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> <channel><title>jens weinreich &#187; essa</title> <atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/essa/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.jensweinreich.de</link> <description>don&#039;t mix politics with games</description> <lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 22:16:51 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>Der Fußball und der böse Dämon</title><link>http://www.jensweinreich.de/2009/11/20/der-fusball-und-der-bose-damon/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2009/11/20/der-fusball-und-der-bose-damon/#comments</comments> <pubDate>Fri, 20 Nov 2009 15:06:31 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[essa]]></category> <category><![CDATA[fussball]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[michael franzese]]></category> <category><![CDATA[play the game]]></category> <category><![CDATA[staatsanwaltschaft]]></category> <category><![CDATA[waca]]></category> <category><![CDATA[wettbetrug]]></category> <category><![CDATA[bestechung]]></category> <category><![CDATA[bundesliga]]></category> <category><![CDATA[dfb]]></category> <category><![CDATA[epfl]]></category> <category><![CDATA[fifa]]></category> <category><![CDATA[fußball]]></category> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[manipulation]]></category> <category><![CDATA[staatsanwaltschaft bochum]]></category> <category><![CDATA[uefa]]></category> <category><![CDATA[welt-anti-korruptions-agentur]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=5815</guid> <description><![CDATA[Ich weiß nicht wirklich, warum die Meldungen über 200 manipulierte Fußballspiele &#8211; vor allem in Richtung Balkan, aber auch in unterklassigen deutschen Ligen &#8211; derartige Schlagzeilen machen, wogegen andere Meldungen über systemimmanente Korruption im Sport oft untergehen. Hat tatsächlich jemand geglaubt, nach der Hoyzer-Affäre werde es mit rechten Dingen zu gehen? Das ist nur mal [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Ich weiß nicht wirklich, warum die Meldungen über 200 manipulierte Fußballspiele &#8211; vor allem in Richtung Balkan, aber auch in unterklassigen deutschen Ligen &#8211; derartige Schlagzeilen machen, wogegen andere Meldungen über systemimmanente Korruption im Sport oft untergehen. Hat tatsächlich jemand geglaubt, nach der <a
title="Wikipedia &quot;Fußball-Wettskandal 2005&quot;" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Wettskandal_2005" target="_blank">Hoyzer-Affäre</a> werde es mit rechten Dingen zu gehen? Das ist nur mal so eine Frage.</p><ul><li><a
title="BGH Urteil vom 15. Dezember 2006" href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=2006-12&amp;Seite=2&amp;client=12&amp;nr=38522&amp;pos=88&amp;anz=264" target="_blank">Urteil des BGH</a> zu Hoyzer &amp; Co. vom 15. Dezember 2006 (<em>Dank an gua</em>)</li></ul><p>Aber Medien funktionieren so wie sie funktionieren, also auch hysterisch. Wenn das Fußballbusiness betroffen ist, das einzig wahre und reine, wenn der Dämon des Bösen mal wieder die unschuldige Branche der Fairplaybewahrer überfällt, dann ist das automatisch ein Skandal. Selbst wenn es das Tagesgeschäft ist.</p><p><em>Nachtrag, 20.54 Uhr, weil der Beginn doch etwas sehr launisch geriet: Die Zusammenarbeit verschiedener Polizeibehörden und der UEFA über etliche Monate hat schon eine beeindruckende neue Qualität. Ähnliche Aktionen &#8211; auch in dieser, nun ja: Schnelligkeit &#8211; wünschte ich mir mal im Dopinggeschäft und in Fällen anderer grenzübergreifender Korruption im Sport. Da wäre sicherlich viel zu holen. Kaum auszudenken.</em></p><p>So lange gerade die Fußball-Unternehmen (Verbände, Klubs etc.) dermaßen offensiv und gierig mit Wettanbietern kooperieren (ob staatlich oder privat ist mir völlig egal) und Sponsorenverträge akquirieren, kann ich einen Teil des Geschreis, das immer wieder ausbricht, nicht ernst nehmen. Anders gesagt: So lange FIFA, UEFA, IOC, DFB, EPFL (<a
title="EPFL" href="http://www.epfl-europeanleagues.com/index.htm" target="_blank">European Professional Football Leagues</a>) u. a. das Wettgeschäft mächtig ankurbeln, gleichzeitig natürlich von Integrität schwurbeln, ziehen sie auch das organisierte Verbrechen und die Ganoven an, keine Frage.</p><p>Nehmen wir nur das Beispiel der ESSA (<a
title="ESSA" href="http://www.eu-ssa.org/" target="_blank">European Sports Security Association</a>), die eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur (<a
title="alle Beiträge zu WACA" href="http://jensweinreich.de/?cat=1030" target="_self">WACA</a>) des Sports <a
title="Der Sport braucht eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur" href="http://jensweinreich.de/?p=5214" target="_self">fordert</a>, was sich ganz nett anhört, gleichzeitig aber, denn es geht ja um das Wettgeschäft, Kongresse wie diesen (&#8220;<a
title="Betting on South Africa 2010" href="http://www.sportsbettingconference.com/agenda.htm" target="_blank">Betting on South Africa 2010</a>&#8220;) mitveranstaltet.</p><p>Jede Enthüllung, jede Form der Transparenz begrüße ich selbstverständlich &#8211; wie eine neuerlich aufflammende Diskussion über den Straftatbestand Sportbetrug (den Sportfunktionäre und <a
title="&quot;We are family&quot;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Wissenschaft" href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">ihre Lobbyisten</a> ablehnen), den ich aus zahlreichen und oft genannten Gründen ebenfalls befürworte. </p><p>Etliche Links zum aktuellen Skandal, zu dem die Staatsanwaltschaft Bochum heute auf einer Pressekonferenz informierte, gibt es in den Kommentaren zum Beitrag &#8220;<a
title="How to fix a soccer game" href="http://jensweinreich.de/?p=948" target="_self">How to fix a soccer game</a>&#8220;. Bei Google news finden sich bereits rund 1000 Meldungen zum Stichwort &#8220;<a
title="google news: Wettbetrug" href="http://news.google.de/news/search?aq=f&amp;pz=1&amp;um=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=wettskandal" target="_blank">Wettbetrug</a>&#8220;.</p><p>Polizei und Staatsanwaltschaft Bochum <a
title="PM Polizei Bochum" href="http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/11530/1516102/polizei_bochum" target="_blank">teilen mit</a>:</p><blockquote><p><strong>Handout zur gemeinsamen Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Bochum und der Polizei Bochum &#8211; Internationale Festnahme- und Durchsuchungsaktion wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges</strong></p><p>Seit  etwa einem Jahr wird unter Leitung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität durch das KK 21 &#8211; Dienststelle zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität &#8211; des Polizeipräsidiums Bochum gegen eine international agierende Bande wegen des Verdachts der fortgesetzten gewerbsmäßigen Begehung von Betrugsstraftaten ermittelt.</p><p>Der Tätergruppierung wird zur Last gelegt, sich zumindest seit Beginn des Jahres 2009 zusammengeschlossen zu haben, um auf Sportler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußballligen  gegen unterschiedlich hohe Entgelte dahingehend  einzuwirken, Ausgänge von Fußballspielen im Interesse der Täter zu beeinflussen.</p><p>Für den Fall der Bereitschaft zu Spielmanipulationen setzten die Führungspersonen auf verschiedenen Wegen hohe Bargeldbeträge auf entsprechende Spielausgänge bei europäischen und asiatischen Wettanbietern. In Unkenntnis der vorher verabredeten Manipulationen zahlten die jeweiligen Wettveranstalter neben dem Einsatz auch die betrügerisch erlangten Gewinnsummen an die Mitglieder der Bande aus.</p><p>Auf diese Weise erlangte die Täterorganisation Wettgewinne in Höhe von mehreren Millionen Euro.</p><p>Im Zuge der bisherigen Ermittlungen wurden ca. 200 Fußballspiele im In- und Ausland festgestellt, bei denen konkret der Verdacht besteht, dass es zu versuchten oder vollendeten Manipulations- bzw. Betrugshandlungen gekommen ist.</p><p>Die Spiele teilen sich auf die betroffenen Länder u. a. wie folgt auf:</p><ul><li><strong>Deutschland</strong>: 4 Spiele der 2. BL, 3 Spiele der 3. BL, 18 Spiele der Regionalligen, 5 Spiele  der Oberligen, 2 Spiele U 19</li><li><strong>Belgien</strong>: 17 Spiele der 2. Liga</li><li><strong>Schweiz</strong>: 22 Spiele der 2. Liga und 6 Vorbereitungsspiele</li><li><strong>Kroatien</strong>: 14 Spiele der 1. Liga</li><li><strong>Slowenien</strong>: 7 Spiele der 1. Liga</li><li><strong>Türkei</strong>: 29 Spiele von der 1. Liga abwärts</li><li><strong>Ungarn</strong>: 13 Spiele 1. Liga</li><li><strong>Bosnien</strong>: 8 Spiele 1. Liga</li><li><strong>Österreich</strong>: 11 Spiele 1. und 2. Liga</li></ul><p>Hinzu kommen mindestens:</p><ul><li>12 Spiele der Europa League</li><li>3 Spiele der Champions League</li><li>Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass  bei einem Länderspiel zur Qualifikation der U 21- Europameisterschaft manipulativ eingegriffen werden sollte.</li></ul><p>Aufgrund der  bisherigen Ermittlungs- und Durchsuchungsergebnisse ist anzunehmen, dass  sich die Anzahl der tatsächlich durch die Täter beeinflussten Spiele weiter erhöhen wird. Das gleiche gilt für die Anzahl der bisher über 200 involvierten Tatverdächtigen.</p><p>Aus ermittlungstaktischen Gründen werden zur Identität der beteiligten Personen sowie der betroffenen Mannschaften derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt.</p><p>Am 19.11.2009 wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bochum 15 Haftbefehle im Inland vollstreckt und mehr als 50  Durchsuchungsbeschlüsse in Nordrhein-Westfalen, Baden -Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Schleswig Holstein, der Schweiz, Österreich und Großbritannien vollzogen. Zudem erfolgten zwei weitere Festnahmen in der Schweiz durch die dortigen Behörden.</p><p>In Deutschland lagen die Schwerpunkte der Festnahmen in Berlin, Nürnberg und dem Ruhrgebiet.</p><p>Bei den durchgeführten Maßnahmen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, das einer detaillierten Auswertung bedarf, die noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. Daneben wurden Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von mehr als einer Million Euro gesichert.</p><p>Die noch andauernden sport- und wettspezifisch äußerst komplizierten Ermittlungen wurden und werden durch die Disziplinarabteilung der UEFA in Nyon ständig unterstützt und begleitet.</p></blockquote><p>Das sagen die anderen:</p><ul><li>Die UEFA: &#8220;<a
title="UEFA.com" href="http://www.uefa.com/uefa/keytopics/kind=64/newsid=922086.html" target="_blank">UEFA statement on match-fixing case</a>&#8220;</li><li>Der DFB: &#8220;<a
title="DFB-Pressemitteilung" href="http://www.dfb.de/index.php?id=500014&amp;tx_dfbnews_pi1[showUid]=20842&amp;tx_dfbnews_pi4[cat]=143" target="_blank">DFB und Ligaverband unterstützen lückenlose Aufklärung</a>&#8220;</li></ul><p>Btw: Es geht beim Problem des Wettbetrugs natürlich nicht nur um Fußball. Wer mag, lausche den Ausführungen des ehemaligen Mafiosi Michael Franzese während der Konferenz <a
title="alle Beiträge zu Play the Game" href="http://jensweinreich.de/?cat=12" target="_self">Play the Game</a> im Juni in Coventry:</p><p><object
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isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=5214</guid> <description><![CDATA[Oops, kommt etwa Bewegung in die Korruptionsbekämpfung? Die European Sports Security Association (ESSA) &#8211; wenn ich es recht verstehe: eine von Sportwettenanbietern betriebene Non-Profit-Organisation (geht das?) &#8211; fordert eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur im Sport. Spontan sage ich: Gute Idee, so eine World-Anti-Corruption-Agency (WACA). Hatte ich auch schon :) Jedenfalls, die ESSA, bereits im Gespräch mit etlichen Sportverbänden, teilt mit: URGENT [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Oops, kommt etwa Bewegung in die Korruptionsbekämpfung? Die European Sports Security Association (<a
title="ESSA Webseite" href="http://www.eu-ssa.org/Aboutus/tabid/55/Default.aspx" target="_blank">ESSA</a>) &#8211; wenn ich es recht verstehe: eine von Sportwettenanbietern betriebene Non-Profit-Organisation (geht das?) &#8211; fordert eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur im Sport.</p><p>Spontan sage ich: Gute Idee, so eine <strong>World-Anti-Corruption-Agency (WACA)</strong>. Hatte <a
title="NZZ, März 2009: Korruption? Fehlanzeige!" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/korruption_fehlanzeige_1.2185060.html" target="_blank">ich</a> <a
title="tag: WACA" href="http://jensweinreich.de/?s=waca" target="_self">auch</a> <a
title="World-Anti-Corruption-Agency?" href="http://jensweinreich.de/?p=3970" target="_self">schon</a> :)</p><p>Jedenfalls, die ESSA, bereits im Gespräch mit etlichen Sportverbänden, <a
title="ESSA Pressemitteilung" href="http://www.eu-ssa.org/LinkClick.aspx?fileticket=K0B%2bTQppbiY%3d&amp;tabid=55&amp;mid=372" target="_blank">teilt mit</a>:</p><blockquote><p
align="center"><strong>URGENT NEED FOR GLOBAL BODY TO TACKLE SPORTS CORRUPTION</strong></p><p
style="text-align: left;"><em>The European Sports Security Association calls for a robust and independent global sports anti-corruption body</em></p><p
style="text-align: left;">The European Sports Security Association (ESSA) today called for the establishment of a robust and independent global body able to hand down tough penalties and sanctions that will act as effective disincentives in tackling corruption in sport. (&#8230;)</p></blockquote><p>In der vergangenen Woche hatte Transparency International (TI) ein Arbeitspapier zur Korruption im Sport vorgelegt, das weit hinter dieser WACA-Forderung zurückbleibt. Schade eigentlich. Dieses Dokument, maßgeblich von der deutschen TI-Chefin und langjährigen Sportfunktionärin Sylvia Schenk erarbeitet, die u.a. Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer war, stellt erstmals einen übergreifenden Rahmen für die nationalen Chapter von Transparency International dar. Der Sportsektor schaffe „bei der Finanzierung, der Sorgfaltsprüfung, in der Kultur und bei den Strukturen ein Umfeld, das verführerisch für Geldwäsche durch organisierte Kriminalität ist&#8221;, heißt es in dem Papier. „Dies kann angesichts der Gelegenheiten, schmutziges Geld zu investieren und kleine Summen in große zu verwandeln, letztlich alle Sportbereiche betreffen.&#8221; Sportorganisationen beweisen „generell wenig Transparenz, wenn es darum geht, wichtige Informationen und Dokumente öffentlich zu machen&#8221;. Geld werde innerhalb der Sportverbände „oft ohne oder nur mit geringer Aufsicht verteilt, so dass Korruptionsrisiken entstehen&#8221;.</p><ul><li><a
title="TI Arbeitspapier Korruption im Sport, englisch" href="http://transparency.de/fileadmin/pdfs/Themen/Sport/Sports_and_Corruption_Working_Paper_9_September_2009.pdf" target="_blank">englische Version</a> des Papiers (pdf, 8 Seiten)</li><li><a
title="TI Arbeitspapier Korruption im Sport, deutsche Version" href="http://www.transparency.de/fileadmin/pdfs/Themen/Sport/Working_Paper_Sport_03-2009_deutsch.pdf" target="_blank">deutsche Version</a> des Papiers (pdf, 10 Seiten)</li><li>die deutsche Sektion hatte schon einmal einen <a
title="TI Aufruf Korruption im Sport, Stand Mai 2007" href="http://transparency.de/fileadmin/pdfs/Themen/Sport/Aufruf_TransparenzSport_update_07-05-21.pdf" target="_blank">Aufruf gegen Korruption und für Transparenz im Sport</a> gestartet</li><li>der brandneue <a
title="TI: Global Corruption Report 2009" href="http://www.transparency.org/news_room/in_focus/2009/gcr2009#dnld" target="_blank">Global Corruption Report 2009</a> (pdf, knapp 500 Seiten)</li></ul><p>Schwerpunktmäßig behandelt das Papier die Bereiche: Wettbetrug, Einfluss der organisierten Kriminalität, demokratische Führung von Verbänden, Transferfragen, Sponsoring, Korruption in Medien sowie Korruption bei Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Austragung sportlicher Großereignisse wie Olympischer Spiele oder Welt- und Europameisterschaften im Fußball. Transparency International ist in mehr als 90 Ländern aktiv, mit dem Thema Sport befasste man sich bislang in Maßen in Kenia, Argentinien, der Schweiz, Deutschland und Italien. Zuarbeiten für das Papier kamen nun auch aus Dänemark, Tschechien, Kamerun, Südafrika, Polen und der Ukraine &#8211; wobei letztere drei Länder die nächsten großen Fußballmeisterschaften ausrichten: die WM 2010 und die EM 2012.</p><p>Ich finde, dem Thesenpapier fehlt es gewaltig an Systematik. Es erinnert über weite Strecken an eine schlecht sortierte Presseschau der vergangenen Jahre. Die Auswahl der erwähnten Korruptionsfälle leuchtet mir nicht ein. Der Adressat des Papiers wird ebenfalls nicht genannt. Kurz vor dem Olympischen Kongress Anfang Oktober in Kopenhagen hätte eine überzeugende Argumentation in Richtung des Internationalen OIympischen Komitees (IOC) angeboten. Diese Chance wurde vertan. Soweit ich die Grundlinien von TI verstehe, soll niemand offen kritisiert und schon gar nicht attackiert werden, man strebt vielmehr gemeinsam mit den Betreffenden Lösungen an. Eine ganz andere Herangehensweise als im Journalismus, wo es vor allem darum geht, Missstände aufzudecken, um es kurz zu fassen.</p><p><span
id="more-5214"></span>Erstaunlich zudem, dass im Arbeitspapier einige Vorleistungen nicht erwähnt wurden: Schon 2005 erarbeitete ein Vertreter des norwegischen Chapters von TI gemeinsam mit der Kommunikationskonferenz &#8220;Play the Game&#8221; einen Forderungskatalog zur Korruptionsbekämpfung im olympischen Weltsport vor (ich war in einer Arbeitsgruppe während der PtG-Konferenz daran beteiligt):</p><ul><li><a
title="PTG: Statement for Integrity and Anti-Corruption in Sport" href="http://www.playthegame.org/search-results/news-article.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=1451" target="_blank">Statement for Integrity and Anti-Corruption in Sport</a></li></ul><p>Vor zwei Jahren hatte der langjährige IOC-Vizepräsident Richard Pound (Kanada) die Einrichtung einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur (WACA) analog zur Welt-Anti-Doping-Agentur angeregt. Verbündete für diese Idee fand er im IOC nicht, ob er es auch energisch verfolgt hat, weiß ich allerdings nicht. IOC-Präsident Rogge hat die Korruptionsbekämpfung, die angeblich einmal zu seinen wichtigsten Themen gehörte, jedenfalls nicht prominent auf die Tagesordnung des Olympischen Kongresses gesetzt. IOC-Präsident Rogge, das ist jener Mann, der auch nichts gegen <a
title="We are family: Jean-Marie Weber, das IOC und die IAAF" href="http://jensweinreich.de/?p=4667" target="_self">Jean-Marie Weber</a> hat, den womöglich größten Schmiergeldzahler des olympischen Sports. Über das Thema Korruption und Weber und ISL/ISMM habe ich übrigens schon vor langer Zeit mit Rogge gesprochen. Eine Passage aus einem <a
title="BLZ: Interview mit Jacques Rogge" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0615/sport/0001/index.html" target="_blank">Interview</a>, das im Juni 2005 in der Berliner Zeitung erschien:</p><blockquote><p><em>Es deutet sich neues Ungemach an im Zusammenhang mit den Prozessen gegen Manager des langjährigen IOC-Marketingpartners ISL. Es geht um Schwarzgeld, geheime Konten, dubiose Stiftungen und Bestechungsgelder in Millionenhöhe; mutmaßlich auch an Funktionäre aus dem Umfeld des IOC. Wie genau sind Sie darüber informiert?</em></p><p>Jacques Rogge: Wie jeder in dieser Branche habe ich die ISL-Krise aufmerksam verfolgt. Ich weiß, dass der Untersuchungsrichter seine Arbeit abgeschlossen hat und in einigen Monaten Prozesse beginnen sollen. Sie kennen mich gut genug, um meine Haltung einschätzen zu können. Ich sage: Wenn da schmutzige Wäsche zu waschen ist, soll es passieren. Dann soll die Wahrheit ans Licht gelangen, dann sollen die Richter ihr Urteil sprechen. Ich habe damit kein Problem. Ich würde das begrüßen. Das würde uns allen helfen.</p><p><em>Erinnern Sie sich an den drastischen Vergleich, den Sie für derartige Aufklärungsarbeit mal gewählt haben?</em></p><p>Klar, diese Aussage gilt noch immer. Insofern habe ich als Chirurg für die Sportpolitik gelernt, denn beim Kampf gegen die Korruption geht man nicht anders vor, als wenn man versucht, einen Abzess abzutöten: Man muss die Beule aufschneiden, den Eiter ausfließen und dann die Wunde austrocknen lassen. </p></blockquote><p>Ich darf in diesem Zusammenhang einmal mehr auf das Buch &#8220;<a
title="Buch &quot;Korruption im Sport&quot;" href="http://jensweinreich.de/?page_id=27" target="_blank">Korruption im Sport</a>&#8221; verweisen. Für den einen oder die andere mag es sich großkotzig anhören, nun denn, aber in diesem Sammelband waren wir doch sehr um Systematik bemüht. Zum Beispiel &#8230;</p><p>&#8230; um diesen <a
title="Korruption als Strukturproblem der Spezialdemokratie Sport" href="http://jensweinreich.de/?p=3246" target="_self"><strong>Definitionsversuch und eine einordnende Darstellung</strong></a> des Strukturproblems Korruption im olympischen Weltsport</p><p>&#8230; um die Formulierung von <a
title="Korruption im Sport: Präventionsmaßnahmen" href="http://jensweinreich.de/?p=3243" target="_self"><strong>Präventionsmaßnahmen</strong></a>, als da wären (ich sage immer wieder: man wird doch mal träumen dürfen):</p><ol><li>Transparenz im Umgang mit öffentlichen Mitteln im Sport</li><li>Transparenz der Sportverbände und ihrer Funktionsträger</li><li>Einrichtung eines öffentlich zugänglichen Lobbyisten-Registers (national und international) im Sport</li><li>Einrichtung eines Korruptionsregisters</li><li>Erstellung nationaler und internationaler Korruptionsranglisten im Sport</li><li>Bestellung von Ombudsmännern in allen nationalen und internationalen Verbänden, Kronzeugenregelung, Schutz von Whistleblowern</li><li>Einführung verbindlicher und aufeinander abgestimmter Ethik-Richtlinien in allen olympischen Verbänden</li><li>Gründung einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur des Sports (WACA)</li><li>Kontrolle durch Nichtregierungsorganisationen</li><li>Schwerpunktthema Korruptionsprävention auf dem Olympischen Kongress 2009 in Kopenhagen</li><li>Implementierung des Sportbetrugs, der Korruption im Sport in nationale Rechts­systeme und in internationale Anti-Korruptions-Konventionen</li><li>Einbeziehung der internationalen Sportkonzerne (auch Sportverbände genannt) in internationale Anti-Korruptions-Konventionen</li></ol><p>Pasend dazu und hier im Blog <a
title="Kommentar von indykiste" href="http://jensweinreich.de/?p=5199#comment-14327" target="_blank">bereits verlinkt</a>: Am Rande der Jahrestagung der <a
title="krimg.de: Fachtagungen" href="http://www.krimg.de/drupal/node/3" target="_blank">Kriminologischen Gesellschaft</a> hat deren Vorsitzende Britta Bannenberg erneut die mangelnde Korruptions-Prävention im Sport kritisiert. Sie sprach von einer „klandestinen Struktur des schweigenden Sports&#8221;. Im Deutschlandfunk sagte Frau Bannenberg, Rechts-Professorin an der Universität Gießen: „Ich entdecke starke Parallelen zwischen der organisierten Wirtschaftskriminalität, Korruption und Sport-Strukturen.&#8221; Bannenberg setzt sich etwa für den Straftatbestand Sportbetrug ein und hat dazu wissenschaftliche Arbeiten vorgelegt. „Mich wundert seit langem, dass die Sportverbände sich in keiner Weise mit Whistleblower-Systemen, mit anonymen Meldesystem und Ombudsleuten auseinandersetzen&#8221;, sagte sie.</p><p>Das komplette Sportgespräch im DLF vom 20. September 2009 zum Thema Korruption (ein halbes Jahr lang online):</p><p><a
title="Sportgespräch DLF vom 20. September 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/09/20/dlf_20090920_2330_27ac8d91.mp3" target="_self">:</a></p><p>Wolfgang Schaupensteiner, Deutschlands bekanntester Korruptionsbekämpfer, wies auf rechtliche Probleme hin: „Vieles was als Korruption im Sport wahrgenommen wird, etwa Schiedsrichterbestechung, ist im Strafgesetzbuch einfach nicht abgebildet&#8221;, sagte er. „Es gibt Lücken im Strafrecht. Korruption im Sport ist im deutschen Strafrecht, anders als in anderen Ländern, nicht strafbar.&#8221; An Selbstreinigungskräfte der Branche glaubt Schaupensteiner nicht. Bei Ethik- und ähnlichen Kommissionen in Sportorganisationen sei kritisch zu hinterfragen: „Ist das nur Popanz oder steht eine ernstgemeinte Struktur dahinter? Sind diese Kontrollen nur zum Schein oder sind sie wirklich flächendeckend?&#8221;</p><ul><li><em>disclosure 1: Auch Britta Bannenberg und Wolfgang Schaupensteiner sind/waren Autoren im von mir konzipierten und herausgegebenen Sammelband &#8220;Korruption im Sport&#8221;, ebenso Herbert Fischer-Solms (DLF) und Anno Hecker (FAZ), die das oben verlinkte Sportgespräch geführt haben.</em></li><li><em>disclosure 2: Ich zahle Beitrag im deutschen Chapter von Transparency International.</em></li></ul><p><small>Dies ist eine überarbeitete, für das anonyme Internet zugeschnittene und damit verlinkte Variante eines Beitrags, der heute in Kurzfassung in der Berliner Zeitung, der Financial Times und der Frankfurter Rundschau erschien.</small></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2009/09/24/der-sport-braucht-wohl-doch-eine-welt-anti-korruptions-agentur/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>11</slash:comments> <enclosure
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