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Vom Umgang mit Dopingproben

veröffentlicht: 13. Oktober 2008, 18:27 - zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2008, 21:34 - 18 kommentare 

Ich habe ein paar Emails bekommen, in denen ich gefragt werde, wie ich das denn gemeint habe, mit den Dopingproben, die seit mindestens sieben Wochen (einige seit mehr als zehn Wochen, wenn ich die Olympic Period berechne) in Peking lagern und jetzt doch irgendwie-irgendwo-irgendwann nach Lausanne geschafft werden sollen. (Laut IOC-Boss Rogge sind sie bereits da. Aber wer weiß, wer glaubt das schon.) Alles nur, weil ich heute morgen gefragt habe, ob man den Chinesen trauen kann. Natürlich kommt es mir  spanisch chinesisch vor, wenn IOC-Vertreter wie Medizindirektor Schamasch erst lügen behaupten, das Zeug würde in Windeseile ausgeflogen. Die Proben sind wunderbares sportpolitisches Druckmittel in der Hand der falschen Leute. Zumal in dieser Situation mit all den Versäumnissen, und propagandistischen Manövern. Es fehlt halt an Transparenz. So lief das schon immer im olympischen Sport, was ich gleich an einigen Beispielen zeigen werde. Sage nur niemand, es handele sich um olle Kamellen, nur weil die Geschichten aus den 1980er Jahren sind. Einige Personen, die erwähnt werden, sind noch in Amt und Würden. Und: So wie die Ostdeutschen, deren Chef-Doping-Spitzel Manfred Höppner alias “IM Technik” das alles für die Stasi notiert hat, haben das auch andere gemacht.

Also, ein paar Beispiele aus dem reichen Fundus des IM Technik.

Beispiel 1 – Turn-WM in Moskau: Ein DDR-Turner wird erwischt. Die Russen melden es dem Turn-Weltverband FIG, deren Präsident passender Weise der Russe Juri Titow war, allerdings nicht. Der sowjetische Sportchef Marat Gramow klärt das mit dem DDR-Sportchef Manfred Ewald unter vier Augen – und schon haben die Russen die ostdeutschen Waffenbrüder “in der Hand”, wie der IM notiert.

Beispiel 2 – Gewichtheberturnier in Meißen: Wie so oft (meistens) bei Großereignissen in der DDR/im Ostblock wurde vorher geklärt, was mit den Proben passiert. Mehr muss ich dazu nicht sagen, das Dokument erklärt sich selbst.

Beispiel 3 – WM im Gewichtheben: Hier geht es um die WM 1979 in Saloniki. Aus vier positiven Proben wurden null positive Proben. Verantwortlich laut IM Technik, der auch den medizinischen Kommissionen von Weltverbänden (Leichtathletik, Gewichtheben) angehörte, war Tamas Ajan, damals Generalsekretär der International Weightlifting Federation (IWF). Der Ungar Ajan ist seit dem Jahr 2000 IWF-Präsident und längst auch IOC-Mitglied.

Beispiel 4 – Gewichtheberturnier in Meißen: Auch diesmal war beim “Pokal der blauen Schwerter” im Einflussbereich des heutigen IOC-Mitglieds alles gerichtet. Der dumme Zwischenfall mit dem kanadischen Zoll, der in dem Stasi-Bericht erwähnt wird, betraf übrigens den zweimaligen Olympiasieger Alexander Kurlowitsch aus Weißrussland, den Mehrfach-Doper – heute Mitglied des technischen Komitees der IWF. Kurlowitsch antwortete damals auf die Frage der Zöllner, warum er einen Koffer Anabolika mit sich schleppe: “Anabolika, was ist das?” Das mächtige Lockenköpfchen sagte: “Das sind Haarwuchsmittel.” Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

So lief das im Weltsport. So läuft das in Teilen immer noch. Warum sollte ich also den Chinesen trauen? Und dem IOC, das die Dopingproben rund zwei Monate in Peking lässt, obwohl anderes gelogen behauptet wurde?

Quellennachweis: Die Dokumente habe ich aus dem Recherchebericht “MfS und Leistungssport” der BStU von 1994 entnommen.

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18 kommentare zu “Vom Umgang mit Dopingproben”

    1. Kli am 13. Oktober 2008 - 22:56 -

      … “ein Essen durchführen”! Großartig. Diese Beamtensprache kann amn nicht erfinden!

    2. Ricci am 14. Oktober 2008 - 10:21 -

      Vom Umgang mit Dopingproben in der wiedervereinigten BRD – Die beiden deutschen, von der WADA akkreditierten, Dopinglabore in Köln und in Kreischa: was ist ihre Rolle? In wie weit kann man Ihnen trauen? Was wissen eigentlich Herr Schänzer, der ja immerhin auch Mitglied des ehrenwerten Arbeitskreis Dopingfreier Sport siehe war und Herr Professor Müller?

    3. enrasen am 14. Oktober 2008 - 10:58 -

      Ich find den Satz viel besser:

      “Die erneute Erringung des 2. Platzes [natürlich hinter der SU] ist nach realer Einschätzung nicht möglich und es wäre nicht zu verantworten, einen Politbüro-Beschluß nicht zu realisieren”.

    4. Ralf am 9. Januar 2009 - 14:42 -

      Stern: Die dunkle Seite von Oberhof, Teil 1, Teil 2

    5. Ralf am 13. Januar 2009 - 15:42 -
    6. Jens Weinreich am 13. Januar 2009 - 15:48 -

      Ralf, ich bin nicht immer damit einverstanden, wo Du Deine Fundstücke präsentierst :) Also, manchmal lässt sich über den Blogeintrag streiten. Aber hier, dieses Beispiel: wunderbar. Da passt es hin!

    7. Ralf am 13. Januar 2009 - 16:17 -

      Ich war gerade in diesem Fall eher skeptisch, aber ok! Du darfst übrigens meine Einträge gerne verschieben, falls sie Dir an anderer Stelle vielleicht mal besser gefallen. Du hast sicher den besseren Überblick über alle Deine Blogeinträge!

      Interessant finde ich übrigens den Mörder-Vergleich. Daß der eine 25 Jahre im Knast gesessen hat, während der andere seit 20 Jahren jegliche Verwicklung ableugnet, scheint wohl keine Rolle zu spielen…

    8. Ralf am 13. Januar 2009 - 19:14 -

      FAZ-Kommentar: Versagt

    9. Werner Goldmann oder: wenn die Stimmbänder lähmen : jens weinreich am 13. Januar 2009 - 20:49 -

      [...] Ich bin schockiert. Da melden sich Sportler schon mal zu Wort, was ich immer gefordert habe, dann kommt so etwas dabei heraus. Im Detail will ich das aber nicht kommentieren. Vielleicht später mal, dann gern auch mit einigen weiteren Dokumenten. [...]

    10. Helmut Digel: “Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen” : jens weinreich am 22. Januar 2009 - 15:40 -

      [...] verletzt, zu dem das Verbot des Dopingbetrugs und der Leistungsmani­pulation grundlegend gehören. Internationale Wettkämpfe wurden auf diese Weise zu einer Farce. Zu Rechtfühlen sich alle Konkurrenten, die in sauberer Weise ihren Hochleistungssport betrieben [...]

    11. Ralf am 27. Januar 2009 - 11:25 -

      MZ: Ausstellung zu Sport in der DDR vorzeitig abgebrochen

      Die eigentlich bis zum Februar geplante Ausstellung über das Sportforum Berlin-Hohenschönhausen mit dem Brennpunkt Doping in der DDR ist vorzeitig abgebrochen worden. Historiker Hans-Michael Schulze, der die Show gestaltet hatte, befürchtet, dass die Inhalte Grund für die Absetzung waren.

    12. Gerhard Treutlein: “Wer die Vergangenheit verdrängt …” : jens weinreich am 4. Februar 2009 - 14:34 -

      [...] kaum beachtet, denn “Einzeltäter” wie der DLV-Präsident Helmut Meyer hatten das DDR-Know-How spätestens seit Anfang 1990 an Land gezogen in Form von Referenten bei Lehrgängen und der [...]

    13. Vor 25 Jahren: Uwe Hohn & Co. & grünes Licht für Dopingmittel : jens weinreich am 20. Juli 2009 - 15:52 -

      [...] der sozialistischen Länder, soweit diese nicht mit NSW-Beteiligung erfolgen, keine Dopingkontrollen durchgeführt werden. [...]

    14. Dopingkontrollen bei deutschen Schwimmern : jens weinreich am 31. Juli 2009 - 14:26 -

      [...] – schon gar nicht, wenn man nicht zielgerichtet darauf kontrolliert. Und schließlich: Wir wissen aus der DDR, aus den USA (auch schon spätestens 1983 Ausreisetests), aus dem Radsport, also nicht erst seit [...]

    15. Ralf am 2. Dezember 2009 - 12:28 -

      CP: Rebagliati’s book says drug test an attempt to keep snowboarding out of Games

      “When I tested positive for marijuana during those pre-Games doping controls, the FIS said nothing so that, should I win at the Olympics, the IOC could seize the opportunity to show snowboarders what would happen if we didn’t straighten up”

    16. Ralf am 8. Januar 2010 - 16:11 -

      Straits Times: Bodybuilder ‘bribed’ officials

      A gold-medal winning bodybuilder at the Doha Asian Games bribed his way into the event after being suspended from competition for failing a drugs test, a Hong Kong court heard on Friday.

    17. Ralf am 15. Januar 2010 - 10:24 -

      cn: Suspect samples destroyed in Guatemala

      According to Guatemalan daily Siglo XXI, the driver of the DHL van, Julio Eduardo López, was attacked by unknown assailants who destroyed samples taken by the Guatemalan Olympic Committee (COG) and being sent for testing in Canada. The report made to police also alleges that prior to the attack the two riders had gone to the DHL office looking for the samples.

    18. Ralf am 19. Januar 2010 - 09:53 -

      Vorgeschichte zum “Kriminalfall” in Guatemala:

      velonation.com: Questionable positive of Vuelta a Guatemala winner

      Velásquez was tested ten times in the 12-stage race and all samples were negative, except the one from the next to last day, on October 31.

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