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Russia’s propaganda TV: medical Xenon as performance-enhancing gas #Sochi2014

Screenshot Russia Today

Screenshot Russia Today

Ich sagte es bereits: ein Geheimnis war die Verwendung von Xenon (als Medxenon) im russischen Spitzensport nicht. Es hat nur keiner hingesehen. Zum Beispiel hat offenbar kaum jemand diesen Beitrag des Kreml-Propagandasenders “Russia Today” vom 23. Februar 2013 gesehen:

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Dokumente zum russischen “Sauerstoff-Cocktail” mit Xenon im Hochleistungssport #Sochi2014 #Doping?

Der Economist hat vor drei Wochen einen Beitrag zur Verwendung des Edelgases Xenon im russischen Hochleistungssport veröffentlicht. Der Beitrag wurde in diversen Fach- und Ausdauermedien (Runner’s World, road.cc: “The Next Big Thing in legal doping?”) schnell zitiert, ging aber während der Sotschi-Show weitgehend unter. In meiner Timeline ist mir das bis heute auch durchgerutscht.

ATOM-MED-ZENTR/MEDXENON - "Technologija podatschi gasovoi smjesi pazientu"

Erwünschte Wirkungen: erhöhte körpereigene EPO- und Testosteron-Produktion. Nach Angaben des Moskauer Atom-Med Zentrums (АТОМ-МЕД ЦЕНТР) haben sich während der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen 75 Prozent der russischen Medaillengewinner dem “Sauerstoff-Cocktail” (кислородный коктейль) Medxenon unterzogen. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin waren es 70 Prozent aller Medaillengewinner. 2008 und 2010 wurden (glaube ich) auch in einer der Unterlagen erwähnt. Die Vorbereitung auf London 2012 und Sotschi 2014 ebenfalls.

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Olympic poem (VIII): Dopingfall im deutschen Olympiateam #Sochi2014

Wir wollten eigentlich feiern!

Die Olympischen Spiele biegen gerade auf die Zielgerade ein
Und das tun sie sehr sehr spektakulär

Wir wollten eigentlich feiern

Mensch, das muss doch nicht sein
So einen Tag wie heute
habe ich in meiner langen Karriere
auch noch nicht erlebt

Ganz ehrlich
Ich hoff weiterhin
Dass es ein Schuss in den Wind ist

Auch die ukrainischen Frauen laufen ja mit dicken dicken Sorgenfalten
Was für ein olympisches Schock-Erlebnis für sie

Evi Sachenbacher-Stehle
Ist also die Person,
nach der heute immer schon gesucht wurde

Warum ist das so
wie es momentan ist?

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Tweets zum Dopingfall im deutschen Olympiateam #Sochi2014

Evi Sachenbacher-Stehle also? Allgemein bekannt seit ihrer so genannten Schutzsperre bei den Olympischen Winterspielen 2006. Der DOSB will sich gleich dazu äußern.

Work in progress – bis Sendeschluss heute.

Es folgt (sehr wahrscheinlich) noch ein Olympic Poem zum Doping.

Alle Fakten bitte in die Kommentare packen.

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Jung & Naiv: DOSB-General Michael Vesper

Der Michael erklärt dem Tilo die olympische Welt.

Kann man gut nebenher am Schreibtisch laufen lassen. Und sich manchmal wundern. Michael gibt sich echt Mühe.

Tilo Jung auf Youtube

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IOC-Countdown (10 Tage): Sportausschuss-Sondersitzung, Kinderdoping, Thomas Bachs Schmalspur-Taktik & more

| 31.08.2013 | 9 Comments

Der Hausherr auf dem Flug nach Rio. Da wir hier bekanntlich das Bach’sche Wahlkampf-Motto „Einheit in Vielfalt“ hochhalten, darf ich für einen Teil der Wochenendunterhaltung sorgen: mit viel Lesestoff für den Montag, zur Sondersitzung des Bundestags-Sportausschusses zur Dopingstudie. Auch wenn jw diesem Gremium bekanntlich nicht (mehr) sonderlich viel Bedeutung beimisst. Es gibt also eine Mischung aus zeithistorischer Recherche – die ausgebaute Version eines Artikels für die Berliner Zeitung zu einigen Schwachstellen des Berliner Studienteils – und Vorschau auf die Sitzung. Zu beidem die wichtigsten Dokumente, inklusive der bisher einzige parlamentarische Antrag aus dem Ausschuss zum Thema, der politischen Gestaltungswillen dokumentiert. Er kommt, wie so oft, von den Grünen. Los geht’s:

* * *

Selten war die Fallhöhe so groß wie für diese Sitzung des Bundestags-Sportausschusses, die Sondersitzung am Montag. Sie ist, ausnahmsweise, öffentlich; man hat einen größeren Saal gebucht, Phönix überträgt live. Auch eine hübsche oppositionelle Unverschämtheit steht auf der Agenda: Die Grünen haben nach dem IOC/DOSB-Kniefall vor dem russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz noch schnell einen zusätzlichen TOP zu Sotschi aufsetzen lassen. Aber zuerst wird die von Forschern aus Berlin und Münster erarbeitete Studie „Doping in Deutschland“ debattiert. Bekanntlich wurde sie erst nach öffentlichem Druck teilpubliziert und sorgte im Sport zunächst für nervöse Anspannung. Nur war bald klar, dass ihre Ergebnisse doch ziemlich willkürlich zum „systematischen Staatsdoping West“ hochgejazzt worden sind – und nun erhoffen sich die notorischen Bremser leichtes Spiel.

Diese Stimmung ist mit Händen zu greifen, einen ersten Fingerzeig lieferte am Mittwoch das Positionspapier aus dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) für die Sitzung. Auf den 27 Seiten fehlt etwas: ein Wort des Bedauerns aus dem Institut, das mit dem Segen des Bundesinnenministeriums über Jahrzehnte dubiose Dopingforschung aus Steuergeldern sponserte. Stattdessen kapriziert man sich darauf, Vorwürfe der Berliner Wissenschaftler zu entkräften – etwa den der Zensur. Und es sieht tatsächlich so aus, als ob manches übertrieben war.

Das gilt ebenso für einige brisante Aussagen in der Berliner Studie. Dass auch der westdeutsche Sport einigermaßen dopingverseucht war, stand für kritische Beobachter nie in Frage – aber war, beispielsweise, Kinderdoping üblich? Die Süddeutsche Zeitung, die vor vier Wochen zuerst aus dem 804-Seiten-Bericht referierte, war sich sicher: In Freiburg hätten die Olympiaärzte Herbert Reindell und Joseph Keul sogar an Kindern Anabolika getestet. In der Studie ist das nur als Verdacht formuliert. Als jedoch Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, „nicht viel Neues“ darin entdeckte, schimpfte öffentlich auch einer der Historiker:

Der Vorwurf des inhumanen Minderjährigendopings, die Verabreichung von anabolen Steroiden an Elfjährige Mitte der 1970er Jahre, was nun wirklich an die Dopingpraxis in der DDR erinnert, schien ihn nicht zu schockieren.”

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Doping in Deutschland: Stellungnahme des BISp

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat eine 39 Seiten umfassende Stellungnahme zum umstrittenen und teilweise hysterisch diskutierten Dopingforschungsprojekt veröffentlicht.

Ich habe das Papier quer gelesen und bemerkt:

  • Das BISp kommt darin außerordentlich gut weg. Perfekt gearbeitet attestiert sich das Institut – und bietet auch eine Erklärung für die Aktenvernichtung an, alles nach Recht und Gesetz, schon 2006, also zwei Jahre bevor der IOC-Präsidentschaftskandidaten-noch-Favorit und oberste Dopinggegner des Landes die Initiative zu diesem Projekt ergriffen … ach, lassen wir das.
  • Das BISp argumentiert im Sinne des DOSB, wenn notiert wird, dass die Forderung nach einem Dopinggesetz auf der Basis der vorgelegten Forschungsergebnisse und der aktuellen Gesetzgebung nicht nachvollziehbar sei.
  • Der Teilbereich der Uni Münster am Forschungsprojekt kommt gut weg. Im Übrigen hat Münster sich auch finanziell am Projekt beteiligt. Die Humboldt Uni eigentlich auch, aber indirekt: denn über ein zweites, inhaltlich viel verworreneres und fürstlich dotiertes Projekt, von dem manche Leute bis heute nicht wissen, was es sollte und was es gebracht hat (“Translating Doping”) war die Arbeit von Giselher Spitzer finanziert worden, der deshalb am BISp-Projekt ehrenamtlich mitwirkte.
  • Der Teilbereich der Humboldt Uni kommt ziemlich schlecht weg. Grobe wissenschaftliche Mängel werden attestiert. Interessant finde ich in der Tat den Vergleich zwischen Antragstellung der HU und dem Ergebnis. Da passt einiges nicht, vor allem: Strukturelles und Analytisches bietet auch das 804-Seiten-Papier kaum – IMHO.

(In einer Grundfrage ist ja nun die Süddeutsche Zeitung, die im Juli das Thema groß entdeckte, inzwischen klammheimlich zurückgerudert. Die Autoren sprechen nunmehr vom “systemischen” Doping in der Alt-Bundesrepublik, so wie Spitzer seit 2011, und nicht mehr vom “systematischen” Doping, wie die SZ wochenlang geschrieben und damit die Richtung der landesweiten Berichterstattung vorgegeben hatte.)

Ich habe von der HU und den am Projekt beteiligten Personen zwar schon viel gelesen (Arbeiten und Äußerungen), aber wenig bis nichts, was die Darstellung des BISp wirklich erschüttern bzw als Falschdarstellung entlarven würde. Das liegt ganz gewiss allein an meinen Erkenntnis- und Wissenslücken bzw Schwächen. Oder auch nicht.

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Thomas Bach: Lebenssachverhalte im nationalen Interesse (III). UDIOCM sagt dem Sportausschuss ab

| 28.08.2013 | 5 Comments

Hoppala, und schon folgt der Nachtrag zu den vielfältigen Lebenssachverhalten.

Am Tag des Besuches beim Bundesinnenminister fand der deutsche IOC-Präsidentschaftskandidaten-noch-Favorit die Zeit, seinen Besuch am Montag bei der Sondersitzung (ausnahmsweise öffentlich, heißt es) des zahn- und meist auch willenlosen Sportausschusses des Bundestages abzusagen. Dort soll das Forschungsprojekt Doping besprochen werden.

Hier sein Schreiben an die DLV-Vizepräsidentin Dagmar Freitag (SPD):

Seite 1

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Was vom Tage übrig bleibt (83): Gespräch zur Dopingstudie auf detektor.fm

Ich habe dieser Tage einige Interviews zum Durcheinander und den Schlagzeilen über die Dopingstudie gegeben. Hier mein Gespräch auf detektor.fm.

Ich glaube, da ist zwei, vielleicht drei Mal geschnitten worden. Am Ende scheint es mir meine Antwort etwas zu entstellen, oder ich war so wirr und habe meine Schachtelsätze nicht mehr schließen können. Zu Beginn korrigiere ich den Moderator gleich zwei Mal, das mag nun etwas erstaunen, weil in der Sendevariante das, was ich aus meiner Sicht korrigieren musste, nicht mehr zu hören ist. Diese Anmerkung ist den Leipziger Internetradiomachern gegenüber nicht böse gemeint, ich glaube nur, das ist zur Erklärung nötig. Ich schätze Detektor.fm sehr.

Ich verlinke in letzter Zeit kaum noch zu Interviews, die jemand mit mir führt. Weil mir aber immer noch vieles überdreht erscheint und sich die inhaltlichen Zweifel an der Studie mehren, will ich gern meine Bedenken akustisch teilen.

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Düstere Konstanten des deutschen Spitzensports: Ernst Jakob und Freiburgs Ärzteschule

| 06.08.2013 | 6 Comments

tl;dr: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft veröffentlichte am Montag auf öffentlichen Druck sechs Dateien zum umstrittenen und heiß diskutierten Forschungsprojekt “Doping in Deutschland”. Parallel dazu zeigt sich am Landgericht Stuttgart beim Verfahren gegen den Radprofi Stefan Schumacher eine düstere Konstante des real existierenden deutschen Hochleistungssports: Für heute,  Dienstag, ist der Sportmediziner Ernst Jakob als Zeuge geladen, einst Teamarzt bei Gerolsteiner. Ein Zögling von Joseph Keul. Jakob war an einer der staatlich finanzierten Testosteronstudien beteiligt, deren Ergebnis gemäß Bericht der Humboldt-Uni verfälscht worden sein soll. Zwischenergebnis der Recherche für diesen Beitrag: Der DOSB lässt die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Olympia-Arzt Jakob vorerst ruhen.

Vielleicht hat der laufende Betrugsprozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher seine Pleite schon erlebt. Anfang Juli, am 11. Verhandlungstag, gab sich jedenfalls ein weiterer Bedenkenträger zu erkennen: „Die Zweifel, die man letztendlich hat, sprechen am Ende vielleicht schon für Schumacher“, sagte der bis dahin unnachgiebige Staatsanwalt Peter Holzwarth. „Ich muss ihn nicht um jeden Preis verurteilen.“

Der Radler soll ja, so steht es in Holzwarths Anklage, seinen Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer um rund 150.000 Euro betrogen haben, weil er Doping verschwieg. Dass Holczer so ahnungslos war, wie er behauptete, nahmen ihm nur wenige ab – und der Prozessverlauf brachte auch den guten Glauben des Anklägers ins Wanken.

Damit ins Landgericht Stuttgart. Dort ist heute Ernst Jakob geladen, derzeit ärztlicher Direktor der Sportklinik Hellersen, einst verantwortlicher Arzt bei Gerolsteiner. Mit ihm im Zeugenstand: die düstere Konstante des deutschen Spitzensports. Jakob kommt aus der Freiburger Ärzteschule, er ist einer der Zöglinge des Doyens der westdeutschen Sportmedizin Joseph Keul. An der staatlich finanzierten Dopingforschung, die am Wochenende neuen Wirbel auslöste, wirkte er maßgeblich mit.

Ob Jakob aussagt oder sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht beruft, dürfte auch für Holzwarth spannend werden. Denn an jenem 11. Verhandlungstag erschütterte ihn ein Attest aus dem Jahr 2007 mit der Unterschrift des Arztes, dem Teamchef Holczer vertraute. „Ein glücklicher Umstand, dass es noch da war“, sagt Schumacher-Verteidiger Dieter Rössner. Jakob hatte das Papier nach Spanien gefaxt, wo Schumacher die Vuelta abbrach, um sich auf die Heim-WM in Stuttgart vorzubereiten. Dafür verpassten ihm die Mediziner vor Ort schnell noch eine Kortisonspritze. Jakobs Ferndiagnose aus Deutschland: Achillessehne. Schumacher sagte aus: “Das Attest diente abgesprochen nur dazu, es bei Kontrollen in Deutschland zur Täuschung vorzuweisen.“

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Doping in Deutschland: die Berichte zum Forschungsprojekt

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hat gerade wortlos sechs pdf-Dateien zum vielbesprochenen Dopingforschungsprojekt “Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation” online gestellt.

So muss das sein.

Ich fasse diese Dokumente an dieser Stelle kurz zusammen. 804 Seiten sind es nicht. Was da zur Verfügung gestellt wurde und was weshalb nicht, wird noch zu klären sein. Work in progress.

Viel Erfolg und Erkenntnisgewinn schon mal bei der Lektüre.

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    Was vom Tage übrig bleibt (82): die BRD-Dopingstudie oder “das konnte man alles wissen”

    Ergänzend zu meinen gestrigen Anmerkungen hier der Zwischenbericht zum viel diskutierten (und hyperventilierend diskutierten) Dopingforschungsprojekt. Der Zwischenbericht vom September 2011, der damals in Berlin vorgestellt wurde, wobei der Projektleiter Giselher Spitzer erstmals vom “systemischen” Doping in der Bundesrepublik sprach.

    Angeblich will das Bundesinnenministerium die gesamte Studie heute noch online veröffentlichen.

    Hoppala, gerade werde ich in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht, dass das BISp einige Basis-Infos zum Dopingprojekt veröffentlicht hat. Erstmals in dieser Ausführlichkeit, meine ich, gestern zum Beispiel hatte ich die BISp-Webseite erneut abgegrast und kaum etwas gefunden außer einigen “Klarstellungen” zu Diskussionen über die Jahre, wie etwa dieser. Also:

    Zurück zur Präsentation des Zwischenberichtes 2011: Einiges, was jetzt medial als angeblich neu verhandelt wird, tauchte damals schon auf und wurde öffentlich besprochen.

    Das gilt für beide Präsentationen von Zwischenergebnissen: 2010 in Leipzig und 2011 in Berlin. Zahlreiche Links zu Presseartikeln über diese Zwischenberichte finden sich u.a. in der Kommentarspalte dieses Beitrages.

    Damit mal alles auf einer Seite steht, hier noch einmal die Unterlagen zur wirren “Präsentation der Ergebnisse” des Projekts im November 2012 in Berlin. Wobei das Papier ohne die Live-Berichterstattung nicht richtig zu lesen/zu verstehen ist:

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    BRD-Doping oder: “Schutz des diskreten Anabolismus” über ein halbes Jahrhundert

    Vor 22 Jahren hat eine offenbar ziemlich weise Autorin einen “Goldenen Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus” in Deutschland veröffentlicht. Wer mag, kann Sportverbände, Jahreszahlen, politische Ämter, Disziplinen ergänzen und/oder austauschen. Es kommt schon hin. Es stimmt in jedem abgeänderten Punkt.

    Denn Brigitte Berendonk hat mit dem Buch “Doping Dokumente. Von der Forschung zum Betrug” 1991 einen wahrhaft historischen Band vorgelegt.

    Rund zwei Drittel des Textes (Anhang ausgenommen) befasste sich mit dem Dopingsystem in der DDR, über das sie gemeinsam mit ihrem Mann Werner Franke auf abenteuerlichen Wegen exklusiv “wissenschaftliche” Arbeiten der Doping-Nomenklatura gesichert und veröffentlicht hatte, ein Drittel thematisierte – und das wird im Osten stets vergessen – Doping in der (alten) Bundesrepublik Deutschland.

    Hier also Berendonks “Goldener Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus”:

    1. Aussitzen.
    2. Ruhe, Gelassenheit, keine Emotionen. Es sei denn gegen Störenfriede, Selbstbezichtiger, Nestbeschmutzer, Wahrheitsfanatiker und Moralisten – d. h. Doping-Gegner.
    3. Gründung vertraulicher Kommissionen, die außer allgemeinen Feststellungen und Pressemeldungen schon nichts zustande bringen werden, das Staats- und Sportsräson gefährden könnte.
    4. Hearings vor dem Sportausschuss des Bundestages, möglichst als geschlossene Gesellschaft von Duldern und stillen Teilhabern des Dopings.
    5. Viele Anti-Doping-Grundsatzerklärungen (grundsätzlich unverbindlich) von NOK, DSB, den Sportverbänden bis zum Sportärztebund; noch besser ist eine Charte (natürlich Magna), das bringt wieder Ruhe ins Volk, genau wie 1977.
    6. Tägliche Pressemeldungen über viele negative Dopingkontrollen.
    7. Bundesverdienstkreuze, silberne Lorbeerblätter und anderes staatliches Suppengewürz für verdiente Mitglieder der geheimen Dopingfamilie.
    8. Öffentliche Gruppenbilder – mit oder ohne Dope-Damen: der Bundespräsident stellt sich vor die gedopten Sportler, NOK-Präsident Daume hinter die dopenden Ärzte.
    9. Verwirrspiele mit Sportgerichtsverfahren, seit 1977 besonders bewährt.
    10. Die Sportjournalisten wählen eine über 21-Meter-Kugelstoßerin zur (ungedopten) Sportlerin des Jahres – wie 1977, und die Kameraleute des Fernsehens werden instruiert, bei Nahaufnahmen von Spitzensportlerinnen verräterische Steroid-Akne zu vermeiden.

    Warum dieser Exkurs zum Berendonk-Buch in die wilden 1990er Jahre?

    Weil mich die, sagen wir: ahistorische und nur auf die Schlagzeile fixierte Berichterstattung in vielen Medien nervt. Gerade an diesem Wochenende.

    Das betrifft nicht weniger die Süddeutsche Zeitung, die am Samstag einige Notizen zur mit Steuermitteln finanzierten Dopingstudie der Humboldt-Universität veröffentlicht hat, um das flink klarzustellen. Da ließe sich allenfalls ein Fachdisput darüber führen, ob es sich in der Bundesrepublik um “systematisches” oder doch eher “systemisches” Doping handelte.

    Für manch einen mag das eine überflüssige Debatte sein. Die Historiker hatten dafür 2011, bei der zweiten Präsentation von Zwischenergebnissen (in Berlin, die erste Präsentation fand 2010 in Leipzig statt), aus guten Gründen das Adjektiv “systemisch” gewählt.

    In Teilen aber, und das haben im Jahr 2000 bereits Gerhard Treutlein und Andreas Singler in ihrem Werk “Doping im Spitzensport” festgestellt, war das Doping in der (alten) Bundesrepublik sowohl flächendeckend als auch systematisch. Treutlein/Singler schrieben damals:

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    Dopinglügen im kalten Licht der Statistik: der WADA-Testreport 2012

    | 03.08.2013 | 5 Comments

    tl;dr: Nach dem Pound-Report hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nun einen detaillierten Bericht über die weltweiten Dopingkontrollen 2012 vorgelegt, der seinesgleichen sucht. So viele Details wurden noch nie veröffentlicht – und dokumentieren die Wirkungslosigkeit des Kontrollsystems. Pflichtlektüre! Grit Hartmann hat den Bericht studiert und entlarvt einige Wahrheitsbeugungen von DOSB und deutscher NADA.

    Bedarf es noch eines Nachweises, um den Dopingkontrollen des Sports weitgehende Wirkungslosigkeit zu attestieren? Die Welt-Antidoping-Agentur hat ihn geliefert.

    Dabei trägt der aktuelle WADA-Report einen nüchternen Titel: “2012 Anti-Doping Testing Figures Report”. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei den 156 Seiten um ein Misstrauensvotum erster Güte, auch an die eigene Adresse.

    Die neue Statistik, sie basiert auf von den Analyse-Laboren gelieferten Kontrollergebnissen, beschert nämlich zuerst diese desaströse Erkenntnis: Doper haben weniger denn je zu befürchten in einem Testsystem, das ihnen angeblich immer dichter auf die Fersen rückt.

    Zwar wurden 2012 im olympischen Sport rund 185.000 Proben genommen und damit mehr als im Vorjahr, die Zahl der Funde aber sank: Nur in 2.894 Proben (1,56 Prozent) detektierten die Labore Dopingmittel oder auffällige Werte, die auf Manipulation deuten. 2011 lag die Quote bei 1,91 Prozent.

    Und selbst dieser Minianteil zeichnet noch weich: Er enthält auch Ergebnisse, die keine Dopingverstöße waren, weil Athleten medizinische Ausnahmegenehmigungen vorlegen konnten.

    1,56 Prozent – das widerspricht krass den Fakten, die professionelle Ermittler zutage fördern, wenn sie sich wie derzeit in Australien oder Italien das Milliardenbusiness Spitzensport mal vorknöpfen. Fürs sportinterne Kontrollnetz gilt das Übliche: In ihm verfangen sich vor allem die Dummen. Die Hälfte aller positiven Proben fiel mit Anabolika auf, 15 Prozent mit Stimulanzien, gefolgt von Cannabis und Diuretika – mühelos nachweisbare Stoffe.

    Eher als Unfälle dürften auch die 45 Epo-Funde (bei 25.000 Kontrollen auf den Blutverdicker) einzustufen sein. Warum? Minidosen, längst die probate Spritzmethode, sind nicht zu detektieren. Der Nachfolger heißt Aicar, wirkt angeblich besser – und es gibt kein Testverfahren. Kaum fündig würden die Analytiker bei der Suche nach Wachstumshormon (vier Fälle) und nach den so genannten HBOCs, hämoglobin-basierenden künstlichen Sauerstoffträgern (kein Fall).

    Die Statistik illustriert auch, was von Kontrollen in den Händen der Weltverbände zu halten ist – solange der WADA-Code von ihnen nicht mehr verlangt als Tests, gleichgültig wie oft und worauf. Spitzenreiter nach Zahlen sind Radsport (8940 Tests) und Leichtathletik (5817), mit großem Abstand zu den 33 anderen olympischen Föderationen. Sepp Blatters Fußball-Weltverband FIFA zum Beispiel beließ es bei 696 Kontrollen. Am Ende der Tabelle stehen acht Verbände mit weniger als 100 Tests.

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    Was vom Tage übrig bleibt (81): systemisches Doping in der BRD, die Akte VF-1220/13/72 #Mainpost

    Interessante Geschichte von Achim Muth heute in der Main-Post zum westdeutschen Doping vor 40 Jahren. Lesebefehl:

    In Kurzfassung aus Muths Text, darum geht’s – es liegen Akten vor …

    … die die frühe Existenz des sich in der Bundesrepublik Deutschland entwickelnden systemischen Dopings just zu jener Zeit der Olympischen Spiele belegen. Es geht um die Anwendung von Anabolika sowie die Verabreichung von Insulin und Wachstumshormonen – alles mit Wissen des Staates und finanziert aus Steuergeldern.

    Tief verstrickt darin waren das unter staatlicher Finanzierung 1970 gegründete Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das damals seinen Sitz in Löwenich bei Köln hatte, heute in Bonn angesiedelt und nach wie vor dem Bundesinnenministerium (BMI) unterstellt ist, und alte Bekannte: Die Professoren Herbert Reindell und Joseph Keul der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg – ausgerechnet jenem Institut, über das die „Zeit“ erst Anfang 2013 schrieb, es gelte „als westdeutsches Abziehbild des DDR-Dopingstaatsplans“. Schlagzeilen machten vor allem die enge Verbindung der Uni Freiburg zum dopingverseuchten Radrennstall des Team Telekom um Jan Ullrich in den Jahren um den Jahrtausendwechsel. Die Telekom-Mannschaftsärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid kamen vom Freiburger Institut.

    Bei der nun entdeckten Akte handelt es sich nach Überzeugung von Wissenschaftlern mit hoher Sicherheit um das erste Dokument zur bundesfinanzierten Dopingforschung in Deutschland und es zeigt, dass in Freiburg bereits Anfang der 70er Jahre die Ethik vernachlässigt worden ist (…)

    Die Akte VF-1220/13/72:

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    Was vom Tage übrig bleibt (80): der älteste olympische Leichtathletik-Weltrekord von Jarmila Kratochvilova

    | 26.07.2013 | 1 Comment
    screenshot www.iaaf.org

    screenshot www.iaaf.org

    Das waren noch Zeiten. Im Sommer 1983. Kurz nach dem Abitur. Als Jarmila Kratochvilova (“Das beste Doping ist Training”) über die Tartanbahnen pflügte und heute vor 30 Jahren in München Weltrekord über 800 Meter stampfte. Es ist der älteste Weltrekord. Und er kann gut noch einige Jahre (oder Jahrzehnte) bestehen.

    Lesebefehl, zweieinhalb Jahre alt aber zeitlos gut:

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    Was vom Tage übrig bleibt (79): “Lutte contre le dopage: avoir une longueur d’avance”

    Der/die Server des französischen Senats waren gestern schwer überlastet, nachdem der zuvor schon viel diskutierte Dopingbericht (238 Seiten) und der dazugehörige Anhang (782 Seiten) veröffentlicht worden sind.

    Auf der Senats-Webseite gibt es dazu interessante Aufbereitungen (grafisch, Video etc.), obwohl auch da die Techniker ein bisschen schrauben und aufhübschen müssten.

    Aber egal, der Inhalt soll ja im Mittelpunkt stehen. Und der ist beachtlich, sind doch schließlich einige Lügenbarone wie Erik Zabel (Unter-Tränen-”Geständnis” von 2007: Epo nur 1996!) und Jan Ullrich (Nie Epo!) aufgeflogen.

    Hier die Dokumente im Original, selbst wer nur so ein Touristenfranzösisch drauf hat wie ich, kann immerhin nach Namen durchforsten.

    Der Bericht:

    Der Anhang:

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    Was vom Tage übrig bleibt (77): WADA-Report by Richard Pound “Lack of effectiveness of testing programs”

    Als Ergänzung zu einem Aufreger dieser Woche, den Dopingfällen Asafa Powell, Tyson Gay et al, muss ich eine Pflichtlektüre unbedingt nachtragen. Den Bericht der von Richard Pound geleiteten WADA-Arbeitsgruppe zum weltweiten Dopingkontrollsystem.

    Lesen! Bitte!

    Vieles, was dieser Tage geschrieben und gesendet worden ist, wäre besser geworden, wäre kompetenter geworden, hätten die Autoren die Pound-Studie gelesen. Die Erläuterungen und die 90 Empfehlungen an die WADA, die Sport-Weltverbände (IF), die Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA), die Sportler und Betreuer, für das Testprogramm, die Labore, die Organisatoren von Wettbewerben und den Welt-Sportgerichtshof (CAS) fassen den derzeitigen Stand der heißen Diskussion wunderbar zusammen.

    Im Prinzip reichen zwei Zitate, um einen Grundsatzstreit zu umreißen, der derzeit ausgetragen und mit der Inthronisierung des neuen WADA-Präsidenten Craig Reedie (GBR, IOC) im November in Johannesburg vorentschieden oder gar entschieden wird.

    WADA is an independent, international, regulatory body concerned with doping in sport; it is not a “service” organization

    … schrieb Richard Pound im Mai.

    Die WADA muss eine Serviceeinrichtung für die Verbände sein …

    … sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter wenige Tage später in Lausanne, als er aus dem IOC-Hauptquartier eilte (nach einem Krisengipfel des Sports zur WADA, der offiziell kein Krisengipfel sein sollte).

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    Werbepause: “Born to run”

    | 01.07.2013 | 7 Comments

    Eine App hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) seit einiger Zeit. Hätte ich da öfter mal reingehen, wäre mir die Meldung vom 6. Juni aufgefallen, die mit einiger Verspätung gerade auch als Pressemitteilung reinschneite.

    Da heißt es:

    Die Anti-Doping-Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich stellen heute das weltweit erste “Mobile Game“ für einen sauberen Sport online. Das Sportspiel “Born to Run” ist Kern einer gemeinsamen Präventionskampagne, die auf spielerische Art über verbotene Substanzen sowie deren Risiken und Folgen informiert.

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    Investigativ

    von Jens Weinreich

    Wer ist wirklich der mächtigste Mann des Weltsports? Das Buch zur Wahl des IOC-Präsidenten: Wie Scheichs und Oligarchen die Strippen ziehen.

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    Bei “Born to Run” liefern sich die Spieler jede Woche herausfordernde Rennen innerhalb der für das Spiel entwickelten “International Roof Running League” (IRRL). Wie der Name der Liga schon verrät, rennen die Spieler über die Dächer einer Stadt. Neben den Wettkämpfen muss der Protagonist auch Trainingseinheiten absolvieren. Das Spiel überlässt es den Athleten, für den Erfolg hart zu trainieren oder die eigene Leistung mit verbotenen Substanzen zu manipulieren.

    Der Weg an die Spitze der weltbesten virtuellen Läufer ist hart. Der Spieler hat es in der Hand, “clean” zu bleiben oder auf verbotene Substanzen zurückzugreifen, um seine Leistungsfähigkeit, auf Kosten seiner Gesundheit, kurzfristig zu steigern. Wie bei Leistungssportlern auch, können die Spieler überraschend zur Dopingkontrolle aufgefordert werden. Gedopte Spieler verlieren selbstverständlich ihre Punkte und müssen nach einer Sperre wieder neu beginnen.

    Das “Mobile Game” setzt auf einen spielerischen Zugang, um Doping bei Jugendlichen zum Thema zu machen und das Wissen über die Gefahren und Folgen von Leistungsmanipulation im Sport zu fördern. Wöchentlich neue Rennstrecken und eine Rangliste der weltbesten Spieler sorgen für neue Herausforderungen. Das Spiel “Born to Run” ist das erste gemeinsame Großprojekt der drei deutschsprachigen Agenturen in der Dopingprävention. Zuvor hat es bereits eine Zusammenarbeit bei Präventionsbroschüren und E-Learning-Inhalten gegeben.

    Ob es hilft?

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    Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (I): Geschäfte mit der Dopingkultur

    | 18.05.2013 | 1 Comment
    IWF-Supremo Tamás Aján (c) IWF

    Tamás Aján (c) IWF

    Dies ist der Auftakt zu einem Mehrteiler, der das Innenleben in einem der olympischen Weltverbände nachzeichnet, die weniger im Fokus stehen als FIFA oder UCI: in der International Weightlifting Federation (IWF) unter Tamás Aján, 74. Der Ungar wirkt seit Anfang der 70er Jahre in der IWF-Spitze, zunächst als Vizepräsident, seit 1976 als Generalsekretär, seit 2000 ist er Präsident. Im selben Jahr rückte er ins IOC ein, noch auf Vorschlag des greisen Juan Antonio Samaranch.

    Nicht nur biografisch ist Aján ein Sportkarrierist; er gehört auch mental zu dem Typus, den man gern in irgendeinem entfernten Reich der autokratischen Fossile verorten würde – wüsste man nicht, dass die so genannte olympische Familie noch immer dieses Reich ist. Kritikern hält Aján beispielsweise entgegen, es brauche schon „ein Buch“, um all die „revolutionären Verbesserungen“, die er fürs Gewichtheben erreicht habe, auch nur „aufzulisten“.

    Das Zitat stammt aus einem internen Rundbrief – Teil eines Stapels von Dokumenten, die ich seit Dezember zur IWF recherchiert habe, ursprünglich, weil ich über ein Dopingthema schreiben wollte. Das führte dann weiter, dazu in den nächsten Tagen mehr.

    IWF-Serie

    Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

    Korruption in der IWF? Wo sind die IOC-Millionen?

    Aktueller Anlass dieses Mehrteilers: Am Pfingstmontag (20. Mai 2013), beim Wahlkongress der IWF im Radisson Royal in Moskau, dem legendären ehemaligen Ukraina, erlebt die Heberszene ein historisches Ereignis. Erstmals in beinahe vier Jahrzehnten bekommt Aján, der natürlich wieder Präsident werden will, Gegenkandidaten.

    Dass der Dauerherrscher die IWF wie ein Familienunternehmen betreibt, inklusive obskurer Geldgeschäfte, hat eine bemerkenswerte Opposition hervorgebracht, mit Ideen, die für die Internationalen Sportföderationen neu sind. Die gute Rolle, die dabei der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) spielt, wird in diesem ersten Teil thematisiert – und auch, wie die deutschen IOC-Granden Thomas Bach und Walther Tröger auf Querdenker in den eigenen Reihen reagieren.

    Aján übrigens hat auf eine Anfrage, auch zum Umgang seines Weltverbandes mit der Dopingfrage, nicht geantwortet.

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    Ordensverleihungen dürfen bei Kongressen in der Welt des Sports, wo es oft zugeht wie auf kommunistischen Parteitagen, nicht fehlen. Auch Tamás Aján sieht das ganz sicher so: In der vergangenen Woche jedenfalls hat er auf den Zeremonienpart beim Wahlkonvent in Moskau eingestimmt: Per Mail schlug er sieben Funktionäre („distinguished persons“) als künftige Träger des IWF-Ordens in Gold und Silber vor. Die Reaktionen kennzeichnen die aktuelle Stimmungslage unter den Gewichtheber-Funktionären recht gut: Ein Mitglied des Executive Boards protestierte gegen Ajáns Alleingang und fragte nach, warum über diese Personalien nicht in der letzten Sitzung des Gremiums debattiert worden sei. Einer der Ordensträger in spe lehnte ab, er habe schon genug Auszeichnungen. Ein dritter Offizieller quittierte einen der Aján-Vorschläge mit Spott – seine grafische Fingerübung mailte er an die IWF-Mitglieder, die Nationalverbände:

    Hassan Akkus

    Die rekordverdächtigen zwei Dutzend Dopingfälle unter dem Verbandspräsidenten Hasan Akkus zeigen systematisches Doping beim türkischen Hebernachwuchs an: Der Großteil wurde im letzten Dezember, bei und nach den U23-Europameisterschaften detektiert, Stanozolol-Fälle allesamt. Zu den Hintergründen ist bis heute nichts bekannt. Der altgediente Funktionär Akkus ließ auch gar keine Aufklärungsabsichten erkennen, er trat lieber eilig mitsamt seinem Präsidium zurück. Kuriose Begründung: „Wo Doping ist, da sind wir nicht.“ Akkus, muss man hinzufügen, steht auch der Medizinischen Kommission der IWF vor. 2011 spielte er in Istanbul den Gastgeber für die so genannte „IWF-Welt-Antidoping-Konferenz“ – eine Veranstaltung, für die Aján 250.000 Dollar verausgabte, nach Auffassung seiner Gegner (die vergeblich protestierten) aber bloß eine Beruhigungspille fürs Publikum, weil der Präsident öffentlich unter Druck geraten war in der Dopingfrage.

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