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	<title>jens weinreich &#187; dopingtrainer</title>
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		<title>Der Fuchs im Hühnerstall lehnt die Petition des Dopingopferhilfevereins ab</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 22:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade wurde hier die Frage diskutiert, was eigentlich aus der Petition des Dopingopferhilfevereins geworden ist. Nun, die Antwort lautet: Klaus Zöllig, Vorsitzender des Dopingopferhilfevereins (DOH), hat Post bekommen. Eine Sachbearbeiterin des Bundestags-Petitionsausschusses teilt zur Petition 1-16-06-228-053614 mit: Sehr geehrter Herr Dr. Zöllig, als Anlage übersende ich Ihnen die zu Ihrer Eingabe eingeholte Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern (BMI) mit der Bitte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade wurde <a title="Kommentare zu Johann Sperling ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4893#comment-14364" target="_self">hier</a> die Frage diskutiert, was eigentlich aus der <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Petition des Dopingopferhilfevereins</a> geworden ist. Nun, die Antwort lautet: Klaus Zöllig, Vorsitzender des Dopingopferhilfevereins (DOH), hat Post bekommen. Eine Sachbearbeiterin des Bundestags-Petitionsausschusses teilt zur Petition 1-16-06-228-053614 mit:</p>
<blockquote>
<p align="left">Sehr geehrter Herr Dr. Zöllig,</p>
<p align="left">als Anlage übersende ich Ihnen die zu Ihrer Eingabe eingeholte Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern (BMI) mit der Bitte um Kenntnisnahme.</p>
<p align="left">Darüber hinaus möchte ich Sie auf die Beschlussempfehlungen und Berichte des Sportausschusses &#8211; Bundestags-Drucksachen 16/13175, 16/13579, 16/5937, 16/5526, 16/4738, 16/4166 &#8211; sowie auf die Antwort der Bundesregierung &#8211; Bundestags-Drucksache 16/4264 &#8211; hinweisen. Diese können Sie im Internet unter www.bundestag.de. dort unter Dokumente/Datenbank Dokumente einsehen und ausdrucken.</p>
<p align="left">Vor dem Hintergrund der Ausführungen des BMI und der angeführten Drucksachen des Deutschen Bundestages sieht der Ausschussdienst derzeit keine Anhaltspunkte für darüber hinausgehende parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses. Ihre Eingabe wird deshalb als erledigt betrachtet. Sollten aus Ihrer Sicht jedoch noch Einwände bestehen, bitte ich, diese möglichst konkret darzulegen.</p>
<p align="left">Mit freundlichen Grüßen</p>
<p align="left">Im Auftrag </p>
</blockquote>
<p align="left">Ich habe mir die Mühe gemacht, sämtliche erwähnten Drucksachen zu verlinken. Allein diese Auflistung der Dame vom Bundestag ist schon eine Frechheit, weil sich darunter <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Anträge wie jener</a> der Grünen (16/13175) befinden, die ja nicht wirklich diskutiert, sondern nur kollektiv abgelehnt wurden. Demokratie nennt man so etwas.</p>
<ul>
<li><a title="Drucksache 16/13175" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613175.pdf" target="_blank">Drucksache 16/13175</a>, Antrag der Grünen: Dopingvergangenheit umfassend aufarbeiten</li>
<li><a title="Drucksache 16/13579" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/135/1613579.pdf" target="_blank">Drucksache 16/13579</a>, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zum Antrag der Grünen</li>
<li><a title="Drucksache 16/5937" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/059/1605937.pdf" target="_blank">Drucksache 16/5937</a>, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zu 16/5526, 16/4738, 16/4166</li>
<li><a title="Drucksache 16/5526" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/055/1605526.pdf" target="_blank">Drucksache 16/5526</a>, Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport</li>
<li><a title="Drucksache 16/4738" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/047/1604738.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4738</a>, Antrag der FDP: Bekämpfung des Dopings im Sport vorantreiben und Optimierungsmöglichkeiten ausschöpfen</li>
<li><a title="Drucksache 16/4166" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/041/1604166.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4166</a>, Antrag der Grünen: Bekämpfung des Dopings im Sport</li>
<li><a title="Drucksache 16/4264" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/042/1604264.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4264</a>, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP</li>
</ul>
<p>Volldemokratisch auch das Verfahren mit Zölligs Petition: Der sagen wir: Beschuldigte, also das BMI, wird um eine Stellungnahme gebeten. Der Sportabteilungschef des Bundes sagt, er könne <strong>&#8220;fehlerhaftes Verhalten des Bundes nicht erkennen&#8221;</strong>. Dann ist ja alles gut. Damit hat sich die Sache erledigt.</p>
<p>Tatsächlich?</p>
<p>Das erinnert mich an die Geschichte vom <a title="tag: der Fuchs im Hühnerstall" href="http://jensweinreich.de/?s=%22fuchs+im+h%C3%BChnerstall%22" target="_self">Fuchs im Hühnerstall</a>, die hier am Beispiel einiger Korruptionsthemen immer mal wieder erwähnt wurde.</p>
<p align="left">Eigentlich müsste ich sagen: Mir fehlen die Worte. Ich bin schockiert &#8211; und bestimmt auch reichlich dumm anzunehmen, so eine Petition könne ernsthaft behandelt werden. Doch nicht in dieser <a title="&quot;We are family&quot;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Wissenschaft" href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">Sportfamilie</a>. Doch <a title="Bundesinnenministerium unterstützt den Bund Deutscher Radfahrer" href="http://jensweinreich.de/?p=1556" target="_self">nicht</a> <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdBs im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">in</a> <a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://jensweinreich.de/?p=1627" target="_self">dieser</a> <a title="Die Verbal-Salti des Christoph Bergner" href="http://jensweinreich.de/?p=4031" target="_self">Spezialdemokratie</a>.</p>
<ul>
<li>Hier ist das <a title="Brief BMI an Petitionsausschuss" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/09/bmi-kass-an-petitionsausschuss-2009.pdf" target="_blank"><strong>Schreiben des BMI-Abteilungsleiters</strong></a> Rüdiger Kass an den Petitionsausschuss (pdf, 11 Seiten, 1 MB) </li>
</ul>
<p>Wie schrieb doch die Dame vom Amt?</p>
<blockquote><p><strong>Vor dem Hintergrund der Ausführungen des BMI und der angeführten Drucksachen des Deutschen Bundestages sieht der Ausschussdienst derzeit keine Anhaltspunkte für darüber hinausgehende parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses. Ihre Eingabe wird deshalb als erledigt betrachtet. </strong></p></blockquote>
<p><span id="more-5248"></span>Ich habe dazu für den <a title="DLF vom 26. September 2009: Beitrag zur Ablehnung der DOH-Petition" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1040832/" target="_blank">Deutschlandfunk gedichtet</a>. Und in Kurzfassung für einige Zeitungen geschrieben:</p>
<blockquote><p>Die Debatte über die Beschäftigung dopingbelasteter Trainer mit Steuermitteln im deutschen Spitzensport erhält eine weitere bizarre Zuspitzung. Der Petitionsausschuss des Bundestages hat die Eingabe des Dopingopferhilfevereins (DOH) wegen der unsachgemäßen Verwendung von Sportfördermitteln abgelehnt. Es gebe „keine Anhaltspunkte für parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses&#8221;, wird dem Petenten und DOH-Vorsitzenden Klaus-Dieter Zöllig mitgeteilt. „Ihre Eingabe wird als erledigt betrachtet.&#8221; </p>
<p>Die Debatte hatte sich im Frühjahr am Fall Werner Goldmann und anderen ehemaligen DDR-Dopingtrainern erhitzt, die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nach pauschalen Erklärungen weiter beschäftigt wurden. Die Petition, die der DOH-Vorsitzende Klaus Zöllig Ende April 2009 eingereicht hatte, richtete sich gegen das für die Spitzensportförderung zuständige Bundesinnenministerium (BMI). Minister Wolfgang Schäuble (CDU) habe „pauschal Verstöße von Sportfachverbänden und Olympiastützpunkten gegen zuwendungsrechtliche Vorschriften&#8221; und damit auch „die rechtwidrige Verwendung von Steuermitteln&#8221; akzeptiert, argumentierte Zöllig. Er verlangte „die Einhaltung der entsprechenden Gesetze&#8221; und eine rückwirkende Überprüfung von Steuermitteln. Der von Kersten Naumann (Die Linke) geleitete Petitionsausschuss holte lediglich eine Stellungnahme des BMI ein, die im Kern sagt: „fehlerhaftes Verhalten des Bundes&#8221; sei „nicht zu erkennen&#8221;.</p>
<p>Rüdiger Kass, Leiter der Sportabteilung des BMI, behauptet in seinem elfseitigen Schreiben, in den aktuellen Antidoping-Klauseln des BMI mit den Sportverbänden sei „eine zurückliegende Dopingbelastung von Trainern der ehemaligen DDR nicht erfasst&#8221; und könne keiner „zuwendungsrechtlichen Überprüfung bzw. Sanktion unterliegen&#8221;. Zudem seien die von Zöllig „behaupteten Gerichtsentscheidungen über nachgewiesene Dopingtaten nicht bekannt&#8221;. </p>
<p>Tatsächlich verweisen die Antidoping-Klauseln auf Empfehlungen des Deutschen Sportbundes vom Dezember 1991. In den aktuellen Verträgen mit den Spitzenverbänden ist „Mittelwiderruf bei Zuwiderhandlung&#8221; ausdrücklich vorgesehen. Doch so genau wollte es der Petitionsausschuss nicht wissen. DOH-Chef Zöllig versteht die Welt nicht mehr. „Das ist empörend&#8221;, sagt er: „Der Kritisierte, das BMI, schreibt sich selbst eine Entschuldigung, die der Petitionsausschuss ohne Prüfung akzeptiert. Das wird einem Rechtsstaat nicht gerecht.&#8221;</p>
<p>BMI-Abteilungsleiter Kass stellt einige Behauptungen auf, die näherer Prüfung schwer standhalten. So sagt er, Staatsanwaltschaften hätten Dopingtaten „nicht nachweisen können&#8221;, die von Zöllig erwähnten Gerichtsentscheidungen seien dem BMI „nicht bekannt&#8221;. Zöllig hatte sich auch gegen die Beschäftigung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter ausgesprochen. Ministerialdirektor Kass teilt dazu mit, er könne „tragende Gründe der Beschwerde des DOH nicht erkennen&#8221;. </p>
<p>Die kritisierte Behörde entlastet sich selbst &#8211; dies ist für den Petitionsausschuss Grund genug, die Petition abzulehnen. Dabei widerspricht sich der BMI-Abteilungsleiter widerspricht sich, wenn er einerseits gerichtsfeste Belege in Abrede stellt, andererseits mit „belastbaren Fakten im Einzelfall&#8221; notiert. Da werden Taten negiert, gleichzeitig von „Tätern&#8221; gesprochen. Die Lügen der Trainer um Goldmann etwa bei der Abgabe von „Ehrenerklärungen&#8221; werden nicht erwähnt. Die maßgeblichen Zuwendungsbescheide werden genauso wenig veröffentlicht wie andere wichtige Dokumente. Manche Sachverhalte sind nicht zu überprüfen, weil Sport und Politik Exklusivzugang zu den Akten haben.</p>
<p>Klaus Zöllig wird die Darlegungen des BMI nun prüfen lassen &#8211; und danach entscheiden, ob er die Kraft aufbringt, juristische Maßnahmen einzuleiten.</p></blockquote>
<p>Klaus Zöllig wird Unterstützung und Kraft und Zeit und Geld brauchen, sollte er Rechtswege beschreiten. Es wäre sicher hilfreich, sich zunächst gründlich mit den Darlegungen des BMI zu beschäftigen und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Johanna Sperling: &#8220;Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 15:46:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist die (extrem verkürzte) Geschichte eines der bewegendsten Dokumente von Zivilcourage, das ich zum Themenkomplex Doping je gesehen habe. Dieser Brief stammt aus dem Jahr 1963. Johanna Sperling hat damals in ihre &#8220;Sperlinge&#8221;, wie sie die von ihr betreuten Rudererinnen nannte, ins Trainingslager der DDR-Nationalmannschaft für die EM in Moskau geschrieben. Es ist das &#8220;erste Dokument eines individuellen Widerstands&#8221;, sagt Werner Franke. Ich habe mit einigen Dopingaufklärern darüber gesprochen. Niemand kennt etwas Vergleichbares.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4933" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/briefumschlag-sperling.gif" alt="" width="500" height="313" /></p>
<p>Was diesen Brief so besonders macht, ist diese Passage:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4932" title="Johanna Sperling, 1963" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/brief-sperling.gif" alt="" width="500" height="548" /></p>
<blockquote><p>&#8220;Noch eins: Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein, aber auch kein einziges Mittelchen zu schlucken, das Eure Leistung angeblich steigert, und wenn es als noch so harmlos, als vollkommen unschädlich oder wunderwirkend Euch gepriesen wird; auch wenn man Euch sagt, dass Ihr dann die einzigen seid, die nichts zu sich nehmen, bitte weist es zurück, seid stolz darauf und denkt an die kommenden Wettkampfjahre und denkt an Eure Gesundheit.</p>
<p>An der eigenen Willensstärke erleidet Ihr keinen Schaden, und davon habt Ihr genügend zur Verfügung. Ich kann Euch Beispiele nennen, welche Auswirkungen solche Mittel der Wettkampfvorbereitung hatten &#8211; jetzt würde das zu weit führen, glaubt mir nur soviel, dass es nie gut ist.</p>
<p>Und wenn es nur das Schamgefühl wäre, das sich Eurer nach einem erfolgreichen Rennen bemächtigen würde &#8211; Ihr könntet Euch nicht ehrlich Eures Sieges freuen. Erspart es Euch und geht mit gutem Gewissen an den Start, die Nationalhymne klingt dann umso erhebender.&#8221;</p></blockquote>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4934" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/portrat-sperling-alt.jpg" alt="" width="500" height="321" /></p>
<p>Ich kann diese Geschichte nicht wiedergeben, ohne nicht auch einige journalistische Aspekte anzureißen, die mich seit März stark beschäftigt haben. Ich habe mich im Frühjahr mehrfach mit Frau Sperling in Leipzig getroffen. Wir haben einige Male telefoniert und immer wieder die Frage diskutiert: Soll dieser Brief öffentlich werden? Ist Frau Sperling bereit, ihre Geschichte zu erzählen? Habe ich als Journalist das Recht, sie nach 46 Jahren an die Öffentlichkeit zu zerren? Wie weit kann ich gehen, welche Berichterstattung ist angemessen? Fragen über Fragen. Es gibt viele Antworten darauf. Viele unterschiedliche Antworten.</p>
<p>Die wichtigste Antwort aber konnte nur Frau Sperling geben. Sie war unsicher, sie wollte niemanden verletzen, weder ihre ehemaligen Kollegen, noch ehemalige Athleten. Gewiss hat auch eine Unsicherheit, vielleicht sogar Angst mitgespielt, wie man in Leipzig auf die Geschichte reagieren würde. Ich habe versucht, Frau Sperling nicht über die Maßen zu bedrängen. Stoff genug für ein Journalismus-Seminar. Frau Sperling hat es sich gewiss nicht leicht gemacht, war hin und her gerissen und hat sich erst sehr spät, Anfang August, dazu durchgerungen, sich vom <a title="tag: Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?s=dopingopfer" target="_self">Dopingopferhilfeverein</a> (<a title="Dopingopferhilfeverein" href="http://www.dohev.de" target="_self">DOH</a>) nun doch für ihre couragierte Haltung im DDR-Sportsystem, in das sie tief involviert war, ehren zu lassen.</p>
<p>&#8220;Ich kann doch diese Persönlichkeiten, die sich so sehr im Kampf gegen Doping engagieren, nicht enttäuschen&#8221;, hat sie gesagt.</p>
<p>Ein Satz, der viel verrät über Frau Sperling.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4935" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/portrat-sperling.jpg" alt="" width="500" height="353" /></p>
<p>Als Johanna Sperling <em>(Foto: Sven Sonntag/Picture Point)</em> sich entschieden hatte, zur Verleihung des Heidi-Krieger-Preises, zu dem ich <a title="Der Appetit kam beim Essen" href="http://jensweinreich.de/?p=2534" target="_self">eine besondere Beziehung</a> habe, nach Berlin zu kommen, habe ich für Spiegel-Online (&#8220;<a title="SpOn vom 19. August 2009" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643727,00.html" target="_blank">Ich bitte euch, kein Mittelchen zu schlucken</a>&#8220;) doch noch diese Kurzfassung einer großen Geschichte notiert:</p>
<blockquote><p>Eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit kann irritieren. Johanna Sperling, 77, ehemalige Rudertrainerin des SC DHfK Leipzig, sitzt in einem Café im Leipziger Hauptbahnhof. Sie blickt auf sieben eng beschriebene Seiten. Lehnt sich zurück im braunen Ledersessel und sagt: „Dieser Brief ist nicht von mir. Das muss eine Fälschung sein!&#8221;</p>
<p>Dann beginnt sie jenen Brief zu lesen, den eine „Johanna Sperling, Leipzig&#8221; 1963 ihren Sportlerinnen ins Trainingslager der Nationalmannschaft nach „Berlin-Grünau, Regattastraße 211&#8243; geschickt hat. Sie murmelt: „Das ist eine perfekte Fälschung.&#8221;</p>
<p>Es ist keine Fälschung.</p>
<p>Eine ihrer Ruderinnen hat die handgeschriebenen Zeilen aufbewahrt. Es ist ein sporthistorisches Dokument, weil es beweist, dass schon Anfang der sechziger Jahre, lange vor dem eigentlichen Doping-Staatsplan 14.25, gedopt wurde &#8211; und dass schon damals die gefährlichen Wirkungen der Dopingmittel bekannt waren.</p>
<p>Weil es beweist, dass sich DDR-Trainer dem Doping-Dogma verweigern konnten, zumindest noch in den 1960er Jahren.</p>
<p>Es ist ein Sensationsfund. Es gibt nichts Vergleichbares.</p>
<p>„Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein, aber auch kein einziges Mittelchen zu schlucken, das Eure Leistung angeblich steigert, und wenn es als noch so harmlos, als vollkommen unschädlich oder wunderwirkend Euch gepriesen wird&#8221;, steht in dem Brief, den Sperling vor einem halben Jahrhundert geschrieben hat und im Sommer 2009 wieder sieht. „Auch wenn man Euch sagt, dass Ihr dann die einzigen seid, die nichts zu sich nehmen, Bitte weißt es zurück, seid stolz darauf und denkt an die kommenden Wettkampfjahre und denkt an Eure Gesundheit. An der eigenen Willensstärke erleidet Ihr keinen Schaden, und davon habt Ihr genügend zur Verfügung. Ich kann Euch Beispiele nennen, welche Auswirkungen solche Mittel der Wettkampfvorbereitung hatten &#8211; jetzt würde das zu weit führen, glaubt mir nur soviel, dass es nie gut ist.&#8221;</p>
<p>Johanna Sperling hat Tränen in den Augen. Es dauert fast eine Viertelstunde, bis sie sagt: „Das dieser Brief noch existiert. Unglaublich.&#8221;</p>
<p>Sie hat ganz offen mit ihren „Sperlingen&#8221;, wie sie die Ruderinnen nannte, über die Gefahren des Dopings diskutiert. Zunächst ging es vor allem um Psychopharmaka. Später um das von der Firma Jenapharm produzierte anabole Steroid Oral-Turinabol (OT). Sperling hat sich von Ärzten über die Wirkungen von OT aufklären lassen und ihren Mädchen davon abgeraten.</p>
<p>Irgendwann wurde sie ausgebremst von anderen Trainern. Sie durfte nur noch Nachwuchssportler trainieren. Sie glaubte, sie sei nicht gut genug und hat darunter gelitten. Sie studierte nebenbei ein zweites Mal, Psychologie, weil sie sich selbst erklären wollte, was passiert war mit ihr und den „Sperlingen&#8221;, die unter anderen Trainern Medaillen gewannen. Trainern, von denen sie sagt, sie hätten sich mehr „bei der Pharmaindustrie aufgehalten, als beim Training&#8221;.</p>
<p>Der Sporthistoriker Giselher Spitzer hat so viele Akten zum DDR-Dopingsystem studiert, wie kaum ein Zweiter. Er hat zahlreiche Dopingopfer interviewt und mehrere Bücher zum Thema publiziert. Aber auch Spitzer kennt kaum Verweigerer. Er sagt: „Bislang konnte noch nicht quantifiziert werden, wie viele Frauen und Männer in Arzt- oder Trainerfunktion das Dopingsystem zu behindern suchten.&#8221; Unter aufgeklärten Ärzten sei die Ablehnungsrate weit größer gewesen als unter Trainern, besonders in den achtziger Jahren, kurz vor dem Zusammenbruch der DDR. Wohl hat er in Bergen von Stasi-Akten Hinweise zu Widerständlern gefunden, doch kein Dokument von der Qualität jenes Briefes, den Johanna Sperling einst an ihre Sportlerinnen schrieb.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4962" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sperling-boot-alt.jpg" alt="" width="436" height="277" /></p>
<p>Johanna Sperling will nicht anklagen. Sie will „den DDR-Sport nicht verdammen&#8221;. Sie war eine überzeugte Sozialistin. Sie hat in der DDR alle Chancen bekommen. Ist selbst gerudert, wurde <a title="Statistik Ruder-Europameisterschaften" href="http://www.rrk-online.de/rudern/chronrudern/emwmolyrud/emrud.htm" target="_blank">1957 Dritte bei der Europameisterschaft</a> in Duisburg. Sie hat an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) studiert, war eine harte Trainerin, wie sie sagt. Sie hatte eine Vorstellung vom Sport, die allerdings immer weniger mit der Doktrin der Medaillenproduktion korrespondierte. Sie hat sich diese Vorstellung bis heute erhalten. „Wenn ich Medaillen nur mit Doping erreiche, muss etwas faul sein&#8221;, sagt sie. „Das galt für die DDR und das gilt heute. Das ist nicht mein Sport. Das interessiert mich nicht mehr.&#8221;</p>
<p>Johanna Sperling hat sich dem System im System widersetzt. Sie wurde in die zweite Reihe verbannt, wie man damals sagte. Sie arbeitete als Nachwuchstrainerin und im Studentensport. Am Donnerstag (20. August) wird sie vom Verein Dopingopferhilfe e. V. in Berlin mit der Heidi-Krieger-Medaille geehrt, gemeinsam mit drei anderen Aufrechten aus Ost und West, die sich dem Dopingsystem verweigerten: Henner Misersky aus Stützerbach in Thüringen, ehemals Skilanglauftrainer beim SC Motor Zella-Mehlis, Hansjörg Kofink (Rottenburg), ehemaliger Bundestrainer für Kugelstoßen, und Horst Klehr, Apotheker aus Mainz und Gründungsmitglied der ersten Dopingkommission des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.</p>
<p>Johanna Sperling hat lange überlegt, ob sie diese Auszeichnung annehmen soll. Sie weiß nicht, wie ihr Umfeld in Leipzig reagieren wird. Sie fürchtet die Schlagzeilen. Vor allem aber: Sie ist überzeugt davon, nichts Besonderes getan zu haben.</p>
<p>„An meiner Stelle hätten viele so gehandelt&#8221;, sagt sie. Außer ihr und Misersky ist aber kaum jemand bekannt.</p>
<p>„Es ist nie gut&#8221;, schrieb sie vor 46 Jahren. Es ist nie gut, zu dopen. Eine große Botschaft in einfachen Worten: „Und wenn es nur das Schamgefühl wäre, das sich Eurer nach einem erfolgreichen Rennen bemächtigen würde &#8211; Ihr könntet Euch nicht ehrlich Eures Sieges freuen. Erspart es Euch und geht mit gutem Gewissen an den Start, die Nationalhymne klingt dann umso erhebender.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nun hat sie die Heidi-Krieger-Medaille. Und sagt:</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sperling-kl.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Wir haben uns gestern noch eine Stunde unterhalten und werden die Geschichte demnächst nachbereiten.</p>
<p>Mein Bericht von der Preisverleihung am Donnerstag im Virchow-Klinikum:</p>
<p>Im Umfeld der Leichtathletik-WM tummeln sich die Politiker, nicht nur Gastgeber Klaus Wowereit (SPD). Auch Bundeskanzlerin <a title="Problembär für Angela Merkel" href="http://jensweinreich.de/?p=4824" target="_self">Angela Merkel</a> oder Verteidigungsminister <a title="Leichtathletik-WM, Tag 6 ..." href="http://jensweinreich.de/?s=detlef+parr" target="_self">Franz-Josef Jung</a> (beide CDU), sonnen sich im Glanz der Weltmeister, wie jüngst im WM-Club des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in der Französischen Straße: Merkel, die in ihrer klaren Führungsposition ja nicht wirklich wahlkämpfen muss, scherzte entspannt mit Weltmeisterin Steffi Nerius, Ralf Bartels, Jennifer Oeser und Nadine Kleinert. Jung tätschelte tags darauf die Goldmedaille von Robert Harting und posierte mit dem Diskus-Problembär. Jung ist oberster Dienstherr Hartings, der noch einer Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört. Meinen speziellen Freund <a title="Detlef Parr (FDP) sagt zum Abschied leise Servus" href="http://jensweinreich.de/?p=4094" target="_self">Detlef</a> <a title="Archiv: Detlef Parr" href="http://jensweinreich.de/?s=detlef+parr" target="_self">Parr</a> (FDP) sah ich dieser Tage im DLV-Club ebenfalls.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4950" title="Heidi-Krieger-Preis" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/heidi-krieger-preis.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="253" height="392" align="right" />Am Donnerstag aber fehlten Politiker, als der Verein Dopingopferhilfe den europaweit einzigen Antidopingpreis vergab: Die in einer Plastik-Pylone verpackte Goldmedaille, die Heidi Krieger vom SC Dynamo Berlin bei den Leichtathletik-EM 1986 im Kugelstoßen gewann. Aus Heidi Krieger ist inzwischen Andreas Krieger geworden, und seine Geschichte geht auch diesmal um die Welt. Vereinschef Klaus Zöllig hatte zwar alle 16 Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses eingeladen, musste allerdings süffisant mitteilen: <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">„Die Politiker mussten leider kollektiv absagen.&#8221;</a></p>
<p>Auch <a title="tag: Peter Danckert" href="http://jensweinreich.de/?cat=338" target="_self">Peter Danckert</a> (Sportausschuss-Chef von der SPD) und <a title="Archiv: Dagmar Freitag" href="http://jensweinreich.de/?s=dagmar+freitag" target="_self">Dagmar Freitag</a> (SPD-Sportsprecherin) fehlten. Beide verbreiten seit Wochen propagandistische Parolen, mit denen sie den Opferbegriff in Frage stellen, damit die Geschädigten beleidigen und historische Wahrheiten missachten. „Wer von so genannten Opfern spricht, hat keine Ahnung&#8221;, rügte der Heidelberger Dopingaufklärer Werner Franke  in seiner Laudatio. „Ich erkläre hiermit öffentlich: Diese Menschen verstehen vom Sujet nicht die Bohne in dieser Pisa-Nation!&#8221; DOV-Chef Klaus Zöllig fragte bissig: „Leiden denn alle Sportpolitiker in diesem Lande an retrograder Amnesie und epedemischen Gedächtnisverlust?&#8221;</p>
<p>Die Bundestagsabgeordnete Freitag, die zum so genannten Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten gehört, ist in diesen Tagen und Nächten in Berlin als DLV-Vizepräsidenten unterwegs &#8211; in den Logen und Clubs der WM, aber nicht im Virchow-Klinikum, in das der DOH geladen hatte. Der DOH ehrt mit dem Heidi-Krieger-Preis „Personen einer ganz besonderen Kategorie&#8221;, sagte Laudator Franke.</p>
<p>Zweimal Ost, zweimal West:</p>
<ul>
<li><strong>Johanna Sperling</strong> aus Leipzig, eine ehemalige Rudertrainerin des SC DHfK, die ihren Schützlingen schon 1963 in einem bewegenden Brief von jeglichen Dopingmitteln abriet.</li>
<li><strong>Henner Misersky</strong> aus Stützerbach in Thüringen, ehemals Skilanglauftrainer beim SC Motor Zella-Mehlis, Vater der Biathlon-Olympiasiegerin Antje Misersky.</li>
</ul>
<div><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/misersky.mp3" target="_self">:</a></div>
<ul>
<li><strong>Hansjörg Kofink</strong> (Rottenburg), ehemaliger Bundestrainer für Kugelstoßen, der diese Position wegen der Dopingpraktiken des DLV vor den Olympischen Spielen 1972 aufgab und später noch lange Jahre Vorsitzender des Sportlehrerverbandes war.</li>
</ul>
<div><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/kofink-kl.mp3" target="_self">:</a></div>
<ul>
<li>Und <strong>Horst Klehr</strong>, Apotheker aus Mainz, Gründungsmitglied der ersten Anti-Dopingkommission des DLV, der in den siebziger Jahren bis zur Resignation einen einsamen verzweifelten Kampf kämpfte.</li>
</ul>
<div>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/klehr-kl.mp3" target="_self">:</a></div>
<p><span id="more-4893"></span>Nur ein Promi des Sportbusiness machte den Preisträgern seine Aufwartung: Manfred von Richthofen, der langjährige DSB-Präsident. „Ich habe Hochachtung vor ihnen&#8221;, sagte er: „Es werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die Zivilcourage praktiziert haben. Vorbilder brauchen wir im Sport!&#8221; Allerdings verließ er die Veranstaltung vorzeitig noch während der überlangen Laudatio von Franke. Der Heidelberger Professor argumentierte gewohnt fulminant und pointiert. Es wäre allerdings galanter gewesen, Richthofen die Hand zu reichen.</p>
<blockquote><p><strong>Preisträger der Heidi-Krieger-Medaille</strong></p>
<p>2000: <strong>Christian Strasburger</strong> (Hormonforscher)<br />
2001: <strong>Brigitte Berendonk</strong> (Lehrerin, Autorin)<br />
2003: <strong>Giselher Spitzer</strong> (Sporthistoriker)<br />
2005: <strong>Antje Misersky</strong> (Olympiasiegerin im BIathlon, WM-Medaillengewinnerin im Skilanglauf)<br />
2007: <strong><span style="color: #000000;">Anne-Kathrin Elbe</span></strong> (Hürdenläuferin)<br />
2009: Johanna Sperling, Henner Misersky, Hansjörg Kofink, Horst Klehr</p></blockquote>
<p>aktuelle <strong>Lesebefehle</strong>:</p>
<ul>
<li>Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung: &#8220;<a title="SZ vom 19. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/355/484788/text/" target="_self">Sperlinge, weist es zurück!</a>&#8221; und &#8220;<a title="SZ vom 21. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/K5A38V/3014819/Trainer-mit-Gewissen.html" target="_blank">Trainer mit Gewissen</a>&#8220;</li>
<li>Michael Horeni in der FAZ: &#8220;<a title="FAZ vom 21. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub446A669E5FA042659ADDB04EA66EFD48/Doc~E0F27A63ECA4E4B1BAE0B7E73CF427B5C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein einziges Mittelchen zu schlucken</a>&#8220;</li>
<li>Maik Großekathöfer auf Spiegel-Online über Andreas Krieger: &#8220;<a title="SpOn vom 18. August 2009" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643223,00.html" target="_blank">Vom Staat missbraucht</a>&#8220;</li>
<li>Oliver Händler im Neuen Deutschland: &#8220;<a title="ND vom 21. August 2009" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/154346.vier-mutige-menschen-im-abseits.html" target="_blank">Vier mutige Menschen im Abseits</a>&#8220;</li>
<li>
<div>Tom Mustroph im Tagesspiegel: &#8220;<a title="Tagesspiegel vom 21. August 2009" href="http://www.tagesspiegel.de/sport/doping/Werner-Franke;art2650,2878801" target="_blank">Die pinkeln rechtzeitig</a>&#8220;</div>
</li>
</ul>
<div>Diese Texte muss ich unbedingt nachtragen:</div>
<ul>
<li>Das Interview von Michael Reinsch in der FAZ mit Werner Goldmann: &#8220;<a title="FAZ vom 21. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub42A42B1FCA924E1DAFA3266FE72A1937/Doc~EF5EF6E4F29A34BB4BD78068D7E8BB058~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Das härteste Jahr meines Lebens</a>&#8220;</li>
<li>Michael Horeni in der FAZ über Andreas Krieger: &#8220;<a title="FAZ vom 24. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E96B830E64F0E425E9BD8427E7A4B9954~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Das verlorene Leben der Heidi K.</a>&#8220;</li>
</ul>
<p><em>Nachtrag, 25. August:</em> Auf besonderen Wunsch einige Schnappschüsse von der Preisverleihung.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5018" title="Werner Franke" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh1.jpg" alt="" width="500" height="321" /></p>
<p>Laudator Werner Franke</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5023" title="Urkunde für Johanna Sperlin, ganzb rechts oben: Andreas Krieger" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh2.gif" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Urkunde für Johanna Sperling, rechts oben: Andreas Krieger</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5019" title="v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Klaus Zöllig, Horst Klehr" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh3.jpg" alt="" width="500" height="320" /></p>
<p>v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Klaus Zöllig, Horst Klehr</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5020" title="v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Horst Klehr, Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh4.jpg" alt="" width="500" height="276" /></p>
<p>v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Horst Klehr, Johanna Sperling</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5021" title="Interviews mit Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh5.jpg" alt="" width="500" height="596" /></p>
<p>Interviews mit Johanna Sperling (im Bild u.a. die Kollegen Seppelt, Horeni, Catuogno)</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5022" title="Heidi-Krieger-Medaille" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh6.jpg" alt="" width="363" height="552" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leichtathletik-WM, Tag 6: Harting schläft nicht, Bolt joggt wieder Weltrekord</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 00:56:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[02.36 Uhr: Um die letzte Frage von heute Nacht aufzugreifen: Wie war die Pressekonferenz mit Robert Harting? Es gibt nicht viel zu sagen. Er hat sich irgendwie bei den Dopingopfern entschuldigt. Im ARD-Fernsehen, das Harting als Vertragspartner der IAAF zuerst ans Mikro bekam, sagte er, es würde ihm &#8220;wirklich von Herzen leid tun&#8221;. Im nächsten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>02.36 Uhr:</strong> Um die <a href="http://jensweinreich.de/?p=4841#comment-13111" target="_self">letzte Frage</a> von heute Nacht aufzugreifen: Wie war die Pressekonferenz mit Robert Harting? Es gibt nicht viel zu sagen. Er hat sich irgendwie bei den Dopingopfern entschuldigt. Im ARD-Fernsehen, das Harting als Vertragspartner der IAAF zuerst ans Mikro bekam, sagte er, es würde ihm &#8220;wirklich von Herzen leid tun&#8221;. Im nächsten Satz aber formulierte er: &#8220;Was man schreibt und was man sagt, ist heutzutage leider ein Unterschied.&#8221; Tatsächlich auch in diesem Fall? (Mein Beitrag auf Spiegel-Online: &#8220;<a title="Spon: &quot;Gold ist erst der Anfang&quot;" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643865,00.html" target="_self">Gold ist erst der Anfang</a>&#8220;)</p>
<p>Auf der Pressekonferenz im Olympiastadion machte er es ähnlich kurz und verwies auf die DLV-Pressekonferenz heute um 9 Uhr. In einem Radio-Interview (die Rechteinhaber vom Radio stehen nach den TV-Rechtehaltern in der zweiten Reihe, erst ganz am Ende der Verwertungskette kommen Schreiber) der ARD wurde er wohl schon klarer, sagte mir eine Kollegin. Ich habe den O-Ton noch nicht gehört.</p>
<p>Er hat auf jeden Fall das getan, was er im Wettkampf nicht getan hat: die Energie gedrosselt. Das ist auch gut so. Mal sehen, was er heute zu sagen hat. Bisher hat er nach seinem Weltmeistertitel diejenigen, mit deren Beiträgen er nicht so einverstanden ist und sein Trainer ihn vor Kontaktaufnahme gewarnt hat (hier schreibt einer davon), nur mit grimmigen Blicken bestraft. Lassen wir uns überraschen.</p>
<p>Im WM-Club des DLV, wo vorgestern <a title="Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4824" target="_self">die Kanzlerin einschwebte</a>, traf Harting seinen Dienstherren Franz-Josef Jung (CDU). Der Bundesverteidigunsminister, der ganze Bataillone von Sportsoldaten befehligt, durfte auch mal an die Goldmedaille:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4880" title="Franz-Josef Jung (CDU), Medaille, Robert Harting" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/jung-harting.jpg" alt="" width="500" height="328" /></p>
<p>Und dann war da noch DOSB-General Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4881" title="Michael Vesper, Robert Harting" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/vesper-harting.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Robert Harting wollte danach noch in den Champions Club und dann in eine Disco. Wenn ich mich recht erinnere, hat er gesagt, er mache jetzt bis Freitag durch. Oder so. (Links blickt übrigens Frank Busemann ins BIld, der mit einem ARD-Radiokoffer unterwegs war und Harting später interviewte.)</p>
<p><strong>02.53 Uhr:</strong> Ich schlaf dann mal ein bisschen. Bin ja nicht Weltmeister.</p>
<p><strong>11.53 Uhr:</strong> Sitze in einem Hörsaal im Virchow-Klinikum, wo gerade Werner Franke seine Laudatio auf die diesjährigen Preisträger des Heidi-Krieger-Preises hält. Dazu folgt später ein Beitrag.</p>
<p>Was bisher an diesem wunderbaren, total relaxten Tag geschah: Fahre ziemlich genau um acht Uhr los, um pünktlich um neun bei der PK von Robert Harting zu sein. Um 9.17 Uhr hatte ich es immerhin bis zur Leipziger Straße geschafft. Zu Fuß wäre fast schneller gewesen. Nach 110 Minuten hatte ich es wenigstens ins Parkverbot im Virchow-Klinikum geschafft.</p>
<p>Deshalb lasse ich Harting heute Harting sein, höre mir vielleicht nachher noch einen Mitschnitt der PK an, um mir ein Bild zu machen. Die Dopingopfer &#8211; und vor allem diejenigen, die sich in Ost und West den Dopingsystemen widersetzt haben &#8211; kommen aber hier nachher zu Wort.</p>
<p>Zu Harting nur noch eine Notiz, die mir ein Freund heute morgen schrieb. Fast jedes Wort hätte von mir stammen können. Darüber haben wir hier ja nun seit Januar ausgiebig diskutiert.</p>
<blockquote><p>Harting wird gar nichts sagen. Ich bedaure es nicht, denn allen anderen und dem Anliegen würde es schaden.</p>
<p>DLV / DOSB werden ihn gemeinsam auf Linie gebracht haben, indem sie ihm gesagt haben, erstens: Das mit Deinem Trainer haben wir doch bestens geregelt. Und wenn Du brav bist, bleibt das auch so. Zweitens: Du machst nur PR für die Dopingopfer.</p>
<p>Das war der Kern der Aktion, die keine Folgen haben wird, die eine kurzfristige Zuspitzung war, eine Art Panikblüte, bevor das Thema stirbt. Das Trainer-Thema ist politisch zu Grabe getragen, am Ende noch mit dem unklaren Vorgehen der Geschädigten, die Konsequenzen zwar ankündigen, aber ansonsten quatschen oder Briefe schreiben &#8211; daran wird keine Petition, keine Medienöffentlichkeit noch etwas ändern können. Nun ist auch Goldmann erledigt, denn lauter als in diesen beiden Tagen kann es nicht mehr werden. (Außer: Nada veranlasst Zielkontrollen und findet was. Bloß bezweifle ich, dass sie das jemals bekanntgeben würde.)</p></blockquote>
<p><strong>18.43 Uhr</strong>: Überraschung: Das Stadion ist gut gefüllt. Der Moderator selten dämlich: &#8220;Hallo Berlin&#8221;, &#8220;Hallo Berlin&#8221;, schreit er. Zirkusclown. Ich werde natürlich auch Fotos vom vollen Stadion machen, die aber zumindest jetzt noch nicht veröffentlichen. Vielmehr werde ich mich zu Hause hinsetzen und die Besucher für jeden Tag auszählen und das dann mit den Zahlen des BOC vergleichen.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>18.46 Uhr:</strong></span> Übrigens, das sollte gerade ein Witz sein. Alle Reflex-Kommentierer dürfen sich wieder beruhigen.</p>
<p><strong>18.48 Uhr:</strong> Am Hot-Dog-Stand gleich neben dem Coca-Cola-Stand traf ich JBK. Ich meine, das war kein Gutfried-Würstchen, was er da mit Gurken und allerlei anderem Kram einhüllte. War auch nicht von Johann Lafer oder Kolja Kleeberg. Sondern einfach nur: ein Hot Dog. 6 Mark übrigens. Cola 10 Mark. Womit einiges über meine Macken gesagt wäre: Wenn nicht gerade Olympia oder WM ist, ernähre ich mich gesünder. Ich stehe allerdings dazu, gern in Mark zu rechnen, um die absurden Preise besser einordnen zu können. Der eine oder die andere wird sich vielleicht dran erinnern, was man zu Beginn des Jahrtausends für 16 Mark bekommen konnte. Aber, okay, Themenwechsel.</p>
<p><strong>19.27 Uhr:</strong> Hochsprung hat begonnen. Es ist richtig gut voll. Also in BOC-Zählweise, ich würde sagen, nun &#8211; mindestens 145.000 Menschen.</p>
<p><strong>20.24 Uhr:</strong> Ariane Friedrich ist schon ne Type.</p>
<p><strong>20.26 Uhr:</strong> Ich sehe das Witzbolt-T-Shirt, über dass unten diskutiert wird, gerade zum ersten MAl. Eine aufdringliche, anbiedernde Sponsoren-Aktion. So sind die halt. Peinlich. Er macht das, und Berlins Problembär (Wowereit), der jeden Abend durch die WM-Klubs tourt, ließ über seinen Sprecher heute ausrichten, dass Berlin sich ein Geschenk für Bolt ausdenkt. PR-Gewäsch, Wowereit kriegt halt wieder Oberwasser. Ich nehme so etwas nicht ernst. Einfach noch ein paar Tage ertragen. Nach der Fußball-WM drehte sich die Erde imho auch ganz normal weiter.</p>
<p><strong>20.33 Uhr:</strong> Der Witzbolt nervt. Zu oft gesehen. Ist ungefähr so spritzig wie ein Blog, in dem fünf Tage lang Bilder von leeren Zuschauerrängen veröffentlicht werden.</p>
<p><strong>20.37 Uhr:</strong> 19,20. Aber: Er hat sich angestrengt.</p>
<p><strong>20.38 Uhr:</strong> Nein. 19,19 Sekunden. Dieses Hocken und Zubodenblicken kenne ich. Ich nenne es: die D-Hocke. Habe ich 1992 erstmals live in Barcelona bei Kevin Young und Quincy Watts und anderen gesehen. Und natürlich später bei Michael Johnson.</p>
<p><strong>20.47 Uhr:</strong> Das Zielfoto. Es gibt aber leider nicht den Abstand wieder.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4901" title="Zielfoto IAAF 200 m Männer" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/finish-200.jpg" alt="" width="500" height="367" /></p>
<p><strong><span id="more-4879"></span>20.49 Uhr:</strong> <span style="text-decoration: line-through;">Friedrich ist raus.</span> Fast. Wird erst spannend.</p>
<p><strong>20.52 Uhr:</strong> Cool. Das ZDF wagt die Totale. Vor allem: den Schwenk über die Ränge. Heute geht das. Warum eigentlich nicht am Sonnabend oder vorgestern? (Wahrscheinlich, weil da die Kollegen übertragen haben. Klar doch.</p>
<p><strong>21.07 Uhr:</strong> Ich denke, dieser Screenshot von der ZDF-Übertragung sagt mehr als das Zielfoto mit dem großen Fuß.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4904" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/bolt-200-vorsprung.jpg" alt="" width="500" height="409" /></p>
<div><strong>21.08 Uhr:</strong> War knapp. Vlasic gewinnt. Friedrich Dritte.</div>
<p><strong>21.11 Uhr:</strong> Das ist mal ein hübsches Zielfoto, anders als beim Bolt. 110 Meter Hürden:</p>
<div><img class="aligncenter size-full wp-image-4906" title="m_110h_f_1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/m_110h_f_1.jpg" alt="" width="500" height="365" /></div>
<p><strong>21.25 Uhr:</strong> Kann mir mal jemand sagen, warum der öffentlich-rechtliche Sender abschaltet, bzw. irgendein lächerliches Fußballspiel zeigt, während noch der Zehnkampf läuft? Haben die das begründet? Kommen die wieder?</p>
<p>21.34 Uhr: Auch schön. Am fünften Tag machen die Organisatoren erstmals getrennte Zuschauerangaben, was meiner Meinung nach beweist (Meinung!), dass wir an den ersten Tagen belogen wurden. Denn würden sie &#8211; wie bisher immer &#8211; zusammen zählen, wären sie auf angeblich mehr als 100.000 Zuschauer im Stadion gekommen. Und das geht bekanntlich nicht. So aber melden sie um 15.12 Uhr &#8230;</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>die offizielle Zuschauerzahl der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> für die Vormittagsveranstaltung am Donnerstag, den 20. August 2009, im Olympiastadion Berlin lautet 32.514.</p></blockquote>
<p>&#8230; und um 21.32 Uhr &#8230;</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>die offizielle Zuschauerzahl der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> für die Abendveranstaltung am Donnerstag, den 20. August 2009, im Olympiastadion Berlin lautet 57.937. Die Vormittagsveranstaltung besuchten 32.514 Zuschauer.</p></blockquote>
<p>&#8230; am zweiten Tag sah das zum Beispiel so aus:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>am zweiten Veranstaltungstag der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> kamen insgesamt 74.413 Besucher in das Olympiastadion Berlin. Die Morgenveranstaltung besuchten 23.300 Zuschauer, die Nachmittagsveranstaltung 51.113.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Leichtathletik-WM, Tag 5: Respekt, Robert Harting</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 09:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[11.21 Uhr: Habe mich entschieden, Angela Merkel Angel Merkel sein zu lassen und für diesen Tag einen neuen Beitrag zu beginnen. Denn es wird ein aufregender Tag, das ist mal klar. Robert Harting hat ja angekündigt, heute auf der Pressekonferenz nach seinem Medaillengewinn erst richtig loszuledern. Und die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtet über ein angebliches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>11.21 Uhr:</strong> Habe mich entschieden, Angela Merkel Angel Merkel sein zu lassen und für diesen Tag einen neuen Beitrag zu beginnen. Denn es wird ein aufregender Tag, das ist mal klar. <a title="Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4784" target="_self">Robert Harting</a> hat ja angekündigt, heute auf der Pressekonferenz nach seinem Medaillengewinn erst richtig loszuledern.</p>
<p>Und die schwedische Zeitung <a title="Aftonbladet" href="http://www.aftonbladet.se/sportbladet/friidrott/article5661654.ab" target="_blank">Aftonbladet</a> berichtet über ein angebliches Problem von Daniel Bailey:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4842" title="Screenshot Aftonbladet 19. August 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/aftonbladet-19082009.gif" alt="" width="492" height="326" /></p>
<p>Mal sehen, wie es weiter geht. Der Tag hat erst begonnen.</p>
<p><strong>11.43 Uhr:</strong> Der Sportinformationsdienst meldet:</p>
<blockquote><p>Das 100-m-Finale der Leichtathletik-WM in Berlin mit dem Weltrekord von Usain Bolt (Jamaika/9,58 Sekunden) war ein sauberes Rennen. Alle von den Sprintern genommenen Dopingproben sind negativ ausgefallen. Das bestätigte IAAF-Sprecher Nick Davies dem Sport-Informations-Dienst (SID). &#8220;Dies gilt sowohl für die Proben nach dem Finale als auch für die Tests in den Vorläufen sowie im Vorfeld der WM&#8221;, sagte Davies. Damit sind die sich weiter hartnäckig haltenden Dopinggerüchte um einen positiv getesteten 100-m-Sprinter entkräftet.</p></blockquote>
<p>Das letzte Wort?</p>
<p>Gestern Nachmittag hatte ich für einige Zeitungen diese Informationen zusammengetragen: <span id="more-4841"></span></p>
<blockquote><p>Die Wasserstandsmeldungen zu Dopingkontrollen dieser Weltmeisterschaft müssen stündlich aktualisiert werden. Am Montagnachmittag hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF noch von 450 Trainingskontrollen, so genannte Pre-Competition-Tests, an den ersten beiden Wettkampftagen berichtet &#8211; davon 350 Bluttests und 100 Blutproben zum Nachweis des Wachstumshormons hGH. Bis Dienstag, 16 Uhr, wurden weitere 59 Blutkontrollen vorgenommen. Die Zahl der Wettkampfkontrollen (Urin) belief sich auf 128.</p>
<p>Es ist wichtig, mit den Zeitangaben zu operieren. Denn in Kürze wird mit den Resultaten der Dopingproben aus dem Sprintfinale der Männer gerechnet. Darüber wird im Olympiastadion heftig spekuliert. Ein Gerücht besagt, dass ein Teilnehmer des 100-Meter-Finals, angeblich sogar ein Medaillengewinner, in einen Dopingfall verwickelt sein soll. Im ARD-Fernsehen wurde das Gemunkel zur besten Sendezeit als Kommentar zur Siegerehrung von Usain Bolt verbreitet.</p>
<p>Die IAAF wies die Gerüchte mehrfach zurück. „Wir haben keinerlei Informationen darüber&#8221;, sagte Kommunikationsdirektor Nick Davies. Sämtliche WM-Kontrollen werden in den Labors in Köln und Kreischa (Sachsen) analysiert. Köln und Kreischa gehören zu den 35 Laboren weltweit, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditiert wurden. Um dieses WADA-Zertifikat zu erhalten, müssen die Labors unter anderem in der Lage sein, bei internationalen Meisterschaften binnen 48 Stunden alle Tests abzuschließen. Dieser Zeitraum wäre im Falle des 100-m-Finals also am Mittwochmorgen ausgeschöpft. Denn die letzten Proben wurden in der Nacht zum Montag genommen und per Express vom Organisationskomitee (BOC) nach Köln gebracht.</p>
<p>„Köln analysiert die Substanzen, die gerade in Mode und besonders schwer zu finden sind, etwa die neue EPO-Generation&#8221;, sagt IAAF-Sprecher Nick Davies. Deshalb werden die Proben des Sprintfinals, wo auch EPO-Tests gemacht wurden, in Köln untersucht. Chris Butler, Anti-Doping-Sprecher der IAAF, sagte am Dienstagnachmittag: „Es dauert rund sechs Stunden, bis die Proben in Köln sind. Die Analyse hat also erst am Montagmorgen beginnen können. Ergebnisse haben wir noch nicht.&#8221; Kreischas Laborchef Detlef Thieme erklärte, selbst im Falle einer negativen, also unauffälligen Probe dauert die Analyse mindestens 24 Stunden.</p>
<p>Laut Gabriel Dollé, Direktor der Abteilung Medizin und Anti-Doping der IAAF, führt der Weltverband erst seit Anfang dieses Jahres Blutprofile von rund 120 so genannten Elite-Athleten. Es könnte sich bei dem angeblichen Dopingfall auch um Auffälligkeiten im Blutprofil handeln. Auch dazu machte die IAAF keine Angaben. „Wenn es so wäre&#8221;, teilte Nick Davies mit, „dann würden wir Zielkontrollen vornehmen.&#8221;</p>
<p>Zu möglichen Auffälligkeiten im Blutprofil eines Sprinters vor der WM sagte Davies: „Dann würden wir Zielkontrollen vornehmen.&#8221; Im Vergleich zu anderen Weltverbänden, etwa im Radsport (UCI) und im Eislaufen (ISU), hat die IAAF gerade erst mit den Blutprofilen begonnen. Ein umfassenderes System, das sich streng an den Vorgaben der WADA orientiert, soll im Januar 2010 etabliert werden. Es wird noch Jahre dauern, bis die IAAF analog der UCI anhand von Blutprofilen Sanktionen einleiten und Indizienprozesse führen kann.</p>
<p>Zum Dopingkontrollteam in Berlin gehört auch Martial Saugy, Chef des Kontrolllabors in Lausanne, das bei Blutanalysen zu den führenden Labors weltweit zählt. Für die IAAF fungiert Saugy als wissenschaftlicher Berater. Er wirbt um Verständnis für die Lücken im Kontrollsystem. „Leichtathletik ist die einzige wirklich weltweit verbreitete olympische Sportart&#8221; sagt er. Für Verbände wie Radsport oder Eislaufen mit einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Spitzensportlern, die zudem in wenigen Ländern konzentiert sind, sei es leichter, ein effektives Kontrollsystem zu etablieren. „Das soll keine Entschuldigung sein&#8221;, sagt Saugy, „sondern nur ein Fakt, den man nicht ignorieren kann.&#8221;</p>
<p>Die Urinproben von Berlin sollen acht Jahre lang eingefroren werden, um möglicherweise später mit verfeinerten Analysemethoden erneut überprüft zu werden. Informationen über die Proben des Sprintfinals werden allerdings nicht erst in acht Jahren erwartet &#8211; sondern am Mittwoch.</p></blockquote>
<p><strong>15.42 Uhr:</strong> Zum großen Thema Harting-Goldmann-Doping-Vergangenheitsbewältigung-Täter-Opfer möchte ich zwei Lesebefehle aussprechen:</p>
<ul>
<li>Boris Herrmann in der <strong>Berliner Zeitung</strong>: &#8220;<a title="BLZ vom 19. August 2009" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0819/none/0008/index.html" target="_blank">Der Feindbildsammler</a>&#8220;</li>
</ul>
<blockquote><p>(&#8230;) Das mit den Dopingopfern wird noch so manche Welle schlagen, und wenn die Zeichen nicht trügen, dürfte sich der Fall Harting spätestens auf der Pressekonferenz nach seinem Wettkampf zur größeren Flut ausweiten. Der Mann ist offenbar wild entschlossen, sich endgültig mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu überwerfen. Er schimpft über die medizinische Betreuung (&#8220;Wir haben diesen Doc Hollywood, der ist um 18 Uhr da. Und wenn du ihn um 20 Uhr brauchst, ist er wieder weg&#8221;). Er lacht über den viel beschworenen Teamgeist. Er verfolgt eine WM-Doppelstrategie: &#8220;Jetzt muss ich erst einmal eine gute Leistung bringen. Dann fange ich am Donnerstag mit den Reformen an.&#8221;</p>
<p>Harting findet, dass Clemens Prokop und Frank Hensel an der Verbandspitze eine Fehlbesetzung sind. &#8220;Die haben keine eigene Meinung, die verkaufen alles und jeden. Es fehlt die Idee, die Liebe&#8221;, sagt er. Es hat schon eine gewisse Komik, wenn sich der böse Onkel von Hohenschönhausen nach Nestwärme sehnt. Und es hat eine gewisse Tragik, dass er glaubt, den Machtkampf mit dem Rest der Welt aus seinem kleinen Diskusring heraus gewinnen zu können. Er ist der festen Überzeugung: &#8220;Als Weltmeister kannst du dich auch nackt hinsetzen, da vorne.&#8221; (&#8230;)</p></blockquote>
<ul>
<li>Michael Reinsch in der <strong>FAZ</strong>: &#8220;<a title="FAZ vom 19. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub42A42B1FCA924E1DAFA3266FE72A1937/Doc~E2D30A46000EA4697B5C752AFEBCB7348~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Hoffe, der Diskus springt Richtung Brille</a>&#8220;</li>
</ul>
<blockquote><p>(&#8230;) Der Vorfall bekam eine merkwürdige Fortsetzung, als Harting in die Mixed Zone zurückkehrte und einigen Reportern, die noch nicht gegangen waren, sagte, sie sollten ihn nun nicht als Mörder beschreiben. Dann wandte er sich an einige Journalisten und fragte: „Wollt ihr einen Geheimtipp?“ Ehe sie antworten konnten, sagte er „Geipel“ und ging. Ines Geipel ist Schriftstellerin und Hochschulprofessorin in Berlin, vor allem aber die Stimme der Dopingopfer. Sie ist die Frau hinter der Brillen-Kampagne. (&#8230;)</p>
<p>Am Mittwochabend soll Harting im Olympiastadion eine Medaille gewinnen. In der Qualifikation war sein einziger Versuch mit 66,73 Meter der zweitbeste Wurf. Mit einer Medaille in Händen, das hat er im Trainingslager angekündigt, wolle er die Verbandsführung erst recht angehen. „Ich freue mich schon auf die Pressekonferenz nach der Diskus-Entscheidung“, sagte er und verriet auch, warum. Er erhalte nicht die Wertschätzung, die er verdiene. Harting hat Erfahrung mit Ex-post-Forderungen. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Es handelt sich um eine angekündigte Provokation, das ist keine Vermutung von mir. Er hat nicht erst gestern davon gesprochen, schon vorher. Nicht nur einmal. Es wird heiß her gehen heute Abend und darüber hinaus.</p>
<p>Ich sehe das momentan so: Der DLV &#8211; und damit auch BMI, DOSB, die diese &#8220;<a title="alle Beiträge zu diesem Thema" href="http://jensweinreich.de/?cat=921" target="_self">Entschuldungspauschale für Sportkriminelle</a>&#8221; mit verabredet haben &#8211; bekommt die Quittung für langjähriges Versagen. Ich sehe Harting, groß-kräftig-volljährig, in gewisser Weise als Opfer. Ich denke, er wird von anderen instrumentalisiert. Giftmischer sind nicht jene, die sich da um Aufklärung bemühen, sondern einige derjenigen, die von der <a title="&quot;We are family&quot; ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">Sportfamilie</a> geschützt werden sollen. Das ist die Nachricht dieser Tage. Selten, nicht einmal in der heißesten Diskussion dieses Jahres, die hier ja umfassend dokumentiert ist, ließ sich das so wunderbar aufzeigen. Es ist einfach nur traurig.</p>
<p><strong>16.07 Uhr:</strong> Es geht weiter. Und wird absurder. Der SID meldet:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Die heftige Verbal-Attacke von Diskus-Mitfavorit Robert Harting auf die deutschen Dopingopfer hatte bei der Leichtathletik-WM in Berlin offenbar einen aktuellen Anlass. Laut Jürgen Mallow, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hatte ein führender Vertreter des Vereins der Dopingopfer unmittelbar vor Hartings Äußerungen den Ausschluss des WM-Zweiten von Osaka 2007 aus der Nationalmannschaft gefordert. Damit hätte der Weltranglistenvierte auch in Berlin nicht mehr starten dürfen.</p>
<p>Mallow wollte ansonsten zu der Affäre nicht mehr Stellung nehmen, machte jedoch deutlich, dass er nicht glaube, dass die entstandene Problematik sich auf die sportlichen Chancen des Berliners am Mittwochabend im Diskusfinale auswirke. Er habe ihn beim Frühstück gesehen, zwar nicht mit ihm gesprochen, aber Harting habe sehr viel Zuversicht ausgestrahlt. ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt stellte am Mittwoch klar, nicht der zuerst genannte Gerd Jacobs sondern der frühere Bahnradsportler Uwe Trömer habe im Deutschlandfunk den Harting-Ausschluss gefordert. &#8220;Die Namensverwechslung ist bedauerlich, aber eigentlich ändert es nichts am Sachverhalt&#8221;, reagierte Mallow auf die von ihm weitergegebene Fehlinformation.</p></blockquote>
<p>Fehlinformationen?</p>
<p>Ich möchte mich ausdrücklich nicht über die Meldungen von Kollegen lustig machen, die unter größter Belastung versuchen, die Abläufe zu eruieren, sondern stelle nur fest:</p>
<ol>
<li>Uwe Trömer hat diese Kritik bereits in der vergangenen Woche ausgesprochen.</li>
<li>Uwe Trömer hat nun heute Mittag, 12.35 Uhr, ein Interview im <span style="color: #000000;"><span><strong>Deutschlandfunk</strong></span> </span>gegeben, das man jederzeit nachhören kann:</li>
</ol>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/08/19/dlf_20090819_1243_4fcf3219.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Uwe Trömer liest ja gelegentlich hier mit und diskutiert. Vielleicht kann er mal darstellen, wann er was gesagt hat. Für das Interview vergangene Woche finde ich gerade keinen Beleg.</p>
<p><strong>16.32 Uhr:</strong> Doch lassen wir uns von der nachrangigen Diskussion, wer wann was warum gesagt hat, bitte nicht ablenken. Die Provokationen sind geplant.</p>
<p><strong>16.33 Uhr:</strong> Gratulation an <em>B.Schuss</em>. Denn <a title="Jubiläums-Kommentar von B.Schuss" href="http://jensweinreich.de/?p=4841#comment-13030" target="_self">dieser Kommentar</a> ist der <strong>10.000 Kommentar hier im Blog</strong>. Nicht alle dieser 10.000 Kommentare waren so ärgerlich wie die Verbalaggressionen des Diskushelden. Schöne Grüße aus dem WordPress-Maschinenraum.</p>
<p><strong>19.18 Uhr:</strong> Wird langsam spannend. Zum Aufwärmen, auch wenn das nicht nötig ist, gibt&#8217;s gleich den Witzbolt im 200-Meter-Halbfinale. In 50 Minuten Robert Euch-hau-ich-um Harting.</p>
<p><strong>19.22 Uhr:</strong> <a title="sueddeutsche.de" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/692440" target="_blank">Bolt gegen Hering</a>, sehe ich gerade. Noch besser.</p>
<p><strong>19.24 Uhr:</strong> Jetzt beginnt Bolt, mich zu nerven.</p>
<p><strong>19.25 Uhr:</strong> Hering als Fünfter leider draußen. 20,52 sec. Mit der Zeit von Ulm (20,41) hätte es knapp gereicht. Reine Theorie. Guter Typ. Er spricht noch von Meisterschaften &#8220;bei den Erwachsenen&#8221;. Putzig.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4859" title="Barbora Spotáková" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/spotakova.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="200" height="590" align="right" /><strong>19.32 Uhr:</strong> Auf dem Weg ins Stadion traf ich <a title="Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4784" target="_self">Barbora Spotáková</a>. Sie posiert auch mit Silber. Was bleibt ihr übrig.</p>
<p><strong>19.40 Uhr:</strong> Ich will nicht nerven, aber wie bringt das Fernsehen eigentlich die leeren Ränge rüber? Extrem sieht es in der Zielkurve aus.</p>
<p><strong>19.46 Uhr:</strong> Oh, nein. &#8220;Der sich im Kreis dreht&#8221; in der ARD. Lars Riedel.</p>
<p><strong>19.45 Uhr:</strong> Ich bin ja berüchtigt dafür, ständig alte Texte aufzufrischen. Außerdem muss ich dieses lange Spotáková-Foto hier überbrücken- und natürlich die Zeit bis zum Diskuswerfen. Wer mag, kann mich jetzt wegen der beiden folgenden Texte zerfetzen.</p>
<p>Dieses Stück habe ich vor zwei Jahren in Osaka direkt nach der Silbermedaille von Robert Harting aktuell für die Berliner Zeitung geschrieben:</p>
<blockquote><p><strong>Männermilch für die Medaille</strong></p>
<p><em>Im für Diskuswerfer zarten Alter von 22 Jahren wird Robert Harting WM-Zweiter</em></p>
<p>OSAKA. Was er von diesem Jüngling auf dem Podium halte, wurde der Großmeister des Diskuswurfs gefragt. Virgilius Alekna, zweimaliger Olympiasieger aus Litauen, überlegte nicht lange. Er grinste. Dann sagte er: &#8220;Fantastisch. Ein neuer Lars Riedel.&#8221; Das war ein Wort. Alekna meinte allerdings nicht den neuen Weltmeister Gerd Kanter aus Estland. Nein, Alekna sprach über Robert Harting, einen 22 Jahre alten Berliner, der hinter Kanter die Silbermedaille gewonnen hatte.</p>
<p>Harting also, der neue Lars Riedel, stellte zunächst einmal nüchtern fest, dass er immer noch Robert Harting heiße. Als die Nummer zwei seiner Branche sehe er sich längst nicht. &#8220;Das war doch nur ein Wettkampf&#8221;, sagte er. &#8220;Nur weil ich bei einer Weltmeisterschaft Zweiter geworden bin, heißt das doch nicht, ich bin jetzt der Zweitbeste der Welt.&#8221; Das braucht schon noch ein paar Jahre, wie Harting weiß. Er hat Talent. Er hat den Körper. Er hat alles, was es braucht. Und er hat Zeit. Für einen Diskuswerfer ist er geradezu im Babyalter. Ein formidables Baby von 2,02 Meter, das sich schon ziemlich gut auskennt in der Szene. &#8220;Heute Abend&#8221;, verkündete Robert Harting in Osaka im tiefen Bass, &#8220;gibt es etwas Männermilch.&#8221; Im Stadtteil Dotonbori bleiben viele Kneipen so lange geöffnet, wie sich Gäste finden.</p>
<p>Diskuswerfen ist immer auch eine Frage des Alters. Weltmeister Kanter ist 27, Harting 22, der WM-Dritte Lutger Smit 26. Alekna, gehandicapt von einer Knieverletzung, ist 35. Michael Möllenbeck, der die WM wegen einer Verletzung absagen musste, ist 37. Lars Riedel, der sich immer noch im Kreis dreht, wurde bereits 40. Man sieht also, da kämpfen verschiedene Generationen. &#8220;Man braucht Erfahrung. Man profitiert von diesen Automatismen&#8221;, sagt Harting, &#8220;das dauert eine Weile.&#8221;</p>
<p>Natürlich ist er eines der größten Talente. Er war einmal WM-Zweiter der Jugendlichen, vor zwei Jahren auch Junioren-Europameister. Zur Zeit der WM 2005 in Helsinki aber war er verletzt. Und bei der Europameisterschaft 2006 in Göteborg kam er nicht ins Finale. In diesem Jahr wollte er es wissen: In der Qualifikation am Sonntag warf er hinter Kanter ebenfalls die zweitbeste Weite, 66,26 Meter. Das war ein Zeichen. Am Dienstagabend schickte er den Diskus im fünften Durchgang mit einem martialischen Schrei auf die Reise. Die Flugkurve erschien nicht optimal, doch was heißt das schon. Das Gerät landete bei 66,68 Metern. Den Holländer Smit hatte er von Platz zwei verdrängt, und das sollte so sein, sagte Harting: &#8220;Den kann ich nicht leiden. Man kennt ja die Rivalität zwischen Deutschen und Holländern.&#8221;</p>
<p>Robert Harting ist ein Mann der starken Worte. Dass sich diese Worte nicht immer mit souveränen Überlegungen paaren, ist etwas anderes. Wer kann das schon von einem so jungen Athleten verlangen. Vor einigen Wochen hatte Harting damit gedroht, er werde die WM boykottieren, falls sein Heimtrainer Werner Goldmann, der im DLV als &#8220;Bundestrainer Diskus/Kugel&#8221; geführt wird, nicht mit nach Osaka käme. Das Problem ist nicht neu in der Leichtathletik, es können nie alle Heimtrainer mitreisen. Der DLV hatte sich für Harting und den ebenfalls qualifizierten Michael Möllenbeck eine Kompromisslösung ausgedacht, so jedenfalls wurde es verkauft: Im WM-Trainingslager in Shibezu wurden sie vom Frauen-Bundestrainer Gerhard Böttcher trainiert. Als Außenstehender muss man das nicht verstehen, vieles im Diskuswerfen entzieht sich dem Verständnis der Beobachter.</p>
<p>Es ist eine Disziplin für Eigenbrötler und Grüppchen. Die Geschichte des jüngeren deutschen Diskuswerfens ist auch eine Geschichte von Streit und kindischen Eifersüchteleien: Weltrekordler Jürgen Schult konnte nicht mit Wolfgang Schmidt, Olympiasieger Riedel nicht mit Möllenbeck, und Harting nicht mit Schult, der ihn einst coachte und von dem er sich im Streit trennte. So setzt sich das fort, über Generationen. Und über die Fortsetzung dieser Geschichten wird noch viel zu reden sein, jetzt da auch Robert Harting mit einer Medaille dekoriert wurde.</p>
<p>Werner Goldmann ist doch in Osaka gewesen. Er hat den Flug selbst bezahlt, saß auf der Tribüne und gab Harting Hinweise. &#8220;Der Wettkampf hat ihm Flügel verliehen&#8221;, sagte der Trainer: &#8220;Sensationell. Robert hat diese Medaille gewollt und auch verdient.&#8221; Um 22.05 Uhr Ortszeit erhielt er sie dann, seine silberne Plakette. Kurz zuvor hatte Harting bereits Partei für Goldmann ergriffen. &#8220;Ich werde jetzt mal auf den Tisch hauen und veranlassen, dass die auch sein Ticket bezahlen&#8221;, sagte Harting in seiner gewohnt schnoddrigen Art. Für seine Verhältnisse blieb er aber erstaunlich ruhig. &#8220;Ich werde das morgen ganz in Ruhe machen.&#8221; Dann guckte er in erstaunte Gesichter. &#8220;Klar, ich kann auch sachlich bleiben.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und das war der Text am nächsten Tag. Da sage noch einer, ich hätte kein Mitleid mit widerspenstigen Athleten und würde ihnen keine Brücken bauen. Dieser Text ist geradezu versöhnlerisch. Für Überschrift und Unterzeile aber ist natürlich die Redaktion verantwortlich, wirklich :)</p>
<blockquote><p><strong>Zähmung eines Widerspenstigen</strong></p>
<p><em>Nach seinem Coup bei der WM beendet Diskuswerfer Robert Harting den Zwist mit dem deutschen Verband &#8211; und stichelt nur noch gegen Jürgen Schult</em></p>
<p>OSAKA. Den Tag danach begann Robert Harting mit einem Bier. Klingt komisch für einen Leistungssportler, aber man sollte ihm das durchgehen lassen. Zumal es in der Nacht zuvor, in der Harting, Diskuswerfer vom SC Charlottenburg, die Silbermedaille gewonnen hatte, ja doch nichts wurde mit einer großen Fete. Nur ein Glas &#8220;Männermilch mit Schaum&#8221; trank er mit seinem Trainer Werner Goldmann. Und damit musste er wohl auch den Nachgeschmack des Wettkampfes herunterspülen.</p>
<p>Denn Robert Harting hatte, noch bevor er sich im Nagai Stadium aus Begeisterung sein Trikot zerriss, einfach mal gekostet, wie so eine Startnummer schmeckt. Der Papierfetzen mit der Nummer 635 war kein kulinarischer Genuss, soviel steht fest. &#8220;Geschmeckt hat&#8217;s nicht wirklich&#8221;, sagte Harting, &#8220;ich habe es gleich wieder rausbefördert.&#8221; Ordentliche Sojasoße, man ist ja in Japan, hätte nicht geholfen. Harting mag keine Sojasoßen.</p>
<p>Harting mag aber natürlich Medaillen. Sein Coup von Osaka dürfte der Anfang einer langen Serie gewesen sein. DLV-Generalsekretär Frank Hensel nannte den gebürtigen Cottbuser einen &#8220;Rohdiamanten&#8221;. Er könne bis 2020 die Szene mitbestimmen: &#8220;Wenn er gesund bleibt und sich als Persönlichkeit entwickelt.&#8221; Nimmt man Hartings Reaktionen in Osaka zum Maßstab, sollte sich niemand sorgen, dass der 22-Jährige, dem das Image eines Raufboldes anhaftet, vom rechten Weg abkommt. Er hat den Streit mit dem deutschen Verband wegen der Nichtberücksichtigung seines Trainers nicht weiter befördert. Er hat sich souverän verhalten.</p>
<p>&#8220;Ich glaube nicht, dass es was bringt, wenn man sich weiter streitet&#8221;, sagte Robert Harting. Hensel und DLV-Vizepräsident Eike Emrich deuteten an, dass eine vernünftige Lösung gefunden sei. Die Reisekosten von Trainer Werner Goldmann werden wohl übernommen. &#8220;Wenn wir von den Athleten fordern, dass sie sich unter widrigen Umständen durchsetzen, müssen wir auch akzeptieren, dass sie widerspenstig sind und ihre Meinung sagen&#8221;, erklärte Emrich.</p>
<p>Harting hat am Mittwoch viele vernünftige Sachen gesagt, die mancher ihm nicht zugetraut hätte, nach dem, was so alles über ihn zu lesen war. In etlichen Variationen wiederholte er beispielsweise den Satz: &#8220;Nur nicht übertreiben, es gibt auch wieder schlechte Zeiten.&#8221; Über diese kann er wahrlich eine Menge erzählen: Er hat fast so viele Verletzungen hinter sich wie Lebensjahre. Was sich Harting dennoch nicht verkneifen konnte, waren ein paar Spitzen in Richtung des Weltrekordlers Jürgen Schult (Bundestrainer Wurf), von dem er zu seinem alten Trainer Goldmann (Bundestrainer Diskus/Kugel) geflüchtet war. Es muss viel vorgefallen sein zwischen Schult und Harting, Freunde werden sie wohl nie. Zwar schickte ihm Schult eine SMS nach dem WM-Wettbewerb, doch Harting stichelte: &#8220;Das war so ziemlich das Einzige, was wir in diesem Jahr gesprochen haben. Jetzt ärgert er sich wahrscheinlich. Dass er mir das nicht gönnt, das spüre ich ja.&#8221;</p>
<p>Harting sprach dann über seinen Traum, eines Tages 74,09 Meter zu werfen. &#8220;Das wäre es. Genau!&#8221; Dazu muss man wissen, dass Jürgen Schult seit Juni 1986 den Weltrekord hält &#8211; mit 74,08 Metern. Dass dieser Rekord unter anderen Bedingungen erzielt wurde, als heute herrschen, das weiß auch Robert Harting. Damals, in der DDR, war nach Aktenlage ja auch sein Berliner Trainer Werner Goldmann in das Dopingsystem involviert. Goldmann betreute unter anderem den Kugelstoß-Olympiasieger Ulf Timmermann und die Diskuswerferin Irina Meszynski, er wurde von einer anderen Werferin gegenüber der Staatsanwaltschaft belastet. Doch letztlich wurden die Ermittlungen gegen Goldmann wegen Minderjährigendopings Ende der Neunziger Jahre eingestellt. Er durfte weiter DLV-Trainer bleiben. &#8220;Das betraf dreizehn oder vierzehn unserer Trainer&#8221;, erinnert sich Generalsekretär Frank Hensel.</p>
<p>Harting kennt diese Geschichten. Im Prinzip. &#8220;Ich frage da aber nicht nach. Das geht mich nichts an&#8221;, sagt er. &#8220;Doping? Ich bin davon nicht betroffen. Kein Thema für mich.&#8221; Mit Goldmann, der seit kurzem auch seinen 17 Jahre alten Bruder Christoph betreut, habe er nie über diese Zeiten gesprochen. Er wolle keine alten Wunden aufreißen. &#8220;Die haben es doch damals alle gemacht, in Deutschland und in Amerika. Wenn man die Leute fragt, sind sie sich keiner Schuld bewusst&#8221;, sagt Harting. Da lässt er die Vergangenheit lieber Vergangenheit sein und arrangiert sich mit der Gegenwart. &#8220;Man würde nur etwas aufwühlen, was damals normal war. Damit wäre keinem geholfen.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>20.05 Uhr:</strong> Vorstellung der Diskuswerfer, während in der ARD noch die Tagesschau läuft. Harting erhält seinen Beifall.</p>
<p><strong>20.12 Uhr:</strong> Zweiter Wurf der Konkurrenz, und das sollte bereits eine Medaille sein. Aber nicht für Harting. Bogdan Machalowski mit polnischem Rekord: 68,77. Kanter gleich danach: 65,91.</p>
<p><strong>20.17 Uhr:</strong> Harting zum ersten. Seine PB ist 68,65. Nun 68,25 &#8211; Saisonbestleistung. Habe auch nicht erwartet, dass er Nerven zeigt. Er hat sich ordentlich aufgeputscht, auch mit derben Sprüchen.</p>
<p><strong>20.22 Uhr:</strong> Bernard Lagat, einer meiner Lieblingssportler, im 1500-m-Finale. Und <a title="tag: Lopez Lomong" href="http://jensweinreich.de/?s=lomong" target="_self">Lopez Lopepe Lomong</a> natürlich, noch einer meiner Lieblinge. Ist es indiskret, wenn ich gestehe, dass ich vor zehn Minuten neben Lagats Coach James Li gepinkelt habe?</p>
<p><strong>20.27 Uhr:</strong> Cool. Fehlstart über 1500 Meter.</p>
<p><strong>20.30 Uhr:</strong> Sorry, muss nochmal sein. Die Zielkurve:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4870" title="MIttwoch, die Zielkurve" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/zielkurve-mittwoch.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p><strong>20.32 Uhr:</strong> Bahrein/Kenia (Yusuf Saad Kamel, ehemals Gregory Konchellah) vor Äthiopien (Deresse Mekonnen) und Kenia/USA (Lagat). Sudan/USA (Lomong) wird Achter.</p>
<p><strong>20.57 Uhr:</strong> Die tägliche Wasserstandsmeldung des BOC, zehn Sekunden alt:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>am fünften Veranstaltungstag der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> kamen insgesamt 52.470 Besucher in das Olympiastadion Berlin. Die Vormittagsveranstaltung besuchten 20.312 Zuschauer, die Abendveranstaltung 32.158.</p></blockquote>
<p><strong>21.26 Uhr:</strong> Was für eine Geschichte. Welche irre Zuspitzung. Sportlich. Sportpolitisch. Glückwunsch, Robert Harting. Und ich melde mich nach der Pressekonferenz.</p>
<p><strong>22.17 Uhr:</strong> Habe gerade für <strong>SpOn</strong> einen <a title="Gold ist erst der Anfang" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643865,00.html" target="_blank">schnellen Harting-Text</a> gedichtet. Muss nun zur Pressekonferenz und vielleicht auch wieder in den DLV-Club. Mal sehen. Wenn, dann melde ich mich aus dem Club nochmal, wird dann aber weit nach Mitternacht.</p>
<p><strong>22.45 Uhr:</strong> So sieht das aus, wenn der IAAF-Generalsekretär erklären soll, ob gerade ein Mann oder eine Frau das 800-Meter-Rennen der Frauen gewonnen hat.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4876" title="Pierre Weiss, GS der IAAF" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/pierre-weiss-800.jpg" alt="" width="500" height="336" /></p>
<p>Harting kommt in drei Minuten.</p>
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		<title>Robert Harting macht sich Gedanken &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 16:31:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Komme gerade vom Workshop der NADA, sitze noch in Köln auf dem Flughafen, da lese ich, dass Robert &#8220;Shaggy&#8221; Harting, Diskuswerfer und Kampfrichter aus dem WM-Werbe-Video, in einem Interview mit Christian Rotter vom Mannheimer Morgen laut nachgedacht hat. Die Passage, die derzeit Schlagzeilen macht: Sie haben Ihre eigene Homepage zur &#8220;dopingfreien&#8221; Zone erklärt &#8211; wie wichtig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="445" height="364" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/nXm_iBeD1jw&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="445" height="364" src="http://www.youtube.com/v/nXm_iBeD1jw&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>
<p>Komme gerade vom Workshop der NADA, sitze noch in Köln auf dem Flughafen, da lese ich, dass Robert &#8220;Shaggy&#8221; <a title="Webseite Robert Harting" href="http://derharting.de/" target="_blank">Harting</a>, Diskuswerfer und Kampfrichter aus dem WM-Werbe-Video, in einem Interview mit Christian Rotter vom <a title="morgenweb.de: Interview mit Robert Harting" href="http://www.morgenweb.de/nachrichten/sport/leichtathletik_wm/20090804_srv0000004542336.html" target="_blank">Mannheimer Morgen</a> laut nachgedacht hat. Die Passage, die derzeit Schlagzeilen macht:</p>
<blockquote><p><em>Sie haben Ihre eigene Homepage zur &#8220;dopingfreien&#8221; Zone erklärt &#8211; wie wichtig ist Ihnen der offene Umgang mit diesem heiklen Thema?</em></p>
<p>Harting: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Sport und Doping gehören leider so zusammen wie Henne und Ei. Wenn gedopt wird, stellt das den Sport in den Hintergrund &#8211; und zwar zurecht. Man darf zwar keinen Generalverdacht aussprechen. Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn für ihre ehrliche Arbeit gebracht werden.</p>
<p><em>Verzweifeln Sie manchmal?</em></p>
<p>Harting: Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen. In der Formel 1 wird auch getunt, um die Boliden weiterzuentwickeln und die Zeiten zu verbessern &#8211; und dort ist das erlaubt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das auch anhören mag. Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.</p></blockquote>
<p>Zunächst: Lob hat sich Robert Harting auch verdient, und das meine ich überhaupt nicht ironisch. Denn er setzt das, wogegen sich die meisten Sportler und Funktionäre wehren, was viele gar nicht kapieren und manche erst beginnen zu begreifen, längst um: Er macht Angaben zu seinen <a title="Webseite Robert Harting" href="http://derharting.de/56.0.html" target="_blank">Trainingskontrollen</a> (3 kombinierte Blut/Urinkontrollen in 2009) und zu seinen <a title="Webseite Robert Harting" href="http://derharting.de/29.0.html" target="_blank">Ärzten und Physios</a>, zum Beispiel.</p>
<p>Doch Doping freigeben? Sagen wir mal so: Der Gedanke ist nicht neu. Anders als <a title="Kommentar von Herbert" href="http://jensweinreich.de/?p=4479#comment-11734" target="_self">Herbert</a> in den Kommentaren schon mutmaßt, ist das imho auch kein &#8220;heißes Eisen, das niemand anfassen will&#8221; und sind &#8220;Diskussionen darüber&#8221; keinesfalls &#8221;tabu&#8221;, sondern nur verantwortungslos dämlich.</p>
<p>Auch hier im Blog wurde oft darüber debattiert. Meine Haltung habe ich oft genug klargemacht: Sämtliche öffentliche Mittel aus dem olympischen Spitzensport abziehen, gleichzeitig aber Kinder strafrechtlich vor Dopingtrainern, Medizinern und anderen Kriminellen schützen, dann wird sich das schon regeln mit der Dopingfreigabe. Dann gibt es von heute auf morgen keinen olympischen Sport mehr.</p>
<p>Dann sieht alles, was jetzt noch nicht ganz nach Wrestling aussieht, endgültig nach Wrestling aus. Das ist es in ziemlich verknappter Form. Vieles, was ich in den vergangenen Jahren dazu auch in Feuilletons lesen musste, lässt sich leicht auseinander nehmen, zumal die neunmalklugen Möchtegern-Sportkenner dabei ständig vergessen &#8211; ob aus Feigheit, Fahrlässigkeit oder Dummheit, ist mir völlig egal -, die Folgen ihrer coolen &#8220;Überlegungen&#8221; zu beschreiben. Ich werde den Teufel tun, hier eine Diskussion über Freigabe zu führen. Ich finde allerdings: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der <a title="tag: Werner Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?cat=916" target="_self">Werner-Goldmann</a>-Schützling Robert Harting jetzt damit kommt.</p>
<p>Wenn sich jetzt der DLV-Präsident Clemens Prokop über die Aussagen Hartings mokiert, andere DLV-Funktionäre werden folgen, merke ich vorsichtig an: Die Geister, die man rief &#8230;</p>
<ul>
<li>Jens Hungermann auf welt-online: &#8220;<a title="welt-online zu Robert Harting, Dopingfreigabe" href="http://www.welt.de/sport/article4255796/Robert-Harting-denkt-laut-ueber-Dopingfreigabe-nach.html" target="_blank">Robert Harting denkt laut über Dopingfreigabe nach</a>&#8220;</li>
<li>Thomas Hahn auf süddeutsche.de: &#8220;<a title="Thomas Hahn auf süddeutsche.de" href="http://www.sueddeutsche.de/k5s38x/2995372/Dopen-kann-toedlich-sein.html" target="_blank">Dopen kann tödlich sein</a>&#8221; inklusive jener Passage, über die in den Kommentaren bereits munter diskutiert wird</li>
</ul>
<div>
<blockquote><p>Es ist nicht zu ertragen, dass manche Halbdenker die Freigabe der künstlichen Leistungssteigerung im Sport immer noch als Lösungsansatz gegen die Muskelmast anbieten. Als hätte die Geschichte nicht längst gelehrt, wohin es führt, wenn Sportsysteme, kommerzielle Chemiepantscher und Athleten sich vor der Dopingfahndung sicher fühlen (&#8230;)</p>
<p>Vielen ist die Moral als Argument gegen den Sportbetrug zu weich, weil sie es irgendwie spießig finden, Anstand von einer Leistungsgesellschaft zu verlangen. Viele verstehen auch nicht, dass der Sport seine Bestimmung verrät, wenn die Wettkämpfer nicht mehr ihre natürlichen Kräfte vergleichen, sondern die Wirkung ihrer Hausapotheken. Aber zumindest das müssten die Freunde der Freigabe doch begreifen: Dopen kann tödlich sein, erst recht das Wettdopen eines regellosen Unterhaltungssports. Eltern könnten ihre Kinder nicht mehr in den Verein schicken, ohne Angst zu haben, dass sie irgendein Trainer dort für dopenswerte Talente hält. Nach der Freigabe des Dopings gäbe es keinen Leistungssport mehr. Nur noch eine Spektakelindustrie der Menschenzucht, in welcher der nachdenkliche Meister Harting erst recht keine Chance mehr hätte &#8211; sofern er wirklich so sauber bleiben wollte, wie er jetzt angeblich ist.</p></blockquote>
<p><em>Transparenz-Hinweis :) Dieser Beitrag wurde mehr als aktualisiert (das ist hier üblich), sondern umgeschrieben, u.a. deshalb, weil gestern Abend das Interview noch nicht online verfügbar war. Bei dieser Variante bleibt es jetzt, die wichtigsten Informationen sind gegeben und verlinkt.</em></p>
<p><em>Nachtrag, 5. August, 18.04 Uhr: </em>Und jetzt verstoße ich doch gegen das Versprechen und kopiere noch flink jene &#8220;<strong>Klarstellung</strong>&#8221; hinein, die gerade auf Hartings Webseite auftaucht:</p>
<blockquote><p>Hallo liebe derharting.de user, hallo liebe Fans.</p>
<p>Es ist offensichtlich, dass ich natürlich nicht für Doping stehe sondern lediglich den Sinn des Antidopingkampfes in die Relativität mit seinem Aufwand und seinem Nutzes bzw. seines Erfolges gesetzt habe. Dieser verläuft so machtlos, dass es für die Menschen vor dem Fernseher, welche in den Sport vertrauen immer wieder enttäuscht werden weil manche aus der Reihe tanzen.</p>
<p>Um diese Personen nicht mehr zu enttäuschen meinte ich, es wäre logischer es zu erlauben weil es dann keine Negativschlagzeilen mehr gäbe. Davon abgesehen ist es natürlich die unsportlichste Methode Doping zu bekämpfen.</p>
<p>Ich stehe seit beginn meiner sportlichen Laufbahn für den fairen, dopingfreien Sport und Wettkampf. </p>
<p style="margin: 0px;"><strong></strong></p>
<p style="margin: 0px;"><strong>Und das bleibt für mein Leben so&#8230;</strong></p>
</blockquote>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Was vom Tage übrig bleibt (39): Whistleblower diesseits und jenseits des Teiches</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/08/04/was-vom-tage-ubrig-bleibt-39-whistleblower-diesseits-und-jenseits-des-teiches/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 08:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einige Lesebefehle. Zunächst Fachliteratur von und mit Volksvertretern des Deutschen Bundestages: Das Protokoll der Sportausschuss-Sitzung (pdf) vom November 2008, als der Grünen-Antrag, die Steuermittel für den Bund Deutscher Radfahrer wenigstens einzufrieren, kollektiv abgeschmettert wurde. Es war eine denkwürdige Sitzung der Sportfamilie. Ebenfalls aus dem Sportausschuss: Fachgespräch zum Thema Gendoping &#8230; &#8230; und Protokoll der 76. Sitzung: Medikamentenmissbrauch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einige Lesebefehle. Zunächst Fachliteratur von und mit Volksvertretern des Deutschen Bundestages:</p>
<ul>
<li>Das <strong><a title="Protokoll 60. Sitzung Sportausschuss, BDR" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sportausschuss-protokoll-bdr1.pdf" target="_blank">Protokoll</a></strong> der Sportausschuss-Sitzung (pdf) vom November 2008, als der Grünen-Antrag, die Steuermittel für den <a title="Steuermittel für Sondermittel" href="http://jensweinreich.de/?p=1579" target="_self">Bund Deutscher Radfahrer</a> <a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://jensweinreich.de/?p=1627" target="_self">wenigstens</a> <a title="Notizen vom Sportausschuss (2): Steuermittel für den BDR?" href="http://jensweinreich.de/?p=1383" target="_self">einzufrieren</a>, <a title="Bundesinnenministerium unterstützt den Bund Deutscher Radfahrer" href="http://jensweinreich.de/?p=1556" target="_self">kollektiv</a> <a title="Der Umfaller" href="http://jensweinreich.de/?p=1652" target="_self">abgeschmettert</a> wurde. Es war eine <a title="Die Umfaller: Sport-Lobbyisten im Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=1694" target="_self">denkwürdige Sitzung</a> der <a title="&quot;We are family&quot;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Sportwissenschaft" href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">Sportfamilie</a>.</li>
<li>Ebenfalls aus dem Sportausschuss: Fachgespräch zum Thema <a title="Protokoll Sportausschuss 49. Sitzung" href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a05/anhoerungen/49__Protokoll__Thema_Gendoping_.pdf" target="_blank"><strong>Gendoping</strong></a> &#8230;</li>
<li>&#8230; und Protokoll der <a title="Notizen vom Sportausschuss (10): Doping im Freizeit und Breitensport" href="http://jensweinreich.de/?p=3899" target="_self">76. Sitzung</a>: <a title="Protokoll 76. Sitzung Sportausschuss, BDR" href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a05/anhoerungen/76__Protokoll.pdf" target="_blank">Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport</a></li>
</ul>
<p>Korruption &amp; more:</p>
<ul>
<li>Das ging ein wenig unter in den vergangenen Tagen (und Wochen zuvor): <a title="EHF Pressemitteilung" href="http://www.eurohandball.com/article/12472" target="_blank">EHF Arbitration Tribunal takes final decision in prominent case</a>. Dazu Andreas Lesch in der <strong>Berliner Zeitung</strong>: &#8220;<a title="BLZ vom 1. August 2009" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0801/sport/0025/index.html" target="_blank">Landschaft voller Mauscheleien &#8211; Die Sperre der Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich versetzt den Handball in Aufruhr</a>&#8220;</li>
<li>Und dieses Interview hier auf &#8220;<strong>Planet Interview</strong>&#8220;, das ich eben erst entdeckt habe, ausgerechnet mit <a title="Bernd-Uwe Hildebrandt" href="http://jensweinreich.de/?p=88" target="_self">Bernd-Uwe Hildebrandt</a> finde ich dann doch etwas gewagt schräg: &#8220;<a title="Planet Interview" href="http://planet-interview.de/interview-bernd-uwe-hildebrandt-24042009.html#4" target="_blank">Das Potential für Manipulationen ist sehr groß</a>&#8220;</li>
<li>Die pdf-Zeitschrift der Antikorruptionsorganisation <strong>Transparency International</strong> (deutsche Sektion) mit einem <a title="TI, Scheinwerfer 44: Whistleblower" href="http://transparency.de/fileadmin/pdfs/Rundbriefe/Scheinwerfer_44_III_2009_Hinweisgeber.pdf" target="_blank">Themenschwerpunkt Whistleblower</a> (Hinweisgeber)</li>
</ul>
<p>Andere Länder, andere Sportarten, andere Sitten:</p>
<ul>
<li>In Thüringen, in der Tageszeitung <strong>Freies Wort</strong>, <a title="Freies Wort, Interview mit Frank Ullrich" href="http://www.freies-wort.de/sport/sport/thueringensportfw/art2491,1009978" target="_blank">interviewt</a> Thomas Sprafke den Thüringer Helden und von einer <a title="Renaissance der Gänsefüsschen ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4365" target="_self">Gänsefüsschen-Kommission</a> des Deutschen Skiverbandes entlasteten Biathlontrainer Frank Ullrich</li>
</ul>
<p>Meine, nun ja, Lieblingspassage:</p>
<blockquote><p><em>Denken Sie jetzt ernsthaft darüber nach, von dem vor einem Jahr angekündigten Rücktritt abzurücken?</em></p>
<p>Der gewaltige Zuspruch hat mich tatsächlich zum Nachdenken animiert. Doch ich will das Thema gar nicht so hoch hängen. Bis zum Ende des Winters möchte ich meine ganze Energie in die Mannschaft stecken. Ich werde nach der Saison gewiss nicht mehr Bundestrainer sein. Es ist aber nun viel wahrscheinlicher, dass ich dem Biathlonsport weiter verbunden bleibe.</p>
<p><em>In welcher Form?</em></p>
<p>Das wird man sehen.</p>
<p><em>Als Funktionär?</em></p>
<p>Möglicherweise.</p>
<p><em>Gab es Anfragen aus anderen Bereichen wie der Politik oder der Wirtschaft?</em></p>
<p>Einige wenige.</p>
<p><em>Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Wie ist die Saison angelaufen?</em></p>
<p>Planmäßig. (&#8230;)</p></blockquote>
<ul>
<li><a title="Antje und Henner Misersky: &quot;Erst die Medaillen, dann die Moral!&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3468" target="_self">Henner Misersky</a> hat sich hier im Blog <a title="Kommentar von Henner Misersky zu: Renaissance der Gänsefüsschen ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4365#comment-11707" target="_self">einmal mehr</a> in die Diskussion über die Doping- und Stasitrainer eingeschaltet</li>
</ul>
<p>Doping auf der anderen Seite des großen Teiches:</p>
<ul>
<li>Scott M. Reed im <strong><span style="color: #000000;">Orange County Register</span></strong> 25 Jahre nach den Spielen von Los Angeles über die Dopingvertuschungen des USOC: &#8220;<a title="Orange County Register" href="http://www.ocregister.com/articles/usoc-testing-athletes-2515888-positive-drug" target="_blank">Early effort to drug test Olympic athletes kept secret</a>&#8221; - with organizers and athletes alike uncomfortable with testing regimen, officials chose to keep 1984 results confidential</li>
</ul>
<p><em>(Just in case, ich müsste mich wieder gegen Vorwürfe verteidigen, hier würden </em><a title="Vor 25 Jahren: Uwe Hohn &amp; Co. &amp; grünes Licht für Dopingmittel" href="http://jensweinreich.de/?p=4299" target="_self"><em>sonst nur DDR-Doper gewürdigt</em></a><em>: Über die Vertuschungsaktionen in Los Angeles und jenen angeblichen mysteriösen Einbruch im Biltmore-Hotel im Zimmer des IOC-Medizinchefs, bei dem positive Proben verschwanden, habe ich schon vor anderthalb Jahrzehnten geschrieben, u.a. im Buch &#8220;Muskelspiele&#8221; gemeinsam mit Thomas Kistner. Eine Zusammenfassung zur &#8220;</em><a title="BLZ vom 26. April 2003" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0426/sport/0005/index.html" target="_blank"><em>Achse der Täuscher</em></a><em>&#8220;)</em></p>
<ul>
<li>James Christie in <strong>The Globe and Mail</strong> über Beckie Scott, die zwei Jahre nach den Winterspielen in Salt Lake City, wo sie zunächst &#8220;Dritte&#8221; geworden war, zur Olympiasiegerin aufstieg: &#8221;<a title="The Globe and Mail, 3. August 2009" href="http://www.theglobeandmail.com/sports/beckie-scott/article1239758/" target="_blank">Cross-country skier who captured the country&#8217;s imagination now a mother and advocate for Olympic athletes for the IOC</a>&#8220;</li>
<li>Auf <strong>trackalerts.com</strong> finden sich <a title="trackalerts.com" href="http://www.trackalerts.com/?p=2304" target="_blank">etliche Geschichten</a> zu den jamaikanischen Dopingfällen, einfach mal vorbeischauen</li>
<li>Jürgen Kalwa berichtet in der <strong>American Arena</strong> über die Haltung der Baseball-Gewerkschaft: Für die ist <a title="Jürgen Kalwa, American Arena" href="http://american-arena.blogspot.com/2009/08/baseball-gewerkschaft-veroffentlichung.html" target="_blank">die Veröffentlichung der Namen von Dopern ein Verbrechen</a></li>
</ul>
<p>Schließlich noch etwas Harmloses für Statistik-Freaks (und Liebhaber):</p>
<ul>
<li><a title="www.rsssf.com" href="http://www.rsssf.com/players/prolific.html#gmueller" target="_blank">Die besten Torjäger des Weltfußballs</a> (via <a title="Probek Blog" href="http://www.probek.net" target="_blank">Probek</a> auf Twitter)</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Renaissance der Gänsefüsschen: &#8220;DDR-Doping&#8221;, &#8220;Bock&#8221;, &#8220;Ullrich&#8221;, &#8220;Stasi&#8221;, &#8220;Verbotenes&#8221; und eine &#8220;Opferdebatte&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/07/27/renaissance-der-gansefusschen-ddr-doping-bock-ullrich-stasi-verbotenes-und-eine-opferdebatte/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 14:10:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine &#8220;Sonderermittlungskommission&#8221; des &#8221;Deutschen Skiverbandes&#8221; hat sich zu den &#8220;Doping-Verdachtsmomenten&#8221; und zur &#8220;sonstigen Belastung&#8221; der ehemaligen &#8220;DDR&#8221;- und heutigen &#8220;Bundestrainern&#8221; &#8220;Frank Ullrich&#8221; und &#8220;Wilfried Bock&#8221; nun ja: &#8221;geäußert&#8221;. Ich empfehle vor oder nach der Lektüre der DSV-Pressemitteilung (hier oder hier) folgende Beiträge: Günter Gaus in der SZ über &#8220;Gänsefüßchen&#8221; und die &#8220;DDR&#8220; Die Vorgeschichte mit etlichen Links: Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine &#8220;Sonderermittlungskommission&#8221; des &#8221;Deutschen Skiverbandes&#8221; hat sich zu den &#8220;Doping-Verdachtsmomenten&#8221; und zur &#8220;sonstigen Belastung&#8221; der ehemaligen &#8220;DDR&#8221;- und heutigen &#8220;Bundestrainern&#8221; &#8220;Frank Ullrich&#8221; und &#8220;Wilfried Bock&#8221; nun ja: &#8221;geäußert&#8221;.</p>
<p>Ich empfehle vor oder nach der Lektüre der DSV-Pressemitteilung (<a title="Ski online" href="http://www.ski-online.de/1900-e_31909,r_5432.htm" target="_blank">hier</a> oder <a title="Biathlon online" href="http://www.biathlon-online.de/content/view/3620/89/" target="_blank">hier</a>) folgende Beiträge:</p>
<ul>
<li><strong>Günter Gaus in der SZ über &#8220;Gänsefüßchen&#8221; und die &#8220;</strong><a title="sueddeutsche.de &quot;Die 'DDR'&quot;" href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/179/404957/text/" target="_blank"><strong>DDR</strong></a><strong>&#8220;</strong></li>
<li>Die Vorgeschichte mit etlichen Links: <a title="Der DSB sagt im Jahr 1991 ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3360" target="_self">Der Deutsche Sportbund sagt im Jahr 1991 &#8230;</a></li>
<li>Thomas Purschke im Deutschlandfunk: &#8220;<a title="DLF vom 25. Juli 2009" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1005119/" target="_blank">Ein unbewusst gesteuerter Verdrängungsmechanismus</a>&#8220;</li>
<li>Thomas Hahn in der Süddeutschen: &#8220;<a title="SZ vom 27. Juli 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/35l38G/2982567/Leugnen-erlaubt.html" target="_blank">Leugnen erlaubt</a>&#8220;</li>
</ul>
<p>Die Pressemitteilung in voller Länge:</p>
<blockquote><p><strong>„DDR-Doping“ &#8211; Kommission legt Abschlussbericht vor</strong></p>
<p><em>DSV-Pressestelle am 27.07.2009 &#8211; 11:58 Uhr</em></p>
<p>Die fünfköpfige Kommission „DDR-Doping“, die vom Präsidium des Deutschen Skiverbandes beauftragt worden war, die Doping-Verdachtsmomente gegen die ehemaligen DDR-Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock zu untersuchen, hat ihre Arbeit beendet und ihren Abschlussbericht vorgelegt. Nach sorgfältiger Prüfung empfiehlt die Kommission dem DSV, aus sportpolitischen Gründen von einer weiteren haupt- oder ehrenamtlichen Beschäftigung des Altenberger Stützpunkttrainers Wilfried Bock auf DSV-Ebene abzusehen. Herrn Bock bleibt es aber unbenommen, von der DOSB-Steiner-Kommission eine andere Empfehlung zu erwirken. Hingegen sieht die Kommission keinen Anlass für arbeits- oder dienstrechtliche Schritte beziehungsweise sportpolitische Konsequenzen gegen den derzeitigen Biathlonbundestrainer Frank Ullrich. In ihrem Abschlussbericht spricht die Kommission gleichzeitig klare Empfehlungen aus, wie der Deutsche Skiverband zukünftig bei ähnlich gelagerten Vorwürfen aus der DDR-Vergangenheit verfahren sollte. <span id="more-4365"></span></p>
<p><strong>Mitglieder der Kommission</strong><br />
Die Kommission – bestehend aus Dr. Franz Steinle (Vorsitz), Gerhard Dambeck und Stefan Krauß, sowie den externen Mitgliedern, dem Präsident des Internationalen Rennrodelverbandes Josef Fendt und PD Dr. med. Dr. jur. Heiko Striegel, Mitglied des AK Recht der NADA und Anti-Doping-Beauftragter des WLV – war vom DSV-Präsidium beauftragt worden, die im März erhobenen Vorwürfe gegen die beiden ehemaligen DDR-Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock zu untersuchen.</p>
<p><strong>Ergebnisse des Abschlussberichts</strong><br />
Die Kommission weist in ihrem Abschlussbericht darauf hin, dass im Zuge der Untersuchungen keine erneute Aufarbeitung des komplexen Themas „Doping im Hochleistungssport zu DDR-Zeiten“ stattfinden sollte und konnte. Grundlage der Ermittlungen waren vielmehr die Ergebnisse der so genannten „ad-hoc-Kommisson“ unter Vorsitz von Manfred von Richthofen vom 14. Dezember 1991 sowie der so genannten „Reiter-Kommission“ vom 19. Juli 1991 mit Empfehlung des erweiterten BA-L-Vorstandes. Neben der sorgfältigen Prüfung einer Vielzahl an Unterlagen und schriftlichen Aussagen von ehemaligen Mitgliedern der DDR-Biathlon-Nationalmannschaft wurden im Rahmen der Kommissionsarbeit auch zahlreiche mündliche Anhörungen von Betroffenen und Zeugen &#8211; unter anderem auch von Jürgen Wirth und Dr. Jens Steinigen &#8211; durchgeführt. Nach Abschluss der Untersuchungen kommt die Kommission „DDR-Doping“ zu folgendem Ergebnis:</p>
<ol>
<li>Zumindest bei mehrtägigen Lehrgängen der Nationalmannschaft wurden auch im Biathlonbereich in der ehemaligen DDR Dopingmittel verabreicht. Diese so genannten „blauen Pillen“ oder „blauen Blitze“, bei denen es sich um das Präparat Oralturinabol handelte, wurden zur Beschleunigung der Regeneration eingesetzt.</li>
<li>Bei einem Herbstlehrgang der damaligen DDR-Biathlonnationalmanschaft im Jahre 1985 in Kiruna (SWE) wurde auf Nachfrage von Sportlern in einer Mannschaftssitzung von dem damaligen Mannschaftsarzt bestätigt, dass es sich bei den blauen Pillen um Dopingmittel handelte, während die Trainer immer nur von „trainingsunterstützenden Mitteln“ gesprochen haben.</li>
<li>Alle im sportlichen Umfeld der Spitzenathleten tätigen Personen mussten auf Grund der Art und Weise der Verabreichung dieser so genannten „Blauen Pillen“ davon gewusst haben, dass es sich um etwas „Verbotenes“ handelte. Darüber hinaus ist die Kommission davon überzeugt, dass zumindest die Chefverbandstrainer näher informiert gewesen sein mussten.</li>
</ol>
<p><strong>KOMMISSIONSERGEBNIS ZU FRANK ULLRICH</strong></p>
<p>Frank Ullrich war im maßgeblichen Zeitraum (ab 1986) Teildisziplintrainer „Lauf“ der DDR- Biathlonnationalmannschaft. Er hat die Einnahme von Dopingmitteln weder angewiesen, noch selbst welche an Athleten verabreicht und auch nicht die Einnahme überwacht beziehungsweise kontrolliert. Er gehörte nicht zu den „Cheftrainern“, die im engeren Kreis eingebunden waren und die im Sinn der ad-hoc-Kommission als „besonders belastet“ gelten.</p>
<p><strong>DSV-Bundestrainer Ullrich entlastet</strong><br />
Auch nach heutigen Maßstäben hätte er sich keines Dopingverstoßes zu verantworten, ungeachtet dessen, dass die Kommission davon ausgeht, dass eventuelle Dopingverstöße sowohl in strafrechtlicher wie auch in dopingrechtlicher Hinsicht verjährt wären.</p>
<p><strong>„Trainingsunterstützende Mittel“</strong><br />
Andererseits geht die Kommission davon aus, dass auch Frank Ullrich zumindest ahnen konnte, dass in Form der sog. „blauen Pillen“ etwas „Verbotenes“ verabreicht wurde, selbst wenn er bei dem Kiruna-Lehrgang 1985 noch nicht dabei war und angenommen werden kann, dass in seinem Beisein niemals das Wort „Doping“ gefallen ist.</p>
<p>Wenn Frank Ullrich auch heute daran festhält, er sei davon ausgegangen, dass es sich lediglich um trainingsunterstützende Mittel im legalen Bereich gehandelt hat, geht die Kommission von einem unbewusst gesteuerten Verdrängungsmechanismus aus. Dahingehend, dass er sich die Dinge als junger, ehrgeiziger und an Spitzenleistungen orientierter Trainer in dem Sinne zurechtgelegt hat, dass dies nach dem damaligen Erkenntnisstand notwendig gewesen sei.</p>
<p><strong>Empfehlung an das Präsidium </strong><br />
&#8220;Infolge der zuvor getroffenen Tatsachenfeststellungen und ihrer Bewertung sieht die Kommission keinen Anlass, rechtliche Schritte gegen Frank Ullrich einzuleiten, zumal darüber hinaus strafrechtliche und/oder dopingrechtliche Sanktionsmöglichkeiten offensichtlich verjährt wären.</p>
<p>Ob arbeits- oder dienstrechtlich Konsequenzen angezeigt wären, bedarf keiner Empfehlung der Kommission an das DSV-Präsidium, nachdem Anstellungsträger von Frank Ullrich die Bundeswehr ist. Allerdings würde die Kommission aufgrund der zuvor getroffenen Feststellungen und Bewertungen für solche Schritte keine Veranlassung sehen.</p>
<p>Gleiches gilt für sportpolitische und sportethische Konsequenzen im Hinblick auf den Einsatz von Frank Ullrich als Bundestrainer Herren im Biathlonbereich. Frank Ullrich hatte als DDR-Disziplintrainer „Lauf“ im Biathlon zum einen nicht die Möglichkeit, aktiv zum Doping in der ehemaligen DDR beizusteuern und hat dies nach dem Erkenntnisstand der Kommission auch tatsächlich nicht getan. Es verbleibt somit allenfalls das Wissenselement, ohne freilich gegensteuern oder die Dinge positiv beeinflussen zu können. Dies wäre ihm in einem System, in dem Leistungsmanipulation als Staatsziel vorgegeben und flächendeckendes Doping in einer hierarchischen Struktur von Befehl und Gehorsam von oben nach unten zwingend angeordnet worden ist, mit Sicherheit nicht möglich gewesen.</p>
<p>Nicht unberücksichtigt darf in diesem Zusammenhang bleiben, dass bis heute kein Athlet aus dem Biathlonbereich der ehemaligen DDR den Vorwurf gegen Frank Ullrich erhoben hat, durch eine von ihm zu verantwortende Doping-Verstrickung gesundheitlich geschädigt worden zu sein. Auch nicht seitens der Biathleten, die ihn im gegenständlichen Verfahrenszusammenhang beschuldigt haben. Damit kann zugunsten von Frank Ullrich auch berücksichtigt werden, dass er – im Gegensatz zu ehemaligen DDR-Trainern in anderen Sportdisziplinen – nicht mit einer „Opferdebatte“ belastet ist.</p>
<p>Weiter ist Frank Ullrich nunmehr fast 20 Jahre nach der Wiedervereinigung als Trainer tätig und hat sich in dieser Funktion immer uneingeschränkt zu einem dopingfreien Sport bekannt. Dass es sich hierbei nicht um Lippenbekenntnisse gehandelt hat beweist die Tatsache, dass während dieser langen Zeit niemals auch nur ansatzweise ernst zu nehmende Verdachtsmomente gegen ihn persönlich oder seinen Verantwortungsbereich zu Tage getreten sind.&#8221;</p>
<p><strong>KOMMISSIONSERGEBNIS ZU WILFRIED BOCK</strong></p>
<p>Verbandstrainer Wilfried Bock war aktiv in die Verabreichung von Dopingmitteln involviert. Dies hat er bei seiner Vernehmung vor der DSV-Kommission auch einge¬räumt. Nicht glaubhaft erscheint in diesem Zusammenhang seine Relativierung da¬hingehend, dass er es jedem Athleten freigestellt habe, ob er die Mittel nehme oder nicht.</p>
<p><strong>Empfehlung an das Präsidium </strong><br />
„Auch wenn Wilfried Bock schon allein auf Grund seiner Verbandstrainerposition eine mit Frank Ullrich nicht vergleichbare aktive Rolle innehatte, sind dennoch straf- und dopingrechtliche Schritte verjährt.</p>
<p>Allerdings wäre es für die Kommission aus sportpolitischen Gründen bedenklich, wenn Bock weiterhin eine haupt- oder ehrenamtliche Funktion innerhalb des Deutschen Skiverbandes ausüben würde. Sie empfiehlt daher dem DSV-Präsidium, davon Abstand zu nehmen. Wilfried Bock bleibt es selbstverständlich unbenommen, in einem Verfahren vor der DOSB-Steiner-Kommision eine anderslautende Empfehlung zu erwirken.</p>
<p><strong>KOMMISSIONSEMPFEHLUNG ZU ÄHNLICHEN VORWÜRFEN </strong></p>
<p>„Noch einmal sei betont, dass eventuelle Verstöße dopingrechtlich wie auch strafrechtlich längst verjährt wären. Zum Maßstab für Verhaltensanforderungen des DSV können daher nur sportpolitische und sportethische Erwägungen gemacht werden. Danach ist aus Sicht der Kommission wie folgt zu verfahren, wenn künftig Vorwürfe gegenüber Funktionären, Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten etc. aus dem DSV-Bereich erhoben werden:</p>
<p>1. Waren die Vorwürfe schon Gegenstand einer validen Untersuchung (staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren, Gerichtsverfahren, Disziplinarverfahren, Untersuchungskommission etc.) sollte unter Verweis auf deren Ergebnis den Vorwürfen nicht erneut nachgegangen werden.</p>
<p>2. Betreffen die Vorwürfe den Personenkreis aus der 2. Linie, die im Sinn der ad-hoc-Kommission nicht als besonders belastet gilt, sollte den Vorwürfen nicht weiter nach gegangen werden. Hier wäre auf das seinerzeit von Staats wegen angeordnete und hierarchisch von oben nach unten strukturierte flächendeckende Doping zu verweisen. Hervorzuheben wäre, dass der Betroffene in dieser Struktur nur ein Glied in der Kette war, ohne jede Möglichkeit, die Dinge in irgendeiner Art und Weise aktiv und/oder gar positiv beeinflussen zu können.</p>
<p><strong>Ausnahme </strong><br />
Vorwürfe gegen einen Angehörigen dieses Personenkreises unter drei Voraussetzungen:</p>
<p>a. Doping an namentlich genannten Personen mit gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen</p>
<p>b. und/ oder gegenüber Minderjährigen</p>
<p>c. sowie die substanzielle Behauptung eines aktiven Beteiligungsbeitrages, die geeignet ist, einen dringenden Tatverdacht zu begründen.</p>
<p>3. Ist der Personenkreis betroffen, der im Sinn der ad-hoc-Kommission als besonders belastet gilt, ist diesen Vorwürfen nur dann nach zu gehen, wenn es sich nicht nur um allgemeine Verdächtigungen, sondern um substanzielle Tatsachenbehauptungen handelt, die geeignet sind, einen dringenden Tatverdacht zu begründen.“</p>
<p><strong>PRESSEMITTEILUNG DSV-PRÄSIDIUM </strong></p>
<p>Das DSV-Präsidium folgt Empfehlungen der Kommission „DDR-Doping“. Nach einem einstimmigen Beschluss des DSV-Präsidiums wird der Deutsche Skiverband die Empfehlungen der Untersuchungskommission „DDR-Doping“ in allen Punkten umsetzen. Frank Ullrich wird demnach auch im kommenden Olympiawinter als Bundestrainer für die Biathlonherren verantwortlich zeichnen. Das Arbeitsverhältnis mit Wilfried Bock wird zum 31. Oktober beendet.</p>
<p><strong>Hörmann: Verantwortungsbewusste Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit </strong></p>
<p>„Ich danke allen Kommissionsmitgliedern für ihre umfangreiche, gewissenhafte und hochqualifizierte Arbeit sowie die ausgesprochenen Empfehlungen“, erklärte DSV-Präsident Alfons Hörmann. „Mit der Einsetzung der Kommission hat der DSV aus Verbandssicht alles getan, um der Aufarbeitung der „DDR-Vergangenheit“ nicht nur im aktuellen Fall, sondern auch zukünftig verantwortungsbewusst Rechnung tragen zu können.“</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Sport, die Politik, die Dopingopfer und der Bundesgerichtshof</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 09:44:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wurde aber auch Zeit. Zum Treffen von Dopingopfern mit der DOSB-Spitze gestern in Berlin mein Kurzbeitrag im Deutschlandfunk: : Die überarbeitete und verlinkte Variante des Beitrags folgt sofort. Zuvor aber noch einige Gedanken zur Frage: Was/wer ist eigentlich ein Dopingopfer? Die Frage ist ja seit einigen Tagen brennend aktuell, nicht nur deshalb, weil in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wurde aber auch Zeit. Zum Treffen von Dopingopfern mit der DOSB-Spitze gestern in Berlin mein Kurzbeitrag im Deutschlandfunk:</p>
<p><a title="DLF vom 30. Juni 2009 - Dopingopfer/DOSB" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/30/dlf_20090630_2257_7fc98652.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Die überarbeitete und verlinkte Variante des Beitrags folgt sofort. Zuvor aber noch einige Gedanken zur Frage: Was/wer ist eigentlich ein Dopingopfer? Die Frage ist ja seit einigen Tagen brennend aktuell, nicht nur deshalb, weil in SPD-Kreisen (Dagmar Freitag/DLV-Vizepräsidentin), Clemens Prokop (DLV-Präsident), Peter Danckert (Sportausschuss-Chef) ganz plötzlich Irritationen auftreten. Werden hier Opfer gezielt diskreditiert?</p>
<p>Es lohnt sich, derlei Fragen zu erörtern. Für Juristen und für solche, die es werden wollen, als Argumentationshilfe: Der Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 9. Februar 2000 in der Strafsache gegen den Dopingarzt und Stasispitzel (IM <a title="BLZ: Von &quot;Hirnhormonen&quot; und &quot;kriminellen Vergehen&quot;" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0416/sport/0020/index.html" target="_self">Jürgen Wendt</a>) Bernd Pansold, der bei Red Bull in Salzburg für Nachwuchssportler zuständig ist.</p>
<ul>
<li><a title="BGH-Beschluss vom 9. Februar 2000" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/07/bgh-pansold-dopingopfer.pdf" target="_blank">BGH-Beschluss</a>, pdf (9 Seiten &#8211; 1,3 MB)</li>
</ul>
<p>Darin geht es vor allem um die Frage der Verjährung von Dopingtaten, auf Seite 7 wird eine Art Opfer-Definition getroffen, finde ich.</p>
<blockquote><p><strong>Die betroffenen minderjährigen Sportlerinnen wurden von Staats wegen unter Hintanstellung wesentlicher persönlicher Belange für staatliche Zwecke instrumentalisiert.</strong></p></blockquote>
<p>Weiter, und nachfolgende Passage gilt m. E. auch für erwachsene Sportler, die gedopt wurden:</p>
<blockquote><p><strong>Obgleich sie nicht als Systemgegner angesehen waren, vielmehr vom System als besonders förderungswürdig anerkannt waren, wurden auch sie zu Opfern des Systems, da ihnen ohne Rücksicht auf ihren Willen eine sogar ihrem Wissen vorenthaltene Aufopferung ihrer Gesundheit durch Hinnahme beträchtlicher gesundheitlicher Gefährdung abverlangt wurde.</strong></p></blockquote>
<p>Es ist traurig und beschämend, dass diese Frage im Jahr 20 nach der Wende noch diskutiert werden muss und neu aufgeworfen wird.</p>
<p>Hier nun meine Anmerkungen &#8211; sachlich, versteht sich &#8211; zum gestrigen Termin:</p>
<p>Die Eckdaten des Treffens am 30. Juni in der Berliner Dependance des Deutschen Olympischen Sportbundes: Das Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden. Auf Seiten des DOSB diskutierten: Präsident Thomas Bach, Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper und Generaldirektor Michael Vesper. Für die Dopingopfer sprachen: Ines Geipel, <a title="Andreas Krieger zum Fall Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a>, Uwe Trömer und Bernd Richter. Geipel, Trömer und Krieger sind seit langem Wortführer der Dopinggeschädigten. Bernd Richter, ehemals Hammerwerfer beim ASK Potsdam, wurde in der DDR auch politisch verfolgt und saß im Stasi-Gefängnis.</p>
<p>In Kernfragen der Auseinandersetzung über den Umgang mit Dopingtätern gab es keine Annäherung. Ines Geipel: „Klar ist, dass wir zu den belasteten Dopingtrainern unterschiedliche Positionen haben. Wir haben noch mal sehr klar gemacht, dass eine Entschuldungspauschale nicht reicht. Wir bleiben dabei, dass es konkreter zugehen muss im Zusammenhang mit den belasteten Trainern.&#8221;</p>
<p>Die Opfer werden weiter dagegen angehen und <a title="&quot;Historische Hypotheken des deutschen Sports&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4057" target="_self">rechtliche Mittel gegen Trainer und die Vergabe von Sportfördergeldern</a> prüfen. Eine umfassende <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Eingabe beim Petitionsausschuss</a> des Bundestages ist anhängig. Es bleibt auch bei den bereits angekündigten Protestaktionen im August rund um die Leichtathletik-WM in Berlin. „Es wird eine internationale Pressekonferenz geben. Es wird die Andreas-Krieger-Medaille vergeben werden&#8221;, sagt Ines Geipel. Damit werden wir ein deutliches Signal auch im Kontext dieser Trainerdebatte setzen. Also soviel Unabhängigkeit muss es von unserer Seite aus geben. Und das, dächten wir, erträgt der freie Sport in Deutschland auch.&#8221;</p>
<p><span id="more-4081"></span>DOSB-Generaldirektor Vesper hatte sich am Montag vehement gegen eine Pressemitteilung der Dopingopfer verwahrt (<em><a title="&quot;Historische Hypotheken des deutschen Sports&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4057" target="_self">hier wurde darüber diskutiert</a>, der DOSB-General fürchtete offenbar um seine Kommunikationsherrschaft</em>). Er machte nun im Gespräch erneut die Grundhaltung von Sport und Politik deutlich: „Unsere Position ist klar: <a title="Die Propagandamaschine brummt" href="http://jensweinreich.de/?p=3473" target="_self">Wir stehen gegen eine Generalamnestie für Trainer</a>, die sich am Doping in der DDR, am Staatsdopingsystem beteiligt haben. Wir stehen aber auch gegen eine Generalverurteilung dieser Trainer für immer und ewig, sondern wir sagen: Wir möchten uns gerne mit den Einzelfällen beschäftigen und die Kommission, die wir eingesetzt haben unter Udo Steiner, sich damit befassen lassen.&#8221; (<em>Es wäre übrigens dringend geboten, würde die Steiner-Kommission endlich sämtliche zur Verfügung stehenden Dokumente, etwa Gerichtsbeschlüsse, wahrnehmen. Die Opfer wollen wohl einige pdf-Dateien und Originale zur Verfügung stellen.</em>)</p>
<p>Gleichzeitig sagt Vesper, er wende sich gegen jede <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Verunglimpfung von Dopingopfern</a>, wie sie in diesen Tagen vor allem aus dem Sportausschuss des Bundestages zu vernehmen waren. Dazu hat Andreas Krieger einen persönlichen Brief an Peter Danckert (SPD/Pferdesportverband Berlin-Brandenburg/Nada-Kuratorium) geschrieben. Danckert kämpft um seine Wiederwahl in einem Ost-Wahlkreis und würde nur zu gern eine Art Sportminister werden. Seine Haltung - geschichtsklitternd? ostalgisch? populistisch auf seinen Wahlkreis zugeschnitten? - illustriert vielleicht dieses <a title="DLF-Interview mit Peter Danckert vom 28. Juni 2009" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/990503/" target="_blank">Interview</a> im Deutschlandfunk mit Herbert Fischer-Solms:</p>
<p><a title="Interview Danckert, DLF, 28. Juni 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/28/dlf_20090628_1940_9880f141.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>DOSB und Dopingopfer wollen künftig punktuell gemeinsam arbeiten. Die Opfer sollen in Präventionsmaßnahmen des Sports eingebunden werden (dieses Versprechen hatte es vor Jahren schon einmal gegeben), es soll einen Ansprechpartner beim DOSB geben, das wird wahrscheinlich der Justitiar Holger Niese sein, außerdem eine gemeinsame Beratungsstelle (mit dem DOH/auch dieses Projekt wurde vor Jahren schon einmal besprochen). In Berlin suchten beide Seiten den Dialog, ohne sich zu verleugnen. Die Opferrente ist dabei eine zentrale Forderungen der ehemaligen Athleten. Vesper sagt: „Wir haben verabredet, dass wir uns sehr bald nach der Bundestagswahl wieder zusammensetzen. Weil eine der Fragen, die wir heute diskutiert haben, die Frage der Rentenzahlungen für schwer geschädigte Dopingopfer, diese Frage ist nicht von uns zu lösen, die ist allein von der Politik zu lösen. Und da denken wir, dass wir Gespräche führen werden nach der Bundestagswahl, wenn die neue Regierung sich gebildet hat.&#8221;</p>
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		<title>&#8220;Historische Hypotheken des deutschen Sports&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 10:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die aktuelle Pressemitteilung einiger DDR-Dopingopfer vor dem Gespräch mit DOSB-Präsident Thomas Bach am morgigen Dienstag in Berlin: DDR-Dopingopfer fordern: DOSB muss die historischen Hypotheken des deutschen Sports endlich annehmen und dabei zu verbindlichen Vereinbarungen kommen Eine Gruppe von anerkannten DDR-Dopingopfern (Andreas Krieger, Uwe Trömer, Bernd Richter, Ines Geipel) wird am Dienstag, den 30. Juni 2009, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle Pressemitteilung einiger DDR-Dopingopfer vor dem Gespräch mit DOSB-Präsident Thomas Bach am morgigen Dienstag in Berlin:</p>
<blockquote><p><strong>DDR-Dopingopfer fordern: DOSB muss die historischen Hypotheken des deutschen Sports endlich annehmen und dabei zu verbindlichen Vereinbarungen kommen</strong></p>
<p>Eine Gruppe von anerkannten DDR-Dopingopfern (Andreas Krieger, Uwe Trömer, Bernd Richter, Ines Geipel) wird am Dienstag, den 30. Juni 2009, in einem Gespräch in Berlin mit dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, die aus ihrer Sicht dringendsten Themen zum Umgang mit der Dopinghistorie des deutschen Spitzensports besprechen und dabei auf verbindliche Lösungen drängen. </p>
<p>Die Anfang April diesen Jahres erfolgten <a title="Die Propagandamaschine brummt" href="http://jensweinreich.de/?p=3473" target="_self">Pauschalentschuldungen</a> für fünf dopingbelastete Bundestrainer des Deutschen Leichathletikverbandes (DLV) waren auf den <a title="DDR-Dopingopfer zur &quot;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3454" target="_self">massiven</a> <a title="Antje und Henner Misersky: &quot;Erst die Medaillen, dann die Moral!&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3468" target="_self">Protest</a> der <a title="Erklärung von DDR-Dopingopfern: &quot;Kein fauler Frieden in der Doping-Aufarbeitung&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3152" target="_self">Geschädigten</a> getroffen. Ihre Begründung lautet:</p>
<p>„Diese Art anonymisierter Aufarbeitung nivelliert nicht nur die historischen Tatsachen, sie wird auch dem erlittenen Unrecht im DDR-Sport in keiner Weise gerecht&#8221;.</p>
<p>Nach Auffassung der Doping-Geschädigten ist im Vorfeld der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin „eine politisch durchsichtige, aber umso <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">aggressivere Diskreditierung der Opfer</a> von Seiten der <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit und mit Dopingrekorden" href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">Politik</a> und des Sports im Gange.&#8221;</p>
<p><strong>Sie weisen diese Verleumdungen entschieden zurück und verlangen, dass der Regression in der Aufarbeitung deutlich Einhalt geboten wird.</strong></p>
<p><span id="more-4057"></span>In der Frage der dopingbelasteten Trainer halten die ehemaligen Athleten ihren Protest aufrecht und verweisen darauf, dass eine Weiterbeschäftigung dieser Trainer nur in Betracht kommen kann, wenn sie ihren Aufklärungspflichten nachkommen und endlich konkrete Aussagen zum Tatgeschehen treffen, die der Überwindung der vorsätzlichen Schädigungen der Sportlerinnen und Sportler dienen.</p>
<p>Zugleich erinnern sie daran, dass die Verjährungsfrist bei zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen wegen Körperverletzung nach §199 Abs. 2 BGB grundsätzlich 30 Jahre dauert, gerechnet ab Begehung der Tat. </p>
<p>In das Gespräch mit DOSB-Präsident Bach gehen die früheren Athleten mit der Forderung nach einem gemeinsamen Treffen mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, mit dem DLV-Präsidenten Clemens Prokop sowie mit einem unabhängigen Juristen zur Klärung rechtlicher Fragen sowie zur Herstellung von Transparenz hinsichtlich der Arbeit der Steiner-Kommission des DOSB.</p>
<p>Gesprächsthema wird außerdem die <a title="Die Verbal-Salti des Christoph Bergner" href="http://jensweinreich.de/?p=4031" target="_self">rechtswidrige Mittelvergabe der Sportförderpolitik des Bundes</a> sein, die im Juni des Jahres auch Gegenstand einer <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Petition des Dopingopferhilfevereins</a> (DOH) geworden ist. Hier ist zu klären, ob eine Strafverfolgung der dafür Verantwortlichen wegen Untreue gemäß §66 StGB in Betracht kommt. In jedem Fall sei es politisch angreifbar, dass BMI-Staatssekretär Bergner erst kürzlich widersprüchliche Äußerungen hinsichtlich der Mittelrückgabepolitik gemacht hat.</p>
<p>Der DOSB hatte in seinem „Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen Doping&#8221; im Dezember 2006 angekündigt, DDR-Dopingopfer zu bitten, an der Dopingprävention mitzuwirken, denn niemand könne „glaubwürdiger als sie über die schlimmen Folgen des Dopings berichten&#8221;. Da der DOSB das Angebot der Doping-Geschädigten bisher nicht angenommen hat, fordern sie nunmehr die aktive Einbeziehung bei Planung, Durchführung und Evaluation von Anti-Doping-Aktivitäten des DOSB, etwa des seit einem Jahr angekündigten Forschungsprojektes zur Aufarbeitung der Dopinggeschichte Deutschlands. Des weiteren soll das Gespräch ergeben, wie die Möglichkeit einer speziellen Dopingopferrente gemeinsam in Angriff zu nehmen ist und wie eine unabhängige Doping-Präventions- und Beratungsstelle in Trägerschaft des DOH verwirklicht werden kann. Hier geht es darum, DOSB, Sportverbände und Stiftungen zu finanzieller Beteiligung und zu mehr Kooperation zu bewegen, um das Schadensvolumen des deutschen Sports projektiv und nachhaltig aufzufangen.</p></blockquote>
<p>Nachtrag, 15.16 Uhr: Oh, der Herr <a title="www.michael-vesper.de" href="http://www.michael-vesper.de/" target="_blank">Vesper</a> (DOSB-Generaldirektor/Bündnis 90/Die Grünen) ist verärgert über die Pressemitteilung. Tja, er ist es gewöhnt, die Nachrichten zu bestimmen. Christian Klaue schreibt im <strong>Sportinformationsdienst</strong> u.a.:</p>
<blockquote><p>Berlin (SID) Mit der Veröffentlichung eines Forderungskatalogs haben DDR-Dopingopfer vor einem Gespräch mit DOSB-Präsident Thomas Bach am Dienstag in Berlin (15 Uhr) den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verärgert. In einer Pressemitteilung, verbreitet von der Autorin und Literatur-Professorin Ines Geipel, hatte es zuvor geheißen: &#8220;Der DOSB muss die historischen Hypotheken des deutschen Sports endlich annehmen. Wir werden auf verbindliche<br />
Lösungen drängen.&#8221;</p>
<p>Der DOSB zeigte sich befremdet, dass vor einem internen Gespräch via Presse ein Forderungskatalog &#8220;auf den Tisch geknallt wird&#8221;, wie Generaldirektor Michael Vesper sagte: &#8220;Das ist kein Umgang miteinander. Es lässt befürchten, dass hier kein ernsthaftes Gespräch gesucht wird, sondern eine öffentliche Show inszeniert werden soll.&#8221; (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Ich betrachte Vespers Behauptung, es werde &#8220;kein ernsthaftes Gespräch gesucht&#8221; nicht nur als Nonsens, sondern als perfide. Politische Propaganda halt.</p>
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		<title>Die Verbal-Salti des Christoph Bergner</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 22:54:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit welchen Methoden arbeitet die Abteilung Sport des Bundesinnenministeriums, mit welchen Methoden arbeitet der Sportminister Wolfgang Schäuble (CDU), wie sein Sport-Staatssekretär Christoph Bergner (CDU/SV Halle), wie die so genannten Kontrolleure des Sports und des BMI-Sports, also die Umfaller und MdB&#8217;s aus dem Sportausschuss? Stammlesern sind diese Fragen nicht fremd. Es sind Kernfragen in diesem Theater. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit welchen Methoden arbeitet die <a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://jensweinreich.de/?p=1627" target="_self">Abteilung Sport</a> des Bundesinnenministeriums, mit welchen Methoden arbeitet der Sportminister <a title="Wolfgang Schäuble oder vom Umgang mit der Wahrheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">Wolfgang</a> <a title="Dichtung und Wahrheit und Ehrendoktor Schäuble" href="http://jensweinreich.de/?p=3945" target="_self">Schäuble</a> (CDU), wie sein Sport-Staatssekretär <a title="tag: Bergner" href="http://jensweinreich.de/?s=bergner" target="_self">Christoph Bergner</a> (CDU/SV Halle), wie die so genannten Kontrolleure des Sports und des BMI-Sports, also die <a title="Die Umfaller: Sportlobbyisten im Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=1694" target="_self">Umfaller</a> und <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">MdB&#8217;s</a> aus dem Sportausschuss?</p>
<p>Stammlesern sind diese Fragen nicht fremd. Es sind Kernfragen in diesem Theater. Und das Theater geht weiter.</p>
<p>Am vergangenen Montag, zwei Tage vor der letzten <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Sportausschuss-Sitzung</a>, teilte Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im BMI, dem Sportausschuss-Chef Peter Danckert (SPD/Pferdesportverband Berlin-Brandenburg/Nada-Kuratorium) mit, dass von Sportverbänden, die Dopingtrainer mit Steuermitteln beschäftigt haben, durchaus Geld zurückgefordert werden kann. &#8220;Kann sanktioniert werden&#8221;, schreibt er.</p>
<p>Zwei Tage später stellte Bergner den Sachverhalt in der öffentlichen Debatte im Bundestags-Sportausschuss allerdings anders dar und behauptete, es gäbe „keine Möglichkeiten&#8221;, Fördermittel zurückzufordern. Er sehe es als „nicht gerechtfertigt&#8221; an. Komisch.</p>
<p>Hier ist übrigens der Brief von Bergner:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4033" title="Bergner Brief an Danckert, Seite 1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/bergner-brief-1.jpg" alt="" width="500" height="583" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4034" title="Bergner Brief an Danckert, Seite 2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/bergner-brief-2.jpg" alt="" width="500" height="593" /></p>
<p>Hat Bergner die Wahrheit gebeugt? Haben Abgeordnete der Regierungskoalition, die den Brief kannten, wider besseren Wissens entschieden, als sie den <a title="Antrag Bündnis 90/Die Grünen" href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613175.pdf" target="_self">Antrag der Bündnisgrünen</a>, die u. a. eine unabhängige Überprüfung entsprechender Sportfördermittel seit 1991 (insgesamt in Größenordnungen von mehreren hundert Millionen Euro) gefordert hatten, kollektiv abschmetterten? Steht es in der Macht des Innenministers und seiner Sportabteilung, sich selbst von der Kontrollpflicht zu befreien und dauerhafte Verstöße über beinahe 20 Jahre zu bereinigen?</p>
<p>Am 15. Juni schrieb Bergner, dass die Zuwendungsbescheide des BMI für Sportverbände zum Teil schon seit 1982 Anti-Doping-Klauseln enthalten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), um dessen sechs Trainer es derzeit geht, habe vorbildliche Arbeitsverträge abgeschlossen, die ausdrücklich das Recht auf außerordentliche Kündigung bei Dopingvergehen enthalten. Interessant, dass Bergner einen siebten Fall erwähnt, allerdings nicht namentlich. Es folgt ein Bandwurmsatz:</p>
<blockquote><p>In Bezug auf den DLV ist festzustellen, dass auf der Basis der Nebenbestimmungen der gegenwärtigen Bewilligungsbescheide eine Weiterbeschäftigung von Trainern, bei denen ein Verstoß gegen die &#8220;Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings&#8221; des DOSB vorliegt und der DLV nicht die nach den Nebenbestimmungen vorgesehenen Konsequenzen zieht, sanktioniert werden kann.</p></blockquote>
<p>Noch einmal: Zwei Tage später behauptete Bergner in der Öffentlichkeit das Gegenteil.</p>
<p>„Dieser Widerspruch ist völlig inakzeptabel&#8221;, kommentierte Grünen-Sportsprecher Winfried Hermann im Deutschlandfunk im Gespräch mit Herbert Fischer-Solms. „Schriftlich erklärt Bergner: Es geht. Mündlich erklärt er: Es geht nicht.&#8221; Das komplette Interview:</p>
<p><a title="Interview mit Winfried Hermann, DLF vom 20. Juni 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/20/dlf_20090620_1946_bef2dd06.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Zur Information gern auch noch einmal die <a title="Dopingtrainer: Das Gutachten von Martin Nolte" href="http://jensweinreich.de/?p=4019" target="_self">Stellungnahme</a> von Martin Nolte.</p>
<p>Sportpolitisch und zuwendungsrechtlich birgt Bergners Brief enormen Zündstoff. Denn eigentlich müsste die Vergabe der Sportfördermittel überprüft werden, müsste der Verband wegen fortgesetzter Verstöße über einen Zeitraum von fast 20 Jahren sanktioniert werden. Das Parlament wäre in der Pflicht, eine solche Überprüfung anzuordnen. Doch der Antrag wurde abgelehnt. „Ein Allparteien-Kartell von CDU und SPD, bis hin zu FDP und Linken, ist nicht bereit, Konsequenzen zu ziehen&#8221;, rügt Hermann.</p>
<p>Der Sportausschuss soll ein Kontrollorgan der Regierung sein. In der Leistungssportförderung müssen also vor allem das Bundesministerium des Innern, Minister Wolfgang Schäuble und die in Bonn angesiedelte Abteilung Sport kontrolliert werden &#8211; und natürlich auch die Sportverbände. Doch immer, wenn es ernst wird, wird es im Ausschuss schnell peinlich. Das mag vielleicht auch an den Vielfach-Funktionen zahlreicher Abgeordneter liegen.</p>
<p>Nur einige Beispiele: <span id="more-4031"></span></p>
<ul>
<li>Sportausschuss-Chef Peter <strong>Danckert</strong> (SPD) sitzt im Nada-Kuratorium und leitete den Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg.</li>
<li>Dagmar <strong>Freitag</strong>, Sportsprecherin der SPD, ist VIzepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und als solche in der Trainer-Diskussion und der Causa Goldmann sicher nicht befangen, da sie ja stets zwischen ihren Ämtern <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">zu trennen weiß</a>.</li>
<li>Klaus <strong><span style="color: #000000;">Riegert</span></strong>, Sportsprecher der CDU, der die Aufarbeitungsversuche der Grünen vergangenen Mittwoch als „Blödsinn in Potenz&#8221; bezeichnete, ist Vizepräsident des Schwäbischen Turnerbundes.</li>
<li>Martin <strong>Gerster</strong> (SPD), der vergangenen Freitag bei einem Vortrag in <a title="Kampf um den Kalbskadaver" href="http://jensweinreich.de/?p=4017" target="_self">Göttingen</a> jammerte, BMI und der Sport &#8220;stellen uns nur ein Bruchteil der Informationen zur Verfügung&#8221;, ist Präsident des Deutschen Sportakrobatik-Bundes.</li>
<li>Eberhard <strong>Gienger</strong> (CDU) hat einst selbst <a title="Spon: Turnweltmeister Gienger hat Anabolika genommen" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,415938,00.html" target="_blank">Anabolika eingenommen</a> und ist dem Herrn <a title="faz.net: Eberhard Gienger: Habe Anabolika genommen" href="http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E1D7D53EDF30A4CB688F0921FC8C198FE~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Klümper noch immer dankbar</a>. Ach, und ja, er ist Vizepräsident Leistungssport des DOSB.</li>
</ul>
<p>Kommen wir nun zum Staatssekretär Christoph <strong>Bergner</strong>, der gern über <a title="Antidopingberichte 2007 der deutschen Spitzensportverbände" href="http://jensweinreich.de/?p=2342" target="_self">Klamaukberichterstattung</a> <a title="Notizen vom Sportausschuss (3): &quot;I want to break free&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=2366" target="_self">schimpft</a>:</p>
<ul>
<li>Bergner ist Präsident des SV Halle. Dieser Großverein beschäftigt als Hauptgeschäftsführer den ehemaligen Stasi-Spitzel <strong>Klaus-Dieter Malzahn</strong>. Malzahn, alias IM „Olaf Bachmann&#8221;, bereitet in Halle gerade die <a title="mz-web: Elefantenhochzeit in Halles Sport" href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1228807354480&amp;openMenu=1012569559900&amp;calledPageId=1012569559900&amp;listid=1127925101321" target="_blank">Fusion mit dem Universitätssportverein</a> (USV) vor. USV-Geschäftsführer <strong>Thomas Prochnow</strong> ist ebenfalls schwer belastet: Er hat in der DDR als Dopingwissenschaftler am berüchtigten FKS zum Thema <a title="BLZ vom 21. Juli 2005: Doktor ohne Doktorarbeit" href="https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0721/sport/0007/index.html" target="_blank">„Doping und Lauf&#8221;</a> und die Wirkung des Hormonpräparats STS promoviert, allerdings als Thomas Ferkl. Er nahm später den Nachnamen seiner Frau an. <a title="pdf, Manuskript Frontal 21 vom 7. April 2009" href="http://woelfe.zdf.de/ZDFde/download/0,6753,7009827,00.pdf" target="_blank">Siehe auch</a>.</li>
</ul>
<p>Dies in Kurzfassung einige weitere personelle Stränge, die zahlreiche Fragen aufwerfen. Staatssekretär Bergner kann seine Geschäfte im Haupt- und Ehrenamt quasi bar jeder öffentlichen Kontrolle betreiben. Und er kann gewiss immer zwischen all den vielen Funktionen und Interessen trennen und unterscheiden.</p>
<p><small><em>(Varianten dieses Beitrages wurden im Deutschlandfunk und in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht.)</em></small></p>
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		<title>Dopingtrainer: Das Gutachten von Martin Nolte</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 10:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nachtrag zur Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch und zur Propaganda des Sportpolitikkartells (DOSB, DLV, BMI et al.): Die Stellungnahme des derzeit im Sport allgegenwärtigen und auf vielen Seiten tätigen Privatdozenten Martin Nolte. Ich betrachte das Papier eher als Meinungsäußerung. Ich finde dennoch, dass es sich lohnt sich, die Zeilen zu studieren. Wenn das Kartell damit argumentiert und beispielsweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachtrag zur <a title="Notizen vom Sportausschuss (11) ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch</a> und zur Propaganda des Sportpolitikkartells (DOSB, DLV, BMI et al.): Die Stellungnahme des derzeit im Sport allgegenwärtigen und auf vielen Seiten tätigen Privatdozenten Martin Nolte.</p>
<p>Ich betrachte das Papier eher als Meinungsäußerung. Ich finde dennoch, dass es sich lohnt sich, die Zeilen zu studieren. Wenn das Kartell damit argumentiert und beispielsweise behauptet, die Überprüfung der Steuermittel für Doper sei kompliziert und Rückforderungen rechtlich kaum möglich, ist das ein Witz. Dies zum einen, zu einem leider in den Medien immer noch unterbelichteten Thema. Denn es geht ja bei der Entschuldungspauschale für Doper und dem Umgang mit Opfern (die es laut Sportausschuss-Chef, SPD-Mann und Reitsportfunktionär Danckert ohnehin kaum gibt) nicht nur um moralische Fragen. Ach Gott. Es geht, knallhart, um die rechtmäßige Verwendung von hunderten Millionen Steuermitteln seit 1991 und um die Verantwortung von BMI, Bundestag (Kontrollfunktion) und Verbänden.</p>
<p>Dieser verwaltungsrechtliche Aspekt bleibt weiter völlig unklar. Aus meiner Sicht ist Nolte bemüht, das Problem maximal zu reduzieren<span style="text-decoration: line-through;">, indem er es zur Frage von Verfassungsrecht, Sportrecht aufbauscht &#8211; und das Verwaltungsrecht außer Acht lässt. Das ist eben kein Juristen-Gutachten zur Kontrollmöglichkeit über Zuwendungsbescheide, über die Zulässigkeit der Rückforderung von Fördermitteln. &#8220;Fördern und Fordern&#8221;, wie etwa diese Passage zeigt</span>:</p>
<blockquote><p>Der Staat ist allerdings Hauptförderer des Sports. Die Förderung muss mit inhaltlichen Zwecksetzungen (Forderungen) verbunden werden. Dies verlangt  das Haushaltsrecht.</p></blockquote>
<p>Untersucht wird das nicht näher.</p>
<p>Andere interessante Passagen: </p>
<blockquote><p>Diese Prüfung (durch Verbände) muss schließlich eine kontrollierbare Abwägungsentscheidung sein. Denn nur so erfolgt eine Rückbindung an den fördernden Staat. Die Kontrolle hat aber wiederum die Eigenverantwortung der Verbände zu wahren. Aus alledem ergibt sich ein reduzierter Kontrollmaßstab.</p></blockquote>
<p>Was heißt das? Die Abwägung hat es nachvollziehbar nicht gegeben?</p>
<p>Oder dies:</p>
<blockquote><p>Belastbare Falschaussagen zur eigenen Dopingvergangenheit wirken negativ, persönliche Entschuldigungen bei Opfern positiv. Wichtig ist ferner die aktive Mitwirkung von Trainern an der Aufklärung von Dopingpraktiken im Allgemeinen, wie dies beispielsweise im Rahmen von Kronzeugenregelungen bei der Dopingbekämpfung nach dem WADC und dem NADC praktiziert wird. Auch die Tatsache, ob der Trainer aus eigenem Antrieb oder durch Andere zur Aussage über seine Verstrickungen gelangt, ist wichtig.</p></blockquote>
<p>Hier nun der komplette Text: </p>
<blockquote><p>Sportausschuss<br />
Ausschussdrucksache Nr. 217<br />
vert. am: 19.06.2009</p>
<p>PRIVATDOZENT DR. MARTIN NOLTE<br />
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel<br />
Olshausenstraße 75<br />
24098 Kiel</p>
<p><strong>Umgang mit ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern</strong></p>
<p><span id="more-4019"></span>(Schriftliche Stellungnahme zur Sitzung des Sportausschusses vom 17. Juni 2009)</p>
<p>I. Maßstab: Moral oder Recht?</p>
<p>Der Umgang mit ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern ist ein komplexes Problem. Dieses Thema betrifft verschiedene Bereiche wie Politik, Moral und Recht, die sich zudem nicht immer klar voneinander trennen lassen. So sind insbesondere Moral und Recht in vielfältiger Weise miteinander verwoben. Dies zeigt sich insbesondere bei der Dopingbekämpfung. Die sportethischen (moralischen) Vorstellungen eines dopingfreien „sauberen&#8221; Sports finden ihren Ausdruck in dem selbst gesetztem Regelwerk der privaten Sportorganisationen. An oberster Stelle steht der World-Anti-Doping-Code, auf den wiederum das zwischenstaatliche UNESCO-Übereinkommen gegen Doping im Sport &#8211; gleichsam im Wege einer „Privatisierung des Völkerrechts&#8221; &#8211; Bezug nimmt. Dieser zwischenstaatliche Vertrag hat wiederum vielfältige Auswirkungen auf das nationale Recht, was seinerseits auf die hiesigen Moralvorstellungen reflektiert. Denn in Veränderungen des gelten Rechts spiegeln sich veränderte Moralauffassungen. Moral und Recht stehen in einer gewissen Wechselbeziehung. Dies zeigt sich insbesondere bei der Dopingbekämpfung im Sport. </p>
<p>Meine Stellungnahme erfolgt &#8211; trotz unvermeidlicher Überschneidungen der oben genannten Bereiche &#8211; in erster Linie aus dem Blickwinkel des Rechts, in dem sich auch wichtige Moralvorstellungen wieder finden. Maßgeblich sind hierbei insbesondere das Verfassungsrecht und das Sportrecht im engeren Sinne, also die selbst gesetzten Regeln des organisierten Sports. Das Arbeitsrecht steht dahinter zurück. Zugrunde gelegt wird schließlich die heutige Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung des DDR-Systems. Denn der heutige Umgang mit „belasteten&#8221; Trainern hat sich an der aktuellen Rechtslage zu orientieren.</p>
<p>II. Sportverbandliche Abwägung und staatliche Kontrolle </p>
<p>Aus Sicht des geltenden Rechts interessieren vor allem drei Aspekte in folgender Reihenfolge: Welches sind die konfligierenden Belange bzw. Interessen beim Umgang mit belasteten Trainern, die sich nicht nur moralisch ableiten lassen, sondern auch Widerhall im heutigen Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland finden? Aus der Zusammenstellung aller Interessen der Beteiligten (Sportler, Trainer, Verbände und Öffentlichkeit) ergibt sich das Abwägungsmaterial. <br />
   <br />
Die abgeleiteten Interessen können gleichwohl nicht im Wege einer allgemeinen Abwägung gegenüber gestellt werden. Denn dies widerspräche der spezifischen Verantwortungsteilung von Staat und Sport. Bei den Sportorganisationen handelt es um private Einrichtungen, die jedenfalls nicht unmittelbar an die Verfassungsprinzipien und Grundrechte des Grundgesetzes gebunden sind. Allerdings muss die Tatsache Berücksichtigung finden, dass der Staat nach wie vor Hauptförderer des Sports ist und daher Mitverantwortung für einen „sauberen&#8221; Sport trägt. Fördern und Fordern gehören zusammen.</p>
<p>Aus diesen Besonderheiten erfolgt im letzten Schritt die Antwort nach einer ausgewogenen Verantwortungsteilung zwischen Staat und Sport beim Umgang mit in Dopingpraktiken verwickelten Trainern. Dabei geht es um die Eigenverantwortung der Sportverbände zur Einzelabwägung auf der einen Seite und deren veritable Steuerung durch den Staat auf der anderen Seite. Dies läuft im Ergebnis auf ein „Zweistufenmodell&#8221; als Alternative zu einer sog. Teil- oder Generalamnestie hinaus.</p>
<p>1. Abwägungsmaterial</p>
<p>Im Umgang mit den Trainern zeigt sich ein multipler Interessenskonflikt. Auf der einen Seite stehen die legitimen Interessen gedopter Sportler. Sie haben Anspruch auf Sühne, Vergeltung und Ausgleich für Dopingpraktiken, von denen sie entweder überhaupt nichts oder nicht in vollem Umfang Bescheid wussten. Ihnen geht es nicht zuletzt um Kenntnis, welche Dopingmittel verabreicht wurden. Denn nur so können wirksame Behandlungsmaßnahmen durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass Dopingpraktiken die Sportethik und das Selbstverständnis der Sportverbände verletzen, was in zahlreichen internationalen und nationalen Erklärungen &#8211; wie dem WADC und dem NADC &#8211; seinen Ausdruck findet. Die Auseinandersetzung mit ehemaligen Dopingpraktiken ist ferner wichtig zur Vermeidung von Wiederholungen bzw. Nachahmungseffekten in der Zukunft.</p>
<p>Schließlich hat der Staat eine Schutzpflicht für Leib und Leben und ist durch internationalrechtliche Bindungen &#8211; Europaratsübereinkommen gegen Doping, UNESCO-Konvention gegen Doping im Sport &#8211; zur Dopingbekämpfung verpflichtet. Die Bekämpfung des Dopings schließt die Auseinandersetzung mit  ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern allein schon deshalb ein, weil diese Trainer weiterhin beschäftigt sind. Im Übrigen geht es auch um das Ansehen des Sports in der Öffentlichkeit und deren Vertrauen in sportliche Leistungen.</p>
<p>Auf der anderen Seite stehen das Interesse und das Recht des Trainers auf Beschäftigung im Sport. Dieses Interesse ist regelmäßig keines an Wiedereingliederung bzw. Re-Sozialisierung (ggf. auch als „zweite Chance&#8221; tituliert). Denn Wiedereingliederung und Resozialisierung würden voraussetzen, dass Sanktionen bereits verbüßt wurden. Ist dieses nicht der Fall, konzentriert sich das Interesse der Trainer auf seine Beschäftigung im Sport.</p>
<p>Hinzu tritt nicht zuletzt die Eigenverantwortung der Sportverbände. Sie haben das Recht zum Abschluss sowie zur Kündigung privater Arbeitsverträge im Rahmen des geltenden Arbeitsrechts. Sie haben aber vor allem auch die Möglichkeit zur Steuerung im Rahmen des selbst gesetzten Regelwerks. Hier liegen die primären Steuerungsinstrumentarien, auf deren Gebrauch der Staat hinzuwirken in der Lage ist.</p>
<p>2. Verantwortungsteilung</p>
<p>Die vorerwähnten Interessen müssen der Besonderheit im Sport Rechnung tragen. Sportverbände sind keine staatlichen, sondern private Organisationen. Probleme sind deshalb zunächst in eigener Verantwortung aufgrund selbst gesetzter Regeln zu lösen. Verfassungsprinzipien und Grundrechte, in denen sich die aufgezeigten Interessen wieder finden, gelten für Sportverbände nicht unmittelbar. Denn eine solche Vorstellung widerspricht der primären Abwehrfunktion der Grundrechte vor dem Staat (Art. 1 Abs. 3 GG).</p>
<p>Prinzipien und Grundrechte, in denen sich die konfligierenden Interessen im Umgang mit den Trainern widerspiegeln, enthalten aber auch objektive Werte. Diese Werte strahlen auch in private Rechtsbeziehungen ein. Dies gehört zu den Grundsätzen anerkannten Rechts und insbesondere auch Bedeutung für das Arbeitsrecht. Hier entfalten Grundrechte eine mittelbare Bindung. Diese Bindung dürfte umso mehr bestehen, als Private öffentlich finanzierte Gemeinwohlfunktionen wahrnehmen.</p>
<p>Der Staat ist allerdings Hauptförderer des Sports. Die Förderung muss mit inhaltlichen Zwecksetzungen (Forderungen) verbunden werden. Dies verlangt  das Haushaltsrecht. Im Bereich der Dopingbekämpfung kommen verfassungsrechtliche und internationale Verpflichtungen des Staates hinzu. Dies bedeutet, dass die Förderung des Sports nur unter der Voraussetzung eines „sauberen&#8221; Sports stehen darf.</p>
<p>Diese Voraussetzung hat gleichwohl die Eigenverantwortung der privaten Verbände zu wahren. Denn ansonsten würde sich der Staat in die Rolle der Verbände begeben und die Trennung von Staat und Sport aufgeben. Sport würde zum Staatssport &#8211; was mit der grundsätzlichen Trennung von Staat und Gesellschaft in Deutschland unvereinbar wäre. Die grundsätzliche Trennung von Staat und Sport wirkt sich aus auf  den konkreten Umgang mit belasteten Trainern.</p>
<p>3. Kontrollmöglichkeit</p>
<p>Der Umgang mit in Dopingpraktiken verwickelten Trainern hat somit zwei Orientierungsmarken: Zum Ersten das Abwägungsmaterial aus den verschiedenen Interessen aller Akteure; zum Zweiten die spezifische Verantwortungsteilung zwischen Staat und Sport, die sich in einer Wechselbeziehung von Förderung und (kontrollierbarer) Forderung ausdrückt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund liegt ein „Zweistufenmodell&#8221; nahe: Die erste Stufe betrifft das „ob&#8221;. Hier geht es um die Verantwortung des Staates. Er kann (und muss) Sportverbände dazu anhalten, der Verwicklung belasteter Trainer bei objektiven Anhaltspunkten nachzugehen. Diese Pflicht ist umsetzbar über entsprechende &#8211; in jedem Fall klar und eindeutig formulierte &#8211; Klauseln (Inhaltsbestimmungen, Bedingungen, Auflagen) in Förderbescheiden seitens des BVA/BMI. Nur beiläufig sei bemerkt, dass pauschale Entschuldigungserklärungen von Trainern einer Einzelabwägung nicht gerecht werden und keinen &#8211; wie auch immer gearteten &#8211; Opferausgleich der betroffenen Sportler darstellen.</p>
<p>Die zweite Stufe betrifft das „wie&#8221;. Hier geht es um die Eigenverantwortung der Sportverbände. Sie müssen die Einzelfallprüfung entweder selbst oder durch eine unabhängige Kommission (Steiner-Kommission) durchführen. Diese Prüfung muss schließlich eine kontrollierbare Abwägungsentscheidung sein. Denn nur so erfolgt eine Rückbindung an den fördernden Staat. Die Kontrolle hat aber wiederum die Eigenverantwortung der Verbände zu wahren. Aus alledem ergibt sich ein reduzierter Kontrollmaßstab. Dieser ist auf vier Aspekte konzentriert: Die Kontrolle des Staates ist beschränkt auf die Tatsache, ob der Verband bei Vorliegen objektiver Verdachtsmomente überhaupt eine Abwägungsentscheidung getroffen hat (Ausfall), ob der Verband alle entscheidungserheblichen Umstände berücksichtigt hat (Defizit), ob er ihnen den richtigen Wert beigemessen und sie richtig ins Verhältnis zueinander gesetzt hat (Disproportionalität) und sich nicht von sachfremden Motiven leiten liess (Fehlgebrauch). Die Kontrolle der Abwägungsentscheidung im engeren Sinne ist dem Staat jedoch entzogen. Hierzu gehört insbesondere die Frage, welche verbandsinternen (vermutlich weniger arbeitsrechtlichen) Konsequenzen aus einer getroffenen Abwägungsentscheidung getroffen werden.</p>
<p>Die abwägungsrelevanten Umstände, die in entsprechenden Förderbescheiden formuliert werden könnten, ließen sich wiederum in einer Art „Checkliste zum Umgang mit Trainern&#8221; zusammen stellen:</p>
<p>Entscheidend dabei ist zunächst die Erheblichkeit bzw. das Maß der Verstrickung des (objektiv) belasteten Trainers. Diese Verstrickung ergibt sich aus dem zeitlichen und qualitativen Umfang, also die Anzahl gedopter Sportler und betroffener Sportarten. Auch die mögliche Inkaufnahme und tatsächliche Verursachung von Gesundheitsschäden spielt eine wichtige Rolle. Dabei gilt folgender Grundsatz: Je größer die Verstrickung, desto unwahrscheinlicher die Annahme einer vollständigen Loslösung von der Verstrickung.</p>
<p>Die Beurteilung der persönlichen Vorwerfbarkeit ehemaliger DDR-Trainer ist hierbei mit besonderer Sorgfalt zu treffen. Denn die Rechts- und Gesellschaftsordnung der DDR besteht nicht mehr. Auch waren die Trainer auf verschiedenen Ebenen in unterschiedlichen Positionen dem Prinzip von Befehl und Gehorsam unterworfen. Schließlich spielt auch das damalige Alter der Trainer und ihre persönliche Erfahrenheit eine gewichtige Rolle.</p>
<p>Ganz entscheidend ist aber der Zeitfaktor, insbesondere späteres Wohlverhalten von Trainern. Der Reifeprozess ist wichtig. Belastbare Falschaussagen zur eigenen Dopingvergangenheit wirken negativ, persönliche Entschuldigungen bei Opfern positiv. Wichtig ist ferner die aktive Mitwirkung von Trainern an der Aufklärung von Dopingpraktiken im Allgemeinen, wie dies beispielsweise im Rahmen von Kronzeugenregelungen bei der Dopingbekämpfung nach dem WADC und dem NADC praktiziert wird. Auch die Tatsache, ob der Trainer aus eigenem Antrieb oder durch Andere zur Aussage über seine Verstrickungen gelangt, ist wichtig.</p>
<p>Wichtig bei alledem ist gleichwohl, dass die Entscheidung der Verbände nicht durch eine des Staates ersetzt wird. Denn das widerspricht der verfassungsrechtlichen Trennung von Staat und Sport in Deutschland &#8211; trotz aller wechselseitigen Verzahnungen.  </p></blockquote>
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		<title>Dichtung und Wahrheit und Ehrendoktor Schäuble</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 11:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Damit es nicht untergeht in den langen Kommentarspalten: Andreas Krieger schrieb gerade: Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen. Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit es nicht untergeht in den langen <a title="Kommentar von Andreas Krieger zu Werner Goldmann darf wieder ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3918#comment-9529" target="_self">Kommentarspalten</a>: <a title="Andreas Krieger zum Fall Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a> schrieb gerade:</p>
<blockquote><p>Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen.</p>
<p>Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre &#8220;Pauschalentschuldigung&#8221; auch noch Rückendeckung von Seiten des Sports und dürfen damit ihre Jobs behalten. &#8220;Wie feige!&#8221;</p>
<p>Ich habe mein EM-Gold nicht umsonst abgegeben. Denn ich wusste als Werfer (auch wenn Herr Schneider es anders behauptet) <strong>nicht</strong>, was mir dort verabreicht wurde. Ich habe es erst durch die Prozesse erfahren.</p>
<p>Was wirklich schlimm ist?</p>
<p>Ich komme mir vor wie ein Vergewaltigungsopfer, das vor Gericht zwar Recht bekommen hat, der Täter wurde auch verurteilt, aber dennoch werde ich durch damalige Mittäter immer wieder als die eigentliche Hure hingestellt, die für ihr eigenes Schicksal selbst verantwortlich gemacht wird.</p>
<p>Das ist schlimm und das tut weh.</p></blockquote>
<p>Und das ist die menschliche Dimension dieser Diskussion. Die Opfer werden nicht gehört, daran ändert auch ein Treffen nicht, dass es irgendwann vor der Leichtathletik-WM geben soll, das kommt zu spät und wird letztlich nur die Propaganda stärken. Täter und deren Gönner setzen sich einmal mehr durch, in schamloser Weise. Und sie verstoßen gegen zahlreiche Regeln, die in einer demokratischen Gesellschaft eingehalten werden sollten, und deren Nichteinhaltung zunächst parlamentarische und möglicher Weise juristische Konsequenzen haben sollten. Etwa die unsachgemäße Verwendung von vielen Millionen aus Steuermitteln über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Aber die &#8220;Volksvertreter&#8221; <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">spielen ja mit in diesem unwürdigen Spiel</a>, mit <a title="Reaktion im Sportausschuss ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3895" target="_self">einer Ausnahme</a>. Dies ist die, sagen wir, technokratische Dimension dieser Diskussion. Auch die kommt leider zu kurz, weil jene, die die <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Verwendung von Steuermitteln</a> zu verantworten haben, sich mit diesen &#8220;Pauschalentschuldigungen&#8221; selbst aus der Verantwortung stehlen wollen. Dazu zählen DOSB und Vorgängerorganisationen, DLV und andere Fachverbände, und das BMI &#8211; aber das habe ich oft genug gesagt und dokumentiert.</p>
<p>Passend zur Diskussion ist übrigens diese Pressemitteilung, die mich soeben aus Tübingen erreicht (mit falschem Datum, es geht um den 26. Juni 2009):</p>
<blockquote><p>Ehrendoktorwürde für den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble</p>
<p>An der Eberhard Karls Universität Tübingen findet im Sommersemester 2009 eine au­ßergewöhnliche Feierstunde statt. Am Freitag, 26. Mai 2009 wird die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften dem Bundesminister des Innern, </p>
<p align="center"><strong>Herrn Dr. jur. <a title="tag: Wolfgang Schäuble" href="http://jensweinreich.de/?s=sch%C3%A4uble" target="_self">Wolfgang Schäuble</a>,</strong></p>
<p>die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Promotionsfeier findet um 12.00 Uhr s.t. im His­torischen Lesesaal (Bonatzbau, Wilhelmstraße 32) statt, bei der u.a. der Minister­präsident des Landes Baden-Württemberg, Herr Günther Oettinger, ein Grußwort und Prof. Dr. Helmut Digel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft, die Laudatio spre­chen werden. Hierzu sind Medienvertreter herzlich eingeladen.</p>
<p>Die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard Karls Universität Tübingen würdigt damit die Verdienste von Bundesinnenminister Schäuble um die Sportwissenschaft, die sich in einer Vielzahl von Reden und Beiträgen zu Fragen der Sportpolitik, der Sportwissen­schaft und der Sportentwicklung in Deutschland doku­mentieren. Er hat sich dabei als scharfsinniger Analyti­ker der Sportentwicklung und als Initiator sportwissenschaftlicher Diskurse erwiesen. Mit der Konzipierung von Fachkonferenzen hat er in der Bundesrepublik Deutschland als ein anerkannter Vor­denker auf dem Gebiet der Sportentwicklung ein besonderes Profil gewonnen.</p></blockquote>
<p>Ach ja, Helmut Digel.</p>
<p>Was <a title="tag: Hansjörg Kofink" href="http://jensweinreich.de/?s=kofink" target="_self">Hansjörg Kofink</a> davon hält, kann man <a title="Offener Brief Kofink, Juni 2009" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/kofink-7609.pdf" target="_blank">hier als pdf-Datei nachlesen</a> (5 Seiten), ein weiterer Offener Brief von Kofink an die üblichen Verdächtigen in BMI, DLV und DOSB etc. pp.</p>
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