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	<title>jens weinreich &#187; deutschlandfunk</title>
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	<description>don&#039;t mix politics with games</description>
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		<title>Was vom Tage übrig bleibt (65): BT-Grüßausschuss, PR-Ergüsse von Sepp Hosni Ben Ali Blatter</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 10:04:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Grüßausschuss: Welche Funktionen hat der Sportausschuss des Bundestages noch und was haben die Abgeordneten vor &#8211; bzw haben sie noch was vor? Sportgespräch des Deutschlandfunks, von Grit Hartmann und Robert Kempe. : Viele Abgeordnete, man muss es fairerweise sagen: nicht nur aus den Reihen der Union und der FDP, fielen durch körperliche und geistige Abwesenheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Grüßausschuss: Welche Funktionen hat der <a title="alle Beiträge zum BT-Sportausschuss" href="http://www.jensweinreich.de/category/sportausschuss/" target="_self">Sportausschuss des Bundestages</a> noch und was haben die Abgeordneten vor &#8211; bzw haben sie noch was vor?</p>
<p>Sportgespräch des <strong>Deutschlandfunks</strong>, von Grit Hartmann und Robert Kempe.</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/11/20/dlf_20111120_2330_d9a5f624.mp3" target="_self">:</a></p>
<blockquote><p>Viele Abgeordnete, man muss es fairerweise sagen: nicht nur aus den Reihen der Union und der FDP, fielen durch körperliche und geistige Abwesenheit auf, und auch die, die da waren, waren nicht immer auf Ballhöhe, was sich dann an Fragen von großer Ahnungslosigkeit offenbarte. Insofern war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann sie mit dieser Selbstentblößung Schluss machen wollten, die Mitglieder des Ausschusses.</p>
<p><em>Michael Reinsch, FAZ</em></p></blockquote>
<p><strong>Nachtrag, 12.52 Uhr:</strong> Jetzt auch <a title="dradio.de" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1608872/" target="_blank">als Text online</a>.</p>
<p>Einige Zitate. Zunächst erneut Michael Reinsch, weil er mich mit seinen Beispielen an einige Sitzungen erinnert, die ich auch erlebt und protokolliert habe:</p>
<blockquote><p>Ich werde nie vergessen &#8211; in öffentlicher Sitzung &#8211; den Auftritt des Generaldirektors Michael Vesper, der, von den Abgeordneten gebeten, die Zielvereinbarungen, die der DOSB mit seinen Fachverbänden abschließt, offen zu legen, sich geweigert hat. Und tatsächlich verlangte, dass diese Vereinbarungen, in denen also abgemacht wird, was so ein Verband sich vornimmt für die nächsten Olympischen Spiele und was er dafür für Unterstützung erhält, dass so etwas die Sportorganisationen wie ein Staatsgeheimnis behandelt wissen wollen. Und die Abgeordneten haben das so hingenommen. Der Sportausschuss hätte da natürlich eine Kraftprobe daraus machen können. Aber wenn man keine Kraft hat, lässt man es auch auf eine Probe nicht ankommen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich denke mal, Michael Reinsch hat diese Sitzung gemeint:</p>
<ul>
<li><a title="Notizen vom Sportausschuss (5) ..." href="http://www.jensweinreich.de/2009/02/11/notizen-vom-sportausschuss-5-zielvereinbarungen-transparenz-und-die-kontrolle-von-steuermitteln/" target="_self">Notizen vom Sportausschuss (5): Zielvereinbarungen, Transparenz und die Kontrolle von Steuermitteln</a></li>
</ul>
<p>Ich empfehle wirklich, diese zweidreiviertel Jahre alten Notizen zu überfliegen, sich aber die Aussagen (soweit sie in verständlichem Deutsch formuliert wurden) von Klaus Riegert (CDU) etwas gründlicher anzusehen. Da wird dann schon eine große Leere deutlich. Kein Wunder, dass dieser Mann die Öffentlichkeit ausgeschlossen hat &#8211; und im Deutschlandfunk <span style="text-decoration: line-through;">nun tönt</span> irrlichtert:<span id="more-11248"></span></p>
<blockquote><p>Ich hab darauf hingewiesen, dass es bestimmte Veröffentlichungen gibt &#8211; nicht die Öffentlichkeit im Sportausschuss, sondern bestimmte Veröffentlichungen -, die man mal in der Sprache und im Inhalt nachlesen muss und in den Bewertungen.</p>
<p>Das können Sie sich selber &#8211; Sie werden ja eh das dann wieder kommentieren und hin und her auslegen, wie Sie wollen. Ich bleibe dabei, es gibt öffentliche Szenarien, die man einfach mal in der Sprache, darauf habe ich hingewiesen, von der Sprache her nachprüfen muss. Und da bin ich ganz deutlich der Meinung, die zielen nicht darauf hin, Parlamentarismus zu stärken, sondern ihn zu untergraben. Da können Sie in bestimmten Foren einmal selber nachlesen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Man muss das wirklich endlich mal von der Sprache her nachprüfen, ob so ein Blog, äh, bestimmte Foren, den Parlamentarismus untergraben will oder öffentliche Szenarien, äh, wollen und überhaupt.</p>
<p>Das können sie <a title="Beiträge zum Sportausschuss" href="http://www.jensweinreich.de/category/sportausschuss/" target="_self">selber nachlesen</a>, empfiehlt der Herr Abgeordnete Riegert.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<p>Um Sprache geht es auch beim zweiten Thema meiner kleinen Medienauslese:</p>
<p>Die PR-Kampagne des FIFA-Präsidenten Sepp Hosni Ben Ali Blatter ist ja nun ziemlich verreckt, wie man vergangene Woche unschwer an <a title="google search: Blatter, racism" href="http://news.google.de/news/more?hl=en&amp;gl=de&amp;q=blatter+racism&amp;gs_upl=1835118l1838380l0l1838938l14l14l0l9l9l0l142l322l3.1l4l0&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;ncl=dc_QChNQSBFmhOMewQebfOHdMjiJM&amp;ei=xhrKTra1AY6WOoufrcQP&amp;sa=X&amp;oi=news_result&amp;ct=more-results&amp;resnum=2&amp;ved=0CDYQqgIwAQ" target="_blank">Schlagzeilen in aller Welt</a> nachlesen konnte. Sepp kämpft also <a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/president/news/newsid=1544102/index.html" target="_blank">&#8220;aktiv gegen Rassismus&#8221;</a>.</p>
<ul>
<li><a title="Sepp Blatter with black people" href="http://seppblatterwithblackpeople.wordpress.com/" target="_blank">Seppblatterwithblackpeople.wordpress.com</a> (<em>via Indirekter Freistoß</em>)</li>
</ul>
<p>Ein weiterer Round Table mit ausgewählten Journalisten, der für vergangenen Freitag angesetzt war, wurde deshalb kurzfristig abgesagt. Sepp gibt aber weiter Interviews, in denen er ungehindert die Wahrheit beugen, seine Welt schönen kann und/oder seine Dialoge mit Gott wiedergeben kann, wie etwa in der <a title="fifa.com" href="http://www.fifa.com/aboutfifa/organisation/president/news/newsid=1544902/index.html?cid=twitter_president" target="_blank">Aargauer Zeitung</a>, in der BBC, gestern in der <strong>Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</strong> &#8230;</p>
<ul>
<li><a title="faz.net" href="http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/joseph-blatter-im-gespraech-ich-werde-mich-selbst-durchleuchten-lassen-11534877.html  " target="_blank"><strong>&#8220;Ich werde mich selbst durchleuchten lassen&#8221;</strong></a></li>
</ul>
<p>&#8230; und morgen gewiss anderswo.</p>
<p>Womit will Blatter sich eigentlich durchleuchten lassen?</p>
<p>Mit einem Nacktscanner?</p>
<p>[<em>Hinweis an Sepp: Zu viele Röntgenstrahlen sind der Gesundheit abträglich.</em>]</p>
<p>Es handelt sich bei derlei Veröffentlichungen meist um weitgehend keimfreie FIFA-PR: <em>&#8220;Ich, Sepp, räume jetzt aber auf! Ich hätte schon viel früher aufgeräumt, aber ich muss leider, leider, leider mit denen arbeiten, die mir im demokratischen FIFA-Gebilde an die Seite gestellt werden :(&#8220;</em></p>
<p>Die FIFA-Propagandisten verkaufen das FAS-Gespräch sogar auf der eigenen Webseite:</p>
<ul>
<li><a title="fifa.com" href="http://www.fifa.com/aboutfifa/organisation/president/news/newsid=1545309/index.html" target="_blank">Blatter: Football has a very positive image</a></li>
<li><a title="fifa.com" href="http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/president/news/newsid=1544942/index.html" target="_self">Blatter: Der Fußball hat ein sehr positives Image</a></li>
</ul>
<p>Blatter wolle sich ethisch durchleuchten lassen, behauptet also die FAS.</p>
<p>So ein Unsinn.</p>
<p>Blatter ist längst durchleuchtet worden. Und sollte auch weiter durchleuchtet werden. Nein, eher nicht von <a title="Korruptionsskandal in Wahlkampfzeiten" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1458829/" target="_self">Interpol</a>, <span style="text-decoration: line-through;">die hat er ja gerade mit 20 Millionen bestochen</span> denen hat er ja gerade 20 Millionen &#8220;gespendet&#8221;.</p>
<p>Sepp Blatter ist das Oberhaupt einer mafios strukturierten Familie.</p>
<p>Blatter zu durchleuchten, das war und ist und wird bleiben: die Aufgabe von Journalisten.</p>
<p>[<em>Wogegen eine Darstellerin von Transparency International, einst eine angesehene NGO, deren Mitglied ich immer noch bin, nicht als Aufklärerin, sondern - gemäß Blatter - als Beraterin des FIFA-Präsidenten agiert. Oh Gott, wie schlimm ist es bestellt.</em>]</p>
<p>Richtig ärgerlich wird es, wenn man sich anschaut, wie die FAS dieses PR-Stück verkauft, was Nachrichtenagenturen daraus machen und wie das dann im medialen Kreislauf verwertet wird <a title="google news" href="http://news.google.de/news/more?hl=de&amp;gl=de&amp;q=blatter+fifa&amp;gs_upl=2231l3900l0l4019l12l10l0l7l7l0l124l291l2.1l3l0&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;ncl=d2nl3U1z-tN9FCMPUo616aFQUXgXM&amp;ei=ihPKTpL-OYXc8gP-z4RZ&amp;sa=X&amp;oi=news_result&amp;ct=more-results&amp;resnum=1&amp;ved=0CDEQqgIwAA" target="_blank">(simple Google-News-Suche)</a>.</p>
<p>Da heißt es dann eben:</p>
<ul>
<li>&#8230; Blatter wolle sich selbst ethisch durchleuchten lassen &#8230;</li>
<li>&#8230; Blatter gebe persönliche Fehler zu &#8230;</li>
<li>&#8230; Blatter will Exekutive entmachten &#8230;</li>
</ul>
<p>oder:</p>
<ul>
<li>&#8220;Blatters Dilemma: Zwischen FIFA-Reform und Skepsis&#8221;</li>
</ul>
<p>So ein Nonsens. Mediales Versagen.</p>
<p>Blatter gibt Fehler zu?</p>
<p>Lächerlich.</p>
<p>Im Original liest sich das so:</p>
<blockquote><p><strong>In einer Kolumne im Internet haben Sie aber schon geschrieben: Es sind schreckliche Fehler gemacht worden. Von Ihnen?</strong></p>
<p>Es ist so: Wer viel arbeitet, macht ab und zu Fehler. Eines aber würde ich nie mehr machen: dass die Exekutive zwei Weltmeisterschaften gleichzeitig vergibt. Da muss es ja zu Interessenskonflikten kommen, denn es konnte jeder mitstimmen, auch wenn sein eigenes Land Kandidat war. Das war ein Fehler.</p>
<p><strong>Ein persönlicher Fehler?</strong></p>
<p>Ja, auch.</p></blockquote>
<p>Wow! Ja! Auch!</p>
<p>Blatter will sich &#8220;durchleuchten&#8221; lassen?</p>
<p>Im Original liest sich das so:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Unter anderem werden diese Leute die neuen Exekutivmitglieder ethisch und moralisch durchleuchten. Die Fifa wird ein Leumundszeugnis verlangen.</p>
<p><strong>Und die alten Mitglieder?</strong></p>
<p>Das ist eine juristische Frage. Aber ich bin überzeugt, dass sich alle Mitglieder einer solchen Überprüfung stellen werden.</p>
<p><strong>Und Sie selbst?</strong></p>
<p>Ja sicher.</p>
<p><strong>Wann?</strong></p>
<p>Im ersten Quartal des nächsten Jahres.</p></blockquote>
<p>Wow! Ja! Sicher! Im ersten Quartal des nächsten Jahres!</p>
<p>Noch einmal: Journalisten sind dazu da, Blatter und seine Kumpane zu durchleuchten, aber es gehört nicht zur Aufgabe von Journalisten, seine Wahrheitsbeugungen und die Ergüsse seiner Spin Doktoren nahezu ungebrochen zu verbreiten.</p>
<p>Btw, ich weiß, dass Blatters neue Berater (die fürstlich entlohnten Herren de Gregorio, Fisa, Alexander) noch nicht ganz auf der Höhe des Geschehens sind, dazu fehlen ihnen einfach zu viele Hintergründe. Aber vielleicht könnten sie Ihrem Chef &#8211; ich habe das gelegentlich schon von deren Vorgängern erbeten &#8211; mal sagen, dass er weniger Unsinn erzählen soll.</p>
<p>Zum Beispiel erklärt er:</p>
<blockquote><p>Diejenigen, die mich jagen und sagen, Sepp Blatter steht auf der [<em>ISL-</em>]Liste, irren sich.</p></blockquote>
<p>Sepp, mein Freund, das hat doch gar niemand behauptet. Es geht aber, zum Beispiel, darum, ob der einstige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter jene 1,5 Millionen, die für den damaligen Präsidenten Havelange bestimmt waren, aber versehentlich auf einem FIFA-Konto ankamen, auf Havelanges Konto transferiert hat.</p>
<p>Ganz davon abgesehen, dass Sepp Blatter stets eine zentrale Rolle im von seinem alten Kumpel Horst Dassler, der ihn auch in der FIFA installierte, begründeten ISL-Korruptionssystem gespielt hat. Ganz davon abgesehen, dass Sepp sich vom Emir von Katar und von Mohamed Bin Hammam 1998 und 2002 inthronisieren ließ. Ganz davon abgesehen &#8230;</p>
<p>&#8230; aber ich will nicht die gesamte Korruptionsgeschichte der FIFA ausbreiten.</p>
<p>Übrigens: <a title="transparencyinsport.org" href="http://www.transparencyinsport.org/Secret_KPMG_letters_reveal_FIFA_rackets/secret_kpmg_letters_reveal_fifa_rackets.html" target="_blank">Andrew Jennings hat wieder publiziert</a>, basierend auf langjähriger, hartnäckiger Recherche und auf Dokumenten.</p>
<p>Ganz ohne Körperscanner.</p>
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		<title>Transparenz vs Polit-Propaganda</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 09:35:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Passt eigentlich zur Rubrik &#8220;Was vom Tage übrig blieb&#8221;: Ich habe im Deutschlandfunk noch einmal in gebotener verbaler Zurückhaltung das Vorgehen so genannter Volksvertreter im Bundestag kommentiert, von denen einige gerade in Chile und Brasilien herumdilettieren. : [Verlinkt wird später, vielleicht, ich habe jetzt keine Zeit dafür.] Wer die Berichterstattung über die erste nunmehr wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Passt eigentlich zur Rubrik &#8220;Was vom Tage übrig blieb&#8221;: Ich habe im Deutschlandfunk noch einmal in gebotener verbaler Zurückhaltung <a title="Bundestags-Sportausschuss schließt Medien aus: MdB wollen sich nicht beim iPad-spielen beobachten lassen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/26/bundestags-sportausschuss-schliest-medien-aus-mdb-wollen-sich-nicht-beim-ipad-spielen-beobachten-lassen/" target="_self">das Vorgehen</a> <a title="Crowdsourcing: wie erzieht man Polit-Hampel und Wahrheitsallergiker, die im Bundestag unter sich bleiben wollen in Ruhe schlafen und am iPad Karten spielen wollen" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/28/crowdsourcing-wie-erzieht-man-polit-hampel-und-wahrheitsallergiker-die-im-bundestag-unter-sich-bleiben-wollen/" target="_self">so genannter</a> <a title="Was vom Tage übrig bleibt (64): “Da ist überhaupt nichts dran falsch, etwas zu berichten …”" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/30/was-vom-tage-ubrig-bleibt-64-da-ist-uberhaupt-nichts-dran-falsch-etwas-zu-berichten/" target="_self">Volksvertreter</a> im Bundestag kommentiert, von denen einige gerade <a title="Bundestags-Sportausschuss flüchtet vor der Öffentlichkeit: Business Class nach Brasilien" href="http://www.jensweinreich.de/2011/11/02/bundestags-sportausschuss-fluchtet-vor-der-offentlichkeit-business-class-nach-brasilien/" target="_self">in Chile und Brasilien herumdilettieren</a>.</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/11/13/dlf_20111113_1928_e2a00fa6.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>[<em>Verlinkt wird später, vielleicht, ich habe jetzt keine Zeit dafür.</em>]</p>
<p>Wer die Berichterstattung über die erste nunmehr wieder nichtöffentliche Sitzung des Bundestags-Sportausschusses analysiert, bewegt sich im Reich des Absurden. Abgeordnete, die lange Jahre keinen substanziellen Beitrag zur deutschen Sportpolitik geleistet haben, außer dem, die Öffentlichkeit auszusperren, erlangen zunehmend die Deutungshoheit über ihre Inkompetenz. Sie dürfen intransparente Vorgänge im Ausschuss kommentieren, werden plötzlich wieder gefragt und mit Floskeln zitiert, beugen die Wahrheit ungeniert – und können ihren Fraktionschefs am Ende sogar hübsche Medienwerte vorgaukeln.</p>
<p>Sicher, kaum ein Bericht – ob nun in Blogs oder herkömmlichen Medien – sparte diesmal den Fakt aus, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen blieb. Bei den nächsten Sitzungen aber, wenn das Unerhörte zur Normalität geworden ist, wird das gewiss anders aussehen, besonders in den Texten der so genannten Nachrichtenagenturen, für die meist nur eine Nachricht ist, was von offiziellen Stellen verkündet wurde.</p>
<p>Die Kernfrage lautet deshalb:</p>
<p>Muss Journalismus im dritten Jahrtausend noch so funktionieren? Gibt es eine Pflicht zur Termin-Berichterstattung über einen Ausschuss, der sich mehrheitlich der Öffentlichkeit verweigert?</p>
<p>Eine Antwort darauf lautet: Es gibt diese Pflicht nicht. Es gibt sie überhaupt nicht – mehr.</p>
<p>Eine zweite Antwort lautet: Dagegen hilft nur Recherche, und zwar losgelöst von Sitzungsterminen.</p>
<p>Es sind die Abgeordneten, die mit Ihrer Haltung eine wahrhaftige Berichterstattung verhindern. Und es spielt auch keine Rolle, ob fast alle Ausschüsse des Bundestages ebenfalls nichtöffentlich tagen. Derlei Verhaltensmuster sind inakzeptabel – sie passen nicht in diese Zeit. Denn die Gesellschaft braucht Transparenz wie die Luft zum Atmen. Der Bürger darf Transparenz erwarten und verlangen. Journalisten sollten es auch.<span id="more-11180"></span></p>
<p>Journalisten sind nicht dafür da, den Zeitvertreib von Untätigen und Inkompetenten zu protokollieren. Abgeordnete, von denen man weiß, dass sie in vielen Jahren der öffentlichen Sitzungen kaum einmal fundierte Vorträge vorbrachten und ihre Kontrollpflichten sträflich vernachlässigten, nun danach zu befragen, wie heldenhaft sie gerade hinter verschlossenen Türen die Demokratie verteidigt haben, nein, das ist nicht Aufgabe von Journalismus.</p>
<p>Mag sein, dass das einmal anders gewesen ist, mag sein, dass manche Redaktionen ihren Job noch immer so verstehen. Doch im Jahr 2011 nach Christi Geburt sollte man mit derlei Vorstellungen getrost brechen. Denn auch dadurch macht sich Journalismus, ohnehin oft als aussterbendes Gewerbe bezeichnet, tatsächlich überflüssig.</p>
<p>PR und Propaganda können die Hundertschaften von Spin Doktoren und anderer professioneller Wahrheitsbeuger im Umfeld des Bundestages viel besser erledigen. Dafür werden sie bezahlt.</p>
<p>Dank fantastischer technischer Möglichkeiten wird nicht nur die professionelle Kommunikationsbranche revolutioniert, auch das gesamte Kommunikationsverhalten der Menschen. Es kann darauf, und auf das Vorgehen des Sportausschusses, nicht Antworten aus dem vergangenen Jahrhundert geben, aus einer geradezu vorsintflutlichen Zeit, als es weder Handys noch Internet gab, als Berichte an der Schreibmaschine oder handschriftlich verfasst wurden, als man Fernschreiber benutzte und seine Tonbänder noch ins Studio trug.</p>
<p>Transparenz – das ist eine der großen Klammern dieser Zeit. Doch Deutschland bewegt sich, was die Qualität und Wirksamkeit etwa von Informationsfreiheitsgesetzen angeht, noch auf der Stufe eines Entwicklungslandes.</p>
<p>Transparenz sollte kein Schlagwort sein, sondern ein politisches Konzept. Dazu gehört eben auch der freie Zugang zu den entscheidungsrelevanten Informationen von Amtsträgern, für alle: für Bürger und Journalisten. Journalisten haben zudem die Aufgabe, Transparenz herzustellen, wenn andere sie verweigern. Die Bürger haben das Recht, jene abzustrafen, die Transparenz verhindern, etwa bei Wahlen.</p>
<p>Bereits Mitte 2010 ergab eine Forsa-Studie im Auftrag der Firma SAS, dass 88 Prozent der Deutschen die Veröffentlichung nicht-personenbezogener Daten durch die Bundesbehörden wünschen, dass 81 Prozent der Bürger glauben, eine derartige tatsächliche Informationsfreiheit gewährleiste wirkliche Teilhabe am politischen Geschehen. [<em>Manchmal zitiere sogar ich aus "Studien". Wenn es passt :)</em>]</p>
<p>Das war vor anderthalb Jahren – seither dürften sich die Verhältnisse weiter rasant verändert haben, ablesbar etwa an Stuttgart 21, am Erfolg der Occupy-Bewegung oder der Piratenpartei.</p>
<p>Doch im deutschen Sport und in der Sportpolitik, in Ländern, Bund und – leider zu oft vernachlässigt – besonders in der Sportabteilung des BMI, dominiert die Intransparenz, dominieren Geheimniskrämerei, Ämterverquickung, Postengeschacher und über Jahrzehnte gewachsene Netzwerke.</p>
<p>Die Kaste der Sportpolitiker erhält Funktion und Bedeutung fast allein dadurch, dass sie sich Informationsfreiheit verweigert, Restriktionen walten lässt und Öffentlichkeit aussperrt.</p>
<p>Ein zu großer Respekt vor dem Amt verbietet sich. Denn es ist nicht Aufgabe von Journalisten, Abgeordnete zu bewundern und ihnen automatisch Kompetenz zuzuschreiben. Es ist vielmehr so: Abgeordnete haben dem Bürger und damit der Öffentlichkeit zu dienen. Sie haben ihre Kompetenz, wenn schon nicht täglich, dann doch alle paar Wochen in derlei Ausschusssitzungen zu beweisen.</p>
<p>Wenn sie das mehrheitlich nicht tun – und das darf als inhaltliches Fazit der Berichterstattung über den Sportausschuss gezogen werden -, wenn sie noch dazu bei existenziellen Themen am iPad daddeln und Nickerchen halten, wenn billige Parteipolitik wichtiger ist als fachliches Engagement, wenn Fraktionszwang die Auseinandersetzung dominiert, dann muss das so beschrieben werden. Und es wurde von manchen so beschrieben, überaus korrekt.</p>
<p>Aufgabe von Journalismus ist nicht, die Hausaufgaben zu erledigen, die Sportpolitiker wiederholt versäumen; Aufgabe von Journalismus ist nicht, Politikern als Interview getarnte PR-Zeit einzuräumen; Aufgabe von Journalismus ist vielmehr, Hintergründe aufzudecken, Vorgänge zu enthüllen, die die Herrschenden lieber nicht öffentlich gemacht haben wollen, und – schlicht und ergreifend, frei nach Rudolf Augstein:</p>
<p>&#8220;Sagen, was ist.&#8221;</p>
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		<title>Was vom Tage übrig bleibt (64): &#8220;Da ist überhaupt nichts dran falsch, etwas zu berichten &#8230;&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 19:45:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Herbert Fischer-Solms hat gerade im Deutschlandfunk einen Schwerpunkt zum Bundestags-Sportausschuss gesendet, der seit Mittwoch die Öffentlichkeit aussperrt. Als Ergänzung zur bisherigen Berichterstattung über die Steuermittel verschlingenden Steinzeit-Kommunikatoren von CDU/CSU und FDP bieten sich diese drei Beiträge gewiss an: Was bisher geschah &#8211; meine Zusammenfassung: : Klaus Riegert (CDU/Schwäbischer Turnerbund) hat &#8220;an der Qualität einige Dinge&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herbert Fischer-Solms</strong> hat gerade im <strong>Deutschlandfunk</strong> einen Schwerpunkt zum Bundestags-Sportausschuss gesendet, der seit Mittwoch die Öffentlichkeit aussperrt. Als Ergänzung zur <strong><a title="Bundestags-Sportausschuss schließt Medien aus: Mdb wollen sich nicht beim iPad-Spielen beobachten lassen …" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/26/bundestags-sportausschuss-schliest-medien-aus-mdb-wollen-sich-nicht-beim-ipad-spielen-beobachten-lassen/" target="_self">bisherigen</a> <a title="Crowdsourcing: Wie erzieht man Polit-Hampel und Wahrheitsallergiker, die im Bundestag unter sich bleiben wollen?" href="http://www.jensweinreich.de/2011/10/28/crowdsourcing-wie-erzieht-man-polit-hampel-und-wahrheitsallergiker-die-im-bundestag-unter-sich-bleiben-wollen/" target="_self">Berichterstattung</a> </strong>über die Steuermittel verschlingenden Steinzeit-Kommunikatoren von CDU/CSU und FDP bieten sich diese drei Beiträge gewiss an:</p>
<p>Was bisher geschah &#8211; meine Zusammenfassung:</p>
<p><a title="dradio.de" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/30/dlf_20111030_1910_05b7472f.mp3" target="_self">:</a></p>
<p><strong>Klaus Riegert (CDU/<span style="text-decoration: line-through;">Schwäbischer Turnerbund</span>) </strong>hat &#8220;an der Qualität einige Dinge&#8221; in meinem &#8220;Statement&#8221;, &#8220;die man auch anders würdigen kann&#8221;, wenn ich ihn recht verstanden habe, was echt schwerfällt. Egal, hier auch das Interview mit demjenigen, der Öffentlichkeit und Transparenz scheut wie der Teufel das Weihwasser: Klaus Riegert, sportpolitischer Sprecher der Union.</p>
<p><a title="dradio.de" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/30/dlf_20111030_1938_358bfe99.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Ich denke, dies und Riegerts erschreckend hilflos-ahnungslose Satzfetzen im <a title="zeit-online: Interview mit Klaus Riegert (CDU)" href="http://www.zeit.de/sport/2011-10/sportpolitik-riegert-presse-2/komplettansicht" target="_blank">Zeit-online-Interview</a> mit Oliver Fritsch erklären einiges.</p>
<p>Zum Abschluss schließlich das Interview von Herbert Fischer-Solms mit der Sportausschusschefin <strong>Dagmar Freitag (SPD/Deutscher Leichtathletik-Verband)</strong>, der die Entwicklung hörbar peinlich ist:</p>
<p><a title="dradio.de" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/30/dlf_20111030_1944_c5857dc5.mp3" target="_self">:</a></p>
<p><em>Nachtrag, 4. November, 11.21 Uhr:</em> Ich wurde soeben von einem schwäbischen Leser darauf hingewiesen, dass Klaus Riegert nicht mehr Vizepräsident des <a title="Präsidium des Schwäbischen Turnerbundes" href="http://www.stb.de/stb/organisation/praesidium.html" target="_blank">Schwäbischen Turnerbundes</a> ist. Er war es lange Jahre, und auf der <a title="BT Klaus Riegert" href="http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/R/riegert_klaus.html" target="_blank">Bundestags-Webseite</a> allerdings steht das bis zu diesem Moment auch noch so.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Deutschland: Bremser im internationalen Antidopingkampf (II)</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2011/10/04/deutschland-bremser-im-internationalen-antidopingkampf-ii/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 10:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unterbrechen wir das Programm von Play the Game für einen Moment und widmen uns einem aktuellen deutschen Thema, das Grit Hartmann exklusiv recherchiert und im Deutschlandfunk berichtet hat. Einmal mehr kristallisiert sich heraus, dass Deutschland, Brutstätte des organisierten Dopings (in Ost und West), betätigt sich im internationalen Antidopingkampf als Bremser. Lesen Sie dazu gern noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unterbrechen wir das Programm von Play the Game für einen Moment und widmen uns einem aktuellen deutschen Thema, das Grit Hartmann exklusiv recherchiert und im <a title="Feindseliges „gobbledygook“" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1568914/" target="_blank">Deutschlandfunk</a> berichtet hat. Einmal mehr kristallisiert sich heraus, dass Deutschland, Brutstätte des organisierten Dopings (in Ost und West), betätigt sich im internationalen Antidopingkampf als Bremser.</p>
<p>Lesen Sie dazu gern noch einmal Grit Hartmanns <a title="Deutschland: Bremser im internationalen Antidopingkampf" href="http://www.jensweinreich.de/2011/01/31/deutschland-bremser-im-internationalen-antidopingkampf/" target="_self">Beitrag vom Januar</a> nach, dann diesen hier. Sie können, sehr bequem, auch hören:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/10/02/dlf_20111002_1939_3b20e7ce.mp3" target="_self">:</a></p>
<p><strong>von Grit Hartmann</strong></p>
<p>Feindseliges „gobbledygook“</p>
<p>Kontroverse um die WADA-Finanzierung eskaliert</p>
<p><em>Die Europäer wollen, angeführt von der Bundesregierung, ab 2012 ihre Beiträge für die Welt-Antidopingagentur WADA einfrieren. Für den internationalen Antidopingkampf würde Berlin damit ein fatales Zeichen setzen. Der Sportausschuss soll in der nächsten Sitzung zustimmen. WADA-Generaldirektor David Howman spricht von einem absurden Vorgang, und die Zahlen geben ihm Recht.</em></p>
<p><em></em>Der <a title="bundestag.de" href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/066/1706600.pdf" target="_blank">Sporthaushalt des Bundes</a> (<a title="Sportförderung des Bundes im Olympiajahr 2012 ..." href="http://www.jensweinreich.de/2011/09/12/sportforderung-des-bundes-im-olympiajahr-2012-und-die-demokratie-profis-im-bundestags-sportausschuss/" target="_self">Beitrag hier im Blog</a>), der derzeit dem Parlament zur Beratung vorliegt, enthält scheinbar eine durchaus positive Überraschung: Formal hat das Bundesministerium des Innern den Zuschuss für die Welt-Antidopingagentur WADA nämlich deutlich erhöht: Mit 586.000 Euro soll die Speerspitze der Betrugsbekämpfung 2012 vom deutschen Steuerzahler alimentiert werden &#8211; 42.000 Euro mehr, als dieses Jahr im Haushalt eingestellt sind.</p>
<p>Dabei hatte die Bundesregierung noch Ende Juni, in ihrer <a title="bundestag.de" href=" http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/066/1706672.pdf" target="_blank">Antwort auf eine Kleine SPD-Anfrage zur Sportpolitik</a>, allerlei Gründe dafür vorgetragen, warum der deutsche Beitrag und mit ihm der aller Europäer an die WADA eingefroren werden sollte, statt wie bisher um moderate zwei Prozent pro Jahr zu steigen: Wirtschaftskrise, fehlende Auskünfte von der WADA, ihre angebliche Intransparenz.</p>
<p>Der Deutschlandfunk hatte die Kontroverse schon im Januar <a title="dradio.de" href=" http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1376181/ " target="_blank">öffentlich gemacht</a>. Ein <a title="Deutschland: Bremser im Antidopingkampf" href="http://www.jensweinreich.de/2011/01/31/deutschland-bremser-im-internationalen-antidopingkampf/ " target="_blank">Brief des BMI</a> an den Europarat, seinerzeit im Original auf diesem Blog, entlarvte die Deutschen als Initiator der Sparmaßnahme. Die brächte Berlin zwar nur ein vierstelliges Sümmchen &#8211; der ohnehin nicht üppig ausgestatteten WADA aber würden ein paar hunderttausend Dollar fehlen. Denn ihre <a title="wada-ama.org" href=" http://www.wada-ama.org/en/About-WADA/Funding/" target="_blank">Statuten</a> sehen vor, dass dann alle Finanziers, Regierungen wie IOC, mitziehen müssten.</p>
<p>Nun also die Kehrtwende? Statt Kürzung ein Aufschlag? Zur taufrischen Imagebroschüre aus dem BMI namens <a title="bmi.de" href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2010/sportflyer.html" target="_blank">&#8220;Partner des Spitzensports&#8221;</a> würde das passen. Da lobt sich die Koalition für &#8220;konsequente Dopingbekämpfung&#8221;, ganz im Dienst von &#8211; Zitat &#8211; &#8220;Glaubwürdigkeit, Faszination und Vorbildfunktion&#8221; des Sports. WADA-Generaldirektor David Howman:</p>
<blockquote><p>Im Moment ist das Signal aus Europa, dass sie überhaupt keine Erhöhung unseres Etats wünschen.</p></blockquote>
<p>Der Haushaltsplan mit dem imposanten Plus für die WADA vermittelt also ein Trugbild. Die Erklärung dafür ist simpel: Die WADA-Abgabe bemisst sich in US-Dollar, deshalb basiert der Euro-Betrag im Haushalt auf einem geschätzten künftigen Wechselkurs. In den vergangenen Jahren lag diese Schätzung fast immer höher als die Summe, die später tatsächlich an die Wada floss, manchmal um 100.000 Euro darüber.</p>
<p>[<em>Hier wird noch eine Tabelle nachgetragen, kann auf die Schnelle jemand bei der Erstellung helfen, die Daten haben wir da.</em>]</p>
<p>Man weiß also nicht, ob 2012 wirklich 586.000 Euro anfallen. Klar ist nur, was der Haushaltsposten verbirgt: das Einfrieren der WADA-Beiträge.</p>
<p>Wie unangebracht Vertrauen auf Berliner Imagebroschüren wäre, illustriert dabei vor allem dieser Fakt: Deutschland steuert im laufenden Jahr weniger bei als 2002, im ersten Zahljahr. Damals waren es 536.000 Euro. 2011, die Wada hat gerade ihre Rechnung gestellt, sind es rund 2000 Euro weniger. Howman verlangt deshalb eine an der Realität orientierte Debatte:</p>
<blockquote><p>Ich finde es unglaublich, dass wir über Erhöhungen reden, ohne über reale Geldbeträge zu sprechen. Ich halte das nur für absurd. Wir müssen in die Realität zurück, zur Frage: Wie viel zahlen die Europäer in ihrer Währung, in Euro? Und wenn man sieht, sie zahlen dasselbe oder sogar weniger als 2002, dann fragt man sich doch, ob wir noch in denselben Begriffen sprechen oder ob es sich um gobbledygook, um Politikergeschwafel, handelt. &#8211; Wir sollten weg vom gobbledygook und die Realität verhandeln. Und wenn man in der ankommt, dann heißt das: Deutschland bezahlt im Moment keinen Cent mehr als 2002. Das ist keine Erhöhung!</p></blockquote>
<p>Was sagt es, dass die Bundesregierung diesen Fakt verschweigt? Wie wäre es zu erklären, dass Berlin die WADA-Arbeit torpediert? Wohl eher nicht mit deren Mängeln. Der WADA fehlt es an Durchsetzungskraft gegenüber Weltsportverbänden, die Doping tolerieren. Ihre Testpraxis gilt als unzulänglich. Doch sorgt sie für Druck auf Betrüger; in Dritte-Welt-Ländern ermöglicht sie überhaupt erst Kontrollen. Howman meint, ganz offensichtlich sei der Stellenwert des Antidopingkampfes gesunken:</p>
<blockquote><p>Die europäischen Regierungen sagen der WADA: Wir wollen nicht mehr dasselbe zahlen wie 2002. Und das zeigt klar an, dass es nicht mehr dasselbe Bekenntnis dazu gibt.</p></blockquote>
<p>Vorwürfen der Bundesregierung, die Wada habe nicht begründet, wofür sie mehr Geld brauche, sie sei nicht transparent, widerspricht Howman scharf. Zwei Prozent Plus würden lediglich die Inflation abfangen. Außerdem:</p>
<blockquote><p>Es gibt nichts, das wir den Regierungen oder der Öffentlichkeit vorenthalten. Wir führen unsere Konten aktuell, wir legen sie gegenüber den Regierungen offen, wir teilen ihnen jeden Aspekt unserer Ausgaben und Einnahmen mit. In meinem ganzen Leben als Generaldirektor bin ich nie damit konfrontiert worden, dass wir nicht transparent seien. Ich finde das ein bisschen &#8230; vermutlich feindselig. &#8211; Was wir erwarten, ist, dass uns jemand sagt: Nun, wir sehen das anders. Ihr solltet weniger Geld für Forschung ausgeben, ihr solltet weniger Geld für einige andere Projekte ausgeben. Aber wir bekommen keine solche Ansprache. Wir hören nur: Ihr könnt euer Budget nicht um zwei Prozent erhöhen!</p></blockquote>
<p>Richtig ist, dass die Wada die erste Organisation des Weltsports war, die Haushalt und <a title="wada-ama.org" href="http://www.wada-ama.org/en/About-WADA/Funding/" target="_blank">Financial Statements</a> online publiziert hat, im Rahmen ihrer <a title="wada-ama.org" href="http://www.wada-ama.org/en/Resources/Publications/Annual-Report/" target="_blank">Jahresberichte</a>.</p>
<p>Der Sportausschuss debattiert den BMI-Haushalt in zwei Wochen. Die Grünen wollen die Kürzung nicht mittragen, sagt Viola von Cramon, die sportpolitische Sprecherin der Partei. Sie nennt ein Beispiel, das illustriert, wie willkürlich die Bundesregierung Transparenz misst: das Bundesinstitut für Sportwissenschaften &#8211; gerade von Historikern als einstiger Koordinator dubioser Dopingforschungen benannt und in jüngster Vergangenheit häufig für undurchsichtige Auftragsvergaben gerügt:</p>
<blockquote><p>Also, wenn man sich den Einzelplan 6 des BMI, des Bundesinnenministeriums, anschaut, dann sieht man ja, dass da ein gewisses Missverhältnis auftaucht. Da gibt es den Posten des Bundesinstituts für Sportwissenschaften. Dieser wird erhöht, und zwar um 500.000. Das heißt: Da ist Spielraum nach oben. Und warum jetzt gerade der Posten für die internationale Dopingbekämpfung eingefroren werden soll oder tatsächlich sogar zurückgefahren werden soll, das ist für uns nicht nachvollziehbar.</p></blockquote>
<p>Bislang sei das nicht überzeugend erklärt.</p>
<blockquote><p>Und solange das nicht passiert, werden wir natürlich dafür werben und werden wir natürlich einen Antrag stellen, dass wir die ganz normale zweiprozentige Erhöhung einstellen.</p></blockquote>
<p>Auf Deutschlandfunk-Anfrage übermittelt auch IOC-Vize Thomas Bach, sonst nicht für dergleichen bekannt, Kritik an der Bundesregierung. Er hoffe, &#8220;dass es nicht zum Einfrieren der Zahlungen an die Wada kommt&#8221;. Begründung: Der Wada müssten auch weiter &#8220;beste Bedingungen für den Kampf gegen Doping ermöglicht werden&#8221;.</p>
<p>David Howman formuliert es umgekehrt. Die Wada stecke rund 30 Prozent ihres Etats in die Verfeinerung der Analysemethoden; würde sie beschnitten, würden den gewieften Betrügern beste Bedingungen ermöglicht:</p>
<blockquote><p>Wenn wir diese Hochniveau-Doper erwischen wollen, müssen wir dafür Geld ausgeben. Wenn wir darauf nicht vorbereitet sind &#8211; warum geben wir dann all das Geld aus, um die dummen Doper zu erwischen? Wir überführen die Dummen und sind glücklich, dass die Cleveren davonkommen.</p></blockquote>
<p>Dass dies zuerst an die Adresse der Bundesregierung geht, offenbart den Kern der deutschen Antidoping-Politik: Mehr als ein Feigenblatt ist hierzulande nicht gewollt.</p>
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		<title>Olympic bidding race 2018: noch zwei Tage</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 07:17:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.] DURBAN. Wer wissen will, was ein MOMENTUM ist, warum dieses gefühlte Momentum für München spricht, Pyeongchang aber weiter vorn liegt, wie man ein Momentum pflegen und beeinflussen kann durch Spin und warum sich die Südkoreaner so ruhig verhalten, der kann jetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/04/olympic-bidding-race-2018-noch-zwei-tage/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>DURBAN. Wer wissen will, was ein MOMENTUM ist, warum dieses gefühlte Momentum für München spricht, Pyeongchang aber weiter vorn liegt, wie man ein Momentum pflegen und beeinflussen kann durch Spin und warum sich die Südkoreaner so ruhig verhalten, der kann jetzt auf knapp 27 Minuten ganz bequem nachhören, was einige der Olympia-Protagonisten mir erzählt haben:</p>
<p>Ein Bericht zur Lage, den ich gestern Nachmittag für den Deutschlandfunk produziert habe, mit O-Tönen von Münchens Spindoktor Jon Tibbs, Charm Lee ehemals Bernhard Quandt, Chef der südkoreanischen Tourismusbehörde, Koreas NOK-Präsident Yong Sung Park, Münchens OB Christian Ude, Bewerbungs-CEO Bernhard Schwank, DOSB-General Michael Vesper, Gian-Franco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes und IOC-Mitglied, Dennis Oswald, Präsident des Ruder-Weltverbandes und IOC-Mitglied, sowie Pyeongchangs Spindoktor Mike Lee. Jemanden vergessen?</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/03/dlf_20110703_2330_d7274add.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Und weiter mit der Selbstreferenz, irgendwie muss ich das Blog ja füllen, DLF-Gespräch mit Philipp May:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/02/dlf_20110702_1945_62f21931.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Hier kann man <a rel="nofollow" href="http://youtu.be/6Od-jNaHvF4" target="_blank">ein</a> <a rel="nofollow" href="http://youtu.be/E5o7E1mHTy4" target="_blank">Filmchen</a> <a rel="nofollow" href="http://youtu.be/31-d2tmXdsU" target="_blank">betrachten</a>.</p>
<p><strong>9.01 Uhr:</strong> So, und dann vertraue ich mal wieder der Crowd: Bitte her mit den Links zu den <em>besten</em> Geschichten rund um diese Olympiabewerbung!</p>
<p>Hier ist schon mal einer, Annecys Newcomer Charles Beigbeder ist immer für Sprüche gut:</p>
<ul>
<li><a title="AFP" href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jB0lCc7g9G31PcTtLcUwI_c3tMSA?docId=CNG.20b633520b3633169526e8afcac80e43.711  " target="_blank">Annecy bid chief launches veiled attack on rivals</a> schreibt AFP</li>
</ul>
<p>Aus dieser Geschichte destillieren Branchendienste diese Headline:</p>
<blockquote><p>The Olympics is not a trophy for a company!</p></blockquote>
<p>Was nun, <a title="tag Samsung im Blog" href="http://www.jensweinreich.de/?s=samsung" target="_self">Samsung</a>? Was nun, Korean Air? Was nun, BMW?</p>
<p>Einfach weitermachen.</p>
<p><strong>9.33 Uhr:</strong> Zum Ablauf bis Mittwoch habe ich schon <a title="The bidding race 2018: noch 3 Tage" href="http://www.jensweinreich.de/2011/07/03/olympic-bidding-race-2018-noch-3-tage/" target="_self">gestern</a> kurz notiert, was ich, da nun eine neue Bürowoche beginnt, flink wiederhole:</p>
<p>Bis zur IOC-Entscheidung am Mittwoch werden oft nur Notizen und Links erscheinen. Wenn es ernst wird, werde ich mich auch über Twitter und Facebook melden, technisch sollte das okay sein hier, das Netz ist stabiler als bei der WM 2010. Wer also auf dem Laufenden bleiben möchte:</p>
<ul>
<li>Weinreich auf <a title="JW on Facebook" href="http://www.facebook.com/jens.weinreich" target="_blank"><strong>Facebook</strong></a></li>
<li>Weinreich auf <a title="JW on Twitter" href="http://twitter.com/#!/jensweinreich" target="_blank"><strong>Twitter</strong></a></li>
<li>Für die Zeit in Durban steht unter den Beiträgen auch wieder eine zusätzliche Facebook-Button-Zeile, um die Vernetzung zu erleichtern.</li>
</ul>
<p><strong>12.54 Uhr:</strong> An <em>sternburg</em> et al, die weiter unten kommentieren, flink mein Kommentar #11 reinkopiert: Jungs, bevor Ihr Euch weiter über das Gesichtsbuch/Facebook aufregt, lasst Euch (einmal mehr) gesagt sein: Ich mache das nur deshalb, bzw warne nur vor, weil ich in der Hektik, besonders am Mittwoch, kaum längere Blogbeiträge/Einträge fabrizieren kann. Außerdem bricht in derlei Situationen meist das überlastete Internet in den Pressezentren zusammen bzw wäre es schneller, die Bytes zu Fuß nach Deutschland zu tragen. So wie kürzlich beim <a title="Live-Blog aus Zürich ..." href="live-Blog aus Zürich: Krönungsmesse für den FIFA-Paten im Ozean der Solidarität" target="_self">FIFA-Kongress in Zürich</a> geschehen. That&#8217;s it. Nur deshalb. Bleibt dann oft nur diese Möglichkeit, mit der Welt zu kommunizieren.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bin Hammam pulls out. Step back, morally corrupt Sepp!</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 04:56:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich hatte vor zehn Tagen eine kleine Geschichte für den Deutschlandfunk produziert und das Ergebnis dieser eigentlich für den 1. Juni angedachten FIFA-&#8221;Wahl&#8221; vorweggenommen: Mohamed Bin Hammam wird kein Kandidat mehr sein am 1. Juni auf dem Kongress, habe ich frech behauptet. Ich hatte meine Gründe und Quellen, dies zu sagen: : Nun ja, es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte vor zehn Tagen eine kleine Geschichte für den Deutschlandfunk produziert und das Ergebnis dieser eigentlich für den 1. Juni angedachten FIFA-&#8221;Wahl&#8221; vorweggenommen: <strong>Mohamed Bin Hammam wird kein Kandidat mehr sein am 1. Juni auf dem Kongress, habe ich frech behauptet.</strong> Ich hatte meine Gründe und Quellen, dies zu sagen:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/05/19/dlf_20110519_2255_5633dc1b.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Nun ja, es ist so gekommen. [<em>Selbstbeweihräucherungsmodus aus</em>]</p>
<p>Ich hatte fabuliert:</p>
<blockquote><p>Nach gut unterrichteten Quellen gibt es derzeit zwei Szenarien im Wettbewerb die FIFA-Präsidentschaft.</p>
<p>Szenario eins: Demnach soll Blatters Führungszirkel Informationen über Bin Hammam gesammelt haben, die man gegen ihn ausspielen will. Dazu sollen Unterlagen über Stimmenkauf etwa bei vergangenen Wahlschlachten im asiatischen Verband AFC gehören. Angeblich soll FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, ein Blatter-Getreuer, dem Katari im persönlichen Gespräch den Rückzug der Kandidatur nahe legen oder schon nahe gelegt haben.</p>
<p>Szenario zwei besagt, dass Blatter sich vor wenigen Tagen mit Prinz Tamim Bin-Hamad Al-Thani getroffen und über drängende FIFA-Fragen gesprochen hat. Tamim, der Sohn des Emirs, ist wie Blatter IOC-Mitglied. Er soll seine Besorgnis darüber geäußert haben, dass die jüngst in England erhobenen Korruptionsvorwürfe gegen FIFA-Funktionäre die WM 2022 in Katar gefährden könnten. Es soll zu einem Deal zwischen Blatter und dem Prinzen gekommen sein, der besagt, dass Bin Hammam seine Kandidatur zurückziehe und der FIFA-Boss im Gegenzug alles unternehme, dass die WM in Katar ausgetragen wird.</p>
<p>Mohamed Bin Hammam ließ auf Anfrage verlauten, er befinde sich derzeit in Asien auf Wahlkampftour, sei Präsidentschaftskandidat und gedenke nicht, das Handtuch zu werfen. Auf weitere Fragen des Deutschlandfunks ging er nicht ein.</p>
<p>Rasante Wendungen sind in diesem Krimi nicht ausgeschlossen.</p></blockquote>
<p>Szenario eins hat FIFA-General und Serienlügner Jerome Valcke inzwischen <a title="The Guardian" href="http://www.guardian.co.uk/football/2011/may/23/fifa-mohamed-bin-hammam-election-race" target="_blank">heftigst dementiert</a>. (Wobei es mal wieder interessant ist, dass deutsche <a title="sport1" href="http://www.sport1.de/de/sp1at/artikel_408747.html" target="_blank">Nachrichtenagenturen</a> ganze Sätze aus meinem Beitrag kopieren, ohne die Quelle zu nennen.)</p>
<p>Egal.</p>
<p>In der vergangenen Nacht teilte Bin Hammam mit:</p>
<blockquote><p>I made the decision to run for the FIFA presidency because I was and remain committed to change within FIFA.</p>
<p>I set out my goals and ambitions clearly &#8211; to further the cause of democracy within FIFA &#8211; through a commitment to transparency and accountability; through a commitment to expand the number of officials and nations involved in decision-making processes.</p>
<p>In addition to this, I wanted to spark a debate about change in FIFA.  For the good of football, I wanted the future to be bright for our world’s governing body and for it to adapt to the ever-changing world we live in today.</p>
<p>However, recent events have left me hurt and disappointed &#8211; on a professional and personal level.</p>
<p>It saddens me that standing up for the causes that I believed in has come at a great price – the degradation of FIFA’s reputation. This is not what I had in mind for FIFA and this is unacceptable.</p>
<p>I cannot allow the name that I loved to be dragged more and more in the mud because of competition between two individuals.</p>
<p>The game itself and the people who love it around the world must come first.</p>
<p>It is for this reason that I announce my withdrawal from the presidential election.</p>
<p>I will not put my personal ambition ahead of FIFA’s dignity and integrity.</p>
<p>Besides, I believe my candidacy has been a catalyst for debate within FIFA and has brought change to the top of the agenda.</p>
<p>I pray that my withdrawal will not be tied to the investigation held by the FIFA Ethics Committee as I will appear before the Ethics Committee to clear my name from the baseless allegations that have been made against me.</p>
<p>I promise those who stood by me that I will walk with my head held high and will continue to fight for the good of the game.</p>
<p>I would like to offer my thanks and appreciation to all Member Associations and individuals who supported me. I hope that they will not receive my decision with disappointment and frustration.</p>
<p>I have a special thank you to my friend and colleague Jack Warner for his unlimited support. I am sorry to see that he has to suffer because of me, but I am promising him that I will be with him all the way through thick and thin.</p>
<p>I look forward to working closely with my colleagues to restore FIFA’s reputation to what it should be &#8211; a protector of the game that has credibility through honesty, transparency and accountability.</p></blockquote>
<p>Die Forderung, die Wahl bzw nun die Ernennung des Präsidenten Blatter zu verschieben, gilt natürlich noch immer.</p>
<p>Hier entlang:</p>
<p><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/05/crackFIFA1.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-10329" title="Crack FIFA. Postpone elections!" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2011/05/crackFIFA1.gif" alt="" width="414" height="255" /></a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Doping, Kies und Politik in Freiburg: Einzelfälle mit System</title>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2011 08:38:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Grit Hartmann hat sich dem eng vernetzten Freiburger Doping- und Politiksystem genähert &#8211; und befasst sich auch mit Freiburger Kies. Ein feines Stück Journalismus, wie ich finde, mit etlichen Hintergründen, die es weiter zu beleuchten lohnt. Mein Hörbefehl, ganz rigoros: : Diese Recherche des Deutschlandfunks vom Sonntag, 1. Mai, gibt es hier mit Genehmigung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Grit Hartmann hat sich dem eng vernetzten Freiburger Doping- und Politiksystem genähert &#8211; und befasst sich auch mit Freiburger Kies. Ein feines Stück Journalismus, wie ich finde, mit etlichen Hintergründen, die es weiter zu beleuchten lohnt.</p>
<p>Mein <strong>Hörbefehl</strong>, ganz rigoros:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/05/01/dlf_20110501_2330_0bad1b1b.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Diese Recherche des <a title="dradio.de" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1447409/" target="_blank">Deutschlandfunks</a> vom Sonntag, 1. Mai, gibt es hier mit Genehmigung der Autorin zum Nachlesen.</p>
<p><strong>Lesebefehl!</strong></p>
<p>Eine Bemerkung noch vorab: Im Vergleich zu Freiburg und das west- bzw bundesdeutsche Dopingsystem ist das ostdeutsche Dopingsystem längst ein offenes Buch, das vergleichsweise wenig Geheimnisse birgt. Ergänzend zur folgenden Lektüre das auf <a title="Dopingdokumente auf Cycling4fans" href="http://www.cycling4fans.de/index.php?id=5084" target="_blank">Cycling4fans zusammengetragene Archiv</a>.</p>
<p><em>(Mir fehlt momentan die Zeit für die vielen, vielen Links, die dieser großartige Text verdient hätte. Wer mag, bitte her mit den Links, ich trage demnächst alles nach.)</em></p>
<p><strong>von Grit Hartmann</strong></p>
<p>Im Mai 2007 räumten Ärzte des Freiburger Universitätsklinikums Doping im Radsport ein. Die Affäre, die als Telekom-Skandal bekannt wurde, ist bis heute nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter; für die Universität soll eine Kommission die Breisgauer Dopinghistorie der letzten Jahrzehnte aufklären. Kann das gelingen? Wie steht es in Freiburg &#8211; vier Jahre danach?</p>
<blockquote><p>Der Baggersee ist sehr beliebt. Erst mal wegen seiner schönen Wasserqualität, und zweitens ist er auch ein sozialer Treffpunkt, und zwar ein sozialer Treffpunkt, wie kein Verein ihn bieten kann. Da treffen sich Leute aus verschiedenen Schichten, verschiedene Altersgruppen, vom Baby bis zum Rentner, von der Hartz-IV-Empfängerin bis zur großen Unternehmerin mit&#8217;m Sechszylinder. Die liegen dann nebeneinander auf der Wiese und reden miteinander, und wenn&#8217;s nur ums Wasser oder um die Sonne geht. Und so Leute würden sich im richtigen Leben niemals begegnen und nie ein Wort miteinander reden. Und das find ich so schön an unserm Baggersee.&#8221;</p></blockquote>
<p>Niederrimsingen, wenige Kilometer entfernt von Freiburg. Gleich hinter den Weinbergen liegt Merdingen, einst Heimat von Jan Ullrich. Die Gegend wirkt idyllisch. Bis Bauingenieur Gustav Rosa zeigt, was einmal eine Liegewiese am Baggersee war und nun, Ende März, aussieht wie eine Reihe Schützengräben. So ähnlich verhält es sich mit der Stadt Freiburg, von der manche sagen, sie sei wegen ihrer beschaulichen Abgelegenheit ausgewählt worden als sportmedizinische Zentrale der Bundesrepublik. Andere sagen: wegen ihrer Tradition.</p>
<p><strong>Früh befasste man sich an der Albert-Ludwigs-Universität mit Leistungsmaximierung. Herbert Reindell war ab 1941 Chefmediziner, seit den 50ern Olympiaarzt, danach Präsident des Deutschen Sportärztebundes. Joseph Keul folgte ihm auf allen drei Posten. Armin Klümper, für Spitzensportler nur &#8220;der Doc&#8221;, bekam eine eigene Klinik aus Steuermitteln. Doping, bei hier betreuten Athleten, gab es immer. Einzelfälle, hieß das dann. Erst 2007, als Georg Huber, auch er Olympiaarzt, Andreas Schmid und Lothar Heinrich Radsport-Doping einräumten, taten sich Gräben auf im Bild, das eine Lobby aus Politikern, Beamten und Sportfunktionären gern pflegte von der Breisgauer Mediziner-Elite. Oder eher kleine Risse. Denn hier gelten nun diese drei Ärzte als: Einzelfälle.</strong></p>
<p>Zurück zu den richtigen Gräben. Im See baut die Firma Hermann Peter KG Kies ab. Das Werk liegt am anderen Ufer, der neue Bagger brummt im Hintergrund. Auch hier gibt es ein Problem mit Lobbyisten. Vielleicht mit denselben. Offiziell hat das Landratsamt die Zerstörung der Wiese genehmigt und Dorfbewohner zu Wutbürgern gemacht:</p>
<blockquote><p>Da muss jemand zeigen, dass er den größten Bagger hat. In meinen Augen sind das Machtspiele. Das ist auch Maßnahme sechs, und Maßnahme eins bis fünf sind zum Teil oder gar nicht erfüllt, und die sind eigentlich viel wichtiger. Mit der 400 Meter langen Flachwasserzone und all so Sachen. Oder Renaturierung und Wiederaufforstung &#8211; die Maßnahmen sind nicht erfüllt worden. Aber diese Maßnahme, die die Badegäste ärgert oder die Besucher ärgert, die ist doppelt und dreifach durchgezogen worden, total überhöht auch. Weil, auf dem Plan fängt sie siebzig, achtzig Meter weiter hinten an.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der &#8220;Kiespeter&#8221;, sagt man hier über den Firmenchef, genieße Narrenfreiheit. Derzeit will er die Abbaugenehmigung erweitern lassen. Mit der gültigen, sie sollte bis 2018 reichen, kommt er angeblich nur noch zwei Jahre hin. Für Gustav Rosa steht schon fest, wie das ausgeht. Hätte Peter sonst den neuen Bagger aufs Wasser gesetzt? In Niederrimsingen meint man zu wissen, wer die &#8220;Kieser&#8221; stützt:</p>
<blockquote><p>Bei der letzten Landtagswahl sind die LKW der Firma Hermann Peter KG mit großer Wahlwerbung für Herrn Gundolf Fleischer und für die CDU durch die Gegend gefahren. War schon deutlich, also man konnte gut sehen, in welche Richtung das geht. In diesem Jahr hat er sich zurückgehalten. Ich hab keine Laster mit Wahlwerbung gesehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Gundolf Fleischer kandidierte nicht mehr für den Landtag. Das Ende einer Ära. 37 Jahre lang vertrat er den Wahlkreis Breisgau-Hochschwarzwald, war schon unter Hans Filbinger Generalsekretär der Landes-CDU und seit Lothar Späth Staatssekretär in vier Ministerien. &#8220;Fleischerismus&#8221; nannte man seinen Politstil. In Stuttgart machte er viel Geld für den Wahlkreis locker und ließ sich dann persönlich dafür feiern. Nur Wenige spotteten über den &#8220;Sonnenkönig von Südbaden&#8221;.</p>
<p>Anfang 2010 sank die Sonne &#8211; &#8220;Gundolfdämmerung&#8221; titelte dann das Lokalblatt, die &#8220;Badische Zeitung&#8221;. Staatsanwälte interessierten sich für die Finanzen seines CDU-Kreisverbandes. Und bekannt wurde, wie Fleischer Bauprojekte zum Hochwasserschutz am Oberrhein verzögert hatte &#8211; zugunsten der heimischen Kiesbarone. Die wiederum hatten gespendet, an Fleischers klamme Kreis-CDU und die Landespartei.</p>
<blockquote><p>Unsere Einstellung zu Doping ist ja bekannt, und jeder von uns ist Zeit seines Lebens in aller Klarheit auch dagegen angegangen, im Rahmen dessen, was man überhaupt eben tun kann. Und das war für uns natürlich schon ein Schock und eine Belastung, als wir das erfahren haben. Wieso haben wir das nicht mitbekommen? Konnten wir gar nicht. Das war der Profibereich. Das hat ja mit dem Olympiastützpunkt überhaupt nichts zu tun gehabt, die Telekom. Ich hab beispielsweise Jan Ullrich auch nur gesehen, wenn er einen großen Erfolg hatte und nachher die Gemeinde Merdingen für ihn einen Empfang gegeben hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Im Sport bleibt Gundolf Fleischer unumstrittenes Schwergewicht. Als Trägervereins-Vorsitzender am Olympiastützpunkt, seit 1995 als Präsident des Badischen Sportbundes. Schon in den 70ern war er sportpolitischer Sprecher seiner Partei. Man ist ein wenig überrascht, dass er, der den Aufstieg Freiburgs zur Hochburg der Sportmedizin so eng begleitete, kaum zu tun hatte mit ihren Protagonisten. Vom Klümper-Cocktail habe er gehört &#8211; aber, versichert er, ein Schoppen Gutedel sei ihm lieber. Mit Georg Huber sei er befreundet, aber nur privat. Und Joseph Keul? Keul, sagt Fleischer, war ja Präsident des Sportärzte-Bundes in Baden-Württemberg:</p>
<blockquote><p>Und da hatten wir dann vor allem natürlich immer über finanzielle Fragen eben zu sprechen. Das ging&#8217;s eben um Landeshaushaltsfragen und solche Geschichten. Ich erinnere mich konkret an zwei Besuche, die ich bei ihm in Sportinstitut gemacht hab, wo&#8217;s eben um finanzielle Fragen gegangen ist.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Im Nachruf auf Keul vor elf Jahren klang das viel persönlicher. Da schrieb Fleischer: &#8220;Jupp war ein Freund.&#8221; Fredy Stober, langjähriges NOK-Mitglied aus Freiburg, nannte Fleischer den &#8220;immer präsenten politischen Macher&#8221; hinter der Sportmedizin. Gemeinsam habe man auch die Berufung von Keul-Nachfolger Hans-Hermann Dickhuth durchgesetzt.</strong></p>
<p>Sport und Kies &#8211; ist beides in Niederrimsingen verknüpft? Im Freiburger Regierungspräsidium erinnert man sich gut, wie Fleischer Ende der 90er Jahre mehrfach mit Thomas Birkenmeier vorsprach. Dessen Firma &#8220;Stein und Design&#8221; liegt auch am Baggersee. Birkenmeier bezieht Kies von Peter. Fleischer und er drängten auf Abbau ins zweite Grundwasserstockwerk. Hier, wo das größte und besonders geschützte Grundwasservorkommen der Gegend liegt. Birkenmeier ist auch Miteigentümer der Rheintalklinik in Bad Krozingen. Dort kam Dopingarzt Andreas Schmid unter, nach der Entlassung von der Uni. Galt Schmid als unsicherer Kantonist, der mit dem Job ruhig gestellt werden sollte? Hat Kieser Birkenmeier Fleischer damit etwas zurückgegeben, diesmal dem Sportfunktionär?</p>
<p><span id="more-10230"></span>Fleischer sagt, er kannte Schmid nicht. Dass der auch die Fußballer des SC Freiburg verarztete, hat er, seit den 60ern im Verein engagiert, spät gehört, vom inzwischen verstorbenen Präsidenten des Bundesligisten:</p>
<blockquote><p>Das hab ich erst erfahren, als gegen Schmid ermittelt wurde und der Achim Stocker sich ganz auf die Seite von Schmid damals in der Öffentlichkeit gestellt hat und gesagt hat: &#8216;Mensch, das ist doch ein prima Kerl, und was wollt ihr denn!&#8217; &#8230; und eben viel Sympathie ihm gegenüber. Da hab ich dabei erfahren, dass er, damals war Finke hier noch Trainer, dass er eben hier auch Mannschaftsarzt gewesen ist. Meine Funktion: Ich bin Vorsitzender vom Wahlausschuss. Das ist so&#8217;n Mini-Aufsichtsrat, den der DFB vorgeschrieben hat. Aber mit dem rein operativen Bereich hab ich natürlich überhaupt nichts. Ich meine, man trifft sich ab und zu und spricht. Oder auch Spieler, die man dann ab und zu mal trifft. Weihnachtsfeier, wo man dann auch eingeladen wird &#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Bei Feiern ist Fleischer dem Doktor nie begegnet. Nur in Bad Krozingen. In der Klinik von Birkenmeier lässt er sich seit Jahren von einer Physiotherapeutin behandeln:</p>
<blockquote><p>Dann war ich einmal &#8211; jetzt komm ich zu Schmid, den ich ja nicht kannte -, mir wurd&#8217;s auf einmal schlecht während meiner Behandlung bei der Frau Wohlburg. Und die hat bisschen Angst gehabt, dass ich nen Herzkasperle krieg. Und die hat nachher nach oben telefoniert, dass sie doch bitte einen Arzt runterschicken. Dann kam ein Arzt, den ich wie gesagt nicht kannte, der dann bei mir den Puls gemessen hat und einige Untersuchungen durchgeführt, wie man&#8217;s macht, wenn so etwas im Raum steht. Er kannte wahrscheinlich mich. Weil, er hat mich dann immer so angeschaut. Übrigens ein sehr sympathischer Mann, kann man wirklich nicht anders sagen, also ich versteh da den Achim Stocker gut. Und nachher hat er sich dann geoutet und hat sich zu erkennen gegeben. Ich: &#8216;Nein, jetzt liege ich hier auf dem Wagen, und dann lerne ich ausgerechnet Sie jetzt hier auch kennen!&#8217; Aber er hat mich prima behandelt, wirklich sehr gut behandelt und ist dann wieder weggegangen. Ich hab keinen Herzinfarkt gehabt. Und ich hab ihn auch seitdem dann nie mehr gesehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Hatte Fleischer nichts zu tun mit der Unterbringung von Schmid in der Rheintalklinik?</p>
<blockquote><p>Keine Rede! Ich hab in keiner Weise dabei mitgewirkt.&#8221;</p></blockquote>
<p>In der Rathaus-Apotheke in Elzach, nördlich von Freiburg, waren die Doping-Ärzte Stammkunden. Dort bezogen sie Epo. Im selben Haus hat ein Bruder Gundolf Fleischers seine Arztpraxis. Wusste Fleischer davon?</p>
<blockquote><p>Das ist nicht zu fassen! Ich weiß auch nicht, dass die Praxis meines Bruders, der eine Praxis in Elzach hat, dass die über der Apotheke liegt. Also. Das hat überhaupt nichts damit zu tun!&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Der Bruder promovierte 1980 an der Uni, an der &#8220;Abteilung Leistungs- und Sportmedizin&#8221;. Erster Gutachter war Joseph Keul. &#8211; Viele Zufälle verbinden Gundolf Fleischer mit der Sportmedizin. Falsche Fährten, allesamt? Wir hätten gern Andreas Schmid gefragt. Doch der schweigt, auch gegenüber Journalisten. Das übermittelt sein Anwalt. Es ist derselbe, der Gundolf Fleischer vertritt.</strong></p>
<p>Schmid arbeitet nicht mehr in der Rheintalklinik. Ihm wurden kürzlich &#8220;die Räume gekündigt&#8221;, behauptet der Geschäftsführer. Und dass Schmid nie angestellt war, bloß seine private Praxis hier betrieb. Als wir im Winter die Klinik besucht haben, wies nirgendwo ein Schild auf diese Praxis hin. Patienten erzählten, ja, der Doktor Schmid sei auf der Station Innere Medizin. Die Rheintalklinik, dies ist am Hintereingang vermerkt, gehört zum Reha-Netzverbund des Uniklinikums. Das überweist Patienten. Und: Die Privatklinik ist Ausbildungskrankenhaus für Studenten. Schmids Wirken dort war in Freiburg bekannt, Zeitungen berichteten. Der Universität kann das kaum entgangen sein. Druck machte sie erst, nachdem der Deutschlandfunk Ende 2010 anfragte. Wie, wollten wir wissen, lässt sich das vereinbaren mit dem neuen &#8220;Anti-Doping-Konzept&#8221; des Uniklinikums? Das besagt zum Beispiel: Die Lehre, in Medizin und Sportwissenschaft, soll Bewusstsein wecken gegen Leistungsmanipulation.</p>
<p>Angehende Trainer studieren am Institut für Sport und Sportwissenschaften, kurz IfSS. Kommt das Thema Doping vor? Institutsdirektor Albert Gollhofer:</p>
<blockquote><p>Ich bin Physiker, Biomechaniker und bin von Natur aus eigentlich kein Biochemiker. Und zu blöd, die Facetten genau rüberzubringen. Wir haben in der Trainingswissenschaft schon so Eckpunkte, wo man sagen kann, wo die biologischen Limits sitzen, und dass man natürlich auch jetzt durch ein verstärktes Testosteronprofil ein verstärktes Muskeldickenwachstum oder ne beschleunigte Regeneration kriegt.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Mediziner würden das Thema wohl einbeziehen, glaubt er. Im Fach Ethik könne es vorkommen. Die Wochenzeitung &#8220;Die Zeit&#8221; setzte Gollhofers Institut gerade auf Platz 1 ihres Rankings. Der Professor sagt, Weltspitze sei man in der Sportmotorik, der neuromuskulären Forschung. Gollhofer hält auch einen Gesellschafteranteil an der Radlabor GmbH. Die Firma wurde 2007 ausgegründet aus dem IfSS, kurz nach dem Telekom-Skandal. Sie wirbt auch mit dem, womit die Universität offiziell nichts mehr zu tun hat: mit der Betreuung von Radprofis. Als der Deutschlandfunk Anfang März berichtete, protestierten Gollhofer und Björn Stapelfeldt, der Firmenchef. Stapelfeldt zeigt nun Existenzgründeranträge von 2005. Beim Rundgang sagt er, Leistungsdiagnostik sei nur ein Geschäftsfeld:</p>
<blockquote><p>Wir haben hier in der Mitte Sitzposition, Biomechanik. Wir setzen den Menschen aufs Rad, messen Pedalkräfte, können Videoanalyse betreiben. Und wir haben hier verschiedene Trainingsprogramme, die sich an unterschiedliche Klientel richten: Fitnesssportler, Gesundheitssportler, Unternehmer, die irgendwas verbessern wollen. Und hintendrauf haben wir die Preise.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Radlabor GmbH entwickelt Messgeräte, die sie weltweit verkauft. Für den Bund Deutscher Radfahrer betreut sie Athleten. Profis nur noch vereinzelt. Stapelfeldt fühlt sich betrogen von den Ärzten, mit denen er arbeitete, und von den einstigen Stars, die auf seinen Geräten saßen:</p>
<blockquote><p>Woher wissen wir, welche Leistungen überhaupt möglich sind? Wenn man in Lehrbücher schaut, dann gab&#8217;s schon, als Epo noch gar kein Thema war, Sauerstoffaufnahmen von 90. Wurden von Radfahrern, von Ruderern berichtet.&#8221;</p></blockquote>
<p>Gollhofer leitete ein Projekt im &#8220;Arbeitskreis Dopingfreier Sport&#8221;, über den ab 1998 der Telekom-Konzern offiziell Forschung im Dienste der Sauberkeit finanzierte: &#8220;Leistungsdiagnostische Betreuung im Radsport &#8211; Team Telekom&#8221;. Trainingsprogramme sollten geliefert werden. War es in Freiburg ganz anders als etwa in der ostdeutschen Sportforschungszentrale Leipzig, wo Trainingsmethodik auf Dopingkuren aufbaute? Waren keine seltsamen Leistungssprünge bemerkbar? Dafür müsse man, sagt Gollhofer, Sportler lange beobachten.</p>
<blockquote><p>Wir hatten die Leute projektbezogen bei uns, und wir hatten die immer so punktuell gesehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Projektdarstellung besagt etwas anderes: &#8220;Regelmäßig&#8221;, heißt es darin, würden &#8220;die Athleten des Team Telekom leistungsdiagnostisch erfasst&#8221;; &#8220;langfristig&#8221; die Daten im Radlabor dokumentiert. Kurz nach dem Gespräch geht uns ein internes Protokoll zu. Verklausuliert ist die Rede von &#8220;Ereignissen in der Sportmedizin&#8221;, die nun Einfluss hätten auf Institut und Radlabor. Das Rektorat habe jetzt &#8220;strukturelle Entflechtung&#8221; angeordnet. Heißt: Gollhofer wird nicht mehr Gesellschafter im Radlabor bleiben und Stapelfeldt nicht mehr am Sportinstitut angestellt.</p>
<p>Die Ergebnisberichte des Telekom-Arbeitskreises wären nützlich für die Große Kommission mit der Kriminologie-Professorin Letizia Paoli an der Spitze. Sie prüft die wissenschaftliche Arbeit der Sportmediziner auf Dopingrelevanz. Die Papiere seien unauffindbar, teilt die Uni mit. Einige Projekttitel riechen nach Beihilfe zum Doping. Dem Projektleiter Andreas Schmid etwa sponserte die Telekom Erkundungen zur &#8220;prospektiven&#8221; Analyse von Parametern für den indirekten Epo-Nachweis. Mit derlei Vorsorge ermittelt die Szene auch Abklingraten.</p>
<p>Die Kommission geht komplizierten Fragen nach. Eine: Schmid, der so genannte Einzelfall, forschte mit vielen Kollegen; die meisten sind noch an der Uni. Welchen Anteil hatten sie? Oder: Welche Expertise erwarben hier jene Doktoren, die heute bundesweit Lehrstühle besetzen und Athleten betreuen? Einfach wird das nicht. Noch ist offen, ob das Rektorat eher Rufschaden begrenzen will oder tatsächlich an Wahrheitsfindung interessiert ist. Letzten Sommer ließ man ein Rechtsgutachten anfertigen. Dem Deutschlandfunk liegt es vor.</p>
<p><strong>Es sperrt Unterlagen der Kleinen Doping-Kommission, die 2009 zum Telekom-Team berichtete, für die Große. Hauptgrund: Datenschutzgesetze. Nur Gutgläubige werden am Gutachter keinen Beigeschmack finden: Der Anwalt aus der Kanzlei Graf von Westphalen vertritt die Uni oft; er steht dem Verein &#8220;Freunde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät&#8221; vor. Verwehrt wird der Paoli-Kommission auch Einsicht in die Personalakten von Armin Klümper und Joseph Keul.</strong></p>
<p>Mit Keul ist eine zentrale Frage verknüpft. Stimmt, was die Kleine Kommission feststellte? Dass Keul zwar Doping verharmloste, sich auch am Versand von Mitteln an Athleten beteiligte, dass ihm aber sonst nichts vorzuwerfen ist? Ging der Epo-Einsatz, angeblich erst ab 1996 und nur im Radsport, wirklich auf seine Schüler Schmid und Heinrich zurück? Ihr Meister interessierte sich beizeiten für den Stoff: Der sei &#8220;bei richtiger Anwendung ungefährlich&#8221; und könne &#8220;das Höhentraining durchaus ersetzen&#8221;, dozierte Keul 1991. Epo war neu damals. Woher wusste der Sportmediziner das?</p>
<p>An der Uni gab es eine Fachkraft: den Onkologen Roland Mertelsmann, als Pionier der Gentherapie gefeiert. Er setzte das Medikament als einer der Ersten in Deutschland bei Krebspatienten ein. Mertelsmann geriet 1997 in den Strudel des bis dato größten Skandals in der deutschen Medizin. Arbeiten des Krebsforschers Friedhelm Herrmann beruhten auf falschen Daten &#8211; und viele von Mertelsmann, seinem Doktorvater. Auch damals berief der Rektor eine Kommission:</p>
<blockquote><p>Das war keine einfache Aufgabe, weil unsere Kommission ja eigentlich gegen den Widerstand der Medizinischen Fakultät eingesetzt war und auch immer wieder konfrontiert wurde mit anwaltlichen Angriffen. Da kam mir als langjährigem Richter zustatten, dass man weiß, was man hinnehmen muss oder nicht hinnehmen muss. Und wir haben dann ohne Wenn und Aber unsere Kommissionsarbeit durchgezogen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Albin Eser leitete die Untersuchung. Der weltweit renommierte Emeritus war unter anderem Dekan an mehreren Universitäten, Richter in Den Haag, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht. Seine Kommission attestierte Mertelsmann grobe Regelverletzung und &#8220;fehlende Glaubwürdigkeit&#8221;.</p>
<blockquote><p>Unsere Kommission hatte von vornherein nur den Auftrag, Feststellungen zu treffen. Deshalb haben wir uns strikt darauf beschränkt, haben allerdings im Gespräch mit dem Rektor zum Ausdruck gebracht, dass jetzt die Universität gefragt sei und letztlich das Ministerium für Wissenschaft in Stuttgart, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Im Ministerium sind die Dinge dann nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hätte. Erstens ist man nur sehr zögerlich an die Sache herangegangen, und es ist eigentlich auch nicht sehr viel dabei herausgekommen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Mertelsmann stieg auf &#8211; die Kollegen bestellten ihn als Zeichen ihrer Solidarität zum geschäftsführenden Direktor der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum. Die Bitte um ein Gespräch beantwortet er nicht, auch keine schriftlichen Fragen zur Verbindung mit Keul. Die wichtigste: Führt eine Linie vom einen großen Skandal zum anderen, vom Wissenschaftsbetrug zum Sportbetrug? Mertelsmann und Keul waren befreundet. Sie publizierten gemeinsam. 1996 starteten sie mit der Firma CellGenix ins Stammzellen-Business. Den Pioniergeist der Professoren belobigte auch der US-Gentechnik-Riese Amgen, Weltmarktführer für Epo. CellGenix existiert noch &#8211; mit Mertelsmann und seiner Familienstiftung als Hauptgesellschafter. Die Universität hält Anteile. Und bis heute beteiligt: Die Erben von Joseph Keul.</p>
<p>Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt ermittelt in Freiburg Staatsanwalt Christoph Frank gegen Andreas Schmid, Lothar Heinrich, gegen weitere Ärzte und Betreuer des einstigen Telekom-Teams. Ein Verfahren hat er schon eingestellt, das gegen die Apothekerin in Elzach.</p>
<blockquote><p>Wir stellen ein System fest, das wohl alles andere als transparent ist, und müssen sehen, dass wir die strafrechtlich relevanten Vorwürfe rausfiltern können. Der Ausgang der Ermittlungen ist noch offen, wir gehen aber davon aus, in den nächsten Wochen das Verfahren abschließen zu können. Wenn das Verfahren abgeschlossen wird, wird sich die Abschlussverfügung der Staatsanwaltschaft natürlich auch mit der Beschreibung des Systems der Behandlungen am Universitätsklinikum Freiburg befassen, um auch deutlich zu machen, welche geringen Möglichkeiten das Strafrecht hat, um Dopingpraktiken im Nachhinein zu bewerten und strafrechtlich einzuordnen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Mit geschlossenen Systemen kennt Frank sich aus. In den 80ern ermittelte er gegen Armin Klümper. Es ging um Abrechnungsbetrug. Als verhandelt wurde, lag der qualvolle Tod der Siebenkämpferin Birgit Dressel, auch sie von Klümper gespritzt, noch nicht lange zurück.</p>
<blockquote><p>Es gab damals, von Sportlern gegründet, eine Initiative, die den Prozess sehr eng begleitet hat und immer wieder darauf hingewiesen hat, dass in der Abwägung der medizinischen Leistungen von Professor Klümper und den strafrechtlichen Vorwürfen ein Ungleichgewicht bestehe. Eberhard Gienger hat damals diese Gruppe organisiert. Die Sportler &#8211; die Hauptverhandlung hat sich ja über viele Monate hin erstreckt &#8211; haben die Hauptverhandlung begleitet durch Interviews, durch Pressearbeit, um Professor Klümper zu unterstützen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Neben Gienger, heute für die CDU im Bundestag, gewesener Vizepräsident im Deutschen Olympischen Sportbund und einst von Klümper mit Anabolika versorgt, gehörten die Fechterin Anja Fichtel oder die Hoeneß-Brüder zur Sportlerfront. Und was Rang und Namen hatte im aktiven Spitzensport, pilgerte weiter zu ihm &#8211; oder zu Keul. Freiburger Mediziner-Erfolg schätzte auch die Politprominenz, nicht nur in Form von Medaillen. Landesminister wie Fußballfunktionär Gerhard Mayer-Vorfelder, sein Kollege aus dem Justizressort, Beamte aus dem Bundesinnenministerium &#8211; sie waren Geldgeber und Patienten. Das Offensichtliche gehörte zum System:</p>
<blockquote><p>In den Verfahren gegen Professor Klümper hat, ohne dass Professor Keul beteiligt war, Professor Keul immer eine Rolle gespielt. Im Hintergrund war immer auch der nicht offen geäußerte Vorwurf des Dopings beidseits erhoben worden. Nach meinem Eindruck aus dem Verfahren gegen Professor Klümper war es ihm jedenfalls wichtig, auch immer wieder sich von Herrn Keul zu unterscheiden, deutlich zu machen, dass er andere Maßstäbe für seine medizinischen Behandlungen habe als Professor Keul. Der wiederum hat außerhalb des Prozesses seine Vorstellungen über die Behandlungsmethoden von Professor Klümper sehr deutlich geäußert.&#8221;</p></blockquote>
<p>Im Fall Klümper waren politische Einflussnahme und medienwirksamer Beistand offen zu besichtigen. Ein wenig haben sie sich doch geändert, die Zeiten. Jetzt, mit der grün-roten Revolution im Musterländle, soll ohnehin alles anders werden, auch im Sport. In der Opposition interessierten sich Grüne und SPD wenig für die Breisgauer Dopingpraxis. Wie sie offengelegt wird, das könnte ein Maß sein für die neue Politik.</p>
<p>Gundolf Fleischer, der badische Sportpräsident, will selbstverständlich auch Aufklärung. Nur schnell soll sie gehen:</p>
<blockquote><p>Heinrich und Schmid &#8211; das waren zwei. Und alle anderen, die haben Zeit ihres Lebens tadellose Arbeit geliefert. Und deswegen muss ich schauen, dass die auch bald wieder dazu kommen, dass sie diese Arbeit machen können. Und dass auch dieser gute Ruf, den Freiburg immer wieder gehabt hat, auf die Weise wieder hergestellt wird. Einerseits Aufklärungsgebot und auf der anderen Seite auch alles zu tun, damit nicht diese über Jahrzehnte hervorragende Einrichtung über Gebühr und unverhältnismäßig Schaden nimmt. Sondern wieder zu alten Zeiten möglichst sogar zurückkehren kann.&#8221;</p></blockquote>
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		<title>Deutschland: Bremser im internationalen Antidopingkampf</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 12:17:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwischen Dichtung und Wahrheit heißt hier eine meiner Lieblingsrubriken. Einen wunderbaren Beitrag zu diesem Thema hat gerade Grit Hartmann exklusiv für den Deutschlandfunk produziert. Ein Teilchen mehr im großen Puzzle, das die PR-Mär, Deutschland gehe im so genannten Antidopingkampf unentwegt voran, einmal mehr mit Fakten widerlegt. Hörbefehl: : Lesebefehl: Bremser im internationalen Antidopingkampf WADA-Budget wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen <a title="tag: Dichtung und Wahrheit" href="http://www.jensweinreich.de/category/dichtung-und-wahrheit/" target="_self">Dichtung und Wahrheit</a> heißt hier eine meiner Lieblingsrubriken. Einen wunderbaren Beitrag zu diesem Thema hat gerade <strong>Grit Hartmann</strong> exklusiv für den Deutschlandfunk produziert. Ein Teilchen mehr im großen Puzzle, das die PR-Mär, Deutschland gehe im so genannten Antidopingkampf unentwegt voran, <a title="Die NADA: Ping-Pong-Diplomatie unter Sportsfreunden" href="http://www.jensweinreich.de/2010/01/08/die-nada-ping-pong-diplomatie-unter-sportsfreunden/" target="_self">einmal mehr</a> mit Fakten widerlegt.</p>
<p>Hörbefehl:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/29/dlf_20110129_1946_13cd1ef1.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Lesebefehl:</p>
<p><em>Bremser im internationalen Antidopingkampf</em></p>
<p><strong>WADA-Budget wird reduziert – auf Initiative der Bundesregierung</strong></p>
<p>von Grit Hartmann</p>
<p>Für den Antidopingkampf verfügen Bundesregierung wie Sportfunktionäre über eine beliebte Sprachregelung: Der müsse, im Interesse der Chancengleichheit, weltweit harmonisiert werden.</p>
<p>Deshalb war eine moderat steigende Unterstützung der Weltantidoping-Agentur <a title="WADA" href="http://www.wada-ama.org" target="_blank">WADA</a> aus dem deutschen Steuersäckel konsensfähig. Offiziell hat sich daran nichts geändert &#8211; hinter den Kulissen schon. Der WADA setzt eine irritierende Initiative der Bundesregierung zu.</p>
<p>Es ist nicht neu, dass sportpolitische Ärgernisse zufällig öffentlich werden. Dieser Fall jedoch hat Seltenheitswert. Die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon:</p>
<blockquote><p>In diesem Jahr haben wir unseren Familienurlaub, unseren Weihnachtsurlaub in Montreal verbracht. Mein Mann stammt daher. Und ich hab die Gelegenheit wahrgenommen, Anfang Januar mal ein Gespräch zu suchen bei der WADA, die ja dort ihr Headquarter hat. Wir hatten verschiedene Themen. Und da gab es einen Punkt, der besonders interessant war, und der betraf das deutsche Engagement innerhalb der WADA, bei der Finanzierung.&#8221;</p></blockquote>
<p>WADA-Mitarbeiter präsentierten einen brisanten Brief, datiert vom Juni 2010. Absender: Gerhard Böhm, Chef der Sportabteilung im Bundesinnenministerium. Adressat: der Europarat, wo die europäischen Staaten sich über ihren Jahresbeitrag zum WADA-Haushalt verständigen. Eine Hälfte zahlt das IOC, die andere die Regierungen, wobei der europäische Anteil bei 47,5 Prozent liegt. Die Bundesrepublik gehört zu den größten Zahlern; sie gibt so viel wie Rom, London und Paris, 722.000 US-Dollar im letzten Jahr. Böhm wurde nun mit dem Anliegen vorstellig, die WADA-Zuwendungen &#8211; bisher stets leicht geklettert &#8211; ab 2011 einzufrieren.</p>
<p>Begründung: Eingedenk der globalen Finanzkrise sei es &#8220;schwierig, ein kontinuierlich steigendes WADA-Budget in Deutschland zu vermitteln&#8221;.</p>
<p><object id="doc_182136450311197" style="outline: none;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100%" height="600" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="name" value="doc_182136450311197" /><param name="data" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="bgcolor" value="#ffffff" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="FlashVars" value="document_id=47870750&amp;access_key=key-257q4k0q5jmr1qtkbpga&amp;page=1&amp;viewMode=list" /><param name="src" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="flashvars" value="document_id=47870750&amp;access_key=key-257q4k0q5jmr1qtkbpga&amp;page=1&amp;viewMode=list" /><embed id="doc_182136450311197" style="outline: none;" type="application/x-shockwave-flash" width="100%" height="600" src="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" flashvars="document_id=47870750&amp;access_key=key-257q4k0q5jmr1qtkbpga&amp;page=1&amp;viewMode=list" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" bgcolor="#ffffff" wmode="opaque" data="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" name="doc_182136450311197"></embed></object></p>
<p>Davon hat man zwar noch nichts gehört &#8211; im Gegenteil: In der Haushaltsdebatte gab es Kritik an gleichbleibenden Ausgaben für den Antidopingkampf. Dennoch lautete die interne Empfehlung von Ministerialdirektor Böhm, die WADA solle &#8220;Kosten einsparen&#8221;, gefolgt von der Ansage, künftig werde Berlin mögliche Erhöhungen, so wörtlich, &#8220;missachten&#8221;.</p>
<blockquote><p>Zur BMI-Sportabteilung unter diesem und einem anderen Boss u.a. auch hier:</p>
<ul>
<li><a title="Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung" href="http://www.jensweinreich.de/2008/11/10/das-eigenleben-der-bmi-sportabteilung/" target="_self">Das Eigenleben der BMI-Sportabteilung</a></li>
<li><a title="Die Verbal-Salti des Christoph Bergner" href="http://www.jensweinreich.de/2009/06/22/die-verbal-salti-des-christoph-bergner/" target="_self">Die Verbal-Salti des Christoph Bergner</a></li>
<li><a title="“We are family&#8221;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Wissenschaft" href="http://www.jensweinreich.de/2009/07/10/we-are-family-der-kritische-schulterschluss-von-politik-sport-und-wissenschaft/  " target="_self">“We are family&#8221;: der kritische Schulterschluss von Politik, Sport und Wissenschaft</a></li>
</ul>
</blockquote>
<p>Vorab das Resultat des Vorstoßes: Unbemerkt von der Öffentlichkeit einigten sich Europas Regierungen im November darauf, ihre Beiträge in diesem Jahr nur um zwei Prozent aufzustocken &#8211; das kleinste Plus seit Gründung der WADA vor elf Jahren. WADA-Generaldirektor David Howman sagt, damit fange man lediglich die Inflation ab:</p>
<blockquote><p>Im Wesentlichen heißt das für uns Stillstand. Wir kommen nicht voran. Bei Nullwachstum würden wir schrumpfen, uns zurückbewegen. Und das ist ein wenig beunruhigend. Insbesondere, wenn man sich zum Beispiel den EU-Haushalt ansieht &#8211; der wurde für 2011 um sechs Prozent erhöht. Um zu verdeutlichen, worüber wir bei Europa sprechen: Ein Prozent Erhöhung für die WADA sind 150.000 US-Dollar, verteilt auf 47 Länder &#8211; das ist ein ziemlich kleiner Betrag.&#8221;</p></blockquote>
<p>2012 würde, geht es nach den Europäern, aus dem Stillstand ein Zurück. Die Beiträge sollen eingefroren werden. Viola von Cramon erinnert an der Deutschen liebste Klage. Sie lautet, dass deutsche Athleten, weil angeblich bestens kontrolliert, international benachteiligt sind:</p>
<blockquote><p>Dann müsste es ja eigentlich im deutschen Interesse sein, genau diese Institution zu stärken, die sich für die weltweite Überprüfung der Athleten einsetzt, und das ist die WADA. Da müsste man die WADA nicht mit weniger Geld versehen, sondern mit deutlich mehr Geld.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dass die Betrugsbekämpfer mit ihrem 27-Millionen-Dollar-Budget unterfinanziert sind, gilt als ausgemacht. Howman sagt, was die WADA erreicht habe, habe sie nicht dank ihrer finanziellen Ausstattung erreicht, sondern trotzdem. Mag es Kritik an der WADA geben &#8211; für weltweite Harmonisierung des Antidopingkampfes ist sie unverzichtbar. In 15 ärmeren Regionen finanziert sie Antidoping-Organisationen; die assistieren derzeit 122 Ländern bei der Kontrolle von Athleten. Fast im Alleingang finanziert sie die Verfeinerung der Analytik. Mit einer Zahl für die letzten sieben Jahre illustriert Howman die Absurdität des deutschen Vorstoßes:</p>
<blockquote><p>Aus unserem Forschungsetat sind mehr als 32 Millionen Dollar zurück nach Europa gegangen, in Forschungsprojekte. Das ist fast genauso viel wie die Einzahlungen, die wir aus Europa bekommen haben. Verglichen mit anderen Kontinenten bewegen sich die Europäer also in einem Geld-Rein-Geld-Raus-Szenario.&#8221;</p></blockquote>
<p>In Montreal rätselt man deshalb, was die Bundesregierung wirklich antreibt:<br />
<span id="more-10121"></span></p>
<blockquote><p>Deutschland ist einer der starken Befürworter der WADA gewesen und geblieben. Wir haben diese Unterstützung begrüßt. Das ist seit der WADA-Gründung so gewesen, und wir hatten damit gerechnet, dass es dabei bleibt. Deshalb war es für uns überraschend, dass so ein Vorstoß kam. Wir haben ein bisschen recherchiert und festgestellt, dass der Sportetat des Bundesinnenministeriums in diesem Jahr de facto gestiegen ist, gleichzeitig aber wollen sie unser Budget reduzieren. Das finde ich etwas beunruhigend.&#8221;</p></blockquote>
<p>Von Cramon fragt nun nach dem Gehalt frommer Fensterreden. Im <a title="Was vom Tage übrig bleibt (60): Bundes-Spitzensportförderung, Sportsoldaten, Staatssport, Doping/Bremer/BDR" href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/15/was-vom-tage-ubrig-bleibt-60-bundes-spitzensportforderung-sportsoldaten-staatssport-dopingbremerbdr/" target="_self">jüngsten Sportbericht</a>, er wurde gerade im Bundestag debattiert, belobigt sich die Koalition eifrig für ihre &#8220;führende Rolle&#8221; im internationalen Antidopingkampf.</p>
<blockquote><p>Dann könnte man davon ausgehen, dass die Bundesregierung ausschließlich den sauberen Sport fördert. Wenn man aber sieht, was sie tatsächlich macht, dann kann man nicht davon ausgehen, dass das ein ernstgemeintes Bekenntnis ist. Und ich denke, das ist ein ganz fatales politisches Signal für den weltweiten Antidopingkampf.&#8221;</p></blockquote>
<p>Zusätzliche Sprengkraft bezieht der deutsche Vorstoß aus der Herausforderung, die Howman formuliert:</p>
<blockquote><p>Wir wissen, dass der raffinierte Doper, der smarte und vermutlich bestens finanzierte Doper riskanteste Verbindungen eingeht, um den Nachweis zu vermeiden. Und das funktioniert seit einer Weile. Wir können eine Menge Geld für bessere Analytik ausgeben, um ihn zu erwischen. Aber wir müssen dafür andere Wege gehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Heißt, die WADA sieht ihren Job zunehmend in Detektivarbeit, darin, kriminelle Strukturen aufzudecken, in denen ausgereifte Dopingpraktiken gedeihen &#8211; vornehmlich in entwickelten Nationen wie Deutschland. Das liefert Stoff für Mutmaßungen: Verbirgt sich hinter der neuen Berliner Sparsamkeit ein stiller Dienst des sportpolitischen Kartells am offiziell vorbildhaft sauberen deutschen Athleten? Howman will nächste Woche bei einem Deutschland-Besuch um Aufklärung bitten. Auch von Cramon hat der Bundesregierung Fragen übermittelt. Zweitens werde sich der Sportausschuss mit der Causa befassen.</p>
<blockquote><p>Und drittens ist es natürlich so, dass über die Gelder nicht nur die Bundesregierung entscheidet, sondern ganz sicher auch wir Parlamentarier, also der Deutsche Bundestag.&#8221;</p></blockquote>
<p>Hier nochmals die <a title="Was vom Tage übrig bleibt (60): Bundes-Spitzensportförderung, Sportsoldaten, Staatssport, Doping/Bremer/BDR " href="http://www.jensweinreich.de/2010/11/15/was-vom-tage-ubrig-bleibt-60-bundes-spitzensportforderung-sportsoldaten-staatssport-dopingbremerbdr/" target="_self">Übersicht</a> zur Bundes-Sportförderung:</p>
<p><object id="doc_443684399070863" style="outline: none;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100%" height="600" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="name" value="doc_443684399070863" /><param name="data" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="bgcolor" value="#ffffff" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="FlashVars" value="document_id=42610164&amp;access_key=key-12mix47qnzvsi1nld1fs&amp;page=1&amp;viewMode=list" /><param name="src" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="flashvars" value="document_id=42610164&amp;access_key=key-12mix47qnzvsi1nld1fs&amp;page=1&amp;viewMode=list" /><embed id="doc_443684399070863" style="outline: none;" type="application/x-shockwave-flash" width="100%" height="600" src="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" flashvars="document_id=42610164&amp;access_key=key-12mix47qnzvsi1nld1fs&amp;page=1&amp;viewMode=list" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" bgcolor="#ffffff" wmode="opaque" data="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" name="doc_443684399070863"></embed></object><br />
<a href="http://flattr.com/thing/125857/Deutschland-Bremser-im-internationalen-Antidopingkampf" target="_blank"> <img title="Flattr this" src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" border="0" alt="Flattr this" /></a></p>
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		<title>Höher, schlauer, jünger?</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 12:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[SINGAPUR. Kann man natürlich alles viel besser machen, viel kritischer, viel ausgewogener, viel böser, viel schönfärberischer und überhaupt. Aber so ist mein kleines Fragestück zu den Jugendspielen, an dem ich mit Spaß hektisch gebastelt habe, nun im Deutschlandfunk gesendet worden (knapp 27 Minuten): : Zu Wort kommen: Britta Steffen, Kathrin Boron, Gudrun Doll-Tepper, Jacques Rogge, Thomas Bach, Joseph Blatter, Helmut Digel, Eike Emrich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>SINGAPUR. Kann man natürlich alles viel besser machen, viel kritischer, viel ausgewogener, viel böser, viel schönfärberischer und überhaupt. Aber so ist mein kleines Fragestück zu den Jugendspielen, an dem ich mit Spaß hektisch gebastelt habe, nun im Deutschlandfunk gesendet worden (knapp 27 Minuten):</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_2330_8ac6b877.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Zu Wort kommen: Britta Steffen, Kathrin Boron, Gudrun Doll-Tepper, Jacques Rogge, Thomas Bach, Joseph Blatter, Helmut Digel, Eike Emrich und Ulf Tippelt.</p>
<p>Ich habe noch jede Menge O-Töne, passendere, bessere, kürzere, längere, und habe ja auch mit einigen Sportlern gesprochen. So ist das nun mal. Im Tagesgeschäft Journalismus gibt es Andruck- und Sendezeiten und damit einen Redaktionsschluss. Manches, wie die Pound-Passage, habe ich schon vorher produziert, es passt dennoch gut rein. Die Youth Olympic Games dauern ja noch ein Weilchen, ich hole noch einiges nach, vielleicht bastle ich aus diesem Beitrag hier noch einen längeren, ergänzenden.</p>
<p>Wer nicht hören mag (oben den Player anklicken), der mag vielleicht lesen, einiges habe ich natürlich schon angefügt und ergänzt:</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Der Herzschlag der Jugendspiele. Damit begannen viele Videos, die für die ersten Youth Olympic Games produziert wurden. In Spots auf Youtube und anderen Werbemaßnahmen war auch stets von der DNA der Jugendspiele die Rede. „Trägst Du die DNA der Jugendspiele in Dir?“ wird da gefragt.</p>
<p>YOG-DNA? Wie Michael Phelps?</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>Und schon beginnt das Problem.</p>
<p>Denn was ist die DNA der Olympischen Jugendspiele? Heißt das: Höchstleistung wie bei den richtigen Olympischen Spielen?</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a></p>
<p>&#8230; so wie es Usain Bolt sagt. Der Fabel-Weltrekordler, der schnellste Mann der Welt, um den sich viele Gerüchte ranken. Der als Botschafter avisiert war für Singapur, aber nun doch nicht kommt.</p>
<p>Oder zählen tatsächlich Bildung und Kultur zur DNA der Spiele?</p>
<p>Selbst Bolt spricht übrigens von Bildung – das ist mittlerweile die offizielle Lesart des Internationalen Olympischen Komitees.</p>
<p>IOC-Präsident Jacques Rogge betrachtet sich als Vater der Jugendspiele. Auch wenn er noch in eine juristische Auseinandersetzung mit dem Österreicher Johann Rosenzopf verwickelt ist, der sagt, er habe Ende der neunziger Jahre ein Konzept von olympischen Jugendspielen an den damaligen IOC-Präsidenten Samaranch geschickt. Er wirft dem IOC Plagiat vor. Rogge kann dagegen vorbringen, dass er schon vor knapp zwanzig Jahren als Chef der Vereinigung der europäischen olympischen Komitees ein kontinentales olympisches Jugendfestival begründet hat.</p>
<p>Fakt ist: Als IOC-Präsident setzte Rogge im Frühjahr 2007 in Windeseile die Olympischen Jugendspiele durch. Das IOC folgte fast kollektiv seinem Vorschlag. Drei Jahre später, kurz vor der Premiere, erklärte der 68 Jahre alte Belgier, er sei aufgeregt wie einst vor dem Kreißsaal. Rogge hat zwei erwachsene Kinder und Enkel.</p>
<blockquote><p>„Grundsätzlich ging es uns bei den Jugendspielen darum, dass wir die Notwendigkeit für Bildung und Aufklärung gesehen haben – in einem Alter, wo die jungen Sportler noch empfänglich sind. Wir wollen ihnen Kenntnisse und Fertigkeiten für ihr Leben vermitteln. Nicht nur im Sport, auch außerhalb des Sports in ihrem ganz normalen Leben, ihren sozialen Beziehungen. Deshalb investieren wir in den Ausbildungsbereich, das ist etwas Neues in der Olympischen Bewegung.</p>
<p>Wir betreiben Doping-Aufklärung, es geht um gesunde Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Krankheitsvorsorge, Umweltschutz – und natürlich geht es um die olympischen Werte wie Respekt, Fairplay und die Einhaltung der Regeln. Sie bekommen jede Menge Möglichkeiten. Es geht darum, ihnen so viel wie möglich für die Zeit nach der Sportkarriere mitzugeben.</p>
<p>Das wollen wir tun. Und wir glauben, dass wir moralisch dafür verantwortlich sind. Wir müssen das tun. Die Olympische Bewegung kann sich nicht nur darauf beschränken, nur Sportereignisse zu organisieren. Wir glauben, dass Sport Bildung ist. Bildung sollten wir den jungen Menschen gerade in dieser Phase angedeihen lassen.“</p>
<p><em>(flüchtig-schnell übersetzt)</em></p></blockquote>
<p>Es ist interessant, wenn Rogge plötzlich davon spricht, das IOC sei für Bildung und Erziehung verantwortlich. Für Ethik und Fairplay. Ausgerechnet das IOC und sein System des olympischen Hochleistungssports, das beständig für negative Schlagzeilen sorgt, um nur die Themenfelder Doping und Korruption zu nennen.</p>
<p>Man kann Rogges Ansatz als anmaßend empfinden. Zumal das IOC in den vergangenen Jahren in kritischen Situationen – ob in der Menschenrechtsfrage bei den Olympischen Spielen in Peking oder beim Dopingproblem – stets darauf bestanden hat, nur für die jeweils sechzehn Tage (plus Eröffnungsfeier) währenden Olympischen Spiele in der Verantwortung zu stehen. Und eben nur für den Sport zuständig zu sein.</p>
<p>Rogge wird sich also selbst untreu. Andererseits: Sein Ansatz mit den Jugendspielen ist, wenn man es wohlwollend betrachtet, eine Art Rückbesinnung auf den IOC-Gründer Pierre de Coubertin. Zurück zu den Wurzeln.</p>
<p>Es fällt auf, dass in den Tagen von Singapur viele IOC-Mitglieder so argumentieren. Als hätten sie ein Skript auswendig gelernt. Und tatsächlich gibt die IOC-Administration ja regelmäßig Argumentationshilfen für die Mitglieder auf. Das war vor zwei Jahren kurz vor den Spielen in Peking so, als sich die Antworten zur Frage der Menschenrechte doch sehr ähnelten. Und das ist jetzt nicht anders.</p>
<p>Joseph Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, <a title="Notizen von den Jugendspielen " href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/13/notizen-von-den-jugendspielen/" target="_self">predigt ebenfalls die Verse</a> des Jacques Rogge.</p>
<blockquote><p>&#8220;Diese Jugendspiele sind sehr wichtig. Weil sie sind eben unter der Bezeichnung respect, education, bringing people together, also sozial-kulturelles Zusammenkommen. Und darum ist es auch für die FIFA sehr wichtig, dass wir hier sind, dass wir nicht mit den großen Mannschaften oder mit den großen Namen der Mannschaften gekommen sind, sondern dass wir die Möglichkeit geben auch den kleinen Verbänden, dabei zu sein, und dass sie sich mischen mit der Jugend der Welt.</p>
<p>Das war ja auch der eigentliche olympische Gedanke von Pierre de Coubertin: Bringt die Jugend zusammen und lasst sie miteinander sprechen. Lasst sie spielen, aber nicht wichtig ist das Siegen, sondern wichtig ist das Mitmachen und Sich-Kennenlernen. Und das ist jetzt für die Jugend die Olympischen Spiele. Und darum haben wir auch beschlossen: Wir wollen diese bringen, die sonst nicht dabei sein können. Also für uns ist es sehr wichtig.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Postulate sind das eine – man kann sie in Singapur an der Wirklichkeit messen. Oder hier verfolgen:</p>
<ul>
<li>Die offizielle Webseite <a title="Singapore 2010" href="http://www.singapore2010.sg/public/sg2010/en.html" target="_blank">Singapore 2010</a></li>
<li>Die <a title="Olympic.org" href="http://www.olympic.org/" target="_blank">IOC-Webseite</a> zum Thema</li>
<li>Die <a title="ebook DOSB Singapur 2010" href="http://ebook-singapur.dosb.de/" target="_blank">Mannschaftsbroschüre</a> des DOSB und dessen <a title="DOSB, Singapur 2010" href="http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-jugendspiele/" target="_blank">Singapur-Schwerpunkt</a></li>
<li>Der Youtube-Kanal <a title="Youtube Singapore 2010" href="http://www.youtube.com/user/singapore2010" target="_blank">Singapore 2010</a></li>
</ul>
<p><a title="Frischzellenkur für das Olympia-Business" href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/11/frischzellenkur-fur-das-olympia-business/" target="_self">Die Spiele laufen</a>, sie wurden von Staatspräsident Sellapan Ramanathan eröffnet. Ein Video dazu kann natürlich nicht mehr eingebettet werden, jedenfalls nicht die offizielle Zusammenfassung der Eröffnungsfeier. Denn die ist rechtlich geschützt.</p>
<ul>
<li><a title="YOG News Access Rules" href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/08/YOG-News-Access-Rules-Singapore-2010.pdf" target="_blank">News Access Rules &#8211; Singapore 2010</a></li>
<li>Weil es zuletzt in <a title="tag Blogging-Guidelines, Internet bei Olympia ... " href="http://www.jensweinreich.de/category/blogging-guidelines/" target="_self">Peking und Vancouver</a> immer mal diskutiert wurde und mitunter für Verwirrung gesorgt hat: <a title="IOC Social Media Blogging and Internet Guidelines for YOG" href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/08/IOC-Social-Media-Blogging-and-Internet-Guidelines-for-YOG-clean.pdf" target="_blank">IOC Social Media, Blogging and Internet Guidelines for persons accredited at the Youth Olympic Games</a></li>
</ul>
<p>Es gab eine große Show in einem schwimmenden Stadion in traumhafter Atmosphäre, viel Pyrotechnik, ein Medley populären Liedguts aus mehreren Jahrzehnten. Kinder tanzten und lachten.</p>
<p>Die Macht der Bilder. So wirkt Olympia. Auch Rogge ist ein Verführer. Man kann ihm vieles nachsagen, aber eines gewiss nicht: Naivität.</p>
<p>Irgendwann wurde ein überdimensioniertes Märchenbuch hereingefahren, dem ein junger Boxer entsprang, der gegen den Teufel ankämpfte, mutig und fleißig blieb – und schließlich das Böse besiegte. Ständig flimmerten Mangas über die Großbildschirme – Bilder von Umweltkatastrophen, Kriegen und der Zerstörung des Regenwaldes.</p>
<p>Gemeinsam lässt sich eine bessere Welt erschaffen – das ist die Botschaft. Garniert mit den olympischen Insignien. Den Ringen, der Fahne, der Hymne – und dem olympischen Feuer, das bis zum 26. August in der Marina Bay brennt. Das „heilige Feuer“, wie die Kommentatorin auf dem IOC-Kanal formulierte.</p>
<blockquote><p>“So the sacred flame from Olympia burns in the night-sky. A guiding light of inspiration for the next 12 days.“</p></blockquote>
<p>Die olympische Marke, das olympische Portfolio wurde mit diesen Jugendspielen erweitert. Darüber haben sich auf dem Rückweg ins noble Ritz-Carlton-Hotel tatsächlich einige Olympier unterhalten.</p>
<p>Darum geht es zunächst einmal. Um die Marke. The Brand. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.</p>
<p>Es ist ein 300 Millionen Euro teueres Experiment &#8211; mit 3.600 Kindern und Jugendlichen aus aller Welt.</p>
<p>Jacques Rogge sagt:</p>
<blockquote><p>“Ich hoffe, dass der Erziehungspart dieser Olympischen Spiele leichter wird als die Erziehung meiner eigenen Kinder. Aber er sei Optimist und glaube an das Konzept, das von allen Aktionären Olympias entwickelt worden sei. Dazu zählen die 205 Nationalen Olympischen Komitees und die derzeit 26 olympischen Sommersportverbände. Man habe sich alle Mühe gegeben, sei sensitiv vorgegangen, werde aber sicher Fehler machen, schließlich würden auch bei den großen Olympischen Spielen nach mehr als 110 Jahren noch Fehler gemacht. Doch der Geist seines, des olympischen Hauses sei: Aus Fehlern lernen und sich stets verbessern.“</p>
<p><em>(flüchtig-schnell übersetzt)</em></p></blockquote>
<p>Auch zwei deutsche Sportwissenschaftler haben in der Vorbereitung der Jugendspiele entscheidend mitgewirkt, in Arbeitsgruppen des IOC und der Organisatoren in Singapur: Gudrun Doll-Tepper aus Berlin und Helmut Digel aus Tübingen. Gudrun Doll-Tepper war lange Jahre Präsidentin des <a title="ICSSPE" href="http://www.icsspe.org/" target="_blank">Weltrates für Sportwissenschaft</a> und ist seit 2006 Vizepräsidentin des Deutschen Sportbundes (DOSB). Sie sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es geht nicht nur um den Sport allein, sondern es geht um den Sport in Verbindung mit etwas. Gesundheit. Bildung und so weiter. Und das denke ich, das ist sozusagen eine Möglichkeit, die da jetzt beschritten wird, da wird man sehen, ob das so funktioniert. Aber ich glaube, dass das zumindest den Versuch lohnt. Und ob man da jetzt in die letzten Ecken der Welt damit kommt, das wird man sehen. Aber die moderne Kommunikation, muss ich auch sagen, das beeindruckt mich schon sehr. Also die jungen Leute sind hier mächtig in Verbindung, digital concierge und was es hier alles gibt. Das scheint die auch alle anzusprechen. Ich habe gestern mir noch einmal die Räume angesehen, wo jungen Leuten, die nicht vertraut sind mit solchen Technologien, wo die da Einführungen bekommen. Das finde ich toll. Das finde ich einfach etwas, wo über den Sport hinaus etwas transportiert wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>IOC-Präsident Rogge hat behauptet, er sei gegen einige olympischen Insignien bei den Jugendspielen gewesen. Doch gegen die Mehrheit im IOC habe er sich nicht durchsetzen können. „Ich habe die große Schlacht gewonnen“, hat Rogge gesagt, „die Jugendspiele wurden eingeführt. Aber ich habe auf dem Weg nach Singapur viele kleine Gefechte verloren. Ich wollte keine Flaggen, Hymnen und Podien. Doch die überwältigende Mehrheit der IOC-Mitglieder hat gesagt: Nein, nein, nein, es soll alles wie bei den traditionellen Spielen sein!“</p>
<p>Nun gibt es Stimmen im IOC, die das Ganze etwas anders darstellen, was wenig schmeichelhaft für Rogge ist. Doch ganz davon abgesehen, ob er ein die Wahrheit beugt, bleibt doch der grundsätzliche Konflikt: Es geht um Medaillen in Singapur – und um Erziehung. In diesem Widerspruch bewegen sich die Jugendspiele.</p>
<blockquote><p>&#8220;Nee, ich sehe darin erstmal keinen Widerspruch, weil ich glaube, dass wir alle letzten Endes auch von Kompromissen leben. Manche Dinge möchte man halt durchsetzen, und wenn man sie durchsetzt, wird man als autoritär bezeichnet. Setzt man sie nicht durch, dann wird man als schwach bezeichnet. Das ist mir sehr vertraut. Ich glaube, dass das durchaus in Ordnung ist, dass man auch so etwas wie eine Premiere durchaus kritisch analysiert und dann seine Auswertung macht. Das werden sicher die Journalisten tun, aber das werden auch diejenigen tun, die wie ich hier jetzt unterwegs sind und mehr aus einer, ich sage jetzt mal pädagogischen oder wissenschaftlichen Perspektive darauf schauen. Also ich bin hier jetzt nicht von irgendjemandem zum Beispiel eingekauft oder ähnliches, sondern es ist mir wirklich auch ein Anliegen, da rauszufinden, was funktioniert oder was funktioniert nicht, und warum ist das so. Und wie kann man daraus irgendwie seine Lehren ziehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Helmut Digel, langjähriger Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und einst einer der Vordenker des deutschen Sports, versucht sich an der Antwort auf eine simple Frage:</p>
<p>Warum braucht die Welt Olympische Jugendspiele?</p>
<blockquote><p>“Also wenn man Jacques Rogge fragt, ich glaube, er hat hier auf diese Frage eine ganz klare Antwort. Er sieht zwei große Probleme. Das eine Problem das hat der Sport selbst. Nämlich dass er mit seinen Werten nicht mehr richtig umzugehen weiß, die er selbst propagiert. Und im Zentrum steht dabei der Dopingbetrug. Aber auch Korruption und die ausufernde Kommerzialisierung sind Probleme des Erwachsenensport, die zumindest den Erwachsenensport unter pädagogischen Gesichtspunkten entschieden infrage stellen. Und er sieht die Gefahr, dass Eltern die Frage aufwerfen: Kann man seine Kinder in diesen Sport schicken, wenn er als Erwachsenensport diese Deformationen aufweist. Und deswegen glaubt er, dass er für dieses Problem selbst ein Zeichen setzen muss.</p>
<p>Das zweite Problem, das ist nicht weniger gravierend. Das ist ein gesellschaftliches Problem aller fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Diese Kinder, die heute aufwachsen, sind einer Konsumwelt ausgesetzt, die dazu führt, dass sie sich kaum noch bewegen. Er als Arzt sieht Adipositas als ein Problem, das zu bekämpfen ist. Und er glaubt, dass der Sport dabei einen wichtigen Beitrag erbringen könnte. Und deswegen möchte er mit diesen Olympischen Spielen gleichsam einen Erziehungsprozess in Gang setzen. Ich habe diesbezüglich meine Zweifel, denn Erziehung ist ein sehr schwieriges Geschäft, und man kann nicht mit Großveranstaltungen Kinder erziehen. Eltern haben schon Probleme, Schulen haben schon Probleme, wenn sie heute Kinder und Jugendliche bilden wollen.“</p></blockquote>
<p>Anderen Branchendenkern, wie etwa Eike Emrich, einst Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), fällt es schwer, derlei Gedankengänge nachzuvollziehen. Auf seine Initiative hin hat der DLV vor drei Jahren, unmittelbar nach der Entscheidung des IOC für die Jugendspiele, <a title="German road races" href="http://www.germanroadraces.de/224-0-2452-dlv-denkt-ueber-boykott-nach-jugendspiele.html" target="_blank">einen Boykott angekündigt</a>.</p>
<p>Emrich erinnert sich:</p>
<blockquote><p>“Also die vornehmlichen Gründe für den DLV waren, dass wir befürchtet haben, dass sich das sportliche Wettrüsten in immer frühere Altersbereiche vorverlagert und dass es künftig, auch wenn es von der olympischen Idee erzählt, faktisch um Medaillen, Nationenvergleiche, Rekordergebnisse und Wettbewerbe unter Kindern und Jugendlichen geht. Und dass einige Nationen die Gelegenheit nutzen werden und in der Folge immer mehr eine Art kleine Olympische Spiele zu machen, in der sich alles sportliches Handeln an der Steigerung von Leistung ausrichtet.“</p></blockquote>
<p>Ähnlich dachten zwei deutsche olympische Stars, als sie zum ersten Mal von den Jugendspielen gehört haben. Die zweifache Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8220;Als ich noch nichts darüber wusste, dachte ich: Oh Gott, jetzt fangen die auch noch damit an. Jetzt werden die jungen Leute verheizt. Hauptsache zu den Olympischen Spielen fahren! Da ist überhaupt kein langfristiger Leistungsaufbau mehr denkbar. Da war ich total negativ eingestellt.&#8221;</p></blockquote>
<p>&#8230; und die viermalige Ruder-Olympiasiegerin Kathrin Boron:</p>
<blockquote><p>“Vor den richtigen Olympischen Spielen heißt es immer, wir wollen dort Deutschland vertreten und die Zeit auch genießen. Aber letzten Endes gucken doch alle auf den Medaillenspiegel. Und der Athlet ist derjenige, der zwischen Baum und Borke steht. Wenn es sich dann hinstellt und sagt: Ich will doch hier nur dabei sein, ist es auch nicht die richtige Aussage. Wobei man bei den Jugendspielen das Drumherum bedenken muss. Und da wird ja auch sehr viel gemacht für die Athleten.&#8221;</p></blockquote>
<p>DOSB-Präsident Thomas Bach hat in Singapur die Losung ausgegeben, die Nationenwertung sei uninteressant.</p>
<blockquote><p>&#8220;Beides ist gleich wichtig. Die sportliche Leistung, das ist das, was die Athleten auch bringen wollen. Aber genauso wichtig sind die inhaltlichen Fragen, sind, dass sie dort sich international verständigen, dass sie Freundschaften schließen, dass sie fremde Kulturen kennenlernen, dass sie andere Sportarten kennenlernen. Sie wollen beides. Und das ist, glaube ich, eine gesunde Mischung. Medaillenspiegel? Der interessiert uns wirklich nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Andererseits: Der DOSB hat Ulf Tippelt zum Chef de Mission gemacht. Und der Sachse ist keinesfalls Bildungs-Referent beim DOSB, sondern Leistungssportdirektor. Er sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Spannende liegt darin, dass halt wirklich die besten Sportler, die wir in Deutschland in den Sportarten haben, hier am Start sind, andererseits aber dieser Wettkampf in der Regel nicht der Jahreshöhepunkt gewesen ist. Das sind in der Regel die Junioren-Weltmeisterschaften oder die Junioren-Europameisterschaften gewesen. Andererseits die Athleten hier aber ein Umfeld vorfinden, das dem Olympischer Spiele gleicht, was die Internationalität betrifft, was das Olympische Dorf betrifft, was die Ablenkung betrifft. Ich persönlich bin der Meinung, auch für den leistungssportlichen Werdegang eines Athleten ist das eine hervorragende Erfahrung. Eben wirklich mal einen anderen Wettkampf zu erleben, als man ihn normalerweise immer hat. Da muss man sich drauf einstellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Medaillenvorgaben habe es nie gegeben, erklärt Tippelt. Obwohl einige Verbände im Vertrauen von recht fordernden Anrufen aus der DOSB-Zentrale berichtet haben.</p>
<blockquote><p>&#8220;Das kann ich mir nicht vorstellen. Es kann Anrufe gegeben haben für die Planung, auch unter anderem für den Präsidenten oder unsere Ehrengäste, wo man gefragt hat: Na, wo rechnet ihr euch was aus? Das kann ich mir vorstellen, das ist wohl auch so gewesen. Aber wir haben um Gottes Willen nicht angerufen und in dem Sinne Leistungsdruck oder Erfolgsdruck auf die Verbände ausgeübt.</p>
<p>Wir haben natürlich bei Verbänden nachgefragt, habt ihr Leute in der Weltspitze, die also in der Weltspitze vorn dran sind, wo man dann sagt, das sind Sportarten, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Finalteilnahme ist. Denn weil, wenn unsere Ehrengäste oder auch der Präsident zum Wettkampf gehen, dann wäre es natürlich schade, wenn dort gerade kein Deutscher mit teilnimmt und im Finale ist.&#8221;</p></blockquote>
<p>Inzwischen hat Britta Steffen umgedacht. Sie sei informiert worden – und sehe das inzwischen etwas anders, sagt sie.</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieser ganzheitliche Ansatz: Es geht eben nicht nur um die Goldmedaille. Das ist nicht die Erfüllung von allem. Und wenn wirklich schon vom Körperlichen her weit entwickelt bist und eben nur in der Jugend die Möglichkeit hast, sportlichen Erfolg zu haben, dann ist das deine Plattform. Während die anderen Richtung große Olympische Spiele streben, eben da ihren Vorteil sehen. Also so ist irgendwie alles abgedeckt, wenn man das positiv sieht. Aber man kann natürlich auch sagen: Ist alles blöd. Das bringt es so mit sich, dass die Medaille immer zwei Seiten hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und von einem Boykott der Jugendspiele durch den DLV ist schon lange keine Rede mehr. Natürlich nehmen deutsche Leichtathleten in Singapur teil. Warum nun doch, Eike Emrich?</p>
<blockquote><p>“Das ist eine Mischung von allem gewesen, nehme ich an. Und natürlich auch das Versprechen des IOC, daraus eine Art Feier der Olympischen Idee zu machen. Völkerverständigung, nationenübergreifende Wettbewerbe und so weiter. Wer sich aber die Wirklichkeit anschaut, sieht, dass zwischen olympischer Idee und Betrieb ja schon heute enorme Klüfte bestehen. Und das wird bei den Jugendspielen genau so werden. Das war sozusagen Gewissensberuhigung. Aber die werden sich in die gleiche Richtung bewegen. Nur wird man hier versuchen, die Jugend der Welt früher an die Olympischen Spiele zu binden. Denn das Interesse der Jugend an diesem Ereignis hatte deutlich abgenommen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die sinkenden TV-Quoten waren ein wichtiger Grund für die Einfürhung der Jugendspiele, über den Jacques Rogge heute nur ungern spricht. Denn die olympische Kundschaft drohte zu vergreisen.</p>
<p>Die Einschaltquoten der Fernsehstationen von den Olympischen Spielen waren alarmierend. Im Vergleich zu Barcelona (1992) oder Atlanta (1996) lagen die Quoten 2004 in Athen in der Kernsportart Leichtathletik unter juvenilen Zuschauern um bis zu 50 Prozent niedriger. Die Jugend interessierte sich kaum noch für die Spiele, und in vielen der 35 olympischen Sportarten, die ohnehin weltweit kaum jemand kennt (etwa Gewichtheben, Rodeln, Bobfahren, Ringen, Moderner Fünfkampf), blieb der Nachwuchs aus.</p>
<p>Im Kern wurde das Programm vor mehr als 100 Jahren vom IOC-Gründer Baron de Coubertin geformt. Das IOC hat auf neue Entwicklungen und Trendsportarten selten überzeugende Antworten gegeben – auch weil sich die Verbände <a title="tag: Olympisches Programm" href="http://www.jensweinreich.de/category/olympisches-programm/" target="_self">kollektiv dagegen stemmten und sich gegenseitig ihren olympischen Status sicherten</a>. Für die <a title=".. die Präsidenten der olympischen Weltverbände" href="http://www.jensweinreich.de/2009/07/24/julio-maglione-und-die-prasidenten-der-olympischen-weltverbande/" target="_self">meisten Sportverbände</a> sind die <a title="Lust und Frust: olympische TV-Milliarden" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/09/lust-und-frust-olympische-tv-milliarden/" target="_self">Überweisungen des IOC aus den olympischen Marketingeinnahmen</a> überlebenswichtig.</p>
<p>Bei den Winterspielen gelangen einige Reformen, etwa mit der Einführung von Snowboard oder zuletzt Skicross. Bei den Sommerspielen aber, wo das Programm viel dichter ist, hat man im Grunde versagt. Darauf hat <a title="Olympias Milliardenmann: Dick Ebersol" href="http://www.jensweinreich.de/2009/03/30/dick-ebersol-olympias-milliardenmann/" target="_self">Dick Ebersol, Sportchef von NBC Universal</a>, zuletzt etwa bei SportAccord 2009 in Denver energisch hingewiesen &#8211; und damals auch gesagt, das IOC riskiere und teste mit den Jugendspielen nicht genug. Rogge hat die Botschaft verstanden.</p>
<p>Die Jugendspiele sollen nun viele Probleme lösen. Sie sollen die Kids zum Sporttreiben animieren, sie sollen den Sportverbänden Nachwuchs generieren, sollen Olympia hip und attraktiv machen und neue Kundschaft heranwachsen lassen – für Verbände, Fernsehanstalten und Sponsoren: Die Finanziers des Olympiakonzerns verstanden als erste, wie wichtig Rogges Projekt ist.</p>
<p>Rogge hat das IOC finanziell hervorragend aufgestellt. Die Rücklagen steigen kontinuierlich. Da blieben einige Dutzend Millionen für die Promotion der Jugendspiele übrig, die einher geht mit groß angelegten Aktivitäten im Bereich Social Media. Youtube, Facebook, Twitter, Flickr: Hier finden die Jugendspiele statt. Es ist nicht immer professionell, was das IOC dort macht, aber wirkungsvoll, denn die Zugriffszahlen steigen rasant. Und die TV-Quoten stiegen zuletzt auch, was unter anderem daran liegt, das mit China ein neuer Markt mit sehr jungen Zuschauern erschlossen wurde.</p>
<p>Heute stellt Rogge die Lage so dar, als hätte es nie ein Problem gegeben. Das ist natürlich ein bisschen geflunkert.</p>
<blockquote><p>“Die Zahlen sind gut, besonders die Quoten im Bereich der 12- bis 24-jährigen Fernsehzuschauer. Das war bei den Winterspielen Vancouver so – und davor auch in Peking. Wir stehen gut da, besonders seit wir das olympische Programm verändert haben. Die neuen Disziplinen – wie Snowboard, BMX oder Mountainbike – haben viele junge Zuschauer gefunden.</p>
<p>Wir werden diesen Weg weiter gehen. Man muss investieren, auch wenn die Zahlen gut sind und einen zufrieden stellen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Womit Rogge kurz vor den ersten Jugendspielen weitere Änderungen im olympischen Programm ankündigte. Erstmals sprach er so klar aus, dass die Jugendspiele letztlich auch ein Testwettbewerb für die großen Spiele sind.</p>
<blockquote><p>“Ich denke, da wird es viele Dinge geben, die wir von den Jugendspielen für die traditionellen Olympischen Spiele übernehmen werden. Es ist vielleicht noch etwas zu früh, darüber zu reden. Aber zum Beispiel die Frage, neue Disziplinen oder neue Formate zu entwickeln. Das sollten wir, wenn es erfolgreich ist, auf die traditionellen Spiele anwenden.&#8221;</p></blockquote>
<ul>
<li>Seine Haltung hat er kürzlich in einem Interview mit der Zeitung Der Tagesspiegel einmal mehr dargelegt: <a title="zeit.de" href="http://www.zeit.de/sport/2010-07/rogge-olympia-jugendspiele?page=all" target="_blank">&#8220;Die Olympischen Jugendspiele sollen den Sport verändern&#8221;</a></li>
</ul>
<p>Man darf davon ausgehen, dass die Programmreform, mit der er mehrfach schwer scheiterte, Rogges letztes großes Ziel als IOC-Präsident ist, bevor er 2013 nach zwölf Jahren Amtszeit satzungsgemäß abtritt.</p>
<p>Helmut Digel glaubt allerdings nicht, dass das einfach wird.</p>
<blockquote><p>“Also ich glaube, dass diese Idee, dass man die Olympischen Jugendspiele benutzen könnte als Erprobungsspiele, als Spielwiese für die internationalen Verbände, dass diese Idee von den Verbänden nicht aufgegriffen wird. Aber auch die Verbände, die beispielsweise drei gegen drei Basketball spielen bei den Jugendlichen, die werden ihre Variante bei den Erwachsenen nicht aufrechterhalten. Oder ihre entsprechende Beachvolleyballvariante wird der Volleyballverband beibehalten. Er wird nicht eine neue Beachvolleyballvariante hinzufügen.</p>
<p>Das Problem ist, wie die Athleten diese Wettkämpfe ausführen, wer im Hintergrund diese Athleten beeinflusst, welche Umwelt der Sport aufgebaut hat, ja welche dubiose Welt im Sport existiert mittlerweile, das ist das Problem. Insofern glaube ich, ist es ein völlig falscher Ansatz, dass man nun glaubt, man müsste den Jugendlichen ihre Trendsportarten anbieten, dann könnte man die Jugendlichen schon für sich gewinnen. Warum die Jugend sich teilweise vom Sport abgewendet hat, das sind ganz andere Gründe. Die Sportarten, die attraktiv für die Jugendlichen gestaltet worden, haben nach wie vor ihre Jugendlichen binden können. Aber sie werden immer nur eine begrenzte Anzahl von Jugendlichen an sich binden. Und das ist auch gut so. Jugendliche haben unterschiedliche Interessen. Die einen wollen Musik machen. Die anderen interessieren sich für Politik. Und es gibt auch Jugendliche, die sich für Leistungssport interessieren. Darin sehe ich nicht das Problem. Das Problem ist, wie der Sport insgesamt auftritt, wie er sich selbst präsentiert und inszeniert, und wie er sich vor allem vervielfältigt, wie er immer umfangreicher, gleichsam imperialistischer wird bezogen auf sein Auftreten. Und hier hätten diese Spiele durchaus ihre Funktion, wenn man ein Gegenmodell im Sinne der Bescheidenheit und im Sinne der Nichtkommerzialisierung hätte setzen kann. Aber da habe ich eben meine Zweifel.</p>
<p>Die Eröffnungsfeier war wahrlich spektakulär. Die Gefahr besteht nun, dass der nächste Ausrichter diese Eröffnungsfeier überbieten möchte. Und dann befinden wir uns wieder im gleichen Zirkel, den man schon bei den anderen Spielen hat beobachten können, dass das Problem des Steigerungsimperativs – eben höher, schneller, weiter – eben der allgemeine Imperativ wird für alles, was den Sport betrifft. Und darin hat er offensichtlich ein Steuerungsproblem. Er kann aus sich selbst heraus keine Stoppregeln mehr formulieren, sondern er ist in einem ständigen Steigerungsprozess. Und das ist vor allem geprägt durch das Geld, denn es geht im Wesentlichen um die Steigerung der Einnahmen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Trotz allem sieht Digel Rogge mit den Jugendspielen auf einem richtigen Weg.</p>
<blockquote><p>“Aber was Jacques Rogge mit diesen Jugendspielen sicher erreicht, dass ist, dass er symbolisch in der Welt des Sports ein Zeichen setzt. Es kommt nicht von ungefähr, dass die meisten ihn kritisieren, dass sie eigentlich gar nicht engagiert mitarbeiten wollen bei diesen Olympischen Jugendspielen. Auch wenn sie einstimmig abgestimmt haben, das ist typisch für den Weltsport, so gibt es doch intern eine große Opposition. Nach wie vor glauben viele Fachverbände, man braucht diese Wettkämpfe nicht. Und das kreative Element, das sich Jacques Rogge von diesen Spielen versprochen hatte, das haben bisher nur einige Verbände erfüllt. Aber immerhin, er hat auch mit der Eröffnungsfeier, mit den Botschaften, zunächst einmal ganz andere Zeichen den Verbänden, den Funktionären, und das ist wichtig, den Funktionären, die in diesen Verbänden Verantwortung übernommen haben, gesetzt. Und er hat damit so etwas wie eine Gegenwelt konstruiert. Ob die sich auf Dauer halten lässt, und ob er damit am Ende sogar Strukturen beeinflusst, das muss man aus der Sicht von heute bezweifeln.&#8221;</p></blockquote>
<p>Größte Zweifel an Idee und Umsetzung der Jugendspiele hatte der Kanadier Richard Pound, einer der wichtigsten und einflussreichsten IOC-Mitglieder der vergangenen Jahrzehnte. Pound hat sich mit seiner offenen Art und dem Kampf gegen Doping und Korruption keine Freunde gemacht im IOC. Aber er bleibt sich treu &#8211; und <a title="Der Jugend nah - und doch so fern ..." href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/16/dick-pound-bleibt-den-jugendspielen-fern/" target="_self">so bleibt er, der einzige Kritiker der Olympischen Jugendspiele, diesem Mini-Olympia fern</a>. Richard Pound zieht einen Familienurlaub vor und kommt nicht nach Singapur, wo bis Ende August fast alle IOC-Mitglieder erwartet werden.</p>
<p>Es wäre heuchlerisch, es wäre verlogen, bei einer Veranstaltung zu erscheinen, die er so vehement kritisiert hatte und von der er immer noch nicht überzeugt ist, teilt Pound mit.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich werde nicht noch mehr Geld des IOC für eine teure Reise zu etwas ausgeben, an das ich nicht glaube!&#8221;</p></blockquote>
<p>Pounds Fernbleiben ist natürlich auch eine Ohrfeige für Rogge. Pound dagegen hat das Konzept schon 2007 auf der IOC-Session in Guatemala in Frage gestellt. Rogge redet unentwegt davon, ein weltweites Bildungs- und Erziehungsprogramm anzubieten. Pound hält entgegen, das IOC erreiche mit den Jugendspielen nicht viel mehr als jene Jugendlichen, die ohnehin schon Sport treiben, also nur eine Elite von vielleicht zwei Prozent. Und Pound hat seine Überzeugung deutlich gemacht, dass er das Dopingproblem durch diese Jugendspiele weiter in die unteren Altersklassen verlagert sieht.</p>
<p>Eike Emrich hat grössten Respekt vor der Entscheidung von Pound. Und er weiß, dass fast alle hohen Sportfunktionäre anders denken:</p>
<blockquote><p>&#8220;Man ist dort, wird gefeiert, begegnet sich gegenseitig. Also man entkoppelt Denken, Reden und Randeln, und das ganze noch damit garniert, dass es angeblich um die olympische Idee geht. Die betrieblichen Entgleisungen muss man sich ja nicht direkt anschauen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Walther Tröger dagegen, IOC-Ehrenmitglied und langjähriger Kollege von Pound, meint, es wäre besser gewesen, Pound hätte sich die Jugendspiele angesehen, um dann seine Kritik fundierter vorzubringen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Das akzeptiere ich auch. Ich bin mit Dick Pound befreundet, seit vielen Jahren, seit den Spielen in Montreal haben wir eine enge Beziehung. Ich habe häufig mit ihm diskutiert, war oft auf seiner Linie, nicht immer, muss ich sagen. Aber ich habe für eine solche Haltung durchaus Verständnis. Nun muss man auch sehen: Ihm sind auch nicht alle Früchte gereift, die er gerne geerntet hätte. Das spielt vielleicht eine Rolle. Aber er ist sehr sachkundig. Er diskutiert zur Sache und er entscheidet zur Sache. Und wenn er der Meinung ist, nein zu sagen und dabei zu bleiben, dann akzeptiere ich das.&#8221;</p></blockquote>
<p>Helmut Digel gehört zu jenen, die zwar kritisieren, aber dann doch stets dabei sind und, wie hier, im Ritz-Carlton logieren. Er war Mitglied des Vorbereitungskomitees und gehört jetzt zu den so genannten Observern, die ihre eigenen Vorbereitungen observen. Über seine Wende vom Kritiker zum Gestalter spricht er u.a. in diesem DLF-Interview mit Astrid Rawohl:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1925_d9721d06.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Und gleich noch ein Interview, mit Ingo Weiss, Chef der Deutschen Sportjugend und Präsident des Deutschen Basketball-Bundes:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/15/dlf_20100815_1920_19d8368a.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Als gewesener Kritiker und unbequemer Geist hat Digel natürlich Verständnis für Pounds Entscheidung:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich kann ihn verstehen. Ich respektiere auch seine Haltung. Er war für mich in allem ein engagierter und konstruktiver Kritiker. Wenn es um die Gefährdung des Hochleistungssports geht, hat er immer die Probleme beim Namen genannt. Pound ist nicht beliebt in der olympischen Familie. Er hat mehr Gegner als Freunde. Aber die meisten wissen auch, dass ohne Pound heute die Situation des IOC weit gefährlicher wäre. Denn er hat immerhin für die WADA Beispielhaftes geleistet. Und er hat den Antidopingkampf salonfähig gemacht, auch gegenüber der Politik. Und wenn er kritische Zusammenhänge sieht, ich denke, damit muss auch Jacques Rogge leben, dass er solche Kritiker hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Leicht fällt es ihm nicht.</p>
<p>[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.<a href="http://www.jensweinreich.de/2010/08/17/hoher-schlauer-junger/">Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]</a><br />
<a href="http://flattr.com/thing/50736/Hoher-schlauer-junger-Uber-Sinn-und-Unsinn-Chancen-und-Risiken-der-Olympischen-Jugendspiele" target="_blank"><br />
<img src="http://api.flattr.com/button/button-compact-static-100x17.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0" /></a></p>
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		<title>Wie DOSB und BMI den Bundestags-Sportausschuss narren</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2010/03/06/wie-dosb-und-bmi-den-bundestags-sportausschuss-verarschen/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 19:48:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nachklapp zur Schein-Debatte im Bundestags-Sportausschuss, zum sportpolitischen Komplex und dem so genannten Antidopingbericht 2008. Zum Reinhören: Gerade hat Astrid Rawohl im Deutschlandfunk ein ausführliches Interview mit der DLV-Vizepräsidentin und Sportausschuss-Chefin im Bundestag geführt, mit Dagmar Freitag (SPD). Es ist in gewisser Weise ein Dokument der Hilflosigkeit, Frau Freitag muss mehrfach schwer schlucken. Wer aufmerksam zuhört, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachklapp zur Schein-Debatte im Bundestags-Sportausschuss, zum <a title="Der sportpolitische Komplex oder: Dopingmängel bei den Goldverbänden BSD und DESG" href="http://jensweinreich.de/2010/03/03/der-sportpolitische-komplex-oder-dopingverstose-der-goldverbande-bsd-und-desg/" target="_self">sportpolitischen Komplex</a> und dem so genannten <a title="Dopingbericht 2008: die 19 säumigen Verbände" href="http://jensweinreich.de/2010/03/04/dopingbericht-2008-die-19-saumigen-verbande/" target="_self">Antidopingbericht 2008</a>. Zum Reinhören: Gerade hat Astrid Rawohl im Deutschlandfunk ein ausführliches Interview mit der DLV-Vizepräsidentin und Sportausschuss-Chefin im Bundestag geführt, mit Dagmar Freitag (SPD). Es ist in gewisser Weise ein Dokument der Hilflosigkeit, Frau Freitag muss mehrfach schwer schlucken. Wer aufmerksam zuhört, dürfte die These der Überschrift bestätigt finden:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/03/06/dlf_20100306_1941_208411c5.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Ich finde ja, demnächst sollte man sich mehr um jene kümmern, die <em>imho</em> ein bisschen Demokratie aushebeln &#8211; wie auch Dagmar Freitag eindrücklich beschrieben hat: Allen voran der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner (CDU/SV Halle), die BMI-Sportabteilung, die FDP-Bundestagssportler um Joachim Günther und die CDU/CSU-Clique um Klaus Riegert (Schwäbischer Turnerbund) und Eberhard Gienger (DOSB-Vizepräsident) und natürlich DOSB-General Michael Vesper von den Bündnisgrünen.</p>
<p>Einige Informationen mehr zur traurigen Posse um den Antidopingbericht 2008 von Grit Hartmann im DLF:</p>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/03/06/dlf_20100306_1937_60d3e4e9.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Und hier jener Brief, den DOSB-General Vesper am 4. März an betroffene Verbände geschickt hat.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-7225" title="Vesper Brief vom 4. März 2010, Seite 1" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/03/vesper-brief-1.gif" alt="" width="530" height="750" /><br />
<span id="more-7219"></span><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-7226" title="Vesper Brief vom 4. März 2010, Seite 2" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/03/vesper-brief-2.gif" alt="" width="530" height="498" /></p>
<p>Den Bericht des BVA reiche ich vielleicht noch nach. Ich müsste allerdings erst etliche Daten schwärzen oder weißen. Mal sehen. Mir geht es weniger um einzelne Namen, sondern vor allem um Strukturen.</p>
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		<title>9. November</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/11/09/9-november/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 13:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das war die wichtigste Seite der Tageszeitung &#8220;Deutsches Sportecho&#8221; vom 9. November 1989, den ich an meinem Roten Kloster in Leipzig verbracht habe. Der DTSB wollte das Ruder herumreißen, irgendwie. Das Sportecho war Bückware in der DDR, es war &#8211; wenn ich mich recht erinnere &#8211; Organ des Bundesvorstandes des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das war die wichtigste <a title="pdf: Deutsches Sportecho vom 9. November 1989" href="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/sportecho-09111989.pdf" target="_blank">Seite</a> der Tageszeitung &#8220;Deutsches Sportecho&#8221; vom 9. November 1989, den ich an meinem <a title="&quot;Der Appetit kam beim Essen&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=2534" target="_self">Roten Kloster</a> in Leipzig verbracht habe. Der DTSB wollte das Ruder herumreißen, irgendwie. Das Sportecho war Bückware in der DDR, es war &#8211; wenn ich mich recht erinnere &#8211; Organ des Bundesvorstandes des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der Deutschen Demokratischen Republik. Oder so.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-5777" title="Deutsches Sportecho, 9. November 1989" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/se1-09111989.jpg" alt="" width="500" height="389" /><img class="aligncenter size-full wp-image-5778" title="Deutsches Sportecho, 9. November 1989" src="http://jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/se2-09111989.jpg" alt="" width="500" height="377" /></p>
<p>Jedenfalls werde ich gerade sehr melancholisch. Habe am Schreibtisch nebenbei &#8220;Das Leben der Anderen&#8221; gucken wollen. So ganz nebenbei ist es dann doch nicht geworden. Mit einer Chronik des Sports wollte ich die Turbulenzen des Herbstes 89 und des Jahres 1990 eigentlich immer mal begleiten. Einige Notizen habe ich in den vergangenen Wochen für den Deutschlandfunk zusammengetragen. Es geht viel schöner, professioneller, umfassender, korrekter &#8211; ich weiß. Es gäbe viel mehr zu sagen. Darüber sind ja schon Bücher geschrieben worden, wenngleich wenige richtig gute. Wohin mit all den Dokumenten, Akten und Erinnerungen? Das nächste Jubiläum kommt bestimmt, dann kann man/ich die Sache etwas gründlicher angehen. Vielleicht. Meine wichtigste Geschichte dieses Jahres hat auch mit dem DDR-Sport zu tun, es ist die Geschichte der <a title="Johanna Sperling: &quot;Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!&quot;" href="http://jensweinreich.de/?p=4893" target="_self"><strong>Johanna Sperling</strong></a>.</p>
<p>Wer reinhören mag, hier einige Impressionen einer kleinen Sport-Wendechronik, die der Deutschlandfunk in den kommenden Wochen in unregelmäßigen Abständen hoffentlich fortsetzt. Es sind bisher 20 Minuten geworden &#8211; und das Thema ist nur ansatzweise ohne Anspruch auf Vollständigkeit behandelt.</p>
<p><a href="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2009/11/Teile1-3.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Den erweiterten Text werde ich demnächst online stellen, um gemeinsam daran zu arbeiten, jeder der Lust hat, ist herzlich eingeladen &#8211; bis zum 3. Oktober 2010 ist ja noch etwas Zeit. Suche gerade das passende Tool.</p>
<ul>
<li>Absolut zu empfehlen: Herbert Fischer-Solms im DLF-Sportgespräch mit <strong>Roland Jahn</strong> und <span style="color: #000000;"><strong>Manfred Kruczek</strong></span>, vor denen ich größten Respekt habe, zur &#8220;Rolle des Sports bei der deutschen Vereinigung&#8221;.</li>
</ul>
<p><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/11/08/dlf_20091108_2330_854f4c51.mp3" target="_self">:</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Was vom Tage übrig bleibt (47): Koalitionsvertrag, Klaue, &#8220;Pechstein-Studie auf Staatskosten&#8221;</title>
		<link>http://www.jensweinreich.de/2009/10/28/was-vom-tage-ubrig-bleibt-47-koalitionsvertrag-klaue-pechstein-studie-auf-staatskosten/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 10:27:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Selbst wenn einiges bereits verlinkt wurde, diskutierenswert ist es allemal. Einige Lesebefehle und Empfehlungen. Das sagt der Koalitionsvertrag (Entwurfsversion) von CDU, CSU und FDP im weitesten Sinne zum Sport: Seite 14: Der Zugang von ausländischen Hochqualifizierten und Fachkräften zum deutschen Arbeitsmarkt muss systematisch an den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarkts ausgerichtet und nach zusammenhängenden, klaren, transparenten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selbst wenn einiges bereits verlinkt wurde, diskutierenswert ist es allemal. Einige Lesebefehle und Empfehlungen.</p>
<ul>
<li>Das sagt der <span style="color: #000000;"><strong>Koalitionsvertrag </strong></span>(<a title="Koalitionsvertrag 2009-2013" href="http://www.cdu.de/doc/pdfc/091024-koalitionsvertrag-cducsu-fdp.pdf" target="_blank">Entwurfsversion</a>) von CDU, CSU und FDP im weitesten Sinne zum Sport:</li>
</ul>
<p>Seite 14:</p>
<blockquote>
<p align="left">Der Zugang von ausländischen Hochqualifizierten und Fachkräften zum deutschen Arbeitsmarkt muss systematisch an den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarkts ausgerichtet und nach zusammenhängenden, klaren, transparenten und gewichteten Kriterien wie beispielsweise Bedarf, Qualifizierung und Integrationsfähigkeiten gestaltet werden. Darüber hinaus werden wir Regelungen zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, Arbeitsplatzannahme für Studenten mit deutschem Hochschulabschluss, für Künstler und Sportler sowie für Saisonarbeitskräfte überprüfen und Vereinfachungen anstreben.</p>
</blockquote>
<p>Seite 69:</p>
<blockquote>
<p align="left">Mit dem Programm „Integration durch Sport&#8221; wollen wir besonders Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund ansprechen, um sie als Teilnehmer und auch Übungsleiter zu gewinnen.</p>
</blockquote>
<p>Seiten 88/89:</p>
<blockquote>
<p align="left">Wir wissen, dass Sport für die Aktivierung und den Zusammenhalt einer modernen Gesellschaft unverzichtbare Beiträge leistet und dass Deutschland auf großartige Traditionen und Leistungen im Sport verweisen kann, die es zu bewahren und zu entwickeln gilt. Deshalb werden wir unsere Aufgaben als Partner und Förderer des Sports mit besonderer Verantwortung wahrnehmen. Wir streben an, im Rahmen der Kompetenzen und Möglichkeiten des Bundes den Erhalt und Ausbau von Sportstätten in Deutschland weiter zu fördern.</p>
<p align="left"><strong>Spitzensportförderung</strong></p>
<p align="left">Wir werden die finanzielle Förderung des Spitzensports in Deutschland auf hohem Niveau fortführen. Die Bemühungen, Spitzensportlerinnen und -sportlern mit Behinderung den Zugang zu einer „dualen Karriere&#8221; zu eröffnen, werden wir intensivieren.</p>
<p align="left"><strong>Bewerbung München 2018</strong> </p>
<p align="left">Olympische und Paralympische Spiele sind <a title="Copy and paste im Bundestag ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4064" target="_self">herausragende Sportereignisse</a>. Die Bewerbung der Stadt München um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 und, bei Zuschlag durch das IOC im Juli 2011, deren Ausrichtung, sind ein <a title="Wie Mann (CSU) sich um einen Platz im Olympia-Aufsichtsrat bewirbt" href="http://jensweinreich.de/?p=2884" target="_self">nationales Anliegen</a> im gemeinsamen <a title="Was das BMI zur Olympiafinanzierung sagt" href="http://jensweinreich.de/?p=2889" target="_self">Interesse von Bund, Land und Kommunen</a> und werden weiterhin <a title="Bundestag zu München 2018: demokratiewidriger Striptease?" href="http://jensweinreich.de/?p=4073" target="_self">gefördert und unterstützt</a>.</p>
<p align="left"><strong>Anti-Doping-Politik</strong></p>
<p align="left">Für das Selbstverständnis unserer Sportpolitik ist die Autonomie des Sports und seiner Verbände von zentraler Bedeutung. Wir wollen den Sport bei der Sicherung und Realisierung seiner Werte unterstützen. Im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit steht dabei die <strong><a title="alle Beiträge zur Finanzierung von Dopingtrainern mit Steuermitteln" href="http://jensweinreich.de/?cat=921" target="_self">konsequente</a></strong> <a title="alle Beiträge zum Bundestags-Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?cat=440" target="_self">Bekämpfung von Doping</a> im Zusammenwirken von sportlichen Sanktionen und strafrechtlichen Verfolgungsmaßnahmen. Für uns ist nur <a title="München wirbt mit hochdekoriertem Anabolika-Doper" href="http://jensweinreich.de/?p=5144" target="_self">dopingfreier Sport förderungswürdig</a>. Wir werden den im Sommer 2009 zwischen Bund, Ländern, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) verabschiedeten Nationalen <a title="tag: Prävention, Doping, Korruption" href="http://jensweinreich.de/?s=pr%C3%A4vention" target="_self">Dopingpräventionsplan</a> umsetzen. Die Forschung zur Bekämpfung des Dopings muss gezielt weiter gefördert werden.</p>
<p align="left">Ziele wie die Bekämpfung von Doping, die Einordnung der autonomen Sportbewegungen und ihrer Regeln in den europäischen Rechtsrahmen können vor allem in länderübergreifender Weise effektiv wahrgenommen werden. Wir werden deshalb die internationale sportpolitische Zusammenarbeit verstärken.</p>
</blockquote>
<p>Zum Vergleich, im <a title="Koalitionsvertrag 2005-2009" href="http://www.cdu.de/doc/pdf/05_11_11_Koalitionsvertrag.pdf" target="_blank">Koalitionsvertrag</a> von CDU, CSU und SPD hieß es im Jahr 2005:</p>
<p>Seite 80:</p>
<blockquote>
<p align="left"><strong>Förderung Sport</strong></p>
<p align="left">Die Koalitionsparteien führen das Sonderförderprogramm „Goldener Plan Ost&#8221; für den Sportstättenbau in Ostdeutschland fort.</p>
</blockquote>
<p>Seite 106:</p>
<blockquote>
<p align="left">Es geht um Vielfalt, Respekt für andere, Demokratie, Toleranz und die Bekämpfung des Antisemitismus. Wir wollen, dass Jugendliche vor Ort motiviert werden und in ihrem Engagement verlässlich unterstützt werden. Dabei setzen wir auf ein engeres Zusammenwirken mit Ländern und Kommunen, mit Medien, den Kirchen, Wirtschaft, Gewerkschaften, Sportvereinen, den Jugendverbänden und vielen anderen. Integrierte lokale Strategien sind besonders Erfolg versprechend. Es gilt, künftig noch stärker Brücken zu den Projekten zu schlagen, die sich mit gefährdeten bzw. in der rechten Szene bereits gefestigten Jugendlichen beschäftigen.</p>
</blockquote>
<p>Seite 115:</p>
<blockquote>
<p align="left"><strong>Deutschland &#8211; Sportland</strong></p>
<p>Deutschland ist ein anerkanntes Sportland mit sportbegeisterten Menschen. Sport bewegt die Menschen und fördert die soziale Integration. Er ist als Prävention gegen zunehmenden Bewegungsmangel insbesondere bei Kindern und Jugendlichen verstärkt zu nutzen und zu unterstützen. Die Grundlage des deutschen Sports sind die Vereine, die wiederum auf das Engagement vieler ehrenamtlich Tätiger angewiesen sind. Wir wollen den Breiten-, Spitzen- und Behindertensport weiter fördern. Breiten- und Spitzensport bedingen und brauchen einander. Der Spitzensport rekrutiert sich immer wieder aus den Besten des Breitensports und die Spitzenleistungen der Athleten ziehen Millionen Zuschauer in ihren Bann. Wir freuen uns auf die vielen Welt- und Europameisterschaften in unserem Land und insbesondere auf die Fußballweltmeisterschaft 2006, bei der sich Deutschland als gastfreundliches, weltoffenes und sportbegeistertes Land präsentieren wird. Wir werden uns weiterhin für herausragende internationale Sportereignisse bewerben.</p>
<p align="left">Wir werden die Neuorganisation des deutschen Spitzensports positiv begleiten und sein Bemühen um einen sauberen und fairen Sport unterstützen. Deutschland wird seine Verpflichtungen aus dem Welt-Anti-Doping-Code umsetzen.</p>
</blockquote>
<p>So weit, so gut.</p>
<p>Praktische Sportpolitik sieht in Deutschland so aus: <span id="more-5687"></span></p>
<ul>
<li>&#8220;<a title="FAZ vom 27. Oktober 2009" href="http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E01F4F5FF00754D35815FF80BAEE71653~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Doping-Verfahren: Pechstein-Studie auf Staatskosten</a>&#8220;, Evi Simeoni in der <strong>FAZ</strong></li>
</ul>
<p>Wieder mal Steuermittel. <a title="Der Kampf um die Deutungshoheit ..." href="http://jensweinreich.de/?p=4576" target="_self">Wieder mal</a> ein &#8220;<a title="Inszenierung mit Parteigutachten" href="http://jensweinreich.de/?p=4554" target="_self">Gutachter</a>&#8221; von der Charité.</p>
<blockquote><p>„Wir können Ihnen bestätigen, dass für Frau Pechstein eine Kostenzusage zu einer Untersuchung in der Charité zu Lasten der Heilfürsorge der Bundespolizei gegeben wurde“, erklärte das Ministerium. „Dies geschah, um krankheitswertige hämatologische Störungen auszuschließen.“ Und weiter: „Auch bei allen anderen Bundespolizisten und -polizistinnen werden ggf. solche Untersuchungen zur Abklärung unklarer Befunde in Auftrag gegeben.“ Dame, bisher in der Boulevard-Presse nur als „Professor x“ bekannt, legt Wert darauf, dass seine Studie nicht von Claudia Pechstein, sondern von der Bundespolizei in Auftrag gegeben wurde, er also nicht als bestellter Gutachter anzusehen sei.</p></blockquote>
<p>Dazu klärt &#8220;ha&#8221; in den <a title="Kommentare zu: ... der Kampf um die Deutungshoheit" href="http://jensweinreich.de/?p=4576#comment-15312" target="_self">Kommentaren</a> auf:</p>
<blockquote><p>Mit der Heilfürsorge der Bundespolizei scheint es sich im übrigen wie mit Doping-Indizien zu verhalten &#8211; alles eine Frage der Interpretation. Anspruch auf Kostenerstattung besteht nach dieser <a title="Bundespolizeigewerkschaft.de" href="http://www.bundespolizeigewerkschaft.de/infothek/bgv_ratgeber/heilfuersorge.pdf" target="_blank">BMI-Verwaltungsvorschrift</a>: </p>
<p>a) zur Verhütung von Krankheiten und von deren Verschlimmerung,<br />
b) zur Früherkennung von Krankheiten,<br />
c) zur Behandlung einer Krankheit,<br />
d) zur medizinischen Rehabilitation,<br />
e) zur Pflege (&#8230;)</p>
<p>Kosten für aufwändigere Behandlungen, die den in dieser Allgemeinen Verwaltungsvorschrift festgelegten Leistungsumfang übersteigen, werden nicht auf Heilfürsorgemittel übernommen. Sich aus einer aufwändigeren Behandlung ergebende Mehrkosten sind von der/dem Heilfürsorgeberechtigten selbst zu tragen. Ferner werden grundsätzlich keine Kosten auf Heilfürsorgemittel für Leistungen übernommen, die in dem in dieser Allgemeinen Verwaltungsvorschrift enthaltenen Leistungsumfang nicht aufgeführt sind.</p></blockquote>
<p>Wer wird neuer Chef des <a title="alle Beiträge zum Bundestags-Sportausschuss" href="http://jensweinreich.de/?cat=440" target="_self">Bundestags-Sportausschusses</a>? Der Turner und DOSB-Lobbyist <a title="tag: Eberhard Gienger" href="http://jensweinreich.de/?s=gienger" target="_self">Eberhard Gienger</a> (CDU), der sich nicht daran erinnern kann, einmal eine Entscheidung als Parlamentarier gegen die Interessen des DOSB, dessen Vizepräsident Leistungssport er ist, getroffen zu haben? Wird der Ausschuss endgültig zur Lachnummer oder siedelt nach Nordkorea aus, sollte ein DOSB-Vizepräsident Chef eines &#8220;demokratisch legitimierten&#8221; Kontrollorgans werden? Und wird der Sportausschuss künftig wieder in geschlossenen Runden tagen (oder etwa in Pjöngjang), wie ich einige Male orakelt habe?</p>
<p>Herbert Fischer Solms im <strong>Deutschlandfunk</strong> mit einigen Informationen &#8230;</p>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/10/25/dlf_20091025_1933_a7bc536d.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>&#8230; und im Interview mit dem gewesenen Sportausschuss-Chef <a title="tag: Peter Danckert" href="http://jensweinreich.de/?s=danckert" target="_self">Peter Danckert</a> (SPD)</p>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/10/25/dlf_20091025_1935_e800bcea.mp3" target="_self">:</a></p>
<p>Auch interessant, mal wieder ein Medienthema:</p>
<blockquote><p><a title="DOSB" href="http://www.dosb.de/de/organisation/verbands-news/detail/news/christian_klaue_wird_neuer_pressesprecher_des_dosb/9746/cHash/4e8a90346d/" target="_blank">Christian Klaue wird neuer Pressesprecher des DOSB</a></p>
<p>Christian Klaue wird zum 1. November neuer Pressesprecher des DOSB. Der 34-Jährige kommt vom Sport-Informations-Dienst (SID) und tritt die Nachfolge des bisherigen Ressortleiters Gerd Graus an. </p>
<p>Als neuer Chefredakteur der DOSB-Medien kommt Jörg Stratmann nach Frankfurt. Der 55-Jährige war zuletzt Ressortleiter Sport und Lokales beim Bonner General-Anzeiger und übernimmt die Aufgaben von Walter Mirwald, der seit 1. Oktober das neu ins Leben gerufene Projekt &#8220;Gedächtnis des Sports&#8221; leitet.</p>
<p>Der aus Wernigerode im Harz stammende Christian Klaue arbeitete von 2006 bis 2009 als SID-Redakteur mit den Schwerpunkten Sportpolitik/Olympia und Leichtathletik im Berliner SID-Büro. Er wird in seiner neuen Funktion auch Sprecher des DOSB-Präsidiums und des DOSB-Präsidenten Thomas Bach.</p>
<p>Der Bonner Jörg Stratmann, mehrmaliger deutscher Meister und Olympiateilnehmer 1984 im Säbelfechten, arbeitete seit 1986 als Redakteur bei der Tageszeitung „Die Welt&#8221; und anschließend als Korrespondent für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung&#8221; mit den Schwerpunkten Sportpolitik/Olympia, ehe er 2005 zum General-Anzeiger wechselte.</p></blockquote>
<p>Was Christian Klaue und der Fechter Jörg Stratmann bisher sportpolitisch formuliert und wie kritisch/unkritisch sie waren, etwa im Umgang mit dem Fechter UDIOCM (FDP) kann jeder selbst leicht mit einem Blick ins Archiv überprüfen. Ich bedauere die Entscheidung von Christian Klaue, kann seinen Schritt allerdings auch verstehen und wünsche ihm viel Erfolg, ganz ehrlich, auch im Umgang mit renitenten DOSB-Berichterstattern. Mal sehen, wo das hinführt. Ich kann (fast) jeden verstehen, der in diesen schweren Zeiten, da der Journalismus flächendeckend zusammen bricht (zumindest der auf dem freien Markt, nicht der alimentierte), das Metier wechselt. Ich denke auch, dass Christian Klaue eine ganz andere, eine halbwegs transparente Art der Pressearbeit anstreben wird. Sein Risiko, sich in den täglichen Nahkampf mit Thomas Bach (FDP) und Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) zu begeben, wird er mannhaft tragen müssen. Dafür wird er künftig bezahlt.</p>
<p>Journalistisch &#8211; unter dem Aspekt der Meinungsvielfalt &#8211; ist die Entscheidung Klaues ein großer Verlust. Der SID hat sportpolitisch unter seiner Verantwortung seit Sommer 2008, seit der <a title="Beiträge zu Dieter Hennig, SID, Peking 2008" href="http://jensweinreich.de/?s=dieter+hennig" target="_self">Affäre Hennig</a>, sehr schnell an Profil gewonnen und ein breiteres Spektrum abgedeckt. Der Konkurrent dpa wurde imho trotz deutlich schlechterer Rahmenbedingungen deutlich distanziert &#8211; mit Engagement, Niveau und Interesse an der Sache.</p>
<p>Ich glaube nicht, dass der SID auf die Schnelle einen echten Nachfolger für Christian Klaue herbei zaubern kann. Schaue ich mir einige Meldungen der vergangenen Tage an &#8211; etwa zur Olympiabewerbung Münchens, wo scheinbar jede Blähung zur Geschichte aufgeblasen wird -, glaube ich zu ahnen, in welche Richtung es geht. Zumal: Die Nähe des SID zur Otto-Fleck-Schneise und den dortigen Institutionen ist traditionell gegeben.</p>
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