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> <channel><title>jens weinreich &#187; aiba</title> <atom:link href="http://www.jensweinreich.de/category/aiba/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.jensweinreich.de</link> <description>don&#039;t mix politics with games</description> <lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 22:16:51 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>â€  Anwar Chowdhry</title><link>http://www.jensweinreich.de/2010/06/22/%e2%80%a0-anwar-chowdhry/</link> <comments>http://www.jensweinreich.de/2010/06/22/%e2%80%a0-anwar-chowdhry/#comments</comments> <pubDate>Mon, 21 Jun 2010 22:38:24 +0000</pubDate> <dc:creator>Jens Weinreich</dc:creator> <category><![CDATA[adidas]]></category> <category><![CDATA[aiba]]></category> <category><![CDATA[anwar chowdhry]]></category> <category><![CDATA[ching-kuo wu]]></category> <category><![CDATA[der fuchs im hÃ¼hnerstall]]></category> <category><![CDATA[ethik]]></category> <category><![CDATA[gafour rachimow]]></category> <category><![CDATA[horst dassler]]></category> <category><![CDATA[ioc]]></category> <category><![CDATA[juan antonio samaranch]]></category> <category><![CDATA[korruption]]></category> <category><![CDATA[spezialdemokratie]]></category> <category><![CDATA[sportbetrug]]></category> <category><![CDATA[boxen]]></category> <category><![CDATA[isl/ismm]]></category> <category><![CDATA[jean-marie weber]]></category> <category><![CDATA[john boulter]]></category> <category><![CDATA[thomas bach]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://www.jensweinreich.de/?p=8542</guid> <description><![CDATA[Kleine NachtlektÃ¼re. Einer der korruptesten olympischen SportfunktionÃ¤re aller Zeiten, das will schon was heiÃŸen, ist verstorben. Anwar Chowdhry aus Pakistan, einst Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (neben John Boulter, Jean-Marie Weber, Thomas Bach und anderen), wurde 88 Jahre alt. Er war ein enger KampfgefÃ¤hrte des kÃ¼rzlich ebenfalls verblichenen IOC-Supremo Juan Antonio Samaranch, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><img
class="size-full wp-image-8550 alignnone" style="margin: 5px;" title="Anwar Chowdhry" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/Chowdhry.jpg" alt="" hspace="5" vspace="5" width="150" height="200" align="left" />Kleine NachtlektÃ¼re. Einer der korruptesten olympischen SportfunktionÃ¤re aller Zeiten, das will schon was heiÃŸen, ist verstorben. Anwar Chowdhry aus Pakistan, einst Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (neben John Boulter, <a
title="tag: Jean-Marie Weber" href="http://www.jensweinreich.de/category/jean-marie-weber/" target="_self">Jean-Marie Weber</a>, Thomas Bach und anderen), wurde 88 Jahre alt. Er war ein enger KampfgefÃ¤hrte des kÃ¼rzlich ebenfalls verblichenen IOC-Supremo <a
title="â€  Juan Antonio Samaranch" href="http://www.jensweinreich.de/2010/04/21/%e2%80%a0-juan-antonio-samaranch/" target="_self">Juan Antonio Samaranch</a>, wurde 1986 von Adidas auf den AIBA-Thron gehievt, in einer sagenumwobenen Wahlschlacht in Bangkok, mit Sex und Huren und Geld und allem &#8211; blendend dokumentiert sind die VorgÃ¤nge Ã¼brigens in Stasi-Akten.</p><p>Ich habe in den vergangenen Jahren viel berichtet Ã¼ber Chowdhrys Machenschaften, u.a.Â <a
title="Der olympische Sumpf" href="http://www.jensweinreich.de/referenzen/bucher/der-olympische-sumpf/" target="_self">in diesem Buch</a>. Eine Reportage von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney fasst seine Ã„ra ganz gut zusammen, glaube ich. Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten zu Anwar Chowdhry, der sich gern als <strong>&#8220;hÃ¶chstdekorierten SportfÃ¼hrer der Weltâ€?</strong> bezeichnet hat. Ich finde es auÃŸerordentlich schade, dass ich damals noch nicht fotografiert habe. Dieses GesprÃ¤ch mit ihm in den Katakomben der olympischen Box-Arena hÃ¤tte ich auch ganz gern auf Video aufgenommen.</p><p>Ching-Kuo Wu, PrÃ¤sident des Amateur-Box-Weltverbandes AIBA und IOC-Exekutivmitglied aus Taiwan, schreibt zum Tode Chowdhrys:</p><div
id="attachment_8544" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><img
class="size-full wp-image-8544" title="Condolence-Letter-to-all-NFs-on-Chowdhry's-Death---June-20" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/Condolence-Letter-to-all-NFs-on-Chowdhrys-Death-June-20.gif" alt="" width="530" height="750" /><p
class="wp-caption-text">Condolence Letter to all NFs on Chowdhry&#39;s Death, June 20, 2010 (c) AIBA</p></div><p>SYDNEY, 19. September 2000. Wenn sich die Besten der Weltjugend prÃ¼geln im Convention Centre von Darling Harbour, sitzen die beiden Oberaufseher ganz nah am Ring. Anwar Chowdhry und Loring Baker, PrÃ¤sident und GeneralsekretÃ¤r des Box-Weltverbandes AIBA, verfolgen die KÃ¤mpfe an einem Tischchen, auf dem sich Computerbildschirme befinden, mit denen sie die Arbeit der Punktrichter Ã¼berwachen kÃ¶nnen. Die ergrauten Sportfreunde, die gemeinsam Ã¼ber 153 Jahre Lebenserfahrung verfÃ¼gen, sind derzeit hart gefordert. Gilt doch die AIBA als Synonym fÃ¼r Bestechung jeder Art. FÃ¼r Betrug am Sport und an den Athleten. So war es kein Zufall, dass zu jenen beiden des organisierten Verbrechens verdÃ¤chtigen SportfunktionÃ¤ren, denen vor knapp zwei Wochen die Einreise nach Australien verweigert wurde, der AIBA-FunktionÃ¤r <a
title="tag: Gafour Rachimow" href="http://www.jensweinreich.de/?s=gafour+rachimow" target="_self">Gafour Rachimow</a> gehÃ¶rte.</p><p>Der Pakistani Chowdhry ist zwar dafÃ¼r bekannt, dass er gern laut und viel erzÃ¤hlt, am liebsten wÃ¤hrend ausschweifender nÃ¤chtlicher Saufgelage, doch Interviews liebt er eigentlich nicht. Um so Ã¼berraschender, dass sich Chowdhry diesmal auf ein GesprÃ¤ch einlÃ¤sst, ja sogar in sein BÃ¼ro einlÃ¤dt.</p><blockquote><p>â€žIch werde Ihnen mal die Wahrheit erzÃ¤hlen, junger Mannâ€œ, sagt er, â€ždenn in den Zeitungen steht ja nur ScheiÃŸe Ã¼ber mich.â€œ</p></blockquote><p>So ist Anwar Chowdhry, der in der AIBA nur â€žder Professorâ€œ genannt wird: auf seine Art sehr direkt.</p><p>Einer seiner Bodyguards fÃ¼hrt in prÃ¤sidiale Office, das schmucklos eingerichtet ist. Nur einer von vielen mit WÃ¤nden aus Hartpappe abgetrennten ArbeitsrÃ¤umen in den Katakomben des Convention Centre: Schreibtisch, zwei Sofas, ein Tischlein, wenige StÃ¼hle, in einer Ecke steht ein kleiner Tresor. Chowdhry lÃ¤sst sich tief in seinen Sessel plumpsen und referiert drauflos. Seine schlichten Thesen lassen sich leicht zusammenfassen:</p><blockquote><p>â€žIch bin kein Gauner. Ich bin kein Heuchler. Ich sage die Wahrheit. Ich bin ein groÃŸer und geachteter SportfunktionÃ¤r.â€œ</p></blockquote><p>Dies verkÃ¼ndet er wÃ¶rtlich und in vielerlei Variationen. In dieser Beziehung ist der Professor sehr erfindungsreich.</p><p>NatÃ¼rlich ist es mÃ¼ÃŸig, den Fuchs im HÃ¼hnerstall zu fragen, ob er gerade ein Huhn zu verspeisen beabsichtige oder wie viele er im Laufe seines Lebens bereits verschlungen hat. So wie der Fuchs diese Frage nicht wahrheitsgetreu beantworten wird, sieht auch Chowdhry keinen Grund, sich als derjenige zu enttarnen, als der er in weiten Kreisen des Weltsports verrufen ist: als Ganove.</p><p>Der Berliner Karl-Heinz Wehr, der Chowdhry als AIBA-GeneralsekretÃ¤r anderthalb Jahrzehnte die GeschÃ¤fte gefÃ¼hrt hat, beschrieb den Pakistani einmal so:</p><blockquote><p>â€žChowdhry ist charakterlich ein absolutes Schwein, unaufrichtig, hinterhÃ¤ltig und verschlagen. Chowdhry ist ein absoluter GeschÃ¤ftemacher und in jeder Beziehung korrupt.â€œ</p></blockquote><p>Zahlreiche VerÃ¶ffentlichungen aus Wehrs umfÃ¤nglichen Stasi-Akten haben Chowdhry in den neunziger Jahren Probleme bereitet. So musste auf Grundlage dieser Unterlagen eine der katastrophalsten Fehlentscheidungen der Sportgeschichte Ã¼berprÃ¼ft werden: Das Urteil im Finalkampf der Olympischen Spiele 1988 gegen den Amerikaner Roy Jones. Nach Monaten der Verschleppungstaktik und nicht gar so intensiver Recherche erklÃ¤rte das IOC jedoch, es hÃ¤tten sich keine Beweise fÃ¼r Bestechung am olympischen Boxring gegeben. Ein lÃ¤cherliches Urteil. Roy Jones, inzwischen zum Profi-Weltmeister aufgestiegen, nahm kurz darauf dennoch einen Olympischen Orden an.</p><p>Chowdhry hat sich spÃ¤testens 1998 mit Karl-Heinz Wehr entzweiht. Der Deutsche verbÃ¼ndete sich damals mit dem Taiwanesen Ching-Kuo Wu, einem IOC-Mitglied, und mit dem Amerikaner Paul Konnor. Das Trio wollte Chowdhry und seine â€žrussisch-balkanische Fraktionâ€œ (Wehr) stÃ¼rzen. Konnor, damals Chef der AIBA-Rechtskommission, beschwerte sich bei IOC-PrÃ¤sident Samaranch: Goldmedaillen seien kÃ¤uflich, schrieb Konnor, Chowdhry begehe â€žverachtenswerte Verbrechen&#8221; an Sportlern und habe sich mit 400.000 Dollar aus der Verbandskasse bedient. Samaranch hat nie reagiert.</p><blockquote><p>â€žKonnor ist ein Feiglingâ€œ, sagt Chowdhry, er hat mir immer gesagt, dass ich ein vorbildlicher PrÃ¤sident bin. Er hat nie den Mut gehabt, etwas Ã¶ffentlich gegen mich vorzubringen. Als er dann den Mund aufgemacht hat, wurde er aus der AIBA rausgeschmissen. Das ist unsere Demokratie. So einfach ist das.â€œ</p></blockquote><p>Wehr formulierte seinerzeit gemeinsam mit Wu ein Manifest fÃ¼r â€žEhrlichkeit und Fairplay im olympischen Boxen &#8211; gegen alle Formen der Manipulation, der Korruption, der Bestechung und des Dopingsâ€œ. Doch Samaranch unterstÃ¼tzte auch diese beiden Opponenten nicht. So wurden Wehr, Wu und Konnor auf dem AIBA-Kongress im November 1998 im tÃ¼rkischen Antalya vorgefÃ¼hrt. Sie verloren alle Posten, auch ihre Sitze im Exekutivkomitee.</p><p>â€žIch habe Karl-Heinz Wehr immer wie einen Bruder behandeltâ€œ, sÃ¤uselt Chowdhry, â€žich weiÃŸ nicht, was plÃ¶tzlich in ihn gefahren war, dass er gegen mich arbeitet und auch noch glaubt, er hÃ¤tte damit Erfolg.â€œ Es habe vor Antalya sogar Morddrohungen gegen ihn gegeben, berichtete Wehr. Dies und die Anschuldigung, dass die â€žWahlenâ€œ von Chowdhrys Gefolgsleuten gekauft worden seien, bestreitet der AIBA-PrÃ¤sident. SelbstverstÃ¤ndlich. Im Reiche Chowdhry funktioniert das ganz anders, viel einfacher, nÃ¤mlich so:</p><blockquote><p>â€žIch bin auf der ganzen Welt fÃ¼r meine Rechtschaffenheit bekannt. Die Leute lieben mich. Kann etwa jemand immer wieder einstimmig gewÃ¤hlt werden, der ein Schweinehund ist? Wir haben 190 MitgliedsverbÃ¤nde in der AIBA. Glauben sie, das diese 190 WahlmÃ¤nner alle Trottel sind?â€œ</p></blockquote><p>Im Arbeitsraum haben sich inzwischen einige KampfgefÃ¤hrten versammelt. Auch der TÃ¼rke Caner Doganeli, VizeprÃ¤sident der AIBA und angeblich Favorit auf die Nachfolge Chowdhrys. Die Claqueure begleiten jeden Satz ihres Meisters mit Beifall.</p><blockquote><p>â€žDer Professorâ€œ, sagt Doganeli, â€žhat unendlich viel fÃ¼r den Boxsport getan. Es ist ein Skandal, dass er sich stÃ¤ndig mit solchen bÃ¶sen Unterstellungen herumÃ¤rgern muss.â€œ</p></blockquote><p>Zu dumm aber auch, dass Chowdhry &amp; Co. inzwischen in aller Welt als Gangsterbande bezeichnet werden. Angeblich hat die Mafia, ob nun russische, mittelasiatische oder tÃ¼rkische Gruppierungen, lÃ¤ngst das Kommando in der AIBA Ã¼bernommen. â€žDie VorgÃ¤nge sind eine Schandeâ€œ, hat das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg Ã¶ffentlich gesagt, eine ÃœberprÃ¼fung gefordert und den Ausschluss aus dem olympischen Programm angedroht.</p><blockquote><p>â€žNichts wissen Leute wie Heibergâ€œ, entgegnet Chowdhry, â€žmit mir hat er kein Wort gesprochen. Und was da in den Zeitungen geschrieben steht, ist shit, shit, shit. Bloody shit.â€œ</p></blockquote><p>GroÃŸvater Chowdhry redet sich schnell in Rage. Er brÃ¼llt oft und im Verlauf des einstÃ¼ndigen GesprÃ¤chs knallt er dutzende Male die FÃ¤uste auf den Tisch. Der kleine Recorder, der das Interview mitschneidet, hÃ¼pft jedesmal zehn Zentimeter in die HÃ¶he. Die Tischplatte biegt sich gefÃ¤hrlich tief. Doch dann hat sich der Choleriker auch schon wieder beruhigt.</p><p>Am meisten hat Chowdhry verletzt, dass sein â€žFreund Gafourâ€œ Rachimow aus Usbekistan nicht nach Australien einreisen durfte. Chowdhry sagt, er sei wie IOC-PrÃ¤sident Samaranch bereits Ende August vom SOCOG-Sicherheitschef Sandy Hollway informiert worden, dass es Schwierigkeiten geben wÃ¼rde mit Rchimow, dem mutmaÃŸlichen Mafiapaten und Chef der AIBA-Businesskommission. Er hat daraufhin die Usbeken informiert, die beschwerten sich bei der australischen Botschaft in Moskau â€“ aber die Olympiagastgeber blieben hart.</p><div
id="attachment_8548" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><img
class="size-full wp-image-8548" title="SMH" src="http://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2010/06/SMH.gif" alt="" width="530" height="485" /><p
class="wp-caption-text">Titelseite Sydney Morning Herald, September 2000</p></div><p>Das IOC, das laut Chowdhry doch lÃ¤ngst Bescheid wusste, tat dann so, als sei die Einreiseverweigerung Ã¼berraschend gekommen. FÃ¼r Chowdhry ist Rachimow selbstverstÃ¤ndlich ein Ehrenmann.</p><blockquote><p>â€žEr hatte bereits eine VIP-Akkreditierung, so wie auch Nelson Mandela. Ich begreife nicht, warum man ihm die wieder wegnehmen kann.â€œ</p></blockquote><p>Chowdhry redet noch eine Weile Ã¼ber seinen aufopferungsvollen Kampf gegen korrupte Kampfrichter, lobt sich als Erfinder des Punktcomputers (was er in Wirklichkeit nicht ist) und beschlieÃŸt dann die Audienz mit einer milden Gabe zu beenden. Ein Lakai trÃ¤gt eine schwarze UmhÃ¤ngetasche fÃ¼r den Gast herbei.</p><blockquote><p>â€žNehmen Sie ruhig, das ist keine Bestechung, das fÃ¤llt noch unter die IOC-Geschenkregel von 200 Dollarâ€œ, witzelt der AIBA-PrÃ¤sident.</p></blockquote><p>200 Dollar ist die Grenze, die das IOC 1999 auf seiner Krisensession nach dem <a
title="Ten years after: Marc Hodler" href="http://www.jensweinreich.de/2008/12/11/ten-years-after-marc-hodler/" target="_self">Bestechungsskandal von Salt Lake City</a> festgelegt hat. Ein Blick zu seinen mÃ¼rrisch dreinschauenden Gorilla lÃ¤sst den Gedanken aufkommen, es sei vielleicht besser, das PrÃ¤sent nicht abzulehnen. Also trollt man sich mit dem TÃ¤schen, neugierig darauf, was der Professor da so alles verschenkt.</p><p>Eine Mappe mit all seinen Verdiensten und Ehrentiteln findet sich darin, eine Krawatte, eine Uhr â€“ alles ist in irgendeiner Form mit Chowdhrys Namen geschmÃ¼ckt. SchlieÃŸlich noch eine GeldbÃ¶rse. Wie beziehungsreich. Jedoch finden sich keine Dollarscheine.</p><p><em>(Ich habe die Uhr Ã¼brigens noch irgendwo liegen.)</em></p><p>Okay, die Nacht ist lang, und da ich stets zu Ãœbertreibungen neige, flink noch die wichtigsten Geschichten nach dieser, meiner Lieblingsgeschichte Ã¼ber die Ã„ra Chowdhry. Aus den Jahren zuvor, wer das leider vergriffene Buch &#8220;Der olympische Sumpf&#8221; nicht lesen kann, wÃ¤re noch diese Seite-3-Geschichte aus der Berliner Zeitung vom September 1996 interessant, als Ãœbersichtstext:</p><ul><li><a
title="BLZ, September 1996" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1996/0918/reporter/0003/index.html" target="_blank">Ein paar Millionen sollen die IOC-Direktorin kalt gestellt haben</a></li></ul><p>Samaranch, <a
title="KGB Gate" href="http://www.jensweinreich.de/2009/11/06/kgb-gate-samaranch-more-russian-olympic-secret-agents-ioc-fifa-and-the-opus-dei/" target="_self">der mutmaÃŸliche KGB-Spion</a>, hat nach dieser Geschichte in Spanien auf einer Pressekonferenz Ã¼brigens gesagt, wenn alle Informationen der Stasi (ich habe lang aus Akten zitiert) so unzutreffend wÃ¤ren, wie diese, kÃ¶nne er nur lachen.</p><p>Die weiteren Geschichten zur unendlichen AIBA-Story:</p><p><em>30. Oktober 2002</em></p><blockquote><p><strong>Sein Wille geschehe</strong></p><p>Die olympische Bewegung erlebt in dieser Woche ein weiteres Beispiel gelebter Demokratie: den &#8220;Wahl&#8221;-Kongress im Weltverband der Amateurboxer (AIBA) im ziemlich teuren Hotel Meridien in Kairo. Obwohl die BoxfunktionÃ¤re erst von Donnerstag bis Sonnabend in der Ã¤gyptischen Metropole tagen und tafeln, stehen die wichtigsten Ergebnisse dieses sehr speziellen Konvents bereits fest. Anwar Chowdhry, dieser routiniert jung gebliebene Ehrenmann aus Pakistan, bleibt auch die nÃ¤chsten vier Jahre PrÃ¤sident.</p><p>Als &#8220;epochales Ereignis&#8221; wurde in der AIBA bereits Chowdhrys Benennung von 97 der 190 MitgliedsverbÃ¤nde gefeiert. Einen Gegenkandidaten gibt es selbstverstÃ¤ndlich nicht (das wÃ¤re ja auch einmal etwas Neues), nachdem die zeitweise interessierten Robert Voy (USA) und Ching-Kuo Wu (IOC-Mitglied aus Taiwan) unter Druck rechtzeitig ihren Verzicht erklÃ¤rten. So wird also Anwar Chowdhry, der am 26. Oktober bereits sein 79. Lebensjahr vollendete und der sich gern als &#8220;hÃ¶chstdekorierten SportfÃ¼hrer der Welt&#8221; bezeichnet, in Kairo per Akklamation im Amt bestÃ¤tigt werden, das er bereits seit 1986 einnimmt.</p><p>Die Mitglieder des AIBA-Exekutivkomitees wurden ausnahmslos von Chowdhry selbst auserwÃ¤hlt. Sekundiert wird Chowdhry auch weiterhin von seinen wichtigsten langjÃ¤hrigen Getreuen: Caner Doganeli (TÃ¼rkei), dem neuen AIBA-GeneralsekretÃ¤r, und Gafour Rachimow (Usbekistan), dem VizeprÃ¤sidenten und Chef der so genannten AIBA-Business-Kommission.</p><p>Nur zur Erinnerung: Rachimow ist jener Ehrenamtler aus dem total-demokratischen Sportwunderland Usbekistan, der zu den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney keine Einreise erhalten hatte, weil ihn die BehÃ¶rden des Gastgeberlandes als &#8220;Gefahr fÃ¼r die Sicherheit des australischen Volkes&#8221; geortet hatten. Rachimow soll einer der KÃ¶pfe des Drogenhandels in Mittelasien sein. Rachimow zÃ¤hlt zu den GeschÃ¤ftspartnern und Freunden des derzeit in Italien inhaftierten mutmaÃŸlichen Mafioso Alimsan Tochtachunow, der vom FBI unter anderem verdÃ¤chtigt wird, Kampfrichter-Entscheidungen bei den Eiskunstlaufwettbewerben (Paarlauf, Eistanz) bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City manipuliert zu haben. So viel zum ruhmreichen Einfluss usbekischer Granden im olympischen Sport.</p><p><span
id="more-8542"></span>ZurÃ¼ck zur AIBA. Zwar steht das Amateurboxen nicht auf jener umfassenden Streichliste, Ã¼ber die Ende November auf der IOC-Vollversammlung in Mexiko-Stadt entschieden wird, doch ist der Verbleib im olympischen Programm keinesfalls hundertprozentig gesichert. Denn die von der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees im August abgesegneten Reform-VorschlÃ¤ge sagen relativ klar aus, dass Amateurboxen, ein Hort der Korruption, stÃ¤ndig auf dem PrÃ¼fstand steht. Sollten weitere negative Schlagzeilen folgen, soll das IOC-Exekutivkomitee MaÃŸnahmen ergreifen. Nimmt man nun jene BeschlÃ¼sse zum MaÃŸstab, die nach Chowdhrys heiligem Willen in Kairo gefasst werden sollen, dann dÃ¼rfte die IOC-FÃ¼hrung gefordert sein.</p><p>Beispiele gefÃ¤llig? Der Berliner Karl-Heinz Wehr, von Chowdhry abservierter langjÃ¤hriger AIBA-GeneralsekretÃ¤r, hat die AntrÃ¤ge und BeschlussentwÃ¼rfe des AIBA-Kongresses in Kairo analysiert. Er kommt zu einem vernichtenden Urteil: &#8220;Normalerweise hatte man erwartet, dass die AIBA aus den Diskussionen um den Verbleib im olympischen Programm einige positive VorschlÃ¤ge umsetzt. Leider ist dies nicht der Fall. Die Leute um Chowdhry sind Ã¼berhaupt nicht an VerÃ¤nderungen interessiert. Das olympische Boxen wurde in eine Katastrophe gefÃ¼hrt.&#8221;</p><p>Es wird im Amateurboxen auch kÃ¼nftig keine offene Wertung geben. Die ebenfalls vom IOC geforderte RÃ¼ckkehr zur Kampfzeit von 3 x 3 Minuten (derzeit 4 x 2) wurde verworfen. Bei der Benennung der Ring- und Punktrichter (traditionell durch Chowdhry &amp; Co.) bleibt alles beim Alten. Zudem werden die weiÃŸen TrefferflÃ¤chen an den Boxhandschuhen abgeschafft, was fÃ¼r noch mehr Verwirrung in der Wertungsfrage sorgen wird. SchlieÃŸlich will man die Grenzen zwischen Amateur- und Profiboxer weiter verwischen. Das Exekutivkomitee der AIBA wird ermÃ¤chtigt, KÃ¤mpfen zwischen Amateuren und Profis zuzustimmen, zudem sollen Profis kÃ¼nftig an nationalen, kontinentalen und Weltmeisterschaften teilnehmen kÃ¶nnen. Das AIBA-Exekutivkomitee werde &#8220;den Profis schon den Weg ins olympische Boxturnier ebnen&#8221;, hatte Chowdhry schon im MÃ¤rz dieses Jahres getÃ¶nt.</p><p>Es hat vor dem Kongress durchaus vernÃ¼nftige VorschlÃ¤ge gegeben &#8211; Chowdhry hat sie abgelehnt. So wurden von 40 VorschlÃ¤gen, die europÃ¤ische VerbÃ¤nde eingereicht haben, lediglich vier akzeptiert. Dem gegenÃ¼ber stehen 85 teilweise recht unsinnige Ideen, die sich Chowdhry und seine Vasallen in Kairo absegnen lassen. Dazu gehÃ¶rt nicht zuletzt der Plan, Weltmeisterschaften kÃ¼nftig jÃ¤hrlich auszutragen.</p><p>Ein nicht ganz unwichtiger Tagesordnungspunkt sei nicht verschwiegen. Der Verband wird umbenannt: Statt Amateur International Boxing Association soll er kÃ¼nftig Olympic International Boxing Association (OIBA) heiÃŸen. Irgendwie legt man auf das Wort &#8220;olympic&#8221; doch groÃŸen Wert. SchlieÃŸlich lebt die AIBA/OIBA vor allem von jenen vier Millionen Dollar, die das IOC als Anteil an den olympischen Fernsehrechten Ã¼berweist. Dummerweise weiÃŸ niemand genau, was mit dem Geld geschieht.</p></blockquote><p><em>6. November 2006</em></p><blockquote><p><strong>Letzter Gang fÃ¼r den Box-Paten</strong></p><p><em>Der Weltverband wÃ¤hlt den PrÃ¤sidenten Chowdhry ab</em></p><p>Das ist doch mal eine gute Nachricht fÃ¼r den Sport: Anwar Chowdhry (83) ist gestÃ¼rzt. Der Weltverband der Amateurboxer (AIBA) hat einen neuen PrÃ¤sidenten. 20 Jahre lang hat der Pakistani Chowdhry die AIBA mit vorsintflutlichen Methoden gefÃ¼hrt, auf dem Kongress in Santo Domingo verlor er die Abstimmung gegen den 60 Jahre alten Taiwanesen Ching-Kuo Wu mit 79:83 Stimmen bei einer Enthaltung. Eine so knappe Entscheidung hat es in der olympischen Welt bisher kaum gegeben.</p><p>FÃ¼r das Amateurboxen ging es um Leben oder Tod. Zwar hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC), zu dessen Mitgliedern Ching-Kuo Wu seit 1988 zÃ¤hlt, auf seiner Session im Juli 2005 in Singapur dem Sport noch einmal bis 2012 den Olympiastatus verpasst, eine Zahlung aus den Fernsehgeldern in HÃ¶he von 9,15 Millionen US-Dollar war jedoch eingefroren worden. Das Problem der AIBA heiÃŸt seit zwei Jahrzehnten Anwar Chowdhry. Es ist selten nachvollziehbar, auf welchen Konten in diesem Verband Geld verschwindet. Von der Opposition war moniert worden, dass Ã¼ber Ausgaben von 670 000 Dollar keine Belege existieren. Verantwortlich dafÃ¼r: Chowdhry und sein GeneralsekretÃ¤r Caner Doganelli (TÃ¼rkei).</p><p>Chowdhry hatte noch in Santo Domingo getÃ¶nt, nur er allein kÃ¶nne die AIBA fÃ¼hren. &#8220;Wu hat keine Ahnung, der weiÃŸ nichts Ã¼ber Boxen&#8221;, sagte er. Nun wurde Chowdhry davon gejagt. Doganelli allerdings, der ebenfalls einen katastrophalen Ruf genieÃŸt und dem NÃ¤he zur organisierten KriminalitÃ¤t nachgesagt wird, darf bleiben. Wegen des Umsturzes nun aber von einer Revolution zu sprechen, wÃ¤re verfrÃ¼ht. Sicher, Sportkamerad Wu hat einen guten Leumund; allerdings darf man nicht vergessen, dass sein Weg ins PrÃ¤sidentenamt vor allem durch die zurÃ¼ckgezogene Kandidatur eines mutmaÃŸlichen Drogendealers namens Gafour Rachimow mÃ¶glich wurde. Der Usbeke, der im Visier von Europol, FBI und anderen GanovenjÃ¤gern steht, hatte selbst PrÃ¤sident werden wollen. Zuletzt empfahl er dem AIBA-VÃ¶lkchen &#8211; und hier besonders den afrikanischen Delegierten -, Ching-Kuo Wu zu wÃ¤hlen. Er dÃ¼rfte seine freundliche Empfehlung unterlegt haben mit diversen Gaben, anders lÃ¤uft es in diesem Verband kaum.</p><p>Das Problem der AIBA ist also noch lange nicht gelÃ¶st. Korruption, ob nun in Form von Unterschlagung, Kampfrichterbetrug oder Erpressung, dominiert nach wie vor den klinisch toten Verband. Herr Dr. Wu, ein ehemaliger Basketballer und Architekt, steht eine titanische Aufgabe bevor. Es wird interessant sein, welche Skandale er ans Tageslicht befÃ¶rdert und wie er sich zu Doganelli und Rachimow verhÃ¤lt.</p><p>Die NÃ¤he zum IOC ist schon mal gegeben. Durch Ching-Kuo Wu persÃ¶nlich und durch den Umstand, dass die AIBA in der Schweiz ihre GeschÃ¤ftsstelle hat. Eines hat sogar Rachimow begriffen, wie er den nationalen BoxverbÃ¤nden kÃ¼rzlich schriftlich mitteilte: &#8220;Eine der perspektivischen Aufgaben der AIBA besteht meiner Ansicht nach darin, in einen konstruktiven Dialog mit dem IOC zu treten und bedingungslos alle Empfehlungen des IOC zu akzeptieren.&#8221; Nun dann.</p></blockquote><p><em>20. Februar 2007</em></p><blockquote><p><strong>Thriller von Taipeh</strong></p><h4><span
style="font-weight: normal;"><em>Der Amateurbox-Weltverband AIBA suspendiert seinen dubiosen GeneralsekretÃ¤r Caner Doganeli</em></span></h4><p>Im Weltverband der Amateurboxer geht es weiter herzhaft zur Sache. Wie AIBA-Sprecher Richard Baker dieser Zeitung bestÃ¤tigte, wurde in der vergangenen Woche in aller Stille der AIBA-GeneralsekretÃ¤r Caner Doganeli (TÃ¼rkei) suspendiert. Ihm wird Misswirtschaft und Veruntreuung vorgeworfen. Es geht, vorerst, um mehr als eine halbe Million US-Dollar. Die Sache wurde der Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Ã¼bergeben.</p><p>Der Fall Doganeli beweist, dass nach einer 20 Jahre wÃ¤hrenden Diktatur der Korruption durch den PrÃ¤sidenten Anwar Chowdhry (Pakistan) die AufrÃ¤umarbeiten begonnen haben. Auf dem AIBA-Kongress in Santo Domingo im November 2006 war ja nicht nur unter mysteriÃ¶sen UmstÃ¤nden ein Delegierter aus Mali, Pierre Diakite, ums Leben gekommen (er hatte sich gegen Chowdhry ausgesprochen und wurde spÃ¤ter tot im Fahrstuhlschacht seines Hotels gefunden), der Kongress hatte auch einen neuen PrÃ¤sidenten gewÃ¤hlt: Ching-Kuo Wu aus Taiwan gewann mit 83:79 Stimmen gegen Chowdhry. Wu setzte allerdings zunÃ¤chst weiter auf GeneralsekretÃ¤r Doganeli und hatte sich auch mit dem Usbeken Gafur Rachimow verbÃ¼ndet. Rachimow, der in Dokumenten von polizeilichen ErmittlungsbehÃ¶rden mit der organisierten KriminalitÃ¤t und Drogenhandel in Verbindung gebracht wird, ist AIBA-VizeprÃ¤sident. Den Wahlkampf des Dr. Wu hatte mit Ho Kim (SÃ¼dkorea) ein weiterer FunktionÃ¤r zweifelhaften Rufes gemanagt. Kim wurde dafÃ¼r zum Exekutivdirektor der AIBA berufen.</p><p>Drei Monate spÃ¤ter trennt sich Wu von Doganeli. Schweizer RechnungsprÃ¼fer, die AIBA-Zentrale sitzt in Lausanne, haben ihren Bericht in Taipeh dem neuen AIBA-Exekutivkomitee vorgetragen. Das Exko leitete den Fall an seine Reformkommission weiter, die vom Norweger Gerhard Heiberg geleitet wird, dem Chef der IOC-Marketingkommission. Heiberg hatte schon im Herbst 2000 in dieser Zeitung Reformen in der AIBA angemahnt: &#8220;Wenn Boxen olympisch bleiben soll, muss sich schleunigst etwas Ã¤ndern.&#8221; Nun soll er im Auftrag von IOC-Chef Jacques Rogge handeln.</p><p>Das IOC hat inzwischen 300 000 Dollar, einen Teil der eingefrorenen olympischen Fernsehgelder, an die AIBA Ã¼berwiesen. Die Lage ist vertrackt, denn Wu, selbst IOC-Mitglied, hat sich mit Personen verbÃ¼ndet, die Dreck am Stecken haben. Zudem werden Wu von einigen VerbÃ¤nden SatzungsverstÃ¶ÃŸe vorgeworfen. MerkwÃ¼rdig erscheinen auch die UmstÃ¤nde der Ausbootung seines grÃ¶ÃŸten Kritikers, des russischen Verbandschefs und AIBA-VizeprÃ¤sidenten Eduard Kusainow. Dieser hatte Wu am 18. Januar in einem Brief vorgeworfen, er habe die eine Diktatur durch eine andere abgelÃ¶st, setze auf den &#8220;absolut identischen Clan&#8221; von Chowdhry und verletze die Regeln auf &#8220;kriminelle&#8221; Weise. Kurz darauf wurde Kusainow von der AIBA-FÃ¼hrung suspendiert. Es wurde behauptet, er gehÃ¶re einer islamischen Terrorgruppe an. Kusainow durfte deshalb nicht an der AIBA-Exekutivsitzung teilnehmen, er musste sich stattdessen einem VerhÃ¶r durch die Kollegen stellen.</p><p>Der russische NOK-PrÃ¤sident Leonid Tjagatschow erklÃ¤rte umgehend schriftlich, Kusainow sei mit einem bereits verurteilten Terroristen verwechselt worden. Daraufhin wurden die Russen mit der Austragung der Box-WM im September 2007 besÃ¤nftigt. Aber auch das war kurios: Denn eigentlich wurde die WM schon vor einiger Zeit vergeben. Weil nun aber Sportkamerad Ho Kim, der neue AIBA-Exekutivdirektor, die WM gern in SÃ¼dkorea gesehen hÃ¤tte, wurde vergangene Woche in Taipeh ein zweites Mal abgestimmt. 22:9 fÃ¼r Moskau.</p><p>Kompliziert ist die Welt des Amateurboxens. Wer lÃ¼gt oder wer vielleicht sogar die Wahrheit sagt, ist schwer auszumachen. Zu den vielen MerkwÃ¼rdigkeiten zÃ¤hlt auch, dass die Suspendierung des GeneralsekretÃ¤rs Doganeli nicht Ã¶ffentlich publik gemacht wurde. PrÃ¤sident Wu hat lediglich E-Mails an seine Exekutive geschrieben. AIBA-Sprecher Richard Baker, frisch im Amt, hat Schwierigkeiten, die AblÃ¤ufe darzulegen. BlÃ¶de Lage fÃ¼r ihn, den Neuling. &#8220;Geben Sie uns beziehungsweise der IOC-Ethikkommission einige Wochen Zeit&#8221;, sagt Baker. Es wird weiter nach belastendem Material gefahndet. Und sicher wird sich Caner Doganeli, kein Kind von Traurigkeit, der gern Mal mit teuren Klagen droht, demnÃ¤chst lautstark verteidigen.</p></blockquote><p><em>21. Februar 2007.</em> Nach diesem Interview mit Ching-Kuo Wu, das ins Englische Ã¼bersetzt und verbreitet wurde, habe ich mal Post von Gafour Rachimows Anwalt bekommen. Es ging glimpflich aus.</p><blockquote><p><strong>&#8220;Ich hasse Leute, die stÃ¤ndig LÃ¼gen verbreiten&#8221;</strong></p><p><em>Weltbox-PrÃ¤sident Ching-Kuo Wu Ã¼ber KorruptionsfÃ¤lle und die Zukunft des olympischen Boxen</em></p><p>Etwas hat sich schon geÃ¤ndert im Amateurbox-Weltverband AIBA. Wer je versuchte, den langjÃ¤hrigen PrÃ¤sidenten Anwar Chowdhry zu kontaktieren, konnte verzweifeln. Bei Chowdhrys Nachfolger Ching-Kuo Wu, einem Architekten aus Taiwan, lÃ¤uft das so: Man schickt ihm eine Email, die er prompt beantwortet; und kaum ist man am nÃ¤chsten Morgen im BÃ¼ro eingetroffen, ruft das IOC-Mitglied bereits an. Dr. Wu meldet sich aus Los Angeles. Seine Botschaft: &#8220;Die Leute sollen nicht lÃ¤nger glauben, die AIBA sei ein korrupter Verein.&#8221;</p><p><em>Herr Wu, warum wurde GeneralsekretÃ¤r Doganeli suspendiert?</em></p><p>Ich wurde im November 2006 zum PrÃ¤sidenten gewÃ¤hlt. Auf diesem Kongress in Santo Domingo wurde ja kein Finanzbericht vorgelegt. Also war es meine erste Aufgaben, unabhÃ¤ngige RechnungsprÃ¼fer anzufordern. Wir haben die Akten im AIBA-Hauptquartier von PriceWaterhouseCoopers prÃ¼fen lassen. Das hat sehr viele Fragen aufgeworfen. Der Umgang mit den Finanzen der AIBA zeichnet meiner Meinung nach ein klares Bild.</p><p><em>Werden die Unterlagen der gesamte Chowdhry-Ã„ra geprÃ¼ft?</em></p><p>Nur die letzten vier Jahre.</p><p><em>Aus AIBA-Quellen heiÃŸt es, bei Doganeli gehe es um mehr als eine halbe Million Dollar, bei Chowdhry wahrscheinlich um mehrere Millionen.</em></p><p>Ich spreche nicht Ã¼ber Zahlen, ich kenne sie gar nicht. Ich habe, wie alle Kollegen im Exekutivkomitee, ja nur einen Kurzbericht der PrÃ¼fer gehÃ¶rt. Es geht um viele UnregelmÃ¤ÃŸigkeiten und wohl auch um Unterschlagung. Es sind ernste VorwÃ¼rfe, sehr gut dokumentiert. Die BuchprÃ¼fer haben viele Personen interviewt, auch die Herren Chowdhry und Doganeli. Aber die AuskÃ¼nfte waren offenbar nicht Ã¼berzeugend. Der gesamte Bericht, ein sehr dicker Ã¼brigens, wurde unserer Ethikkommission Ã¼bergeben, die eine vorlÃ¤ufige Empfehlung ausgesprochen hat. Deshalb wurde Herr Doganeli suspendiert. Er kann sich nun verteidigen und alle VorwÃ¼rfe aufklÃ¤ren.</p><p><em>Es ist nicht etwa die IOC-Ethikkommission damit befasst?</em></p><p>Nein, das ist ein MissverstÃ¤ndnis. Der Fall liegt in den HÃ¤nden der AIBA-Ethikkommission. Die wird vom langjÃ¤hrigen IOC-Generaldirektor FranÃ§ois Carrard geleitet. Wir warten nun auf die abschlieÃŸenden Empfehlungen. Ich denke, im Mai oder Juni werden wir auf einer auÃŸerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees entscheiden mÃ¼ssen.</p><p><em>Also noch vor der IOC-Vollversammlung in Guatemala, auf der Sie Anfang Juli gern eine erneuerte AIBA prÃ¤sentieren wÃ¼rden.</em></p><p>Wir haben in der Tat schon viel erreicht fÃ¼r unseren Sport. Jedem unserer 197 NationalverbÃ¤nde kÃ¶nnen wir AusrÃ¼stung im Wert von 5 000 Dollar schicken. Wir haben unsere Regeln transparenter gemacht. Bei der Frauen-WM in Indien und den Asienspielen in Katar wurde ganz offen gewertet: Jeder Aktive, jeder Zuschauer, jeder Offizielle war jederzeit Ã¼ber die ZwischenstÃ¤nde informiert. Es gab keine Beschwerden. Das wird nie wieder anders sein. IOC-PrÃ¤sident Jacques Rogge hat anderthalb Stunden zugesehen. Er war sehr beeindruckt. Wir erleben ein anderes Boxen. Die Zeit der Mauscheleien von Kampfrichtern und FunktionÃ¤ren ist vorbei. Dieses Versprechen habe ich gemacht, ich werde es halten.</p><p><em>Haben Sie Kontakt zu Chowdhry?</em></p><p>Er ist ein alter und kranker Mann. Er hat mir eine Email geschickt und seine UnterstÃ¼tzung versprochen. Er hat auch einige Briefe geschrieben, in denen er auf die UnterschlagungsvorwÃ¼rfe eingegangen ist. Ich habe diese Post an die BuchprÃ¼fer weiter gereicht.</p><p><em>War es wirklich nÃ¶tig, sich mit Doganeli zu verbÃ¼nden, um die Macht Ã¼bernehmen zu kÃ¶nnen?</em></p><p>Ich arbeite mit allen Menschen zusammen, die ein ehrliches Interesse am Boxsport haben. Aber sie mÃ¼ssen sauber und transparent agieren. Herr Doganeli wurde bisher von keinem Gericht verurteilt.</p><p><em>Warum haben Sie sich noch nicht vom AIBA-VizeprÃ¤sidenten Gafur Rachimow getrennt, der als &#8220;Pate von Taschkent&#8221; bezeichnet wird, der laut Polizeiberichten angeblich im mittelasiatischen Drogenhandel eine groÃŸe Nummer sein soll.</em></p><p>Ich kenne diese VorwÃ¼rfe, und ich bin vorsichtig. Ich will die AIBA sÃ¤ubern. Aber ich brauche bessere Beweise. Auch Gafur Rachimow wurde bisher nie verurteilt.</p><p><em>Den russischen VerbandsprÃ¤sidenten Eduard Kusainow haben Sie allerdings aufgrund von Zeitungsberichten suspendiert. Hat das damit zu tun, dass Kusainow Sie scharf kritisierte, Rachimow aber mit Ihnen zusammenarbeitet?</em></p><p>Es gab in der Tat die Ã¶ffentliche Information, wonach Kusainow in terroristische AktivitÃ¤ten verwickelt sein soll und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Wir haben ihn um eine ErklÃ¤rung gebeten. Er hat nichts Substanzielles gesagt. Wir haben eine halbe Stunde lang gefragt. Er hat nicht geantwortet. So haben wir einstimmig entschieden. Auch dieser Fall liegt bei der Ethikkommission. Das hat Ã¼berhaupt nichts mit seiner Kritik an meiner Arbeit zu tun. Mir wird ja auch vorgeworfen, dass ich Ho Kim (umstrittener Wahlkampfmanager von Ching-Kuo Wu/d. R.) zum GeschÃ¤ftsfÃ¼hrenden Direktor der AIBA gemacht habe. Das ist ebenfalls Unsinn. Denn diese Personalie wurde auf einer Exekutivsitzung von Leuten bestÃ¤tigt, die mir nun deshalb VorwÃ¼rfe machen.</p><p><em>Sportpolitik ist kompliziert.</em></p><p>Ich weiÃŸ, dass die AIBA gerade in Deutschland sehr kritisch gesehen wird. Fragen Sie doch Gerhard Heiberg aus Norwegen, der unsere Reformkommission leitet. Sie wissen, dass er zu den angesehensten IOC-Mitgliedern gehÃ¶rt. Er hat sich immer fÃ¼r Transparenz im Boxen eingesetzt. Er weiÃŸ, dass es mir nur um die Zukunft des olympischen Boxens geht. Ich habe keine finanziellen Interessen an diesem Amt. Gerhard Heiberg traut mir, jeder kann mir trauen.</p><p><em>Sie sind zumindest das einzige IOC-Mitglied, das all seine Telefonnummern und Email-Adressen auf seiner eigenen Webseite bereitstellt.</em></p><p>Ich bin total transparent und offen. Mit mir kann man jederzeit reden. Die Zeiten, als in der AIBA nur eine Stimme gehÃ¶rt wurde, sind ein fÃ¼r alle Mal vorbei. Ich hasse Leute, die stÃ¤ndig LÃ¼gen verbreiten.</p></blockquote><p>Ich finde ja Sportpolitik noch immer faszinierend.<br
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isPermaLink="false">http://jensweinreich.de/?p=6814</guid> <description><![CDATA[VANCOUVER. Aus aktuellem Anlass, eine Gute-Nacht-LektÃ¼re aus der Olympiastadt. Skate-Gate, Teil 2? &#8220;The Winter Olympics. The only time the rest of the sporting world has its eyes on this beautiful, difficult, horribly corrupt and politicized sport.&#8221; Das schreibt Sports Illustrated. Man kÃ¶nnte auch sagen: The Winter Olympics sind der einzige Anlass, zu dem sich Sports [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>VANCOUVER. Aus aktuellem Anlass, eine Gute-Nacht-LektÃ¼re aus der Olympiastadt. <a
title="Skate-Gate" href="http://en.wikipedia.org/wiki/2002_Olympic_Winter_Games_figure_skating_scandal" target="_self">Skate-Gate</a>, Teil 2?</p><blockquote><p>&#8220;The Winter Olympics. The only time the rest of the sporting world has its eyes on this beautiful, difficult, horribly corrupt and politicized sport.&#8221;</p></blockquote><p>Das schreibt Sports Illustrated. Man kÃ¶nnte auch sagen: The Winter Olympics sind der einzige Anlass, zu dem sich Sports Illustrated, der langjÃ¤hrige IOC-Sponsor (Time Warner), fÃ¼r derlei HintergrÃ¼nde interessiert: &#8220;<a
title="Sports Illustrated" href="http://sportsillustrated.cnn.com/2010/olympics/2010/writers/em_swift/02/13/judging.controversy/index.html" target="_blank">Judge&#8217;s e-mail exposes corruption of figure skating&#8217;s scoring system</a>&#8220;.Â Sonst kommt: nichts. Sportpolitisch ist SI ein Witzblatt. Aber lassen wir das, ein Seitenhieb muss reichen. Der Artikel gibt einen Ãœberblick zur aktuellen Diskussion. Ich empfehle, einfach mal den Namen <strong>Joe Inman</strong> bei Google News einzugeben, die Suchmaschine spuckt dann etliche auch deutsche Treffer aus.</p><p>Retrospektiv mÃ¶chte ich ein Kapitel aus dem Buch &#8220;<a
title="Korruption im Sport" href="http://jensweinreich.de/referenzen/bucher/korruption-im-sport/" target="_self">Korruption im Sport</a>&#8221; anbieten &#8211; umsonst :)</p><p>Barbara Klimke, jetzt London-Korrespondentin, frÃ¼her lange Jahre auch Eiskunstlauf-Reporterin, hat darin auf halbem Wege zwischen Salt Lake City und Vancouver im FrÃ¼hjahr 2006 die Ereignisse zusammengefasst und analysiert. Ein Blick zurÃ¼ck kann nicht schaden, zumal in der aktuellen AffÃ¤re einige alte Namen auftauchen. Und der PrÃ¤sident des Eislauf-Weltverbandes (ISU) ist natÃ¼rlich noch derselbe: Ottavio Cinquanta (Italien), auch IOC-Mitglied.</p><p>Eine zentrale Figur beim Skate-Gate, <a
title="email von der FIFA" href="http://jensweinreich.de/2008/10/08/email-von-der-fifa/" target="_self"><strong>Alimsan Tochtachunow</strong></a>, der Mafiosi und GesprÃ¤chspartner des FIFA-PrÃ¤sidenten Joseph Blatter, hat hier im Blog ja lÃ¤ngst ein Exklusiv-Revival gefeiert.</p><p>Viel SpaÃŸ. (Manches mag Ã¼berholt sein, aber nicht alles. Und ZusammenhÃ¤nge werden allemal aufgezeigt. Im Amateurbox-Weltverband AIBA etwa ist Anwar Chowdhry inzwischen von Ching-Kuo Wu als PrÃ¤sident abgelÃ¶st. Ich habe leider keine Zeit, alles zu aktualisieren und zu verlinken.) Korruption und Manipulationen im Schieds- und Kampfrichterwesen bleibt ein <a
title="Korruption als Strukturproblem der Spezialdemokratie Sport" href="http://jensweinreich.de/2009/03/08/korruption-als-strukturproblem-der-spezialdemokratie-sport/" target="_self">Strukturproblem des Sports</a>.</p><p><strong>von Barbara Klimke</strong></p><p><em><strong>GrÃ¼sse von der Mafia: Korruption und mangelnde Transparenz im olympischen Schieds- und Kampfrichterwesen</strong></em></p><p>Skandal? Wieso Skandal? VorfÃ¤lle wie bei der Paarlauf-Entscheidung der Olympischen Winterspiele 2002 hatten die Eiskunstlauf-Fachleute nun wahrlich schon hÃ¤ufiger erlebt. Okay, nicht immer skandierten Tausende von Zuschauern in Erwartung der HÃ¶chstnote fÃ¼r ein favorisiertes Duo so frenetisch &#8220;Six â€“ six â€“ six!&#8221; wie im Delta Center von Salt Lake City. Und nicht immer folgten nach Bekanntgabe einer unverstÃ¤ndlich niedrigen Wertung Tumulte und wÃ¼tende Proteste. Zugegeben, ein solcher Aufruhr war peinlich bei Olympia. Aber Skandal? Dieser Sport hieÃŸ nun mal Eiskunstlaufen, nicht KugelstoÃŸen. TrÃ¤nen gehÃ¶rten da zum GeschÃ¤ft wie Toeloop und TÃ¼ll. Und TrÃ¤nen waren an diesem Abend reichlich geflossen bei den Kanadiern Jamie Sale und David Pelletier, die nach einer makellosen KÃ¼r nur Zweite geworden waren. FÃ¼nf der neun Juroren hatten die Russen Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse auf den ersten Platz gehoben, obwohl sich der gute Anton nach einem verstolperten Doppelaxel kaum noch auf den FÃ¼ÃŸen halten konnte. Es war eine knappe Entscheidung zu Gunsten der Russen, 5:4. Aber so lief nun mal der Sport!</p><p>Mit einem Wort wie Manipulationsverdacht durfte man den Eiskunstlauf-Experten an diesem Abend nicht kommen. Auch Morry Stillwell, ein ehemaliger PrÃ¤sident des US- Eislaufverbands, saÃŸ nach der Paarlauf-Entscheidung noch im West Coast Hotel von Salt Lake City an der Bar und verteidigte tapfer die IntegritÃ¤t der Juroren: &#8220;Verdammt, das waren die besten Preisrichter, die wir da drauÃŸen hatten&#8221;, brummte er. &#8220;Wenn die der Meinung sind, dass die Russen die Sieger waren, dann, zum Teufel, war es das richtige Resultat.&#8221;</p><p><em><strong>Skate-Gate â€“ der grÃ¶ÃŸte Kriminalfall der Eiskunstlaufgeschichte</strong></em></p><p>Das Resultat hatten sich an jenem 11. Februar 2002 die Preisrichter aus Russland, Polen, China, der Ukraine und Frankreich zusammengezimmert. Und fast wÃ¤re es dieser FÃ¼nferbande gelungen, auch den Rest der Welt so leicht zu Ã¼bertÃ¶lpeln wie Morry Stillwell und seine Eislauf-Veteranen. Umstrittene Wertungen sind nichts UngewÃ¶hnliches in diesem Sport, dessen BewertungsmaÃŸstab einzig die subjektive Wahrnehmung der Juroren bildet; die Szene ist an Ungerechtigkeiten gewÃ¶hnt. So war das Paarlauf- Ergebnis kurz nach dem Wettbewerb schon auf dem besten Wege, nur als weitere Fehlentscheidung in die Annalen einzugehen, als die franzÃ¶sische Preisrichterin Marie- Reine Le Gougne das West Coast Hotel betrat. Ihr spektakulÃ¤rer Auftritt erst machte das olympische Fehlurteil zu Skate-Gate: zum grÃ¶ÃŸten Kriminalfall der Eiskunstlaufgeschichte.</p><p>&#8220;Ein arktischer Luftzug fegte durch die Halle, und lieÃŸ die GesprÃ¤che erfrieren&#8221;, berichtete Jon Jackson, ein Anwalt, Autor, Eislauf-Juror und Augenzeuge im FunktionÃ¤rshotel. &#8220;Herein schneite die blasse, erschÃ¶pfte, pelzbehangene Marie Reine Le Gougne.&#8221; Sie schritt zum Lift, machte auf dem Absatz kehrt. &#8220;Es war ein Deal mit den Russen!&#8221;, rief sie unvermittelt ihren Kollegen zu. &#8220;Das Eistanzen ruiniert unseren Sport. Ihr habt keine Ahnung. Ich muss mich verteidigen. Ihr versteht das nicht. Ich musste das tun. Gold fÃ¼r Gold! Es war fÃ¼r meine EistÃ¤nzer. Ihr wisst ja nicht, unter welchem Druck man steht.&#8221; Es war ein ungeheuerliches GestÃ¤ndnis. Das olympische Paarlaufen 2002 â€“ eine Farce! Die Goldmedaillen â€“ verschoben, bevor die Athleten Ã¼berhaupt das Eis betraten. Ein mieser Betrug, ein abgekartetes Spiel: Die Russen Bereschnaja/Sicharulidse sollten, mit Hilfe der franzÃ¶sischen Wertung, Paarlauf-Gold gewinnen, damit im Gegenzug ein paar Tage spÃ¤ter die Franzosen Marina Anissina/Gwendal Peizerat, mit russischer Hilfe, Eistanz-Olympiasieger werden konnten. &#8220;Die Medaillen werden im Eiskunstlauf vertickt wie Baseballkarten im Kriminellenmilieu an der StraÃŸenecke&#8221;, stellte Jon Jackson fassungslos fest.</p><p><span
id="more-6814"></span>Was er nicht ahnen konnte, war, dass selbst dieser schmutzige Deal nur einen Teil der Wahrheit offenbarte. Denn der vom Weltverband International Skating Union (ISU) verwaltete Eiskunstlauf war in einigen Teilen so korrupt, dass hinter der Fassade aus Glanz und Glitter mittlerweile offenbar die Mafia GeschÃ¤fte machte. FÃ¼nf Monate nach den Winterspielen, am 31. Juli 2002, verhaftete die italienische Polizei in Venedig den gebÃ¼rtigen Usbeken Alimsan Tochtachunow, einen Freund und GeschÃ¤ftspartner vieler russischer Spitzensportler und, laut Anklage der US-BehÃ¶rden, eine &#8220;wichtige Figur in der internationalen eurasischen organisierten KriminalitÃ¤t&#8221;, der die Verwicklung &#8220;in Drogen- und Waffenhandel sowie Autoschieberei&#8221; zu Last gelegt wurde. Die Auswertung einiger vom FBI abgehÃ¶rter TelefongesprÃ¤che legte nahe, dass Tochtachunow, Spitzname &#8220;kleiner Taiwanese&#8221;, der Drahtzieher der Manipulationen im olympischen Paarlaufen und Eistanzen war.</p><p>Wie gesagt, davon wusste Jon Jackson in der Nacht des 11. Februar 2002 noch nichts, als er wie britische Eislauf-FunktionÃ¤rin Sally Stapleford und zwei weitere Augenzeugen beschloss, das GestÃ¤ndnis der Madame Le Gougne zu protokollieren und der ISU-FÃ¼hrung zu Ã¼bergeben. Er ahnte auch nicht, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach tagelangen Anschuldigungen und Dementis die ISU anweisen wÃ¼rde, zwei Goldmedaillen in Salt Lake City zu vergeben: an die Russen und an die Kanadier. Jackson hoffte nur, dass der Sumpf der Korruption endlich ausgetrocknet werden kÃ¶nne. Eine naive Vorstellung, wie er bald merkte.</p><p><strong><em>Blaue Briefe an fÃ¼nf WeltverbÃ¤nde</em></strong></p><p>Denn Skate-Gate war nicht der letzte olympische Betrug. Bei den Sommerspielen in Athen ging es munter weiter. 12 000 Zuschauer tobten und protestierten beim Turn-Finale am Reck, weil der Russe Alexej Nemow, Liebling des Publikums, nach einer spektakulÃ¤ren Flugshow zwischenzeitlich Letzter war â€“ wegen eines kleinen Wacklers bei der Landung. Der Oberschiedsrichter und der Chef des Technischen Komitees des Turn- Weltverbandes FIG korrigierten die Wertung im Tumult um einen Zehntelpunkt nach oben, doch Nemow blieb cool. Das Ergebnis sei ohnehin abgesprochen, behauptete eriv. Was darunter zu verstehen war, hatten die Zuschauer wenige Tage zuvor, am 18. August 2004, in derselben Turnhalle besichtigen kÃ¶nnen, als der SÃ¼dkoreaner Tae Young Yang Dritter im Mehrkampf geworden war. Die Kampfrichter hatten ihm am Barren fÃ¤lschlicherweise nur einen Ausgangswert von 9,9 zugestanden â€“ der fehlende Zehntelpunkt mehr hÃ¤tte Tae Young Yang den Olympiasieg beschert, der stattdessen dem US-Amerikaner Paul Hamm zufiel. Die Fehlentscheidung rÃ¤umte die FIG indirekt ein, indem sie umgehend drei Kampfrichter suspendierte. Die SÃ¼dkoreaner legten Protest ein und zogen vor den Court of Arbitration for Sport (CAS), das internationale Sport- Schiedsgericht.</p><p>Dort wurde die Klage nach zwei Monaten abgelehnt, wegen eines Formfehlers: Der Protest der sÃ¼dkoreanischen Mannschaftsleitung in Athen war zwei Tage zu spÃ¤t eingegangen. Paul Hamm durfte seine Goldmedaille behalten â€“ sehr zum Unwillen von FIG-PrÃ¤sident Bruno Grandi. Der Italiener hatte Hamm in einem Brief nahe gelegt, freiwillig aus FairnessgrÃ¼nden auf seine Medaille zu verzichten. &#8220;Ein unerhÃ¶rter Vorgang&#8221;, befand der US-Verband: Das sei NÃ¶tigung.</p><p>Hamm rÃ¼ckte sein GoldstÃ¼ck aus guten GrÃ¼nden nicht heraus. SchlieÃŸlich sind die Athleten, ob benachteiligt oder bevorzugt, nur Objekte in diesem Spiel. FÃ¼r die Einhaltung der Regeln sollte ein Weltverband schon selber sorgen. So Ã¤hnlich sah es auch das IOC nach den Sommerspielen 2004. Es forderte nicht weniger als fÃ¼nf internationale FachverbÃ¤nde auf, ihre Regeln zu reformieren. Die Wertungen mÃ¼ssten dringend transparenter werden, argumentierte das IOC und verschickte blaue Briefe an die Verantwortlichen der fÃ¼nf Sportarten: Turnen, Taekwondo, Fechten, Ringen und Boxen. Beim Amateurboxen mahnen einige IOC-FunktionÃ¤re nun schon seit einem Jahrzehnt mehr Sauberkeit an: Die Boxer sind die Schmuddelkinder der olympischen Familie. Dass die FÃ¤uste hier schneller fliegen als in anderen Sportarten, mag in der Natur der Sache liegen. Aber kein anderer Verband hat es in der olympischen Geschichte zu so vielen Krawallen, Raufereien, Sitzstreiks und Angriffen auf Schiedsrichter gebracht wie der Amateurbox-Weltverband AIBA. In den zwei Jahrzehnten, seit der Pakistani Anwar Chowdhry der AIBA vorsteht, hat sich die Lage eher noch verschlimmert. Die AIBA gilt mittlerweile als Synonym fÃ¼r Bestechung jeder Art, das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg hat die VorgÃ¤nge sogar ganz Ã¶ffentlich als Schande bezeichnet. Weil alle Versuche erfolglos blieben, die fÃ¼r ihre Schiebungen und Fehlurteile berÃ¼chtigte AIBA zu domestizieren, entschloss sich IOC-PrÃ¤sident Jacques Rogge im Sommer 2005 zu einer bis dahin unerhÃ¶rten DisziplinierungsmaÃŸnahme. Er fror die UnterstÃ¼tzung fÃ¼r dieÂ AIBA ein: eine ausstehende Teilzahlung von etwas Ã¼ber einer Millionen Dollar aus den olympischen FernsehvertrÃ¤gen behielt das IOC zurÃ¼ck. Das Geld, so konnte der reformunwillige AIBA-PrÃ¤sident Chowdhry einem Schreiben des IOC entnehmen, werde erst dann wieder flieÃŸen, wenn die AIBA ihre geplanten Aktionen samt einem Zeitplan vorlege.</p><p><strong><em>&#8220;Verachtenswerte Verbrechen&#8221;</em></strong></p><p>Dass Box-Goldmedaillen kÃ¤uflich sind, hatte der ehemalige Chef der AIBA- Rechtskommission, Paul Konnor, schon 1998 dem damals von Juan Antonio Samaranch gefÃ¼hrten IOC gemeldet. Verbunden mit dem Hinweis, dass AIBA-PrÃ¤sident Chowdhry &#8220;verachtenswerte Verbrechen&#8221; an den Sportlern begehe. Konnor legte als Beleg eine Liste verschobener KÃ¤mpfe bei. Aber Ã¼ber die Machenschaften der AIBA war das IOC ohnehin ja seit 1988 unterrichtet â€“ seit der legendÃ¤ren Niederlage des Ausnahmeboxers Roy Jones in Seoul. Im olympischen Halbmittelgewichts-Finale hatte der US-Amerikaner Roy Jones damals dermaÃŸen auf seinen Gegner Park Si Hun eingeschlagen, dass nicht wenige Zuschauer dem beklagenswerten Koreaner einen Kampfabbruch wÃ¼nschten. Doch als der Fight beendet war, riefen, o Wunder, drei der fÃ¼nf Kampfrichter den geprÃ¼gelten Park Si Hun zum Gewinner aus. Park Si Hun war Ã¼ber seinen Olympiasieg so beschÃ¤mt, dass er Roy Jones auf HÃ¤nden durch den Ring trug, zum Zeichen, dass auch er ihn als den wahren Sieger sah. Roy Jones wurde zwar noch zum besten Boxer des Turniers gekÃ¼rt; die Goldmedaille aber hatten ihm die Kampfrichter aus Marokko, Uruguay und Uganda gestohlen. Chowdhry vertraute dem damaligen AIBA-GeneralsekretÃ¤r Karl-Heinz Wehr spÃ¤ter an, dass einige FunktionÃ¤re die OlympiakÃ¤mpfe in Korea fÃ¼r Geld verhÃ¶kert hatten. Lebenslange Sperren, wie Wehr forderte, wies er allerdings zurÃ¼ck: Solch drakonische Strafen seien nicht durchzusetzen in einem Verband, der das Faustrecht fÃ¶rderte.</p><p>Es ist erstaunlich, wie sehr sich hier zwei Sportarten gleichen, deren Protagonisten meist nicht mehr fÃ¼reinander Ã¼brig haben als ein NaserÃ¼mpfen: das ruppige Amateurboxen und der elitÃ¤re Eiskunstlauf. Was die Manipulationsmechanismen betrifft, sind die KÃ¤mpfer und die KÃ¼nstler, die Kraftsportler und die KufentÃ¤nzer einander allerdings nÃ¤her, als ihnen lieb sein kann. Denn clevere Boxrichter ergreifen gern mal die Gelegenheit, nicht Punkttreffer auf ihren Scoringkarten zu verzeichnen, sondern Sympathiepunkte. Unterdessen teilen die Juroren im Reich der Pirouetten ihre eigenen TiefschlÃ¤ge aus. Das bis 2002 gÃ¼ltige, alte Bewertungssystem im Eiskunstlauf hat Tricksereien nicht unnÃ¶tig erschwert â€“ manipuliert wurde entweder durch persÃ¶nliche WillkÃ¼r oder durch verbotene Absprachen. Erst nach Skate-Gate sind die Regeln reformiert worden. Bis dahin waren sie, zumindest auf den ersten Blick, recht simpel: Zwei Noten, eine fÃ¼r Technik, eine fÃ¼r Stil. Dazu eine Notenskala bis 6,0. Mithilfe dieses einfachen Notensystems wurden von den Preisrichtern allerdings auch noch die Platzierungen perÂ MajoriÃ¤tswahl ermittelt. Und damit wurde es fÃ¼r AuÃŸenstehende kompliziert: Denn ein Athlet konnte ohne weiteres Vierter der KurzkÃ¼r, Dritter der KÃ¼r und trotzdem Zweiter im Gesamtergebnis sein. Eine derart komplexe Wertung ist fÃ¼r potenzielle BetrÃ¼ger perfekt â€“ denn nur wer das System beherrscht, kann es gegebenenfalls beugen.</p><p>Ã„hnlich ist es im Boxen: Treffer werden hier in Hilfspunkte verwandelt und dem Getroffenen vom Punktekonto abgezogen. Aber es ist und bleibt der Punktrichter, der bestimmt, was genau ein Treffer ist. Die von Chowdhry installierte Punktmaschine hat das System zwar komplexer, aber nicht transparenter gemacht. Denn der Boxcomputer zÃ¤hlt nur die Treffer â€“ nicht die Technik, nicht die Taktik â€“ und er berÃ¼cksichtigt Ã¼berdies nur solche Treffer, die von drei der fÃ¼nf Punktrichter innerhalb einer Sekunde per Tastendruck vermerkt werden. Wer als Punktrichter drei Mal niest, hat einen Boxer mÃ¶glicherweise schon um seinen Sieg gebracht.</p><p><em><strong>AmnÃ¤sie der NiedriglohnempfÃ¤nger</strong></em></p><p>Nicht hinter jedem Fehlurteil steckt gleich Verrat. Aber festzuhalten bleibt: Die Manipulationsgefahr ist ein sportimmanentes Problem. Ãœberall dort, wo nicht per Stoppuhr (Schwimmen), Zielfoto (Sprint) oder Messband (Weitsprung) der Beste ermittelt wird, mÃ¼ssen die Befindlichkeiten eines wertenden Individuums entscheiden. Und die Athleten kÃ¶nnen nur hoffen, dass es dieses Individuum ehrlich mit ihnen meint. Was Ã¼brigen nicht heiÃŸen soll, dass man nicht auch im Weitsprung trefflich fÃ¤lschen kann: Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1987 in Rom wurden fÃ¼r den Italiener Giovanni Evangelisti 8,38 Meter gemessen, obwohl einige Beobachter groÃŸe Zweifel an der Weite hegten. Evangelisti gewann trotzdem WM-Bronze, weil Organisationschef Primo Nebiolo eine sofortige ÃœberprÃ¼fung untersagte. Zwei Jahre spÃ¤ter bewies dann ein Video Evangelistis wahre Sprungkraft (7,91 Meter) und die Kampfrichtermanipulation. Der Athlet war daraufhin seine Medaille los, sechs Kampfrichter verloren ihre Jobs und Primo Nebiolo seinen Posten als Chef des italienischen Verbands. PrÃ¤sident des Leichtathletik- Weltverbandes ist Nebiolo selbstverstÃ¤ndlich bis zu seinem Tode geblieben.</p><p>Die Frage ist nun, was einen Sportsmann dazu treibt, alle Regeln des Anstands zu vergessen â€“ und im Rahmen einer akuten AmnÃ¤sie die Regeln seines jeweiligen Verbandes dazu. ZunÃ¤chst scheint es, erstaunlicher Weise, ein Ausbildungsproblem zu sein. Wer das Schiedsrichtern, wie im Eiskunstlauf, lernt, indem er andere Schiedsrichter kopiert und von diesen dann spÃ¤ter selbst bewertet wird, der Ã¼bernimmt zwangslÃ¤ufig deren Eigenheiten. &#8220;Preisrichter-Klonen&#8221;, hat der Autor Jon Jackson diesen Prozess genannt, den er selbst durchlief: &#8220;Auf diese Weise erschafft man die gleichen schlechten Angewohnheiten, die vorher schon existierten.&#8221; SpÃ¤ter, so schreibt Jackson, lerne der Preisrichter-Neuling dann, wie wichtig es sei, &#8220;das Spiel&#8221; mitzuspielen, also so zu werten, dass er nicht durch extravagante Notengebung auffÃ¤llt unter den Kollegen. Nur wer das Spiel beherrsche, wer die neuesten Informationen in der Szene kennt, wer nicht aus derÂ Rolle fÃ¤llt, dÃ¼rfe auf eine BefÃ¶rderung hoffen, um auch auf internationaler Ebene eingesetzt zu werden. Ist dieser Ausbildungsweg abgeschlossen, kommen die kleinen und die grÃ¶ÃŸeren Verlockungen hinzu â€“ und schlimmstenfalls die kleinen und grÃ¶ÃŸeren Erpressungen. Das Schiedsrichterwesen ist in den meisten Sportarten â€“ ob Turnen, Boxen oder Rhythmische Sportgymnastik â€“ im ehrenamtlichen Bereich verankert.</p><p>Im Eiskunstlauf zum Beispiel gelten die Preisrichter als die letzten NiedriglohnempfÃ¤nger in einem globalen Millionen-Dollar-GeschÃ¤ft. Vergolten wird ihre Arbeit, neben den gÃ¤ngigen AufwandsentschÃ¤digungen, mit VergÃ¼nstigungen, etwa einer Unterkunft und Verpflegung, die hÃ¤ufig ein paar Sterne besser ist als die der Athleten. Nicht jedem fÃ¤llt es da leicht, im Ernstfall auf derartigen Luxus zu verzichten â€“ etwa indem er sich durch eine eigenstÃ¤ndige, faire und deshalb mÃ¶glicherweise unkooperative Wertung in seinem Verband entbehrlich macht. Je nach Herkunftsland und Sportart kann das Schiedsrichter- Honorar bis zu mehreren Durchschnitts-MonatslÃ¶hnen entsprechen. Wer wird das gern riskieren? Wie groÃŸ das Dilemma sein kann, hat Andrew Jennings am Beispiel des marokkanischen Box-Punktrichters Hiouad Larbi verdeutlicht. Larbi gehÃ¶rte zu jenen drei Experten, die 1988 in Seoul den US-Amerikaner Roy Jones um Olympiagold brachten. Ein Landsmann erzÃ¤hlte spÃ¤ter, dass Larbi als Lehrer in Marokko arbeite und einer seiner Vorgesetzten zufÃ¤llig ein AIBA-FunktionÃ¤r und Freund koreanischer GeschÃ¤ftsleute sei. Und dass es nicht viel bedÃ¼rfe, um eine Lehrerstelle neu zu besetzen.</p><p><strong><em>&#8220;Ich will, dass du auch fÃ¼r mich etwas tust&#8221;</em></strong></p><p>Es ist selbstverstÃ¤ndlich unrichtig, ungerecht und unverantwortlich, alle Preis-, Ring-, Punkt-, Kampf- und sonstigen Schiedsrichter unter einen Generalverdacht zu stellen. Sowohl in der AIBA als auch im Eislauf-Weltverband ISU arbeiten honorige und aufrechte Fachleute, die immun sind gegen jede Manipulation. Ebenso unrichtig und ungerecht wÃ¤re es zu verschweigen, dass honorige und aufrechte Fachleute die AIBA und die ISU verlassen haben, weil sie den Kampf gegen die Manipulation verloren. Unrichtig und unverantwortlich wÃ¤re es auch, den Fakt zu ignorieren, dass in diesen VerbÃ¤nden stellenweise ein Klima herrscht, das Tricks und TÃ¤uschung, Gier und Arglist fÃ¶rdert. Dieser leichte FÃ¤ulnisgeruch der Korruption zieht Leute an, denen es um mehr geht als um einen Toeloop oder Upper Cut. Es geht ihnen auch um mehr als einen ersten oder zweiten Platz bei einem x-beliebigen sportlichen Wettbewerb. Es geht um GeschÃ¤fte etwas grÃ¶ÃŸerer Dimensionen.</p><p>Dies verdeutlicht ein Telefon-Protokoll aus den Akten internationaler Mafia-Ermittler. Es stammt vom 12. Februar 2002, dem Tag nach der olympischen Paarlauf-KÃ¼r von Salt Lake City:</p><blockquote><p>Chevalier: &#8220;Ich rufe dich an, damit du die Mutter oder den Vater von (Marina &#8230;) benachrichtigen kannst. Alles wird jetzt gut gehen, weil die Franzosen sie dank ihrer Wertung zu Siegern gekÃ¼rt haben &#8230; Es ist geschehen, es ist geschehen. Selbst wenn die Kanadier zehnmal besser waren, die Franzosen haben ihnen mit ihrer Wertung den ersten Platz gegeben. Verstehst du?&#8221;</p><p>VerdÃ¤chtigter: &#8220;Ah-ah.&#8221; Chevalier: &#8220;&#8230; und das ist mehr wert als Geld&#8230;&#8221; Chevalier: &#8220;&#8230; Gib ihr meine russische Nummer. Sag ihr, sie soll mich Ã¼ber Moskau anrufen.&#8221; VerdÃ¤chtigter: &#8220;Okay &#8230;&#8221; Chevalier: &#8220;&#8230; Ich werde es noch mal kurz erklÃ¤ren: Marina, ich tue es fÃ¼r Alek, aber ich will, dass du auch fÃ¼r mich etwas tust.&#8221; VerdÃ¤chtigter: &#8220;Nein, nein, das arme Kind. Sie kann fÃ¼r mich nichts tun.&#8221; Chevalier: &#8220;Wenn sie es ihm wenigstens erzÃ¤hlen wÃ¼rden.&#8221; VerdÃ¤chtigter: &#8220;Sie haben mit ihm geredet, er konnte nichts tun. Marina hat darunter gelitten. Sie hÃ¤tte alles getan, aber sie konnte nicht. Der PrÃ¤sident hat viel versprochen, aber nichts getan, verdammt.&#8221; Chevalier: &#8220;Der Eislauf-PrÃ¤sident?&#8221; VerdÃ¤chtigter: &#8220;Ja, er hat mit einem Assistenten von Chirac studiert. Verstehst du?&#8221;</p></blockquote><p>Der Telefonmitschnitt hatte anfangs wohl auch die Ermittler der italienischen Polizei und des FBI Ã¼berrascht. Denn Ã¼berwacht hatten sie den VerdÃ¤chtigten, der als Alimsan Tochtachonow identifiziert wurde, nicht wegen des Eislauf-Skandals der Olympischen Spiele in Salt Lake City. Sondern im Rahmen einer groÃŸ angelegten europÃ¤ischen Aktion gegen die Russen-Mafia, der Aktion &#8220;Spinnennetz&#8221;. Wer sich hinter seinem GesprÃ¤chspartner, dem gewissen Chevalier verbarg, blieb unklar. Leichter war es, eine Verbindung zwischen der angesprochenen &#8220;Marina&#8221; und jener russisch-stÃ¤mmigen FranzÃ¶sin Marina Anissina herzustellen, die sechs Tage nach dem Telefonat Eistanz- Olympiasiegerin wurde. Denn laut den Ermittlern existierten auch der Mitschnitt eines GesprÃ¤chs zwischen Tochatchunow und einer namentlich nicht genannten franzÃ¶sischen EistÃ¤nzerin. Auch die Mutter der Athletin hat mit Tochtachunow geplaudert. Marina Anissina wies alle VerdÃ¤chtigungen empÃ¶rt von sich: Sie und ihr franzÃ¶sischer Eistanz- Partner hÃ¤tten keine fremde Hilfe nÃ¶tig gehabt, um Olympiagold zu gewinnen, alles andere sei verleumderisch.</p><p>Tochtachunows Anwalt erklÃ¤rte die VorwÃ¼rfe nach der Festnahme seines Mandanten im Sommer 2002 in Venedig zur Farce. Der franzÃ¶sische Eisverbands-PrÃ¤sident, Didier Gailhaguet, bestritt ebenfalls jeglichen Kontakt zu Tochtachunow wÃ¤hrend der Spiele: Er habe sich nur zwei Jahre zuvor einmal mit ihm getroffen, damals sei es um dieÂ Partnerschaft fÃ¼r einen Pariser Eishockey-Klub gegangen. Die Vorliebe fÃ¼r franzÃ¶sische Lebensart hatte sich Tochtachunow offenbar bewahrt: Denn die US-BehÃ¶rden warfen ihm vor, dass er Manipulationen der beiden olympischen Wettbewerbe vor allem mit einem Ziel betrieben habe: einen franzÃ¶sischen Pass zu ergattern. Vielleicht erklÃ¤rt dieser Umstand, weshalb die franzÃ¶sische Preisrichterin Marie-Reine Le Gougne am Abend nach der Paarlauf-Entscheidung so hysterisch klagte, dass keiner eine Ahnung habe, unter welchem Druck sie stehe.</p><p><em><strong>GeldwÃ¤sche, Drogenhandel, illegales Wettspiel</strong></em></p><p>Der in Usbekistan geborene Tochtachunow besaÃŸ immerhin einen israelischen Pass. Seine internationale Laufbahn hatte er Anfang der Neunziger Jahre in KÃ¶ln begonnen, wo er in der Nieler StraÃŸe lebte, offiziell als selbststÃ¤ndiger Kaufmann. Inoffiziell, so enthÃ¼llte die Berliner Zeitungxii, war er Kontaktmann fÃ¼r Mafiosi aus dem ehemaligen Sowjetreich, die in Westeuropa ankamen. Seit 1993 war er auf der Flucht, in Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien. In Ermittlungsakten wird er mit allerlei Dingen in Verbindung gebracht, die primÃ¤r nichts mit Eiskunstlauf zu tun haben: GeldwÃ¤sche, Drogenhandel, illegales Wettspiel. Wie er sein Spiel damals in Salt Lake City trieb, ist nicht bis in die Einzelheiten geklÃ¤rt. Tochtachunow wurde nicht, wie vom FBI verlangt, ausgeliefert in die USA, sondern zehn Monate nach seiner Verhaftung im Juni 2003 auf freien FuÃŸ gesetzt. Er hatte vor dem hÃ¶chsten italienischen Berufungsgericht gegen die Auslieferung geklagt. Bei seiner RÃ¼ckkehr nach Moskau wurde er noch einmal vernommen, dann verlieren sich die Spuren.</p><p>Interessant ist, dass Tochtachunow noch mehr Bekannte im Sport hatte als den ehemalige franzÃ¶sischen Eislauf-VerbandsprÃ¤sidenten Didier Gailhaguet. Der frÃ¼here russische Tennisprofi Jewgeni Kafelnikow zum Beispiel bezeichnete Tochatchunow als seinen Freund. Wundert es da, dass der usbekische Eistanzliebhaber auch Kontakte zum Amateur-Boxverband AIBA hat, und zwar zu einem Landsmann, der nicht besser beleumundet ist, als er selbst: Gafour Rachimow? Rachimow ist einer jener EhrenÃ¤mtler, dem die Australier zu den Olympischen Sommerspielen in Sydney die Einreise verweigerten, was weltweit fÃ¼r Schlagzeilen gesorgt hatte. Zwar war er damals Mitglied des Exekutivkomitees der AIBA und Chef der so genannten Business-Kommission, die die vom IOC Ã¼berwiesenen DollarbetrÃ¤ge verwaltet. Aber die BehÃ¶rden ordneten den usbekischen Intimus des Box-PrÃ¤sidenten Anwar Chowdhry doch eher als &#8220;Gefahr fÃ¼r die Sicherheit des australischen Volkes ein&#8221;. Die Experten fÃ¼r organisierte KriminalitÃ¤t haben sich eingehend mit ihm beschÃ¤ftigt, das FBI fÃ¼hrte ihn sogar mit einem Bild in seiner Kartei, und russische Ermittler sagen Ã¼ber den Baumwoll-Zaren unter anderem, dass kein GeschÃ¤ft in Usbekistan eingefÃ¤delt werden kÃ¶nnen ohne seine heimliche Zustimmung.</p><p>Der usbekische Boxsport jedenfalls nahm unter Gafour Rachimows Patronage einen ungeahnten Aufschwung. Immer hÃ¤ufiger profitierten die Athleten aus Usbekistan von dubiosen Urteilen der Punkterichter. Bei der Weltmeisterschaft in Budapest 1997 etwa besiegte der 19-jÃ¤hrige Ruslan Schagajew den Kubaner Felix Savon, einen fÃ¼nfmaligen Weltmeister und zweimaligen Olympiasieger, einen der besten Boxer der Geschichte, mit einer Wertung von erstaunlichen 14:4. Dass dem Usbeken Schagajew spÃ¤ter der Sieg wieder aberkannt werden musste, lag allerdings nicht daran, dass die Agentur Reuters um die Welt gekabelt hatte: &#8220;Savon war das Opfer dubioser Schiedsrichter- Entscheidungen.&#8221; Vielmehr fanden US-Journalisten heraus, dass der Amateur- Weltmeister Schagajew zuvor zweimal als Boxprofi angetreten war. Vergeblich hatte Rachimow persÃ¶nlich beim damaligen AIBA-GeneralsekretÃ¤r Karl-Heinz Wehr interveniert, um die Titel-Aberkennung zu unterbinden; vergeblich blieb auch der Bestechungsversuch des usbekischen FunktionÃ¤rs Wladimir Schin.xiv Zwei Jahre spÃ¤ter wurde die kubanische Boxstaffel um Felix Savon in Houston ein weiteres Mal betrogen. Diesmal unterlag der dreimalige Weltmeister im Weltergewicht, Hernandez, dem Russen Gaidalow umstritten nach Punkten. &#8220;Vier unserer Boxer wurden benachteiligt&#8221;, klagte der kubanische Delegationsleiter: &#8220;Unsere Proteste wurden vom AIBA-PrÃ¤sidenten Anwar Chowdhry nicht zur Kenntnis genommen, wir ziehen nunmehr die Konsequenz.&#8221; Kuba zog am ersten Finaltag die gesamte Mannschaft zurÃ¼ck. Die WM hatte ihren Eklat. GeÃ¤ndert hat sich seitdem: nichts.</p><p><em><strong>&#8220;Immer schÃ¶n bei der Wahrheit bleiben&#8221;</strong></em></p><p>Die Ring- und Punktrichter werden in internationalen Wettbewerben noch immer am liebsten von Chowdhry und Konsorten persÃ¶nlich ausgewÃ¤hlt. Eine offene Wertung, wie das IOC sie fordert, gibt es nicht. Vor Ende des Kampfes weiÃŸ das Publikum nur dann, wer in FÃ¼hrung liegt, falls dessen Gegner zufÃ¤llig, k.o. geschlagen, alle Viere von sich streckt. Ob der Fakt, dass das IOC die ZuschÃ¼sse eingefroren hat, zur Disziplinierung taugt, ist noch unklar. Die AIBA sei dabei, eine Software zur Auswahl der Schiedsrichter zu entwickeln, lieÃŸ Chowdhry kÃ¼rzlich verlautenxvi. Dabei sagen seine Kritiker, es wÃ¼rde schon reichen, er hielte die Besten nicht absichtlich zurÃ¼ck. Mit der offenen Wertung, teilte Chowdhry hingegen bekÃ¼mmert mit, habe die AIBA vor zehn Jahren leider traurige Erfahrungen gemacht: &#8220;Die Punktrichter lieÃŸen sich von der laufenden Wertung beeinflussen und benachteiligten die Boxer, die in frÃ¼heren Runden zurÃ¼cklagen.&#8221;</p><p>Dennoch kÃ¼ndigte die AIBA nun an, dass sie bei Nachwuchs-Wettbewerben die Wertungen schon im Kampf an einer Anzeigentafel Ã¶ffentlich machen wolle; dieses neue System sei ein Experiment im Hinblick auf kÃ¼nftige Olympia-KÃ¤mpfe. Von einer Neuerung allerdings, so merken die Verfasser des kritischen Newsletters Boxing-special unter dem Titel &#8220;Immer schÃ¶n bei der Wahrheit bleiben&#8221; sÃ¼ffisant an, kÃ¶nne keine Rede sein. Das System sei schon 1992 in Barcelona erfolgreich angewandt worden: &#8220;Das gelang, weilÂ Herr Chowdhry, der immer ein Gegner der offenen Wertung war, in der Vorbereitung der Spiele erkrankte.&#8221;</p><p>Der vom Italiener Bruno Grandi gefÃ¼hrte Turn-Weltverband FIG war bei der Reformierung seines manipulationsanfÃ¤lligen Wertungssystems weniger zÃ¶gerlich. Im November 2005 wurde ein neues Regelwerk vorgestellt, dessen wichtigste Neuerung die Abschaffung der HÃ¶chstnote 10,0 darstellte. Ein A-Kampfgericht addiert seitdem bei jedem Athleten die Punkte fÃ¼r die schwierigsten neun Elemente einer KÃ¼r; ein B-Kampfgericht summiert die Abzugspunkte. Gewonnen hat der Turner mit der HÃ¶chstpunktzahl â€“ es sei denn es gibt EinsprÃ¼che. Die Argumente muss jemand, der sich betrogen fÃ¼hlt, nun allerdings vor Ende der KÃ¼r des jeweils nÃ¤chsten Turners vorgelegt haben. Wer nicht ganz so schnell im Kopfrechnen ist, hat seinen Einspruch mÃ¶glicherweise schon verspielt.</p><p>Noch schneller als die TurnbrÃ¼der hatte Ottavio Cinquanta, Chef des Eislauf- Weltverbandes ISU, die Reform des Wertungssystems durch die Gremien gepeitscht. Kaum hatten die ersten IOC-Mitglieder dem Eistanz nach Skate-Gate mit dem Rauswurf aus dem Olympischen Programm gedroht, sah Cinquanta seine eigene IOC-Karriere gefÃ¤hrdet. Schon vier Monate nach den Winterspielen legte er auf dem Kongress in Kyoto seine neuen Bewertungsrichtlinien vor. Und wÃ¤hrend die Delegierten noch glaubten, Cinquanta habe sie lediglich Ã¼ber ein Ãœbergangsprojekt abstimmen lassen (&#8220;Itâ€™s not a rule. Itâ€™s not a rule. Itâ€™s a project!&#8221;), wurden die neuen Regeln schon Schritt fÃ¼r Schritt installiertxviii. Bei der WM 2004 wurde letztmals die 6,0 als HÃ¶chstnote vergeben, bei der WM 2005 in Moskau war das neue Computer-System bereits fest implementiert.</p><p><strong><em>&#8220;Noch mehr Schutz fÃ¼r Ungerechtigkeiten&#8221;</em></strong></p><p>Die Neuerungen im Eiskunstlauf sind allumfassend: Jeder Preisrichter ist mit einem Touchscreen-Bildschirm ausgerÃ¼stet. Aber nicht mehr jeder Preisrichter wertet mit; ein Zufallsgenerator bestimmt vor dem Wettkampf, welche neun von 14 Juroren das Panel bilden. FÃ¼r den technischen Wert eines LÃ¤ufers werden einzelne Elemente und SprÃ¼nge nun separat bewertet und die Punkte zum Schluss addiert. FÃ¼r den kÃ¼nstlerischen Ausdruck gibt es ebenfalls Punkte. Sieger ist logischerweise, wer die meisten Punkte hat. Das klingt einleuchtend und wÃ¤re es auch, hÃ¤tte die ISU sich nicht gegen eine offene Wertung entschieden. Die ISU sichert ihren Preisrichtern seit Skate-Gate aber absolute AnonymitÃ¤t zu. Niemand weiÃŸ mehr, wie die franzÃ¶sische Preisrichterin im Zweifelsfall gewertet hat â€“ nicht der Athlet, nicht die Zuschauer, nicht einmal die Preisrichterkollegen. &#8220;Keiner muss mehr Verantwortung fÃ¼r seine Noten Ã¼bernehmen&#8221;, kritisierte Sally Stapleford, die langjÃ¤hrige Vorsitzende der technischen Kommission der ISU, die 2002 im West Coast Hotel Augenzeugin war von Madame Le Gougnes GestÃ¤ndnis: &#8220;Damals wussten wir, fÃ¼r wen Le Gougne gestimmt hatte. Und sie wusste, dass sie sich vor den Kollegen rechtfertigen musste. Heute weiÃŸ keiner mehr etwas.&#8221;</p><p>Die ISU verteidigt die anonyme Wertung damit, dass nun kein Juror von auÃŸen mehr unterÂ Druck gesetzt werden kÃ¶nne. Jon Jackson, ein weitere Augenzeuge von Salt Lake City, sagte indes: &#8220;Das bedeutet noch mehr Schutz fÃ¼r alle Ungerechtigkeiten.&#8221; Transparenz sieht anders aus. Wird sich also Skate-Gate nicht mehr wiederholen? Das lÃ¤sst sich leider nicht behaupten, denn einen Teil der Schuldigen hat die ISU nie zur Rechenschaft gezogen â€“ und zwar den russischen Teil der VerschwÃ¶rung. Zwar wurde die FranzÃ¶sin Marie-Reine Le Gougne drei Jahre als Preisrichterin gesperrt. Den damaligen franzÃ¶sischen VerbandsprÃ¤sidenten Didier Gailhaguet bannte die ISU ebenfalls drei Jahre. Eine Verfehlung von russischer Seite aber hat ISU-Chef Cinquanta niemals erkennen wollen: Weder in Salt Lake City nach dem GestÃ¤ndnis Le Gougnes (&#8220;Es war ein Deal mit den Russen!&#8221;). Noch bei der Verhandlung in Lausanne, bei der ihm die Protokolle der Zeugen Jackson, Stapleford und des Oberschiedsrichters des Olympia-Paarlaufwettbewerbs, des US-Amerikaners Ron Pfenning, vorlagen. Und offenbar auch nicht nach der Verhaftung Tochtachunows. Die Rolle der russischen Eiskunstlauf-FunktionÃ¤re wurde niemals untersucht.</p><p>Sie machten statt dessen stramm Karriere. Beim ISU-Kongress in Kyoto, wo auch die AnonymitÃ¤tswertung abgesegnet wurde, wÃ¤hlten die Delegierten die aufrechte Britin Stapleford aus dem Amt. Stattdessen wurde ein gewisser Alexander Lakernik zum Vorsitzenden des wichtigen Technischen Komitees gewÃ¤hlt. Lakernik war der russische Assistent des Oberschiedsrichters in Salt Lake City â€“ wo er selbstverstÃ¤ndlich die Russen vorn gesehen hatte, nicht die fehlerlosen Kanadier. AuÃŸerdem wurde Wladislaw Petschukow ins Technische Komitee befÃ¶rdert: Der ukrainische Sportsfreund gehÃ¶rte, wie Le Gougne, zu jener FÃ¼nferbande, die den Kanadiern ursprÃ¼nglich die Goldmedaille raubte.</p><p><strong><em>Mord in Moskau</em></strong></p><p>FÃ¼r die Skate-Gate-Zeugen Jackson, Stapleford und Pfenning war die Zeit der Pirouetten hingegen bald vorbei. Unzufrieden mit der Aufarbeitung des Skandals durch die ISU hatten sie 2003 einen Gegen-Weltverband gegrÃ¼ndet (WSF), der auf UnterstÃ¼tzung von Eislauf-GrÃ¶ÃŸen wie Katarina Witt, Scott Hamilton und der kanadischen PaarlÃ¤ufer Sale/Pelletier bauen konnte. Das IOC aber verweigerte dem Gegenverband die Anerkennung, der Protest lief ins Leere. Die ISU bestrafte die AbtrÃ¼nnigen mit Ausschluss auf Lebenszeit; dagegen war Le Gougne mit drei Jahre Sperre weit glimpflicher davongekommen.</p><p>Und das Ende der Geschichte? Anwar Chowdhry, 82 Jahre alt, wird 2006 vermutlich erneut fÃ¼r das Amt des AIBA- PrÃ¤sidenten kandidieren. Er steht seit nunmehr zwanzig Jahren fÃ¼r eine KontinuitÃ¤t der Korrumpierbarkeit im Amateurbox-Weltverband. Marie Reine Le Gougne, ehemalige franzÃ¶sische Preisrichterin, hat kÃ¼rzlich zu der von ihr manipulierten olympischen Paarlauf-Entscheidung Stellung genommen: &#8220;Es war nichtÂ vergeblich, wenn es dem Eiskunstlauf zu einer Revolution verholfen hat.&#8221; Der franzÃ¶sische Eislauf-Verband bestÃ¤tigte im April 2006, dass er damit rechnet, dass Le Gougne sich im Sommer zur Wahl des VerbandsprÃ¤sidenten stellt. Chevalier Nusujew, ehemaliger PrÃ¤sident der russischen JugendsportfÃ¶deration, wurde am 29. August 2005 rein zufÃ¤llig erschossen, als er ein Restaurant in Moskau verlieÃŸxx. Nusujew wurden Verbindungen zu dem angeblichen Mafiosi Alimsan Tochtachunow nachgesagt. Nusujew soll jener Mann gewesen sein, mit dem sich der Sportkamerad Tochtachunow am 12. Februar 2002 am Telefon so fachmÃ¤nnisch unterhalten hat.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.jensweinreich.de/2010/02/15/skate-gate-teil-2-das-korruptionsproblem-im-preis-und-kampfrichterwesen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>22</slash:comments> </item> </channel> </rss>
