already had missed other meetings, in the (IOC) session (in July) he was not there either, he missed major meetings of FIFA.</p>
<p><em>Quelle: Reuters via <a title="Eurosport" href="http://asia.eurosport.com/olympicgames/london-2012/2012/ioc-cancel-probe_sto3054908/story.shtml" target="_blank">Eurosport</a></em></p></blockquote>
<p>Weitere Zitate spare ich mir. Vom he-said-she-said-&#8221;Journalismus&#8221; halte ich nichts.</p>
<p>Es ist einfach eklig. Es ist grauenvoll.</p>
<p>Oops. Da ist mir nun doch ein abwertender Begriff über die Tastatur gekommen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Im Tiefflug</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/07/05/im-tiefflug/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Jul 2011 06:32:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[DURBAN. Moin, moin. Ich denke, den folgenden Text, den ich schon mal zur Lektüre anbiete, werde ich später mit Links, Bildern, Videos und weiteren Anmerkungen aufhübschen: Yang Ho Cho, 62, ist Vielflieger und ständig unterwegs. Seine Kameras hat er immer dabei, an Motiven ist kein Mangel. Daheim in Korea lichtet er gern Wildblumen ab. Kalender [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>DURBAN. <em>Moin, moin. Ich denke, den folgenden Text, den ich schon mal zur Lektüre anbiete, werde ich später mit Links, Bildern, Videos und weiteren Anmerkungen aufhübschen:</em></p>
<p>Yang Ho Cho, 62, ist Vielflieger und ständig unterwegs. Seine Kameras hat er immer dabei, an Motiven ist kein Mangel. Daheim in Korea lichtet er gern Wildblumen ab. Kalender mit seinen Fotos verschenkt er an Freunde und Geschäftspartner. Sehr praktisch für einen Hobbyfotografen und Naturliebhaber wie Cho ist es, dass er zugleich über eine Fluglinie herrscht, neben ein paar anderen Firmen, die er besitzt und leitet. Etwa der Hanjin-Konzern, eines der größten Transportunternehmen der Welt. Chos Vater hat einst Korean Air billig von der südkoreanischen Regierung erworben, Cho hat das Unternehmen richtig groß gemacht.</p>
<p>Kürzlich war Yang Ho Cho auf Dienstreise in der Südsee, auf Neukaledonien. Auf der Rückreise von Noumea nach Seoul hatte er eine Idee: Wäre das Great Barrier Reef nicht ein packendes Motiv? Seine Gefolgschaft war begeistert. Flink handelte Cho mit der australischen Flugsicherung eine Tiefflugerlaubnis über dem größten Korallenriff der Erde aus. „Ich verhandle sowieso gerade mit den Australiern, weil die an einer Direktverbindung zwischen Cairns und Seoul interessiert sind“, sagt Cho. „Da war das schnell geklärt.“</p>
<p>Sein Jumbo drehte zwei, drei Runden über dem Naturschauspiel. „So lange, bis alle ihre Fotos geschossen hatten. Das war großartig.“ Nach einer halben Stunde ging es wieder auf Reiseflughöhe und ab nach Seoul. Freundlich erkundigt sich Cho: „Wie haben sie das eigentlich rausbekommen? Ich möchte nicht, dass das jeder weiß.“</p>
<p>Dieser Tage ist Herr Cho wieder dienstlich unterwegs. In Durban, Südafrika. Mag sein, dass er am Wochenende auf dem Rückflug nach Seoul einige Runden über den Seychellen dreht oder über den Malediven. Wenn er in Stimmung ist, warum nicht? Wenn Yang Ho Cho als Olympiasieger nach Hause fliegt, wenn er seine Mission erfüllt hat, ist vieles möglich. Auch das.</p>
<p>Herr Cho will die Olympischen Winterspiele 2018 nach Pyeongchang holen. Das ist sein Job. Es geht darum, die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu überzeugen. Rund 100 IOC-Mitglieder haben am Mittwoch die Wahl zwischen Pyeongchang, einem verschlafenen Provinzstädtchen rund 200 Kilometer östlich der Metropole Seoul, zwischen München und dem französischen Annecy. Pyeongchang ist Favorit. Zuletzt haben die Koreaner zweimal knapp verloren: für die Winterspiele 2010 gegen Vancouver, für 2014 gegen Sotschi.</p>
<p>Als Chef des Bewerberkomitees arbeitet Cho in Durban Hand in Hand mit Südkoreas Präsidenten Lee Myung-Bak, der schon am Sonnabend anreiste, als die Hälfte der Zielpersonen noch beim IOC-Mitglied Fürst Albert in Monaco Hochzeit feierte. Herr Cho gebietet über mehrere Hundertschaften von Mitarbeitern, Lakaien, Beratern,Vasallen, Lobbyisten. Präsident Lee ist sein Star.</p>
<p>Staatspräsident Lee hat im vergangenen Jahr einen anderen Wirtschaftsfürsten nach einem Korruptionsurteil begnadigt: Kun Hee Lee, Chef des Samsung-Konzerns, der inKorea einen gottgleichen Status genießt. Kun Hee Lee wurde beauftragt, die Olympischen Spiele nach Pyeongchang zu holen. Der Samsung-Boss ist selbst IOC-Mitglied, er sponsert das IOC, etliche Weltverbände und sogar den Deutschen Olympischen Sportbund. Aber er redet nicht gern über sein Engagement. Seine Adjudanten, die ihn von rechts und links stützen, wenn Chairman Lee durch die Kongresshallen wandelt, blocken jeden Annäherungsversuch ab.</p>
<p>Es ist eine Tradition in Südkorea, dass Konzernchefs, die Bosse der mächtigen Chaebols, die meist noch in Familienbesitz sind, auch über Sportverbände gebieten. Das Sportbusiness offeriert vielfältige Kontakt- und Geschäftsoptionen. Als Seoul Anfang der 1980er Jahre die Olympischen Sommerspiele 1988 zugesprochen wurden, entließ der damalige Militär-Diktator Chun Doo Hwan die komplette Sportführung und ersetzte sie durch Wirtschaftsbosse.</p>
<blockquote><p>Samsung-Chef Lee wurde Präsident des Ringerverbandes, ich wurde Präsident des Judoverbandes, der Hyundai-Chef begann mit Reiten und Fußball, und viele andere übernahmen auch Führungspositionen &#8230;</p></blockquote>
<p>&#8230; sagt Yong Sung Park, dessen Familie den Doosan-Konzern aufgebaut hat.</p>
<p>Herr Park, 71, beaufsichtigte 1988 in Seoul die olympischen Judo-Wettbewerbe, wurde später IOC-Mitglied und Präsident des Judo-Weltverbandes. Nach einer Korruptionsaffäre wurde er diese Ehrenämter wieder los. Daheim in Korea aber begnadigte man ihn: Park sollte die Winterspiele 2014 nach Pyeongchang holen. Das Vorhaben misslang sehr wahrscheinlich, weil russische Oligarchen mehr Geld gezahlt haben als koreanische Wirtschaftsführer. Die Spiele gingen nach Sotschi. Erst Vancouver, dann Sotschi. Der Kampf um die Winterspiele wurde zum Trauma für die Südkoreaner.</p>
<p>YS Park, wie sie ihn nennen, ist auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Er hat eine extrem junge Mannschaft um sich geschart. Eine weltoffene Truppe, kein Vergleich zu jenen verschlossenen Teams, die sich in den vergangenen Jahren um Olympia bewarben. Klischees sind unangebracht. Korea öffnet sich weiter. Eine von Parks Mitarbeitern im NOK heißt Yeonji Kim. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, ihre Eltern leben noch immer in Aachen, und vielleicht ist Yeonji Kim mehr Deutsche als Koreanerin. Sogar ihren ersten von zwei Weltmeistertiteln im Taekwondo gewann sie einst in Deutschland: in Garmisch-Partenkirchen, Kernregion der Münchner Olympiapläne.</p>
<p>Die Welt des Sports ist klein. Herr Park hat Yeonji Kim zuletzt für einige Wochen nach Frankfurt geschickt, damit sie von dort aus die deutschen Medien beobachtet und ihm berichtet. YS Park kennt sich selbst bestens in Deutschland aus. München, das er zwei Dutzend Mal besucht hat, zählt zu seinen Lieblings-Destinationen. Er mag deutsches Bier, hat selbst im Brauerei-Geschäft viele Millionen gemacht, und er liebt deftiges Essen. Park schwört auf Schweinshaxe im Franziskaner in München.</p>
<p>Anders als YS Park ist Bewerbungschef Yang Ho Cho ein recht scheuer Mensch. Das kann ein Problem sein für Pyeongchang. Denn Cho mag das Rampenlicht nicht. Diese verdammte Aufregung, die ihn stets packt, wenn er vor Kameras steht und das Licht angeht – er kann sie einfach nicht besiegen. Sein Team hat alles versucht. Doch Cho wird fahrig und verliert seine Lässigkeit, die ihn im persönlichen Gespräch auszeichnet. Er gerät ins Stocken, sein Englisch wirkt plötzlich sehr bescheiden, dabei hat er in den USA studiert. Terrence Burns, ein Amerikaner, der für Pyeongchang die Präsentationen vor dem IOC-Wahlvolk komponiert, hat Cho bei einer Probe vorsichtig gefragt, ob er bitte darauf verzichtenkönne, seinen Namen vom Blatt abzulesen.</p>
<p>Das fällt Herrn Cho schwer. Dagegen kann man nichts tun. Seine Berater und PR-Strategen versuchen ihn deshalb etwas abzuschotten. Das ist sehr misslich für die Bewerbung Pyeongchangs, denn auf der Seite der Konkurrenz strahlt Katarina Witt in jede Kamera und plappert munter drauflos.</p>
<p>Herr Cho hat Theresa Rah als Sprecherin verpflichtet, eine weltgewandte Diplomatengattin, die auch einige Zeit in Deutschland gelebt hat. Mit Theresa Rah, mit Pyeongchangs Kommunikationschef Muchol Chin, den er wie viele andere für die Bewerbungszeit von Korean Air abgezogen hat, sowie zwei Beratern aus England, Mike Lee, und Ungarn, Laszlo Vajda, sitzt Cho am Montagnachmittag im Daruma-Restaurant an der Strandpromenade von Durban. Sie besprechen die nächsten Stunden. Die entscheidenden Stunden bis am Mittwoch ab 15.35 Uhr gewählt wird.</p>
<p>Es geht in diesen Tagen immer darum, ein so genanntes Momentum zu erzeugen. Plötzlich wird wichtig, was die Medien berichten.</p>
<blockquote><p>Ein Momentum ist, wenn Journalisten nicht mehr über die Schwächen eines Bewerbers berichten, sondern nur noch über die Stärken &#8230;</p></blockquote>
<p>&#8230; sagt der Engländer Jon Tibbs, der für München arbeitet. „Dieses Momentum haben zuletzt die drei Siegerstädte London, Sotschi und Rio de Janeiro demonstriert.“ Tibbs hat für Sotschi gearbeitet. Sein großer Gegenspieler Mike Lee war für London und Rio tätig.</p>
<p>Schlechte Schlagzeilen in den letzten Tagen wären fatal, denn es geht letztlich bei Olympiabewerbungen mehr um Stimmungen, um politische Verbindungen und private Vorlieben als um Fakten. Kein IOC-Mitglied ist verpflichtet, auf der Grundlage eines IOC-Prüfberichtes zu entscheiden, der die drei Bewerbungen nach sechzehn technischen Kriterien einordnet und Stärken und Schwächen auflistet. Und das ist das Problem in diesem Wettbewerb, bei dem über Milliardeninvestitionen entschieden wird.</p>
<p>Pyeongchang ist von der so genannten IOC-Ethikkkommission im vergangenen Herbst verwarnt worden, nachdem Samsung und Korean Air Sponsorenverträge mit den Weltverbänden der Ruderer und Eisläufer abgeschlossen hatten. Ruder-Präsident Dennis Oswald, ein IOC-Mitglied aus der Schweiz, stimmt deshalb am Mittwoch nicht mit ab – sein Verband aber kassiert das Geld von Samsung. Eislauf-Präsident Ottavio Cinquanta, IOC-Mitglied aus Italien, stimmt mit ab – der Vertrag mit Herrn Chos Fluglinie wurde auf Eis gelegt. Bis zum kommenden Donnerstag.</p>
<p>„Die Geschäftskultur in Korea ist aber schon viel transparenter geworden“, sagt Charm Lee. Der Chef der südkoreanischen Tourismusbehörde hieß früher einmal Bernhard Quandt. Er kam in den 1970er Jahren aus Bad Kreuznach nach Südkorea und erhielt als erster Deutscher die koreanische Staatsbürgerschaft. Charm Lee ist ein Star in Korea, sein Leben wurde als Seifenoper aufgeführt, mit Einschaltquoten von bis zu 70 Prozent. Lee sagt, das Engagement von Konzernchefs mit Korruptions-Hintergrund könne sich „auch negativ auswirken auf Pyeongchangs Bewerbung“.</p>
<p>Die Herausforderer aus Deutschland haben die Korruptionsgeschichten des Olympia-Favoriten nie öffentlich kommentiert. Inoffiziell aber haben sie gern darauf hingewiesen und dabei doch stets vergessen, dass die moderne Sportkorruption in Deutschland erfunden wurde.</p>
<p>Es war der einstige Adidas-Patron Horst Dassler, der den Weltsport seit den 1970er Jahren mit einem Geflecht der Schattenwirtschaft überzog. Zahlungen von rund 100 Millionen Euro aus seiner einstigen Marketingagentur ISL an höchste olympische Sportfunktionäre sind bestens dokumentiert. Dassler machte damals auch beste Geschäfte in Südkorea und förderte das damalige IOC-Mitglied Kim Un Yong sehr.</p>
<p>Kim ist inzwischen wegen Korruption verurteilt und aus dem IOC verstoßen. Als Kim seinen letzten großen olympischen Angriff startete und 2001 IOC-Präsident werden wollte, wurde er von Thomas Bach unterstützt, dem heutigen DOSB-Präsidenten und IOC-Vize. Bach bürgte für Kim. Früher hat Bach als Adlatus von Dassler gedient. Über derlei Zusammenhänge aber schweigen die Deutschen lieber.</p>
<blockquote><p>Auf der Zielgeraden können Bewerbungen gewonnen und verloren werden</p></blockquote>
<p>&#8230; sagt Mike Lee, Chef der Agentur Vero Communications. Er hat einst als politischer Campaigner bei New Labour begonnen. Gewann dann an der Seite von Premier Tony Blair 2005 auf der IOC-Session in Singapur die Olympischen Sommerspiele mit London. 2009 lotste er Brasiliens damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva durch die medialen Klippen und gewann auf der IOC-Session in Kopenhagen die Sommerspiele für Rio. In Durban berät er Yang Ho Cho. „Es geht immer um das Gesamtpaket“, sagt Lee.</p>
<p>Das Gesamtpaket von Pyeongchang stimmt. Das von München auch. Dabei sind die Pakete doch totalunterschiedlich.</p>
<p>München wirbt mit vollen Stadien, Wintersporttradition und Emotionen. Ein „Festival der Freundschaft“ wolle man feiern. Zuletzt hat sich Sponsor BMW sehr stark engagiert und setzt den koreanischen Konzernen einiges entgegen.</p>
<p>Pyeongchang wirbt mit Wirtschaftskraft und den Verheißungen eines neuen Marktes. Der Slogan heißt: „Neue Horizonte“. Zwei mal erst wurden die Winterspiele auf denbevölkerungsreichsten Kontinent vergeben – aber 20 Mal nach Europa und Nordamerika. „Pyeongchang ist bereit für die Spiele und wird ein großes Vermächtnis hinterlassen“, sagt Yang Ho Cho. Er hat dem IOC versprochen, bis 2018 auch als Chef des olympischen Organisationskomitees zu arbeiten.</p>
<p>Die Kernfrage hat sich seit Jahren nicht geändert: Kann das IOC einem Bewerber, der zweimal knapp unterlag und der in zehn Jahren sämtliche Versprechen hielt und Milliardeninvestierte, ein drittes Mal absagen? Kann das IOC den koreanischen Konzernchefs, die mit Milliardensummen den olympischen Betrieb alimentieren, einen Korb geben?</p>
<p>Es kann. Aber es sieht nicht danach aus.</p>
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		<title>† Anwar Chowdhry</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 22:38:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-8550 alignnone" style="margin: 5px;" title="Anwar Chowdhry" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/Chowdhry.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="150" height="200" align="left" />Kleine Nachtlektüre. Einer der korruptesten olympischen Sportfunktionäre aller Zeiten, das will schon was heißen, ist verstorben. Anwar Chowdhry aus Pakistan, einst Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (neben John Boulter, <a title="tag: Jean-Marie Weber" href="http://www.jensweinreich.de/category/jean-marie-weber/" target="_self">Jean-Marie Weber</a>, Thomas Bach und anderen), wurde 88 Jahre alt. Er war ein enger Kampfgefährte des kürzlich ebenfalls verblichenen IOC-Supremo <a title="† Juan Antonio Samaranch" href="http://www.jensweinreich.de/2010/04/21/%e2%80%a0-juan-antonio-samaranch/" target="_self">Juan Antonio Samaranch</a>, wurde 1986 von Adidas auf den AIBA-Thron gehievt, in einer sagenumwobenen Wahlschlacht in Bangkok, mit Sex und Huren und Geld und allem &#8211; blendend dokumentiert sind die Vorgänge übrigens in Stasi-Akten.</p>
<p>Ich habe in den vergangenen Jahren viel berichtet über Chowdhrys Machenschaften, u.a. <a title="Der olympische Sumpf" href="http://www.jensweinreich.de/referenzen/bucher/der-olympische-sumpf/" target="_self">in diesem Buch</a>. Eine Reportage von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney fasst seine Ära ganz gut zusammen, glaube ich. Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten zu Anwar Chowdhry, der sich gern als <strong>&#8220;höchstdekorierten Sportführer der Welt?</strong> bezeichnet hat. Ich finde es außerordentlich schade, dass ich damals noch nicht fotografiert habe. Dieses Gespräch mit ihm in den Katakomben der olympischen Box-Arena hätte ich auch ganz gern auf Video aufgenommen.</p>
<p>Ching-Kuo Wu, Präsident des Amateur-Box-Weltverbandes AIBA und IOC-Exekutivmitglied aus Taiwan, schreibt zum Tode Chowdhrys:</p>
<div id="attachment_8544" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><img class="size-full wp-image-8544" title="Condolence-Letter-to-all-NFs-on-Chowdhry's-Death---June-20" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/Condolence-Letter-to-all-NFs-on-Chowdhrys-Death-June-20.gif" alt="" width="530" height="750" /><p class="wp-caption-text">Condolence Letter to all NFs on Chowdhry&#39;s Death, June 20, 2010 (c) AIBA</p></div>
<p>SYDNEY, 19. September 2000. Wenn sich die Besten der Weltjugend prügeln im Convention Centre von Darling Harbour, sitzen die beiden Oberaufseher ganz nah am Ring. Anwar Chowdhry und Loring Baker, Präsident und Generalsekretär des Box-Weltverbandes AIBA, verfolgen die Kämpfe an einem Tischchen, auf dem sich Computerbildschirme befinden, mit denen sie die Arbeit der Punktrichter überwachen können. Die ergrauten Sportfreunde, die gemeinsam über 153 Jahre Lebenserfahrung verfügen, sind derzeit hart gefordert. Gilt doch die AIBA als Synonym für Bestechung jeder Art. Für Betrug am Sport und an den Athleten. So war es kein Zufall, dass zu jenen beiden des organisierten Verbrechens verdächtigen Sportfunktionären, denen vor knapp zwei Wochen die Einreise nach Australien verweigert wurde, der AIBA-Funktionär <a title="tag: Gafour Rachimow" href="http://www.jensweinreich.de/?s=gafour+rachimow" target="_self">Gafour Rachimow</a> gehörte.</p>
<p>Der Pakistani Chowdhry ist zwar dafür bekannt, dass er gern laut und viel erzählt, am liebsten während ausschweifender nächtlicher Saufgelage, doch Interviews liebt er eigentlich nicht. Um so überraschender, dass sich Chowdhry diesmal auf ein Gespräch einlässt, ja sogar in sein Büro einlädt.</p>
<blockquote><p>„Ich werde Ihnen mal die Wahrheit erzählen, junger Mann“, sagt er, „denn in den Zeitungen steht ja nur Scheiße über mich.“</p></blockquote>
<p>So ist Anwar Chowdhry, der in der AIBA nur „der Professor“ genannt wird: auf seine Art sehr direkt.</p>
<p>Einer seiner Bodyguards führt in präsidiale Office, das schmucklos eingerichtet ist. Nur einer von vielen mit Wänden aus Hartpappe abgetrennten Arbeitsräumen in den Katakomben des Convention Centre: Schreibtisch, zwei Sofas, ein Tischlein, wenige Stühle, in einer Ecke steht ein kleiner Tresor. Chowdhry lässt sich tief in seinen Sessel plumpsen und referiert drauflos. Seine schlichten Thesen lassen sich leicht zusammenfassen:</p>
<blockquote><p>„Ich bin kein Gauner. Ich bin kein Heuchler. Ich sage die Wahrheit. Ich bin ein großer und geachteter Sportfunktionär.“</p></blockquote>
<p>Dies verkündet er wörtlich und in vielerlei Variationen. In dieser Beziehung ist der Professor sehr erfindungsreich.</p>
<p>Natürlich ist es müßig, den Fuchs im Hühnerstall zu fragen, ob er gerade ein Huhn zu verspeisen beabsichtige oder wie viele er im Laufe seines Lebens bereits verschlungen hat. So wie der Fuchs diese Frage nicht wahrheitsgetreu beantworten wird, sieht auch Chowdhry keinen Grund, sich als derjenige zu enttarnen, als der er in weiten Kreisen des Weltsports verrufen ist: als Ganove.</p>
<p>Der Berliner Karl-Heinz Wehr, der Chowdhry als AIBA-Generalsekretär anderthalb Jahrzehnte die Geschäfte geführt hat, beschrieb den Pakistani einmal so:</p>
<blockquote><p>„Chowdhry ist charakterlich ein absolutes Schwein, unaufrichtig, hinterhältig und verschlagen. Chowdhry ist ein absoluter Geschäftemacher und in jeder Beziehung korrupt.“</p></blockquote>
<p>Zahlreiche Veröffentlichungen aus Wehrs umfänglichen Stasi-Akten haben Chowdhry in den neunziger Jahren Probleme bereitet. So musste auf Grundlage dieser Unterlagen eine der katastrophalsten Fehlentscheidungen der Sportgeschichte überprüft werden: Das Urteil im Finalkampf der Olympischen Spiele 1988 gegen den Amerikaner Roy Jones. Nach Monaten der Verschleppungstaktik und nicht gar so intensiver Recherche erklärte das IOC jedoch, es hätten sich keine Beweise für Bestechung am olympischen Boxring gegeben. Ein lächerliches Urteil. Roy Jones, inzwischen zum Profi-Weltmeister aufgestiegen, nahm kurz darauf dennoch einen Olympischen Orden an.</p>
<p>Chowdhry hat sich spätestens 1998 mit Karl-Heinz Wehr entzweiht. Der Deutsche verbündete sich damals mit dem Taiwanesen Ching-Kuo Wu, einem IOC-Mitglied, und mit dem Amerikaner Paul Konnor. Das Trio wollte Chowdhry und seine „russisch-balkanische Fraktion“ (Wehr) stürzen. Konnor, damals Chef der AIBA-Rechtskommission, beschwerte sich bei IOC-Präsident Samaranch: Goldmedaillen seien käuflich, schrieb Konnor, Chowdhry begehe „verachtenswerte Verbrechen&#8221; an Sportlern und habe sich mit 400.000 Dollar aus der Verbandskasse bedient. Samaranch hat nie reagiert.</p>
<blockquote><p>„Konnor ist ein Feigling“, sagt Chowdhry, er hat mir immer gesagt, dass ich ein vorbildlicher Präsident bin. Er hat nie den Mut gehabt, etwas öffentlich gegen mich vorzubringen. Als er dann den Mund aufgemacht hat, wurde er aus der AIBA rausgeschmissen. Das ist unsere Demokratie. So einfach ist das.“</p></blockquote>
<p>Wehr formulierte seinerzeit gemeinsam mit Wu ein Manifest für „Ehrlichkeit und Fairplay im olympischen Boxen &#8211; gegen alle Formen der Manipulation, der Korruption, der Bestechung und des Dopings“. Doch Samaranch unterstützte auch diese beiden Opponenten nicht. So wurden Wehr, Wu und Konnor auf dem AIBA-Kongress im November 1998 im türkischen Antalya vorgeführt. Sie verloren alle Posten, auch ihre Sitze im Exekutivkomitee.</p>
<p>„Ich habe Karl-Heinz Wehr immer wie einen Bruder behandelt“, säuselt Chowdhry, „ich weiß nicht, was plötzlich in ihn gefahren war, dass er gegen mich arbeitet und auch noch glaubt, er hätte damit Erfolg.“ Es habe vor Antalya sogar Morddrohungen gegen ihn gegeben, berichtete Wehr. Dies und die Anschuldigung, dass die „Wahlen“ von Chowdhrys Gefolgsleuten gekauft worden seien, bestreitet der AIBA-Präsident. Selbstverständlich. Im Reiche Chowdhry funktioniert das ganz anders, viel einfacher, nämlich so:</p>
<blockquote><p>„Ich bin auf der ganzen Welt für meine Rechtschaffenheit bekannt. Die Leute lieben mich. Kann etwa jemand immer wieder einstimmig gewählt werden, der ein Schweinehund ist? Wir haben 190 Mitgliedsverbände in der AIBA. Glauben sie, das diese 190 Wahlmänner alle Trottel sind?“</p></blockquote>
<p>Im Arbeitsraum haben sich inzwischen einige Kampfgefährten versammelt. Auch der Türke Caner Doganeli, Vizepräsident der AIBA und angeblich Favorit auf die Nachfolge Chowdhrys. Die Claqueure begleiten jeden Satz ihres Meisters mit Beifall.</p>
<blockquote><p>„Der Professor“, sagt Doganeli, „hat unendlich viel für den Boxsport getan. Es ist ein Skandal, dass er sich ständig mit solchen bösen Unterstellungen herumärgern muss.“</p></blockquote>
<p>Zu dumm aber auch, dass Chowdhry &amp; Co. inzwischen in aller Welt als Gangsterbande bezeichnet werden. Angeblich hat die Mafia, ob nun russische, mittelasiatische oder türkische Gruppierungen, längst das Kommando in der AIBA übernommen. „Die Vorgänge sind eine Schande“, hat das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg öffentlich gesagt, eine Überprüfung gefordert und den Ausschluss aus dem olympischen Programm angedroht.</p>
<blockquote><p>„Nichts wissen Leute wie Heiberg“, entgegnet Chowdhry, „mit mir hat er kein Wort gesprochen. Und was da in den Zeitungen geschrieben steht, ist shit, shit, shit. Bloody shit.“</p></blockquote>
<p>Großvater Chowdhry redet sich schnell in Rage. Er brüllt oft und im Verlauf des einstündigen Gesprächs knallt er dutzende Male die Fäuste auf den Tisch. Der kleine Recorder, der das Interview mitschneidet, hüpft jedesmal zehn Zentimeter in die Höhe. Die Tischplatte biegt sich gefährlich tief. Doch dann hat sich der Choleriker auch schon wieder beruhigt.</p>
<p>Am meisten hat Chowdhry verletzt, dass sein „Freund Gafour“ Rachimow aus Usbekistan nicht nach Australien einreisen durfte. Chowdhry sagt, er sei wie IOC-Präsident Samaranch bereits Ende August vom SOCOG-Sicherheitschef Sandy Hollway informiert worden, dass es Schwierigkeiten geben würde mit Rchimow, dem mutmaßlichen Mafiapaten und Chef der AIBA-Businesskommission. Er hat daraufhin die Usbeken informiert, die beschwerten sich bei der australischen Botschaft in Moskau – aber die Olympiagastgeber blieben hart.</p>
<div id="attachment_8548" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><img class="size-full wp-image-8548" title="SMH" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/SMH.gif" alt="" width="530" height="485" /><p class="wp-caption-text">Titelseite Sydney Morning Herald, September 2000</p></div>
<p>Das IOC, das laut Chowdhry doch längst Bescheid wusste, tat dann so, als sei die Einreiseverweigerung überraschend gekommen. Für Chowdhry ist Rachimow selbstverständlich ein Ehrenmann.</p>
<blockquote><p>„Er hatte bereits eine VIP-Akkreditierung, so wie auch Nelson Mandela. Ich begreife nicht, warum man ihm die wieder wegnehmen kann.“</p></blockquote>
<p>Chowdhry redet noch eine Weile über seinen aufopferungsvollen Kampf gegen korrupte Kampfrichter, lobt sich als Erfinder des Punktcomputers (was er in Wirklichkeit nicht ist) und beschließt dann die Audienz mit einer milden Gabe zu beenden. Ein Lakai trägt eine schwarze Umhängetasche für den Gast herbei.</p>
<blockquote><p>„Nehmen Sie ruhig, das ist keine Bestechung, das fällt noch unter die IOC-Geschenkregel von 200 Dollar“, witzelt der AIBA-Präsident.</p></blockquote>
<p>200 Dollar ist die Grenze, die das IOC 1999 auf seiner Krisensession nach dem <a title="Ten years after: Marc Hodler" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/11/ten-years-after-marc-hodler/" target="_self">Bestechungsskandal von Salt Lake City</a> festgelegt hat. Ein Blick zu seinen mürrisch dreinschauenden Gorilla lässt den Gedanken aufkommen, es sei vielleicht besser, das Präsent nicht abzulehnen. Also trollt man sich mit dem Täschen, neugierig darauf, was der Professor da so alles verschenkt.</p>
<p>Eine Mappe mit all seinen Verdiensten und Ehrentiteln findet sich darin, eine Krawatte, eine Uhr – alles ist in irgendeiner Form mit Chowdhrys Namen geschmückt. Schließlich noch eine Geldbörse. Wie beziehungsreich. Jedoch finden sich keine Dollarscheine.</p>
<p><em>(Ich habe die Uhr übrigens noch irgendwo liegen.)</em></p>
<p>Okay, die Nacht ist lang, und da ich stets zu Übertreibungen neige, flink noch die wichtigsten Geschichten nach dieser, meiner Lieblingsgeschichte über die Ära Chowdhry. Aus den Jahren zuvor, wer das leider vergriffene Buch &#8220;Der olympische Sumpf&#8221; nicht lesen kann, wäre noch diese Seite-3-Geschichte aus der Berliner Zeitung vom September 1996 interessant, als Übersichtstext:</p>
<ul>
<li><a title="BLZ, September 1996" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1996/0918/reporter/0003/index.html" target="_blank">Ein paar Millionen sollen die IOC-Direktorin kalt gestellt haben</a></li>
</ul>
<p>Samaranch, <a title="KGB Gate" href="http://www.jensweinreich.de/2009/11/06/kgb-gate-samaranch-more-russian-olympic-secret-agents-ioc-fifa-and-the-opus-dei/" target="_self">der mutmaßliche KGB-Spion</a>, hat nach dieser Geschichte in Spanien auf einer Pressekonferenz übrigens gesagt, wenn alle Informationen der Stasi (ich habe lang aus Akten zitiert) so unzutreffend wären, wie diese, könne er nur lachen.</p>
<p>Die weiteren Geschichten zur unendlichen AIBA-Story:</p>
<p><em>30. Oktober 2002</em></p>
<blockquote><p><strong>Sein Wille geschehe</strong></p>
<p>Die olympische Bewegung erlebt in dieser Woche ein weiteres Beispiel gelebter Demokratie: den &#8220;Wahl&#8221;-Kongress im Weltverband der Amateurboxer (AIBA) im ziemlich teuren Hotel Meridien in Kairo. Obwohl die Boxfunktionäre erst von Donnerstag bis Sonnabend in der ägyptischen Metropole tagen und tafeln, stehen die wichtigsten Ergebnisse dieses sehr speziellen Konvents bereits fest. Anwar Chowdhry, dieser routiniert jung gebliebene Ehrenmann aus Pakistan, bleibt auch die nächsten vier Jahre Präsident.</p>
<p>Als &#8220;epochales Ereignis&#8221; wurde in der AIBA bereits Chowdhrys Benennung von 97 der 190 Mitgliedsverbände gefeiert. Einen Gegenkandidaten gibt es selbstverständlich nicht (das wäre ja auch einmal etwas Neues), nachdem die zeitweise interessierten Robert Voy (USA) und Ching-Kuo Wu (IOC-Mitglied aus Taiwan) unter Druck rechtzeitig ihren Verzicht erklärten. So wird also Anwar Chowdhry, der am 26. Oktober bereits sein 79. Lebensjahr vollendete und der sich gern als &#8220;höchstdekorierten Sportführer der Welt&#8221; bezeichnet, in Kairo per Akklamation im Amt bestätigt werden, das er bereits seit 1986 einnimmt.</p>
<p>Die Mitglieder des AIBA-Exekutivkomitees wurden ausnahmslos von Chowdhry selbst auserwählt. Sekundiert wird Chowdhry auch weiterhin von seinen wichtigsten langjährigen Getreuen: Caner Doganeli (Türkei), dem neuen AIBA-Generalsekretär, und Gafour Rachimow (Usbekistan), dem Vizepräsidenten und Chef der so genannten AIBA-Business-Kommission.</p>
<p>Nur zur Erinnerung: Rachimow ist jener Ehrenamtler aus dem total-demokratischen Sportwunderland Usbekistan, der zu den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney keine Einreise erhalten hatte, weil ihn die Behörden des Gastgeberlandes als &#8220;Gefahr für die Sicherheit des australischen Volkes&#8221; geortet hatten. Rachimow soll einer der Köpfe des Drogenhandels in Mittelasien sein. Rachimow zählt zu den Geschäftspartnern und Freunden des derzeit in Italien inhaftierten mutmaßlichen Mafioso Alimsan Tochtachunow, der vom FBI unter anderem verdächtigt wird, Kampfrichter-Entscheidungen bei den Eiskunstlaufwettbewerben (Paarlauf, Eistanz) bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City manipuliert zu haben. So viel zum ruhmreichen Einfluss usbekischer Granden im olympischen Sport.</p>
<p><span id="more-8542"></span>Zurück zur AIBA. Zwar steht das Amateurboxen nicht auf jener umfassenden Streichliste, über die Ende November auf der IOC-Vollversammlung in Mexiko-Stadt entschieden wird, doch ist der Verbleib im olympischen Programm keinesfalls hundertprozentig gesichert. Denn die von der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees im August abgesegneten Reform-Vorschläge sagen relativ klar aus, dass Amateurboxen, ein Hort der Korruption, ständig auf dem Prüfstand steht. Sollten weitere negative Schlagzeilen folgen, soll das IOC-Exekutivkomitee Maßnahmen ergreifen. Nimmt man nun jene Beschlüsse zum Maßstab, die nach Chowdhrys heiligem Willen in Kairo gefasst werden sollen, dann dürfte die IOC-Führung gefordert sein.</p>
<p>Beispiele gefällig? Der Berliner Karl-Heinz Wehr, von Chowdhry abservierter langjähriger AIBA-Generalsekretär, hat die Anträge und Beschlussentwürfe des AIBA-Kongresses in Kairo analysiert. Er kommt zu einem vernichtenden Urteil: &#8220;Normalerweise hatte man erwartet, dass die AIBA aus den Diskussionen um den Verbleib im olympischen Programm einige positive Vorschläge umsetzt. Leider ist dies nicht der Fall. Die Leute um Chowdhry sind überhaupt nicht an Veränderungen interessiert. Das olympische Boxen wurde in eine Katastrophe geführt.&#8221;</p>
<p>Es wird im Amateurboxen auch künftig keine offene Wertung geben. Die ebenfalls vom IOC geforderte Rückkehr zur Kampfzeit von 3 x 3 Minuten (derzeit 4 x 2) wurde verworfen. Bei der Benennung der Ring- und Punktrichter (traditionell durch Chowdhry &amp; Co.) bleibt alles beim Alten. Zudem werden die weißen Trefferflächen an den Boxhandschuhen abgeschafft, was für noch mehr Verwirrung in der Wertungsfrage sorgen wird. Schließlich will man die Grenzen zwischen Amateur- und Profiboxer weiter verwischen. Das Exekutivkomitee der AIBA wird ermächtigt, Kämpfen zwischen Amateuren und Profis zuzustimmen, zudem sollen Profis künftig an nationalen, kontinentalen und Weltmeisterschaften teilnehmen können. Das AIBA-Exekutivkomitee werde &#8220;den Profis schon den Weg ins olympische Boxturnier ebnen&#8221;, hatte Chowdhry schon im März dieses Jahres getönt.</p>
<p>Es hat vor dem Kongress durchaus vernünftige Vorschläge gegeben &#8211; Chowdhry hat sie abgelehnt. So wurden von 40 Vorschlägen, die europäische Verbände eingereicht haben, lediglich vier akzeptiert. Dem gegenüber stehen 85 teilweise recht unsinnige Ideen, die sich Chowdhry und seine Vasallen in Kairo absegnen lassen. Dazu gehört nicht zuletzt der Plan, Weltmeisterschaften künftig jährlich auszutragen.</p>
<p>Ein nicht ganz unwichtiger Tagesordnungspunkt sei nicht verschwiegen. Der Verband wird umbenannt: Statt Amateur International Boxing Association soll er künftig Olympic International Boxing Association (OIBA) heißen. Irgendwie legt man auf das Wort &#8220;olympic&#8221; doch großen Wert. Schließlich lebt die AIBA/OIBA vor allem von jenen vier Millionen Dollar, die das IOC als Anteil an den olympischen Fernsehrechten überweist. Dummerweise weiß niemand genau, was mit dem Geld geschieht.</p></blockquote>
<p><em>6. November 2006</em></p>
<blockquote><p><strong>Letzter Gang für den Box-Paten</strong></p>
<p><em>Der Weltverband wählt den Präsidenten Chowdhry ab</em></p>
<p>Das ist doch mal eine gute Nachricht für den Sport: Anwar Chowdhry (83) ist gestürzt. Der Weltverband der Amateurboxer (AIBA) hat einen neuen Präsidenten. 20 Jahre lang hat der Pakistani Chowdhry die AIBA mit vorsintflutlichen Methoden geführt, auf dem Kongress in Santo Domingo verlor er die Abstimmung gegen den 60 Jahre alten Taiwanesen Ching-Kuo Wu mit 79:83 Stimmen bei einer Enthaltung. Eine so knappe Entscheidung hat es in der olympischen Welt bisher kaum gegeben.</p>
<p>Für das Amateurboxen ging es um Leben oder Tod. Zwar hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC), zu dessen Mitgliedern Ching-Kuo Wu seit 1988 zählt, auf seiner Session im Juli 2005 in Singapur dem Sport noch einmal bis 2012 den Olympiastatus verpasst, eine Zahlung aus den Fernsehgeldern in Höhe von 9,15 Millionen US-Dollar war jedoch eingefroren worden. Das Problem der AIBA heißt seit zwei Jahrzehnten Anwar Chowdhry. Es ist selten nachvollziehbar, auf welchen Konten in diesem Verband Geld verschwindet. Von der Opposition war moniert worden, dass über Ausgaben von 670 000 Dollar keine Belege existieren. Verantwortlich dafür: Chowdhry und sein Generalsekretär Caner Doganelli (Türkei).</p>
<p>Chowdhry hatte noch in Santo Domingo getönt, nur er allein könne die AIBA führen. &#8220;Wu hat keine Ahnung, der weiß nichts über Boxen&#8221;, sagte er. Nun wurde Chowdhry davon gejagt. Doganelli allerdings, der ebenfalls einen katastrophalen Ruf genießt und dem Nähe zur organisierten Kriminalität nachgesagt wird, darf bleiben. Wegen des Umsturzes nun aber von einer Revolution zu sprechen, wäre verfrüht. Sicher, Sportkamerad Wu hat einen guten Leumund; allerdings darf man nicht vergessen, dass sein Weg ins Präsidentenamt vor allem durch die zurückgezogene Kandidatur eines mutmaßlichen Drogendealers namens Gafour Rachimow möglich wurde. Der Usbeke, der im Visier von Europol, FBI und anderen Ganovenjägern steht, hatte selbst Präsident werden wollen. Zuletzt empfahl er dem AIBA-Völkchen &#8211; und hier besonders den afrikanischen Delegierten -, Ching-Kuo Wu zu wählen. Er dürfte seine freundliche Empfehlung unterlegt haben mit diversen Gaben, anders läuft es in diesem Verband kaum.</p>
<p>Das Problem der AIBA ist also noch lange nicht gelöst. Korruption, ob nun in Form von Unterschlagung, Kampfrichterbetrug oder Erpressung, dominiert nach wie vor den klinisch toten Verband. Herr Dr. Wu, ein ehemaliger Basketballer und Architekt, steht eine titanische Aufgabe bevor. Es wird interessant sein, welche Skandale er ans Tageslicht befördert und wie er sich zu Doganelli und Rachimow verhält.</p>
<p>Die Nähe zum IOC ist schon mal gegeben. Durch Ching-Kuo Wu persönlich und durch den Umstand, dass die AIBA in der Schweiz ihre Geschäftsstelle hat. Eines hat sogar Rachimow begriffen, wie er den nationalen Boxverbänden kürzlich schriftlich mitteilte: &#8220;Eine der perspektivischen Aufgaben der AIBA besteht meiner Ansicht nach darin, in einen konstruktiven Dialog mit dem IOC zu treten und bedingungslos alle Empfehlungen des IOC zu akzeptieren.&#8221; Nun dann.</p></blockquote>
<p><em>20. Februar 2007</em></p>
<blockquote><p><strong>Thriller von Taipeh</strong></p>
<h4><span style="font-weight: normal;"><em>Der Amateurbox-Weltverband AIBA suspendiert seinen dubiosen Generalsekretär Caner Doganeli</em></span></h4>
<p>Im Weltverband der Amateurboxer geht es weiter herzhaft zur Sache. Wie AIBA-Sprecher Richard Baker dieser Zeitung bestätigte, wurde in der vergangenen Woche in aller Stille der AIBA-Generalsekretär Caner Doganeli (Türkei) suspendiert. Ihm wird Misswirtschaft und Veruntreuung vorgeworfen. Es geht, vorerst, um mehr als eine halbe Million US-Dollar. Die Sache wurde der Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) übergeben.</p>
<p>Der Fall Doganeli beweist, dass nach einer 20 Jahre währenden Diktatur der Korruption durch den Präsidenten Anwar Chowdhry (Pakistan) die Aufräumarbeiten begonnen haben. Auf dem AIBA-Kongress in Santo Domingo im November 2006 war ja nicht nur unter mysteriösen Umständen ein Delegierter aus Mali, Pierre Diakite, ums Leben gekommen (er hatte sich gegen Chowdhry ausgesprochen und wurde später tot im Fahrstuhlschacht seines Hotels gefunden), der Kongress hatte auch einen neuen Präsidenten gewählt: Ching-Kuo Wu aus Taiwan gewann mit 83:79 Stimmen gegen Chowdhry. Wu setzte allerdings zunächst weiter auf Generalsekretär Doganeli und hatte sich auch mit dem Usbeken Gafur Rachimow verbündet. Rachimow, der in Dokumenten von polizeilichen Ermittlungsbehörden mit der organisierten Kriminalität und Drogenhandel in Verbindung gebracht wird, ist AIBA-Vizepräsident. Den Wahlkampf des Dr. Wu hatte mit Ho Kim (Südkorea) ein weiterer Funktionär zweifelhaften Rufes gemanagt. Kim wurde dafür zum Exekutivdirektor der AIBA berufen.</p>
<p>Drei Monate später trennt sich Wu von Doganeli. Schweizer Rechnungsprüfer, die AIBA-Zentrale sitzt in Lausanne, haben ihren Bericht in Taipeh dem neuen AIBA-Exekutivkomitee vorgetragen. Das Exko leitete den Fall an seine Reformkommission weiter, die vom Norweger Gerhard Heiberg geleitet wird, dem Chef der IOC-Marketingkommission. Heiberg hatte schon im Herbst 2000 in dieser Zeitung Reformen in der AIBA angemahnt: &#8220;Wenn Boxen olympisch bleiben soll, muss sich schleunigst etwas ändern.&#8221; Nun soll er im Auftrag von IOC-Chef Jacques Rogge handeln.</p>
<p>Das IOC hat inzwischen 300 000 Dollar, einen Teil der eingefrorenen olympischen Fernsehgelder, an die AIBA überwiesen. Die Lage ist vertrackt, denn Wu, selbst IOC-Mitglied, hat sich mit Personen verbündet, die Dreck am Stecken haben. Zudem werden Wu von einigen Verbänden Satzungsverstöße vorgeworfen. Merkwürdig erscheinen auch die Umstände der Ausbootung seines größten Kritikers, des russischen Verbandschefs und AIBA-Vizepräsidenten Eduard Kusainow. Dieser hatte Wu am 18. Januar in einem Brief vorgeworfen, er habe die eine Diktatur durch eine andere abgelöst, setze auf den &#8220;absolut identischen Clan&#8221; von Chowdhry und verletze die Regeln auf &#8220;kriminelle&#8221; Weise. Kurz darauf wurde Kusainow von der AIBA-Führung suspendiert. Es wurde behauptet, er gehöre einer islamischen Terrorgruppe an. Kusainow durfte deshalb nicht an der AIBA-Exekutivsitzung teilnehmen, er musste sich stattdessen einem Verhör durch die Kollegen stellen.</p>
<p>Der russische NOK-Präsident Leonid Tjagatschow erklärte umgehend schriftlich, Kusainow sei mit einem bereits verurteilten Terroristen verwechselt worden. Daraufhin wurden die Russen mit der Austragung der Box-WM im September 2007 besänftigt. Aber auch das war kurios: Denn eigentlich wurde die WM schon vor einiger Zeit vergeben. Weil nun aber Sportkamerad Ho Kim, der neue AIBA-Exekutivdirektor, die WM gern in Südkorea gesehen hätte, wurde vergangene Woche in Taipeh ein zweites Mal abgestimmt. 22:9 für Moskau.</p>
<p>Kompliziert ist die Welt des Amateurboxens. Wer lügt oder wer vielleicht sogar die Wahrheit sagt, ist schwer auszumachen. Zu den vielen Merkwürdigkeiten zählt auch, dass die Suspendierung des Generalsekretärs Doganeli nicht öffentlich publik gemacht wurde. Präsident Wu hat lediglich E-Mails an seine Exekutive geschrieben. AIBA-Sprecher Richard Baker, frisch im Amt, hat Schwierigkeiten, die Abläufe darzulegen. Blöde Lage für ihn, den Neuling. &#8220;Geben Sie uns beziehungsweise der IOC-Ethikkommission einige Wochen Zeit&#8221;, sagt Baker. Es wird weiter nach belastendem Material gefahndet. Und sicher wird sich Caner Doganeli, kein Kind von Traurigkeit, der gern Mal mit teuren Klagen droht, demnächst lautstark verteidigen.</p></blockquote>
<p><em>21. Februar 2007.</em> Nach diesem Interview mit Ching-Kuo Wu, das ins Englische übersetzt und verbreitet wurde, habe ich mal Post von Gafour Rachimows Anwalt bekommen. Es ging glimpflich aus.</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Ich hasse Leute, die ständig Lügen verbreiten&#8221;</strong></p>
<p><em>Weltbox-Präsident Ching-Kuo Wu über Korruptionsfälle und die Zukunft des olympischen Boxen</em></p>
<p>Etwas hat sich schon geändert im Amateurbox-Weltverband AIBA. Wer je versuchte, den langjährigen Präsidenten Anwar Chowdhry zu kontaktieren, konnte verzweifeln. Bei Chowdhrys Nachfolger Ching-Kuo Wu, einem Architekten aus Taiwan, läuft das so: Man schickt ihm eine Email, die er prompt beantwortet; und kaum ist man am nächsten Morgen im Büro eingetroffen, ruft das IOC-Mitglied bereits an. Dr. Wu meldet sich aus Los Angeles. Seine Botschaft: &#8220;Die Leute sollen nicht länger glauben, die AIBA sei ein korrupter Verein.&#8221;</p>
<p><em>Herr Wu, warum wurde Generalsekretär Doganeli suspendiert?</em></p>
<p>Ich wurde im November 2006 zum Präsidenten gewählt. Auf diesem Kongress in Santo Domingo wurde ja kein Finanzbericht vorgelegt. Also war es meine erste Aufgaben, unabhängige Rechnungsprüfer anzufordern. Wir haben die Akten im AIBA-Hauptquartier von PriceWaterhouseCoopers prüfen lassen. Das hat sehr viele Fragen aufgeworfen. Der Umgang mit den Finanzen der AIBA zeichnet meiner Meinung nach ein klares Bild.</p>
<p><em>Werden die Unterlagen der gesamte Chowdhry-Ära geprüft?</em></p>
<p>Nur die letzten vier Jahre.</p>
<p><em>Aus AIBA-Quellen heißt es, bei Doganeli gehe es um mehr als eine halbe Million Dollar, bei Chowdhry wahrscheinlich um mehrere Millionen.</em></p>
<p>Ich spreche nicht über Zahlen, ich kenne sie gar nicht. Ich habe, wie alle Kollegen im Exekutivkomitee, ja nur einen Kurzbericht der Prüfer gehört. Es geht um viele Unregelmäßigkeiten und wohl auch um Unterschlagung. Es sind ernste Vorwürfe, sehr gut dokumentiert. Die Buchprüfer haben viele Personen interviewt, auch die Herren Chowdhry und Doganeli. Aber die Auskünfte waren offenbar nicht überzeugend. Der gesamte Bericht, ein sehr dicker übrigens, wurde unserer Ethikkommission übergeben, die eine vorläufige Empfehlung ausgesprochen hat. Deshalb wurde Herr Doganeli suspendiert. Er kann sich nun verteidigen und alle Vorwürfe aufklären.</p>
<p><em>Es ist nicht etwa die IOC-Ethikkommission damit befasst?</em></p>
<p>Nein, das ist ein Missverständnis. Der Fall liegt in den Händen der AIBA-Ethikkommission. Die wird vom langjährigen IOC-Generaldirektor François Carrard geleitet. Wir warten nun auf die abschließenden Empfehlungen. Ich denke, im Mai oder Juni werden wir auf einer außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees entscheiden müssen.</p>
<p><em>Also noch vor der IOC-Vollversammlung in Guatemala, auf der Sie Anfang Juli gern eine erneuerte AIBA präsentieren würden.</em></p>
<p>Wir haben in der Tat schon viel erreicht für unseren Sport. Jedem unserer 197 Nationalverbände können wir Ausrüstung im Wert von 5 000 Dollar schicken. Wir haben unsere Regeln transparenter gemacht. Bei der Frauen-WM in Indien und den Asienspielen in Katar wurde ganz offen gewertet: Jeder Aktive, jeder Zuschauer, jeder Offizielle war jederzeit über die Zwischenstände informiert. Es gab keine Beschwerden. Das wird nie wieder anders sein. IOC-Präsident Jacques Rogge hat anderthalb Stunden zugesehen. Er war sehr beeindruckt. Wir erleben ein anderes Boxen. Die Zeit der Mauscheleien von Kampfrichtern und Funktionären ist vorbei. Dieses Versprechen habe ich gemacht, ich werde es halten.</p>
<p><em>Haben Sie Kontakt zu Chowdhry?</em></p>
<p>Er ist ein alter und kranker Mann. Er hat mir eine Email geschickt und seine Unterstützung versprochen. Er hat auch einige Briefe geschrieben, in denen er auf die Unterschlagungsvorwürfe eingegangen ist. Ich habe diese Post an die Buchprüfer weiter gereicht.</p>
<p><em>War es wirklich nötig, sich mit Doganeli zu verbünden, um die Macht übernehmen zu können?</em></p>
<p>Ich arbeite mit allen Menschen zusammen, die ein ehrliches Interesse am Boxsport haben. Aber sie müssen sauber und transparent agieren. Herr Doganeli wurde bisher von keinem Gericht verurteilt.</p>
<p><em>Warum haben Sie sich noch nicht vom AIBA-Vizepräsidenten Gafur Rachimow getrennt, der als &#8220;Pate von Taschkent&#8221; bezeichnet wird, der laut Polizeiberichten angeblich im mittelasiatischen Drogenhandel eine große Nummer sein soll.</em></p>
<p>Ich kenne diese Vorwürfe, und ich bin vorsichtig. Ich will die AIBA säubern. Aber ich brauche bessere Beweise. Auch Gafur Rachimow wurde bisher nie verurteilt.</p>
<p><em>Den russischen Verbandspräsidenten Eduard Kusainow haben Sie allerdings aufgrund von Zeitungsberichten suspendiert. Hat das damit zu tun, dass Kusainow Sie scharf kritisierte, Rachimow aber mit Ihnen zusammenarbeitet?</em></p>
<p>Es gab in der Tat die öffentliche Information, wonach Kusainow in terroristische Aktivitäten verwickelt sein soll und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Wir haben ihn um eine Erklärung gebeten. Er hat nichts Substanzielles gesagt. Wir haben eine halbe Stunde lang gefragt. Er hat nicht geantwortet. So haben wir einstimmig entschieden. Auch dieser Fall liegt bei der Ethikkommission. Das hat überhaupt nichts mit seiner Kritik an meiner Arbeit zu tun. Mir wird ja auch vorgeworfen, dass ich Ho Kim (umstrittener Wahlkampfmanager von Ching-Kuo Wu/d. R.) zum Geschäftsführenden Direktor der AIBA gemacht habe. Das ist ebenfalls Unsinn. Denn diese Personalie wurde auf einer Exekutivsitzung von Leuten bestätigt, die mir nun deshalb Vorwürfe machen.</p>
<p><em>Sportpolitik ist kompliziert.</em></p>
<p>Ich weiß, dass die AIBA gerade in Deutschland sehr kritisch gesehen wird. Fragen Sie doch Gerhard Heiberg aus Norwegen, der unsere Reformkommission leitet. Sie wissen, dass er zu den angesehensten IOC-Mitgliedern gehört. Er hat sich immer für Transparenz im Boxen eingesetzt. Er weiß, dass es mir nur um die Zukunft des olympischen Boxens geht. Ich habe keine finanziellen Interessen an diesem Amt. Gerhard Heiberg traut mir, jeder kann mir trauen.</p>
<p><em>Sie sind zumindest das einzige IOC-Mitglied, das all seine Telefonnummern und Email-Adressen auf seiner eigenen Webseite bereitstellt.</em></p>
<p>Ich bin total transparent und offen. Mit mir kann man jederzeit reden. Die Zeiten, als in der AIBA nur eine Stimme gehört wurde, sind ein für alle Mal vorbei. Ich hasse Leute, die ständig Lügen verbreiten.</p></blockquote>
<p>Ich finde ja Sportpolitik noch immer faszinierend.<br />
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		<title>† Juan Antonio Samaranch</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 21:22:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat ein stolzes Alter erreicht. Er war der prägende olympische Sportfunktionär der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Neben dem IOC-Gründer Pierre de Coubertin war <a title="alle Beiträge zu Juan Antonio Samaranch" href="http://jensweinreich.de/category/juan-antonio-samaranch/" target="_self">Juan Antonio Samaranch</a>, der heute in seiner Heimatstadt Barcelona verstarb, sicher der wichtigste aller bisherigen acht IOC-Präsidenten. Der <a title="www.democracyanddignityinsport.cat" href="http://www.democracyanddignityinsport.cat/" target="_self">treue Diener</a> des Caudillo, der überzeugte Franquist.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-7775" title="Juan Antonio Samaranch, Francisco Franco (c) democracyanddignityinsport.cat" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/04/jas-franco-web.gif" alt="" width="530" height="352" /></p>
<p>Sie singen ihm nun ihre Hymnen, kein Wunder, sind doch rund zwei Drittel der IOC-Mitglieder unter Samaranch kooptiert worden. Ein Mausoleum hat er längst.</p>
<p>Er hat es sich selbst errichtet, schon vor rund zwanzig Jahren. Im Juni 1993 wurde dieses Olympische Museum hoch über dem Genfer See in der Capitale Olympique eingeweiht. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern, als unten am Seeufer Berliner Olympiagegner verhaftet wurden (Berlin bewarb sich damals um die Sommerspiele 2000), und drinnen in Museum ein wütender Berthold Beitz (der mal unter Samaranch Vizepräsident war) durch einen kleinen Wassergraben marschierte. Katarina Witt war natürlich auch da. Samaranch mochte sie sehr.</p>
<p>Jedenfalls, dieses Museum trägt längst den Namen &#8220;Juan Antonio Samaranch&#8221;, der dem IOC ja auch in der Person seines Sohns Juanito erhalten bleibt.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/04/21/%e2%80%a0-juan-antonio-samaranch/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Seinen letzten großen Auftritt vor dem IOC hatte der Senior im <a title="Olympia 2016, die Präsentationen ..." href="http://jensweinreich.de/2009/10/02/olympia-2016-die-entscheidung-obama-arrived/" target="_self">Oktober 2009 in Kopenhagen</a>, als sich Madrid vergeblich um die Olympischen Spiele 2016 bewarb. <a title="Samaranch Junior" href="http://jensweinreich.de/2009/03/29/samaranch-junior/" target="_self">Juanito</a> stellte den Papa damals mit den Worten vor:</p>
<blockquote><p>“The big one, the real one! And of course, my father.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und der Alte sagte:</p>
<blockquote><p>“I know that I am very near to the end of my time. I am 89 years old. May I ask you to grant to my country the honor to host the Olympic and Paralympic Games 2016!&#8221;</p></blockquote>
<p>Diesen einen Wunsch haben sie ihm nicht erfüllt. Ansonsten hat er in all den Jahren fast alles bekommen.</p>
<p>Samaranch Senior war eine der zentralen Figuren meiner Arbeit über zwei Jahrzehnte. Er wird es auch noch lange sein, schätze ich, oder besser: das System Samaranch wird weiter beschrieben. Denn es wirkt ja noch immer. Dazu gehören viele zentrale Figuren und Institutionen, die sich in diesem Blog tummeln. Ob sie nun Seppblatterjeanmarieweberwitalismirnowhorstdasslerandréguelfiislismmodersonstwie heißen. Zudem wird 2013 nach Lage der Dinge wohl ein Samaranch- und Dassler-Jünger neunter IOC-Präsident, wenn kein Wunder geschieht. Favorit auf die Nachfolge von Jacques Rogge ist derzeit eindeutig: Thomas Bach, das UDIOCM, der gewesene Dassler-Adlatus und Siemens-Berater, Mann der vielfältigen Lebenssachverhalte.</p>
<p>Zuletzt habe ich mich im November mit Samaranch auseinander gesetzt und mit der Frage, ob er <a title="IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB" href="http://jensweinreich.de/2009/11/05/ioc-ehrenprasident-samaranch-und-der-kgb/" target="_self">KGB-Agent</a><a title="KGB-gate: Samaranch, more Russian olympic secret agents, IOC, FIFA and the Opus Dei" href="http://jensweinreich.de/2009/11/06/kgb-gate-samaranch-more-russian-olympic-secret-agents-ioc-fifa-and-the-opus-dei/" target="_self"> gewesen ist</a>. Diese Frage wird sich womöglich nie beantworten lassen. Er sagt natürlich: Nein. Eine Verpflichtungserklärung gibt es nicht, und der ehemalige KGB-Führungsoffizier, der das ausgeplaudert hat, kann auch keine anderen Dokumente vorlegen, wie ich inzwischen weiß. Eher werden wir irgendwann erfahren, ob er tatsächlich Supernumerarier des Opus Dei gewesen ist, wie einige Quellen sagen.</p>
<p>Ich denke, dass ich in den nächsten Tagen noch einige Leseempfehlungen zu Samaranch anbieten werde. Einige Dokumente und sicher auch eine Art Reader dessen, was ich in den Jahren zu Papier gebracht habe, etwa gemeinsam mit Thomas Kistner im Buch &#8220;<a title="Der olympische Sumpf" href="http://jensweinreich.de/referenzen/bucher/der-olympische-sumpf/" target="_self">Der olympische Sumpf</a>&#8220;, was nun auch schon wieder eine Ewigkeit her ist.</p>
<p><em>(Die Nachricht vom Tode Samaranchs habe ich heute auf dem Weg zum Bundestags-Sportausschuss erhalten. Habe meinen Zeitplan dennoch nicht geändert, den Sportausschuss verfolgt und abends <a title="Berliner Zeitung vom 22. April 2010" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0422/sport/0006/index.html" target="_blank">eine Art Nachruf </a></em><em> für zwei Zeitungen gedichtet. Schlechte Nachrufe, ich habe Nachrufe nie gemocht und glaube auch nicht so recht, dass sich so ein Leben in 150 Zeilen pressen lässt, ich hasse das. Manchmal kommt alles Blöde zusammen: Die Busfahrt von Moskau nach Berlin hängt mir noch gewaltig in den Knochen. Unterwegs funktionierte die UMTS-Verbindung nicht, so dass ich weder aus dem Ausschuss live bloggen, noch früher etwas zu Samaranch schreiben konnte. So dämlich läuft das manchmal.)</em></p>
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		<title>KGB-gate: Samaranch, more Russian olympic secret agents, IOC, FIFA and the Opus Dei</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 18:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-5747" title="Buchcover &quot;Der KGB spielt Schach&quot;" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/kgb-plays-chess-kl.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="267" height="366" align="left" />Die Geschichte von Juan Antonio <a title="IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB" href="http://jensweinreich.de/?p=5719" target="_self">Samaranch und dem KGB</a> zieht ihre Kreise. &#8220;KGB plays chess&#8221; oder &#8220;KGB igraet w schachmatö&#8221; (siehe russisches Cover) ist derzeit das sportpolitische Top-Thema zwischen Vancouver, Madrid, Lausanne, London &#8211; und natürlich Moskau. Doch wenn ich es recht verstehe, muss Samaranch nicht viel befürchten, und die IOC-Führung kann sich weiter blöd stellen, das <a title="Wikipedia: Prinzip der drei Affen" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Affen" target="_blank">Prinzip der drei Affen</a> vervollkommnen und die Öffentlichkeit für dumm verkaufen. Alles nur Gerüchte, wie mir IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams mitteilte?</p>
<p>Nothing but rumors? Not at all.</p>
<p><em>(Es mag jetzt ein bisschen albern wirken, wenn ich öfter mal mit meinem englischen Halbwissen einen englischen Satz einstreue und die folgenden Zitate gar nicht erst übersetze. Aber das hilft den vielen Kollegen, Interessierten und Funktionären, die hier regelmäßig vorbei schauen und die gestrige Samaranch-Geschichte goutiert haben. Einige <a title="denglische Texte" href="http://jensweinreich.de/?cat=1513" target="_self">englische Beiträge</a> habe ich im Blog verbrochen &#8211; es werden demnächst mehr, es geht nicht anders.)</em></p>
<p>Zurück zum eigentlichen Thema. Nothing but rumors? Keineswegs. Allerdings, und das ist der Unterschied zur ostdeutschen Stasi, sind die KGB (FSB) Archive im Prinzip geschlossen. Sie waren unter Jelzin teilweise zugänglich, als Verbrechen der Stalin-Ära thematisiert wurden. In der Ära des KGB-Zaren und Samaranch-Kollegen <a title="alle Beiträge zu Wladimir Putin" href="http://jensweinreich.de/?s=putin" target="_self">Wladimir Putin</a> ist das nicht so einfach mit den Unterlagen. Ich habe mich lange mit <strong>Juri Felschtinski</strong> ausgetauscht, dem Autor des Buches und der Samaranch-Enthüllungen, den ich leider nicht früher erreicht hatte. Er sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Vladimir Popov, a former high ranking KGB officer, responsible for sport agents, has liftet his anonymity. This is a new quality. Vladimir Popov knows all the names of the sport spies, all the nicknames and all the recruting officers. He is a very reliable source with strong arguments.&#8221;</p>
<p>&#8220;But nevertheless I do not expect any comments from the FSB people. It&#8217;s all about damage control. They know what he knows.&#8221;</p></blockquote>
<p>Damage control. Darum geht es auch Samaranch. Darum geht es selbstverständlich dem IOC.</p>
<p>Der Witz an der Geschichte aber kommt jetzt. Denn die Enthüllung, dass Samaranch ein KGB-Agent gewesen sei, ist nicht neu und &#8211; von den Gerüchten im olympischen Circuit mal abgesehen &#8211; keinesfalls erst jetzt erfolgt, wie nicht nur ich annahm. Juri Felschtinski hat darüber in seinem Anfang des Jahres erschienen Buch &#8220;<a title="Amazon-Link" href="http://www.amazon.de/Corporation-Russia-KGB-President-Putin/dp/1594032467/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1257521926&amp;sr=8-1" target="_blank">The Corporation: Russia and the KGB in the Age of President Putin</a>&#8221; (Cover unten links) viel ausführlicher geschrieben. Im Schachbuch &#8211; das gerade auf Russisch veröffentlicht wurde und das im Dezember im Schach-Fachverlag <a title="Exzelsior Verlag" href="http://exzelsior.de/" target="_blank">Exzelsior</a> auf Deutsch erscheint (exklusiv das Cover unten rechts) &#8211; geht es um den KGB und seine Machenschaften im Schach. Samaranch ist nur eine Notiz, kein großes Thema.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-5750" title="Cover The Corporation: Russia and the KGB in the Age of President Putin" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/the-corporation.jpg" alt="" width="250" height="378" align="left" /><img class="alignnone size-full wp-image-5751" title="Cover: Der KGB setzt matt" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/kgb-setzt-matt.jpg" alt="" width="250" height="378" /></p>
<p><span>Juri Felschtinski sagt deshalb: <span id="more-5745"></span></span></p>
<blockquote><p><span>&#8220;To my great surprise no one paid attention to my chapter in the Putin-book which was published in English. Ironically people now pay attention to a publication in Russian which is not even published in English.&#8221;</span></p></blockquote>
<p><span>Tja, man kann es sich nicht aussuchen. So funktionieren die Medien: unberechenbar.</span></p>
<p><span>Im Kern geht es darum, um die <a title="IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB" href="http://jensweinreich.de/?p=5719" target="_self">IOC-Präsidentenwahl 1980</a>:</span></p>
<blockquote><p><span>source:<strong> The Corporation: Russia and the KGB in the Age of President Putin</strong></span></p>
<p><em>copyright: Juri Felschtinski</em></p>
<p>&#8220;His election was preceded by something of a detective story. As an ambassador in the USSR, Samaranch developed an interest in Russian history and culture. He grew particularly fond of Russian antiques, which he collected with the love of a genuine connoisseur ans shipped to his home in Spain. The USSR prohibited taking objects of cultural and historic value out of the country (&#8230;) In Soviet times, all antiques were closely monitored by the KGB; so ambassador Samaranch, a frequent buyer of increasingly valuable rarities, was taken note of. After a while, an agent from the KGB&#8217;s Second Main Directorate, which monitored the Spanish embassy, met with Samaranch and gently explained to him that his actions were subject to prosecution in accordance with the RSFRS&#8217;s Criminal Code (&#8230;) and were classified by Soviet law as the smuggling of contraband goods. Samaranch was offered a choice: he could either be compromised through the publication of articles in the Soviet and foreign press detailing his activities, which would undoubtedly have put an end to his diplomatic career, or he could collaborate with the KGB as a secret agent. Samaranch chose the latter option.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der KGB nahm dann Kontakt zu den Genossen im Ostblock auf und bat deren Geheimdienste, alles zu tun, um Samaranchs Wahl zum IOC-Präsidenten sicherzustellen. Dazu gibt es ein Schriftstück, ein dechiffriertes Telegramm, unterschrieben vom damaligen stellvertretenden KGB-Chef und späteren KGB-Boss Viktor Chebrikov. Der Plan ging auf &#8211; auch durch Mithilfe von Dassler, Guelfi, Weber und all den anderen im Sportbusiness und im Dunstkreise von Geheimdiensten Tätigen.</p>
<blockquote><p>&#8220;As the result, Samaranch was elected President of the IOC, where for many years he loyally served the country to which he was connected by his work as an agent and by his gratitude for its help in getting him a high international position.&#8221;</p></blockquote>
<p>Sportpolitisch kann man diese Einschätzung bestätigen. Ich habe es gestern einmal mehr gesagt: Samaranchs Beziehungen ins ehemalige Sowjetreich sind Legende &#8211; bis hin zur dubiosen Kür von Sotschi zur Winterolympiastadt 2014. Ausgerechnet Sotschi, das subtropische Paradies, wo KGB-Mann Putin urlaubt und (natürlich) Geschäfte macht. Samaranch wurde damals von den Russen im letzten Moment eingeflogen und hat seinen alten Kumpels Witali Smirnow, langjähriger IOC-Vizepräsident und Organisationschef der Sommerspiele 1980, und Schamil Tarpischtschew, ehemals Jelzins Tennislehrer, Sportminister und verantwortlich für das spurlose Verschwinden <a title="BLZ: Die Absahner" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2001/0714/magazin/0002/index.html" target="_blank">vieler Milliarden Dollar aus dem Wodka-Fond</a>, noch einige IOC-Stimmen beschafft.</p>
<p>Was kaum noch wundert, einige Spione mehr:</p>
<p>According to Mr. Felschtinski the current Russian IOC members <strong>Witali Smirnow</strong> and <strong>Schamil Tarpischtschew</strong>, longtime FIFA Executive Board member <strong><a title="Grüße von der Russenmafia" href="http://jensweinreich.de/?p=1163" target="_blank">Wjatscheslaw Koloskow</a></strong> and Russian NOC President <strong>Leonid Tjagatschew</strong> (code name &#8220;Elbrus&#8221;) have also served as <span style="color: #000000;"><strong>KGB agents</strong></span> &#8211; among other high-ranking sport officials.</p>
<p>Das soll für heute erstmal genügen. Es drängt mich, andere Samaranch-Geschichten aufzuwärmen, die in jene Zeit passen und das Bild runden, etwa seine Mitgliedschaft im <strong>Opus Dei</strong>, dessen Elite-Akademie Instituto de Estudios Superiores de la Empresa (IESE) er einst besucht hat. Damit habe ich mich vor Jahren aus der Ferne mal im Buch &#8220;<a title="Der olympische Sumpf" href="http://jensweinreich.de/?page_id=25" target="_self">Der olympische Sumpf</a>&#8221; befasst. Opus-Dei-Experte John Hutchison, der Samaranch Supernumerarier des Opus Dei nennt, schrieb in seinem Standardwerk &#8220;Die Heilige Mafia des Papstes&#8221;/&#8221;Pope&#8217;s Holy Mafia&#8221;, in der Zeit des Kalten Krieges habe Samaranch das Opus Dei &#8220;über die Aktivitäten der Sowjets auf dem laufenden&#8221; gehalten.</p>
<p>Ja, der Leser <a title="Kommentar von enrasen" href="http://jensweinreich.de/?p=5719#comment-15504" target="_self">enrasen</a> hat Recht &#8211; diese Geschichten sind besser als jeder Roman, weil sie nie enden. Schade nur, dass wir alle so wenig darüber wissen. Samaranch wird nicht plaudern. Smirnow ebenfalls nicht. Und, sorry, Jean-Marie Weber schon gar nicht.</p>
<p>Demnächst mehr in diesem Theater.</p>
<p>Schon jetzt mehr, Nachtrag, 21.15 Uhr: Unter Berufung auf Paris Match meldet <strong>Insidethegames</strong>: <a title="Insidethegames" href="http://ow.ly/zWWH" target="_blank">IOC member takes legal action over spy claims</a>. Ooops. Diesmal geht es um Spionage-Vorwürfe gegen <a title="Albert zur Frage einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur" href="http://jensweinreich.de/?p=5534" target="_self">Albert von Monaco</a> &#8211; ausnahmsweise nicht um den KGB.</p>
<ul>
<li><strong>Paris Match</strong>: <a title="Paris Match" href="http://www.parismatch.com/People-Match/Tete-couronnee/Actu/Les-attaques-de-la-taupe-sement-le-malaise-a-Monaco-142590/" target="_blank">LES ATTAQUES DE LA « TAUPE » SÈMENT LE MALAISE À MONACO</a></li>
</ul>
<p>Nachtrag, 8. November:</p>
<ul>
<li>Johann Skocek im österreichischen <strong>Standard</strong>: &#8220;<a title="Der Standard zu Samaranch und KGB" href="http://derstandard.at/fs/1256744306735/Der-geheime-Kompass" target="_blank">Der geheime Kompass</a>&#8220;</li>
</ul>
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		<title>IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 10:27:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch hat einst dem Diktator Franco im Range eines Sport-Staatssekretärs gedient. Erst jüngst wurde in Spanien wieder über Fotos debattiert, die den 89-Jährigen mit erhobenem Arm zeigen &#8211; beim Faschistengruß. Nun behaupten russische Autoren, Samaranch sei Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen. „Der KGB spielt Schach&#8221; heißt ein auf Russisch frisch erschienenes Buch. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5720" title="JAS, Guatemala 2007" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/jas-guatemala-2007.jpg" alt="" width="500" height="294" /></p>
<p>IOC-Ehrenpräsident <a title="alle Beiträge zu Samaranch - Senior und Junior :)" href="http://jensweinreich.de/?s=samaranch" target="_self">Juan Antonio Samaranch</a> hat einst dem Diktator Franco im Range eines Sport-Staatssekretärs gedient. Erst jüngst wurde in Spanien wieder über Fotos debattiert, die den 89-Jährigen <a title="&quot;Samaranch must resign&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=5063" target="_self">mit erhobenem Arm zeigen &#8211; beim Faschistengruß</a>. Nun behaupten russische Autoren, Samaranch sei Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen.</p>
<p>„<strong><a title="KGB plays chess" href="http://www.mippbooks.com/Page.BCart.cls?Type=Books&amp;BOOKSID=141433" target="_blank">Der KGB spielt Schach</a></strong>&#8221; heißt ein auf Russisch frisch erschienenes Buch. Darin geht es vor allem um den Einfluss des Geheimdienstes auf die Schach-Elite der Sowjetunion, um atemraubende Machenschaften bis hin zu Mordkomplotten. Neben dem Historiker <a title="Juri Felshtinsky - Website" href="http://www.felshtinsky.com/index1.html" target="_blank">Juri Felschtinski</a> zählen die Schach-Großmeister <a title="Wikipedia Link" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Kortschnoi" target="_blank">Wiktor Kortschnoi</a> und <a title="Wikipedia Link" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Gulko" target="_blank">Boris Gulko</a> zu den Autoren &#8211; sowie Wladimir Popow, ehemals ranghoher KGB-Führungsoffizier. Popow hat einst hunderte Quellen und Agenten im Sportbusiness geführt und bearbeitet. Er behauptet: KGB-Sportagent war nicht nur der langjährige Schach-Weltmeister Anatoli Karpow (Deckname Raul), sondern auch Juan Antonio Samaranch, IOC-Präsident von 1980 bis 2001.</p>
<p>Samaranch war 1977, nach dem Tod seines Führers Franco, als spanischer Botschafter für die Sowjetunion und die Mongolei nach Moskau abgeschoben worden. Im Exil machte er Sport-Karriere: Moskau war Olympiagastgeber 1980, unmittelbar vor Eröffnung dieser Boykottspiele wurde Samaranch IOC-Präsident. Er gewann die Wahl mit 44 IOC-Stimmen gegen Marc Hodler (Schweiz/21), James Worrall (Kanada/7) und Willi Daume (Bundesrepublik/5). Der Neuseeländer Lance Cross hatte im letzten Moment auf seine Kandidatur verzichtet. Samaranchs Transformation vom Blauhemdträger der Falange zum olympischen Moralapostel war gelungen.</p>
<p>Laut KGB-Oberstleutnant Popow hat daran der Geheimdienst mitgewirkt und Stimmen der IOC-Mitglieder aus dem Ostblock organisiert. Der KGB habe sich Samaranchs Mitarbeit erpresst, nachdem man den Botschafter beim Schmuggel mit Antiquitäten, Schmuck und Gemälden erwischt habe. Vom KGB sei Samaranch als „sowjetischer Sport-General&#8221; geführt worden, behauptet Popow, der sich 1996 nach Kanada absetzte.</p>
<p>Samaranch war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. IOC-Kommunikationsdirektor <a title="Beiträge zu Mark Adams" href="http://jensweinreich.de/?s=mark+adams" target="_self">Mark Adams</a>, neu im Geschäft, sagte mir, die KGB-Geschichte sei „bloße Spekulation&#8221;.</p>
<p>Über der Wahl am 16. Juli 1980, am Vorabend der Boykottspiele, im Moskauer Haus der Gewerkschaften, dort wo Samaranch exakt 21 Jahre später abtrat und von Rogge ersetzt wurde, lastet seit jeher der Schatten der Korruption. Samaranchs Vorgänger Lord Michael Killanin (Irland) sagte später öffentlich:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich war der festen Überzeugung, daß der Posten eines IOC-Präsidenten nicht käuflich sein sollte. Es gibt eine wachsende Tendenz &#8211; und viele Gerüchte -, sich Posten durch Gunstbezeugungen zu erschleichen.&#8221;</p></blockquote>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-5722" title="Killanin, Samaranch, Moskau 1980 - Screenshot TV" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/jas-kill-1980.jpeg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="320" height="305" align="left" />An der Amtsübergabe von Killanin (links im Bild) zu Samaranch hatten seinerzeit natürlich auch der ehemalige Adidas-Chef Horst Dassler mit seiner „sportpolitischen Abteilung&#8221; (inklusive des Schmiergeldboten <a title="Beiträge zu Jean-Marie Weber" href="http://jensweinreich.de/?cat=171" target="_self">Jean-Marie Weber</a>) großen Anteil &#8211; und der Franzose André Guelfi, genannt Dédé le Sardine, eine der zentralen Figuren im internationalen Sportbusiness seit Anfang der 1970er Jahre bis zu Beginn dieses Jahrtausends. Guelfi, geboren in Marokko, selbst einst Geheimdienstler, ehemaliger Rennfahrer und in den neunziger Jahren als Schmiergeldbote im gigantischen <a title="Spiegel: Konzern für heikle Missionen" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15613895.html" target="_blank">Korruptionsskandal</a> um den MIneralölkonzern Elf Aquitaine berühmt geworden, schilderte in seinen Memoiren ausführlich die Umstände der Samaranch-Krönung: „Ich konnte fast alle überzeugen, ihr Votum zu ändern. Samaranch wurde mit einer sauberen Mehrheit gewählt.&#8221; Guelfi zahlte mit Geld und Produkten seiner Firma Le Coq Sportif, Dassler aus dem Topf von Adidas.</p>
<p><em>(Ich kürze hier ab, denn sonst müsste ich flink einen Text in der Länge eines Buches veröffentlichen über all die Beziehungen und dunklen Geschäfte von Guelfi &amp; Co. in und mit dem IOC, der FIFA, Havelange, Dassler, Tarpischtschew, Smirnow, Samaranch, Blatter und vielen anderen Sportfürsten, über gefakte Olympiabewerbungen wie die von St. Petersburg, womit schon eine Verbindung zu Sobtschak und Putin gegeben ist, etc. pp.)</em></p>
<p>Legendär sind Samaranchs enge Beziehungen ins Sowjetreich und seine Nachfolger-Staaten. Bei Guelfi bedankte er sich, in dem er ihn in den neunziger Jahren persönlich bei den Diktatoren mittelasiatischer Republiken wie Usbekistan vorstellte. Dies war für Guelfi der Durchbruch, um seine Schmiergeldgeschäfte für Elf Aquitaine zu erledigen. Samaranch verschaffte Guelfi diplomatischen Status, öffnete alle Türen &#8211; und immer ging es bei diesen Deals auch um &#8220;Sport&#8221;, wurden viele Millionen an Funktionäre aus dem ehemaligen Sowjetreich verschoben.</p>
<p>Geheimdienstliche Beziehungen wurden Samaranch schon immer nachgesagt. Er hat es stets bestritten. Sporthistorisch macht die Darstellung der russischen Autoren für die Zeit bis 1980 deshalb Sinn. Der Historiker Felschtinski, der seit drei Jahrzehnten in den USA lebt, kennt sich in der Welt der Geheimdienste zweifellos aus. Zuletzt hatte er nach dem <span style="text-decoration: line-through;">Plutonium</span>Polonium-Mord an seinem Freund und Ex-Agenten Alexander Litwinenko das Buch „Eiszeit im Kreml&#8221; veröffentlicht.</p>
<p><span id="more-5719"></span>Sollte Samaranch tatsächlich als KGB-Agent geführt worden sein, war die Quelle offenbar nicht sehr ergiebig. Denn fünf Jahre später bildeten die Auslands-Spionage-Abteilung von KGB und der DDR-Staatssicherheit ein bizarres Joint Venture, um das IOC, Adidas und die von Dassler inzwischen gegründete Marketingagentur ISL auszuspionieren. In einem Stasi-Dossier aus jener Zeit heißt es über Samaranch: Die Gabe, „sich unter den Mächtigen Freunde zu machen&#8221;, zeichne ihn aus. So konnte er auch den Makel des „früheren Bekenntnisses als hundertprozentiger Franco-Anhänger&#8221; überwinden.</p>
<p>Samaranch war übrigens stets äußerst misstrauisch: Als IOC-Präsident ging er mit wichtigen Gästen zur Besprechung gern hinaus in die Gärten der IOC-Zentrale von Lausanne-Vidy. Das hatte er schon im geliebten Moskau so gehalten &#8211; aus Sicherheitsgründen, aus Angst vor Wanzen des KGB, war er mit Gesprächspartnern durch die Straßen flaniert. Und Jahre später, am ruhigen Genfer See, peinigten den Geheimstrategen immer noch Wahnvorstellungen: Seine Zimmerflucht im Palace-Hotel ließ er regelmäßig nach Abhörgeräten untersuchen.</p>
<p><small>In Kurzfassung und unverlinkt :) erschienen u.a. heute in der Süddeutschen Zeitung: &#8220;<a title="SZ vom 5. November 2009: &quot;Schach mit dem Präsidenten&quot;" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/89/493436/text/" target="_blank">Schach mit dem Präsidenten</a>&#8220;</small></p>
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