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Was vom Tage übrig bleibt (19): “Korrupter gehts nicht mehr”

Der vom flotten Fifa-Präsidenten im Oktober verursachte Verkehrsunfall und das milde Strafmaß lösen in der Schweiz “Empörung aus”, schreibt der Zürcher Tagesanzeiger. “Korrupter gehts nicht mehr”, heißt es da. Hoppala. In der Kritik steht vor allem Matthias Wiedmer, der verantwortliche Untersuchungsrichter in Thun. Hochinteressant ist die Diskussion auf tagesanzeiger.ch, dieses Zitat ist noch harmlos:

Blatter ist mit seinen 73 Jahren ein alter Mann welcher nach so einem Unfall ärztlich Untersucht werden müsste. Aber er darf telefonieren, eine doppelte Sicherheitslinie überfahren und Menschenleben gefährden ohne das es einen Richter stört. Aber Hallo – wo leben wir? Würde ein 30 jähriger mit einem 525PS-Geschoss einen solchen Unfall bauen, würde er als Raser abgestempelt und hart bestraft werden.

Neulich habe ich es in der Kommentarspalte bereits verlinkt, auch der Blick beschäftigt sich mit dem Thema: “Blatter-Unfall: Dieses Urteil ist unmöglich”. Dort heißt es u. a.:

Sepp Blatter (74) baut einen Frontalcrash – und findet einen erstaunlich milden Richter. Warum muss der Fifa-Boss nur 600 Franken Busse zahlen? Experte Marco Unternährer kann das nicht verstehen. (…) Bloss 600 Franken Busse wegen Verletzung der Verkehrsregeln, zuzüglich einer bescheidenen Schreibgebühr von 250 Franken. Lächerlich wenig für einen Mann, der pro Jahr 1 Million Franken Aufwandsentschädigung kassiert.

Da ist etwas faul, glauben Experten. «Das Urteil ist fragwürdig, gar unmöglich», sagt Strassenverkehrsgesetz-Experte und Opferanwalt Marco Unternährer. «Eine Busse ist immer abhängig vom Einkommen. Sie muss weh tun.»

Bei Sepp Blatters Verdienst hätte sie mehrere Tausend Franken betragen müssen. «600 Franken Busse wären vielleicht angemessen für einen Unfallverursacher mit einem Jahresgehalt von 80´000 Franken. Nicht aber für Blatter.» Unternährer: «Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Richter das Urteil begründet. Ein anderer Lenker hätte eine bedingte Freiheitsstrafe riskiert.»

Der Weltfussballverband Fifa hüllt sich in Schweigen. Das milde Urteil, das die «SonntagsZeitung» gestern publik machte, will Medienchef Nicolas Maingot nicht kommentieren. «Ich kenne den Fall nicht.»

Da hat er nicht gut aufgepasst …

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  1. [...] für Joseph Blatter, in den schmutzigen Wahlkämpfen 1998 und 2002, als es nötig war, um den rüstigen Rentner auf den Fifa-Thron zu hieven bzw. darauf zu belassen. Danach hat Bin Hammam mir gesagt (Video), [...]

  2. [...] sich für den Fifa-Präsidenten einsetzen, der nach einem Unfall zunächst mit einer Geldstrafe davonkam und nun doch für einen Monat den Führerschein das Billett/das Permis abgeben muss. So hatte [...]

5 kommentare zu Was vom Tage übrig bleibt (19): “Korrupter gehts nicht mehr”

  1. Sebastian am 15. Februar 2009 um 15:02 (#)

    Gibt es in der Schweiz eigentlich kein Punktesystem? Das muss doch einfach Punkte geben und vor allen Dingen in dem Alter den Führerscheinentzug fast schon bedingen.

    Tut mir leid, dass das so krass klingt, aber jeder Rotlichtverstoß wird durch einen fast schon an Automatismus grenzenden Vorgang mit 3 Punkten und Geldstrafe geahndet, egal ob jemand gefährdet wurde oder nicht (selbst mitten in der Nacht um 4 Uhr oder so) und Herr Blatter hat einen Frontalcrash im Überholverbot und bekommt gar nix? Ich verstehe sowas einfach nicht.

  2. kleinkram am 15. Februar 2009 um 21:59 (#)

    Wahrscheinlich sind die Gesetze wie ein Spinnennetz.Es faengt die kleinen Insekten,aber die grossen Tiere dringen sehr einfach durch.

  3. Gua am 15. Februar 2009 um 22:19 (#)

    Schöner, leider zutreffender Vergleich. :)

  4. Linksaussen am 16. Februar 2009 um 15:12 (#)

    “Korrupter gehts nicht mehr? ist nun keine überaus originelle Überschrift im Zusammenhang mit der Fifa.

  5. Pecas am 16. Februar 2009 um 16:57 (#)

    “Bünzlitum und Vetterliwirtschaft”, lauten die (allermeisten) wütenden Online-Kommentare im ‘Zürcher Tagesspiegel’ zu dem Urteil/Strafmaß (wobei “Bünzlitum” mit “Spießerverschwörung” zu übersetzen wäre, wenn ich nicht irre).
    Da sieht man es mal wieder, was sich die Leute heutzutage mit dem anonymen Internet gegenüber den Respektspersonen auf einmal alles herausnehmen – direkt proportional zu den Bußgeldern, mit denen die Schweizer die Normalbürger bei den kleinsten Verfehlungen im Straßenverkehr ausnehmen.
    *keckernd ab*

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