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	<title>jens weinreich &#187; dopingopfer</title>
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		<title>Die Autobahnen und Wunderpillen des DDR-Doping-Funktionärs Thomas Köhler</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2010 17:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Soll Mann sich aufregen? Oder nicht besser noch Bärbel Bohley gedenken, die am Sonnabend gestorben ist? Ich habe geweint, als ich den Nachruf von Renate Oschlies in der Berliner Zeitung las: &#8220;Dem Herzen trauen&#8221;. Und nun das. (dpa-exklusiv &#8211; Zusammenfassung 1400) Ex-Funktionär gibt zu: Kinderdoping im DDR-Sport Von Manfred Leopold und Frank Thomas, dpa Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Soll Mann sich aufregen? Oder nicht besser noch Bärbel Bohley gedenken, die am Sonnabend gestorben ist? Ich habe geweint, als ich den Nachruf von Renate Oschlies in der Berliner Zeitung las: <a title="Berliner Zeitung vom 13. September 2010" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0913/seite3/0001/index.html" target="_blank">&#8220;Dem Herzen trauen&#8221;</a>.</p>
<p>Und nun das.</p>
<blockquote><p>(dpa-exklusiv &#8211; Zusammenfassung 1400)</p>
<p>Ex-Funktionär gibt zu: Kinderdoping im DDR-Sport</p>
<p>Von Manfred Leopold und Frank Thomas, dpa</p></blockquote>
<p>Ich weiß nicht, was so exklusiv daran ist, wenn das Buch von Köhler am Donnerstag doch auf den Markt kommt. Ich würde eher mal vorschnell sagen: Es ist gute PR für ein Buch, das <a title="Verlag Das Neue Berlin" href="http://www.eulenspiegel-verlag.de/programm-1/titel/913-Zwei_Seiten_der_Medaille.html" target="_blank">&#8220;Zwei Seiten der Medaille heißt&#8221;</a>. Eine wichtige Passage aus dem Elaborat wird ja bereits heiß diskutiert:</p>
<blockquote><p>Doping sei nur &#8220;für ausgewählte Kadersportler vorgesehen gewesen, die in der Regel erwachsen waren. Ausnahmen bestanden zum Beispiel im Schwimmen, einer Sportart mit einem geringeren Höchstleistungsalter, wobei nur Sportler einbezogen wurden, die nach einem mehrjährigen Trainingsprozess zur Leistungsspitze zählten.&#8221;</p>
<p>Den Sportlern unterstellt der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) grundsätzlich eine Mitwisserschaft. &#8220;Alle Mittel wurden im Einvernehmen mit dem Sportler verabreicht. Mir ist aus meiner Tätigkeit im Leistungssport nicht bekannt, dass ein Trainer oder ein Sportler von oben angewiesen wurde, Dopingmittel zu verwenden&#8221; &#8230;</p>
<p><em>(Quelle: SID)</em></p></blockquote>
<p>Ich frage mich zunächst natürlich, warum dieser &#8220;Exklusiv&#8221;-Beitrag der Deutschen Presse-Agentur ausgerechnet von einem ehemaligen Stasi-IM mit verfasst wurde, der zwar Manfred heißt, aber eben nicht Leopold.</p>
<p>Wieder werden die <a title="tag: Dopingopfer" href="http://www.jensweinreich.de/category/dopingopfer/" target="_self">Dopingopfer</a> <span style="text-decoration: line-through;">verhönelt</span> verhöhnt.</p>
<p>Höflich formuliert: Das ist irgendwie unpassend.</p>
<p>Irgendwie passend ist allerdings die <a title="Eklat bei erster Lesung ..." href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1039519" target="_blank">Geschichte</a> von der ersten &#8220;Lesung&#8221; aus Köhlers Buch beim Lügen-Verein von Altkadern und Stasileuten, dem so genannten <a title="Sport und Gesellschaft" href="http://www.sport-gesellschaft.de/" target="_blank">Verein Sport und Gesellschaft e. V.</a>, wo sich Dopingopfer <a title="tag: Uwe Trömer" href="http://www.jensweinreich.de/?s=uwe+tr%C3%B6mer" target="_self">Uwe Trömer</a> <a title="FAZ: Unverschämte Lüge" href="http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E858F84DD47B94696BCF82EA2E3D521AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">eingemischt hat</a>.</p>
<p>Es tut mir leid, ich weiß, neue Freunde mache ich mir auch mit diesen Bemerkungen nicht. Und alte Bekannte werden sich abwenden, sofern sie es nicht längst getan haben. Aber es gibt Grenzen im Leben, und es gibt Grenzen im Journalismus. Das darf man auf einem privaten Blog sicher sagen, ohne sich zum journalistischen Chefethiker aufspielen zu wollen.</p>
<p>Ich traf Thomas Köhler im vergangenen Jahr zweimal: Zunächst beim <a title="We are family ..." href="http://www.jensweinreich.de/2009/07/10/we-are-family-der-kritische-schulterschluss-von-politik-sport-und-wissenschaft/" target="_self">Festakt zum 40. Jahrestag des Sportausschusses</a> des Deutschen Bundestages, als er sich angeregt mit DOSB-Vizepräsident Eberhard Gienger (CDU) unterhielt. Und später bei der Pressevorführung des Filmes <a title="Tagesspiegel: Die Goldmacher" href="http://www.tagesspiegel.de/medien/medaillen-mit-kehrseite/1608396.html" target="_blank">&#8220;Die Goldmacher&#8221;</a> meines Freundes Albert Knechtel, als ich eine kurze Gesprächsrunde leitete und irgendwann Thomas Köhler, der im Publikum saß, fragte, ob er sich als Fachmann nicht an der Diskussion beteiligen wolle. Er mochte nicht. Ich weiß nicht mehr genau, ob er damals gesagt hat, er schreibe ein Buch und wolle sich lieber auf diese Art äußern.</p>
<p>Muss sich die Welt mit den Ergüssen von Thomas Köhler befassen? Köhler, Olympiasieger im Rennrodeln und langjähriger Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR. Einer der Verantwortlichen für das staatlich sanktionierte Massendoping an Kindern und Jugendlichen. Einer, der immer noch Lügen verbreitet. Zu behaupten, die/alle gedopten Athleten hätten gewusst (&#8220;alle Mittel wurden im Einvernehmen mit dem Sportler verabreicht&#8221;), was sie einnehmen bzw. was ihnen verabreicht wird, ist nicht nur eine Lüge, es ist die Negierung einer historischen Wahrheit.</p>
<p>Es ist, als ob Köhler argumentieren würde, Mensch, der Hitler war ja gar nicht so schlecht, schließlich hat er Autobahnen gebaut &#8230;</p>
<p>Sorry, aber auf diesem Niveau agiert der DTSB-Vize, der so gern Nachfolger von Manfred Ewald geworden wäre.</p>
<p>Wie konnte ich nur so naiv sein, darauf zu hoffen, dass nach den unsäglichen Diskussionen um die <a title="tag: Dopingtrainer" href="http://www.jensweinreich.de/category/dopingtrainer/" target="_self">Dopingtrainer</a> im deutschen Sport im vergangenen Jahr endlich Ruhe einkehren würde. Dumm von mir. Foolish.</p>
<p>Ich war den ganzen Tag privat unterwegs und habe erst am Nachmittag durch Anrufe einiger Redaktionen von den Meldungen erfahren. Mag sein, dass ich jetzt etwas vorschnell reagiere, ohne das Buch gelesen zu haben (was ich natürlich tun werde, ich lese sogar sämtliche Elaborate des o. g. Vereins und anderer Missetäter, sofern sie mir zugänglich sind), ich glaube aber nicht. Ich wiederhole mich: Manches muss raus, das ist gut für den Magen.</p>
<p>Ich fürchte, dass ich diesen Beitrag am Abend noch etwas verlängern und umschreiben werde. Vorerst aber nur eine meiner Lieblingspassagen (darf man das bei diesem Thema sagen?) aus Doping-Stasi-Akten, aufgeschrieben von einem der DDR-Chefdoper, von Manfred Höppner, stellvertretender Leiter des Sportmedzinischen Dienstes der DDR, alias IMB Technik, Ende 1985:</p>
<blockquote><p>Am 28. November 1985 fand eine Beratung mit den beiden Vizepräsidenten, Genossen Köhler und Röder, über den weiteren perspektivischen Einsatz von uM statt. Grundlage für dieses Gespräch war das bekannte interne Material, welches im Auftrag des Genossen Ewald durch den IMB und Prof. Lehnert erarbeitet wurde.</p>
<p>Beide Vertreter des DTSB brachten ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass bis 1988 angeblich nur vorrangig die bisher bekannten Pharmaka zur Anwendung kommen in differenzierter Form und umfassender Abstimmung mit dem Trainingsprozess.</p>
<p>Sie waren der Auffassung, dass es möglich sein müsste, noch bis zu den Olympischen Spielen 1988 eine sogenannte &#8220;Wunderpille&#8221; zu erforschen.</p>
<p><strong>Speziell Genosse Köhler stellte konkret die Forderung, ein solches Präparat aus der Reihe der Psychopharmaka zu entwickeln, um bei den Sportlern zum Wettkampf eine gewisse Aggressivität zu entwickeln und vorhandene Anzeichen von Angst und Nervosität auszuschalten &#8230;</strong></p>
<p>Im Gespräch machte der IMB weiterhin darauf aufmerksam, dass bereits seit einigen Jahren durch ihn das Präparat STS (Steroidsubstanz) an die Sportler verabreicht wird, ohne dass dieses jemals entsprechend dem Arzneimittelgesetz geprüft wurde &#8230;</p></blockquote>
<p>Thomas Köhler wurde im Oktober 1999 wegen Beihilfe zur Körperverletzung in 107 Fällen (zwischen 1977 und 1989) zu einer Geldstrafe in Höhe von 26.400 Mark verurteilt.</p>
<p>tbc</p>
<ul>
<li>Ralf hat etliche Meldungen zum Köhler-Buch bereits in den Kommentaren zum Artikel <a title="Historische Hypotheken des deutschen Sports" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/29/historische-hypotheken-des-deutschen-sports" target="_self">&#8220;Historische Hypotheken des deutschen Sports&#8221;</a> verlinkt</li>
<li>Bevor die Ratten wieder aus ihren Löchern kriechen und blödes Zeug behaupten: Ja, ich war die ersten zehn Monate meines &#8220;journalistischen&#8221; Lebens Volontär der FDJ-Zeitung Junge Welt und habe die Dinge seinerzeit <a title="Der Appetit kam beim Essen" href="http://www.jensweinreich.de/2009/01/19/der-appetit-kam-beim-essen/" target="_self">etwas naiver betrachtet</a></li>
</ul>
<p>Lesebefehl, Verzeihung (zumindest noch mal drin schmökern, gerade heute), mein wichtigster Beitrag der vergangenen Jahre, die andere Seite der Medaille:</p>
<ul>
<li><a title="Johanna Sperling: &quot;Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!&quot;" href="http://www.jensweinreich.de/2009/08/21/johanna-sperling-bitte-weist-es-zuruck-seid-stolz-darauf/" target="_self">Johanna Sperling: &#8220;Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!&#8221;</a></li>
</ul>
<p><a class="FlattrButton" style="display:none;" rev="flattr;button:compact;"<br />
href="http://www.jensweinreich.de/2010/09/14/die-autobahnen-und-wunderpillen-des-ddr-doping-funktionars-thomas-kohler/"></a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Fuchs im Hühnerstall lehnt die Petition des Dopingopferhilfevereins ab</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/09/28/der-fuchs-im-huhnerstall-lehnt-die-petition-des-dopingopferhilfevereins-ab/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 22:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade wurde hier die Frage diskutiert, was eigentlich aus der Petition des Dopingopferhilfevereins geworden ist. Nun, die Antwort lautet: Klaus Zöllig, Vorsitzender des Dopingopferhilfevereins (DOH), hat Post bekommen. Eine Sachbearbeiterin des Bundestags-Petitionsausschusses teilt zur Petition 1-16-06-228-053614 mit: Sehr geehrter Herr Dr. Zöllig, als Anlage übersende ich Ihnen die zu Ihrer Eingabe eingeholte Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern (BMI) mit der Bitte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade wurde <a title="Kommentare zu Johann Sperling ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4893#comment-14364" target="_self">hier</a> die Frage diskutiert, was eigentlich aus der <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Petition des Dopingopferhilfevereins</a> geworden ist. Nun, die Antwort lautet: Klaus Zöllig, Vorsitzender des Dopingopferhilfevereins (DOH), hat Post bekommen. Eine Sachbearbeiterin des Bundestags-Petitionsausschusses teilt zur Petition 1-16-06-228-053614 mit:</p>
<blockquote>
<p align="left">Sehr geehrter Herr Dr. Zöllig,</p>
<p align="left">als Anlage übersende ich Ihnen die zu Ihrer Eingabe eingeholte Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern (BMI) mit der Bitte um Kenntnisnahme.</p>
<p align="left">Darüber hinaus möchte ich Sie auf die Beschlussempfehlungen und Berichte des Sportausschusses &#8211; Bundestags-Drucksachen 16/13175, 16/13579, 16/5937, 16/5526, 16/4738, 16/4166 &#8211; sowie auf die Antwort der Bundesregierung &#8211; Bundestags-Drucksache 16/4264 &#8211; hinweisen. Diese können Sie im Internet unter www.bundestag.de. dort unter Dokumente/Datenbank Dokumente einsehen und ausdrucken.</p>
<p align="left">Vor dem Hintergrund der Ausführungen des BMI und der angeführten Drucksachen des Deutschen Bundestages sieht der Ausschussdienst derzeit keine Anhaltspunkte für darüber hinausgehende parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses. Ihre Eingabe wird deshalb als erledigt betrachtet. Sollten aus Ihrer Sicht jedoch noch Einwände bestehen, bitte ich, diese möglichst konkret darzulegen.</p>
<p align="left">Mit freundlichen Grüßen</p>
<p align="left">Im Auftrag </p>
</blockquote>
<p align="left">Ich habe mir die Mühe gemacht, sämtliche erwähnten Drucksachen zu verlinken. Allein diese Auflistung der Dame vom Bundestag ist schon eine Frechheit, weil sich darunter <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Anträge wie jener</a> der Grünen (16/13175) befinden, die ja nicht wirklich diskutiert, sondern nur kollektiv abgelehnt wurden. Demokratie nennt man so etwas.</p>
<ul>
<li><a title="Drucksache 16/13175" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613175.pdf" target="_blank">Drucksache 16/13175</a>, Antrag der Grünen: Dopingvergangenheit umfassend aufarbeiten</li>
<li><a title="Drucksache 16/13579" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/135/1613579.pdf" target="_blank">Drucksache 16/13579</a>, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zum Antrag der Grünen</li>
<li><a title="Drucksache 16/5937" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/059/1605937.pdf" target="_blank">Drucksache 16/5937</a>, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zu 16/5526, 16/4738, 16/4166</li>
<li><a title="Drucksache 16/5526" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/055/1605526.pdf" target="_blank">Drucksache 16/5526</a>, Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport</li>
<li><a title="Drucksache 16/4738" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/047/1604738.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4738</a>, Antrag der FDP: Bekämpfung des Dopings im Sport vorantreiben und Optimierungsmöglichkeiten ausschöpfen</li>
<li><a title="Drucksache 16/4166" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/041/1604166.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4166</a>, Antrag der Grünen: Bekämpfung des Dopings im Sport</li>
<li><a title="Drucksache 16/4264" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/042/1604264.pdf" target="_blank">Drucksache 16/4264</a>, Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP</li>
</ul>
<p>Volldemokratisch auch das Verfahren mit Zölligs Petition: Der sagen wir: Beschuldigte, also das BMI, wird um eine Stellungnahme gebeten. Der Sportabteilungschef des Bundes sagt, er könne <strong>&#8220;fehlerhaftes Verhalten des Bundes nicht erkennen&#8221;</strong>. Dann ist ja alles gut. Damit hat sich die Sache erledigt.</p>
<p>Tatsächlich?</p>
<p>Das erinnert mich an die Geschichte vom <a title="tag: der Fuchs im Hühnerstall" href="http://jensweinreich.de/?s=%22fuchs+im+h%C3%BChnerstall%22" target="_self">Fuchs im Hühnerstall</a>, die hier am Beispiel einiger Korruptionsthemen immer mal wieder erwähnt wurde.</p>
<p align="left">Eigentlich müsste ich sagen: Mir fehlen die Worte. Ich bin schockiert &#8211; und bestimmt auch reichlich dumm anzunehmen, so eine Petition könne ernsthaft behandelt werden. Doch nicht in dieser <a title="&quot;We are family&quot;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Wissenschaft" href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">Sportfamilie</a>. Doch <a title="Bundesinnenministerium unterstützt den Bund Deutscher Radfahrer" href="http://jensweinreich.de/?p=1556" target="_self">nicht</a> <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdBs im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">in</a> <a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://jensweinreich.de/?p=1627" target="_self">dieser</a> <a title="Die Verbal-Salti des Christoph Bergner" href="http://jensweinreich.de/?p=4031" target="_self">Spezialdemokratie</a>.</p>
<ul>
<li>Hier ist das <a title="Brief BMI an Petitionsausschuss" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/09/bmi-kass-an-petitionsausschuss-2009.pdf" target="_blank"><strong>Schreiben des BMI-Abteilungsleiters</strong></a> Rüdiger Kass an den Petitionsausschuss (pdf, 11 Seiten, 1 MB) </li>
</ul>
<p>Wie schrieb doch die Dame vom Amt?</p>
<blockquote><p><strong>Vor dem Hintergrund der Ausführungen des BMI und der angeführten Drucksachen des Deutschen Bundestages sieht der Ausschussdienst derzeit keine Anhaltspunkte für darüber hinausgehende parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses. Ihre Eingabe wird deshalb als erledigt betrachtet. </strong></p></blockquote>
<p><span id="more-5248"></span>Ich habe dazu für den <a title="DLF vom 26. September 2009: Beitrag zur Ablehnung der DOH-Petition" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1040832/" target="_blank">Deutschlandfunk gedichtet</a>. Und in Kurzfassung für einige Zeitungen geschrieben:</p>
<blockquote><p>Die Debatte über die Beschäftigung dopingbelasteter Trainer mit Steuermitteln im deutschen Spitzensport erhält eine weitere bizarre Zuspitzung. Der Petitionsausschuss des Bundestages hat die Eingabe des Dopingopferhilfevereins (DOH) wegen der unsachgemäßen Verwendung von Sportfördermitteln abgelehnt. Es gebe „keine Anhaltspunkte für parlamentarische Aktivitäten des Petitionsausschusses&#8221;, wird dem Petenten und DOH-Vorsitzenden Klaus-Dieter Zöllig mitgeteilt. „Ihre Eingabe wird als erledigt betrachtet.&#8221; </p>
<p>Die Debatte hatte sich im Frühjahr am Fall Werner Goldmann und anderen ehemaligen DDR-Dopingtrainern erhitzt, die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nach pauschalen Erklärungen weiter beschäftigt wurden. Die Petition, die der DOH-Vorsitzende Klaus Zöllig Ende April 2009 eingereicht hatte, richtete sich gegen das für die Spitzensportförderung zuständige Bundesinnenministerium (BMI). Minister Wolfgang Schäuble (CDU) habe „pauschal Verstöße von Sportfachverbänden und Olympiastützpunkten gegen zuwendungsrechtliche Vorschriften&#8221; und damit auch „die rechtwidrige Verwendung von Steuermitteln&#8221; akzeptiert, argumentierte Zöllig. Er verlangte „die Einhaltung der entsprechenden Gesetze&#8221; und eine rückwirkende Überprüfung von Steuermitteln. Der von Kersten Naumann (Die Linke) geleitete Petitionsausschuss holte lediglich eine Stellungnahme des BMI ein, die im Kern sagt: „fehlerhaftes Verhalten des Bundes&#8221; sei „nicht zu erkennen&#8221;.</p>
<p>Rüdiger Kass, Leiter der Sportabteilung des BMI, behauptet in seinem elfseitigen Schreiben, in den aktuellen Antidoping-Klauseln des BMI mit den Sportverbänden sei „eine zurückliegende Dopingbelastung von Trainern der ehemaligen DDR nicht erfasst&#8221; und könne keiner „zuwendungsrechtlichen Überprüfung bzw. Sanktion unterliegen&#8221;. Zudem seien die von Zöllig „behaupteten Gerichtsentscheidungen über nachgewiesene Dopingtaten nicht bekannt&#8221;. </p>
<p>Tatsächlich verweisen die Antidoping-Klauseln auf Empfehlungen des Deutschen Sportbundes vom Dezember 1991. In den aktuellen Verträgen mit den Spitzenverbänden ist „Mittelwiderruf bei Zuwiderhandlung&#8221; ausdrücklich vorgesehen. Doch so genau wollte es der Petitionsausschuss nicht wissen. DOH-Chef Zöllig versteht die Welt nicht mehr. „Das ist empörend&#8221;, sagt er: „Der Kritisierte, das BMI, schreibt sich selbst eine Entschuldigung, die der Petitionsausschuss ohne Prüfung akzeptiert. Das wird einem Rechtsstaat nicht gerecht.&#8221;</p>
<p>BMI-Abteilungsleiter Kass stellt einige Behauptungen auf, die näherer Prüfung schwer standhalten. So sagt er, Staatsanwaltschaften hätten Dopingtaten „nicht nachweisen können&#8221;, die von Zöllig erwähnten Gerichtsentscheidungen seien dem BMI „nicht bekannt&#8221;. Zöllig hatte sich auch gegen die Beschäftigung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter ausgesprochen. Ministerialdirektor Kass teilt dazu mit, er könne „tragende Gründe der Beschwerde des DOH nicht erkennen&#8221;. </p>
<p>Die kritisierte Behörde entlastet sich selbst &#8211; dies ist für den Petitionsausschuss Grund genug, die Petition abzulehnen. Dabei widerspricht sich der BMI-Abteilungsleiter widerspricht sich, wenn er einerseits gerichtsfeste Belege in Abrede stellt, andererseits mit „belastbaren Fakten im Einzelfall&#8221; notiert. Da werden Taten negiert, gleichzeitig von „Tätern&#8221; gesprochen. Die Lügen der Trainer um Goldmann etwa bei der Abgabe von „Ehrenerklärungen&#8221; werden nicht erwähnt. Die maßgeblichen Zuwendungsbescheide werden genauso wenig veröffentlicht wie andere wichtige Dokumente. Manche Sachverhalte sind nicht zu überprüfen, weil Sport und Politik Exklusivzugang zu den Akten haben.</p>
<p>Klaus Zöllig wird die Darlegungen des BMI nun prüfen lassen &#8211; und danach entscheiden, ob er die Kraft aufbringt, juristische Maßnahmen einzuleiten.</p></blockquote>
<p>Klaus Zöllig wird Unterstützung und Kraft und Zeit und Geld brauchen, sollte er Rechtswege beschreiten. Es wäre sicher hilfreich, sich zunächst gründlich mit den Darlegungen des BMI zu beschäftigen und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.</p>
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		<title>Johanna Sperling: &#8220;Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 15:46:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist die (extrem verkürzte) Geschichte eines der bewegendsten Dokumente von Zivilcourage, das ich zum Themenkomplex Doping je gesehen habe. Dieser Brief stammt aus dem Jahr 1963. Johanna Sperling hat damals in ihre &#8220;Sperlinge&#8221;, wie sie die von ihr betreuten Rudererinnen nannte, ins Trainingslager der DDR-Nationalmannschaft für die EM in Moskau geschrieben. Es ist das &#8220;erste Dokument eines individuellen Widerstands&#8221;, sagt Werner Franke. Ich habe mit einigen Dopingaufklärern darüber gesprochen. Niemand kennt etwas Vergleichbares.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4933" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/briefumschlag-sperling.gif" alt="" width="500" height="313" /></p>
<p>Was diesen Brief so besonders macht, ist diese Passage:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4932" title="Johanna Sperling, 1963" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/brief-sperling.gif" alt="" width="500" height="548" /></p>
<blockquote><p>&#8220;Noch eins: Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein, aber auch kein einziges Mittelchen zu schlucken, das Eure Leistung angeblich steigert, und wenn es als noch so harmlos, als vollkommen unschädlich oder wunderwirkend Euch gepriesen wird; auch wenn man Euch sagt, dass Ihr dann die einzigen seid, die nichts zu sich nehmen, bitte weist es zurück, seid stolz darauf und denkt an die kommenden Wettkampfjahre und denkt an Eure Gesundheit.</p>
<p>An der eigenen Willensstärke erleidet Ihr keinen Schaden, und davon habt Ihr genügend zur Verfügung. Ich kann Euch Beispiele nennen, welche Auswirkungen solche Mittel der Wettkampfvorbereitung hatten &#8211; jetzt würde das zu weit führen, glaubt mir nur soviel, dass es nie gut ist.</p>
<p>Und wenn es nur das Schamgefühl wäre, das sich Eurer nach einem erfolgreichen Rennen bemächtigen würde &#8211; Ihr könntet Euch nicht ehrlich Eures Sieges freuen. Erspart es Euch und geht mit gutem Gewissen an den Start, die Nationalhymne klingt dann umso erhebender.&#8221;</p></blockquote>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4934" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/portrat-sperling-alt.jpg" alt="" width="500" height="321" /></p>
<p>Ich kann diese Geschichte nicht wiedergeben, ohne nicht auch einige journalistische Aspekte anzureißen, die mich seit März stark beschäftigt haben. Ich habe mich im Frühjahr mehrfach mit Frau Sperling in Leipzig getroffen. Wir haben einige Male telefoniert und immer wieder die Frage diskutiert: Soll dieser Brief öffentlich werden? Ist Frau Sperling bereit, ihre Geschichte zu erzählen? Habe ich als Journalist das Recht, sie nach 46 Jahren an die Öffentlichkeit zu zerren? Wie weit kann ich gehen, welche Berichterstattung ist angemessen? Fragen über Fragen. Es gibt viele Antworten darauf. Viele unterschiedliche Antworten.</p>
<p>Die wichtigste Antwort aber konnte nur Frau Sperling geben. Sie war unsicher, sie wollte niemanden verletzen, weder ihre ehemaligen Kollegen, noch ehemalige Athleten. Gewiss hat auch eine Unsicherheit, vielleicht sogar Angst mitgespielt, wie man in Leipzig auf die Geschichte reagieren würde. Ich habe versucht, Frau Sperling nicht über die Maßen zu bedrängen. Stoff genug für ein Journalismus-Seminar. Frau Sperling hat es sich gewiss nicht leicht gemacht, war hin und her gerissen und hat sich erst sehr spät, Anfang August, dazu durchgerungen, sich vom <a title="tag: Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?s=dopingopfer" target="_self">Dopingopferhilfeverein</a> (<a title="Dopingopferhilfeverein" href="http://www.dohev.de" target="_self">DOH</a>) nun doch für ihre couragierte Haltung im DDR-Sportsystem, in das sie tief involviert war, ehren zu lassen.</p>
<p>&#8220;Ich kann doch diese Persönlichkeiten, die sich so sehr im Kampf gegen Doping engagieren, nicht enttäuschen&#8221;, hat sie gesagt.</p>
<p>Ein Satz, der viel verrät über Frau Sperling.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4935" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/portrat-sperling.jpg" alt="" width="500" height="353" /></p>
<p>Als Johanna Sperling <em>(Foto: Sven Sonntag/Picture Point)</em> sich entschieden hatte, zur Verleihung des Heidi-Krieger-Preises, zu dem ich <a title="Der Appetit kam beim Essen" href="http://jensweinreich.de/?p=2534" target="_self">eine besondere Beziehung</a> habe, nach Berlin zu kommen, habe ich für Spiegel-Online (&#8220;<a title="SpOn vom 19. August 2009" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643727,00.html" target="_blank">Ich bitte euch, kein Mittelchen zu schlucken</a>&#8220;) doch noch diese Kurzfassung einer großen Geschichte notiert:</p>
<blockquote><p>Eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit kann irritieren. Johanna Sperling, 77, ehemalige Rudertrainerin des SC DHfK Leipzig, sitzt in einem Café im Leipziger Hauptbahnhof. Sie blickt auf sieben eng beschriebene Seiten. Lehnt sich zurück im braunen Ledersessel und sagt: „Dieser Brief ist nicht von mir. Das muss eine Fälschung sein!&#8221;</p>
<p>Dann beginnt sie jenen Brief zu lesen, den eine „Johanna Sperling, Leipzig&#8221; 1963 ihren Sportlerinnen ins Trainingslager der Nationalmannschaft nach „Berlin-Grünau, Regattastraße 211&#8243; geschickt hat. Sie murmelt: „Das ist eine perfekte Fälschung.&#8221;</p>
<p>Es ist keine Fälschung.</p>
<p>Eine ihrer Ruderinnen hat die handgeschriebenen Zeilen aufbewahrt. Es ist ein sporthistorisches Dokument, weil es beweist, dass schon Anfang der sechziger Jahre, lange vor dem eigentlichen Doping-Staatsplan 14.25, gedopt wurde &#8211; und dass schon damals die gefährlichen Wirkungen der Dopingmittel bekannt waren.</p>
<p>Weil es beweist, dass sich DDR-Trainer dem Doping-Dogma verweigern konnten, zumindest noch in den 1960er Jahren.</p>
<p>Es ist ein Sensationsfund. Es gibt nichts Vergleichbares.</p>
<p>„Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein, aber auch kein einziges Mittelchen zu schlucken, das Eure Leistung angeblich steigert, und wenn es als noch so harmlos, als vollkommen unschädlich oder wunderwirkend Euch gepriesen wird&#8221;, steht in dem Brief, den Sperling vor einem halben Jahrhundert geschrieben hat und im Sommer 2009 wieder sieht. „Auch wenn man Euch sagt, dass Ihr dann die einzigen seid, die nichts zu sich nehmen, Bitte weißt es zurück, seid stolz darauf und denkt an die kommenden Wettkampfjahre und denkt an Eure Gesundheit. An der eigenen Willensstärke erleidet Ihr keinen Schaden, und davon habt Ihr genügend zur Verfügung. Ich kann Euch Beispiele nennen, welche Auswirkungen solche Mittel der Wettkampfvorbereitung hatten &#8211; jetzt würde das zu weit führen, glaubt mir nur soviel, dass es nie gut ist.&#8221;</p>
<p>Johanna Sperling hat Tränen in den Augen. Es dauert fast eine Viertelstunde, bis sie sagt: „Das dieser Brief noch existiert. Unglaublich.&#8221;</p>
<p>Sie hat ganz offen mit ihren „Sperlingen&#8221;, wie sie die Ruderinnen nannte, über die Gefahren des Dopings diskutiert. Zunächst ging es vor allem um Psychopharmaka. Später um das von der Firma Jenapharm produzierte anabole Steroid Oral-Turinabol (OT). Sperling hat sich von Ärzten über die Wirkungen von OT aufklären lassen und ihren Mädchen davon abgeraten.</p>
<p>Irgendwann wurde sie ausgebremst von anderen Trainern. Sie durfte nur noch Nachwuchssportler trainieren. Sie glaubte, sie sei nicht gut genug und hat darunter gelitten. Sie studierte nebenbei ein zweites Mal, Psychologie, weil sie sich selbst erklären wollte, was passiert war mit ihr und den „Sperlingen&#8221;, die unter anderen Trainern Medaillen gewannen. Trainern, von denen sie sagt, sie hätten sich mehr „bei der Pharmaindustrie aufgehalten, als beim Training&#8221;.</p>
<p>Der Sporthistoriker Giselher Spitzer hat so viele Akten zum DDR-Dopingsystem studiert, wie kaum ein Zweiter. Er hat zahlreiche Dopingopfer interviewt und mehrere Bücher zum Thema publiziert. Aber auch Spitzer kennt kaum Verweigerer. Er sagt: „Bislang konnte noch nicht quantifiziert werden, wie viele Frauen und Männer in Arzt- oder Trainerfunktion das Dopingsystem zu behindern suchten.&#8221; Unter aufgeklärten Ärzten sei die Ablehnungsrate weit größer gewesen als unter Trainern, besonders in den achtziger Jahren, kurz vor dem Zusammenbruch der DDR. Wohl hat er in Bergen von Stasi-Akten Hinweise zu Widerständlern gefunden, doch kein Dokument von der Qualität jenes Briefes, den Johanna Sperling einst an ihre Sportlerinnen schrieb.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4962" title="Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sperling-boot-alt.jpg" alt="" width="436" height="277" /></p>
<p>Johanna Sperling will nicht anklagen. Sie will „den DDR-Sport nicht verdammen&#8221;. Sie war eine überzeugte Sozialistin. Sie hat in der DDR alle Chancen bekommen. Ist selbst gerudert, wurde <a title="Statistik Ruder-Europameisterschaften" href="http://www.rrk-online.de/rudern/chronrudern/emwmolyrud/emrud.htm" target="_blank">1957 Dritte bei der Europameisterschaft</a> in Duisburg. Sie hat an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) studiert, war eine harte Trainerin, wie sie sagt. Sie hatte eine Vorstellung vom Sport, die allerdings immer weniger mit der Doktrin der Medaillenproduktion korrespondierte. Sie hat sich diese Vorstellung bis heute erhalten. „Wenn ich Medaillen nur mit Doping erreiche, muss etwas faul sein&#8221;, sagt sie. „Das galt für die DDR und das gilt heute. Das ist nicht mein Sport. Das interessiert mich nicht mehr.&#8221;</p>
<p>Johanna Sperling hat sich dem System im System widersetzt. Sie wurde in die zweite Reihe verbannt, wie man damals sagte. Sie arbeitete als Nachwuchstrainerin und im Studentensport. Am Donnerstag (20. August) wird sie vom Verein Dopingopferhilfe e. V. in Berlin mit der Heidi-Krieger-Medaille geehrt, gemeinsam mit drei anderen Aufrechten aus Ost und West, die sich dem Dopingsystem verweigerten: Henner Misersky aus Stützerbach in Thüringen, ehemals Skilanglauftrainer beim SC Motor Zella-Mehlis, Hansjörg Kofink (Rottenburg), ehemaliger Bundestrainer für Kugelstoßen, und Horst Klehr, Apotheker aus Mainz und Gründungsmitglied der ersten Dopingkommission des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.</p>
<p>Johanna Sperling hat lange überlegt, ob sie diese Auszeichnung annehmen soll. Sie weiß nicht, wie ihr Umfeld in Leipzig reagieren wird. Sie fürchtet die Schlagzeilen. Vor allem aber: Sie ist überzeugt davon, nichts Besonderes getan zu haben.</p>
<p>„An meiner Stelle hätten viele so gehandelt&#8221;, sagt sie. Außer ihr und Misersky ist aber kaum jemand bekannt.</p>
<p>„Es ist nie gut&#8221;, schrieb sie vor 46 Jahren. Es ist nie gut, zu dopen. Eine große Botschaft in einfachen Worten: „Und wenn es nur das Schamgefühl wäre, das sich Eurer nach einem erfolgreichen Rennen bemächtigen würde &#8211; Ihr könntet Euch nicht ehrlich Eures Sieges freuen. Erspart es Euch und geht mit gutem Gewissen an den Start, die Nationalhymne klingt dann umso erhebender.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nun hat sie die Heidi-Krieger-Medaille. Und sagt:</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sperling-kl.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Wir haben uns gestern noch eine Stunde unterhalten und werden die Geschichte demnächst nachbereiten.</p>
<p>Mein Bericht von der Preisverleihung am Donnerstag im Virchow-Klinikum:</p>
<p>Im Umfeld der Leichtathletik-WM tummeln sich die Politiker, nicht nur Gastgeber Klaus Wowereit (SPD). Auch Bundeskanzlerin <a title="Problembär für Angela Merkel" href="http://jensweinreich.de/?p=4824" target="_self">Angela Merkel</a> oder Verteidigungsminister <a title="Leichtathletik-WM, Tag 6 ..." href="http://jensweinreich.de/?s=detlef+parr" target="_self">Franz-Josef Jung</a> (beide CDU), sonnen sich im Glanz der Weltmeister, wie jüngst im WM-Club des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in der Französischen Straße: Merkel, die in ihrer klaren Führungsposition ja nicht wirklich wahlkämpfen muss, scherzte entspannt mit Weltmeisterin Steffi Nerius, Ralf Bartels, Jennifer Oeser und Nadine Kleinert. Jung tätschelte tags darauf die Goldmedaille von Robert Harting und posierte mit dem Diskus-Problembär. Jung ist oberster Dienstherr Hartings, der noch einer Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört. Meinen speziellen Freund <a title="Detlef Parr (FDP) sagt zum Abschied leise Servus" href="http://jensweinreich.de/?p=4094" target="_self">Detlef</a> <a title="Archiv: Detlef Parr" href="http://jensweinreich.de/?s=detlef+parr" target="_self">Parr</a> (FDP) sah ich dieser Tage im DLV-Club ebenfalls.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4950" title="Heidi-Krieger-Preis" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/heidi-krieger-preis.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="253" height="392" align="right" />Am Donnerstag aber fehlten Politiker, als der Verein Dopingopferhilfe den europaweit einzigen Antidopingpreis vergab: Die in einer Plastik-Pylone verpackte Goldmedaille, die Heidi Krieger vom SC Dynamo Berlin bei den Leichtathletik-EM 1986 im Kugelstoßen gewann. Aus Heidi Krieger ist inzwischen Andreas Krieger geworden, und seine Geschichte geht auch diesmal um die Welt. Vereinschef Klaus Zöllig hatte zwar alle 16 Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses eingeladen, musste allerdings süffisant mitteilen: <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">„Die Politiker mussten leider kollektiv absagen.&#8221;</a></p>
<p>Auch <a title="tag: Peter Danckert" href="http://jensweinreich.de/?cat=338" target="_self">Peter Danckert</a> (Sportausschuss-Chef von der SPD) und <a title="Archiv: Dagmar Freitag" href="http://jensweinreich.de/?s=dagmar+freitag" target="_self">Dagmar Freitag</a> (SPD-Sportsprecherin) fehlten. Beide verbreiten seit Wochen propagandistische Parolen, mit denen sie den Opferbegriff in Frage stellen, damit die Geschädigten beleidigen und historische Wahrheiten missachten. „Wer von so genannten Opfern spricht, hat keine Ahnung&#8221;, rügte der Heidelberger Dopingaufklärer Werner Franke  in seiner Laudatio. „Ich erkläre hiermit öffentlich: Diese Menschen verstehen vom Sujet nicht die Bohne in dieser Pisa-Nation!&#8221; DOV-Chef Klaus Zöllig fragte bissig: „Leiden denn alle Sportpolitiker in diesem Lande an retrograder Amnesie und epedemischen Gedächtnisverlust?&#8221;</p>
<p>Die Bundestagsabgeordnete Freitag, die zum so genannten Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten gehört, ist in diesen Tagen und Nächten in Berlin als DLV-Vizepräsidenten unterwegs &#8211; in den Logen und Clubs der WM, aber nicht im Virchow-Klinikum, in das der DOH geladen hatte. Der DOH ehrt mit dem Heidi-Krieger-Preis „Personen einer ganz besonderen Kategorie&#8221;, sagte Laudator Franke.</p>
<p>Zweimal Ost, zweimal West:</p>
<ul>
<li><strong>Johanna Sperling</strong> aus Leipzig, eine ehemalige Rudertrainerin des SC DHfK, die ihren Schützlingen schon 1963 in einem bewegenden Brief von jeglichen Dopingmitteln abriet.</li>
<li><strong>Henner Misersky</strong> aus Stützerbach in Thüringen, ehemals Skilanglauftrainer beim SC Motor Zella-Mehlis, Vater der Biathlon-Olympiasiegerin Antje Misersky.</li>
</ul>
<div><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/misersky.mp3" target="_self">:</a></div>
<ul>
<li><strong>Hansjörg Kofink</strong> (Rottenburg), ehemaliger Bundestrainer für Kugelstoßen, der diese Position wegen der Dopingpraktiken des DLV vor den Olympischen Spielen 1972 aufgab und später noch lange Jahre Vorsitzender des Sportlehrerverbandes war.</li>
</ul>
<div><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/kofink-kl.mp3" target="_self">:</a></div>
<ul>
<li>Und <strong>Horst Klehr</strong>, Apotheker aus Mainz, Gründungsmitglied der ersten Anti-Dopingkommission des DLV, der in den siebziger Jahren bis zur Resignation einen einsamen verzweifelten Kampf kämpfte.</li>
</ul>
<div>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/klehr-kl.mp3" target="_self">:</a></div>
<p><span id="more-4893"></span>Nur ein Promi des Sportbusiness machte den Preisträgern seine Aufwartung: Manfred von Richthofen, der langjährige DSB-Präsident. „Ich habe Hochachtung vor ihnen&#8221;, sagte er: „Es werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die Zivilcourage praktiziert haben. Vorbilder brauchen wir im Sport!&#8221; Allerdings verließ er die Veranstaltung vorzeitig noch während der überlangen Laudatio von Franke. Der Heidelberger Professor argumentierte gewohnt fulminant und pointiert. Es wäre allerdings galanter gewesen, Richthofen die Hand zu reichen.</p>
<blockquote><p><strong>Preisträger der Heidi-Krieger-Medaille</strong></p>
<p>2000: <strong>Christian Strasburger</strong> (Hormonforscher)<br />
2001: <strong>Brigitte Berendonk</strong> (Lehrerin, Autorin)<br />
2003: <strong>Giselher Spitzer</strong> (Sporthistoriker)<br />
2005: <strong>Antje Misersky</strong> (Olympiasiegerin im BIathlon, WM-Medaillengewinnerin im Skilanglauf)<br />
2007: <strong><span style="color: #000000;">Anne-Kathrin Elbe</span></strong> (Hürdenläuferin)<br />
2009: Johanna Sperling, Henner Misersky, Hansjörg Kofink, Horst Klehr</p></blockquote>
<p>aktuelle <strong>Lesebefehle</strong>:</p>
<ul>
<li>Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung: &#8220;<a title="SZ vom 19. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/355/484788/text/" target="_self">Sperlinge, weist es zurück!</a>&#8221; und &#8220;<a title="SZ vom 21. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/K5A38V/3014819/Trainer-mit-Gewissen.html" target="_blank">Trainer mit Gewissen</a>&#8220;</li>
<li>Michael Horeni in der FAZ: &#8220;<a title="FAZ vom 21. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub446A669E5FA042659ADDB04EA66EFD48/Doc~E0F27A63ECA4E4B1BAE0B7E73CF427B5C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Ich bitte Euch ganz ernsthaft, kein einziges Mittelchen zu schlucken</a>&#8220;</li>
<li>Maik Großekathöfer auf Spiegel-Online über Andreas Krieger: &#8220;<a title="SpOn vom 18. August 2009" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643223,00.html" target="_blank">Vom Staat missbraucht</a>&#8220;</li>
<li>Oliver Händler im Neuen Deutschland: &#8220;<a title="ND vom 21. August 2009" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/154346.vier-mutige-menschen-im-abseits.html" target="_blank">Vier mutige Menschen im Abseits</a>&#8220;</li>
<li>
<div>Tom Mustroph im Tagesspiegel: &#8220;<a title="Tagesspiegel vom 21. August 2009" href="http://www.tagesspiegel.de/sport/doping/Werner-Franke;art2650,2878801" target="_blank">Die pinkeln rechtzeitig</a>&#8220;</div>
</li>
</ul>
<div>Diese Texte muss ich unbedingt nachtragen:</div>
<ul>
<li>Das Interview von Michael Reinsch in der FAZ mit Werner Goldmann: &#8220;<a title="FAZ vom 21. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub42A42B1FCA924E1DAFA3266FE72A1937/Doc~EF5EF6E4F29A34BB4BD78068D7E8BB058~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Das härteste Jahr meines Lebens</a>&#8220;</li>
<li>Michael Horeni in der FAZ über Andreas Krieger: &#8220;<a title="FAZ vom 24. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E96B830E64F0E425E9BD8427E7A4B9954~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Das verlorene Leben der Heidi K.</a>&#8220;</li>
</ul>
<p><em>Nachtrag, 25. August:</em> Auf besonderen Wunsch einige Schnappschüsse von der Preisverleihung.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5018" title="Werner Franke" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh1.jpg" alt="" width="500" height="321" /></p>
<p>Laudator Werner Franke</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5023" title="Urkunde für Johanna Sperlin, ganzb rechts oben: Andreas Krieger" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh2.gif" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Urkunde für Johanna Sperling, rechts oben: Andreas Krieger</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5019" title="v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Klaus Zöllig, Horst Klehr" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh3.jpg" alt="" width="500" height="320" /></p>
<p>v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Klaus Zöllig, Horst Klehr</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5020" title="v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Horst Klehr, Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh4.jpg" alt="" width="500" height="276" /></p>
<p>v.l.: Hansjörg Kofink, Henner Misersky, Horst Klehr, Johanna Sperling</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5021" title="Interviews mit Johanna Sperling" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh5.jpg" alt="" width="500" height="596" /></p>
<p>Interviews mit Johanna Sperling (im Bild u.a. die Kollegen Seppelt, Horeni, Catuogno)</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5022" title="Heidi-Krieger-Medaille" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/doh6.jpg" alt="" width="363" height="552" /></p>
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		<item>
		<title>Leichtathletik-WM, Tag 6: Harting schläft nicht, Bolt joggt wieder Weltrekord</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 00:56:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[02.36 Uhr: Um die letzte Frage von heute Nacht aufzugreifen: Wie war die Pressekonferenz mit Robert Harting? Es gibt nicht viel zu sagen. Er hat sich irgendwie bei den Dopingopfern entschuldigt. Im ARD-Fernsehen, das Harting als Vertragspartner der IAAF zuerst ans Mikro bekam, sagte er, es würde ihm &#8220;wirklich von Herzen leid tun&#8221;. Im nächsten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>02.36 Uhr:</strong> Um die <a href="http://jensweinreich.de/?p=4841#comment-13111" target="_self">letzte Frage</a> von heute Nacht aufzugreifen: Wie war die Pressekonferenz mit Robert Harting? Es gibt nicht viel zu sagen. Er hat sich irgendwie bei den Dopingopfern entschuldigt. Im ARD-Fernsehen, das Harting als Vertragspartner der IAAF zuerst ans Mikro bekam, sagte er, es würde ihm &#8220;wirklich von Herzen leid tun&#8221;. Im nächsten Satz aber formulierte er: &#8220;Was man schreibt und was man sagt, ist heutzutage leider ein Unterschied.&#8221; Tatsächlich auch in diesem Fall? (Mein Beitrag auf Spiegel-Online: &#8220;<a title="Spon: &quot;Gold ist erst der Anfang&quot;" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643865,00.html" target="_self">Gold ist erst der Anfang</a>&#8220;)</p>
<p>Auf der Pressekonferenz im Olympiastadion machte er es ähnlich kurz und verwies auf die DLV-Pressekonferenz heute um 9 Uhr. In einem Radio-Interview (die Rechteinhaber vom Radio stehen nach den TV-Rechtehaltern in der zweiten Reihe, erst ganz am Ende der Verwertungskette kommen Schreiber) der ARD wurde er wohl schon klarer, sagte mir eine Kollegin. Ich habe den O-Ton noch nicht gehört.</p>
<p>Er hat auf jeden Fall das getan, was er im Wettkampf nicht getan hat: die Energie gedrosselt. Das ist auch gut so. Mal sehen, was er heute zu sagen hat. Bisher hat er nach seinem Weltmeistertitel diejenigen, mit deren Beiträgen er nicht so einverstanden ist und sein Trainer ihn vor Kontaktaufnahme gewarnt hat (hier schreibt einer davon), nur mit grimmigen Blicken bestraft. Lassen wir uns überraschen.</p>
<p>Im WM-Club des DLV, wo vorgestern <a title="Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4824" target="_self">die Kanzlerin einschwebte</a>, traf Harting seinen Dienstherren Franz-Josef Jung (CDU). Der Bundesverteidigunsminister, der ganze Bataillone von Sportsoldaten befehligt, durfte auch mal an die Goldmedaille:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4880" title="Franz-Josef Jung (CDU), Medaille, Robert Harting" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/jung-harting.jpg" alt="" width="500" height="328" /></p>
<p>Und dann war da noch DOSB-General Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4881" title="Michael Vesper, Robert Harting" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/vesper-harting.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Robert Harting wollte danach noch in den Champions Club und dann in eine Disco. Wenn ich mich recht erinnere, hat er gesagt, er mache jetzt bis Freitag durch. Oder so. (Links blickt übrigens Frank Busemann ins BIld, der mit einem ARD-Radiokoffer unterwegs war und Harting später interviewte.)</p>
<p><strong>02.53 Uhr:</strong> Ich schlaf dann mal ein bisschen. Bin ja nicht Weltmeister.</p>
<p><strong>11.53 Uhr:</strong> Sitze in einem Hörsaal im Virchow-Klinikum, wo gerade Werner Franke seine Laudatio auf die diesjährigen Preisträger des Heidi-Krieger-Preises hält. Dazu folgt später ein Beitrag.</p>
<p>Was bisher an diesem wunderbaren, total relaxten Tag geschah: Fahre ziemlich genau um acht Uhr los, um pünktlich um neun bei der PK von Robert Harting zu sein. Um 9.17 Uhr hatte ich es immerhin bis zur Leipziger Straße geschafft. Zu Fuß wäre fast schneller gewesen. Nach 110 Minuten hatte ich es wenigstens ins Parkverbot im Virchow-Klinikum geschafft.</p>
<p>Deshalb lasse ich Harting heute Harting sein, höre mir vielleicht nachher noch einen Mitschnitt der PK an, um mir ein Bild zu machen. Die Dopingopfer &#8211; und vor allem diejenigen, die sich in Ost und West den Dopingsystemen widersetzt haben &#8211; kommen aber hier nachher zu Wort.</p>
<p>Zu Harting nur noch eine Notiz, die mir ein Freund heute morgen schrieb. Fast jedes Wort hätte von mir stammen können. Darüber haben wir hier ja nun seit Januar ausgiebig diskutiert.</p>
<blockquote><p>Harting wird gar nichts sagen. Ich bedaure es nicht, denn allen anderen und dem Anliegen würde es schaden.</p>
<p>DLV / DOSB werden ihn gemeinsam auf Linie gebracht haben, indem sie ihm gesagt haben, erstens: Das mit Deinem Trainer haben wir doch bestens geregelt. Und wenn Du brav bist, bleibt das auch so. Zweitens: Du machst nur PR für die Dopingopfer.</p>
<p>Das war der Kern der Aktion, die keine Folgen haben wird, die eine kurzfristige Zuspitzung war, eine Art Panikblüte, bevor das Thema stirbt. Das Trainer-Thema ist politisch zu Grabe getragen, am Ende noch mit dem unklaren Vorgehen der Geschädigten, die Konsequenzen zwar ankündigen, aber ansonsten quatschen oder Briefe schreiben &#8211; daran wird keine Petition, keine Medienöffentlichkeit noch etwas ändern können. Nun ist auch Goldmann erledigt, denn lauter als in diesen beiden Tagen kann es nicht mehr werden. (Außer: Nada veranlasst Zielkontrollen und findet was. Bloß bezweifle ich, dass sie das jemals bekanntgeben würde.)</p></blockquote>
<p><strong>18.43 Uhr</strong>: Überraschung: Das Stadion ist gut gefüllt. Der Moderator selten dämlich: &#8220;Hallo Berlin&#8221;, &#8220;Hallo Berlin&#8221;, schreit er. Zirkusclown. Ich werde natürlich auch Fotos vom vollen Stadion machen, die aber zumindest jetzt noch nicht veröffentlichen. Vielmehr werde ich mich zu Hause hinsetzen und die Besucher für jeden Tag auszählen und das dann mit den Zahlen des BOC vergleichen.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>18.46 Uhr:</strong></span> Übrigens, das sollte gerade ein Witz sein. Alle Reflex-Kommentierer dürfen sich wieder beruhigen.</p>
<p><strong>18.48 Uhr:</strong> Am Hot-Dog-Stand gleich neben dem Coca-Cola-Stand traf ich JBK. Ich meine, das war kein Gutfried-Würstchen, was er da mit Gurken und allerlei anderem Kram einhüllte. War auch nicht von Johann Lafer oder Kolja Kleeberg. Sondern einfach nur: ein Hot Dog. 6 Mark übrigens. Cola 10 Mark. Womit einiges über meine Macken gesagt wäre: Wenn nicht gerade Olympia oder WM ist, ernähre ich mich gesünder. Ich stehe allerdings dazu, gern in Mark zu rechnen, um die absurden Preise besser einordnen zu können. Der eine oder die andere wird sich vielleicht dran erinnern, was man zu Beginn des Jahrtausends für 16 Mark bekommen konnte. Aber, okay, Themenwechsel.</p>
<p><strong>19.27 Uhr:</strong> Hochsprung hat begonnen. Es ist richtig gut voll. Also in BOC-Zählweise, ich würde sagen, nun &#8211; mindestens 145.000 Menschen.</p>
<p><strong>20.24 Uhr:</strong> Ariane Friedrich ist schon ne Type.</p>
<p><strong>20.26 Uhr:</strong> Ich sehe das Witzbolt-T-Shirt, über dass unten diskutiert wird, gerade zum ersten MAl. Eine aufdringliche, anbiedernde Sponsoren-Aktion. So sind die halt. Peinlich. Er macht das, und Berlins Problembär (Wowereit), der jeden Abend durch die WM-Klubs tourt, ließ über seinen Sprecher heute ausrichten, dass Berlin sich ein Geschenk für Bolt ausdenkt. PR-Gewäsch, Wowereit kriegt halt wieder Oberwasser. Ich nehme so etwas nicht ernst. Einfach noch ein paar Tage ertragen. Nach der Fußball-WM drehte sich die Erde imho auch ganz normal weiter.</p>
<p><strong>20.33 Uhr:</strong> Der Witzbolt nervt. Zu oft gesehen. Ist ungefähr so spritzig wie ein Blog, in dem fünf Tage lang Bilder von leeren Zuschauerrängen veröffentlicht werden.</p>
<p><strong>20.37 Uhr:</strong> 19,20. Aber: Er hat sich angestrengt.</p>
<p><strong>20.38 Uhr:</strong> Nein. 19,19 Sekunden. Dieses Hocken und Zubodenblicken kenne ich. Ich nenne es: die D-Hocke. Habe ich 1992 erstmals live in Barcelona bei Kevin Young und Quincy Watts und anderen gesehen. Und natürlich später bei Michael Johnson.</p>
<p><strong>20.47 Uhr:</strong> Das Zielfoto. Es gibt aber leider nicht den Abstand wieder.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4901" title="Zielfoto IAAF 200 m Männer" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/finish-200.jpg" alt="" width="500" height="367" /></p>
<p><strong><span id="more-4879"></span>20.49 Uhr:</strong> <span style="text-decoration: line-through;">Friedrich ist raus.</span> Fast. Wird erst spannend.</p>
<p><strong>20.52 Uhr:</strong> Cool. Das ZDF wagt die Totale. Vor allem: den Schwenk über die Ränge. Heute geht das. Warum eigentlich nicht am Sonnabend oder vorgestern? (Wahrscheinlich, weil da die Kollegen übertragen haben. Klar doch.</p>
<p><strong>21.07 Uhr:</strong> Ich denke, dieser Screenshot von der ZDF-Übertragung sagt mehr als das Zielfoto mit dem großen Fuß.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4904" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/bolt-200-vorsprung.jpg" alt="" width="500" height="409" /></p>
<div><strong>21.08 Uhr:</strong> War knapp. Vlasic gewinnt. Friedrich Dritte.</div>
<p><strong>21.11 Uhr:</strong> Das ist mal ein hübsches Zielfoto, anders als beim Bolt. 110 Meter Hürden:</p>
<div><img class="aligncenter size-full wp-image-4906" title="m_110h_f_1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/m_110h_f_1.jpg" alt="" width="500" height="365" /></div>
<p><strong>21.25 Uhr:</strong> Kann mir mal jemand sagen, warum der öffentlich-rechtliche Sender abschaltet, bzw. irgendein lächerliches Fußballspiel zeigt, während noch der Zehnkampf läuft? Haben die das begründet? Kommen die wieder?</p>
<p>21.34 Uhr: Auch schön. Am fünften Tag machen die Organisatoren erstmals getrennte Zuschauerangaben, was meiner Meinung nach beweist (Meinung!), dass wir an den ersten Tagen belogen wurden. Denn würden sie &#8211; wie bisher immer &#8211; zusammen zählen, wären sie auf angeblich mehr als 100.000 Zuschauer im Stadion gekommen. Und das geht bekanntlich nicht. So aber melden sie um 15.12 Uhr &#8230;</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>die offizielle Zuschauerzahl der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> für die Vormittagsveranstaltung am Donnerstag, den 20. August 2009, im Olympiastadion Berlin lautet 32.514.</p></blockquote>
<p>&#8230; und um 21.32 Uhr &#8230;</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>die offizielle Zuschauerzahl der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> für die Abendveranstaltung am Donnerstag, den 20. August 2009, im Olympiastadion Berlin lautet 57.937. Die Vormittagsveranstaltung besuchten 32.514 Zuschauer.</p></blockquote>
<p>&#8230; am zweiten Tag sah das zum Beispiel so aus:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>am zweiten Veranstaltungstag der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> kamen insgesamt 74.413 Besucher in das Olympiastadion Berlin. Die Morgenveranstaltung besuchten 23.300 Zuschauer, die Nachmittagsveranstaltung 51.113.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Leichtathletik-WM, Tag 5: Respekt, Robert Harting</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/08/19/leichtathletik-wm-tag-5-harting-doping-und-andere-kleinigkeiten/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 09:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[11.21 Uhr: Habe mich entschieden, Angela Merkel Angel Merkel sein zu lassen und für diesen Tag einen neuen Beitrag zu beginnen. Denn es wird ein aufregender Tag, das ist mal klar. Robert Harting hat ja angekündigt, heute auf der Pressekonferenz nach seinem Medaillengewinn erst richtig loszuledern. Und die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtet über ein angebliches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>11.21 Uhr:</strong> Habe mich entschieden, Angela Merkel Angel Merkel sein zu lassen und für diesen Tag einen neuen Beitrag zu beginnen. Denn es wird ein aufregender Tag, das ist mal klar. <a title="Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4784" target="_self">Robert Harting</a> hat ja angekündigt, heute auf der Pressekonferenz nach seinem Medaillengewinn erst richtig loszuledern.</p>
<p>Und die schwedische Zeitung <a title="Aftonbladet" href="http://www.aftonbladet.se/sportbladet/friidrott/article5661654.ab" target="_blank">Aftonbladet</a> berichtet über ein angebliches Problem von Daniel Bailey:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4842" title="Screenshot Aftonbladet 19. August 2009" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/aftonbladet-19082009.gif" alt="" width="492" height="326" /></p>
<p>Mal sehen, wie es weiter geht. Der Tag hat erst begonnen.</p>
<p><strong>11.43 Uhr:</strong> Der Sportinformationsdienst meldet:</p>
<blockquote><p>Das 100-m-Finale der Leichtathletik-WM in Berlin mit dem Weltrekord von Usain Bolt (Jamaika/9,58 Sekunden) war ein sauberes Rennen. Alle von den Sprintern genommenen Dopingproben sind negativ ausgefallen. Das bestätigte IAAF-Sprecher Nick Davies dem Sport-Informations-Dienst (SID). &#8220;Dies gilt sowohl für die Proben nach dem Finale als auch für die Tests in den Vorläufen sowie im Vorfeld der WM&#8221;, sagte Davies. Damit sind die sich weiter hartnäckig haltenden Dopinggerüchte um einen positiv getesteten 100-m-Sprinter entkräftet.</p></blockquote>
<p>Das letzte Wort?</p>
<p>Gestern Nachmittag hatte ich für einige Zeitungen diese Informationen zusammengetragen: <span id="more-4841"></span></p>
<blockquote><p>Die Wasserstandsmeldungen zu Dopingkontrollen dieser Weltmeisterschaft müssen stündlich aktualisiert werden. Am Montagnachmittag hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF noch von 450 Trainingskontrollen, so genannte Pre-Competition-Tests, an den ersten beiden Wettkampftagen berichtet &#8211; davon 350 Bluttests und 100 Blutproben zum Nachweis des Wachstumshormons hGH. Bis Dienstag, 16 Uhr, wurden weitere 59 Blutkontrollen vorgenommen. Die Zahl der Wettkampfkontrollen (Urin) belief sich auf 128.</p>
<p>Es ist wichtig, mit den Zeitangaben zu operieren. Denn in Kürze wird mit den Resultaten der Dopingproben aus dem Sprintfinale der Männer gerechnet. Darüber wird im Olympiastadion heftig spekuliert. Ein Gerücht besagt, dass ein Teilnehmer des 100-Meter-Finals, angeblich sogar ein Medaillengewinner, in einen Dopingfall verwickelt sein soll. Im ARD-Fernsehen wurde das Gemunkel zur besten Sendezeit als Kommentar zur Siegerehrung von Usain Bolt verbreitet.</p>
<p>Die IAAF wies die Gerüchte mehrfach zurück. „Wir haben keinerlei Informationen darüber&#8221;, sagte Kommunikationsdirektor Nick Davies. Sämtliche WM-Kontrollen werden in den Labors in Köln und Kreischa (Sachsen) analysiert. Köln und Kreischa gehören zu den 35 Laboren weltweit, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditiert wurden. Um dieses WADA-Zertifikat zu erhalten, müssen die Labors unter anderem in der Lage sein, bei internationalen Meisterschaften binnen 48 Stunden alle Tests abzuschließen. Dieser Zeitraum wäre im Falle des 100-m-Finals also am Mittwochmorgen ausgeschöpft. Denn die letzten Proben wurden in der Nacht zum Montag genommen und per Express vom Organisationskomitee (BOC) nach Köln gebracht.</p>
<p>„Köln analysiert die Substanzen, die gerade in Mode und besonders schwer zu finden sind, etwa die neue EPO-Generation&#8221;, sagt IAAF-Sprecher Nick Davies. Deshalb werden die Proben des Sprintfinals, wo auch EPO-Tests gemacht wurden, in Köln untersucht. Chris Butler, Anti-Doping-Sprecher der IAAF, sagte am Dienstagnachmittag: „Es dauert rund sechs Stunden, bis die Proben in Köln sind. Die Analyse hat also erst am Montagmorgen beginnen können. Ergebnisse haben wir noch nicht.&#8221; Kreischas Laborchef Detlef Thieme erklärte, selbst im Falle einer negativen, also unauffälligen Probe dauert die Analyse mindestens 24 Stunden.</p>
<p>Laut Gabriel Dollé, Direktor der Abteilung Medizin und Anti-Doping der IAAF, führt der Weltverband erst seit Anfang dieses Jahres Blutprofile von rund 120 so genannten Elite-Athleten. Es könnte sich bei dem angeblichen Dopingfall auch um Auffälligkeiten im Blutprofil handeln. Auch dazu machte die IAAF keine Angaben. „Wenn es so wäre&#8221;, teilte Nick Davies mit, „dann würden wir Zielkontrollen vornehmen.&#8221;</p>
<p>Zu möglichen Auffälligkeiten im Blutprofil eines Sprinters vor der WM sagte Davies: „Dann würden wir Zielkontrollen vornehmen.&#8221; Im Vergleich zu anderen Weltverbänden, etwa im Radsport (UCI) und im Eislaufen (ISU), hat die IAAF gerade erst mit den Blutprofilen begonnen. Ein umfassenderes System, das sich streng an den Vorgaben der WADA orientiert, soll im Januar 2010 etabliert werden. Es wird noch Jahre dauern, bis die IAAF analog der UCI anhand von Blutprofilen Sanktionen einleiten und Indizienprozesse führen kann.</p>
<p>Zum Dopingkontrollteam in Berlin gehört auch Martial Saugy, Chef des Kontrolllabors in Lausanne, das bei Blutanalysen zu den führenden Labors weltweit zählt. Für die IAAF fungiert Saugy als wissenschaftlicher Berater. Er wirbt um Verständnis für die Lücken im Kontrollsystem. „Leichtathletik ist die einzige wirklich weltweit verbreitete olympische Sportart&#8221; sagt er. Für Verbände wie Radsport oder Eislaufen mit einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Spitzensportlern, die zudem in wenigen Ländern konzentiert sind, sei es leichter, ein effektives Kontrollsystem zu etablieren. „Das soll keine Entschuldigung sein&#8221;, sagt Saugy, „sondern nur ein Fakt, den man nicht ignorieren kann.&#8221;</p>
<p>Die Urinproben von Berlin sollen acht Jahre lang eingefroren werden, um möglicherweise später mit verfeinerten Analysemethoden erneut überprüft zu werden. Informationen über die Proben des Sprintfinals werden allerdings nicht erst in acht Jahren erwartet &#8211; sondern am Mittwoch.</p></blockquote>
<p><strong>15.42 Uhr:</strong> Zum großen Thema Harting-Goldmann-Doping-Vergangenheitsbewältigung-Täter-Opfer möchte ich zwei Lesebefehle aussprechen:</p>
<ul>
<li>Boris Herrmann in der <strong>Berliner Zeitung</strong>: &#8220;<a title="BLZ vom 19. August 2009" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0819/none/0008/index.html" target="_blank">Der Feindbildsammler</a>&#8220;</li>
</ul>
<blockquote><p>(&#8230;) Das mit den Dopingopfern wird noch so manche Welle schlagen, und wenn die Zeichen nicht trügen, dürfte sich der Fall Harting spätestens auf der Pressekonferenz nach seinem Wettkampf zur größeren Flut ausweiten. Der Mann ist offenbar wild entschlossen, sich endgültig mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu überwerfen. Er schimpft über die medizinische Betreuung (&#8220;Wir haben diesen Doc Hollywood, der ist um 18 Uhr da. Und wenn du ihn um 20 Uhr brauchst, ist er wieder weg&#8221;). Er lacht über den viel beschworenen Teamgeist. Er verfolgt eine WM-Doppelstrategie: &#8220;Jetzt muss ich erst einmal eine gute Leistung bringen. Dann fange ich am Donnerstag mit den Reformen an.&#8221;</p>
<p>Harting findet, dass Clemens Prokop und Frank Hensel an der Verbandspitze eine Fehlbesetzung sind. &#8220;Die haben keine eigene Meinung, die verkaufen alles und jeden. Es fehlt die Idee, die Liebe&#8221;, sagt er. Es hat schon eine gewisse Komik, wenn sich der böse Onkel von Hohenschönhausen nach Nestwärme sehnt. Und es hat eine gewisse Tragik, dass er glaubt, den Machtkampf mit dem Rest der Welt aus seinem kleinen Diskusring heraus gewinnen zu können. Er ist der festen Überzeugung: &#8220;Als Weltmeister kannst du dich auch nackt hinsetzen, da vorne.&#8221; (&#8230;)</p></blockquote>
<ul>
<li>Michael Reinsch in der <strong>FAZ</strong>: &#8220;<a title="FAZ vom 19. August 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub42A42B1FCA924E1DAFA3266FE72A1937/Doc~E2D30A46000EA4697B5C752AFEBCB7348~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Hoffe, der Diskus springt Richtung Brille</a>&#8220;</li>
</ul>
<blockquote><p>(&#8230;) Der Vorfall bekam eine merkwürdige Fortsetzung, als Harting in die Mixed Zone zurückkehrte und einigen Reportern, die noch nicht gegangen waren, sagte, sie sollten ihn nun nicht als Mörder beschreiben. Dann wandte er sich an einige Journalisten und fragte: „Wollt ihr einen Geheimtipp?“ Ehe sie antworten konnten, sagte er „Geipel“ und ging. Ines Geipel ist Schriftstellerin und Hochschulprofessorin in Berlin, vor allem aber die Stimme der Dopingopfer. Sie ist die Frau hinter der Brillen-Kampagne. (&#8230;)</p>
<p>Am Mittwochabend soll Harting im Olympiastadion eine Medaille gewinnen. In der Qualifikation war sein einziger Versuch mit 66,73 Meter der zweitbeste Wurf. Mit einer Medaille in Händen, das hat er im Trainingslager angekündigt, wolle er die Verbandsführung erst recht angehen. „Ich freue mich schon auf die Pressekonferenz nach der Diskus-Entscheidung“, sagte er und verriet auch, warum. Er erhalte nicht die Wertschätzung, die er verdiene. Harting hat Erfahrung mit Ex-post-Forderungen. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Es handelt sich um eine angekündigte Provokation, das ist keine Vermutung von mir. Er hat nicht erst gestern davon gesprochen, schon vorher. Nicht nur einmal. Es wird heiß her gehen heute Abend und darüber hinaus.</p>
<p>Ich sehe das momentan so: Der DLV &#8211; und damit auch BMI, DOSB, die diese &#8220;<a title="alle Beiträge zu diesem Thema" href="http://jensweinreich.de/?cat=921" target="_self">Entschuldungspauschale für Sportkriminelle</a>&#8221; mit verabredet haben &#8211; bekommt die Quittung für langjähriges Versagen. Ich sehe Harting, groß-kräftig-volljährig, in gewisser Weise als Opfer. Ich denke, er wird von anderen instrumentalisiert. Giftmischer sind nicht jene, die sich da um Aufklärung bemühen, sondern einige derjenigen, die von der <a title="&quot;We are family&quot; ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4265" target="_self">Sportfamilie</a> geschützt werden sollen. Das ist die Nachricht dieser Tage. Selten, nicht einmal in der heißesten Diskussion dieses Jahres, die hier ja umfassend dokumentiert ist, ließ sich das so wunderbar aufzeigen. Es ist einfach nur traurig.</p>
<p><strong>16.07 Uhr:</strong> Es geht weiter. Und wird absurder. Der SID meldet:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Die heftige Verbal-Attacke von Diskus-Mitfavorit Robert Harting auf die deutschen Dopingopfer hatte bei der Leichtathletik-WM in Berlin offenbar einen aktuellen Anlass. Laut Jürgen Mallow, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hatte ein führender Vertreter des Vereins der Dopingopfer unmittelbar vor Hartings Äußerungen den Ausschluss des WM-Zweiten von Osaka 2007 aus der Nationalmannschaft gefordert. Damit hätte der Weltranglistenvierte auch in Berlin nicht mehr starten dürfen.</p>
<p>Mallow wollte ansonsten zu der Affäre nicht mehr Stellung nehmen, machte jedoch deutlich, dass er nicht glaube, dass die entstandene Problematik sich auf die sportlichen Chancen des Berliners am Mittwochabend im Diskusfinale auswirke. Er habe ihn beim Frühstück gesehen, zwar nicht mit ihm gesprochen, aber Harting habe sehr viel Zuversicht ausgestrahlt. ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt stellte am Mittwoch klar, nicht der zuerst genannte Gerd Jacobs sondern der frühere Bahnradsportler Uwe Trömer habe im Deutschlandfunk den Harting-Ausschluss gefordert. &#8220;Die Namensverwechslung ist bedauerlich, aber eigentlich ändert es nichts am Sachverhalt&#8221;, reagierte Mallow auf die von ihm weitergegebene Fehlinformation.</p></blockquote>
<p>Fehlinformationen?</p>
<p>Ich möchte mich ausdrücklich nicht über die Meldungen von Kollegen lustig machen, die unter größter Belastung versuchen, die Abläufe zu eruieren, sondern stelle nur fest:</p>
<ol>
<li>Uwe Trömer hat diese Kritik bereits in der vergangenen Woche ausgesprochen.</li>
<li>Uwe Trömer hat nun heute Mittag, 12.35 Uhr, ein Interview im <span style="color: #000000;"><span><strong>Deutschlandfunk</strong></span> </span>gegeben, das man jederzeit nachhören kann:</li>
</ol>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/08/19/dlf_20090819_1243_4fcf3219.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Uwe Trömer liest ja gelegentlich hier mit und diskutiert. Vielleicht kann er mal darstellen, wann er was gesagt hat. Für das Interview vergangene Woche finde ich gerade keinen Beleg.</p>
<p><strong>16.32 Uhr:</strong> Doch lassen wir uns von der nachrangigen Diskussion, wer wann was warum gesagt hat, bitte nicht ablenken. Die Provokationen sind geplant.</p>
<p><strong>16.33 Uhr:</strong> Gratulation an <em>B.Schuss</em>. Denn <a title="Jubiläums-Kommentar von B.Schuss" href="http://jensweinreich.de/?p=4841#comment-13030" target="_self">dieser Kommentar</a> ist der <strong>10.000 Kommentar hier im Blog</strong>. Nicht alle dieser 10.000 Kommentare waren so ärgerlich wie die Verbalaggressionen des Diskushelden. Schöne Grüße aus dem WordPress-Maschinenraum.</p>
<p><strong>19.18 Uhr:</strong> Wird langsam spannend. Zum Aufwärmen, auch wenn das nicht nötig ist, gibt&#8217;s gleich den Witzbolt im 200-Meter-Halbfinale. In 50 Minuten Robert Euch-hau-ich-um Harting.</p>
<p><strong>19.22 Uhr:</strong> <a title="sueddeutsche.de" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/692440" target="_blank">Bolt gegen Hering</a>, sehe ich gerade. Noch besser.</p>
<p><strong>19.24 Uhr:</strong> Jetzt beginnt Bolt, mich zu nerven.</p>
<p><strong>19.25 Uhr:</strong> Hering als Fünfter leider draußen. 20,52 sec. Mit der Zeit von Ulm (20,41) hätte es knapp gereicht. Reine Theorie. Guter Typ. Er spricht noch von Meisterschaften &#8220;bei den Erwachsenen&#8221;. Putzig.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4859" title="Barbora Spotáková" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/spotakova.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="200" height="590" align="right" /><strong>19.32 Uhr:</strong> Auf dem Weg ins Stadion traf ich <a title="Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer" href="http://jensweinreich.de/?p=4784" target="_self">Barbora Spotáková</a>. Sie posiert auch mit Silber. Was bleibt ihr übrig.</p>
<p><strong>19.40 Uhr:</strong> Ich will nicht nerven, aber wie bringt das Fernsehen eigentlich die leeren Ränge rüber? Extrem sieht es in der Zielkurve aus.</p>
<p><strong>19.46 Uhr:</strong> Oh, nein. &#8220;Der sich im Kreis dreht&#8221; in der ARD. Lars Riedel.</p>
<p><strong>19.45 Uhr:</strong> Ich bin ja berüchtigt dafür, ständig alte Texte aufzufrischen. Außerdem muss ich dieses lange Spotáková-Foto hier überbrücken- und natürlich die Zeit bis zum Diskuswerfen. Wer mag, kann mich jetzt wegen der beiden folgenden Texte zerfetzen.</p>
<p>Dieses Stück habe ich vor zwei Jahren in Osaka direkt nach der Silbermedaille von Robert Harting aktuell für die Berliner Zeitung geschrieben:</p>
<blockquote><p><strong>Männermilch für die Medaille</strong></p>
<p><em>Im für Diskuswerfer zarten Alter von 22 Jahren wird Robert Harting WM-Zweiter</em></p>
<p>OSAKA. Was er von diesem Jüngling auf dem Podium halte, wurde der Großmeister des Diskuswurfs gefragt. Virgilius Alekna, zweimaliger Olympiasieger aus Litauen, überlegte nicht lange. Er grinste. Dann sagte er: &#8220;Fantastisch. Ein neuer Lars Riedel.&#8221; Das war ein Wort. Alekna meinte allerdings nicht den neuen Weltmeister Gerd Kanter aus Estland. Nein, Alekna sprach über Robert Harting, einen 22 Jahre alten Berliner, der hinter Kanter die Silbermedaille gewonnen hatte.</p>
<p>Harting also, der neue Lars Riedel, stellte zunächst einmal nüchtern fest, dass er immer noch Robert Harting heiße. Als die Nummer zwei seiner Branche sehe er sich längst nicht. &#8220;Das war doch nur ein Wettkampf&#8221;, sagte er. &#8220;Nur weil ich bei einer Weltmeisterschaft Zweiter geworden bin, heißt das doch nicht, ich bin jetzt der Zweitbeste der Welt.&#8221; Das braucht schon noch ein paar Jahre, wie Harting weiß. Er hat Talent. Er hat den Körper. Er hat alles, was es braucht. Und er hat Zeit. Für einen Diskuswerfer ist er geradezu im Babyalter. Ein formidables Baby von 2,02 Meter, das sich schon ziemlich gut auskennt in der Szene. &#8220;Heute Abend&#8221;, verkündete Robert Harting in Osaka im tiefen Bass, &#8220;gibt es etwas Männermilch.&#8221; Im Stadtteil Dotonbori bleiben viele Kneipen so lange geöffnet, wie sich Gäste finden.</p>
<p>Diskuswerfen ist immer auch eine Frage des Alters. Weltmeister Kanter ist 27, Harting 22, der WM-Dritte Lutger Smit 26. Alekna, gehandicapt von einer Knieverletzung, ist 35. Michael Möllenbeck, der die WM wegen einer Verletzung absagen musste, ist 37. Lars Riedel, der sich immer noch im Kreis dreht, wurde bereits 40. Man sieht also, da kämpfen verschiedene Generationen. &#8220;Man braucht Erfahrung. Man profitiert von diesen Automatismen&#8221;, sagt Harting, &#8220;das dauert eine Weile.&#8221;</p>
<p>Natürlich ist er eines der größten Talente. Er war einmal WM-Zweiter der Jugendlichen, vor zwei Jahren auch Junioren-Europameister. Zur Zeit der WM 2005 in Helsinki aber war er verletzt. Und bei der Europameisterschaft 2006 in Göteborg kam er nicht ins Finale. In diesem Jahr wollte er es wissen: In der Qualifikation am Sonntag warf er hinter Kanter ebenfalls die zweitbeste Weite, 66,26 Meter. Das war ein Zeichen. Am Dienstagabend schickte er den Diskus im fünften Durchgang mit einem martialischen Schrei auf die Reise. Die Flugkurve erschien nicht optimal, doch was heißt das schon. Das Gerät landete bei 66,68 Metern. Den Holländer Smit hatte er von Platz zwei verdrängt, und das sollte so sein, sagte Harting: &#8220;Den kann ich nicht leiden. Man kennt ja die Rivalität zwischen Deutschen und Holländern.&#8221;</p>
<p>Robert Harting ist ein Mann der starken Worte. Dass sich diese Worte nicht immer mit souveränen Überlegungen paaren, ist etwas anderes. Wer kann das schon von einem so jungen Athleten verlangen. Vor einigen Wochen hatte Harting damit gedroht, er werde die WM boykottieren, falls sein Heimtrainer Werner Goldmann, der im DLV als &#8220;Bundestrainer Diskus/Kugel&#8221; geführt wird, nicht mit nach Osaka käme. Das Problem ist nicht neu in der Leichtathletik, es können nie alle Heimtrainer mitreisen. Der DLV hatte sich für Harting und den ebenfalls qualifizierten Michael Möllenbeck eine Kompromisslösung ausgedacht, so jedenfalls wurde es verkauft: Im WM-Trainingslager in Shibezu wurden sie vom Frauen-Bundestrainer Gerhard Böttcher trainiert. Als Außenstehender muss man das nicht verstehen, vieles im Diskuswerfen entzieht sich dem Verständnis der Beobachter.</p>
<p>Es ist eine Disziplin für Eigenbrötler und Grüppchen. Die Geschichte des jüngeren deutschen Diskuswerfens ist auch eine Geschichte von Streit und kindischen Eifersüchteleien: Weltrekordler Jürgen Schult konnte nicht mit Wolfgang Schmidt, Olympiasieger Riedel nicht mit Möllenbeck, und Harting nicht mit Schult, der ihn einst coachte und von dem er sich im Streit trennte. So setzt sich das fort, über Generationen. Und über die Fortsetzung dieser Geschichten wird noch viel zu reden sein, jetzt da auch Robert Harting mit einer Medaille dekoriert wurde.</p>
<p>Werner Goldmann ist doch in Osaka gewesen. Er hat den Flug selbst bezahlt, saß auf der Tribüne und gab Harting Hinweise. &#8220;Der Wettkampf hat ihm Flügel verliehen&#8221;, sagte der Trainer: &#8220;Sensationell. Robert hat diese Medaille gewollt und auch verdient.&#8221; Um 22.05 Uhr Ortszeit erhielt er sie dann, seine silberne Plakette. Kurz zuvor hatte Harting bereits Partei für Goldmann ergriffen. &#8220;Ich werde jetzt mal auf den Tisch hauen und veranlassen, dass die auch sein Ticket bezahlen&#8221;, sagte Harting in seiner gewohnt schnoddrigen Art. Für seine Verhältnisse blieb er aber erstaunlich ruhig. &#8220;Ich werde das morgen ganz in Ruhe machen.&#8221; Dann guckte er in erstaunte Gesichter. &#8220;Klar, ich kann auch sachlich bleiben.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und das war der Text am nächsten Tag. Da sage noch einer, ich hätte kein Mitleid mit widerspenstigen Athleten und würde ihnen keine Brücken bauen. Dieser Text ist geradezu versöhnlerisch. Für Überschrift und Unterzeile aber ist natürlich die Redaktion verantwortlich, wirklich :)</p>
<blockquote><p><strong>Zähmung eines Widerspenstigen</strong></p>
<p><em>Nach seinem Coup bei der WM beendet Diskuswerfer Robert Harting den Zwist mit dem deutschen Verband &#8211; und stichelt nur noch gegen Jürgen Schult</em></p>
<p>OSAKA. Den Tag danach begann Robert Harting mit einem Bier. Klingt komisch für einen Leistungssportler, aber man sollte ihm das durchgehen lassen. Zumal es in der Nacht zuvor, in der Harting, Diskuswerfer vom SC Charlottenburg, die Silbermedaille gewonnen hatte, ja doch nichts wurde mit einer großen Fete. Nur ein Glas &#8220;Männermilch mit Schaum&#8221; trank er mit seinem Trainer Werner Goldmann. Und damit musste er wohl auch den Nachgeschmack des Wettkampfes herunterspülen.</p>
<p>Denn Robert Harting hatte, noch bevor er sich im Nagai Stadium aus Begeisterung sein Trikot zerriss, einfach mal gekostet, wie so eine Startnummer schmeckt. Der Papierfetzen mit der Nummer 635 war kein kulinarischer Genuss, soviel steht fest. &#8220;Geschmeckt hat&#8217;s nicht wirklich&#8221;, sagte Harting, &#8220;ich habe es gleich wieder rausbefördert.&#8221; Ordentliche Sojasoße, man ist ja in Japan, hätte nicht geholfen. Harting mag keine Sojasoßen.</p>
<p>Harting mag aber natürlich Medaillen. Sein Coup von Osaka dürfte der Anfang einer langen Serie gewesen sein. DLV-Generalsekretär Frank Hensel nannte den gebürtigen Cottbuser einen &#8220;Rohdiamanten&#8221;. Er könne bis 2020 die Szene mitbestimmen: &#8220;Wenn er gesund bleibt und sich als Persönlichkeit entwickelt.&#8221; Nimmt man Hartings Reaktionen in Osaka zum Maßstab, sollte sich niemand sorgen, dass der 22-Jährige, dem das Image eines Raufboldes anhaftet, vom rechten Weg abkommt. Er hat den Streit mit dem deutschen Verband wegen der Nichtberücksichtigung seines Trainers nicht weiter befördert. Er hat sich souverän verhalten.</p>
<p>&#8220;Ich glaube nicht, dass es was bringt, wenn man sich weiter streitet&#8221;, sagte Robert Harting. Hensel und DLV-Vizepräsident Eike Emrich deuteten an, dass eine vernünftige Lösung gefunden sei. Die Reisekosten von Trainer Werner Goldmann werden wohl übernommen. &#8220;Wenn wir von den Athleten fordern, dass sie sich unter widrigen Umständen durchsetzen, müssen wir auch akzeptieren, dass sie widerspenstig sind und ihre Meinung sagen&#8221;, erklärte Emrich.</p>
<p>Harting hat am Mittwoch viele vernünftige Sachen gesagt, die mancher ihm nicht zugetraut hätte, nach dem, was so alles über ihn zu lesen war. In etlichen Variationen wiederholte er beispielsweise den Satz: &#8220;Nur nicht übertreiben, es gibt auch wieder schlechte Zeiten.&#8221; Über diese kann er wahrlich eine Menge erzählen: Er hat fast so viele Verletzungen hinter sich wie Lebensjahre. Was sich Harting dennoch nicht verkneifen konnte, waren ein paar Spitzen in Richtung des Weltrekordlers Jürgen Schult (Bundestrainer Wurf), von dem er zu seinem alten Trainer Goldmann (Bundestrainer Diskus/Kugel) geflüchtet war. Es muss viel vorgefallen sein zwischen Schult und Harting, Freunde werden sie wohl nie. Zwar schickte ihm Schult eine SMS nach dem WM-Wettbewerb, doch Harting stichelte: &#8220;Das war so ziemlich das Einzige, was wir in diesem Jahr gesprochen haben. Jetzt ärgert er sich wahrscheinlich. Dass er mir das nicht gönnt, das spüre ich ja.&#8221;</p>
<p>Harting sprach dann über seinen Traum, eines Tages 74,09 Meter zu werfen. &#8220;Das wäre es. Genau!&#8221; Dazu muss man wissen, dass Jürgen Schult seit Juni 1986 den Weltrekord hält &#8211; mit 74,08 Metern. Dass dieser Rekord unter anderen Bedingungen erzielt wurde, als heute herrschen, das weiß auch Robert Harting. Damals, in der DDR, war nach Aktenlage ja auch sein Berliner Trainer Werner Goldmann in das Dopingsystem involviert. Goldmann betreute unter anderem den Kugelstoß-Olympiasieger Ulf Timmermann und die Diskuswerferin Irina Meszynski, er wurde von einer anderen Werferin gegenüber der Staatsanwaltschaft belastet. Doch letztlich wurden die Ermittlungen gegen Goldmann wegen Minderjährigendopings Ende der Neunziger Jahre eingestellt. Er durfte weiter DLV-Trainer bleiben. &#8220;Das betraf dreizehn oder vierzehn unserer Trainer&#8221;, erinnert sich Generalsekretär Frank Hensel.</p>
<p>Harting kennt diese Geschichten. Im Prinzip. &#8220;Ich frage da aber nicht nach. Das geht mich nichts an&#8221;, sagt er. &#8220;Doping? Ich bin davon nicht betroffen. Kein Thema für mich.&#8221; Mit Goldmann, der seit kurzem auch seinen 17 Jahre alten Bruder Christoph betreut, habe er nie über diese Zeiten gesprochen. Er wolle keine alten Wunden aufreißen. &#8220;Die haben es doch damals alle gemacht, in Deutschland und in Amerika. Wenn man die Leute fragt, sind sie sich keiner Schuld bewusst&#8221;, sagt Harting. Da lässt er die Vergangenheit lieber Vergangenheit sein und arrangiert sich mit der Gegenwart. &#8220;Man würde nur etwas aufwühlen, was damals normal war. Damit wäre keinem geholfen.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>20.05 Uhr:</strong> Vorstellung der Diskuswerfer, während in der ARD noch die Tagesschau läuft. Harting erhält seinen Beifall.</p>
<p><strong>20.12 Uhr:</strong> Zweiter Wurf der Konkurrenz, und das sollte bereits eine Medaille sein. Aber nicht für Harting. Bogdan Machalowski mit polnischem Rekord: 68,77. Kanter gleich danach: 65,91.</p>
<p><strong>20.17 Uhr:</strong> Harting zum ersten. Seine PB ist 68,65. Nun 68,25 &#8211; Saisonbestleistung. Habe auch nicht erwartet, dass er Nerven zeigt. Er hat sich ordentlich aufgeputscht, auch mit derben Sprüchen.</p>
<p><strong>20.22 Uhr:</strong> Bernard Lagat, einer meiner Lieblingssportler, im 1500-m-Finale. Und <a title="tag: Lopez Lomong" href="http://jensweinreich.de/?s=lomong" target="_self">Lopez Lopepe Lomong</a> natürlich, noch einer meiner Lieblinge. Ist es indiskret, wenn ich gestehe, dass ich vor zehn Minuten neben Lagats Coach James Li gepinkelt habe?</p>
<p><strong>20.27 Uhr:</strong> Cool. Fehlstart über 1500 Meter.</p>
<p><strong>20.30 Uhr:</strong> Sorry, muss nochmal sein. Die Zielkurve:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4870" title="MIttwoch, die Zielkurve" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/zielkurve-mittwoch.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p><strong>20.32 Uhr:</strong> Bahrein/Kenia (Yusuf Saad Kamel, ehemals Gregory Konchellah) vor Äthiopien (Deresse Mekonnen) und Kenia/USA (Lagat). Sudan/USA (Lomong) wird Achter.</p>
<p><strong>20.57 Uhr:</strong> Die tägliche Wasserstandsmeldung des BOC, zehn Sekunden alt:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>am fünften Veranstaltungstag der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> kamen insgesamt 52.470 Besucher in das Olympiastadion Berlin. Die Vormittagsveranstaltung besuchten 20.312 Zuschauer, die Abendveranstaltung 32.158.</p></blockquote>
<p><strong>21.26 Uhr:</strong> Was für eine Geschichte. Welche irre Zuspitzung. Sportlich. Sportpolitisch. Glückwunsch, Robert Harting. Und ich melde mich nach der Pressekonferenz.</p>
<p><strong>22.17 Uhr:</strong> Habe gerade für <strong>SpOn</strong> einen <a title="Gold ist erst der Anfang" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643865,00.html" target="_blank">schnellen Harting-Text</a> gedichtet. Muss nun zur Pressekonferenz und vielleicht auch wieder in den DLV-Club. Mal sehen. Wenn, dann melde ich mich aus dem Club nochmal, wird dann aber weit nach Mitternacht.</p>
<p><strong>22.45 Uhr:</strong> So sieht das aus, wenn der IAAF-Generalsekretär erklären soll, ob gerade ein Mann oder eine Frau das 800-Meter-Rennen der Frauen gewonnen hat.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4876" title="Pierre Weiss, GS der IAAF" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/pierre-weiss-800.jpg" alt="" width="500" height="336" /></p>
<p>Harting kommt in drei Minuten.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 06:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[7.58 Uhr: Ich glaube, ich bin schon wach. Weiß es aber nicht genau. Während ich noch recherchiere, ob ich tatsächlich wach bin und, sollte ich herausgefunden habe, dass ich wach bin, dann sicherlich den kürzesten Weg ins Olympiastadion ins Parkverbot ansteuere, spreche ich mal flink einen Lesebefehl aus: Die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung bastelt während der WM vom Hotel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>7.58 Uhr:</strong> Ich glaube, ich bin schon wach. Weiß es aber nicht genau. Während ich noch recherchiere, ob ich tatsächlich wach bin und, sollte ich herausgefunden habe, dass ich wach bin, dann sicherlich den kürzesten Weg ins Olympiastadion ins Parkverbot ansteuere, spreche ich mal flink einen <strong>Lesebefehl</strong> aus: Die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung bastelt während der WM vom Hotel Sylter Hof aus am Blog</p>
<ul>
<li><strong><a title="Mehr als Laufen" href="http://www.mehr-als-laufen.de/" target="_self">Mehr als Laufen</a></strong></li>
</ul>
<p>Ich war vergangenen Freitag zu einer Diskussion dort zu Gast und schwer beeindruckt von Engagement und Technik. Dumm nur, dass die Verhanldungen mit dem BOC, um den Kollegen für das Projekt Akkreditierungen ausstellen wollte, nach rund einem Jahr traurig endeten: Es gibt keine Akkreditierungen. Dabei ist doch so viel Platz im Stadion.</p>
<p><strong>9.51 Uhr:</strong> Was ich gestern vergessen hatte. Am Nachmittag bekam ich einen Anruf von der Berliner Polizei. Dachte zunächst, irgendein Anwalt habe mich verklagt oder es sei bereits ein Haftbefehl ausgesprochen worden, meine zweiter Gedanke war: die haben dein Auto abgeschleppt. Der Mann erkundigte sich aber nur freundliche nach der Demonstration, die ich vor dem Olympiastadion plane, ob ich denn die Verteilung von 20.000 Doping-Schutzmasken angemeldet habe. Er hatte davon in diesem Internetdingens gelesen. Ooops. Er meinte die <a title="KStA: Ein Thema, das im Weg steht" href="http://www.ksta.de/html/artikel/1246883779563.shtml" target="_blank">Aktion</a> des <a title="tag: Dopingopfer, Dopingtrainer" href="http://jensweinreich.de/?cat=921" target="_self">Dopingopferhilfevereins</a>. Ich habe den Herrn an Werner Franke verwiesen. Bin gespannt, wie Werner Franke die vielen Aufgaben meistert: die Demo, die Laudatio bei der Verleihung des Heidi-Krieger-Preises am Donnerstag, die <span style="text-decoration: line-through;">Beratung</span> Tätigkeit im Fall Pechstein. Sicher wird ihm das gelingen.</p>
<ul>
<li>Interview im Deutschlandfunk mit Andreas Krieger zu der Aktion</li>
</ul>
<div style="text-align: center;"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/08/16/dlf_20090816_1934_465b145c.mp3" target="_self">:</a></div>
<p><strong>Nachtrag, 11.54 Uhr</strong>, weil in den Kommentaren die Frage aufkam. In der SZ <a title="SZ vom 17. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/35B38R/3008365/Ich-sitze-nicht-im-Boot.html" target="_blank">schreibt</a> Thomas Kistner zu Frankes Rolle in der Pechstein-NADA-Aktion:</p>
<blockquote><p>Auch der Heidelberger Dopingexperte und Zellforscher Franke stellte Sonntag auf SZ-Anfrage klar: &#8220;<strong>Ich betone, ich sitze bei dieser Angelegenheit in niemandes Boot.</strong>&#8221; Er wolle lediglich mithelfen, die &#8220;erforderlichen, ganz harten Kriterien für so einen Test&#8221; aufzustellen.</p></blockquote>
<p><strong>Nachtrag, 15.33 Uhr:</strong> Der Sportinformationsdienst meldet, dass Franke für die Pechstein-NADA-Nummer nicht mehr zur Verfügung steht:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) &#8220;Ich habe bereits bei zahlreichen unklaren Lagen beratend mitgewirkt. Das wird häufig missverstanden. Das möchte ich diesmal vermeiden&#8221;, sagte Franke dem Sport-Informations-Dienst (SID): &#8220;Die Wissenschaft dient der unvoreingenommenen Klärung einer Sache, sie ergreift nicht Partei für eine Person. Das gilt auch im Fall Pechstein, in dem ich mich nicht dem Vorwurf aussetzen will, voreingenommen zu sein.&#8221; Er habe Pechsteins Manager Ralf Grengel mitgeteilt, dass er &#8220;mit dieser Sache nichts mehr zu tun&#8221; haben wolle: &#8220;Ich möchte mich damit nicht mehr belasten.&#8221; (&#8230;)</p></blockquote>
<p><strong>10.45 Uhr:</strong> Ein Nachtrag zum Dopinggerücht im 100-m-Finale. Ich hatte gestern Nacht noch einige Punkte zusammengetragen (<a title="Leichtathletik-WM, Tag 3: Usain Bolt, Jogging-Gate (II)" href="http://jensweinreich.de/?p=4748" target="_self">am Ende dieses Beitrages</a>). Heute morgen schrieb mir IAAF-Kommunikationsdirektor Nick Davies diese Notiz:</p>
<blockquote><p>Hi Jens</p>
<p>Spoke to Chris Butler last night and he confirmed that the &#8220;split&#8221; of tests between Dresden and Cologne has been made already. Note that Cologne will be used for all testing involving the most recent and tricky substances &#8211; so for example, for new generation EPO. As a result &#8211; the 100m men, where testing for EPO was done, was almost certainly sent to Cologne. Nothing back yet regarding the results</p>
<p>All the best</p>
<p>Nick</p></blockquote>
<p><strong>10.51 Uhr:</strong> Noch ein Nachtrag zu den <span style="text-decoration: line-through;">leeren</span> dreiviertel gefüllten Rängen, die ich hier ja seit Samstag auch <a title="Tag 1: Wie voll ist ein halbleeres Stadion?" href="http://jensweinreich.de/?p=4671" target="_self">mit Fotos</a> <a title="Tag 3: auch hier Fotos von den Rängen ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4671" target="_self">dokumentiere</a>. Am Sonntagmorgen habe ich darüber mit BOC-Co-Geschäftsführer und DLV-Generalsekretär Frank Hensel gesprochen. Ein Zitat hatte ich bereits veröffentlicht, hier der Wortlaut:</p>
<blockquote><p><em>Herr Hensel, zur Eröffnung der WM durch Bundespräsident Horst Köhler war das Olympiastadion am Sonnabend kaum zur Hälfte gefüllt. Nun überraschte Ihr Organisationskomitee mit der Meldung, am ersten Tag seien 67.648 Besucher im Stadion gewesen. Wie glaubwürdig ist diese Zahl?</em></p>
<p>Haben Sie unsere Pressemitteilung richtig gelesen?</p>
<p><em>Aber gewiss.</em></p>
<p>Ich sage Ihnen also: Es waren 67.000 Menschen im Olympiastadion. Es waren morgens runde 25.000, ich habe die Zahlen nicht ganz genau parat, abends waren es 45.000 oder 47.000 Menschen. Wir verkaufen Ganztagestickets, das heißt, die Menschen sind ja morgens im Stadion, verlassen das Stadion und sind abends auch wieder im Stadion. Und was die Gesamtheit der Frequentierung dieser Veranstaltung betrifft im Rahmen dieser Weltmeisterschaften, werden diese Zahlen natürlich addiert, denn wir brauchen Vergleichszahlen zu vergangenen Weltmeisterschaften. Wie viele Tickets nachher verkauft worden sind, ich glaube, für den gestrigen Tag sind insgesamt, ich glaube, 42.000 irgendetwas Tickets verkauft worden, das ist ja eine ganz andere Frage.</p>
<p><em>Warum dann diese Addition. Ist das ein PR-Trick? Setzen Sie darauf, dass manche Medien glauben, das Stadion sei mit 67.000 Zuschauern voll besetzt, obwohl die Ränge halb leer blieben?</em></p>
<p>Nein, überhaupt nicht. Wir müssen uns vergleichen können mit anderen Weltmeisterschaften. Die IAAF will bilanzieren, deshalb zählen wir grundsätzlich Vormittags- und Nachmittagsveranstaltungen zusammen. Bei einer Fußball-WM lassen sie die Vorrundenspiele ja auch nicht beiseite und zählen nur das Finale.</p>
<p><em>Aber im Fußball werden nicht die Zuschauer beider Halbzeiten addiert. Das heißt also, wer im Stadion selbst oder im Fernsehen halbleere Ränge sieht, muss sich flink 20.000 Zuschauer mehr vorstellen, dann kommt er auf die Zahlen, die dem Organisationskomitee gefallen?</em></p>
<p>Also erst einmal haben wir hier nicht zu zwei Dritteln leere Ränge gehabt, sondern das Stadion war gestern hier zu drei Viertel gefüllt, um das doch einfach deutlich sagen. Es geht hier doch nicht um einen PR-Trick. Ich sage ganz offen und klar: Am Abend waren circa 45.000 Menschen im Stadion. Morgens waren es etwa 20.000. Und dann kommen wir auf eine Zuschauerzahl von etwa 65.-70.000.</p>
<p><em>Auch darüber lässt sich streiten. Sie sagen also, es sind mehr als 42.000 Tickets verkauft wurden für den ersten Tag. Haben Sie mehr erwartet?</em></p>
<p>Das war okay für den Beginn und vielleicht auch ein Impuls für den Tageskassenverkauf der nächsten Tage. Der erste Tag mit nur drei Entscheidungen und vielen Qualifikationen hat für viele Menschen nur bedingt einen Charme.  Ich wünsche mir natürlich jeden Tag eine volle Hütte. Der nächste Sonnabend ist ja ausverkauft. Aber dass die anderen Tage auch so gut laufen, wird sicher ein Traum bleiben.</p>
<p><em>Werden Tickets für fünf Euro über Sponsoren auf den Markt geworfen, um die Ränge zu füllen?</em></p>
<p>Also erst einmal werden hier werden keine Tickets verschleudert. Das sind Tickets aus dem Rahmen der Kontingente, die wir vertraglich mit den Wirtschaftspartnern an die Wirtschaftspartner vergeben haben, im Rahmen des Vertrages. Dafür zahlen die Geld. Was die in Richtung Kundenbindungsmaßnahmen im Einzelfall damit machen, ja auch sehr kontingentiert in kleineren Größenordnungen, das ist schön, das ist wunderbar, aber das ist ja ihre Freiheit. Und die Tickets werden offenbar auch ganz gut angenommen.</p>
<p><em>Um wie viele Tickets handelt es sich dabei?</em></p>
<p>So weit ich weiß geht es nur bei ein oder zwei Partnern um etwa 500 bis 800 Tickets. Und zwar nur für die Veranstaltungen am Montag.</p>
<p><em>Wie zuverlässig sind die Angaben, die das BOC über die verkauften Tickets macht?</em></p>
<p>Jedes Ticket hat einen Barcode, das wird am Einlass exakt gezählt.</p>
<p><em>Eine andere Frage zum Geld, zum WM-Etat: Man hört, dass die BOC-Sponsoren kaum Geld zahlen, sondern vor allem Sachleistungen bringen. Wie stellt sich das Verhältnis zwischen Bar- und Sachleistungen dar?</em></p>
<p>Wenn wir eine Sachleistung bekommen, müssen wir keine Dienstleistung einkaufen. Insofern ist das fast egal, welche Leistung wir bekommen. Ich denke, ohne dass Sie mich jetzt auf zwei oder drei Prozent festlegen, bekommen wir etwa zwei Drittel Barleistungen und ein Drittel Sachleistungen.</p>
<p><em>Zur Finanzierung dieser WM, die rund 45 Millionen Euro kosten soll, gibt es viele offene Fragen. Aus öffentlichen Mitteln fließen rund 20 Millionen in den Etat, zusätzlich wurden knapp sechs Millionen für Arbeiten am Stadion öffentlich bezahlt. Wird es am Ende eine öffentlich nachvollziehbare,  saubere Auflistung aller Etatposten geben?</em></p>
<p>Ach wissen sie, der Herr Clausen und der Herr Hensel, meine Wenigkeit, als Geschäftsführer haften ja persönlich im Rahmen einer GmbH. Da können Sie sich aber drauf verlassen, dass wir auch unter ganz anderen Risikogesichtspunkten im Rahmen dieser WM auch daran interessiert sein müssen, ich habe nicht die Lust, in den Knast zu gehen, hier die Zahlen nicht nur finanztechnisch gegenüber dem Finanzamt, sondern auch gegenüber dem Senat. Die müssen ja bis auf den Cent belegt sein.</p></blockquote>
<p>Und mein Kommentar aus der Berliner Zeitung:</p>
<blockquote><p>Sportparties im Olympiastadion sind nicht normal. Bei Hertha BSC werden die Geräusche auf den Tribünen mitunter über das Lautsprechersystem verstärkt. Und auch wenn die Leichtathleten gastieren, empfiehlt es sich, auf Nuancen zwischen Schein und Sein zu achten. Die Zuschauerzahlen beim Istaf waren oft genug ein Ärgernis. Es war mehrfach so, dass jene, die im Stadion waren und all die Lücken auf den Tribünen sahen, Augen und Ohren nicht trauen wollten, wenn die Organisatoren mal wieder Rekordbesucherzahlen verkündeten.</p>
<p>Fragen über Fragen, die sich im Olympiastadion regelmäßig stellen: Sind halbleere Tribünen nicht eher voll oder vielleicht doch halbleer? Sind halbvolle Tribünen nicht eher leer oder vielleicht doch halbvoll? Oder, ganz simpel: Warum darf man nicht einfach unbeschwert zuschauen, sich über die vielen leeren Plätze wundern, das traumhafte Wetter genießen &#8211; ohne von den PR-Parolen des Organisationskomitees (BOC) belästigt zu werden?</p>
<p>Laut BOC sind am Sonnabend „67.846 Besucher&#8221; im Stadion gewesen. „Die Morgenveranstaltung besuchten 25.300 Zuschauer, die Abendveranstaltung 42.546.&#8221; Über den kleinen aber feinen Unterschied, dass allein Tageskarten verkauft werden und es davon je 56.000 gibt, klärte die BOC-Mitteilung nicht auf. Wer also morgens und abends ins Stadion pilgert, wird vom BOC doppelt gezählt.</p>
<p>Fiktionen lassen sich besser verkaufen. Das klingt geradezu weltrekordverdächtig. Das klingt irgendwie Michael-Mronz-mäßig. Als hätten 67.846 Menschen bezahlt, um an 56.000 Tickets zu kommen. Als wäre das Stadion überfüllt. Wer nicht drin war in der Arena oder wer nur die Nahaufnahmen des HD-Fernsehens von den besser gefüllten Rängen sah, kann sich derlei Fragen allerdings kaum stellen. Der muss dran glauben. Wir derjenige nicht gar ein bisschen betrogen?</p>
<p>Wenn Hertha BSC künftig so zählen würde wie das BOC und also die Besucher beider Halbzeiten addierte, ergäbe sich ein Durchschnittsbesuch von mehr als 100.000 Menschen. In einem Stadion, in das beim Fußball 76.000 Zuschauer passen. Hertha wäre Weltrekordler für Vereinsmannschaften.</p>
<p>Aber vielleicht sollte man das besser nicht schreiben. Sonst kommen sie bei Hertha noch auf dumme Gedanken.</p></blockquote>
<ul>
<li>Claudio Catuogno hat in der SZ auch nachgerechnet, wie in den Kommentaren bereits verlinkt: <a title="SZ vom 18. August 2009" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/39/484474/text/" target="_blank">&#8220;Zu stolz, um wahr zu sein&#8221;</a></li>
</ul>
<p><strong>13.27 Uhr:</strong> Und nun, etwas verspätet, zum Thema des Tages, des hier längst diskutiert wird. <strong>Robert Harting</strong>, das Adrenalin, die Gedanken und die Worte &#8211; das ist keine gute Mischung. Manchmal <a title="Robert Harting macht sich Gedanken ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4514" target="_self">denkt Harting laut</a>, nimmt das Resultat seines Denkprozesses wieder zurück, um dann wieder laut zu denken. In der Summe lässt sich vermuten, dass Harting, Schützling des dopingbelasteten Trainers <a title="tag: Werner Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?cat=916" target="_self">Werner Goldmann</a>, tatsächlich so denkt und tickt, wie es <span style="text-decoration: line-through;">gelegentlich</span> regelmäßig aus ihm herausbricht.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4796" title="Screenshot ZDF" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/harting-screen.gif" alt="" width="500" height="361" /></p>
<p>Gemäß einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Harting nach seinem gelungen Qualifikationswettbewerb:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Doping-Opfer hier verteilt haben. Aber ich bin kein Mörder, ich will nur, dass sie wirklich nichts mehr sehen.&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Der Sportinformationsdienst (SID) zitiert Robert Harting so:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen die Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben &#8211; damit sie wirklich nichts mehr sehen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich glaube, dass ich die Kraft des Wortes ein wenig unterschätze, aber ich lüge nicht. Die Leute, die die Sachen vor den Kopf bekommen, sollen sich Gedanken machen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Kollegen von Tageszeitungen haben in der Mixed Zone diese Worte aufgeschnappt und auf Band:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich hoffe, dass der Diskus aufkommt und gleich gegen eine der Brillen springt, damit die dann auch wirklich nichts mehr zu sehen haben.&#8221;</p></blockquote>
<p><span id="more-4784"></span>Oben hatte ich zum Nachhören bereits ein DLF-Gespräch mit <a title="tag: Andreas Krieger" href="http://jensweinreich.de/?s=andreas+krieger" target="_self">Andreas Krieger</a> verlinkt.</p>
<ul>
<li>Dazu als Lesebefehl noch der Beitrag von Maik Großekathöfer auf <strong>Spiegel-Online</strong>: &#8220;<a title="SpOn vom 18. August 2009" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,643223,00.html" target="_self">Vom Staat missbraucht</a>&#8220;.</li>
<li>Und einmal mehr die Geschichte meines ersten, je erschienenen Beitrages &#8211; über den Entdecker von Heidi Krieger: &#8220;<a title="Der Appetit kam beim Essen" href="http://jensweinreich.de/?p=2534" target="_self">Der Appettit kam beim Essen</a>&#8220;</li>
</ul>
<p><strong>14.32 Uhr:</strong> Inzwischen ist es ja zu einer schönen Tradition geworden, die Pressemeldungen des BOC zu den gigantischen Zuschauerzahlen zu vermelden. Bitteschön, wenige Sekunden alt:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>die offizielle Zuschauerzahl der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> für die Vormittagsveranstaltung am Dienstag, den 18. August 2009, im Olympiastadion Berlin lautet 19.951.</p>
<p>Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.</p></blockquote>
<p><strong>15.37 Uhr:</strong> In Kürze gibt der DLV eine Erklärung zu Harting ab. Sie werden ihn aber nicht aus dem Team schmeißen.</p>
<p><strong>15.46 Uhr:</strong> Vor 30 Sekunden gekommen:</p>
<blockquote><p><strong>Stellungnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV):</strong></p>
<p>Bezüglich der Aussagen von Diskuswerfer Robert Harting in der jüngeren Vergangenheit zu Doping und aktuell zu Dopingopfern gibt Professor Dr. Eike Emrich, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und gleichzeitig Teamchef der deutschen Mannschaft bei der Leichtathletik-WM in Berlin, folgende Stellungnahme auf der Basis eines Gesprächs mit Robert Harting  ab:</p>
<ol>
<li>Robert Harting ist gegen jede Form des Dopings im Sport.</li>
<li>Robert Harting wünscht sich international überall Doping-Kontrollen in hoher Dichte aus Gründen der Chancengleichheit.</li>
<li>Robert Harting bedauert aufrichtig seine nach der Diskus-Qualifikation getätigten Aussagen gegenüber Dopingopfern.</li>
<li>Mit der Bitte um Nachsicht führt Robert Harting an, dass die Anspannung des Qualifikations-Wettkampfes nachwirkte und zu unakzeptablen Äußerungen geführt hatte. Dies wurde dadurch verstärkt, dass Diskussionen um die Dopingproblematik in der Vergangenheit wiederholt seine Konzentration auf die Vorbereitung gestört hatten.</li>
<li>Robert Harting wird sich nach seinem Wettkampf in der DLV-Pressekonferenz am Donnerstag, 20.8., persönlich äußern und danach wird der Deutsche Leichtathletik-Verband die Problematik mit ihm noch einmal diskutieren.  </li>
</ol>
</blockquote>
<p><strong>16.42 Uhr:</strong> Zum Witzbolt und den <a title="Leichtathletik-WM, Tag 3: Usain Bolt, Jogging-Gate (II)" href="http://jensweinreich.de/?p=4748" target="_self">Daten gestern</a> noch eine Grafik: Seine Geschwindigkeiten in Meter/Sekunde. (mit Dank an <em><a title="Kommentar von Alex" href="http://jensweinreich.de/?p=4784#comment-12920" target="_self">Alex</a></em>) Das Original findet sich <a title="Usain Bolt: biomechanical analysis" href="http://berlin.iaaf.org/mm/document/development/research/05/31/54/20090817073528_httppostedfile_analysis100mmenfinal_bolt_13666.pdf" target="_blank">hier</a>.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4804" title="Quelle: IAAF, biomechanical analysis" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/bolt-100-v.gif" alt="" width="500" height="295" /></p>
<p><strong>19.15 Uhr:</strong> Ja hat denn niemand die Siegerehrung für die Stabhochspringerinnen gesehen? <em>gua</em> nicht da? <em>Trebor</em> und andere? Was ich nur sagen will: Als ich ins Stadion marschierte, kam mir ein guter alter Bekannter entgegen. Er nestelte an seinem Schlips, denn der muss sitzen. Würde mal sagen, er hat mich gesehen, doch während ich mich auf ein freundliches &#8220;Grüß Gott&#8221; vorbereitete, ein Nicken im Vorübergehen, senkte er den Blick. So auffallend, dass der Kollege K. neben mir brummte: &#8220;Ja, da schau her. Der scheint dich ja zu mögen!&#8221;</p>
<p>Ich habe schnurstracks kehrt gemacht, doch der Herr war schneller und schon in dieser Tür verschwunden, die zur Medal Plaza führt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4806" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/tuer.jpg" alt="" width="500" height="666" /></p>
<p>Nächster Versuch. Umgedreht und durch den erstbesten Eingang auf die Ränge. Ist ja kein Problem, niemand muss hier fürchten, jemandem einen Platz wegzunehmen oder die Sicht zu versperren. Bin also rein und bis zum Wand aus Plexiglas, um jenen, der mir gerade entwischt war, bei der Arbeit zuzuschauen:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4807" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/sieger.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Das UDIOCM.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4808" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/glas.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Weil ich nun schon mal an anderer Stelle im Stadion weilte, habe ich auch gleich <a title="Leichtathletik-WM, Tag 2: Neun. Komma. Fünf. Acht." href="http://jensweinreich.de/?p=4719" target="_self">den Rat des BOC-Geschäftsführers Frank Hensel befolgt</a> und die zu 3/4 stets gut gefüllten Ränge dokumentiert. Das sieht heute so aus:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4809" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/olydienstag1.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Und so:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4810" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/olydienstag2.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Und so:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4811" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/olydienstag3.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Und so:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4812" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/olydienstag4.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Und so:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4813" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/08/olydienstag5.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p><strong>19.33 Uhr:</strong> Wie ich das sehe, hat <strong>Steffi Nerius</strong> eine Medaille schon sicher. 67,30 Meter &#8211; das reicht.</p>
<p><strong>19.40 Uhr: </strong>Ich kopiere mal den sehr schönen Kommentar von <em><a title="Kommentar von Stefan W." href="http://jensweinreich.de/?p=4784#comment-12941" target="_self">Stefan W.</a></em> hinein, der uns überzeugend die Zählweise des BOC erläutert:</p>
<blockquote><p>20 000 sind also etwa 2/3 von 65 000 oder 56 000, und 45 000 sind auch etwa 2/3 von 65 000 oder 56 000. Macht zusammen 4/3. Das ist doch eine recht defensive Zählweise.</p>
<p>Ich würde ja sagen 45 000 sind etwa doppelt so viele wie 20 000, und müssen, da dies 2/3 sind, alleine schon 4/3 sein, plus die 2/3 vom Vormittag ist das Stadion also im Schnitt voll (6/6).</p></blockquote>
<p><strong>19.52 Uhr:</strong> Sanya Richards war natürlich auch eine große Nummer. 49,00. Schneller waren bisher überhaupt nur acht Frauen. Ihre Bestzeit aus 2006: 48,70. Aber bitte jetzt keine Fragen. Lasst uns einfach mal Sport sehen.</p>
<p><strong>19.57 Uhr:</strong> Im Übrigen frage ich mich, was die Dopingopfer mit den 20.000 Brillen machen. Die können sie unmöglich alle verteilt haben. Muss mal nachfragen.</p>
<p><span style="text-decoration: line-through;"><strong>20.11 Uhr:</strong> Wie wär&#8217;s mal wieder mit einer Pressemeldung des BOC? Nur einige Zitate, gerade gekommen (Fettungen wie im Original):</span></p>
<p align="left">Nee, ich habe die Zitate mitsamt Fehler wieder gelöscht. War mir doch zu blöd und kleinlich. Sorry.</p>
<p align="left"><strong>20.47 Uhr:</strong> Statistik gefällig vor den letzten fünf Würfen? Habe mir alle WM-Ergebnisse im Speerwerfen der Frauen angesehen. In sieben von elf Weltmeisterschaften stand die Siegerin mit dem ersten Wurf fest. Ich denke, Steffi Nerius wird die achte Weltmeisterin sein, der das gelingt. Ist halt auch Nervensache. Nur ein Mal gewann eine Werferin mit dem letzten Versuch die Goldmedaille: Es war bei der ersten WM 1983 in Helsinki die Finnin Tiina Lillak.</p>
<p align="left"><strong>20.56 Uhr:</strong> Ist doch ganz nett. Die paar Menschen machen ziemlichen Lärm und die Weltmeisterin wirft sogar nochmal. Tränen. Tränen.</p>
<p align="left"><strong>20.59 Uhr:</strong> <span style="text-decoration: line-through;">Berlino</span> Der Problembär freut sich ebenfalls. Und auf der Tribüne greift sogar Werner Goldmann zur Kamera.</p>
<p align="left"><strong>21.01 Uhr:</strong> Schade für Steffi Nerius, dass nicht mehr Menschen im Stadion sind &#8211; und dass die Regie nicht einfach mit der nächsten Siegerehrung wartet, bis sie ihre Ehrenrunde hinter sich hat. Das ist dumm, das ist ärgerlich, das ist den Sportlern gegenüber respektlos. <em>(Oh, so ein Satz von mir.)</em></p>
<p align="left"><strong>21.20 Uhr:</strong> Zum Abschluss doch noch ein Witz von und mit dem BOC. Wie jeden Abend auch heute &#8211; brandaktuell, vor 20 Sekunden gekommen, die BOC-Zahlen:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>
<p>am vierten Veranstaltungstag der 12. IAAF Leichtathletik WM <strong><em>berlin</em></strong><em> 2009</em><sup>TM</sup> kamen insgesamt <strong>49.848 Besucher</strong> in das Olympiastadion Berlin. Die Vormittagsveranstaltung besuchten <strong>19.951 Zuschauer</strong>, die Abendveranstaltung <strong>29.897</strong>.</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Sport, die Politik, die Dopingopfer und der Bundesgerichtshof</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/07/01/der-sport-die-politik-die-dopingopfer-und-der-bundesgerichtshof/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 09:44:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wurde aber auch Zeit. Zum Treffen von Dopingopfern mit der DOSB-Spitze gestern in Berlin mein Kurzbeitrag im Deutschlandfunk: : Die überarbeitete und verlinkte Variante des Beitrags folgt sofort. Zuvor aber noch einige Gedanken zur Frage: Was/wer ist eigentlich ein Dopingopfer? Die Frage ist ja seit einigen Tagen brennend aktuell, nicht nur deshalb, weil in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wurde aber auch Zeit. Zum Treffen von Dopingopfern mit der DOSB-Spitze gestern in Berlin mein Kurzbeitrag im Deutschlandfunk:</p>
<p><a title="DLF vom 30. Juni 2009 - Dopingopfer/DOSB" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/30/dlf_20090630_2257_7fc98652.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Die überarbeitete und verlinkte Variante des Beitrags folgt sofort. Zuvor aber noch einige Gedanken zur Frage: Was/wer ist eigentlich ein Dopingopfer? Die Frage ist ja seit einigen Tagen brennend aktuell, nicht nur deshalb, weil in SPD-Kreisen (Dagmar Freitag/DLV-Vizepräsidentin), Clemens Prokop (DLV-Präsident), Peter Danckert (Sportausschuss-Chef) ganz plötzlich Irritationen auftreten. Werden hier Opfer gezielt diskreditiert?</p>
<p>Es lohnt sich, derlei Fragen zu erörtern. Für Juristen und für solche, die es werden wollen, als Argumentationshilfe: Der Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 9. Februar 2000 in der Strafsache gegen den Dopingarzt und Stasispitzel (IM <a title="BLZ: Von &quot;Hirnhormonen&quot; und &quot;kriminellen Vergehen&quot;" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0416/sport/0020/index.html" target="_self">Jürgen Wendt</a>) Bernd Pansold, der bei Red Bull in Salzburg für Nachwuchssportler zuständig ist.</p>
<ul>
<li><a title="BGH-Beschluss vom 9. Februar 2000" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/07/bgh-pansold-dopingopfer.pdf" target="_blank">BGH-Beschluss</a>, pdf (9 Seiten &#8211; 1,3 MB)</li>
</ul>
<p>Darin geht es vor allem um die Frage der Verjährung von Dopingtaten, auf Seite 7 wird eine Art Opfer-Definition getroffen, finde ich.</p>
<blockquote><p><strong>Die betroffenen minderjährigen Sportlerinnen wurden von Staats wegen unter Hintanstellung wesentlicher persönlicher Belange für staatliche Zwecke instrumentalisiert.</strong></p></blockquote>
<p>Weiter, und nachfolgende Passage gilt m. E. auch für erwachsene Sportler, die gedopt wurden:</p>
<blockquote><p><strong>Obgleich sie nicht als Systemgegner angesehen waren, vielmehr vom System als besonders förderungswürdig anerkannt waren, wurden auch sie zu Opfern des Systems, da ihnen ohne Rücksicht auf ihren Willen eine sogar ihrem Wissen vorenthaltene Aufopferung ihrer Gesundheit durch Hinnahme beträchtlicher gesundheitlicher Gefährdung abverlangt wurde.</strong></p></blockquote>
<p>Es ist traurig und beschämend, dass diese Frage im Jahr 20 nach der Wende noch diskutiert werden muss und neu aufgeworfen wird.</p>
<p>Hier nun meine Anmerkungen &#8211; sachlich, versteht sich &#8211; zum gestrigen Termin:</p>
<p>Die Eckdaten des Treffens am 30. Juni in der Berliner Dependance des Deutschen Olympischen Sportbundes: Das Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden. Auf Seiten des DOSB diskutierten: Präsident Thomas Bach, Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper und Generaldirektor Michael Vesper. Für die Dopingopfer sprachen: Ines Geipel, <a title="Andreas Krieger zum Fall Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a>, Uwe Trömer und Bernd Richter. Geipel, Trömer und Krieger sind seit langem Wortführer der Dopinggeschädigten. Bernd Richter, ehemals Hammerwerfer beim ASK Potsdam, wurde in der DDR auch politisch verfolgt und saß im Stasi-Gefängnis.</p>
<p>In Kernfragen der Auseinandersetzung über den Umgang mit Dopingtätern gab es keine Annäherung. Ines Geipel: „Klar ist, dass wir zu den belasteten Dopingtrainern unterschiedliche Positionen haben. Wir haben noch mal sehr klar gemacht, dass eine Entschuldungspauschale nicht reicht. Wir bleiben dabei, dass es konkreter zugehen muss im Zusammenhang mit den belasteten Trainern.&#8221;</p>
<p>Die Opfer werden weiter dagegen angehen und <a title="&quot;Historische Hypotheken des deutschen Sports&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4057" target="_self">rechtliche Mittel gegen Trainer und die Vergabe von Sportfördergeldern</a> prüfen. Eine umfassende <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Eingabe beim Petitionsausschuss</a> des Bundestages ist anhängig. Es bleibt auch bei den bereits angekündigten Protestaktionen im August rund um die Leichtathletik-WM in Berlin. „Es wird eine internationale Pressekonferenz geben. Es wird die Andreas-Krieger-Medaille vergeben werden&#8221;, sagt Ines Geipel. Damit werden wir ein deutliches Signal auch im Kontext dieser Trainerdebatte setzen. Also soviel Unabhängigkeit muss es von unserer Seite aus geben. Und das, dächten wir, erträgt der freie Sport in Deutschland auch.&#8221;</p>
<p><span id="more-4081"></span>DOSB-Generaldirektor Vesper hatte sich am Montag vehement gegen eine Pressemitteilung der Dopingopfer verwahrt (<em><a title="&quot;Historische Hypotheken des deutschen Sports&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4057" target="_self">hier wurde darüber diskutiert</a>, der DOSB-General fürchtete offenbar um seine Kommunikationsherrschaft</em>). Er machte nun im Gespräch erneut die Grundhaltung von Sport und Politik deutlich: „Unsere Position ist klar: <a title="Die Propagandamaschine brummt" href="http://jensweinreich.de/?p=3473" target="_self">Wir stehen gegen eine Generalamnestie für Trainer</a>, die sich am Doping in der DDR, am Staatsdopingsystem beteiligt haben. Wir stehen aber auch gegen eine Generalverurteilung dieser Trainer für immer und ewig, sondern wir sagen: Wir möchten uns gerne mit den Einzelfällen beschäftigen und die Kommission, die wir eingesetzt haben unter Udo Steiner, sich damit befassen lassen.&#8221; (<em>Es wäre übrigens dringend geboten, würde die Steiner-Kommission endlich sämtliche zur Verfügung stehenden Dokumente, etwa Gerichtsbeschlüsse, wahrnehmen. Die Opfer wollen wohl einige pdf-Dateien und Originale zur Verfügung stellen.</em>)</p>
<p>Gleichzeitig sagt Vesper, er wende sich gegen jede <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Verunglimpfung von Dopingopfern</a>, wie sie in diesen Tagen vor allem aus dem Sportausschuss des Bundestages zu vernehmen waren. Dazu hat Andreas Krieger einen persönlichen Brief an Peter Danckert (SPD/Pferdesportverband Berlin-Brandenburg/Nada-Kuratorium) geschrieben. Danckert kämpft um seine Wiederwahl in einem Ost-Wahlkreis und würde nur zu gern eine Art Sportminister werden. Seine Haltung - geschichtsklitternd? ostalgisch? populistisch auf seinen Wahlkreis zugeschnitten? - illustriert vielleicht dieses <a title="DLF-Interview mit Peter Danckert vom 28. Juni 2009" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/990503/" target="_blank">Interview</a> im Deutschlandfunk mit Herbert Fischer-Solms:</p>
<p><a title="Interview Danckert, DLF, 28. Juni 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/28/dlf_20090628_1940_9880f141.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>DOSB und Dopingopfer wollen künftig punktuell gemeinsam arbeiten. Die Opfer sollen in Präventionsmaßnahmen des Sports eingebunden werden (dieses Versprechen hatte es vor Jahren schon einmal gegeben), es soll einen Ansprechpartner beim DOSB geben, das wird wahrscheinlich der Justitiar Holger Niese sein, außerdem eine gemeinsame Beratungsstelle (mit dem DOH/auch dieses Projekt wurde vor Jahren schon einmal besprochen). In Berlin suchten beide Seiten den Dialog, ohne sich zu verleugnen. Die Opferrente ist dabei eine zentrale Forderungen der ehemaligen Athleten. Vesper sagt: „Wir haben verabredet, dass wir uns sehr bald nach der Bundestagswahl wieder zusammensetzen. Weil eine der Fragen, die wir heute diskutiert haben, die Frage der Rentenzahlungen für schwer geschädigte Dopingopfer, diese Frage ist nicht von uns zu lösen, die ist allein von der Politik zu lösen. Und da denken wir, dass wir Gespräche führen werden nach der Bundestagswahl, wenn die neue Regierung sich gebildet hat.&#8221;</p>
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		<title>&#8220;Historische Hypotheken des deutschen Sports&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 10:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle Pressemitteilung einiger DDR-Dopingopfer vor dem Gespräch mit DOSB-Präsident Thomas Bach am morgigen Dienstag in Berlin:</p>
<blockquote><p><strong>DDR-Dopingopfer fordern: DOSB muss die historischen Hypotheken des deutschen Sports endlich annehmen und dabei zu verbindlichen Vereinbarungen kommen</strong></p>
<p>Eine Gruppe von anerkannten DDR-Dopingopfern (Andreas Krieger, Uwe Trömer, Bernd Richter, Ines Geipel) wird am Dienstag, den 30. Juni 2009, in einem Gespräch in Berlin mit dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, die aus ihrer Sicht dringendsten Themen zum Umgang mit der Dopinghistorie des deutschen Spitzensports besprechen und dabei auf verbindliche Lösungen drängen. </p>
<p>Die Anfang April diesen Jahres erfolgten <a title="Die Propagandamaschine brummt" href="http://jensweinreich.de/?p=3473" target="_self">Pauschalentschuldungen</a> für fünf dopingbelastete Bundestrainer des Deutschen Leichathletikverbandes (DLV) waren auf den <a title="DDR-Dopingopfer zur &quot;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3454" target="_self">massiven</a> <a title="Antje und Henner Misersky: &quot;Erst die Medaillen, dann die Moral!&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3468" target="_self">Protest</a> der <a title="Erklärung von DDR-Dopingopfern: &quot;Kein fauler Frieden in der Doping-Aufarbeitung&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3152" target="_self">Geschädigten</a> getroffen. Ihre Begründung lautet:</p>
<p>„Diese Art anonymisierter Aufarbeitung nivelliert nicht nur die historischen Tatsachen, sie wird auch dem erlittenen Unrecht im DDR-Sport in keiner Weise gerecht&#8221;.</p>
<p>Nach Auffassung der Doping-Geschädigten ist im Vorfeld der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin „eine politisch durchsichtige, aber umso <a title="Notizen vom Sportausschuss (11): &quot;eine besondere Art Mensch&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">aggressivere Diskreditierung der Opfer</a> von Seiten der <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit und mit Dopingrekorden" href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">Politik</a> und des Sports im Gange.&#8221;</p>
<p><strong>Sie weisen diese Verleumdungen entschieden zurück und verlangen, dass der Regression in der Aufarbeitung deutlich Einhalt geboten wird.</strong></p>
<p><span id="more-4057"></span>In der Frage der dopingbelasteten Trainer halten die ehemaligen Athleten ihren Protest aufrecht und verweisen darauf, dass eine Weiterbeschäftigung dieser Trainer nur in Betracht kommen kann, wenn sie ihren Aufklärungspflichten nachkommen und endlich konkrete Aussagen zum Tatgeschehen treffen, die der Überwindung der vorsätzlichen Schädigungen der Sportlerinnen und Sportler dienen.</p>
<p>Zugleich erinnern sie daran, dass die Verjährungsfrist bei zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen wegen Körperverletzung nach §199 Abs. 2 BGB grundsätzlich 30 Jahre dauert, gerechnet ab Begehung der Tat. </p>
<p>In das Gespräch mit DOSB-Präsident Bach gehen die früheren Athleten mit der Forderung nach einem gemeinsamen Treffen mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, mit dem DLV-Präsidenten Clemens Prokop sowie mit einem unabhängigen Juristen zur Klärung rechtlicher Fragen sowie zur Herstellung von Transparenz hinsichtlich der Arbeit der Steiner-Kommission des DOSB.</p>
<p>Gesprächsthema wird außerdem die <a title="Die Verbal-Salti des Christoph Bergner" href="http://jensweinreich.de/?p=4031" target="_self">rechtswidrige Mittelvergabe der Sportförderpolitik des Bundes</a> sein, die im Juni des Jahres auch Gegenstand einer <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Petition des Dopingopferhilfevereins</a> (DOH) geworden ist. Hier ist zu klären, ob eine Strafverfolgung der dafür Verantwortlichen wegen Untreue gemäß §66 StGB in Betracht kommt. In jedem Fall sei es politisch angreifbar, dass BMI-Staatssekretär Bergner erst kürzlich widersprüchliche Äußerungen hinsichtlich der Mittelrückgabepolitik gemacht hat.</p>
<p>Der DOSB hatte in seinem „Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen Doping&#8221; im Dezember 2006 angekündigt, DDR-Dopingopfer zu bitten, an der Dopingprävention mitzuwirken, denn niemand könne „glaubwürdiger als sie über die schlimmen Folgen des Dopings berichten&#8221;. Da der DOSB das Angebot der Doping-Geschädigten bisher nicht angenommen hat, fordern sie nunmehr die aktive Einbeziehung bei Planung, Durchführung und Evaluation von Anti-Doping-Aktivitäten des DOSB, etwa des seit einem Jahr angekündigten Forschungsprojektes zur Aufarbeitung der Dopinggeschichte Deutschlands. Des weiteren soll das Gespräch ergeben, wie die Möglichkeit einer speziellen Dopingopferrente gemeinsam in Angriff zu nehmen ist und wie eine unabhängige Doping-Präventions- und Beratungsstelle in Trägerschaft des DOH verwirklicht werden kann. Hier geht es darum, DOSB, Sportverbände und Stiftungen zu finanzieller Beteiligung und zu mehr Kooperation zu bewegen, um das Schadensvolumen des deutschen Sports projektiv und nachhaltig aufzufangen.</p></blockquote>
<p>Nachtrag, 15.16 Uhr: Oh, der Herr <a title="www.michael-vesper.de" href="http://www.michael-vesper.de/" target="_blank">Vesper</a> (DOSB-Generaldirektor/Bündnis 90/Die Grünen) ist verärgert über die Pressemitteilung. Tja, er ist es gewöhnt, die Nachrichten zu bestimmen. Christian Klaue schreibt im <strong>Sportinformationsdienst</strong> u.a.:</p>
<blockquote><p>Berlin (SID) Mit der Veröffentlichung eines Forderungskatalogs haben DDR-Dopingopfer vor einem Gespräch mit DOSB-Präsident Thomas Bach am Dienstag in Berlin (15 Uhr) den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verärgert. In einer Pressemitteilung, verbreitet von der Autorin und Literatur-Professorin Ines Geipel, hatte es zuvor geheißen: &#8220;Der DOSB muss die historischen Hypotheken des deutschen Sports endlich annehmen. Wir werden auf verbindliche<br />
Lösungen drängen.&#8221;</p>
<p>Der DOSB zeigte sich befremdet, dass vor einem internen Gespräch via Presse ein Forderungskatalog &#8220;auf den Tisch geknallt wird&#8221;, wie Generaldirektor Michael Vesper sagte: &#8220;Das ist kein Umgang miteinander. Es lässt befürchten, dass hier kein ernsthaftes Gespräch gesucht wird, sondern eine öffentliche Show inszeniert werden soll.&#8221; (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Ich betrachte Vespers Behauptung, es werde &#8220;kein ernsthaftes Gespräch gesucht&#8221; nicht nur als Nonsens, sondern als perfide. Politische Propaganda halt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Dopingtrainer: Das Gutachten von Martin Nolte</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 10:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nachtrag zur Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch und zur Propaganda des Sportpolitikkartells (DOSB, DLV, BMI et al.): Die Stellungnahme des derzeit im Sport allgegenwärtigen und auf vielen Seiten tätigen Privatdozenten Martin Nolte. Ich betrachte das Papier eher als Meinungsäußerung. Ich finde dennoch, dass es sich lohnt sich, die Zeilen zu studieren. Wenn das Kartell damit argumentiert und beispielsweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachtrag zur <a title="Notizen vom Sportausschuss (11) ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4006" target="_self">Sportausschuss-Sitzung am Mittwoch</a> und zur Propaganda des Sportpolitikkartells (DOSB, DLV, BMI et al.): Die Stellungnahme des derzeit im Sport allgegenwärtigen und auf vielen Seiten tätigen Privatdozenten Martin Nolte.</p>
<p>Ich betrachte das Papier eher als Meinungsäußerung. Ich finde dennoch, dass es sich lohnt sich, die Zeilen zu studieren. Wenn das Kartell damit argumentiert und beispielsweise behauptet, die Überprüfung der Steuermittel für Doper sei kompliziert und Rückforderungen rechtlich kaum möglich, ist das ein Witz. Dies zum einen, zu einem leider in den Medien immer noch unterbelichteten Thema. Denn es geht ja bei der Entschuldungspauschale für Doper und dem Umgang mit Opfern (die es laut Sportausschuss-Chef, SPD-Mann und Reitsportfunktionär Danckert ohnehin kaum gibt) nicht nur um moralische Fragen. Ach Gott. Es geht, knallhart, um die rechtmäßige Verwendung von hunderten Millionen Steuermitteln seit 1991 und um die Verantwortung von BMI, Bundestag (Kontrollfunktion) und Verbänden.</p>
<p>Dieser verwaltungsrechtliche Aspekt bleibt weiter völlig unklar. Aus meiner Sicht ist Nolte bemüht, das Problem maximal zu reduzieren<span style="text-decoration: line-through;">, indem er es zur Frage von Verfassungsrecht, Sportrecht aufbauscht &#8211; und das Verwaltungsrecht außer Acht lässt. Das ist eben kein Juristen-Gutachten zur Kontrollmöglichkeit über Zuwendungsbescheide, über die Zulässigkeit der Rückforderung von Fördermitteln. &#8220;Fördern und Fordern&#8221;, wie etwa diese Passage zeigt</span>:</p>
<blockquote><p>Der Staat ist allerdings Hauptförderer des Sports. Die Förderung muss mit inhaltlichen Zwecksetzungen (Forderungen) verbunden werden. Dies verlangt  das Haushaltsrecht.</p></blockquote>
<p>Untersucht wird das nicht näher.</p>
<p>Andere interessante Passagen: </p>
<blockquote><p>Diese Prüfung (durch Verbände) muss schließlich eine kontrollierbare Abwägungsentscheidung sein. Denn nur so erfolgt eine Rückbindung an den fördernden Staat. Die Kontrolle hat aber wiederum die Eigenverantwortung der Verbände zu wahren. Aus alledem ergibt sich ein reduzierter Kontrollmaßstab.</p></blockquote>
<p>Was heißt das? Die Abwägung hat es nachvollziehbar nicht gegeben?</p>
<p>Oder dies:</p>
<blockquote><p>Belastbare Falschaussagen zur eigenen Dopingvergangenheit wirken negativ, persönliche Entschuldigungen bei Opfern positiv. Wichtig ist ferner die aktive Mitwirkung von Trainern an der Aufklärung von Dopingpraktiken im Allgemeinen, wie dies beispielsweise im Rahmen von Kronzeugenregelungen bei der Dopingbekämpfung nach dem WADC und dem NADC praktiziert wird. Auch die Tatsache, ob der Trainer aus eigenem Antrieb oder durch Andere zur Aussage über seine Verstrickungen gelangt, ist wichtig.</p></blockquote>
<p>Hier nun der komplette Text: </p>
<blockquote><p>Sportausschuss<br />
Ausschussdrucksache Nr. 217<br />
vert. am: 19.06.2009</p>
<p>PRIVATDOZENT DR. MARTIN NOLTE<br />
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel<br />
Olshausenstraße 75<br />
24098 Kiel</p>
<p><strong>Umgang mit ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern</strong></p>
<p><span id="more-4019"></span>(Schriftliche Stellungnahme zur Sitzung des Sportausschusses vom 17. Juni 2009)</p>
<p>I. Maßstab: Moral oder Recht?</p>
<p>Der Umgang mit ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern ist ein komplexes Problem. Dieses Thema betrifft verschiedene Bereiche wie Politik, Moral und Recht, die sich zudem nicht immer klar voneinander trennen lassen. So sind insbesondere Moral und Recht in vielfältiger Weise miteinander verwoben. Dies zeigt sich insbesondere bei der Dopingbekämpfung. Die sportethischen (moralischen) Vorstellungen eines dopingfreien „sauberen&#8221; Sports finden ihren Ausdruck in dem selbst gesetztem Regelwerk der privaten Sportorganisationen. An oberster Stelle steht der World-Anti-Doping-Code, auf den wiederum das zwischenstaatliche UNESCO-Übereinkommen gegen Doping im Sport &#8211; gleichsam im Wege einer „Privatisierung des Völkerrechts&#8221; &#8211; Bezug nimmt. Dieser zwischenstaatliche Vertrag hat wiederum vielfältige Auswirkungen auf das nationale Recht, was seinerseits auf die hiesigen Moralvorstellungen reflektiert. Denn in Veränderungen des gelten Rechts spiegeln sich veränderte Moralauffassungen. Moral und Recht stehen in einer gewissen Wechselbeziehung. Dies zeigt sich insbesondere bei der Dopingbekämpfung im Sport. </p>
<p>Meine Stellungnahme erfolgt &#8211; trotz unvermeidlicher Überschneidungen der oben genannten Bereiche &#8211; in erster Linie aus dem Blickwinkel des Rechts, in dem sich auch wichtige Moralvorstellungen wieder finden. Maßgeblich sind hierbei insbesondere das Verfassungsrecht und das Sportrecht im engeren Sinne, also die selbst gesetzten Regeln des organisierten Sports. Das Arbeitsrecht steht dahinter zurück. Zugrunde gelegt wird schließlich die heutige Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung des DDR-Systems. Denn der heutige Umgang mit „belasteten&#8221; Trainern hat sich an der aktuellen Rechtslage zu orientieren.</p>
<p>II. Sportverbandliche Abwägung und staatliche Kontrolle </p>
<p>Aus Sicht des geltenden Rechts interessieren vor allem drei Aspekte in folgender Reihenfolge: Welches sind die konfligierenden Belange bzw. Interessen beim Umgang mit belasteten Trainern, die sich nicht nur moralisch ableiten lassen, sondern auch Widerhall im heutigen Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland finden? Aus der Zusammenstellung aller Interessen der Beteiligten (Sportler, Trainer, Verbände und Öffentlichkeit) ergibt sich das Abwägungsmaterial. <br />
   <br />
Die abgeleiteten Interessen können gleichwohl nicht im Wege einer allgemeinen Abwägung gegenüber gestellt werden. Denn dies widerspräche der spezifischen Verantwortungsteilung von Staat und Sport. Bei den Sportorganisationen handelt es um private Einrichtungen, die jedenfalls nicht unmittelbar an die Verfassungsprinzipien und Grundrechte des Grundgesetzes gebunden sind. Allerdings muss die Tatsache Berücksichtigung finden, dass der Staat nach wie vor Hauptförderer des Sports ist und daher Mitverantwortung für einen „sauberen&#8221; Sport trägt. Fördern und Fordern gehören zusammen.</p>
<p>Aus diesen Besonderheiten erfolgt im letzten Schritt die Antwort nach einer ausgewogenen Verantwortungsteilung zwischen Staat und Sport beim Umgang mit in Dopingpraktiken verwickelten Trainern. Dabei geht es um die Eigenverantwortung der Sportverbände zur Einzelabwägung auf der einen Seite und deren veritable Steuerung durch den Staat auf der anderen Seite. Dies läuft im Ergebnis auf ein „Zweistufenmodell&#8221; als Alternative zu einer sog. Teil- oder Generalamnestie hinaus.</p>
<p>1. Abwägungsmaterial</p>
<p>Im Umgang mit den Trainern zeigt sich ein multipler Interessenskonflikt. Auf der einen Seite stehen die legitimen Interessen gedopter Sportler. Sie haben Anspruch auf Sühne, Vergeltung und Ausgleich für Dopingpraktiken, von denen sie entweder überhaupt nichts oder nicht in vollem Umfang Bescheid wussten. Ihnen geht es nicht zuletzt um Kenntnis, welche Dopingmittel verabreicht wurden. Denn nur so können wirksame Behandlungsmaßnahmen durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass Dopingpraktiken die Sportethik und das Selbstverständnis der Sportverbände verletzen, was in zahlreichen internationalen und nationalen Erklärungen &#8211; wie dem WADC und dem NADC &#8211; seinen Ausdruck findet. Die Auseinandersetzung mit ehemaligen Dopingpraktiken ist ferner wichtig zur Vermeidung von Wiederholungen bzw. Nachahmungseffekten in der Zukunft.</p>
<p>Schließlich hat der Staat eine Schutzpflicht für Leib und Leben und ist durch internationalrechtliche Bindungen &#8211; Europaratsübereinkommen gegen Doping, UNESCO-Konvention gegen Doping im Sport &#8211; zur Dopingbekämpfung verpflichtet. Die Bekämpfung des Dopings schließt die Auseinandersetzung mit  ehemals in Dopingpraktiken verwickelten Trainern allein schon deshalb ein, weil diese Trainer weiterhin beschäftigt sind. Im Übrigen geht es auch um das Ansehen des Sports in der Öffentlichkeit und deren Vertrauen in sportliche Leistungen.</p>
<p>Auf der anderen Seite stehen das Interesse und das Recht des Trainers auf Beschäftigung im Sport. Dieses Interesse ist regelmäßig keines an Wiedereingliederung bzw. Re-Sozialisierung (ggf. auch als „zweite Chance&#8221; tituliert). Denn Wiedereingliederung und Resozialisierung würden voraussetzen, dass Sanktionen bereits verbüßt wurden. Ist dieses nicht der Fall, konzentriert sich das Interesse der Trainer auf seine Beschäftigung im Sport.</p>
<p>Hinzu tritt nicht zuletzt die Eigenverantwortung der Sportverbände. Sie haben das Recht zum Abschluss sowie zur Kündigung privater Arbeitsverträge im Rahmen des geltenden Arbeitsrechts. Sie haben aber vor allem auch die Möglichkeit zur Steuerung im Rahmen des selbst gesetzten Regelwerks. Hier liegen die primären Steuerungsinstrumentarien, auf deren Gebrauch der Staat hinzuwirken in der Lage ist.</p>
<p>2. Verantwortungsteilung</p>
<p>Die vorerwähnten Interessen müssen der Besonderheit im Sport Rechnung tragen. Sportverbände sind keine staatlichen, sondern private Organisationen. Probleme sind deshalb zunächst in eigener Verantwortung aufgrund selbst gesetzter Regeln zu lösen. Verfassungsprinzipien und Grundrechte, in denen sich die aufgezeigten Interessen wieder finden, gelten für Sportverbände nicht unmittelbar. Denn eine solche Vorstellung widerspricht der primären Abwehrfunktion der Grundrechte vor dem Staat (Art. 1 Abs. 3 GG).</p>
<p>Prinzipien und Grundrechte, in denen sich die konfligierenden Interessen im Umgang mit den Trainern widerspiegeln, enthalten aber auch objektive Werte. Diese Werte strahlen auch in private Rechtsbeziehungen ein. Dies gehört zu den Grundsätzen anerkannten Rechts und insbesondere auch Bedeutung für das Arbeitsrecht. Hier entfalten Grundrechte eine mittelbare Bindung. Diese Bindung dürfte umso mehr bestehen, als Private öffentlich finanzierte Gemeinwohlfunktionen wahrnehmen.</p>
<p>Der Staat ist allerdings Hauptförderer des Sports. Die Förderung muss mit inhaltlichen Zwecksetzungen (Forderungen) verbunden werden. Dies verlangt  das Haushaltsrecht. Im Bereich der Dopingbekämpfung kommen verfassungsrechtliche und internationale Verpflichtungen des Staates hinzu. Dies bedeutet, dass die Förderung des Sports nur unter der Voraussetzung eines „sauberen&#8221; Sports stehen darf.</p>
<p>Diese Voraussetzung hat gleichwohl die Eigenverantwortung der privaten Verbände zu wahren. Denn ansonsten würde sich der Staat in die Rolle der Verbände begeben und die Trennung von Staat und Sport aufgeben. Sport würde zum Staatssport &#8211; was mit der grundsätzlichen Trennung von Staat und Gesellschaft in Deutschland unvereinbar wäre. Die grundsätzliche Trennung von Staat und Sport wirkt sich aus auf  den konkreten Umgang mit belasteten Trainern.</p>
<p>3. Kontrollmöglichkeit</p>
<p>Der Umgang mit in Dopingpraktiken verwickelten Trainern hat somit zwei Orientierungsmarken: Zum Ersten das Abwägungsmaterial aus den verschiedenen Interessen aller Akteure; zum Zweiten die spezifische Verantwortungsteilung zwischen Staat und Sport, die sich in einer Wechselbeziehung von Förderung und (kontrollierbarer) Forderung ausdrückt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund liegt ein „Zweistufenmodell&#8221; nahe: Die erste Stufe betrifft das „ob&#8221;. Hier geht es um die Verantwortung des Staates. Er kann (und muss) Sportverbände dazu anhalten, der Verwicklung belasteter Trainer bei objektiven Anhaltspunkten nachzugehen. Diese Pflicht ist umsetzbar über entsprechende &#8211; in jedem Fall klar und eindeutig formulierte &#8211; Klauseln (Inhaltsbestimmungen, Bedingungen, Auflagen) in Förderbescheiden seitens des BVA/BMI. Nur beiläufig sei bemerkt, dass pauschale Entschuldigungserklärungen von Trainern einer Einzelabwägung nicht gerecht werden und keinen &#8211; wie auch immer gearteten &#8211; Opferausgleich der betroffenen Sportler darstellen.</p>
<p>Die zweite Stufe betrifft das „wie&#8221;. Hier geht es um die Eigenverantwortung der Sportverbände. Sie müssen die Einzelfallprüfung entweder selbst oder durch eine unabhängige Kommission (Steiner-Kommission) durchführen. Diese Prüfung muss schließlich eine kontrollierbare Abwägungsentscheidung sein. Denn nur so erfolgt eine Rückbindung an den fördernden Staat. Die Kontrolle hat aber wiederum die Eigenverantwortung der Verbände zu wahren. Aus alledem ergibt sich ein reduzierter Kontrollmaßstab. Dieser ist auf vier Aspekte konzentriert: Die Kontrolle des Staates ist beschränkt auf die Tatsache, ob der Verband bei Vorliegen objektiver Verdachtsmomente überhaupt eine Abwägungsentscheidung getroffen hat (Ausfall), ob der Verband alle entscheidungserheblichen Umstände berücksichtigt hat (Defizit), ob er ihnen den richtigen Wert beigemessen und sie richtig ins Verhältnis zueinander gesetzt hat (Disproportionalität) und sich nicht von sachfremden Motiven leiten liess (Fehlgebrauch). Die Kontrolle der Abwägungsentscheidung im engeren Sinne ist dem Staat jedoch entzogen. Hierzu gehört insbesondere die Frage, welche verbandsinternen (vermutlich weniger arbeitsrechtlichen) Konsequenzen aus einer getroffenen Abwägungsentscheidung getroffen werden.</p>
<p>Die abwägungsrelevanten Umstände, die in entsprechenden Förderbescheiden formuliert werden könnten, ließen sich wiederum in einer Art „Checkliste zum Umgang mit Trainern&#8221; zusammen stellen:</p>
<p>Entscheidend dabei ist zunächst die Erheblichkeit bzw. das Maß der Verstrickung des (objektiv) belasteten Trainers. Diese Verstrickung ergibt sich aus dem zeitlichen und qualitativen Umfang, also die Anzahl gedopter Sportler und betroffener Sportarten. Auch die mögliche Inkaufnahme und tatsächliche Verursachung von Gesundheitsschäden spielt eine wichtige Rolle. Dabei gilt folgender Grundsatz: Je größer die Verstrickung, desto unwahrscheinlicher die Annahme einer vollständigen Loslösung von der Verstrickung.</p>
<p>Die Beurteilung der persönlichen Vorwerfbarkeit ehemaliger DDR-Trainer ist hierbei mit besonderer Sorgfalt zu treffen. Denn die Rechts- und Gesellschaftsordnung der DDR besteht nicht mehr. Auch waren die Trainer auf verschiedenen Ebenen in unterschiedlichen Positionen dem Prinzip von Befehl und Gehorsam unterworfen. Schließlich spielt auch das damalige Alter der Trainer und ihre persönliche Erfahrenheit eine gewichtige Rolle.</p>
<p>Ganz entscheidend ist aber der Zeitfaktor, insbesondere späteres Wohlverhalten von Trainern. Der Reifeprozess ist wichtig. Belastbare Falschaussagen zur eigenen Dopingvergangenheit wirken negativ, persönliche Entschuldigungen bei Opfern positiv. Wichtig ist ferner die aktive Mitwirkung von Trainern an der Aufklärung von Dopingpraktiken im Allgemeinen, wie dies beispielsweise im Rahmen von Kronzeugenregelungen bei der Dopingbekämpfung nach dem WADC und dem NADC praktiziert wird. Auch die Tatsache, ob der Trainer aus eigenem Antrieb oder durch Andere zur Aussage über seine Verstrickungen gelangt, ist wichtig.</p>
<p>Wichtig bei alledem ist gleichwohl, dass die Entscheidung der Verbände nicht durch eine des Staates ersetzt wird. Denn das widerspricht der verfassungsrechtlichen Trennung von Staat und Sport in Deutschland &#8211; trotz aller wechselseitigen Verzahnungen.  </p></blockquote>
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		<title>Dichtung und Wahrheit und Ehrendoktor Schäuble</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 11:11:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Damit es nicht untergeht in den langen Kommentarspalten: Andreas Krieger schrieb gerade: Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen. Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit es nicht untergeht in den langen <a title="Kommentar von Andreas Krieger zu Werner Goldmann darf wieder ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3918#comment-9529" target="_self">Kommentarspalten</a>: <a title="Andreas Krieger zum Fall Goldmann" href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a> schrieb gerade:</p>
<blockquote><p>Wissen sie, was mich an der ganzen Geschichte stört? Solche Behauptungen wie von den Herren Schneider und Pottel wären vor zehn Jahren noch nicht gefallen.</p>
<p>Heute greift die Verjährung. Von dieser Seite aus kann ihnen nichts mehr passieren. Dazu bekommen sie durch ihre &#8220;Pauschalentschuldigung&#8221; auch noch Rückendeckung von Seiten des Sports und dürfen damit ihre Jobs behalten. &#8220;Wie feige!&#8221;</p>
<p>Ich habe mein EM-Gold nicht umsonst abgegeben. Denn ich wusste als Werfer (auch wenn Herr Schneider es anders behauptet) <strong>nicht</strong>, was mir dort verabreicht wurde. Ich habe es erst durch die Prozesse erfahren.</p>
<p>Was wirklich schlimm ist?</p>
<p>Ich komme mir vor wie ein Vergewaltigungsopfer, das vor Gericht zwar Recht bekommen hat, der Täter wurde auch verurteilt, aber dennoch werde ich durch damalige Mittäter immer wieder als die eigentliche Hure hingestellt, die für ihr eigenes Schicksal selbst verantwortlich gemacht wird.</p>
<p>Das ist schlimm und das tut weh.</p></blockquote>
<p>Und das ist die menschliche Dimension dieser Diskussion. Die Opfer werden nicht gehört, daran ändert auch ein Treffen nicht, dass es irgendwann vor der Leichtathletik-WM geben soll, das kommt zu spät und wird letztlich nur die Propaganda stärken. Täter und deren Gönner setzen sich einmal mehr durch, in schamloser Weise. Und sie verstoßen gegen zahlreiche Regeln, die in einer demokratischen Gesellschaft eingehalten werden sollten, und deren Nichteinhaltung zunächst parlamentarische und möglicher Weise juristische Konsequenzen haben sollten. Etwa die unsachgemäße Verwendung von vielen Millionen aus Steuermitteln über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Aber die &#8220;Volksvertreter&#8221; <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self">spielen ja mit in diesem unwürdigen Spiel</a>, mit <a title="Reaktion im Sportausschuss ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3895" target="_self">einer Ausnahme</a>. Dies ist die, sagen wir, technokratische Dimension dieser Diskussion. Auch die kommt leider zu kurz, weil jene, die die <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Verwendung von Steuermitteln</a> zu verantworten haben, sich mit diesen &#8220;Pauschalentschuldigungen&#8221; selbst aus der Verantwortung stehlen wollen. Dazu zählen DOSB und Vorgängerorganisationen, DLV und andere Fachverbände, und das BMI &#8211; aber das habe ich oft genug gesagt und dokumentiert.</p>
<p>Passend zur Diskussion ist übrigens diese Pressemitteilung, die mich soeben aus Tübingen erreicht (mit falschem Datum, es geht um den 26. Juni 2009):</p>
<blockquote><p>Ehrendoktorwürde für den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble</p>
<p>An der Eberhard Karls Universität Tübingen findet im Sommersemester 2009 eine au­ßergewöhnliche Feierstunde statt. Am Freitag, 26. Mai 2009 wird die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften dem Bundesminister des Innern, </p>
<p align="center"><strong>Herrn Dr. jur. <a title="tag: Wolfgang Schäuble" href="http://jensweinreich.de/?s=sch%C3%A4uble" target="_self">Wolfgang Schäuble</a>,</strong></p>
<p>die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Promotionsfeier findet um 12.00 Uhr s.t. im His­torischen Lesesaal (Bonatzbau, Wilhelmstraße 32) statt, bei der u.a. der Minister­präsident des Landes Baden-Württemberg, Herr Günther Oettinger, ein Grußwort und Prof. Dr. Helmut Digel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft, die Laudatio spre­chen werden. Hierzu sind Medienvertreter herzlich eingeladen.</p>
<p>Die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard Karls Universität Tübingen würdigt damit die Verdienste von Bundesinnenminister Schäuble um die Sportwissenschaft, die sich in einer Vielzahl von Reden und Beiträgen zu Fragen der Sportpolitik, der Sportwissen­schaft und der Sportentwicklung in Deutschland doku­mentieren. Er hat sich dabei als scharfsinniger Analyti­ker der Sportentwicklung und als Initiator sportwissenschaftlicher Diskurse erwiesen. Mit der Konzipierung von Fachkonferenzen hat er in der Bundesrepublik Deutschland als ein anerkannter Vor­denker auf dem Gebiet der Sportentwicklung ein besonderes Profil gewonnen.</p></blockquote>
<p>Ach ja, Helmut Digel.</p>
<p>Was <a title="tag: Hansjörg Kofink" href="http://jensweinreich.de/?s=kofink" target="_self">Hansjörg Kofink</a> davon hält, kann man <a title="Offener Brief Kofink, Juni 2009" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/06/kofink-7609.pdf" target="_blank">hier als pdf-Datei nachlesen</a> (5 Seiten), ein weiterer Offener Brief von Kofink an die üblichen Verdächtigen in BMI, DLV und DOSB etc. pp.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Reaktion im Sportausschuss: Dopingtrainer-Diskussion am 17. Juni</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/05/27/reaktionen-im-sportausschuss-dopingtrainer-diskussion-am-17-juni/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 12:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal geschehen doch noch Wunder. Ich habe ja unlängst mal nachgefragt, warum sich der Sportausschuss des Bundestages in nun gut fünf Monaten noch nicht mit dem dominierenden sportpolitischen Thema eben jener Monate befasst hat: der Frage von Persilscheinen für Dopingtrainer. Das Protokoll dieser Anfrage, auf die nur vier von 16 Abgeordneten geantwortet haben, ist hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal geschehen doch noch Wunder. Ich habe ja unlängst mal nachgefragt, warum sich der Sportausschuss des Bundestages in nun gut fünf Monaten noch nicht mit dem dominierenden sportpolitischen Thema eben jener Monate befasst hat: der Frage von <a title="tag: Vergangenheitsbewältigung" href="http://jensweinreich.de/?cat=921" target="_self">Persilscheinen für Dopingtrainer</a>. Das Protokoll dieser Anfrage, auf die nur vier von 16 Abgeordneten geantwortet haben, <a title="Ein Arbeitsprotokoll: 20 Fragen an die MdB's im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=3781" target="_self"><strong>ist hier nachzulesen</strong></a>.</p>
<p>Nun steht fest: <strong>Der Ausschuss wird das Thema in seiner Sitzung am 17. Juni behandeln</strong> &#8211; das perfekte Datum für diese Diskussion. Geladen wurde u. a. <a title="Petition des Dopingopferhilfevereins an den Bundestag" href="http://jensweinreich.de/?p=3635" target="_self">Klaus Zöllig</a>, der Vorsitzende des <a title="Der Dopingopferhilfeverein sagt ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3504" target="_self">Dopingopferhilfevereins</a> (DOH).</p>
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		<title>Wolfgang Schäuble lässt Ute Krieger-Krause antworten</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 10:53:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einer fehlte noch: Nach DOSB-Präsident Thomas Bach (UDIOCM) und DLV-Präsident Clemens Prokop hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nun seinen Parlamentarischen Staatssekretär Christoph Bergner auf den offenen Brief von Dopingopfer Ute Krieger-Krause antworten lassen. Hier als jpg, ich hoffe, es lässt sich lesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer fehlte noch: Nach DOSB-Präsident <a title="Thomas Bach antwortet Ute Krieger-Krause" href="http://jensweinreich.de/?p=3501" target="_self">Thomas Bach</a> (UDIOCM) und DLV-Präsident <a title="Clemens Prokop antwortet Ute Krieger-Krause" href="http://jensweinreich.de/?p=3542" target="_self">Clemens Prokop</a> hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nun seinen Parlamentarischen Staatssekretär <a title="Tag Christoph Bergner" href="http://jensweinreich.de/?s=christoph+bergner" target="_self">Christoph Bergner</a> auf den <a title="Offener Brief von Ute Krieger-Krause ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3492" target="_self">offenen Brief</a> von Dopingopfer Ute Krieger-Krause antworten lassen.</p>
<p>Hier als jpg, ich hoffe, es lässt sich lesen.</p>
<p><a href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/04/bergner1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3710" title="Brief Bergner/Schäuble an UKK, Seite 1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/04/bergner1.jpg" alt="" width="500" height="630" /></a></p>
<p><span id="more-3708"></span><img class="aligncenter size-full wp-image-3711" title="Brief Bergner/Schäuble an UKK - Seite 2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/04/bergner2.jpg" alt="" width="500" height="554" /></p>
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		<title>Petition des Dopingopferhilfe-Vereins an den Bundestag</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 10:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Klaus Dieter Zöllig, Vorsitzender des Vereins Dopingopferhilfe (DOH), hat gestern Abend nachfolgende Einzelpetition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übermittelt. Die Meldung darüber und über die angekündigten Protestaktionen der Dopingopfer im Umfeld der Leichtathletik-WM im August in Berlin gingen am Sonntag bereits durch die Medien. Für mich ist diese Petition zunächst wichtiger als andere Aktionen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Klaus Dieter Zöllig, Vorsitzender des <a title="Webseite des DOH" href="http://dohev.de/" target="_self">Vereins Dopingopferhilfe</a> (DOH), hat gestern Abend nachfolgende Einzelpetition an den <a title="Petitionsausschuss im Internet" href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/index.html" target="_blank">Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages</a> übermittelt. Die Meldung darüber und über die angekündigten Protestaktionen der Dopingopfer im Umfeld der Leichtathletik-WM im August in Berlin gingen am Sonntag bereits durch die Medien.</p>
<p>Für mich ist diese Petition zunächst wichtiger als andere Aktionen, weil sie den Fokus endlich wieder auf die politisch Verantwortlichen der Anstellung von ehemaligen Dopern und dieser <a title="DDR-Dopinggeschädigte zur &quot;Entschudlungspauschale für Sportkriminelle&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3454" target="_self">Entschuldungspauschale für Dopingtrainer</a> (und Ärzte und Betreuer?) richtet: die Sportpolitiker im Bundesinnenministerium (BMI), im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Vorgängerorganisationen DSB und NOK sowie in den Fachverbänden. Auf jene also, die im fragwürdigen Zeitraum seit 1990 insgesamt Steuermittel in Höhe von mehreren Milliarden Euro in den Hochleistungssport gepumpt haben und damit auch zahlreiche dopingbelastete Trainer und Mediziner aus Ost und West (<a title="Dopingsystem Freiburg ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3310" target="_self">Freiburg</a> u.a.) finanziert haben. Die Petition richtet sich explizit gegen das für Sport verantwortliche BMI. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat bereits erklärt, die umstrittenen Trainererklärungen <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit und mit Dopingrekorden" href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">akzeptieren zu wollen</a>. Der DOH drängt darauf, dass nicht im Stile eines Duodez-Fürstentums zuwendungsrechtliche Verfehlungen folgenlos bleiben, sondern verlangt, dass bestehende Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen eingehalten werden. Laut DOH dienen die Trainererklärungen auch dazu, die Verantwortung von Sportfunktionären und Politikern zu vertuschen.</p>
<p>Vor der Petition zunächst einige Beiträge aus dem <strong>Deutschlandfunk</strong> vom gestrigen Sonntag zum Nachhören:</p>
<p>Mein Bericht über die Petition mit O-Tönen von Klaus Zöllig und Andreas Krieger:</p>
<p style="text-align: center;"><a title="DLF, Bericht vom 26. April 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/04/26/dlf_20090426_1944_3e072c42.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Sebastian Krause im Gespräch mit Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel über seine Dopingvergangenheit:</p>
<p style="text-align: center;"><a title="DLF, Beitrag vom 26. April 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/04/26/dlf_20090426_1938_2dc0cc26.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Sportgespräch von Herbert Fischer-Solms mit Ines Geipel, Ute Krieger-Krause, Andreas Krieger, Uwe Trömer und Klaus Zöllig:</p>
<p style="text-align: center;"><a title="Sportgespräch im DLF vom 26. April 2009" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/04/26/dlf_20090426_2330_8dd098f7.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Und hier die komplette Petition als Dokumentation:</p>
<blockquote><p><strong><span style="color: #000000;">Über welche Entscheidung/welche Maßnahme/welchen Sachverhalt wollen Sie sich beschweren?</span></strong></p>
<p>Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), zwei aus Bundesmitteln geförderte Verbände, veröffentlichten am 6. April d. J. eine gemeinsame Pressemitteilung zu einer Erklärung von fünf aus dem DDR-Sportsystem übernommenen Bundestrainern zu ihrer Doping-Vergangenheit. Klaus Baarck, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel, Maria Ritschel und Klaus Schneider bekennen darin pauschal ihre seit mehr als einem Jahrzehnt bekannte Beteiligung am kriminellen DDR-Staatsdoping. Der staatlich organisierte Doping-Missbrauch im DDR-Sport ist belegt durch vorliegende Akten über den DDR-Sport, zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten (darunter Promotionen und Dissertationen) sowie Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, durch Recherchen und Befragungen zweier von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) Anfang der neunziger Jahre eingesetzter Kommissionen („Richthofen&#8221;- bzw. „Reiter&#8221;-Kommission), durch Ermittlungen der „Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs-und Vereinigungskriminalität der DDR&#8221; (ZERV), durch Medienrecherchen sowie durch mehrere Gerichtsentscheidungen.</p>
<p>Die am DDR-Dopingsystem beteiligten Trainer entschuldigen sich, ebenfalls pauschal, bei den Opfern, den ihnen einst anvertrauten Athleten und Athletinnen,  &#8211; „soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davon getragen haben sollten&#8221;.</p>
<p>Der DOSB hat daraufhin erklärt, „dass diejenigen Trainer, die diese Erklärung unterzeichnen, im Bereich des DLV als Trainer beschäftigt oder weiterbeschäftigt werden&#8221;. Obendrein werde auf Rückforderung der aus Bundesmitteln finanzierten Entsendungskosten zu den Olympischen Spielen in Peking verzichtet, die sich einige dieser Trainer mit der Unterzeichnung wahrheitswidriger „Ehrenerklärungen&#8221; zu einer angeblich dopingfreien Vergangenheit erschlichen hatten. Nach diesem Muster sollen laut Mitteilung von DOSB und DLV weitere dopingverstrickte Trainer und sonstige Betreuer aus dem deutschen Spitzensport entlastet und zudem ihre berufliche Beschäftigung gesichert werden. </p>
<p>Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte mit gleichem Datum 06. April 2009 in einer Pressemitteilung, „eine Weiterbeschäftigung der DLV-Trainer im Sport&#8221; sei „in erster Linie eine Angelegenheit des Sportes selbst&#8221;. Er nehme die Befürwortung einer Weiterbeschäftigung „zur Kenntnis und sehe keine Veranlassung zu einer anderen Entscheidung&#8221;.</p>
<p>Sowohl DOSB und DLV als auch BMI haben die vorab in Erklärungen und Offenen Briefen vorgetragenen Einwände der vom Bundesverwaltungsamt gemäß Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) anerkannten Doping-Geschädigten, Mitglieder des DOH e.V., ignoriert. Die Opfer haben sich gegen die seit Monaten geplante pauschale Entlastung von Dopingtätern gewandt und erklärt, dass sie „Geständnisse&#8221; oder „Entschuldigungen&#8221;, die keinen Beitrag zur konkreten Aufklärung begangenen Unrecht im Einzelfall leisten, nicht akzeptieren.</p>
<p><span id="more-3635"></span>Der deutsche Sport, seine Landessportbünde, Fachverbände und Olympiastützpunkte beschäftigen diese und Dutzende weitere Bundes-, Landes- und Stützpunkttrainer seit z. T. fast zwei Jahrzehnten trotz deren bekannter und dokumentierter Vergangenheit als Dopingtäter und/oder Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS). Wissentlich wurde und wird damit gegen die verbindlichen Antidoping-Klauseln in den Fördermittel-Zuwendungsbescheiden des BMI an DOSB, Sportfachverbände und Olympiastützpunkte sowie in einigen Fällen gegen Auflagen des BMI entsprechend dem Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Stasi-Unterlagen-Gesetz &#8211; StUG) verstoßen. </p>
<p>Auch die vom BMI eingesetzte „<a title="zum Prüfbericht, im Beitrag: Antidopingberichte 2007 der Spitzenverbände" href="http://jensweinreich.de/?p=2342" target="_self">Projektgruppe Sonderprüfung Doping</a>&#8221; stellte in ihrem Bericht vom 31. Juli 2007 fest, dass „in Dopingpraktiken verwickelte&#8221; Trainer entgegen den zwischen BMI und Sport getroffenen Vereinbarungen „mittelbar von Bundeszuwendungen&#8221; profitieren. Dieser Bericht hält auch fest, dass das Bundesverwaltungsamt „im Rahmen der Überprüfung der ordnungsgemäßen Verwendung der Fördermittel in der Vergangenheit (seit 1982) nie untersucht [hat], ob die im Bewilligungsbescheid erhobenen Anforderungen der Anti-Doping-Klausel eingehalten wurden&#8221;.</p>
<p>Diese Verstöße gegen die Bewilligungsbescheide, d.i. missbräuchliche Verwendung von Steuergeldern, sollen nun mit dieser o.g. pauschalen Erklärung im Nachhinein als bereinigt gelten.</p>
<p><strong>Was möchten Sie mit Ihrer Bitte/Beschwerde erreichen?</strong></p>
<p>Der DOH e.V. verlangt: </p>
<ol>
<li>Rückwirkende Überprüfung von DOSB (sowie Vorgängerverbänden), Sportfachverbänden und Olympiastützpunkten seit 1991 bezüglich der Einhaltung von zuwendungsrechtlichen Vorschriften, der Förderrichtlinien und sonstiger Bestimmungen;</li>
<li>Offenlegung der Ergebnisse der Untersuchungen von Verstößen im Hinblick auf die Beschäftigung Doping- und MfS-belasteter Trainer, Ärzte und Betreuer;</li>
<li>Befassung folgender Ausschüsse des Deutschen Bundestages mit den Überprüfungsergebnissen sowie Entscheidung über die Rückzahlung von Bundesmitteln nach den maßgeblichen Bestimmungen des Verwaltungsverfahrengesetzes: Sportausschuss, Haushaltsausschuss, Ausschuss für Gesundheit, Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe;</li>
<li>Suspendierung der „Trainererklärung&#8221; vom 6. April d. J. bzw. ein Moratorium bis zum Vorliegen der Überprüfungsergebnisse;</li>
<li>Hinwirken des Parlaments auf Einzelfallentscheidungen des deutschen Sports über die Weiterbeschäftigung belasteter Trainer, auf Begründung dieser Entscheidung für oder gegen Beschäftigung gegenüber dem Parlament und Einbeziehung der Doping-Geschädigten in die Bewertung der betreffenden Einzelfälle;</li>
<li>Erwägung eines vom Bundestag zu initiierenden Forschungsprojektes zu den gesundheitlichen Langzeitschäden von Doping als Beitrag zur historischen Aufarbeitung und als Teil der angesichts aktueller Dopingfälle im deutschen Spitzensport notwendigen Präventionsarbeit</li>
</ol>
<p><strong>Gegen wen, insbesondere welche Behörde/Institution richtet sich Ihre Beschwerde?</strong></p>
<p>Die Beschwerde richtet sich gegen das Bundesministerium des Innern. Mit der Pressemitteilung vom 6. April d. J. akzeptierte der Bundesinnenminister pauschal die genannten Verstöße von Sportfachverbänden und Olympiastützpunkten gegen zuwendungsrechtliche Vorschriften, mithin die rechtswidrige Verwendung von Steuermitteln, ohne Offenlegung und ohne Einbeziehung des Parlaments. </p>
<p><strong>Muss nach Ihrer Vorstellung ein Gesetz/eine Vorschrift geändert/ergänzt werden? Wenn ja, welche(s)? </strong></p>
<p>Verlangt wird die Einhaltung der entsprechenden bestehenden Gesetze bzw. Bestimmungen und Verordnungen.</p>
<p><strong>Bitte geben Sie eine kurze Begründung für Ihre Bitte/Beschwerde:</strong></p>
<p>Wie oben bereits angeführt, verweisen wir auf mutmaßlichen Anstellungsbetrug der Doping- und MfS-belasteten Trainer, die über Jahre hinweg ihre Vergangenheit geleugnet haben. Außerdem verweisen wir auf den fortgesetzten Rechtsbruch durch DOSB, Sportfachverbände und Olympiastützpunkte, die wissentlich und willentlich gegen zuwendungsrechtliche Vorschriften über die Gewährung und Verwendung von Bundesmitteln verstoßen haben.</p>
<p>Wir verweisen darüber hinaus auf das StUG, das auch nach Auslaufen der Regelüberprüfung mit der Siebten Novelle vom 21. Dezember 2006 nach § 21, Abs. 6 g) die „Überprüfung von Trainern und verantwortliche Betreuern von Mitgliedern der deutschen Nationalmannschaften&#8221; explizit ermöglicht. Diese Ausnahmeregelung wurde seinerzeit auf Betreiben des DOSB in das StUG aufgenommen, um, wie in einem Schreiben des DOSB an den federführenden Bundestagsausschuss für Kultur und Medien vom 27.Oktober 2006 formuliert wurde, den Anforderungen an <a title="DOSB-General Michael Vesper schreibt ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3524" target="_self">„Glaub- und Vertrauenswürdigkeit&#8221; sowie die „Vorbildwirkung&#8221;</a> von leitenden Mitarbeitern des Sports sowie von Trainern und Betreuern von deutschen Nationalmannschaften gerecht werden zu können. Weiter heißt es in diesem Schreiben, nach den Zuwendungsrichtlinien des BMI „werden die Spitzenverbände des Sports ausdrücklich verpflichtet, keine Personen zu beschäftigen, die früher für die Stasi tätig waren&#8221;. Im März d.J. wurde der Fall des einstigen Biathlon-Cheftrainers der DDR, Wilfried Bock, öffentlich, der seit 2002 am Olympiastützpunkt Chemnitz/Dresden bzw. am Biathlon-Stützpunkt Altenberg/Sachsen trotz bekannter Verpflichtung als Führungs-IM (Inoffizieller Mitarbeiter zur Führung anderer IM) beschäftigt ist und u.a. aus Bundesmitteln finanziert wurde. Bock betreut Athleten der Nationalmannschaft. </p></blockquote>
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		</item>
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		<title>Clemens Prokop antwortet Ute Krieger-Krause</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Apr 2009 15:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Antwort von DOSB-Chef Thomas Bach auf den offenen Brief von Ute Krieger-Krause kam per Email und ist schon veröffentlicht. (Bach führt neuerdings in Interviews an, er stehe mit Frau Krieger-Krause im Briefwechsel&#8221;.) Die Antwort von DLV-Präsident Clemens Prokop kam per Post und wird hier nun veröffentlicht. Steht noch aus: ein Schreiben von Wolfgang Schäuble. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a title="Thomas Bach antwortet Ute Krieger-Krause" href="http://jensweinreich.de/?p=3501" target="_self">Antwort</a> von DOSB-Chef Thomas Bach auf den <a title="Offener Brief von Ute Krieger-Krause ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3492" target="_self">offenen Brief von Ute Krieger-Krause</a> kam per Email und ist schon veröffentlicht. (Bach führt neuerdings <a title="DLF vom 9. April 2009: Interview mit Thomas Bach" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/947604/" target="_blank">in Interviews</a> an, er stehe mit Frau Krieger-Krause im Briefwechsel&#8221;.) Die Antwort von DLV-Präsident Clemens Prokop kam per Post und wird hier nun veröffentlicht. Steht noch aus: ein Schreiben von Wolfgang Schäuble.</p>
<p>Prokop schreibt am 8. April 2009:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Frau Krieger-Krause,</p>
<p>eigentlich antworte ich auf „offene Briefe&#8221; nicht, da in der Regel Mit solchen Briefen nur öffentliche Wirkungen, nicht aber Problemlösungen angestrebt werden. Bei Ihrem Brief mache ich eine Ausnahme. Allerdings antworte ich nur mit einem an Sie persönlich adressierten Brief, weil ich mich um eine Lösung des Konfliktes bemühen möchte.</p>
<p>Ich kann Ihre persönliche Betroffenheit, die aus jeder Zeile Ihres Briefes spricht, grundsätzlich nachvollziehen. Allerdings muss ich den Passagen, die sich auf den DLV beziehen, doch wiedersprechen. So erscheint es mir unrichtig, dass Betroffene, die den DLV Gesprächsbedarf signalisiert hatten, vor verschlossenen Türen gestanden wären. Für mich selbst gilt, dass ich jedem Doping-Opfer, das um ein Gespräch gebeten hat, persönlich für ein solches zur Verfügung gestanden habe. Unrichtig ist auch die Behauptung, der DLV würde sich weigern, das Problem der dopingverseuchten Rekorde ernsthaft zu behandeln.<span id="more-3542"></span></p>
<p>Tatsächlich haben wir auf nationaler und internationaler Ebene versucht, mit Wirkung ab 01.01.2000 neue Rekordlisten einzuführen. Leider waren unsere Bemühungen erfolglos. Danach haben wir versucht, Rekorde, die auf Doping beruhen, als Einzelrekorde zu löschen. Hierbei sind wir vor allem auf juristische Probleme gestoßen. Rechtsexperten haben uns darauf hingewiesen, dass die  von Rekordhaltern gegen uns bereits angekündigten gerichtlichen Schritte mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein würden und wir mit erheblichen Schadensersatzforderungen zu rechnen hätten.</p>
<p>Angesichts dessen hat der DLV beschlossen, vorläufig die Streichung der Rekorde nicht weiter zu verfolen und stattdessen alle verfügbaren finanziellen Mittel in die aktuelle Bekämpfung des Dopings zu investieren. Den Rekordlisten wurde ein Hinweis vorangestellt, in dem auf die Dopingproblematik hingewiesen wurde.</p>
<p>Ich bedaure, dass Sie unser Angebot zur Kommunikation ablehnen. Ich möchte aber betonen, dass ich unverändert und persönlich zu Gesprächen bereit bin. </p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Clemens Prokop</p></blockquote>
<p>Nun gut, die Darstellung der Rekordfrage ist nicht unstrittig undf etwas einseitig verkürzt, so wie es auch der Bundesinnenminister nicht korrekt darstellt, worauf ich bereits hingewiesen habe. Alle Gutachten zur Rekordfrage finden sich ebenfalls in diesem Beitrag verlinkt: <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">&#8220;Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit und mit Dopingrekorden&#8221;</a>.</p>
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		<title>Der Dopingopferhilfeverein sagt &#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 08:17:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; auch die Mitteilung des verdienstvollen Dopingopferhilfevereins (DOH) gibt es hier: Zur Reinwaschung von Fachdopern Bundesministerium des Innern, Deutscher Olympischer Sportbund und Deutscher Leichtathletik-Verband glauben, im Jahr 20 nach dem Mauerfall sei die Zeit gekommen, durch Dopingmittelvergabe belasteten Trainern eine Generalamnestie zu erteilen. Entgegen dem öffentlichen Widerspruch der Geschädigten des DDR-Staatsdopings glauben sie, ohne Einbeziehung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; auch die Mitteilung des verdienstvollen Dopingopferhilfevereins (<a title="Webseite des DOH" href="http://www.dohev.de/main.php/rubrik/aktuelles" target="_blank">DOH</a>) gibt es hier:</p>
<blockquote><p><strong>Zur Reinwaschung von Fachdopern</strong></p>
<p>Bundesministerium des Innern, Deutscher Olympischer Sportbund und Deutscher Leichtathletik-Verband glauben, im Jahr 20 nach dem Mauerfall sei die Zeit gekommen, durch Dopingmittelvergabe belasteten Trainern eine Generalamnestie zu erteilen. Entgegen dem öffentlichen Widerspruch der Geschädigten des DDR-Staatsdopings glauben sie, ohne Einbeziehung der Opfer und des DOH e.V. über den Wert einer pauschalen „Entschuldigung&#8221; dieser Trainer entscheiden zu können.</p>
<p>Ein solches Vorgehen führt sich selbst ad absurdum. „Geständnisse&#8221;, die nach zwanzig Jahren nicht über längst Bekanntes und Belegtes hinausgehen, die keinen Beitrag zur Aufklärung leisten, sind ein Versuch der Verschleierung der Vergangenheit, nicht Aufarbeitung. „Entschuldigungen&#8221;, die gegen den Willen der Opfer akzeptiert werden, sind ein Affront gegen die Geschädigten. In den genannten Institutionen scheint man der Auffassung zu sein, dass die finanzielle Abfindung der Opfer im Jahr 2006 den Dialog mit ihnen erübrigt hat.</p>
<p><strong>Der DOH e.V. protestiert gegen diese Politik des Freikaufs und der Augenwischerei.</strong></p>
<p><span id="more-3504"></span>Meinen diese Trainer wirklich Versöhnung mit den Opfern, wenn sie zugleich im Konjunktiv anmerken: „Sollte es körperliche Beeinträchtigungen gegeben haben, so tut uns dies leid&#8221;? Ob die ehemalige Leichtathletin Frau G., die durch Dopingmittel lebensbedrohlich erkrankt ist und heute um ihr Leben ringt, diese In-Frage-Stellung der inzwischen hundertfach belegten Folgeschäden der pharmazeutischen Manipulation versteht? Und mit ihr alle anderen Geschädigten? War die Beteiligung dieser seinerzeit für Athleten wichtigsten Vertrauenspersonen am Dopingsystem weniger verwerflich, wenn sie zu weniger schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hat?</p>
<p>Der DOH e.V. warnt vor einem Rückfall der Verbände in die Strategie vor 2006, als das Vorhandensein von Dopingopfern schlicht bestritten wurde.</p>
<p>Für den DOH ist offensichtlich, dass BMI, DOSB und DLV mit dem Trainer-Persilschein die vor den Olympischen Spielen in Peking wahrheitswidrig unterzeichneten „Ehrenerklärungen&#8221; aus der Welt schaffen wollen, um Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Übertüncht werden soll überdies, dass die Sportfachverbände mit der Anstellung belasteter Trainer gegen die Antidoping-Klauseln in den Fördermittel-Zuwendungsbescheiden des BMI verstoßen haben.</p>
<p>Herr Dr. Bach! Bitte öffnen Sie diese Tür nicht weiter! Sorgen Sie für eine offene und transparente Aufarbeitung. Nur dann kann der von Ihnen behaupteten „Einzelfallprüfung&#8221; Glaubwürdigkeit bescheinigt werden. Machen Sie sich nicht die vom DLV und anderen Verbänden seit Jahren vertretene Meinung zu eigen, dass von Staatsanwaltschaften mit Bußgeld belegte ehemalige Dopingtrainer das Recht auf Ausübung ihres Berufes „wie jeder unbescholtene Bürger&#8221; hätten.</p>
<p>Geht eine Resozialisierung der Trainer um des Erfolgs Willen über die Schmerzen der Opfer? Nein!</p>
<p>Verzeihen und die zweite Chance gehören zu unserer Kultur. Dafür steht auch der DOH e.V. Aber dies müssen sich die Täter verdienen. Deshalb fordert der DOH e.V. zuerst eine schonungslose Offenlegung der Beteiligung jedes einzelnen Trainers am Zwangsdopingsystem der DDR. Wir halten eine solche Mithilfe bei der Ursachenfindung von Körperschäden für die selbstverständliche Voraussetzung einer ernstzunehmenden Entschuldigung. Darüber hinaus könnten die Trainer damit einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung leisten. </p>
<p>Pauschale Erklärungen zu akzeptieren und diese gegen den ausdrücklichen Willen der Geschädigten als „Entschuldigungen&#8221; auszugeben, heißt nichts anderes, als die Opfer erneut zu missbrauchen.</p>
<p>Der DOH e.V. ist gern bereit, eine redliche Aufarbeitung durch Sportpolitik und Sportverbände zu unterstützen. Gegen diese Form allerdings dürfen sich die beteiligten Institutionen unseres Widerstandes sicher sein. </p>
<p>Für den Doping-Opfer-Hilfe e.V.</p>
<p>Dr. Klaus Zöllig<br />
Dr. Michael Lehner</p></blockquote>
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		<title>Thomas Bach antwortet Ute Krieger-Krause</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 19:54:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hoppala, der DOSB-Präsident liest offenbar mit und antwortet Ute Krieger-Krause prompt: Sehr geehrte Frau Krieger-Krause, in Ihrem offenen Brief bezüglich der Behandlung von Trainern mit Doping-Vergangenheit beklagen Sie die angeblich zwei Jahrzehnte währende Ignoranz gegenüber den Dopingopfern. Dies ist für mich Anlass, daran zu erinnern, dass der DOSB bereits unmittelbar nach seiner Gründung im Jahr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hoppala, der DOSB-Präsident <span style="text-decoration: line-through;">liest offenbar mit und</span> antwortet Ute Krieger-Krause prompt:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Frau Krieger-Krause,</p>
<p>in Ihrem offenen Brief bezüglich der Behandlung von Trainern mit Doping-Vergangenheit beklagen Sie die angeblich zwei Jahrzehnte währende Ignoranz gegenüber den Dopingopfern. Dies ist für mich Anlass, daran zu erinnern, dass der DOSB bereits unmittelbar nach seiner Gründung im Jahr 2006 mit den Doping-Opfern in Gespräche eingetreten ist. Als deren Ergebnis sind die gemeinsam anerkannten Doping-Opfer vom DOSB mit Unterstützung des BMI entschädigt worden. Darüber hinaus ist es dem DOSB gelungen, eine Einigung über weitere finanzielle Entschädigungen durch die Firma Jenapharm zu befördern.</p>
<p>Diese Lösung wurde damals sowohl vom BMI sowie den Mitgliedsverbänden des DOSB, darunter auch der Deutsche Leichtathletik-Verband, unterstützt. Zudem stand der DOSB in intensivem Kontakt als auch in enger Abstimmung mit dem Doping-Opfer-Hilfeverein. Angesichts dieser Tatsachen weisen wir Ihre Behauptung, dass zu diesem Thema keine Gespräche stattgefunden haben, entschieden zurück.</p>
<p>Um weitere Aufklärung zu ermöglichen und möglichst gerechte Lösungen im Einzelfall zu finden, hat der DOSB eigens eine unabhängige Kommission unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D., Professor Udo Steiner mit den Mitgliedern Heide Ecker-Rosendahl und Steffen Reiche MdB eingerichtet. Diese hat im Fall der fünf jetzt geständigen DLV-Trainer festgestellt, dass die für eine Weiterbeschäftigung notwendigen Bedingungen eines umfassenden Geständnisses, einer glaubwürdigen Entschuldigung sowie einer „doping-freien&#8221; Arbeit seit 1989 als erfüllt angesehen werden können.</p>
<p><span id="more-3501"></span>Darüber hinaus hat der DOSB bereits Anfang letzten Jahres eine Studie mit dem Thema „Doping in Deutschland&#8221; initiiert. Diese soll umfassend und eingehend Bedingungen und Folgen des Dopings in beiden Teilen Deutschlands, in beiden gesellschaftlichen Systemen und auch nach der Wiedervereinigung aufarbeiten. Es ist aus meiner Sicht sicher, dass in dieser Studie die Rolle und Leiden der Doping-Opfer eine besondere Berücksichtigung finden werden. Deshalb kann auch keine Rede von mangelnder Aufklärung sein.</p>
<p>Angesicht Ihres persönlichen Schicksals habe ich viel Verständnis für Ihre Haltung. Allerdings werbe ich auch bei Ihnen um Verständnis, wenn möglich sogar Versöhnung, nicht jedoch Vergessen. Angesichts der durch Geständnis, Entschuldigung und nunmehr fast 20-jähriger Bewährung seitens der Trainer gereichten Hand sollte zumindest ein Dialog mit Ihnen jetzt möglich sein.</p>
<p>In Ihre Überlegungen sollte auch die Tatsache einbezogen werden, dass es sich bei den vorliegenden Fällen nicht um Neueinstellungen oder das Vorliegen neuer Erkenntnisse, wie im Fall Goldmann handelt, sondern um Trainer, die seit vielen Jahren unbeanstandet ihrer Tätigkeit nachgehen.</p>
<p>Selbstverständlich setzt sich der DOSB auch in Zukunft für Einzellfallgerechtigkeit ein. Deshalb wird er jeden weiteren Gesprächswunsch oder Erklärung, wie in der Vergangenheit, jeweils an die unabhängige Kommission zur Abgabe einer Empfehlung vor einer Entscheidung des DOSB-Präsidiums übergeben.</p>
<p>Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich für dieses Schreiben, ebenso wie Sie, die Form eines offenen Briefes wähle.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Dr. Thomas Bach<br />
<em>Dienstag, 7. April 2009</em></p></blockquote>
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		<title>Offener Brief von Ute Krieger-Krause an die Herren Schäuble, Bach und Prokop</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 21:33:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein weiterer wichtiger Beitrag zum Thema Dichtung und Wahrheit. Ute Krieger-Krause, staatlich anerkanntes Dopingopfer aus Magdeburg, hat an diejenigen geschrieben, die die Propagandamaschine angeschmissen haben und prächtig brummen lassen: An Herrn Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, Herrn DOSB-Präsidenten Dr. Thomas Bach, Herrn DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop Sehr geehrte Herren, Sie befinden, dass es nach 20 Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein weiterer wichtiger Beitrag zum Thema Dichtung und Wahrheit. Ute Krieger-Krause, staatlich anerkanntes Dopingopfer aus Magdeburg, hat an diejenigen geschrieben, die die <a title="Die Propagandamaschine brummt ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3473" target="_self">Propagandamaschine</a> angeschmissen haben und prächtig brummen lassen:</p>
<blockquote><p>An Herrn Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, Herrn DOSB-Präsidenten Dr. Thomas Bach, Herrn DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop</p>
<p>Sehr geehrte Herren,</p>
<p>Sie befinden, dass es nach 20 Jahren Zeit werde für eine Versöhnung zwischen Tätern und Opfern des DDR-Doping-Systems und initiieren bzw. begrüßen die „Geständnisse&#8221; in Form einer vorformulierten Erklärung von fünf dopingbelasteten Leichtathletik-Bundestrainern.</p>
<p><strong>Dass mindestens doppelt so viele Opfer sich vehement gegen diese ausschließlich dem Zweck der Weiterbeschäftigung dienende , unglaubliche Vorgehensweise öffentlich ausgesprochen haben, übergehen Sie mit einer Unsensibilität und Ignoranz, die  mich zutiefst enttäuscht und brüskiert.</strong></p>
<p>Ohne Einbeziehung der Geschädigten wurde hier zugunsten der genannten Trainer eine „Lösung&#8221; konstruiert, die nicht dazu taugt, eine Annäherung von Tätern und Opfern herbeizuführen.</p>
<p><span id="more-3492"></span><strong>Die öffentliche Darstellung, dass hier eine „Gesprächsinitiative&#8221;  vom DLV ausgehe, ist unzulässig, denn als seitens der Betroffenen Gesprächsbedarf signalisiert wurde, standen sie vor verschlossenen Türen und bekamen es mit zugenagelten Köpfen zu tun. So oder ähnlich erging es auch Geschädigten, als sie sich an andere Sportverbände wandten. In einigen Fällen kulminierte das an die Sportverbände herangetragenen Ansinnen nach ernsthafter Kommunikation in persönlicher Diskreditierung.</strong></p>
<p>Es blieb den Betroffenen nur die Erkenntnis, bei den Sportverbänden und deren Präsidien unerwünscht zu sein. Gesprächsbereitschaft war hingegen nicht feststellbar.</p>
<p>Nun nach langem Schweigen kommt der DLV  plötzlich zur Erkenntnis, dass man reden müsse.</p>
<p>Hier also die Frage an Sie , Herr Dr. Prokop, wer soll nach dieser stringenten Ablehnung und Nichtachtung, die sich bis zuletzt in der Weigerung zeigte, das Problem der bekannt dopingverseuchten Rekorde Ihres Verbandes ernsthaft zu behandeln, noch Ihrer Einladung folgen wollen?</p>
<p>Herr Dr. Bach, in diesem Zusammenhang erinnere ich, dass Sie selbst anlässlich der Verleihung der „Heidi-Krieger-Medaille&#8221; des DOH e.V. im September 2007 ein persönliches Gespräch mit anerkannten DDR-Doping-Opfern vorgeschlagen hatten.</p>
<p><strong> Dieses Versprechen blieb uneingelöst. Uneingelöst auch der zweite Punkt des 10-Punkte-Planes des DOSB, nämlich die Einbeziehung von Geschädigten in die Doping-Prävention. Diese Unterlassungen sprechen für sich und tragen nicht dazu bei, die Ernsthaftigkeit Ihrer Absichten zu belegen.</strong></p>
<p>Herrn Dr. Schäuble weise ich gern darauf hin, dass sich seit wenigstens zwei Jahrzehnten anerkannte Wissenschaftler sowie seit über zehn Jahren Dopinggeschädigte vehement für die Aufarbeitung der gesamtdeutschen Dopingvergangenheit, für die Bekämpfung des deutschen und internationalen Dopingalltages sowie für sinnvolle, vernetzte Dopingprävention einsetzen. Inzwischen dürfte Ihnen auch aufgefallen sein, dass, anders als von Ihnen in der „FAZ&#8221; behauptet, kein einziger Dopingrekord gelöscht worden ist.</p>
<p>Sehr geehrte Herren!</p>
<p>Sie werden den vorangestellten Zeilen entnehmen, wofür ich Ihre heutigen Erklärungen halte:</p>
<p><strong> Für einen durchsichtigen Versuch, Ihren Anteil an der nunmehr zwei Jahrzehnte währenden Ignoranz gegenüber den Opfern, an der Duldung eines ebenso lange währenden Leugnens beteiligter Trainer, an mutmaßlichen jahrelangen Verstößen gegen die Antidopingklauseln in den Zuwendungsbescheiden des BMI an die Sportverbande, mithin an der missbräuchlichen Verwendung von Steuergeldern, zu vertuschen.</strong></p>
<p>Ich bin allerdings der Überzeugung, dass Sie nicht die Macht haben, eine notwendige Debatte auf diese Weise zu beenden.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Ute Krieger-Krause<br />
Magdeburg</p></blockquote>
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		<title>Die Propagandamaschine brummt &#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 18:14:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Eintrag kommt etwas spät, was der Zeitdifferenz geschuldet ist, denn ich bin noch in Chicago und beschäftige mich mit der Olympiabewerbung 2016. Inzwischen läuft die Propagandamaschine von Sport und Politik und &#8220;Wissenschaft&#8221; &#8211; auch das, es wird Zeit, sich diesem Thema intensiver zu widmen &#8211; schon wieder auf Hochtouren und wird hier diskutiert. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Eintrag kommt etwas spät, was der Zeitdifferenz geschuldet ist, denn ich bin noch in Chicago und beschäftige mich mit der Olympiabewerbung 2016. Inzwischen läuft <a title="Propaganda" href="http://jensweinreich.de/?p=127" target="_self">die</a> <a title="Die Propagandamaschine - Vortrag von Grit Hartmann" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/04/vortrag-grit-hartmann-dortmund-16022008.pdf" target="_blank">Propagandamaschine</a> von Sport und Politik und &#8220;Wissenschaft&#8221; &#8211; auch das, es wird Zeit, sich diesem Thema intensiver zu widmen &#8211; schon wieder auf Hochtouren und <a title="Antje und Henner Misersky: &quot;Erst die Medaillen, dann die Moral&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3468" target="_self">wird hier diskutiert</a>. Das war schon die richtige Überschrift für den Beitrag der Familie Misersky: <a title="Antje und Henner Misersky: &quot;Erst die Medaillen, dann die Moral&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3468" target="_self">&#8220;Erst die Medaillen, dann die Moral&#8221;</a>. Ist aber auch keine neue Erkenntnis, klar, zu Hause im Bücherregal steht sogar die dreibändige (wenn ich mich recht erinnere) Dokumentation einer gemeinsamen Veranstaltung von DSB und NOK zu diesem Thema &#8211; irgendwann Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre. Da haben viele derjenigen, die heute noch Verantwortung tragen, schon immer gern drüber diskutiert. Allerdings entweder nur verlogen oder nur dumm und geschwätzig &#8211; oder alles zusammen. Hätten diejenigen es wirklich angepackt, würden wir heute anders diskutieren können/dürfen. Die Überschrift <a title="DDR-Dopinggeschädigte zur &quot;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3454" target="_self">&#8220;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&#8221;</a> trifft es übrigens auch.</p>
<p>Ich kann nicht einmal behaupten, dass mich dies nachfolgenden Erklärungen von DOSB, Bach (FDP), Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) und DLV/Prokop, von <a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://jensweinreich.de/?p=1627" target="_self">Bundesinnenministerium</a> resp. <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">Miníster Schäuble</a> (CDU) oder die Äußerungen des <a title="Die Umfaller im Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?p=1694" target="_self">chronischen Umfallers mit Ost-Wahlkreis Peter Danckert</a> (SPD), also all der Zyniker, die Macht für sich beanspruchen, fassungslos machen. In einem Land, in dem Sportverbände mit <a title="Steuermittel für Sondermittel" href="http://jensweinreich.de/?p=1579" target="_self">Steuermitteln Potenzmittel</a> kaufen können, wundert mich nichts. Aber ich möchte gern einmal sagen, dass ich eine gesunde Abscheu empfinde. &#8220;Gesund&#8221; sage ich deshalb, weil sich Abstand zu den Objekten der Berichterstattung ja durchaus empfiehlt für einen Journalisten.</p>
<p>Ein Freund mailt mir in diesem Moment:</p>
<blockquote><p>Eine Riesenschweinerei! <strong>Das Schlimmste ist diese verletzende Heuchelei. Die Erniedrigung wird innerhalb der sog. &#8220;Entschuldigung&#8221; nochmals implimentiert</strong>: &#8220;Soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davongetragen haben sollten&#8230;&#8221; -nur für diesen Eventualfall  (den schon das NOK für Deutschland in Frage gestellt hatte) &#8220;&#8230; sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr&#8221;.</p>
<p>Wer sind die furchtbaren Juristen, die diesen Fachdopern dies haben durchgehen lassen?</p></blockquote>
<p>Gute Frage.</p>
<p>Diese Personen und Institutionen sind so, wie sie sind. Und es ist Aufgabe von Journalisten &#8211; Verzeihung, wenn ich das hier erneut herausstelle, aber es ist nun mal so -, dies zu beschreiben, ihnen aber nicht ständig ein Forum zu geben und sie ständig zu Interviews zu bitten, in denen sie sich und ihr trauriges Wirken schön reden können.</p>
<p>Man beschreibt ihr Wirken am besten, in dem man die Postulate der Propagandamaschine auf Fakten überprüft, an der Wirklichkeit misst und unter dem Transparenzgebot einer ja doch wohl demokratischen Gesellschaft betrachtet, deren Amtsträger (inklusive der Amtsträger des Sports) mit vielen Milliarden Steuermitteln hantieren (über olympische Zyklen gesehen). Ich weiß, dass manchen und manchem derlei Sätze nichts sagen und/oder gestelzt vorkommen; aber das ist mir natürlich egal. Das muss mir egal sein.</p>
<p>Noch einmal: Es geht in der Diskussion über doping- und stasibelastete Trainer in Ost und West nicht um die Vergangenheit, es geht um die verlogene Gegenwart und um die verlogene Zukunft. Nicht mehr und nicht weniger.</p>
<p>Bevor ich pflichtgemäß einige der Erklärungen von heute aufliste, erlaube ich mir, auf den ersten Eintrag in diesem Blog überhaupt zu verlinken. Es ist ein Kommentar, den ich vor vor zwei Jahren zum Todestag von Birgit Dressel geschrieben habe. Dieser Kommentar ist mit <strong><a title="Im Lügenland" href="http://jensweinreich.de/?p=55" target="_self">&#8220;Im Lügenland&#8221;</a></strong> überschrieben. Wer mag, kann die Begriffe &#8220;Ost&#8221; und &#8220;West&#8221; beliebig vertauschen, Namen durch andere Namen ersetzen &#8211; dann stimmt das schon ungefähr. Birgit Dressels Todestag jährt sich am Freitag übrigens wieder &#8211; zum 22. Mal.</p>
<p>Genug der Vorrede. Hier also die Erklärung von fünf Leichtathletik-Trainern, an der <a title="Goldmann &amp; Co. oder: der Gordische Knoten" href="http://jensweinreich.de/?p=3102" target="_self">knapp zwei Monate</a> gebastelt wurde und die auch von anderen Trainern unterschrieben werden soll:</p>
<blockquote><p><strong>Erklärung</strong></p>
<p>Wir haben bis 1990 in der DDR als hauptamtliche Trainer im Spitzensport gearbeitet. Unsere Aufgabe war es, mit unseren Sportlern internationale Erfolge, insbesondere Siege und Medaillen zu erringen. Das Sportsystem der DDR war durch eine straffe Hierarchie gekennzeichnet, unser Arbeitsgebiet durch eindeutige Dienstanweisungen klar geregelt. Dies betraf die Ausgestaltung des Trainings, aber nicht die Randbedingungen einschließlich der medizinischen Betreuung.</p>
<p>Wir waren im Einzelfall am Einsatz unterstützender pharmazeutischer Substanzen (Dopingmittel) beteiligt. Uns war bekannt, dass dies den Regeln des Sports widersprach, doch fühlten wir uns durch die Vorgaben des Staates legitimiert. Bei einer Weigerung, diese Mittel weiterzugeben, hätten uns der Ausschluss aus dem Leistungssport und damit erhebliche berufliche Nachteile gedroht.</p>
<p>Trotz des systembedingten Drucks betrachten wir den Einsatz von Dopingmitteln aus heutiger Sicht als Fehler. Soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davon getragen haben sollten, sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr. Die daran beteiligten Trainer entschuldigen sich ausdrücklich dafür.</p>
<p>Seit 1991, also in mehr als achtzehn Jahren, haben wir durch unsere Arbeit bewiesen, dass wir uns zu dopingfreiem Hochleistungssport bekennen und dafür einsetzen. Wir werden uns auch in der Zukunft für einen dopingfreien Sport kompromisslos engagieren.</p></blockquote>
<p>Was soll das? Kann mir mal jemand sagen, warum man für eine solche &#8220;Erklärung&#8221; insgesamt zwei Jahrzehnte braucht? Und was daran bemerkenswert sein soll? Historische Erklärung, wie ich in manchen Berichten und Kommentaren lese? Absolut lächerlich.</p>
<p>Warum heißt es eigentlich &#8220;im Einzelfall&#8221;, wo das Dopingsystem doch flächendeckend war?</p>
<p>Werden hier historische Wahrheiten negiert?</p>
<p>Warum wird quasi der verharmlosende Ost-Begriff UM (unterstützende Mittel) benutzt? Warum heißt es nicht: virilisierende, stark gesundheitsschädigende Drogen? Oder: statt an Mäusen und Ratten an jungen Menschen zu testende Mittel? Ist ja alles <span style="text-decoration: line-through;">passiert</span> geplant durchgeführt worden in der DDR, wenngleich vielleicht nicht von den hier genannten Trainern, wer weiß.</p>
<p>Es bieten sich viele weitere Fragen an, auch zu diesen &#8220;Erklärungen&#8221; von &#8230;</p>
<p><a title="Erklärung des DOSB vom 6. April 2009" href="http://newsletter.dosb.de/newsletter/newsletter.php?id=1247&amp;html=1" target="_blank"><span id="more-3473"></span>DOSB</a> und <a title="Erklärung des DLV vom 6. April 2009" href="http://leichtathletik.de/index.php?NavID=1&amp;SiteID=28&amp;NewsID=21800" target="_blank">DLV</a> &#8230;</p>
<blockquote><p>Um eine fundierte Aufarbeitung von Doping in Ost und West zu gewährleisten, hat der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) das Forschungsprojekt Doping in Deutschland initiiert, in dem Doping-Delikte in beiden gesellschaftlichen Systemen aufgearbeitet werden sollen. In diesem Zusammenhang haben fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) &#8211; Klaus Baarck, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel, Maria Ritschel und Klaus Schneider &#8211; eine Erklärung zu ihrer Doping-Vergangenheit in der ehemaligen DDR unterzeichnet.</p>
<p>Die Erklärung ist aus dem Trainerkreis initiiert worden und wurde der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung von Trainern/innen und Offiziellen mit Dopingvergangenheit unter Vorsitz von Prof. Dr. Udo Steiner, Bundesverfassungsrichter a.D. (Steiner-Kommission), zur Prüfung vorgelegt. Die Kommission hat die Erklärung als wichtigen und hilfreichen sportethischen Schritt begrüßt und erklärt, dass ihrerseits keine Bedenken bestehen, dass diejenigen Trainer, die diese Erklärung unterzeichnen, im Bereich des DLV als Trainer beschäftigt oder weiterbeschäftigt werden. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) folgte der Empfehlung der Steiner-Kommission.</p>
<p>„Der DOSB hat die entscheidenden Bedingungen formuliert: Der Betreffende muss sich zu seinen Verstrickungen zum Thema Doping im DDR-Regime bekennen. Er muss sie aufrichtig bedauern vor allem im Hinblick darauf, dass er bei betroffenen Athleten teilweise schwere gesundheitliche Schäden mit herbeigeführt hat. Und er muss sich seit der Wiedervereinigung nichts mehr zuschulden kommen lassen und sich glaubhaft gegen Doping eingesetzt haben&#8221;, sagte <a title="Interview mit Thomas Bach" href="http://jensweinreich.de/?p=3458" target="_self">DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach</a>. Die vorgelegte Erklärung genüge diesen Bedingungen: „Auf dieser Basis kann den betreffenden Trainern eine neue Chance eingeräumt werden.&#8221;</p>
<p>„Erstmals bekennen sich fünf deutsche Trainer im Hochleistungssport zu ihrer Doping-Vergangenheit und zeigen Einsicht und Reue verbunden mit einer Entschuldigung für die Opfer. Die nun unterzeichnete Trainer-Erklärung ist kein Ersatz für die grundlegende Aufarbeitung von Doping in Ost und West vor 1990, die nach wie vor zwingend auch für den Westen notwendig ist, aber sie ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der deutschen Sportgeschichte aufzubrechen&#8221;, sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop. Er unterstrich, dass die Trainer seit 1991 &#8211; also seit 18 Jahren &#8211; erfolgreich für den Deutschen Leichtathletik-Verband arbeiten. „Sie haben sich seit dieser Zeit für einen dopingfreien Sport engagiert und sich nichts zu Schulden kommen lassen&#8221;, sagte Prokop.</p>
<p>Neben den Opfern dürfe man bei der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit aber auch die Trainer nicht vergessen, die in der ehemaligen DDR nicht bereit waren, Dopingmittel zu verabreichen und deshalb auf ihre Karriere im Hochleistungssport verzichtet mussten und auch nach der Wiedervereinigung keine Chance mehr als Spitzentrainer bekommen haben.</p>
<p>Mit beiden Personengruppen will der DLV künftig einen intensiveren Dialog pflegen. Als ersten Schritt lädt der DLV Trainer, die in der ehemaligen DDR auf eine Karriere im Hochleistungssport verzichten mussten und Dopingopfer, zum Eröffnungstag der Leichtathletik-WM in Berlin (15.8.2009) ein. „Damit wollen wir ein Zeichen der Solidarität mit den genannten Personengruppen setzen und ein Gespräch mit dem DLV-Präsidium anbieten&#8221;, sagte Prokop.</p>
<p>„Der DOSB hat das Forschungsprojekt Doping in Deutschland initiiert, um eine fundierte Aufarbeitung im Westen wie im Osten Deutschlands zu ermöglichen, also von Verstrickungen und Doping in beiden gesellschaftlichen Systemen&#8221;, erläutert DOSB-Präsident Dr. Bach. Auf Wunsch und unter Mitwirkung des DLV wird darin auch die Situation in der Leichtathletik im früheren West- und Ost-Deutschland besondere Berücksichtigung finden.</p></blockquote>
<p>&#8230; und vom <a title="Erklärung von W. Schäuble vom 6. April 2009" href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2009/04/gestaendnisse.html" target="_blank">Bundesinnenminister</a> &#8230;</p>
<blockquote><p><strong>BMI Pressemitteilung: Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble begrüßt Geständnisse von Trainern des Deutschen Leichtathletik Verbandes</strong></p>
<p>Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble begrüßt die Geständnisse von fünf Leichtathletik-Trainern über ihre Dopingtaten in der ehemaligen DDR als ein Signal für die Übernahme von Mitverantwortung für das seinerzeitige systembedingte Doping und einen Beitrag zum Dialog mit den Opfern.</p>
<p>Nach zwanzig Jahren werde es Zeit für eine Versöhnung zwischen Tätern und Opfern, sagte der Bundesinnenminister in Berlin. Dazu gehöre zuvorderst das Eingeständnis, die Reue und Entschuldigung der Täter. Es gehört aber auch das Gespräch mit den Opfern, den Trainern, die ihren Beruf aus Gewissensgründen nicht mehr ausgeübt haben, und den Sportlern und Sportlerinnen, die körperlich geschädigt wurden, dazu. &#8220;Ich begrüße daher die hierzu vorgesehene Gesprächsinitiative des DLV&#8221;, sagte Schäuble weiter.</p>
<p>Doping habe es in beiden Teilen Deutschlands gegeben. &#8220;Wir sollten uns daher hüten, mit dem Finger auf den jeweilig anderen Teil zu zeigen. Es ist vielmehr an der Zeit, dass Deutschland auch im Sport zusammenwächst und deshalb die Fehlleistungen als eigene verstanden werden. Dazu gehört im Leistungssport auch die gemeinsame Aufarbeitung der Dopingfälle in Ost und West. Unterschiede darf es hier nicht geben&#8221;, führte der Bundesinnenminister aus.</p>
<p>Einen wichtigen Beitrag  kann die wissenschaftliche Studie &#8220;Doping in Deutschland&#8221; leisten. Mit der Durchführung hat der Bundesinnenminister das Bundesinstitut für Sportwissenschaft beauftragt.</p>
<p>Zu den arbeitsrechtlichen Fragen &#8211; ob eine Weiterbeschäftigung der DLV-Trainer im Sport erfolgen soll &#8211; verwies Bundesminister Schäuble darauf, dass dies in erster Linie eine Angelegenheit des Sportes selbst sei. Die Bewertungen des Sportes, sowohl der Steiner-Kommission, als auch von DOSB und DLV, kommen insbesondere auch wegen der langen Tätigkeit der Trainer nach der Wende mit ihrem Bekenntnis zur Anti-Doping Politik im deutschen Sport zu den Ergebnis, die Trainer weiterzubeschäftigen. &#8220;Dies nehme ich zur Kenntnis und sehe keine Veranlassung zu einer anderen Entscheidung&#8221;, sagte Schäuble.</p></blockquote>
<p>Noch einige Fragen: Wer bitte hat &#8211; wer von den Betroffenen aber auch wer aus dem BMI/aus dem Sport &#8211; in diesen Wochen den Dialog mit den Opfern gesucht?</p>
<p>Haben die Opfer nicht gegen diese Erklärungen protestiert?</p>
<p>Aber ja, ich verstehe: Die Opfer werden zum Eröffnungstag der Leichtathletik-WM eingeladen, um den Witz-Bolt bestaunen zu dürfen.</p>
<p>Und: Welche Qualität soll die &#8220;wissenschaftliche Studie&#8221; an einem durchaus belasteten Institut haben, wenn doch die besten Fachleute (es gibt ohnehin nicht viele Experten in der so genannten Sportwissenschaft, denn die meisten stehen ja auf der anderen Seite und müssen Leistung produzieren) abwinken und sich gar nicht erst bewerben &#8211; und dann sogar darauf verzichten, als Gutachter tätig zu werden?</p>
<p>Man beachte die einleitende Formulierung von DOSB/DLV: Demnach sind derlei nichtssagende Erklärungen Bestandteil des <a title="Forschungsprojekt Doping" href="http://jensweinreich.de/?p=1330" target="_self">&#8220;Forschungsprojekts&#8221;</a>. Ich sage dazu oder frage:</p>
<p><strong>Lässt sich hier &#8220;Wissenschaft&#8221; für Propagandazwecke missbrauchen?<br />
</strong></p>
<p>Hat jemand Lust auf weitere Fragen?</p>
<p><em>Nachtrag 1</em>, ich vergaß eine Bemerkung. Im Prinzip stellen sich BMI und Sportverbände selbst einen Persilschein aus für all die Vergehen, aktiven Hilfestellungen und Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte &#8211; und die unsachgemäße Verwendung von Steuermitteln.</p>
<p>Glaubt Schäuble eigentlich immer noch, in Deutschland wären <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">&#8220;ganze Rekordlisten&#8221;</a> und damit Dopingrekorde abgeschafft worden? Oder hat er seine (falsche) Behauptung inzwischen irgendwo korrigiert?</p>
<p><em>Nachtrag 2</em>, ich sehe den <a title="Kommentar von Uwe Trömer zur Erklärung der DDR-Dopinggeschädigten" href="http://jensweinreich.de/?p=3454#comment-8350" target="_self">Kommentar</a> von Uwe Trömer, der im Spam-Ordner gelandet war, leider jetzt erst. Uwe Trömer schreibt:</p>
<blockquote><p>liebe dopingtrainer und dopingärzte,</p>
<p>ich nehme die entschuldigung nicht an!</p>
<p>begründung:</p>
<p>1. nach 20 jahren ist es zu spät!</p>
<p>2. ihr wusstet genau  was ihr uns verabreicht und habt bewusst mit unserem leben gespielt.</p>
<p>3. ihr wurdet/werdet auch- und wegen eurer dopingkenntnisse im ddr-sport prämiert und im gesamtdeutschen sport hofiert.</p>
<p>4. ihr konntet zu ddr-zeiten keinen aufrechten gang &#8230; und jetzt stellt ihr euch auch noch als opfer des systemzwangs dar &#8230; wie erbärmlich!</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>Antje und Henner Misersky: &#8220;Erst die Medaillen, dann die Moral!&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/04/03/antje-und-henner-misersky-erst-die-medaillen-dann-die-moral/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Apr 2009 04:56:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Ich habe meinen Sport geliebt. Aber ich wollte nicht alles mitmachen, was man von mir verlangte.&#8221; Antje Harvey-Misersky, 1999 Biathlon-Olympiasiegerin Antje Harvey-Misersky, ihre Schwester Heike sowie ihre Eltern Ilse und Henner Misersky schließen sich dem Aufruf der Dopingopfer vom 1. April an. Sie bitten mich, Ihre Stellungnahme zu veröffentlichen. Sehr gern, denn ich schätze die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><strong><a title="Warten auf ein Wort der Entschuldigung - BLZ vom 9. November 1999" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/1109/none/0015/index.html" target="_blank">&#8220;Ich habe meinen Sport geliebt. Aber ich wollte nicht alles mitmachen, was man von mir verlangte.&#8221;</a></strong></p>
<p><em>Antje Harvey-Misersky, 1999<br />
</em></p></blockquote>
<p>Biathlon-Olympiasiegerin Antje Harvey-Misersky, ihre Schwester Heike sowie ihre Eltern Ilse und Henner Misersky schließen sich dem <a title="&quot;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3454" target="_self">Aufruf der Dopingopfer</a> vom 1. April an. Sie bitten mich, Ihre Stellungnahme zu veröffentlichen. Sehr gern, denn ich schätze die Familie Misersky außerordentlich.</p>
<blockquote><p><strong>Zur geplanten Erteilung einer „Generalamnestie&#8221; für Doping &#8211; (und Stasi?)-Täter</strong></p>
<p>Bereits 1991 haben wir in Briefen an den damaligen DSB-Präsidenten von Richthofen, den Sportausschuss des Bundestages, den Deutschen Skiverband sowie die Landesregierung Thüringen gegen die Übernahme eindeutig doping- oder/und stasibelasteter Personen aus dem DDR-Leistungssportsystem warnend  protestiert und eine umfassende Überprüfung gefordert.</p>
<p>Reagiert hat lediglich Manfred von Richthofen. Dessen Empfehlungen wurden aber von den Sportverbänden nach unseren Erkenntnissen ignoriert. Von anderen Institutionen gab es keine Reaktionen. Auch aus diesem Grund haben wir im Fernsehen während der Olympischen Winterspiele in Albertville 1992 die einmalige Chance genutzt, angesichts des Olympiasiegs öffentlichkeitswirksam vor einem Millionenpublikum auf die Notwendigkeit dieser Vergangenheitsbewältigung aufmerksam zu machen. Diese ist bis heute nur bruchstückhaft erfolgt. Und auch deshalb wird der deutsche Sport immer wieder von dieser Vergangenheit eingeholt werden. In Anbetracht dessen erscheint uns die geplante „Generalamnestie&#8221; völlig abwegig, weil sie die ganz persönliche Verantwortung des Einzelnen in einer Kollektivschuld verpackt.</p>
<p><span id="more-3468"></span>Auch wenn es problematisch war, dem Systemdruck in der DDR-Diktatur zu widerstehen, wird trotz einiger Randnotizen ( Interview  Ecker-Rosendahl, Mitglied der Steiner-Kommission, idealer wäre in dieser Position eine Brigitte Berendonk gewesen) ausgeklammert, dass es Trainer, Sportler und auch Sportmediziner gegeben hat, die dem Druck zu Doping und politischer Anpassung mit teilweise  leidvollen persönlichen und beruflichen Konsequenzen widerstanden haben.</p>
<p>Kritik und Widerstand bedeuteten bedingungslos Degradierung oder Ausschluss aus diesem sensiblen und von hauptamtlichen Kräften der Stasi und IMs überwachten Sportsystem &#8211; Bedrohung, Postkontrolle, Telefonüberwachung inklusive. Es ist beschämend und wohl auch so gewollt, dass weder früher im NOK, im DOSB-Präsidium, noch im Sportausschuss des Bundestages oder in der Steiner-Kommission Opfer, Systemgeschädigte oder Insider des ehemaligen DDR-Staatssports Sitz oder Stimme hatten/haben. Jegliche Transparenz  wurde und wird durch das Ausgrenzen  dieser „ Querulanten, Nestbeschmutzer, Störfaktoren&#8221; wirkungsvoll verhindert.</p>
<p>Alle Mittäter, die jetzt für die Perspektive einer lächerlichen Autogrammabgabe einen „Persilschein&#8221; in Aussicht gestellt bekommen, hätten nach dem Fall der Mauer durch ein offenes Bekenntnis zu ihrem schuldhaften Verhalten und durch Offenheit und Reue beweisen können, dass sie den Betrug, den „Klassenkampf&#8221;, die Indoktrination hinter sich gelassen haben und in der Demokratie endgültig angekommen sind.</p>
<p>Als sichtbares Zeichen sollten diejenigen, die nun aktiv geworden sind, um in den großzügigen Vorteil einer Amnestie-Entschuldung  zu gelangen, vor einem unabhängigen Gremium umfassend und transparent nun endlich nach so langer Zeit aussagen und vor allem sich vor den Dopingopfern in aller Öffentlichkeit entschuldigen. Ein sichtbares Zeichen ihrer Reue könnte es sein, dem Fond des Dopingopfer-Hilfevereins regelmäßig einen angemessenen Beitrag ihres Einkommens zu überweisen.</p>
<p>Es ist nicht hinnehmbar, wenn auch weiterhin vertuscht, gelogen und Zeitzeugen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, mit juristischen Mitteln gedroht wird. Vielmehr ist es auch ein Schlag ins Gesicht der Dopingopfer, die, um bei Bärbel Bohley zu bleiben, „auf Gerechtigkeit gehofft, aber den Rechtsstaat bekommen&#8221; haben. In der bundesdeutschen Sportpolitik, einschließlich dem dafür zuständigen Innenministerium, scheint allerdings ( wie im untergegangenen DDR-System) ein Bert-Brecht-Zitat in abgewandelter Form Gültigkeit zu haben : Erst kommen die Medaillen (-statistiken!) und dann kommt die Moral.</p>
<p>Hiermit schließen wir uns dem Protest der anerkannten DDR &#8211; Dopingopfer gegen eine „Entschuldungspauschale&#8221; für belastete Trainer und Funktionäre an.</p>
<p>Henner und Ilse Misersky, Antje Harvey-Misersky (Trägerin der <a title="BLZ vom 20. September 2007" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0920/sport/0014/index.html" target="_blank">Heidi-Krieger-Medaille</a> 2005)</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>DDR-Dopinggeschädigte zur &#8220;Entschuldungspauschale für Sportkriminelle&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/04/01/erklarung-von-ddr-dopinggeschadigten-zur-anstehenden-entschuldungspauschale-fur-sportkriminelle/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 09:41:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich veröffentliche eine weitere Erklärung von DDR-Dopingopfern nach: <a title="&quot;Kein fauler Frieden in der Dopingaufarbeitung&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=3152" target="_self">&#8220;Kein fauler Frieden in der Dopingaufarbeitung&#8221;</a>.</p>
<blockquote><p><strong>Erklärung von DDR-Dopinggeschädigten zur anstehenden Entschuldungspauschale für Sportkriminelle<br />
</strong></p>
<p>Die Entschuldungspauschale von dopingbelasteten Trainern wird einer konsequenten Dopingbekämpfung in Deutschland, einer sachgerechten Aufarbeitung der Dopingvergangenheit in Ost und West sowie dem massiven Schadensvolumen der zahlreichen Dopingopfer nicht gerecht. Wir akzeptieren keine pauschalen Entschuldungsschreiben von Trainern, die zwanzig Jahre lang ihre Geschichte weggelogen und sich damit Einstellungsverhältnisse erschlichen haben. Ein universaler Entschuldungstext meint niemanden und respektiert niemanden. Wir lehnen es ab, dass durch eine solche Erklärung zahlreiche Verantwortliche einen rückwirkenden Freifahrschein für angetanes Unrecht, Zugriffe und Verfehlungen im Sport erhalten sollen. Das viel gebrauchte Argument, diese Trainer seien in den vergangenen zwanzig Jahren in Sachen Doping unauffällig geblieben, ist gemessen am Zustand des deutschen Antidopingsystems nicht nur gezielt scheinheilig, sondern unstatthaft. Jeder, der in diesem Land dopen will, kann das unbehelligt tun.</p>
<p>Wir fordern das BMI auf, die jahrelangen Verstöße gegen die Antidoping-Klauseln in den Zuwendungsbescheiden zu prüfen und entsprechende Fehlmittel zurückzufordern. Wie ist es möglich, dass die Steiner-Kommission zu Empfehlungen kommt, ohne dass dabei Geschädigte des DDR-Dopingsystems in transparenter Weise einbezogen wurden? Warum gab es zu der anstehenden Trainererklärung keine öffentliche Anhörung im Sportausschuss? BMI und DOSB fordern wir auf, ihre selbstgesetzten Dopingrichtlinien, Vielfacherklärungen und Statute einzuhalten und endlich auch umzusetzen. Somit liegt es in der Natur der Sache, dass wir es ablehnen, dass DOSB, DLV und BMI der anstehenden Erklärung dopingbelasteter Trainer zustimmen.</p>
<p>Wenn Innenminister Wolfgang Schäuble meint: <a title="Wolfgang Schäuble oder: vom Umgang mit der Wahrheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=3420" target="_self">„Wir haben ganze Rekordlisten getilgt&#8221;</a>, wenn Peter Danckert als Sportausschussvorsitzender nicht klar kriegt, ob Opfer tatsächlich Opfer sind, wenn DOSB-Chef Thomas Bach den Nivellierungscode schon abnickt, noch bevor die beschuldeten Trainer ihre Unterschrift überhaupt gegeben haben, ist das nicht vereinter Klärungswille, sondern Betrug am Sport und feiste Desinformationspolitik, mit der im Jahr 20 nach dem Mauerfall alles weggedrückt werden muss, was nach Missbrauch, Schuld, Schaden aussieht. War da was? Gibt`s da immer noch ein Aua, immer noch was zu klären? Haben Politiker und Sportfunktionäre gar Anteil daran?</p>
<p><span id="more-3454"></span>Ja! Seitdem es DDR-Dopinggeschädigte in der Öffentlichkeit gibt, d. h. seit nunmehr zehn Jahren, besteht ihr klarer Einspruch gegen die Logik des Machbaren im Sport. Wozu braucht es jede Menge multipel Traumatisierte mit Krebs, schweren Organschäden, Hormonstoffwechselstörungen, behinderten Kindern? Erteilt irgendwo jemand eine Unterschrift, mit der die Opfer des Dopingmissbrauchs ihre zerstörten Körper und Seelen gesund zurück erhalten?</p>
<p>Sind nicht mehr als tausend Tote pro Jahr im globalen Effizienzsport Zeichen genug? Spricht der Imageschaden, den der vergiftete Business-Sport in Deutschland mittlerweile zu verzeichnen hat, nicht mehr als eine deutliche Sprache? Ist die illustre Polittroika Schäuble/Bach/Danckert in Fragen Sportethik der gebührende Garant, wo doch der eine schon in den Siebzigerjahren Doping für die Bundesrepublik frei geben wollte, der andere sich als Anwalt von Schalck-Golodkowski auszeichnete und der dritte als Supernova des globalen Wirtschaftslobbyismus notorisch in die Schlagzeilen kommt? War es das, was man unter deutscher Einheit verstanden wissen wollte?</p>
<p>Es geht nicht darum, erlittene Sportschäden künstlich in die Zukunft zu verlängern, sondern weiterhin um Klärung, konkrete Beteiligungen und Verantwortung, also darum, die Zukunft des Sports zu sichern.</p></blockquote>
<p>Unterzeichnende:</p>
<ul>
<li> Ute Krieger-Krause</li>
<li>Andreas Krieger</li>
<li> Uwe Trömer</li>
<li>Yvonne Gebhardt</li>
<li>Bernd Richter</li>
<li>Karen König</li>
<li>Brigitte Michel</li>
<li>Bernd Michel</li>
<li>Dagmar Kersten</li>
<li>Marie-Katrin Kanitz</li>
<li>Ines Geipel</li>
</ul>
<p><em>Ansprechpartner: Andreas Krieger (Tel 0391.2525332) und Ines Geipel (Tel 030.21021639)</em></p>
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		<title>Erklärung von DDR-Dopingopfern: &#8220;Kein fauler Frieden in der Doping-Aufarbeitung&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Mar 2009 19:27:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Brandaktuell, ausgelöst <a href="http://jensweinreich.de/?p=2952" target="_self">durch</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=2745" target="_self">den</a> hier heiß diskutierten <a href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Fall</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=2508" target="_self">Werner</a> <a href="http://jensweinreich.de/?p=2499" target="_self">Goldmann</a>, die Amnestie-Debatte und die Erarbeitung neuer <a href="http://jensweinreich.de/?p=3102" target="_self">Ehrenerklärungen für DDR-Dopingtrainer</a> &#8211; eine Stellungnahme von Dopingopfern, die sich in Berlin getroffen haben:</p>
<blockquote><p><strong>DDR-Dopinggeschädigte erheben Einspruch gegen den geplanten Persilschein für belastete Dopingtäter </strong></p>
<p>Seit Wochen läuft, ausgelöst durch die Causa Goldmann, eine Debatte über den dopingbelasteten deutschen Sport in Ost und West. Im Vorfeld der Leichtathletikweltmeisterschaften im Sommer in Berlin und im 20. Jahr des Mauerfalls wird nun hitzig nach einer Zauberformel gesucht, die den Beweis erbringen soll, dass der Sport in Deutschland rein und endlich einig ist. In dieser magischen Zukunfts-Mixtur steckt jedoch nichts anderes als eine Schlussstrich-Rehabilitierung des amnestischen, schwer toxischen Systems und die Absicht, den längst sichtbaren Schaden in einer durchsichtigen PR-Aktion zu neutralisieren. Mit einem faulen Frieden dieser Art lebt der Sport schon zu lange. Diese Strategie hat dem Sport nicht nur seinen aktuellen Imageschaden bereitet, sondern auch willentlich und wissentlich viele Opfer produziert. Wenn es jetzt um eine Zukunftsformel geht, dann doch nur durch einen konsequenten Bruch mit den ausgedienten Strategien im Sport und der akzeptierten, zynischen Täterpolitik.</p>
<ol>
<li>Trainer, Ärzte, Funktionäre und Betreuer, die es in den vergangenen 20 Jahren nicht geschafft haben, sich klar zu ihrer Dopingvergangenheit zu positionieren, haben im deutschen Sport und in der Nähe von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen. Ein generelles polizeiliches und sportliches Führungszeugnis ist im organisierten Sport längst überfällig.</li>
<li>Die Situation der DDR-Zwangsdopinggeschädigten hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Hinblick auf ihre Gesamtlebenssituation dramatisch verschlechtert. Eine öffentlich finanzierte Beratungs- und Anlaufstelle für Dopinggeschädigte haben die Betroffenen seit langem vergeblich gefordert und ist umso zwingender notwendig.</li>
<li>Für die irreversiblen Schädigungen der DDR-Zwangsdopinggeschädigten gilt es, einen gesetzlich verankerten Rentenanspruch zu formulieren.<span id="more-3152"></span></li>
<li>Regionale Medien in den neuen Bundesländern haben die notwendige Aufklärung gegenüber den Betroffenen im DDR-Sport größtenteils gezielt verweigert. Diese Informationsdefizite sind auszugleichen.</li>
<li>Informationsdefizite dieser Art beziehen sich ebenso auf öffentliche Verwaltungen und Einrichtungen des Bundes und führen nicht selten zu Retraumatisierungen der Betroffenen. Diese Lücken sind auf institutioneller Ebene dringend zu beheben.</li>
<li>Medial wird nicht selten der Eindruck vermittelt, das DDR-Sportsystem sei umfänglich aufgearbeitet. Wesentliche Aspekte, die insbesondere auf praktizierte Menschenversuche zielen, sind jedoch unbetrachtet geblieben. Fundierte Forschungen etwa zum illegalen Leipziger Dopinginstitut FKS fehlen genauso wie wissenschaftliche Arbeiten zur Verstrickung der Sportclubs und der Sportmedizin in das DDR-Dopingsystem.</li>
<li>Die vom Sport aktuell anberaumte Studie zur Dopingaufarbeitung in Ost und West muss insbesondere von nicht dopingsozialisierten Experten erstellt werden.</li>
<li>Zur Entwicklung wirksamer Therapien und sinnvoller Präventionsmaßnahmen sind von Dopinggeschädigten seit langem differenzierte Analysen von Sportschäden bzw. eine Langzeitstudie zu Krankheitsverläufen gefordert worden. Hier besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf. </li>
</ol>
<p>Die zu erwartende Zukunftsformel in Sachen Doping für Gesellschaft und Sport lautet: Die Zahl seiner Opfer wird exponential steigen. Persilscheine für das DDR-Zwangssystem und den BRD-Systemzwang sind das stärkste Indiz dafür, dass Sport und Politik dem Zeitgeist hinterhinken. Ein sauberer Sport ist keine Hexerei. Er braucht keine Zauberformeln. Man muss sich für ihn entscheiden und ihn dann realisieren.</p></blockquote>
<p>Unterzeichnende: u. a. Ute Krieger-Krause, <a href="http://jensweinreich.de/?p=2531" target="_self">Andreas Krieger</a>, Uwe Trömer, Bernd Richter, Karen König, <a href="http://jensweinreich.de/?p=2576" target="_self">Brigitte Michel</a>, Bernd Michel, Dagmar Kersten, Marie-Katrin Kanitz, Yvonne Gebhardt, Ines Geipel.</p>
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