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Was vom Tage übrig bleibt (49): Lokalsport, Journalismus, Technologiefeindlichkeit

Ich hatte auf einem elend langen Flug viel Zeit zum Schmökern. Einiges gebe ich flink mal als Lesebefehl weiter:

Überragend:

  • Kathrin Passigs “Internetkolumne” in “Merkur – deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“, in der sie wunderbar “Standardsituationen der Technologiekritik” über Jahrhunderte beschreibt – bis hin zur teilweise absurden Internetkritik

Außerdem, hochinteressant:

Nachtrag, sehe ich jetzt erst:

  • Sportgespräch im Deutschlandfunk zum Thema: “Sportlobbyisten oder Volksvertreter? Die Gratwanderung des neuen Sportausschusses im kritischen Umgang mit den Sportorganisationen”. Astrid Rawohl und Jessica Sturmberg im Gespräch Dagmar Freitag (SPD/DLV/Chefin des BT-Sportausschusses) und Joachim Günther (FDP/stellv. Chef des Ausschusses):

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Dagmar Freitag wundert sich u.a. über den Schulterschluss etlicher Vertreter Parlamentariern mit einer mutmaßlichen Doperin. Und Joachim Günther argumentiert, der DOSB, der von seinem Parteifreund Thomas Bach (UDIOCM) geführt wird, habe gerade erst bestätigt, dass Deutschland in der Dopingbekämpfung ganz weit vorn sei :)

Es gibt mehr solcher lustigen aber auch irgendwie erschreckenden Passagen.

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17 kommentare zu Was vom Tage übrig bleibt (49): Lokalsport, Journalismus, Technologiefeindlichkeit

  1. TobiasL am 7. Dezember 2009 um 09:49 (#)

    Jens! Danke für den Text von Passig! Finde ich bemerkenswert, wie jemand kritisch mit der eigenen Arbeitsfläche umgeht. Da scheint sich einiges im Vergleich zu den alten Betriebsstrukturen geändert zu haben. Vielleicht wir, die immer auf die “großen Veränderungen” warten, mitten in einer Revolution.

  2. ha am 7. Dezember 2009 um 16:59 (#)

    Wieso eine “mutmaßliche Doperin”? Es handelt sich um eine überführte Doperin. Das klarzustellen, sah sich im Bundestagssportausschuss Cas-Richter Dirk-Rainer Mertens bemüßigt (dpa):

    Die Bestätigung der Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS sei «nicht sportrechtlich endgültig, sondern rechtlich endgültig», betonte der als CAS-Richter tätige Rechtsanwalt Dirk-Reiner Martens. Das Urteil könne vom Schweizer Bundesgericht nur unter verfahrensrechtlichen Grundsätzen überprüft werden. «Es wird nicht überprüft, ob das Urteil richtig oder falsch ist», sagte Martens.

  3. Ralf am 7. Dezember 2009 um 17:06 (#)

    @ ha:

    Die Sportausschuß-Kollegen von CDU, CSU und FDP wollen das auch noch nicht so sehen. Sie denken eher an das Lebenswerk, die Charakterstärke, die Vorzeigeathletin, etc. pp.

    Auch hier fand Herr Martens eindeutige Worte: Wer dopt, taugt nicht mehr zur Vorzeigeathletin.

  4. ha am 7. Dezember 2009 um 17:09 (#)

    Oje. Dirk-Reiner Martens.

    Dafür der funktionierende Link zur Sitzung im Parlamentsfernsehen

  5. Stefan am 7. Dezember 2009 um 17:38 (#)

    Her Text von Passig ist wirklich gut, wird gleich getwittert. ;-)

  6. nona am 7. Dezember 2009 um 19:34 (#)

    Der Text von Katrin Passig ist ganz okay. “Wirklich gut” würde ich ihn nicht unbedingt nennen, “überragend” schonmal gleich garnicht. Der für mich frappierendste Makel ist das fast vollständige ausser Acht lassen der Tatsache, dass Technologiekritik oder Internetkritik im Allgemeinen und im Detail sehr wohl auch berechtigt und sein kann und zulässig ist. Und das sehe nicht nur ich so.

  7. Jens Weinreich am 7. Dezember 2009 um 19:54 (#)

    Oh, nona, der Herr Niggemeier hat schon am 3. Dezember darauf hingewiesen. Das war mir entgangen in der Ferne :)

    Aber komm, der Satz, den Stefan zitiert, der ist schon überragend! Ich mache jetzt keinen Rückzieher, aber die Fleißarbeit, diese Zitate rauszusuchen, die finde ich schon bemerkenswert, nach wie vor. Ich find’s mehr als gut und durchaus entlarvend für die Diskussion.

  8. nona am 8. Dezember 2009 um 14:57 (#)

    Ja. Sicher. Ich finde den Text ja auch gut geschrieben, und durchaus in Teilen wahr. Aber er ist eben einseitig. Die vielen tollen Zitate könnte man auch als blosses Herunterbeten von Beispielen kritisieren. Und man könnte fraglos einen mindestens ebenso langen Text verfassen, der Beispiele herunterbetet, wo Mensch “das wird sich nicht durchsetzen” über eine neue Erfindung sagte, und es setzte sich tatsächlich nicht durch. Oder analog, wo Mensch vor den Gefahren von etwas Neuem warnte, und retrospektiv traten die negativen Auswirkungen in der Tat ein oder/und sie verdrängten etwas eigentlich besseres. Den alten Spruch “Früher war alles besser” als lächerlich abzutun übersieht, dass so manches eben tatsächlich früher besser war.

    Auch nicht schlecht dazu (via Bildblog): http://www.struppig.de/vigilien/?p=2152

  9. Jens Weinreich am 8. Dezember 2009 um 15:01 (#)

    Stimmt alles. Ich fand’s dennoch amüsant und sehe das gar nicht so pessimistisch, was da auf mich (uns) zukommt – und ich sage das wohlwissend, dass es Journalismus bald nicht mehr bzw. schon jetzt nicht mehr in der Form, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen, geben wird.

  10. nocheinjurist am 8. Dezember 2009 um 15:37 (#)

    @ ha: Ob Herr Martens da so richtig liegt? Es gibt wohl deshalb die Korrekturmöglichkeit des Bundesgerichts bei groben Verfahrensfehlern, weil man unterstellt, diese groben Fehler können nicht zu einem materiell-rechtlich vertretbaren Resultat führen. Wenn Martens Aussage von dpa also nicht geschrumpft worden ist, finde ich sie bedenklich. Vllt. hat er etwas anderes gemeint? Oder ist es ein Streit, wer am längeren Hebel sitzt – CAS oder Bundesgericht, und damit auch ein Stück Eitelkeit?

  11. ha am 8. Dezember 2009 um 16:01 (#)

    nocheinjurist,
    hat er so gesagt, war auch live zu hören. Gemeint haben kann er: Ob Doping ja oder nein, also inhaltlich, kann das Bundesgericht nicht entscheiden. Jetzt sagt er jedenfalls laut dpa:

    Pechsteins Chancen weiter schlecht

  12. georgie am 8. Dezember 2009 um 20:50 (#)

    ist zwar OT, aber ich wusste spontan nicht wohin sonst damit:
    gibt’s schon was neues zur Sportjournalisten-Konferenz des Sportnetzwerks im April?

  13. Ralf am 10. Dezember 2009 um 13:24 (#)

    Frank Steffel (CDU) in der superi…: Fairplay: »Macht Claudia als Mensch nicht fertig«

  14. the_doctor am 10. Dezember 2009 um 15:59 (#)

    tja, die gleichen krokodilstränen hat er auch schon bei der anhörung im sportausschuss vergossen. schade, daß viele sportpolitiker immer dann mit ihrem sendungsbewusstsein so endlos abnerven müssen, wenn leise, ausgewogenere töne und geradliniges handeln für die debatte wohltuender wären. ob sie seit zwei jahrzehnten eine tadellose sportlerin gewesen ist, ist ja zumindest fraglich.

  15. sternburg am 10. Dezember 2009 um 18:38 (#)

    Ich weiß gar nicht, ob wir jetzt das Wirken des “Kennedy von der Spree” näher verfolgen müssen, weil er ja quasi Bundes-Sportpolitiker ist (bitte nicht).

    Aber gibt es eigentlich irgendeinen seiner Konkurrenten, der sich ebenfalls nicht entblödet, sein Gesicht in die Super-Illu zu halten? Und das als volle Kanne West-Berliner?

  16. Jens Weinreich am 10. Dezember 2009 um 18:42 (#)

    @ Ach, sternburg, mein Vertrauen an den Spreeathen-Kennedy ist grenzenlos, so dass ich ihm sogar zu traue, nicht zu wissen, was dieses Blättchen ist; Hauptsache ein Blättchen halt.

  17. nocheinjurist am 12. Dezember 2009 um 18:24 (#)

    @ ha: Bin auch gespannt, was das Bundesgericht so kann. Kraft eigener Wassersupe und mit “Über mir der blaue Himmel” entscheidet das BVerfG gelegentlich auch mal über Dinge, die es nicht entscheiden sollte. Vllt. klärt das Bundesgericht ja darüber auf, wie man mit Indizien (nicht) verfahren darf, und meint, dies sein eine gravierende Verfahrensfrage. CP Ankündigung, sportlich weiterzumachen, habe ich so verstanden, dass sie auch eine juristische Klärung im Hauptverfahren haben möchte. Hätte sie die Karriere beendet, wäre das rechtliche Interesse ihrer Klage nicht mehr so leicht zu begründen.

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