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Sepp, mitten in Afrika

(Achtung, gua: Am Ende dieses Beitrags ist ein Voting-Tool eingebaut. Die Abstimmung ist diesmal nur 24 Stunden möglich.)

Wo treibt sich eigentlich der Friedensnobelpreisanwärter herum? Der Fifa-Präsident war gerade in Nigeria auf dem Kongress der Confédération Africaine de Football (Caf). In Afrika liegen die sportpolitischen Wurzeln des Joseph Blatter. Dort hat er seit 1975, als er als Direktor für Entwicklungsprogramme bei der Fifa begann (und damals zeitweise von Adidas, der Firma seines Kumpels und ISL-Gründers Horst Dassler, bezahlt wurde), stets nur das Beste bewirkt. Er hat zum Beispiel jene Stimmen generiert, die ihn 1998 in Paris nach legendären Wahlnächten im Meridien Montparnasse Hotel zum Fifa-Präsidenten aufsteigen ließen.

(Nachtrag, 19.39 Uhr, fast hätte ich’s vergessen, dass Afrika wichtig ist, haben inzwischen sogar die Engländer begriffen, und das will was heißen: “CAF signs Memorandum Of Co-Operation with English FA”.)

In dieser Woche hat Sepp also Issa Hayatou (Kamerun) die Aufwartung gemacht, mit dem er seit 2002, als Hayatou sich erdreistete, gegen ihn um die Fifa-Präsidentschaft zu streiten, noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Doch Sepp lässt Hayatou derzeit gewähren. Schließlich finden demnächst drei Weltmeisterschaften in Afrika statt: die u20-WM in Ägypten, die von Jack the Ripper professionell beaufsichtigte u17-WM in Nigeria (tatsächlich?) und im kommenden Jahr der World Cup in Südafrika. Schwierig genug. Da gibt Sepp ausnahmsweise Ruhe.

Blatters Versuch, geschickt getarnt, Hayatou auf afrikanischem Boden zu stürzen, war zuletzt 2004 in Tunis grandios gescheitert. Es war sicher keine Meisterleistung von Blatters sonst so wirksamen Special Agent Jérôme Champagne, damals stellvertretender Generalsekretär und inzwischen Fifa-Direktor für Internationale Bezeihungen. Sepps Vasallen boten den damaligen Fifa-Vorständler Ismail Bhamjee (Botswana) als Herausforderer auf, das war zu wenig. Die Abstimmung …

… gewann Hayatou im Abou Nawas Hotel lässig mit 46:6. Sepp ließ sich den Ärger nicht anmerken …

(von links: Hayatou, Bhamjee, Sepp)

Es war Ismail Bhamjees letzte große Tat als Fifa-Funktionär. Er hat es vergeigt. Man könnte sagen: Er wurde danach nicht mehr gebraucht. Weil er zwei Jahre später (für Anwälte: Achtung, Ironie) im Gegensatz zum Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner und dessen Familie nur mit einem Dutzend WM-Tickets dealte und damit keine Millionen umsetzte, musste er die Fifa verlassen. Man könnte sagen (für Anwälte: Achtung, Ironie), Bhamjee bewies mangelnde Eignung durch bescheidenes Geschäftsgebaren.

Bhamjee wurde geopfert und bemerkte danach völlig zurecht:

“Ich bin ein Trottel!”

Jack the Ripper würde so etwas nie sagen, der prahlt sogar damit, dass er die 35 Stimmen seiner Konföderation Concacaf immer geschlossen an Blatter übergibt.

Und wenn ich schon mal beim Olle-Kamellen-Erzählen bin, flink noch eine Abstimmung. Damals in Tunis habe ich (s. o.) ja ein paar Bilder geknipst, auch dieses hier:

Was sehen wir? Jemanden, der bei der Auszählung der Stimmen von Hayatou und Bhamjee mitzählt. Bloß: Welch ehrliche Haut aus der Fifa-Familie führt diese Strichliste?

Wer zählt hier die Stimmen?

  • Jean-Marie Weber (54.3%, 44 Votes)
  • weiß nicht (17.3%, 14 Votes)
  • Jack Warner (11.1%, 9 Votes)
  • João Havelange (9.9%, 8 Votes)
  • Sepp Blatter (7.4%, 6 Votes)

Total Voters: 81

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  1. [...] Wer zählt hier fleißig die Stimmen bei der Wahl zum afrikanischen Fußballpräsidenten, wollte ich gestern Abend wissen. [...]

  2. [T] Oliver Fritsch, 16.02.2009

    Fußballpolitik: Ein Friedensnobelpreisträgeranwärter auf Besuch in Afrika http://jensweinreich.de/?p=2898

8 kommentare zu Sepp, mitten in Afrika

  1. Gua am 13. Februar 2009 um 19:47 (#)

    Haha, das ist ja fast wie beim Adventsbilderrätsel vom Niggemeier und Co, also eigentlich genau so nur mit Antwortmöglichkeiten. :D

  2. Hallenstein am 13. Februar 2009 um 20:12 (#)

    UNd ist mal jemanden aufgefallen, dass an dem Bild herumgedoktert (sprich: fehlerhafter Gebrauch von Photoshop) wurde? Der Herr Blatter hat nämlich irgendwie keine rechte Hand. Gibt es Informationen, die uns Herr Weinreich verschweigt? ;-)

  3. Pecas am 14. Februar 2009 um 09:10 (#)

    “(…) ehrliche Haut bei der FIFA (…)”

    Der war nicht schlecht.

  4. Gua am 14. Februar 2009 um 09:57 (#)

    Pleonasmen sind meistens toll. :)

  5. Pecas am 14. Februar 2009 um 10:09 (#)

    Finde ich auch; sie bringen den feinen Unterschied zu Oxymoronen. :o)

  6. Pecas am 14. Februar 2009 um 10:40 (#)

    @ Hallenstein: Geheimprogramm ‘Photoshop for FIFA (c)’; das konnte noch niemand wissen, es wurde bislang noch nicht enthüllt. Es funktioniert bereits bei der Aufnahme und schiesst den FIFA-Kuckuck automatisch gleich an die symbolträchtigste Stelle des Bildes, sodass verdächtige Nachbearbeitungen entfallen können.

  7. Linksaussen am 14. Februar 2009 um 16:29 (#)

    ich tippe auf weber. für blatter ist die uhr nicht protzig genug, von warner mal ganz zu schweigen.

  8. Linksaussen am 14. Februar 2009 um 16:37 (#)

    beim recherchieren suchte ich gerade nach blatter-bildern (bereits rausgefunden: er trägt die uhr links, käme also hin. man sieht aber nur seine rechte hand auf fotos, die irgendwelche wm-ausrichter-kärtchen hochhält.) und fand heraus, daß fifa.de nicht etwa auf fifa.com/de oder so weiterleitet, sondern die adresse des bundesverbands der finanzdienstleister ist. der seinen sitz gerade nach gran canaria verlegt hat. es ist ein hartes brot, aber ich verkneife mir jeden kommentar dazu.

    jedenfalls, mein bisheriges lieblingsfoto von blatter:
    http://olymwandishi.files.wordpress.com/2006/11/blatter-cant-kick.jpg

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